Broker-Software zwischen Content-Lieferanten und Open-Access-Repositorien - B.I.T.online

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Broker-Software zwischen Content-Lieferanten und Open-Access-Repositorien - B.I.T.online
Hübbers | Steinberg | Gebert | Jakowatz                                                                                               FACHBEITRÄGE                          405

Document Deposit Assistant (DDA)
Broker-Software zwischen Content-Lieferanten
und Open-Access-Repositorien
Gerrit Hübbers, Jan Steinberg, Agathe Gebert und Stefan Jakowatz
Hübbers | Steinberg | Gebert | Jakowatz

1. Open-Access-Content-Akquise der
                                                                                Fehlende bzw. ungenügend konfigurierte Schnittstellen, mangelnde Interoperabilität
   Repositorien: Das Problem mangelnder
                                                                                zwischen Systemen sowie Formatvielfalt erschweren einen strukturierten Import
   Interoperabilität und heterogener
                                                                                von Publikationsdaten in Repositorien. Der DDA löst diese Problematik, indem
   Formate – ein Lösungsansatz                                                  er als eigenständige Webanwendung zwischen Content-Providern und Ziel-
❱ Die Anforderungen an Forschungs- und Infrastruk-                              Repositorien vermittelt. Seine Datenverarbeitungs-Pipeline bezieht Daten aus
tureinrichtungen wachsen mit der zunehmenden                                    Quellsystemen oder per manuellem Dateiupload, transformiert diese Daten
Verfügbarmachung wissenschaftlicher Publikationen                               entsprechend der Konventionen des Repositoriums und spielt sie dort ein. Zwar
                                                                                löst der DDA damit nicht die langfristig notwendige Standardisierung von Formaten,
im Open Access ganz erheblich. Diesen neuen Anfor-
                                                                                aber er stellt kurz- bis mittelfristig eine große Erleichterung beim Import großer
derungen haben sich Infrastruktureinrichtungen wie
                                                                                Datenmengen in Repositorien dar und leistet der Open-Access-Verfügbarkeit von
GESIS1-Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften früh                           Forschungspublikationen Vorschub. Der Einsatz dieser Softwareapplikation ist in
gestellt und bieten mit disziplinären Open-Access-                              unterschiedlichen Kontexten denkbar. Dementsprechend ist eine Weiterentwicklung
Repositorien wie dem Social Science Open Access                                 des DDA mit unterschiedlichen Partnern avisiert.
Repository (SSOAR)2 geeignete Systeme zur (Selbst-)
                                                                                Missing or insufficiently configured interfaces, lacking interoperability between
Archivierung von Volltexten an. Im Rahmen der Ak-                               systems, as well as format variety complicate a structured import of publication data
quise arbeitet SSOAR mit unterschiedlichen Content-                             into repositories. DDA provides a solution to these problems by acting as a stand-
Providern aus der Community, insbesondere mit klei-                             alone web application between content providers and target repositories. DDA’s data
nen und mittelständischen Verlagen, Forschungsein-                              processing pipeline collects data from source systems or via manual file upload,
richtungen und redaktionellen Herausgebern zusam-                               transforms this data according to the target repository’s conventions, and uploads
                                                                                it into the repository. Even though DDA does not provide a solution to the format
men.3 Der Vorteil dieser Zusammenarbeit besteht
                                                                                standardization required in the long term, it nevertheless significantly eases large
darin, dass auf diesem Wege nicht nur Einzelexemp-
                                                                                data imports into repositories in the short and medium term and thereby accelerates
lare, sondern im besten Fall vollständige Reihen- und                           open access availability of research publications. As this software is also useful in
Zeitschriftenjahrgänge bereitgestellt werden können.                            different contexts, DDA’s ongoing development is planned with further partners.
Die Nachfrage von Periodika, zur Erhöhung ihrer
Sichtbarkeit in Repositorien nachgewiesen zu wer-
den, steigt in den letzten Jahren kontinuierlich. Dar-                          schungsliteratur im freien Zugriff zur Verfügung stel-
über hinaus wurden vor dem Hintergrund des 2014                                 len. Der Vorteil dieser strategischen Kooperationen
in Kraft getretenen Zweitveröffentlichungsrechts                                wird jedoch erheblich in Frage gestellt, wenn sich in
(ZVR) Vereinbarungen mit Bibliotheken zahlreicher                               der Praxis die strukturierte Integration von Metada-
sozialwissenschaftlicher Einrichtungen dahingehend                              ten und Volltexten in großen Mengen in die jeweili-
getroffen, dass sie die nach §38, 4 UrhG4 zweitver-                             gen Nachweissysteme und Repositorien oftmals als
öffentlichungsfähigen Publikationen ihrer Mitarbei-                             undurchführbares Unterfangen darstellt.
tenden sammeln und en gros nach SSOAR abliefern.                                Im Mittelpunkt gegenwärtiger Herausforderungen
Über diese Vereinbarungen können Fachrepositorien                               stehen die mangelnde Interoperabilität von Daten-
ihren Communities zusätzlich zu den umfassenden                                 banken und die unzureichende Kompatibilität von
Zeitschriftenbeständen zunehmend neueste For-                                   Metadatenformaten bei der Akquise und Verarbei-
                                                                                tung von digitalen Volltexten und Metadaten zur Über-
                                                                                nahme in vorhandene Nachweissysteme. Grund dafür
1   https://www.gesis.org/home/
2   https://www.gesis.org/ssoar/home/
                                                                                sind wesentliche Hindernisse beim Datenexport bzw.
3   Vgl. Bambey, Doris/Gebert, Agathe: Open-Access-Kooperationen mit Ver-       -import zwischen Content-Providern einerseits und
    lagen – Zwischenbilanz eines Experiments im Bereich der Erziehungswis-      akquirierenden Open-Access-Repositorien anderer-
    senschaft. b.i.t.online 13 (2010) 4 386-390. https://www.b-i-t-online.de/
    heft/2010-04-schwerpunkt4.pdf                                               seits. Fehlende bzw. nicht ausreichend konfigurierte
4   https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/38.html                             Schnittstellen, die mangelnde Interoperabilität der

www.b-i-t-online.de                                                                                                                     21 (2018) Nr. 5                        online
                                                                                                                                                          Bibliothek. Information. Technologie.
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                                                Systeme, die Formatvielfalt sowie mangelnde tech-                       angesichts der zu verarbeitenden Datenmengen und
                                                nische Expertise zum Aufsetzen und Betreiben einer                      vor dem Hintergrund eines effektiven Ressourcenma-
                                                harvestbaren Infrastruktur unter den Content-Provi-                     nagements nicht zielführend bewältigen.
                                                dern erschweren einen strukturierten Ex- und Import                     Für die Anforderung, große Mengen an Metadaten
                                                der Daten. In der Konsequenz erfolgt das Übertragen                     und Volltexten in handhabbaren Formaten zur Verfü-
                                                von Metadaten und Volltexten auf einer der beiden                       gung zu haben, um sie über – idealerweise einheit-
                                                Seiten manuell – also mit kaum vertretbarem, hohem                      liche – Web-Schnittstellen in die Informationsinfra-
                                                personellen und zeitlichen Aufwand.                                     strukturen und Repositorien zu importieren, stehen
                                                Ein Lösungsansatz zur Bewältigung der genannten                         seit langem Standard-Protokolle wie bspw. OAI-PMH7,
                                                Herausforderungen besteht darin, eine Infrastruktur                     OAI-ORE8 oder auch das SWORD-Protokoll9 und REST-
                                                zu etablieren, die zwischen Content-Providern und                       Schnittstellen10 zur Verfügung. Diese sind auch in
                                                Repositorien geschaltet ist und eine Art Broker-Funk-                   den gängigen OA-Repositorium-Softwarepaketen
                                                tion5 einnimmt, bei der die verschiedenen Datenfor-                     DSpace11, Fedora12, EPrints13 etc. enthalten. Die Ana-
                                                mate vereinheitlicht und große Mengen an Metadaten                      lyse des Open Access Census aus dem Jahr 201414
                                                über funktionierende Schnittstellen in Open-Access-                     zeigt allerdings, dass allein das Vorhandensein der
                                                Repositorien importiert werden können.                                  entsprechenden Schnittstellen noch nichts über die
                                                                                                                        Qualität der übertragenen Metadaten aussagt. Der
                                                                                                                        breit angelegten Analyse der deutschen Repositori-
                                                                                                                        umslandschaft15 zufolge sind bei vielen Repositorien
                                                                                                                        zwar entsprechende Schnittstellen vorhanden, diese
                                                                                                                        sind jedoch zumeist schlecht bis gar nicht konfigu-
                                                                                                                        riert. In vielen Fällen führt eine fehlende Unterstüt-
                                                                                                                        zung von Protokollen wie OAI-ORE oder SWORD sowie
                                                                                                                        fehlende Compliance mit Metadaten-Qualitätsrichtli-
                                                                                                                        nien und -Standards wie den Empfehlungen der DINI
Abbildung 1: Konzeptionelle Übersicht des Brokers DDA zwischen Content-                                                 (siehe DINI-Validator16), den DRIVER-Guidelines17
Providern und Ziel-Repositorium                                                                                         oder den Richtlinien von OpenAIRE18 zur Abwertung.19
                                                                                                                        Vergleicht man die Situation der Repositoriums-Be-
                                                Im Rahmen des von der DFG geförderten Projekts Do-                      treiber mit der Situation der Content-Provider (kleine
                                                cument Deposit Assistant (DDA)6 hat GESIS im Jahr                       und mittelständische Verlage, Forschungseinheiten,
                                                2015 mit dem Aufbau einer solchen Infrastruktur be-                     Herausgeber von Zeitschriften und Institutsreihen
                                                gonnen. Im Kontext der erfolgreichen Umsetzung des                      u.a.), so ist der Sachverhalt noch komplexer und
                                                Projekts unterstützt der DDA seit 2016 den Datenim-                     technisch unausgereifter. Möchte ein Fachreposito-
                                                port nach SSOAR.                                                        rium wie SSOAR bereits strukturiert vorgehaltenen
                                                Dieser Beitrag zeichnet die Entwicklung des DDA von
                                                der Konzeption bis hin zu seiner Inbetriebnahme nach                    7   http://www.openarchives.org/pmh
                                                und benennt seine wesentlichen Funktionalitäten.                        8   http://openarchives.org/ore

                                                Die Schwerpunkte liegen dabei auf der Darstellung                       9   http://swordapp.org/about
                                                                                                                        10 Beispielsweise ermöglicht DSpaces webbasierte REST-Schnittstelle, den Da-
                                                des Softwareentwicklungsprozesses im Rahmen ei-                            tenbestand des Repositoriums programmatisch abzufragen und zu verändern.
                                                nes agilen Projektmanagements im SSOAR-Team bei                            https://wiki.duraspace.org/display/DSDOC6x/REST+API

                                                GESIS sowie auf einer kritischen Einschätzung des                       11 https://duraspace.org/dspace/
                                                                                                                        12 https://duraspace.org/fedora/
                                                Tools im Rahmen der Bestandserweiterung von Re-
                                                                                                                        13 http://www.eprints.org/uk/
                                                positorien.
                                                                                                                        14 Vierkant, Paul/Kindling, Maxi: Open-Access-Repositorien in den deutschen
                                                                                                                           Bundesländern. Census on Open Access Repositories in Germany, Austria
                                                2. Konzeption eines Brokers zwischen                                      and Switzerland 2014. http://dx.doi.org/10.5281/zenodo.11608

                                                   Content-Providern und Repositorium                                   15 http://repositoryranking.org
                                                                                                                        16 http://oanet.cms.hu-berlin.de/validator/pages/validation_dini.xhtml
                                                Die allgegenwärtige Praxis des Hochladens von Einzel-                   17 https://wiki.surfnet.nl/display/standards/DRIVER+use+of+OAI-PMH
                                                publikationen in ein Repositorium – sei es durch zu-                    18 https://www.openaire.eu/guides/
                                                liefernde Einrichtungen oder durch die Mitarbeiterin-                   19 Dies zeigt sich auch in den konkreten Zahlen des OA-Census: 99% der Repo-
                                                nen und Mitarbeiter eines Repositoriums – lässt sich                       sitorien unterstützen Simple Dublin Core, allerdings nur 4% Qualified Dublin
                                                                                                                           Core. Andere Formate wie METS oder RDF werden ebenfalls nur von geringen
                                                                                                                           13% bzw. 7% unterstützt. Ein Harvesting von Simple Dublin Core erlaubt es
                                                5   Vgl. das Broker-Pattern: http://msdn.microsoft.com/en-us/library/      aber nur, ein Minimal-Set an Metadaten zu übernehmen, da die Ausdruckskraft
                                                    ff648096.aspx                                                          von Simple Dublin Core nicht ausreicht, um bspw. eine laufende Heftnummer
                                                6   https://www.gesis.org/ssoar/home/kooperieren-mit-ssoar/projekte/       oder ein Publikationsdatum eindeutig zu codieren.

                     online
Bibliothek. Information. Technologie.
                                        21 (2018) Nr. 5                                                                                                                      www.b-i-t-online.de
Broker-Software zwischen Content-Lieferanten und Open-Access-Repositorien - B.I.T.online
Hübbers | Steinberg | Gebert | Jakowatz                                                                                  FACHBEITRÄGE                           407

Content nachnutzen, so findet sich dieser vorrangig in an-
deren Repositorien wie bspw. OAPEN20, in institutionellen
Repositorien und Systemen wie Bibsonomy21 oder dem Da-
                                                                                             Die Boxen für Ihre Tonies
tenshop der Deutschen Nationalbibliothek (DNB)22. Diese
werden insbesondere durch kleinere Forschungseinheiten
wie bspw. universitäre Sonderforschungsbereiche, das Na-                                                                     NEU
tionale Bildungspanel (NEPS)23 oder das Centrum für Hoch-                                                                  Maxi-Box
schulentwicklung (CHE)24 zur Archivierung genutzt.
Während OAPEN die Formate ONIX-XML, MARCXML, CSV
sowie ein für den Import in Excel optimiertes XML ausge-
ben kann, speichert bspw. Bibsonomy die Publikationsdaten
im BibTex-Format, die jedoch auch in den Formaten HTML,
EndNote u.v.a.m. ausgeben werden können. Der Datenshop
der DNB kann wiederum die Formate MARC21, MARC21-
XML und RDF/XML ausliefern.
Anfragen zur Aufnahme ins Repositorium kommen zudem
verstärkt von Verlagen und Redaktionen, die ihre Zeitschrif-
ten mit dem Publikations- und Verwaltungssystem Open
Journal System (OJS)25 im Netz veröffentlichen, das über
eine Web-Schnittstelle für den Datenaustausch verfügt.26
Der überwiegende Teil der potentiellen Content-Provider hat
seine Daten jedoch bestenfalls in Bibliotheks- und Katalog-
systemen oder selbst programmierten, nicht standardkon-
formen Datenbanken ohne Web-Schnittstellen vorliegen,
die die Metadaten lediglich als Datei-Exporte in Formaten
wie PICA, RIS, ISBD und Excel ausgeben können. In vielen
Fällen liegen die Daten und Volltexte (PDF) jedoch unstruk-                                  Tonies gut aufbewahren und ausleihen –
turiert auf den lokalen Systemen der Einrichtung vor.                                        mit diesen Boxen ein Kinderspiel!
Wie aufwändig, aber eben auch erfolgreich eine Infrastruk-
tur ist, die zwischen Content-Providern und die Repositorien                                 Ihre Vorteile:
geschaltet wird, hat vor Jahren das von der Europäischen
                                                                                             • Passend für Figuren und Beiheft
Union finanzierte Forschungsprojekt „Publishing and the
Ecology of European Research (PEER)“27 gezeigt. Die für                                      • Jetzt in zwei verschiedenen Größen erhältlich
dieses Projekt etablierte Infrastruktur sammelte Selbstar-                                   • Maxi-Box geeignet für Sortieranlagen
chivierungen und Verlagslieferungen der partizipierenden                                     • Transparent, stabil, fest schließend, stapelbar
Zeitschriften großer STM-Verlage zentral in einem Reposito-
                                                                                             • Preiswert und platzsparend
rium, dem „PEER Depot“. Nach erfolgter Aufbereitung und
Komplettierung der Metadaten wurde der Content entspre-
chend der mit dem Verlag vereinbarten Embargofrist und
                                                                                             Infos und Preise im NORIS-Shop:
mit einer DOI ausgestattet über eine SWORD-Schnittstelle
automatisiert an die jeweiligen nationalen Repositorien aus-
                                                                                             http://bit.ly/toniesaufbewahrung
geliefert.

20 http://www.oapen.org/home                                                                 Das NORIS-Team ist für Sie da!
21 https://www.bibsonomy.org                                                                 Telefon 0911 444454
22 https://portal.dnb.de/metadataShop.htm
23 https://www.neps-data.de/
                                                                                             info@noris-transportverpackung.de
24 http://www.che.de/cms/?getObject=5&getLang=de                                             www.noris-transportverpackung.de
25 http://www.ojs-de.net
26 https://pkp.sfu.ca/wiki/index.php?title=OJS_Documentation
27 Ziel des von 2008-2012 laufenden PEER-Projekts war die Beforschung einer umfassen-
   den Archivierung von zur Veröffentlichung akzeptierten peer-reviewed Autorenfassun-
   gen in Repositorien. Zwölf große STM-Verlage wie SAGE, Elsevier und Springer, 241
   Zeitschriften und 6 Repositorien – unter anderen auch SSOAR – waren in das Projekt
   eingebunden. Insgesamt wurden im Untersuchungszeitraum über 53.000 Manuskripte
   archiviert.

www.b-i-t-online.de                                                                                                        21 (2018) Nr. 5                        online
                                                                                                                                             Bibliothek. Information. Technologie.
Broker-Software zwischen Content-Lieferanten und Open-Access-Repositorien - B.I.T.online
408                              FACHBEITRÄGE                                                                                                           Hübbers | Steinberg | Gebert | Jakowatz

Abbildung 2:
Der agile Ent-
wicklungspro-
zess des DDA

                                                Die SWORD-Schnittstellen der Version 1 und 2 zeich-                                die spätere Nachnutzung sicherstellt. Der Entwick-
                                                nen sich durch einen hohen Grad an Standardisierung                                lungsprozess bedient sich an Konzepten des Scrum-
                                                aus.28 Trotz ihrer schwergewichtigen Spezifikation                                 Modells31 und ermöglicht so eine agile32 und feature-
                                                fehlen diesen Versionen jedoch Funktionen, die für                                 getriebene33 Entwicklung.
                                                den zweckmäßigen Import in ein Repositorium not-                                   Ein zentrales Element des Prozesses ist der intensive
                                                wendig sind. SWORD ermöglicht bspw. keine Dublet-                                  Austausch aller Projektbeteiligten, den sogenannten
                                                tenprüfung vor dem Import in ein Repositorium. Dem-                                Stakeholdern34. Dazu gehören sowohl alle Personen,
                                                gegenüber haben sich REST-Schnittstellen als leicht-                               die an der Weiterentwicklung des Produktes inter-
                                                gewichtige Best Practices für den Datenaustausch                                   essiert sind als auch der Projektmanager/Product
                                                zwischen Webdiensten etabliert.29 Vor diesem Hinter-                               Owner als Vertreter von Verlagen und Institutionen,
                                                grund wurde bei GESIS der DDA über eine erweiterte                                 Nutzer (bspw. Bibliothekare) und Nachnutzer der
                                                REST-Schnittstelle an das mit DSpace betriebene                                    Software (bspw. andere Repositorien) sowie die Soft-
                                                Repositorium SSOAR angebunden. In einer neuen                                      wareentwickler.
                                                Version 330 werden derzeit die skizzierten Mängel der                              Über ein GitLab-basiertes Issue-Board35 reichen die
                                                SWORD-Schnittstelle aufgegriffen und optimiert, so-                                Stakeholder ihre Anliegen (Issues)36 darüber ein, was
                                                dass eine zukünftige Anbindung des DDA auch über                                   die Software in einer zukünftigen Version leisten soll.
                                                SWORD zweckmäßig wird.                                                             Zu Beginn einer durchschnittlich zweiwöchigen Itera-
                                                                                                                                   tion wird diese Issue-To-Do-Liste (Backlog) im Rah-
                                                3. Der agile Entwicklungsprozess des DDA                                           men eines Teammeetings priorisiert und abgearbei-
                                                Zu Beginn der Entwicklung des DDA wurde ein prag-                                  tet. Durch die Formulierung von und die Fokussierung
                                                matischer Entwicklungsprozess definiert, um zeit-                                  auf möglichst konkrete Szenarien mit quantifizierba-
                                                nahe Umsetzungen von Anforderungen realisieren zu                                  ren Ergebnissen, bspw. dem Harvesting aller aktuell
                                                können. Für die kontinuierliche Optimierung dieser                                 verfügbaren Publikationen einer Datenquelle, wird
                                                Umsetzungen wurden iterative Schleifen und die Er-                                 der kostspieligen Entwicklung unnötiger Funktionen
                                                stellung einer ausführlichen Dokumentation etabliert,                              entgegengesteuert (YAGNI-Prinzip)37.
                                                                                                                                   Neue Software-Entwicklungen erfolgen in einem ei-
                                                28 Daher wird die SWORD-Schnittstelle auch immer wieder (bspw. von DINI)
                                                   empfohlen.                                                                      31 https://www.scrum.org/resources/what-is-scrum

                                                29 Vgl. Richardson, Leonard/Amundsen, Mike/Ruby, Sam: RESTful Web APIs,            32 https://de.wikipedia.org/wiki/Agile_Softwareentwicklung
                                                   Sebastopol 2013 und Webber, Jim/Parastidis, Savas/Robinson, Ian: REST           33 https://de.wikipedia.org/wiki/Feature_Driven_Development
                                                   in Practice: Hypermedia and Systems Architecture, Sebastopol 2012. REST-        34 http://agiles-projektmanagement.org/scrum-stakeholder/
                                                   Schnittstellen ermöglichen die wünschenswerte lose Kopplung verteilter Com-
                                                   putersysteme mit allgemein akzeptierter und bekannter Semantik. Zudem           35 https://git.gesis.org/dda/dda-wizard/boards
                                                   ist REST programmiersprachen-unabhängig. Aus diesen Eigenschaften ergibt        36 Issues sind neue Features, bspw. die Anbindung einer noch nicht erschlos-
                                                   sich Flexibilität und Unabhängigkeit bei der Entwicklung alternativer Client-      senen (Meta-)Datenschnittstelle oder Bugfixes, bspw. die Korrektur eines
                                                   und Server-Komponenten.                                                            fehlerhaften Datenquellen-Harvestings.
                                                30 http://swordapp.org/swordv3/                                                    37 https://de.wikipedia.org/wiki/YAGNI

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                                        21 (2018) Nr. 5                                                                                                                               www.b-i-t-online.de
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Hübbers | Steinberg | Gebert | Jakowatz                                                                                                           FACHBEITRÄGE                           409

 genen git-Issue-/Feature-Branch38. Automatische                                   hohe Zufriedenheit mit der agilen Arbeitsweise ein-
 Software-Tests (Unit- und Integrationstests) dienen                               stellt, ist die höhere Produktivität, welche ein Resul-
 als Sicherheitsnetz vor Software-Regressionen39.                                  tat der höheren Arbeitsqualität des Teams darstellt
 Beim Hochladen des aktuellen Stands der Entwick-                                  (bspw. durch Pair Programming, Code-Refactoring
 lung (git push) installiert eine Jenkins-Instanz40 diese                          und automatisierten Tests42). Hinzu kommt, dass
 Software-Version im Rahmen einer „Build Automa-                                   bestenfalls nur ein Issue pro Person aktiv bis zum
 tion mit Continuous Delivery“ automatisch auf einem                               Abschluss bearbeitet wird. So können die Entwickler
 dedizierten Staging-Server41. Stakeholder können                                  ihre zugewiesenen Aufgaben schneller und störungs-
 diese Software-Version nun testen und mitteilen, ob                               freier ohne Kontextwechsel und Multitasking-Verluste
 sie ihren Bedarfen entspricht oder nicht und Verbes-                              abarbeiten. Einerseits bieten diese Eigenschaften
 serungsvorschläge einbringen. Jede Iteration endet                                zeitnah motivierende Erfolgserlebnisse, andererseits
 mit einer Retrospektive, in der sich die Stakeholder                              aber auch eine frühzeitige Möglichkeit zur Beurteilung
 gegenseitig über ihre Erkenntnisse der vergangenen                                und Kurskorrektur.43
 Wochen austauschen und so voneinander über ihre
 Fachdomänen lernen. Direkt im Anschluss folgt die                                 4. Aufbau und Funktion des DDA
 Planung der nächsten Iteration.                                                   Als Startpunkt für die Entwicklung des DDA diente
 Ein Grund, weshalb sich bei den Stakeholdern eine                                 eine mit dem Scaffolding-Tool44 JHipster45 generierte
                                                                                   Quelltext-Basis. JHipster erzeugt Quelltexte, die sich
  38 https://en.wikipedia.org/wiki/Branching_(version_control)#Development_
     branch
  39 Code-Änderungen können Fehler in zuvor korrekt funktionierenden Software-     42 Vgl. dazu Mah, Michael/ Lunt, Mike: How agile projects measure up, and
     Komponenten verursachen. Solche Fehler nennt man Regressionen.                   what this means to you. Cutter Consortium 2008 (Agile Product & Project
                                                                                      Management Executive Report Band 9).
  40 Jenkins ist eine Software, die wiederkehrende und zeitaufwändige Arbeits-
     schritte in der Software-Entwicklung automatisiert. Dazu gehören das Prüfen   43 Vgl. Cohn, Mike: Succeeding with Agile: Software Development using Scrum.
     von Programmfehlern sowie das Kompilieren und Installieren auf dem Zielsy-       Upper Saddle River, NJ 2010.
     stem (Continiuos Deployment) https://jenkins.io/                              44 https://en.wikipedia.org/wiki/Scaffold_(programming)
  41 https://de.wikipedia.org/wiki/Bereitstellungsumgebung                         45 https://www.jhipster.tech/

                                                                                                                                 Persönlicher und kompetenter
                                                                                                                                 Service unter
                                                                                                                                 +49 911 / 600 17 33

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                                                                                                                                                                         Bibliothek. Information. Technologie.
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410                            FACHBEITRÄGE                                                                              Hübbers | Steinberg | Gebert | Jakowatz

Abbildung 3:                                     an aktuellen Best Practices der Webanwendung-Ent-          dass durch Entwicklung von Adaptern beliebige Quell-
DDA ermöglicht                                   wicklung orientieren: Serverseitig wird das Java-ba-       und Zielsysteme angesprochen werden können. Da
durch seine Ad-
apter-Architektur,                               sierte Webframework Spring verwendet. Außerdem             der Datenaustausch zwischen den Pipeline-Stufen
Datenbezug,                                      generiert JHipster eine Angular-basierte Single-Page-      außerdem über definierte Schnittstellen erfolgt, kön-
-transformation                                  Webanwendung46, die als Webbrowser-Benutzer-               nen Adapter für den Datenbezug, die Transformation
und -einspielung                                 schnittstelle dient und mit der serverseitigen Spring-     und den Repositoriums-Import vielfältig miteinander
flexibel zu konfigu-
rieren. Aufgrund
                                                 Anwendung interagiert. Diese generische Software-          kombiniert werden.
der standardisier-                               Grundlage diente anschließend als Ausgangsbasis            Die Benutzer einer DDA-Instanz sind Mitarbeiterinnen
ten Schnittstellen                               zur Erweiterung um die gewünschten Anforderungen           und Mitarbeiter des Ziel-Repositoriums, die über das
können Adapter                                   an den DDA.                                                Fachwissen, welche Publikationen für das Reposi-
beliebig miteinan-
                                                 Der DDA fungiert als Mittler zwischen Content-Pro-         torium geeignet sind und welche Metadaten in wel-
der kombiniert
werden.                                          vidern und dem Ziel-Repositorium und läuft als ei-         cher Konvention eingespielt werden sollen, verfügen.
                                                 genständige Webanwendung unabhängig von diesen             Die DDA-Bedienung erfolgt über einen Webbrowser.
                                                 Systemen. Herzstück ist seine Datenverarbeitungs-          Autorisierte Benutzer können hierüber neue Daten-
                                                 Pipeline: Sie bezieht Daten aus Quellsystemen oder         quellen hinzufügen, Metadaten-Transformationen
                                                 per manuellem Dateiupload, transformiert diese             für diese Datenquellen einrichten und aktualisieren,
                                                 Daten entsprechend der Konventionen des Ziel-Re-           den aktuellen Harvesting-Stand begutachten und den
                                                 positoriums, um sie dort abschließend einzuspielen.        Import von Publikationen in das Ziel-Repositorium
                                                 Der Aufbau der Pipeline folgt damit einer dreistufigen     initiieren. Neben Adaptern für XML-Dateien und po-
                                                 Verarbeitungskette aus Datenbezug Ž Datentransfor-         puläre Web-Schnittstellen wie OAI-PMH existieren
                                                 mation Ž Dateneinspielung, die sich unter dem Na-          auch bereits Adapter für weniger gebräuchliche Da-
                                                 men ETL47 in vielen anderen Softwaresystemen eben-         tenquellen wie bspw. unAPI-Schnittstellen und Excel-
                                                 falls bewährt hat. Um den vielfältigen Standards und       Tabellen. Neben dem Bezug der Rohdaten erfüllen die
                                                 Schnittstellen der Open-Access-Landschaft zu begeg-        Datenbezug-Adapter die Aufgabe, Metadaten in ein
                                                 nen, wurden die drei Pipeline-Stufen so entworfen,         einheitliches Format zwecks standardisierter Weiter-
                                                                                                            verarbeitung umzuwandeln.
                                                 46 https://en.wikipedia.org/wiki/Single-page_application
                                                 47 https://de.wikipedia.org/wiki/ETL-Prozess

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                                         21 (2018) Nr. 5                                                                                        www.b-i-t-online.de
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Hübbers | Steinberg | Gebert | Jakowatz                                                                                                 FACHBEITRÄGE                            411

Bsp.:                                                                    die auf die entsprechenden Dokumente im Netz
Für eine XML-Datei-Ablieferung mit dem Inhalt                            (HTTP, FTP) verweisen. In vielen Fällen führen diese
                                                                Metadaten-Felder zuerst auf eine HTML-Landing-
                                                                 Page, weshalb eine Content-Resolver-Komponente49
		          Smith
                                                                         entwickelt wurde, die durch verschiedene Heuristiken
		          Jolene
                                                                         und Strategien die Volltexte findet und diese dem zu
       
                                                               importierenden Metadatensatz hinzufügt.
                                                                         Der DDA ist in der Lage, die gewonnenen Publikatio-
konvertiert DDAs XML-Datei-Datenbezug-Adapter                            nen einschließlich der Metadaten in verschiedene Re-
den ­Metadatensatz in folgendes Format:
                                                                         positorium-Systeme abzuliefern. Im SSOAR-Kontext
authors.author[0].last-name = ”Smith“                                    entstand vor diesem Hintergrund ein Adapter zur Da-
authors.author[0].first-name = ”Jolene“                                  teneinspielung in DSpace-5-Repositorien mit aktivier-
                                                                         ter REST-Schnittstelle. Darüber hinaus wird im Rah-
Nachdem die Metadaten in das vom DDA verarbeit-                          men von Kooperationen mit weiteren Repositorien die
bare Format umgewandelt wurden, erfolgt durch                            Entwicklung von Adaptern zwecks Ablieferung insbe-
den Einsatz von Transformationsregeln eine entspre-                      sondere an Fachrepositorien angestrebt, die zumeist
chende Anpassung auf die Konventionen des Ziel-Re-                       mit den Open-Source-Repositorien-Software DSpace,
positoriums, wozu einmalig eine passende Transfor-                       Fedora, OPUS50, MyCoRe51 oder EPrints betrieben
mationsregel pro Ablieferer hinterlegt wird. Um den                      werden. Zudem ist eine Anbindung über SWORD-
Content-Providern unterstützend entgegenzukommen                         Schnittstellen geplant.
und die Massenablieferungen in Gang zu bringen,                          Bei der Entwicklung des DDA wurde auf einen konse-
wurde bereits zu Beginn der Entwicklung des DDA ent-                     quenten Einsatz von frei verfügbaren Software-Biblio-
schieden, der Formatvielfalt individuell und mit flexi-                  theken geachtet. Da im Java-Umfeld keine geeignete
bel konfigurierbaren Transformern zu begegnen. Eine                      Bibliothek zur Interaktion mit OAI-PMH-Schnittstel-
positive Folge dieses Vorgehens ist, dass während der                    len existierte, entstand im DDA-Kontext der Open-
Programmierung individueller Transformationsregeln                       Source-OAI-PMH-Harvester ZOAI52. Er kann als Java-
eine Software-Sammlung mit Regeln entsteht, auf die                      Bibliothek in anderen Software-Projekten unabhängig
man bei der Erschließung weiterer Ablieferer-Quellen                     vom DDA nachgenutzt werden. Weiterhin wurde die
zurückgreifen kann. Mit diesen Transformationsregeln                     DSpace-5-REST-Schnittstelle um Endpunkte erwei-
lassen sich bspw. Umformungen von Feldinhalten, Ex-                      tert, um bspw. Suchanfragen nach Metadaten im Re-
traktionen von Details aus Zitationen, Abgleiche mit                     positoriums-Bestand zu ermöglichen. Der DDA nutzt
kontrollierten Vokabularlisten oder Harmonisierungen                     diese Funktion, um den Import von Dubletten zu ver-
von ISBN- und ISSN-Nummern durchführen.                                  meiden. Diese Erweiterung steht ebenfalls als einbind-
Um der Heterogenität von Metadatenformaten und                           bare Software-Bibliothek für DSpace-5-Repositorien
Feldwerten zu begegnen, können Transformations-                          zur Verfügung53 und kann so auch im Rahmen neuar-
regeln auf verschiedene Weisen angelegt werden. So                       tiger REST-Client-Entwicklungen eingesetzt werden.
steht es frei, die Umformungen mit XSLT, Java oder
einer eigenentwickelten, domänenspezifischen Spra-                       5. Kritische Einschätzung: Metadaten,
che (DSL) für die Transformation von Metadaten zu                           Transformation und Standardisierung
formulieren. Beispiele für die Nutzung sowie Erläute-                    Als eine Softwareentwicklung, die Metadaten und
rungen stehen für alle Varianten als dokumentierter                      Volltexte harvesten, annehmen, konvertieren und ins
Quelltext48 zur Verfügung. Die Erfahrung zeigt, dass                     Repositorium importieren kann, hat der DDA auf den
Mappings und Transformationen am effektivsten in                         einschlägigen Konferenzen54 und bei den Koopera-
iterativen Prozessen erarbeitet werden; dazu gehört                      tionspartnern große Aufmerksamkeit erhalten. Für
dementsprechend auch die Möglichkeit umfassender
intellektueller Tests im DDA.                                            49 https://git.gesis.org/dda/dda-wizard/blob/master/src/main/java/org/
                                                                            gesis/dda/publishing/domain/impl/ContentResolver.java
Zusätzlich zu den Metadaten müssen auch die zu-
                                                                         50 https://de.wikipedia.org/wiki/OPUS_(Dokumentenserver)
gehörigen Volltexte ihren Weg ins Ziel-Repositorium
                                                                         51 http://www.mycore.de/
finden. Dies geschieht über die in den Metadaten vor-                    52 https://git.gesis.org/dda/zoai
handenen URLs oder Persistent Identifier (DOI, URN),                     53 https://git.gesis.org/dspace/rest-additions
                                                                         54 Open-Access-Tagen 2016 (Session 6, https://open-access.net/community/
                                                                            open-access-tage/open-access-tage-2016-muenchen/programm/) und
48 https://git.gesis.org/dda/dda-wizard/tree/master/src/test/java/org/      2017 (Tool-Marktplatz, https://open-access.net/community/open-access-
   gesis/dda/transformer/impl                                               tage/open-access-tage-2017-dresden/programm/toolmarktplatz/#c2940)

www.b-i-t-online.de                                                                                                                      21 (2018) Nr. 5                        online
                                                                                                                                                           Bibliothek. Information. Technologie.
412                            FACHBEITRÄGE                                                                                     Hübbers | Steinberg | Gebert | Jakowatz

                                                SSOAR wird der DDA als Infrastruktur für Massena-         ben, indem vormals wenig zusammenhängende und
                                                blieferungen der Partner in das Fachrepositorium          größtenteils manuelle Tätigkeiten in einem nunmehr
                                                genutzt und befördert ganz entscheidend die Open-         integrierten Workflow entlang der dreistufigen Verar-
                                                Access-Verfügbarmachung von Publikationsreihen,           beitungskette aus Datenbezug Ž Datentransforma-
                                                Mitarbeiterpublikationen und Zeitschriften. Die An-       tion Ž Dateneinspielung zusammengefasst und auto-
                                                bindung des DDA sowohl an Content-Provider als            matisiert werden. Dadurch entstehen systematisierte
                                                auch an archivierende Repositorien wurde über unab-       und deutlich schlankere Arbeitsprozesse. Letztlich
                                                hängige, modifizier- und erweiterbare Softwarekom-        wird durch die weitgehend automatisierten Verarbei-
                                                ponenten bzw. Adapter realisiert. Alle Softwareent-       tungsprozesse die Bereitstellung von gut erschlosse-
                                                wicklungen wurden ausführlich dokumentiert und            nen und gut auffindbaren Open-Access-Publikationen
                                                stehen als Quelltext auf dem GitLab der GESIS unter       ganz entscheidend beschleunigt.
                                                https://git.gesis.org/dda/dda-wizard zur Nachnutzung      Ungeachtet der großen Erleichterungen, die der DDA
                                                zur Verfügung. Dadurch kann der DDA mit überschau-        für die Integration von umfangreichen Datenbestän-
                                                barem Aufwand an andere Systeme angebunden und            den und Volltexten in die Repositorien für einmal
                                                in anderen Kontexten zur Datentransformation sowie        angebundene Content-Provider mitbringt, entsteht
                                                für Datenexporte und -importe eingesetzt werden.          durch die Anbindung des DDA auch ein ambivalenter
                                                Eine bleibende Herausforderung stellt die Konvertie-      Nutzungsaspekt, der einer eingehenden Kritik unter-
                                                rung der Daten in das für SSOAR notwendige Format         zogen werden muss. Sowohl die Anbindung als auch
                                                deswegen dar, weil einzelne Content-Provider ihre         die Pflege des DDA, insbesondere die kontinuierliche
                                                Daten in zumeist sehr individuellen, von Standards        Hinterlegung von Datenmappings bzw. Transformati-
                                                abweichenden Formaten und heterogenen bibliogra-          onsregeln aufgrund immer neuer, zumeist proprietä-
                                                phischen Ansetzungen übermitteln. Infolgedessen           rer Formate, macht eine dauerhafte, professionelle
                                                kann der Ablieferungsprozess nicht durchgängig auto-      informationstechnische Betreuung für Repositorien
                                                matisch vom Content-Provider durchgeführt werden,         unabdingbar. Zwar erleichtert die stetig wachsende
                                                sodass das Fachpersonal des Ziel-Repositoriums tätig      Bibliothek die Neuerstellung von Transformationsre-
                                                werden muss, um passende Transformationsregeln zu         geln, der Betrieb des DDA bleibt jedoch zumindest
                                                erstellen. Trotz dieser Einschränkungen stellt der DDA    mittelfristig relativ aufwendig, nicht zuletzt deshalb,
                                                eine erhebliche Erleichterung für den Import umfang-      weil unter den Repositorien kein einheitlicher Meta-
                                                reicher Datenmengen in ein Repositorium wie SSOAR         datenstandard besteht.
                                                dar, zumal die angesprochenen Transformationsregeln       Bilaterale Transfermodule55, wie sie im DDA Anwen-
                                                für jeden Ablieferungspartner nur einmal entwickelt       dung finden, reduzieren die vorhandene Heterogeni-
                                                werden müssen; einmal angebunden werden Abliefe-          tät von Metadatenformaten und setzen dabei im We-
                                                rungen und Harvests vollautomatisch konvertiert und       sentlichen die Prämisse von Konsistenzerhaltung und
                                                importiert. Darüber hinaus können die Transformati-       Interoperabilität um.56 Alle Bemühungen in der Fach-
                                                onsregeln für die jeweiligen Datenlieferanten nicht       informationswelt, eine weitgehende Konsistenz bzw.
                                                nur hinterlegt, sondern für die Erstellung neuer Regeln   Standardisierung von Metadatenformaten herzustel-
                                                nachgenutzt und in einer Bibliothek zusammengestellt      len, werden durch die Dezentralisierung bei der Do-
                                                werden, was die weitere Anbindung anderer Datenlie-       kumenterstellung, -erschließung und -verteilung57 kon-
                                                feranten deutlich erleichtert. Mit zunehmender Anzahl     terkariert. Vor diesem Hintergrund wird das Problem
                                                an Transformationsregeln in der Bibliothek sinkt die      mangelnder Durchsetzung von Standards durch bila-
                                                Wahrscheinlichkeit, dass Repositorien mit Metada-         terale Transfermodule bzw. Broker wie dem DDA nicht
                                                tenformaten konfrontiert werden, für die bislang noch     grundsätzlich gelöst, sondern lediglich umgangen.
                                                keine entsprechende Regel existiert. Gerade dieser        Nichtsdestotrotz offenbart der DDA das Ausmaß der
                                                doppelte Nutzungseffekt – Nachnutzung sowie Re-           Datenvielfalt und bietet quantitative Hinweise für ge-
                                                duzierung der Heterogenität durch Erweiterung von
                                                Transformationsregeln – fand in der Repositoriums-        55 Auf Modellebene entspricht der DDA den Transfermodulen, wie sie bspw. bei
                                                                                                             der Behandlung semantischer Heterogenität entwickelt und eingesetzt wur-
                                                Community eine außerordentlich positive Resonanz.            den, vgl. Krause, Jürgen. Standardisierung von der Heterogenität her denken
                                                Die Anbindung einer lokalen Instanz des DDA an               - zum Entwicklungsstand bilateraler Transferkomponenten für digitale Fachbi-
                                                                                                             bliotheken Bonn 2003 (Informationszentrum Sozialwissenschaften, IZ-Arbeits-
                                                SSOAR zeigt beispielhaft, dass die administrativen           bericht, 28). http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-50750-9
                                                Aufgaben eines Repositoriums beim Import umfang-          56 Vgl. Krause, Jürgen: Total Package Design für digitale Bibliotheken und Fach-
                                                reicher Publikationsbestände wesentlich strukturier-         information, in: Hutzler, Evelinde (Hrsg.): Bibliotheken gestalten Zukunft :
                                                                                                             kooperative Wege zur digitalen Bibliothek. Dr. Friedrich Geißelmann zum 65.
                                                ter ablaufen und dadurch der Arbeitsaufwand insge-           Geburtstag, Göttingen 2008, S. 185 ff.
                                                samt minimiert wird. Der DDA optimiert diese Aufga-       57 Vgl. Krause: Standardisierung von der Heterogenität her denken, S. 7.

                     online
Bibliothek. Information. Technologie.
                                        21 (2018) Nr. 5                                                                                                         www.b-i-t-online.de
414                            FACHBEITRÄGE                                                                                                          Hübbers | Steinberg | Gebert | Jakowatz

                                                eignetere Formate des Datenbezugs. Die Konvertie-                              Eine weitere Überlegung für einen erfolgversprechen-
                                                rungsregeln geben darüber hinaus wichtige Hinweise                             den Einsatz des DDA sieht das Team in einer Zusam-
                                                für eine notwendige Standardisierung von Metadaten.                            menarbeit61 mit dem von der DFG geförderten Projekt
                                                Bis solche langfristigen Harmonisierungen etabliert                            DeepGreen62, das sich der Aufgabe stellt, „wissen-
                                                sind, sorgt der DDA in den belieferten Repositorien                            schaftliche Veröffentlichungen, sofern lizenzrechtlich
                                                bereits jetzt für eine sehr gute Datenqualität.                                erlaubt, automatisiert nach Ablauf der Embargofris-
                                                                                                                               ten [über Repositorien] Open Access verfügbar [zu]
                                                6. Fazit und Ausblick: Weiterentwicklung                                      machen“63. Dazu werden über eine Datendrehscheibe,
                                                   und zukünftige Anwendungsszenarien                                          die Publikationsdaten teilnehmender Institute und
                                                Parallel zu notwendigen Standardisierungen stellt der                          Verlage vorhält, auf der Grundlage der Allianz- und
                                                DDA kurz- bis mittelfristig eine große Erleichterung                           Nationallizenzen und deren Open-Access-Klauseln64
                                                beim Import großer Datenmengen in die Reposito-                                lizenzrechtlich zweitverwertbare Publikationen bei
                                                rien dar. Gerade Fachrepositorien können dadurch                               den Verlagen identifiziert, zusammen mit den Me-
                                                die fachlich relevanten Forschungspublikationen ihrer                          tadaten eingesammelt und an die entsprechenden
                                                angebundenen Kooperationspartner – insbesondere                                Repositorien geliefert.65 Der DDA könnte in diesem
                                                Mitarbeiterpublikationen und Publikationsreihen – im                           Rahmen als Broker dienen, über den Metadaten der
                                                Open Access verfügbar machen. Daher nehmen die                                 Verlage und Institute auf die von den Repositorien be-
                                                Betreiber von SSOAR die erfolgreiche Entwicklung des                           nötigten Formate konvertiert werden. ❙
                                                Prototypen zum Anlass, den DDA mit weiteren Part-
                                                                                                                               61 Auch hier gibt es zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Artikels Kooperations-
                                                nern für konkrete Anwendungsszenarien weiterzuent-                                gespräche, jedoch noch ohne formale Ergebnisse.
                                                wickeln. Während GESIS plant, alle weiteren Entwick-                           62 https://deepgreen.kobv.de/de/deepgreen/
                                                lungen des DDA (von den Anbindungsadaptern bis hin                             63 Ebda.
                                                zu den Transformationsregeln) auf dem GESIS-GitLab                             64 https://www.nationallizenzen.de/, https://www.nationallizenzen.de/
                                                                                                                                  ueber-nationallizenzen/allianz-lizenzen-2011-ff.
                                                zu veröffentlichen, zu verwalten und zu koordinieren,
                                                                                                                               65 Aufgrund der ausgehandelten Bestimmungen der Allianz- und Nationallizenzen
                                                wird der DDA bei den Kooperationspartnern als je-                                 dürfen aufgrund der OA-Klausel zweitverwertbare Mitarbeiterpublikationen
                                                                                                                                  im institutseigenen Repositorium archiviert werden. Es wäre zu klären, unter
                                                weils eigenständige lokale Applikation für den Betrieb
                                                                                                                                  welchen Voraussetzungen ein Nachweis auch in Fachrepositorien möglich ist.
                                                adaptiert. Ein lokaler DDA erleichtert die Pflege und
                                                erhöht die Nachnutzbarkeit im individuellen Kontext.
                                                Mit dem DDA soll vor allem der Nachweis von gut
                                                erschlossenen Open-Access-Volltexten nachhaltig                                Alle AutorInnen sind
                                                unterstützt werden. Als potentielle Kooperationspart-                          Wissenschaftliche MitarbeiterInnen bei:
                                                                                                                               GESIS-Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften
                                                ner für einen Roll-Out des DDA als jeweils neue Ap-
                                                                                                                               Team Open Access, Abt. Wissenstransfer
                                                plikation nimmt das SSOAR-Team Repositorien und
                                                                                                                               Unter Sachsenhausen 6-8, 50667 Köln
                                                Projekte in den Blick, in denen große Datenmengen
                                                verarbeitet und in Repositorien archiviert werden                                               Dipl.-Ing. Gerrit Hübbers
                                                müssen. Hinsichtlich der Einrichtung und der Inbe-                                              Chef-Entwickler des DDA
                                                triebnahme des DDA müssen Kooperationspartner                                                   gerrit.huebbers@gesis.org
                                                die damit verbundenen und zuvor skizzierten Aufga-
                                                ben ausführen, insbesondere was die Hinterlegung
                                                von Transformationsregeln im DDA betrifft. Vor die-                                             Dipl.-Bibl. Jan Steinberg (M.A. LIS)
                                                                                                                                                Wissenschaftlicher Mitar­beiter und
                                                sem Hintergrund bietet sich bspw. eine Zusammen-
                                                                                                                                                Softwareent­wickler
                                                arbeit mit Betreibern etablierter Fachrepositorien wie                                          jan.steinberg@gesis.org
                                                ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaf-
                                                ten58 an, die über das Fachrepositorium Lebenswis-                                             Dr. Agathe Gebert
                                                senschaften (FRL)59 die Open-Access-Publikationen                                              Leitung des Teams. Seit 2009 mit dem Auf-
                                                von bislang über 150 relevanten Wissenschaftsein-                                              bau von Open-Access-Repositorien pedocs
                                                richtungen im In- und Ausland nachweisen möchte.60                                             (DIPF) und SSOAR (GESIS) beschäftigt.
                                                                                                                                               agathe.gebert@gesis.org

                                                                                                                                               Dipl.-Soz. Stefan Jakowatz
                                                58 https://www.zbmed.de/
                                                                                                                                               Wissenschaftlicher Mitar­beiter
                                                59 https://www.publisso.de/open-access-publizieren/repositorien/fachrepo-
                                                                                                                                               stefan.jakowatz@gesis.org
                                                   sitorium-lebenswissenschaften/
                                                60 Zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Artikels verfolgen ZB MED und GESIS
                                                   konkrete Kooperationsabsichten, die momentan noch keiner formalen Verein-
                                                   barung folgen.

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                                        21 (2018) Nr. 5                                                                                                                             www.b-i-t-online.de
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