Der Dachstein Hannes Hoffert-Hösl Wanderungen im Dreiländereck Steiermark, Salzburg, Oberösterreich - Wanderweb

Die Seite wird erstellt Hortensia Bachmann
 
WEITER LESEN
Der Dachstein Hannes Hoffert-Hösl Wanderungen im Dreiländereck Steiermark, Salzburg, Oberösterreich - Wanderweb
Hannes Hoffert-Hösl

Der Dachstein
Wanderungen im Dreiländereck
Steiermark, Salzburg, Oberösterreich

                                   Rotpunktverlag.
Der Dachstein Hannes Hoffert-Hösl Wanderungen im Dreiländereck Steiermark, Salzburg, Oberösterreich - Wanderweb
Vorwort | 5    
Naturpunkt-Fachbeirat
Daniel Anker, Thomas Bachmann, Katharina Conradin,
                                                                                       Vorwort
Lieni Roffler, Dominik Siegrist, Marco Volken

                                                                                       Ein Buch über den Dachstein zu schreiben, ist eigentlich ein hoffnungs-
                                                                                       loses Unterfangen. Wo anfangen, wo aufhören? Unzählige Geschich-
Der Rotpunktverlag wird vom Bundesamt für Kultur mit
einem Strukturbeitrag für die Jahre 2016–2020 unterstützt.                             ten, Forschungen, Mythen ranken sich um das imposante Bergmassiv
                                                                                       im Herzen Österreichs, im Dreiländereck der Bundesländer Steiermark,
                                                                                       Saltzburg und Oberösterreich.
                                                                                       Ich hoffe, es ist mir gelungen, immerhin einen guten Überblick über die
                                                                                       Themen der Dachsteinregion zu geben. Das vorliegende Buch soll ein
                                                                                       Anreiz sein, sich intensiver mit diesem wunderschönen Fleck Erde aus-
                                                                                       einanderzusetzen. Es soll Begeisterung für ein einzigartiges Zusam-
                                                                                       menspiel von Kultur- und Naturlandschaften wecken. Für jene, die
                                                                                       schon öfters in Ramsau und am Dachstein waren, öffnen sich vielleicht
                                                                                       neue Perspektiven. Jene, die den Dachstein noch nicht kennen, sollen
                                                                                       gewarnt sein – mich hat die Faszination Dachstein gepackt und nie
                                                                                       mehr losgelassen. Am Dachstein geht es aber auch um mehr – nur
                                                                                       wenn wir mehr über unsere Umwelt Bescheid wissen, können wir sie
                                                                                       unserer Nachwelt sorgfältig übergeben. Dieses Buch soll ein kleiner
 Für Rückmeldungen, Korrekturen und Hinweise aller Art
                                                                                       Baustein dafür sein.
 sind wir dankbar.
 Bitte schicken Sie alle festgestellten Ver­änderungen an:
 www.wanderweb.ch/forum oder redaktion@wanderweb.ch.
                                                                                       Hannes Hoffert-Hösl, im April 2018
© 2018 Rotpunktverlag, Zürich
www.rotpunktverlag.ch
www.wanderweb.ch/dachstein

Umschlagbild: Hannes Hoffert-Hösl
Seite 2/3: Grimming, Kammspitze und Stoderzinken sind drei markante Berge,
die das Dachsteingebirge nach Süden abgrenzen und die man von vielen Orten aus sieht
(hier vom Sinabell).
Satz: Ulrike Groeger
Kartografie: georaum GmbH, St. Anton an der Jeßnitz
Bildbearbeitung: typopoint GbR, Ostfildern
Druck und Bindung: Friedrich Pustet, Regensburg

ISBN 978-3-85869-781-3
1. Auflage 2018
Der Dachstein Hannes Hoffert-Hösl Wanderungen im Dreiländereck Steiermark, Salzburg, Oberösterreich - Wanderweb
6                                                                                                                                    Inhalt | 7         
          Inhalt                                                      Route 10   Der Sarstein
                                                                                 Das Salzkammergut
                                                                                                                                                  126
                                                                                                                                                  132
                                                                      Route 11   Der Zinken                                                       134
          Vorwort                                                 5              Naturschutz am Dachstein                                         139

          Einleitung                                             8               Höhenwanderungen am Dachstein                                    140
          Faszination Dachstein                                   8
                                                                      Route 12   Große Überschreitung von Gröbming nach Obertraun                 142
          Der Mensch am Dachstein                                12
                                                                                 Augensteine                                                      149
          Naturschauspiel Dachstein                             28
          Wandern am Dachstein                                  48    Route 13   Über das Heilbronnerkreuz zur Grafenbergalm                      150
                                                                                 Das Heilbronner Kreuz                                            156

          Auf dem Hochplateau der Ramsau                         51   Route 14   In zwei Tagen um den Gosaukamm                                   158
                                                                                 Alpine Vereine und Schutzhütten im Wandel der Zeit               166
Route 1   Der »Toleranzweg«                                      52
          (Geheim-)Protestantismus in Ramsau am Dachstein        56   Route 15   Von den Gosauseen über das Radltal nach Hallstatt                168
                                                                                 Friedrich Simony, der Dachstein-Professor                         172
Route 2   Unterwegs auf dem Panoramaweg                         60
          Der traditionelle Ramsauer Hof und der Ramsauhof      66    Route 16   Die Dachsteinrunde                                               174
                                                                                 Karst und Höhlen                                                 182
Route 3   Einmal rund um den Kulm                               68
          Bioniere hier, Zweitwohnsitz da                        71
Route 4   Hinauf zu den Almen der Türlwand                      73
                                                                                 Alpine Besteigung des Dachsteins                                 184
          Die Erschließung des Dachsteins – Fluch oder Segen?   80    Route 17   Der Hohe Dachstein                                               186
                                                                                 Der Stein des Anstoßes                                           193

          Bergauf, bergab
          unterwegs auf drei Ebenen                             82               Schneeschuhwandern
Route 5   Von der Türlwand auf den Rötelstein                   84
                                                                                 in Ramsau am Dachstein                                           195
          Dachstein-Südwand – Sehnsucht, Schicksale, Triumphe   91               Auf den Brandriedl                                               196
Route 6   Scheichenspitze                                       94               Almenrunde                                                       197
          Das Kreuz der Scheichenspitze und                                      Duregg-Runde                                                     198
          die Zivilcourage von Pfarrer Koch                     100              Um den Rittisberg                                                199
Route 7   Die Königstour                                        102              Kulmberg                                                         200
          Der Lodenwalker                                       108              Sattelberg                                                       201
Route 8   Über den Kufstein                                     110
          Der Burgstaller                                       116              Nützliche Hinweise                                               203
Route 9   Über das Gradental und die Seen zur Grafenbergalm     117              Berg- und Alpinwanderskala (SAC)                                 221
          Wälder und Almen –
          ein paar Gedanken über eine heikle Geschichte         124
                                                                                 Routenübersicht in der vorderen Umschlagklappe
                                                                                 Übersichtskarte in der hintern Umschlagklappe
Der Dachstein Hannes Hoffert-Hösl Wanderungen im Dreiländereck Steiermark, Salzburg, Oberösterreich - Wanderweb
8 | Einleitung                                                                                                                                      Faszination Dachstein | 9   
Faszination Dachstein
Der Dachstein ist eines der schönsten, be- Gschütt, den Gosaubach, dann etwas
kanntesten und spektakulärsten Bergmas- nördlich versetzt zum Pötschenpass und
sive Österreichs und der Alpen. Egal von zur Kainischtraun. Richtung Osten folgt der
welcher Seite man ihn betrachtet – der markante Taleinschnitt der Klachau zur
Berg ist eine Pracht. Seit Jahrhunderten Enns. Nach Süden ist die Enns geologisch
weckt er Sehnsüchte und zieht die Men- genaugenommen bis Mandling die Grenze,
schen, Einheimische wie Fremde, in seinen dann folgt die Warme Mandling weiter
Bann.                                         zum St. Martinsbach, und so schließt sich
Seit 1997 ist das Dachsteinmassiv gemein- der Kreis nach Lungötz. So gesehen um-
sam mit Teilen des benachbarten Salzkam- fasst das Gebiet gut 880 Quadratkilometer
merguts UNESCO-Welterbe – Kulturerbe, und bekannte Gipfel wie die Bischofsmüt-
wohlgemerkt. Es handle sich um »ein au- ze, den Plassen, den Sarstein, die Kamm-
ßergewöhnliches Beispiel einer Naturland- spitze, den Stoderzinken und den Grim-
schaft von einzigartiger Schönheit und ming. Letzterer steht ungemein wuchtig
besonderer wissenschaftlicher Bedeutung, da und wurde lange für den höchsten Berg
die auch Zeugnis von der frühen und kon- der Steiermark gehalten.
tinuierlichen menschlichen, wirtschaftli- Die nordöstlich angrenzende Region nennt          Den besten Überblick hat man vom Hohen Dachstein. Ganz im Hintergrund die Hohen Tauern
chen und kulturellen Tätigkeit ablegt«. So sich Salzkammergut – nomen est omen.             und das Tennengebrige.
heißt es im Text des UNESCO-Komitees.         Das Salzkammergut ist Wiege vieler Tradi-
Das Dachsteingebiet ist etwa 22 mal 42 tionen und für manche der schönste Teil
Kilometer groß. Der höchste Gipfel ist der Österreichs. Nun gibt es aber ein oberös-        Unmittelbar im Süden des Dachsteins lie- zirks Österreichs, Stmk., 8181 Ew.) im Süden.
Hohe Dachstein, der bis in die 1980er-Jah- terreichisches und ein steirisches Salzkam-      gen die Gemeinden Filzmoos und Ramsau Die größten Orte im Norden sind Bad Aus-
re noch auf zahlreichen Karten mit 3004 m mergut, und wenn man das salzburgische            am Dachstein, dort grenzen die Niederen see (Stmk., 4798 Ew.), Bad Goisern (Oö.,
angegeben war, mittlerweile aber auf dazuzählt, wie es der Tourismus macht,                 Tauern und das Ennstal an, als Teil der Tou- 7514 Ew.) und Bad Ischl (Oö., 13 995 Ew.).
2995 m korrigiert wurde. Immerhin ist der sind es sogar drei. Der steirische Teil beher-    rismusregion Schladming-Dachstein in der Bezirkshauptort ist weiter im Norden
Dachstein hoch genug, um die nördlichs- bergt spektakuläre Seen, pittoreske Ort-            Steiermark. Diese beansprucht die be- Gmunden (13 272 Ew.).
ten und östlichsten Gletscher der Alpen zu schaften, ist unter anderem bekannt für          rühmten Südwände für sich, samt der In westlicher Richtung gibt es keine größe-
beherbergen; sie haben die Landschaft des den Altausseer Kirtag oder das Narzissen-         Wanderregion südlich der Enns und dem ren Städte. Hauptort ist Annaberg, Ge-
Dachsteins geprägt, doch heute geht es fest und gilt als eine der Hochburgen der            Winter-Hotspot Schladming. Steht man burtsort des berühmten Malers Gottfried
auch ihnen an den Kragen. Die Dach- österreichischen Tracht. Der oberösterrei-              auf einem Gipfel der Südseite, so öffnet Kumpf und des Rekordweltcupsiegers
stein-Südwand ist eine der eindrucksvolls- chische Teil ist reich an Geschichte und         sich ein weites Panorama auf Hunderte Marcel Hirscher. Dachstein-West wirbt mit
ten Felswände der Alpen, und unter dem Naturschätzen, etwa die Höhlen in Ober-              Gipfel der Niederen Tauern bis hin zu An- seinen vielen bewirtschafteten Almen
Torstein liegt die längste Klettertour der traun, der Hallstätter See und die Bergwer-      kogel, den nördlichen Kalkalpen, der Nie- und einem für Salzburger Verhältnisse
Ostalpen, der Windlegergrat.                  ke in Hallstatt. Bad Goisern ist nicht nur,   deren Hochalmspitze, Großglockner und gemütlichen Skigebiet.
Mit der Abgrenzung des Dachsteingebirges aber vor allem bekannt für den Liederma-           Wiesbachhorn der Hohen Tauern. Die Das Innenleben des Dachsteinmassivs hat
ist es so eine Sache. In der gebräuchlichen cher Hubert von Goisern, Bad Ischl wiede-       größeren Hauptorte um den Dachstein es in sich. Die Mammuthöhle ist eine der
Einteilung nach Dr. Josef Moriggl (1924), der rum ist der Traum aller Kaisertreuen und      sind Radstadt (Salzburg, 4880 Einwohner), größten Höhlen Europas und misst vom
auch der Alpenverein folgt, reicht das Ge- lebt vom Glanz seiner Vergangenheit.             Schladming (Steiermark, 6715 Ew.), Gröb- höchsten zum tiefsten Punkt gigantische
biet vom Salzburger Lammertal im Westen Beiden gemeinsam ist die Geschichte um              ming (Verwaltungssitz, Stmk., 2895 Ew.) 1200 Meter. Spektakulär sind auch die Rie-
bis nach Bad Mitterndorf, über den Pass das Salz.                                           und Liezen (Hauptstadt des größten Be- seneishöhle und die geologisch sehr junge
Der Dachstein Hannes Hoffert-Hösl Wanderungen im Dreiländereck Steiermark, Salzburg, Oberösterreich - Wanderweb
10 | Einleitung                                                                                                                                  Faszination Dachstein | 11   
Koppenbrüllerhöhle, die von regelrechten und haben unterschiedlichste Schicksale:
Flüssen durchzogen wird. Überhaupt ist bewirtschaftete, touristische, urige, un-
das Phänomen Wasser in all seinen Aggre- fassbar entlegene, aber immer noch be-
gatszuständen ständiger Begleiter bei wirtschaftete Almen einerseits, aufgelas-
Wanderungen am Dachstein. Die Eigen- sene Zeugen vergangener Zeiten anderer-
heiten des Karstwassers sind allgegen- seits.
wärtig, sei es durch spektakuläre Quell- Über die Jahrhunderte ist viel über den
austritte oder aber durch das markante Dachstein geschrieben worden, jedoch
Fehlen von Wasser, was bei den großen kaum einmal über das gesamte Dachstein-
Überschreitungen unbedingt zu berück- massiv (abgesehen von wissenschaftli-
sichtigen ist. Besonders faszinierend sind chen Publikationen). Warum, ist leicht er-
im Kalk die Seen – stille Paradiese. Aber klärt: Einerseits ist es kaum möglich, die
nicht alles, was sich Dachstein nennt, be- gesamte Vielfalt in einem Stück zusam-
steht aus Kalk. Durch die ungemein abge- menzufassen; auch dieses Buch kann nicht
schiedene Lage der Hochflächen des Dach- alle Themen und bei weitem nicht alle
steins haben sich dort, auch ohne Natio- Touren abdecken. Andererseits haben der
nalpark, riesige, naturnahe Lebensräume Berg selbst und die umgebenden politi-
erhalten. Auf manchen Wanderungen ist schen Grenzen durchaus eine trennende             Bergsport, sanfter Tourismus und traditionelle Landwirtschaft gehen in Ramsau am
man umgeben von selten gewordenen Wirkung; drei österreichische Bundeslän-              Dachstein Hand in Hand. Hier auf der Südwandhütte, Blick Richtung Süden.
Zirbenwäldern und begegnet mit etwas der und elf Gemeinden teilen sich das
Glück allerlei Wildtieren. Die Südseite des Dachsteinmassiv, mindestens fünf Touris-
Massivs ist entlang der sogenannten musverbände heften sich die markanten               einer Auswahl an Beherbergungen in            seine Kosten: Es gibt gemütliche, sehr
Nördlichen Längstalflucht geprägt von Gipfel auf die Startseite ihrer Web-Auftrit-      verschiedenen Preiskategorien, von Privat-    leichte Spaziergänge auf den Hochlagen
einem der größten Wechsel an Gesteins- te. Wanderführer beschränken sich in der         zimmer bis Viersternehotel. Ramsau ist        der Ramsau; recht lange Wanderungen
serien des Alpenkörpers, der eine bunte Regel auf Teilbereiche der Region – so gibt     auch die Gemeinde mit den meisten Näch-       zwischen Ramsau und dem Hochgebirge
Vielfalt mit sich bringt und großen Einfluss es zahlreiche Werke über die Dach-         tigungen im Gebiet, liegt aber in den Sta-    des Dachsteins mit über 1000 Metern Hö-
auf die Landschaftsentwicklung und die stein-Tauern-Region, die in Wahrheit beide       tistiken weit hinter den Hotspots der ös-     henunterschied, die technisch gut zu be-
Nutzung durch den Menschen hat.              Talseiten des Oberen Ennstals meint und    terreichischen Tourismusindustrie; daraus     wältigen sind; und schließlich stehen
Mensch und Natur haben das Gebiet ge- weniger den Dachstein selbst. Das Salz-           ergibt sich eine gute Mischung aus Intimi-    zahlreiche hochalpine Gipfeltouren zur
genseitig geprägt. Die Menschheitsge- kammergut wiederum kam noch nicht auf             tät und Professionalität. Drittens ist die    Auswahl. Der Blick von der Türlwand und
schichte reicht weit zurück; eine eigene die Idee, auch den Südteil des Massivs in      Ramsau Startpunkt für viele Touren auf        dem Brandriedl auf die Dachstein-Süd-
Epoche – die Hallstatt-Zeit in der älteren seine Beschreibungen mit aufzunehmen.        das Dachsteinmassiv und den höchsten          wände ist einer der schönsten der gesam-
Eisenzeit – trägt den Namen des Orts am Und Hallstatt ist sowieso Hallstatt.            Gipfel sowie Ausgangspunkt zahlreicher        ten Alpen. Alles in allem ein Standort, um
gleichnamigen See. Das dortige Gräber- Dieses Buch beschreibt Themen und Wan-           alpinistischer Pionierleistungen. Viertens    den Dachstein zu erkunden.
feld gehört zu den wichtigsten archäolo- derungen über und um das gesamte Berg-         erleben wir den Gegensatz zwischen Tal        So viele Gipfel und Touren es in diesem
gischen Funden weltweit und macht den massiv verteilt, mit dem Ort Ramsau am            und Berg nirgendwo anders so unmittel-        Dachsteingebiet gibt, so viele Wandervor-
Ort außer einem Zentrum des Tourismus Dachstein als zentralem Ausgangspunkt;            bar. »Unterwegs auf drei Stockwerken« –       schläge sind in gedruckter Literatur und im
auch zu einem Zentrum der Wissenschaft. dort liegt auch der thematische Schwer-         so ein Werbespruch des Tourismusver-          Internet zu finden. Dieses Buch bietet eine
Zahlreiche Gesteinsformationen tragen punkt. Dies aus mehreren Gründen: Ers-            bands, der vollkommen zutrifft. Und           Auswahl von insgesamt 17 Routen und 23
Namen von Gipfeln oder Felswänden des tens ist Ramsau am Dachstein auch mit             schließlich ist Ramsau gleichermaßen im       Einzeletappen, die dieses Paradies und
Gebiets, die geologische und alpinistische öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu errei-   Winter und im Sommer attraktiv und hat        seine Themen am eindrücklichsten er-
Forschung leistete hier Pionierarbeit.       chen, zweitens besitzt Ramsau eine her-    zudem eine spannende, vielfältige Ge-         schließen. Es besteht kein Anspruch auf
Die Almen des Dachsteins sind vielfältig vorragende touristische Infrastruktur mit      schichte zu erzählen. Jeder kommt hier auf    Vollständigkeit, dafür aber auf Qualität.
Der Dachstein Hannes Hoffert-Hösl Wanderungen im Dreiländereck Steiermark, Salzburg, Oberösterreich - Wanderweb
48 | Einleitung                                                                                                                                     Wandern am Dachstein | 49     
Wandern am Dachstein                                                                           weiten Runde das Plateau erkundet. Fol- die Runde bei Schlechtwetter! Es gibt auch
                                                                                               gendes ist dabei grundsätzlich zu beach- eine »erweiterte« Rundtour um den Dach-
                                                                                               ten: Die Einzeletappen sind ohne weiteres stein, aus sieben bis acht Tagestouren, die
                                                Kinder, Genusswanderer oder ältere Per-        an einem Tag zu bewältigen, aber sie füh- keine besonderen alpinistischen Schwie-
                                                sonen besonders geeignet. Hier kann man        ren in die hochalpine Karstlandschaft. rigkeiten aufweist und zu den Fernwande-
                                                vor allem die Kulturlandschaft mit all ihren   Manche Stellen bewältigt man mit Seilen rungen gezählt werden kann. Die meisten
                                                Themen erleben, die Gastfreundschaft der       und Trittbügeln, eine gewisse Bergerfah- Teilabschnitte sind hier beschrieben.
                                                Ramsauer erkunden und die Eigenheiten          rung ist daher notwendig. Man wandert Fehlt noch der Hohe Dachstein, seine Ma-
                                                dieser besonderen Ortschaft erfahren.          meistens recht einsam, und da es nur we- jestät selbst. Um die Südwände gibt es
                                                Der zweite Abschnitt handelt von Wegen         nige Hütten auf dem Dachstein gibt, wird viele legendäre Geschichten, der Westgip-
                                                zwischen Berg und Tal. Alpinistisch weisen     eine Reservierung empfohlen. Die Runde fel Torstein ist eine unglaublich imposante
                                                die Wanderungen kaum Schwierigkeiten           ist »logisch« angelegt und eine der weni- Felsgestalt, und die Gletscher verleihen den
                                                auf, jedoch sind bei allen anstrengende        gen Hüttenwanderungen in dieser Form Gipfeln einen besonderen Kranz. Zwar gilt
                                                Anstiege zu überwinden und führen hin-         in den Alpen. Umso erstaunlicher ist es, er als »leichter« Klettergipfel, verlangt aber
                                                auf ins Hochgebirge. Das ist bei der Pla-      dass kein ähnlicher Hype herrscht wie um den Umgang mit Steigeisen, Helm, Pickel,
                                                nung der Wanderungen in puncto Wetter          den Karnischen Höhenweg, wo die Hütten Seil und Gurt. Zudem führt seine Über-
                                                und Ausrüstung unbedingt zu berücksich-        regelmäßig überlastet sind. Das ist ver- schreitung über Gletscher. Wollen Sie sich
                                                tigen. Ich empfehle bei allen Touren, zeitig   mutlich der Tatsache der Dreiteilung des dieses Bergerlebnis nicht entgehen lassen,
                                                aufzubrechen oder gleich eine Übernach-        Dachsteins in drei Bundesländer und der so empfehle ich unbedingt einen Bergfüh-
                                                tung einzuplanen – zu bewältigen sind alle     entsprechenden Nicht-Zusammenarbeit rer und eine Rundtour über den Westgrat
                                                vorgeschlagenen Touren jedoch an einem         der Tourismusverbände zu verdanken. In und die Windlegerscharte. Sie ist wesent-
                                                Tag. Trotz ihres ähnlichen Profils tragen      jüngster Zeit wird in einschlägigen Inter- lich schwieriger als alle anderen Touren in
                                                alle einen unterschiedlichen Charakter         netforen der Rundweg allerdings schon als diesem Buch – aber auch, ex aequo mit al-
                                                und zählen für mich zu den schönsten und       »Klassiker« angepriesen. Gefährlich wird len anderen Wanderungen, die schönste.
                                                beeindruckendsten Bergerlebnissen der
                                                Alpenwelt.
Wege am Dachstein haben etwas Märchen-          Das dritte Kapitel führt den Wanderer in
                                                                                               … und sind häufig aussichtsreich und einsam.
haftes …                                        das schier unendliche Gebiet der Hochflä-
                                                chen des Dachsteins. Es beschreibt drei
                                                große Überschreitungen des Gebirgs-
Wanderungen am Dachstein zeichnen sich stocks und die Umrundung des Gosau-
durch ihre besondere Vielfalt aus – in ihrer kamms. Aus technischer Sicht stellen sie
Länge, Schwierigkeit und im Erleben un- allesamt keinerlei Anforderungen, aber es
terschiedlichster Landschaftsräume. Alle sind ungemein lange Wanderungen, zu-
Wanderungen bieten Naturerlebnisse der dem summieren sich im Karst unbemerkt
Extraklasse und tolle Aussichten. Die hier die Höhenmeter schnell. Warum ich sie
ausgesuchten Wanderungen erschließen hier aufnehme und empfehle? Sie dringen
den Dachstein besonders typisch, inhalts- in das Herz der Region vor und sind für sich
reich und sind in drei, eigentlich vier Kapi- ein Bergerlebnis der besonderen Art – eine
tel unterteilt, die sich in ihrer Schwierigkeit stabile Wetterlage vorausgesetzt. Zusätz-
deutlich unterscheiden.                         lich wird ein Rundweg im Nahbereich des
Wanderungen in der Ramsau sind allesamt Dachsteins beschrieben, der in fünf Tagen,
sehr einfach und deshalb zum Einstieg, für mit vier bis fünf Übernachtungen, in einer
Der Dachstein Hannes Hoffert-Hösl Wanderungen im Dreiländereck Steiermark, Salzburg, Oberösterreich - Wanderweb
Routen 1–4

                                      Auf dem Hochplateau der Ramsau
                                      Im Unterschied zu anderen Talorten zeichnet sich Ramsau am Dachstein
                                      durch einige Vorzüge aus, die nicht viele Gebiete in den Alpen besitzen.
                                      Erstens ist es gar kein richtiger Talort, das eigentliche Tal der Enns liegt
                                      rund 500 Höhenmeter tiefer in Schladming, wo auch die überregionalen
                                      Verkehrsverbindungen verlaufen. Von lautem Durchgangsverkehr ist der
                                      Ort verschont, im Winter queren sogar Loipen auf Teppichmatten samt
                                      Warnampel die Hauptverkehrslinien. Die Wanderungen sind weder
                                      schwierig noch lang, aber sie sind aussichtsreich und erschließen eine
Viele Wege auf der Ramsau werden
                                      Fülle jener Besonderheiten, die Ramsau am Dachstein so speziell machen.
von prächtigen Ahornbäumen gesäumt.
Der Dachstein Hannes Hoffert-Hösl Wanderungen im Dreiländereck Steiermark, Salzburg, Oberösterreich - Wanderweb
52 | Auf dem Hochplateau der Ramsau                                                                                                                                           Der »Toleranzweg« | 53      1
Route 1                                                                                                           1991 wurde ein kleiner, schlichter Lehrpfad    erreicht ist. Die beiden Gebäude bilden
                                                                                                                  errichtet, der die evangelische Glaubens-      gemeinsam mit dem Gemeindehaus das
Der »Toleranzweg«                                                                                                 geschichte in Ramsau am Dachstein er-          Zentrum des Orts und weisen eine beweg-
                                                                                                                  zählt und einige wichtige Orte der Glau-       te Geschichte auf (siehe Thema).
Auf den Spuren der Geschichte der                                                                                 bensgeschichte verbindet. Ein steiler          Der Weg führt nach Norden weiter, einer
evangelischen Ramsau

                                                                                   ´n
                                                                                   x    1608                      Aufstieg führt dabei zum Predigtstuhl,         der zahlreichen prächtigen Ahornbaum-

                                                                     Mayrhofer-rugg
Direkt vom Ortszentrum Ramsau führt ein
schmaler, überraschenderweise wenig be-                                                  1448                     dem ehemaligen Treffpunkt der evangeli-        reihen entlang, vorbei über die Wiesen, die
gangener Weg zu einem ehemals geheimen                                                                            schen Bevölkerung der Ramsau. Wir begin-       im Winter als flache Piste des Klanglifts,
Treffpunkt der Protestanten. Auf dem Pre-                                                                         nen direkt bei der Bushaltestelle, in der      früher Eiskarlift, dienen. Nach wenigen
digtstuhl angelangt, überblickt man hervor-                                                                       Nähe des Hotels Matschner, und gehen ein       Minuten erreichen wir eine schön gelege-
ragend die Ramsau.
                                                                                                                  paar Schritte Richtung Dachstein bergauf,      ne Landwirtschaft, den »Mayerhofer«
                                                                                                                  zunächst am Heimatmuseum Zeitroas              oder »Moarhofer«. Die Geschichte des
Charakter: Mäßig steile Waldwanderung zu
                                                                                                                  und am Kirchenwirt Pehab vorbei, dann          Moarhofers ist gut dokumentiert, das
einem tollen Aussichtspunkt hoch über der                     1135                Ramsau-Ort
Ramsau. Schwierigkeit: T2–T3.                    Filzmoos
                                                                                                    Weißenbach    links und erreichen das Bethaus. Dort bie-     Haus spielte in Politik und Kirche der
Beste Jahreszeit: Mitte April, nach der            500 m               I
                                                                       A                                          gen wir rechts zur Kirche hinauf, die sofort   Ramsau eine wichtige Rolle. Es war lange
Schneeschmelze, bis November, vor dem ers-                                                      Schladming                                                       in salzburgischem Besitz und wohl daher
ten Schneefall.                                                                                                                                                  als Verwaltungsmittelpunkt mit zahlrei-
                                                 Route und Wanderzeiten                                           Am Predigtstuhl wird die Geschichte
Verkehrsmittel: Der Bus der Ramsauer Ver-                                                                                                                        chen Höfen in der Umgebung personell
                                                                                                                  der Geheimprotestanten wieder lebendig.
kehrsbetriebe führt von Schladming in die       Ramsau-Ort–Predigtstuhl                                     2h                                                   verbunden. 1782 hielt Samuel Hirschmann,
Ramsau zum Ausgangspunkt.                       Predigtstuhl–Ramsau-Ort                                  1 h 30                                                  geboren in Crailsheim, in der Moarhofer
                                                Total                                                    3 h 30
                                                                                                                                                                 Scheune, wo ein paar Bänke zusammen-
Die evangelische Kirche in Ramsau am Dach-       Höhendifferenz                            X 400 m V 400 m                                                       gestellt wurden, den ersten evangelischen
stein wurde 1895 fertiggestellt und ist heute    Distanz                                                4,5 km                                                   Gottesdienst ab. Eine Inschrift in einem
Zentrum und Wahrzeichen der Ortschaft.
                                                                                                                                                                 Balken erinnert heute noch an diese Ge-
                                                 Sehenswertes                                                                                                    schichte.
                                                A Evangelische Kirche in Ramsau                                                                                  Der weitere Weg ist nicht sofort zu finden,
                                                B Predigtstuhl                                                                                                   er ist nicht mit den grauen oder gelben
                                                                                                                                                                 Standardschildern markiert, sondern
                                                Besonderes: Das Heimatmuseum »Zeitroas«                                                                          durch kleine violette Hinweistafeln. Steil
                                                in Ramsau am Dachstein informiert über die                                                                       geht es in den Wald hinauf, und mit einem
                                                besondere Geschichte der Gemeinde und
                                                                                                                                                                 Mal finden wir uns in einer anderen Welt
                                                erklärt viel über Tradition und Brauchtum.
                                                Jährlich finden zu verschiedenen Themen                                                                          wieder. Die offene Landschaft der Ramsau
                                                Sonderausstellungen statt.                                                                                       wird für einige Zeit verlassen, und schon
                                                Variante: Der Weg kann in Kombination mit                                                                        werden wir daran erinnert, dass wir im
                                                dem Ramsauer Panoramaweg auf eine Ta-                                                                            Hochgebirge unterwegs sind. Nach gut
                                                geswanderung mit lohnenden Einkehrmög-                                                                           0 h 45 kommen wir zu einer Weggabelung,
                                                lichkeiten ausgedehnt werden.
                                                                                                                                                                 die wir uns für den Rückweg merken. Um
                                                Übernachten, Gasthäuser: Entlang der Route
                                                auf den Predigtstuhl gibt es keine Gasthäu-
                                                                                                                                                                 das Ziel zu erreichen, geht es vorerst steil
                                                ser. In der Ramsau finden sich aber zahlreiche                                                                   bergauf. Bald lichtet sich der – zugegeben
                                                Unterkünfte und Einkehrmöglichkeiten (sie-                                                                       monotone – Fichtenwald, und der Predigt-
                                                he Nützliche Hinweise).                                                                                          stuhl ist erreicht. Die Rodungsinsel nimmt
                                                Literatur: Karl Dinges, Geschichte der evange-                                                                   dem Platz ein wenig von seiner Schönheit,
                                                lischen Ramsau am Dachstein, Ramsau 1976.
                                                                                                                                                                 man muss ihn sich inmitten des Waldes
Der Dachstein Hannes Hoffert-Hösl Wanderungen im Dreiländereck Steiermark, Salzburg, Oberösterreich - Wanderweb
54 | Auf dem Hochplateau der Ramsau                                                                                                                           Der »Toleranzweg« | 55       1
                                               beten und zu singen; auch der Flurname
                                                                                              Ramsau am Dachstein
                                               belegt diese Geschichte. In unserem Rü-
                                               cken der Schutz des gesamten Dachstein-         Hochplateau ist f ür die
                                               massivs, vor uns ausgebreitet liegt             Ramsau der falsche Ausdruck
                                               Ramsau – der Platz ist versteckt, aber         – hoch stimmt, aber Plateau
                                               dennoch mit gutem Überblick über mög-           nicht. Es sind verschiedene
                                               liche Verfolger.                                morphologische Einheiten,
                                                                                               die zusammen eine vielfach
                                               Es dauert eine Zeit, bis man sich von die-
                                                                                               gegliederte, abwechslungs-
                                               sem Platz lösen kann. Wir folgen dem Weg,
                                                                                               reiche Landschaft bilden. Als
                                               den wir heraufgekommen sind, bis zum            nach dem Abschmelzen der
                                               besagten Abzweiger und gehen dann               Gletscher viel Lockermaterial
                                               hangparallel nach Westen. Der Weg mün-          den Weg vom Dachstein ins
Die evangelische Kirche sollte nach Wunsch     det in eine Forststraße, die in einigen Keh-   Tal suchte, standen die Hö-
der Ramsauer allen Bewohnern Platz bieten.     ren zurück zu den Flächen der Ramsau            henzüge von Rittisberg, Kulm
                                               führt. Es lohnt sich, die Runde nach Westen     und Sattelberg im Weg und
                                                                                              so staute sich Material auf.
                                               oder Osten auszudehnen und einen Ein-                                             Das weite »Tal« der Ramsau war lange Zeit spärlich besiedelt.
                                                                                              Von den Dachsteinsüdwän-
vorstellen, als Versteck, das nicht einzuse-   kehrschwung, zum Beispiel in der Gruber-                                          Die Struktur der Felder ist bis heute erhalten.
                                                                                               den laufen mächtige Schutt-
hen ist. So muss es gewesen sein, als sich     stube, einzuplanen. Wer sich besonders für      kegel Richtung Kulm aus.
hier, das ist historisch belegt, zahlreiche    die Kirchengeschichte interessiert, be-         Dort finden wir vielfach vermoorte Bereiche, delt. Kleine, verwinkelte Ortsgassen fehlen
Protestanten trafen, um gemeinsam aus          sucht das Heimatmuseum, wo auch ent-            die unter Naturschutz stehen. Auf der Südsei- dort jedoch. Nachdem es Protestanten nach
der deutschsprachigen Bibel zu lesen, zu       sprechende Literatur zu finden ist.             te wiederum lagerte die Enns mächtige Sedi- 1848 gestattet war, Gotteshäuser zu bauen
                                                                                               mentpakete an den Grauwacken-Bergen ab. (mehr dazu siehe Thema Route 1), war man
                                                                                               Ramsau-Vorberg und Ramsau-Leiten liegen sich zunächst uneinig, wo die evangelische
Hangbrekzie baut die Steinfiguren des Predigtstuhls auf – er diente als Versteck               genaugenommen auf einer riesigen Flusster- Kirche gebaut werden sollte. Jeder Ortsteil
für Geheimprotestanten, die sich hier trafen, um aus evangelischem Schrifttum zu lesen.        rasse. Diese flach geneigten Hänge auf eini- hatte Argumente für sich, die Entscheidung
                                                                                               germaßen gründigen Boden eigneten sich fiel letztlich auf den geografischen Mittel-
                                                                                              sehr zeitig sogar für den Ackerbau und es ent- punkt. Mit der Einweihung der evangelischen
                                                                                              stand die kennzeichnende Form der Streu- Kirche 1895 entwickelte sich langsam ein Zen-
                                                                                              siedlung. Die gut 2800 Einwohner, Tendenz trum. Das Gemeindehaus wurde errichtet,
                                                                                              steigend, verteilen sich weit verstreut auf die das Ortszentrum neugestaltet, Bank, Tank-
                                                                                               Ortsteile Hirzegg, Schildlehen, Vorberg, Lei- stelle, Kaufhaus, neues Schulgebäude und
                                                                                               ten, Kulm, Ramsau und Rössing.                     Hallenbad folgten. Ein richtiges Zentrum, wie
                                                                                               Der Ortsname ist in den Alpen weit verbreitet, man es aus anderen Alpensiedlungen kennt,
                                                                                               allein in Österreich gibt es 20 Nennungen. Die gibt es dennoch nicht, jedoch öffnen in letzter
                                                                                              Wortherkunft ist dafür unklar – entweder es Zeit interessante Lokale und Geschäfte. Vor
                                                                                               deutet auf das mittelhochdeutsche ram, den allem aber gibt es zahlreiche typische Höfe,
                                                                                              Schafbock, hin, oder es ist eine Bezeichnung schön mit Herz- und Tulpenmuster verzierte
                                                                                               für lauchartige Gewächse, beides ist aber ety- Balkone, »Gangl« genannt, alte Stuben und
                                                                                               mologisch nicht geklärt. Bis vor 70 Jahren hat- traditionell angeordnete Hausensembles. In
                                                                                               te die Gemeinde zudem keinen klassischen einigen Gastwirtschaften, dem Friener, dem
                                                                                               Ortskern. Die katholische Kirche wurde im Halser oder der Gruberstube, kann man die
                                                                                              12. Jahrhundert im Ortsteil Kulm errichtet, typische Raumaufteilung noch erkennen. Am
                                                                                               dort öffnete das erste Gasthaus, auch die Post besten lassen sich die Eigenheiten bei ausge-
                                                                                               war bis vor kurzem nahe der Kirche angesie- dehnten Wanderungen erkunden.
Der Dachstein Hannes Hoffert-Hösl Wanderungen im Dreiländereck Steiermark, Salzburg, Oberösterreich - Wanderweb
56 | Auf dem Hochplateau der Ramsau                                                                                                             Der »Toleranzweg« | 57    1
(Geheim-)Protestantismus in                                                           Die größte erzwungene Auswanderung der Steiermark wurden an die 50 000
                                                                                      war wohl jene der über 15 000 Bauern und Schriften vernichtet. Trotzdem hielt sich

Ramsau am Dachstein                                                                   4000 »Unangesessenen« – so nannte der Glaube in Oberösterreich, in der Ober-
                                                                                      man Knechte, Mägde, Tagelöhner – aus steiermark und in Oberkärnten. Der Ge-
                                                                                      dem Pongau. Auf Einladung des Königs heimprotestantismus wurde durch die
                                                                                      von Preußen wanderten viele nach Ost- Siedlungsform in den Alpen wesentlich
                                                                                      preußen, aber auch nach Holland und begünstigt. Gehöfte in Streulagen, weitab
                                                                                      Amerika aus. Danach standen 1800 Bau- von der katholischen Pfarrkirche, boten die
                                                                                      ernhäuser leer. Als sich 1733 rund 270 Fa- Möglichkeit zu religiösen Versammlungen
                                                                                      milien aus dem Salzkammergut als Evan- in einer Hausgemeinschaft. Ein wesent­
                                                                                      gelische bekannten, schlug die oberöster- licher Faktor war die Pflege des evange­
                                                                                      reichische Reformkommission vor, diese lischen Schrifttums, des evangelischen
                                                                                      Protestanten in jene habsburgischen Län- Liedguts und des evangelischen Katechis-
                                                                                      der zu übersiedeln, in denen das evange- mus innerhalb der Familie – dadurch wur-
                                                                                      lische Bekenntnis geduldet war. Die Irr- de das Bekenntnis bei den zukünftigen
                                                                                      gläubigen, und somit Gesetzwidrigen, Generationen sowie die Kenntnis des
                                                                                      konnte man innerhalb des eigenen Terri- Lesens gewährleistet. Die Eltern übernah-
                                                                                      toriums beliebig aussiedeln. Der erste men die Rolle des Pfarrers, Seelsorgers, Ge-
                                                                                      Transport mit 263 Personen verließ am lehrten und Aufklärers in einer Person.
                                                                                      9. Juli 1734 zu Schiff Linz und gelangte Heuschober, Höhlen, hohle Bäume, Mau-
                                                                                      nach siebenwöchiger Fahrt auf Donau erspalten, Doppelböden im Stall, mit ein-
                                                                                      und Theiß nach Siebenbürgen.                   gebauten Fallen, sogar fließende Gewässer
                                                                                      Ab 1750 setzte unter Maria Theresia ein und Mist­haufen dienten als Verstecke der
                                                                                      verschärfter Kampf gegen den evangeli- Literatur! Der Schmuggel von Bibeln, Ge-
In einigen Häusern sind uralte religiöse Schriftstücke erhalten, auch Bibeln aus      schen Bücherbesitz ein. Auch nach sangbüchern, Katechismen durch Bücher-
dem 16. Jahrhundert.                                                                  Ramsau am Dachstein kamen Visitatoren. träger, Bauernburschen und Handwerker
                                                                                      Belohnungen für Denunziationen wurden führte zur Ergänzung des evangelischen
                                                                                      eingeführt und es warteten
Die Lehre Luthers verbreitete sich verblüf- Wegen durch die Alpen brachten. Sie ka-   hohe Strafen für alle, die
fend schnell in den entlegenen Gebirgsre- men zum großen Teil aus Sachsen und ar-     protestantisches Schrifttum Nur selten werden diese Schätze ausgepackt. Man weiß
                                                                                                                     um ihren historischen Wert.
gionen Österreichs. Der Buchdruck war beiteten in Silber- und Kupferbergwerken        einschleppten, verkauften
von Beginn an Katalysator – im 16. Jahr- bei Schladming. Bis 1528 breitete sich die   oder in ihrem Besitz hatten:
hundert machte der Druck der Schriften Reformation, ausgehend von den oberen          Man berichtet, dass für je-
Luthers fast ein Drittel der gesamten Auf- Gesellschaftsschichten, in ganz Öster-     des gefundene Buch ein
lage deutscher Buchdrucke aus. Bereits reich aus.                                     Stück Rindvieh herzugeben
wenige Wochen nach dem Auftreten Ab 1599 aber wurde die Bevölkerung des               war. Oder es drohten eine
Luthers vor dem Wormser Reichstag 1521 gesamten Ennstals unter der Leitung des        Stunde am Pranger, zwei
war dieses Ereignis in der Steiermark be- Admonter Abts mit voller Wucht rekatho-     Jahre Zuchthaus oder –
kannt. Bücher und Flugschriften fanden lisiert. Emigration, Mission und Deporta-      wenn man gar nicht einsich-
reißenden Absatz, und es waren neben tion – so lauten die Maßnahmen des ab-           tig war – die Transmigration
Kaufleuten vor allem Bergknappen, die die solutistischen Staates gegen Akatholiken    nach Siebenbürgen. Die Bü-
Botschaft der Reformation und ihre vor allem unter Maria Theresia und im              chervernichtung traf die
Schriften in Buckelkörben auf entlegenen Territorium des Erzbischofs von Salzburg.    Evangelischen schwer – in
58 | Auf dem Hochplateau der Ramsau                                                                                                                     Der »Toleranzweg« | 59   1
Bücherschatzes – und das, obwohl die Be-       Diskussion, wo der neue Standort eines
völkerung zum Teil überfallsartig visitiert    Bethauses sein sollte. Nachdem sich die
wurde. Freilich gab es Fälle, in denen sich    Ramsauer nicht einigen konnten, ent-
Personen wegen des Besitzes akatholi-          schied sich 1783 das Kreisamt Judenburg
schen Schrifttums vor der Obrigkeit ver-       für den Standort in der Mitte der Gemein-
antworten mussten. Der Fortbestand             de. Jakob Prugger, dem das Pehabgut ge-
wurde auch durch äußere Umstände be-           hörte, stellte den Baugrund unter der Be-
günstigt: Einerseits war der Pfarrsprengel     dingung zur Verfügung, dass ihm die
der katholischen Pfarre Haus sehr groß, die    Gasthauskonzession eingeräumt wurde.
Höfe lagen weit zerstreut. Daher waren         Nach nur dreimonatiger Bauzeit war das
die Kontrollen mühsam und es gab kaum          Bethaus fertig. Im Obergeschoß war der
seelsorgliche Betreuung. Zudem waren die       Pfarrsaal, darunter Pfarrer- und Lehrer-
katholischen Pfarrer schlecht bezahlt und      wohnung sowie die Kanzlei. Bis 1790 wur-
auf die Gaben der Bauern angewiesen.           den im heutigen Österreich 56 solche
Und sie wussten, dass die Ramsauer ohne-       Bethäuser errichtet, die Hälfte von ihnen
hin zusammenhielten. Eine Flasche              existiert heute noch, zwei dienen nach
Schnaps soll so manchen Kompromiss zwi-        wie vor als Gotteshäuser, in Arriach und
schen katholischen Pfarrern, Visitatoren       Watschig bei Hermagor, beide in Kärnten.
und »Häretikern« ermöglicht haben.             Wenige Schritte vom Bethaus steht die
Also hielten viele ungebrochen an der          große, stolze evangelische Kirche. Nach-
evangelischen Lehre fest, bis zum denk-        dem ab 1848 evangelische Kirchen errich-       Hausandachten und heimliche Bibelkreise hielten den Glauben am Leben.
würdigen 13. Oktober 1781, dem Tag, da         tet werden durften, stellten die Ramsauer
Kaiser Joseph II. das Toleranzpatent erließ.   erstmals 1871 im Gemeinderat einen An-
Nun konnten sich die Ramsauer Bauern           trag auf Neubau. Mit der Planung beauf-        Grund zu stoßen. Der Kirchturm steht auf verantwortliche Pfarrer Carl Hilpert ging
wieder offen zu ihrem Glauben bekennen         tragte die Gemeinde den Nürnberger Ar-         neun Meter langen Pfeilern, die mit Eisen- schließlich aus eigenen Stücken.
und aus allen Verstecken die Bibeln, Ge-       chitekten Hans Kieser. Wieder stellte der      schuhen versehen waren und bei Tag und Am 11. August 1895 nahmen die Gemeinde
bets-, Andachts- und Gesangsbücher her-        Besitzer des Pehabguts unentgeltlich den       Nacht in die Erde gerammt wurden – und und der neue Pfarrer Jungmayr Abschied
ausholen – und ein eigenes Gotteshaus          Baugrund zur Verfügung. Zur Finanzie-          das mit den Mitteln der damaligen Zeit. vom alten Bethaus, das immerhin 112 Jah-
bauen. Bis zur vollständigen Gleichstel-       rung des Kirchenbaus machten sich die          Auch die Bausteine, versteinerter Hang- re lang das Gotteshaus der Gemeinde war.
lung dauerte es allerdings noch bis 1960.      damaligen Presbyter auf den Weg nach           schutt, die in der Nähe des heutigen Jung- Vier Tage später war es soweit: Erstmals
Das ehemalige Bethaus in Ramsau am             Augsburg und baten beim Gustav-Adolf-          fernsteigs gewonnen wurden, waren erklangen die drei großen Bochumer
Dachstein, wo sich heute immer noch das        Werk um Unterstützung. Auf die Frage,          nicht so zahlreich vorhanden wie ange- Gussstahlglocken, die über Haus und
Pfarrhaus befindet, zählt zu den ersten of-    wie groß die Kirche werden solle, antwor-      nommen. Letzen Endes stiegen die Kosten Weißenbach in die Ramsau transportiert
fiziellen Kirchengebäuden der Steiermark.      teten die Ramsauer: »Mia send 1300 Leit        und es wurde eine zweite und dritte Bau- wurden. Es muss ein sehr emotionales Er-
Dem Bau ging eine lange Geschichte vor-        und es soitn schon oi Plotz hobm.« In die-     steuer notwendig. Das Gewölbe über dem eignis gewesen sein. Die 1300-Seelen-Ge-
aus, die mit dem Toleranzpatent von 1781       ser Dimension wurde das Vorhaben dann          Altarraum stürzte ein und musste neu ge- meinde Ramsau erbaut innerhalb von sie-
begann. Es konnten sich 100 Familien oder      doch nicht bewilligt, etwa die Hälfte ist es   baut werden. Alles Material, Zement und ben Jahren eine Kirche mit 750 Sitzplätzen.
500 Einzelpersonen zu einer Pfarrgemein-       geworden. 1888 wurde endlich der Grund-        Lebensmittel für die Arbeiter mussten auf
de zusammenschließen und ein Bethaus           stein gelegt. Der Bau war mit zahlreichen      dem steilen Ochsenkarrenweg von
bauen, freilich ohne Turm, Kirchenfenster      Hindernissen verbunden: Der Boden, auf         Schladming mühsam heraufgekarrt wer-
und Glocke, der Eingang durfte nicht           dem die Kirche zu stehen kommen sollte,        den. Und es gab Wirbel wegen der Finan-
straßenseitig angelegt sein. Dem Proviso-      ist angeschwemmtes Lockermaterial, und         zen. Zahlreiche Verträge waren mündlich
rium in der Mayrhofer Scheune folgte eine      so musste man tief graben, um auf festen       geregelt und nicht nachvollziehbar, der
Routen 5–11

Bergauf, bergab
unterwegs auf drei Ebenen
Wanderungen von den Talbereichen in die luftigen Höhen
des Dachsteinplateaus bergen besonders viele Reize. Jede
der hier vorgestellten Routen hat ihren eigenen Charakter
und ihre eigenen Höhepunkte. Alle Wanderungen folgen
gut markierten Wegen und sind bis auf wenige Ausnah-
men nicht ausgesetzt. Allerdings sind es durchwegs lange
Touren, auf denen einige Höhenmeter zu bewältigen sind.
Der gemütliche Beginn auf den Wiesen- und Almflächen
der Ramsau täuscht – hier gehen Spaziergänge schnell in
Hochgebirgswanderungen über. Daher ist unbedingt das
Wetter und entsprechende Ausrüstung zu beachten.
Entlang der meisten Wanderungen in diesem Kapitel gibt
es Übernachtungsmöglichkeiten, somit kann die Anstren-
gung auf zwei Tage aufgeteilt und der Genuss verdoppelt     Herbst auf der Planeralm,
                                                            im Hintergrund der frisch
werden.                                                     verschneite Dachstein.
84 | Bergauf, bergab unterwegs auf drei Ebenen                                                                                                                      Hinauf zu den Almen der Türlwand | 85        5
Route 5                                                                                                                                                              3 Die Route kann auf zwei Wanderungen
                                                                                                                                                                        aufgeteilt werden: Eine Wanderung

Von der Türlwand auf den Rötelstein                                                                                                                                     durch das Tor von der Türlwand ausge-
                                                                                                                                                                        hend und über die Maralm zurück (etwa
                                                                                                                                                                        6 h Gehzeit). Und eine auf den Rötelstein,
Aussichtskanzel vor den Südwänden                        Route und Wanderzeiten                                                                                         mit Start und Ziel bei den Hofalmen
Ein Weg unmittelbar unter den Südwänden                                                                                                                                 nördlich von Filzmoos, oder bei der Bachl-
des Dachsteins, die Durchsteigung des                    Türlwand–Südwandhütte–Tor                           2h                                                         alm, die beide von Shuttlebussen bedient
»Tors«, ein ungemein aussichtsreicher Gipfel             Tor–Sulzenhals                                   0 h 45                                                        werden (ebenfalls etwa 6 h Gehzeit).
und lohnende Einkehrmöglichkeiten machen                 Sulzenhals–Rötelstein                            1 h 30                                                     Besonderes: 360° Panorama auf dem Rötel-
die lange Wanderung zu einem Erlebnis der                Rötelstein–Bachlalm–Maralm–                                                                                 stein – für manche der schönste Blick auf
Sonderklasse.                                               Glösalm                                       2 h 30                                                     das Dachsteinmassiv.
Charakter: Eine recht lange Wanderung,                   Total                                            6 h 45                                                     Übernachten, Gasthäuser:
mit einigen anstrengenden Anstiegen und                                                                                                                              ¿ Dachstein-Südwandhütte (1910 m),
einem Gipfel gespickt, der Trittsicherheit               Höhendifferenz                   X 1300 m V 1100 m
                                                                                                                                                                        +43 3687 81509 (Hütte), +43 3687 81819
und Berg­erfahrung verlangt. Alle Wege sind              Distanz                                         15,5 km                                                        (Tal), www.alpenbad-ramsau.at;
ausgezeichnet markiert, aber hochalpin. Ein                                                                                                                             Ende Mai bis Anfang November geöffnet;
kleiner Haken an der Wanderung ist, dass es                                                                                                                             18 Betten, 42 Matratzenlager.
zwischen den Ramsauer Almen und der Hof­                 Sehenswertes                                                                                                * Bachlalm (1490 m), +43 664 1139319,
pürgl­hütte keine Übernachtungsmöglichkeit               A Torstein                                                                                                     www.bachlalm.at; Anfang Juni bis Mitte
gibt. Will man nur auf den Rötelsteingipfel,             B Gipfel des Rötelsteins                                                                                       Oktober geöffnet; keine Übernachtungs-
so empfiehlt sich eher eine Wanderung mit                C »Schnittlauchboden«                                                                                          möglichkeit; Shuttleservice zum Gasthof
Start in Filzmoos, dafür gibt es einige Almen                                                                       Der Weg auf den Rötelstein ist bestens mar-         Dachsteinruhe.
und Varianten. Schwierigkeit: T3–T5.                                                                                kiert, doch die Warnung ist an wenigen Stel-     ¿ Glösalm (1510 m), +43 3687 81242,
                                                                                                                    len durchaus berechtigt.                            www.gloesalm.at; Winter und Sommer
                                                                                                                                                                        geöffnet; 3 Ferienwohnungen.
                                                                                                                                                                     * Krahlehenhütte, +43 664 5332146,
                                                    Torsteineck                                                     Beste Jahreszeit: Juni bis September,               www.bauernhof-krahlehen.at.
                              Hochkesselkopf              2256                 Gosau-
                                                                              gletscher          Hallstätter        bei entsprechenden Wetterverhältnissen           * Tipp: Wallehenhütte, +43 664 9105392,
                                                2454                                             Gletscher          bis Ende Oktober.                                   babsi.rettenwender@gmail.com.
                                                                           Niederer Dachstein
                                                 Windlegerscharte                               2934                Verkehrsmittel: Bus der Ramsauer Verkehrs­          Hausgemachtes Brot und Butter, sehr
                                                                       Mitterspitz                                  betriebe bis Ausgangspunkt Türlwand. Für            zu empfehlen.
             Hofalmen
                                   Windlegerspitz
                                                       2401
                                                              Torstein             Hoher Dachstein
                                                                          2925                                      den Rückweg empfiehlt sich die Station Glös-
                                                2325           2948                  2995
                                                                                                                    alm. Ein Shuttlebus verkehrt während der
              Krahlehenalm                                                                                          Saison regelmäßig zwischen der Bachlalm          Auf der Dachstein-Südwandhütte herrscht
                             Wallehenalm                                                    Mitterstein
                                   1
                                   '                              Tor
                                                                                              2097                  und der Haltestelle Dachsteinruhe, wo uns        Hochgebirgsflair.
                                                                    2033
                                                       Raucheck                                  Dachsteinloch      Bus oder Taxi wieder in die Ramsau bringen.
                                                                  2139       Marstein
                          Sulzenhals 1821                                                                           Varianten:
            Reitalm                                                             1861                     1871       1		Wem der Rötelstein zu heftig erscheint,
                                                                                                                       der kann auf den gegenüberliegenden
             2
             '        Rötelstein                                               Maralm           Südwandhütte
                                   2247                                                                                Predigtstuhl wandern (1 h weniger, T2).
                                                                                                                    2 Wer gerne ausgiebig wandert, der nimmt
                                                Bachlalm                                                               vom Rötelstein nicht den gleichen Weg
                                                                                Neustattalm
                                                                                                             1692      zurück, sondern steigt auf der Südseite
                                                                                                   Hot. Türlwand       ins Salzburgische ab. Eine lange Schleife
                                                            Ghf. Dachsteinruhe                                         führt zu zwei bewirtschafteten Almen,
                                                               ¿
                                                               '                               ¿
                                                                                               '
                                                                                        Glösalm                        von denen ich die obere für einen Ein-
                                                                                                                       kehrschwung empfehle (2 bis 2 h 30 mehr,
            1 000 m
                                                                                                                       T3–T5, eine Stelle im Schwierigkeitsgrad I
                                                                                                                       ist zu überwinden).
86 | Bergauf, bergab unterwegs auf drei Ebenen                                                                                           Hinauf zu den Almen der Türlwand | 87   5
                                                                                            Unterwegs deuten immer wieder Hin- Tor trägt seinen Namen zurecht; links und
                                                                                            weisschilder auf Klettersteige hin, allein in rechts ragen die Felsgebilde empor. Jetzt
                                                                                            Ramsau am Dachstein gibt es aktuell 20, geht es zur Sache. Wir steigen über Geröll-
                                                                                            ein Eldorado für Klettersteiggeher. Genau­ felder bergab. Das feine Material am Bo-
                                                                                            genommen gilt Ramsau als die Wiege der den verrät uns, dass wir in einem Glet-
                                                                                            Klettersteige, da 1843 am Hohen Dach- schergebiet sind, viel Lockermaterial ist
                                                                                            stein die ersten künstlichen Steighilfen hier in Bewegung. Vorbei an einigen Morä-
                                                                                            fertiggestellt wurden – mit Handhaken, nenwällen erreichen wir den Aufstieg zum
                                                                                            Eisenstiften, eingemeißelten Tritten und Tor. Dieser ist zwar nie ausgesetzt, aber
                                                                                            Seilversicherungen. Bekannt und berüch- fürchterlich anstrengend – zwei Schritte
                                                                                            tigt ist der Steig »Superferrata«, der auf geht man vor, einen rutscht man zurück.
                                                                                            den Dachsteingipfel führt und mit 6,2 Ki- Kleine Murgänge verändern ständig den
                                                                                            lometern Länge und 1800 Höhenmetern Wegverlauf – ein guter Rhythmus ist ge-
                                                                                            als einer der längsten Klettersteige der fragt, dann sind diese 250 Höhenmeter im
                                                                                            Alpen gilt. Während der nächsten Minute Nu bewältigt. Lassen wir uns einfach vom
                                                                                            wechselt ständig die Perspektive, schnell Blick auf die Südwände hypnotisieren. Un-
                                                                                            haben wir über dem steinigen Pfad die bemerkt haben wir am Beginn des An-
                                                                                            kleine Scharte am Marstein erreicht. Vor stiegs zum Tor die historisch so wichtige
                                                                                            uns bauen sich das Raucheck (2139 m) und Bundesländergrenze zwischen Steiermark
                                                                                            der mächtige Torstein (2948 m) auf. Das und Salzburg überschritten. Am Tor ange-

Am Anfang der Tour ist man auf Tuchfühlung   Nach dem Gipfel des Rötelsteins geht es ra-
                                                                                            Auf der Wallehenalm sorgt man dafür, dass den Gästen nicht kalt wird.
mit den Südwänden.                           sant bergab. Auffallend ist die rote Färbung
                                             des Kalks – Rost.

Die erste der Tal-Berg-Wanderungen Bewegung sind und regelmäßig für kleine
schließt an die in Route 4 beschriebene Wegänderungen sorgen. Das Dreigestirn
5-Hütten-Tour an und beginnt bei der Tal- liegt in seiner ganzen Pracht vor uns. Un-
station der Seilbahn, Türlwand (1692 m). terhalb der Südwände schließt ein schutt-
Der Begriff Türlwand wird gemeinhin für bedeckter Bereich an, darunter folgen
den ganzen Bereich um die Talstation der wieder Felsbänder – diese sind aus Wet-
Seilbahn verwendet. Rechts von der tersteinkalk, wesentlich älter als der Gip-
Bergstation führt der Weg an den steilen felaufbau. Wir sehen den Marstein
Abhängen der Südwände bis zur Süd- (1861 m), einen kleinen Vorgipfel, der wie-
wandhütte. Auf der Westseite der Hütte derum aus noch älterem Guttensteiner
steigen wir steil bergab. Am Wegrand Kalk und Dolomit besteht. Somit liegt der
fallen wieder dünnblättrige Gesteine auf Großteil der Gesteine der nördlichen Kalk­
– so nah am Dachstein, und immer noch alpen wie im Bilderbuch vor uns. Zu erken-
kein Kalk! Der ganze Riedl (Hügel) der Süd- nen ist auch der weitere Wegverlauf – los
wandhütte besteht aus wasserstauenden geht es Richtung Sulzenhals, Tor und
Werfener Schichten, die immer wieder in Bachlalm.
88 | Bergauf, bergab unterwegs auf drei Ebenen                                                                                               Hinauf zu den Almen der Türlwand | 89    5
                                                                                             ten. Richtung Rötelstein geht es erst durch jungem, ungemein reinem Kalkgestein aus
                                                                                             Latschen mäßig, bald über unangenehm der Jurazeit. Sein Zwilling, der Plassen
                                                                                             zu bewältigendes Geröll steil bergauf. Die (1953 m), liegt nördlich des Dachsteins und
                                                                                             leichte Kraxelei im Geröll ist bald vorbei, ist für dieses Gestein namensgebend. Im
                                                                                             das Gelände lehnt sich zurück und wir er- Tal liegt die kleine Ortschaft Filzmoos, in-
                                                                                             reichen nach gut 1 h 30 den grasbewach- mitten der sanften Berge der Grauwa-
                                                                                             senen Gipfelaufbau (2247 m) – überra- ckenzone. Es gibt für den weiteren Weg
                                                                                             schend flach nach diesem Aufstieg. Auf zwei Möglichkeiten: wieder zurück auf
                                                                                             dem Plateau liegen überall eigenartige gleichem Weg oder die Überschreitung.
                                                                                             kristalline Schotter herum, Augensteine Eine Überschreitung, und somit ein Ab-
                                                                                             (siehe Thema Route 12), und trotz Gipfel stieg über den Südwestgrat des Rötel-
                                                                                             fühlt man sich nicht ganz oben, in Anbe- steins, lässt die Wanderung zu einer lan-
                                                                                             tracht der benachbarten Bergriesen, die gen Tagestour ausarten, die sich aber alle-
                                                                                             zum Greifen nahe scheinen – für manche mal lohnt. Vorsicht ist auf den ersten
                                                                                             der schönste Dachsteinblick. Die Sicht ist 0 h 30 geboten! Der weitere Weg ist an
                                                                                             in alle Richtungen frei, Niedere Tauern, einer Stelle etwas ausgesetzt und erfor-
                                                                                             Bischofsmütze, Torstein, die Almen der dert dort Trittsicherheit und Schwindel­
                                                                                             Ramsau, im Hintergrund Großglockner, freiheit. Nach dem rasanten Abstieg auf
                                                                                             Wiesbachhorn und die Gletscher der Ho- den Wiesen der Ahorneggalm heißt es
                                                                                             hen Tauern. Noch einmal Geologie muss aufmerksam der spärlichen Beschilderung
                                                                                             sein: Der Rötelstein selbst besteht aus sehr Richtung Reitalm nach Norden folgen. Der
Nach dem steilen Anstieg zum Tor wartet ein angenehmer Weg durch das Rauchkar zum
Sulzenhals.
                                                                                             Der Gipfel des Rötelsteins bietet eine herrliche Aussicht auf den Torstein und in alle
                                                                                             Himmelsrichtungen.
kommen, ist Zeit für eine Rast, knapp 2 h 30   kletterer als vielmehr die Rock’n’Roller
sind vergangen. Die Sicht nach Westen          unter den Alpinisten. Für die gesamte
öffnet sich, der Torstein, aus Dach-           Durchsteigung werden etwa 10 Stunden
stein-Riffkalk, wächst direkt über uns her-    gerechnet, ohne Zustieg und Abstieg, bei
aus. Bequem wandern wir in das Rauchkar        großem Sicherungsaufwand und Wegsu-
weiter und erreichen eine Abzweigung, die      chen entsprechend mehr.
in die berühmte Windlegerscharte führt.        Wenige Minuten vor dem Sulzenhals
Wir folgen immer weiter den Hinweisschil-      zweigt der Weg auf den Sulzenschneid ab.
dern zum Sulzenhals, der vom Tor nach          Am höchsten Punkt, dem Predigtstuhl, ist
etwa 0 h 45 erreicht ist. Hinter uns liegt     ein schönes Gipfelkreuz errichtet. Von dort
etwas unscheinbar der Windlegergrat.           führt der Weg weiter zur Hofpürglhütte
Kletterer erreichen über ihn den Gipfel des    und bildet die Verbindung zu Wanderun-
Torsteins in Schwierigkeiten von IV bis ma-    gen um den Gosaukamm (siehe Route 16).
ximal V. Der Grat gilt als eine der längsten   Wir wandern zum Sattel des Sulzenhalses
alpinen Klettertouren der Ostalpen: 1920       weiter. Die Hinweisschilder bestätigen,
erstmals begangen, 52 Seillängen, 1000         dass der Aufstieg zum Rötelstein nun be-
Höhenmeter, 2100 Klettermeter. Insider         schwerlich wird. Auffallend ist der rote,
meinen, er fasziniere weniger die Sport-       lehmige Boden – genau: Werfener Schich-
90 | Bergauf, bergab unterwegs auf drei Ebenen                                                                                          Hinauf zu den Almen der Türlwand | 91      5
                                             und die urigere Wallehenhütte erreicht ist.
                                             Vorsicht – hier bleibt man leicht hängen.
                                                                                            Dachstein-Südwand –
                                             Von hier sind es etwa 0 h 45 zurück zum
                                             Sulzenhals, am Ende über auffallend toni-      Sehnsucht, Schicksale, Triumphe
                                             ge, nasse Erde.
                                             Für den Rückweg wandern wir auf breitem
                                             Weg bergab Richtung Bachlalm, über den
                                             malerischen Schnittlauchboden. Das
                                             Rauch­eck links vor uns wird mit abneh-
                                             mender Höhe immer größer und schroffer.
                                             Wir folgen dem Bachverlauf und erreichen
                                             nach einem Gatter bald die Schaidalm und
                                             die Almflächen der Bachlalm, die Alm mit
                                             den Murmeltieren. Diese sind hier nicht
                                             unbedingt heimisch, in den 1970er-Jahren
                                             wurden sie angesiedelt. Heute wirbt die
                                             Bachlalm mit den Nagern, die ihre Scheu
                                             vor dem Menschen manchmal vergessen
                                             und sich, erwünscht oder nicht, streicheln
                                             lassen. Man könnte die Tour hier enden
                                             lassen – von der Bachlalm führt ein Shutt-
                                             lebus zur Busstation Dachsteinruhe. Wer
                                             zu Fuß weiter möchte –die alpinistischen
                                             Schwierigkeiten sind bewältigt – nimmt
Über den Schnittlauchboden erreicht man      den genussvollen Forstweg durch den
die schön gelegene Bachlalm.                 Brandwald, bis die Bäche der Maralm er-        Bergführergeneration der 1930er-Jahre auf der Dachstein-Südwandhütte. Vorne die Legenden
                                             reicht sind. Die lange, ereignisreiche Runde   Franz Steiner, Eduard Pichl und Georg Steiner.
                                             ist vollendet, wenn wir bei der Dachstein-
Weg mündet in eine Forststraße, und wer straße wieder in die Zivilisation zurückkeh-
die Karte studiert, erkennt, dass nun leider ren (müssen). Von dort kann man entwe-         Montblanc und Großglockner waren reichte der kaiserliche Jäger Jakob
ein Umweg auf dem Plan steht, da per der mit dem Bus wieder ins Tal, oder es                längst bezwungen, als im frühen 19. Jahr- Buchsteiner vom Gosaugletscher aus erst-
Verbot kein direkter Weg zur Wallehen- lockt ein abendlicher Abstecher in die               hundert erstmals versucht wurde, den mals den Gipfel. Die ersten Torsteinbege-
hütte führt. Also geht es neben dem Bach Brandalm oder auf die Austriahütte.                Dachstein zu erklimmen. 1812 unternahm hungen fanden viel Beachtung, die Erst-
rasch bergab zur ausgesprochen schön                                                        Erzherzog Karl den ersten Versuch, den bezwingung des Dachsteins hingegen
gelegenen Reitalm, direkt vor der Bischofs-                                                 Dachstein von Norden zu besteigen – der kaum. Seit der neuen Vermessung 1822
mütze – ein schönes Fotomotiv. Unterhalb                                                    untere Teil des Hallstätter Gletschers er- stand fest, welcher Gipfel der höchste ist.
verläuft die Forststraße für den weiteren                                                   hielt daher seinen Namen, Karlseisfeld. Ausgerechnet ein Filzmooser, Peter Gapp-
Weg. Nach einem Bach steigt der Weg                                                         Sein Bruder, Erzherzog Johann, der »Steiri- mayer, wurde vom Grazer Professor Carl
kontinuierlich an, und rechts weisen Hin-                                                   sche Prinz«, war Erstbesteiger der Hoch- Thurnwieser als Sponsor angespornt, 1832
weisschilder den Weg zum Sulzenhals.                                                        wildstelle der Niederen Tauern; seiner In- den Hohen Dachstein über den Go-
Über weites Almgelände, an ursprüngli-                                                      itiative ist auch die Erstbegehung des Tor- saugletscher und Westgrat erstmals zu
chen Almbehausungen vorbei, geht es                                                         steins zu verdanken, der lange Zeit als besteigen. Jener Professor galt als der ers-
bergauf, bis endlich die Krahlehenhütte                                                     höchster Gipfel des Gebirges galt. 1819 er- te Tourist in der Region und blickte selbst
92 | Bergauf, bergab unterwegs auf drei Ebenen                                                                                             Hinauf zu den Almen der Türlwand | 93        5
                                             Johann Frischauf einen Durchstieg von          Steinerband, ist bereits »vernagelt«. Seit
                                             Süden, noch bevor der heute gängigste          den ersten Gehversuchen fanden hunder-
                                             Steig über die »Schulter« errichtet wurde.     te Touristen, aber auch Bergführer, hier ihr
                                             Die erste Ramsauer Bergführergenerati-         Schicksal. Bis heute ist die Bergrettung
                                             on, die Herren Knaus, Steiner und              fast täglich im Einsatz; die häufigsten
                                             Schrempf, inspizierten die Wand in sei-        Gründe sind Selbstüberschätzung, das
                                             nem Auftrag und gingen dabei nicht zim-        Miss­achten von alpinen Gefahren und das
                                             perlich mit dem Berg um. Um den soge-          Ignorieren von Wetterlagen.
                                             nannten Seilwurfriss unterhalb des West-       Der Steinerweg erfuhr bald Varianten
                                             grats zu erreichen, schreckten sie auch vor    und noch direktere Wege. Aber die Brüder,
                                             Sprengungen nicht zurück. 1889 gelang          allen voran Irg, wurden zur Legende. Als
                                             die erste Durchkletterung der Südwand          Wilderer hat er tausend Gemsen geschos-
                                             bis zur Oberen Windlucke, westlich des         sen und mindestens hundert Kinder ge-
                                             Gipfels. Die erste Bezwingung der Süd-         zeugt. Tagsüber bestieg er Berge, näch-
                                             wand des Hohen Dachsteins wurde erst           tens die Sennerinnen. Ein abgedroschener
                                             zwölf Jahre später, 1901, von Eduard Pichl     Spruch begleitet die Geschichten über ihn:
                                             vollzogen, allerdings nicht in der Falllinie   »Griaß di, Vater«, riefen sie ihm zu, worauf
                                             des Gipfels, sondern zur Ostgratschulter       er antwortete: »Von wöllener bistn du?«.
                                             – womit die Sehnsucht immer noch nicht         Der damalige Forstmeister aus Gosau gab
                                             gestillt war.                                  den Befehl aus: »Wer ihn im Wald antrifft
                                             Jede berühmte Wand hat ihre Helden, de-        – sofort ohne Anruf erschießen!« Noch als
                                             ren Namen untrennbar mit dem Berg ver-         50-Jähriger durchstieg er neue Routen, vor
                                             bunden sind. Die Dachsteinsüdwand hat          allem um den Däumling im Gosaukamm,
Das Salzburger Band am Steinerweg ist eine   die Steiner-Brüder. 1909 haben Georg           der als der schwierigste Gipfel im              Die Überwindung des Steinerbands galt als
der zahlreichen Schlüsselstellen in freier   »Irg« und Franz Steiner einen Mythos ge-       Dachsteinmassiv gilt, er war aber auch im       Pionierleistung des alpinen Kletterns.
Kletterei.
                                             schaffen, indem sie das Unmögliche mög-        ganzen Alpenraum als Bergführer unter-
                                             lich machten. Ihr Vater Hans Steiner war       wegs. Für seine Einsätze bei der Bergret-
                                             bereits Bergführer der ersten Stunde in        tung erhielt er das Grüne Kreuz. Jahre be-      achtzig Jahren erkrankte er leicht. In der
1834 vom Hauptgipfel in das umliegende       Ramsau und hatte mit dem ebenso legen-         vor Bubi Bradl den 100-Meter-Rekord im          Meinung, er müsse sterben, stieg er auf
Gipfelmeer. Friedrich Simony schaffte        dären Johann Schrempf, dem »Auhäusler«,        Skisprung erreichte, plante er die Errich-      die »Aussicht«, seinen Lieblingsberg,
1842 die erst sechste Besteigung, aber als   bereits 1880 den Weg zur Oberen Windlu-        tung einer Großschanze auf der Zwiesel-         schaufelte ein Grab und legte sich hinein.
Erster über die sogenannte Randkluft von     cke gesucht; dort stiegen die Brüder ein.      alm. Er experimentierte mit Steighilfen         Nach zwei Tagen begann es leider zu reg-
Norden. Und er übernachtete im Winter        Sie nahmen eine Stange mit, mit der            für Ski und entdeckte das Prinzip des           nen, da stand er auf, schüttelte sich und
zwei Nächte auf dem Dachstein, was ihm       presste Franz an der Schlüsselstelle, heute    Schuppenski. Anekdoten sind reichlich do-       ging wieder heim. Als er 1972 tatsächlich
die Erkenntnis einbrachte, dass man des-     Steinerband genannt, den vorgestiegenen        kumentiert. Im Ersten Weltkrieg beging er       starb, wurde er in der neuen Leichenhalle
halb nicht notwendigerweise erfrieren        Irg gegen die Wand, bis dieser fortsetzen      Fahnenflucht: »Im Kriag, da schiassns jo        von Gosau aufgebahrt, ehe er in einer
müsse.                                       konnte. Nur fünf Stunden dauerte die »Lö-      auf Leit«, soll er gesagt haben. In Wahrheit    Nacht- und Nebelaktion von Ramsauern
Der Dachstein galt von Süden zwischen        sung des Wandproblems«. Heute teilt der        lag es wohl eher daran, dass er nicht in die    gekidnappt und in Ramsau würdevoll be-
Windleger- und Feisterscharte lange Zeit     Weg an schönen Wochenenden der                 Dolomiten, sondern in die serbische Ebe-        erdigt wurde.
als unbezwingbar. Der »Hallstätter Nor-      Hauptsaison das Schicksal vieler Mode-         ne versetzt werden sollte; das war dem
malweg« von Norden war 1871 wegen sei-       touren, etliche Seilschaften durchsteigen      Bergmenschen nicht recht. Also versteck-
nes weit geöffneten Bergschrunds keine       täglich die Wand. Als Schlüsselstelle gilt     te er sich jahrelang im Dachsteingebirge
Option. Daher plante der Grazer Professor    ein Überhang (IV+); die andere Stelle, das     und überlebte den Krieg. Im Alter von
Sie können auch lesen