Die Schulpsychologie - Bildungsberatung - Bericht zur internen Evaluation Evaluationsbericht an das Bundesministerium für Unterricht und Kunst ...

 
Anselm Eder

Die Schulpsychologie – Bildungsberatung
Bericht zur internen Evaluation

Evaluationsbericht an das Bundesministerium für Unterricht und Kunst

Wien, Dezember 2008
Inhalt

   1. Einleitung                                                                            3

   2. Was ist ein Schulpsychologe?
      Das Selbstbild vom Fremdbild                                                          4

   3. Was tut ein Schulpsychologe?
      Das Tätigkeitsprofil: Wunsch und Wirklichkeit                                         5

         Übersicht 1.1:
         Tätigkeitsprofil der SchulpsychologInnen,
         Wunsch und Wirklichkeit: derzeitiges Tätigkeitsprofil
         und durchschnittlicher Zeitaufwand dafür                                           6

         Übersicht 1.2:
         Tätigkeitsprofil der SchulpsychologInnen,
         Wunsch und Wirklichkeit:
         Liste der Tätigkeiten, die nach Ansicht der
         SchulpsychologInnen zum Tätigkeitsprofil
         gehören sollten, aus Gründen von Zeit- und
         Personalmangel aber nicht oder fast nicht
         ausgeübt werden können                                                             8

   4. Die Zufriedenheit mit der Aufteilung der Arbeitszeit                                  11

         Übersicht 2: Die Zufriedenheit mit dem Tätigkeitsspektrum                          13

   5. Problematische gesellschaftliche Entwicklungen, die das
      Tätigkeitsspektrum von SchulpsychologInnen berühren,
      und die Möglichkeiten und deren Grenzen, darauf zu reagieren                          19

   6. Die Darstellung der Schulpsychologie-Bildungsberatung
      in der Öffentlichkeit                                                                 22

         Übersicht 3: Die Beurteilung der Art der öffentlichen
         Darstellung der Tätigkeiten von Schulpsychologinnen                                23

   7. Schlussfolgerungen                                                                    31

   8. Zusammenfassung                                                                       33

   9. Abstract                                                                              35

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Anhang 1: Das Evaluationsdokument                                                      37

   Anhang 2: Synopsis der Antworten                                                       43

Anhang 2.1: Kurzbezeichnungen für das Tätigkeitsspektrum:
Ist/soll                                                                                  43

Anhang 2.4: gesellschaftliche Entwicklungen, die abgelehnt
werden, aber das Tätigkeitsspektrum bestimmen                                             78

Anhang 2.6: sonstige Tätigkeiten, die notwendig aber nicht
möglich sind.                                                                             82

Anhang 2.7: die wichtigsten Gründe, die an der Ausübung der
obigen Tätigkeiten hindern                                                                87

Anhang 2.8: Angenommen, eine Mutter oder ein Vater eines
Schülers fragt Sie: „Was ist eigentlich ein Schulpsychologe, für
was ist der da?“ Wie würden Sie ihm/ihr antworten?                                        92

Anhang 2.9: Wenn es in Ihrer Macht stünde, das Tätigkeitsspektrum
der Schulpsychologie/Bildungsberatung neu festzulegen; in welcher
Weise würden Sie das tun?                                                                 100

Anhang 2.10: Wie beurteilen Sie die Art und Weise, in der bisher
die Tätigkeit von Schulpsychologinnen und Schulpsychologen in
der Öffentlichkeit bekannt gemacht worden ist?                                            105

Anhang 2.11: falls Sie zugestimmt haben zu „Könnte sehr
viel besser sein“: in welcher Hinsicht?                                                   107

Anhang 2.12: Fragen, die wir sonst noch hätten stellen sollen,
und die Antworten darauf                                                                  112

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1. Einleitung

Im November 2008 erging der Auftrag des Bundesministeriums für Unterricht und
Kunst, eine interne Evaluation der Schulpsychologie-Bildungsberatung
durchzuführen. Ziel war es, die aktuelle Wahrnehmung der Schulpsychologie-
Bildungsberatung aus dem Blickwinkel der Leiter/innen und der Mitarbeiter/innen der
Schulpsychologie-Bildungsberatung zu erfassen; Chancen, Herausforderungen,
Grenzen sowie Stärken und Schwächen aufzuzeigen. Fragestellungen dabei waren:

- Inwieweit haben Standards gegriffen;

- Auswirkungen der bisherige Positionierungsarbeit ,

- wie groß ist die Identifikation mit Aufgabenfeldern,

- gibt es gegebenenfalls Szenarien zu einem bedarfsgerechteren Einsatz
vorhandener Kapazitäten

- gibt es Szenarien für ein schulpsychologisches Programm einer Beratung,
Supervision und/oder Intervention zur Unterstützung individualisierter Lehrer-
Schüler-Beziehungen auszuarbeiten, und

- werden Möglichkeiten gesehen, das Tätigkeitsspektrum des schulpsychologischen
Dienstes in einer Weise darzustellen, die geeignet ist, einen systematischen
Überblick auch über jene Tätigkeiten zu gewinnen, die möglicherweise von
Randkompetenzen mehr als bisher in den Bereich der Kernkompetenzen gerückt
werden sollten.

Im Rahmen dieser Aufgabenstellung wurde zunächst ein Erhebungsdokument in
Form eines teilstrukturierten Fragebogens zur Erhebung der derzeitigen Leistungen
und Schwerpunktsetzungen im Bereich Schulpsychologie/Bildungsberatung
ausgearbeitet. Dieser Fragebogen wurde von insgesamt 110 SchulpsychologInnen
beantwortet, d.s. rund 3/4 der in diesem Bereich arbeitenden Personen. Der
vorliegende Bericht gibt einen Überblick über die in diesem Fragebogen gegebenen
Antworten und versucht, daraus Schlussfolgerungen abzuleiten, die zu den oben
gestellten Fragen Stellung nehmen.

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2. Was ist ein Schulpsychologe?
Das Selbstbild vom Fremdbild

Im Rahmen der internen Evaluation war zunächst von Interesse, wie die befragten
SchulpsychologInnen ihre eigene Tätigkeit gegenüber jenen Personen definieren, die
nicht innerhalb des Schulsystems arbeiten und daher auch nicht aufgrund ihrer
beruflichen Tätigkeit über die Arbeit der Schulpsychologie informiert sind. Die
Schulpsychologen wurden daher gefragt: „Angenommen, eine Mutter oder ein Vater
eines Schülers fragt Sie: „Was ist eigentlich ein Schulpsychologe, für was ist der da?“
Wie würden Sie ihm/ihr antworten?“

Die Antworten der SchulpsychologInnen auf diese Frage nach der Selbstdarstellung
gegenüber den Eltern fallen sehr eindeutig aus. Alle Antworten haben das
gemeinsame Element: Beratung bei Schwierigkeiten, die im Zusammenhang mit der
Schule stehen. Bei vielen Antworten werden die klinisch-psychologische Diagnostik
und das Gespräch als Elemente dieser Arbeit explizit genannt. Die Problemlösung in
schwierigen Einzelfällen steht also bei der Selbstdefinition der Tätigkeit von
SchulpsychologInnen nach außen im Vordergrund. Dabei sind die Personen, die den
Psychologen das Problem präsentieren, aus deren Sicht in erster Linie Schüler und
Eltern, seltener Lehrer. Bei den meisten Antworten wird auf die fachliche Kompetenz
als Psychologe hingewiesen, die den Psychologen vom Tätigkeitsspektrum des
Lehrers abhebt. Die kritische Differenz zwischen dem Aufgabenbereich des Lehrers
und dem des Psychologen spielt somit in der Darstellung nach außen eine nicht
unerhebliche Rolle. (Vgl. Anhang 2.8)

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3. Was tut ein Schulpsychologe?
Das Tätigkeitsprofil: Wunsch und Wirklichkeit

Die Frage nach dem Tätigkeitsprofil der SchulpsychologInnen steht mit dieser
Selbstdarstellung nach außen in einem logischen und ziemlich eindeutigen
Zusammenhang. Übersicht 1.1 zeigt die von den SchulpsychologInnen angegebenen
Tätigkeiten ihres Berufsalltages, in Kategorien zusammengefasst. In der zweiten
Spalte der jeweils ersten Zeile ist der Durchschnitt des Prozentsatzes an Arbeitszeit
angegeben, den die befragten SchulpsychologInnen nach eigener Einschätzung mit
der jeweiligen Tätigkeit tatsächlich verbringen („ist“), in der jeweils zweiten Zeile der
Prozentsatz, den sie nach der Einschätzung jener, deren Arbeitszeit nicht so ist, wie
sie nach ihrer Meinung sein sollte, damit verbringen sollten („soll“). Es handelt sich
also um eine Einschätzung der Vorstellungen, wie die Arbeitszeit im Sinne einer
besseren Erfüllung der gestellten Aufgaben aufgeteilt sein sollte.

Diagnostik und Beratung machen mit durchschnittlich je 35 bzw. 38 Prozent den
weitaus überwiegenden Teil der Tätigkeiten aus. Für 34% der Schulpsychologen
würde für diagnostische Tätigkeiten ein Arbeitsaufwand von etwa 26%
wünschenswerter sein. Der durchschnittliche Zeitaufwand für längerfristige Beratung
und Behandlung, also Begleitung von problematischen Schülern im Einzelfall, wird
mit durchschnittlich 7% angegeben, 26% der PsychologInnen sind aber der Meinung,
dass durchschnittlich doppelt so viel Zeit dafür notwendig wäre. Auch Vernetzung,
Kontakt zu anderen Organisationen und Arbeit innerhalb des Schulsystems, also
Arbeit mit LehrerInnen, DirektorInnen, mit Schulklassen und anderen
Ansprechpartnern innerhalb des Schulsystems, sollte nach Meinung von 21% der
SchulpsychologInnen mehr Zeit in Anspruch nehmen als es derzeit möglich ist.
Ähnliches gilt für Lehrerfortbildung, eigene Fortbildung und Tätigkeiten als
Referenten. Als zu hoch wird der Arbeitsaufwand für Administration betrachtet. Die
Zeit für eigene wissenschaftliche Arbeit und Forschung und vor allem für Prävention
kommt deutlich zu kurz: letzteres wird allerdings erst durch den Vergleich mit
Übersicht 1.2 deutlich, siehe unten.

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Übersicht 1.1:
Tätigkeitsprofil der SchulpsychologInnen,
Wunsch und Wirklichkeit: derzeitiges Tätigkeitsprofil und durchschnittlicher
Zeitaufwand dafür

Tätigkeiten derzeit                                                     genannt durch-
                                                                        von % schnitt min max
Diagnostik                                                       ist         84     35   8 70
                                                                 soll        34     26   5 50
Gutachtenerstellung                                              ist         58     10 0,5 30
                                                                 soll        19      8   2 20
Beratung von. Schülern, Eltern, Lehrern                          ist         95     38   4 90
                                                                 soll        46     38 10 85
Begleitung: längerfristige Beratung, Behandlung                  ist         54      7   0 30
                                                                 soll        26     14   2 44
Vernetzung: Kontakt zu anderen Organisationen                    ist         68      7   1 25
                                                                 soll        21     11   2 20
Arbeit im System: Lehrergruppen, Klassen, etc                    ist         75     14 0,5 56
                                                                 soll        33     20   1 95
Lehrerfortbildung                                                ist         31      6   1 15
                                                                 soll         9      7   1 15
eigene Fortbildung                                               ist         35      4 0,5 10
                                                                 soll        12      6   2 12
Öffentlichkeitsarbeit/Referententätigkeit                        ist         53      5   0 20
                                                                 soll        12      7   1 17
Administration                                                   ist         66     12   2 40
                                                                 soll        25      7 0,5 30
Krisenintervention                                               ist         49      7 0,5 70
                                                                 soll         8      6   1 10
eigene wissenschaftliche Arbeit/Forschung                        ist         23      5   1 11
                                                                 soll         6     11   4 33
Präventionsarbeit                                                ist          6     15   1 30
                                                                 soll         1      5   5  5

Legende zu Übersicht 1.1: siehe Übersicht 1.2

                                     Schulpsychologie-Bildungsberatung: Interne Evaluation. Seite   6 von 117
Übersicht 1.2 gibt Aufschluss über die Tätigkeiten, die derzeit überhaupt nicht von
den Schulpsychologen ausgeübt werden können, aber ihrer Meinung nach im Sinne
der Erfüllung ihrer Aufgaben von ihnen ausgeübt werden sollten. Dabei fällt auf, dass
einige der Tätigkeiten in Übersicht 1.2 auch schon in Übersicht 1.1, die über die
tatsächlich ausgeübten Tätigkeiten Aufschluss gibt, aufscheinen. Das liegt daran,
dass manche der SchulpsychologInnen diese Tätigkeiten (vor allem: präventive
Arbeit) als Teil der von ihnen derzeit schon ausgeübten Tätigkeiten bezeichnen,
andere nicht. An erster Stelle der Tätigkeiten, die nicht oder nicht ausreichend
ausgeübt werden können, steht Prävention. Prävention kommt auch in den
Antworten zu den verschiedensten Fragen immer wieder vor und wird sehr häufig als
etwas betont, bei dem ein dringender Nachholbedarf besteht. Die anderen
Tätigkeitsbereiche lassen sich im Wesentlichen in zwei große Gruppen gliedern:

1.) Arbeit im System, Coaching, Supervision von LehrerInnen, SchülerInnen,
SchulleiterInnen, Projektarbeit mit SchülerInnen, also Arbeit in und mit dem System
Schule eher als mit Einzelpersonen, und

2.) die längerfristige Betreuung und Beratung einzelner Schüler und Schülerinnen auf
einem individuellen Niveau, Therapie- und Beratungsangebote, oder therapienahe
Angebote, oft auch als „Begleitung“ bezeichnet.

                                     Schulpsychologie-Bildungsberatung: Interne Evaluation. Seite   7 von 117
Übersicht 1.2:
Tätigkeitsprofil der SchulpsychologInnen,
Wunsch und Wirklichkeit:
Liste der Tätigkeiten, die nach Ansicht der SchulpsychologInnen zum
Tätigkeitsprofil gehören sollten, aus Gründen von Zeit- und Personalmangel
aber nicht oder fast nicht ausgeübt werden können

                                                                                  genannt durch-
Wunsch:                                                                           von % schnitt min max
selber unterrichten                                                                     2     10 10 10
Lehrerfortbildung                                                                      14      5  1 10
Prävention                                                                             29     12  3 50
Vernetzung                                                                              4      8  5 10
längerfristige Betreuung/Beratung von Schülern,
Therapieangebote                                                                          17           20       5   80
Projektarbeit mit Schülern/Lehrern                                                         8           18       3   80
Coaching/Supervision von Lehrer/innen/SchulleiterInnen                                    19           16       1   50
Systemarbeit: Arb. mit Schule als System statt mit Einzelpers.                            16           15       2   50
Arbeit mit Eltern                                                                          2           10      10   10
Fallbesprechungen, Intervision                                                             2            7       4   10
eigene Supervision                                                                        12            3       1    5
eigene Fortbildung                                                                         4            8       5   15
eigene Forschung                                                                           8            9       5   30

Hitliste: Die von den meisten SchulpsychologInnen
als dringend notwendig genannten Tätigkeiten
 Prävention                                                                               29           12      3    50
 Coaching/Supervision von Lehrer/innen/SchulleiterInnen                                   19           16      1    50
 Lehrerfortbildung                                                                        14            5      1    10
 längerfristige Betreuung/Beratung von Schülern,
Therapieangebote                                                                          17           20      5    80
 Systemarbeit: Arb. mit Schule als System statt mit Einzelpers.                           16           15      2    50
 eigene Supervision                                                                       12            3      1     5

eigene Fortbildung und Forschung, Intervision,
Arbeit mit Eltern, Projektarbeit mit SchülerInnen,
Vernetzung, selber unterrichten
wurde von insgesamt 30% der SchulpsychologInnen
genannt; die Summe der Einschätzungen würde
ungefähr 70 % der Tätigkeit ergeben

                                    Schulpsychologie-Bildungsberatung: Interne Evaluation. Seite   8 von 117
Legende/Leseanleitung zu den Übersichten 1.1 und 1.2:

Zeile 1 („ist“):

Spalte 1 „genannt von %“: Diagnostik wurde von 83% der antwortenden
SchulpsychologInnen als Tätigkeit angegeben

Spalte 2, „Durchschnitt“,:
Diagnosetätigkeiten nehmen nach Angabe der SchulpsychologInnen im
Durchschnitt 35 % ihrer Arbeitszeit in Anspruch.

Spalte 3, „min“: Die niedrigste Angabe über die mit Diagnosetätigkeiten prozentuell
verbrachte Zeit war 10%

Spalte 4, „max“: die höchste Angabe war 70%

Zeile 2 („soll“): Aufteilung der Arbeitszeit, wie sie sein sollte; beantwortet nur von
jenen, für die die tatsächliche Aufteilung anders ist als sie sein sollte. Spalten w.o.

Spalten zu Übersicht 1.2 w.o.

                                      Schulpsychologie-Bildungsberatung: Interne Evaluation. Seite   9 von 117
Zusammenfassend lässt sich also sagen: Bei der Wahrnehmung des eigenen
Aufgabengebietes gegenüber Eltern und Schülern steht für praktisch alle
SchulpsychologInnen die Funktion des Ratgebers und der Hilfestellung bei
Problemen in und mit der Schule im Vordergrund. In dieser Position gelangen
SchulpsychologInnen in ein strukturelles Dilemma, das darin besteht, dass sie mit
einer stark steigenden Zahl individueller Problematiken konfrontiert werden und
erkennen müssen, dass der von ihnen als dringend erkannten Notwendigkeit der
Einzelfallbetreuung nicht annähernd in dem Ausmaß entsprochen werden kann, wie
sie das aus den Erkenntnissen ihres Berufsalltages heraus für notwendig halten. In
dieser Situation erkennen die meisten SchulpsychologInnen folgerichtig nur zwei
Möglichkeiten des Ausweges; nämlich

1.) eine drastische Verbesserung der personellen (somit auch: finanziellen)
Ausstattung der Schulpsychologie/Bildungsberatung, und/oder

2.) eine Verschiebung des Tätigkeitsspektrums von der Einzelfallberatung hin zur
systemischen Beratung und Intervention, bei der vor allem auf der Prävention ein
entscheidendes Gewicht liegen muss. Als Methode dieser Arbeit im System wird
häufig auf Projektarbeit mit Lehrern, Schülern, fallweise auch Eltern, hingewiesen.
Auf diese Verschiebung wird auch im Folgenden noch näher eingegangen werden.

                                   Schulpsychologie-Bildungsberatung: Interne Evaluation. Seite   10 von 117
4. Die Zufriedenheit mit der Aufteilung der Arbeitszeit

Die durchaus gesehene Notwendigkeit einer teilweisen Umschichtung im
Tätigkeitsspektrum ist aber, das zeigen die Übersichten 2.1. bis 2.6, nicht als
generalisierte Unzufriedenheit mit dem Beruf zu sehen, sondern als sehr
differenzierte Einschätzung, dass in manchen Bereichen Verschiebungen notwendig
sind. Das Gesamtausmaß der Zufriedenheit mit der Aufteilung der Arbeitszeit zeigt
die Übersicht 2.1: Mehr als 70% der befragten SchulpsychologInnen sind mit der
Aufteilung ihrer Arbeitszeit zumindest „im großen und ganzen“ zufrieden. Auch sagen
fast 70%, dass die Aufteilung ihrer Arbeitszeit den derzeitigen Erfordernissen dieser
Arbeit entspricht. Von diesen derzeitigen Erfordernissen hebt sich aber sehr deutlich
die Einschätzung der Erfordernisse der Schule ab, wie die SchulpsychologInnen sie
gerne hätten: fast 80% sagen, dass die Aufteilung ihrer Arbeitszeit nicht den
Erfordernissen der Schule entspricht, so wie sie diese Schule gerne hätten. Die
Zufriedenheit mit der Aufteilung ist also absolut kein Grund, diese Aufteilung nicht
dennoch unter dem Gesichtspunkt der eigenen beruflich erarbeiteten Visionen für
Schulentwicklung kritisch zu betrachten (Übersicht 2.3). Aus Übersicht 2.4 geht auch
recht deutlich hervor, dass diese Erfordernisse der Schule, so wie Schulpsychologen
sie für notwendig halten würden, nicht in erster Linie den ganz persönlichen
Bedürfnissen dieser Psychologen entspricht, sondern ihrer Vision einer zukünftigen
Schule. Auf diese Vision wird wohl bei einer zukünftigen Beschäftigung mit dem
Tätigkeitsspektrum der Schulpsychologie/Bildungsberatung eingegangen werden
müssen. Denn es sagen fast 60%, dass die Aufteilung ihrer Arbeitszeit zwar im
großen und ganzen ihren persönlichen Bedürfnissen entspricht (Übersicht 2.4), und
dies, obwohl nur knapp 30% sagen, dass die Aufteilung ihrer Arbeitszeit den
Erfordernissen einer Schule entspricht, so wie sie sie als Psychologen gerne hätten
(Übersicht 2.3). Ganz ähnlich die Antworten in Übersicht 2.5: Die Aufteilung der
Arbeitszeit entspricht eher nicht oder gar nicht demjenigen, wohin sich die Schule
nach der Einschätzungen der Antwortenden entwickeln wird. Dies gilt für etwa 70%
der befragten Schulpsychologen.

Bei der Frage, ob die Tätigkeit von SchulpsychologInnen von gesellschaftlichen
Entwicklungen, die von ihnen abgelehnt werden, bestimmt wird, haben einige
PsychologInnen gewantwortet, dass es nicht ihre Aufgabe sei, gesellschaftliche

                                    Schulpsychologie-Bildungsberatung: Interne Evaluation. Seite   11 von 117
Entwicklungen zu beurteilen, sondern sich mit den Auswirkungen dieser
gesellschaftlichen Entwicklungen helfend auseinanderzusetzen. Demgemäß ist es
auch nur ein kleiner Prozentsatz, der diese Frage bejaht (Übersicht 2.6)

                                   Schulpsychologie-Bildungsberatung: Interne Evaluation. Seite   12 von 117
Übersicht 2: Die Zufriedenheit mit dem Tätigkeitsspektrum

Übersicht 2.1: „Ich bin mit der obigen Aufteilung meiner Arbeitszeit
zufrieden“ (N=108)

                   AAZ: zufrieden
              80

              70

              60

              50

              40

              30

              20
    Prozent

              10

              0
                            ganz                           eher nicht
                                    im großen und ganzen                  gar nicht

                   AAZ: zufrieden

                                                  Schulpsychologie-Bildungsberatung: Interne Evaluation. Seite   13 von 117
Übersicht 2: Die Zufriedenheit mit dem Tätigkeitsspektrum

Übersicht 2.2: „Ich glaube, dass die obige Aufteilung meiner Arbeitszeit
den Erfordernissen der Schule entspricht, wie sie derzeit ist“ (N=106)

                   AAZ entspricht derzeit. ERfordernissen
              70

              60

              50

              40

              30

              20
    Prozent

              10

              0
                            ganz                          eher nicht
                                   im großen und ganzen                  gar nicht

                   AAZ entspricht derzeit. ERfordernissen

                                                 Schulpsychologie-Bildungsberatung: Interne Evaluation. Seite   14 von 117
Übersicht 2: Die Zufriedenheit mit dem Tätigkeitsspektrum

Übersicht 2.3: „Ich glaube, dass die obige Aufteilung meiner Arbeitszeit
den Erfordernissen der Schule entspricht, wie ich sie gerne hätte“
(N=86)

                   AAZ entspricht Erford. wie ich gerne hätte
              60

              50

              40

              30

              20
    Prozent

              10

              0
                            ganz                          eher nicht
                                   im großen und ganzen                  gar nicht

                   AAZ entspricht Erford. wie ich gerne hätte

                                                 Schulpsychologie-Bildungsberatung: Interne Evaluation. Seite   15 von 117
Übersicht 2: Die Zufriedenheit mit dem Tätigkeitsspektrum

Übersicht 2.4: „Ich glaube, dass die obige Aufteilung meiner Arbeitszeit
meinen persönlichen Bedürfnissen entspricht“ (N=105)

                   AAZ entspricht pers. Bedürfn.
              60

              50

              40

              30

              20
    Prozent

              10

              0
                            ganz                          eher nicht
                                   im großen und ganzen                  gar nicht

                   AAZ entspricht pers. Bedürfn.

                                                 Schulpsychologie-Bildungsberatung: Interne Evaluation. Seite   16 von 117
Übersicht 2: Die Zufriedenheit mit dem Tätigkeitsspektrum

Übersicht 2.5: „Ich glaube, dass die obige Aufteilung meiner Arbeitszeit
dem entspricht, wohin sich die Schule nach meiner Einschätzung
entwickeln wird“ (N=93)

                   AAZ entspricht Entwicklungen
              60

              50

              40

              30

              20
    Prozent

              10

              0
                           ganz                          eher nicht
                                  im großen und ganzen                  gar nicht

                   AAZ entspricht Entwicklungen

                                                Schulpsychologie-Bildungsberatung: Interne Evaluation. Seite   17 von 117
Übersicht 2: Die Zufriedenheit mit dem Tätigkeitsspektrum

Übersicht 2.6: „Ich glaube, dass die Tätigkeit von Schulpsychologen von
gesellschaftlichen Entwicklungen die ich ablehne, bestimmt wird“ (N=95)

                   Tätigkeit von Entwicklgen beeinflusst die ich ab
              40

              30

              20

              10
    Prozent

              0
                            ganz                          eher nicht
                                   im großen und ganzen                  gar nicht

                   Tätigkeit von Entwicklgen beeinflusst die ich ablehne

                                                 Schulpsychologie-Bildungsberatung: Interne Evaluation. Seite   18 von 117
5. Problematische gesellschaftliche Entwicklungen, die das Tätigkeitsspektrum
von SchulpsychologInnen berühren, die Möglichkeiten und deren Grenzen,
darauf zu reagieren

Auf die Frage, welche gesellschaftlichen Entwicklungen das nun sind, die sie
ablehnen, haben 30 Personen geantwortet: Diese von den SchulpsychologInnen
genannten gesellschaftlichen Entwicklungen lassen ebenfalls Schwerpunkte
erkennen (vgl. Anhang 2.4).

Hier wird vor allem eine deutliche Zunahme an Verhaltensproblematik genannt, die
mit Mobbing, Gewalt und Rückzug zu tun hat. Für diese Entwicklung wird von
mehreren SchulpsychologInnen der Strukturwandel in der Familie mit damit
einhergehenden veränderten Sozialisationsbedingungen verantwortlich gemacht.
Werteverlust, Konsumgesellschaft, Verlust an Toleranz, Solidarität, aber auch
Leistungsbewusstsein spielen dabei eine Rolle. Dieser von vielen
SchulpsychologInnen wahrgenommenen Entwicklung steht aber zunächst keine
andere Möglichkeit als die der verstärkten Beratung auf dem individuellen Niveau
gegenüber, was von vielen als Auftrag zu einer Sisyphusarbeit erkannt wird.
Ganz in diesem Sinn sind auch die Antworten auf die Frage, welche Tätigkeiten
sonst noch im Rahmen der Berufsausübung von SchulpsychologInnen geleistet
werden könnten und sollten, an denen sie aber aus Gründen gehindert werden, die
außerhalb ihres Einflussbereiches liegen. Auch hier lassen sich wieder zwei
Schwerpunkte erkennen (vgl. Anhang 2.6): nämlich

1.) Schwerpunkte auf der Ebene der individuellen Betreuung: längerfristige
Betreuungen, Sprechstunden, Sprechtage, begleitende Betreuung vor allem von
SchülerInnen, aber fallweise auch Eltern, über längere Zeiträume hinweg, mehr
Anwesenheit vor Ort und an den Schulen, mehr langfristige Begleitungen, usw., und

2.) Interventionen auf der Systemebene, auch hier wieder vor allem Prävention, aber
auch nachhaltige Projekte, Prozessbegleitungen bei Schulentwicklungsmaßnahmen,
Öffentlichkeitsarbeit , Bewusstseinsbildung, Entwicklung von Rahmenbedingungen,
Sprechtage an Schulen, Klasseninterventionen, Mitwirkung an der
Lehrplanerstellung, an Anti-Gewalt-Konzepten, kurz, eine stärkere Einbindung in die
Schulpolitik.

                                  Schulpsychologie-Bildungsberatung: Interne Evaluation. Seite   19 von 117
Bei der Frage, was nach Meinung der SchulpsychologInnen die wichtigsten Gründe
sind, die sie daran hindern, diese obigen Tätigkeiten auszuüben, herrscht eine
geradezu verblüffende Einigkeit (vgl. Anhang 2.7):

90 von 96 SchulpsychologInnen, das sind 94%, weisen auf Zeit- und
Personalmangel als Grund hin. Die sechs anderen Personen weisen auf mangelnde
Integration der Schulpsychologie ins Schulsystem hin (Anhang 2.7.17) auf schlechte
Führung, auf die hohen Kosten einer qualifizierten Ausbildung (Anhang 2.7.32 und
2.7.33), auf die bestehende Organisationsstruktur (Anhang 2.7.67), Auf Überlastung
mit „Feuerwehrtätigkeiten“ (Anhang 2.7.71), sowie auf historische Gegebenheiten
und parteipolitisches Kalkül (Anhang 2.7.82 und 2.7.96)

Auf die Frage: „Wenn es in Ihrer Macht stünde, das Tätigkeitsspektrum der
Schulpsychologie/Bildungsberatung neu festzulegen; in welcher Weise würden Sie
das tun?“ lassen sich die folgenden drei Schwerpunkte in den Antworten erkennen
(vgl. Anhang 2.9):

Zum Einen wird auch hier wieder auf die zu geringe Anzahl von Stellen hingewiesen.

Der zweite Schwerpunkt liegt in dem Hinweis auf die Schwerfälligkeit des
Verwaltungsapparates, auf den zu großen Anteil administrativer Arbeit.

Der dritte Schwerpunkt liegt darin, eine Verschiebung des Tätigkeitsspektrums
vorzuschlagen: die Zuständigkeitsbereiche müssten (neu) definiert werden, eine
vermehrte Vernetzungstätigkeit mit psychologisch-pädagogisch-sozialen Institutionen
zum Abgleich des Tätigkeitsprofils und zur Auslagerung eines Teiles der
notwendigen Betreuungsarbeit wird vorgeschlagen: Vernetzung nicht nur der
Schulpsychologen mit anderen Einrichtungen, sondern auch der Schulpsychologen
untereinander, Intervision und Supervision werden häufig als notwendig gesehen.
Auch hier ist die Präsenz an den Schulen – vor allem im Zusammenhang mit
Präventionsarbeit – der am deutlichsten hervortretende Schwerpunkt. Dabei wird
auch oft auf die Notwendigkeit der klareren Trennung zwischen „Reparaturarbeit“,

                                  Schulpsychologie-Bildungsberatung: Interne Evaluation. Seite   20 von 117
psychologischer Diagnostik und Präventionsarbeit, hier gesehen als Arbeit am
System Schule, hingewiesen (recht deutlich in der Aussage in Anhang 2.9.71).

                                  Schulpsychologie-Bildungsberatung: Interne Evaluation. Seite   21 von 117
6. Die Darstellung der Schulpsychologie-Bildungsberatung in der
Öffentlichkeit

Einen Aufschluss darüber, wie die Art der Darstellung in der Öffentlichkeit gesehen
wird, geben die Übersichten 3.1 bis 3.6.

Etwa 40% empfinden diese Darstellung in der Öffentlichkeit als „ganz“ oder „eher“
ausgezeichnet, etwa 60% als „nicht“ oder „überhaupt nicht“ (Übersicht 3.1).
Auch empfindet mehr als die Hälfte der SchulpsychologInnen die Darstellung als
„eher nicht“ oder „überhaupt nicht“ professionell (Übersicht 3.2), und rund die Hälfte
empfindet die öffentliche Darstellung als „ganz“ oder zumindest „eher“ unzureichend.
(Übersicht 3.3)

Ebenfalls fast als die Hälfte meint, dass die öffentliche Darstellung der tatsächlichen
Tätigkeit „eher nicht“, und fast 10%, dass sie ihr „überhaupt nicht“ entspricht.
Allerdings meinen auch mehr als die Hälfte, dass die Darstellung der Tätigkeiten von
SchulpsychologInnen zwangsläufig inadäquat sind, weil diese Tätigkeiten zu vielfältig
sind (Übersicht 3.5). Das abschließende Urteil, dass die öffentliche Darstellung sehr
viel besser sein könnte, teilen fast 80% „ganz“ oder zumindest „eher“ (Übersicht 3.6).

                                    Schulpsychologie-Bildungsberatung: Interne Evaluation. Seite   22 von 117
Übersicht 3: Die Beurteilung der Art der öffentlichen Darstellung der Tätigkeiten von
Schulpsychologinnen

Übersicht 3.1: „Die Art der öffentlichen Darstellung der Tätigkeiten von
SchulpsychologInnen ist ausgezeichnet“ (N=102)

                   Öff. Darst. Ausgezeichnet
              50

              40

              30

              20

              10
    Prozent

              0
                            ganz         eher         eher nicht     überhaupt nicht

                   Öff. Darst. Ausgezeichnet

                                                Schulpsychologie-Bildungsberatung: Interne Evaluation. Seite   23 von 117
Übersicht 3: Die Beurteilung der Art der öffentlichen Darstellung der Tätigkeiten von
Schulpsychologinnen

Übersicht 3.2: „Die Art der öffentlichen Darstellung der Tätigkeiten von
SchulpsychologInnen ist professionell“ (N=102)

                    Öff. Darst.professionell
               40

               30

               20

               10
     Prozent

               0
                             ganz          eher          eher nicht     überhaupt nicht

                    Öff. Darst.professionell

                                                  Schulpsychologie-Bildungsberatung: Interne Evaluation. Seite   24 von 117
Übersicht 3: Die Beurteilung der Art der öffentlichen Darstellung der Tätigkeiten von
Schulpsychologinnen

Übersicht 3.3: „Die Art der öffentlichen Darstellung der Tätigkeiten von
SchulpsychologInnen ist unzureichend“ (N=106)

                   Öff. Darst. unzureichend
              40

              30

              20

              10
    Prozent

              0
                            ganz         eher         eher nicht     überhaupt nicht

                   Öff. Darst. unzureichend

                                                Schulpsychologie-Bildungsberatung: Interne Evaluation. Seite   25 von 117
Übersicht 3: Die Beurteilung der Art der öffentlichen Darstellung der Tätigkeiten von
Schulpsychologinnen

Übersicht 3.4: „Die Art der öffentlichen Darstellung der Tätigkeiten von
SchulpsychologInnen entspricht dem, was wir tatsächlich tun“ (N=101)

                   Öff. Darst. entspricht tatsächl. Tätigk
              50

              40

              30

              20

              10
    Prozent

              0
                            ganz           eher         eher nicht     überhaupt nicht

                   Öff. Darst. entspricht tatsächl. Tätigk

                                                  Schulpsychologie-Bildungsberatung: Interne Evaluation. Seite   26 von 117
Übersicht 3: Die Beurteilung der Art der öffentlichen Darstellung der Tätigkeiten von
Schulpsychologinnen

Übersicht 3.5: „Die Art der öffentlichen Darstellung der Tätigkeiten von
SchulpsychologInnen ist zwangsläufig inadäquat,
weil die Tätigkeiten zu vielfältig sind“ (N=102)

                   Öff. Darst. zwangsläufig inadäquat
              60

              50

              40

              30

              20

              10
    Prozent

              0
                            ganz         eher         eher nicht     überhaupt nicht

                   Öff. Darst. zwangsläufig inadäquat

                                                Schulpsychologie-Bildungsberatung: Interne Evaluation. Seite   27 von 117
Übersicht 3: Die Beurteilung der Art der öffentlichen Darstellung der Tätigkeiten von
Schulpsychologinnen

Übersicht 3.6: „Die Art der öffentlichen Darstellung der Tätigkeiten von
SchulpsychologInnen könnte sehr viel besser sein“ (N=102)

                   Öff. Darst. könnte besser sein
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    Prozent

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                            ganz         eher         eher nicht     überhaupt nicht

                   Öff. Darst. könnte besser sein

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Dieses sehr kritische Bild von der öffentlichen Darstellung des schulpsychologischen
Dienstes ist aber unter zumindest zwei einschränkenden Bedingungen zu
betrachten:

1.) Es unterscheiden mehrere der SchulpsychologInnen sehr deutlich zwischen der
öffentlichen Darstellung durch das BMUKK (also im Bund) und der durch die
jeweiligen Landesreferenten. In den Fällen, wo auf eine solche Unterscheidung durch
die SchulpsychologInnen explizit hingewiesen wird, ist die Einschätzung der
öffentlichen Darstellung durch die jeweiligen Landesreferenten sehr viel günstiger als
die durch das BMUKK. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass im
Tätigkeitsspektrum der Schulpsychologie/Bildungsberatung sehr große regionale
Unterschiede, zurückgehend auf große regionale Unterschiede in der Art der
Probleme, vorliegen, die durch kleinräumlich regionale mediale Darstellung besser
repräsentiert werden können als durch eine gesamtösterreichische Darstellung. Auf
die große Heterogenität der Aufgabenspektren weisen auch die teilweise sehr stark
divergierenden Antworten auf die Frage 9 hin (vgl. unten und Anhang 2.9).

2.) Es wird bei vielen kritischen Stellungnahmen zur öffentlichen Darstellung explizit
darauf hingewiesen, dass eine öffentliche Darstellung, die das gesamte
Angebotsspektrum der Schulpsychologie/Bildungsberatung realistisch(er) darstellen
würde, wahrscheinlich dysfunktional wäre, weil sie die mit den derzeitigen
Ressourcen nicht einmal annähernd zu bewältigende Nachfrage nach Beratung und
vor allem Betreuung noch weiter massiv anheben würde. Es würde also bei einer
realitätsadäquaten Darstellung der vom System Schulpsychologie/Bildungsberatung
vorgesehenen Möglichkeiten zu wahrscheinlich monatelangen Wartezeiten bis zu
einem Beratungs- und/oder Betreuungstermin kommen. Die öffentliche Darstellung
der Schulpsychologie/Bildungsberatung steht also ganz offensichtlich vor einem
strukturellen Problem, ohne dessen Lösung diese öffentliche Darstellung
wahrscheinlich niemals adäquat sein können wird und somit zum Scheitern verurteilt
ist.

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Auf die Frage, in welcher Hinsicht die öffentliche Darstellung besser sein
könnte, gibt es wieder drei Gruppen von Antworten (vgl. Anhang 2.11).

1.) die Forderung nach mehr Medienpräsenz durch die Schulpsychologie. Es sollten
weniger Experten von außen und mehr Schulpsychologen gefragt werden und in den
Medien präsent sein, wenn Problemfelder und –fälle der Schule öffentlich diskutiert
werden. Auch die öffentliche Positionierung, Pressesprecher, Bewusstseinsbildung,
die Betonung präventiver Arbeit im Schulbereich, eine differenziertere Darstellung,
werden in diesem Zusammenhang genannt.

2.) Das Tätigkeitsfeld sollte nach Meinung vieler auf Kernbereiche eingegrenzt
werden. Das würde nicht nur das Problem der hoffnungslosen zeitlichen
Überforderung, sondern auch das der Darstellung nach außen, verbessern. Bei
dieser Einschränkung auf Kernbereiche müsste aber auch eine notwendige
Verschiebung, vor allem auf präventive Arbeit, eine Rolle spielen.

3.) Zusammenarbeit mit externen Personen aus den Bereichen PR, Medienarbeit,
Organisationsentwicklung, u.s.w., könnte nicht nur im Rahmen der von vielen
Schulpsychologen dringend geforderten Fortbildung und Supervision zur eigenen
Weiterentwicklung, sondern auch im Hinblick auf die Präsentation nach außen von
Nutzen sein.

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7. Schlussfolgerungen

Seit den mehr als 40 Jahren des Bestehens der Schulpsychologie –
Bildungsberatung haben sich massive Veränderungen im Anforderungsspektrum an
diese Berufsgruppe ergeben. Aus der Sicht der SchulpsychologInnen sind das vor
allem Wertewandel und Strukturwandel der Familie, die Verhaltensprobleme eines
ganz neuen Typs auftreten lassen – Probleme, die mit den derzeitigen Ressourcen
von der Schulpsychologie nicht zu bewältigen sind. Ob bzw. inwieweit es sich bei
diesen Veränderungen um tatsächliche Verschiebungen im Bedarf an psychologisch-
psychotherapeutische Begleitung handelt, oder um ein Zeichen gestiegener
Sensibilität gegenüber Verhaltensproblematiken, die noch vor wenigen Jahrzehnten
als „ganz normal“, oder als bedauernswerte Begleiterscheinungen pubertärer
Entwicklungen gesehen wurden, kann an dieser Stelle nicht geklärt werden.
Jedenfalls geht aus unserer Studie eindeutig hervor, dass auf Seiten der im Bereich
Schulpsychologie-Bildungsberatung arbeitenden Personen ein deutliches Defizit
wahrgenommen wird: sehr viele SchulpsychologInnen sehen sich einem Bedarf an –
vor allem längerfristiger – Betreuung und Präventionsarbeit gegenüber, den sie mit
ihren derzeitigen zeitlichen und personellen Ressourcen nicht erfüllen können. Ob
die Standards der Schulpsychologie neu zu definieren sind, ob die personelle
Situation durch eine massive Aufstockung der PsychologInnenstellen zu verbessern
ist, oder ob die derzeitigen Standards im Sinne einer Prioritätensetzung zu
diskutieren sind, kann durch die Evaluation nicht entschieden werden; dabei handelt
es sich um eine – letztlich – politische Entscheidung. Eine interne Spezialisierung auf
mehrere ausgewählte Kernbereiche, wahrscheinlich am Ehesten im Sinne eines
Rotationsprinzips, wäre aber möglicherweise ein Ansatz, der einigermaßen
kostenneutral zu bewerkstelligen sein könnte. Hier liegt möglicherweise ein
Ansatzpunkt für zukünftige Diskussionen.

Die Identifikation mit den bisherigen Aufgabenfeldern erscheint aus dem Blickwinkel
der internen Evaluation groß zu sein – ein Defizit in diesem Bereich ist jedenfalls
durch die vorliegende Studie nicht erkennbar geworden. Um die vorhandenen
Kapazitäten eventuell bedarfsgerechter einzusetzen, zeichnen sich neben der schon
erwähnten und von praktisch allen SchulpsychologInnen dringend geforderten

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Aufstockung von personellen und finanziellen Ressourcen die folgenden
Möglichkeiten ab:

Ein verstärkter Einsatz von Multiplikatoren aus dem Bereich der LehrerInnen und
SchülerInnen (Supervision von VertrauenslehrerInnen, SchülerberaterInnen)

Eine verstärkte Orientierung auf Projektarbeit, vor allem mit präventiven
Zielsetzungen

Eine deutlichere Arbeitsteilung der SchulpsychologInnen innerhalb einer regionalen
Einheit (z.B. Bundesland), wobei, etwa nach einem Rotationsprinzip, jeweils
Aufgaben wie Betreuung, Begleitung, Diagnostik, Projektarbeit, Arbeit mit
Multiplikatoren oder andere, von einigen schwerpunktmäßig betreut werden,
während andere sich wieder anderen Aufgaben widmen; das könnte sowohl zu einer
Abwechslung als auch zu einer zeitlich begrenzten Schwerpunktsetzung und
Spezialisierung im Tätigkeitsprofil führen.

Dies sind nur einige wenige Ansatzpunkte. Sie können als Anregung und
Ausgangspunkte für eine Diskussion dienen und müssen durch eine solche
Diskussion erweitert und ausgebaut werden. Sie könnten auch ein Ansatz für eine
schärfere Profilierung des Tätigkeitsspektrums sein, das einer medialen Darstellung
nach außen besser zugänglich sein könnte als das derzeit der Fall ist:
Schulpsychologen als Verantwortliche für jeweils ein konkretes, benennbares Projekt
im Rahmen von etwa Prävention, Multiplikatorenausbildung, Gesundheitsförderung
im psychosozialen Bereich, Schutz vor Gewalt und Mobbing, oder anderen
Bezeichnungen, die Anschluss an die öffentliche Diskussion finden, würden in der
öffentlichen Darstellung möglicherweise ein klareres Profil abgeben, als jene
Personen, die als Ansprechpartner für die im öffentlichen Bewusstsein immer noch
stigmatisierten „Problemfälle“ zur Verfügung stehen.

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8. Zusammenfassung

Im Rahmen einer internen Evaluation der Schulpsychologie – Bildungsberatung in
Österreich wurden die Antworten von rund 2/3 der im schulpsychologischen Dienst
arbeitenden Personen mit einem teilstrukturierten Fragebogen als
Erhebungsinstrument im November und Dezember 2008 erhoben. Dabei wurde u.a.
gefunden, dass die Tätigkeit der SchulpsychologInnen zu durchschnittlich rund 75%
von Diagnostik, Beratung und Betreuung bestimmt wird. Bei dieser relativ
weitgehenden Festlegung auf diese Tätigkeiten fallen vor allem zwei Effekte auf:

1.) Durch sich verändernde Rahmenbedingungen in und außerhalb des
Schulsystems kommt es zu einer strukturellen Überforderung: Es wird eine Zunahme
des Bedarfs an Beratung und Betreuung geortet, die zu einer steigenden
Notwendigkeit von entweder personeller und finanzieller Aufstockung und/oder einer
Diskussion bzw. Neugestaltung des Tätigkeitsspektrums führen muss. Dabei kann
auch eine Rückbesinnung auf bereits früher etablierte Möglichkeiten interner
Arbeitsteilung ein Ausweg sein.

2.) Durch die strukturell bedingte Schwächung der Möglichkeiten, mit gleich
bleibenden Personalressourcen eine ständig steigende Nachfrage adäquat zu
befriedigen kommt es zu einem drohenden Imageverlust des ganzen Bereichs
Schulpsychologie/Bildungsberatung in der Öffentlichkeit. Dies wird durch eine
Tendenz vieler Medien unterstützt, sich bei spektakulären Problemfällen eher an
bereits in den Medien bekannte Imageträger und Experten zu wenden, als an die im
Bereich Schulpsychologie arbeitenden Personen.

Als Ergebnis zeichnen sich u.a die folgenden möglichen Konsequenzen ab:

Um die Arbeit des ganzen Systems Schulpsychologie – Bildungsberatung sowohl
nach innen besser gestaltbar als auch nach außen besser darstellbar zu machen,
kann auf die bereits vorhandenen, im Rahmen der in der Abteilung
Schulpsychologie-Bildungsberatung des BMUKK entwickelten Strukturelemente
dieses Arbeitsbereiches zurückgegriffen werden. Bei diesen spielen systemische
Elemente eine mindestens ebenso große Rolle wie Diagnostik und Einzelfallberatung

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und – Behandlung. Um die tatsächliche Hinorientierung zu diesen systemischen
Elementen der Arbeit zu ermöglichen, wird es aber einer stärkeren inneren
Strukturierung, mithin auch einer verstärkten Kooperation und Arbeitsteilung
zwischen den in diesem Bereich arbeitenden Personen bedürfen.

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9. Abstract

In November and December 2008, the Austrian federal ministry of School and
Culture, department school psychology/educational counselling, assigned the
Institute of Sociology of the University of Vienna (Prof. Anselm Eder) with an internal
evaluation of school psychology in Austria. About two thirds of the persons working in
this area – school psychologists - returned a semi-structured questionnaire,
assessing

- the range of their activities,

- their own evaluation as to what extent these activities matched with what they
   thought were necessary activities in view of their actual job requirements,

- their view on which processes of societal change were impediments in fulfilling the
  job requirements as defined by themselves, and

- their views how well their work was represented in public and in the media.

We found that an average of about three quarters of the working time of school
psychologists in Austria is taken by diagnostic and counselling activities. Although we
did not find much resistance to this kind of time use on a personal level, it became
quite clear that this spectrum of activities creates a structural problem to most
persons working in this field: due to either increased sensitivity, or to increased need
for therapeutic and/or counselling interventions, both short term and even more so
long term, school psychologists are confronted with a dramatically rising demand for
psychological help. Practically all of the school psychologists who answered our
questionnaire strongly insisted on a deliberate need to increase financial and
personal ressources. Also, a re-structuring of the job descriptions are seen as a
potential solution by some. These job descriptions, however, probably include a
potential solution already: Increased cooperation and division of labour inside the
group of school psychologists, based on a rotation system, could be a clue to enable
a higher amount of systemic work, including prevention to a higher amount than is
presently possible, rather than merely working on a one-to-one basis with individual
pupils, teachers, headmasters, or parents.

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Another possible consequence is a stronger orientation towards project work: Due to
the rising demand for psychological interventions stated above, school psychologists
not only see themselves more and more overcharged with the increasing amount of
individuals seeking their help, they also do not find themselves appropiately
represented by the media and in the public discussion. This could well be partly due
to a certain stigmatization of persons seeking help for even less spectacular
problems: the desire to be considered “normal” (whatever that may be) is still very
widespread in Austria (and probably not only here). Therefore, persons seeking a
psychologist’s help are very often reluctant to talk in the public about the help they
got.

Mass media, on the other hand, tend to pick the more spectacular and mostly
horrible cases of excessive violence, violation, and the like, for their reports, for the
sake of higher quotes of spectators. And for these reports, persons known in public
to be experts for dramatic cases are more likely to be selected for interviews than
school psychologists, who are believed to deal more with what is publicly perceived
as “normality”. A stronger orientation of school psychologists towards bundles of
publicly known problem areas, such as violence, drug abuse, mobbing, bullying, and
the like, by doing more school projects together with all school partners, could be
both a way of orienting their work more towards prevention on a system level, thus
reducing – though not omitting – the work on an individual basis, and also towards
introducing more publicly known labels in the realm of their work, thus making it more
communicable, and avoiding the drawbacks of stigmatiziation of their clients.

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