Einstellung und motivation im politik-unterricht - grundlagen und studienergebnisse - Zentrum polis

 
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Einstellung und motivation im politik-unterricht - grundlagen und studienergebnisse - Zentrum polis
Einstellung
   und
   motivation
   im politik-
   unterricht

grundlagen und studienergebnisse

                 Jakob Feyerer
            Wien: Edition polis, 2021
Einstellung und motivation im politik-unterricht - grundlagen und studienergebnisse - Zentrum polis
Jakob Feyerer ist in Forschung und Lehre zu Politischer Bildung und sozialwissen-
schaftlichem Sachunterricht an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich tätig.
Kontakt: jakob.feyerer@ph-ooe.at
Einstellung und motivation im politik-unterricht - grundlagen und studienergebnisse - Zentrum polis
inhalt

 4   1. Politikbezogene Einstellung und Motivation
 5     1.1 Einstellung und Motivation, Wissen und Können
 6     1.2 Politisches Interesse
 7     1.3 Systemvertrauen
       1.4 Politikbezogenes Selbstbewusstsein
       1.5 Bürgertugenden
 8     1.6 Perspektiven von Lehrpersonen auf politische Mündigkeit

 9   2. Studie zu Einstellung und Motivation von Lehramtsstudierenden
       2.1 Fragestellung und Ziel der Studie
       2.2 Methodischer Zugang
10     2.3 Selbstwahrnehmung der befragten Studierenden
11     2.4 Interesse an Politik
12     2.5 System- und Selbstvertrauen
13     2.6 Bürgertugenden
14     2.7 Verantwortung für Politische Bildung und Vorbereitung durch das Studium

16   3. Schlussfolgerungen und Ausblick
       3.1 Empfehlungen für den Politikunterricht
18     3.2 Schlussfolgerungen zu den Studienergebnissen
Einstellung und motivation im politik-unterricht - grundlagen und studienergebnisse - Zentrum polis
1. Politikbezogene Einstellung und
   Motivation
  Für die Vorbereitung und Umsetzung von Politikunter-     Überzeugungen stehen mit Einstellungen und
  richt braucht eine Lehrperson entsprechendes Fach-       da­­durch begründeten Handlungen in direktem
  und Sachwissen sowie didaktische Kompetenz.              Zusammenhang.
  Um dieses professionelle Wissen im Unterricht ein­
  setzen zu können, werden außerdem eine entspre-          Motivation ist neben kognitiven Fähigkeiten und
  chende Motivation und Überzeugung „als Brücke            Persönlichkeitsmerkmalen wichtig für den Kompe-
  zwischen Wissen und Handeln der Lehrkräfte“              tenzerwerb (Kunter et al. 2011, 59) und daher auch
  benötigt. (Baumert und Kunter 2006, zitiert nach         im Politikunterricht Voraussetzung für gelingenden
  Reichhart 2015, 243)                                     Unterricht.

                                                                    trauen
                                                                        in
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                                   h a in t e r

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                                      wissen
                                   vorstellungen
                                   fähigkeiten

                                 iv
                              mot E ation
                                    i n s t ellun g

  4
1.1 Einstellung und Motivation, Wissen und Können
    Schule konzentriert sich bei Politischer Bildung we-      Das Kompetenzmodell von Detjen et al. (2012, 8)
    sentlich auf den Erwerb und die Überprüfung kogniti-      definiert Kompetenz als „Verbindung von Motiva-
    ver Kompetenzen in Form von Urteilskompetenz und          tion/Einstellung, Wissen und Können im Hand-
    Fachwissen, da diese beiden Aspekte des Politikun-        lungsvollzug“ und ist in die vier Dimensionen
    terrichts im Rahmen des Unterrichts noch am ehesten          •    politische Urteilsfähigkeit,
    überprüfbar sind.                                            •    politische Handlungsfähigkeit,
                                                                 •    Fachwissen sowie
    Die nötige Grundlage für den Kompetenzerwerb                 •    politische Einstellung und Motivation
    bilden jedoch die Motivation aller am Lernprozess         unterteilt. Implizite politikbezogene Motive als Grund-
    Beteiligten sowie deren individuelle Fähigkeiten, diese   lage für die vier Facetten der Dimension politische
    Motivation auch in konkretes Handeln umzusetzen           Einstellung und Motivation des Modells von Detjen
    (Volition). Diese Voraussetzungen werden wiederum         et al. (2012) sind
    stark von sozialen Bezugspersonen, von Vorbildwir-           •    politisches Interesse,
    kungen sowie von der vorherrschenden Grundhaltung            •    politisches Selbstbewusstsein,
    einer Gruppe beeinflusst. (Detjen 2010, 130)                 •    Systemvertrauen sowie
                                                                 •    politische Tugenden.

                                               politkompetenz
    Feststellungsurteil
    Erweiterungsurteil
             Werturteil
   Entscheidungsurteil                                  Politische
      Gestaltungsurteil                              urteil
                                                           sfähigkeit
                                                                                                  Artikulieren
                                                                                                  Argumentieren
                                                                                                  Verhandeln
                                                 Han Politische eit
                                                                                                  Entscheiden
                                                    dlungsfähigk
             Demokratie
Europäische Integration
     Interessengruppen
                Konflikt
                     (…)
      Öffentliche Güter                                 fachwissen
              Sicherheit

                                                                                                  Interesse
                                                                                                  Selbstbewusstsein
                                               Pol                                                Systemvertrauen
                                                   it ische Einstellung                           Bürgertugend
                                                     und motivation

    Abbildung: Modell Detjen et al. 2012, 15
    (farbliche Hervorhebung durch den Autor)

                                                                                                                    5
1.2 Politisches Interesse
Das Wecken politischen Interesses sowohl für po-          (vgl. Fend 1991, Kroh 2006). Auch scheint es einen
litikbezogene Unterrichtsinhalte als auch allgemein       Zusammenhang zwischen politischem Interesse, poli-
für gesellschaftspolitische Zusammenhänge ist eine        tikbezogenem Selbstkonzept und Wissenserwerb zu
zentrale Aufgabe des Politikunterrichts (Detjen et al.    geben. (Westle 2006, 237)
2012, 104 f.). Die Motivation für politische Inhalte
kann sich je nach Schulform und Geschlecht so-            1.2.1 Politisches Interesse und Geschlecht
wie nach individuellem und unterrichtsbezogenem           Ein erwiesener Zusammenhang besteht auch zwischen
Interesse unterscheiden. Spezifisches Interesse am        dem politikbezogenen Interesse und dem Geschlecht.
Unterrichtsgegenstand „führt zu längerer Ausdauer,        Laut Shell Jugendstudie sind männliche Jugendli-
Freude und besserer kognitiver Verarbeitung“. (Detjen     che mit 44 % politisch interessierter als weibliche
2012, 107 f.)                                             Jugendliche (38 %) und eher bereit, sich politisch
Wie Studien zeigen, ist grundsätzliches Interesse an      zu engagieren (Shell Jugendstudie 2019, 14), wobei
Politik vorhanden. In den österreichischen Ergebnis-      sich dieser Unterschied in den letzten Jahren etwas
sen der Europäischen Wertestudie 2018 wird Politik        verringert hat (Albert et al. 2019, 3). Auch Weißeno
zwar nur von 10 % der Befragten als „sehr wichtig“        und Landwehr (2015, 85 f.) stellen fest, dass Buben
bezeichnet, demgegenüber zeigen sich aber 20 % der        „über ein höheres fachspezifisches Selbstkonzept
Befragten an Politik „sehr interessiert“ und 40 % der     und politisches Interesse“ verfügen als Mädchen und
Befragten „etwas interessiert“ (Kritzinger et al. 2018,   zwischen Selbstkonzept und Interesse ein relativ
3 ff.). Auch andere vergleichbare Studien mit Schü-       hoher Zusammenhang besteht. In einer Befragung von
lerinnen und Schülern entsprechen im Wesentlichen         deutschen Studierenden, ReferendariatsabsolventIn-
diesem Bild. Die 18. Shell Jugendstudie 2019 zeigt ein    nen und LehrerInnen der Sekundarstufe 1 zur profes-
steigendes Interesse von Jugendlichen zwischen 12         sionellen Kompetenz von PolitiklehrerInnen wurde von
und 25 Jahren. Demnach gaben 41 % der befragten           Weißeno et al. (2013, 197) zum Selbstwirksamkeits-
Jugendlichen an, politisch interessiert zu sein. Das      gefühl bei angehenden weiblichen Lehrpersonen ein
ist eine deutliche Steigerung im Vergleich zu 37 % im     geringerer allgemeiner Wert festgestellt. Bezüglich der
Jahr 2010 und 35 % im Jahr 2006, aber ein leichter        Unterrichtsgestaltung und dem individuellen Umgang
Rückgang im Vergleich zu 43 % im Jahr 2015. Die           mit den SchülerInnen ist die Selbsteinschätzung aber
Bereitschaft zu eigenem politischem Engagement            ähnlich positiv wie bei ihren männlichen Kollegen. Das
liegt relativ stabil bei 34 %. (Albert et al. 2019, 3)    allgemeine Interesse an Politik steigt laut Weißeno
Das Interesse wirkt sich auch positiv auf die Motiva-     et al. (2013, 198) mit zunehmendem Alter. Frauen
tion aus, sich aktiv über Politik zu informieren (Shell   scheinen nach diesen Ergebnissen allgemein weniger
Jugendstudie 2015, 21). Der IEA International Civic       an Politik interessiert zu sein als Männer.
and Citizenship Education Study zufolge beschreiben
sich 67 % der befragten Schülerinnen und Schüler          1.2.2 Politisches Interesse und Bildung
als nicht oder nicht sehr interessiert an politischen     Auch die Auswertung von zwischen 2002 und 2008
und sozialen Themen, 33 % sind an diesen Themen           erhobenen Daten der European Social Survey ESS
ziemlich oder sehr interessiert (ICCS 2016, 215). Ein     zeigt einen Zusammenhang zwischen politischem
hohes Interesse der Schülerinnen und Schüler steht        Interesse und verbrachten Jahren im Bildungssystem.
in positivem Zusammenhang mit deren Motivation,           Während das Interesse beispielsweise nach neun
politische und soziale Themen auch außerhalb der          Bildungsjahren bei 31 % liegt, geben Befragte mit
Schule zu diskutieren (ICCS 2016, 82). Weiters wirkt      14 Bildungsjahren zu 50 % an, sich für Politik sehr
sich hohes Interesse positiv auf die Selbstwirksam-       (very interested ) oder etwas (fairly interested ) zu
keitsüberzeugung der Schülerinnen und Schüler aus         interessieren (ESS 2008, 9). Zu einem ähnlichen
(ICCS 2016, 85). Diese Erkenntnisse zum Interesse         Ergebnis kommen Oberle et al. in einer Studie über
an Politischer Bildung stimmen weitgehend mit den         Motivationsaspekte von Studierenden und Lehrkräften
Ergebnissen einer Reihe weiterer Studien überein          im Fach Politische Bildung. Demnach steigt das

6
Interesse an Politik
                                                              100 %

Interesse an Politik mit dem Alter an, mit
gleichbleibend größerem Interesse der Männer
                                                               50 %
an Politik. (Oberle et al. 2016, 61) Eine Ver-
gleichsstudie von Peter Filzmaier und Cornelia
Klepp (2009, 351) kommt zu dem Ergebnis,
dass der Bildungsgrad und die soziale Herkunft                                              6                      18
                                                                0%
wesentlichen Einfluss auf politisches Interesse                                                 Bildungsjahre
und Wissen sowohl von Jugendlichen als auch
von Lehrpersonen haben.                                      Eigene Darstellung in Anlehnung an ESS 2008

1.3 Systemvertrauen
Der Begriff Systemvertrauen beschreibt „das Erleben         Vertrauen der befragten deutschen Jugend­lichen in
der subjektiven Abhängigkeit vom demokratischen             politische Parteien von 2,6 auf einer Skala von 1 bis 5.
System“ und erleichtert auf individueller Ebene             Politikerinnen und Politikern wird konstatiert, vor allem
Informationsaustausch und Kooperation (Detjen et            die eigenen Interessen im Blick zu haben und wenig
al. 2012, 106 f.). Obwohl Schule und Unterricht das         zuverlässig zu sein. (Shell Jugendstudie 2015, 23)
Systemvertrauen der SchülerInnen nur wenig direkt           In der 18. Shell Jugendstudie 2019 gaben 71 % der
beeinflussen können, sollten politische Einstellungen       Jugendlichen an, nicht zu glauben, dass sich „Politiker
bewusstgemacht und kritisch reflektiert werden (Det-        darum kümmern, was Leute wie ich denken“, was auf
jen et al. 2012, 110). Die Ergebnisse der 17. Shell Ju-     eine relativ hohe Politikverdrossenheit unter Jugendli-
gendstudie 2015 zeigen ein vergleichsweise geringes         chen hinweist (Albert et al. 2019, 3).

1.4 Politikbezogenes Selbst­bewusstsein
Politikbezogenes Selbstbewusstsein bezeichnet,              geprägter Selbstwirksamkeit größeren Enthusiasmus
inwieweit man sich selbst in der Lage sieht, bezogen        für den Unterricht, eine stärkere normative Bindung
auf politische Inhalte individuelle Handlungsziele zu       an ihre Unterrichtstätigkeit und eine höhere Verbleibs-
erreichen. Diese Perspektive ist im Unterricht eng          wahrscheinlichkeit im Beruf zeigen“. Darüber hinaus
mit der individuellen Leistung sowie mit der eigenen        bezieht sich dieser Begriff auch auf die Vorbereitung
Handlungs- und Urteilsfähigkeit verbunden. (Detjen et       und Durchführung von Unterricht, letztere insbeson-
al. 2012, 105) Für den Unterricht bedeutet Selbst-          dere im Sinne des Umgangs mit Schülerinnen und
wirksamkeitsüberzeugung, dass „Lehrkräfte mit aus-          Schülern. (Baumert und Kunter 2011, 43)

1.5 Bürgertugenden                                          bereitschaft einerseits sowie politischem Handeln
Neben motivationalen Orientierungen üben auch               andererseits können verschiedenste Ausprägungen
beliefs, bezogen auf das „Verständnis von einem             haben, etwa in Form von Loyalität als individuelle
Fachbereich“ hinsichtlich der Zielvorstellung, „was ein     Verantwortungsübernahme für die Gemeinschaft, Mut
politisch gebildeter Jugendlicher sein soll“, einen star-   als Bereitschaft zur Verteidigung des Gemeinwesens,
ken Einfluss auf politischen Unterricht aus (Allenspach     freiwilliger Rechtsgehorsam, Kooperationsbereit-
2013b, 218). Bürgertugenden sind grundsätzliche             schaft oder Fairness (Detjen et al. 2012, 106). Aus
staatsbürgerliche Wertvorstellungen, die „den Bürge-        Daten des European Social Survey ESS zwischen
rInnen Orientierung bei der Wahrnehmung ihrer Rolle         2002 und 2005 lassen sich hinsichtlich ihrer Bedeu-
in der Demokratie geben“ (Detjen et al. 2012, 101).         tung für Europa folgende zentrale Bürgertugenden
Bürgertugenden im Sinne von „habituellen Disposi-           in absteigender Reihenfolge ableiten: Gesetzestreue
tionen“ als Mittler zwischen Wissen und Handlungs-          (obedience to laws), eigenständige Meinungsbildung

                                                                                                                   7
(autonomy), Beteiligung an Wahlen (electoral partici-       Vermittlung von bürgerlichen Rechten und Pflichten
pation), Solidarität mit benachteiligten MitbürgerInnen     (57 %) sowie Vermittlung von Umweltbewusstsein
(solidarity). Weit abgeschlagen folgen gesellschaftliche    (51 %). Bürgerliche Kompetenz von SchülerInnen
(civic participation) und aktive politische Beteiligung     wird als Stufenmodell konzipiert, beginnend mit einem
(political involvement). (ESS 2008, 15) Laut der 17.        basalen Verständnis von Demokratie (level D; basic
Shell Jugendstudie war den im Jahr 2015 befragten           features of democracy), übergehend in ein Grundver-
Jugendlichen neben FreundInnen, dem Partner bzw.            ständnis gesellschaftlicher und bürgerlicher Prinzipien
der Partnerin und einem intakten Familienleben der          und Konzepte (level C; fundamental principles and
„Respekt vor Gesetz und Ordnung“ sehr wichtig, ge-          broad concepts that underpin civics and citizenship),
folgt von umweltbewusstem Verhalten (Shell Jugend-          gefolgt von allgemeinem Institutionen- und System-
studie 2015, 28). In der 18. Shell Jugend­studie 2019       wissen und -verständnis (level B; most pervasive civic
wurden Gesetz und Ordnung von Umweltbewusst-                and citizenship institutions, systems, and concepts)
sein, hohem Lebensstandard und der Verwirklichung           und schließlich gipfelnd in ein kritisches Verständnis
eigener Bedürfnisse verdrängt (Albert et al. 2019, 5).      gesellschaftlicher Zusammenhänge (level A; critical
Im Rahmen der IEA International Civic and Citizenship       perspective). Während 3 % der befragten SchülerIn-
Education Study ICCS 2016 nennen die befragten              nen die unterste Stufe dieser Kategorisierung nicht
Lehrkräfte folgende staatsbürgerliche und politische        erreichen, sind 10 % der Stufe D zuzuordnen, 21 %
Kompetenzen als wesentlichste für ihren Unterricht:         der Stufe C, 32 % der Stufe B und 35 % der Stufe A.
selbstständiges und kritisches Denken (61 %),               (ICCS 2016, xvi)

1.6 Perspektiven von Lehrpersonen auf politische Mündigkeit
In einer qualitativen Studie hat Dominik Allenspach            steht die Kenntnis und Einhaltung „demokratischer
(2013b, 221 f.) hinsichtlich des grundsätzlichen Ver-          Regeln und […] Errungenschaften“, insbesondere
ständnisses von Politischer Bildung drei Ausprägungen          bezogen auf Rechte und Pflichten im Zusammen-
von Lehrpersonen identifiziert.                                hang mit Wahlen und Abstimmungen. (Allenspach
                                                               2013b, 224)
• Im Verständnis von sogenannten Kommunitaristen •             Schließlich sehen sogenannte Funktionalisten
    „ist ein kritischer, reflektierender und sozial enga-      einen Jugendlichen als politisch gebildet, „wenn er
    gierter Jugendlicher ein politisch gebildeter Ju-          bei seiner gesetzlichen Mündigkeit im Alter von
    gendlicher“. Wichtige Eigenschaften sind demnach           18 Jahren die an ihn gestellten Rechte und Pflich-
    Neugier, zusammenhängendes Denken, soziales                ten – vor allem im Zusammenhang mit der Steuer-
    Engagement, reflektiertes Betrachten der eigenen           pflicht – befolgt und wahrnimmt“. Politische Mün-
    Handlungen und der Handlungen anderer sowie                digkeit braucht demnach gesetzliche Mündigkeit
    die Ausbildung einer eigenen Meinung. (Allenspach          sowie „ein umfangreiches staatskundliches Wissen
    2013b, 223)                                                und verschiedene Tugenden wie Fleiß, Anstand und
•   Für sogenannte Demokraten „ist ein Jugendlicher            Pünktlichkeit“. (Allenspach 2013b, 225)
    dann politisch gebildet, wenn er ein demokrati-
    sches Bewusstsein und eine demokratische Haltung        Hinsichtlich der Ausprägung der drei Grundtypen zeigt
    aufweist. Dazu gehören soziale Grundeinstellungen       sich laut Allenspach, „dass die meisten Lehrpersonen
    wie Toleranz, Respekt und gegenseitige Rück-            ein leicht negatives kommunitaristisches, ein leicht
    sichtnahme sowie die Erkenntnis, dass die eigenen       positives funktionalistisches sowie ein leicht positives
    Anspruchshaltungen und hedonistisches Verhalten         oder leicht negatives demokratisches Verständnis von
    gegenüber dem Mehrheitsprinzip zurückgestellt           politischer Bildung haben.“ (Allenspach 2013a, 95)
    werden müssen“. Im Zentrum dieser Perspektive

8
2. Studie zu Einstellung und Motivation
   von Lehramtsstudierenden
    Ob Politikunterricht die SchülerInnen auch tatsächlich                               Lernen, sowie als schul- und professionstheoretische
    erreichen kann, hängt stark von der entsprechenden                                   Überzeugungen (Weißeno et al. 2013, 189), werden
    Einstellung und Motivation der Lehrperson ab. Da                                     in dieser Studie nur am Rande thematisiert. In den
    das Studium auch in diesem Zusammenhang wesent-                                      untersuchten Lehramtsstudien werden keine Lehr­
    liche Grundlagen für die spätere Unterrichtstätigkeit                                personen für ein eigenes Fach Politische Bildung
    schafft, lohnt ein Blick auf die motivationalen Orien-                               ausgebildet, sondern für Primarstufe oder Sekun-
    tierungen von Lehramtsstudierenden im Zusammen-                                      darstufe I. Folglich ist nicht vorauszusetzen, dass die
    hang mit Politischer Bildung. Weitere Dimensionen                                    befragten Studierenden ausgeprägte fachliche Vorstel-
    professioneller Handlungskompetenz von Politiklehre-                                 lungen zu Politischer Bildung zeigen. Vielmehr scheint
    rInnen, einerseits Professionswissen als Fachwissen,                                 die Verunsicherung im Zusammenhang mit Politischer
    fachdidaktisches Wissen und pädagogisches Wissen                                     Bildung unter Lehrpersonen dieser Schularten relativ
    sowie beliefs als Überzeugungen zum Zustandekom-                                     groß zu sein (Larcher & Zandonella 2014).
    men von Wissen, als Überzeugungen zum Lehren und

    2.1 Fragestellung und Ziel der Studie
    Über die Einstellung und Motivation von Lehrkräf-                                    wie Geschlecht oder Studiendauer in Zusammenhang
    ten und Studierenden des Fachs Politische Bildung                                    stehen.
    liegen bereits einige Studienergebnisse vor (Oberle                                  Die vorliegende Studie nimmt Studierende des
    et al. 2016, 55), von einem zusammenhängenden                                        Lehramtsstudiums für Primar- und Sekundarstufe I in
    Bild systematischer Erkenntnisse kann jedoch nicht                                   Deutschland, Österreich und Belgien in den Blick.1 Ziel
    gesprochen werden. Für den Pflichtschulbereich, wo                                   ist die Evaluierung politikbezogener Motivation und
    Politische Bildung einer von verschiedenen Schwer-                                   Einstellungen der Studierenden als essentielle Binde-
    punkten ist, gibt es vergleichsweise wenig Ergebnisse                                glieder zwischen Wissen und Erkenntnis einerseits und
    (Allenspach 2013a, 78).                                                              politikbezogenem Urteilen und Handeln andererseits.
    Aus dieser Forschungslücke ergibt sich die zentra-                                   Diese Erkenntnisse können zur Verbesserung sowie
    le Fragestellung dieser Studie, wie politikbezogene                                  zur zielgerichteten Ausgestaltung der allgemeinen
    Einstellung und Motivation bei Lehramtsstudierenden                                  Lehramtsausbildung hinsichtlich Politischer Bildung
    der Primarstufe sowie der Sekundarstufe I ausgeprägt                                 beitragen. Mit allgemeinem Lehramtsstudium ist in
    sind. Weiters stellt sich die Frage, wie unterschiedli-                              dieser Studie die Ausbildung für alle Lehramtsstudien
    che Formen politikbezogener Einstellung und Moti-                                    des Pflichtschulbereichs gemeint, die kein eigenes
    vation miteinander sowie mit Rahmenbedingungen                                       Fach Politische Bildung darstellen.

    2.2 Methodischer Zugang
    Folgende Aspekte politikbezogener Einstellung und                                    tung von Lehrkräften auf politikbezogenen Unterricht
    Motivation von Lehramtsstudierenden werden ana-                                      durch das Studium hinzu. Diese Aspekte werden auch
    lysiert: politikbezogenes Interesse, politikbezogenes                                mit Blick auf länderspezifische Unterschiede ausge-
    Selbstbewusstsein, Systemvertrauen sowie Bürgertu-                                   wertet und mit weiteren möglichen Einflussfaktoren
    genden. Hinsichtlich des Lehramtsstudiums kommen                                     abgeglichen, die sich als Rahmenbedingungen aus
    die wahrgenommene Verantwortung von Lehrerinnen                                      dem Angebots-Nutzen-Modell der Wirkungsweise des
    und Lehrern für Politische Bildung sowie die Vorberei-                               Unterrichts von Helmke (2009, 73) ableiten lassen.

 1 Dieser Beitrag ist ein Teilprojekt basierend auf dem Forschungsbericht „Gesellschafts- und berufsbezogene Werthaltungen von Lehramtsstudierenden. Empirische Befunde
   aus einer standardisierten, schriftlichen Befragung an pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg, Österreich und Ostbelgien“ im Auftrag der Max-Träger-Stiftung
   von Sebastian Dippelhofer, Jakob Feyerer und Jörg Mußmann (2018).

                                                                                                                                                                     9
Eingeschränkt auf die Zielgruppe angehender Lehre-        land, Österreich und im deutschsprachigen Teil Belgi-
rInnen sowie durch die spezifischen Anforderungen         ens mit einer Gesamtstichprobe von 2260 Studieren-
der Fachdisziplin Politische Bildung sind folgende        den erhoben wurden und die ein breites Spektrum an
Rahmenbedingungen relevant: aus dem weiteren Kon-         gesellschafts- und berufsbezogenen Werthaltungen
text die Schulart und die Bildungseinrichtung sowie als   abdecken.
personen- und studienbezogene Daten Geschlecht,
Fach- und Studiensemester. Die Datenbasis bilden                   Ordinalskala
überwiegend ordinalskaliert erfasste Indikatoren zur               Mit einer Ordinalskala werden Merkmals­
Lehramtsausbildung Primar- und Sekundarstufe, die                  ausprägungen in einer Rangfolge sortiert.
mit einem schriftlichen, standardisierten Fragebogen        Die Abstände zwischen den Rangplätzen sind
an insgesamt sechs Bildungseinrichtungen in Deutsch-        immer gleich groß.

2.3 Selbstwahrnehmung der befragten Studierenden
Zur Selbstwahrnehmung der Studierenden wird abge-         Politische Bildung, keine eigenständige Stellung in der
fragt:                                                    Lehramtsausbildung. In der Primarstufe sind die für die
•   das Interesse am allgemeinpolitischen Geschehen;      Politische Bildung relevanten Themen und Inhalte we-
•   das allgemeine politische Selbstbewusstsein in        sentlich im weiten Feld des Sachunterrichts integriert,
    Form der persönlichen Möglichkeiten der poli-         neben anderen Themenbereichen aus der Natur- und
    tischen Mitwirkung (allgemeine politische, nicht      Sozialwissenschaft (Detjen et al. 2004, 12). Nicht
    fachbezogene Handlungskompetenz) sowie hin-           erhoben wird die Selbstwirksamkeitsüberzeugung der
    sichtlich der wahrgenommenen Kompliziertheit          Studierenden zu Politischer Bildung. Fachbezogene
    politischer Vorgänge (Urteilskompetenz);              Einstellungen wurden mit dem Verantwortungsgefühl
•   Systemvertrauen als persönliche Einschätzung,         hinsichtlich folgender Aspekte abgefragt: Aufklärung
    inwieweit Gleichgültigkeit gegenüber Politik ver-     über gesellschaftliche Entwicklung, kritische Pers-
    antwortungslos ist und in welchem Ausmaß Politi-      pektive, nachhaltige Demokratieerziehung, Politische
    kerInnen das Beste für sich herausholen möchten.      Bildung sowie praktische Demokratieübung. Die quan-
Weiters werden drei Bürgertugenden abgebildet:            titative Überprüfung dieser Perspektiven kann eine
die besondere Verantwortung für die Stärkung und          qualitative Befragung nicht ersetzen, im abgefragten
Förderung des demokratischen Bewusstseins, die Ver-       Fokus aber Tendenzen aufzeigen. Folgend werden die
mittlung von Kritikfähigkeit sowie die Förderung des      Ergebnisse zu den einstellungs- und motivationsbe-
Wissens über soziale, politische und gesellschaftliche    zogenen Aspekten, zum allgemeinen Verantwortungs-
Institutionen. Außerdem wird erhoben, inwieweit die       gefühl für Politische Bildung sowie zur Vorbereitung
befragten Studierenden die Lehrkräfte darauf vorbe-       durch das Studium vorgestellt.
reitet sehen, Ziele der Politischen Bildung umzusetzen
und wie sie sich selbst als durch ihr Studium für diese
Aufgabe vorbereitet einschätzen. Das allgemeine
politikbezogene Interesse von Lehramtsstudierenden,
SchülerInnen und LehrerInnen ist als Standardfrage
in zahlreichen Befragungen dokumentiert. Politische
Bildung ist in Österreich in den befragten Schular-
ten kein eigenes Fach, hat keine eigene universitäre
Verankerung und im Gegensatz zu Studierenden
des Lehramts Politische Bildung in Deutschland, mit
Ausnahme des Fachs Geschichte und Sozialkunde/

10
2.4 Interesse an Politik
                                                                                               Interesse an Politik
Das allgemeine Interesse der befragten Studierenden             6
an Politik liegt mit einem Mittelwert von 3,77 knapp            5
über der Hälfte der siebenstufigen Skala (siehe                 4                3,58
                                                                                                            4,08
                                                                                                                                                                             3,77
Abb. 1).                                                                                                                                   2,71
                                                                3
                                                                2
          Mittelwert
                                                                1
          Der Mittelwert stellt als so genanntes
                                                                0
          arithmetisches Mittel den Durchschnitts-                         Deutschland                   Österreich                       Belgien                          Insgesamt
  wert aus mehreren Zahlen dar. Um den Mittelwert
  zu berechnen, werden alle Zahlen (Merkmalsbe-                         Abb. 1: Interesse an Politik allgemein
  träge) addiert und diese Summe durch die Anzahl
  der Zahlen (Merkmalsträger) dividiert.
                                                                                               Interesse an Politik
                                                          300
Im Ländervergleich weisen Studierende aus Öster­
reich dabei mit einem Mittelwert von 4,08 das                                                                                             275

                                                                                                                                                256
größte Interesse auf, gefolgt von Deutschland mit                                                                        241
3,58 und Belgien mit 2,71. Während sich das Inter-                                                                                                               221
esse in Deutschland zur Skalenmitte hin ansteigend
                                                          200
relativ gleichmäßig verteilt, ist für Österreich ein                                                                                                       188
                                                                                                                               178
deutlicher Überhang hin zu starkem beziehungsweise                                                                                                                                175
                                                          Studierende

sehr starkem Interesse zu beobachten (Abb. 2). In
Belgien zeigt sich eine leichte Tendenz zu niedrigerem                                                   128

allgemeinen Politikinteresse, wobei dieses Ergebnis
aufgrund der relativ kleinen Stichprobe von insgesamt     100
                                                                                                                                                                             87
95 befragten Studierenden nur eingeschränkte Aus-                                         79                   78

sagekraft hat. Insgesamt ist in Deutschland, Österreich
und Belgien zum Interesse an Politik ein jeweils eher                                          29                   26
unterschiedliches Antwortverhalten erkennbar. Es                            10
                                                                                 19
                                                                                                    13
                                                                                                                                     22               21
                                                                                      5                                                                                6
besteht also ein signifikanter Zusammenhang zwischen             0
                                                                                                                                                                                        2

                                                                            gar nicht          1               2               3                4                5          sehr stark
dem Land und dem geäußerten politischen Interesse
der befragten Studierenden.
                                                                                 Deutschland

            Signifikanz                                                          Österreich

            Signifikanz beschreibt, wie wahrscheinlich                           Belgien

            es ist, dass ein gemessener Zusammen-                       Abb. 2: Intensität des Politikinteresses
  hang zwischen zwei Merkmalen in einer Stichpro-
  be nicht zufällig auftritt, sondern auch allgemein                    Tendenziell interessieren sich männliche Studierende
  gilt. Je höher ein Zusammenhang signifikant ist,                      eher für Politik als ihre Kolleginnen. Diesbezüglich ist
  desto unwahrscheinlicher ist ein zufälliges Zustan-                   ein signifikanter mittlerer Zusammenhang zwischen
  dekommen.                                                             dem Geschlecht der Studierenden und deren In-
                                                                        teresse an Politik feststellbar, was den Ergebnissen
Auf einer siebenstufigen Skala von 0 = gar nicht bis                    vergleichbarer Studien entspricht. Ein sehr schwacher
6 = sehr stark wählten insgesamt 27,3 % der deut-                       Zusammenhang besteht zwischen dem Interesse an
schen und 41,4 % der österreichischen Studierenden                      Politik und dem Hochschulsemester, in dem sich die
eine der beiden stärksten Kategorien, in Belgien nur                    Studierenden zum Zeitpunkt der Befragung befinden.
8,4 %.

                                                                                                                                                                                            11
2.5 System- und Selbstvertrauen
Systemvertrauen meint im Rahmen dieser Studie indi-                     ab). Zwischen der geäußerten Zufriedenheit mit den
viduelle Einstellungen zu den Grundsätzen eines de-                     eigenen Möglichkeiten der politischen Mitwirkung
mokratischen Systems sowie zu dessen Institutionen                      (nicht fachbezogene Handlungskompetenz) und dem
und Entscheidungsprozessen. Die Einstellung, dass                       Geschlecht der befragten Studierenden besteht ein
Gleichgültigkeit gegenüber Politik verantwortungslos                    schwach signifikanter Zusammenhang. Männliche
sei, erreicht unter den befragten Studierenden mit                      Studierende äußern sich mit 20,3 % in den beiden
einem Mittelwert von 4,25 auf einer siebenstufigen                      niedrigsten Antwortkategorien unzufriedener mit den
Skala einen Wert im oberen Drittel (Abb. 3), was auf                    bestehenden Möglichkeiten der politischen Mit-
ein relativ ausgeprägtes Bewusstsein der Studierenden                   wirkung als Studentinnen mit 10,2 %. Ein schwach
hinweist, dass politikbezogene Ereignisse beachtet                      signifikanter Zusammenhang besteht zwischen dem
und thematisiert werden sollten. Weitere Selbstein-                     Geschlecht der Teilnehmenden und der Einschätzung,
schätzungen betreffen eigene Mitwirkungsmöglichkei-                     dass „Politikerinnen und Politiker das Beste für sich
ten (3,04), die eigene Urteilskompetenz (2,91) sowie                    herausholen“. Dieser Aussage stimmen in den beiden
das vermeintlich starke Eigeninteresse von Politike-                    höchsten Antwortkategorien 16,7 % der weiblichen
rInnen (2,71). Diese Werte liegen allesamt etwa im                      Studierenden sowie 22,6 % der männlichen Studie-
Durchschnitt der siebenstufigen Skala, was insgesamt                    renden zu. Zwischen der Einschätzung der eigenen
keine eindeutigen Schlussfolgerungen zulässt.                           Urteilskompetenz und der Schulart (Primarstufe oder
                                                                        Sekundarstufe 1/NMS) besteht ein schwach signifi-
                                                                        kanter Zusammenhang. Die befragten Studierenden
      system- und selbstvertrauen                                       in Deutschland und Österreich zeigen sich in ihrer
               (Mittelwerte)                                            Einschätzung, dass politische Gleichgültigkeit verant-
        Eigeninteresse von                    2,71                      wortungslos ist, mit 49,8 % beziehungsweise 46,6 %
         Urteilskompetenz                      2,91
                                                                        in den beiden höchsten Zustimmungskategorien der
                                                                        siebenstufigen Skala schwach signifikant deutlich posi-
Mitwirkungsmöglichkeiten                          3,04
                                                                        tiver als jene in Belgien mit 24,7 %. Das eigene Ver-
 Gleichgültigkeit gegenüber                                  4,25
Politik ist verantwortungslos                                           antwortungsgefühl, sich mit Politik zumindest bewusst
                                0     1   2   3          4      5   6   auseinanderzusetzen, ist somit sowohl in Deutschland
                                                                        als auch in Österreich relativ groß.
Abb. 3: System- und Selbstvertrauen
                                                                        Was die politischen Mitwirkungsmöglichkeiten
Es können Zusammenhänge zwischen dem                                    betrifft, sind deutsche Lehramtsstudierende mit
System­- und Selbstvertrauen der Studierenden                           17,9 % in den höchsten zwei Antwortkategorien auf
und den Umweltvariablen Geschlecht, Studium                             der siebenstufigen Skala signifikant unzufriedener als
und Land festgestellt werden.                                           ihre KollegInnen in Österreich mit 12,2 % und Belgien
                                                                        mit 9,1 %. Der Aussage, dass politische Vorgänge so
Zum einen besteht ein mittel signifikanter Zusam-                       kompliziert sind, dass eine eigene Urteilsbildung
menhang zwischen dem Geschlecht der befragten                           schwer möglich ist, wird von Studierenden in
Studierenden und der Einschätzung der eigenen                           Deutschland mit 23,8 % in den beiden höchsten Ant-
Urteilskompetenz. Männliche Studierende trauen                          wortkategorien signifikant stärker zugestimmt als von
sich eher zu, ein eigenes Urteil zu politischen Vor-                    österreichischen Studierenden mit 12,1 %. Studie-
gängen abzugeben als ihre Studienkolleginnen. So                        rende in Belgien haben mit 37,3 % besonders wenig
entschieden sich 41,6 % der männlichen und 19,5 %                       Vertrauen in die eigene Urteilskompetenz.
der weiblichen Studierenden bei der Aussage, dass
politische Vorgänge so kompliziert sind, dass eine                      Das Misstrauen gegenüber dem Berufsstand
Urteilsbildung nur schwer möglich ist, für die bei-                     PolitikerIn ist bei Studierenden in Österreich mit
den niedrigsten Antwortkategorien (0 = lehne völlig                     22,8 % und Belgien mit 20 % signifikant stärker

12
ausgeprägt als unter deutschen Studierenden mit           Zusammenhang zwischen politikbezogenem Interesse
vergleichsweise niedrigen 13 %. Im Ländervergleich        und politikbezogener Urteilskompetenz. Der negative
zwischen Deutschland und Österreich fällt auf, dass       Wert ergibt sich aus der negativ gepolten Aussage im
sich österreichische Studierende sowohl hinsichtlich      Fragebogen, wonach politische Vorgänge so kompli-
ihrer Urteilskompetenz als auch hinsichtlich ihres In-    ziert sind, dass man sich nur schwer ein Urteil bilden
teresses für Politik deutlich positiver einschätzen und   kann. Der Zusammenhang zwischen der selbst kons-
mit den eigenen Mitbestimmungsmöglichkeiten zufrie-       tatierten (nicht fachbezogenen) Handlungskompetenz
dener sind als deutsche Studierende, bei gleichzeitig     und dem eigenen politischen Interesse ist nur sehr
höherem Misstrauen gegenüber den Eigeninteressen          schwach ausgeprägt. Insgesamt steht das politikbezo-
von PolitikerInnen.                                       gene Interesse mit den Variablen Geschlecht, Hoch-
                                                          schulsemester, Systemvertrauen und Selbstvertrauen
Politikbezogenes Interesse der befragten Studie-          in Zusammenhang, was im Wesentlichen den Ergeb-
renden, deren System- und Selbstvertrauen weisen          nissen anderer Studien mit vergleichbaren Frage-
zum Teil relativ hohe Zusammenhänge auf. So gibt es       stellungen entspricht und daher nicht überrascht.
einen signifikanten mittleren Zusammenhang zwischen       Die Antworten von Studierenden des allgemeinen
dem Interesse der Studierenden und der Aussage,           Lehramtsstudiums unterscheiden sich hierbei nicht
dass Gleichgültigkeit gegenüber Politik verantwor-        wesentlich von jenen von Studierenden der Politischen
tungslos ist. Weiters besteht ein schwacher negativer     Bildung. Fachbezogene Fragestellungen werden in die-
Zusammenhang zwischen der Aussage, dass Politike-         ser Studie nur eingeschränkt thematisiert und können
rinnen und Politiker nur das Beste für sich herausholen   daher nicht mit den Ergebnissen anderer Studien zum
wollen, und deren Interesse an Politik. Hoch ist der      Fachstudium Politische Bildung verglichen werden.

2.6 Bürgertugenden
Bürgertugenden werden in dieser Studie als erstre-        demokratischen Bewusstseins bezeichnet werden
benswertes demokratisches BürgerInnen-Verständnis         kann. Funktionalistisches Verständnis schließlich meint
politisch gebildeter Jugendlicher verstanden. Daraus      insbesondere die Rechte und Pflichten von Staatsbür-
ergibt sich die Fragestellung, welche Tugenden die        gerInnen, mit besonderer Betonung der Steuerpflicht,
angehenden Lehrerinnen und Lehrer bei Schüle-             wird aber in der vorliegenden Studie allgemeiner als
rinnen und Schülern als besonders erstrebenswert          „Wissen über soziale, politische und bürgerliche Ins-
ansehen. Um diese Frage zu beantworten, werden            titutionen“ formuliert, um einem weiten Politikbegriff,
im Sinne der Handhabbarkeit der Auswertung die            der neben politischen Institutionen auch gesellschaft-
von Allenspach (2013b) identifizierten Gesamttypen        liche, rechtliche und wirtschaftliche Einflüsse auf
(Kommunitaristen, Demokraten, Funktionalisten) als        Politik einbezieht (Detjen et al. 2004, 10 f.), gerecht
Überkategorien sowie bestehende Zusammenhänge             zu werden. In der vorliegenden Studie werden keine
zwischen den Bürgertugenden überprüft (Allenspach         signifikanten Zusammenhänge zwischen den Bürger-
2013a, 95). Diese bereits beschriebenen Katego-           tugenden festgestellt. Somit lässt sich festhalten, dass
rien repräsentieren unterschiedliche Verständnisse        alle drei Bürgertugenden in einer Lehrerpersönlichkeit
von BürgerInnenschaft, die Lehrerinnen und Lehrer         existieren können, ohne sich dabei nachweisbar ge-
in unterschiedlichem Ausmaß auch als Bildungsziel         genseitig zu beeinflussen. Diese Erkenntnis wird durch
erstrebenswert finden können. Die Förderung eines         andere Studienergebnisse gestützt. Hinsichtlich der
kommunitaristischen Verständnisses zielt wesentlich       Aussagekraft muss jedoch eingeschränkt werden, dass
auf die Fähigkeit des kritischen Denkens ab, während      jede dieser drei Kategorien in dieser Studie nur mit je
eine Fokussierung des Unterrichts auf demokrati-          einer einzigen Frage erhoben wurde.
sches Verständnis als Stärkung und Förderung eines

                                                                                                               13
2.7 Verantwortung Für Politische Bildung und Vorbereitung
       durch das Studium
       Neben der politikbezogenen Einstellung und Motivati-                        Verantwortung der Schule, kritisches Denken bei den
       on wurde auch erhoben, wie Studierende die Ver-                             Schülerinnen und Schülern zu fördern, zeigt sich in
       antwortung und Vorbereitung hinsichtlich Politischer                        Deutschland (34,5 % ja, 52,7 % teilweise, 12,8 %
       Bildung einschätzen. Die befragten Studierenden                             nein) und Österreich (30,3 % ja, 54,5 % teilweise,
       sehen Lehrpersonen überwiegend teilweise in der                             15,2 % nein) schwach signifikant ein ähnliches Maß
       Verantwortung, Politische Bildung umzusetzen (Abb.                          an Zustimmung, das in Deutschland noch etwas stär-
       4). Gleichzeitig wird die Übernahme dieser Verant-                          ker ausfällt. In Belgien (51,7 % ja, 44,9 % teilweise,
       wortung von einem großen Teil der Studierenden als                          3,4 % nein) ist das Bewusstsein, Kritikfähigkeit im Un-
       wünschenswert angesehen. Dieser große Unterschied                           terricht zu fördern, noch deutlich stärker ausgeprägt.
       macht offene Fragen für weiterführende Forschung                            Die besondere Verantwortung von Schule, Wissen
       deutlich. Zum einen sollte die Studierendenperspek-                         über soziale, politische und bürgerliche Institutionen
       tive jener von bereits unterrichtenden Lehrpersonen                         zu fördern, wird in Deutschland (20,3 % ja, 66,6 %
       gegenübergestellt und qualitativ untersucht werden.                         teilweise, 13,1 % nein) schwach signifikant etwas
       Weiters wäre zu überprüfen, wie die teilweise geäu-                         stärker betont als in Österreich (16,2 % ja, 64,5 %
       ßerte Zurückhaltung hinsichtlich der Verantwortung                          teilweise, 19,3 % nein). Deutlich geringer fällt dieses
       zu Politischer Bildung mit dem Studium in Zusammen-                         Verantwortungsgefühl in Belgien aus (8,5 % ja, 72 %
       hang steht. Ein sehr ähnliches Bild wie für Politische                      teilweise, 19,5 % nein). Zwischen der wahrgenom-
       Bildung allgemein ergibt sich für das Verantwortungs-                       menen Verantwortung von Schule und Unterricht für
       gefühl zur Förderung von Demokratiebewusstsein,                             die Förderung eines demokratischen Bewusstseins
       Kritikfähigkeit und Institutionenwissen.                                    (Demokratielernen) der SchülerInnen und dem Land
                                                                                   besteht kein signifikanter Zusammenhang.
                                                                                   Bei der Frage nach der Vorbereitung auf bestimmte
                        verantwortung Für                                          übergeordnete Zielsetzungen von Politischer Bil-
                         politische bildung
                                                                                   dung (Abb. 5) sehen die befragten Studierenden die
1600                                                           1465
                                                                                   Lehrkräfte auf die meisten Aspekte mit jeweils circa
1400                           1231
1200
                                                                                   50 % teilweise vorbereitet. Eher nicht vorbereitet
1000
                                                                                   sehen die Befragten die Lehrkräfte auf praktisches
 800                                                                               Demokratieüben (30,1 %), Politische Bildung (22,5
 600                                                                               %) und auf die Thematisierung sozialer und politischer
                                      355               413
 400        259                                                                    Entwicklungen (21,3 %). Überwiegend positiv be-
 200               44                                                 67     55    wertet wird hingegen die Vorbereitung der Lehrkräfte
   0                                                                               auf die Förderung von kritischem Denken (33,2 %)
              nein              teilweise                 ja          weiß nicht
                                                                                   sowie auf nachhaltige Demokratieerziehung (23,3 %).
                                vorhanden             wünschenswert                Die befragten Studierenden scheinen insgesamt keine
                                                                                   besonders ausgeprägte Vorstellung davon zu haben,
       Abb. 4: Verantwortung für Politische Bildung                                wie politikbezogener Unterricht praktisch umsetzbar
                                                                                   ist. Die relativ hohen Werte aller Merkmale in der neu-
       Sowohl in Deutschland (21 % ja, 64,4 % teilweise,                           tralen Kategorie „teilweise“ weisen auf eine gewisse
       14,6 % nein) als auch in Österreich (23,8 % ja,                             Unsicherheit der Lehrkräfte hinsichtlich Politischer
       65,1 % teilweise, 11 % nein) sieht ein überwiegender                        Bildung hin. Bei Demokratielernen ist eine Differen-
       Teil der Studierenden Schule schwach signifikant in                         zierung dahingehend zu erkennen, dass die praktische
       der besonderen Verantwortung, Politische Bildung                            Demokratieübung im Gegensatz zur allgemeinen Ver-
       umzusetzen. In Belgien (6,9 % ja, 63,2 % teilweise,                         mittlung demokratischer Grundsätze einen geringeren
       29,9 % nein) wird diese Verantwortung vergleichs-                           Stellenwert hat.
       weise wenig angegeben. Hinsichtlich der besonderen

       14
lehrkräfte sind darauf vorbereitet,
                                     die schülerinnenschaft ...
                        2000
                            0
                                        gar nicht              teilweise                 ja             weiß nicht

                                                über soziale und politische Entwicklungen aufzuklären

                                                zu kritischen Beurteilungen anzuleiten

                                                nachhaltig demokratisch zu erziehen

                                                politisch zu bilden

                                                durch praktische Demokratieübungen zu schulen

                   Abb. 5: Vorbereitung der Lehrkräfte

Von ihrem Studium sieht sich die Mehrheit der                               hinsichtlich der Thematisierung sozialer und politi-
befragten Studierenden, mit Ausnahme der Anleitung                          scher Entwicklungen (59,8 %), politisch zu bilden
zu kritischer Beurteilung (41,1 % angemessen), für                          (57,4 %), zu praktischer Demokratieübung (51,2 %)
Politische Bildung unzureichend vorbereitet (Abb. 6):                       sowie nachhaltiger Demokratieerziehung (42,8 %).

                                                 die vorbereitung im
                                                lehramtsstudium ist ...
                        2000
                            0
                                      angemessen                      zu wenig                 weiß nicht

                                                über soziale und politische Entwicklungen aufzuklären

                                                zu kritischen Beurteilungen anzuleiten

                                                nachhaltig demokratisch zu erziehen

                                                politisch zu bilden

                                                durch praktische Demokratieübungen zu schulen

                   Abb. 6: Vorbereitung durch das Studium

Insgesamt scheint es den Studierenden der allgemei-                         der Anteil der Kategorie „weiß nicht“ deutlich höher,
nen Lehramtsausbildung an klaren, fachspezifischen                          was ein Hinweis auf eine allgemeine Verunsicherung
Vorstellungen und Konzepten zu Politischer Bildung zu                       der Studierenden über die Lehr- und Lernziele und
fehlen. Besonders stark ist die Unsicherheit der Stu-                       über die fachbezogenen Inhalte zu Politischer Bildung
dierenden hinsichtlich der Zielsetzungen, über soziale                      im Studium sein könnte. Dieser Frage sollte mit einer
und politische Entwicklungen aufzuklären, politisch zu                      qualitativen Befragung nachgegangen werden. Ein
bilden und durch praktische Demokratieübungen zu                            weiteres lohnendes Folgeprojekt wäre eine qualitative
schulen. Lediglich von der Zielsetzung, zu kritischem                       Studie zu den Vorstellungen und Voraussetzungen von
Denken anzuleiten, scheinen die Studierenden über-                          Studierenden zu Demokratielernen allgemein sowie
wiegend eine ausreichend klare Vorstellung zu haben,                        zur Bereitschaft und zu vorhandenen Konzepten, um
um sich und andere Lehrpersonen als vorbereitet ein-                        die Schülerinnen und Schüler an ihrem Unterricht
zustufen. Bei den Antworten zum Lehramtsstudium ist                         demokratisch partizipieren zu lassen.

                                                                                                                               15
3. Schlussfolgerungen und ausblick
  3.1 Empfehlungen für den Politikunterricht
  Aus den Ergebnissen dieses Themenheftes betreffend           Schülerinnen, die statistisch betrachtet stärker zu
  Einstellung und Motivation von SchülerInnen, Lehrper-        Zurückhaltung und zu geringerem Selbstvertrau-
  sonen und Studierenden zu Politischer Bildung lassen         en hinsichtlich der Äußerung ihrer Meinung zu
  sich folgende Empfehlungen für den Politikunterricht         politischen Themen tendieren als ihre Mitschüler,
  ableiten.                                                    speziell in Diskussions- und Austauschphasen
                                                               besonders zu unterstützen. Gestaltungselemente
  • Politikunterricht sollte an vorhandene Interes-            dazu sind etwa gezieltes Nachfragen zur Ansicht
       sen der SchülerInnen anknüpfen. Dementspre-             von Schülerinnen oder eine geschlechtsbewusste
       chend sollten Lehrpersonen auf spontan geäu-            Zusammenstellung von Arbeits- oder Diskussions-
       ßerte Fragen und Aussagen soweit möglich direkt         gruppen. Es kann aber unabhängig vom Geschlecht
       reagieren und diese Themen bei Bedarf auch in           davon ausgegangen werden, dass bei den Schü-
       späteren Unterrichtseinheiten erneut ansprechen.        lerinnen und Schülern einer Klasse grundsätzlich
       Diese Herangehensweise erfordert eine gewisse           Interesse für politik- und gesellschaftsrelevante
       Sicherheit und Selbstvertrauen im Umgang mit poli-      Themen besteht, sofern diese an ihre Lebensreali-
       tischen Themen, was wiederum nicht unwesentlich         tät anknüpfen.
       mit der eigenen Bereitschaft zusammenhängt, sich
       ernsthaft und regelmäßig mit politischen Themen       • Für die Formulierung von Zielsetzungen für den
       zu beschäftigen.                                        eigenen Unterricht ist es hilfreich, sich auch Kom-
                                                               petenz- und Konzeptmodelle der Politischen
  • Lehrpersonen sollten sich auch abseits des                 Bildung anzusehen. Diese Modelle können mehr
       Unterrichts regelmäßig und bewusst mit Politik          Klarheit über die Inhalte und Konzepte bringen, die
       auseinandersetzen. Je selbstverständlicher der          der eigene Unterricht tatsächlich ansprechen soll.
       eigene Umgang mit politischen Themen ist, desto         Eine dahingehend eindeutige Zielsetzung erleichtert
       größer kann das politikbezogene Selbstbewusstsein       wiederum die Unterrichtsvorbereitung im Sinne der
       sein, was sich wiederum positiv auf das eigene          Auswahl von didaktischen Ansätze und geeigneten
       Auftreten im Unterricht auswirkt.                       Unterrichtsmethoden.

  • Eine Lehrperson, die auch selbst Interesse an den        • Weiters bieten die in den Lehrplänen veranker-
       angebotenen Unterrichtsinhalten zeigt, kann             ten Grundsatzerlässe zu Unterrichtsprinzipien
       Themen glaubhafter vermitteln und die SchülerIn-        wie Politische Bildung, Projektunterricht oder
       nen eher für die angebotenen Inhalte interessieren.     Interkulturelle Bildung hilfreiche inhaltliche und
                                                               methodisch-didaktische Hinweise, konkrete
  • Politikbezogene Themen, die sich gut dazu                  Umsetzungsmöglichkeiten, mögliche Unterrichts-
       eignen, um an die Vorstellungen von allen am            themen, schulrechtliche Rahmenbedingungen oder
       Lernprozess beteiligten Individuen anzuknüpfen,         weiterführende Literatur.
       sind beispielsweise Selbstverwirklichung, Um-
       weltschutz oder Bürgerrechte. Diese Themen            • 	Informationen für die Unterrichtsvorbereitung
       sind, unabhängig von der Unterrichtsvorbereitung,       liefern Zentrum polis (www.politik-lernen.at), die
       tendenziell sowohl SchülerInnen als auch Lehrper-       Bundeszentrale für politische Bildung (www.bpb.
       sonen ein Begriff.                                      de), die Österreichische Gesellschaft für Politische
                                                               Bildung (www.politischebildung.at), das Demokra-
  • Bei Angeboten zu Politischer Bildung sollte auf            tiezentrum Wien (www.demokratiezentrum.org)
       eine geschlechtersensible Umsetzung geachtet            oder die Demokratiewebstatt des österreichischen
       werden. Um sicherzustellen, dass sich beide Ge-         Parlaments (www.demokratiewebstatt.at).
       schlechter gleichermaßen aktiv und selbstbewusst
       am Unterricht beteiligen können, ist es wichtig,

  16
Ausgewählte Informationen zu Politischer                                         Kompetenzmodelle
Bildung im Unterricht
• Unterrichtsprinzip Politische Bildung. Grundsatzerlass 2015                    • Europarat (2018): Kompetenzen für eine
                                                                                     demokratische Kultur. Gleichberechtigtes
    www.bmbwf.gv.at/Themen/schule/schulrecht/rs/1997-
                                                                                     Zusammenleben in kulturell unterschied-
    2017/2015_12.html
                                                                                     lichen demokratischen Gesellschaften
•   Mittnik, P. et al. (2018): Was darf Politische Bildung? Eine Hand-
                                                                                     https://rm.coe.int/prems-000818-deu-
    reichung für LehrerInnen für den Unterricht in Politischer Bildung
                                                                                     2508-competences-for-democratic-
    www.politik-lernen.at/wasdarfpb
                                                                                     culture-8556-couv-tex/168078e34e
•   Zentrum polis: Informationen zu Politischer Bildung im öster­
                                                                                 •   Detjen J. et al. (2012): Politikkompe-
    reichischen Schulsystem
                                                                                     tenz – ein Modell www.springer.com/de/
    www.politik-lernen.at/politischebildung
                                                                                     book/9783658007843
                                                                                 •   Krammer, R. (2008): Österreichisches
Konzeptmodelle                                                                       Kompetenz-Strukturmodell
                                                                                     www.politik-lernen.at/pb_kompetenzen

• Weißeno, G. (2010): Konzepte der Politik – ein Kompetenzmodell                 •   GPJE (2004): Anforderungen an
                                                                                     Nationale Bildungsstandards für den
    www.pedocs.de/volltexte/2016/12009/pdf/Weisseno_et_al_2010_Kon-
                                                                                     Fachunterricht in der Politischen Bildung
    zepte_der_Politik_.pdf
                                                                                     an Schulen. Ein Entwurf http://gpje.de/
•   Sander, W. (2009): Wissen: Basiskonzepte der Politischen Bildung
                                                                                     wp-content/uploads/2017/01/Bildungs-
    www.nibis.de/uploads/2medfach/files/30_sander.pdf
                                                                                     standards-1.pdf

    3.2 Schlussfolgerungen zu den Studienergebnissen
    Insgesamt ist bei den befragten Studierenden des            Ein grundsätzliches Verantwortungsgefühl der Stu-
    allgemeinen Lehramtsstudiums gemessen an den                dierenden für Politische Bildung ist vorhanden. Die
    Faktoren politikbezogenes Interesse, Systemvertrau-         Zustimmung zu der Aussage, dass Lehrerinnen und
    en, Selbstvertrauen und Bürgertugenden eine meist           Lehrer in Schule und Unterricht Verantwortung für
    durchschnittlich positive Einstellung und Motivation        Politische Bildung übernehmen sollten, fällt deutlich
    für Politische Themen und Inhalte vorhanden.                stärker aus als die tatsächlich wahrgenommene Ver-
                                                                antwortung.
    Eine relativ hohe Zustimmung erhält die Aussage, dass
    Gleichgültigkeit gegenüber Politik verantwortungslos sei.   Gleichzeitig fällt das Urteil der Studierenden über
                                                                ihre Vorbereitung auf ausgewählte Zielsetzungen der
    Entwicklungspotenzial besteht für die Urteils- und          Politischen Bildung im allgemeinen Lehramtsstudium
    Handlungskompetenzen der Studierenden, die als              insgesamt sehr kritisch aus.
    wesentliche Kompetenzen der Politischen Bildung
    und in Anbetracht der zentralen Vermittlerrolle einer       Daraus ergibt sich ein Handlungsbedarf für die Lehr-
    Lehrperson möglichst ausgeprägt sein sollten.               amtsausbildung, die konkreten Inhalte, Ziele, Kom-
                                                                petenzen und didaktischen Zugänge der Politischen
    Die abgefragten Bürgertugenden sind im Selbstver-           Bildung in den entsprechenden Lehrveranstaltungen
    ständnis der Studierenden vorhanden, ohne sich              differenziert zu vermitteln, um eine fachliche Professi-
    nachweislich gegenseitig zu beeinflussen.                   onalisierung zu unterstützen.

    Von den überprüften Rahmenvariablen für die politik-        Der Fokus dieser Studie liegt auf der Einstellung und
    bezogene Einstellung und Motivation der Studieren-          Motivation zu Politischer Bildung. Um ein noch umfas-
    den haben das Geschlecht, das Studiensemester und           senderes Bild der Voraussetzungen der Studierenden
    das Land Einfluss auf das politikbezogene Interesse.        zu entwickeln, wäre es zielführend, in weiterführenden
    Das Systemvertrauen wird von den Faktoren Ge-               Studien den Fokus um Aspekte wie Sachwissen und
    schlecht, Land und Studium beeinflusst. Die Schulart        Selbstwirksamkeitsüberzeugung zu erweitern.
    zeigt hingegen keinen erkennbaren Einfluss.

                                                                                                                        17
Literatur

Albert, Mathias et al. (2015): Jugend 2015 – 17.           Detjen, Joachim (2010): Kompetenzorientierung. In
Shell Jugendstudie. Verfügbar unter: https://bit.          V. Reinhardt (Hrsg.): Basiswissen Politische Bildung.
ly/3xIOqOU (03.05.2021)                                    Handbuch für den sozialwissenschaftlichen Unter-
                                                           richt. Band 4, Forschung und Bildungsbedingungen.
Albert, Mathias et al. (2019): Jugend 2019 – 18.           Baltmannsweiler: Schneider, S. 128-136.
Shell Jugendstudie. Eine Generation meldet sich zu
Wort. Verfügbar unter: www.shell.de/ueber-uns/shell-       Detjen, Joachim et al. (2012): Politikkompetenz –
jugendstudie/_jcr_content/par/toptasks.stream/1570         ein Modell. Wiesbaden: Springer.
810209742/9ff5b72cc4a915b9a6e7a7a7b6fdc653ce
bd4576/shell-youth-study-2019-flyer-de.pdf                 Dippelhofer, Sebastian et al. (2018): Gesellschafts-
                                                           und berufsbezogene Werthaltungen von Lehramts-
Allenspach, Dominik (2013a): Die Überprüfung               studierenden. Empirische Befunde aus einer standar-
einer qualitativen Typologie zu den Verständnissen         disierten, schriftlichen Befragung an pädagogischen
Deutschschweizer Lehrpersonen von politischer              Hochschulen in Baden-Württemberg, Österreich und
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(Hrsg.): Lehrer- und Schülerforschung in der politi-       2018. Verfügbar unter: www.gew.de/index.php?eID=d
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