Länderprofil Iran Stand: Dezember 2016 Informationen zu erneuerbaren Energien und zur Energieeffizienz - German Energy Solutions
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Länderprofil Iran Stand: Dezember 2016 Informationen zu erneuerbaren Energien und zur Energieeffizienz www.german-energy-solutions.de Durchführer:
Impressum Herausgeber Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) Öffentlichkeitsarbeit 10115 Berlin www.bmwi.de Text und Redaktion Tim Alexandrin, enviacon international Amelie Wachner, adelphi Konzeption und Gestaltung enviacon international/adelphi Stand Dezember 2016 Bildnachweis Icons: Kontrapunkt Agentur für Kommunikation GmbH Durchführer: LÄNDERPROFIL IRAN 2016 | SEITE 2
Inhalt Hinweise und Erläuterungen für Leser ……………………………………………………………………………………………………………………….. 4 Executive Summary …………………………………………………………………………………………………………………………………………... 8 1. Politische & wirtschaftliche Rahmenbedingungen ……………………………………………………………………………………………………… 11 2. Energiemarkt …………………………………………………………………………………………………………………………………………….. 16 3. Erneuerbare Energien …………………………………………………………………………………………………………………............................ 27 4. Energieeffizienz………………………………………………………………………………………………………………………………………….. 53 5. Weitere Angebote der Exportinitiative Energie……………. …………………………………………………………………………………………... 56 6. Kontaktliste ………………………………………………………………………………………………………………………………………………. 58 Quellen ………………………………………………………………………………………………………………………………………………………… 67 Durchführer: LÄNDERPROFIL IRAN 2016 | SEITE 3
Abkürzungsverzeichnis (1/2) Abkürzungen Abkürzungen BIP Bruttoinlandsprodukt FSI Fragile States Index / Index der fragilen Staaten Five-Year National Development Plan / BOT Build-Operate-Transfer / Bauen-Operieren-Übertragen FYNDP Fünfjahresentwicklungsplan Germany Trade & Invest / Gesellschaft der Bundesrepublik CSP Concentrated Solar Power / Solarthermische Kraftwerke GTAI Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing EE Erneuerbare Energien HDI Human Development Indes / Index für menschliche Entwicklung EnEff Energieeffizienz IEA International Energy Agency / Internationale Energieagentur Engineering, Procurement and Construction / Detail-Planung und EPC Kontrolle, Beschaffungswesen, Ausführung der Bau- und IERB Iran Electricity Regulatory Board / Regulierungsgremium Montagearbeiten IGMC Iran Grid Management Co. / Netzbetreiber EU Europäische Union IPP Independent Power Producer / Unabhängiger Stromerzeuger EUR Euro International Renewable Energy Agency / Internationalen Investitionen Foreign Investment Promotion and Protection Act / IRENA FIPPA Energieagentur Gesetz zur Absicherung und Förderung ausländischer Integrated Solar Combined Cycle / Integriertes Solar-, Gas- und ISCC FiT Feed-in Tariff / Einspeisetarif Dampfkraftwerk Durchführer: LÄNDERPROFIL IRAN 2016 | SEITE 4
Abkürzungsverzeichnis (2/2) Abkürzungen Abkürzungen Iran Water and Power Resource Development Co. / Iranischen IWPCO PPA Power Purchase Agreement / Stromabnahmevertrag Wasser & Ressourcen Stromentwicklungsunternehmen Joint Comprehensive Plan of Action / Gemeinsamer umfassender JCPOA PV Photovoltaik Aktionsplan KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau SABA Iran Energy Efficiency Organization / Energieeffizienzbehörde KMU Kleine und mittelständische Unternehmen SPV Special Purpose Vehicle / Zweckgesellschaft Renewable Energy Organization of Iran / Organisation für LPG Liquefied Petroleum Gas / Flüssiggas SUNA erneuerbare Energien des Iran Thermal Power Plants Holding Company / Muttergesellschaft für MAPNA Iranische Projektmanagement-Unternehmen für Stromkraftwerke TPPH thermische Kraftwerke MOE Ministry of Energy / Energieministerium USD US-Dollar MOP Ministry of Petroleum / Erdölministerium VN Vereinte Nationen MSW Municipal Solid Waste / Fester Siedlungsabfall WRM Wasser Ressourcen Management NIGC National Iranian Gas Company / Erdgasgesellschaft Durchführer: LÄNDERPROFIL IRAN 2016 | SEITE 5
Hinweise und Erläuterungen für Leser Ziele der Publikation Wechselkurs 15. Juli 2016 1 Euro = 33.418 Rial Ziel dieses im Rahmen der Exportinitiative Energie des Bundesministeriums für Einheiten Wirtschaft und Energie (BMWi) veröffentlichten Länderprofils ist es, deutschen kW Kilowatt Unternehmen Informationen zum Energiemarkt in Iran zur Verfügung zu stellen, die kWel Kilowatt elektrisch sie für die Einschätzung des Zielmarkts für einen möglichen Markteintritt benötigen. kWth Kilowatt thermisch Dazu stellt dieses Länderprofil im ersten Teil (1. und 2. Kapitel) die aktuellen Rahmenbedingungen des iranischen Energiemarkts vor. Dies beinhaltet neben den kWh Kilowattstunden politischen und wirtschaftlichen Begebenheiten eine Beschreibung der Struktur des PJ Petajoule Energiemarkts sowie Grundinformationen zu Energieverbrauch und -bedarf und Vorsatzzeichen Energiepreisen. Zudem bietet die Publikation einen Überblick über politische k (Kilo) = 1.000 Zielsetzungen und Gesetzgebungen im Energiebereich. Als praktische Informationen werden darüber hinaus Netzanschluss- und Markteintrittsbedingungen bereitgestellt. M (Mega) = 1.000.000 Im zweiten Teil werden Ausbauziele, installierte Kapazitäten, Potenziale, G (Giga) = 1.000.000.000 Förderbedingungen, Finanzierungsmöglichkeiten und Marktchancen für die Wind-, T (Terra) = 1.000.000.000.000 Solar-, Bioenergie, Geothermie und Wasserkraft beleuchtet (Kapitel 4). Zudem werden Ziele, Fördermöglichkeiten, Anwendungsmöglichkeiten und Beispiel- projekte aus dem Bereich Energieeffizienz beleuchtet (Kapitel 5). Im Anhang befindet sich eine Zusammenstellung der wichtigsten staatlichen und privatwirtschaftlichen Ansprechpartner im Zielmarkt inklusive einer kurzen Hinweis zum iranischen Kalender: Tätigkeitbeschreibung. Das Jahr fängt nach neuem iranischen Kalender zum Frühlingsbeginn am 21. März an und endet am 20. März des Folgejahres. 2016 entspricht 1395. Neben dem neuen Kalendersystem wird teilweise aber auch das alte System verwendet, wonach 2016 1386 ist. Durchführer: LÄNDERPROFIL IRAN 2016 | SEITE 6
Executive Summary (1/3) Das Jahr 2016 stellt für die islamische Republik Iran ein entscheidendes Jahr hin zu einer politischen und wirtschaftlichen Öffnung dar. Nachdem die Vereinten Nationen (VN) und die Europäische Union (EU) am 16. Januar 2016 die bis dahin bestehenden Wirtschafts- und Finanzsanktionen gegen den Iran aufgehoben hatte, gingen bei den Parlamentswahlen am 28. Februar 2016 Präsident Dr. Hassan Rouhani und die gemäßigten Parteien des Landes als Sieger hervor. Entsprechend wird die Politik der wirtschaftlichen Öffnung auch durch das iranische Volk getragen. Exporteure können bereits wieder Anträge auf Hermes-Deckungen stellen, um ihre Geschäfte abzusichern. Die Übernahme von Investitionsgarantien ist ebenfalls wieder grundsätzlich möglich. Von den aktuellen Entwicklungen können nicht zuletzt auch deutsche Unternehmen der Erneuerbare-Energien- und Energieeffizienz-Branche profitieren. Der Stromsektor des Irans ist staatlich dominiert, obwohl eine Öffnung hin zu privaten Investitionen bereits seit einer Neustrukturierung des Strommarktes im Jahr 2004 vorbereitet wurde. Speziell die Bereiche Stromübertragung und –verteilung sind derzeit weiterhin in staatlichen Händen. 2013 waren aber bereits 41% der staatlichen Stromerzeugungskapazitäten im Privatbesitz. Eine weitere Reform bedingte einen Anstieg der Energiepreise um durchschnittlich 90% zwischen 2010 und 2015. 2015 lagen die Strompreise für alle Verbraucherklassen bei durchschnittlich 3 €-Ct/ kWh. Die Elektrizitätsversorgung im Iran obliegt dem Ministerium für Energie (MOE), zu dem auch der staatliche Stromversorger TAVANIR gehört. Eine Organisationseinheit der TAVANIR ist wiederum die Organisation für erneuerbare Energien des Iran (SUNA), welche für die Organisation und das Vorantreiben des Ausbaus der erneuerbaren Energien verantwortlich ist. Im Jahr 2014 bestanden die Stromerzeugungskapazitäten Irans zu 36% aus Erdgas, zu 22% aus erdölbasierten Dampfkraftwerken, zu 25% aus Gas-und-Dampfkombikraftwerken, zu 14,6% aus Wasserkraft und zu 1,7% aus dieselbetriebenen und Kernkraftwerken sowie erneuerbaren Energien (Wind, Biogas und Photovoltaik (PV); die Stromerzeugungskapazität aus solarthermischen Kraftwerken (CSP) ist in dem Regierungsdokument „Iran and World Energy Facts and Figures 2014“, der diese Zahlen entstammen, nicht explizit dokumentiert). Erneuerbare Energien stellten dabei inklusive großer Wasserkraft zum Stand 2014 eine netzangeschlossene installierte Kapazität von insgesamt knapp 11 GW. 2015 waren hingegen ca. 160 MW Windenergie, rund 40 MW Photovoltaik, rund 17 MW solarthermische Kraftwerke (CSP), ca. 4 MW Solarthermie, 10,5 MW Biogas und rund 63 MW kleine Wasserkraft installiert. 2014 verfügte das Land außerdem über rund 86,5 MW Geothermie, vorwiegend in der Form dezentraler Anlagen zur Wärmeerzeugung. Das wirtschaftliche Potenzial aus erneuerbaren Energien (abgesehen von großer Wasserkraft) teilt sich wie folgt auf: Wind: 140 GW, PV: 16 TWh, Biomasse: 23 TWh, Tiefengeothermie 35,7 GW. Das technische Potenzial für kleine Wasserkraft (
Executive Summary (2/3) Im Rahmen des bisher noch nicht ratifizierten 6. Fünfjahresentwicklungsplans (6. FYNDP 2016-2021) hat die iranische Regierung angekündigt, den Anteil erneuerbarer Energien auf 5.000 MW installierte Leistung (ohne große Wasserkraft) bis 2020 erhöhen zu wollen. Dieses Ziel soll durch die garantierte Abnahme des Stroms auch aus nicht-staatlichen Kraftwerken zu technologiespezifischen Einspeisetarifen erreicht werden. Der Iran verfolgt hierbei vor allem wirtschaftliche Motive: Durch die Deckung des heimischen Energie- und insbesondere des Strombedarfs mit erneuerbaren Energiequellen hat das Land mehr Kapazitäten für den Export der fossilen Energieträger Erdöl und Erdgas, welche eine wichtige Einnahmequelle darstellen. Die EE-Förderung erfolgt im Iran bereits seit 2010 über das Instrument der Einspeisetarife (FiT). Diese wurden im Mai 2016 angepasst und sind nun gültig bis zum 21. März 2017. Die FiTs werden im Rahmen von 20-jährigen Stromabnahmeverträgen (PPAs) vergeben. Die Mittel hierfür entstammen einer Sonderabgabe auf die Stromrechnung der Endkunden. Über die Gültigkeitsdauer von 20 Jahren werden die Tarife per Berechnungsformel in jedem Jahr an die Inflation angepasst. Die im Juli 2016 erhältlichen Vergütungen liegen zwischen 9 €-Ct/kWh und 23 €-Ct/kWh. Gerade im Bereich Photovoltaik wird mit 23 €-Ct/kWh eine attraktive Vergütung für kleine Anlagen mit einer Kapazität ≤ 20 kW angeboten. Dadurch soll gezielt das Marktsegment der Aufdachanlagen (Haushalte und Industrie) gefördert werden. In diesem Bereich wurden aber erst im Juli 2016 die ersten Anlagen entwickelt und es liegen bisher kaum Erfahrungen bei der Projektumsetzung vor. Für Unternehmen aus dem EE-Sektor stellt die Errichtung größerer EE-Anlagen (>100 kW) und der Abschluss eines PPA als unabhängiger Stromproduzent (IPP) mit der SUNA daher die vorrangige Geschäftsmöglichkeit dar. Dies gilt in Anbetracht der günstigen Konditionen und der Regierungsziele insbesondere für Windenergie. Im Juli 2016 kündigte Energieminister Hamid Chitchian auf einer Pressekonferenz allerdings die Einführung einer Kapazitätsgrenze von 100 MW für die FiTs an. Alle Projekte über dieser Grenze sollen zukünftig über ein Ausschreibungsverfahren vergeben werden. Details hierzu sind bisher nicht bekannt. Aufgrund der niedrigen Strompreise und in Anbetracht der Einspeisetarife ist der Eigenverbrauch von EE-Strom derzeit kein vielversprechendes Marktsegment in elektrifizierten Gebieten; Anwendungen finden sich aber in ländlichen Regionen. Auch wenn die Elektrifizierungsrate im Iran 2013 mit 99,8 Prozent hoch ist, ergeben sich im Bereich der ländlichen Elektrifizierung dennoch Marktchancen. In kleinen ländlichen Gemeinden liegt die Rate bei 93,9%. Die TAVANIR hat ein Interesse an einer Erhöhung dieses Anteils und setzt entsprechende Projekte um, wobei in der Vergangenheit der Fokus auf der Photovoltaik lag. Der Bereich wird aber auch für Kleinwasserkraft interessant. Durchführer: LÄNDERPROFIL IRAN 2016 | SEITE 9
Executive Summary (3/3) Im Bereich Bioenergie sind ebenfalls FiTs verfügbar und es wurden bereits Projekte umgesetzt. Die besten Chancen ergeben sich bei kommunalen Projekten zur Nutzung von Klär- und Deponiegas. Aufgrund der klimatischen Bedingungen besitzt der Iran einen Bedarf an Anwendungen für Wärme und Kühlung, Wärme- oder Kältenetze sind jedoch nicht vorhanden. Für die Wärmeversorgung wird bisher vornehmlich Erdgas verwendet. Zwar wäre theoretisch auch eine Einspeisung von Biogas in das Gasnetz möglich, dies kommt aber bis dato nicht zur Anwendung. Studien beschäftigen sich hingegen mit der Möglichkeit der Nutzung oberflächennaher Geothermie, um den Bedarf zu decken. Solarthermie kommt bereits zur Warmwasserbereitstellung in Privathaushalten und in Regierungsgebäuden zum Einsatz. Für den Ausbau der erneuerbaren Energien im Wärmebereich sind jedoch nicht das Energieministerium bzw. die SUNA zuständig, sondern das Erdölministerium (MOP). Dies wird von Marktteilnehmern als nachteilig gewertet, da eine koordinierende Behörde für die Förderung erneuerbarer Wärme wie die SUNA für das Energieministerium fehlt. Das Thema Energieeffizienz spielte bereits eine zentrale Rolle im 5. FYNDP (2010-2015), welcher eine Optimierung der Energieproduktion, Effizienzmaßnahmen an bestehenden Kraftwerken und eine Änderung des Energiekonsumverhaltens zum Inhalt hatte. Spezifische Ziele dazu (Effizienzsteigerung der Kraftwerke um 18% auf 52% bis 2025, Verminderung von Übertragungsverlusten auf 15% bis 2025) wurden im iranischen Beitrag zur Einhaltung der Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC)-Richtlinien formuliert. Bislang erfolgte eine Bewertung der Energieeinsparpotenziale industrieller Anlagen sowie die Durchführung baulicher Maßnahmen an einigen Gebäuden des öffentlichen Sektors auch vor dem Hintergrund steigender Energiepreise. Durchführer: LÄNDERPROFIL IRAN 2016 | SEITE 10
1. Politische & wirtschaftliche Rahmenbedingungen Auf in neue Märkte! Durchführer: LÄNDERPROFIL IRAN 2016 | SEITE 11
Geographie & Klima IRAN: Landkarte Geographie: Der Iran befindet sich als Bindeglied zwischen dem im Norden gelegenen Bild Landkarte Kaspischen Meer und dem im Süden liegenden Persischen Golf. Im Osten grenzt das Land an die vorderasiatischen Staaten Turkmenistan, Afghanistan und Pakistan, im Quellen: CIA (2016), SUNA (k. A.), Encyclopaedia Britannica (2016 & 2016a), Encyclopaedia Iranica (k. A.), Westen an den Irak, die Türkei, sowie weiter nördlich an Armenien und Aserbaidschan. Das Land verfügt über eine Fläche von ca. 1,65 Mio. km² (die zum Territorium des Irans gehörenden Inseln im Persischen Golf miteingerechnet). Von der Landesfläche liegt über ein Drittel auf einer Höhe von über 460 m, ein Sechstel sogar über 1.950 m. Das Zentralplateau im Inneren des Landes wird von mehreren Gebirgsketten umringt. Herrscht im Küstengebiet noch subtropische Vegetation, ist der Großteil des Landes durch Stein- und Geröllwüsten gekennzeichnet. Klima: Aufgrund der besonderen geografischen Lage variiert das Klima im Iran von subtropisch bis subpolar. Mit ca. 250 mm durchschnittlichem Jahresniederschlag zählt der Iran zu den ariden Regionen. Mehr als 50% des Niederschlags fällt in den Regenmonaten (November bis März). Die Sommer sind überall warm bis heiß, die Sonne scheint dann fast zwölf Stunden am Tag mit bis zu 5,4 kWh/m2/d. Tiefdruckgebiete in Pakistan sorgen für zwei permanente Windsysteme im Iran: Von WeatherOnline (2016) Oktober bis Februar weht der Shamal in nordwestliche Richtung, dabei werden Windgeschwindigkeiten von orkanartiger Stärke (mehr als 20 Knoten) über ca. 5% der gesamten Zeit erreicht. Der „120 Tage“-Sommerwind zwischen Mai und : September hat durchschnittlich eine Windgeschwindigkeit von 30-40 km/h, kann Quelle: CIA (2016) aber ebenfalls Spitzen bis zu 110 km/h erreichen. Durchführer: LÄNDERPROFIL IRAN 2016 | SEITE 12
Politisches System & aktuelle politische Entwicklungen Politisches System: Aktuelle politische Entwicklung: Der Iran ist eine präsidentielle Theokratie. Höchste politische Instanz ist der Am 14. Juni 2013 wurde Hassan Rouhani mit absoluter Mehrheit (50,7%) zum 7. Oberste Führer der Islamischen Revolution, eine Funktion, die Ayatollah Seyed Präsidenten Irans gewählt. Ali Khamene‘i seit 1989 innehält. Dieser verfügt über verfassungsmäßig Rouhani versprach den Wählern neben einer Verbesserung der Wirtschaftslage verankerte Richtlinienkompetenz, ernennt den Obersten Richter und hat auch die Aufhebung der Nuklear-Sanktionen. weitreichende Entscheidungskompetenzen in politischen Fragen. Durch die Wiener Nuklearvereinbarung vom 14. Juli 2015 und die Aufhebung Der auf vier Jahre vom Volk gewählte Präsident, Dr. Hassan Rouhani, ist Leiter der VN- und EU-Wirtschafts- und Finanzsanktionen am 16. Januar 2016 kam der Exekutive und bildet den Ministerrat. Er muss vom Revolutionsführer und Rouhani dem erklärten Ziel seiner Wahlversprechen nach. dem Parlament bestätigt werden und ist in der täglichen Politikgestaltung von Aktuell wirbt die Regierung Rouhani für mehr ausländische Investitionen, lokale diesen Instanzen abhängig. Der Wächterrat fungiert, neben dem Parlament, als Produktion und Technologietransfer. zweite Kammer der Legislative. Die Hauptaufgabe des Wächterrates besteht jedoch in der Auswahl der zulässigen Kandidaten bei Parlaments-, Präsidentschafts- und Expertenratswahlen. Das Zulassungsverfahren führt dazu, Quellen: AA (2016, 2016a & 2016b), Ghasimi (2012) Aktuelle rechtliche Hinweise: dass bei Wahlen, keine politischen Parteien, sondern einzelne Personen gewählt Die rechtlichen Bedingungen zum Exportgeschäft im Iran befinden sich derzeit werden, obwohl es zahlreiche Gruppierungen gibt, die nach dem iranischen aufgrund der politischen Lage in einem steten Wandel. Unternehmen sollten sich Verfahren als „Partei“ registriert sind. vor der Aufnahme einer geschäftlichen Aktivität unbedingt bei den Im Iran werden die mittelfristigen politischen und wirtschaftlichen Ziele über so entsprechenden Stellen über den aktuellen Stand der Bestimmungen informieren. genannte Fünfjahresentwicklungspläne (FYNDP) festgelegt. Der erste AHK Iran: +98 21 8133-1000 Fünfjahresentwicklungsplan nach der Revolution von 1979, die das Ende der ahk_iran@dihk.co.ir Monarchie im Iran bedeutete, wurde am 31. Januar 1990 vom Parlament Bundesamt für Wirtschaft +49 (0) 6196 908-0 ratifiziert. und Ausfuhrkontrolle: ausfuhrkontrolle@bafa.bund.de Durchführer: LÄNDERPROFIL IRAN 2016 | SEITE 13
Soziodemographische Daten Soziodemographische Informationen: 2015 zählte der Iran 79,1 Mio. Einwohner mehrheitlich schiitischen Glaubens. Mehr als drei Viertel der Bevölkerung leben in Städten. Während die Bevölkerungszahl zwischen 2000 und 2015 stetig von etwa 65,9 Mio. auf ca. 79,1 Mio. wuchs, stieg zunächst auch der Index für menschlichen Entwicklung (HDI) zwischen 2000 und 2005 relativ stark von 0,665 auf 0,759. der HDI sank jedoch zwischenzeitlich (2010) wieder auf 0,743, befindet sich aber 2015 wieder auf einem Quellen: AA (2016), Fund for Peace (2016), Transparency International (2016 & 2016a), UNDP (2015 & 2015a) Stand von 0,766. Der HDI setzt sich aus verschiedenen Wohlstandsindikatoren zusammen und wird vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) erhoben. Der höchste zu erreichende Wert ist 1,0. Der Iran belegte 2013 Platz 69 von 188 untersuchten Ländern. Im Korruptionsindex 2015 von Transparency International lag der Iran mit einer Bewertung von 27 (bei einer theoretischen Bestnote von 100) im Schlussfeld und kam auf Platz 130 von 168 untersuchten Staaten. Das Nachbarland Türkei lag auf Platz 66. Im Index der fragilen Staaten (FSI) des Fund for Peace erhielt der Iran 2016 eine Bewertung von 86,9 (eine Bewertung ab 110 bedeutet eine sehr hohe Warnstufe (Very High Alert)). Der Iran befindet sich somit im Bereich der „hohen Warnstufe“. Der Index bewertet unter anderem auch den Einfluss wirtschaftlicher Sanktionen. Die aktuellen Daten berücksichtigen aber keine neuen Entwicklungen ab dem 31.12.2015, weshalb nach dem Aufheben der Sanktionen im Iran tendenziell mit einer positiven Entwicklung des FSI-Index zu rechnen ist. Stabilität und Korruptionswahrnehmung: Entwicklung des HDI und Bevölkerungsentwicklung: Fragile States Index 2016: Iran (86,9) 0,78 90 Bevölkerungszahl in Mio. 0,76 80 0,74 70 0,72 60 0 30 60 90 120 0,7 50 Stabil Fragil HDI 0,68 40 0,66 30 Korruptionswahrnehmungsindex 2015: 0,64 20 Iran (27) 0,62 10 0,6 0 2000 2005 2010 2015 100 75 50 25 0 Human Development Index (HDI) Bevölkerungszahl Geringe Korruption Hohe Korruption Eigene Darstellung, auf Basis von Daten des Fund for Peace (2015) und Transparency International (2015) Eigene Darstellung, auf Basis von Daten von Worldbank (2016), UNDP (2015 & 2015a), AA (2016) Durchführer: LÄNDERPROFIL IRAN 2016 | SEITE 14
Wirtschaftskennzahlen, Risikoanalyse & Investitionssicherheit Wirtschaftskennzahlen: Risikoanalyse & Investitionssicherheit: Irans geschätztes BIP für 2015 lag bei 365,5 Mrd. Euro, erwirtschaftet zur Hälfte im Durch die vom Iran gewünschten intensiven wirtschaftlichen Verflechtungen Quellen: GTAI (2016 & 2016b), IMF ( 2016), CIA (2016), Jurdi (2015), Investment in Iran (2016), Chadbourne (2015) Dienstleistungssektor (52%), aber auch zu großen Teilen durch Industrie (38,4%) ausländischer und iranischer Unternehmen mittels hoher ausländischer Direkt- und Landwirtschaft (9,3%). Erdöl machte 2014/15 einen BIP-Anteil von 15% aus. investitionen sowie dem Trend hin zum Import von Investitionsgütern (Anstieg um Das Wirtschaftswachstum stieg nach einem Einbruch 2012 zuletzt wieder auf ein 23% im Jahr 2014) herrscht ein gutes Geschäftsklima. Vor einer Exportentscheidung Plus von 4% im Jahr 2014. Nach einem leichten Rückgang 2015 sehen die sollten jedoch auch die auf der vorigen Seite beschriebenen soziodemographischen Prognosen für 2016 wieder eine Rückkehr zu Werten um 4%. Die Schwankungen Informationen betrachtet werden. Seit 2002 gilt im Iran das Gesetz zur Absicherung spiegeln sich auch in der Inflationsrate wieder. Diese stieg von 14,4% im Jahr 2010 und Förderung ausländischer Investitionen (FIPPA), welches nichtgewerbliche auf 34,4% 2013 an und sank auf 8,9% im Jahr 2016, wobei die Tendenz weiterhin Risiken wie Transaktionen, Verstaatlichung und Zwangsenteignung sowie sinkend ist. Vertragsbrüche seitens der Regierung abdeckt. Die Wirksamkeit des FIPPA- Abkommens gilt laut Angabe mehrerer Kanzleien (z.B. Chadbourne 2015) jedoch als Wirtschaftswachstum und Inflation zweifelhaft. Die iranische Wirtschaft ist außerdem stark an die politische Führung des Landes gebunden, da Staats-unternehmen weiterhin die strategischen Wirtschaftswachstum in % (real) 40 8,00 Wirtschaftssektoren beherrschen. Zwar konnte eine Einigung im Sanktionsstreit 35 6,00 erzielt werden, der daraus resultierende Aktionsplan JCPOA bedeutet allerdings nur Inflationsrate in % 30 4,00 25 2,00 eine begrenzte Normalisierung der Beziehungen zum Iran. Wie die Gesellschaft der 20 0,00 Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing (GTAI 15 -2,00 2016) berichtet, wurde ein Teil der Iran-Sanktionen ausgesetzt, aber nicht endgültig 10 -4,00 aufgehoben. Ein Streitschlichtungs-mechanismus ermöglicht nach ausführlichen 5 -6,00 Konsultationen über geltend gemachte Vertragsverletzung eine schnelle Reaktivierung 0 -8,00 ("snap back") der gesamten "Sanktionsarchitektur." Der JCPOA sieht zwar vor, dass 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 erneute Sanktionen nicht rückwirkend für geschlossene Verträge gelten, aber die Inflationsrate Veränderung des BIP (real) Rentabilität einer ausländischen Niederlassung oder eines Gemeinschafts- Eigene Darstellung, basierend auf Daten von World Bank (2016a & 2016b) und GTAI (2016) unternehmens könnte von erneuten Sanktionen erheblich beeinträchtigt werden. Durchführer: LÄNDERPROFIL IRAN 2016 | SEITE 15
2. Energiemarkt Auf in neue Märkte! Durchführer: LÄNDERPROFIL IRAN 2016 | SEITE 16
Energiemarktordnung Energieministerium (MOE) Erdölministerium (MOP) Staatlicher Muttergesellschaft für Iranisches Wasser Staatliche Regulierungsgremium Stromversorger thermische Kraftwerke Ressourcen Erdgasgesellschaft des Strommarkts (IERB) (TAVANIR) (TPPH) Management (WRM) (NIGC) Quellen: BSW-Solar (2015), dena (2014), IGMC (k. A.), Rödl & Partner (2016), SUNA (2016c), SABA (k. A.) Iranisches Wasser & Organisation für Iranischen Ressourcen erneuerbare Energien MAPNA Gruppe Netzbetreiber (IGMC) Energieeffizienzbehörde Stromentwicklungs- (SUNA) (SABA) unternehmen (IWPCO) Arbeitsgruppe Abteilung Solarenergie Abteilung Geothermie Brennstoffzell- Büro für Windenergie Büro für Biomasse technologie Eigene Darstellung, basierend auf den Informationen von dena (2014), IGMC (k. A.), BSW-Solar (2015), Ministry of Energy (k. A..) Für alle Teilbereiche der Erdöl- und Erdgasindustrie und damit auch für Aspekte der Wärmeversorgung im Iran ist das Erdölministerium (MOP) verantwortlich. Zum Erdölministerium gehört die staatliche Erdgasgesellschaft (NIGC). Der Stromsektor obliegt hingegen dem Energieministerium (MOE). Bis zu einer Strommarktreform im Jahr 2004 besaß die Regierung ein Monopol auf Erzeugung, Übertragung und Verteilung des Stroms. Ein steigender Stromverbrauch machte jedoch die Beteiligung privaten Kapitals am Strommarkt erforderlich. Insgesamt waren 2013 41% der installierten Stromerzeugungskapazitäten in Privatbesitz. Größter Akteur ist aber weiterhin das staatliche Stromversorgungsunternehmen TAVANIR. Dieses ist zuständig für den Ausbau und die Modernisierung der Kraftwerks- und Netzkapazitäten des Landes. Zum Stand 2015 gehörten zur TAVANIR 16 Regionalversorger, 42 Verteilnetzbetreiber und 27 Kraftwerksbetreiber. Die Regulierung des Strommarktes unterliegt hingegen dem Regulierungsgremium IERB. Der Kraftwerksausbau wird zum Großteil von Staatsunternehmen übernommen: Für die Planung und das Management der staatlichen fossilen Kraftwerke ist die Muttergesellschaft für thermische Kraftwerke (TPPH) verantwortlich. Dem Staatsunternehmen Iranisches Wasser Ressourcen Management (WRM) untersteht der Kraftwerksausbau im Bereich der großen Wasserkraft, für Kleinwasserkraft (< 10 MW) ist die Organisation für erneuerbare Energien Irans (SUNA) zuständig. Die zur TAVANIR gehörende SUNA setzt sich seit ihrer Gründung im Jahr 1996 für eine Erhöhung des EE-Anteils ein und besitzt fünf verschiedene, auf die einzelnen EE-Technologien sowie auf Brennstoffzelltechnologie spezialisierte, Abteilungen. Auf der Umsetzungsebene ist für den Kraftwerksbau außerdem das ebenfalls zur TAVANIR gehörende Iranische Projektmanagement-Unternehmen für Stromkraftwerke (MAPNA) zuständig, bis auf den Bereich Wasserkraft, den die WRM-Tochter, das Iranische Wasser & Ressourcen Stromentwicklungsunternehmen (IWPCO) übernimmt. Die Verantwortung für die Stromübertragung wurde 2004 an ein Tochterunternehmen der TAVANIR, den staatlichen Netzbetreiber IGMC übergeben. Innerhalb der TAVANIR gibt es seit 1996 außerdem die eigene Energieeffizienzbehörde SABA. Durchführer: LÄNDERPROFIL IRAN 2016 | SEITE 17
Stromerzeugung & -verbrauch Entwicklung seit 2006 in GWh 300.000 Quellen: IGMC (k. A.), IEA (2016), Ministry of Energy (k. A.a), Rödl & Partner (2016), PressTV (2015), BSW-Solar (2015), 250.000 Trend news agency (2013), *der Brennstoff für das einzige Kernkraftwerk im Iran wird aus Russland geliefert. 200.000 GWh 150.000 100.000 50.000 0 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 Jahr Stromerzeugung Stromverbrauch Eigene Darstellung auf Basis der Daten von IEA (2016) Die Stromerzeugungskapazitäten im Iran belaufen sich laut letztverfügbaren Angaben des MOE 2014 auf über 73,2 GW. Zur zentralen Stromerzeugung dienen 2013 nach Angaben der IGMC insgesamt rund 144 Anlagen. Im Jahr 2014 nutzten diese zu 36% Erdgas und zu 22% erdölbasierten Dampf. Zu 25% besteht die Stromerzeugungskapazität aus Gas-und-Dampfkombikraftwerken, zu 14,6% aus Wasserkraft, zu 0,6% aus dieselbetriebenen Anlagen und zu 1,7% aus Kernenergie* und erneuerbaren Energien (EE). EE machten dabei inklusive großer Wasserkraft 2014 eine netzangeschlossene installierte Kapazität von knapp 11 GW aus. 2014 wurden laut IEA 274.609 GWh Strom produziert. Der Verbrauch lag im selben Jahr bei 221.411 GWh. Verluste bei der Übertragung lagen bei ca. 12,6% der Produktion. Aufgrund der teilweise veralteten und witterungsanfälligen Kraftwerke kommt es immer wieder zu Stromausfällen. 2013 nutzte die Industrie 36,18% des verbrauchten Stroms, gefolgt von Haushalten (30,37%), der Agrar- und Forstwirtschaft mit 15,85%, dem Handel und dem öffentlichen Sektor (15,23%) und dem Transportsektor (0,19%). Weitere, nicht näher spezifizierte Anwendungen machten einen Anteil von 1,82% aus. Gerade in den Sommermonaten dient ein Großteil des Stroms, der in Haushalten verbraucht wird, dem Betrieb von Klimaanlagen. Konkrete Zahlen zur Höhe des Anteils sind jedoch nicht verfügbar. Das iranische Stromsystem ist mit seinen Nachbarländern verbunden. 2013 importierte das Land 4.144 GWh Strom und exportierte 11.727 GWh. Der Großteil der Importe (57,82%) stammt aus Turkmenistan, während 73% der Stromexporte in den Irak gehen. Durchführer: LÄNDERPROFIL IRAN 2016 | SEITE 18
Wärmemarkt, Erdgaserzeugung & -verbrauch Entwicklung seit 2006 in TJ 8.000.000 7.000.000 Quellen: Golara, A., Bonyad, H., & Omidvar, H. (2015), Taghadossi, Mohsen & Porkhial, Sohail (2015), IEA (2016), eia 6.000.000 5.000.000 TJ 4.000.000 3.000.000 2.000.000 1.000.000 0 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 Jahr Erdgaserzeugung Erdgasverbrauch Eigene Darstellung auf Basis der Daten von IEA (2016a) Im Iran gibt es bis dato keine Fern- oder Nahwärmenetze, an die EE-Anlagen angeschlossen werden könnten. Die Bedarfe für Heizung und Kochen werden vornehmlich durch Erdgas gedeckt. Insgesamt werden in 2015 über 75% des Erdgasverbrauchs zur Beheizung von Gebäuden genutzt. Iran verfügt 2015 mit 33.600 Milliarden Kubikmetern (m³) über die zweitgrößten erschließbaren Erdgasvorkommen weltweit nach Russland. Das Land besitzt 17% der weltweiten nachgewiesenen Erdgasreserven und mehr als ein Drittel der OPEC-Reserven. 40% der Vorkommen befinden sich Schätzungen zufolge im größten Erdgasfeld des Landes, South Pars. Der Großteil der Reserven wird nicht entwickelt. 2014 förderte das Land 6.872.781 TJ Erdgas und verbrauchte 4.370.126 TJ Erdgas. Die Differenz lässt sich auf den Export (381.588 TJ bei einem Import von 296.185 TJ) sowie auf die Erdgasnutzung bei der Stromproduktion (1.974.581 TJ), auf den Eigenverbrauch der Energieindustrie (1.511.281 TJ) und auf Übertragungsverluste (1.397 TJ) zurückführen. Ein Gaspipelinenetz dient der Versorgung der Städte und großen Dörfern mit Erdgas. Das Erdgas wird in diesen Regionen zur Wärmeversorgung genutzt. Da der Iran über (2015a) keinen eigenen Markt für Flüssiggas verfügt, stellt die Wärmeversorgung abgelegener ländlicher Gebiete eine Herausforderung dar. Dort werden Anlagen häufig mit Strom (sofern ein Zugang zu Elektrizität besteht) oder, wenn kein Stromzugang aus dem Netz besteht, mit Diesel betrieben. Allerdings sind keine statistisch validen Daten in Bezug auf den Bedarf verfügbar. Durchführer: LÄNDERPROFIL IRAN 2016 | SEITE 19
Energie- & Strompreise Strompreisübersicht 2015 in €/kWh Energiepreise allgemein (Durchschnittspreise) Die Energiepreise im Iran werden stark subventioniert. Obwohl die Regierung mit dem Privathaushalte 0,05 Subsidy Reform Act bereits 2010 eine Reform der Energiepreise beschlossen hatte, in deren Sonstige (inklusive 0,06 Zuge diese um ca. 90% innerhalb von fünf Jahren erhöht werden sollten, war Iran laut Gewerbe) (Leistungsbedarf < 30 kW) Internationale Energie Agentur (IEA) Angaben auch im Jahr 2014 noch das Land mit den im Sonstige (inklusive internationalen Vergleich höchsten Ausgaben für Energiesubventionen, nämlich mit 78 Mrd. Gewerbe) 0,07 USD ca. 19,3% des BIP. (Leistungsbedarf > 30 kW) Strompreise Quellen: dena (2014). BSW-Solar (2015), SHANA ( 2015), IEA (2016b), Moshiri (2013) Öffentliche Einrichtungen 0,03 (Leistungsbedarf < 30 kW) Das Energieministerium gibt die iranischen Strompreise vor. Diese unterscheiden sich nach Öffentliche Einrichtungen 0,03 Nutzergruppen sowie innerhalb dieser nach Region, Tageszeit und Höhe des Verbrauchs. Im (Leistungsbedarf > 30 kW) Zuge der Umsetzung des Subsidy Reform Acts von 2010 wurden die Endverbraucherpreise Industrie von 2010 bis 2015 um durchschnittlich ca. das Sechsfache erhöht, u. a. um Investitionen in 0,02 (Leistungsbedarf < 30 kW) die Infrastruktur der Energiewirtschaft attraktiver zu machen und einen Anreiz für Industrie 0,04 ausländische Investitionen zu bieten. (Leistungsbedarf > 30 kW) Landwirtschaft Für öffentliche, industrielle, landwirtschaftliche und sonstige (inklusive gewerbliche) Nutzer 0,01 (Leistungsbedarf < 30 kW) werden in einigen Tarifklassen bei einem Bedarf über 30 kW zusätzlich Gebühren für die Landwirtschaft 0,008 Bereitstellung der Leistung berechnet. Diese Gebühren bewegen sich in Größenordnungen (Leistungsbedarf > 30 kW) von 0,4 €/kW bis 1,4 €/kW. Quelle: BSW-Solar (2015) Umrechnung von Iranischer Rial zum Wechselkurs vom 15.07.2016 auf oanda.com Durchführer: LÄNDERPROFIL IRAN 2016 | SEITE 20
Gaspreise Gaspreise Durchschnittliche Preise für Erdgas 2014 Die Gaspreise im Iran werden gesetzlich vom MOE vorgegeben und durch die staatliche Die ersten 7 Monate des Die letzten 5 Monate des Jahres 2014 Jahres 2014 Erdgasgesellschaft (NIGC) umgesetzt. Die Preise werden dabei in die Haupttarifgruppen Privathaushalte 0,04 0,03 Haushalte, öffentliche Dienstleistungen und Gewerbe sowie Industrie unterteilt, wobei es [€/ m3] innerhalb dieser Kategorien jeweils weitere Unterscheidungen gibt. Zusätzlich werden die Gewerbe und Öffentliche Preise innerhalb einer Klassifizierung außerdem nach den kalten Monaten (15. November bis 0,03 0,03 Einrichtungen 15. April) und den weitere Monaten des Jahres aufgeteilt. Dabei sind die Tarife in den kalten [€/ m3] Monaten vornehmlich günstiger. Am 26. Mai 2015 erfolgte laut Presseberichten eine Quellen: dena (2014). BSW-Solar (2015), SHANA ( 2015), IEA (2016b), Moshiri (2013) Industrie [€/ m3] 0,03 0,03 Erhöhung der Gaspreise für Haushalt sowie den Handel und den öffentlichen Sektor um jeweils 15%. Die Preise für die Industrie blieben hingegen konstant. Quelle: Ministry of Energy (k. A.a) Umrechnung von Iranischer Rial zum Wechselkurs vom 15.07.2016 auf oanda.com Durchführer: LÄNDERPROFIL IRAN 2016 | SEITE 21
Marktzugang Strom Im Rahmen der Privatisierung des iranischen Strommarktes wurden bereits seit 2004 erste Projekte unter einem Bauen-Operieren-Übertragen (BOT) und andere unter einem Bauen-Besitzen-Operieren Build-Own-Operate (BOO) Mechanismus errichtet. Laut iranischem Recht ist das MOE seit 2011 dazu verpflichtet, Quellen: AHK Iran (2015), Rabeie (2016), BSW-Solar (2015), SUNA (2016b), dena (2014), Exportinitiative Energie (2016) unter bestimmten Tarifen und Bedingungen, die im Detail unter der Folie Fördermaßnahmen und Finanzierung eingesehen werden können, den Strom aus privat finanzierten EE-Anlagen abzunehmen. Für Strom aus erneuerbaren Energien fungiert die SUNA stellvertretend für TAVANIR als Vertragspartner. Im Falle von EE-Projekten haben die PPAs eine Gültigkeit von 20 Jahren. Im Juli 2016 kündigte der iranische Energieminister außerdem ein zukünftiges Ausschreibungsverfahren für große EE-Projekte (über 100 MW) an. Weitere Informationen zu dem geplanten Ablauf und möglichen Vergütungen konnten aber bisher auch von der SUNA nicht eingeholt werden. Aktuelle Informationen können auf der Seite der SUNA abgerufen werden . Das Genehmigungsverfahren für große EE-Anlagen (> 100 kW) im Iran lässt sich dabei allgemein in vier Schritte unterteilen. Zunächst erfolgt die Registrierung des Projektvorhabens bei der SUNA. Nach positiver Prüfung der erforderlichen Projektpräsentation erfolgt die Erteilung der Baugenehmigung. Danach durchläuft das Projekt weitere Genehmigungsprozesse (Einreichen von Machbarkeitsstudien, Erwerb von Landnutzungsgenehmigung, Strom Umweltgenehmigung und Netzanschlussgenehmigung). Diese Anforderungen müssen erfüllt werden, bevor Unternehmen eine Genehmigung erhalten können. Im Anschluss an einen erfolgreichen Genehmigungsprozess werden dem Betreiber die langfristigen Stromabnahmeverträge durch SUNA angeboten, bevor dieser zur Errichtung und zum Betrieb des Kraftwerks übergehen kann. Die Details sind hier einzusehen: . Alle erforderlichen Dokumente können auf der Seite der SUNA heruntergeladen werden. Für kleine Anlagen (bis 100 kW) hat die SUNA ein vergleichbares, ebenfalls ein standardisiertes Verfahren erarbeitet, bei dem die Genehmigung und Vergütung durch die regionalen Verteilnetzbetreiber erfolgt. Diese rechnen den Betrag mit der SUNA ab. Nach Ablauf der PPAs bestehen die folgenden Abnahmeoptionen: Bilateralen Verträge zwischen Erzeugern und Verbrauchern. Dabei verhandeln Produzenten und Verbraucher die Abnahme spezifischer Kapazitäten. Im Falle von konventionellen Energieträgern wird der Preis ohne Regulierungsmechanismus direkt verhandelt, wobei die IGMC die Transaktion genehmigen muss. Abnehmer für die konventionellen Energieträger ist die TAVANIR. Vortäglicher Markt: Der iranische Strommarkt wird von der IGMC verwaltet und von dem IERB reguliert. Auf dem Markt sind sowohl staatliche als auch private Unternehmen als Verkäufer aktiv. Der Bietpreis wird durch einen vorgeschriebenen Deckel reguliert. Strombörse IRENEX: An der Strombörse können nur private Stromerzeuger teilnehmen. Die Unternehmen schließen Stromlieferverträge ab, wobei die Bietstruktur nicht reguliert ist. Durchführer: LÄNDERPROFIL IRAN 2016 | SEITE 22
Marktzugang Wärme Ein Expertengespräch mit Mostafa Rabeie, zu dem Zeitpunkt Ansprechpartner für internationale Kommunikation von der SUNA (2016) verdeutlichte, dass sich die Aktivitäten der SUNA nur auf den Strommarkt beziehen. Das Thema Wärme obliegt dem Erdölministerium. Demnach ist eine Zuarbeit deutscher Unternehmen im Gasmarkt, z. B: durch die Einspeisung von Biogas in das Gasnetz zwar möglich und erwünscht, jedoch Wärme obliegt der Gasmarkt insgesamt der staatlichen Kontrolle . Speziell im Wärmemarkt sind bis dato keine größeren Beteiligungen ausländischer Unternehmen vorgesehen. Zwar prüft die Regierung die Nutzung erneuerbarer Energien speziell für die Klimatisierung von Gebäuden , doch sind in diesem Segment bisher erst einzelne Pilotprojekte umgesetzt worden. Für weitere Informationen in Bezug auf zukünftige Projekte empfiehlt sich eine Kontaktaufnahme mit der AHK Iran. Quellen: AHK Iran (2015), Rabeie (2016), BSW-Solar (2015), SUNA (2016b) Durchführer: LÄNDERPROFIL IRAN 2016 | SEITE 23
Stromnetz: Allgemeine Informationen Das iranische Übertragungsnetz befindet sich im Besitz der IGMC, einer 100%igen Tochter der TAVANIR. Die Stromübertragung (zu 100%) und Verteilung (zu 40%) wird zum Stand 2015 vornehmlich durch der TAVANIR unterstehende regionale Unternehmen geregelt und ist damit weiterhin de facto in staatlichen Händen. Allgemeine Informationen zum Stromnetz im Iran Das Übertragungsnetz im Iran besteht aus 19.745 km 400-kV-Leitungen und aus 29.670 km 230-kV-Leitungen. Zum gleichen Zeitpunkt befanden sich 3.602 km 400-kV-Leitungen und 3.376 km 230-kV-Leitungen im Bau, wobei es keine Angaben über das Jahr der Fertigstellung gibt. Das Verteilnetz besteht aus 22.602 km 132-kV-Leitungen und 45.754 km 63 & 66 kV-Leitungen. Im Verteilnetz befanden sich 2.592 km (132 kV) bzw. 7.200 km (63 & 66 kV) im Bau. Quellen: dena (2014), BSW-Solar (2015), IGMC (k. A.), Samaneh Kansar Zamin Co. (2015) Insgesamt hatte das iranische Stromnetz 2013 50.968 MVA Umspannwerke für 400 kV, 69.843 MVA für 230 kV, sowie Unterumspannwerke über 26.844 MVA für die 132-kV- und 61.334 MVA für die 63 und 66-kV-Leitungen. Im Bau befindlich waren im Jahr 2013 17.684 MVA 400 kV, 20.231 MVA 230 kV Umspannwerke sowie 4.913 MVA 132 kV und 13.285 MVA 63 und 66-kV-Unterumspannwerke. Die Elektrifizierungsrate im Iran betrug zum Stand 2013 insgesamt 99,8%. Im Bereich der kleinen Gemeinden (weniger als 20 Haushalte) lag sie allerdings bei 93,9%. Die flächendeckende Elektrifizierung in den entlegenen Gemeinden ist daher ein Ziel der TAVANIR. Eine englischsprachige Abbildung des iranischen Stromnetzes findet sich unter folgendem Link . Durchführer: LÄNDERPROFIL IRAN 2016 | SEITE 24
Stromnetz: Anschlussbedingungen Laut Angaben der IGMC besteht im Iran ein gesetzlich garantierter Zugang zum Übertragungsnetz. Außerdem existiert eine Abnahmepflicht für Strom aus EE- Quellen. Anschlussbedingungen für EE-Anlagen ans Stromnetz Gemäß der Durchführungsverordnung zum Artikel 62 des Finanzregulationsgesetzes , ist der Anlagenbetreiber dazu verpflichtet, die Kosten für den Netzanschluss vollständig zu zahlen. Auch die Kosten für alle Studien, Lizenzen, Infrastrukturmaßnahmen und Grundstückskäufe sind vom Anlagenbetreiber zu tragen. Die folgenden Anschlussbedingungen haben Gültigkeit für alle in diesem Länderprofil behandelten EE-Quellen: Einspeisende Anlagen mit einer Kapazität unter 20 kW bedürfen lediglich der Absprache mit dem verantwortlichen örtlichen Versorger. Anlagen mit einer Kapazität über 20 kW bis 2 MW benötigen eine Netzanschlusslizenz vom lokalen Versorger. Ab einer Kapazität von 2 MW muss die Lizenz von der stellvertretenden Direktion für Netzplanung und Entwicklung des MOE ausgestellt werden. Anlagen mit 7 bis 15 MW Leistung, bzw. Anlagen mit direktem Anschluss an das Mittelspannungsnetz sowie Anlagen mit einer Kapazität über 15 MW bzw. einem Anschluss an das Übertragungsnetz benötigen ebenfalls eine Netzanschlusslizenz durch die stellvertretende Direktion für Netzplanung und Entwicklung. Dabei muss außerdem das Einvernehmen der regional verantwortlichen und der zum Großteil der TAVANIR unterstehenden Stromversorgungs- und Verteilungsunternehmen vorliegen. Quellen: BSW-Solar (2015), dena (2014), IGMC (k. A.) Die genannten Institutionen geben jeweils vor, welche Unterlagen sie für die Erstellung der Netzanschlusslizenz benötigen. Dazu kann unter anderem gehören: Eine Prüfung der energetischen Situation bzw. der Netzausbau- und Kapazitätspläne des relevanten Stromversorgers, die Darstellung des geplanten Anlagendesigns, allgemeine technische Studien, Produktionsprognosen sowie Anschlusspläne Durchführer: LÄNDERPROFIL IRAN 2016 | SEITE 25
Gasnetz Gaspipeline: 2014 verfügte der Iran über insgesamt 36.000 km an Hochdruck-Erdgas-Pipelines. Diese verbinden den iranischen Markt auch mit den Märkten Aserbaidschan, Armenien, Türkei, Irak und Turkmenistan. Seit den 1990er Jahren ist außerdem der Bau einer 2.775 km-Pipeline nach Pakistan geplant. Dieses Projekt wurde nach Aufheben der Quellen: NIGC (2015), dena (2015), eia (2015), Chambers and Partners (2016), DunyaNews (2016), Casadei (2015) Sanktionen wieder belebt. Iran verfügte 2015 über keine Produktion von Flüssigerdgas (LNG), weshalb der komplette Gastransport auf den Pipelines beruht. Dazu dient ein Verteilungsnetz mit einer Länge von 264.000 km. Insgesamt verbrauchen 1.027 Städte und 17.400 größere Dörfer das produzierte Erdgas. Die Energieverbrauchszentren des Landes befinden sich vor allem im Norden. Bei den Gasfeldern im Süden besteht ein Mangel an benötigter Infrastruktur. Daher sind diese nur unzureichend mit den großen Verbraucherzentren im Norden verbunden. Daher wird Erdgas zur Versorgung des Nordens auch aus Aserbaidschan und Turkmenistan importiert. Dafür dienen nach letztverfügbarem Stand 2015 aktuell 11 Hochdruckgaspipelines. Anschlussbedingungen: Die Anschlussbedingungen für das Gasnetz finden sich in dem Petroleum Act von 1987, Artikel 4. Demnach darf die NIGC Vereinbarungen mit technologisch und finanziell qualifizierten Unternehmen eingehen, um den Transport, die Verteilung und den Verkauf von Erdgas und seiner Derivate zu verwalten. Die NIGC legt außerdem Standards für die Qualität des Erdgases fest. Die Standards für Gas, das in die Pipelines eingespeist und für Wärmezwecke genutzt werden darf, sind in dem folgenden Dokument angegeben . Speziell für Bio- und Deponiegas ist festgelegt, dass ein Halogenanteil von 5 mg/m³ nicht überschritten werden darf. Eine englischsprachige Abbildung der iranischen Erdgasinfrastruktur (d. h. das Pipelinenetz sowie die Verteilung der Erdgasverarbeitungsanlagen) findet sich unter folgendem Link . Durchführer: LÄNDERPROFIL IRAN 2016 | SEITE 26
3. Erneuerbare Energien Auf in neue Märkte! Durchführer: LÄNDERPROFIL IRAN 2016 | SEITE 27
Ausbauziele & gesetzlicher Rahmen Die Ausbauziele der iranischen Regierung für erneuerbare Energien (ohne große Wasserkraft) entstammen ursprünglich dem 4. FYNDP (2005-2009). Sie sahen den folgenden EE-Ausbau bis 2010 vor: Rabeie (2016), IRNA (2014), Mirsaeedi-Farahani (2015), SUNA (k. A.), Mahmoudi (2015), Exportinitiative Energie (2016) Quellen: BSW-Solar (2015), dena (2014), IRNA (2015), LSE (2016), Iran Business News (2016), Rödl & Partner (2016), Kleinwasserkraft: 150 MW, Windenergie: 445 MW, Geothermie (Stromerzeugung): 55 MW, Solarthermische Kraftwerke (CSP): 17,25 MW, Photovoltaik (PV): 13 MW, Biomasse (Stromerzeugung): 26,5MW, Solarthermie (ST): 50 M Wth. Mangels finanzieller Kapazitäten von staatlicher Seite konnten die Ausbauziele jedoch zum Großteil nicht erreicht werden . Im fünftem FYNDP (2010-2015) gab die Regierung stattdessen das Ziel aus, bis 2015 eine installierte EE-Kapazität (außer großer Wasserkraft) von 5.000 MW aufzuweisen. Auch dieser Plan wurde nicht umgesetzt. Wie die staatliche Nachrichtenagentur IRNA im September 2014 mitteilte, waren zu dem Zeitpunkt erst 350-MW-EE-Kapazitäten installiert. Ausbauziele Der 6. FYNDP (2016-2021*), der ab März des Jahr 2016 Gültigkeit haben sollte (Beginn des iranischen Neujahres), wurde Medienberichten zufolge hingegen im Juni 2016 noch nicht vom Parlament ratifiziert. Gemäß dem Entwurf sieht der Plan vor, die EE-Leistung des Landes (außer großer Wasserkraft) bis 2020 auf 5.000 MW zu erhöhen. Der Schwerpunkt der Entwicklung soll dabei laut Herrn Rabeie, aktuell verantwortlich für internationale Kommunikation bei der Suna, auf Windenergie (onshore) und PV liegen. Im Juli 2016 kündigte der iranische Energieminister ein zukünftiges Ausschreibungsverfahren über 1 GW Windenergie und 3 GW Solarenergie an. Weitere Informationen hierzu sind aktuell nicht verfügbar. Neue Entwicklungen lassen sich auf der Seite der SUNA verfolgen . In den verfügbaren Quellen sind mit Ausnahme der oben genannten der Ziele für Solarthermie (50 MWth ) keine Ausbauziele speziell für erneuerbare Wärme und Kühlung genannt. * Aufgrund des iranischen Kalenders, der vom gregorianischen Kalender abweicht , sind die Angaben zu den Laufzeiten der Pläne in den Quellen teilweise unterschiedlich. So wird der 6. Fünfjahresplan z. T. auch als von 2015 bis 2020 oder von 2016 bis 2020 gültig beschrieben. Durchführer: LÄNDERPROFIL IRAN 2016 | SEITE 28
Ausbauziele & gesetzlicher Rahmen 2000: Mit dem dritten FYNDP (2000-2005) bildete die Regierung die gesetzliche Grundlage für die ab 2004 erfolgende Privatisierung des Strommarktes und für die Einführung des Nationalen Entwicklungsfonds (NDF) . Der NDF dient auch der Förderung erneuerbarer Energien. Quellen: BSW-Solar (2015), dena (2014), IRNA (2015), LSE (2016), Iran Business News (2016), Rödl & Partner (2016), Rabeie (2016), IRNA (2014), Mirsaeedi-Farahani (2015), SUNA (k. A.), Valadkhani (2001), SUNA (k. A) , IEA (2014) Die rechtliche Grundlage für die Förderung erneuerbarer Energien im Iran schafft das Finanzregulationsgesetz von 2001 (Art. 62), das Gesetz zu Anpassung des Konsumverhaltens von 2011 (Art. 61), sowie der fünfte FYNDP (Art. 133 Abs. B): 2001: Artikel 62 des Finanzregulationsgesetzes verpflichtet das MOE zur Abnahme von Strom aus EE-Kraftwerken, die nicht der Regierung gehören. 2010: Der fünfte FYNDP ist auch gleichzeitig das wichtigste gesetzliche Instrument für erneuerbare Energien. Artikel 133 des Plans erlaubt es TAVANIR und den Verteilunternehmen, die ebenfalls zum MOE gehören, langfristige Stromabnahmeverträge (PPA) abzuschließen. Dabei gehen die grundsätzlichen Gesetzlicher Rahmen Rahmenbedingungen der aktuell mit dem PPAs auszuzahlenden Einspeisevergütungen auf eine Verabschiedung des Parlaments aus dem Juni 2015 zurück. Zwei Neuerungen sind dabei von Bedeutung: Zum einen wurde die Laufzeit der PPAs mit garantierter Einspeisevergütung von 5 auf 20 Jahre verlängert, zum anderen wurde der Ansatz des Fördermechanismus grundlegend verändert: Berechnete sich die Höhe der FiTs bis 2015 noch anhand des Wertes der vermiedenen Kosten für Kraftstoffe und CO2-Ausstoß, orientieren sich die Einspeisetarife seit 2015 an den technologiespezifischen Stromgestehungskosten. Die Einspeisetarife, die über die PPAs ausgezahlt werden, werden auf dieser Grundlage jedes Jahr aufs Neue vom MOE definiert. 2011: Mit Artikel 61 des Gesetzes zu Anpassung des Konsumverhaltens, wurde die Abnahme von Strom gegen FiTs im Rahmen langfristiger Stromabnahmeverträge für das MOE verpflichtend. 2013: Um den geplanten Ausbau zu finanzieren, sieht der Act 69 des Haushaltsgesetzes von 2013 vor, dass für Stromendkunden pro verbrauchter kWh Strom eine Abgabe in Höhe von 30 RIs (ca. 0,9 Eurocent) auf die Stromrechnung aufgeschlagen wird . Von der Maßnahme ausgenommen sind die Bewohner ländlicher Gegenden. Die entsprechenden Mittel werden in einen Entwicklungsfonds für erneuerbare Energien eingezahlt und dienen dem Ausbau erneuerbarer Energien und der Elektrifizierung ländlicher Gebiete. Es handelt sich jedoch nicht um ein Instrument der Projektfinanzierung, vielmehr entstammen aus dem Fonds die Mittel für die Einspeisevergütung . Durchführer: LÄNDERPROFIL IRAN 2016 | SEITE 29
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