NEUE BERUFE UND LAUFBAHNEN IN DER LEBENSMITTEL- UND GETRÄNKEINDUSTRIE: HOCHWERTIGE FÄHIGKEITEN DER LEBENSMITTELINDUSTRIE IN DER DIGITALEN ...
←
→
Transkription von Seiteninhalten
Wenn Ihr Browser die Seite nicht korrekt rendert, bitte, lesen Sie den Inhalt der Seite unten
NEUE BERUFE UND LAUFBAHNEN IN DER
LEBENSMITTEL- UND GETRÄNKEINDUSTRIE:
HOCHWERTIGE FÄHIGKEITEN DER
LEBENSMITTELINDUSTRIE IN DER DIGITALEN
WIRTSCHAFT BEREITSTELLEN
KURZFASSUNG
Vereinbarung Nr. VS/2017/0381
Mit der finanziellen
Unterstützung der
Europäischen Union.EINLEITUNG
Die Lebensmittel- und Getränkeindustrie ist der füh- Der Bericht baut auf den Ergebnissen eines früheren von
rende Produktionssektor in Europa und untrennbar mit der EU finanzierten Projekts für den sozialen Dialog mit
dem sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Gefüge dem Titel „Neue Talente und alternde Belegschaften: Zwei
Europas verflochten. Im Vergleich zu anderen Produkti- Seiten einer Medaille – Einführung von Good-Practice-Mo-
onssektoren in der EU ist die Branche ein bedeutender dellen für eine attraktive europäische Lebensmittel- und
Beschäftigungsmotor und ein relativ stabiler Arbeitgeber. Getränkeindustrie“ http://fooddrinkeurope-effat-toolbox.eu/
Die Digitalisierung im Lebensmittel- und Getränkesektor auf. Dessen Ziel bestand darin, Engpässe bei der Einstel-
ist ein wesentlicher Treiber für strategische Lösungen, lung neuer und qualifizierter Arbeitnehmer zu identifi-
die zu nachhaltigem Wachstum und Beschäftigung in zieren und das Augenmerk gleichzeitig auf potenzielle
Europa beitragen. Die digitale Technologie und auto- Herausforderungen zu legen, wenn Unternehmen mit
matisierte Systeme in all ihren Formen verändern auf einer alternden Belegschaft konfrontiert sind.
drastische Weise das Erscheinungsbild der Fertigung in
der Lebensmittel- und Getränkeindustrie. Aufgrund von Grundlage des Projektes ist eine auf der Sekundär-
Produktinnovationen, Marktwettbewerbsfähigkeit und forschung beruhende Bestandsaufnahme der neuen
technologischem Fortschritt werden zunehmend neue digitalen und automatisierten Technologien in der euro-
Fähigkeiten in einer Vielzahl von Bereichen benötigt. päischen Lebensmittelindustrie sowie der Auswirkungen
auf die Arbeit, der erforderlichen Fähigkeiten und der
Dieser Bericht ist Teil eines von der EU finanzierten Karrierewege. Bei dem Projekt kommt ein exploratives
Projekts für den sozialen Dialog, mit dem aktuelle Ver- und qualitatives Forschungsformat zum Einsatz, und es
änderungen in der Beschäftigung und arbeitsbezogene werden Beispiele aus mehreren EU-Ländern zur Veran-
Herausforderungen untersucht werden. Konkret geht schaulichung der lokalen Bedingungen herangezogen.
es darum, dass die europäischen Sozialpartner des Regionale Workshops in Budapest, Kopenhagen und Bolo-
Lebensmittel- und Getränkesektors die folgenden Ziele gna wurden als Foren für die Sozialpartner, Unterneh-
erreichen: men, Gewerkschaften und unabhängige Sachverständige
für den Wissensaustausch und die Diskussion sowie für
• Identifizierung neuer Technologien in der Lebens- zukunftsorientierte Überlegungen durchgeführt. Das
mittel- und Getränkeindustrie, entstehender Arbeits- Projekt wurde gemeinsam von EFFAT und FoodDrinkEuro-
plätze und der erforderlichen neuen Kompetenzen pe in Zusammenarbeit mit einer Lenkungsgruppe und
und Qualifikationsformen; dem Expertenteam durchgeführt.
• Vorausschauende Überlegungen in der Frage, welche
Kriterien für eine sozial erfolgreiche Anpassung der Für die Durchführung des Projektes zeichnet fol-
Lebensmittelindustrie 4.0 entscheidend sind. gendes Expertenteam verantwortlich:
Karen Hamann, IFAU Institute for Food Studies & Agri
Industrial Development (Dänemark);
Mario Gentile und Alberico Loi, Areté s.r.l. (Italien);
Adrienn Hegyi und Levente Zelenák, Camden BRI
(Ungarn)
AUFNAHME DER INDUSTRIE 4.0 IN DEN KON-
TEXT DER LEBENSMITTEL- UND GETRÄNKEHER-
STELLUNG
Industrie 4.0 ist auch bekannt als die vierte industrielle
Revolution, die in der Fertigung stattfindet. Diese vierte
industrielle Revolution wird Computer und die Auto-
matisierung weiter etablieren und durch intelligente
und autonome Systeme ergänzen, die durch Daten und
Maschinenlernen angetrieben werden. Industrie 4.0 ist
die Integration digitaler und physischer (Maschinen-)
Technologien in Anwendungen für Produktion und Lo-
gistik1. In diesem Zusammenhang bildet das Internet das
Rückgrat von Industrie 4.0, und die digital verbundenen
Maschinen (Computer und Verarbeitungsanlagen) prä-
gen die Herausforderungen und Chancen von Industrie Abbildung 1: Die Vernetzung von Industrie 4.0
4.0, Abbildung 1.
Quelle: https://www.foodmanufacture.co.uk/Article/2017/06/15/
Smart-food-factories-move-even-closer
2 1
Maier J. (2017): Made Smarter Review„LEBENSMITTELINDUSTRIE 4.0“: DIE ÜBERTRA- Unternehmen bereits signifikant in automatisierte und
GUNG DER TECHNOLOGIEN DER INDUSTRIE digitalisierte Lösungen für die Produktion und Logistik von
Nahrungsmitteln und Getränken investiert haben, wäh-
4.0 IN DIE LEBENSMITTEL- UND GETRÄNKE- rend kleinere und mittlere Unternehmen auf dem Weg
HERSTELLUNG zur Digitalisierung von Prozessen eher noch am Anfang
standen. So wurde beispielsweise in einer Umfrage2 unter
Die Lebensmittelindustrie 4.0 wird Veränderungen in der deutschen Lebensmittelindustrie festgestellt, dass
der Art und Weise bewirken, wie die Herstellung von zwei Drittel der Befragten aktiv digitale und automatisier-
Lebensmitteln und Getränken erfolgt, und wie die Arbeit te Systeme implementierten.
organisiert wird. Außerdem wird dies veränderte Kompe-
tenzanforderungen zur Folge haben. BESCHÄFTIGUNG IN DER EUROPÄISCHEN LE-
BENSMITTEL- UND GETRÄNKEINDUSTRIE
DIE BESONDERHEITEN DER EUROPÄISCHEN LE-
BENSMITTEL- UND GETRÄNKEINDUSTRIE UND Die Lebensmittel- und Getränkeindustrie leistet einen
DIE AUTOMATISIERUNG wichtigen Beitrag zur Wirtschaft der Europäischen Union
und ist ein relativ stabiler Anbieter von Arbeitsplätzen,
Mehr als 98 % der Unternehmen der europäischen Le- Abbildung 3. Innerhalb der verarbeitenden Industrie der
bensmittel- und Getränkeindustrie sind KMU. Die Branche EU nimmt die Lebensmittel- und Getränkeindustrie beim
zeichnet sich durch eine Reihe von Besonderheiten aus, Umsatz eine führende Position ein und beschäftigt 4,7
z.B.: strenge Anforderungen an die Handhabung und Millionen Menschen.
Lagerung der verwendeten Rohstoffe, die komplexen und
vielfältigen Lieferketten sowie technologische Herausfor- Trotz zunehmender Automatisierung in der europäischen
derungen bei der Automatisierung der Lebensmittelverar- Lebensmittel- und Getränkeindustrie herrscht in mehreren
beitung. Dies erklärt, warum letztere in dem Sektor weni- Mitgliedstaaten Arbeitskräftemangel. So fehlen in der
ger verbreitet ist als in anderen Fertigungsbereichen. Die deutschen Lebensmittel- und Getränkeindustrie mehr als
Automatisierung und ihre Auswirkungen gehen mit einer 6.000 Bewerber/innen für eine Berufsausbildung in Le-
Vielzahl von Betrachtungsweisen und Beispielen einher. bensmittelberufen. Die Zahl der unbesetzten Stellen steigt,
Gemäß einer Erkenntnis dieses Forschungsprojektes muss und die Stellen sind länger vakant; bei lebensmittelbezoge-
bei der „Auswirkung“ auch der lokale Kontext und nicht nen Stellen durchschnittlich mehr als 140 Tage3. Auch das
nur die Automatisierung miteinbezogen werden. Vereinigte Königreich hat Schwierigkeiten, Arbeitskräfte
Bis 2017 waren mehr als 31.000 Roboter in der europäi- einzustellen: Für die kommenden Jahre geht man von einem
schen Lebensmittel- und Getränkeindustrie installiert, Arbeitskräftemangel in der Lebensmittelproduktion von
die meisten in den nördlichen und westlichen Mitglied- fast 140.000 Beschäftigten aus, und 40 % der Unternehmen
staaten. Es wird erwartet, dass die Zahl in den kommen- in der Lebensmittelverarbeitung und der Landwirtschaft,
den Jahren weiter ansteigt, Abbildung 2. die Zeitarbeiter/innen beschäftigen, kämpfen darum, die
notwendigen (in diesem Fall ungelernten) Arbeitnehmer/
innen zu finden4.
ARBEIT IN DER LEBENSMITTELINDUSTRIE 4.0
Die Arbeit in einer Produktionsumgebung für Lebens-
mittel und Getränke, in der die Fertigung und das
Fabrikkonzept so organisiert sind, dass sie den Prinzi-
pien der Industrie 4.0 entsprechen, unterscheidet sich
von der Arbeit in einer Umgebung mit Montagelinien
und Handarbeit. Im Bereich der Produktion werden
die Beschäftigten höchstwahrscheinlich eher für wis-
sensbasierte Produktionsaufgaben als für manuelle
Arbeit eingestellt. Das digitale Umfeld wirkt sich auf die
Arbeitsbedingungen aus, d.h. die Arbeitsorganisation,
Abbildung 2: Roboterbestand in der Lebensmittel- und Getränkein-
die auszuführenden Aufgaben, die verwendeten Techno-
dustrie pro 10.000 Beschäftigte (2017)
logien, das Recht der Arbeitskräfte auf Privatsphäre und
Quelle: ING (2019) – Food Tech: technology in the food industry den Bedarf an bestimmten Fertigkeiten.
Die digitale Umgebung schafft Rahmenbedingungen
Bei einer näheren Betrachtung der Lebensmittel- und für den Arbeiter, den Prozess und die Steuereinrichtung,
Getränkeherstellung in der EU zeigt sich, dass die definiert also den „Arbeitsbereich“, so dass die Anpas-
Anpassungsstrategien der Unternehmen an die Indus- sung an eine digitale Umgebung für den Menschen
trie 4.0 sehr unterschiedlich sind. Die verschiedenen manchmal eine Herausforderung darstellen kann. Zum
Projektworkshops führten zu der Erkenntnis, dass große Beispiel der Übergang von der routinemäßigen manuel-
2
Quelle: Ernährung 4.0 – Status Quo, Chancen und Herausforderungen. Präsentation von B. Rohleder (Bitkom Research)
und C. Minhoff, (BVE), Berlin, 26. März 2019. Die Umfrage wurde in Form von Telefoninterviews mit einer repräsentativen
Stichprobe von 304 Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten durchgeführt.
https://www.bve-online.de/presse/pressemitteilungen/pm-20190326 3
3
ANG, personal communication, 2019
4
Grand Thornton (2017) – FDF Economic contribution and growth opportunities; and ALP (Association of Labour
Providers), (2019): ALF Food Supply Chain Labour Survey ResultsAbbildung 3: Anzahl der Unternehmen und der Beschäftigten in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie der EU (2011-2017)
Quelle: Eurostat (Structural Business Statistics) - https://ec.europa.eu/EURtat/web/structural-business-statistics/overview
len Arbeit zu Tätigkeiten, die mehr kognitive Fähigkeiten Notwendigkeit, den Arbeitskräften die erforderlichen Prä-
erfordern; oder die Anpassung an sich ständig weiter- ventiv- und Schutzmaßnahmen zur Verfügung zu stellen,
entwickelnde Technologien und neue Arbeitsverfahren. beispielsweise die Gewährleistung, dass jeder Beschäftigte
Beide Beispiele veranschaulichen die Notwendigkeit, die erforderlichen Informationen und Schulungen zu
digitale Fähigkeiten und Fertigkeiten für den Betrieb Gesundheit und Sicherheit erhalten hat. Die Verschiebung
fortschrittlicher Ausrüstung und Datensysteme zu der Qualifikationsanforderungen verdeutlicht auch die
entwickeln. Technologie ist keine Lösung - sie ist ein Notwendigkeit, digitale Kompetenzen in Aufgaben wie
Wegbereiter, auch in der Lebensmittelindustrie 4.0. Fazit: Überwachung, Registrierung oder Steuerungsausrüs-
Ohne ausreichende Fachkräfte kann das Potenzial der tung zu integrieren. Das Projekt hat die Notwendigkeit
Technologie nicht voll ausgeschöpft werden. aufgezeigt, grundlegende digitale Kompetenzen für alle
Beschäftigten bereitzustellen.
KOMPETENZ- UND AUSBILDUNGSANFORDE-
Das Projekt hat die erwarteten Fähigkeiten der zu-
RUNGEN künftigen Beschäftigten der Lebensmittelindustrie 4.0
identifiziert, wie folgende Beispiele zeigen:
Das Projekt hat den Kompetenzaufbaubedarf in drei Ka-
tegorien analysiert: Handfertigkeiten, kognitive Fähigkei-
ten und soziale Kompetenzen. Darüber hinaus wurde die • Der zukünftige Beschäftigte wird ein/e hochspe-
Entwicklung digitaler Fähigkeiten in einem transversalen zialisierter/e „Super-Techniker/in“ sein, der/die
Ansatz betrachtet. Kognitive Fähigkeiten bilden zusam- über angemessene IT-Kompetenzen, Flexibilität,
men mit manuellen Fähigkeiten die Kompetenzkategorie, Interpretationsfähigkeit für die aufkommenden
deren relative Bedeutung für die Lebensmittelproduktion und sich ständig ändernden Bedürfnisse der mo-
und -logistik durch die Einführung automatisierter und dernen Lebensmittelverarbeitung und eine hohe
digitalisierter Systeme am stärksten zunehmen dürfte. Anpassungsbereitschaft verfügt. Der Schwerpunkt
Kognitive Fähigkeiten beziehen sich auf die Fähigkeit zu der Arbeit liegt auf der Implementierung von Tech-
denken, zu handeln und zu kommunizieren, daher sind nologien der Industrie 4.0.
Lesen, Schreiben und Rechnen Kernkompetenzen in • Der zukünftige Beschäftigte in der europäischen
dieser Kategorie. Lebensmittel- und Getränkeindustrie wird sich mit
Fragen von erhöhter Komplexität auseinander-
Kompetenzen für den Betrieb von digitalisierten Produk- setzen und mehr Verantwortung übernehmen
tionsanlagen sind unerlässlich, wobei einige traditionell müssen; der/die Arbeitnehmer/in muss eine
unter manueller Arbeit laufende Aufgaben übernommen umfassendere Reihe von Kompetenzen beherrschen
werden. Dies legt den Schluss nahe, dass es notwendig ist, und flexibel genug sein, um nahtlos zwischen ver-
den Beschäftigten Fähigkeiten zur Bedienung fortschrittli- schiedenen Aufgaben zu wechseln (Multitasking vs.
cher Fertigungsanlagen zu vermitteln. Zum Beispiel Fähig- Spezialisierung).
keiten zum Verständnis des Prozessablaufs, der Grenzen • Der zukünftige Beschäftigte wird aufgrund der
und Möglichkeiten der Maschinen. Es besteht auch die Online- und Echtzeit-Datenflüsse und der Über-
4wachungsaktivitäten, die sich aus der Lebensmittelin- der Bedeutung sicherzustellen, dass die Kompetenzen
dustrie 4.0 ergeben, mit einem verstärkten Gefühl der erfahrener Mitarbeiter/innen an neue (und jüngere)
externen Kontrolle zurechtkommen müssen. Kollegen/innen weitergegeben werden und dass die über-
tragenen Kompetenzen zeitgemäß sind. Dies ist relevant
Es wird behauptet, dass mehrere hunderttausend Be- für manuelle, kognitive und soziale sowie auch digitale
schäftigte in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie Kompetenzen, jedoch ist beim Erwerb von Fähigkeiten für
eine Umschulung oder Weiterqualifizierung benötigen, die Bedienung von Ausrüstungen und Datensystemen
um die Anforderungen für die Anpassung an die Lebens- im Rahmen der Lebensmittelindustrie 4.0 eher unklar,
mittelindustrie 4.0 zu erfüllen. Mit dieser Situation sind inwieweit Kompetenzen zwischen Kollegen/innen weiter-
große Probleme verbunden: Arbeitnehmer, die keinen gegeben werden.
Arbeitsvertrag haben, haben keinen Zugang oder An-
spruch auf eine bezahlte Ausbildung; in vielen Ländern SCHLUSSFOLGERUNG
fehlen moderne Lehrpläne für die berufliche Bildung; und
die Ansichten über die notwendige Qualifikationsbasis
Der Wettbewerb auf dem Markt ist die treibende Kraft
sind sehr unterschiedlich. Die Sozialpartner spielen eine
für die Anpassung an die Lebensmittelindustrie 4.0, und
entscheidende Rolle bei der Förderung einer angemesse-
die Umstellung der Lebensmittel- und Getränkeindustrie
nen Ausbildung der Arbeitnehmer/innen. Initiativen auf
auf das Format 4.0 nimmt Fahrt auf. Dieser Prozess bietet
Zutun der Gewerkschaften (z.B. Mittel zur Finanzierung
zwar Vorteile für Arbeit und Kapital, aber ernsthafte sozi-
der Ausbildung) oder kooperative Maßnahmen zur Erfas-
ale Herausforderungen dürfen nicht übersehen werden.
sung der vorhandenen Qualifikationsbasis und der für
Es gibt eine gemeinsame Schlussfolgerung bezüglich der
die kommenden Arbeitsplätze erforderlichen Fähigkeiten
Auswirkungen der Anpassung der Industrie-4.0-Techno-
sind nur einige Beispiele dafür, wie Herausforderungen im
logien in der europäischen Lebensmittel- und Geträn-
Zusammenhang mit der Ausbildung und der Qualifikati-
keindustrie: Ohne Arbeitskräfte gibt es keine Produktion.
onsbasis bewältigt werden können. Dies geht einher mit
Die Sicherung einer angemessenen Zahl von Arbeitskräf-
der Förderung von Beschäftigungsmöglichkeiten für be-
ten ist von grundlegender Bedeutung und erfordert die
troffene Mitarbeiter/innen (Stellenabbau), um die besten
Aufmerksamkeit von Arbeitgebern und Beschäftigten.
Voraussetzungen für das Weiterkommen und die Suche
Damit sind die Sozialpartner in einer zentralen Position,
nach anderen Karrieremöglichkeiten zu schaffen.
um eine sozial tragfähige Anpassung an die Lebensmit-
telindustrie 4.0 zu gewährleisten; ein Prozess, der für
HOCHWERTIGE KOMPETENZEN FÜR DIE LE- Beschäftigte und Arbeitgeber relevant ist und von ihnen
BENSMITTELINDUSTRIE 4.0 BEREITSTELLEN akzeptiert wird, und bei dem der soziale und der humane
Aspekt der Anpassung an digitalisierte und automati-
Die berufliche Bildung muss die Bereitstellung digitaler sierte Systeme angemessen berücksichtigt wird.
Kompetenzen sowie die Schulung im Umgang mit
automatisierten Anlagen umfassen und Wege finden, Die Lücke zwischen der Automatisierung und den Men-
den Aufbau von Sozialkompetenzen zu stärken (z.B. Pro- schen zu schließen, ist entscheidend für einen erfolgrei-
zessorganisation, Prozessdenken, Zusammenarbeit und chen Übergang zur Lebensmittelindustrie 4.0. Das Projekt
Teamarbeit). Mehrere Beispiele aus dem Projekt haben ge- hat gezeigt, dass ein sehr großer Teil der Arbeitskräfte in
zeigt, wie wichtig es für die Beschäftigten ist, über starke der europäischen Lebensmittel- und Getränkeindustrie
soziale und kommunikative Fähigkeiten zu verfügen und einen erheblichen Bedarf an Umschulungen oder Weiter-
mit vielen verschiedenen Nationalitäten und Mitarbeiter- bildungsmaßnahmen hat. Diese Situation unterstreicht
gruppen in einem Unternehmen interagieren zu können. die Bedeutung einer angemessenen Ausbildung und die
Die folgenden Beispiele5 könnten als relevante Themen Notwendigkeit, die Anbieter von allgemeiner und berufli-
Eingang in eine aufgewertete Berufsausbildung für die cher Bildung in den Dialog darüber einzubeziehen, wie die
Lebensmittelverarbeitung im digitalen Zeitalter finden: Arbeitskräfte mit modernen Fähigkeiten ausgestattet wer-
den können. Die Hersteller von digitalen Systemen und
automatisierten Produktionslinien können davon profitie-
• Erwerb von Fähigkeiten zur Steuerung des Produkti-
ren, mehr über die Arbeitsabläufe in der Lebensmittelpro-
onsprozesses über eine Mensch-Maschine-Schnitt-
duktion zu erfahren, während Lebensmittelunternehmen
stelle, die auf Prozesse der Lebensmittelherstellung mehr darüber lernen können, wie Lösungen der Industrie
angewendet wird; 4.0 in einem bestehenden Kontext umgesetzt werden
• Verständnis der Integration von Lieferkette und können. Dies erfordert einen offenen und erweiterten
Bestandssystemen und Erwerb von Kompetenzen Dialog mit mehr Interessengruppen - darunter Bildungs-
für die Arbeit mit RFID-Tags oder anderen fortschritt- anbieter und Lieferanten von Verarbeitungsanlagen und
lichen Technologien zur Überwachung und Kontrolle digitalen Lösungen.
digitalisierter Produktionsprozesse und der Logistik.
Die europäische Lebensmittel- und Getränkeindustrie
Interviews, Projektworkshops und Fachliteratur haben wird ein zentraler und großer Produktionssektor mit
darauf hingewiesen, dass die Mehrheit der Beschäftigten einem enormen und nützlichen Beitrag zur Gesell-
in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie durch An- schaft bleiben. Die Sozialpartner müssen ihrer Rolle
weisungen und Unterstützung der Kollegen/innen für gerecht werden, um diese Position der Lebensmittel-
ihre Arbeit geschult wird. Daher ist es von entscheiden- und Getränkeindustrie zu sichern. Die Zusammenar-
New education pathways for new positions (aufbauend auf der Präsentation von Prof. Marco Dalla Rosa, Bologna -
5
5
Workshop, Juni 2019)beit mit Bildungsanbietern, Herstellern von Produkti- empfehlungen sind in drei Themenbereiche unterteilt.
onssystemen und politischen Entscheidungsträgern Im Thema 1 geht es um die Sicherung der Beschäftigung
könnte nachhaltig den Weg zu einer sozial kohäsiven und ihrer Vielfalt. Thema 2 befasst sich damit, wie man
und florierenden Lebensmittelindustrie 4.0 weisen. die Vorteile der Lebensmittelindustrie 4.0 teilen kann,
indem man sich auf die Menschen konzentriert; und
Im folgenden Abschnitt (Abbildungen 4-6) finden Sie bei Themenstellung 3 geht es darum, wie die Menschen
Handlungsempfehlungen für die Interessengruppen: und die Lebensmittel- und Getränkeindustrie eine
die Sozialpartner, Bildungsanbieter, Anbieter von digi- erfolgreiche Entwicklung durch die Arbeit mit der Tech-
talen Systemen und automatisierten Produktionslinien nologie erzielen können.
sowie politische Entscheidungsträger. Die Handlungs-
ABBILDUNG 4:
HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN FÜR THEMA 1:
SICHERUNG DER BESCHÄFTIGUNG UND IH-
RER VIELFALT
THEMA 1: SICHERUNG DER BESCHÄFTIGUNG UND IHRER VIELFALT
SOZIALPART- • Aus dem sozialen Dialog einen Vorreiter machen, um die Lebensmittel- und Getränkeindus-
trie als attraktiven Arbeitsplatz zu fördern;
NER • Festlegung einer ehrgeizigen Ausbildungspolitik, die das Recht der Beschäftigten auf Aus-
bildung und bezahlten Bildungsurlaub sowie den Zugang zu angemessenen Ausbildungs-
(die Sozial- einrichtungen umfasst;
• Bereitstellung einer Qualifikationsgarantie-Bescheinigung für Fertigkeiten und Kompeten-
partner sind zen geringqualifizierter Arbeiternehmer/innen;
die Organe, die • Bereitstellung geschlechtsspezifischer Maßnahmen zur Schließung der digitalen Kluft,
insbesondere für Arbeitnehmerinnen;
beide Seiten • Definition geeigneter Arbeits- und Beschäftigungsfunktionen und Einbeziehung von Bil-
der Branche dungsmöglichkeiten;
vertreten: Ar- • Ausarbeitung von Skills Maps, um die Übereinstimmung zwischen Kompetenzen und
Aufgaben zu klären und die Motivation für Umschulungen/Weiterqualifizierungen zu
beitgeber und gewährleisten;
Beschäftigte) • Einführung eines Systems mit persönlichen Mitarbeiter-Entwicklungsplänen in Betracht ziehen;
• Entwicklung von Schulungsprogrammen auf der Grundlage der vorhandenen Fähigkeiten
der Arbeitskräfte;
• Entwicklung eines Ansatzes für den Wissenstransfer zwischen Arbeitnehmern/innen;
• Entwicklung einer offenen Kultur für moderne Lernformen;
• Beteiligung der Arbeitnehmervertreter/innen an Diskussionen über soziale Aspekte;
• Sicherstellen, dass Maßnahmen und Richtlinien integrativ sind, um auch den Bedürfnissen
weniger gebildeter Arbeitskräfte gerecht zu werden;
• Geschlechteraspekte müssen in den Dialog und die Politikgestaltung einbezogen werden,
was insbesondere für Frauen und sozial schwache Beschäftigte von Bedeutung ist;
• Einbeziehung der Sozialpartner in den Prozess der Modernisierung von Bildungsprogram-
men für den Lebensmittel- und Getränkebereich;
• Schaffung von Sozialfonds, die Schulungsprogramme für alle Unternehmen einschließlich
KMU zugänglich machen;
• Gemeinsamer Ansatz zur Behandlung der „Online-Sein-Option“ im Hinblick auf das Recht
der Arbeitnehmer/innen, außerhalb der Arbeitszeit abzuschalten
6THEMA 1: SICHERUNG DER BESCHÄFTIGUNG UND IHRER VIELFALT
POLITISCHE • Sicherstellen, dass junge Menschen arbeitsbereit sind und Grundkenntnisse in den Bereichen
Lesen/Schreiben, Rechnen, digitale, sprachliche und soziale Kompetenzen erworben haben;
ENTSCHEI- • Entwicklung zeitgemäßer Lehrpläne für die Berufsbildungseinrichtungen, die sich an junge
DUNGS-TRÄ- Talente und erfahrene Arbeitnehmer richten;
GER UND • Schaffung von Rahmenbedingungen, die eine Modernisierung der Organisation und Durch-
führung der beruflichen Bildung ermöglichen;
REGIERUNG • Unterstützung und Zusammenarbeit mit Lebensmittel- und Getränkeunternehmen mit
dem Ziel, die Lebensmittel- und Getränkeindustrie als Karriereweg zu fördern;
• Einrichtung anerkannter Zertifizierungssysteme zur Bewertung und Anerkennung von
Kompetenzen;
• Um die Überalterung der betroffenen Arbeitsplätze und Berufe zu verhindern, sollten Politi-
ken zur Weiterqualifizierung und Umschulung skizziert werden;
• Entwicklung präventiver Gesundheits - und Sicherheitsrichtlinien (z.B. Stress, Burn-out, usw.);
ANBIETER VON • Modernisierung der Fachhochschulen und der Systeme der beruflichen Aus- und Weiter-
bildung, um die Fähigkeiten für die Arbeit in einer digitalisierten und automatisierten
AUS- UND Umgebung zu verbessern;
WEITERBIL- • Entwicklung einer Ausbildung für junge Menschen, die in die Lebensmittel- und Geträn-
DUNGA keindustrie einsteigen, und für erfahrene Arbeitnehmer, die eine Umschulung und Weiter-
qualifizierung benötigen;
• Entwicklung zeitgemäßer Bildungsprogramme, die handwerkliche und digitale Fähigkeiten, so-
ziale Kompetenzen, Sprach- und Grundkenntnisse, Rechenkenntnisse und Computer umfassen;
• Modernisierung der Lehrlingsausbildung in Zusammenarbeit mit Vertretern der Lebens-
mittel- und Getränkeindustrie und der Gewerkschaften, um die Zweckmäßigkeit der Ausbil-
dung, die Einbeziehung fortschrittlicher und sich weiterentwickelnder Fertigungstechniken
und die Attraktivität einer Ausbildung in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie für den
Berufseinstieg sicherzustellen;
• Die Lehrlingsausbildung sollte Formen des dualen Lernens (Arbeit/Lernprogramme) umfas-
sen; gleichzeitig sollte das Berufsbildungssystem in Richtung allgemein gültiger statt enger,
spezialisierter Fachberufe entwickelt werden;
• Einbeziehung von Möglichkeiten zur Entwicklung von sozialen Kompetenzen in die Lehrpläne;
• Neue Wege zur Organisation von Schulungen in Betracht ziehen, indem mit Technologie-
anbietern, Lebensmittelunternehmen, Lehrkräften und anderen Interessengruppen zusam-
mengearbeitet wird;
ANBIETER VON • Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern bei der Entwicklung eines Systems zur Erfassung
von Kompetenzen (Skills-Mapping-Plattform) und Jobfunktionen;
DIGITALEN • Sicherstellen, dass die Systeme und Produktionsmittel benutzerfreundlich und motivierend
UND AUTO- für die Arbeitskräfte sind und Ausfallzeiten ermöglichen;
MATISIERTEN • Einbeziehung der Erfahrung der Beschäftigten bei der Konstruktion automatischer Produk-
tionseinrichtungen, um gute Arbeitsbedingungen zu gewährleisten;
LÖSUNGEN • Entwicklung von Produktionssystemen, die den Anforderungen einer heterogenen Gruppe
von Menschen gerecht werden, die in Teams zusammenarbeiten müssen;
• Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern, um einen ordnungsgemäßen und einbeziehen-
den Prozess für die Einführung digitalisierter und automatisierter Produktionssysteme
sicherzustellen, einschließlich Anweisungen, Schulungen und Unterstützung bei der Neu-
organisation von Arbeitsabläufen.
7ABBILDUNG 5:
HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN FÜR THEMA 2:
DIE VORTEILE VON INDUSTRIE 4.0 TEILEN -
EIN AUF DEN MENSCHEN AUSGERICHTETER
ANSATZ
THEMA 2: DIE VORTEILE VON INDUSTRIE 4.0 TEILEN - EIN AUF
DEN MENSCHEN AUSGERICHTETER ANSATZ
SOZIALPART- • Den sozialen Dialog zum Vorreiter dafür machen, dass die Arbeitnehmer/innen im Mittel-
punkt der Anpassung der Lebensmittelindustrie 4.0 stehen;
NER6 • Förderung von Richtlinien, die den Wert des digitalen Eigentums neu verteilen. In diesem
Zusammenhang sind Tarifverhandlungsrechte wichtig.
• Förderung der Transparenz und Beteiligung an Entscheidungen über die Einführung digita-
lisierter und automatisierter Systeme (Gründe, Kosten, Nutzen und Risiko);
• Robuste Risikobewertungs- und Managementsysteme, um sicherzustellen, dass digitale
Prozesse und automatisierte Systeme sicher, schnell und zuverlässig sind; Ergonomie und
ein Faktor-Mensch-Ansatz spielen eine Schlüsselrolle;
• Einbeziehung der Arbeitnehmervertreter/innen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen,
zur Verringerung schädlicher und gefährlicher Arbeiten und zur Arbeitsorganisation im
Rahmen der Lebensmittelindustrie 4.0;
• Ausbau der technologischen Möglichkeiten zur Schaffung von Arbeitsplätzen für sozial
schwache Menschen (z.B. ältere Arbeitskräfte);
• Fortsetzung des sozialen Dialogs zur Gewährleistung transparenter Arbeitsbedingungen in
einem automatisierten Arbeitsumfeld mit dem Ziel einer Arbeitszeitcharta;
• Weiterentwicklung eines gemeinsamen Ansatzes (Beschäftigte und Arbeitgeber) für das
Recht der Arbeitskräfte auf Privatsphäre und Menschenwürde durch Tarifverhandlungen
(Diskussionen über den Einsatz von Kameras und digitale Überwachung am Arbeitsplatz);
• Weiterentwicklung eines gemeinsamen Ansatzes (Beschäftigte und Arbeitgeber) zur allge-
meinen Implementierung digitaler oder automatisierter Systeme;
• Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Arbeitsplätzen und Aufgaben, die die Motivation
der Beschäftigten, Möglichkeiten der persönlichen Entwicklung und die bestmögliche An-
wendung der Fertigkeiten gewährleisten;
• Aktualisierung der Stellenbeschreibungen und Einbeziehung der neuen Fähigkeiten, Ver-
antwortlichkeiten und Arbeitsweisen sowie Anpassung der Vergütung der Beschäftigten;
POLITISCHE • Bereitstellung öffentlicher Mittel zur Förderung der Anpassung der Lebensmittelindustrie
4.0, einschließlich Mittel für die Schulung der Beschäftigten;
ENTSCHEI- • Bereitstellung von Mitteln zur Verbesserung der Qualität von Statistiken über Arbeit und
DUNGS-TRÄ- Wirtschaft im Zusammenhang mit der automatisierten Fertigung und der Industrie;
GER UND • Einbeziehung der nationalen (Arbeits-)Agenturen, um KMU bei der Umschulung und Wei-
terqualifizierung von Arbeitskräften zu unterstützen;
REGIERUNG • Das Recht auf und der Zugang zu Ausbildung, bezahltem Bildungsurlaub sowie das Recht
der Arbeitnehmer/innen abzuschalten in die nationalen Rechtsvorschriften aufnehmen;
• Stärkung des Europäischen Fonds für die Anpassung an die Globalisierung im Falle von
Stellenabbau im Zuge der Anpassung an die Lebensmittelindustrie 4.0;
• Bereitstellung von Foren oder Plattformen zur Förderung des Wissensaustauschs und der
Zusammenarbeit zwischen den Interessengruppen der Lebensmittelindustrie 4.0;
8 6
Die Sozialpartner sind die Organe, die beide Seiten der Branche vertreten: Arbeitgeber und Beschäftigte.THEMA 2: DIE VORTEILE VON INDUSTRIE 4.0 TEILEN - EIN AUF
DEN MENSCHEN AUSGERICHTETER ANSATZ
ANBIETER VON • Entwicklung neuer Lernmethoden, einschließlich Online-Trainingskurse für Arbeitskräfte
der Lebensmittel- und Getränkeindustrie (damit die Schulungen während der Arbeitszeit
AUS- UND stattfinden können);
WEITERBIL- • Aufrechterhaltung von Ausbildungsprogrammen, mit denen Beschäftigten in der Lebens-
DUNG mittel- und Getränkeindustrie die handwerklichen Fähigkeiten und traditionellen Kurse
angeboten werden;
• Entwicklung von Bildungsprogrammen und Kursen, die darauf abzielen, allgemeine anstel-
le von speziellen Kompetenzen aufzubauen;
ANBIETER VON • Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern, um einen geeigneten Prozess zur Implementie-
rung automatisierter Systeme zu fördern;
DIGITALEN • Berücksichtigung von Kenntnissen und Erfahrung der Arbeitskräfte bei der Planung von
UND AUTO- Produktionsanlagen.
MATISIERTEN
LÖSUNGEN
9ABBILDUNG 6:
HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN FÜR THEMA 3:
MIT DER TECHNOLOGIE WACHSEN -
PERSÖNLICH UND TECHNOLOGISCH
THEMA 3: MIT DER TECHNOLOGIE WACHSEN - PERSÖNLICH
UND TECHNOLOGISCH
SOZIALPART- • Den sozialen Dialog zum Vorreiter für die Förderung der Lebensmittelindustrie 4.0 im Hin-
blick auf Karrierewege, Einstellung und angemessene Arbeitsbedingungen machen;
NER6 • Tarifverhandlungen als Instrument zur Gestaltung der digitalen Transformation der
Arbeit nutzen;
• Ausstattung der Mitarbeiter mit Fähigkeiten, die es ihnen ermöglichen, ihre Aufgaben in
einem digitalisierten Umfeld zu erfüllen;
• Entwicklung einer Lernkultur, die den Einsatz digitaler Interaktionen beinhaltet;
• Die Arbeitnehmervertreter/innen in die Planung neuer, zu erwerbender Kompetenzen ein-
beziehen, um den Stress der Arbeitnehmer/innen durch Lernanforderungen zu verringern;
• Zusammenarbeit mit Anbietern von Industrie-4.0-Lösungen, um die Möglichkeiten und
Herausforderungen für den Einsatz von Cloud Computing zu erkunden und zu erfahren,
wie solche Technologien zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen beitragen können;
• Förderung des Wissensaustauschs zwischen Unternehmen, um das Verständnis für die
Vorteile und Herausforderungen des Zugangs zu Industrie-4.0-Lösungen zu verbessern;
• Schulung von Vorgesetzten und Führungskräften im Umgang mit digitalen Tools und Un-
terstützung ihrer Teams;
POLITISCHE • Förderung der Nutzung digitaler Systeme für das Lernen in Schulen, Berufsbildungsstätten
und an Arbeitsplätzen;
ENTSCHEI- • Schutz des sozialen Dialogs und der Rechte bei Tarifverhandlungen, einschließlich des
DUNGS-TRÄ- Rechts auf Unterrichtung und Anhörung der Arbeitnehmervertreter/innen;
GER UND • Unterstützung bei der Entwicklung eines Systems oder einer Plattform, um den Wis-
sensaustausch zwischen Unternehmen (insbesondere KMU und Kleinunternehmen) über
REGIERUNG den Umgang mit Industrie 4.0 zu fördern;
• Einrichtung einer Industrie-4.0-Pilotanlage für die Lebensmittelverarbeitung, um das
Verständnis moderner Technologien für Produktentwicklung, Wertschöpfungsketten, Un-
ternehmensleistung und Arbeitsbedingungen zu erörtern und zu fördern;
• Klarer Rechtsrahmen für die Datensicherheit;
• Praktischer Datenschutz;
• Mehr Investitionen in Forschung und Kompetenzaufbau für die Lebensmittel- und Geträn-
keindustrie;
10 6
Die Sozialpartner sind die Organe, die beide Seiten der Branche vertreten: Arbeitgeber und Beschäftigte.THEMA 3: MIT DER TECHNOLOGIE WACHSEN - PERSÖNLICH
UND TECHNOLOGISCH
ANBIETER VON • Förderung der integrativen Nutzung digitaler Systeme und automatisierter Fertigungseinrich-
tungen in Aus- und Weiterbildungsprogrammen der Lebensmittel- und Getränkeindustrie;
AUS- UND • Entwicklung in Zusammenarbeit mit den Lernprogrammen der Sozialpartner, die auf die
WEITERBIL- kurz- und mittelfristige Qualifizierung der derzeitigen Arbeitnehmer abzielen;
DUNG • Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern bei der Umsetzung eines lebenslangen Lernan-
satzes in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie;
• Zusammenarbeit mit Anbietern von automatisierten Systemen und digitalisierten Lösun-
gen, um die Ausbildung auf dem neuesten Stand der Technik zu halten;
• Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern über die Entwicklung eines Systems für die Lehr-
lingsausbildung in der Lebensmittelindustrie 4.0 erwägen und Maßnahmen einbeziehen,
die es ermöglichen, die Weiterbildung zu einem „Lehrlingsabschluss“ hinzuzufügen;
ANBIETER VON • Zusammenarbeit mit Anbietern von Aus- und Weiterbildung, um digitale Systeme und
automatisierte Anlagen in Programme für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie
DIGITALEN aufzunehmen;
UND AUTO- • Zusammenarbeit mit Sozialpartnern zur Förderung des Wissensaustauschs (länder-
MATISIERTEN oder sektorenübergreifend) über bewährte Verfahren zur Umsetzung von Industrie 4.0.
LÖSUNGEN
11EFFAT ist der Europäische Verband der FoodDrinkEurope ist das
Gewerkschaften für Nahrungsmittel, repräsentative Sprachrohr für Europas
Landwirtschaft und Tourismus, der Lebensmittel- und Getränkeindustrie
auch Hausangestellte vertritt. Als – den größten Fertigungssektor
Europäischer Gewerkschaftsverband, in der EU in Bezug auf Umsatz,
der 120 nationale Gewerkschaften Beschäftigung und Mehrwert. Die
aus 35 europäischen Ländern Organisation vereint 25 nationale
vertritt, repräsentiert EFFAT die Lebensmittel- und Getränkeverbände,
Interessen von mehr als 22 Millionen darunter ein Beobachter-Mitglied,
Arbeitnehmern/innen gegenüber 27 europäische Branchenverbände
den europäischen Institutionen, und 22 führende Lebensmittel- und
europäischen Arbeitgeberverbänden Getränkeunternehmen.
und transnationalen Unternehmen.
EFFAT ist Mitglied des EGB und die
europäische IUL-Regionalorganisation.
EFFAT FoodDrinkEurope
Avenue Louise 130A, Box 3 Avenue des Nerviens 9-31
BE-1050 Bruxelles 1040 Bruxelles
Tel: +32 2 218 77 30 Tel: +32 2 514 11 11
Fax: +32 2 218 30 18 Fax: +32 2 511 29 05
www.effat.org info@fooddrinkeurope.eu
www.fooddrinkeurope.eu
Haftungsausschluss
Diese Publikation spiegelt nur die Meinung des Autors wider.
Die Europäische Kommission ist nicht verantwortlich für die
Verwendung der darin enthaltenen Informationen.
Brüssel 2019Sie können auch lesen