Online-Erhebungen im Binnen-handel und Gastgewerbe
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BINNENHANDEL UND GASTGEWERBE
Dipl.-Geographin Iris Fischer
Online-Erhebungen im Binnen-
handel und Gastgewerbe
Erfahrungsbericht
Am 26. Februar 2003 beschloss das Bundeskabinett Eck- online an das Statistische Bundesamt zu übermitteln. Die
punkte für den Masterplan Bürokratieabbau, dessen Ziel erste Statistik, für die dieser Service eingerichtet wurde, war
es ist, durch den Abbau unnötiger bürokratischer Vorgaben die Intrahandelsstatistik. Der neue Service verbuchte schon
Innovations- und Investitionskräfte freizusetzen. Zu den 13 bald eine rasch wachsende Zahl an Nutzern: Seit der Frei-
Maßnahmen des Sofortprogramms gehören auch die Ver- gabe für Online-Meldungen im März 2000 stieg die Zahl der
einfachung der amtlichen Statistik, die Reduzierung der sta- für die Intrahandelsstatistik registrierten w3stat-Nutzer bis
tistischen Belastungen der Wirtschaft und die bereits im Jahr Oktober 2003 von 30 auf etwa 21 000, was einem Anteil von
2000 gestartete Initiative „BundOnline2005“. Die eGov- 30% an allen meldepflichtigen Unternehmen entspricht. Die
ernment-Initiative sieht vor, bis zum Jahr 2005 alle inter- Zahl der in das w3stat-System aufgenommenen Statistiken
netfähigen Dienstleistungen der Bundesverwaltung online ist zwischenzeitlich auf zehn erhöht worden; dazu gehören
bereitzustellen. Auch im Konzept des Statistischen Bundes- seit November 2002 auch die monatliche und seit Oktober
amtes „fit 2005“, das die Verwirklichung einer Reihe von 2003 die jährliche Handels- und Gastgewerbestatistik.
strategischen Zielen fordert, ist vorgesehen, bis 2005 alle
Datenlieferungen über das Internet zu ermöglichen.
Aufbau der Online-
Im Binnenhandel und im Gastgewerbe wurde diese Maß- Erhebungsunterlagen
nahme seit November 2002 sukzessive bis Oktober 2003
umgesetzt, sodass Unternehmen aus dem Groß- und Ein- Grundsätzlich lehnt sich die Gestaltung der Online-Erhe-
zelhandel sowie aus dem Gastgewerbe inzwischen sowohl bungsunterlagen im Binnenhandel und Gastgewerbe an
ihre monatlichen als auch ihre jährlichen Meldungen im die der gedruckten Fragebogen an. Das dadurch geschaf-
Rahmen des w3stat-Systems online an das Statistische Bun- fene vertraute Bild vereinfacht es den Nutzern, ihre Ergeb-
desamt übermitteln können.1) Auch von den meisten Statis- nisse einzugeben. Dabei ist die Maske des Online-Meldebo-
tischen Ämtern der Länder werden solche Online-Melde- gens in einer so genannten „Reitertechnik“ aufgebaut, die
möglichkeiten angeboten. einem Karteikartenformat ähnelt. Jede Karte ist durch einen
Menüpunkt beschrieben und kann sofort aufgerufen und
bearbeitet werden. Beispielsweise umfasst der Meldebo-
Erste Erfahrungen mit w3stat positiv gen zur Monatsstatistik folgende Menüpunkte: „Adresse“,
Mit der Einführung des w3stat-Systems im Jahr 2000 wurde „Meldung bzw. Korrektur“ (für vorangegangene und bereits
erstmals die Möglichkeit geschaffen, Daten zu Statistiken gemeldete Monate), „Bemerkungen“, „Rechtsgrundlagen“,
1) Die Großhandelsstatistik wird zentral vom Statistischen Bundesamt erhoben, die Einzelhandels- und Gastgewerbestatistik hingegen dezentral von den Statistischen Ämtern der Länder.
Nur die Erhebung und Aufbereitung von Ergebnissen für Mehr-Länder-Unternehmen (Unternehmen mit Arbeitsstätten in einem oder mehreren Bundesländern) im Einzelhandel und Gast-
gewerbe werden im Auftrag fast aller Statistischer Ämter der Länder (Ausnahmen: Nordrhein-Westfalen und Bayern) vom Statistischen Bundesamt durchgeführt.
Statistisches Bundesamt • Wirtschaft und Statistik 1/2004 53BINNENHANDEL UND GASTGEWERBE
„Ausfüllanweisung“, „Senden“ und „Hilfe“ (siehe Schau- Im November 2002 konnte zunächst der zur Monatsstatis-
bild 1). tik im Handel und Gastgewerbe berichtspflichtige Firmen-
kreis über das Internet melden. Im Vorfeld dazu erhielten
Schaubild 1: Online-Meldebogen zur Monatsstatistik im Handel
und Gastgewerbe
alle Unternehmen ein Informationsschreiben, das zusam-
men mit den Erhebungsunterlagen zur Monatsstatistik ver-
schickt wurde und das die für jedes Unternehmen individu-
ellen Zugangsdaten, das heißt den Benutzernamen und das
Passwort, enthielt. Bislang wird noch unverändert an dem
Verfahren festgehalten, allen Unternehmen – unabhängig
davon, ob sie regelmäßig online melden oder nicht – ihren
Erhebungsbogen mit der Post zuzuschicken. Auf dem Erhe-
bungsbogen wird jedoch immer darauf hingewiesen, dass
die Meldungen auch online übermittelt werden können.
Bei der Jahreserhebung wurde analog zur Monatsstatistik
verfahren. Der etwas größere Berichtsfirmenkreis der Jah-
reserhebung, der auch Kleinunternehmen umfasst, erhielt
zusammen mit dem Papier-Meldebogen ebenfalls ein Infor-
mationsschreiben über das neue Online-Angebot. Dieses
Schreiben enthielt die entsprechenden Zugangsdaten, die
allerdings aus technischen Gründen nicht mit denen zur
Monatsstatistik identisch sein können.
Akzeptanz des Online-Angebots
Der Jahreserhebungsbogen enthält auf Grund seines
Umfangs entsprechend mehr Registerkarten. So werden ist geringer als erwartet
neben dem Umsatz unter anderem noch die Aufwendungen/ Im November 2002, also im ersten Monat, in dem es mög-
Investitionen, die Zahl der tätigen Personen sowie die pro- lich war, online zu melden, machten 11,8% aller melde-
zentuale Verteilung des Umsatzes nach Wirtschaftszweigen pflichtigen Unternehmen für die Monatsstatistik im Handel
erfasst (siehe Schaubild 2). und Gastgewerbe davon Gebrauch. Auffallend ist dann die
schwankende Nutzung des Online-Angebots in den folgen-
Schaubild 2: Online-Meldebogen zur Jahresstatistik im Handel den Monaten: Bis Februar 2003 erhöhte sich diese Quote
auf 21,4%, danach sank sie bis Juni 2003 zunächst leicht
ab, erreichte dann im August 2003 mit 23,4% ihren Jahres-
höchststand und ging danach erneut wieder zurück (siehe
Schaubild 3). Insgesamt betrug die Online-Meldequote im
Durchschnitt von November 2002 bis Dezember 2003
19,5%, das heißt etwa jedes fünfte Unternehmen im Han-
del meldete seine Daten online.
Bei der Jahreserhebung im Handel und Gastgewerbe wird
die Möglichkeit zu Online-Meldungen hingegen bisher nur
schwach angenommen (siehe Schaubild 4). Seit dem Ver-
sand der Meldebogen stieg der Anteil der Unternehmen, die
ihren Erhebungsbogen ausgefüllt über das Internet über-
mittelten, von Mitte Oktober bis Ende Dezember 2003 von
5 auf 6% aller meldepflichtigen Unternehmen.
Bewertung des Online-Angebots
durch die Berichtspflichtigen
Beiden Statistiken ist gemeinsam, dass nach dem Absen- Während die Online-Melder zur Monatsstatistik kaum Pro-
den der Meldung automatisch eine Quittung für den Aus- bleme beim Ausfüllen hatten, bereitete die Bearbeitung des
kunftgebenden erstellt wird, die die vorgenommenen Ein- Online-Meldebogens zur Jahreserhebung den Anwendern
tragungen enthält. offensichtlich mehr Schwierigkeiten. Diese Erfahrung wurde
in einem eigens für Online-Nutzer eingerichteten telefo-
nischen Servicedienst gemacht, bei dem unter anderem
Einstieg in die festgestellt wurde, dass Probleme auch daraus resultier-
Online-Erhebungen ten, dass die PC-Erfahrung der Nutzer nicht so groß war wie
angenommen. Anhand der Rückfragen von Seiten der Unter-
Das Angebot, Online-Meldungen für die Handels- und Gast- nehmen kristallisierten sich des Weiteren folgende Kompli-
gewerbestatistik abzugeben, wurde stufenweise erweitert. kationen heraus:
54 Statistisches Bundesamt • Wirtschaft und Statistik 1/2004BINNENHANDEL UND GASTGEWERBE
Schaubild 3
Anteil der Online-Melder an allen meldepflichtigen Unternehmen
zur Monatsstatistik im Handel und Gastgewerbe
% %
25 25
Durchschnitt
20 20
15 15
10 10
5 5
0 0
Nov. Dez. Jan. Feb. Mrz. Apr. Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt. Nov. Dez.
2002 2003
Statistisches Bundesamt 2004 - 01 - 0039
1. Für die Monats- und Jahresstatistik waren unterschied- ten, vermissten die Möglichkeit, vor der Online-Eingabe
liche Zugangsdaten vergeben worden. Wurden diese den Erhebungsbogen nochmals ausdrucken zu können.
falsch eingegeben, folgte eine Zugangsverweigerung, Diese Möglichkeit wurde inzwischen eingerichtet.
und die Unternehmen gingen dann irrtümlicherweise
davon aus, nur zu einer Erhebung online melden zu
können. Bewertung der Erhöhung der
2. Bei der Absicht, online zu melden, fanden die Unterneh- Aktualität
men nicht immer auf Anhieb die sie betreffenden Statis-
tikvordrucke. Die Hoffnung, dass mit der Einführung von Online-Erhe-
bungen die Meldungen der Monatsergebnisse zeitnäher
3. Unternehmen, die zur Jahreserhebung meldeten und den am Abschluss des Berichtsmonats eingehen würden und
vorab versandten Papiererhebungsbogen nicht mehr hat- somit die Aktualität und Vollständigkeit der Meldungen
Schaubild 4
Kumulierter Eingang der Online-Meldungen 2003 zur Jahreserhebung
im Handel und Gastgewerbe
Absolute Zahlen Absolute Zahlen
800 800
700 700
600 600
500 500
400 400
300 300
200 200
100 100
0 0
16.
16. 23. 30. 06. 13. 20. 27. 04. 11. 18. 30.
30.
Oktober November Dezember
Statistisches Bundesamt 2004 - 01 - 0040
Statistisches Bundesamt • Wirtschaft und Statistik 1/2004 55BINNENHANDEL UND GASTGEWERBE
Schaubild 5
Verteilung der Meldungen zur Monatsstatistik im
Handel und Gastgewerbe
Anteil an allen Meldungen für Oktober 2003 im November 2003
% %
12 12
Fristvorgabe
10 10
8 8
6 6
4 4
2 2
0 0
1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30.
November 2003
Statistisches Bundesamt 2004 - 01 - 0041
zur Monatsstatistik erhöht werden könnte, hat sich bisher reserhebung, und da der Erhebungsbogen darüber hin-
nicht erfüllt. Eine Untersuchung zum Eingang der Online- aus zum Teil von unterschiedlichen Mitarbeitern bearbei-
Meldungen im Monat November 2003 ergab, dass nur tet wird, bevorzugen sie hier ebenfalls die Printversion,
etwa drei Viertel aller Unternehmen bereits Daten für den die dann mit der Post verschickt wird.
gerade abgelaufenen Berichtsmonat Oktober online melde-
ten und sich der Rest der Meldungen auf vorangegangene
Zeiträume bezog. Dabei ging ein Großteil der Meldungen für Schlussbemerkung
den Oktober auch erst in der zweiten oder zu Beginn der
dritten Woche des Novembers ein, also zu einem Zeitpunkt, Die im Statistischen Bundesamt gemachten Erfahrungen
als die Meldefrist zum 15. eines Monats schon abgelaufen über die Akzeptanz von Online-Erhebungen im Handel und
war (siehe Schaubild 5). Diese zeitliche Verteilung des Ein- Gastgewerbe entsprechen im Wesentlichen denen der Sta-
gangs der Meldungen war auch schon in den Vormonaten zu tistischen Ämter der Länder, die ebenfalls Online-Meldun-
beobachten; sie ist also keine Sondererscheinung für den gen anbieten.
November 2003.
Um die Akzeptanz der Online-Meldungen zu erhöhen, wird
Die Untersuchung der Frage, warum in Zeiten immer moder- das Statistische Bundesamt die Werbung dafür intensivie-
nerer Kommunikations- und Informationstechniken zum ren. Dies erfolgt zum einen mit Hilfe der Handelsverbände,
die sich bereit erklärt haben, ihre Mitglieder zu Meldungen
einen die Meldungen nicht schneller eingehen und zum
über das Internet zu animieren. Zum anderen wird das Sta-
anderen – wie Schaubild 3 zu entnehmen ist – nicht zuneh-
tistische Bundesamt versuchen, durch eine Informations-
mend mehr Firmen von der Möglichkeit, online zu melden,
broschüre mit ausführlichen Erläuterungen zu den Online-
Gebrauch machten, führte zu folgendem Ergebnis:
Meldungen im Handel und Gastgewerbe eine Steigerung der
1. Viele Firmen bzw. die für die Meldung zuständigen Nutzerquoten zu erzielen.
Bearbeiter sind offensichtlich noch nicht so vertraut im
Umgang mit dem PC bzw. mit Online-Meldungen wie
angenommen.
2. Nicht alle für das Ausfüllen der Erhebungsbogen zustän-
digen Bearbeiter verfügen über einen Internetanschluss.
3. Aus der Sicht der Unternehmen erscheint es ökonomisch
einfacher und schneller, die Umsatz- und Beschäftigten-
zahlen für die Monatsmeldungen mit der Hand auszufül-
len als über die Tastatur am Bildschirm einzugeben. Das
gilt umso mehr für den größeren Meldeumfang der Jah-
56 Statistisches Bundesamt • Wirtschaft und Statistik 1/2004Auszug aus Wirtschaft und Statistik
© Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2009
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