Reaktionen auf das Stigma psychischer Erkrankung - Themenschwerpunkt/CME-Beitrag

 
Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie, 58 (4), 2010, 287–297

                                                                                                                                                                                     N. Rüsch:
                                                                                                                                       Z. Psychiatr., Psychol. Psychother. 58 (4) © 2010 Verlag Sozialpsychologische Modelle
                                                                                                                                                                                                Hans Huber, Hogrefe AG , Bern

                                                      Themenschwerpunkt/CME-Beitrag

                                           Reaktionen auf das Stigma
                                              psychischer Erkrankung
   Sozialpsychologische Modelle und empirische Befunde
                                                                                                                    Nicolas Rüsch1,2
           1
            Klinik für Soziale Psychiatrie und Allgemeinpsychiatrie, Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
                                         2
                                          Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie, Universität Freiburg

   Zusammenfassung. In der jüngeren Forschung zu Stigma und Diskriminierung gewinnt die Frage an Bedeutung, wie Angehörige einer
   stigmatisierten Minderheit ihre eigene Stigmatisierung wahrnehmen und auf sie reagieren. Aus der sozialpsychologischen Literatur zu
   anderen Gruppen, etwa ethnischen Minderheiten, liegen gut belegte Modelle zu diesem Thema vor, die bisher jedoch noch kaum auf
   Menschen mit psychischen Erkrankungen angewandt wurden. Dazu zählen (1) ein Stress-Coping-Modell von Stigma, (2) das Modell,
   wie sich die Wahrnehmung der eigenen diskriminierten Gruppe (ingroup) auf Selbstbild und Stigma-Bewältigung Betroffener auswirkt,
   sowie (3) die Unterscheidung zwischen ausdrücklichen («expliziten») und automatisch aktivierten («impliziten») Aspekten stigmatisie-
   render Einstellungen. Letztere können etwa durch den Implicit Association Test beurteilt werden. In dieser Übersicht werden einige
   Studien vorgestellt, die die Bedeutung dieser Modelle für das Stigma psychischer Erkrankung und Stigma-Bewältigung untersuchen,
   etwa zu Stigma als Stressor und Auswirkungen wie Angst, Scham, Coping-Reaktionen und Sozialverhalten; automatischen Scham-Re-
   aktionen und Selbststigma; biogenetischen Modellen psychischer Erkrankung und Selbstvorwürfen Betroffener; implizitem Selbststigma;
   und zum Zusammenhang zwischen (Selbst-)Stigma und meritokratischen Weltanschauungen wie der Protestantischen Ethik. Schließlich
   werden Schlussfolgerungen für Anti-Stigma-Initiativen, Stigma-Messinstrumente und künftige Forschung skizziert.

   Schlüsselwörter: Stigma, Stress, Coping, Gruppenwahrnehmung, Implicit Association Test

   Reactions to the Stigma of Mental Illness: Social-Psychological Models and Empirical Findings

   Abstract. Recent research on stigma and discrimination has focused on how members of a stigmatized group perceive and react to being
   discriminated. Well-established models from social-psychological work on other groups, e.g., ethnic minorities, exist, but so far they
   have not been applied to people with mental illness. They include (1) a stress-coping (or identity threat) model of stigma, (2) a model
   how the perception of one’s ingroup affects self-concept and coping with stigma among stigmatized individuals, and (3) the distinction
   between deliberately endorsed («explicit») versus automatically activated («implicit») aspects of stigmatizing attitudes. The latter can be
   assessed using the (Brief) Implicit Association Test. Here we present a number of studies that examine the relevance of these models for
   the stigma of mental illness and for coping with this stigma: Stigma as a stressor as well as consequences such as anxiety, shame,
   coping-reactions and social interactions; automatically activated shame reactions and self-stigma; biogenetic models of mental illness
   and self-blame of individuals with mental illness; implicit self-stigma; and the link between (self-)stigma and meritocratic worldviews
   such as the Protestant ethic. Finally we draw conclusions for anti-stigma initiatives, stigma measures and future research.

   Keywords: stigma, stress, coping, group perception, Implicit Association Test

Die Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Er-                      stimmen und sie gegen sich wenden, so dass ihr Selbstver-
krankungen ist weit verbreitet (Angermeyer & Dietrich,                    trauen leidet; und schließlich strukturelle Diskriminierung,
2006) und kann für Betroffene belastender sein als ihre psy-              worunter gesellschaftliche Regeln und Abläufe verstanden
chische Erkrankung selbst (Rüsch, Angermeyer & Corri-                     werden, die Menschen mit psychischen Erkrankungen sys-
gan, 2005). Drei Grundformen von Stigma lassen sich un-                   tematisch benachteiligen, etwa im Krankenversicherungs-
terscheiden (Corrigan, 2005): Öffentliche Stigmatisierung,                wesen. Im Fokus dieser Übersicht stehen neuere Modelle
indem Betroffene durch Mitglieder der Öffentlichkeit, etwa                und Befunde zu der Reaktion von Menschen mit psychi-
Arbeitgeber oder Vermieter, benachteiligt werden; dann                    schen Erkrankungen auf öffentliche Stigmatisierung sowie
Selbststigma, wenn Betroffene öffentlichen Vorurteilen zu-                zu Selbststigma. Manche Bewältigungsreaktionen auf er-

DOI 10.1024/1661-4747/a000039                              Z. Psychiatr., Psychol. Psychother. 58 (4) © 2010 Verlag Hans Huber, Hogrefe AG, Bern
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fahrene oder erwartete Stigmatisierung können zwar kurz-                      So verdienstvoll und wichtig Anti-Stigma-Initiativen
fristig entlastend wirken, doch langfristig die Folgen von                 auch sind, ist es aus unserer Sicht dennoch unverzichtbar,
Stigma verschlimmern, etwa durch immer weiter verstärk-                    die Komponenten des Erlebens von und Reagierens auf
ten sozialen Rückzug (Link, Mirotznik & Cullen, 1991)                      Stigma genauer zu untersuchen. Dabei als entscheidend
oder die Vermeidung von psychiatrisch-psychotherapeuti-                    identifizierte Bausteine (beispielsweise im Folgenden be-
scher Behandlung (Rüsch, Corrigan, Wassel, Michaels,                       sprochene Aspekte wie Stigma als Stressor, Scham-Reak-
Larson et al., 2009; Schomerus & Angermeyer, 2008).                        tionen, genetische Modelle psychischer Erkrankungen)
   Um die Reaktionen von Menschen mit psychischen Er-                      können dann bewusst als Zielvariablen in Anti-Stigma-Ar-
krankungen auf Stigma besser zu verstehen, ist es hilfreich,               beit einbezogen werden, sei es bei Initiativen gegen öffent-
sich auf Synthesen jahrzehntelanger sozialpsychologischer                  liche Stigmatisierung oder bei Versuchen, Betroffenen zu
Forschung zu beziehen. Daher sollen im Folgenden drei                      helfen, Stigma besser zu bewältigen. Kurz gesagt: Es wird
sozialpsychologische Modelle und Forschungsgebiete um-                     helfen, Stigma-Prozesse genauer zu verstehen, wenn wir
rissen werden, die auf Studien an anderen stigmatisierten                  sie zu ändern versuchen.
Gruppen, etwa ethnischen Minderheiten, beruhen, doch
unseres Wissens bisher kaum auf das Stigma psychischer
Erkrankung angewandt wurden. Anschließend sollen zu je-
dem Modell die Ergebnisse eigener Studien berichtet und                    Drei sozialpsychologische Modelle
in die bestehenden Stigma-Modelle integriert werden. An                    und dazugehörige Befunde
diesen Untersuchungen in Chicago nahmen 85 Menschen
mit überwiegend schizophrenen, schizoaffektiven oder bi-                   Stress-Coping-Modell von Stigma
polaren Störungen teil. In einige Studien wurde als Ver-
gleichspunkt eine für Alter, Geschlecht und Ethnizität an-                 Stigma kann sich auf Mitglieder stigmatisierter Gruppen in
geglichene Gruppe von 50 Mitgliedern der Öffentlichkeit                    verschiedener Weise negativ auswirken. Zunächst werden
ohne psychische Erkrankungen einbezogen.                                   stigmatisierte Individuen häufig direkt benachteiligt und
   Bei den drei Modellen handelt es sich um ein Stress-                    von anderen diskriminiert. Dies kann sich verstärken, in-
Coping-Modell der persönlichen Reaktion auf Stigma (Ma-                    dem ein niedriger sozialer Status als Folge von Diskrimi-
jor & O’Brien, 2005); um die Frage, wie sich die Wahrneh-                  nierung zu weiterer Diskriminierung führt (Link & Phelan,
mung und Bewertung der eigenen Gruppe in der Gesell-                       2001). Ferner kann die Aktivierung negativer Stereotypen
schaft auf Gruppenangehörige auswirkt (Correll & Park,                     dazu führen, dass Mitglieder stigmatisierter Minderheiten
2005); und schließlich darum, dass Stigma nicht nur in aus-                automatisch stereotyp-konformes Verhalten zeigen. Dafür
drücklicher, «expliziter» Form geäußert wird, sondern sich                 ist Voraussetzung, dass das Stereotyp den stigmatisierten
häufig verborgener, «impliziter» äußert, doch deshalb nicht                Individuen bekannt und für die jeweilige Situation relevant
weniger schädlich sein muss. Die Erfassung expliziten und                  ist. Beispielsweise schnitten Afroamerikaner schlechter in
impliziten Stigmas erfordert nicht nur messmethodisch,                     intellektuell anspruchsvollen Tests ab, wenn sie zuvor mit
sondern auch konzeptuell neue Modelle (Gawronski & Bo-                     dem Stereotyp konfrontiert worden waren, ihre Gruppe zei-
denhausen, 2006; Greenwald & Nosek, 2009).                                 ge üblicherweise schlechte intellektuelle Leistungen (Stee-
   Warum ist ein besseres Verständnis der Reaktion Betrof-                 le, 1997); ähnliche Effekte konnten für kognitive Leistun-
fener auf Stigma relevant? Derzeit engagieren sich welt-                   gen von Menschen mit psychischen Erkrankungen gezeigt
weit zahlreiche Initiativen gegen die Stigmatisierung von                  werden (Quinn, Kahng & Crocker, 2004). Dieses Phäno-
Menschen mit psychischen Erkrankungen. Dabei bleibt je-                    men wurde von Steele und Kollegen als Bedrohung durch
doch häufig das Ziel, «Stigma» abzubauen, nur unscharf                     das (negative) Stereotyp über die eigene Gruppe, kurz ste-
definiert, unter anderem welche Komponente von Stigma,                     reotype threat, bezeichnet. Schließlich betont eine einfluss-
also mangelndes Wissen, negative Stereotypen, emotionale                   reiche Forschungsrichtung, Stigma führe dazu, dass stig-
Reaktionen, diskriminierendes Verhalten oder alles auf ein-                matisierte Individuen ihre Identität als bedroht erleben
mal gebessert werden soll; auch ist die Zielgruppe häufig                  (identity threat). Diese Bedrohung kann das allgemeine
unklar, sollen Menschen aller Berufe und Altersgruppen                     Selbstwertgefühl betreffen oder speziellere Funktionen, et-
erreicht werden, oder beispielsweise vornehmlich Lehrer,                   wa das Vertrauen in eigene intellektuelle Leistungsfähig-
Arbeitgeber und Polizisten? Darüber hinaus sind die Wirk-                  keit, wie oben beschrieben.
mechanismen erfolgreicher Anti-Stigma-Arbeit noch nicht                        Major und O’Brien (2005) haben nun eine Synthese der
ausreichend bekannt (Corrigan & Penn, 1999). Schließlich                   hier angedeuteten Stigma-Ansätze und eines Stress-Cop-
ist der Erfolg von Anti-Stigma-Initiativen nicht leicht zu                 ing-Modells (Lazarus & Folkman, 1984) entworfen. Es
beurteilen. Stigma-Messinstrumente für die Evaluation von                  kann als Modell der Identitätsbedrohung (identity threat)
Anti-Stigma-Initiativen sind oft mit Problemen behaftet,                   oder als Stress-Coping-Modell von Stigma bezeichnet wer-
unter anderem durch die im Stigma-Bereich gegebene so-                     den, wobei hier der Einfachheit halber nur letzterer Begriff
ziale Erwünschtheit, so dass Befragte zögern können, stig-                 verwendet werden soll. Das Kernstück des Modells ist die
matisierende Einstellungen in Fragebogen oder Interviews                   subjektive Bewertung von Stigma als Stressor. Stigma wird
in vollem Umfang zu berichten.                                             als Stressor bewertet, wenn die individuell wahrgenomme-

Z. Psychiatr., Psychol. Psychother. 58 (4) © 2010 Verlag Hans Huber, Hogrefe AG, Bern
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Abbildung 1. Stress-Coping-Modell von Stigma, in dessen Zentrum die kognitive Bewertung von Stigma als Stressor steht
(grau hinterlegtes Rechteck, kurz: «Stigma-Stress»). Stress-Prädiktoren bestehen aus öffentlichen und persönlichen Fak-
toren (linker Rand). Rechts von Stigma-Stress finden sich erst Stress-Reaktionen sowie schließlich Bereiche, auf die sich
Stigma-Stress und Stress-Reaktionen auswirken (adaptiert aus Major & O’Brien, 2005 sowie Rüsch, Corrigan, Powell et
al., 2009 und Rüsch et al., 2009a).

ne Bedrohung durch Stigma die wahrgenommenen persön-             matisierter Personen unter Stigma-Stress zu stabilisieren,
lichen Ressourcen, Stigma zu bewältigen, übersteigt. Sieht       bestehen darin, Diskriminierung anstatt persönlicher Feh-
sich also eine Person mit einer psychischen Erkrankung mit       ler für konkrete Misserfolge verantwortlich zu machen;
möglichen Nachteilen durch Stigma konfrontiert, ist jedoch       sich von Bereichen, in denen sich Stigma nachteilig aus-
zuversichtlich, diese Schwierigkeiten bewältigen zu kön-         wirken kann, zu distanzieren, etwa von beruflichem Erfolg;
nen, ist Stigma ein geringer Stressor und umgekehrt.             oder die Identifikation mit der eigenen Gruppe je nach Si-
   Es gibt nun drei Arten von Variablen, die die kognitive       tuation zu verstärken oder abzuschwächen.
Bewertung von Stigma als Stressor (im Folgenden kurz                Schließlich geht das Modell davon aus, dass sich sowohl
«Stigma-Stress») beeinflussen. Erstens spielen kulturell         unwillkürliche als auch willkürliche Reaktionen auf Stig-
dominante Annahmen eine Rolle, beispielsweise weitver-           ma-Stress auf die Person allgemein auswirken (outcomes).
breitete stigmatisierende Einstellungen gegen die eigene         Dazu gehören Bereiche wie Selbstwertgefühl, beruflicher
Gruppe; zweitens spielt die jeweilige Situation eine Rolle,      Erfolg oder Sozialverhalten.
da Stigma-Stress von situativen Charakteristika abhängt, so         Da unseres Wissens dieses Stress-Coping-Modell von
dass je nach Kontext manche Situationen starken, andere          Stigma noch nicht bei Menschen mit psychischen Erkran-
jedoch kaum Stigma-Stress hervorrufen können; schließ-           kungen untersucht worden war, führten wir eine Studie
lich tragen persönliche Eigenschaften zu Stigma-Stress bei,      durch, um Major und O’Briens (2005) Modell zu testen
etwa die Sensitivität gegenüber Stigmatisierung und sozia-       (Abbildung 1). Das Ausmaß von Stigma-Stress wurde be-
ler Zurückweisung (Mendoza-Denton, Downey, Purdie,               rechnet als Differenz zwischen dem subjektiv wahrgenom-
Davis & Pietrzak, 2002), die persönliche Identifikation mit      menen, durch Stigma möglichen Schaden für den Einzel-
der stigmatisierten Gruppe sowie persönliche Ziele und           nen und den persönlich eingeschätzten Ressourcen, Stigma
Motive.                                                          zu bewältigen. Wir erfassten mögliche Prädiktoren von
   Es gibt zwei Typen von Reaktionen auf Stigma-Stress,          Stigma-Stress, und zwar das Ausmaß in der Öffentlichkeit
unwillkürliche und willkürliche. Zu den unwillkürlichen          wahrgenommener Stigmatisierung sowie persönliche Va-
Reaktionen zählen emotionale (z. B. Angst) oder vegetati-        riablen: Sensitivität gegenüber Zurückweisung, die Ein-
ve Reaktionen. Willkürlich sind Coping-Reaktionen, die           schätzung von Stigma als fair sowie die Wahrnehmung der
der Problemlösung oder Emotionsregulation dienen. Bei-           eigenen Gruppe von Menschen mit psychischen Erkran-
spiele häufig untersuchter kognitiver Coping-Strategien          kungen, insbesondere ihre Bewertung als positiv oder ne-
(Crocker & Major, 1989), die helfen, den Selbstwert stig-        gativ. In einer multiplen Regression wurde erhöhter Stig-

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ma-Stress unabhängig voneinander und signifikant prädi-                    ren Menschen mit psychischen Erkrankungen zu verglei-
ziert von stärkerer Wahrnehmung öffentlicher Stigmatisie-                  chen, desto mehr war ihr Sozialverhalten im Umgang mit
rung, negativer Bewertung der eigenen Gruppe sowie, als                    Mitgliedern der Bevölkerungsmehrheit beeinträchtigt.
Trend, von erhöhter Sensitivität gegenüber Zurückweisung                      Zusammenfassend stützt unsere Untersuchung einer
(Rüsch et al., 2009a). Beide erstgenannten Prädiktoren                     Gruppe von Menschen mit schweren psychischen Erkran-
blieben signifikant auch nach Kontrolle für depressive                     kungen das Stress-Coping-Modell von Stigma. Wie erwar-
Symptomatik, Diagnosen und Defizite sozialer Kognition.                    tet fanden wir eine Verbindung zwischen Prädiktoren von
Diese Befunde stützen das Stress-Coping-Modell von Stig-                   Stigma-Stress, kognitiver Bewertung von Stigma als Stres-
ma insofern, als eine Kombination öffentlicher und persön-                 sor, Stress-Reaktionen und breiteren Outcomes. Allerdings
licher Variablen dazu führt, dass Menschen mit psychi-                     hat unsere Studie verschiedene Einschränkungen. Zum ei-
schen Erkrankungen Stigma als Stressor einschätzen, also                   nen erlauben Querschnittsdaten nur bedingt Rückschlüsse
aus ihrer Sicht der mögliche Schaden durch Stigma ihre                     auf kausale Zusammenhänge, auch wenn diese beispiels-
Bewältigungsressourcen übersteigt.                                         weise zwischen Stigma-Stress-Prädiktoren und Stigma-
    Was die Folgen von Stigma-Stress angeht, so untersuch-                 Stress naheliegen; in künftigen Studien könnten Stress-Prä-
ten wir zunächst die Verbindung von erhöhtem Stigma-                       diktoren experimentell manipuliert und der situativ
Stress mit unwillkürlichen emotionalen Reaktionen (Angst                   schwankende Stigma-Stress gemessen werden. Der Um-
und Scham) ebenso wie mit Coping-Reaktionen und                            stand, dass wir situative Aspekte von Stigma-Stress nicht
schließlich den Zusammenhang dieser Stigma-Stress-Re-                      untersuchten, dürfte auch erklären, weshalb wir keine Ver-
aktionen auf Outcome-Maße. Als Outcome-Maße unter-                         bindung zwischen Stigma-Stress und Coping-Reaktionen
suchten wir sowohl selbstbezogene (Selbstwertgefühl und                    nachweisen konnten, für die situative Aspekte wichtig sind.
Hoffnungslosigkeit) als auch Parameter des Sozialverhal-
tens im Umgang mit «normalen» Mitgliedern der Bevölke-
rungsmehrheit (Rüsch, Corrigan, Powell et al., 2009). Das
Sozialverhalten beurteilten wir mit zwei Methoden. Zum
                                                                           Modell der Wahrnehmung der eigenen
einen erfassten wir die soziale Leistungsfähigkeit in einem                Gruppe
Rollenspieltest, dem Maryland Assessment of Social Com-
petence (Bellack, Brown & Thomas-Lohrman, 2006). Als                       Abgesehen von dem Verhältnis zwischen verschiedenen
zweites Maß des Sozialverhaltens verwendeten wir ein                       Gruppen in der Gesellschaft wirkt sich schon die Zugehö-
Sitz-Distanz-Maß. Hier konnten Studienteilnehmer einen                     rigkeit zur eigenen Gruppe (ingroup) auf ein Gruppenmit-
mehr oder weniger entfernten Stuhl wählen, um sich an den                  glied aus, unabhängig von der Allgemeinheit (outgroup)
gleichen Tisch zu setzen wie ein ihnen unbekannter, «nor-                  und deren Verhältnis zur eigenen Gruppe. Beispielsweise
maler» Gesprächspartner. Umso weiter entfernt sie den                      ist zu erwarten, dass eine Person mit einer psychischen Er-
Stuhl wählten, desto höher war die Sitzdistanz als Index                   krankung davon beeinflusst wird, wie sie ihre ingroup, also
sozialen Rückzuges von Mitgliedern der Allgemeinbevöl-                     die Gruppe von Menschen mit psychischen Erkrankungen,
kerung (für Einzelheiten siehe Rüsch, Corrigan, Powell et                  wahrnimmt und sich zu ihr verhält. Damit ist nicht gemeint,
al., 2009).                                                                dass dieser Einfluss beherrschend sein muss oder dass nicht
    Erhöhter Stigma-Stress war signifikant mit stärkerer                   auch viele andere Gruppenzugehörigkeiten (bspw. zu einer
Angst und Scham assoziiert, allerdings nicht mit Copingver-                Familie, einem Fußballverein etc.) eine Person, mit oder
halten. Scham und Angst ihrerseits prädizierten unabhängig                 ohne psychische Erkrankung, beeinflussen können. Doch
voneinander niedriges Selbstwertgefühl und erhöhte Hoff-                   im Folgenden sollen Modelle und Befunde skizziert wer-
nungslosigkeit. Letztere wurde zusätzlich auch signifikant                 den, die plausibel machen, dass und wie sich die Zugehö-
durch den Coping-Stil prädiziert, die Lebensbereiche von Ar-               rigkeit zur Gruppe von Menschen mit psychischen Erkran-
beit und Ausbildung abzuwerten. Eine Kombination aus ne-                   kungen auf Betroffene auswirkt und ihren Umgang mit
gativen emotionalen Reaktionen auf Stigma-Stress und einer                 Stigma beeinflussen kann.
Coping-Reaktion, in der Betroffene einen wichtigen Lebens-                     Zu den wichtigsten Theorien, wie sich die eigene Grup-
bereich abwerten, scheint also Hoffnungslosigkeit und De-                  pe auf ein Gruppenmitglied auswirken kann, zählen die So-
moralisierung als Stigma-Folgen zu verstärken. Angst und                   cial Identity Theory, die Self-Affirmation Theory und die
die erwähnte Coping-Reaktion blieben unabhängig vonein-                    Sociometer Theory (Übersicht bei Correll und Park, 2005).
ander signifikante Prädiktoren erhöhter Hoffnungslosigkeit                 Diese Ansätze heben drei Aspekte hervor, die die Wirkung
auch nach Kontrolle für depressive Symptomatik und Diag-                   der eigenen Gruppe auf das Gruppenmitglied, sein Selbst-
nose (Rüsch, Corrigan, Powell et al., 2009). Schlechtere so-               konzept und Selbstwertgefühl bestimmen und die daher
ziale Leistungsfähigkeit im Rollenspieltest sowie erhöhte                  nun erläutert werden sollen. Dabei handelt es sich um den
Sitzdistanz ihrerseits wurden nicht durch Angst oder Scham                 wahrgenommenen Wert der eigenen Gruppe (group value);
als emotionale Stigma-Stress-Reaktionen prädiziert, sondern                die Stärke der Identifikation mit ihr (group identification);
durch Vergleiche mit der eigenen Gruppe, eines der oben                    sowie ihre Entitativität (entitativity), also das Ausmaß, in
erwähnten Coping-Verhalten. Umso stärker also eine Person                  dem die eigene Gruppe als kohärente Einheit wahrgenom-
mit psychischer Erkrankung dazu neigte, sich nur mit ande-                 men wird. Je positiver eine Person mit einer psychischen

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Erkrankung die Gruppe von Menschen mit psychischen Er-              psychischen Erkrankungen, Mitglieder der Öffentlichkeit
krankungen in der Gesellschaft sieht, desto wahrscheinli-           über Stigma und psychische Erkrankungen zu informieren,
cher ist es, dass sich diese Gruppenzugehörigkeit positiv           anderen Menschen mit psychischen Erkrankungen zu hel-
auf die Person auswirkt. Die Stärke der Identifikation einer        fen sowie eine bessere soziale Leistungsfähigkeit im oben
Person mit seiner Gruppe spiegelt wider, wie verbunden              erwähnten Rollenspieltest. Als eher dysfunktionale Reak-
sich die Person mit der Gruppe fühlt und wie relevant die           tionen beurteilten wir die Geheimhaltung der eigenen psy-
Gruppe für diese Person ist. Es ist zu erwarten, dass für           chischen Erkrankung, soziale Distanz gegenüber anderen
einen Menschen mit einer psychischen Erkrankung, der                Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie Hoff-
sich in keiner Weise mit der Gruppe psychisch Erkrankter            nungslosigkeit und Demoralisierung. Wir erfassten ferner
identifiziert, diese Gruppenzugehörigkeit weniger wichtig           depressive Symptomatik, da sie Reaktionen auf Stigma be-
ist und sich geringer auf ihn auswirkt als auf eine andere          einflusst.
Person mit einer psychischen Erkrankung, die sich stark                Unsere Ergebnisse waren konsistent mit dem Modell der
mit dieser Gruppe identifiziert. Der letzte Aspekt, der be-         eigenen Gruppe als Ressource von Correll und Park (2005).
stimmt, ob und wie sich eine Gruppe auf ein Gruppenmit-             Alle positiven Reaktionen auf Stigma wurden prädiziert
glied auswirkt, ist Entitativität. Dieses Konzept rührt daher,      entweder durch eine positive Bewertung der eigenen Grup-
dass einige soziale Gruppen, etwa eine Fußballmannschaft,           pe oder durch die Zurückweisung von Stigma als unfair.
kontinuierlichere und kohärentere Gruppen sind als andere,          Umgekehrt standen alle negativen Reaktionen im Zusam-
die eher zufällige Ansammlungen von Menschen sind, et-              menhang mit einer negativen Einschätzung der eigenen
wa die Menschen in einem U-Bahnwaggon. Je mehr eine                 Gruppe oder der Hinnahme von Stigma als legitim (Rüsch
Ansammlung von Menschen wirklich eine Gruppe ist, des-              et al., 2009b). Im Einzelnen wurde unabhängig von depres-
to mehr Entitativität hat sie. Vergleichbar der Gruppen-            siver Symptomatik die Neigung, Mitglieder der Öffentlich-
Identifikation wird auch die wahrgenommene Entitativität            keit zu informieren und anderen Erkrankten zu helfen, prä-
die Auswirkungen der Gruppenzugehörigkeit beeinflussen.             diziert durch eine positivere Bewertung der eigenen Grup-
Wegen ihrer Kohärenz und Kontinuität erlaubt eine Gruppe            pe sowie die Wahrnehmung der eigenen Gruppe als
von hoher Entitativität mehr Rückschlüsse auf die Eigen-            kohärente Einheit (hohe Entitativität). Wenn also eine Per-
schaften von Gruppenmitgliedern als eine diffuse Gruppe             son mit einer psychischen Erkrankung ihre eigene Gruppe
niedriger Entitativität. Daher wird sich eine psychisch er-         in der Gesellschaft als gut und kohärent empfindet, scheint
krankte Person weniger, positiv oder negativ, von der Zu-           dies zu positiveren Reaktionen zu führen, sowohl gegen-
gehörigkeit zur Gruppe von Menschen mit psychischen Er-             über der Öffentlichkeit als auch gegenüber anderen psy-
krankungen betroffen fühlen, wenn sie diese Gruppe für              chisch Erkrankten. Schlechtere Leistungen im Rollenspiel-
inkohärent, also wenig entitativ hält.                              test waren nicht nur assoziiert mit einer Akzeptanz von
   Das von Correll und Park (2005) entwickelte Modell der           Stigma als fair, sondern auch mit stärkerer Identifikation
eigenen Gruppe als soziale Ressource postuliert nun, dass           mit der Gruppe von Menschen mit psychischen Erkrankun-
sich die Auswirkung der eigenen Gruppe auf das Gruppen-             gen, zumindest in der Subgruppe jener, die ihre eigene
mitglied aus der Zusammenwirkung der drei eben erläuter-            Gruppe negativ bewerteten. Dies spricht dafür, dass Grup-
ten Faktoren ergibt. Wenn der wahrgenommene Wert der                penidentifikation ein zweischneidiges Schwert ist. Für
eigenen Gruppe positiv ist, wird sich die Gruppenzugehö-            Menschen mit psychischen Erkrankungen, die ihre eigene
rigkeit auf das Gruppenmitglied positiv auswirken, und              Gruppe für schlecht halten, könnte eine starke Bindung an
zwar umso stärker, je ausgeprägter Gruppenidentifikation            und Identifikation mit der Gruppe von Menschen mit psy-
und wahrgenommene Entitativität sind.                               chischen Erkrankungen zu der Bedrohung führen, im so-
   Das eben skizzierte Modell stellt eine Synthese jahr-            zialen Kontakt mit «Normalen» als aus ihrer Sicht negativ
zehntelanger sozialpsychologischer Forschung dar, die               bewertetes Mitglied der stigmatisierten Minderheit identi-
überwiegend andere stigmatisierte Gruppen, etwa ethni-              fiziert zu werden. Was negative Reaktionen auf Stigma be-
sche Minderheiten, untersuchte. Es war jedoch unklar, ob            traf, so stand Geheimhaltung der eigenen psychischen Er-
es auch auf die Gruppe von Menschen mit psychischen Er-             krankung nicht nur im Zusammenhang mit der Wahrneh-
krankungen zutraf. Daher führten wir in Chicago eine Stu-           mung von mehr öffentlicher Stigmatisierung, sondern auch
die an Teilnehmern mit psychischen Erkrankungen durch               mit der Abwertung der eigenen Gruppe und schwacher
(Rüsch et al., 2009b). In dieser Untersuchung erfassten wir         Gruppenidentifikation. Soziale Distanz von anderen psy-
einerseits die drei erwähnten Aspekte, wie Personen mit             chisch Erkrankten war assoziiert mit der Einschätzung von
psychischen Erkrankungen ihre eigene Gruppe wahrnah-                Diskriminierung als fair. Schließlich prädizierte die nega-
men, ergänzt durch die Einschätzung von Stigma als fair             tive Bewertung der eigenen Gruppe verstärkte Hoffnungs-
oder unfair (wahrgenommene Legitimität von Diskriminie-             losigkeit, sogar nach Kontrolle für den Effekt depressiver
rung) als einer weiteren Schlüsselvariable der persönlichen         Symptomatik.
Reaktion auf Diskriminierung (Rüsch, Lieb, Bohus & Cor-                Zusammenfassend scheinen, ähnlich anderen gesell-
rigan, 2006). Andererseits untersuchten wir Stigma-Reak-            schaftlichen Gruppen, auch Menschen mit psychischen Er-
tionen, sowohl eher positive als auch negative. Als positive        krankungen dadurch beeinflusst zu werden, wie sie ihre ei-
Reaktionen erfassten wir die Tendenz von Menschen mit               gene Gruppe sehen. Dies betrifft insbesondere auch Reak-

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tionen auf Stigmatisierungserfahrungen, und zwar sowohl                    ordnung von Wort-Stimuli zu Kategorien-Paaren umso
eher positive als auch eher dysfunktionale Reaktionen ge-                  schneller erfolgt, je mehr die Paarung automatischen As-
genüber Mitgliedern der Öffentlichkeit, anderen psychisch                  soziationen des Probanden entspricht (z. B. Psychische Er-
Erkrankten und sich selbst.                                                krankung/Schlecht). Diese größere Geschwindigkeit gilt
                                                                           als Index der Stärke dieser automatischen Assoziation. Der
                                                                           Implicit Association Test ist inzwischen vielfach eingesetzt
                                                                           und validiert worden (Greenwald, Poehlman, Uhlmann &
Modell impliziter und expliziter Reaktionen
                                                                           Banaji, 2009).
und Einstellungen                                                             Warum ist es sinnvoll und wichtig, implizite zusätzlich
                                                                           zu expliziten Einstellungen und Aspekten des von Stigma
Die sozialpsychologische Forschung zu menschlichen Ein-                    potenziell betroffenen Selbstkonzeptes im Bereich der
stellungen und Verhaltensweisen betont zunehmend die                       Stigma-Forschung zu untersuchen? Zum einen sind beide
Rolle automatisierter Prozesse, die außerhalb bewusster                    häufig voneinander unabhängig, und dies gilt besonders für
Kontrolle ablaufen können (Gawronski & Bodenhausen,                        Themen wie Stigma, in denen soziale Erwünschtheit expli-
2006; Greenwald & Nosek, 2009). Solche automatisch ak-                     zit geäußerte Antworten beeinflussen kann (Nosek, 2007).
tivierten Einstellungen werden häufig «implizit» genannt.                  Indirekte Maße sind deshalb geeignet, Aspekte von Ein-
Sie laufen typischerweise rasch und spontan ab, verbrau-                   stellungen zu erfassen, die offen zu äußern eine Person
chen nur geringe kognitive Ressourcen und ihr Beginn und                   möglicherweise zögern könnte, weil sie beispielsweise
Ablauf kann schwer kontrollierbar sein sowie ganz oder                     nicht stigmatisierend erscheinen möchte oder weil ihr die
teilweise außerhalb des Bewusstseins ablaufen. Implizite,                  automatisch aktivierten Einstellungen nicht vollständig be-
automatisch aktivierte Einstellungen können unterschieden                  wusst sind. Zum anderen prädizieren explizite versus im-
werden von «expliziten», die von einer Person ausdrück-                    plizite Einstellungen häufig unabhängig voneinander ver-
lich befürwortet werden. Implizite Einstellungen beruhen                   schiedene Ergebnisvariablen. Implizite Einstellungen
auf automatisch aktivierten evaluativen Assoziationen.                     scheinen besonders wichtig zu sein für spontanes und non-
Beispielsweise kann eine Person automatisch eine Katego-                   verbales Verhalten, das soziale Interaktionen oft entschei-
rie (z. B. Menschen mit Schizophrenie) mit einem negati-                   dend prägt, während explizite Einstellungen eher kontrol-
ven Merkmal (z. B. Gefährlichkeit) assoziieren, und zwar                   liertes, bewusst gesteuertes Verhalten prädizieren (Green-
unabhängig davon, ob die Person diese Assoziation (in die-                 wald et al., 2009).
sem Falle von psychischer Erkrankung mit Gefährlichkeit)                      Diese mögliche Divergenz zwischen expliziten und im-
für wahr oder falsch hält. Explizite Einstellungen hingegen                pliziten Einstellungen findet sich nicht nur bei Mitgliedern
sind Urteile, die auf Schlussfolgerungen beruhen, die die                  der allgemeinen Öffentlichkeit. Auch Mitglieder stigmati-
Person bei diesem Urteil für zutreffend hält. In diesem Falle              sierter Minderheiten können Vorurteile gegen ihre eigene
könnte die Person zu der ausdrücklichen Schlussfolgerung                   Gruppe soweit internalisiert haben, dass sie automatisch
kommen, «Ich habe Angst vor Menschen mit Schizophre-                       negative Reaktionen gegenüber ihresgleichen zeigen. Je-
nie». Diese explizite Einstellung wird sie allerdings nur                  doch werden explizit häufig positive Einstellungen gegen-
vertreten, wenn sie nicht im Widerspruch steht zu anderen                  über der eigenen Minderheit geäußert (Livingston, 2002).
expliziten Einstellungen, etwa der Meinung, man dürfe                      Was Menschen mit psychischen Erkrankungen angeht, so
nicht negativ auf Menschen mit psychischen Erkrankungen                    hatten unseres Wissens bis zu den im Folgenden diskutier-
reagieren. Implizite und explizite Einstellungen müssen al-                ten eigenen Arbeiten lediglich Teachman, Wilson und Ko-
so keineswegs übereinstimmen. Eine Person kann automa-                     marovskaya (2006) implizite Einstellungen von Betroffe-
tisch (implizit) negativ reagieren, etwa auf eine Person mit               nen gegenüber ihrer eigenen Gruppe untersucht. Auch sie
Schizophrenie, jedoch explizit, in Äußerungen oder Ver-                    kamen zu dem Befund, dass Menschen mit einer psychi-
halten, neutral oder positiv.                                              schen Erkrankung implizit ähnlich negative Einstellungen
   Explizite Einstellungen werden üblicherweise durch                      zu ihrer eigenen Gruppe hatten wie Mitglieder der Öffent-
Antworten in Selbstbeurteilungsinstrumenten oder Inter-                    lichkeit. Dies spricht leider dafür, dass Personen mit einer
views beurteilt. Implizite, automatisch aktivierte Reaktio-                psychischen Erkrankung auf impliziter Ebene keine pro-
nen können durch indirekte Maße erfasst werden. Zu die-                    tektive Tendenz haben, sich und ihre eigene Gruppe posi-
sen Verfahren gehören die Standardversion (Greenwald,                      tiver zu sehen, als sie von der Öffentlichkeit gesehen wer-
McGhee & Schwartz, 1998) und Kurzform (Sriram &                            den.
Greenwald, 2009) des Implicit Association Test sowie af-                      Aus dem vorigen Abschnitt wird deutlich, dass implizi-
fektive oder semantische Priming-Verfahren (Übersicht                      te, automatisch aktivierte Reaktionen für das Stigma psy-
und Literatur bei Wittenbrink & Schwarz, 2007). Der Im-                    chischer Erkrankung von großer Bedeutung sind, gerade
plicit Association Test, als eines der am weitesten verbrei-               weil sie rasch und außerhalb bewusster Kontrolle ablaufen
teten Verfahren, erfasst über Reaktionszeiten die automati-                und besonders spontanes, nonverbales Verhalten prägen
sche Assoziation einer Kategorie (z. B. «Psychische Er-                    können (Gawronski & Bodenhausen, 2006). Es sollen nun
krankung») und eines Attributes (z. B. «Schlecht»). Die                    kurz einige Befunde aus vier Studien skizziert werden, in
Grundidee des Implicit Association Test ist, dass die Zu-                  denen wir den Brief Implicit Association Test (Sriram &

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Greenwald, 2009) verwandten, um implizite Aspekte von            Mitgliedern der allgemeinen Öffentlichkeit gestützt (Phe-
Stigma und Selbststigma zu untersuchen. Zwei Studien be-         lan, Yang & Cruz-Rojas, 2006). Wir untersuchten daher die
fassten sich mit Verbindungen zwischen stigmatisierenden         Verbindung zwischen biogenetischen (als Oberbegriff für
Einstellungen einerseits und Weltanschauungen (Rüsch,            separat erfasste neurobiologische und genetische) Krank-
Todd, Bodenhausen & Corrigan, 2010b) oder Krankheits-            heitsmodellen einerseits und impliziten versus expliziten
konzepten (Rüsch, Todd, Bodenhausen & Corrigan, 2010a)           Reaktionen andererseits, sowohl unter Menschen mit psy-
andererseits, sowohl bei Menschen mit psychischen Er-            chischen Erkrankungen als auch unter Mitgliedern der Öf-
krankungen als auch bei Mitgliedern der allgemeinen Öf-          fentlichkeit (Rüsch et al., 2010a). In letzterer Gruppe fan-
fentlichkeit; zwei weitere untersuchten implizites Selbst-       den wir Hinweise dafür, dass eine stärkere Zustimmung zu
stigma (Rüsch, Corrigan, Todd & Bodenhausen, 2010) so-           biogenetischen Krankheitsmodellen sowohl zu einer ver-
wie die Bedeutung impliziter Scham-Reaktionen dafür, ob          ringerten Wahrnehmung von Schuld und Verantwortlich-
Betroffene die eigene Diskriminierung für legitim hielten        keit führte als auch zu einem Wunsch nach höherer sozialer
(Rüsch, Todd, Bodenhausen, Olschewski & Corrigan,                Distanz von psychisch Erkrankten. Dies spricht dafür, dass
2010).                                                           unter Mitgliedern der Öffentlichkeit beide oben erwähnten
   Meritokratische Weltanschauungen, die die Verantwor-          Vorhersagen teilweise zutrafen und biogenetische Modelle
tung von Einzelnen für ihr Leben betonen, sind in westli-        sowohl mit verringertem (Schuld) als auch verstärktem
chen Gesellschaften weit verbreitet. Dazu zählen etwa die        Stigma (soziale Distanz) einhergehen. Bei Menschen mit
Protestantische Ethik (Weber, 1920) und der Glaube an ei-        psychischen Erkrankungen fanden wir allerdings nur nega-
ne gerechte Welt, in der Leute bekommen, was sie verdie-         tive Folgen genetischer, und keine positiven Folgen neuro-
nen, und verdienen, was sie bekommen (Hafer & Bègue,             biologischer, Krankheitsmodelle. Eine stärkere Unterstüt-
2005). Typischerweise sind ausgeprägte meritokratische           zung genetischer Modelle stand im Zusammenhang sowohl
Weltanschauungen assoziiert mit stärker stigmatisierenden        mit einem Wunsch nach größerer sozialer Distanz von an-
Einstellungen. Allerdings kann der Glaube an eine gerechte       deren Erkrankten als auch mit impliziten Selbstvorwürfen
Welt für sich selbst («Ich bekomme, was ich verdiene»)           (d. h. einer stärkeren automatisch aktivierten «Selbst-
eine Coping-Ressource für stigmatisierte Individuen sein.        Schuld»-Assoziation im Brief Implicit Association Test).
Wie erwartet fanden wir unter Menschen mit psychischen           Genetische Krankheitsmodelle scheinen sich also nachtei-
Erkrankungen eine Assoziation zwischen Unterstützung             lig auf Betroffene auszuwirken, sowohl auf expliziter als
der Protestantischen Ethik einerseits und andererseits ne-       auch auf impliziter Ebene. Möglicherweise sind unter
gativeren Einstellungen gegenüber anderen psychisch Er-          Menschen mit psychischen Erkrankungen genetische
krankten sowie stärkerem Selbststigma (Rüsch et al.,             Krankheitsmodelle mit impliziten Selbstvorwürfen assozi-
2010b). Der Glaube an eine gerechte Welt für sich selbst         iert, weil sich Betroffene irrationale Selbstvorwürfe über
war zwar mit niedrigerem expliziten, selbst berichteten          die eigene «defekte», krankheitsverursachende genetische
Selbststigma assoziiert, allerdings auch mit stärkeren im-       Ausstattung machen könnten.
pliziten Schuldvorwürfen gegen Menschen mit psychi-                 Schließlich beschäftigten wir uns in zwei Untersuchun-
schen Erkrankungen im Brief Implicit Association Test.           gen mit impliziten Selbststigma- oder Scham-assoziierten
Der Glaube an eine gerechte Welt für sich selbst scheint         Reaktionen von Menschen mit psychischen Erkrankun-
also für Betroffene ein zweischneidiges Schwert zu sein          gen. Unter Selbststigma versteht man, dass Betroffene öf-
und auf expliziter und impliziter Ebene divergente Folgen        fentliche Vorurteile nicht nur kennen, sondern ihnen zu-
zu haben. Unter Mitgliedern der Öffentlichkeit korrelierte       stimmen und sie gegen sich wenden (z. B. «Menschen mit
die Protestantische Ethik sowohl mit stärkeren impliziten        psychischen Erkrankungen sind faul und gefährlich, und
Schuldzuweisungen an psychisch Erkrankte als auch mit            daher bin auch ich, weil ich eine psychische Erkrankung
negativeren expliziten Einstellungen.                            habe, ein schlechter Mensch»). Selbststigma untergräbt
   Biogenetische Modelle psychischer Erkrankungen do-            Selbstwertgefühl und Selbstwirksamkeitserwartung
minieren heutige Forschung und Praxis in der Psychiatrie.        (Rüsch, Hölzer et al., 2006) und ist häufig mit Demorali-
Oft werden sie auch in der Hoffnung herangezogen, durch          sierung und erheblichem Leid verbunden (Corrigan, Lar-
die Betonung biogenetischer kausaler Faktoren für die Ent-       son & Rüsch, 2009). Dieser Zusammenhang ist für expli-
stehung und Aufrechterhaltung psychischer Erkrankungen           zites, in Antworten auf Fragen in Interviews oder Frage-
lasse sich die Stigmatisierung Betroffener reduzieren. Al-       bogen berichtetes Selbststigma gut belegt. Jedoch war
lerdings gibt es dazu zwei konträre Modelle. Zum einen           unseres Wissens nach noch nie implizites Selbststigma
geht die Attributionstheorie (Weiner, Perry & Magnusson,         untersucht worden. Wir konzeptualisierten implizites
1988) in der Tat davon aus, reduzierte persönliche Verant-       Selbststigma als das Produkt zweier impliziter Assoziatio-
wortlichkeit, wie sie genetische Modelle implizieren, führe      nen («Psychische Erkrankung-Schlecht» und «Ich-
zu geringeren Schuldvorwürfen. Zum anderen impliziert            Schlecht», jeweils durch einen Brief Implicit Association
der sogenannte genetische Essentialismus (Nelkin & Lin-          Test erfasst). Dadurch maßen wir auf impliziter Ebene die
dee, 1995), dass Gene die Identität einer Person bestim-         zwei wesentlichen Komponenten von Selbststigma, Zu-
men. Letztere, skeptischere Annahme über den Einfluss            stimmung zu negativen Einstellungen («Psychische Er-
biogenetischer Modelle wird durch Untersuchungen von             krankung-Schlecht»-Assoziation) und niedriges Selbst-

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wertgefühl («Ich-Schlecht»-Assoziation). Wir konnten                       weise könnten sie Stigma als Stressor betrachten, ein-
dann in einer multiplen Regression die Hypothese bestä-                    schließlich Stress-Prädiktoren, mehr oder weniger günsti-
tigen, dass explizites (durch Fragebogen beurteiltes) und                  ger Coping- und emotionaler Reaktionen, etwa Scham und
implizites (Brief Implicit Association Tests) Selbststigma                 Angst, und deren Auswirkungen auf Sozialverhalten.
unabhängig voneinander signifikant niedrigere Lebens-                      Schließlich scheint die Art und Weise, in der Betroffene
qualität prädizierten, und das nach Kontrolle für depressi-                ihre eigene Gruppe sehen, die Reaktion auf Stigma zu prä-
ve Symptomatik, Diagnosen und demografische Variablen                      gen; eine Selbsthilfegruppe könnte also einen besonderen
(Rüsch, Corrigan, Todd et al., 2010). Implizites Selbststig-               Schwerpunkt darauf legen, eine positivere Sicht Betroffe-
ma scheint also messbar zu sein und unabhängig von bis-                    ner auf sich und Menschen mit psychischen Erkrankungen
her ausschließlich untersuchtem selbstberichtetem, expli-                  zu erreichen und darauf aufbauend eine hilfreiche Identifi-
zitem Selbststigma schädlich zu wirken.                                    kation mit der eigenen, nun positiver bewerteten Gruppe.
   In einer letzten Studie beschäftigten wir uns mit der                   Schließlich sollten solche Ansätze versuchen, auch spontan
Frage, ob automatisierte Scham-Reaktionen auf psychi-                      und automatisch ablaufende, «implizite» Anteile von Re-
sche Erkrankungen unter Betroffenen im Längsschnitt da-                    aktionen auf Stigma und auf Selbststigma zu thematisieren
zu führen, dass sie eigene Diskriminierung für fair und                    und zu verändern. Beispielsweise könnten automatische,
legitim halten. Diese Frage ist deshalb von Bedeutung,                     nonverbal sichtbare Schamreaktionen bewusst gemacht
weil die Akzeptanz von Stigma als fair, also stärkere                      und allmählich abgebaut werden.
wahrgenommene Legitimität von Diskriminierung, mit                             Um Anti-Stigma-Arbeit rational beurteilen und verbes-
mehr Selbststigma assoziiert ist (Rüsch, Lieb et al., 2006).               sern zu können, muss sie evaluiert werden. Stigma zu
In unserer Längsschnittuntersuchung hielten Menschen                       messen ist allerdings oft schwierig, auch weil die Diskri-
mit psychischen Erkrankungen nach sechs Monaten Dis-                       minierung von Minderheiten in unserer Gesellschaft in
kriminierung für umso legitimer, je stärker sie zu Unter-                  den letzten Jahrzehnten weniger akzeptiert ist und daher
suchungsbeginn automatisierte Scham-Reaktionen (d. h.                      häufig indirekt oder versteckt stattfindet. Das soll nicht
«Psychische Erkrankung-Beschämend»-Assoziationen im                        heißen, die üblichen Fragebogen und Interviews seien als
Brief Implicit Association Test) zeigten, und das nach                     Stigma-Messinstrumente (Link, Yang, Phelan & Collins,
Kontrolle nicht nur für depressive Symptomatik und das                     2004) wertlos oder ihre Resultate weniger «wahr» als et-
Ausmaß wahrgenommener öffentlicher Stigmatisierung,                        wa die Ergebnisse aus indirekten Verfahren wie dem Im-
sondern auch für das Ausgangsniveau wahrgenommener                         plicit Association Test. Allerdings sprechen die Befunde
Legitimität (Rüsch, Todd, Bodenhausen, Olschewski &                        dafür, dass implizite und explizite Aspekte von Stigma
Corrigan, 2010). Dieser Befund spricht dafür, dass auto-                   voneinander weitgehend unabhängig sind, so dass beide
matisch ablaufende Scham-Reaktionen, konsistent mit                        erfasst werden sollten, um das volle Ausmaß der Folgen
neueren Theorien zu unbewussten Emotionen (Barrett,                        von öffentlicher und Selbststigmatisierung abschätzen zu
Niedenthal & Winkielman, 2005), die Vulnerabilität Be-                     können. Schließlich sollten sich Anti-Stigma-Initiativen
troffener erhöhen, Stigma als fair hinzunehmen.                            weniger an verbesserten abstrakten Einstellungen, son-
                                                                           dern in erster Linie an Veränderungen tatsächlichen Ver-
                                                                           haltens messen lassen. Dabei kann es sich sowohl um Ver-
                                                                           halten von Mitgliedern der Öffentlichkeit im Umgang mit
Schlussfolgerungen                                                         psychisch Erkrankten handeln als auch um das Verhalten
                                                                           Betroffener, etwa um sozialen Rückzug oder die ver-
Abschließend sollen einige Konsequenzen der besproche-                     ringerte Inanspruchnahme psychiatrisch-psychothera-
nen Modelle und Befunde skizziert werden. Zahlreiche                       peutischer Behandlungsmöglichkeiten aus Furcht vor
Initiativen setzen sich weltweit gegen die Stigmatisierung                 Stigma.
von Menschen mit psychischen Erkrankungen ein (für                             Auch wenn die persönliche Reaktion und Stigma-Be-
Deutschland siehe etwa BASTA, www.openthedoors.de,                         wältigung Betroffener wichtig ist und die Auswirkungen
oder Irrsinnig Menschlich e. V., www.irrsinnig-menschlich.                 von Stigma beeinflusst, folgt daraus nicht, dass Menschen
de). Solche Initiativen könnten Weltanschauungen oder ge-                  mit psychischen Erkrankungen in irgendeiner Weise an
netische Krankheitsmodelle, die stigmatisierende Einstel-                  Selbststigma oder anderen negativen Stigma-Folgen
lungen aufrechterhalten oder verstärken, kritisch in ihre Ar-              Schuld seien. Im Gegenteil, Stigma ist eine gesellschaft-
beit einbeziehen. In letzter Zeit haben zudem Versuche, auf                liche Ungerechtigkeit, der sich Menschen mit psychischen
der Ebene der Betroffenen Selbststigma zu verringern und                   Erkrankungen alltäglich ausgesetzt sehen. Der Kampf ge-
die Bewältigung von Stigma zu verbessern, zunehmendes                      gen Stigma bleibt daher eine gesellschaftliche Aufgabe.
Interesse gefunden, sei es in von Professionellen geleiteten               Bis das Stigma psychischer Erkrankung deutlich abgebaut
(Knight, Wykes & Hayward, 2006) oder Selbsthilfe-Grup-                     ist, kann ein besseres Verständnis der Prozesse persönli-
pen (Clay, Schell, Corrigan & Ralph, 2005). Solche Ansät-                  cher Reaktionen auf Stigma allerdings helfen, Anti-Stig-
ze, unabhängig von Rahmenbedingungen und theoreti-                         ma-Interventionen zu verbessern und die Belastung Be-
scher Ausrichtung, könnten einige der oben erwähnten                       troffener zu verringern.
Elemente der Reaktionen auf Stigma aufgreifen. Beispiels-

Z. Psychiatr., Psychol. Psychother. 58 (4) © 2010 Verlag Hans Huber, Hogrefe AG, Bern
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CME-Fragen

1. Welche Ebenen der Stigmatisierung werden in der Lite-                      B. Hoffnung auf baldige Genesung und verbesserte
   ratur unterschieden?                                                          Compliance.
   A. Öffentliches Stigma, Selbststigma und strukturelle                      C. Schuldvorwürfen an die Behandler.
      Diskriminierung                                                         D. stärkerer Zufriedenheit mit dem eigenen Schicksal.
   B. Öffentliches Stigma und verborgenes Stigma
   C. Selbststigma, Eigenstigma und internalisiertes Stig-                 4. Welche Aussage ist richtig? Ein biologisch-genetisches
      ma                                                                      Krankheitsverständnis ist bei psychisch erkrankten
   D. Intendiertes und nicht intendiertes Stigma                              Menschen assoziiert mit . . .
                                                                              A. stärkerem Therapieoptimismus.
2. Welche Aussage ist richtig? Wenn Patienten die Gruppe                      B. impliziten Selbstvorwürfen.
   der psychisch Kranken insgesamt negativ sehen, . . .                       C. geringerer Compliance.
   A. werden sie schneller wieder gesund.                                     D. verringerten Schuldgefühlen.
   B. suchen sie eher Hilfe auf.
   C. leiden sie unter stärkerer Hoffnungslosigkeit.                       5. Welche Aussage ist richtig? Selbststigma . . .
   D. profitieren sie von einem starken Gefühl der Zugehö-                    A. ist mit höherem Selbstwert und Selbstwirksamkeits-
      rigkeit zu dieser Gruppe.                                                  erwartung assoziiert.
                                                                              B. ist mit niedrigerem Selbstwert und Selbstwirksam-
3. Welche Aussage ist richtig? Die Unterstützung einer                           keitserwartung assoziiert.
   protestantischen Ethik ist bei Menschen mit psychischen                    C. ist mit höherem Selbstwert, aber niedrigerer Selbst-
   Erkrankungen assoziiert mit . . .                                             wirksamkeitserwartung assoziiert.
   A. negativen Einstellungen gegenüber anderen psy-                          D. hat keinerlei Einfluss auf Selbstwert und Selbstwirk-
      chisch Kranken und stärkerem Selbststigma.                                 samkeitserwartung.

Z. Psychiatr., Psychol. Psychother. 58 (4) © 2010 Verlag Hans Huber, Hogrefe AG, Bern
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