Rheinland-Pfalz - Partner in der Großregion - Nr. 73 - rlp.de

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Rheinland-Pfalz - Partner in der Großregion - Nr. 73 - rlp.de
B L Ä ZUM
Nr. 73
      T T LAND
          ER
Rheinland-Pfalz –
Partner in der Großregion
Was 1974 als Großregion „Saar-Lor-Lux“ - zu-      Erholungssuchenden per Auto, per Fahrrad
nächst gegründet vom Saarland, von Loth-          oder auch auf vielfach gut ausgebauten Wan-
ringen und von Luxemburg - seinen Anfang          derwegen angesteuert.
für eine regionale Zusammenarbeit in Europa
nahm, wurde 1992 durch die Gebiete Trier/         Diese Vorteile können Rheinland-Pfälzerinnen
Westpfalz und 1994 schließlich die Wallonie,      und Rheinland-Pfälzer in besonderer Weise
deren Deutschsprachige Gemeinschaft und das       nutzen, da das Land gemeinsame Grenzen
restliche Gebiet von Rheinland-Pfalz erweitert.   mit Frankreich, Belgien und Luxemburg hat.
                                                  Regionale und auch kommunale Initiativen
Um dem vergrößerten Kreis der Beteiligten         und Gremien arbeiten bereits seit vielen Jah-
Rechnung zu tragen, wurde zunächst offiziell      ren grenzüberschreitend zusammen.
die Bezeichnung „Großregion Saar - Lor - Lux -
Rheinland-Pfalz - Wallonie - Französische und
Deutschsprachige Gemein-
schaft Belgiens“ eingeführt,
die zur Vereinfachung in der
Kurzform „Großregion“ genannt wird.
Inzwischen ist daraus ein zusammenge-
wachsener Lebensraum mit rund 11,5 Mil-
lionen Bewohnerinnen und Bewohnern und
zugleich ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor in
Europa geworden.

Offene Grenzen und der Euro als gemeinsame
Währung erleichtern das europäische Mitein-
ander. Vor allem die Menschen in den Grenz-
räumen haben von den damit einhergehenden
Veränderungen spürbare Vorteile.

Arbeitssuchende können auch jenseits nati-        Quelle:
onaler Grenzen eine Beschäftigung finden.         Geografisches
Ausflugsziele im Nachbarland werden von           Informationssystem der Großregion (GIS-GR): www.gis-gr.eu
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Die Großregion – Ein Lebensraum mit 11,5 Millionen Menschen
Kennzahlen der Großregion (Stand: 01.01.2014)
Region                  Bevölkerung                 Fläche in km2           Arbeitslosenquote
Saarland                    990.718                         2.570                        6,2 %
Lothringen                2.346.292                       23.669                        12,2 %
Luxemburg                   549.680                         2.586                        5,8 %
Rheinland-Pfalz           3.994.366                       19.854                         4,1 %
Wallonie                     576.325                      16.844                        16,1 %
Großregion gesamt         11.457.381                      65.523
Quellen: http://www.grande-region.lu/eportal/pages/HomeTemplate.aspx
Großregion: Statistische Kurzinformationen 2014, S. 19.

Strukturen                                          Parlamentarierrat (IPR), in dem die Präsiden-
Seit 1995 finden regelmäßig Treffen der Re-         ten der Regionalparlamente der beteiligten
gierungen der Großregion statt. Teilnehmer          Regionen und jeweils sechs Abgeordnete
der Gipfel sind die Regierungschefinnen und         vertreten sind. Der IPR hat keine Entschei-
-chefs der beteiligten Regionen. Hier werden        dungsbefugnis, übt jedoch beachtlichen
die wichtigsten Beschlüsse gefasst und die          politischen Einfluss aus. Zu seinen Aufgaben
Weichen für neue Arbeitsgebiete gestellt. Für       gehören die Förderung der wirtschaftlichen,
die konkrete Umsetzung der Beschlüsse und           sozialen und kulturellen Position der Großre-
die Klärung der damit verbundenen Detailfra-        gion, der Ausbau der grenzüberschreitenden
gen gibt es Facharbeitsgruppen, die, ebenso         Zusammenarbeit und die Arbeit in ständigen
wie die Gipfeltreffen, von einem Sekretariat        Kommissionen: Wirtschaft, Soziales, Verkehr
und einem persönlichen Beauftragten der             und Kommunikation, Umwelt und Landwirt-
Regierungschefs unterstützt und koordiniert         schaft, Bildung, Ausbildung, Forschung und
werden. Zudem finden regelmäßig Fachmi-             Kultur.
nisterkonferenzen statt, in denen Fachfragen        So traf sich z.B. 2008 die Kom-
erörtert werden, die die Großregion in be-          mission 5 „Schule, Hochschule
sonderem Maße betreffen – z.B. im Bereich           und Kultur“ des IPR in der
Umweltverschmutzung.                                Gedenkstätte SS-Sonderlager / KZ
Alle zwei Jahre wechselt die Gipfelpräsident-       Hinzert, um über eine engere
schaft zwischen den beteiligten Regionen.           grenzüberschreitende Zusam-
Dieser Wechsel ist für die praktische Arbeit        menarbeit in der Gedenkarbeit
von besonderer Bedeutung, da er die Mög-            zu beraten und eine Vernetzung
lichkeit bietet, besondere Akzente in der           der Gedenkstätten in der Groß-
Arbeit zu setzen. So legte Rheinland-Pfalz in       region zu fördern. Daraus erga-
den Jahren 2013/2014 den Schwerpunkt auf            ben sich weitere Impulse für
den grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt im           Tagungen, Studienfahrten und
Hinblick auf den Wandel der Arbeitswelt. Ziel       Seminare, die von rheinland-
war es dabei, Antworten zu finden u.a. zur          pfälzischer Seite zusammen
Deckung des Fachkräftebedarfs in der Groß-          mit den westlichen Nachbarn
region sowie zur Förderung der Erwerbsbe-           durchgeführt wurden und wer-
teiligung besonders von Jugendlichen, Frauen        den.
und älteren Menschen.
                                                    Von besonderer Bedeutung ist
Auch auf parlamentarischer Ebene hat                es, dass der IPR zur Umsetzung
sich eine enge Zusammenarbeit entwickelt.           seiner Resolutionen auf die
Zweimal jährlich tagt der Interregionale            Regierungen und Verwaltun-
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gen der beteiligten Gebietskörperschaften              eingerichteten INTERREG IV A Programms
(Landkreise, Städte und Gemeinden) einwir-             eine Fördersumme von zunächst 106 Millio-
ken kann. Diese haben sich verpflichtet, zu            nen Euro zur Verfügung. Das Nachfolgepro-
seinen Beschlüssen und Anfragen Stellung zu            gramm INTERREG V A weist für den Zeit-
nehmen. Hinzu kommen weitere Ausschüsse                raum 2014 -2020 ein Gesamtvolumen von
und Kommissionen mit konkreten Aufga-                  131 Millionen Euro auf. Hinzu kommen je-
benzuweisungen durch die Großregion. Von               weils Kofinanzierungsmittel der beteiligten
großem Gewicht ist auch der eigenständig               Regionen und Kommunen oder von privater
neben dem IPR agierende Wirtschafts- und               Seite in mindestens gleicher Höhe.
Sozialausschuss, in dem Vertreter der Arbeit-
geberseite und der Gewerkschaften nach ge-             Vier Schwerpunktbereiche werden aus
meinsamen Lösungen für die Entwicklung des             INTERREG V A-Mitteln gefördert:
Arbeitsmarktes suchen.                                 • Entwicklung eines integrierten Arbeits-
                                                         markts durch die Förderung von Bildung,
Unterstützung der Zusammenarbeit                         Ausbildung und Mobilität
durch die EU                                           • Umweltfreundliche Entwicklung der Groß-
Die Partner der Großregion haben gemein-                 region und die Verbesserung des Lebens-
same Kooperationsprogramme ausgearbei-                   umfelds
tet, die ohne finanzielle Unterstützung der            • Verbesserung der Lebensbedingungen
Europäischen Union häufig nicht realisierbar           • Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und
wären. Dabei geht es um grenzüberschrei-                 Attraktivität der Großregion
tende Projekte, die partnerschaftlich durch
mindestens zwei Projektpartner aus ver-                Die Großregion kann sich auch auf der EU-
schiedenen EU-Staaten oder von grenzüber-              Ebene unmittelbar Gehör verschaffen. Die
schreitenden Einrichtungen durchgeführt                aus der Großregion stammenden Mitglieder
werden. In der Regel können derartige Pro-             im Ausschuss der Regionen (AdR) haben
jekte mit maximal 50 Prozent der Gesamt-               sich zur gemeinsamen Interessenvertretung
            kosten aus dem Europäischen                zusammengeschlossen. Im Rahmen einer
            Fonds für regionale Entwicklung            hierzu eingerichteten Arbeitsgruppe werden
            (EFRE) gefördert werden. Im                gemeinsame Positionen – z.B. zur Lage der
            Zeitraum 2007-2013 standen                 Grenzpendler, zu den Regionalflughäfen
            hierfür im Rahmen des eigens               oder zur Weinmarktordnung – abgestimmt.
                                                       Die Großregion beteiligte sich zudem mehr-
                                                       fach mit Workshops im Rahmen der vom
              Im Haus der Großregion in Esch-          Ausschuss der Regionen durchgeführten
              sur-Alzette (Luxemburg) haben
              verschiedene Organisationen mit
                                                       Veranstaltungsreihe „Open Days“ in Brüssel.
              Bezug zu diesem Kooperationsraum         Diese Veranstaltungsreihe findet alljährlich
              ihren Sitz gefunden haben. Vertreten     im Rahmen der Oktober-Plenartagung des
              sind u.a. das Gipfelsekretariat der      Ausschusses der Regionen in Brüssel statt.
              Großregion, die Verwaltung des von       Regelmäßig informieren sich hier mehr als
              der EU kofinanzierten INTERREG-Pro-      5.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in
              gramms, das gemeinsame Sekretariat
                                                       Diskussionsveranstaltungen und Workshops
              des Wirtschafts- und Sozialausschus-
              ses, die Vertretung der Staatskanzlei
                                                       über Best-practice-Beispiele. Gegenstand
              Rheinland-Pfalz, der Kulturraum          eines solchen Workshops in der rheinland-
              Großregion, das Institut der Großregi-   pfälzischen Landesvertretung war die
              on sowie das Städtenetz Quattropole,     Zusammenarbeit der Hochschulen in der
              dem die Städte Luxemburg, Metz,          Großregion.
              Saarbrücken und Trier angehören.
              Bildnachweis: Gipfelsekretariat der
              Großregion
                                                                                          3
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Vielfältige Vorteile für die Menschen          den Gipfelpräsidentschaften eingerichteten
Die Zusammenarbeit in der Großregion           Arbeitsgruppen und Arbeitsgemeinschaften
bringt den hier lebenden Menschen konkrete     wie Bildung und Erziehung, Hochschulwesen,
Vorteile. Der Wegfall der Grenzen im Schen-    Jugend, Kultur, Raumentwicklung, Sicherheit
genraum (siehe Kasten) führt dazu, dass        und Prävention, Soziale Fragen, Tourismus,
zunehmend mehr Menschen im jeweiligen          Umwelt, Verkehr sowie wirtschaftliche Fragen
Nachbarland leben und arbeiten und dass        belegen die Bandbreite der Themen.
Einkäufe jenseits der Grenze getätigt und
touristische Angebote dort genutzt werden.     Verbesserung der Lebens-
Daraus ergaben und ergeben sich jedoch         bedingungen der mehr als 200.000
auch immer wieder Herausforderungen und        Grenzpendler
Probleme.                                      Ein besonderes Kennzeichen
                                               der Großregion ist es, dass
Das Abkommen von Schengen – Grund-             heute mehr als 200.000 Men-
lage der Zusammenarbeit der Großregion         schen in einem anderen Land arbei-
                                               ten als sie wohnen. So pendeln etwa
Die Bürgerinnen und Bürger der beteiligten     30.000 Rheinland-Pfälzerinnen
europäischen Staaten genießen seit 1995 das    und Rheinland-Pfälzer zur Arbeit nach
Privileg innerhalb des sogenannten Schen-      Luxemburg. Mehr als 1.300 Personen aus
genraums frei, d.h. ohne Grenzkontrollen,      Lothringen sind umgekehrt Grenzgänger
reisen zu können. Bereits 1985 hatten die      nach Rheinland-Pfalz. Im Hinblick auf diese
fünf Mitgliedstaaten der damaligen Europäi-    Personen haben sich immer wieder Probleme
schen Gemeinschaft Deutschland, Frankreich,    ergeben, die im Einzelfall mühsam gelöst
Belgien, Niederlande und Luxemburg auf         werden mussten. Dabei ging es u.a. um die
dem Fahrgastschiff Princesse Marie-Astrid      Anerkennung von Berufsabschlüssen sowie um
Luxemburg nahe der luxemburgischen Grenz-      Probleme mit Renten- und Krankenversiche-
gemeinde Schengen vereinbart, Kontrollen       rungen. Derartige Herausforderungen standen
an ihren Binnengrenzen aufzuheben. Im Laufe    und stehen regelmäßig auf der Tagesordnung
der Jahre sind nahezu alle EU-Mitgliedstaa-    der Gremien der Großregion. Daneben wurden
ten, und auch vier Staaten außerhalb der EU    die Ungleichgewichte der Arbeitsmärkte in
(Norwegen, Island, Schweiz und Liechten-       den verschiedenen Teilregionen behandelt und
stein) diesem Raum beigetreten. Dies bedeu-    nach Möglichkeiten gesucht, Arbeitssuchende
tet, dass es für die Menschen in der Großre-   auf freie Stellen im Nachbarland zu vermitteln
gion selbstverständlich ist, ohne aufwändige   und falls erforderlich - etwa durch Sprachkurse
Passkontrollen z.B. von Trier nach Luxemburg   - entsprechend zu qualifizieren.
oder von Saarbrücken nach Metz zu reisen.
                                               Um die Berufspendler in der Großregion zu
Die Gremien der Großregion haben sich im       unterstützen wurde eine aus 20 Partnern beste-
Verlauf der Jahre mit nahezu allen Belangen    hende EURES-Grenzpartnerschaft aufgebaut.
des täglichen Lebens in diesen Grenzräumen     Die Website http://www.eures-granderegion.
befasst. Dabei standen zu Beginn Fragen        eu/de/ (Stand: 27. September 2016) informiert
der Verkehrsanbindung und Probleme mit         Seit 1999 führt die Fair-
grenzüberschreitenden Verwaltungsange-         play-Tour durch alle Teilge-
legenheiten häufig im Vordergrund. Doch        biete der Großregion.
nahmen und nehmen auch Umwelt-, Sozi-          Hier Teilnehmerinnen und
al- und Bildungsfragen einen zunehmend         Teilnehmer der Tour 2016,
höheren Stellenwert ein. Daneben werden        Etape in Esch am 13. Juli 2016
vielfältige weitere Aspekte des täglichen      Quelle: Europ. Akademie
                                               des rheinl.-pfälz. Sports
Lebens in der Großregion behandelt. Die von    Fotograf: Karl-Josef Roth
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darüber, dass 30 EURES-Berater in verschie-             Grenzraum zu festigen. Seither unterstützen
denen Einrichtungen der Großregion Arbeits-             die Partner die Umsetzung gemeinsamer
suchenden und Grenzgängerinnen und Grenz-               Programme zur Verstärkung der Solidarität
gängern sowie auch Arbeitgeberinnen und                 zwischen Jugendlichen durch Förderung
Arbeitgebern bei der Ausübung ihrer Rechte im           ihrer Teilnahme an grenzüberschreitenden
Hinblick auf die grenzüberschreitende Mobilität         Aktivitäten. Dadurch sollen Bildung und
Hilfestellung leisten.                                  Fortbildung, der Unternehmungs- und Initia-
                                                        tivgeist sowie die Kreativität der Jugendlichen
„Grenzgängerkarte 2016“                                 gefördert und Rassismus, Intoleranz und
Quelle: Interregionale Arbeitsmarktbeobachtungsstelle   alle Diskriminierungsformen bekämpft wer-
(IBA) c/o INFO-Institut e.V.                            den. Auf dieser Grundlage finden zahlreiche
                                                        Austausche und Treffen von Jugendlichen,
                                                        etwa im Rahmen der Veranstaltungsreihe
                                                        JugendforumJeunesse, durch Jugendfußball-
                                                        cups sowie im Rahmen der „Fairplay-Tour der
                                                        Großregion“ statt.

                                                          Schülerinnen- und Schülertreffen am 08. Juni 2016 in
                                                          Trier, Quelle: Staatskanzlei Rheinland-Pfalz

Begegnungen von Jugendlichen
Bereits im Jahr 2002 haben die Partner der
Großregion eine „Charta für die Zusammen-
arbeit im Bereich Jugend“ beschlossen. Darin
wird eine aktive Beteiligung der Jugendlichen
an der grenzüberschreitenden Zusammen-
arbeit in Jugendfragen vereinbart, um die
Beziehungen zwischen Jugendlichen im

                                                                                                   5
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Zahlreiche Projekte der Partner der Großre-         Lothringen, Trier sowie der TU Kaiserslautern.
gion befassen sich mit Bildungsfragen. Part-        Ziel ist die Vernetzung von Forschung und
nerschaften von Schulen im Grenzgebiet nach         Lehre der rund 133.000 (Stand 2016) Studie-
Frankreich haben in Rheinland-Pfalz eine            renden und 6.000 Lehrenden der verschiede-
lange Tradition. Diese in der Regel zunächst        nen Teilgebiete. Daraus ergaben und ergeben
bilateralen Kontakte wurden im Rahmen des           sich zahlreiche Kontakte von Instituten,
nach dem früheren französischen Außenmi-            Fakultäten und Laboren und die Entwicklung
nister benannten „Schuman-Programms“ auf            gemeinsamer Projekte.
die Großregion ausgeweitet. Schülerinnen
und Schüler der achten und neunten Klassen-         Kulturelle Zusammenarbeit
stufen aus Rheinland-Pfalz, Lothringen, Lu-         Der kulturellen Zusammenarbeit kommt in
xemburg und Belgien leben zwei Wochen lang          der Großregion eine herausgehobene Be-
in Gastfamilien und besuchen gemeinsam              deutung zu, wie zahlreiche Großereignisse
mit Partnerschülerinnen und Partnerschülern         mit Bezug zu den Nachbarregionen, Treffen
den Unterricht. Dieses in den Partnerregionen       von Künstlerinnen und Künstlern, grenzüber-
gemeinsam durchgeführte Programm bietet             schreitende Veranstaltungsreihen und nicht
jährlich 1.000 Schülerinnen und Schülern die        zuletzt mehrere Themenportale im Internet
Möglichkeit, den Alltag im Nachbarland in           belegen.
Familien und in der Schule aus eigener An-
schauung kennen zu lernen.                          Ein wichtiger Bezugspunkt war und ist dabei
                                                    die Wahl Luxemburgs und der Großregion
                           Unterstützt durch das    zur Europäischen Kulturhauptstadt 2007. Die
                           INTERREG-Programm                                   in diesem Rahmen
                           der EU entstand in                                  veranstalteten Pro-
                           den Jahren 2008-                                    jekte schufen eine
Logo der Universität der   2013 die Universität                                Grundlage für die
Großregion, die eine       der Großregion als                                  Herausbildung eines
eigene Rechtspersönlich-   Verbund der Univer-                                 Zusammengehö-
keit hat. Bildnachweis:
                           sitäten des Saarlands,                              rigkeitsgefühls und
UniGR (Universität der
Großregion)
                           Lüttich, Luxemburg,                                 die Wahrnehmung
                                                    Sichtbares Zeichen der     eines gemeinsamen
                                                    kulturellen Zusammenar-
“Schülerinnen des Pamina-Gymnasiums Herxheim                                  Kulturraumes über die
                                                    beit ist der blaue Hirsch
hatten im Rahmen des EU-geförderten Ada-Lovelace-   Quelle: Gipfelsekretariat nationalstaatlichen
Programms Gelegenheit, an Angeboten der Uni         der Großregion            Grenzen hinweg.
Kaiserslautern teilzunehmen”, Foto: H. J. Wiehr

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Um die Arbeit dauerhaft zu gestalten, wurde         Unterstützung der kommunalen
von den Kulturverantwortlichen der Teilre-          Zusammenarbeit
gionen der Verein „Espace culturel Grande           Über 450 Kommunen in Rheinland-Pfalz
Région – Kulturraum Großregion“ mit Sitz in         verfügen über kommunale Partnerschaften,
Luxemburg gegründet. Das für die europäische        davon mehr als die Hälfte mit Städten und
Kulturhauptstadt 2007 gewählte Logo „Blauer         Gemeinden in Frankreich, aber auch 15 mit
Hirsch“ ist seither sichtbares Zeichen für das      Belgien und zwei mit Luxemburg. Diese Part-
kulturelle Leben in der Großregion.                 nerschaften bieten auch in der Großregion
                                                    besondere Chancen, das Zusammenwachsen
Informationen über kulturelle Ereignisse in         Europas im Alltag erfahrbar zu machen und
der Großregion werden regelmäßig über spe-          voneinander zu lernen.
zialisierte Internetplattformen wie www.plu-        Vorbildfunktion haben hierbei die Städte Lu-
rio.net oder www.grrrrr.eu/ (Stand: 27.Sep-         xemburg, Metz, Saarbrücken und Trier über-
tember 2016) bereitgestellt. Dort wird auch         nommen, die das Städtenetz „QuattroPole“
auf Wettbewerbe und Fördermöglichkeiten             gegründet haben. Hervorgegangen ist dieses
sowie auf die über 20 UNESCO-Weltkulturer-          Städtenetz aus der bereits seit 1957 beste-
bestätten in der Großregion hingewiesen. Zur        henden Partnerschaft zwischen Metz und
Verbesserung der Zusammenarbeit haben die           Trier, die im Februar 2000 auf Saarbrücken
Museen der Großregion zudem eine Vereini-           und Luxemburg ausgeweitet wurde. Heute
gung gegründet, die inzwischen 79 Mitglieder        werden zahlreiche gemeinsame Projekte
zählt. In der Kooperation für Musik in der          durchgeführt, um Informationen auszutau-
Großregion finden die Hochschule für Musik          schen und Zukunftsthemen gemeinsam zu
Saar, die Conservatoires Nationaux de Région        bearbeiten. Zugleich dient die Zusammen-
von Metz und Nancy, die Conservatoires de           arbeit der Struktur- und Wirtschaftsent-
Musique der Städte Luxemburg und Esch-sur-          wicklung und als Instrument des Standort-
Alzette, das Conservatoire du Nord Diekirch/        marketings. Auch werden Informationen zur
Ettelbruck sowie das Conservatoire Royal von        Nutzung von Serviceleistungen und kulturel-
Lüttich und die Hochschule für Musik Mainz          len Angeboten in allen vier Kommunen zur
eine gemeinsame Plattform.                          Verfügung gestellt.
                                                    „QuattroPole“ macht zugleich deutlich, dass
Im Rahmen des rheinland-pfälzischen Kultur-         die Großregion kein eindeutig erkennbares
sommers finden immer wieder herausragende           Zentrum hat. Folgerichtig wurde 2007 in den
grenzüberschreitende Events statt. Künste-          Gremien der Großregion das Leitbild der „Poly-
lerinnen und Künstler aus der Großregion            zentrischen grenzüberschreitenden Metropol-
erhalten dabei regelmäßig Gelegenheit zu            region“ entwickelt, deren Ziel es ist, die Stärken
                       Auftritten. So ging das      und Schwächen der unterschiedlichen Zentren
                       junge Online-Kultur-         zu definieren und zu nutzen und die Mobilität
                       portal der Großregion        innerhalb der Großregion zu verbessern.
                       im Rahmen des Kul-
                       tursommers 2013 auf          Die Bedeutung der Großregion
                       Rheinland-Pfalz-Tour.        und ihre Zukunftsperspektiven
                                                    Wegen der beschrittenen innovativen Wege
                                                    hat die Großregion vielfach Modellfunktion
                                                    auch für andere regionale Zusammenschlüs-
                                                    se. In den Medien wird sie deshalb häufig
                       CSD Trier 2016, Großregion
                                                    auch als „Labor für die europäische Zusam-
                       unterm Regenbogen            menarbeit“ beschrieben. Wichtig ist es,
                       Quelle: Gipfelsekretariat    dass die Zusammenarbeit von engagierten
                       der Großregion               Politikerinnen und Politikern, von Lehrkräften
                                                                                            7
Rheinland-Pfalz - Partner in der Großregion - Nr. 73 - rlp.de
und auch von Freiwilligen aus Verbänden und              Internetlinks Großregion

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Vereinen getragen wird. Dabei gilt es immer              (Stand 15. November 2016)
wieder, finanzielle, organisatorische und häu-           • Website der Großregion:
fig auch sprachliche Hürden zu überwinden.                 http://www.granderegion.net
Oftmals müssen neue Ansprechpartner ein-                   http://www.grande-region.lu
bezogen und veränderte administrative Re-                • Kulturraum Großregion:
geln beachtet werden. Die Auswirkungen der                 http://www.kulturraumgr.eu/de
2016 erfolgten Neugliederung der französi-               • Kulturelles Webmagazin der Großregion:
schen Regionen, in deren Gefolge das Elsass,               http://www.grrrrr.eu/
Lothringen und Champagne-Ardenne zur                     • Mobilitätsportal der Großregion:
Region „Grand Est“ zusammengelegt wurden,                  http://www.mobiregio.net/de/
müssen im Hinblick auf die Zusammenarbeit                • Fairplay-Tour der Großregion:
in der Großregion aufgearbeitet werden.                    http://fairplaytour.de/
                                                         • Informationsstelle zur Unterstützung der
Sicherlich könnte der Bekanntheitsgrad und                 grenzüberschreitenden Mobilität der
die Verbundenheit der Menschen mit der                     Arbeitsmärkte in der Großregion:
Großregion noch gesteigert werden, wenn                    http://www.eures-granderegion.eu/de/
ein griffiger Name für den Zusammenschluss               • Städtenetz „QuattroPole“:
gefunden würde, der den geographischen                     http://www.quattropole.org/
und kulturellen Besonderheiten in stärkerem              • Universität der Großregion:
Maße Rechnung trägt. In der Diskussion wa-                 http://www.uni-gr.eu/
ren Bezeichnungen wie „Großregion Rhein                  • Geografisches Informationssystem der
– Maas – Mosel“ oder in Anknüpfung an die                  Großregion (GIS-GR): www.gis-gr.eu
Aufteilung des Reiches Karls des Großen im
Jahre 843 auf „Lotharingen“. Derzeit gibt es             Literaturhinweise
jedoch noch keine Bestrebungen für eine der-             • Lorig, Wolfgang H.; Regolot, Sascha; Henn,
artige neue Namensgebung.                                Stefan (Hrsg.): Die Großregion SaarLorLux.
                                                         Politischer Anspruch, Wirklichkeiten, Perspek-
Die Partner der Großregion werden auch                   tiven, Springer Verlag, Wiesbaden 2015.
künftig an der Zusammenarbeit festhalten                 • Schönwald, Antje: Identitäten und Stereoty-
und diese zum Wohl der Menschen nach                     pe in grenzüberschreitenden Verflechtungs-
Möglichkeit ausbauen. Von zentraler Bedeu-               räumen. Das Beispiel der Großregion, VS
tung für die künftige Zusammenarbeit ist es              Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden
jedoch in jedem Fall, dass auch angesichts               2012.
der wachsenden Zahl von Flüchtlingen das                 • Staatskanzlei Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Rück-
„Europa ohne Grenzen“ erhalten bleibt. Es                blick auf die rheinland-pfälzische Gipfelprä-
                                                                                                            Gestaltung: ADDVICE Design & Advertising, Mainz

ist kein Zufall, dass der Vertrag hierzu bei             sidentschaft in der Großregion 2013/2014,
einer Schifffahrt auf der Mosel im Herzen                Mainz o. J.
der Großregion, im Dreiländereck nahe der                • Wille, Christian (Hrsg.): Lebenswirklichkei-
luxemburgischen Gemeinde Schengen ge-                    ten und politische Konstruktionen in Grenz-
schlossen wurde.                                         regionen. Das Beispiel der Großregion Saar-
                                                         LorLux: Wirtschaft - Politik - Alltag – Kultur,
Autor: Dr. Otto Schmuck                                  Transcript Verlag, Bielefeld 2015.

                                                                                       Landeszentrale
Diese Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung der LpB Rheinland-Pfalz dar.      Politische Bildung
Für die inhaltlichen Aussagen trägt der Autor/die Autorin die Verantwortung.           Rheinland-Pfalz
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