WIE DAS INTERNET FUNKTIONIERT - Eine Anleitung für Entscheidungsträger und Interessierte - Digitale Gesellschaft
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WIE
DAS
INTERNET
FUNKTIONIERT
Eine Anleitung für Entscheidungsträger
und Interessierte
Wie das Internet Wie Verschlüsselung Wie Digitale Demokratie
funktioniert funktioniert funktioniert
SEITE 4 SEITE 13 SEITE 25Die Diskussionen, die heute täglich in verschiedenen
Gremien über unterschiedliche Aspekte des
Internets geführt werden, sind gespickt mit
Anglizismen und Fachbegriffen. Diese Broschüre
soll Entscheidungsträgern und Interessierten einen
Überblick über das Internet und Internettechnologien
geben. Sie erklärt einige Schlüsseltechnologien des
Internets abseits des Computerjargons. Wir hoffen,
dass sie im Dschungel der Begriffe eine wertvolle
Hilfe sein wird.INHALT:
SEITE 4 DAS internet
Ein netzwerk aus computer-netzwerken
SEITE 6 die ip-adresse
eine digitale adresse
SEITE 7 das telefonbuch des internets
das DOMAIN NAME SYSTEM
SEITE 9 das World Wide Web (WWW)
verlinkte information
SEITE 11 E-mail und sicherheit
Post in der digitalen gesellschaft
SEITE 13 verschlüsselung
privatsphäre im öffentlichen netz
SEITE 15 Deep-Packet-Inspection
WERFEN WIR EINEN BLICK IN IHREN INTERNETVERKEHR
SEITE 17 Peer‑to‑peer
von mir zu ihnen ohne jemanden dazwischen
SEITE 19 verhaltensbasierte werbung
jetzt wird’s persönlich
SEITE 21 die suchmaschine
ein index für das internet
SEITE 23 Cloud computing
das internet wird ihr computer
SEITE 24 Social media
wo wir uns treffen
SEITE 25 digitale demokratie
Internet governance
SEITE 27 CREATIVE COMMONS
Mehr Nutzungsfreiheiten trotz Urheberrecht
Die englischsprachige Vorlage wurde von Mitarbeitern und Der Druck dieser Broschüre konnte mit Spenden an
Aktivisten von European Digital Rights unter Beteiligung den Digitale Gesellschaft e.V. finanziert werden.
des Digitale Gesellschaft e.V.geschrieben. Das Design Unterstützen Sie uns bitte mit Ihrer Spende:
stammt von CtrlSPATIE. Satz von Julia Kloiber. https://digitalegesellschaft.de/spenden/
Übersetzung von Andreas Müller und Kilian Froitzhuber.das internet
ein netzwerk aus computernetzwerken
INTERNET-KNOTEN DATENVERKEHR
Anbieter / Vermittler (geroutete Kommunikation)
Das Internet ist ein globales System aus das „Internet Protocol” (IP), und zwar ohne
miteinander verbundenen Computer- Einschränkungen physischer, technischer
netzwerken. oder nationaler Natur. Das Internet
Protocol bildet die Basis für alle anderen
Sobald zwei elektronische Geräte (z. B.
Kommunikationssysteme im Internet. Daten
Computer) verbunden sind und miteinander
per Internet Protocol zu senden ist etwa
kommunizieren können, werden sie Teil
damit vergleichbar, dass einzelne oder
eines Netzwerks. Das Internet besteht aus
mehrere Seiten eines Buches jeweils in
weltweiten Verbindungen solcher Netzwerke,
Briefumschlägen per Post verschickt würden.
die Firmen, Regierungen oder Privatpersonen
Auf allen Umschlägen steht die gleiche
gehören. Jedes Gerät kann nun mit jedem
Absender- und Empfängeradresse. Auch
anderen kommunizieren.
wenn manche Briefe per Luftpost und andere
Damit diese Kommunikation funktioniert, mit dem Schiff verschickt werden, kommen
müssen sich die Geräte gegenseitig alle früher oder später am Ziel an und man
verstehen können. Im Internet ist das kann das Buch dort wieder vollständig
möglich, weil alle Geräte dieselbe Sprache, zusammensetzen. Es ist dabei egal, ob Seite
dasselbe Protokoll benutzen, namentlich 1 oder 47 zuerst beim Empfänger eintrifft.
4 Wie das Internet funktioniertIm Internet wird auch der Inhalt der Um Diese Technik führt zu:
schläge durch bestimmte Konventionen bzw.
Innovationsmöglichkeiten hinsichtlich neuer
Protokolle (also ausgehandelte Formate)
Anwendungen und Protokolle
festgelegt. Für jede Form der Kommunikation
gibt es ein eigenes Protokoll. Einige Beispiele einer im Design verankerten Privatsphäre,
aus Tausenden auf dem Internet Protocol da niemand den Inhalt der Kommunikation
basierenden Protokollen sind: kennen muss - außer Absender und
Empfänger
SMTP (Simple Mail Transfer Protocol) für
das Versenden von E-Mails einem flexiblen und schnellen Datenfluss
HTTP für den Zugriff auf Webseiten Im Kern liefert das Internet nur eine einzige
hochflexible Dienstleistung: Daten von einem
BitTorrent für „Peer-to-peer”-
Gerät auf ein anderes zu transportieren, egal
Kommunikation (Eine Methode, um Dateien
um welche Geräte es sich handelt, wo sie
mit einer großen Gruppe von Menschen zu
stehen, wie sie mit dem Internet verbunden
teilen)
sind und egal welche Daten versendet
Jeder kann jederzeit eigene Protokolle werden.
definieren und über das Internet verwenden,
Diese Offenheit und Flexibilität ist der
wenn sie auf dem Internet Protocol aufbauen.
Hauptgrund für die Innovationen und den
Anders gesagt: Solange die Adresse auf dem
demokratischen und wirtschaftlichen Erfolg
Umschlag im Standardformat steht, ist die
des Internets.
einzige Grenze der menschliche Erfindergeist.
Diese technische Offenheit macht das Internet
zu dem globalen Phänomen, als das wir es
heute kennen.
Jede Einschränkung der Offenheit reduziert
sein Entwicklungspotenzial. Der universelle „Diese Offenheit und
Gebrauch eines einzigen Protokolls für alle
Kommunikationsformen bringt einige Vorteile
Flexibilität ist der
mit sich. Die Geräte, die den Datenstrom Hauptgrund für die
transportieren (sog. Router), müssen nicht für
jede Kommunikationsform neu programmiert Innovationen und den
werden - sie müssen nicht einmal wissen, demokratischen und
was für eine Art von Daten sie transportieren,
solange alle das Internet Protocol benutzen. wirtschaftlichen Erfolg
Genau wie ein Postbote müssen sie lediglich
auf den Umschlag schauen, um die Post
des Internets.”
auszuliefern. Es spielt keine Rolle, ob im
Umschlag eine Rechnung oder ein Liebesbrief
steckt - außer für den Empfänger natürlich.
Wie das Internet funktioniert 5Die ip-adresse
eine digitale adresse
Eine IP-Adresse (Internet Protocol address)
ist eine aus Zahlen bestehende Adresse, die
jedem mit dem Internet verbundenen Gerät
zugewiesen wird.
In vielen Fällen werden IP-Adressen
benutzt, um Personen oder Unternehmen
zu identifizieren, die über einen Internet-
Anbieter ein Gerät mit dem Internet
verbunden haben. Jedoch können - vor
allem bei Firmennetzwerken sowie
bei öffentlichen oder ungeschützten
Drahtlosverbindungen und mobilem Internet
- Handlungen im Internet nicht immer einer
bestimmten Person zugeordnet werden.
Da an herkömmlichen Internetanschlüssen
häufig nur eine öffentliche IP-Adresse für
die Verbindungen vieler angeschlossener „Die IP-Adresse
Personen genutzt wird, wird über diese
Adresse nur eine Gruppe von Personen statt
identifiziert nicht
eines Individuums identifizierbar. Daher ist immer denjenigen,
es oft schwierig oder unmöglich, anhand
der IP-Adresse zu bestimmen, wer welche der eine digitale Spur
Internetseiten oder Dienste aufgerufen hat. hinterlassen hat.”
IP-Adressen sind andererseits in manchen
Kontexten personengebunden - dann müssen
sie als schützenswerte, personenbezogene
Daten behandelt werden.
01 Aufgrund der Knappheit der derzeitigen
Generation von IP-Adressen wird es immer
üblicher dass eine IP-Adresse geteilt wird,
z. B. von allen Computern in einem Büro.
6 Wie das Internet funktioniertdas telefonbuch
des internets
das DOMAIN NAME SYSTEM
Anfrage nach Anfrage nach
DNS digitalegesellschaft.de DNS digitalegesellschaft.de
DNS
Auflösung Auflösung rekursive
Suche
digitalegesellschaft.de hat digitalegesellschaft.de hat
die IP-Addresse 46.4.67.52 die IP-Addresse 46.4.67.52
IN IHREM COMPUTER BEI IHREM INTERNET-ANBIETER IM INTERNET
Sobald man eine Internetseite ins Netz System unsichtbar und automatisch nach
stellt, ist sie auch über die IP-Adresse der IP-Adresse des Servers, auf dem
des Servers (eines speziell dafür die Seite gespeichert ist. Wenn Sie also
eingerichteten Computers), auf dem sie „http://digitalegesellschaft.de” im Browser
gespeichert ist, erreichbar (zum Beispiel hat eingeben, erkennt der Computer automatisch
digitalegesellschaft.de bei Erstellung dieses die IP 46.4.67.52 und sendet eine Anfrage an
Artikels die Adresse 46.4.67.52). Leider sind diese Adresse, um die Seite zu empfangen.
diese Zahlenreihen für den Menschen nicht
Das System, mit dem Domainnamen
einfach zu merken. Zudem wäre es nicht
abgefragt werden, funktioniert hierarchisch.
praktisch, sie zu benutzen: Internetdienste
Sobald Sie „http://digitalegesellschaft.de”
wechseln ihre IP-Adresse gelegentlich (zum
eintippen, verbindet sich Ihr Computer zuerst
Beispiel wenn sie zu einem neuen Anbieter
mit einem DNS-Server, um nach der Adresse
wechseln).
zu fragen. Dieser Server wird standardmäßig
Da die Benutzung von IP-Adressen also von Ihrem Internet-Anbieter betrieben, der
weder praktisch noch benutzerfreundlich Zugriff auf alternative Server ist jedoch
ist, wurden die Domain-Namen (wie zum ebenfalls möglich.
Beispiel „digitalegesellschaft.de”) erfunden.
Wenn kurz vor Ihnen schon jemand nach
Das globale „Domain Name System” (DNS)
digitalegesellschaft.de gefragt hat, erinnert
funktioniert in etwa wie ein Telefonbuch
sich der DNS-Server daran und gibt Ihnen
fürs Internet.
die richtige IP-Adresse zurück. Wenn der
letzte Aufruf schon länger her oder die
Wenn man den Namen der Domain (also Domain noch unbekannt ist, wendet er sich
z. B. „digitalegesellschaft.de”) eintippt, an die nächsthöhere Instanz, auf der wieder
fragt der Computer das Domain Name der gleiche Vorgang abläuft. Die höchste
Wie das Internet funktioniert 7Autorität sind hier die 13 „root server” (Stammverzeichnisse), die die Daten aller DNS-Server sammeln. Diese 13 Server sind sehr widerstandsfähig. Sie haben so viel Kapazität, dass sie selbst dann weiterlaufen, wenn sie groß angelegten Angriffen ausgesetzt sind. 02 Wenn Ihr Computer erst kürzlich auf http://digitalegesellschaft.de zugegriffen hat, dann kennt er die IP-Adresse bereits und braucht sie nicht mehr beim Provider abzufragen. 8 Wie das Internet funktioniert
das World Wide
Web (WWW)
verlinkte information
Dies ist eine Seite über Hunde.
Wir haben eine Webseite
über Katzen entdeckt. Es gibt
auch eine Seite über das Leben
von Mäusen.
HTTP HTTP HTTP
WEBSERVER WEBSERVER WEBSERVER
Das World Wide Web baut auf dem relativ kann sich an dem Entwicklungsprozess
jungen Protokoll HTTP auf, das wiederum beteiligen. Die Verwendung von HTML steht
auf dem Internet Protocol (IP) basiert. HTTP unter keiner Lizenz und ist kostenlos. Der
steht für HyperText Transfer Protocol und Vorteil ist, dass alle Computersysteme HTML-
wurde für das Herunterladen von Hypertext- Anweisungen verstehen - so kann jeder die
Dokumenten (die wir unter dem Namen Sprache kostenlos benutzen und sich sicher
„Webseiten” kennen) und das Senden einiger sein, dass die Homepage auf jedem Gerät
Basisinformationen an den Server entworfen. angezeigt wird. Das Netz (und die Welt) wäre
viel ärmer, wenn jeder für das Schreiben von
Homepages werden mit der „Formatierungs-
Webseiten in verschiedenen Sprachen für
sprache” HTML (HyperText Markup Language)
verschiedene Computersysteme bezahlen
erstellt. Die Regeln für diese Sprache
müsste.
werden vom „World Wide Web Consortium”
(W3C) erstellt und definieren bestimmte Dieser offene und freie Charakter von HTML
Schlüsselwörter, die sich auf Schriftsatz ist entscheidend, wenn es darum geht, die
und Layout einer Homepage auswirken. Kompatibilität von Homepages auf allen
Wenn zum Beispiel Text fett (engl. strong) möglichen Geräten (z. B. Desktop-Computer,
dargestellt werden soll, steht ein „” Mobiltelefone, Tablets, Laptops usw.) zu
davor und ein „” dahinter. garantieren. Eine richtige Umsetzung des
HTML-Standards garantiert beispielsweise
Es gibt inzwischen mehrere Versionen dieses
auch Sehbehinderten den Zugang zu
Standards (HTML 5 ist die neueste) und er
Webseiten. Wenn das nicht so wäre, könnten
wird kontinuierlich weiterentwickelt. Jeder
Wie das Internet funktioniert 9Vorleseprogramme nicht wissen, wie sie auf eines verwendeten Funknetzwerks (WLan)
die Homepages zugreifen sollen. befindet, hat vollen Zugriff auf alle hin- und
hergesendeten Informationen.
Webseiten werden auf Maschinen ver
öffentlicht, die man Webserver nennt. Ein HTTPS verschlüsselt diese Verbindung so,
Webserver ist ein Computer, der immer unter dass theoretisch nur der Computer des
der gleichen IP-Adresse zu erreichen ist (wie Nutzers und der Webserver Informationen
auf Seite 6 beschrieben). Normalerweise lesen können. Dieses System basiert
sind viele Domainnamen (z. B. www.edri. auf Vertrauen: Der Autor einer Webseite
org und digitalegesellschaft.de) unter einer beauftragt eine vertrauenswürdige Stelle,
IP-Adresse zu erreichen, weil sie auf einem ihm ein persönliches digital unterzeichnetes
Webserver gespeichert („gehostet”) sind. Zertifikat auszustellen, das die Identität des
So kann ein einzelner Webserver viele Verfassers bestätigt.
Dieser Text wird FETT geschrieben Dieser Text wird FETT
geschrieben
SPRACHE, DIE VON BROWSER- WIE ES DIE
HERSTELLERN UND DEM WORLD WIDE ENTWICKLER BENUTZEN WAS SIE SEHEN
WEB CONSORTIUM ENTWICKELT WIRD
verschiedene Homepages anbieten. Im Falle Das funktioniert so ähnlich wie die
kommerzieller Webhosting-Anbieter sogar Wachssiegel vergangener Jahrhunderte.
mehrere hundert vollkommen unabhängige Wenn ein Nutzer einen Browser (so wie
Seiten auf einem einzelnen Webserver. Internet Explorer, Firefox, Chrome, Safari
oder Opera) installiert, wird diesem vom
Versuche, einzelne Webseiten auf Basis
Hersteller eine Liste vertrauenswürdiger
ihrer IP-Adresse zu blockieren, haben daher
Zertifizierungsstellen mitgeliefert. Auf
immer fatale Nebenwirkungen für alle
deren Integrität muss der Nutzer sich
anderen Seiten, die auf dem gleichen Server
verlassen können - was zugleich die
gespeichert sind.
Schwachstelle von https ist: Wenn sich
Zusätzlich zu HTTP gibt es noch eine sichere nur eine der dutzenden Stellen als nicht
Variante namens HTTPS. Normale HTTP- vertrauenswürdig herausstellt, hat das https-
Verbindungen sind nicht verschlüsselt. Sicherheitskonzept ein riesengroßes Loch.
Jeder, der Zugriff auf die Netzwerkkabel oder HTTPS trotzdem zu verwenden ist allerdings
irgendwelche Geräte zwischen Endnutzer sicherer als gar keine Verschlüsselung.
und Webserver hat oder sich in Reichweite
10 Wie das Internet funktioniertE-mail und
sicherheit
Post in der digitalen gesellschaft
DNS
Auflösung
FRAGE NACH
location.eu
HALLO! HALLO!
INTERNET
E-MAIL AN: EIN SMTP-SERVER DER EMPFÄNGER- DER EMPFÄNGER
recipient@location.eu ÜBERTRÄGT MAILSERVER BEKOMMT DIE
DIE E-MAIL
Wenn man in einem Mailprogramm oder auf Ist die E-Mail beimEMPFÄNGT E-MAIL
Zielserver, der alle
DIE E-MAIL
einer Webmail-Seite eine E-Mail geschrieben eingehenden E-Mails für diese Domain
hat, wird sie zuerst via des speziellen E-Mail- verwaltet, angekommen, bleibt sie dort
Protokolls SMTP an einen Ausgangs-Server gespeichert bis der Empfänger sie löscht.
übertragen. Von dort wird sie von einem Einige Mailprogramme erledigen dies
E-Mail-Server zum nächsten wiederum via automatisch, sobald die E-Mails auf den
SMTP übertragen, und zwar so lange, bis sie PC oder das Smartphone des Empfängers
beim Ziel-Server angekommen ist. heruntergeladen wurden.
E-Mail-Server finden das Ziel einer E-Mail
durch eine Abfrage im oben beschriebenen E-Mail-Sicherheit
Domain Name System (DNS). Hier ist auch
E-Mails können von Dritten abgefangen
die Information eingetragen, welcher Server
werden, während sie von einem E-Mail-
E-Mails für welche Domain annimmt. Die
Server zum nächsten unterwegs sind. Sie
Domain ist dabei immer der Teil der E-Mail-
sind technisch ähnlich einer Postkarte, die
Adresse hinter dem @-Zeichen.
ebenfalls vom Briefträger gelesen werden
könnte. Es gibt zwei Ansätze,
Wie das Internet funktioniert 11das zu verhindern: Sichere Kommunikation verfügbare Methode dafür ist PGP (Pretty
zwischen den Mailservern oder die Good Privacy), das auch unter den Namen
Verschlüsselung des Inhalts der E-Mails. Die OpenPGP und GPG verfügbar ist.
Absicherung der Kommunikation zwischen
Um nicht nur das Mitlesen von E-Mails,
E-Mail-Servern funktioniert auf die gleiche
sondern auch Identitäts-Betrug zu
Weise wie das oben beschriebene HTTPS.
verhinden, empfiehlt es sich die Schlüssel
Eine Schwachstelle bei E-Mails ist, dass Ihr des Kommunikationspartners über
Computer nicht direkt mit dem Zielserver einen separaten Weg zu überprüfen.
kommunizieren kann. Dadurch könnten Ihre Diese Verifikation kann mittels “digitalen
E-Mails immer noch abgefangen werden, Fingerabdruck” etwa über Telefon,
wenn eine der Zwischenstationen keine Visitenkarte oder Briefkopf geschehen. Es
verschlüsselte Verbindung verwendet. ist von einem “Web of trust” die Rede, wenn
hierfür bereits vertraute Kontakte genutzt
Deswegen ist es besser, die Nachricht selbst
werden.
zu verschlüsseln. Eine beliebte und kostenlos
12 Wie das Internet funktioniertverschlüsselung
PRIVATSPHÄRE IM ÖFFENTLICHEN NETZ
Wie kann ein Benutzer eine vertrauliche Das Bild oben zeigt die Stufen der sog.
Nachricht so verschicken, dass sie vor Public-Key-Verschlüsselung. Jeder der
neugierigen Blicken geschützt bleibt? Kommunikationspartner besitzt einen
Wenn Sie einen Brief verschicken, könnte geheimen Schlüssel, den nur er kennt, und
er abgefangen, geöffnet, gelesen und einen öffentlichen Schlüssel, der z. B. auf
wieder versiegelt werden, ohne dass Sie es einer Homepage veröffentlicht ist. Zum
bemerken. Auch Telefongespräche können Verschlüsseln einer Nachricht benötigt man
mitgehört werden. lediglich den öffentlichen, zum Entschlüsseln
dagegen beide Schlüssel. Die Schlüssel sind
Die rasante Entwicklung der Kryptographie
sehr lange Zahlen, je länger desto besser.
im 20. Jahrhundert folgte der Verbreitung
von Computertechnologie. Computer
ermöglichten nicht nur die sehr schnelle
Verschlüsselung elektronischer Nachrichten,
sondern auch das sehr schnelle Knacken
(„Cracken”) der bisher benutzten
Verschlüsselungsverfahren. „Verschlüsselung
Verschlüsselung ist kein Allheilmittel ist kein Allheilmittel
und garantiert keine vollkommene und garantiert
Sicherheit. Eine häufige Herangehensweise
Verschlüsselungen auszutricksen ist die keine vollkommene
Nachricht abzufangen, noch bevor sie Sicherheit.”
verschlüsselt wird. Dies geschieht zum
Beispiel mit einem versteckten „Trojanischen
Pferd” auf dem Computer des Verfassers,
das alle Tastaturanschläge auf dem PC oder
Handy der Betroffenen mitprotokolliert.
Wie das Internet funktioniert 131. Der Sender fordert
SENDER den öffentlichen Schlüssel an EMPFÄNGER
HALLO! 2. Der Sender verschlüsselt
HALLO!
die Daten mit dem öffent- INTERNET
lichen Schlüssel
3. Die verschlüsselten Daten
werden übers Internet über-
tragen 4. Der Empfänger entschlüsselt
die Daten mit seinem/ihrem
privaten Schlüssel
1. Der Sender fordert eine Kopie des 3. Die Nachricht wird verschickt und sieht für
öffentlichen Schlüssels beim Empfänger der Außenstehende auf den ersten Blick aus wie
Nachricht an. „Kauderwelsch”.
2. Eine geeignete Software verschlüsselt 4. Der Empfänger entschlüsselt die Nachricht
die Nachricht an den Empfänger mit dessen mit einer Kombination aus öffentlichem und
öffentlichem Schlüssel. privatem Schlüssel.
14 Wie das Internet funktioniertDeep Packet
Inspection
werfen wir einen blick in ihren internetverkehr
Daten werden im Internet in sogenannten Webserver zu installieren, um Dokumente
Paketen (packets) verschickt. Jedes Paket zu veröffentlichen. Dann müssten Sie Ihre
hat eine Kopfzeile (header), in der Herkunft Firewall so konfigurieren, dass eingehende
und Zielort stehen, wie bei einem normalen Anfragen durchgeleitet werden, aber nur die,
Post-Paket. Diese Informationen sind nötig, die Webseiten anfordern. Hier gibt es aber
damit die Internetknoten den im Moment einige Angriffsmöglichkeiten durch Pakete,
besten Weg für die Daten finden können. die für eine Firewall harmlos aussehen. Nur
auf Basis von Informationen wie Herkunft und
Früher schaute das Netzwerk nur auf
Zielort kann sie nicht unterscheiden, ob ein
Herkunft und Empfänger eines Pakets. Aber
Paket harmlos ist oder nicht.
mit der rasanten Zunahme an schädlichen
Aktivitäten entschieden die Eigentümer der Netzwerktechniker kamen bald auf die Idee,
Netzknoten, die Details jedes Pakets näher dass es besser wäre, ein bisschen „tiefer”
zu betrachten, um „sichere” Pakete von in die Pakete zu schauen, um Angriffe
solchen unterscheiden zu können, die zu zu erkennen. Theoretisch ist das ganz
einer Hacker- oder „Distributed-Denial-Of- einfach – die „Kopfzeilen” sind nur durch
Service”-Attacke gehören. die Formatierung vom eigentlichen Inhalt
getrennt. Wir müssen uns also nur die
Bestimmte Netzwerksicherheitsprogramme,
nächsten paar Bytes nach denen anschauen,
genannt „Firewalls”, können zum Beispiel
die wir sowieso schon analysieren. Oder
ein einzelnes Paket blockieren, das von
wir gehen noch tiefer und betrachten den
einem bestimmten Absender zu einem
gesamten Datenblock im Paket.
bestimmten Empfänger für eine bestimmte
Anwendung unterwegs ist. Wenn Sie diese Geräte, die das taten, wurden anfangs
Kriterien richtig einsetzen, können Sie so alle „Eindringlingsverhinderungssysteme”
eingehenden Daten zu ihrem Büronetzwerk (Intrusion Prevention Systems, IPS) genannt
blockieren, da sie der Öffentlichkeit keine und bald in die meisten Netzwerkgeräte
Internet-Dienste vom Büro aus zur Verfügung implementiert. Solange das nur zur Abwehr
stellen. Und Sie können dabei immer noch von Hackerangriffen diente, gab es darüber
alle anderen Facetten des Internets nutzen, keine Kontroversen.
indem Sie die Pakete durchlassen, die von
Mit der Zeit bemerkten aber Regierungen,
Ihrem Büro nach Außen gehen.
Internetanbieter und Netzwerkbetreiber,
Irgendwann werden Sie vielleicht auf dass sie mit dieser Technik, Deep Packet
die Idee kommen, in Ihrem Büro einen Inspection (DPI) genannt, viel mehr Kontrolle
Wie das Internet funktioniert 15über die Daten der Netzwerknutzer Von der Nutzerseite aus können DPI- bekommen konnten, als das vorher möglich Techniken durch Verschlüsselung war. DPI-Techniken sind bereits bei der umgangen werden. Die „tiefen” Inhalte eines Kriminalitätsbekämpfung (Überwachung, verschlüsselten Pakets bleiben so für den Blockaden usw.), beim Erstellen von Betreiber einer Deep Packet Inspection Marketingprofilen und beim zielgenauen verschleiert. Platzieren von Werbeanzeigen im Einsatz und sollen bald auch bei der Durchsetzung von Urheberrechten benutzt werden. Die chinesische und andere autoritäre Regierungen setzen seit einigen Jahren DPI ein, um Oppositionelle zu verfolgen und unliebsame Begriffe aus dem Internet zu filtern. 16 Wie das Internet funktioniert
Peer‑to‑peer
Von mir zu ihnen ohne jemanden dazwischen
PEER TO PEER ZENTRALISIERT
SYSTEM VON KNOTEN OHNE SERVERBASIERTES NETZWERK
ZENTRALE INFRASTRUKTUR (NICHT PEER-TO-PEER)
Peer-to-Peer-Netzwerke (wörtl: Kollege Peer-to-Peer-Netzwerke haben eine
zu Kollege) bestehen aus Computern Reihe von Vorteilen: Ein Fehler an einem
(Webserver oder Heim-PCs), die zugleich an Punkt im Netzwerk kann das Netz nicht
einer bestimmten Form der Kommunikation zusammenbrechen lassen, da es keine
teilnehmen. Jeder Computer („peer”) kann Zentralinstanz gibt. In einem „Einer-zu-
mit anderen Computern kommunizieren, Vielen”-Netz versagt das Netz, wenn der
es gibt keinen Unterschied zwischen „Eine” ausfällt. In einem „Viele-zu-Vielen”-
Konsument und Produzent, Client und Netz ist der Gesamtschaden dagegen
Server. Peer to Peer (P2P) heißt einfach, minimal. Diese Netze können auch
dass viele Computer mit vielen anderen sehr einfach wachsen, weil jeder neue
kommunizieren. Im Internet werden für Teilnehmer auch selbst neue Ressourcen
Peer-to-Peer-Anwendungen eigene Peer-To- (also Bandbreite, Speicherplatz und
Peer-Protokolle verwendet, die wiederum Rechenleistung) für das Netzwerk mitbringt.
auf dem IP-Protokoll basieren. Peer-to-Peer-Netze brauchen keine
Wie das Internet funktioniert 17Verwaltung (Administration), da es keine Verteilte Hash-Tabellen (Distributed
zentrale Stelle gibt. Hash Tables, DHT) ermöglichen es Peers
nachzuschauen, auf welchen anderen
Sie garantieren ihren Benutzern Freiheit.
Peers eine gewünschte Datei liegt.
Nicht nur die teilnehmenden Rechner sind
gleichberechtigt, auch ihre Benutzer sind es. Nutzer von Peer-to-Peer-Netzwerken
brauchen einen Weg, die Hash-
Eine der wichtigsten Aufgaben eines Peer-
Fingerabdrücke der benötigten Dateien zu
to-Peer-Netzwerkes ist es, das Netzwerk
bekommen.
zu organisieren und Ressourcen im Netz
zur Verfügung zu stellen. So funktionieren Einige werden auf Webseiten veröffentlicht,
viele innovative Systeme für Videotelefonie zum Beispiel um die neueste Version des
und Internetfernsehen über P2P, da ein freien Betriebssystems Ubuntu Linux
einzelner Server die Datenlast mehrerer herunterzuladen. Es gibt auch Wörterbücher,
Videodatenströme nicht bewältigen könnte. die mit einer Übersetzung von menschlicher
Sprache in Hash-Keys eine Suche nach
FILESHARING
Dateien in Peer-to-Peer-Netzen ermöglichen.
Peers in Filesharing-Netzwerken wissen
Einige Websites wie zum Beispiel
nicht automatisch die IP-Adressen von
thepiratebay.org und mininova.org bieten
anderen Peers im Netz und sie wissen auch
solche Wörterbücher an. Trotzdem können
nicht, welche Dateien (bzw. welchen Teil
die Hash-Fingerabdrücke von Dateien auch
einer Datei) ein Peer hat. Dieses Problem
über E-Mail, Chats oder Soziale Netze
wird typischerweise durch einen Prozess
verbreitet werden – es gibt keine zentrale
gelöst, bei dem Peers Informationen darüber
Stelle im System.
mitteilen, welche Dateien auf anderen Peers
angeboten werden. Dateien werden mittels Inzwischen gibt es auch Peer-to-Peer-Netze,
sogenannter „Hash Keys” identifiziert, die im die ihren Nutzern Anonymität garantieren.
Grunde genommen so etwas wie eindeutig
zuzuordnende Fingerabdrücke einzelner
Dateien sind.
18 Wie das Internet funktioniertVerhaltens-
basierte werbung
Jetzt wird’s persönlich
Verhaltensbasierte Werbung, auch Verhaltensmarketingfirma Annahmen über
verhaltensbasiertes Targeting genannt, Nutzer machen, die Artikel über Autos und
ist eine Technik, die darauf beruht, die Fußball lesen. In unserem Beispiel wäre so
Aktivitäten der Internetnutzer aufzuzeichnen eine einfache Annahme, dass dieser User
und zu verfolgen. Sie wird benutzt, um Profile am besten auf Bierwerbung anspricht. Eine
von Internetnutzern zu erstellen. Durch weitere Annahme wäre, dass es keine gute
den Einsatz dieser Technik kann Werbung Idee ist, Werbung für Autoversicherungen
effizienter angezeigt werden, da diese bei anzuzeigen, weil der User wahrscheinlich ein
korrektem Profil auf die Interessen des junger Mann ist.
Nutzers zugeschnitten und somit für ihn von
Je mehr Webseiten, die wie die meisten
höherer Relevanz ist.
Zeitungen und viele andere Seiten Teil eines
Verhaltensmarketingnetzes sind, ein Nutzer
Verhaltensbasierte Werbung hat ein leicht
besucht, desto mehr Daten sammeln sich in
verständliches Prinzip: Sobald ein Nutzer
seinem Profil an. So kann in relativ kurzer
zum ersten Mal eine Seite (zum Beispiel
Zeit ein sehr detailliertes Profil angelegt
über Fußball) besucht, wird eine kleine
werden – und die Identifizierbarkeit der Daten
Datei (ein sog. „Cookie”) im Webbrowser
steigt, auch wenn sie in der Theorie anonym
(wie z. B. Internet Explorer, Firefox oder
angelegt werden.
Chrome) platziert. Üblicherweise enthält
eine Webseite Inhalte aus verschiedenen Große Datenmengen können die Größe einer
Quellen. Zum Beispiel stammen Text und Gruppe von Menschen, die einem bestimmten
Bilder einer Seite von der Adresse, die Sie Suchmuster entsprechen, auf einige wenige
eingetippt haben, zusätzliche Inhalte wie z. B. Individuen reduzieren. Vor einigen Jahren
Werbung wird aber von anderen Quellen, die veröffentlichte ein Suchmaschinenbetreiber
unter Umständen nichts mit der Seite zu tun ein solches Set „anonymer” Daten, die beim
haben, nachgeladen. Jedes Mal wenn Inhalte Suchen angefallen waren. Journalisten
geladen werden, können Daten aus dem konnten aus diesen anonymen Informationen
Cookie von Ihrem Computer mitgeschickt Einzelpersonen identifizieren. Das zeigt,
werden. dass „anonym” eben doch nicht anonym
ist. Man weiß auch nicht, ob weitere Daten
Für verhaltensbasierte Werbung
aus anderen Quellen für verhaltensbasierte
enthalten Cookies eine eindeutige
Werbung benutzt werden. Viele im
Identifikationsnummer. Liest ein User also
verhaltensbasierten Marketing tätige
später einen Artikel über Autos, kann die
Wie das Internet funktioniert 19Unternehmen, z. B. Google oder Yahoo!, dazu ändern. Auch technisch gesehen ist
bieten gleichzeitig andere Dienstleistungen der Vorschlag der Werbeindustrie schwierig
wie z. B. eine Internetsuche an. umzusetzen, da „Opt-Out”-Lösungen nicht
alle werbetreibenden Firmen umfassen.
Wenn man diese Datenbanken
Außerdem benutzt das Einverständnis-
zusammenlegen würde, entstünden riesige
Entziehungs (= Opt-Out)-System selbst
Mengen persönlicher Daten, die relativ
Cookies: Löscht man alle Cookies, wird auch
einfach echten Menschen zugeordnet werden
die Einverständnisverweigerung gelöscht.
könnten.
Diese Aspekte spielen bei der Diskussion um
Es wird davon ausgegangen, dass verhaltens- den Datenschutz eine große Rolle.
basiertes Marketing eine der Triebfedern des
Zudem bieten moderne Browser und
Erfolgs der Onlinemarketingindustrie in den
Plug-Ins (wie z. B. Flash) zusätzlich zum
letzten Jahren ist. Die Technik selbst wird
herkömmlichen Cookie viele andere
auch zu anderen Zwecken eingesetzt, zum
Möglichkeiten, Daten zu speichern
Beispiel um Nutzern Nachrichten anzuzeigen,
und auszulesen. Diese sind für den
die sie interessieren.
durchschnittlichen Nutzer schwer zu
User werden nicht nach ihrer Zustimmung verwalten und teilweise nicht in den Cookie-
zur Verabeitung ihrer persönlichen Daten Einstellungen des Browsers aufgeführt.
gefragt. Das Argument der Werbeindustrie
Zurzeit werden europäische Bürger durch ein
ist, dass diese Art der Aufzeichnung im
Gesetz auf europäischer Ebene geschützt,
Interesse der Nutzer sei, weil sie ihnen hilft,
bleiben de facto allerdings ungeschützt, da
nur „relevante” Werbung zu bekommen.
der Wille fehlt, dieses Gesetz umzusetzen.
Sie praktizieren eine sogenannte „Opt-
Out”-Lösung, die von manchen gefordert 03 http://www.edps.europa.eu/EDPSWEB/webdav/
wird um die Standards der elektronischen site/mySite/shared/Documents/Consultation/
Privatsphäre zu gewährleisten. „Opt-Out” Opinions/2009/09-01-09_ePricacy_2_EN.pdf
bedeutet, dass die Informationen eines jeden
Nutzers solange aufgezeichnet werden, bis
dieser sich gegenteilig äußert.
Die Kernfragestellung ist hier, ob die
„Cookie-Einstellungen” im Browser,
die selten standardmäßig auf „Privat”
stehen, schon eine Einwilligung seitens
der User bedeuten. Die Europäische
Datenschutzbehörde sagt, dass dem nicht so
ist. Viele Internetnutzer wissen weder etwas
von Cookies noch wie sie die Einstellungen
20 Wie das Internet funktioniertdie suchmaschine
ein index für das internet
Im Internet navigiert man mithilfe von Links dieser Seiten, indiziert alle Seiten, folgt
Hyperlinks, also Bildern oder Texten, die eine jedem Link und so weiter.
andere Webseite öffnen, wenn man darauf
Die wichtigste Aufgabe einer Suchmaschine
klickt.
ist die Verknüpfung der Suchanfrage eines
Jeder Web-Autor kann zu jedem beliebigen Users mit den Informationen in ihrem
Online-Inhalt verlinken. Durch die Praxis des Index. Typischerweise gibt dieser Vorgang
Verlinkens helfen alle Internetuser mit, die eine sortierte Liste an Referenzen zurück.
Informationen in ein Netz aus verknüpften Diese Suchmaschinentreffer bestehen
Ressourcen zu integrieren. normalerweise aus einem Titel, ein paar
Informationen und Hyperlinks, die auf
Das Internet selbst hat keinen zentralen
die Webseiten verweisen, welche die
Index, der über alle Inhalte auf dem
Suchmaschine als möglicherweise relevant
Laufenden bleibt. Deswegen sind
erkannt hat.
Suchmaschinen die wichtigste Plattform, die
die Bedürfnisse der Internetnutzer erfüllt Neben diesen „natürlichen” Suchergebnissen
und es ihnen ermöglicht, effizient im Netz zu (also den Seiten, die die Suchmaschine
navigieren. gefunden hat), binden kommerzielle
Suchmaschinen sog. „gesponserte”
Es gibt verschiedene Arten von
Ergebnisse ein, die von Werbetreibenden je
Suchmaschinen. Die wichtigste davon basiert
nach Schlagwort ersteigert werden können.
auf sog. „Crawlern”.
Der Vorgang des Abgleichs zwischen
Die dabei verwendeten Programme werden
Suche und Index ist höchst komplex und
„Crawler” oder auch Spinnen (Spider)
kommerzielle Suchmaschinenbetreiber
genannt und schauen regelmäßig nach,
halten die Algorithmen, mit denen die
was im Internet steht. Daraus bauen sie
Reihenfolge der Suchergebnisse bestimmt
systematisch einen Index auf. Die Raffinesse
werden, als Betriebsgeheimnis unter
und Effektivität eines Crawler-Programms
Verschluss.
bestimmt über die Größe und Aktualität
dieses Index – beides Kennzahlen für die
Qualität einer Suchmaschine. Einfach gesagt Einer der berühmtesten dieser Algorithmen
funktioniert ein Crawler folgendermaßen: ist der „PageRank” von Google. Er sagt die
Er folgt jedem Link einer Webseite, indiziert Relevanz einer Webseite nach einer Analyse
alle verlinkten Seiten, folgt wiederum allen ihrer Linkstruktur im Internet (das heißt
Wie das Internet funktioniert 21vor allem, welche Seiten auf sie verlinken) Eine Meta-Suchmaschine ist eine
voraus. Suchmaschine, die keinen eigenen Index
mit Suchergebnissen aufbaut, sondern
Andere wichtige Methoden der Verknüpfung
die Suchergebnisse einer oder mehrerer
des Informationsbedarfs eines Nutzers
Suchmaschinen benutzt. Ein „Verzeichnis”
mit dem Suchindex sind die Analyse
ist ein Link-Archiv, das nach verschiedenen
des Seiteninhalts oder der Abgleich
Kategorien sortiert ist. Das Yahoo! Directory
mit Nutzungsdaten anderer Nutzer.
und das Open Directory Project sind bekannte
Kommerzielle Suchmaschinen benutzen
Beispiele dafür.
Cookies, um die Suchanfragen der
Nutzer, ihre Klicks auf Links und mehr in
personalisierter Form für lange Zeit zu
speichern.
Eine „vertikale” oder spezialisierte
Suchmaschine konzentriert sich auf einen
bestimmten Typ von Information, zum
Beispiel Reisen, Shopping, wissenschaftliche
Artikel, Nachrichten oder Musik. Die großen
kommerziellen Suchanbieter integrieren
spezialisierte Suchmaschinen als Extra-
Features in ihre Webseiten.
22 Wie das Internet funktioniertCloud
computing
das internet wird ihr computer
Cloud Computing wurde in letzter Zeit zu
einem beliebten Werbeslogan. Das Konzept
selbst ist nicht besonders neu, auch wenn in
letzter Zeit eine Menge neuer Anwendungen
dafür auf den Markt kamen.
In Netzwerkdiagrammen wird das Symbol
der Wolke benutzt, um anzuzeigen, dass ein
Netzwerk außerhalb des Netzwerks eines
Benutzers angelegt ist. Cloud Computing
bezieht sich also auf alle Computerdienste,
die im Netzwerk und nicht auf dem Computer
des Nutzers ablaufen.
Grafik: Sam Johnston (CC-BY-SA) http://de.wikipedia.
Zu den ersten derartigen Dienstleistungen org/w/index.php?title=Datei:Cloud_computing.svg
gehörten internetbasierte E-Mail-Dienste
(„Webmailer”). Nutzer von Webmail können Googles Chrome-Betriebssystem geht einen
ihre Mails von jedem Gerät aus lesen, das Schritt weiter in diese Richtung. Durch
mit dem Internet verbunden ist und nicht nur die Benutzung des Chrome-Browsers
auf einem Computer. Zu den beliebtesten als Basis soll die Cloud-Technik als
Webmail-Diensten gehören z. B. GMX, Standard eingeführt werden. Das bedeutet,
Hotmail und GMail. dass auf dem Computer nur minimale
Durch den stetigen Anstieg der Verbin Software installiert ist, die sich voll auf die
dungsgeschwindigkeit stieg die Zahl der Verfügbarkeit von Internetsoftware verlässt
verfügbaren Cloud-Dienste in den letzten – unter vielen Gesichtspunkten ein genau
Jahren exponentiell. Heutzutage ist es entgegengesetzter Ansatz zu traditionellen
zum Beispiel möglich, im Internet riesige Computern, bei denen fast die gesamte
Datenmengen auf „virtuellen Festplatten” Software auf der Festplatte gespeichert wird.
wie der von Microsoft Live abzulegen.
Auch Bürosoftware (z. B. Textverarbeitung
und Datenbanken) wird inzwischen online
angeboten.
Wie das Internet funktioniert 23Social media
wo wir uns treffen
Soziale Medien sind ein Set aus Online- 2. B
logs und Microblogs (z. B. Twitter).
Kommunikationswerkzeugen zur Erstellung
3. Inhalts-Communities (z. B. YouTube oder
und zum Austausch von durch Nutzer
Flickr), auf denen User durch das Teilen
generierten Inhalten.
und Kommentieren von Photos, Videos und
Soziale Medien unterscheiden sich fun anderen Inhalten interagieren.
damental von herkömmlichen Medien, da sie
4. S
oziale Netzwerke (z. B. Facebook,
nicht nur Informationen vermitteln, sondern
Myspace, StudiVZ, Google+), in denen
mit einer Person interagieren, während diese
User durch das Verknüpfen mit Freunden,
Informationen weitergibt. Diese Interaktion
das Kommentieren auf Profilen und den
kann eine einfache Aufforderung zum
Beitritt zu und der Diskussion in Gruppen
Kommentieren sein, beispielsweise durch
miteinander in Kontakt treten können.
Klicken auf „like”- oder „unlike”-Links für
jede Aktion eines anderen Users. Somit ist 5. Virtuelle Spielewelten (z. B. World Of
jeder Nutzer nicht nur Zuschauer, sondern Warcraft).
auch Teil der Medien, da wiederum auch jeder
6. Virtuelle Welten (z. B. Second Life).
andere User diese Kommentare lesen kann.
Ein wichtiges Thema ist der Schutz der
Die Menschen gewöhnen sich daran, auf das,
Benutzer von sozialen Medien, vor allem
was andere schreiben, reagieren zu können
der Schutz ihrer Privatsphäre. Obwohl
und ihren Standpunkt dazu auszudrücken.
Nutzer üblicherweise entscheiden können,
Dadurch vergrößert sich der Einfluss der
ob sie Informationen veröffentlichen
Gesellschaft auf laufende Debatten. Die Zahl
oder verstecken wollen, sind die
der Nutzer von sozialen Medien steigt Jahr
Standardeinstellungen zum Schutz der
für Jahr, ihr Einfluss wird stärker und stärker.
Privatsphäre kontrovers diskutierte Punkte.
Jede Webseite, die es Besuchern erlaubt, Spezielle Maßnahmen zum Schutz von
mit anderen Besuchern in Kontakt zu Kindern und Jugendlichen sind ebenfalls in
treten, kann als Teil der Social Media der Diskussion. Auch haben bestimmte Seiten
gesehen werden. Sie können grob in sechs wie zum Beispiel Facebook bereits mehrfach
verschiedene Gruppen unterteilt werden: die Privatsphäreneinstellungen ihrer User
ohne Nachfrage abgeändert.
1. Gemeinschaftsprojekte (z. B. Wikipedia),
bei denen User durch das Erstellen oder
Bearbeiten von Artikeln mitwirken können.
24 Wie das Internet funktioniertdigitale
demokratie
INTERNET GOVERNANCE
Die ersten Versuche, den Begriff „Internet Schlüsselelemente der Internet Governance
Governance” zu definieren, wurden bei betreffen. Dieses Forum, das zwischen 2006
Vorbereitungstreffen zum UN-Weltgipfel zur und 2011 bereits sechs Ausgaben hatte,
Informationsgesellschaft unternommen. bewirkte die Gründung ähnlicher Foren
Eine erste allgemein akzeptierte Definition auf nationaler und regionaler Ebene (z. B.
entwickelte die Arbeitsgemeinschaft zur EuroDIG – der paneuropäische Dialog über
„Digital Governance”, einer aus vielen Internet Governance). Es ist hervorzuheben,
Interessengruppen zusammengesetzten dass diese Gremien keine Entscheidungen
Gruppe, die vom UN-Generalsekretär treffen, sondern nur die politischen
ins Leben gerufen wurde. Folgende Richtlinien beeinflussen können.
Definition wurde in die Tunis-Agenda für die
Was gehört zur Internet Governance?
Informationsgesellschaft einbezogen:
Infrastruktur und Standardisierung
„[Internet Governance ist die] durch
Regierungen, den Privatsektor und die Technische Themen, die den
Zivilgesellschaft in ihren jeweiligen Rollen Betrieb des Internets betreffen: die
vorgenommene Entwicklung und Anwendung Telekommunikationsinfrastruktur,
von einheitlichen Prinzipien, Normen, Internetstandards und -dienste (z. B.
Regeln, Entscheidungsfindungsprozessen das Internet Protocol oder das Domain
und Programmen, die die Evolution und die Name System) und Inhalts- und
Benutzung des Internets formen.” Anwendungsstandards (z. B. HTML)
Diese Definition hebt das Prinzip der Themen zum sicheren und stabilen
Beteiligung verschiedener Interessengruppen Funktionieren des Internets: Cyber
bei der Diskussion von Themen hervor, die Security, Verschlüsselung, Spam
mit dem Internet zusammenhängen: die
Rechtliche Fragestellungen: Nationale
Teilnahme aller Akteure auf eine offene,
und Internationale Gesetzgebung, die
transparente und verantwortliche Art und
auf Internetthemen angewendet werden
Weise.
kann (Urheberrechte, Privatsphäre und
Um dieses Ziel zu erreichen, wurde das Datenschutz)
„Internet Governance Forum” als Forum
ntwicklungsthemen: Die digitale Kluft,
E
für Diskussionen über die Themen des
universeller Zugang zum Internet
öffentlichen Sektors gegründet, welche
Wie das Internet funktioniert 25W
irtschaftliche Themen: E-Commerce, Die Zivilgesellschaft:
Steuern, elektronische Unterschriften und Nichtregierungsorganisationen (NGOs),
Zahlungsmethoden welche die Internetnutzer repräsentieren.
S
oziokulturelle Probleme: Menschenrechte Internationale Organisationen: die
(Meinungsfreiheit und das Recht, International Telecommunication Union, die
Informationen zu suchen, zu teilen UNESCO, das UN-Entwicklungsprogramm
und weiterzugeben), Vorschriften zu
ie technische Gemeinschaft: die
D
Inhalten, Privatsphäre und Datenschutz,
Internetgesellschaft, die Internet
Mehrsprachigkeit und kulturelle Vielfalt,
Engineering Task Force, das Internet
Bildung und Online-Sicherheit von Kindern
Architecture Board, die ICANN (Internet
Wer nimmt an der Internet Governance teil? Corporation for Assigned Names and
Numbers)
Regierungen: Sie arbeiten das Internet
betreffende Richtlinien und Regelungen aus Mehr Informationen:
und implementieren diese.
Jovan Kurbalija, An Introduction to Internet
D
er private Sektor: Internetanbieter Governance, Diplo Foundation, 2010
(Internet Service Provider, ISP),
Netzwerkanbieter, Registrierungsstellen
für Domains (z. B. denic),
Softwarehersteller und Anbieter von
Inhalten.
26 Wie das Internet funktioniertCreative Commons – Mehr Nutzungsfreiheiten trotz Urheberrecht
Creative Commons (CC) ist eine Non-Profit-Organisation, die in Form vorgefertigter
Lizenzverträge eine Hilfestellung für die Veröffentlichung und Verbreitung digitaler
Medieninhalte anbietet. Ganz konkret bietet CC sechs verschiedene Standard-
Lizenzverträge an, die bei der Verbreitung kreativer Inhalte genutzt werden
können, um die rechtlichen Bedingungen festzulegen. CC ist dabei selber weder als
Verwerter noch als Verleger von Inhalten tätig und ist auch nicht Vertragspartner
von Urhebern und Rechteinhabern, die ihre Inhalte unter CC-Lizenzverträgen
verbreiten wollen. Die CC-Lizenzverträge werden also von den Urhebern
übernommen und in eigener Verantwortung verwendet, um klarzustellen, was
mit den Inhalten ihrer Webseiten geschehen darf und was nicht. CC-Lizenzen
richten sich als so genannte “Jedermannlizenzen” an alle Betrachter dieser Inhalte
gleichermaßen und geben zusätzliche Freiheiten. Das bedeutet, dass jeder mit
einem CC-lizenzierten Inhalt mehr machen darf als das Urheberrechtsgesetz
ohnehin schon erlaubt. Welche Freiheiten genau zusätzlich geboten werden, hängt
davon ab, welcher der sechs CC-Lizenzverträge jeweils zum Einsatz kommt.
Weiterführende Informationen finden Sie unter
http://www.creativecommons.de
Namensnennung 3.0
(CC BY 3.0)
Namensnennung-NichtKommerziell 3.0
(CC BY-NC 3.0)
Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0
(CC BY-SA 3.0)
Namensnennung-KeineBearbeitung 3.0
(CC BY-ND 3.0)
Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0
(CC BY-NC-ND 3.0)
Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe
unter gleichen Bedingungen 3.0 (CC BY-NC-SA 3.0)
Wie das Internet funktioniert 27Die englischsprachige Vorlage wurde von Mitarbeitern Kontakt:
und Aktivisten von European Digital Rights unter Digitale Gesellschaft e.V.
Beteiligung des Digitale Gesellschaft e.V. geschrieben. Schönhauser Allee 6/7, 10119 Berlin
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Andreas Müller und Kilian Froitzhuber. @digiges auf Twitter
V.i.S.d.P. Markus Beckedahl
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Der Digitale Gesellschaft e.V. setzt sich für Bürger-
und Verbraucherrechte ein. Er klärt Öffentlichkeit,
Politik und Bürger, Wirtschaft und Verbraucher
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