Bevölkerung und Wohnungsmarkt in der Gemeinde und im Amt Büchen - Hannover, März 2016

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Bevölkerung und Wohnungsmarkt in der
    Gemeinde und im Amt Büchen

- bisherige Entwicklung und Szenarien zur künftigen Entwicklung -

                     Hannover, März 2016
Auftraggeber:
Gemeinde Büchen
Amtsplatz 1
21514 Büchen
Telefon (04155) 8009 210, Telefax: (04155)8009 999
www.amt-buechen.eu

Erstellt vom:
ISP Eduard Pestel Institut für Systemforschung e. V.
Dipl-Sozwirt. Jonas Abraham
Dipl.-Oek. Matthias Günther
Gretchenstr. 7, 30161 Hannover
Telefon (0511) 99 0 94-0, Telefax (0511) 99 0 94-30
E-Mail: info@pestel-institut.de
Internet: www.pestel-institut.de

                                                       II
INHALT

Tabellenverzeichnis                                              IV
Abbildungsverzeichnis                                             V

1     Einführung in das Thema, Aufbau der Untersuchung            1

1.1 Einführung in das Thema und Aufbau der Untersuchung           1
1.2 Der Zensus 2011                                               2

2     Wohnungsversorgung in Deutschland                           5
2.1   Eigentümer des Wohnungsbestandes                            5
2.2   Struktur des Wohnungsbestandes                              6
2.3   Einflussfaktoren auf die Wohnungsversorgung                 8
2.4   Bevölkerungsentwicklung                                     9
2.5   Wohnungsbau und Wohnungsbestand                            12

3   Die Entwicklung in der Gemeinde und dem Amt Büchen
    bis zum Jahr 2015                                            17
3.1 Beschäftigung                                                17
3.2 Bevölkerung                                                  20
3.3 Bautätigkeit und Wohnungsbestand                             23
3.4 Private Haushalte und Wohnungsmarktsituation                 24
3.5 Expertenbefragung                                            26
3.6 Haushalte mit niedrigen Einkommen                            28
3.7 Spezielle Bedarfe                                            30
3.7.1 Wohnsituation der Altersgruppe 65plus                      30
3.7.2 Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention               32
3.8 Fazit der bisherigen Entwicklung in Büchen                   32

4   Projektion der Entwicklung bis 2035                          34
4.1 Zukunftsbetrachtungen                                        34
4.2 Wohnungsbedarf und Wohnungsnachfrage                         35
4.3 Ausgangslage in Büchen                                       37
4.4 Drei Szenarien der Bevölkerungsentwicklung in der Gemeinde
    und im Amt Büchen                                            38
4.5 Haushalts- und Wohnungsbedarfsentwicklung im Amt und der
    Gemeinde Büchen                                              51
4.6 Welche Art von Wohnungen werden in der Amt Büchen benötigt   55
4.6.1 Nachfragemöglichkeiten der Senioren                        57
4.6.2 Nachfrage nach Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern   58

5     Fazit der Untersuchung                                     63

                                                                      III
Tabellenverzeichnis

                                                                           Seite
Tabelle 1  Veränderung der Einwohnerzahl in Deutschland
           von 2005 bis 2014                                                  12
Tabelle 2a Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Amt
           Büchen 1995 bis 2015                                               18
Tabelle 2b Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der Gemeinde
           Büchen 1995 bis 2015                                               19
Tabelle 3 Gesamtbevölkerung, Geburten, Sterbefälle und
           Wanderungssaldo von 1995 bis 2015 im Amt Büchen                    22
Tabelle 4 Entwicklung der Nachfrage nach Ein- und Zweifamilienhaus-
           wohnungen im Amt Büchen von 1995 bis 2015                          59
Tabelle 5 Entwicklung der Nachfrage nach Ein- und Zweifamilienhaus-
           wohnungen im Amt Büchen in den drei Szenarien                      60
Tabelle 6 Entwicklung der Nachfrage nach Ein- und Zweifamilienhaus-
           wohnungen im Amt Büchen von 1995 bis 2015                          61
Tabelle 7 Entwicklung der Nachfrage nach Ein- und Zweifamilienhaus-
           wohnungen im Amt Büchen in den drei Szenarien                      62

                                Abbildungsverzeichnis

Abb. 1      Wohnungen nach Eigentümern                                          5
Abb. 2      Wohnungen nach der Zahl der Zimmer und dem jeweiligen
            Anteil am Wohnungsbestand in Deutschland 2010                       6
Abb. 3      Veränderung der Anzahl an Wohnungen nach der Zahl der Zimmer
            in Deutschland von 2000 bis 2010                                    7
Abb. 4      Wohnungsbestand nach Baualtersklassen
            in Deutschland im Jahr 2010                                         8
Abb. 5      Entwicklung der Einwohnerzahlen in den Kreisen und
            kreisfreien Städten Deutschlands von 1995 bis 2014                 10
Abb. 6      Entwicklung der Anzahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter
            (am Arbeitsort) in den Kreisen und kreisfreien Städten Deutschlands
            von 1995 bis 2015                                                  11
Abb. 7      Entwicklung der Einwohnerzahlen in den Kreisen und kreisfreien
            Städten Deutschlands von 2005 bis 2014                             13
Abb. 8      Entwicklung des Wohnungsbaus
            in Deutschland von 1995 bis 2014                                   14
Abb. 9      Wohnungsbestandentwicklung in Deutschland von 1995 bis 2014 15
Abb. 10     Wohnungsmarktsituation in Deutschland Ende 2015                    16
Abb. 11     Bevölkerungsentwicklung im Amt Büchen
            von 1987 bis 2015                                                  20
Abb. 12     Bevölkerungsentwicklung in der Gemeinde Büchen
            von 1987 bis 2015                                                  22
Abb. 13     Altersstruktur der Bevölkerung in der Gemeinde und
            dem Amt Büchen im Jahr 2015                                        22
Abb. 14     Bautätigkeit von 1987 bis 2015 im Amt Büchen                       23
                                                                                    IV
Seite

Abb. 15 Wohnungsbestand nach Baualtersklassen im Land
        Schleswig-Holstein, dem Kreis Herzogtum Lauenburg sowie
        der Gemeinde und dem Amt Büchen 2011 in v. H.                     24
Abb. 16 Entwicklung der Anzahl privater Haushalte sowie der Zahl der
        Einwohner je Haushalt in der Gemeinde und im Amt Büchen           25
Abb. 17 Empfänger von Mindestsicherungsleistungen im Amt Büchen
        von 2007 bis 2015                                                 30
Abb. 18 Seniorenhaushalte nach Einkommensklassen im Jahr 2010             31
Abb. 19 Wohnungsnachfrage, Wohnungsangebot und politische Eingriffe       36
Abb. 20 Durchschnittliche Wanderungssalden der vergangenen vier
        Siebenjahreszeiträume sowie die Ansätze in den drei Szenarien
        für die Gemeinde und das Amt Büchen                               38
Abb. 21 Entwicklung der Einwohnerzahl in der Gemeinde und dem
        Amt Büchen in den drei Szenarien                                  39
Abb. 22 Entwicklung der Altersgruppe „bis unter 3 Jahre“ im
        Amt Büchen bis 2015 und in den drei Szenarien                     40
Abb. 23 Entwicklung der Altersgruppe „3 bis unter 6 Jahre“ im
        Amt Büchen bis 2015 und in den drei Szenarien                     40
Abb. 24 Entwicklung der Altersgruppe „6 bis unter 10 Jahre“ im
        Amt Büchen bis 2015 und in den drei Szenarien                     41
Abb. 25 Entwicklung der Altersgruppe „10 bis unter 16 Jahre“ im
        Amt Büchen bis 2015 und in den drei Szenarien                     41
Abb. 26 Entwicklung der Altersgruppe „16 bis unter 18 Jahre“ im
        Amt Büchen bis 2015 und in den drei Szenarien                     42
Abb. 27 Entwicklung der Altersgruppe „18 bis unter 25 Jahre“ im
        Amt Büchen bis 2015 und in den drei Szenarien                     42
Abb. 28 Entwicklung der Altersgruppe „25 bis unter 30 Jahre“ im
        Amt Büchen bis 2015 und in den drei Szenarien                     43
Abb. 29 Entwicklung der Altersgruppe „30 bis unter 50 Jahre“ im
        Amt Büchen bis 2015 und in den drei Szenarien                     43
Abb. 30 Entwicklung der Altersgruppe „50 bis unter 65 Jahre“ im
        Amt Büchen bis 2015 und in den drei Szenarien                     44
Abb. 31 Entwicklung der Altersgruppe „65 Jahre und älter“ im
        Amt Büchen bis 2015 und in den drei Szenarien                     44
Abb. 32 Entwicklung der Altersgruppe „80 Jahre und älter“ im
        Amt Büchen bis 2015 und in den drei Szenarien                     45
Abb. 33 Entwicklung der Altersgruppe „3 bis unter 6 Jahre“ in der
        Gemeinde Büchen bis 2015 und in den drei Szenarien                45
Abb. 34 Entwicklung der Altersgruppe „6 bis unter 10 Jahre“ in der
        Gemeinde Büchen bis 2015 und in den drei Szenarien                46
Abb. 35 Entwicklung der Altersgruppe „10 bis unter 16 Jahre“ in der
        Gemeinde Büchen bis 2015 und in den drei Szenarien                46
Abb. 36 Entwicklung der Altersgruppe „16 bis unter 18 Jahre“ in der
        Gemeinde Büchen bis 2015 und in den drei Szenarien                47

                                                                                V
Seite

Abb. 37 Entwicklung der Altersgruppe „18 bis unter 25 Jahre“ in der
        Gemeinde Büchen bis 2015 und in den drei Szenarien              47
Abb. 38 Entwicklung der Altersgruppe „25 bis unter 30 Jahre“ in der
        Gemeinde Büchen bis 2015 und in den drei Szenarien              48
Abb. 39 Entwicklung der Altersgruppe „30 bis unter 50 Jahre“ in der
        Gemeinde Büchen bis 2015 und in den drei Szenarien              48
Abb. 40 Entwicklung der Altersgruppe „50 bis unter 65 Jahre“ in der
        Gemeinde Büchen bis 2015 und in den drei Szenarien              49
Abb. 41 Entwicklung der Altersgruppe „65 Jahre und älter“ in der
        Gemeinde Büchen bis 2015 und in den drei Szenarien              49
Abb. 42 Entwicklung der Altersgruppe „80 Jahre und älter“ in der
        Gemeinde Büchen bis 2015 und in den drei Szenarien              50
Abb. 43 Entwicklung der Anzahl privater Haushalte im
        Amt Büchen in den drei Szenarien                                52
Abb. 44 Entwicklung der Anzahl privater Haushalte in der
        Gemeinde Büchen in den drei Szenarien                           53
Abb. 45 Wohnungsbedarf im Amt Büchen von 2016 bis 2035
        in den drei Szenarien                                           54
Abb. 46 Wohnungsbedarf in der Gemeinde Büchen von 2016 bis 2035
        in den drei Szenarien                                           54
Abb. 47 Wohnungsbedarf nach dem Alter (Altersstrukturen des Amtes
        Büchen in den Jahren 2015 und im Szenario A 2035)               56
Abb. 48 Erwerbsfähige, Erwerbspersonen und tendenziell
        „Grundsicherungsgefährdete“                                     57

                                                                              VI
Bevölkerung und Wohnungsmarkt in der
                    Gemeinde und dem Amt Büchen
        - bisherige Entwicklung und Szenarien zur künftigen Entwicklung -

1       Einführung in das Thema, Aufbau der Untersuchung

1.1     Einführung in das Thema und Aufbau der Untersuchung

Die „neue Wohnungsnot“ insbesondere in deutschen Groß- und Universitätsstädten
hat sich verfestigt. Von Seiten der Politik gibt es zwar sowohl von den aktuellen Re-
gierungsparteien als auch von der Opposition stetige Appelle zu mehr Investitionen
in den Wohnungsbau, die seit einigen Jahren faktisch bestehenden, schlechtesten
Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau in der Nachkriegsgeschichte wurden
allerdings nicht verbessert. Die Verdoppelung der vom Bund an die Länder gezahlten
Kompensationsmittel von 518 Mio. € pro Jahr auf 1,036 Mrd. € für den sozialen
Wohnungsbau ist ebenso unzureichend wie die bisher nur als Gesetzentwurf vorlie-
gende degressive Abschreibung. Zum einen soll die als Förderung bezeichnete Ab-
schreibung nur in Gebieten mit den Mietenstufen IV bis VI gelten und zum anderen
entspricht die Wirkung in der vorgesehenen Ausgestaltung einer linearen Abschrei-
bung in Höhe von 3 %. Eine lineare Abschreibung in Höhe von 3 % wird aber bereits
seit Jahren als sachgerechte Abschreibung auch im Wohnungsbau gefordert, da sich
das Verhältnis von Rohbau- und Ausbaukosten grundlegend verschoben hat1. Nicht
zuletzt die erhöhten Anforderungen an Energieeffizienz und Barrierearmut von neuen
Wohngebäuden haben laufend den Aufwand für den Einbau von Haustechnik erhöht.
Die technischen Einrichtungen weisen eine erheblich geringere Lebensdauer auf als
der Rohbau, so dass heute von einer gemittelten Lebensdauer von etwa 36 Jahren
ausgegangen wird. Eine tatsächlich wirksame Förderung des Wohnungsbaus ist ge-
genwärtig nicht erkennbar.

Seit dem Frühjahr 2012 sind mit „Mietwohnungsbau in Deutschland“, „Sozialer Woh-
nungsbau“ und „Wohnen 65plus“, „Mietwohnungsbau 2.0“ und der im September
2015 veröffentlichten „Einschätzung des aktuellen und mittelfristigen Wohnungsbe-
darfs“ im Auftrage eines wechselnden Bündnisses von Verbänden (immer beteiligt
waren die DGFM, der BDB, der DMB und die IG BAU) fünf Untersuchungen des
Pestel Instituts veröffentlicht, die eine erhebliche Resonanz bei Medien und Politik
fanden. Dazu beigetragen hat sicher auch die Regionalisierung auf der Ebene der
Kreise und kreisfreien Städte Deutschlands.

Diese Untersuchung für die Gemeinde und das Amt Büchen zeigt zunächst die bun-
desweite Entwicklung in einer Art Zusammenfassung der genannten Studien. Dies
trägt dazu bei, dass der Leser die darauf folgenden Ausführungen zur Amt Büchen
im bundesrepublikanischen Kontext besser einordnen kann.

1
 vgl. Walberg, D. u.a.: Optimierter Wohnungsbau - Untersuchung und Umsetzungsbetrachtung zum bautech-
nisch und kostenoptimierten Mietwohnungsbau in Deutschland; Hrsg.: Herausgeber: Dietmar Walberg, Arbeits-
gemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e.V.; Kiel 2014

                                                                                                            1
1.2   Der Zensus 2011

Der Zensus 2011 war als EU-weite Volks- und Wohnungszählung angelegt. Rechtlich
wurde mit dem im Juli 2009 in Kraft getretenen Zensusgesetz die EG-Verordnung
763/2008 in nationales Recht umgesetzt. Die letzte Vollerhebung von Bevölkerung
und Wohnungen fand In Westdeutschland 1987 statt.

Regelmäßige Zählungen von Bevölkerung und Wohnungen sind vor allem aus zwei
Gründen sinnvoll und notwendig:

1.    Die regelmäßig durchgeführten Stichprobenerhebungen (Mikrozensus) benö-
      tigen für die Hochrechnungen auf die Länder- und Bundeszahlen eine verläss-
      liche Basis.
2.    Die Ermittlung kleinräumiger Daten ist nur über Zählungen möglich, da die
      Stichprobenerhebungen selbst bei verlässlicher Basis keine kleinräumigen
      Aussagen zulassen.

Ausgehend von der jeweils letzten Zählung werden die Zahlen anschließend regel-
mäßig (monatlich, jährlich) mit Zahlen laufender Datenerfassungen fortgeschrieben.
Bei der Bevölkerung sind dies die Geburten und Sterbefälle sowie die Umzüge
(Wanderungen) der Einwohner. Im Bereich der Wohnungen sind es teils genehmi-
gungs- und abnahmepflichtige Baumaßnahmen, teils meldepflichtige Bauten und
Baumaßnahmen.

Trotz aller Melde- und Anzeigepflichten schleichen sich im Zeitablauf wachsende Un-
sicherheiten in die Fortschreibungen ein. Bei der Bevölkerungsfortschreibung dürfte
eine erhebliche Fehlerquelle daraus resultieren, dass Menschen, die ihren Wohnsitz
dauerhaft ins Ausland verlagern wollen, nicht unbedingt an die Abmeldung am letz-
ten Hauptwohnsitz in Deutschland denken. Eine weitere typische Fehlerquelle liegt in
der, über die Jahre auch wechselnde, meldetechnische Behandlung von Asylbewer-
bern. Mit der Zuweisung in ein Asylbewerberheim wurden diese Personen überwie-
gen als Bevölkerung am Hauptwohnsitz des Standortes des Asylbewerberheims ge-
zählt. Da bei diesem Personenkreis ein „Abtauchen“ in die Illegalität nicht außerge-
wöhnlich ist, fehlt der offizielle Fortzug und die Menschen bleiben der jeweiligen Ge-
meinde statistisch erhalten. Ein Beispiel ist etwa die Gemeinde Schöppingen im Kreis
Borken (NRW). Anfang der 1990er Jahre wurde dort in einer geräumten Kaserne ein
Asylbewerberheim eingerichtet. Die Einwohnerfortschreibung auf der Basis der
Volkszählung 1987 wies zum 31.12.2011 eine Einwohnerzahl von 8.634 Personen
aus, die Fortschreibung auf der Basis des Zensus stellt für den 31.12.2011 eine Ein-
wohnerzahl von 7.169 Personen fest. Die „alte“ Fortschreibung hat die Einwohner-
zahl um gut 20 % überschätzt. Weitere Fehlerquellen gerade in Universitätsstädten
können durch Auslandssemester einheimischer Studenten, aber auch durch auslän-
dische Studenten, die sich nur kurzzeitig (aber mit erstem Wohnsitz gemeldet) in der
jeweiligen Stadt aufhalten und diese anschließend (ohne Abmeldung) wieder verlas-
sen, entstehen. Beispiele hierfür sind etwa Flensburg, Göttingen, Aachen, Tübingen
und viele andere Universitätsstädte. Weitere Fehler können natürlich auch schlicht
durch „menschliches Versagen“ entstehen. So hat z. B. der zuständige Mitarbeiter in
                                                                                    2
der Verwaltung einer kreisfreien Stadt über mehrere Jahre die Zuzüge in die Stadt
nur unvollständig an das statistische Landesamt weitergemeldet. Insgesamt lässt
sich festhalten, dass mit zunehmender Entfernung von der Zählung mit immer größe-
ren Fortschreibungsfehlern zu rechnen ist.

Bei den Wohnungen werden die früheren „sonstigen Wohneinheiten“ (Wohnungen
mussten bestimmte Kriterien erfüllen) inzwischen als Wohnung gezählt. Weiterhin
dürfte im Bereich der Wohnungsfortschreibung ein wesentlicher „Fehler“ in der zwei-
ten Hälfte der 1990er Jahre entstanden sein. Seit 1996 gilt für den Bau von Ein- und
Zweifamilienhäusern in vielen Fällen mit der „Bauanzeige“ eine vereinfachte Form
des Baugenehmigungsverfahrens. Allerdings war vor allem in den ersten Jahren
nach der Einführung dieses Verfahrens die Handhabung der Einforderung des „Sta-
tistik-Bogens“ höchst unterschiedlich. Im Ergebnis sank „statistisch“ die Zahl der fer-
tig gestellten Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern allein in Schleswig-
Holstein von 1995 auf 1996 um 1.300 Wohnungen bzw. 14 %. Insgesamt errechnet
sich für die Bundesrepublik allein für 1996 eine Untererfassung in einer Größenord-
nung von 75.000 Wohnungen. Aber auch verspätete Meldungen, Nachmeldungen
etc. können weitere Erhebungsfehler nach sich gezogen haben.

Regelmäßige Zählungen sind somit zur Schaffung von Planungsgrundlagen erforder-
lich und der Abstand zwischen den beiden letzten Zählungen war eher zu groß als zu
klein. Das bei der Wohnungszählung lediglich das von der EU geforderte „Minimal-
programm“ erhoben wurde, ist allerdings unter wohnungspolitischen Gesichtspunkten
nicht nachvollziehbar. Es hätten mit geringem Mehraufwand bei den Befragten
grundlegende Erkenntnisse zu Energieeffizienz und Barrierearmut gewonnen werden
können, die auch der Förderpolitik von Bund und Ländern eine aktuelle Datenbasis
gegeben hätte.

Auf die aktuelle Wohnungsmarktsituation haben die Zensusergebnisse selbstver-
ständlich keine Auswirkungen! Die Differenzen zwischen Fortschreibung und Realität
haben sich über Jahre hinweg aufgebaut. Es standen bundesweit nicht plötzlich
500.000 Wohnungen mehr zur Verfügung. Auch die 1,5 Mio. Menschen, die im Ver-
gleich zur Fortschreibung weniger in Deutschland lebten, haben nicht am Anfang des
Jahres 2011, also unmittelbar vor der Zählung, fluchtartig das Land verlassen. Die
vielen kleinen Fehlerquellen haben die Differenzen langsam anwachsen lassen.

Die Tatsache, dass 2011 in Hamburg 80.000 Menschen weniger wohnten als nach
der alten Fortschreibung gedacht, ändert an den realen Problemen nichts. Haushalte
mit niedrigem Einkommen finden in der Stadt keine Wohnung und werden an den
Stadtrand oder über die Stadtgrenze hinaus verdrängt. Selbst in Berlin sind derartige
Verdrängungsprozesse real vorhanden, obwohl im Vergleich zur alten Fortschrei-
bung 175.000 Menschen weniger in der Stadt wohnen. Eine Zählung ändert nichts
an auf tatsächlichen Knappheitsverhältnissen beruhenden Preiserhöhungsspielräu-
men.

                                                                                     3
Dies gilt auch für die Gemeinde und das Amt Büchen, wo der Zensus im Vergleich zu
den auf der Basis der Zählungen des Jahres 1987 fortgeschriebenen Daten eine um
1,1 % (Gemeinde Büchen) bzw. lediglich 0,6 % geringere Einwohnerzahl ergab.

                                                                               4
2        Wohnungsversorgung in Deutschland

2.1      Eigentümer des Wohnungsbestandes

In der öffentlichen Diskussion ist oftmals von „der Wohnungswirtschaft“ die Rede.
Dies vermittelt den Eindruck, als seien überwiegend Unternehmen als Anbieter der
gut 41 Mio. Wohnungen in Deutschland aktiv und die privaten Haushalte entspre-
chend als Nachfrager. Wie Abbildung 1 zeigt, bestätigen die realen Eigentumsver-
hältnisse dieses Bild nicht.

Abbildung 1:         Wohnungen nach Eigentümern

           Gemeinschaft v on
       Wohnungseigentümern

                Priv atpersonen

Wohnungsgenossenschaften

    Kommune oder kommunale
      Wohnungsunternehmen
        Priv atw irtschaftliches
       Wohnungsunternehmen
            Anderes priv atw irt-
     schaftliches Unternehmen

               Bund oder Land

            Organisation ohne
               Erw erbszw eck
                                  0     5         10         15      20         25
                                                 in Mio. Wohnungen

Quellen:     Wohnungs- und Gebäudezählung 2011

Lediglich knapp acht Millionen Wohnungen, also etwa ein Fünftel des Wohnungsbe-
standes, entfallen auf Wohnungsunternehmen. Die übrigen vier Fünftel befinden sich
im Eigentum von privaten Haushalten. Von diesen insgesamt mehr als 33 Millionen
Wohnungen werden gut 17 Millionen Wohnungen von den Eigentümern selbst be-
wohnt und die übrigen fast 16 Millionen Wohnungen sind vermietet bzw. ein sehr
kleiner Teil steht auch leer. Auch beim Mietwohnungsbestand dominieren somit die
privaten Haushalte mit rund zwei Dritteln das Angebot.

Der bereits zum Zensuszeitpunkt (Frühjahr 2011) nur noch mit gut 1,8 Millionen Woh-
nungen (4,5 % des Bestandes) ausgewiesene Leerstand dürfte sich unter Berück-
sichtigung von Wohnungsbestands-, Bevölkerungs- und Haushaltsentwicklung bis
Ende 2015 stark verringert haben. Dabei sind die Leerstände im ländlichen Raum
teils sogar noch angestiegen, während in vielen Städten Leerstände nahe Null ge-
meldet werden.

                                                                                 5
2.2         Struktur des Wohnungsbestandes

Die Anteile der verschiedenen Wohnungsgrößen am Wohnungsbestand zeigt Abbil-
dung 2. Die höchsten Anteile weisen Vierzimmerwohnungen auf. Der höhere Anteil
an Einfamilienhäusern in Westdeutschland macht sich durch im Vergleich zu Ost-
deutschland deutlich höhere Anteile bei den Wohnungen mit sechs und mehr Zim-
mern bemerkbar.

Abbildung 2:            Wohnungen nach der Zahl der Zimmer1) und dem jeweiligen
                        Anteil am Wohnungsbestand in Deutschland 2010

1 Zimmer
                                                                      Westdeutschland
                                                                      Ostdeutschland
2 Zimmer
                                                                      Deutschland

3 Zimmer

4 Zimmer

5 Zimmer

6 Zimmer

7 u. mehr
  Zimmer

            0   2   4     6   8   10   12   14   16    18   20   22     24     26   28   30   32   34   36

                                       Anteil am W ohnungsbestandes in v .H.

Quelle: Statistisches Bundesamt
1)      Zu den Wohnräumen zählen alle Zimmer (Wohn- und Schlafräume mit 6 und mehr m² Wohn-
        fläche) und Küchen. Nicht als Zimmer gelten Nebenräume wie Abstellräume, Speisekammern,
        Flure, Badezimmer und Toiletten.

Die Veränderung der Wohnungsbestände nach der Zimmerzahl von 2000 bis 2010
ist aus Abbildung 3 zu ersehen. Ein Rückgang ist lediglich bei den Ein- bis Vier-
Zimmerwohnungen in Ostdeutschland festzustellen, wo die Abrissprogramme zwi-
schenzeitlich einen stark erhöhten Wohnungsabgang ausgelöst hatten. Insgesamt ist
der Wohnungsbestand im betrachteten Zeitraum aber auch in Ostdeutschland noch
um 0,8 % angestiegen. In Westdeutschland lag der Anstieg bei 6,3 % und bundes-
weit errechnet sich eine Zunahme um 5 % von 2000 bis 2010.

                                                                                                         6
Abbildung 3:           Veränderung der Anzahl an Wohnungen nach der Zahl der Zim-
                       mer1) in Deutschland von 2000 bis 2010

 1 Zimmer

 2 Zimmer
                                                                       Westdeutschland
 3 Zimmer                                                              Ostdeutschland
                                                                       Deutschland

 4 Zimmer

 5 Zimmer

 6 Zimmer

 7 u. mehr
   Zimmer

insgesamt

             -6   -4        -2    0        2        4         6        8        10       12   14

                                 Veränderung des W ohnungsbestandes in v .H .

Quelle: Statistisches Bundesamt
1)      Zu den Wohnräumen zählen alle Zimmer (Wohn- und Schlafräume mit 6 und mehr m² Wohn-
        fläche) und Küchen. Nicht als Zimmer gelten Nebenräume wie Abstellräume, Speisekammern,
        Flure, Badezimmer und Toiletten.

Die stärksten Zuwächse sind bei Wohnungen mit fünf und mehr Zimmern zu sehen.
Auf diesen Wohnungstyp entfallen bundesweit nahezu drei Viertel der Wohnungsbe-
standszuwächse. Dies steht in engem Zusammenhang mit dem Neubau, von dem im
betrachteten Zeitraum 60 % auf Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern entfiel.

Nach wie vor ist eine deutliche Tendenz zur Zunahme der durchschnittlichen Woh-
nungsgröße zu erkennen. Seit dem Jahr 2000 ist die durchschnittliche Wohnfläche
des Bestandes an Wohnungen in Wohn- und Nichtwohngebäuden in Westdeutsch-
land von 88,5 m² auf 90,5 m² pro Wohnung angestiegen, in Ostdeutschland von
71,3 m² auf 73,4 m² pro Wohnung.

Gerade mit Blick auf die energetische Zielstellung der Politik ist die Verteilung des
Wohnungsbestandes auf Baualtersklassen von hoher Bedeutung. Bei den bis 1978
errichteten Wohnungen kann davon ausgegangen werden, dass zum Zeitpunkt des
Baus die energetische Optimierung der Gebäude nicht nur nachrangig war, sondern
keine Bedeutung hatte.

Wie Abbildung 4 zeigt, entfielen im Jahr 2006 sowohl in West- als auch in Ost-
deutschland knapp drei Viertel der Wohnungen auf diese Baualtersklasse. Der Un-
terschied zwischen den beiden Landesteilen liegt im erheblich höheren Anteil des bis

                                                                                               7
1948 errichteten Altbaus in Ostdeutschland und einem entsprechend höheren Anteil
der Nachkriegsbauphase bis 1978 in Westdeutschland. Die beiden gezeigten älteren
Baualtersklassen eint jedoch der im Vergleich zu den heutigen Anforderungen ur-
sprünglich marginale energetische Standard. Wenn das Ziel eines „Nahe Null-
Energie Wohnungsbestandes“ weiterhin angestrebt wird und die wärmetechnische
Sanierung der Wohngebäude einen wesentlichen Beitrag leisten soll, dann ist eine
erhebliche Steigerung der Sanierungsquote erforderlich. Dies dürfte ohne eine Aus-
weitung der Förderung unrealistisch sein.

Abbildung 4:          Wohnungsbestand nach Baualtersklassen in Deutschland im
                      Jahr 2011

      in v.H.
50

45

40
                                                 Westdeutschland
35
                                                 Ostdeutschland
30                                               Deutschland
25

20

15

10

 5

 0
                vor 1949       1949 bis 1978    1979 bis 1990    1991 und später

Quelle: Statistisches Bundesamt, Zensus 2011

2.3      Einflussfaktoren auf die Wohnungsversorgung

Die Versorgung der Bevölkerung mit ausreichend Wohnraum war ein politisches Ziel
höchster Priorität im Nachkriegsdeutschland. Heute wird die Notwendigkeit der staat-
lichen Wohnungsversorgung in der Regel ausschließlich auf diejenigen bezogen, die
selbst nicht in der Lage sind, ihr Grundbedürfnis „Wohnen“ am Markt zu befriedigen.
Dies hat meist finanzielle Gründe, d. h. im Rahmen der Daseinsvorsorge müssen
auch heute, trotz teils recht hohem Leerstand, private Haushalte vom Staat mit
Wohnraum „versorgt“ werden.

Für den überwiegenden Teil der privaten Haushalte wird dagegen von marktwirt-
schaftlichen Verhältnissen im Sinne eines Ausgleichs von Nachfrage und Angebot
am Wohnungsmarkt über die Preisbildung ausgegangen. Steigt die Nachfrage lokal

                                                                                   8
deutlich über das - kurzfristig meist kaum steigerungsfähige - Angebot, so werden
Preiserhöhungen ausgelöst, die dann mittelfristig eine Angebotserhöhung auslösen
sollen. Aus diesen Ausführungen wird bereits deutlich, dass es „den deutschen Woh-
nungsmarkt“ nicht gibt. Es gibt viele lokale Teilmärkte, die sich wiederum in unter-
schiedlichste Segmente aufspalten. So steht z. B. eine exklusive Penthousewohnung
in Berlin-Mitte in keinerlei Konkurrenz zur Plattenbauwohnung im Gebäudetyp
WBS70 in Berlin Marzahn.

Im Bereich der staatlichen Wohnungsversorgung müssen das angestrebte Versor-
gungsniveau (Fläche, Ausstattung) und Einkommensgrenzen definiert werden. An-
schließend sind die wesentlichen Einflussfaktoren für das quantitative Ausmaß der zu
versorgenden Haushalte zu bestimmen. Dabei sind insbesondere die Entwicklungen
am Arbeitsmarkt und der Eintritt von Jahrgängen mit gebrochenen Arbeitsbiogra-
phien in den Rentenbezug relevant.

Für die Entwicklung des übrigen Wohnungsmarktes sind als Einflussfaktoren selbst-
verständlich die demografischen Faktoren ebenso zu berücksichtigen wie die Wohn-
vorstellungen der privaten Haushalte. Allerdings kommen diese Faktoren nur dann
zum Tragen, wenn sie mit kaufkräftiger Nachfrage hinterlegt sind. Insofern ist dieser
„Wohnungsmarkt jenseits der mit öffentlichen Mitteln zu versorgenden Haushalte“ in
hohem Maße von der Höhe der vor Ort erzielbaren Einkommen und der Arbeits-
marktsituation abhängig. Hinzu kommen aber auch Veränderungen im Verhalten der
Bevölkerung. So ist die früher von den Städten gefürchtete Stadt-Umland-
Wanderung nahezu zum Erliegen gekommen. Angesichts erheblich gestiegener Mo-
bilitätskosten und dem Erfordernis einer überregionalen Mobilität im Beruf hat das
eigene Einfamilienhaus im Umland der Städte für junge Familien an Attraktivität ver-
loren. Durch dieses Verbleiben in den Städten und den weiterhin stetigen Zuzug jun-
ger Menschen wachsen gegenwärtig insbesondere die Universitätsstädte, während
sich die ländlichen Bereiche weiter ausdünnen. Diese Verhaltensänderungen haben
vielerorts bereits wieder eine neue Wohnungsknappheit aufkommen lassen.

Die Angebotsausweitung ist häufig mangels Flächen limitiert. Wie in einer Marktwirt-
schaft zu erwarten, steigen bei wachsender potenzieller Nachfrage die Preise, um
einen Ausgleich mit dem begrenzten Angebot herbeizuführen.

Weitere gelegentlich genannte Einflussfaktoren auf die Wohnungsmärkte sind eher
für die Attraktivität der Städte und damit gerade auch für die Zuzugsattraktivität ver-
antwortlich. Zu nennen sind etwa Bildungs- und Kulturangebote, der Ausbaustand
des öffentlichen Nahverkehrs, Einzelhandelsangebote, Freizeitangebote oder auch
die Entfernung zum nächsten Flughafen.

2.4   Bevölkerungsentwicklung

Die vergangenen 20 Jahre sind geprägt von einer zunehmenden Ausdifferenzierung
der Bevölkerungsverteilung. Wie die Abbildungen 5 und 6 zeigen, werden Bevölke-
rungszuwächse nur noch in Regionen realisiert, die Beschäftigungsmöglichkeiten
bieten. Die Zensusergebnisse sind in Abbildung 5 berücksichtigt.
                                                                                     9
Abbildung 5:       Entwicklung der Einwohnerzahlen in den Kreisen und kreisfrei-
                   en Städten Deutschlands von 1995 bis 2014

                                                                          LK Rostock
                                           SK Ham burg

                                                                      LK Prignitz
                             SK Brem en

           LK Em sland

                                                                                           SK Berlin
                                      Region Hannover

               SK Münster
                                                            LK Harz
                                                                                        LK Elbe-Elster
                            LK Paderborn

                              LK Schw alm -Eder-Kreis                                         SK Dresden
                                                            SK Erfurt

                                                                                       Bevölkerungsentwicklung
                                                                                       von 1995 bis 2014 in v.H.
                                                                                                         < -10
                                                                                                          < -5
Abbildung 6:       Entwicklung der Anzahl sozialversicherungspflichtig Beschäf-
                   tigter (am Arbeitsort) in den Kreisen und kreisfreien Städten
                   Deutschlands von 1995 bis 2015

                                                                          LK Rostock
                                           SK Ham burg

                              SK Brem en                              LK Prignitz

            LK Em sland

                                                                                           SK Berlin
                                       Region Hannover

               SK Münster
                                                            LK Harz
                                                                                        LK Elbe-Elster
                            LK Paderborn

                              LK Schw alm -Eder-Kreis                                         SK Dresden
                                                            SK Erfurt

                                                                                       Beschäftigtenentwicklung
                                                                                       von 1995 bis 2015 in v.H.
                                                                                                         < -10
                                                                                                           = 30

                                           LK Ostalbkreis

                                  SK Stuttgart

               LK Ortenaukreis

                                                                  SK München
         SK Freiburg i.Breisgau
                                       LK Ravensburg

Dabei hat sich gegenläufige Entwicklung insbesondere zwischen städtischen und
ländlichen Region gerade in den vergangenen Jahren zusehends beschleunigt. Ei-
nen Eindruck dieser Entwicklung innerhalb Deutschlands gibt Tabelle 1. Die Kreise
                                                                                                                   11
und kreisfreien Städte wurden entsprechend der Bevölkerungsentwicklung in fünf
Gruppen (Quintile) aufgeteilt. In der Gruppe der 80 Kreise und kreisfreien Städte mit
den relativ stärksten Einwohnerverlusten (1. Quintil) reicht die Spanne von -13,3 %
bis -5,6 % und es sind in dieser Gruppe nur neun kreisfreie Städte enthalten.

Tabelle 1:    Veränderung der Einwohnerzahl in Deutschland von 2005 bis 2014

                                                                             Siedlungs-
                   Einwohnerzahl                       Veränderung           dichte 2014
Quintil          2005         2014                 absolut      in v.H.    Einwohner/km²
1.              11.860.477  10.836.528             -1.023.949         -8,6           104,6
2.              14.416.095  13.844.679               -571.416         -4,0           194,8
3.              15.303.708  15.123.996               -179.712         -1,2           219,5
4.              17.168.611  17.411.391                242.780          1,4           248,0
5.              22.552.186  23.975.361              1.423.175          6,3           550,4
Summe           81.301.077  81.191.955               -109.122         -0,1           227,2
Quelle: Statistisches Bundesamt; eigene Berechnungen

In der Gruppe mit der stärksten Entwicklung (5. Quintil) sind 44 kreisfreie Städte ent-
halten. Die Zunahme der Einwohnerzahl reicht von 2,8 % bis 14,4 %. Ein Blick auf
die Siedlungsdichte bestätigt auch die stärkere Einwohnerentwicklung in den städti-
schen bzw. verstädterten Gebieten hoher Einwohnerdichte.

Insgesamt bestätigt diese Auswertung die Veränderung des Wanderungsverhaltens.
Eine deutlich positive Bevölkerungsbilanz weisen viele kreisfreie Städte auf und na-
türlich auch die wirtschaftlich attraktiven, d.h. Arbeitsplätze bietenden, Regionen Süd-
deutschlands, das Rhein-Main-Gebiet und der Raum Düsseldorf-Köln-Bonn. Weiter-
hin ist eine starke Entwicklungsachse vom Emsland bis Hamburg zu erkennen und
auch der Großraum Berlin gehört zu den Räumen positiver Bevölkerungsentwicklung
(vgl. Abbildung 7).

2.5    Wohnungsbau und Wohnungsbestand

Da insbesondere Westdeutschland nach dem Zuwanderungsschub um 1990 (Grenz-
öffnung in Osteuropa, Wiedervereinigung Deutschlands, hohes Zuwanderungsniveau
an Asylbewerbern) den Wohnungsbau steigern musste, wurden 1995 erstmals nach
dem Bauboom 1972/73 (auch als Flucht ins „Betongold“ bekannt) wieder mehr als
600.000 Wohnungen gebaut. Anschließend ging die Bautätigkeit bis 2009 um fast
75 % zurück. Den Wohnungsbau nach der Gebäudeart zeigt Abbildung 8. Die regi-
onalen Differenzen in der Wohnungsbestandsentwicklung sind in Abbildung 9 dar-
gestellt.

                                                                                     12
Abbildung 7:                             Entwicklung der Einwohnerzahlen in den Kreisen und kreis-
                                         freien Städten Deutschlands von 2005 bis 2014

                                                                    LK Schleswig-Flensburg

                                                                                              LK Plön

                                                                          LK Steinburg
                                                                                                                           LK Rostock

                                                            LK Cuxhaven
                             LK Aurich
                                                                                  SK Hamburg

                                                                 LK Rotenburg (Wümme)
                                                                                                LK Lüneburg

                             LK Emsland

                                                                                            LK Celle
                                                          LK Diepholz

                                                                                                  LK Gifhorn
                                                                                                                                               SK Berlin
                                                                            Region Hannover

                                                                              LK Northeim

                                               LK Soest

                                                                                                                                SK Leipzig

                                                                                                                                                      SK Dresden

                                                   LK Marburg-Biedenkopf

                                                                                                                           LK Vogtlandkreis   Bevölkerungsentwicklung
                                                                                                                                               von 2005 bis 2014 in v.H.
LK Eifelkreis Bitburg-Prüm
                                                                                                                                                                   < -6
                                                                                                                                                                   < -3
Abbildung 8:         Entwicklung des Wohnungsbaus in Deutschland von 1995 bis
                     2015
      1.000 Wohnungen
600
                                                              W ohnungen in Ein-
540                                                           und Z weif am ilienhäusern
                                                              Geschosswohnungen
480                                                           Sonstige

420

360

300

240

180

120

 60

  0
      1995    1997     1999       2001   2003   2005   2007      2009       2011      2013   2015

Quelle: Statistisches Bundesamt

Der Rückgang des Wohnungsbaus konzentrierte sich auf den Geschosswohnungs-
bau sowie auf die Maßnahmen an bestehenden Gebäuden. D.h., obwohl die höchste
Dynamik der Bevölkerungsentwicklung in Städten bzw. dem hoch verdichteten Um-
land der großen Städte festzustellen ist, ging gerade der in diesen Gebieten vorherr-
schende Geschosswohnungsbau am stärksten zurück. Aber auch der Bau von Ein-
und Zweifamilienhäusern ist gegenüber der zweiten Hälfte der 1990-er Jahre um et-
wa die Hälfte abgesenkt. Hier macht sich auch die demografische Entwicklung be-
merkbar: durchliefen die geburtenstarken Jahrgänge in den 1990-er Jahren die Pha-
se der höchsten Nachfrage nach dieser Gebäudeart (30 bis etwa 45 Jahre), so ist
diese Altersgruppe heute rund 25 % schwächer. Zudem werden immer mehr Be-
standsgebäude angeboten, da Jahrgänge mit einem sehr hohen Anteil an Wohnei-
gentum im Ein- und Zweifamilienhaus die Phase der Haushaltsauflösung erreichen.

Dies wird in Abbildung 9 bestätigt. Auch Regionen mit teils bereits deutlich abneh-
mender Bevölkerung wiesen noch Zuwächse beim Wohnungsbestand auf. Trotz der
insgesamt für die vergangenen 16 Jahre noch feststellbaren Singularisierung - ins-
besondere im ländlichen Raum - deuten schon die regionalen Entwicklungen von
Bevölkerung und Wohnungsbau auf wachsende Leerstände im ländlichen Raum bei
gleichzeitigen Wohnungsverknappungen in städtischen Regionen und dort vor allem
in Großstädten an.

                                                                                              14
Abbildung 9:       Wohnungsbestandentwicklung in Deutschland von 1995 bis
                   2014

                                                                           LK Rostock
                                            SK Ham burg

                               SK Brem en                              LK Prignitz

             LK Em sland

                                                                                            SK Berlin
                                        Region Hannover

                SK Münster
                                                             LK Harz
                                                                                         LK Elbe-Elster
                             LK Paderborn

                               LK Schw alm -Eder-Kreis                                         SK Dresden
                                                             SK Erfurt

                                                                                     Wohnungsbestandsentwicklung
                                                                                        von 1995 bis 2014 in v.H.
Städte konzentrierende Nettozuwanderung von mehr als voraussichtlich 1,4 Mio.
Personen im Jahr 2015 wohnungsseitig zu verarbeiten.

Abbildung 10: Wohnungsmarktsituation in Deutschland Ende 2015

                                                                          LK Rostock

                                           SK Hamburg

                                                                      LK Prignitz
                             SK Bremen

            LK Emsland

                                                                                          SK Berlin
                                      Region Hannover

               SK Münster
                                                            LK Harz
                                                                                       LK Elbe-Elster
                            LK Paderborn

                              LK Schwalm-Eder-Kreis                                           SK Dresden
                                                            SK Erfurt

                                                                                       Wohnungsmarktsituation
                                                                                               Ende 2015
                                                                                               sehr starkes Defizit
                                                                                                    starkes Defizit
                                                                                                      ausgeglichen
                                                                                                 leichter Überhang
                                                                                                 starker Überhang
                                                                                    LK Cham

                                           LK Ostalbkreis

                                  SK Stuttgart

               LK Ortenaukreis

                                                                 SK München
         SK Freiburg i.Breisgau
                                       LK Ravensburg

                                                                                                                      16
3     Die Entwicklung in der Gemeinde und dem Amt Büchen bis zum
      Jahr 2015

3.1   Beschäftigung

Als Grundlage für die Bevölkerungsmodellrechnungen muss als ökonomischer Pa-
rameter die Arbeitsplatzentwicklung einbezogen werden, weil insbesondere für die
großräumigen Wanderungsbewegungen die wirtschaftliche Entwicklung einer Region
entscheidend ist, wie die Abbildungen 5 und 6 gezeigt hatten.

Zur Abbildung der Beschäftigungssituation werden nur die sozialversicherungs-
pflichtig Beschäftigten herangezogen. Die im Vergleich zur Betrachtung der Er-
werbstätigen durch die Ausblendung insbesondere der Beamten und der Selbst-
ständigen entstehende Unschärfe kann hingenommen werden, weil die sozialver-
sicherungspflichtig Beschäftigten nach wie vor den weitaus größten Anteil an den
Erwerbstätigen stellen, in diesem Bereich immer die aktuellsten Daten verfügbar sind
und durch eine Veränderung der Definition der Erwerbstätigen die Vergleichbarkeit
der Daten im Zeitablauf nicht mehr gegeben ist. Die Entwicklung der Beschäftigten
im Amt Büchen und in der Gemeinde Büchen seit 1995 zeigen die Tabellen 2a und
2b.

                                                                                 17
Tabelle 2a:     Entwicklung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im
                Amt Büchen von 1995 bis 2015

Jahr                      sozialversicherungspflichtig Beschäftigte         Erwerbs-
                am Arbeitsort Einpendler Auspendler Saldo am Wohnort        fähige *)
 1995               3.102        2.127       3.160       -1.033     4.135     8.074
 1996               2.971        2.093       3.236       -1.143     4.114     8.099
 1997               2.715        1.933       3.218       -1.285     4.000     8.098
 1998               2.653        1.902       3.248       -1.346     3.999     8.179
 1999               2.721        1.975       3.258       -1.283     4.004     8.181
 2000               2.587        1.868       3.323       -1.455     4.042     8.130
 2001               2.522        1.807       3.342       -1.535     4.057     8.053
 2002               2.561        1.877       3.363       -1.486     4.047     8.046
 2003               2.463        1.802       3.330       -1.528     3.991     8.003
 2004               2.381        1.756       3.398       -1.642     4.023     8.008
 2005               2.386        1.773       3.447       -1.674     4.060     7.996
 2006               2.372        1.747       3.530       -1.783     4.155     7.979
 2007               2.415        1.780       3.635       -1.855     4.270     8.045
 2008               2.520        1.893       3.782       -1.889     4.409     8.099
 2009               2.548        1.906       3.822       -1.916     4.464     8.172
 2010               2.554        1.928       3.902       -1.974     4.528     8.249
 2011               2.673        1.991       3.977       -1.986     4.659     8.329
 2012               2.841        2.117       4.063       -1.946     4.787     8.325
 2013               2.808        2.088       4.128       -2.040     4.848     8.314
 2014               3.013        2.261       4.257       -1.996     5.009     8.357
 2015               3.102        2.351       4.419       -2.068     5.170     8.459
 Veränder.            0           224        1.259       -1.035     1.035      385
 in v.H.             0,0          10,5        39,8       100,2       25,0      4,8
*) 18 bis unter 65 Jahre

Im Amt Büchen hat sich zum 30.6.2015 exakt wieder die Zahl an Arbeitsplätzen für
sozialversicherungspflichtig Beschäftigte eingestellt, die auch für den 30.6.1995 aus-
gewiesen war. Die Entwicklung war aber nicht von einer durchgehenden Stagnation
gekennzeichnet. Nach 1995 erfolgte zunächst ein starker Arbeitsplatzabbau und bis
zum Jahr 2006 war nahezu ein Viertel der Arbeitsplätze verschwunden. Anschlie-
ßend setzte eine Wachstumsdynamik ein, die dann bis 2015 den „alten“ Stand an
Arbeitsplätzen wieder hervorbrachte. Trotz dieser in der Summe gleichbleibenden
Beschäftigung vor Ort stieg die Zahl der im Amt Büchen wohnenden Beschäftigten
um 25 % (gut 1.000 Personen) an. Da parallel die Zahl der Erwerbsfähigen lediglich
um knapp 400 Personen anstieg, stieg der Anteil der sozialversicherungspflichtig Be-
schäftigten an den Erwerbsfähigen von 51 % auf 61 %.

Im Jahr 2015 arbeiteten von den 5.170 im Amt Büchen wohnenden Beschäftigten nur
knapp 15 % auch in Büchen. Im Jahr 1995 lag dieser Wert noch bei fast 24 %. Hier
bestätigt sich die bundesweit erkennbare kontinuierliche Ausweitung des Berufspen-
delns, d.h. der immer stärkeren Abweichung des Arbeitsortes vom Wohnort. Insge-
samt hat sich der Auspendlerüberschuss seit 1995 auf mehr als 2.000 Personen ver-
doppelt.

                                                                                        18
Im Gegensatz zum Amt Büchen zeigt sich bei einer separaten Betrachtung der Ge-
meinde Büchen ein leichter Einpendlerüberschuss. Mit 2.303 Beschäftigten am Ar-
beitsort stellt die Gemeinde Büchen fast 75 % der Arbeitsplätze im Amt Büchen.

Tabelle 2b:      Entwicklung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in
                 der Gemeinde Büchen von 1995 bis 2015

Jahr                    sozialversicherungspflichtig Beschäftigte         Erwerbs-
              am Arbeitsort Einpendler Auspendler Saldo am Wohnort        fähige *)
1995             2.215         1.450       1.166         284      1.931     3.520
1996             2.146         1.469       1.171         298      1.848     3.497
1997             1.890         1.308       1.148         160      1.730     3.494
1998             1.849         1.293       1.202          91      1.758     3.504
1999             1.834         1.285       1.207          78      1.756     3.503
2000             1.747         1.209       1.260         -51      1.798     3.410
2001             1.757         1.233       1.256         -23      1.780     3.358
2002             1.797         1.285       1.256          29      1.768     3.335
2003             1.693         1.203       1.244         -41      1.734     3.288
2004             1.653         1.186       1.275         -89      1.742     3.298
2005             1.668         1.204       1.261         -57      1.725     3.303
2006             1.679         1.217       1.302         -85      1.764     3.283
2007             1.748         1.275       1.342         -67      1.815     3.351
2008             1.835         1.354       1.403         -49      1.884     3.399
2009             1.849         1.365       1.425         -60      1.909     3.417
2010             1.860         1.387       1.456         -69      1.929     3.448
2011             1.881         1.395       1.510        -115      1.996     3.464
2012             2.056         1.537       1.522          15      2.041     3.463
2013             2.107         1.586       1.548          38      2.069     3.461
2014             2.186         1.653       1.612          41      2.145     3.466
2015             2.303         1.730       1.637          93      2.210     3.460
Veränder.          88           280         471         -191       279       -60
in v.H.           4,0           19,3        40,4        -67,3      14,4      -1,7

Die Arbeitsplätze in der Gemeinde Büchen sind zu 75 % von Einpendlern besetzt.
Zwar kann für den aktuellen Zeitpunkt davon ausgegangen werden, dass die Ein-
pendler ihren gewünschten Wohnort gefunden haben. Mittelfristig ergeben sich aber
im Rahmen von Neubesetzungen von Arbeitsplätzen in Büchen angesichts der heute
hohen Mobilitätskosten Zuzugspotenziale für die Gemeinde. Die hohe Zahl an Aus-
pendlern gerade auch im Amt Büchen insgesamt birgt natürlich grundsätzlich ebenso
die Gefahr einer Abwanderung aus Büchen. Allerdings dürften die gute verkehrs-
technische Anbindung an Hamburg bei guter Infrastruktur und bezahlbarem Wohn-
raum vor Ort die wesentlichen Gründe für die Wahl des Wohnstandortes Gemeinde
oder Amt Büchen durch die heutigen Auspendler gewesen sein. Diese Attraktivitäts-
merkmale gilt es somit aufrecht zu erhalten, um der Gefahr von Abwanderungen ent-
gegen zu treten.

                                                                                      19
3.2      Bevölkerung

Die Entwicklung der Gesamtbevölkerung (Personen mit Hauptwohnsitz) und deren
Veränderungsparameter zeigen für das Amt Büchen Abbildung 11 seit 1987 und
Tabelle 3 seit 1995. Die Wachstumsphasen rund um das Wiedervereinigungsjahr,
kurz nach der Jahrtausendwende und die jüngste Zuwanderungswelle sind klar
sichtbar.

Abbildung 11:       Bevölkerungsentwicklung in der Amt Büchen von
                    1987 bis 2015
      Einwoh ner                                                  Geburten, Sterbefälle
      in 1.000 Personen                                          un d W anderungssaldo
15                                                                                     520
14                                                                                    480
13                                                                                    440
12                                                                                    400
11                               Bevölkerung in sgesamt Geburten                      360
10                               Sterb efälle           W an derun gssald o           320
9                                                                                     280
8                                                                                     240
7                                                                                     200
6                                                                                     160
5                                                                                     120
4                                                                                     80
3                                                                                     40
2                                                                                     0
1                                                                                     -40
0                                                                                     -80
     1987 1989 1991 1993 1995 1997 1999 2001 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015

Während bis kurz nach der Jahrtausendwende noch ein recht ausgewogenes Ver-
hältnis zwischen Geburten und Sterbefällen zu erkennen ist, dominieren inzwischen
die Sterbefälle deutlich. Der Sterbeüberschuss liegt gegenwärtig in einer Größenord-
nung zwischen 40 und 60 Personen pro Jahr. Entscheidend für die Erhöhung der
Einwohnerzahl waren die Wanderungsgewinne. Allein in den sieben Jahren von
1988 bis 1994 hatte das Amt Büchen in der Summe eine Nettozuwanderung von
knapp 1.800 Personen. In den Jahren 2002 und 2003 erreichte die Nettozuwande-
rung ebenso knapp 400 Personen wie in den Jahren 2014 und 2015.

                                                                                       20
Tabelle 3:     Gesamtbevölkerung, Geburten, Sterbefälle und Wanderungssaldo
               von 1995 bis 2015 im Amt Büchen*)

Jahr            Gesamtbe-          Gebur-         Sterbe-       Natürlicher      Wanderungs-
                völkerung           ten            fälle          Saldo             saldo
1995              12.515              -              -                -                -
1996              12.637            153             138              15              107
1997              12.733            143             150              -7              103
1998              12.897            146             157             -11              175
1999              13.051            124             153             -29              183
2000              13.111            123             117               6               54
2001              13.108            115             123              -8               5
2002              13.081            127             115              12              -39
2003              13.277            104             150             -46              242
2004              13.395            103             125             -22              140
2005              13.443            107             121             -14               62
2006              13.446             93             146             -53               56
2007              13.483            101             147             -46               83
2008              13.562             86             142             -56              135
2009              13.621            106             131             -25               84
2010              13.599             83             145             -62               40
2011              13.587             91             127             -36               24
2012              13.552             96             152             -56               21
2013              13.545             89             156             -67               60
2014              13.632             96             156             -60              147
2015              13.818             98             147             -49              235
Veränder./
Summe               1.303                                           -614              1.917
in v.H.             10,4                                            -4,9              15,3
*) eigene Berechnung; Verteilung der „Zensusdifferenz“ auf den Zeitraum 1987 bis 2011; siehe Vor-
bemerkung; Werte für 2015 geschätzt

Bei der Betrachtung der Entwicklung in der jüngeren Vergangenheit seit 1995 zeigt
sich der überwiegend negative natürliche Saldo zwischen Geburten- und Sterbe-
fällen, der in der Summe zu einem Bevölkerungsverlust von gut 600 Personen ge-
führt hat. Der positive Wanderungssaldo von mehr als 1.900 Personen hat diesen
Sterbeüberschuss mehr als ausgeglichen. In der Summe gewann das Amt Büchen
gut 1.000 Personen bzw. 10,4 % der Einwohnerzahl des Jahres 1995 hinzu.

In der Gemeinde Büchen (vgl. Abbildung 12) war die Dynamik über den Gesamtzeit-
raum ähnlich wie im Amt Büchen insgesamt. Der im Amt zu verzeichnende deutliche
Anstieg der Wanderungsgewinne in den Jahren 2014 und 2015 ist allerdings in der
Gemeinde nach festzustellen. Seit dem Jahr 1994 bewegt sich die Einwohnerzahl in
der Gemeinde Büchen mit einer maximalen Abweichung von +-2,5 % um den Mittel-
wert von 5.563 Personen.

Der relative Sterbeüberschuss lag mit durchschnittlich 0,36 % pro Jahr in den letzten
6 Jahren geringfügig niedriger als im Amt Büchen insgesamt (0,4 % pro Jahr). Wie
Abbildung 13 zeigt, ist der Altersaufbau im Amt und in der Gemeinde Büchen nahe-

                                                                                              21
zu identisch. Deutlich ausgeprägt dominieren die inzwischen in der Spitze etwa 50
Jahre alten geburtenstarken Jahrgänge der 1960-er Jahre das Bild.

Abbildung 12: Bevölkerungsentwicklung in der Gemeinde Büchen von
              1987 bis 2015
                                                                              Geburten, Sterbefälle
           Einwo hner                                                        u nd Wand eru ngssaldo
 7000                                                                                              200

 6300                                                                                             160

 5600                                                                                             120

 4900                                                                                             80

 4200                                                                                             40

 3500                                                                                             0

 2800                                                                                             -40

 2100                                                                                             -80
                    B evölkeru ng insg esamt Geburten
 1400               Sterbefälle              W anderun gssaldo                                    -120

  700                                                                                             -160

     0                                                                                            -200
         1987 1989 1991 1993 1995 1997 1999 2001 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015

Abbildung 13: Altersstruktur der Bevölkerung in der Gemeinde und dem Amt
              Büchen im Jahr 2015
            Alter
85 u.ält.
 80 - 81
 75 - 76
 70 - 71
 65 - 66
 60 - 61
 55 - 56
 50 - 51
                                                      Gemeind e
 45 - 46                                               Büchen
 40 - 41
                     Amt
 35 - 36            Büchen
 30 - 31
 25 - 26
 20 - 21
 15 - 16
 10 - 11
   5-6
   0-1
            12       10      8      6      4      2        0         2   4     6       8     10        12
                                                       in Promille
                                 Männer                                      Frauen

                                                                                                      22
3.3     Bautätigkeit und Wohnungsbestand

Wohnungsbau erfolgt auf Grund eines bestehenden demographischen Nachfrage-
drucks oder zum Ersatz qualitativ ungenügender Altbestände. Die Entwicklung im
Amt Büchen zeigt Abbildung 14 ab 1987. Die Zunahme der Bautätigkeit in der ers-
ten Hälfte der 1990-er Jahre war die unmittelbare Reaktion auf die starken Zuwande-
rungen dieser Zeit.

Seit dem Jahr 2000 sind erhebliche Schwankungen beim Wohnungsbau festzustel-
len. Die starken Ausschläge nach oben in den Jahren 2004, 2007 und 2010 deuten
auf eine nach wie vor hohe Attraktivität als Wohnstandort hin. Ein praktisch nicht
stattfindender Neubau in anderen Jahren ist entweder ein reales Problem mangeln-
der Baulandflächen oder es handelt sich im Wesentlichen um ein Problem der statis-
tischen Erfassung, d. h. eine relativ kontinuierliche Bautätigkeit wurde diskontinuier-
lich dem statistischen Landesamt gemeldet.

Abbildung 14: Bautätigkeit von 1987 bis 2015 im Amt Büchen

      Wohnungen
200
                                                W ohnungen in Ein-
180                                             und Z weif am ilienhäusern
                                                Geschosswohnungen
160                                             Sonstige

140

120

100

 80

 60

 40

 20

  0
      1987   1989   1991   1993   1995   1997    1999   2001    2003   2005   2007   2009   2011   2013   2015

Die Wohnungszählung im Jahr 2011 ermittelte für das Amt Büchen einen Leerstand
von 3,1 %. Dabei ist zu berücksichtigen, dass im Vergleich etwa zur Zählung 1987
(damaliger Leerstand in Büchen 2,4 %) heute von einem erheblich höheren geplan-
ten Leerstand wegen Modernisierungen auszugehen ist, die ausgewiesene Quote
lag somit im Rahmen der für Umzüge der privaten Haushalte und notwendige Mo-
dernisierungen erforderlichen Reserve. Zum Zeitpunkt des Zensus dürften in Büchen
die im vergangenen Jahrzehnt zeitweise bestehenden Vermarktungsprobleme gera-
de überwunden gewesen sein. Der wachsende Zuzugsdruck in Hamburg strahlte
bereits 2011 wieder zunehmend auf gut angebundene Städte und Gemeinden aus.

                                                                                                           23
In der Gemeinde Büchen war der Leerstand im Jahr 2011 mit 2,3 % etwa auf dem
Niveau des Jahren 1987 (2,2, %).

Die Baualtersstruktur des Wohnungsbestandes in Büchen ist in Abbildung 15 im
Vergleich zum Land Schleswig-Holstein sowie zum Kreis Herzogtum Lauenburg aus-
gewiesen. Die Unterschiede zum Land sind sehr gering. Es wird aber deutlich, welch
hohen Anteil auch in Büchen Gebäude aus der Wiederaufbauphase und den 1970er
Jahren haben; einer Zeit, in der die Energieeffizienz beim Neubau von Wohnungen
praktisch keine Rolle spielte. Weniger als 10 % des Wohnungsbestandes wurden ab
dem Jahr 2000 gebaut. Auch wenn ein Teil der Wohngebäude energetisch bereits
saniert wurde, so dürften sich in Büchen noch erhebliche Einsparpotenziale bieten.

Abbildung 15:         Wohnungsbestand nach Baualtersklassen im Land Schleswig-
                      Holstein, dem Kreis Herzogtum Lauenburg sowie der Gemein-
                      den und dem Amt Büchen 2011 in v. H.

      in v.H.
50

                                                              Amt Büchen
                                                              Gemeinde Büchen
40
                                                              Kreis Herzogtum Lauenburg
                                                              Schleswig-Holstein

30

20

10

 0
          bis 1918      1919-1948   1949-1978     1979-1990     1991-2000    2001 u.später

                                        Baualtersklasse

Quelle: Zensus 2011

3.4      Private Haushalte und Wohnungsmarktsituation

Die Anzahl der privaten Haushalte (vgl. Abbildung 16) wird in den laufenden Fort-
schreibungen des Statistischen Landesamtes nicht erfasst. Da mit dem Zensus 2011
relativ aktuelle Haushaltszahlen zur Verfügung stehen und mit der Volkszählung
1987 ein weiterer gesicherter Stützzeitpunkt gegeben ist, lässt sich das eingesetzte
Modell zur Entwicklung der privaten Haushalte auf der Ebene der Gemeinden justie-
ren. Die Werte zwischen den Zählungen beruhen auf Modellrechnungen, die im We-
sentlichen davon ausgehen, dass die festgestellte „Verkleinerung“ der Haushalte

                                                                                             24
(Singularisierung) bei ausreichender Verfügbarkeit von Wohnungen ein kontinuierli-
cher Prozess gewesen wäre (was die vierjährlichen Stichprobenerhebungen auf Län-
derebene (ehemals Wohnungsstichprobe; heute Mikrozensus-Zusatzerhebung Woh-
nen) bestätigen). Bei mangelnder Verfügbarkeit von Wohnungen wird der Zuzug von
Haushalten gebremst oder sogar die Haushaltsbildung Einheimischer behindert.

Ursächlich für den stetigen Rückgang der durchschnittlichen Anzahl erwachsener
Personen je Haushalt (Singularisierung) sind die sinkende Heiratsneigung, das frühe-
re Lösen der Kinder aus dem Haushalt der Eltern und die zunehmende Zahl der Wit-
wenhaushalte durch die schneller ansteigende Lebenserwartung von Frauen.

Seit 1987 hat sich nach diesen Berechnungen die Zahl der Haushalte im Amt Bü-
chen um mehr als 50 % auf über 6.200 erhöht (bei einer Zunahme der Einwohner-
zahl um 29 %), weil sich die durchschnittliche Haushaltsgröße gegenüber 1987 er-
heblich verringert hat. Wie bereits um das Jahr 1990 deutet sich auch aktuell wieder
eine Verlangsamung der Haushaltsverkleinerung durch einen Wohnungsmangel an.
Hier kann auch Wohnungsknappheit in Hamburg die Haushaltsgröße in Büchen be-
einflussen, wenn etwa erwachsene Kinder länger im Haushalt der in Büchen woh-
nenden Eltern bleiben.

Abbildung 16:      Entwicklung der Anzahl privater Haushalte sowie der Zahl der
                   Einwohner je Haushalt in der Gemeinde und im Amt Büchen

       Haushalte                                                   Personen je Haushalt
6600                                                                                      2,7

6000                                                                                      2,6

5400                                                                                      2,5

4800                                                                                      2,4

4200                                                                                      2,3

3600                                                                                      2,2

3000                                                                                      2,1

2400                                                                                      2

1800                                                                                      1,9
                       private Haushalte       private Haushalte
1200                   Amt Büchen              Gemeinde Büchen                            1,8
                       Einwohner je Haushalt   Einwohner je Haushalt
 600                   Amt Büchen              Gemeinde Büchen                            1,7

   0                                                                                      1,6
       1987 1989 1991 1993 1995 1997 1999 2001 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015

Nachdem wegen der um 1990 sehr starken Zuwanderungen auch für das Amt Bü-
chen für den Zeitraum bis in die zweite Hälfte der 1990-er Jahre von einem Woh-
nungsdefizit ausgegangen werden konnte, herrschte anschließend eher ein ausge-

                                                                                          25
glichener Markt mit einer leichten Tendenz zu Überhängen vor. Die Vermarktung von
Wohnungen dürfte sich vor allem in der Phase von 2000 bis 2010 deutlich schwieri-
ger gestalten haben als in der ersten Hälfte der 1990er Jahre. Inzwischen muss aber
bei hohen Zuwanderungen und niedriger Bautätigkeit wieder von einer beeinträchtig-
ten Haushaltsbildung und dem Aufbau eines deutlichen Wohnungsdefizits ausge-
gangen werden.

3.5   Expertenbefragung

Im Rahmen der Arbeiten wurden Experteninterviews zur Wohnungsmarktsituation in
Büchen durchgeführt. In kurzen, meist fünfzehnminütigen Telefoninterviews wurden
15 Experten (männlich wie weiblich) aus den Bereichen Stadtverwaltung, Stadtpolitik
und Immobilienwirtschaft anhand eines vorgegebenen Leitfadens um ihre Einschät-
zung des Büchener Wohnungsmarktes gebeten. Die Antwortmöglichkeiten waren
teilweise vorgegeben; andere Fragen wurden frei beantwortet. Die Ergebnisse wer-
den im Folgenden zusammengefasst.

Die Situation in bestimmten Segmenten des Büchener Wohnungsmarktes sollte zu-
nächst anhand der Kategorien „angespannt“, „ausgeglichen“ und „entspannt“ bewer-
tet werden. Bei Mietwohnungen, und dort vor allem für kleine, preisgünstige Woh-
nungen, wurde mit hoher Übereinstimmung ein zu geringes Angebot bei gleichzeitig
hoher Nachfrage festgestellt. Dies stellt insbesondere einkommensschwache Haus-
halte vor das Problem, preisgünstigen Wohnraum zu finden. Dies betrifft sowohl ge-
ring verdienende Berufstätige (Alleinerziehende) als auch Senioren mit niedriger
Rente. Als Ursachen für die bestehenden Engpässe auf dem Mietmarkt wurden wie-
derholt folgende Gründe angeführt:

-     Es ist zu beobachten, dass ältere Einwohner das bislang genutzte Eigenheim
      verkaufen und kleinen, übersichtlichen, dabei gerne barrierefreien und infra-
      strukturell günstig gelegenen Wohnraum in Büchen suchen. Diese Bedarfe
      sind derzeit aus dem Bestand nicht zu erfüllen, auch aufgrund baulicher Be-
      sonderheiten (hoher Anteil an Hochparterre-Häusern).
-     Sozial geförderter Wohnraum wurde in der Vergangenheit nicht neu geschaf-
      fen; ehemalige derartige Wohnungen sind bereits aus der Sozialbindung her-
      ausgefallen. Fördermöglichkeiten wurden nicht genutzt, was auch der wider-
      sprüchlichen Politik des Landesministeriums angelastet wird.
-     Der Flüchtlingszuzug wird, so die Einschätzung, in näherer Zukunft die Situati-
      on verschärfen, wenn Flüchtlinge und Asylbewerber aus den Massenunter-
      künften allein oder als Familien in Wohnungen untergebracht werden sollen
-     Angeführt wurde zudem, dass die weitere Bebauung des Büchener Ortskerns
      lange Zeit nicht möglich war; eine Erweiterung des Ortsgebietes zugleich von
      der Landeskommunalaufsicht untersagt wurde. Neubau im Mietwohnungsbe-
      reich war entsprechend kaum möglich.

Der Eigentumsmarkt – sowohl hinsichtlich Eigentumswohnungen als auch Einfamili-
enhäusern – wurde positiver bewertet, wenn auch Kaufinteressenten mit teils langen
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