Bistum Hildesheim Geschäftsbericht

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Bistum Hildesheim Geschäftsbericht
Bistum Hildesheim
Geschäftsbericht
Bistum Hildesheim Geschäftsbericht
Inhalt

3                                           16-19
Vorwort                                     Schwerpunkt Pastoral
                                            Die Sichtweisen verändern – Wegmarken

4-6                                         pastoral entfalten
                                            Digital ist das neue lokal
Jahresabschluss 2020, G+V,
Kirchensteuerentwicklung 2011-2022
                                            20-23
7                                           Schwerpunkt Caritas
                                            Nöte ernst nehmen – Fachberatung in der
                                            Corona-Pandemie besonders gefragt
Bilanz
                                            Vergewisserung im Alltag – Caritas hilft
                                            Kitas vor Ort
8
Ausblick, Chancen, Risiken, Prognosen       24-29
                                            Schwerpunkt: Zahlen und Fakten
10-11                                       Gliederung
                                            Bistumskarte
Stichwort: Kirchengemeinden                 Statistiken Zahlen Priester, Mitarbeitende,
Hilfe für die Ehrenamtlichen – Ausbau der   Sakramentenspendungen, Gottesdienst-
Verwaltungsstrukturen geht voran            besuche, Beerdigungen, Austritte

12-15                                       30-55
Schwerpunkt Bildung                         Bistum Hildesheim
Hildesheimer Schullandschaft im Wandel      Lagebericht
– Vermögensverwaltungsrat billigt           Jahresabschluss
Investitionen von 28,3 Millionen Euro       Bestätigungsvermerk des Abschlussprüfers
Zwei Traditionsgymnasien – Wie gelingt
die Fusion?                                 56-71
                                            Bischöflicher Stuhl
                                            Lagebericht
                                            Jahresabschluss
                                            Bestätigungsvermerk des Abschlussprüfers

                                            72-79
                                            Jahresabschlüsse Stiftungen
                                            Lagebericht
                                            Jahresabschluss
                                            Bestätigungsvermerk des Abschlussprüfers
Bistum Hildesheim Geschäftsbericht
Vorwort

                                                          Darüber hinaus gibt der Geschäftsbericht eine Über-
                                                          sicht über die aktuelle wirtschaftliche Lage des Bistums
                                                          Hildesheim und des Bischöflichen Stuhls. Dabei hat das
                                                          Jahr 2020 unter dem Eindruck der Corona-Pandemie
                                                          in besonderer Weise gezeigt, wie schwierig es sich ge-
                                                          staltet, eine unsichere Zukunft durch Prognosen zu er-
                                                          schließen. Zu Beginn des Jahres war im Vergleich zum
                                                          Vorjahr bundesweit ein Rückgang der Kirchensteuer-
                                                          einnahmen um minus 15 bis 20 Prozent angenommen
                                                          worden. Diese Prognosen sollten nach heutigem Wis-
                                                          sen glücklicherweise nicht eintreten. Das Bistum Hil-
                                                          desheim verzeichnet zwar noch immer ein Minus im
                                                          Bereich der Kirchensteuereinnahmen, doch fiel dieses
                                                          mit etwa 3,7 Prozent geringer aus als befürchtet.

                                                          Diese Abweichung führt zwei entscheidende Aspekte
Liebe Leserinnen und Leser,                               vor Augen: Zum einen ist es in Krisenzeiten sehr he-
                                                          rausfordernd, belastbare Prognosen anzustellen, da
                                                          Erfahrungswerte aus der Vergangenheit häufig unter
das Bistum Hildesheim befindet sich im Wandel. An         anderen Vorzeichen entstanden sind. Zum anderen ist
vielen Orten entstehen neue und innovative Formen         es jedoch gerade angesichts großer Unsicherheit uner-
kirchlichen Lebens, die von sozial ausgerichteten         lässlich, mögliche Risiken einzuschätzen und bei Ent-
Stadtteilinitiativen über ökumenische Projekte bis        scheidungen zu berücksichtigen. Denn nur so können
hin zu Hauskirchen und neuen Gemeindeformen rei-          wir sicherstellen, den Kernanforderungen unseres
chen. Gemeinsam mit den traditionellen Formen von         kirchlichen Sendungsauftrags als Bistum Hildesheim
Kirche, die auch in Zukunft ihre Bedeutung behalten       auch im Ernstfall gerecht zu werden.
werden, vermitteln sie bereits heute ein Bild, wie die
Kirche von morgen aussehen kann.                          Die gedruckte Ausgabe des Geschäftsberichts haben
                                                          wir in diesem Jahr etwas schmaler gestaltet, um die
Unsere Erfahrungen der vergangenen Jahre haben da-        Schwerpunkte des vergangenen Jahres hervorzuhe-
bei gezeigt, dass sich die Zukunft der Kirche an einer    ben und einzuordnen. Die vollständigen Angaben, wie
zentralen Frage entscheiden wird: Wie kann es uns ge-     gewohnt nach dem Standard des HGB, können Sie auf
lingen, die Menschen vor Ort und auf den vielfältigen     der Website des Bistums einsehen (www.bistum-hil-
Wegen zur Seite zu stehen, auf denen sie heute das        desheim.de/geschaeftsbericht).
Evangelium bezeugen. Damit rückt die Frage, wie wir
christliche Gemeinschaften nicht sowohl in Gemein-        Bei all jenen, die uns auch im vergangenen Jahr auf die-
den und Einrichtungen als auch in ihren vielfältigen      sem Weg unterstützt haben, möchte wir uns an dieser
neuen Gestalten unterstützen können, auch in den          Stelle herzlich bedanken. Sei es durch Ihren Dienst,
Mittelpunkt der wirtschaftlichen Entscheidungen des       Ihr Engagement, eine Spende oder Ihre Kirchensteuer
Bistums.                                                  – ohne Ihre Unterstützung wäre unsere Arbeit nicht in
                                                          der gleichen Form möglich gewesen.
Mit diesem Geschäftsbericht möchten wir Ihnen einen
Einblick in diese Entscheidungen gewähren und ins-        Wir wünschen Ihnen eine spannende und informative
besondere auch zeigen, wie sich diese im vergangenen      Lektüre!
Jahr konkret auf die kirchliche Arbeit im Bistum Hil-
desheim ausgewirkt haben. Dabei hat sich insbeson-
dere gezeigt, dass bei der Förderung des lokalen kirch-
lichen Lebens und der Menschen, die dieses durch ihr
Engagement prägen, Fragen aus den Bereichen der
Bildungsarbeit und der Immobilien von besonderer          Martin Wilk		                 Anja Terhorst
Bedeutung sind.                                           Generalvikar		                Finanzdirektorin

                                                                                                                3
Bistum Hildesheim Geschäftsbericht
Jahresabschluss 2020
    Vorweg erklärt:                                                Die Kirchensteuereinnahmen
    Das Bistum Hildesheim hat sich verpflichtet, konsequent        Circa 90 Prozent der Einnahmen des Bistums bestehen
    die Standards kaufmännischer Buchführung und die Vor-          aus den Kirchensteuereinnahmen. Das Jahr 2019 war mit
    schriften des Handelsgesetzbuches (HGB) anzuwenden,            Kirchensteuern in Höhe von 188,3 Mio. Euro brutto das
    um Transparenz und Vergleichbarkeit anzubieten. Hierzu         einnahmenstärkste Jahr der vergangenen zehn Jahre. Das
    gehört auch eine Prüfung durch eine externe Wirtschafts-       Geschäftsjahr 2020 schließt mit Kirchensteuereinnahmen
    prüfungsgesellschaft, die ihr Prüfungsurteil in einem          in Höhe von 174,2 Mio. Euro netto.
    sogenannten Bestätigungsvermerk dokumentiert.

           Kirchensteuerentwicklung 2011-2020                                                                         Gesamt

           200.000

           180.000
                                                                                                               162.992
           160.000                                                                          152.585
                                                                         146.369
                                                   138.101
           140.000                                                                                          134.191
                             125.487                                                     126.774
                                                                    121.150
           120.000                            114.397
                         105.259
           100.000

            80.000

            60.000

            40.000
                                 18.498               21.534               23.058              23.574             24.520
            20.000
                                      1.730                2.170                 2.161              2.237              4.281
                 0
                               2011                 2012                  2013               2014               2015

    Das Netto-Kirchensteueraufkommen, bereinigt um Ausgleichszahlungen

4   4
Bistum Hildesheim Geschäftsbericht
Finanzen > Jahresabschluss 2020

Weitere Einnahmen über die Kirchensteuer hinaus                      Die Gewinn- und
sind die sogenannten Staatsleistungen (4,3 Mio. Euro                 Verlustrechnung 2020
in 2020) und Landesmittel für die Schulen (17 Mio.
Euro in 2020). Des Weiteren zählen u. a. Personalkos-                In der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) werden sämt-
tenerstattungen, periodenfremde Erträge oder auch                    liche Erträge und Aufwendungen des aktuellen Geschäfts-
Teilnehmergebühren dazu.                                             jahres abgebildet.

                                                                                          IST                       IST
                                                                                        2020                      2019        +/-
                                                                                       Tsd. €                    Tsd. €    Tsd. €
 1.     Gesamterträge                                                                189.463                197.445        -7.982
        Davon Kirchensteuereinnahmen                                                 181.397                  188.323
 2.     Aufwendungen
 3.     Aufwendungen aus Finanzausgleichszahlungen,
        Umlagen, Zuweisungen und Zuschüssen                                           58.676                    55.988     2.688
 4.     Materialaufwand                                                                   11                        11         0
 5.     Personalaufwand                                                               75.668                    75.877      -209
 6.     Abschreibungen                                                                   630                       397       233
 7.     Sonstige betriebliche Aufwendungen                                            26.708                    18.536     8.172
 8.     Betriebsergebnis                                                              27.770                    46.636    -18.866
 9.     Finanzerträge                                                                    122                       403      -281
 10.    Finanzaufwendungen                                                            15.497                    17.315     -1.818
 11.    Finanzergebnis                                                               -15.375                    -16.912    1.537
 12.    Ergebnis nach Steuern                                                         12.395                    29.724    -17.329
 13.    Sonstige Steuern                                                                   -1                       15        -16
 14.    Jahresergebnis                                                                12.396                    29.709    -17.313

         Kirchenlohnsteuer                 Kircheneinkommenssteuer               Abgeltungs-, Soldaten- und
                                                                                 Pauschalsteuer

                                                                         181.496
                                168.830            176.795                                      174.180
       164.435

                                                146.707              149.992                146.302
134.558                    139.032

         26.046                   25.417               25.560               26.700                23.180

               3.831                    4.381                4.528               4.804                  4.698

        2016                     2017                 2018                2019                   2020

                                                                                                                                    5
Bistum Hildesheim Geschäftsbericht
FAZIT
Das Geschäftsjahr 2020 schließt im Jahresergebnis positiv   …negativ geprägt im Wesentlichen durch die Bildung von
mit 12,4 Mio. Euro (GuV Nr. 14) ab.                          Rückstellungen in der Bilanz (C) in Höhe von 17 Mio.
                                                             Euro. Enthalten sind hierin u.a. Mittel für Zahlungen
Die größten Ausgabepositionen im Bistum Hildesheim           an Missbrauchsopfer in Höhe von 7,3 Mio. Euro und die
sind die Personalausgaben (Nr. 5) gleich gefolgt von den     Erhöhung von Pensionsverpflichtungen für Priester, Kir-
Aufwendungen aus Finanzausgleichszahlungen, Um-              chenbeamte und Lehrer des Bistums um 16,3 Mio. Euro.
lagen, Zuweisungen und Zuschüssen (Nr. 3). Das sind im
Schwerpunkt:                                                Ebenso belastet die Kirchensteuerentwicklung im Ver-
• die Mittelzuweisungen an alle Kirchengemeinden –          gleich zur Prognose das Ergebnis mit ca. 2 Mio. Euro. Im
  aus denen unter anderem anteilig Personalkosten für       Vergleich zum Vorjahr – wie bereits erläutert – liegt ein
  Mitarbeiter*innen vor Ort bezahlt werden,                 Rückgang um -3,7 Prozent vor.
• die Finanzmittel, die der Caritas bereitgestellt werden
  – auch für Kindergärten                                   Durch die Unsicherheit der Entwicklung der Kirchen-
  und                                                       steuereinnahmen ist eine vorsichtige Planung geboten
• Finanzmittel die für Seelsorgeeinrichtungen, auslän-      – auch in den kommenden Jahren. Das Jahr 2020 hat
  dische Missionen, Lebensberatungen u. a. zur Verfü-       unter dem Eindruck der Corona-Pandemie in besonderer
  gung gestellt werden.                                     Weise gezeigt, wie schwierig es sich gestaltet, eine un-
                                                            sichere Zukunft in den Planungen abzubilden. Im Laufe
Das Bistum Hildesheim hatte für das Jahr 2020 ein Er-       des Jahres war im Vergleich zum Vorjahr bundesweit ein
gebnis in Höhe von 16,5 Mio. Euro geplant. Im Vergleich     Rückgang der Kirchensteuereinnahmen um 15 bis 20
zu dieser Planung aus dem Vorjahr wurde das Jahres-         Prozent angenommen worden. Der ist glücklicherweise
ergebnis                                                    nicht eingetreten, dennoch sind die Mittel deutlich zu-
                                                            rückgegangen.
…positiv geprägt im Wesentlichen durch die Auflösung
 von Rückstellungen (nach HGB notwendige Verpflich-         Diese Abweichung führt jedoch vor Augen: es ist gerade
 tungen) für das sogenannte Clearing – eine Verrechnung     angesichts großer Unsicherheit unerlässlich, mögliche
 der Kirchensteuereinnahmen zwischen den Bistümern          Risiken einzuschätzen und bei Entscheidungen zu be-
 – in Höhe von 5 Mio. Euro. Aufgelöst wurde auch eine       rücksichtigen. Denn nur so können wir sicherstellen, den
 Rückstellung für die Kirchliche Zusatzversorgungskasse     Kernanforderungen unseres kirchlichen Sendungsauf-
 (KZVK) in Höhe von 2,7 Mio. Euro. Des Weiteren wurden      trags als Bistum Hildesheim auch im Ernstfall gerecht
 pandemiebedingt 3 Mio. Euro (z. B. für Events u. ä.) und   zu werden.
 durch einen ausgerufenen Bau- und Einstellungsstopp
 5,4 Mio. Euro nicht ausgegeben.

6
Bistum Hildesheim Geschäftsbericht
Finanzen > Jahresabschluss 2020

Bilanz 2020                                                    In der Bilanz wird die Finanzsituation des Bistums ab-
                                                               gebildet.

Aktiva                                                         Passiva
                                                        +/-                                                          +/-
                           31.12.20    31.12.19      20-19                               31.12.20    31.12.19     20-19
                              Tsd. €      Tsd. €     Tsd. €                                 Tsd. €      Tsd. €    Tsd. €
 A.     Anlagevermögen                                          A.   Eigenkapital        184.720     171.591     13.129
 I.     Immaterielle                                            B.   Sonderposten für       5.383       5.527      -144
        Vermögens-               55          77        -22           zweckgebundene
        gegenstände                                                  Vermögen
 II.    Sachanlagen           1.739       1.360       379
 III.   Finanzanlagen      428.383     392.018      36.365      C.   Rückstellungen      252.082     235.013     17.069
 B.     Umlaufvermögen
 I.     Forderungen
        und sonstige          9.141      10.740     -1.599
        Vermögens-
        gegenstände
 II.    Wertpapiere                                             D.   Verbindlichkeiten    24.475      26.151     -1.676
        Sonstige
        Wertpapiere               7           7          0
 III.   Kassenbestand,
        Guthaben bei         27.139      33.806     -6.667
        Kreditinstituten
 C.     Rechnungs-                                              E.   Rechnungs-
        abgrenzung              326         276         50           abgrenzung               130           2      128

        Bilanzsumme        466.790     438.284      28.506           Bilanzsumme         466.790     438.284     28.506

Allem voran ist zu sagen, dass die Bilanz insbesondere          Rücklage für Bildungshäuser in Höhe von 1,5 Mio.
geprägt wird durch notwendige Pensionsverpflichtungen.          Euro gebildet worden. Die Rücklage für Clearing in
Diese sind in den Rückstellungen (C) und Rücklagen im           Höhe von 20 Mio. Euro konnte im Jahr 2020 aufgelöst
Eigenkapital (A) enthalten mit einer Summe in Höhe von          werden.
313,6 Mio. Euro.
                                                                Im Ergebnis erhöht sich das Eigenkapital (A) gegenüber
Auf der Aktivseite der Bilanz                                   dem Vorjahr um 13,1 Mio. Euro auf 184,7 Mio. Euro (Vor-
                                                                jahr 171,6 Mio. Euro).
….ist die Erhöhung der Wertpapiere im Anlagevermögen
um ca. 36 Mio. Euro wesentlich. Mittel, die der Finanzie-       Die Rückstellungen (C) haben sich, wie bereits im Zu-
rung der Pensionslasten des Bistum Hildesheims dienen           sammenhang mit der GuV erläutert, um 17 Mio. Euro
sollen.                                                         erhöht.

Auf der Passivseite der Bilanz                                 Wie gut gefüllt ist das Portemonnaie des Bistums ange-
                                                               sichts der vorgestellten Zahlen und über bestehende Ver-
…sind die wesentlichen Veränderungen:                          pflichtungen hinaus?

 die Erhöhung des Eigenkapitals aus dem Jahresergebnis         In der sogenannten allgemeinen Rücklage, ein Teil des
 2020. Dieses wurde genutzt, um die Rücklagen für Versor-      mit 184,7 Mio. Euro beschriebenen Eigenkapitals (A),
 gungsverpflichtungen im Eigenkapital (A) für Priester um 23   befinden sich 27,3 Mio. Euro. Ein Betrag, dem aktuell
 Mio. Euro und für Lehrkräfte um 3,9 Mio. Euro zu erhöhen.     keine konkrete Verpflichtung gegenübersteht. Mit dem
 Hintergrund sind die sinkenden Zinsen an den Kapitalmärk-     Blick „des vorsichtigen Kaufmanns“ ist dieses Kapital
 ten, zu Grunde gelegt wurde ein Zinssatz von 0,5 Prozent.     allerdings als Risikovorsorge für die Zukunft zu sehen.
 Des Weiteren ist im Eigenkapital eine Sonderrücklage          Angesichts diverser nicht kalkulierbarer Risiken ist
 für die Altenhilfe in Höhe von 10 Mio. Euro und eine          dieser Betrag als zu gering anzusehen.

                                                                                                                           7
Bistum Hildesheim Geschäftsbericht
Ausblick, Chancen, Risiken, Prognosen
Unser Bistum befindet sich in einem tiefen Wandlungs-       Für diese wichtige finanzpolitische Aufgabe wird aktuell
prozess. An vielen Orten ist ein Zutrauen in neue Formen    ein IT-gestütztes Steuerungstool entwickelt. Zukünftig soll
kirchlichen Lebens zu spüren. Etwa im Zugehen auf neue      hiermit die Erstellung einer mittelfristigen Finanzplanung
Handlungsfelder in Pastoral und Caritas. Gleichzeitig       für die Folgejahre erleichtert werden und unterschiedliche
geht vieles, was gut durch die vergangenen Jahrzehnte       Risikoszenarien simuliert werden können.
getragen hat, zu Ende.
                                                            Auch die Kapitalanlagen des Bistums sind mit einem
Dies betrifft zum Beispiel die Zukunft der Kirchen und      Risiko zu bewerten. Zu betonen ist, dass das Jahr 2020
Gemeindehäuser. Einerseits fordert es das Bistum enorm      positiv abschließt: mit einem Zuwachs von ca. 2 Prozent
heraus, dauerhaft nur die Hälfte seiner ca. 1.400 Gebäude   und damit von 9 Mio. Euro. Durch diese Erhöhung der
zu unterhalten. Andererseits geht es nicht darum, einfach   sogenannten stillen Reserven ist eine sehr gute Risikode-
Kirchen zu schließen und Immobilien abzustoßen. Viel-       ckung für die Kapitalanlagen des Bistums erreicht. Dies
mehr gilt es, gemeinsam die Zukunft zu gestalten. Hierfür   ist wichtig, da die coronabedingten Folgen für die Wirt-
wird im Jahr 2021 der Immobilienprozess beginnen.           schaft und an den Kapitalmärkten derzeit nur schwer
                                                            abzuschätzen sind.
Weitere Veränderungsprozesse im Bistum sind ange-
stoßen.

Mit Blick auf die Finanzen ist in dieser Umbruchzeit
die große Herausforderung, alle finanziellen Risken
(zum Beispiel an Immobilien) zu bewerten und ab-
zudecken. Neben den verschiedenen offensichtlichen
Risiken, wie zurückgehende Kirchensteuereinnahmen,
besteht ein besonderes Risiko für das Bistum aus der
Gewährträgerhaftung gegenüber der Kirchlichen Zu-
satzversorgungskasse Köln (KZVK) und die gemeinsame
Haftung für die Gemeinsame Versorgungskasse (GVK)                                   Weitere Informationen zur
                                                                                    Finanzentwicklung 2020 finden
für Kirchenlehrer*innen der beiden Bistümer Osnabrück
                                                                                    Sie im vollständigen Geschäftsbericht:
und Hildesheim und des Offizialats Vechta (nieders. Teil
                                                                                    www.bistum-hildesheim.de/geschaeftsbericht
des Bistums Münster).

8
Bistum Hildesheim Geschäftsbericht
ZUKUNFTSRÄUME
                                                          Immobilienprozesse
                                                          im Bistum Hildesheim

Im Bistum starten die Immobilienprozesse. Die Broschüre             Weitere Informationen zum
„Zukunftsräume“ gibt dazu Informationen.
                                                                    Immobilienprozess finden Sie hier:
                                                                    https://www.kiz-online.de/sites/bz1/files/pdfar-
                                                                    chiv/2021/16-2021/2021_16_kiz-hildesh_11.pdf

                                                                                                         9
Hilfe für die Ehrenamtlichen

Ausbau der Verwaltungsstrukturen geht voran
Der Startschuss für das Projekt Verwaltungsstrukturen in     alle Pfarrgemeinden mit ihren Einrichtungen bis 2020. Ver-
Kirchengemeinden in unserem Bistum fiel im Jahr 2015. Im     waltungsbeauftragte wurden in der Fläche eingesetzt, sie
Zuge des Projektes sollte die kaufmännische Buchführung in   sollten die ehrenamtlichen Gremienmitarbeitenden in der
den Kirchengemeinden eingeführt werden, als Zielsetzung      Wahrnehmung ihrer Verantwortung im Kirchenvorstand un-
galt ein Jahresabschluss nach den Vorschriften des HGB für   terstützen und die Pfarrer im operativen Geschäft von Verwal-

       Tatsächliche Mehrkosten / Genehmigte Mehrkosten DVVR
       1.800 c                                                                                          1.694 e
                                                                                                                      1.608 e
       1.600 c

       1.400 c                                                                            1.309 e
                                                                            1.265 e
       1.200 c
                                                               1.080 e
       1.000 c

         800 c                                    705 e

         600 c

         400 c
                                     306 e
         200 c
                         74 e
            -c
                        2015         2016          2017         2018         2019          2020          2021          2022

10
Stichwort > Kirchengemeinden

   tung, Personal- und Immobilienmanagement entlasten. Der           der neuen Projektleitung in Person von Herrn Riechel-Rabe
   GemeindeService Finanzen als Abteilung des Bistums wurde          zusammenarbeitet. Insgesamt wurde die alte Abteilung
   gegründet und aufgebaut. Die Abteilung sollte ausschließ-         Finanzen, bestehend aus 12 Personen, ergänzt um die Mit-
   lich als Dienstleister für die Kirchengemeinden fungieren. Als    arbeiter*innen aus dem GemeindeService Finanzen und die
   zentrale Anlaufstelle für die Verwaltungsbeauftragten in der      neue Projektleitung. Die neustrukturierte Abteilung umfasst
   Fläche sollte der GemeindeService Finanzen im Bereich der         zukünftig 26 Vollzeitstellen (29 Mitarbeiter*innen). Diese
   Buchhaltung entlasten und Entscheidungsgrundlagen auf             Strukturveränderung fördert den Austausch innerhalb der
   Basis einer Gewinn- und Verlustrechnung und Bilanz liefern.       Abteilung Finanzen mit den Teams GemeindeService Finan-
                                                                     zen, Kirchliches Rechnungswesen und Buchhaltung Bistum
   Wie auf allen Wegen, vor allem auf den längeren, kam es           enorm, was sich wiederum sehr positiv auf die Projektarbeit
   auch auf diesem zu Unwägbarkeiten, die es zu überwinden           auswirkt. Inzwischen sind fast die Hälfte aller Kirchengemein-
   galt. In enger Zusammenarbeit mit den Beteiligten vor Ort         den im Bistum Hildesheim auf die neue Verwaltungsstruktur,
   wurden Problemmeldungen dokumentiert und analysiert:              einschließlich der kaufmännischen Buchführung, umgestellt.
   Um die Verwaltungsbeauftragten in Ihrer vielschichtigen           Die vom Diözesanvermögensvermögensverwaltungsrat ge-
   Arbeit zu entlasten und ihnen mehr Raum für ihre Unter-           nehmigten Mehrkosten für den Aufbau einer einheitlichen
   stützungsleistung für Pfarrer und ehrenamtlich Tätige zu          Verwaltungsstruktur in Höhe von jährlich 1,25 Mio. Euro
   geben, werden ab Anfang 2020 nach und nach zusätzlich             werden hierbei in ihrer Gesamtheit eingehalten.
   Verwaltungsmitarbeiter*innen in der Fläche eingestellt, die
   die laufende Buchhaltung für die Kirchengemeinden und             Das Ziel unseres Weges ist dasselbe wie am Anfang und der
   deren Einrichtungen übernehmen werden. In der Fläche wer-         Weg selbst scheint nun wieder kalkulierbar: bis zum 1. Januar
   den zukünftig 51,48 Vollzeitstellen (60 Mitarbeiter*innen)        2023 sollen mindestens die Kirchengemeinden, die ab die-
   im Bereich der Verwaltung/Buchhaltung eingesetzt werden.          sem Zeitpunkt mit Eintreten der neuen Umsatzsteuerrege-
                                                                     lung für Kirchengemeinden umsatzsteuerpflichtig werden,
   Im März 2020 übernahm Frau Anja Terhorst ihren Dienst             in die kaufmännische Buchführung übernommen worden
   als Finanzdirektorin des Bistums Hildesheim. Mitte 2020           sein. Alle weiteren Kirchengemeinden sollen bis 2025 folgen.
   wurden die ehemals eigenständigen Abteilungen Finanzen
   und GemeindeServiceFinanzen zu einer Abteilung unter              Wir sind auf dem Weg….
   dem Leitungsteam Dorota Steinleitner und Jens Lippel zu-
   sammengefasst. Im GemeindeService Finanzen wurde                  Thomas Riechel-Raabe, Projektleiter „Verwaltungsstrukturen
   mit Sarah Zlotos eine Teamleitung etabliert, die eng mit          in den Kirchengemeinden“

           Tatsächliche Mehrkosten                 Genehmigte Mehrkosten VVR (1,25 Tsd. EUR)

1.458 e      1.433 e       1.423 e       1.413 e       1.403 e        1.398 e
                                                                                    1.223 e       1.198 e

 2023         2024          2025          2026          2027           2028          2029          2030

                                                                                                                                  11
12
Schwerpunkt > Bildung

Hildesheimer Schullandschaft
im Wandel
Vermögensverwaltungsrat billigt Investitionen
von 28,3 Millionen Euro

In Hildesheim gibt es vier katholische allgemeinbildende       Umfang im Gebäudebestand des Josephinums saniert
weiterführende Schulen: die St. Augustinus-Schule (Ober-       werden. Der Rückbau der Strukturen entsteht dadurch,
schule), die Albertus-Magnus-Schule (Haupt- und Real-          dass die fusionierten Schulen nur noch eine Verwaltung
schule), das Bischöfliche Gymnasium Josephinum und,            benötigen. Außerdem werden sie, mit Rücksicht auf den
in der Trägerschaft der Stiftung Katholische Schule, das       demografischen Rückgang der Schülerzahlen, von einer
Gymnasium Marienschule.                                        8 – 9-Zügigkeit auf eine 5-Zügigkeit zurückgeführt. Auf-
                                                               grund der veränderten Refinanzierungssystematik wird der
Insgesamt werden an diesen Schulen 2856 Schüler*innen          Personalkostenzuschuss für das fusionierte Gymnasium
von 268 Lehrkräften unterrichtet.                              in den nächsten 20 Jahren um insgesamt ca, 19 Mio. Euro
                                                               geringer ausfallen.
Seit vielen Jahren ist bekannt, dass der Schulstandort
insgesamt nicht optimal aufgestellt ist. So wurde bereits      Die Veränderungen machen es auch möglich, in absehbarer
2013 ein Betrag von 10 Mio. Euro in Aussicht gestellt, um      Zeit das Kolleggebäude aufzugeben. Dabei handelt es sich
die Schulen zu sanieren. Im Laufe der Beratungen stellte       um einen Zweckbau, der von den beiden Gymnasien als
sich heraus, dass diese Summe nicht ausreichen würde,          Oberstufengebäude genutzt wird. Im Zuge der Kapazitäts-
um den Sanierungsrückstau aufzulösen.                          verringerung der beiden Schulen wird dieses Gebäude nicht
                                                               mehr benötigt. Da es zudem baulich sehr sanierungsbe-
Nach umfangreichen und sorgfältigen Beratungen hat der         dürftig ist, ist es von Vorteil sich davon trennen zu können.
Bischöfliche Rat im März 2020 dem Bischof empfohlen,           Die Albertus-Magnus-Schule leidet seit vielen Jahren unter
eine Entscheidung zu treffen, die die Sanierung des Schul-     einem erheblichen Raummangel. Deshalb wird die Neu-
standortes betrifft. Diese Entscheidung hatte eine doppelte    konzeption des Schulstandortes auch neue und zusätzliche
Zielrichtung: einerseits will das Bistum in die katholischen   Räumlichkeiten für die Albertus-Magnus-Schule errichten.
Schulen investieren, andererseits sollte es einen Abbau von    Dabei wird es sich insbesondere um dringend benötigte
Strukturen geben, der dann auch zugleich einen Einspar-        Fachräume handeln, die für einen zeitgenäßen Unterricht
effekt bedeutete.                                              unverzichtbar sind.

So kam es zu der Entscheidung des Bischofs, die beiden         Die geplanten Investitionen, die inzwischen auch von Di-
Gymnasien Marienschule und Josephinum zu fusionieren           özesan-Vermögensverwaltungsrat bestätigt worden sind,
und eine Investition in den Schulstandort vorzunehmen, die     umfassen einen Gesamtbetrag von 28,3 Mio. Euro. Damit
die umfangreiche Sanierung der Schulgebäude am Brühl           zeigt das Bistum auch seine große Unterstützung für den
(Marienschule) vorsieht. Außerdem soll im erforderlichen       Schulbereich.

                                                                                                                        13
Zwei Traditionsgymnasien
Wie gelingt die Fusion?
Wie fusioniert man zwei Schulen? Als der Bischöfliche       Und wie kann ein Fusionsprozess gelingen, wenn er-
Rat dem Bischof die Empfehlung gab, das Gymnasium           schwerend hinzukommt, dass seit der Entscheidung des
Marienschule und das Gymnasium Josephinum zu fusio-         Bischöflichen Rates corona-bedingte Schulschließungen
nieren, stand neben dem Blick auf demografische Verän-      die Kommunikation erschweren?
derungen die erhebliche Investition in den Schulstandort
im Hintergrund. Inzwischen hat der Diözesan-Vermö-          In einem ersten Workshop wurde die Projektstruktur ent-
gensverwaltungsrat die Investition in Höhe von 28,3 Mio.    wickelt. Er setzt sich aus Fachleuten aus Recht, Verwal-
Euro beschlossen. Damit sind die eigentlichen Fragen der    tung, Bau, Schule und Öffentlichkeitsarbeit zusammen.
Fusion aber noch längst nicht beantwortet.                  Denn bereits die rechtlichen Grundlagen beider Schulen
                                                            sind sehr unterschiedlich: Sie sind für das Josephinum
Die Marienschule ist 175 Jahre alt und steht in einer       im Konkordat – einem Vertrag zwischen dem Hl. Stuhl
emanzipatorischen Tradition der Mädchenbildung. Das         und dem Land Niedersachsen – niedergelegt; die Ma-
Gymnasium Josephinum führt die eigene Geschichte bis        rienschule ist eine so genannte „Schule in freier Träger-
in die Anfänge des Bistums zurück, weil seit jeher am Dom   schaft“. Trägerin ist die Stiftung Katholische Schule, für
zu Hildesheim eine Bildungseinrichtung bestand – die        die eine andere Rechtsgrundlage gilt. Beide Schulen
Domschule. Beide Schulen bringen also eine unverwech-       werden in der öffentlichen Finanzhilfe nach unterschied-
selbare Geschichte, aber auch ein spezifisches Selbstver-   lichen Systemen abgerechnet und finanziert. In vielen
ständnis, eine gewachsene Kultur und eine eigene Sicht      Gesprächen wurde schließlich geklärt, dass die Schule
auf die zukünftige Gestalt schulischer Bildung mit.         in der rechtlichen Konstruktion einer Konkordatsschule
                                                            weitergeführt wird.
Gibt es einen guten und gelungenen Weg, seine solche
Fusionsentscheidung zu kommunizieren? Gibt es eine          Der Sanierungsbedarf der Marienschule ist seit vielen
Blaupause, wie man zwei Schulen zusammenführt, die          Jahren bekannt, und deshalb gab es auch intensive
eine unterschiedliche Kultur haben, auf unterschied-        Planungen von Arbeitsgruppen der Schule, wie man die
lichen rechtlichen Voraussetzungen beruhen und die          Sanierung bedarfsgerecht gestalten kann. Die Fusionsent-
trotz ihrer Verwurzelung in der katholischen Kirche seit    scheidung führte zu einer vollständigen Überplanung der
Jahrzehnten mit Hingabe ein Konkurrenzverhältnis zu-        bisherigen Überlegungen. Wenn man unter Beibehaltung
einander pflegen?                                           beider Schulstandorte aus zwei Schulen eine macht, dann

14
Schwerpunkt > Bildung

                Schüler*innen                                                         Lehrkräfte

        2549                                    4313                      226                                       420
                                                   davon 2856                                                         davon 268
                                                   Schulen am                                                         Schulen am
                                                   Standort                                                           Standort
                           Gesamt                  Hildesheim                                 Gesamt                  Hildesheim
                           6862                                                               646

                            Schulen im Bistum                  Schulen in Trägerschaft der Stiftung

kann man die Zuordnung von Jahrgangsstufen und Fach-             nach außen so kommuniziert werden, dass er möglichst
räumen, von Verwaltung und Verfügungsflächen neu auf-            eine breite Akzeptanz finden kann?
setzen. So wurde z. B. entschieden, dass die Oberstufe des
neuen Gymnasiums am Domhof untergebracht wird. Die               Eine katholische Schule soll eine gute, eine sehr gute
Klassenräume dort sind etwas kleiner, und für einen Ober-        Schule sein, die umfassende Bildung, auch religiöse Bil-
stufenkurs braucht man nicht so große Unterrichtsräume.          dung vermittelt. Aber sie soll den jungen Menschen auch
                                                                 zugleich die Möglichkeit eröffnen, sich mit Zuversicht,
Die Herausforderung liegt manchmal im Detail: Für die            Hoffnung und Verantwortung in unsere Gesellschaft
meisten Unterrichtsfächer benutzen die Schulen Lehrbü-           einzubringen.
cher. Wenn man rechnerisch unterstellt, dass die Bücher          Letztlich geht es also darum, die begrenzten Mittel, die
in zwölf Fächern benötigt werden und zwei Jahre lang             dem Bistum zur Verfügung stehen, für eine überaus wich-
benutzt werden können, hat eine Schulklasse vom 5. bis           tige Aufgabe so einzusetzen, dass auch in Zukunft noch
zum 10. Jahrgang 36 Lehrbücher. Die Marienschule und             erfolgreich eine moderne Schule angeboten werden kann.
das Josephinum benutzen aber häufig unterschiedliche             Das Christentum ist eine Bildungsreligion. Der Christ hat
Lehrwerke, weil die Entscheidung darüber von der Fach-           eine Verantwortung für sein Handeln in der Welt. Deshalb
konferenz getroffen wird. Man muss sich also in mindes-          muss er die Welt kennen, sich mit ihr auseinandersetzen
tens zwölf Fächern letztlich für alle Jahrgänge einigen,         und in ihr seinen Standpunkt finden – eine Bildungsauf-
welche Bücher zukünftig benutzt werden sollen.                   gabe. Dafür braucht es die Schule, und für den Christen
                                                                 braucht es dafür eben auch die katholische Schule.
Die Lösung dieser Detailprobleme kostet Zeit und Kraft,
und hinzu kommen noch die großen konzeptionellen                 Dr. Jörg-Dieter Wächter, der Autor des Artikels,
Fragen: Wie soll die neue Schule inhaltlich profiliert sein?     ist Leiter der Hauptabteilung Bildung.
Wie ist das soziale Engagement der Schule zu gestalten?
Welche Rolle spielt zukünftig das Bläserklassenkonzept
der Marienschule? Was soll die zweite und dritte Fremd-                                     Weitere Informationen zur Fusion
sprache sein? Welchen Umfang haben Sozial- und Be-                                          finden Sie hier:
triebspraktika, in welchem Jahrgang sollen sie liegen? Und                                  https://www.bistum-hildesheim.de/bil-
nicht zuletzt: Wie kann der Fusionsprozess nach innen und                                   dung-kultur/schulen-hochschulen/fusi-
                                                                                            on-von-marienschule-und-josephinum/

                                                                                                                            15
16
Schwerpunkt > Pastoral

Die Sichtweisen verändern
Wegmarken pastoral entfalten

Bischof Dr. Heiner Wilmer hat mit den „Wegmarken“ im         Emmaus die Lebenserfahrung aller Christenmenschen
Jahr 2020 eine Orientierung vorgelegt. Dabei wird sofort     wird, die heute und in Zukunft das Evangelium bezeugen.
deutlich, dass es hier eben nicht um einen „Pastoralplan“    Es geht darum, einander mitten in Freude und Hoffnung,
geht, der einfach Ziele des Bistums festschreibt. Es geht    aber auch in Trauer, Angst und Zorn zu erzählen, was uns
um viel mehr – es geht auch hier um eine Veränderung         bewegt. Und dann gilt es zu erfahren, dass Christus unsere
der Sichtweisen, der Kirchenbilder und der Kultur unseres    Mitte wird: der, der uns lehrt, der, der uns nährt, der, der
Kircheseins. Dabei wollen die Wegmarken der Lokalen          unsere Herzen brennen lässt.
Kirchenentwicklung im Bistum eine zielsichere Orientie-
rung geben.                                                  Auch das zweite Bild ist herausfordernd: „Wir wollen
                                                             das Evangelium bezeugen und verkünden, das wir von
Lokale Kirchenentwicklung ist ein Prozess, ein Weg, der      Gott empfangen haben. Das Geschenk der Frohen Bot-
in sich das gewohnte Kirchenbild in Frage stellt: Es geht    schaft gilt uns und allen.“ Es geht nicht zuerst um die
darum, immer wieder neu gemeinsam zu fragen, wel-            Gemeinden – sondern um unseren Auftrag in der Welt.
chen Auftrag und welche Sendung wir als Kirche vor Ort       Die Ausrichtung ist also auch die Herausforderung,
heute haben. So bietet eine lokale Kirchenentwicklung        denn in vergangenen Jahrzehnten riskiert pastorales
die Möglichkeit, Kirche von den Herausforderungen des        Handeln in Kirchengemeinden oft der Versuch zu sein,
Lebens- und Sozialraums aus zu denken – und von den          für bestimmte Aktivitäten und Gruppen – und auch
Energien und Gaben der Menschen, die hier miteinander        Gottesdienste – Menschen zu gewinnen und so eine
leben. Das Evangelium, das Menschen teilen und wirksam       „lebendige Gemeinde“ zu bleiben. „Lebendig“ wird hier
bezeugen, stärkt Kirche vor Ort, lässt neue Formen ent-      neu definiert: Kirche wird dann lebendig sein, wenn die
decken und erwachsen. Darum geht’s.                          Christ*innen sich einlassen auf die Menschen unserer
                                                             Zeit, mit ihnen leben, gemeinsam Not und Herausfor-
Die „Wegmarken“ spitzen diesen Wandlungsprozess zu.          derungen aller Art teilen und so das Evangelium in Tat
Die biblischen Bilder machen es deutlich: Das Emmaus-        und auch im Wort bezeugen.
evangelium unterstreicht den gemeinsamen Weg: nicht
das klassische „Oben-Unten“ Bild, sondern ein gleichwür-
diges Miteinander aller ist gefragt. Dahinter steckt eine                            Weitere Informationen zu den Weg-
Kultur des Vertrauens, und das ist die eigentliche Heraus-                           marken finden Sie hier:
forderung: einander auf allen Ebenen des Kircheseins                                 https://www.kiz-online.de/sites/bz1/
vertrauen, das wird nur gelingen, wenn die Erfahrung von                             files/pdfarchiv/2020/10-2020/2020_
                                                                                     10_kiz-hildesh_11.pdf

                                                                                                                      17
Digital ist das neue lokal
Mit seinen Wegmarken hat Bischof Heiner Wilmer die             Damit wurde es nichts. Das große digitale Lernen begann.
„Herzensbildung“ und damit die Begleitprozesse des             Der Zoomaccount, den wir – sehr früh – als Hauptab-
Wachstums der Christ*innen als eine der wichtigsten            teilung angeschafft hatten, füllte sich mit immer neuen
Prioritäten benannt. Und in der Tat: angesichts der Her-       Veranstaltungen, und reichte bald nicht mehr aus. Wir
ausforderungen der Zukunft, in denen das Bistum steht,         rüsteten uns technisch neu auf, schafften technische
wird die Weiterbildung und Förderung von Christ*innen          Voraussetzungen für hybride Veranstaltungen an. Und
eine entscheidende Rolle spielen: wenn es gelingt, dass        während der Alltag des Homeoffice und seiner Teams-Sit-
die Trägerinnen und Träger des Lebens der Kirche in Caritas,   zungen das neue „Normal“ wurden, entwickelten sich
Schule und Gemeinden, an neuen und gewachsenen kirch-          mit Kreativität und Fantasie neue Formate, um mit den
lichen Orten gut begleitet werden und nach ihren Bedarfen      Christ*innen vor Ort verbunden zu sein, miteinander Er-
lernen können, was sie für ihre Aufgaben und die Sendung       fahrungen zu teilen, Fortbildungen zu gestalten.
der Kirche brauchen, dann haben wir gute Aussichten für
vielfältige Entwicklungsprozesse. In der Hauptabteilung        Gerade im Blick auf die Liturgiefeiern und später auf
Pastoral wurde das in Fragen konkret: Wie kann eine neue       Weihnachten entstand eine Reihe von Formaten, in denen
Kultur des Lernens gefördert werden? Wie kann ansichtig        vielen Interessierten vor allem im Bereich der Liturgie ein
werden, dass an vielen Stellen des Bistums dieser Aufbruch     Angebot gemacht werden konnte: Welche Wege gibt
schon begonnen hat?                                            es, die österlichen Tage zu feiern? Welche Hausliturgien
                                                               kann man wie gestalten? Wie kann die Chrisammesse als
Und dann kam Corona im März 2020. Pandemie und                 hybrides Format gefeiert werden? Wie können Messen
Lockdown. Für 2020 war geplant, pastorale Teams und            etwa aus dem Dom so gestreamt werden, dass es nicht so
Ehrenamtliche einzuladen, Zukunftsprozesse zusammen            wirkt, als würde ein Priester einfach eine Messe lesen? Wie
zu gestalten. Neue Workshop-Formate wurden entwickelt,         kann die Mitfeier und die Teilhabe der Gläubigen sichtbar
bei denen Ehrenamtliche und Hauptberufliche zusammen           werden? Wie geht ein Gottesdienst per Zoom, an dem
erarbeiten könnten, wie sie eine gemeinsame Zukunft            alle ihren Teil beitragen? Und welche anderen Möglich-
ihrer Pfarreien gestalten. Und geplant war auch, eine pas-     keiten gibt es? Es war begeisternd zu sehen, was sich vor
torale Studienreise zu unserer Partnerkirche in Bolivien zu    Ort entwickelte: wenn etwa zur Osternacht via Zoom ein
gestalten. Zielidee dabei war, mit vier bis fünf Pfarrteams    Osterfeuer entzündet wurde, Lesungen von verschiede-
modellhaft auf den Weg zu kommen.                              nen Familien vorgelesen wurden und „jede Kachel“ ein

18
Schwerpunkt > Pastoral

Lied anstimmte – bis dahin, dass in jeder Gruppe selbst-      mit Energie und Leidenschaft auf den Weg machen. Keiner
gebackenes Brot gesegnet und geteilt wurde. Manches           muss – jeder kann; niemand muss reisen – alles ist vor
war auch ernüchternd, weil es nicht reicht, einfach einen     Ort erreichbar.
Gottedienst mit Handy abzustreamen. Und die Aufgabe
wird sein, wie all das gut gesichtet, ausgewertet und         Das ist erst der Anfang gewesen, aber es wird in Zukunft
weiterentwickelt wird.                                        neben vielen Treffen vor Ort oder in der Region immer auch
                                                              Formate digitalen Austauschs und Lernens geben. Treffen
Die Studientage für Ökumene und für Liturgie, die im Herbst   von Menschen vor Ort und zu Themen sind unersetzlich
2020 stattfanden, führten zu spannenden digitalen Work-       – aber es wird auch möglich werden und nötig sein, dass
shops und Vorträgen. Die Resonanz war beeindruckend: 200      wir digitale Fortbildungssettings aufbauen. Dafür aber
Teilnehmende beim Studientag Ökumene – und mehr als           braucht es gute Ideen für eine digitale Bildungsstruktur,
1.000, die sich dann den Vortrag später ansagen. Der Stu-     die es ermöglicht, Kurse und Veranstaltungen, Foren und
dientag Liturgie mit 200 Teilnehmenden fand über mehrere      Vorlesungen, Lernprozesse und Vertiefungswege sowohl
Tage statt: Eine Fülle von Workshops im Vorfeld mündeten      digital als auch lokal zu gestalten – denn: Viele Menschen
ein in einen Tag mit Vortrag und Austausch. Das hat sich      würden sich gerne weiterbilden, aber brauchen diese
bewährt, denn nun war es auf einmal auch möglich, dass        Bildung zugeschnitten auf ihre Möglichkeiten. Sie muss
viele Ehrenamtliche aus fernen Gegenden des Bistums teil-     also lokal sein, zeitlich begrenzt und entsprechend den
nehmen konnten, ohne lange reisen zu müssen.                  Bedarfen. Da bietet sich auch die Idee einer digitalen
                                                              Plattform an. Denn: Digital ist das neue lokal.
Statt Studientagen entstand eine Reihe von digitalen Fo-
ren zum zentralen Thema der Leitung vor Ort – in Teams        Der Autor des Textes, Generalvikariatsrat Dr. Christian Hennecke,
Gemeinsamer Verantwortung. Auch hier ging es nicht            ist Leiter der Hauptabteilung Pastoral.
um Vorträge. Es gab inspirierende Zeugnisse, lebendige
Erfahrungen und dann intensive Diskussionen in digitalen
Kleingruppen. Und diese Foren, so wurde schnell deut-                                   Weitere Informationen zu den
lich, werden auch nach der Pandemie weiter fortgeführt                                  Wegmarken finden Sie hier:
werden. Das Lernen im Netz sammelt anders. Es ist kein                                  https://www.bistum-hildesheim.de/
Muss mehr, und es kommen all jene zusammen, die sich                                    corona-krise/online-angebote/

                                                                                                                           19
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Schwerpunkt > Caritas

Nöte ernst nehmen
Fachberatung in der Corona-Pandemie
besonders gefragt

Die Fachberatungen für die Tageseinrichtungen im Di-   durchgerüttelt. Dazu kommen bei vielen Ängste vor
özesancaritasverbandes Hildesheim waren 2020 ganz      der Erkrankung und finanzielle Sorgen. Den Kindern
besonders gefordert. Die Pandemie hat die gewohnten    weiter einen behütenden Ort zu bieten, den Mitarbei-
Abläufe in den Einrichtungen und in den Familien arg   tenden durch das Chaos der Verordnungen zu helfen,
                                                       Nöte der Familien und der Mitarbeitenden ernst zu
                                                       nehmen und dem religionspädagogischen Auftrag ge-
                                                       recht zu werden, war und ist eine Herausforderung.
                                                       Daher setzte der Diözesancaritasverband 2020 einen
                                                       Schwerpunkt in der Fachberatung und investierte in die
                                                       personelle Ausstattung. Dazu gehört die bereits einge-
                                                       führte Regionalisierung, die Einrichtung des Kita-Cont-
                                                       rollings, die Schaffung einer halben Stelle für juristische
                                                       Fragen und die Etablierung des Referats Religionspäda-
                                                       gogik in Vollzeit. Das Team umfasst sieben Personen, die
                                                       im Bistum verteilt, den Kindertagesstätten mit Rat und
                                                       Tat zur Seite stehen.

   Im Jahr 2020 hat der Diözesancaritasverband                                 Weitere Informationen zu den
   für die Fachberatung der Kindertagesstätten                                 Wegmarken finden Sie hier:
   491.714 Euro eingesetzt.                                                    https://www.caritas-dicvhildesheim.de/
                                                                               hilfe-amp-beratung/kinder-jugendliche/
                                                                               tageseinrichtungen-fuer-kinder/basisleis-
                                                                               tungen-der-fachberatung

                                                                                                                 21
Vergewisserung im Alltag
Caritas hilft Kitas vor Ort
Die Kita St. Johannes liegt im Norden Hildesheims. Hier le-      • Wer unterstützt Träger und Leitung bei den weiteren
ben Familien mit Vorfahren aus vielen Ländern der Erde. Die        Planungen und wie sieht es mit einem Bistumszuschuss
Corona-Pandemie prägt das Leben vieler. Da bemüht sich das         aus?
Team der Kita besonders darum, den Mädchen und Jungen            • Die pädagogischen Mitarbeiter*innen der Regenbogen-
behüteten Schutzraum zu bieten. Trotzdem müssen Pläne              gruppe haben eine Problemanzeige hinsichtlich eines
und Projekte weiter verfolgt werden. Für die Leiterin Roswitha     verhaltensauffälligen Kindes gemacht; wer kann die
Schneider ist da die Fachberatung eine Stütze. „Für mich ist       Mitarbeitenden beraten und mit einem neutralen Blick
die Fachberatung sehr hilfreich und eine Vergewisserung“, sagt     das Kind im Gruppengeschehen beobachten?
sie. Die zuständige Fachberaterin des DiCV begleite St. Johan-   • Eine Mitarbeiterin möchte aufgrund ihrer persönlichen
nes zum Beispiel auf dem Weg zur inklusiven Kita. „Das kann        Situation weniger arbeiten; wer kann arbeitsrechtlich
nur gemeinsam mit dem Team gelingen und so können wir              Auskunft geben und mit ihr auf den neu zu gestaltenden
mit Hilfe der Fachberaterin ein gemeinsames Selbstverständ-        Dienstplan schauen?
nis entwickeln und wissen, wie wir uns vorbereiten müssen.“      • Der Träger erwartet, dass die neuen Mitarbeitenden
                                                                   mehr „Handwerkszeug“ zur Religionspädagogik bekom-
Das, was Roswitha Schneider aus Hildesheim beschreibt,             men; wer kann durch Fortbildungen oder Studientage
ist nur eine von zig Anforderungen an Kita-Leitungen im            unterstützen?
ganzen Bistum. Eine bunte Mischung von alltäglichen              • Wie immer ist die Freistellungszeit, die die Leiterin für die
Fragen aus ganz verschiedenen Bereichen – weit über die            organisatorischen Themen zur Verfügung hat, nicht aus-
eigentliche Kinderbetreuung hinaus. Hier als Beispiel eine         reichend; wer gibt diesen Missstand eigentlich mal an die
typische „To-do“-Liste, wie sie an einem ganz normalen             entscheidenden Stellen beim Kultusministerium weiter?
Wochentag auf dem Schreibtisch einer der 165 Kita-Lei-           • Die Einzelheiten der aktuellen Corona-Verordnung sind
tungen im Bistum liegen kann:                                      missverständlich; wer sagt, was mit den Eltern geregelt
• Die Stadt hat angefragt, ob der Träger eine weitere              werden muss?
  Krippengruppe anbauen könne, da die Kinderzahlen in
  diesem Stadtteil so hoch sind und der Rechtsanspruch           Und hier kommen die Fachberatungen ins Spiel, so wie es
  auf einen Krippenplatz erfüllt werden muss.                    sich Praktiker*innen wie Roswitha Schneider wünschen.
• Die Fassade der Kita soll energetisch saniert werden,          Seit 2013 liegt die Verantwortung für alle katholischen
  wer kann da weiterhelfen?                                      Kindertageseinrichtungen in den Händen des Diözesan-

22
Schwerpunkt > Caritas

caritasverbandes Hildesheim (DiCV), der dafür auch die           sowie auf einen eigenen Glaubenszugang hat. Wiederum
kirchlichen Bistumsmittel übernahm.                              ein Beispiel aus St. Johannes: Da 80 Prozent der Kita-Kin-
                                                                 der einen Migrationshintergrund haben, kümmert sich
Es war damit klar, dass eine qualitative und quantitative        das Team um „religionssensible Erziehung“. Dazu gehört
Unterstützungsstruktur im DiCV aufgebaut werden muss             die Segnungsfeier jeweils zum Jahresanfang. Alle werden
– neben den Finanzierungsgrundsätzen, in denen die Zu-           unter den Segen Gottes gestellt. „Das ist immer sehr be-
schüsse der einzelnen katholischen Kitas geregelt sind,          rührend für alle. Das Bild, dass sich die Liebe Gottes wie ein
und durch die Übertragung der kirchenoberlichen Geneh-           bunter Schirm über die Menschen spannt, das ist für die
migung zu Arbeitsverhältnissen in den Kitas. So können           Kinder besonders anschaulich,“ sagt Roswitha Schneider.
die vielfältigen Fragestellungen der Kitas bedient werden,
um auf dem Markt konkurrenzfähig zu bleiben und den              Pädagogische Fachkräfte haben die Aufgabe, Kinder beim
ständig wachsenden Herausforderungen zu begegnen.                Entdecken der Welt zu begleiten und Kindern in ihren Fra-
                                                                 gen nach dem Leben und nach Gott als Gesprächspartner
So wurde im DiCV sukzessive die pädagogische Fachbera-           zur Seite zu stehen. Gleichzeitig stellt die Einrichtung
tung personell ausgebaut und regionalisiert, das Kita-Con-       immer häufiger für viele Eltern den ersten Kontakt zur
trolling etabliert, eine halbe juristische Stelle eingerichtet   Kirche überhaupt dar. Wo auch immer dieser diakonische
sowie seit Februar 2021 eine ganze Stelle für die Bearbeitung    Auftrag wahrgenommen wird, wird auch pastoral ge-
des Themas Religionspädagogik geschaffen.                        handelt. Mitarbeitende in den Einrichtungen kommen
                                                                 diesem Auftrag schon lange nach, Kinder, Eltern und
Die pädagogischen Fachberater*innen haben ihre Büros             Mitarbeitende können diese Liebe Gottes im Miteinander
in den Regionen, für die sie zuständig sind. Sie sind in         und durch konkretes Handeln spüren.
der Regel erste Anlaufstelle für alle Fragestellungen von
Seiten der Träger, Leitenden und Mitarbeitenden rund             Die Entwicklungen der vergangenen Jahre, die tiefgrei-
um die Kita.                                                     fenden pastoralen Strukturreformen, die wachsende
                                                                 religiöse Vielfalt unserer Gesellschaft, die zunehmende
Der Beratungsbedarf erfordert in der Regel mindestens einen      Sprachlosigkeit von Eltern im Bezug auf Glaubensfragen
Besuch in der Kita vor Ort, um mit Leitungen und Trägern         und nicht zuletzt auch der Fachkräftemangel stellen die
das Thema zu besprechen und weitere Handlungsschritte            Kindertageseinrichtungen vor neue Herausforderungen.
zu vereinbaren. Durch das breit aufgestellte Unterstützungs-     Ein Weg zur Stärkung der katholischen Kindertagesein-
angebot für Kitas im DiCV wirkt die Fachberaterin, neben         richtungen in der Diözese kann sein, dass pädagogische
ihrer eigenen fachlichen Expertise, als Koordinatorin für        Fachkräfte in unseren Kindertagesstätten die Möglichkeit
die Zuhilfenahme der anderen Unterstützungsdienste. So           bekommen, religiöses Wissen und religionspädagogische
kommt das Zusammenwirken der einzelnen Arbeitsfelder             Kompetenzen zu erwerben, damit sie den pastoral-diako-
den Bedürfnissen der Kitas zugute.                               nischen Auftrag, der an sie gestellt wird, erfüllen können.
                                                                 Aus diesem Grund hat der DiCV aktuell eine Stelle für
                                                                 Religionspädagogik in der Abteilung Tageseinrichtungen
Religionspädagogik und
                                                                 für Kinder eingerichtet und ist sowohl mit der Planung
katholisches Profil                                              von einzelnen Fortbildungssegmenten als auch mit dem
                                                                 Aufbau einer Weiterbildungsmaßnahme tätig.
Katholische Kindertagesstätten sind Orte der Bildung und
Erziehung sowie Orte des gelebten Glaubens. In ihnen             Sabine Lessel-Dickschat ist Leiterin der Abteilung Tageseinrich-
wird das christliche Menschenbild als Grundlage des eige-        tungen für Kinder in der Diözese Hildesheim.
nen Handelns und des Bildungs- und Erziehungsverständ-
nisses gelebt. Hier bekommen Kinder die Möglichkeit, mit
Religion in Kontakt zu kommen. Sie können sich daher
aus sich selbst heraus und in der Beziehung zu anderen                                      Weitere Informationen zu den
Menschen religiös bilden. Somit sind unsere Kindertages-                                    Fachberatungen finden Sie hier:
stätten Orte der Gottesberührung, die getragen sind von                                     https://www.caritas-dicvhildesheim.de/
der Überzeugung, dass jedes Kind ein Recht auf Religion                                     hilfe-amp-beratung/

                                                                                                                               23
Nordsee

                                             Nordsee

                   Cuxhaven

             Bremerhaven                                                              Stade

                                      Bremervörde
     Weser

                                                     al

                                                                                                                                                 Elb
                                                   an

                                                                                                                                                     e
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                                                                                                                              Hamburg-
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                                       Ha
     Weser

                        Osterholz                                                                                                                                          Lüneburg                        Neuhaus (Elbe)

                                                                                                                                                                                            Elb
                        Bremen-Nord

                                                                                                                                                                                               e-S
                                                                                                                                                                                               eite
                                                                                         em

                                                                                                                                                                                                                             Elb
                                                                                                                                                                                                 nka
                                                                                Rotenburg
                                                                                       üm

                                                                                                                                                                                                                                e
                                                                                                                                                                                  Ilm
                                                                                      W

                                                                                                                                                                                                     nal
                                                                                                                                                                                       en
                        Bremen                                                                                                                                                           au

                                                                                                                                 Munster                                                                                         Lüchow-
                                                           All                                                                                                                               Uelzen                              Dannenberg
                                                              er
                                                                   Verden
                                                                                                                                         Örtze

                                                                                                      Soltau-
                                                                                                      Fallingbostel

                                                                                                                   Bistum Hildesheim
                                                       Wese

                                                                                                                                                                                              Wittingen
                                                            r

                                                                                                                Bergen-Belsen
                                                                                                                                    Celle
                                                                 Nienburg
                                                                                                                                                            All
                                                                                                                                                               er
                                                   Weser

                                                                                          ine
                                                                                         Le

                                                                   Steinhuder Meer
                                                                                                                                                                                                Gifhorn
                                                                                     Neustadt
                                                                                     am Rübenberge
                                                                                                                                                                                                             Wolfsburg
                                                                                                                                                                                Oke

                                                                             kanal
                                                                   Mittelland
                                                                                                                                                                                 r

                                                                                          Hannover
                                                                                                                                                  Peine
                                                                                                                                         Mittellan
                                                                                                                                                   dkanal                               Braunschweig
                                         Bückeburg
                                                                                                                                                                                                                     Helmstedt

                                                                         Hameln                          Elze
                                                                                                                    Hildesheim                                      Salzgitter Wolfenbüttel
                                                                                                                                                                  Inn
                                                                                                                                                                     ers
                                                                                                                                                                        te
                                                                                                                Alfeld
                                         Bad Pyrmont

                                                                                                                                                                             Goslar

                                                                                        Holzminden
                                                                            r
                                                                            se
                                                                         We

                                                                                                                              Northeim           Osterode
                                                                                                                                                                              Braunlage
                                                                                              Uslar

                                                                                                            Nörten                  Gieboldehausen                                    Bad Sachsa

                                                                                                                      Göttingen
                                                                                                                                                 Duderstadt
                                                                                                                      Leine

24
Schwerpunkt > Zahlen und Fakten

569.785 Katholik*innen     131 Mitarbeitende            5 Krankenhäuser
                             in der Pastoral        5 Kur- und Erholungshäuser

     17 Dekanate            10 Männerorden              6 Bildungshäuser
119 Kirchengemeinden         7 Frauenorden

                                                        7 Einrichtungen
                                                      der Behindertenhilfe
      6 Bischöfe         2 Berufsbildende Schulen     8 Altenpflegeheime
                          11 Allgemeinbildende      7 Heime der Jugendhilfe
                                 Schulen
                              1 Förderschule

                                                      92 Beratungsdienste
     307 Priester
                         165 Kindertagesstätten
                                                     Weitere Informationen zu den Gremien
                                                     des Bistums finden Sie hier:
                                                     https://youtu.be/HCu3acGXfts

 98 Ständige Diakone

                                                                                     25
Mitarbeitende in der Pastoral

            Mitarbeitende
            in der Pastoral                                                   im Ruhestand
            131                                                               173
                                                    Gesamt
                                                    536
           Diakone
                              Priester                                                            Aktiv
           98
                              307                                                                 363

                                          Inkardinierte Priester im                       Priester aus anderen
      Priester (307)                      Bistum Hildesheim (218)                         Bistümern (46)
 Ordenspriester                   in Forschung, Ausland, Bundeswehr,
 43                               Beurlaubung
                                  11

                                                       im aktiven                                  im aktiven
     Priester aus
                                                       Dienst 93                                   Dienst 28
     anderen
     Bistümern 46
                                                 im Ruhestand                                im Ruhestand
                                                 114                                         18

 Inkardiniert im Bistum
 Hildesheim 218

                                                                                          Mitarbeitende in
 Ordenspriester (43)                            Diakone (98)                              der Pastoral (131)
                                                       im Hauptberuf 15          Weitere Pastorale Mitarbei-      Pastoral-
                                                                                 ter*innen 13                     referen-
                                                                                                                  t*innen 38

        im Ruhestand                                                                         Gemeinde-
        3                                      im Ruhestand                                  assistent*innen 5
                                               29

                                                                                                 Pastoralassis-
          im aktiven                             im Zivilberuf 54                                tent*innen 5
          Dienst 40

                                                                                   Gemeinde-
                                                                                   referent*innen 70

                                 Die Zahlen bilden Personen ab, nicht Vollzeitstellen.

26
Schwerpunkt > Zahlen und Fakten

            Mitarbeitende in                                    Mitarbeitende in Kultur- und
            der Verwaltung                                      Bildungseinrichtungen
                                         Bischöfliches                St. Jakobushaus              Dommuseum
  Verwaltungs-                                                                                     12
                                         Generalvikariat              Goslar
  beauftragte
                                         143                          24                                      Dombibliothek
  62
                                                                                                              9

                                                                                                                  Bistumsarchiv
                                                    St. Ludgerus                                                  10
                                                    Helmstedt
                       Gesamt                                                           Gesamt
                                                    15
                       211                                                              126

                                                                                                                  FaBi Hannover
                                                                                                                  13
Bischofs-
haus                                                       St. Martin
6                                                          Germershausen
                                                                                                          FaBi Salzgitter
                                                           12
                                                                                                          12
                                                                                Haus
                                                                                Wohldenberg
                                                                                19

        Gottesdienstteilnehmer*innen                                                             ✔
                                                                                                 ✔
            70.000
                     64.646                                                                        ✔✔
            60.000                                                                                 ✔
                                                                                     ✔            ✔
            50.000                                                                         ✔
                                44.591
                                           41.518                41.518 Männer, Frauen und Kinder besuchten
                                                                 2019 an den sogenannten „Zählsonntagen“ die Sonn-
            40.000
                                                                 tagsgottesdienste im Bistum Hildesheim. Das waren
                                                                  7,1 Prozent aller Katholiken. Ein Jahr zuvor nahmen
                                                                 44.591 Menschen an den Gottesdiensten teil, im Jahr
            30.000                                              2009 waren es noch 64.646. Innerhalb eines Jahrzehnts
                                                                 ging die Zahl der Gottesdienstbesucher*innen damit
                                                                um ein Drittel zurück. Die Verantwortlichen in der Pas-
            20.000
                                                                toral sehen den Gottesdienstbesuch längst nicht mehr
                                                                als alleiniges Merkmal für die Kirchenbindung an. 2020
                                                                wurden angesichts der Pandemie keine Zahlen erhoben.

            10.000

                                                                                   Informationen zu den Zahlen und Fakten
                                                                                   der anderen Bistümer finden Sie hier:
                0
                                                                                   https://www.dbk.de/kirche-in-zahlen/
                     2009       2018        2019
                                                                                   kirchliche-statistik

                                                                                                                       27
Taufen                           Erstkommunion                   Firmungen
         3.479                           4.470
3.500                            4.500                           4.500
                 3.114                                                   3.710
                                 4.000                           4.000
3.000                                            3.568
                                 3.500                           3.500
2.500                                                    2.802
                                 3.000                           3.000
2.000                                                                            2.285
                         1.729   2.500                           2.500
1.500                            2.000                           2.000
                                                                                         1.393
                                 1.500                           1.500
1.000
                                 1.000                           1.000
 500
                                   500                            500
     0                               0                              0
         2010    2019    2020            2010    2019    2020            2010    2019    2020

Trauungen                        Eintritte                       Wiederaufnahme
         978                                                             237
1.000                              200                            250
                                         175                                     192
                                   175
                 761
 800                                                              200
                                   150
                                                 125
 600                               125                            150
                                                                                         121
                                   100
 400                                                      74      100
                                    75

                         158        50
 200                                                               50
                                    25
     0                               0                              0
         2010    2019    2020            2010    2019    2020            2010    2019    2020

Austritte                        Bestattungen
                 8.048                   5.888
8.000                            6.000
                         7.019                   5.276   5.283
7.000
                                 5.000
         5.809
6.000
                                 4.000
5.000
4.000                            3.000
3.000
                                 2.000
2.000
                                 1.000
1.000
     0                               0
         2010    2019    2020            2010    2019    2020

28
Schwerpunkt > Zahlen und Fakten

                                                                               abzuwarten, wie viele Paare ihre
                                                                               kirchliche Eheschließung in den fol-
                                                                               genden Jahren nachholen werden.

    Katholik*innenzahl                     Erstkommunionen
Die Zahl der Katholik*innen im         2802 Mädchen und Jungen sind im
Bistum Hildesheim ist im Jahr          Jahr 2020 zur Erstkommunion ge-
2020 um 11.675 zurückgegangen.         gangen. Das waren 766 weniger als
Am Jahresende lebten zwischen          im Vorjahr. Auch hier dürfte Corona           Eintritte und
Cuxhaven und Hann. Münden              eine Rolle gespielt haben. Rück-
569.785 katholische Christ*innen.      läufig sind die Zahlen aber auch im
                                                                                   Wiederaufnahmen
Im Zehn-Jahres-Vergleich sank die      Langfristvergleich: Vor zehn Jahren
Katholikenzahl um 49.603, was          empfingen noch 4470 Kinder das          2020 traten im Bistum Hildesheim
einem Rückgang von 8 Prozent ent-      Sakrament.                              74 Menschen neu in die Kirche ein,
spricht. Regelmäßig liegt die Zahl                                             121 Männer und Frauen, die aus-
der Austritte und Bestattungen                                                 getreten waren, wurden wiederauf-
über denen der Taufen, Eintritte und                                           genommen. 2019 waren es 125 Ein-
Wiederaufnahmen. Häufig hat das                                                tritte und 192 Wiederaufnahmen.
Bistum in der Vergangenheit davon
profitiert, dass Katholik*innen aus
anderen Bistümern zugezogen
sind. 2020 war das allerdings nicht
der Fall.                                        Firmungen
                                       1393 junge Christ*innen wurden
                                       2020 im Bistum Hildesheim gefirmt,
                                       im Vorjahr waren es 2285. Ursache                  Austritte
                                       für den starken Rückgang ist die Ab-
                                       sage von Firmungen aufgrund der         7019 Menschen traten im Jahr 2020
                                       Corona-Pandemie. Dennoch lohnt          im Bistum aus der Kirche aus. Das
                                       ein Blick in die Vergangenheit: 2010    waren 1029 weniger als ein Jahr
             Taufen                    wurden noch 3710 Mädchen und            zuvor. Langfristig betrachtet, nimmt
                                       Jungen gefirmt, die Zahl ist bis 2019   die Austrittsquote zu: 2010, in dem
Die Zahl der Taufen im Bistum Hil-     um 38 Prozent gesunken.                 Jahr, als der Missbrauchsskandal
desheim hat sich im Berichtsjahr                                               öffentlich wurde, hatte es 5809
fast halbiert: Sie ging von 3114 im                                            Austritte gegeben, 2009 waren es
Jahr 2019 auf 1729 zurück. Hier zei-                                           nur 4552.
gen sich wie auch bei den übrigen
Sakramentenspendungen die Aus-
wirkungen der Corona-Pandemie.
Allerdings geht die Zahl der Taufen
auch langfristig zurück, vor zehn
Jahren wurden noch 3479 Kinder                   Trauungen
getauft. Längst nicht mehr alle
katholischen Eltern lassen heute       Einen regelrechten Absturz gab
ihre Kinder taufen. Die Geburten       es bei der Zahl der katholischen               Beerdigungen
in der Gesamtbevölkerung legten        Trauungen. Sie gingen von 761 im
im Vergleichszeitraum um rund 15       Jahr 2019 auf 158 im Jahr 2020          5283 Menschen wurden 2020 im
Prozent zu.                            zurück. Ganz offenbar wollten viele     Bistum Hildesheim kirchlich be-
                                       Paare keine Hochzeitsfeier unter        erdigt, das waren fast genauso viele
                                       Pandemie-Bedingungen. Es bleibt         wie im Jahr zuvor (5276).

                                                                                                               29
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