Branchenmonitor 2021 Managementbericht
←
→
Transkription von Seiteninhalten
Wenn Ihr Browser die Seite nicht korrekt rendert, bitte, lesen Sie den Inhalt der Seite unten
Branchenmonitor 2021
ManagementberichtVorgehensweise und Zielsetzung des VAIS-Branchenmonitors Nahezu alle Industrieunternehmen in Deutschland nutzen Leistungen des Industrie- services. Wie sich die Rahmenbedingungen für den Industrieservice aktuell darstellen, ist Gegenstand der vorliegenden Studie des VAIS Verband für Anlagentechnik und In- dustrieService e.V. Wachstumsprognosen sowie Dienstleistungsportfolio werden repräsentativ für den Industrieservice abgefragt und ausgewertet. So entsteht ein umfassendes Bild vom wirtschaftlichen Umfeld in Deutschland und Europa. Beim VAIS-Branchenmonitor handelt es sich um ein Stimmungsbild, das die Vielfalt der zu erbringenden industri- ellen Dienstleistungen und ihre Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland aufzeigt. Die 11. Auflage des Branchenmonitors erscheint 2021 zum zweiten Mal unter dem Namen des VAIS, nachdem der Branchenmonitor von 2011 bis 2019 vom WVIS herausgebracht worden war. An der Befragung nahmen die Entscheiderinnen und Entscheider aus dem Industrieservice teil. Die Befragung zum aktuellen Branchenmo- nitor fand im Frühjahr 2021 auf Basis von Unternehmensdaten des Jahres 2020 und laufender Geschäftserwartungen statt. In diesem Jahr haben wir erneut als Son- derthema einen Fragenteil zur „Corona-Pandemie“ eingefügt. Information zum VAIS e.V. Der VAIS Verband für Anlagentechnik und IndustrieService e.V. vertritt die Interessen der Branchen des Anlagenbaus, der Anlagentechnik und des Industrieservice. Er ist durch die Verschmelzung der Verbände FDBR e.V., SET e.V. und WVIS e.V. entstanden, als dessen Nachfolger er sich als die Interessenvereinigung für Unternehmen im In- dustrieservice versteht. Zielsetzung des Verbands ist es hier, die wirtschaftspolitischen Interessen der wachstumsstarken Branche zu artikulieren und in enger Zusammen- arbeit mit den Mitgliedsunternehmen Qualität und Nachhaltigkeit über einheitliche Standards und ein gemeinsames Branchenbild zu schaffen.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort .......................................................................................................................................................................................................2
Belebung nach Krisenjahr 2020 ..............................................................................................................................................3
Belastungen der Corona-Pandemie halten an ............................................................................................................3
Industrieservice – systemrelevante Branche gerade in Krisenzeiten..........................................................3
Chemie, Pharma und Energie – wichtigste Kunden ...............................................................................................5
Portfolio des Industrieservice ................................................................................................................................................... 6
Deutschland heute und in Zukunft wichtigster Markt ..........................................................................................7
Wasserstoff neuer wichtigster Innovationstreiber ................................................................................................... 8
Smarte Services stärken Resilienz ......................................................................................................................................... 8
Fachkräfte binden – berufliche Weiterbildung praxisorientierter gestalten...................................... 10
Bürokratische Hemmnisse belasten Branche ............................................................................................................. 11
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Einschätzung der Rahmenbedingungen der Corona-Pandemiebekämpfung ............... 4
Abb. 2: Einschätzung der Rahmenbedingungen der Corona-Pandemiebekämpfung in
Prozent. ...................................................................................................................................................................................................... 4
Abb. 3: Anteil der Nennungen der drei wichtigsten Kundenbranchen. ...................................................5
Abb. 4: Anteil der Nennungen der drei wichtigsten Serviceleistungen. .................................................. 6
Abb. 5: Nennungen der drei wichtigsten Wachstumsmärkte. .......................................................................7
Abb. 6: Benennung der drei wichtigsten Zielmärkte. .............................................................................................7
Abb. 7: Nennungen der Innovationsthemen (Services) im Industrieservice ........................................ 9
Abb. 8: Nennungen der Innovationsthemen (Technologien) im Industrieservice........................... 9
Abb. 9: Aussagen zum Fachkräftemarkt ........................................................................................................................ 10
Abb. 10: Aussagen zu Qualifizierung und Bindung von Fachkräften ...................................................... 10
Abb. 11: Nennungen der Hemmnisse für Unternehmensentwicklung. .................................................... 11
Abb. 12: Beurteilung von Faktoren als Wachstumsrisiko oder Wachstumschance. ...................... 12
1Vorwort
Nach einem turbulenten und herausfordernden Krisenjahr gibt es erste Anzeichen der Belebung. Der
Industrieservice wächst wieder. Während die Pandemie durch den Sommer und erste Effekte der Impf-
kampagne an Virulenz einbüßt, ist es nun Zeit, ein erstes nüchternes Fazit zu ziehen. Die Pandemie
verliert zwar an Schrecken, die Folgen bleiben aber. Das Wachstum erklärt sich zum großen Teil aus
Nachholeffekten, Lieferketten und Betriebsabläufe bleiben auf Monate gestört. Das Vertrauen in den
Standort Deutschland und an eine leistungsfähige Verwaltung haben durch den Zickzack-Kurs der ver-
gangenen Monate spürbaren und langfristigen Schaden genommen.
Wie wichtig der Industrieservice für den Standort ist, hat jedoch auch die Pandemie in den letzten Mo-
naten gezeigt. Hinter dem Schlagwort „Resilienz“ stehen das Knowhow, die Flexibilität, die breite Palette
an Dienstleistungen aber auch die Innovationskraft, mit denen die Branche zu einer reibungslosen Pro-
duktion heute und in Zukunft beiträgt.
In der Zwischenzeit wirft die Bundestagswahl ihre Schatten voraus. Durch den Paukenschlag des
„Klima-Urteils“ des Bundesverfassungsgerichts und unabhängig vom Ausgang der Wahl ist jedoch klar:
Defossilisierung und Klimaneutralität werden die Politik bestimmen und eine Anpassung der Industrie
erfordern, an deren Ende die deutsche Industrielandschaft von heute nicht wiederzuerkennen sein wird.
Die Unternehmen des Industrieservice sind indes zuversichtlich, dass die Transformation der Kunden-
branchen mit Wachstumspotenzialen für sie einhergehen wird.
Der Energieträger Wasserstoff revolutioniert die Kundenbranchen des Industrieservice. Auch den In-
dustrieservice beschäftigt dieses „Mega“-Thema 2021, neben den Herausforderungen der Digitalisie-
rung und dem demografischen Wandel. Der VAIS trägt dieser Entwicklung Rechnung und veranstaltet
nach einer erfolgreichen Wasserstoff-Veranstaltungsreihe am 25. November ein Event, das bundesweit
erstmals die Rolle von Wasserstoff auch im Industrieservice beleuchten wird.
Dr. Dietmar Kestner
2Belebung nach Krisenjahr 2020
Für den Branchemonitor Industrieservice be- Landesverordnungen belasteten zusätzlich die
fragte der VAIS von Anfang März bis Ende Mai Erbringung von Dienstleistungen.
2021 seine Mitgliedsunternehmen und weitere
Unternehmen aus dem deutschen Industrieser- Darüber hinaus wurden die Vertriebsprozesse
vice nach ihren Geschäfts- und Wachstumser- der Unternehmen durch Kontaktbeschränkun-
wartungen für das laufende Jahr. gen beeinträchtigt, konnten jedoch zum Teil
durch Digitalisierungsmaßnahmen aufgefangen
Die Umfrageergebnisse ergaben einen Gesam- werden.
tumsatz von EUR 4,457 Mrd. Der VAIS schätzt
das Volumen des gesamten Industrieservice auf Besonders bemängelten die Unternehmen je-
20 Mrd. EUR einschließlich des Facility Manage- doch übereinstimmend ein unbefriedigendes
ments und der Inhouse-Leistungen der Betrei- Pandemie-Management von Bund, Ländern
berunternehmen, die durch die vorliegende Um- und Kommunen.
frage nicht abgedeckt wurde. Dies betraf zum einen eine intransparente Kom-
Gegenüber dem Vorjahr konnte somit auf munikation, die es sowohl erschwerte, Unter-
Grundlage der diesjährigen Erhebungen ein nehmensabläufe mittel- und langfristig zu planen
Umsatzwachstum von 5 Prozent ermittelt wer- als auch angesichts einer diffusen Rechtsset-
den. zung rechtssicher umzusetzen.
Dieses nur auf den ersten Blick kräftige Wachs- Zum anderen haben sich aus Sicht der Unter-
tum ist jedoch hauptsächlich auf Nachholef- nehmen die Rahmenbedingungen der Corona-
fekte zurückzuführen, nachdem im Krisenjahr Eindämmung im Vergleich zum Vorjahr nicht ge-
2020 unterbliebene und/oder aufgeschobene In- bessert.
standhaltungsleistungen für einen Einbruch im Die Unternehmen kritisieren, dass nach wie vor
Auftragseingang sorgten. Gegenüber 2019 war benötigte Wirtschafts- und Überbrückungshil-
hier der Gesamtumsatz um drei Prozent zurück- fen nur höchst unbefriedigend gewährt wurden,
gegangen. Auch 2022 wird sich dieser Nachhol- und bemängeln, dass diese nur mit hohem büro-
effekt aller Voraussicht nach fortzusetzen. kratischem Aufwand beantragt werden konnten.
Gerade kleinere Unternehmen ohne betriebs-
ärztliche Infrastruktur beklagten zudem eine
Belastungen der Corona-Pandemie schleppende Impfgeschwindigkeit (Stand An-
halten an fang Juni 2021).
Auch das bisherige Jahr 2021 stand für den Hervorzuheben ist, dass trotz erwartbarer Er-
deutschen Industrieservice ganz im Zeichen der leichterungen der Pandemie-Einschränkungen
Corona-Krise und stellte die Unternehmen der zum Jahresende 70 Prozent der befragten Un-
Branche im zweiten Jahr der Pandemie vor im- ternehmen auch für das Jahr 2022 mit Beein-
mense Herausforderungen. 95 Prozent der be- trächtigungen durch die oder aus der Pandemie
fragten Unternehmen stellten fest, dass die Pan- rechnen. Erfreulich ist hingegen, dass die Unter-
demie für sie relevant ist, 70 Prozent gaben an, nehmen aus dem Industrieservice nur in gerin-
dass die Auswirkungen für ihre Geschäftstätig- gerem Maße auf das arbeitsmarktpolitische In-
keit erheblich relevant sind. strument der Kurzarbeit angewiesen waren.
Von einschneidender Bedeutung waren insbe-
sondere die Störungen der Auftragsabwick-
lung und der Lieferketten. Beschränkungen
Industrieservice – systemrelevante
der Freizügigkeit und Reisemöglichkeiten er- Branche gerade in Krisenzeiten
schwerten es den Unternehmen in den vergan- Der Industrieservice hat während der Pandemie
genen Monaten in erheblichem Maße, Service- seine systemrelevante Stellung für den Indust-
leistungen vor Ort zu erbringen. Die Kurzfristig- riestandort Deutschland unter Beweis gestellt.
keit und Unübersichtlichkeit verschiedener von
Bundesland zu Bundesland abweichender
3Corona-Rahmenbedingungen: Welche Aussage trifft zu?
Die Auswirkungen des Lockdowns werden uns im
2,8
nächsten Jahr spürbar belasten
Die Corona-Hilfen sind unserem Unternehmen
2,1
ausreichend gewährt worden
Die Corona-Hilfen sind unserem Unternehmen
2,1
unbürokratisch und zeitnah gewährt worden
Die Coronakrise hat Auswirkungen auf unsere
2,1
Liquidität
Die Lockdown Maßnahmen hatten Auswirkungen
3,0
auf unseren Auftragsabwicklung
Die Lockdown Maßnahmen hatten Auswirkungen
3,2
auf unsere Lieferketten
Die Lockdown Maßnahmen hatten Auswirkungen
3,1
auf unseren Umsatz
Die Lockdown Maßnahmen hatten Auswirkungen
3,3
auf unseren Auftragseingang
In unser Unternehmen wurde auf Grund der
2,2
Coronakrise Kurzarbeit eingeführt
Die Coronakrise ist für unser Unternehmen relevant 3,9
1 2 3 4 5
Abb. 1: Einschätzung der Rahmenbedingungen der Corona-Pandemiebekämpfung (Mittelwert): 1 = trifft nicht zu,
2 = trifft kaum zu Aussage 3 = trifft in gewissem Maße zu, 4 = trifft stärker zu, 5 = trifft vollständig zu.
Corona-Rahmenbedingungen: Welche Aussage trifft zu (2)?
Die Auswirkungen des Lockdowns werden uns im
12% 18% 59% 0%12%
nächsten Jahr spürbar belasten
Die Corona-Hilfen sind unserem Unternehmen
29% 6% 24% 6% 35%
ausreichend gewährt worden
Die Corona-Hilfen sind unserem Unternehmen
35% 0% 24% 0% 6% 35%
unbürokratisch und zeitnah gewährt worden
Die Coronakrise hat Auswirkungen auf unsere
53% 12% 12% 18% 6%
Liquidität
Die Lockdown Maßnahmen hatten Auswirkungen
18% 18% 29% 18% 18%
auf unseren Auftragsabwicklung
Die Lockdown Maßnahmen hatten Auswirkungen
12% 6% 53% 12% 18%
auf unsere Lieferketten
Die Lockdown Maßnahmen hatten Auswirkungen
6% 35% 12% 35% 12%
auf unseren Umsatz
Die Lockdown Maßnahmen hatten Auswirkungen
0% 24% 35% 29% 12%
auf unseren Auftragseingang
In unser Unternehmen wurde auf Grund der
41% 18% 29% 6%6%
Coronakrise Kurzarbeit eingeführt
Die Coronakrise ist für unser Unternehmen relevant 0%6% 24% 47% 24%
0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100%
trifft nicht zu / trifft kaum zu trifft in gewissem Maße zu
trifft stärker zu trifft vollständig zu keine Angabe
Abb. 2: Einschätzung der Rahmenbedingungen der Corona-Pandemiebekämpfung in Prozent.
4So konnten die Unternehmen des Industrieser- Bemerkenswert ist gegenüber Vorjahreserhe-
vice ihre Kundenunternehmen insbesondere bungen die Zunahme der Bedeutung der phar-
bei der Umsetzung unternehmenseigener Hygi- mazeutischen Industrie als Wachstumsmarkt,
enekonzepte und notwendiger Pandemie- die nicht zuletzt durch ein Wachstum der Life
schutzmaßnahmen vor Ort unterstützen. Sciences in der Pandemie befeuert wurde.
Diese Unterstützung beinhaltete neben den Die Umfrageergebnisse geben sowohl den
auch in der Pandemie erforderlichen und den Wachstumspfad der pharmazeutischen In-
Anlagenbetrieb sichernden Dienstleistungen dustrie infolge der Pandemie als auch langfris-
zusätzliche Services, mit denen die Branche fle- tig erwartete Umsatzentwicklungen für die
xibel und unkompliziert auf die Pandemielage Branche wieder. Bereits 2020 hatten die Unter-
und einen neuen Kundenbedarf reagieren nehmen mit zweistelligen Wachstumsraten für
konnte: Diese reichten von desinfizierenden die pharmazeutische Industrie gerechnet.
Reinigungsmaßnahmen, der pandemiegerech-
ten Reinigung von Klima- und Belüftungsanla- Auch die Nahrungsmittelindustrie und Petro-
gen, über die Umsetzung von Sars-CoV2-Tes- chemie konnten im Vergleich zu 2020 ihre Po-
tungen vor Ort bis hin zur logistischen Unter- sition behaupten.
stützung in Impfzentren. Die größten Umsatzwachstumspotenziale se-
hen die Unternehmen weiterhin in den drei
wichtigsten Kundenbranchen. Hier erwarten die
Chemie, Pharma und Energie – Service-Unternehmen für die nächsten drei
wichtigste Kunden Jahre in der Chemischen Industrie ein jährli-
ches Wachstum von 8,7 Prozent, in der Phar-
65 Prozent der Unternehmen benannten in der mazeutischen Industrie sogar von 9,6 Prozent.
Umfrage die Chemische Industrie, die Pharma-
zeutische Industrie sowie die Kraftwerks-, Um-
welt- und Energietechnik gleichrangig als eine
der drei wichtigsten Kundenbranchen.
% von Unternehmen nennen als eine ihrer 3 wichtigsten
Kundenbranchen
70% 65% 65% 65%
60%
50%
40%
30%
20% 18% 18%
10% 6%
0%
Chemische Pharmaindustrie Energiesektor Lebensmittel Petrochemie Stahl- /
Industrie Metallerzeugung
Abb. 3: Anteil der Nennungen der drei wichtigsten Kundenbranchen.
5Der Energiesektor wird hier nach Ansicht der Im Vergleich zu den Vorjahren nahm hingegen
befragten Unternehmen durch den weiteren die Bedeutung der Bereiche Turnaround und
Ausbau Erneuerbarer Energien, die Umrüstung Anlagenabstellung deutlich zu. Während im
von Bestandsanlagen sowie durch den Aufbau Vorjahr diese mit 14 Prozent noch Platz sechs
einer Wasserstoffwirtschaft die Branche mit der wichtigsten Dienstleistungen belegten, ran-
dem stärksten Umsatzwachstum sein (11,4 gierten 2021 Turnaround und Anlagenabstel-
Prozent). lung mit 24 Prozent auf Platz drei.
Portfolio des Industrieservice
Während der Industrieservice in Deutschland
insgesamt ein breites Leistungsportfolio anbie-
tet, vereinen indes 64 Prozent der befragten
Unternehmen mehr als 80 Prozent ihres Umsat-
zes auf ihre drei wichtigsten Dienstleistungsan-
gebote.
Auch 2021 nahmen hierunter die klassischen
Dienstleistungen Instandhaltungen, Wartun-
gen und Inspektion dabei die wichtigste Position
im Portfolio ein.
% Unternehmen nennen als eine Ihrer 3 wichtigsten
Serviceleistungen
45% 41%
40%
35%
29%
30%
25% 24%
20% 18% 18% 18% 18%
15% 12% 12%
10%
5%
0%
Abb. 4: Anteil der Nennungen der drei wichtigsten Serviceleistungen.
6Deutschland heute und in Zukunft Auch unter den Wachstumsmärkten nimmt
wichtigster Markt Deutschland weiterhin mit Abstand die stärkste
Position ein.
Mit großem Abstand bleibt für die Unternehmen
des Industrieservice die Bedeutung des Hei- Hingegen holt das Geschäft auf den Märkten in
matmarktes Deutschland ungebrochen. 70 Mittel- und Osteuropa auf: Für 18 Prozent der
Prozent der befragten Unternehmen benannten Unternehmen eröffnen sich in den kommenden
Deutschland als einen der drei wichtigsten Ziel- drei Jahren Wachstumspotenziale in diesem
märkte. Markt und somit noch vor dem heutigen zweit-
wichtigsten Zielmarkt West- und Südeuropa,
Die Unternehmen rechnen für den deutschen der von 12 Prozent als einer der drei wichtigsten
Markt bis 2023 von einem durchschnittlichen Wachstumsmärkte benannt wird.
jährlichen Wachstum von 5 bis 10 Prozent.
Die Verschiebung der weltwirtschaftlichen Ge-
wichte schlägt auch auf die ausländischen Ziel-
und Wachstumsmärkte der industrienahen
Dienstleistungen durch: Erstmals in der Erhe-
bung des Branchenmonitors findet sich Indien
unter den Nennungen der stärksten Zielmärkte
neben China und dem Nahen Osten.
Von Unternehmen als einer von 3 wichtigsten Zielmärkten genannt
80% 71%
70%
60%
50%
40%
29%
30%
20% 12% 12% 12%
10% 6% 6%
0%
Deutschland West- / China Indien Naher / Mittler Großbritannien Mittel- /
Südeuropa Osten Osteuropa
Abb. 6: Benennung der drei wichtigsten Zielmärkte.
Von Unternehmen als einer von 3 wichtigsten Wachstumsmärkten
genannt
60% 53%
50%
40%
30%
18%
20% 12% 12% 12%
10% 6% 6%
0%
Deutschland Mittel- / West- / China Naher / Mittler Indien Großbritannien
Osteuropa Südeuropa Osten
Abb. 5: Nennungen der drei wichtigsten Wachstumsmärkte.
7Wasserstoff neuer wichtigster Inno- Allgemeinen darstellen kann, verfolgen die Un-
vationstreiber ternehmen in ihrer Innovationsagenda.
Die Defossilisierung der Prozessindustrie Smarte Services stärken Resilienz
wird zum Taktgeber für Innovationen im Indust-
Die Pandemie hat neben der Verletzlichkeit be-
rieservice. Klima- und energiepolitische Wei-
stehender Lieferketten und Produktionspro-
chenstellungen wie der europäische Green
zesse die Notwendigkeit vor Augen geführt, den
Deal oder die Verschärfung der sektoralen
Anlagenbetrieb krisenresilient zu gestalten. Mit
Emissionsminderungsziele im deutschen Ener-
Smart Services besetzt der Industrieservice
giesystem erfordern, dass die Kundenbranchen
schon genau dieses Zukunftsthema und trägt
in neue Klimatechnologien investieren, Be-
dazu bei, den Industriestandort krisenresisten-
standsanlagen modernisieren und auf Effizienz
ter und transformationsfähiger zu machen.
setzen.
Hinter dem Game-Changer Wasserstoff bleibt
Das Thema Wasserstoffwirtschaft ist als Zu-
Predictive Maintenance daher das wichtigste
kunftsthema im Industrieservice angekommen:
Innovationsthema im Industrieservice und ist
Wasserstofftechnologien und Wasserstoffan-
bereits heute Geschäftsmodell.
wendungen werden 2021 von den befragten
Unternehmen sogar noch vor Predictive Main- Aufgrund der Pandemieerfahrungen und des
tenance als wichtigstes Technologiefeld unter zeitweise eingeschränkten Zugangs zu Be-
den Innovationstreibern der Branche genannt. triebsanlagen und Produktionsstätten setzen
Wasserstoff hat dabei das Potenzial, sämtliche die Unternehmen noch stärker auf Augmented
Kundenbranchen des Industrieservice von der Reality (AR) und interaktive Arbeitshilfen, wel-
Chemischen Industrie mit einer Defossilisie- che zwischenzeitlich weit verbreitet eine Markt-
rung des feed stock über die Substitution von reife erreicht haben.
Koks in der Stahlerzeugung bis hin zum Groß-
anlagenbau von Elektrolyseuren zu durchdrin- In der Entwicklung von Big Data-Analysen
gen. sieht der Industrieservice hingegen derzeit kei-
nen Innovationsbedarf. Hier wird sich in den
Dementsprechend schätzen die befragten Un- nächsten Jahren ein Bedarf und eine eigene
ternehmen einen wachsenden Unterstützungs- technologische Kompetenz gegebenenfalls auf-
bedarf bei Qualifikation, Betriebssicherheit und bauen.
Instandhaltung in der Wasserstoffnutzung.
Trotz einer zögerlichen und gedrosselten Ab-
steckung des politischen und regulatorischen
Rahmens für Wasserstoff in der aktuellen Le-
gislaturperiode zeichnet sich nach einer langen
Phase von Demonstrationsprojekten allmählich
ein für den Industrieservice klar erkennbarer
Zukunftsmarkt mit skalierten Projekten ab. Für
einzelne Unternehmen aus dem Industrieser-
vice nimmt bereits eine Wasserstoffindustrie
als neue Branche Konturen an, für die jährliche
Wachstumsraten bis zu 5 Prozent erwartet wer-
den.
Aber auch Technologien wie CCUS (Carbon
Capture Utilization and Storage), das einen
Schlüssel zur CO2-Minderung in Kundenbran-
chen wie der Zementindustrie im Besonderen,
aber auch zur Senkung der letzten Prozent-
punkte an CO2-Emissionen zum Jahre 2045 im
8Welche Innovationsthemen verfolgen Sie (Services)?
Ersatzteil-, Lagermanagement und Logistik / Real
1,5
Time Supply Chain Optimisation
Betriebsmittelsteuerung / Smart Metering 2,8
Interaktive Arbeitshilfen / Augmented Reality 3,1
Fernwartung / Remote Maintenance 1,9
Zentrale Anlagenüberwachung / Remote Monitoring 2,1
Datenmanagement / Big Data-Analysis 1,3
KPI Transparenz durch Leistungskennzahlen 2,1
1 2 3 4 5
Abb. 7: Nennungen der Innovationsthemen (Services) im Industrieservice (Mittelwert).
1 = verfolgen wir nicht, 2 = in der Entwicklung, 3 = erste Aufträge werden bearbeitet, 4 = im Markt etabliert, 5 =
starke Marktposition.
Welche Innovationsthemen verfolgen Sie (Technologien)?
Vorausschauende Wartung / Predictive Maintenance 3,0
3 D In-situ-Printing 2,4
Intelligente Anlagenkomponenten / -steuerung 2,4
Energieeffiziente / emissionsarme Anlagenprozesse 2,5
Neue Werkstoffe und deren Verarbeitung 2,8
Immissionsschutz 2,6
Carbon Capture / Use / Storage (CCUS) 2,7
Wasserstoffnutzung 3,6
1 2 3 4 5
Abb. 8: Nennungen der Innovationsthemen (Technologien) im Industrieservice (Mittelwert).
1 = verfolgen wir nicht, 2 = in der Entwicklung, 3 = erste Aufträge werden bearbeitet, 4 = im Markt etabliert, 5 =
starke Marktposition.
9Fachkräfte binden – berufliche Wei- und so Fachkräfte für die Branche zu gewinnen
terbildung praxisorientierter gestal- und an sie zu binden.
ten Dabei sieht sich die Branche zunächst in einer
guten Ausgangslage: Die Unternehmen stim-
Die Unternehmen aus dem Industrieservice
men überein, dass die Arbeitsplätze in der
sind zusehends mit der Herausforderung kon-
Branche eine Perspektive bieten. Auch die aka-
frontiert, die Fachkräfte von morgen zu finden:
demische Ausbildung genügt nach Ansicht der
So stimmen die Unternehmen mehrheitlich der
Unternehmen den Anforderungen des Berufs-
Aussage zu, dass es immer schwerer werde,
bildes, wenngleich Ansätze für eine fachüber-
qualifizierte Mitarbeiter zu finden.
greifende Ausbildung wünschenswert sind.
Dies ist angesichts des sich zuspitzenden de-
Hingegen sehen die Unternehmen Verbesse-
mographischen Wandels größtenteils auf den
rungen in der beruflichen Weiterbildung und
Wettbewerb um die „besten Köpfe“ zurück-
Qualifizierung als notwendig an, um das Profil
zuführen.
des Industrieservice zu schärfen. Gleicherma-
Nach Ansicht der Unternehmen bedarf es je- ßen ist aus Sicht der Unternehmen berufliche
doch auch größerer Anstrengungen, Berufsbil- Weiterbildung der Hebel, um Mitarbeiterinnen
der des Industrieservice stärker zu vermitteln und Mitarbeiter langfristig zu binden.
Aussagen zum Fachkräftemarkt
Arbeitsplätze in der Branche besitzen Perspektive. 4,3
Aktuelle Studiengänge entsprechen den
3,4
Anforderungen der Branche.
Die Branche ist für Studenten und junge Ingenieure
2,6
uninteressant.
Es fehlt an einer fachübergreifenden Ausbildung für
3,4
die Mitarbeiter.
Qualifizierte Mitarbeiter sind für die Branche immer
4,1
schwerer zu finden.
1 2 3 4 5
Abb. 9: Aussagen zum Fachkräftemarkt (Mittelwert).
1 = trifft nicht zu, 2 trifft kaum zu Aussage, 3 = trifft in gewissem Maße zu 4 = trifft stärker zu, 5 = trifft vollständig
zu.
Aussagen zu Qualifizierung und Bindung von Fachkräften
Das interessante Aufgabenspektrum in der Branche muss
besser kommuniziert werden. 4,2
Berufliche Weiterbildung ist verstärkt als Instrument zur
Mitarbeiterbindung zu nutzen. 4,1
Die Branchenunternehmen können ihre Mitarbeiter besser
individuell und in Eigenregie fortbilden. 3,5
Bundesweit sind neue Impulse für die Aus- und
Weiterbildung von Ingenieuren notwendig. 3,5
Die Zusammenarbeit mit Hochschulen wird künftig
wichtiger. 3,9
1 2 3 4 5
Abb. 10: Aussagen zu Qualifizierung und Bindung von Fachkräften (Mittelwert)
1 = trifft nicht zu, 2 trifft kaum zu Aussage, 3 = trifft in gewissem Maße zu 4 = trifft stärker zu, 5 = trifft vollstän-
dig zu.
10Beim Thema Qualifizierung setzen die Unter- Dokumentationspflichten im Bereich Nachhal-
nehmen daher auf einen Instrumentenmix aus tigkeit zusätzlich verlängert zu werden drohen,
einer verstärkten betrieblichen Weiterbildung, und verhindern bereits heute sinnvolle Moderni-
einer engen Zusammenarbeit mit Hochschu- sierungen in Bestandsanlagen und Investitions-
leinrichtungen und neuen Impulsen für die Aus- entscheidungen zugunsten deutscher Stand-
und Weiterbildung. orte.
Unter dem Eindruck der Corona-Pandemie und
einer sich bundesweit uneinheitlich darstellen-
Bürokratische Hemmnisse belasten den Linie zur Pandemiebekämpfung wurde
Branche erstmals in diesem Zusammenhang auch die
heutige Ausgestaltung des Föderalismus als
Aus Sicht der Unternehmen des Industrieser-
Hemmnis benannt.
vice bedarf es einer konsequenten Anpassung
und Modernisierung der öffentlichen Hand, um Mit Sorge blickten die Unternehmen des Indust-
die Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsfestig- rieservice auf die Entwicklung des Arbeitsrechts
keit des Standortes Deutschland zu bewahren. und die Diskussion um das sektorale Verbot
Mehrheitlich benannte die Branche hierbei das von Werkverträgen in anderen Branchen an-
Thema Bürokratie als größtes Hemmnis für die lässlich des Ausbruchs von Corona-Fällen im
Entwicklung des jeweiligen Unternehmens. vergangenen Jahr. Der Industrieservice sieht
hier die Gefahr, dass Werkverträge, die für den
Der „Wildwuchs“ an Bürokratie ist beträchtlich:
Industrieservice die Geschäftsgrundlage bilden,
Besonders belasten langwierige und auf-
weiter gebrandmarkt werden und dass ohne
wendige Genehmigungsverfahren, die künftig
Berücksichtigung der spezifischen Bedingun-
durch weitere umweltrechtliche Auflagen und
gen der Branchen in Zukunft Werkvertragsver-
bote drohen.
Zugleich lebt aus Sicht der Unternehmen der In-
dustriestandort Deutschland in bedrohlichem
Maße von seiner Substanz: Unzureichende In-
vestitionen in digitale Infrastruktur behindern
den bereits heute möglichen Einsatz digitaler
Technologien in der Industrie sowie die Ent-
wicklung neuer Geschäftsmodelle.
Hemmnisse für Unternehmensentwicklung ?
(falsches) Pandemie Management 3,1
(komplexes) Arbeitsrecht 3,3
Bürokratie 3,4
Infrastruktur-Defizite (inkl. Digitalisierung) 3,1
(fehlende) Investitionsförderung 3,0
Steuerpolitik 2,4
Energie-, Klima, Umweltpolitik 2,5
1 2 3 4 5
Abb. 11: Nennungen der Hemmnisse für Unternehmensentwicklung (Mittelwert).
1 = trifft nicht zu, 2 trifft kaum zu Aussage, 3 = trifft in gewissem Maße zu 4 = trifft stärker zu, 5 = trifft vollständig zu.
11Auch in Hinblick auf die Resilienzfähigkeit und Trotz dieses großen Potenzials befürchten die
Wettbewerbsfähigkeit droht Deutschland hier befragten Unternehmen eine Überforderung ih-
zusehends ins Hintertreffen zu geraten. Smarte rer Kundenbrachen und eine drohende Verla-
Services und Industrie 4.0 sind hierbei eine gerung von Produktionsstandorten aus
Voraussetzung, um – auch angesichts zukünfti- Deutschland ins Ausland. Eine inkohärente
ger Krisen – die Produktion in Deutschland Klima-, Energie- und Umweltpolitik, ein reform-
nachhaltig zu sichern. Von den befragten Unter- bedürftiges Abgabe-, Steuer- und Umlagesys-
nehmen werden beide mehrheitlich zu den tem und insbesondere langwierige Genehmi-
Hauptwachstumstreibern gezählt. gungsverfahren erzeugen Rechtsunsicherheit
und hemmen Investitionsentscheidungen für
Damit diese Wettbewerbsfähigkeit jedoch erhal- den Standort Deutschland.
ten werden kann, ist der Standort in besonde-
rem Maße von der Innovationskraft seiner Un- Hingegen sehen die Unternehmen die politi-
ternehmen abhängig. Während der Industrie- sche Lage im Ausland entspannter als im Vor-
service heute innovative Services anbieten jahr. Die Einigung über ein Abkommen nach
kann, benachteiligt ein unzureichendes, intrans- dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus
parentes und in der Beantragung vorausset- der Europäischen Union sowie ein Rückgang
zungsreiches System an Investitionsförde- protektionistischer Bestrebungen nach den US-
rungsprogrammen gerade kleinere mittelstän- amerikanischen Wahlen sorgen hier für eine zu-
dische Unternehmen – besonders bei Zukunfts- versichtliche Einschätzung.
themen wie Wasserstoff und Klimatechnolo-
gien.
Aus Sicht der Unternehmen bergen die Ener-
giewende und die damit verbundene Defossili-
sierung mittelfristig ein massives Potenzial für
Modernisierungen und Investitionen in den Kun-
denbranchen. Vor dem Hintergrund des für
viele Kundenunternehmen entscheidenden
Kostenfaktors „Energiekosten“ bewerten die
Service-Leister die Wachstumschancen für
Energieeffizienzmaßnahmen als einen der
Hauptwachstumstreiber.
Wachstumsrisiko oder Wachstumschance?
Politische Lage im Ausland 2,5
Fachkräftemangel 2,6
Arbeitssicherheit 3,3
IT-Sicherheit 2,8
Energiewende 3,6
Energieeffizienz 4,2
Elektromobilität 3,3
Produktionsverlagerung 2,3
Innovative Dienstleistungen 4,1
Industrie 4.0 4,2
1 2 3 4 5
Abb. 12: Beurteilung von Faktoren als Wachstumsrisiko oder Wachstumschance (Mittelwert).
1 = hohes Risiko, 2 = Risiko-Aspekt, 3 = wenig relevant, 4 = Chance, 5 = große Chance.
12Ihre Ansprechpartner:
Fachbereich 2 „Industrie- und Anlagenservice“
Dipl.-Kfm. Hendrik Franke
h.franke@vais.de
Fachbereich 5 „Wirtschaftspolitik & Imageförderung“
Arne Harrendorf M.A.
a.harrendorf@vais.de
13Verband für Anlagentechnik und IndustrieService e.V.
Sternstr. 36
40479 Düsseldorf
www.vais.de
14Sie können auch lesen