Chillen, Partizipation und politische Bildung - OKJA ist nicht system-sondern lebensweltrelevant - Verband Kinder ...

 
WEITER LESEN
l    FACETTEN POLITISCHER BILDUNG

     Chillen, Partizipation und politische Bildung
                  OKJA ist nicht system- sondern lebensweltrelevant
                                         von Yagmur Mengilli und Moritz Schwerthelm

                                                 c
    Im Zusammenhang mit aktuellen gesellschaftlichen Entwick-
    lungen und spätestens mit dem aktuellen 16. Kinder- und Ju-            Wie kaum ein anderes Arbeitsfeld bietet
    gendbericht (Deutscher Bundestag 2020) wird der politischen            OKJA auf Grund der Kombination ihrer
    Bildung verstärkt Aufmerksamkeit zu teil. Politische Bildung              gesetzlichen wie strukturellen ...
    bezeichnet dabei einerseits ein Arbeitsfeld (1) und andererseits
    ein breites Tableau konzeptioneller und theoretischer Ansätze
    anderer Arbeitsfelder der (außer-)schulischen Bildung. Eines
    dieser Arbeitsfelder ist entsprechend § 11 SGB VIII die Offene     kritisch-politischem und dem Bourgeois als ökonomischem
    Kinder- und Jugendarbeit.                                          und besitzendem Bürger. Hannah Arendt unterscheidet zwi-
                                                                       schen den menschlichen Tätigkeiten Arbeiten und Handeln
    Der vorliegende Beitrag soll das spezifische Verständnis           und Jürgen Habermas zwischen System und Lebenswelt. Im
    von politischer Bildung in der OKJA und seine me-                         System wird, laut Habermas (1981), Macht adminis-
    thodischen wie praktischen Konsequenzen                                             trativ produziert, wobei die entscheidende
    beschreiben. Dabei wird ein Allein-                                                       Ressource Geld ist. Es wird sich öko-
    stellungsmerkmal der OKJA dar-                        Foto: Julia Briggs
                                                                                                  nomischen Logiken untergeordnet
    gestellt: Wie kaum ein anderes                                                                   und Entscheidungen werden
    Arbeitsfeld bietet sie auf                                                                         auf ihrer Grundlage getrof-
    Grund der Kombination                                                                                fen. In der Lebenswelt
    ihrer gesetzlichen wie                                                                                 wird Macht kommunika-
    strukturellen Rahmen-                                                                                   tiv erzeugt, also durch
    bedingungen institutio-                                                                                  demokratische     Mei-
    nell gerahmte Potenzia-                                                                                  nungs-,     Willensbil-
    le einer lebenswelt-                                                                                     dungs- und Entschei-
    orientierten Demokra-                                                                                    dungsprozesse. Die Ar-
    tiebildung     (Schwert-                                                                                beitswelt wird (traditio-
    helm & Sturzenhecker                                                                                   nell im Sinne Marx) dem
    2016). Diese gesetzlich                                                                               System zugeordnet. Die
    wie gesellschaftlich zuge-                                                                          Interaktion bzw. das politi-
    schriebene Funktion der Parti-                                                                    sche Handeln der Lebenswelt.
    zipation und Demokratiebildung
    macht sie in hohem Maße relevant                                                            Gemeinsam haben die Unterschei-
    für das Aufwachsen in einer demokrati-                                                 dungen dieser Denker:innen, dass damit
    schen Gesellschaft.                                                            eine ökonomische und eine politische Integrati-
                                                                       on beschrieben werden, aber auch, dass erst eine Kombinati-
    Anders als einige Protagonist:innen des Feldes seit dem            on beider Formen die Integration des Bürgers/der Bürgerin
    Ausbruch der Corona-Pandemie und den damit einherge-               in Gesellschaft ausmacht. Kurz: Für eine erfolgreiche Inte-
    henden Eindämmungsmaßnahmen proklamieren, leiten wir               gration braucht es beides: Arbeiten und politisches Handeln,
    daraus jedoch keine ‚Systemrelevanz‘ sondern eine                  den Citoyen und den Bourgeois. Ein Problem unserer heuti-
    ‚Lebensweltrelevanz‘ der OKJA gerade im Hinblick auf das           gen Gesellschaft ist jedoch, dass mit der Entwicklung des
    Verbot von Praktiken wie des Chillens ab. Um das zu be-            Kapitalismus die systemisch-ökonomische Seite zuneh-
    gründen, müssen wir etwas weiter ausholen.                         mend an Relevanz gewinnt, während die andere an Bedeu-
                                                                       tung verliert. So analysiert Habermas (1981) in seiner Theo-
                                                                       rie kommunikativen Handelns, dass im Zuge der Entwick-
    Zwei Formen der Vergesellschaftung –                               lung der Moderne eine sogenannte „Kolonialisierung der
    soziale und ökonomische Integration                                Lebenswelt“ stattfindet.

    Bedeutende theoretische Denker:innen unterscheiden zwei            Damit meint er, dass wir immer weniger Entscheidungen auf
    Formen, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Karl Marx         Grundlage demokratischer Kommunikation treffen, sondern
    etwa betont die Unterscheidung zwischen dem Citoyen als            systemische Imperative wie ökonomische Effizienz und Ef-

4   FORUM für Kinder und Jugendarbeit 1/2021
Chillen, Partizipation und politische Bildung

fektivität unsere Entscheidungen prägen. Mit anderen Wor-
ten: Es vollzieht sich eine Ökonomisierung der Lebenswelt                     Es vollzieht sich jedoch eine
und damit auch der Bildung (Höhne 2012). Theorien der                      Ökonomisierung der Lebenswelt und
Herrschaftskritik würden an dieser Stelle hinzufügen, dass                     damit auch der Bildung.
das System dabei auch immer Herrschaftsinteressen auf
Bürger:innen ausübt, wohingegen die Lebenswelt (im Ideal)
so aufgebaut ist, dass Herrschaft demokratisch legitimiert          deutlicher der Lebensweltintegration zuzuordnen sind, auch
wird. Insofern plädiert Habermas dafür, Gesellschaft so zu          wenn es in der Praxis immer wieder zu Mischformen kommt.
restrukturieren, dass die kommunikativ erzeugte Macht in
einer demokratischen Lebenswelt auch Macht auf das Sys-                 Den Hilfen zur Erziehung werden zum Beispiel beide Funktio-
tem ausüben und dieses so „zähmen“ (ebd. 2014, S. 39)                   nen per Gesetz zugeschrieben: „Jugendliche sollen in Fragen
kann. Soweit das gesellschaftstheoretische Vorgeplänkel.                der Ausbildung und Beschäftigung [systemintegrativ] sowie
                                                                        der allgemeinen Lebensführung [sozialintegrativ] beraten und
                                                                        unterstützt werden.“ (siehe § 34 Abs. 3 SGB VIII). Auch für
Kinder- und Jugendarbeit zwischen System                                die Jugendsozialarbeit werden in § 13 beide Seiten als Wir-
und Lebenswelt                                                                kungsziele benannt. So „sollen im Rahmen der Jugendhil-
                                                                                    fe sozialpädagogische Hilfen angeboten werden,
Institutionen der Sozialen Arbeit und damit
                                                           Foto: Julia Briggs            die ihre schulische und berufliche Ausbildung,
auch der Kinder- und Jugendhilfe wer-                                                       Eingliederung in die Arbeitswelt [syste-
den als ‚Schanier‘ zwischen System                                                             mintegrativ] und ihre soziale Integration
und Lebenswelt beschrieben (Mer-                                                                  [sozialintegrativ] fördern.“ (siehe § 13
ten 1997). Denn erstens müssen sie                                                                  Abs. 1 SGB VIII)
als öffentlich finanzierte Institu-
tionen auf irgendeine Weise sy-                                                               Der Kinder- und Jugendarbeit
stemische Imperative berück-                                                                    hingegen kommt mit §§11 und
sichtigen, aber gleichzeitig die                                                                 12 SGB VIII die Funktion der
Realisierung der lebensweltli-                                                                   lebensweltlichen Integration
chen Interessen und Anliegen                                                                      zu: Ihre Angebote „sollen an
der Adressat:innen mit ihnen                                                                      den Interessen junger Men-
(und wenn nicht anders mög-                                                                       schen anknüpfen und von ih-
lich, auch anwaltschaftlich)                                                                     nen mitbestimmt und mitge-
verfolgen. Daraus begründet                                                                      staltet werden, sie zur Selbstbe-
sich das viel genannte ,Doppelte                                                                stimmung befähigen und zu ge-
Mandat‘, was auch eine Vermitt-                                                                sellschaftlicher Mitverantwor-
lung dieser beiden Sphären um-                                                               tung und zu sozialem Engage-
fasst. Zweitens macht sich dies                                                             ment anregen und hinführen.“ (sie-
auch in Bezug auf ihre gesellschaftli-                                                     he § 11 Abs. 1 SGB VIII) Damit
chen Funktionen bemerkbar: Sie über-                                                     wird klar: Der Gesetzgeber betont die
nehmen zum Teil sowohl Funktionen für                                                  ‚Lebensweltrelevanz‘ der Kinder- und
die Systemintegration (Berufsqualifizierung,                                        Jugendarbeit. Diese Vergewisserung ist in-
Arbeitsmarktintegration und -reintegration, so-                                 sofern entscheidend, als dass Kinder- und Ju-
zialstaatliche Leistungen, (Not-)Hilfe sowie auch die Her-                gendarbeit einer der wenigen Bereiche ist, dem vor-
stellung und Kontrolle sozialer Ordnung) als auch Funktio-          wiegend diese Funktion zukommt. Sie ist gesetzlich veran-
nen der Lebensweltintegration (Selbstbildung, Emanzipati-           kert und soll entsprechend auch gesellschaftlich finanziert
on, Inklusion und Förderung von gesellschaftlicher und po-          werden. Solche gesellschaftlichen Bereiche braucht es dann
litischer Partizipation). Das zeigt bereits auf, dass auch in-      auch in (Corona-)Krisen und unabhängig von aktuellen
nerhalb der Kinder- und Jugendhilfe eine gewisse Arbeits-           kommunalen Haushaltslagen.
teilung vorgesehen ist, die auch das SGB VIII nahelegt: Bei
der Betrachtung der Arbeitsfelder innerhalb der Kinder- und
Jugendhilfe, wird schnell deutlich, dass einige die Funktio-        Die Lebensweltrelevanz der Offenen Kinder-
nen der Systemintegration übernehmen, andere hingegen               und Jugendarbeit
                                                                    Kinder- und Jugendarbeiter:innen bewegen sich somit im
                                                                    Spannungsverhältnis zwischen System und Lebenswelt.
     ... Rahmenbedingungen institutionell                           Denn auch wenn ihnen klar die Aufgabe einer lebenswelt-
           gerahmte Potenziale einer                                orientierten Demokratiebildung zugeschrieben wird, erhal-
  lebensweltorientierten Demokratiebildung.                         ten sie auch immer wieder systemische Aufträge, wie schul-
                                                                    kompensatorische Bildung, Beratungen zur Arbeitsmarktin-

                                                                                           FORUM für Kinder und Jugendarbeit 1/2021          5
l     FACETTEN POLITISCHER BILDUNG

    tegration und vieles mehr. Ihr Kernauftrag bleibt mit § 11 je-
    doch, die Partizipation und Demokratiebildung junger Men-                   Fachkräfte müssen an der Praktik des
    schen zu fördern (Schwanenflügel & Schwerthelm 2021).                      Chillens teilhaben, um so die Lebenswelt
    Damit setzt sich die OKJA eine bestimmte Form politischer                    der jungen Menschen zu erfahren.
    Bildung zum Ziel, die weniger auf den Wissenserwerb als
    vielmehr auf konkrete Bildungserfahrungen durch die Aus-
    übung demokratischen Handelns und dessen Reflexion fo-                 turen wie ein Jugendparlament sind aber nur eine Form der
    kussiert (Sturzenhecker 2013) (2).                                     möglichen Beteiligung an der kommunalen Gesellschaft
                                                                           und auch nicht für alle jungen Menschen ist die Adaption der
    Allerdings können Studien zeigen, dass dieser fachliche                Rhetorik Erwachsener in dieser institutionalisierten Form
    Auftrag der politischen Bildung praktisch dort nur begrenzt            interessant.
    umgesetzt bzw. sichtbar wird, wo Fachkräfte der OKJA
    zwar eine lebensweltlich-subjektorientierte Praxis etablie-            Zudem fühlen sich auch nicht alle jungen Menschen von Rä-
    ren, dabei jedoch eine Auffassung von Politik und politi-              ten und Parlamenten repräsentiert. Im Gegenteil: Vielfach
    scher Bildung aufweisen, „die einem engen Verständnis von              geht diese Repräsentationsform mit einem Repräsentations-
    Beteiligung an institutionalisierter Politik in der reprä-                  dilemma einher, das sich durch Entfremdungstenden-
    sentativen Demokratie (Wählen) sowie einer                                        zen auszeichnet (Lütgens & Mengilli 2019). So
    schulisch angepassten, formalisierten Form                                            widerspricht oft die Form der Repräsentati-
    von Wissensvermittlung folgt“ (Kessler                                                   on dem Deutungssystem junger Men-
    2018, S. 172). Ohne ein weites Ver-                                                        schen und ihrer Art und Weise ihre In-
    ständnis des Politischen, das die Le-                                                         teressen artikulieren zu wollen.
    benswelt umfasst, geraten jene                                                                  Wenn beispielsweise junge Men-
    Handlungspraktiken der Adres-                                                                    schen in einem Rat auftreten, ge-
    sat:innen aus dem Blick, die Po-                                                                  schieht das oft entsprechend des
    tenziale der politischen Bildung                                                                   Publikums, das sich neben jun-
    beinhalten. Was das praktisch                                                                       gen Menschen – um jugendli-
    bedeuten kann, wollen wir im                                                                        che Interessen durchzusetzen –
    Folgenden am Zusammenhang                                                                            auch aus machtvollen Erwach-
    der eigensinnigen Praktik des                                                                        senen zusammensetzt. Um
    Chillens, Partizipation und po-                                                                      letzteren eine geeignete und
    litischer Bildung aufzeigen.                                                                        anerkannte Form der Reprä-
                                                                                                        sentation zu bieten, muss eine
                                                                                                       Rolle gespielt werden, die die
    Partizipation und                                                                                 Repräsentierten oftmals als ent-
    ihre Anerkennung                                                                                 fremdet empfinden.

    Die Frage nach gesellschaftlicher                                                                   Eigensinnige Praktiken junger Men-
    Partizipation junger Menschen wird in                                                             schen   haben wenige Orte, die sie sich
    den Erziehungs- und Sozialwissenschaf-                                                         aneignen    können und gerade daher bie-
                                                                 Foto: Julia Briggs
    ten seit Jahrzehnten im Hinblick auf pädago-                                                ten  sich  Jugendeinrichtungen   als non-for-
    gische Beziehungssettings und ein ,Mehr‘ an                                             male  Orte  für Jugend(en)  und ihre Themen an.
    Partizipation junger Menschen an der Gesellschaft disku-                         Meist  hat  das, was   junge Menschen   im  öffentlichen
    tiert (Pohl et al. 2019, S. 1). Im gesellschaftspolitischen Dis-          Raum tun möchten, keinen gestaltbaren Ort, da der öffentli-
    kurs suchen einige Initiativen – wie die Kinderrechtskon-                 che Raum, Teilhabe und Partizipation durch machtvolle Er-
    vention der UN oder das Weißbuch Jugend der Europäi-                      wachsene,    welche die Kommune organisieren, vorgegeben
    schen Kommission – Jugendpartizipation international zu                   werden.   Praktiken  junger Menschen werden dann anerkannt
    fördern und setzen sie damit auf ihre Agenda. Oftmals gibt                und   zugelassen,  wenn   sie den vorherrschenden Vorstellun-
    es bis heute in vielen Kommunen neben dem Schüler:innen-                  gen   von allgemein   relevanten  Themen sowie in ihrer Form
    rat keine Interessenvertretungen junger Menschen. Das                     konformen    Vorstellungen    von  Teilhabe und Teilnahme ent-
    heißt, neben dem Status als Schüler:in werden Jugend(en)                  sprechen.
    strukturell meist nicht vertreten. Formale Beteiligungsstruk-
                                                                              Im hier beschriebenen Verständnis politischer Bildung wer-
                                                                              den Praktiken junger Menschen als Form von Ansprüchen
                                                                              an Orte verstanden und als ihre Art und Weise der Rauman-
        Chillen kann als Möglichkeitsrahmen und                               eignung betrachtet. Sie sind Versuche der Partizipation an
        Modus zwischen „Nichts-Tun-Müssen und                                 der kommunalen oder sozialräumlichen Gesellschaft. Damit
          Etwas-Tun Können“ bezeichnet werden.                                wird zum Thema, wer was als Beteiligung sieht und wie und
                                                                              wann zulässt. So wird jungen Menschen ermöglicht, meist

6   FORUM für Kinder und Jugendarbeit 1/2021
Chillen, Partizipation und politische Bildung

an vorab von Erwachsenen festgelegten Themen und For-
men mitzugestalten und -zubestimmen. Dabei werden weni-              ... ihre Bedeutung für das Aufwachsen und
ger die eigensinnigen Versuche junger Menschen gesehen,             die demokratische Gesellschaft anerkennen,
sich das eigene Leben öffentlich anzueignen und auf eine ei-        auch ganz unabhängig von aktuellen Krisen.
gene Art und Weise an Gesellschaft teilzunehmen und -ha-
ben.

Um dies zu verdeutlichen: Praktiken junger Menschen im             Chillen als ein mehrdeutiges Phänomen
öffentlichen Raum werden gedeutet und bewertet und ent-
sprechend als Teilnahme bzw. Teilhabe anerkannt oder ab-           „Chillen“, „chillig“, „gechillt“ und „Chill dich mal!“ – diese
gewiesen. Als Partizipation werden jene Inhalte und Formen         und andere jugendkulturelle Aussprüche sind alltäglicher
anerkannt, die von allgemeiner Relevanz sind und in einer          Sprachgebrauch junger Menschen. Offen bleibt jedoch, was
als konform betrachteten Art und Weise geschehen. Dies             damit gemeint ist. Der Begriff chillen wurde 2003 in die
wird am Beispiel der Fridays-For-Future-Bewegung deut-             Ausgabe des Duden Fremdwörterbuch im Hinblick auf den
lich: Junge Menschen, die für den Klimaschutz streiken und         anglo-amerikanischen Stamm „to chill“ mit „dem Nichtstun
den Schulbesuch boykottieren, erleben dies eher als po-                  frönen; faulenzen; sich ausruhen“ (Wissenschaftli-
sitiv und somit als Anerkennungserfahrung                                      cher Rat 2003, S. 256) aufgenommen. Heute
(Mengilli & Walther 2019). Das Schu-                                                wird der Begriff chillen aufgrund seiner
le-Schwänzen wird in diesem Rahmen                                                     Mehrdeutigkeit sowohl als Adjektiv,
sogar zugelassen, da die Schüler:innen                                                    Verb, Imperativ oder gar Nomen von
sich für das Gemeinwohl engagieren.                                                        jungen Menschen genutzt. Diese
                                                                                             Mehrdeutigkeit bringt die Offen-
                                                                                              heit mit sich, dass sich junge
Praktiken wie jugendliches                                                                     Menschen mit diesem Begriff
Rauschtrinken im öffentlichen                                                                   ohne weitere Erklärungen für
Raum werden als hedonistische                                                                    spontane und eigensinnige
Praxis gedeutet, obwohl sie                                                                      Praktiken      zusammenfinden
auch im Hinblick auf Bewälti-                                                                     können (3). Dabei dient das
gung von Jugendlich-Sein be-                                                                      Chillen scheinbar einer Art
trachtet werden können. De-                                                                       Code, der lebensweltspezifisch
monstrationen werden zwar als                                                                    und kontextabhängig unter-
allgemein relevant anerkannt,                                                                    schiedlich zur Vergemein-
jedoch werden Demonstrant:in-                                                                   schaftung aufruft.
nen oftmals als Randalierende
und Radikalisierte kriminalisiert.                                                              Es kann als Möglichkeitsrahmen
Das Shoppen-Gehen ist zwar eine                                                               und Modus zwischen „Nichts-
konforme Praktik, wird jedoch nicht                                                          Tun-Müssen und Etwas-Tun Kön-
mit Partizipation in Verbindung ge-                                                       nen“ (Cloos et al. 2009, S. 21) be-
bracht, da junge Menschen damit ledig-                  Foto: Julia Briggs              zeichnet werden, ein Modus, in dem aus
lich ihre Aufgabe als kapitalistische Konsu-                                         der Situation heraus agiert wird. Eine klare
ment:innen erfüllen. Die eigensinnige Praktik                                   Definition des Begriffes chillen würde seiner
des Chillens kann als eine hybride Praxisform betrach-                     Mehrdeutigkeit und der damit einhergehenden Mög-
tet werden, da sowohl auf konforme als auch auf nicht kon-           lichkeit der Abgrenzung gegenüber Erwachsenen, (ande-
forme Weise gechillt werden kann. Eine erkenntnisbringen-            ren) Gleichaltrigen oder auch Jüngeren widersprechen. Ge-
de Perspektive wäre jene, die eigensinnige Praktiken junger          rade die Offenheit, Flexibilität, der Aktionismus und auch
Menschen zulässt und ohne jegliche Bewertung betrachtet,             die Möglichkeit, den Inhalt des Chillens selbst zu bestim-
welche Ansprüche junge Menschen damit auf ihre Art und               men, macht es in seiner Mehrdeutigkeit attraktiv. Da ju-
Weise performativ artikulieren und inszenieren. Damit stün-          gendliche Praktiken nicht im leeren Raum und nicht nur
de der Inhalt der Praktiken gegenüber ihrer Form im Zen-             mit Gleichgesinnten stattfinden, stehen sie in Wechselwir-
trum der Betrachtung und damit auch ein Teil jugendlicher            kung zur gelebten Stadt mit allen Akteur:innen, Raumzu-
Lebenswelt(en). Dies versuchen wir anhand des Phänomens              weisungen, -interessen und -kollisionen. Darin lassen sich
des Chillens noch genauer aufzuzeigen.                               Zusammenhänge von chillen und Partizipation erkennen.
                                                                     Chillen kann als eigensinniger Ausdruck von Interessen
                                                                     und Anliegen, insofern als der Beginn eines Partizipations-
      ..Politische Entscheidungsträger*innen                         versuchs interpretiert und von Fachkräften der OKJA als
  müssten, um Jugend(en) zu ermöglichen, die                         Gesprächsangebot aufgegriffen werden.
         Lebensweltrelevanz der OKJA, ...

                                                                                       FORUM für Kinder und Jugendarbeit 1/2021     7
l    FACETTEN POLITISCHER BILDUNG

    Potenziale des Chillens in der Offenen Kinder-                          ... auseinandersetzen – das aber eben auf
    und Jugendarbeit                                                          ihre Art und Weise und ohne präventive
    In den Jugendhäusern scheint der Alltag von einer Gleich-               Intentionen des pädagogischen Personals.
    förmigkeit geprägt zu sein, in der für Außenstehende schein-
    bar nichts Außergewöhnliches geschieht. Chillen, Abhän-
    gen und Sitzen sind auf den ersten Blick die vorherrschen-           Freunde zu sich nach Hause einladen können“ (Simon 2013,
    den Praktiken. Gesellschaftlich und pädagogisch betrachtet,          S. 154) und um ihnen Raum für ihre Praktiken zu bieten und
    stellen diese Praktiken Gegenbegriffe zu Arbeit und Be-              auch zu lassen.
    schäftigung dar. Es wird suggeriert, dass eine Freizeitkultur
    im Fokus steht, die sich weg von dem Engagement für ge-              Geben Fachkräfte den spontanen eigensinnigen Praktiken
    sellschaftlich anerkannte Interessen hin zu einer verkannten         junger Menschen in ihren Einrichtungen Raum, können sie
    Passivität zu bewegen scheint. Es könnte der Eindruck ent-           das Potenzial dieser Vergemeinschaftung für ihre pädagogi-
    stehen, als ob mit diesen Praktiken Provokationen gegen-             sche Arbeit nutzen (Schulz 2010). Dazu müssen sie an der
    über Pädagog:innen erzielt werden sollen, da sich junge              Praktik des Chillens teilhaben, um über das „Mitmachen“
    Menschen pädagogischen Anknüpfungspunkten                                die Lebenswelt und die Themen der jungen Menschen
    scheinbar verweigern (Cloos et al. 2009, S.                                     zu erfahren (Cloos et al. 2009, S. 142). Aus die-
    142).                                                                                sem Chill-Setting können sie die Themen
                                                                                            der jungen Menschen aufnehmen und in
    Entgegen dieser oberflächlichen An-                                                       ihre weitere pädagogische Arbeit inte-
    nahme verhält es sich anders: Die                                                            grieren. Aus dem informellen Ge-
    Strukturen der OKJA bieten einen                                                              spräch über Erlebnisse des letzten
    geeigneten Rahmen für Chill-                                                                    Wochenendes können Impulse
    praktiken junger Menschen. Of-                                                                   diskursiv aufgegriffen werden
    fenheit, Freiwilligkeit, Niedrig-                                                                 und zu einem gemeinsamen Ge-
    schwelligkeit und Diskursivität                                                                    genstand des weiteren Tages,
    eignen sich für die Ermögli-                                                                       der nächsten Zeit oder zu Parti-
    chung des „Etwas-Tun-Kön-                                                                          zipationsanlässen werden.
    nens und Nichts-Tun-Müs-
    sens“ (ebd.). Die Relevanz des                                                                    Jugendliche Lebenswelten be-
    Chillens in Jugendeinrichtun-                                                                     grenzen    sich nicht auf das
    gen wurde zudem wissen-                                                                           Drinnen   der    Kinder- und Ju-
    schaftlich aufgezeigt (4): Im                                                                    gendeinrichtung,      sondern um-
    Rahmen einer ethnografischen                                                                    fassen  auch   das    Draußen   (also
    Studie wurde in Jugendhäusern,                                                                 den  Sozialraum).    Das  Chillen und
    Jugendzentren und offenen Projek-                                                             die Offenheit der   Einrichtungen   er-
    ten geforscht, um die Koproduktion                                                          möglichen    die    Verknüpfung       des
    des pädagogischen Alltags von Kin-                                                        Drinnen und Draußen durch die ge-
    dern und Jugendlichen mit Professionel-                                                meinsamen      Aushandlung von Alltäg-
    len darzustellen (Cloos et al. 2009). Das Chil-
                                                           Foto: Theo Bruns             lichkeit in der  sogenannten     „sozialpädago-
    len ist im Zusammenhang mit alltäglichen (Kom-                                 gischen   Arena“    (Cloos  et  al.  2009). Deutlich
    munikations-)Praktiken und ihrer Bedeutung für das pro-                  wird: Das   Chillen in  offenen Kinder-     und Jugendein-
    fessionelle Handeln beschrieben, indem das Setting des Ju-         richtungen bietet einen Möglichkeitsraum für diverse eigen-
    gendhauses mit seinen Professionellen und Jugendlichen             sinnige und aktionistische Praktiken junger Menschen und
    „zu einem großen Chill-out Bereich“ (ebd., S. 141) wird.           dementsprechend auch viele Anknüpfungsmöglichkeiten
    Gerade die Offenen Treffs werden von den Besucher:innen            für das pädagogisch-professionelle Handeln der Fachkräfte.
    der OKJA überwiegend genutzt, „um keiner spezifischen
    Tätigkeit nachzugehen (ausruhen, chillen etc.)“ (Schmidt
    2013, S. 13). Das Jugendhaus sei ein Ort der Jugendlichen,         Die Lebensweltnähe der politischen Bildung
    „um Freunde zu treffen und gemeinsam zu chillen – wie man          begründet die Relevanz der OKJA
    es heute nennt, insbesondere für Jugendliche, die keine
                                                                       Mit dem sog. ‚GEBe-Ansatz‘ liegen umfangreiche und praxis-
                                                                       nahe Methoden vor, die beschreiben, wie auf der Grundlage
                                                                       von „Mitmachen“, Beobachten und „wahrnehmen können“
       Gemeinsam mit den Fachkräften wird ein                          (Müller/Schmidt/Schulz 2008) die Themen der Jugendlichen
      Partizipationsprojekt organisiert, in dem sich                   sowie ihre gesellschaftliche Relevanz entdeckt und in dialogi-
      die Beteiligten auch mit Modeproduktion ...                      schen Klärungen zum Ausgangspunkt lebensweltnaher Partizi-

8   FORUM für Kinder und Jugendarbeit 1/2021
Chillen, Partizipation und politische Bildung

                                                                       satz‘ – die spontanen, eigensinnigen und jugendkulturellen
    Das Chillen in OKJA-Einrichtungen bietet                           Praktiken, wie chillen, zum Ausgangspunkt nehmen, bergen
    viele Anknüpfungsmöglichkeiten für das                             das große Potenzial einer lebensweltnahen politischen Bil-
     pädagogische-professionelle Handeln.                              dung, bei der die Inhalte und Formen demokratischer Aneig-
                                                                       nung mitgestaltet werden können. Demokratisches Handeln
                                                                       in einer Demokratie als Lebensform und nicht nur als Regie-
pationsprojekte werden können (Sturzenhecker 2016; Sturzen-            rungsform (Richter et al 2016) wird so konkret erfahrbar
hecker & Schwerthelm 2016). So entsteht in einer Einrichtung           und eröffnet somit Demokratiebildung. Davon ausgehend
aus einem Konflikt um die Beschimpfungen der Jugendlichen              geht es um die Realisierung von Beteiligungsrechten junger
eine von diesen durchgeführte ‚Schimpfwortbefragung‘ im Ju-            Menschen und darum, ihnen die Mitgestaltung ihrer Lebens-
gendzentrum und einer nahgelegenen Schule. Auf Grundlage               welt in Kommunen und Sozialräumen zu ermöglichen bis
der Ergebnisse dieser Befragung beginnen sich die jungen               hin zu demokratischen Entscheidungen, die die Ökonomie
Menschen untereinander und mit den Fachkräften demokra-                dieser Räume betreffen.
tisch auf gemeinsame Regeln des Sprachgebrauches zu eini-
gen, die dann auch die Interessen der Jugendlichen beachten. In         Die nötige Offenheit für eine solche politische Bildung weist
einer anderen Einrichtung wird eine ‚Häkelgruppe‘ ge-                         streng genommen nur die Offene Kinder- und Jugend-
gründet, da die Jugendlichen sich während des                                        arbeit auf. Sie ist freiwillig, folgt keinem Curri-
                                                           Foto: Julia Briggs
Chillens beschweren, dass sie sich die teuren                                            culum und bietet Räume für das Chillen und
Markenmützen nicht leisten können. In                                                        andere eigensinnige Ausdrucksformen
dieser ‚Häkelgruppe‘ kommen wieder                                                             junger Menschen. Es liegt also an den
neue Themen und Interessen auf und                                                               Fachkräften, dieses weite Verständ-
gemeinsam mit den Fachkräften                                                                      nis des Politischen zu entwickeln
wird ein Partizipationsprojekt orga-                                                                und die Potenziale zu nutzen. Po-
nisiert, in dem sich die Beteiligten                                                                  litische Entscheidungsträger:in-
auch mit Modemarken, -produk-                                                                          nen müssten, um Jugend(en) zu
tion und -ökologie auseinanders-                                                                        ermöglichen, die Lebenswelt-
etzen – das aber eben auf ihre                                                                           relevanz der Offenen Kinder-
Art und Weise und ohne präven-                                                                           und Jugendarbeit, ihre Bedeu-
tive Intentionen des pädagogi-                                                                           tung für das Aufwachsen und
schen Personals.                                                                                         die demokratische Gesell-
                                                                                                         schaft anerkennen, auch ganz
Ansätze der politischen Bil-                                                                            unabhängig von aktuellen
dung, die – wie der ‚GEBe-An-                                                                          Krisen.

                                                                                                 Literatur:
Anmerkungen:                                                                                   Cloos, P. et al. (2009). Die Pädagogik der
1) Wenn das Arbeitsfeld gemeint ist,                                                          Kinder- und Jugendarbeit. Wiesbaden: VS
   schreiben wir Politische Bildung groß.                                                    Verlag.
2) Der 16. Kinder- und Jugendbericht schlägt                                          Deutscher Bundestag (2020): Bericht über die Lage
   bzgl. demokratischer Bildung eine Dreiteilung                                      junger Menschen und die Bestrebungen und Leistun-
   von „(1) Demokratie als Bildungsgegenstand“, „(2) De-                        gen der Kinder- und Jugendhilfe. 16. Kinder- und Jugend-
   mokratie als Bildungsstruktur“ und „(3) Demokratie als Erfah-            bericht. Förderung demokratischer Bildung im Kindes- und Ju-
   rung“ (Deutscher Bundestag 2020, S. 129) vor. Folgt man dieser           gendalter. Drucksache 19/24200, 19. Wahlperiode. Berlin,
   Unterscheidung leistet die OKJA einen Mix, da sie eine Bildungs-         11.11.2020.
   struktur aufweist, die Demokratiebildung eröffnet, insofern Er-      Habermas, J. (1981). Theorie des kommunikativen Handelns.
   fahrungen demokratischen Handelns ermöglicht (Schwerthelm &             Frankfurt a. M.: Suhrkamp.
   Sturzenhecker 2016) und sich junge Menschen dabei dann auch
                                                                        Habermas, J. (2011): Wie demokratisch ist die EU? Die Krise der
   spezifisches Wissen zu Demokratie und Politik aneignen können.
                                                                           Europäischen Union im Licht einer Konstitutionalisierung des
3) Individuelle Chillpraktiken werden hierbei nicht ausgeschlossen,        Völkerrechts. In: Blätter für deutsche und internationale Politik
   jedoch werden in diesem Beitrag gemeinschaftliche und in Wech-          8/2011. S. 37-48.
   selwirkung stehende Praktiken fokussiert.
                                                                        Höhne, Th. (2012): Ökonomisierung der Bildung. In: Bauer, U.
4) Yagmur Mengilli schreibt ihre Dissertation zum Thema Chillen            (Hrsg.): Handbuch Bildungs- und Erziehungssoziologie. Wies-
   als jugendkulturelle Praxis und hat unter anderem auch in Jugend-       baden: Springer VS. S. 797-812.
   einrichtungen geforscht.
                                                                        Kessler, S (2018): Politische Bildung in der Offenen Kinder- und
                                                                           Jugendarbeit: Erste Ergebnisse aus einem explorativen For-
                                                                           schungsprojekt. In: Deichmann, C./ Partetzke, M. (Hg.): Schu-
                                                                           lische und außerschulische politische Bildung, Politische Bil-
                                                                           dung. Wiesbaden: Springer VS. S. 159-174.

                                                                                             FORUM für Kinder und Jugendarbeit 1/2021          9
l     FACETTEN POLITISCHER BILDUNG

                                                                               Schmidt, H. (2013): Das Wissen zur Offenen Kinder- und Jugendar-
                                                                                  beit. In: Deinet, U./Sturzenhecker, B. (Hrsg.): Handbuch Offene
                                                                                  Kinder- und Jugendarbeit. Wiesbaden: Springer VS. S. 11-22.
                                                                               Schulz, M. (2010). Performances. Jugendliche Bildungsbewegun-
                                                                                  gen im pädagogischen Kontext. Wiesbaden: Springer VS.
                                                                               Schwanenflügel, L. v./Schwerthelm, M. (2021, i.E.): Partizipation –
                                                                                  ein Handlungskonzept für die Offene Kinder- und Jugendarbeit.
                                                                                  In: Deinet, U./Sturzenhecker, B./Schwanenflügel, L. v./
                                                                                  Schwerthelm, M. (Hrsg.): Handbuch Offenen Kinder- und Ju-
                                                                                  gendarbeit. 5., völlig erneuerte und erweiterte Auflage. Wiesba-
                                                                                  den: Springer VS.
                                                                               Schwerthelm, M./ Sturzenhecker, B. (2016): Die Jugendarbeit nach
                                                                                  § 11 – Erfahrungsraum für Subjekt- und Demokratiebildung.
                                              Foto: JenniferGriffin_unsplash      Link: online: https://www.ew.uni-hamburg.de/einrichtungen/
                                                                                  ew2/sozialpaedagogik/files/schwerthelm-sturzenhecker-
     Knauer, Raingard/Sturzenhecker, Benedikt (Hrsg.): Demokratische              2016-jugendarbeit-nach-p11.pdf [3.2.2021]
        Partizipation von Kindern. Weinheim: BeltzJuventa. S. 107-129.         Simon, T. (2013). Abhängen, Treffen, Warten, Langeweile. In U.
     Lütgens, J./Mengilli, Y. (2019): „Wir repräsentieren uns selbst“ – das       Deinet & B. Sturzenhecker (Hrsg.): Handbuch Offene Kinder-
         jugendkulturelle Repräsentationsdilemma. In: Pohl, Axel/Reut-            und Jugendarbeit (S. 151–154). Wiesbaden: Springer VS.
         linger, Christian/Walther, Andreas/Wigger, Annegret (Hrsg.):
         Praktiken Jugendlicher im öffentlichen Raum – Zwischen Selbst-
         darstellung und Teilhabeansprüchen. Sozialraumforschung und                 Fachkräften obliegt es, dieses weite
         Sozialraumarbeit, vol 19. Wiesbaden: Springer VS. S. 115-131.
                                                                                   Verständnis des Politischen zu entwickeln
     Mengilli, Y./Walther, A. (2019): Wie nehmen Jugendliche am ge-
        sellschaftlichen Leben teil? In: eMagazin KLIMAZIN, 01/2019.                     und die Potentiale zu nutzen.
        Link: https://finanzen.hessen.de/sites/default/files/media/
        hmdf/emagazin_klimazin_1-2019.pdf [3.2.2021]
                                                                               Sturzenhecker, B. (2013): Politische Bildung konkret. In: Deinet,
     Merten, R. (1997): Autonomie der Sozialen Arbeit. Zur Funktions-
                                                                                   U./Sturzenhecker, B. (Hrsg.): Handbuch Offene Kinder- und Ju-
        bestimmung als Disziplin und Profession. In: Otto, H.-U./
                                                                                   gendarbeit, 4. völlig überarbeitete und aktualisierte Neuauflage.
        Thiersch, H. (Hrsg.): Handbuch Soziale Arbeit. Weinheim und
                                                                                   Wiesbaden: Springer VS. S. 439-444.
        München: Juventa Verlag.
                                                                               Sturzenhecker, B. (2016): Gesellschaftliches Engagement von Be-
     Müller, B./Schmidt, S./Schulz, M. (2008). Wahrnehmen können. Ju-
                                                                                   nachteiligten fördern – Band 1. Konzeptionelle Grundlagen für
        gendarbeit und informelle Bildung. Freiburg im Breisgau: Lam-
                                                                                   die Offene Kinder- und Jugendarbeit. Unter Mitarbeit von Mo-
        bertus.
                                                                                   ritz Schwerthelm. Gütersloh: Verlag Bertelsmann Stiftung 2015,
     Pohl, A./Reutlinger, C./Walther, A./Wigger, A. (Hrsg.) (2019):                2. Auflage.
        Praktiken Jugendlicher im öffentlichen Raum – Zwischen
                                                                               Sturzenhecker, B./Schwerthelm, M. (2016): Gesellschaftliches En-
        Selbstdarstellung und Teilhabeansprüchen. Sozialraumfor-
                                                                                   gagement von Benachteiligten fördern – Band 2. Methodische
        schung und Sozialraumarbeit, vol 19. Wiesbaden: Springer VS.
                                                                                   Anregungen und Praxisbeispiele für die Offene Kinder- und Ju-
     Richter, E./Richter, H./Sturzenhecker, B./Lehmann, T./Schwert-                gendarbeit. Gütersloh: Verlag Bertelsmann Stiftung 2. Auflage.
        helm, M. (2016): Bildung zur Demokratie – Operationalisierung
                                                                               Wissenschaftlicher Rat (Hrsg.). (2003). Duden: Das große Fremd-
        des Demokratiebegriffs für pädagogische Institutionen. In:
                                                                                  wörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. Leipzig:
        Knauer Raingard/Sturzenhecker, Benedikt (Hrsg.): Demokra-
                                                                                  Dudenverlag.
        tische Partizipation von Kindern. Weinheim: BeltzJuventa,
        S. 107-129.
          c

      Yagmur Mengilli,                                                          Moritz Schwerthelm,
                                  M.A., ist wissenschaftliche Mitarbei-                                    M.A., ist wissenschaftlicher Mitar-
                                  terin am Institut für Sozialpädago-                                      beiter am Arbeitsbereich Sozialpä-
                                  gik und Erwachsenenbildung der                                           dagogik der Universität Hamburg,
                                  Goethe-Universität Frankfurt am                                          Fakultät für Erziehungswissenschaft.
                                  Main, Fachbereich Erziehungswis-                                         Seine Arbeitsschwerpunkte sind:
                                  senschaft. Ihre Arbeitsschwerpunk-                                       Partizipation und Demokratiebil-
                                  te sind: Offene Kinder- und Jugend-                                      dung, insbesondere in der Kinder-
                                  arbeit, Rekonstruktion jugendkultu-                                      und Jugendarbeit, außerschulische
                                  reller Praxen, Jugendbeteiligung                                         Kinder- und Jugendbildung und
                                  (auch im europäischen Kontext)                                           Interventionen politischer Akteure
                                  und Jugendkulturforschung.                                               in Bildungs- und Jugendpolitik.

10   FORUM für Kinder und Jugendarbeit 1/2021
Sie können auch lesen