Das Freiwillige Soziale Jahr bei der Jugendbauhütte Baden-württemberg

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Das Freiwillige Soziale Jahr bei der Jugendbauhütte Baden-württemberg
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 Das Freiwillige Soziale Jahr bei der
­Jugendbauhütte Baden-Württemberg
Ausbildung in den Berufsfeldern der Denkmalpflege
Interview mit Sophie Heinig, Teilnehmerin der Jugendbauhütte Baden-Württemberg,
und David Nonnenmann, Leiter der Jugendbauhütte Baden-Württemberg

Das Interview führte Grit Koltermann

                               Koltermann: Herr Nonnenmann, die Jugend­        malpflege heißt das, die Berufsbilder kennenzu­
                           bauhütte Baden-Württemberg bietet einen Frei­       lernen, sei es in der Restaurierung, im Planungs­
                           willigendienst in der Denkmalpflege an. Was ge­     büro, im Handwerk oder in der Archäologie. So
                           nau heißt das?                                      können die Jugendlichen über das Jahr hinweg
                                                                               sich ein Bild über die Einsatzmöglichkeiten ma­
                               Nonnenmann: Ein Freiwilligendienst in der       chen und sich im besten Fall für einen Beruf in
                           Denkmalpflege – entweder als Freiwilliges Sozia­    der Denkmalpflege entscheiden.
                           les Jahr (FSJ) oder als Bundesfreiwilligendienst
                           (BFD). Ein FSJ ist in einem Handwerks- bzw. Res­        Koltermann: Frau Heinig, Sie haben sich für
                           taurierungsbetrieb oder auch in einem öffentli­     ein FSJ in der Denkmalpflege entschieden. Warum
                           chen Amt möglich, ein BFD ist nur in öffentlichen   ausgerechnet in der Denkmalpflege?
                           Einrichtungen möglich. Man kennt Freiwilligen­
                           dienste aus dem sozialen Bereich, zum Beispiel          Heinig: Ich interessiere mich seit einiger Zeit
                           im Kindergarten oder im Altenheim. Das FSJ in       für die Restaurierung von Museumsobjekten
                           der Denkmalpflege bietet die Möglichkeit, sich in   und habe deshalb über ein Studium in diesem
                           den Bereichen der Denkmalpflege und des Hand­       Bereich nachgedacht. Für das Studium ist ein
                           werks auszuprobieren.                               Vorpraktikum von einem Jahr nötig. Hier gibt es
                                                                               verschiedene Möglichkeiten: Zum einen kann
                              Koltermann: Was sind genau Ihre Anliegen         man sich direkt bei einem Museum oder einem
                           im Hinblick auf die Jugendlichen in den Bereichen   Atelier bewerben, zum anderen kann man in
                           Denkmalpflege und Handwerk?                         der Jugendbauhütte mitwirken. Ich habe mich
                                                                               für die Jugend­bauhütte entschieden, weil man
                              Nonnenmann: Zunächst wollen wir den Ju­          hier eine enge persönliche und fachliche Beglei­
                           gendlichen ermöglichen, sich nach dem Schul­        tung hat und während der Seminare auch an­
                           abschluss zu orientieren und ein Gefühl für die     dere Tätigkeitsfelder in der Denkmalpflege ken­
                           Berufswelt zu bekommen. Speziell in der Denk­       nenlernt.

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    Koltermann: Herr Nonnenmann, Sie sprachen            Nonnenmann: Die Nachfrage nach den Plät­          1 Die Interviewpartner
                                                     zen bei der Jugendbauhütte ist sehr hoch. Wir         ­David Nonnenmann und
die verschiedenen Einsatzgebiete für die Jugend­
                                                     versuchen, vorrangig junge Menschen zu gewin­          Sophie Heinig, 2022.
lichen an. Welche Fähigkeiten und Vorkenntnis­
se sind für einen Freiwilligendienst in der Denk­    nen, die vorher schon dafür Interesse gezeigt ha­
malpflege wichtig?                                   ben oder sich in ihrer Freizeit mit diesen Themen
                                                     auseinandergesetzt haben.
    Nonnenmann: Für einen Freiwilligendienst
in der Denkmalpflege sind keinerlei Fertigkeiten,       Koltermann: Sie sprachen von einer hohen
Kenntnisse oder Nachweise Voraussetzung. Wir         Bewerberzahl. Wie muss man sich das Bewerber-
sind im FSJ gesetzlich gebunden an das Alter –       und Auswahlverfahren vorstellen? Das heißt, wie
zwischen 16 und 26. Wichtig für uns sind die         kommt der Jugendliche an die Informationen
Bereitschaft und Offenheit, sich auf Neues einzu­    und wie ist das Procedere?
lassen.
                                                         Nonnenmann: Es gibt zwei Wege: Man wird
   Koltermann: Frau Heinig, hatten Sie Vor­          auf die Jugendbauhütte aufmerksam im Zuge der
kenntnisse oder Fähigkeiten?                         Orientierung zwischen Schule und anschließen­
                                                     der Ausbildung bzw. Studium, zum Beispiel im
    Heinig: Ich habe ein Jahr nach dem Abitur        Berufsinformationszentrum, online oder durch
ein Chemie-Studium begonnen. Das war hilfreich,      Hinweise aus dem Umfeld. In der Hochphase der
weil in der Restaurierung auch naturwissenschaft­    Bewerbungen findet dann alle drei bis vier Wo­
liche Kenntnisse wichtig sind. Sie sind aber keine   chen eine Informationsveranstaltung statt – frü­
Voraussetzung. Bei meiner Einsatzstelle – dem        her in Präsenz, heute online. Das hat den Vorteil,
Landesmuseum Württemberg Stuttgart – wurde           dass die Interessenten deutschlandweit dazu­
in den Vorgesprächen auch gefragt, ob man be­        kommen. Außerdem werden bei diesem Format
reits handwerklich gearbeitet hat. Aber wie ge­      Ehemalige hinzugezogen, die ihre Erfahrungen
sagt: Das ist keine Voraussetzung.                   weitergeben. Im Anschluss gehen die Informati­

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onen in die Tiefe: Es werden die Einsatzstellen        Koltermann: Herr Nonnenmann, die Jugend­
                          bekannt gegeben und im nächsten Schritt             bauhütte Baden-Württemberg ist im deutsch­
                          kommt der Kontakt zwischen den Jugendlichen         landweiten Vergleich noch relativ jung. Wann ge­
                          und den Einsatzstellen zustande. Die andere Va­     nau ging die Jugendbauhütte Baden-Württem­
                          riante ist der Weg, den Frau Heinig gegangen ist.   berg an den Start und welche Vorlaufzeit war
                              Heinig: Da ich mich frühzeitig für ein Vor­     nötig?
                          praktikum in der Restaurierung entschieden ­habe,
                          habe ich auf der Homepage des Verbands der              Nonnenmann: Der erste Jahrgang startete
                          Restauratoren recherchiert. Hier sind neben an­     im September 2019. Frau Heinig gehört zum
                          deren Möglichkeiten die Jugendbauhütten ange­       dritten Jahrgang. Ich habe meine Stelle als Leiter
                          geben mit eventuellen Einsatzstellen. Ich habe am   der Jugendbauhütte Baden-Württemberg vier
                          Infotag teilgenommen und mich gezielt beim          Monate vorher angetreten und den Start vorbe­
2 Gruppenbild bei einem   Landesmuseum Württemberg Stuttgart bewor­           reitet. Die eigentliche Vorbereitung begann aber
Seminar im Schwarzwald,   ben, aber auch andere Jugendbauhütten ange­         bereits etwa fünf Jahre vorher. Es mussten Part­
2021.                     schrieben.                                          ner gewonnen und die Finanzierung gesichert
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werden. 2019 sind wir dann mit einem noch
nicht vollständigen Jahrgang gestartet und muss­
ten gleich das Corona-Jahr 2020 stemmen.

    Koltermann: Rückblickend kann man aber
doch sagen, dass diese schwere Hürde gemeis­
tert wurde.

    Nonnenmann: Die Herausforderungen waren
angesichts dessen, dass wir in der Gründungs­
phase waren, enorm hoch. Trotz allem gelang es
uns, alle Jahrgänge erfolgreich zu meistern. Ein
Grund hierfür ist unser familiärer Zusammenhalt
in der Gruppe. Wir schafften es, die Praxissemi­
nare – hybrid oder in Kleingruppen – durchzu­
führen.

    Koltermann: Wie viele Einsatzstellen bietet
die Jugendbauhütte Baden-Württemberg an und
was wird abgedeckt?

    Nonnenmann: Wir konnten bereits früh 20           am Anfang persönliche enge Kontakte knüpfen               3 Seminararbeit bei
Einsatzstellen anbieten, was für die Qualität der     konnten. Über den Winter stand vor allem die              einem Kunstglaser in
jahrelangen Vorbereitung spricht. Der Pool ist bis    Arbeit in der Einsatzstelle im Vordergrund. An­           ­Esslingen a.  N., 2021.
jetzt auf fast 30 Einsatzstellen angestiegen. Die     fang des vergangenen Jahres habe ich mich für
jährliche Platzzahl ist mit 22 gedeckelt, sodass      das Studium in der Restaurierung beworben und
manche Einsatzstelle auch mal leer ausgeht. Die       musste bis Ende Februar 2022 Dokumentationen
Einsatzstellen sind über ganz Baden-Württem­          von Objekten einreichen, die ich in der Zeit res­
berg verteilt, Schwerpunkte liegen im Großraum        tauriert habe. Dann folgte die Eignungsprüfung.
Esslingen/Stuttgart, in Oberschwaben und am           Nachdem ich bestanden hatte, konnte ich auch
Bodensee.                                             in andere Bereiche der Restaurierung reinschnup­
    Die Einsatzstellen bilden die in der Denkmal­     pern, die mich interessierten. Im April/Mai wurde
pflege angesiedelten Berufsgruppen ab: von            die Seminararbeit, die im Winter coronabedingt
Handwerksbetrieben, Restaurierungswerkstätten,        pausierte, wieder aufgenommen.
Steinmetzen über Archive bis zur archäologi­
schen Denkmalpflege.                                      Koltermann: Frau Heinig, Sie kommen aus
                                                      Leipzig. War der Umzug nach Baden-Württem­
    Koltermann: Frau Heinig, bitte beschreiben        berg auch ein Teil des Lernprozesses für Sie?
Sie uns, wie Ihr Jahr strukturiert ist.
                                                          Heinig: Der komplette Wechsel meines per­
    Heinig: Nach der Bewerbungsphase und der          sönlichen Umfeldes war eine Herausforderung.
Zusage habe ich mit organisatorischen Vorberei­       Für mich war aber der Wunsch nach genau die­
tungen begonnen. Ich musste von Leipzig nach          ser Einsatzstelle sehr wichtig und ich hatte Un­
Stuttgart umziehen. Im September – zu Beginn          terstützung.
– hatten wir zunächst drei Tage in der Einsatz­           Nonnenmann: Hierzu möchte ich ergänzen:
stelle zum Kennenlernen und dann fand auch            Es ist tatsächlich so, dass ein beträchtlicher Teil der
gleich das erste Seminar im Schwarzwald statt         Jugendlichen für ein Jahr bei der Jugendbauhütte
(Abb. 2). Im Oktober folgte das zweite Seminar in     umzieht. Jedes Bundesland ist anders aufgestellt,
Esslingen (Abb. 3), sodass wir in der Gruppe gleich   was den Wohnungsmarkt oder die täglichen

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Das Freiwillige Soziale Jahr bei der Jugendbauhütte Baden-württemberg
4 Am Schindelbock, 2021.

                           Kosten angeht. Hier möchte ich beruhigen: Wir       gestaltet, hängt von der einzelnen Stelle ab. Eini­
                           unterstützen zum Beispiel bei der Beantragung       ge sind „familiär“ aufgestellt, da übernimmt ei­
                           von Wohngeld oder Ähnlichem. Unser Anspruch         ne Person die Begleitung hauptverantwortlich.
                           ist es, die Jugendlichen während des Jahres auf     Bei größeren Einsatzstellen rotieren die Jugendli­
                           eigene finanzielle Beine zu stellen.                chen durch die Abteilungen. Auf diese Weise
                                                                               wird auf die Bedürfnisse des Einzelnen individuell
                               Koltermann: Die Einsatzstellen sind über        eingegangen und das Jahr kann gegebenenfalls
                           ganz Baden-Württemberg verteilt. Haben Sie          auch angepasst werden. Ich selbst besuche als
                           trotzdem einen engen Kontakt zu den anderen         Pädagoge mindestens einmal im Jahr jede Ein­
                           Jugendlichen?                                       satzstelle und führe Mitarbeitergespräche vor
                                                                               Ort, um eventuelle Anforderungen des Jugendli­
                               Heinig: Ja, wir haben einen engen persönli­     chen zu besprechen. Dann haben wir die Semi­
                           chen Kontakt. Über das Jahr verteilt finden die     nararbeit, die wir etwa alle zwei Monate ge­
                           Seminare statt, besonders jetzt zum Ende hin        meinsam mit der gesamten Gruppe durchführen.
                           auch wieder in dichterer Folge. Hier trifft man     So wachsen wir als Gruppe zusammen, die
                           sich möglichst in Präsenz und verbringt die Aben­   Gruppe wird förmlich zu einer Ressource für je­
                           de miteinander. Zwischen den Seminaren be­          den Einzelnen bei der Persönlichkeitsentwicklung.
                           suchen wir uns gegenseitig so oft wie möglich.          Heinig: Ich möchte noch ergänzen: Es be­
                                                                               steht die Möglichkeit, Praktika zu machen. Das
                              Koltermann: Nicht alle Jugendlichen neh­         heißt, dass man für eine oder zwei Wochen in
                           men das FSJ in der Denkmalpflege so bewusst         einer anderen Einsatzstelle „reinschauen“ kann
                           auf wie Frau Heinig. Haben Jugendliche ohne         und auf diese Weise nochmals die Bandbreite
                           Vorkenntnisse neben den Seminaren eine fachli­      von möglichen Berufsfeldern kennenlernt. Die
                           che Begleitung an der Einsatzstelle?                Jugendbauhütte Baden-Württemberg unterstützt
                                                                               dies ausdrücklich. Auf diese Weise wird aus dem
                               Nonnenmann: Der Jugendliche verbringt           abstrakten Bild von einer Tätigkeit in der Denk­
                           den überwiegenden Teil des Jahres an der Ein­       malpflege eine Erfahrung, ob dieser Beruf tat­
                           satzstelle. Dort steht ihm eine sehr enge fachli­   sächlich zu einem passt. So war es bei mir.
                           che Begleitung zur Verfügung. Wie diese sich

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                                                                                                                     ­Landesamt für Denkmal­
                                                                                                                      pflege in Esslingen, 2023.

   Koltermann: Welche Inhalte werden in den          dieser Hochschulen stellen die Studiengänge vor.
Seminaren vermittelt?                                Aber natürlich stellen wir auch Fragen wie „Wa­
                                                     rum betreiben wir Denkmalpflege?“. Oft kommt
    Heinig: Die Inhalte sind sehr unterschiedlich.   diese Fragestellung ganz von selbst, wenn wir
Begonnen wurde mit dem Kennenlernseminar             zum Beispiel in einem denkmalgeschützten Haus
im Schwarzwald. Themen waren denkmalpfle­            arbeiten.
gerische Fragen speziell im Schwarzwald und im
Bereich der Baudenkmalpflege, kleinere prakti­          Koltermann: Die Jugendbauhütte ist ein
sche Sachen wie die Herstellung von Schindeln        sehr komplexes Projekt. Herr Nonnenmann, wel­
(Abb. 4). Bei unserem Seminar in Esslingen waren     che Partner haben Sie an Ihrer Seite, die die Ju­
wir bei einem Kunstglaser, bei dem wir Bleiver­      gendbauhütte finanziell unterstützen?
glasungen angefertigt haben. An einer anderen
Stelle haben wir kleinere Stuckarbeiten gemacht.       Nonnenmann: Die Jugendbauhütte Baden-
Im Vordergrund steht die praktische Arbeit, die      Württemberg wird von mehreren Finanzierungs­
den meisten sehr viel gebracht hat. Eine Freun­
din hat sich nach dem Seminar in Esslingen für
eine Ausbildung zur Kunstglaserin entschieden.
Ein Highlight war auch unser einwöchiges Semi­
nar auf der Klosterbaustelle Campus Galli bei
Meßkirch, wo wir uns in historischen Techniken
                                                            Weiterführende Informationen
geübt haben.
                                                            sind zu finden unter:
                                                            Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalpflege Baden-Württemberg:
    Koltermann: Werden auch theoretische In­                Jugendbauhütte: www.denkmalpflege-bw.de
halte vermittelt?                                           Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Denkmale erleben, Jugendbauhüt­
                                                            ten: www. denkmalschutz.de/denkmale-erleben/jugendbauhuetten.
    Nonnenmann: Ja, aber jede ­Jugendbauhütte               html
gestaltet dies anders. Einige Jugendbauhütten               Internationale Jugendgemeinschaftsdienste ijgd: www.ijgd.de
organisieren ganze Baustilkunde-Seminare. Wir
gestalten die theoretischen Inhalte breiter und             Abbildungsnachweis
                                                            1 RPS-LAD, Grit Koltermann; 2–4 Jan Bosch; 5 RPS-LAD, Jochen Ansel
oft auch mit Berücksichtigung zukünftiger ange­
strebter Berufe der Jugendlichen. Wir haben en­
ge Kontakte zu Hochschulen, wie etwa in Pots­
dam aber auch hier in Stuttgart. Die Lehrenden

                                                       Denkmalpflege in Baden-Württemberg               1 | 2023                              85
säulen getragen. Die Eckpfeiler sind die Interna­    Jugendlichen zu Beginn und am Ende des Frei­
     tionale Jugendgemeinschaftsdienste ijgd als Trä­     willigendienstes sowie ein Jahr danach. Schauen
     ger und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.         wir nur auf das FSJ bzw. den BFD in der Denk­
     Der große Teil für Sozialversicherungen oder Ta­     malpflege, bleiben sogar weit über zwei Drittel
     schengeld ist ein Zusammenspiel aus Einsatzstel­     in diesem Berufsfeld.
     len-Umlage und der Förderung des Bundesminis­
     teriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend         Koltermann: Frau Heinig, wenn Sie Ihre Nach­
     und des Ministeriums für Landesentwicklung           folgerin oder ihren Nachfolger treffen würden:
     und Wohnen Baden-Württemberg als oberster            Was würden Sie ihm mit auf den Weg geben?
     Denkmalschutzbehörde. Ein weiterer wichtiger
     Partner ist die Wüstenrot Stiftung, die die Kosten        Heinig: Ich habe tatsächlich meine Nachfol­
     der Seminararbeit finanziert. Die ­Jugendbauhütte    gerin schon getroffen. Ich würde auf jeden Fall
     Baden-Württemberg hat ihren Sitz in Esslingen        raten, sich nicht unter Druck zu setzen, offen für
     im Technischen Rathaus. Die Stadt Esslingen          Neues zu sein. Man kann nicht vorhersehen, ob
     stellt uns die Räumlichkeiten zur Verfügung, was     man Denkmalpflege und Handwerk für sich po­
     uns sehr entlastet.                                  sitiv entdeckt. Die Erfahrungen, die man übers
         In der fachlichen Begleitung ist es ein Zusam­   Jahr macht, sind völlig neu, anders als beispiels­
     menwirken von Fachleuten aus den unterschied­        weise in der Schule. Man hat neue Freiheiten,
     lichsten Ecken: Allein das Landesamt für Denk­       aber auch eine neue Verantwortung. Und das
     malpflege bietet vier Einsatzstellen an, die in      sollte man genießen und mitnehmen.
     diesem Jahrgang auch besetzt sind. Es besteht
     die Möglichkeit in der archäologischen Denkmal­         Koltermann: Herr Nonnenmann, was wür­
     pflege beim Forschungsprojekt Heuneburg, dem         den Sie den Jugendlichen raten, die über ein FSJ
     UNESCO-Welterbe Höhlen und Eiszeitkunst der          in der Denkmalpflege nachdenken bzw. eines
     Schwäbischen Alb oder in der Feuchtbodenar­          antreten?
     chäologie in Gaienhofen-Hemmenhofen mitzu­
     arbeiten. Oder direkt am Dienstsitz Esslingen in         Nonnenmann: Das Jahr geht für die Jugend­
     der Bau- und Kunstdenkmalpflege im Spezialge­        lichen, aber auch für mich schneller rum als ge­
     biet Bauforschung. Das LAD bietet zusätzlich         dacht. Meine Empfehlung an die Jugendlichen
     auch seine Restaurierungswerkstätten für Kurse       ist deshalb: „Nehmt das Jahr vom ersten Tag an
     der Jugendbauhütte an (Abb. 5).                      bewusst wahr!“. Gerade in den ersten Wochen
         Wir arbeiten eng mit Hochschulen, Handwer­       stellen sich viele Weichen. Es ist wichtig, frühzei­
     kern im Ruhestand, Bildungsträgern, Ehrenamt­        tig nachzufragen oder gegebenenfalls eine An­
     lichen und Ehemaligen, Freiberuflichen Referen­      passung einzufordern. Auch das ist eine berufli­
     ten, Stiftern, Kommunen und weiteren fachlich        che Erfahrung für die Jugendlichen, dass ein
     kompetenten Partnern zusammen.                       Vorgesetzter dankbar für Feedback ist, und dass
                                                          ein 19-Jähriger sich dies zutrauen darf. Ich versu­
         Koltermann: Herr Nonnenmann, evaluieren          che, diesen Prozess mit Tag 1 anzustoßen und zu
     Sie nach Abschluss der Jahrgänge, wer in der         begleiten.
     Denkmalpflege tätig bleibt?
                                                              Koltermann: Mein herzlichster Dank an Sie
         Nonnenmann: Bundesweit werden freiwilli­         beide für Ihre Zeit und Ihre Bereitschaft, unseren
     gendienstübergreifende Statistiken geführt. Da­      Leserinnen und Lesern die Jugendbauhütte Ba­
     bei liegt die Quote derer, die im Anschluss in ih­   den-Württemberg vorzustellen! Liebe Frau Hei­
     rem vormaligen Tätigkeitsbereich bleiben, bei        nig, ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Studium
     etwa einem Drittel. Da wir einen sehr engen          und alles Gute für die Zukunft. Und Ihnen, lieber
     Kontakt in der Gruppe pflegen, ist mir persönlich    Herr Nonnenmann, wünsche ich viele weitere
     der weitere Weg unserer Jugendlichen im Be­          erfolgreiche Jahrgänge und an der ­Denkmalpflege
     reich der Denkmalpflege bekannt. Wir fragen die      interessierte Jugendliche.                       

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