Das "Grüne Klassenzimmer" - titelgeschichte - HEIMAT- UND VERKEHRSVEREIN - Heimat- und Verkehrsverein ...

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Das "Grüne Klassenzimmer" - titelgeschichte - HEIMAT- UND VERKEHRSVEREIN - Heimat- und Verkehrsverein ...
HEIMAT- UND VERKEHRSVEREIN     der Kernstadt Höxter e.V.

                             titelgeschichte
               Das „Grüne Klassenzimmer“

                               Ihr Mitgliedermagazin |Ausgabe 2|2020
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    Heimat- und Verkehrsverein der Kernstadt Höxter e.V.
    Ihr direkter Kontakt zum Vorstand:
    Vorsitzender:     Norbert Drews | E-Mail: drews16@gmx.de, Tel.: 05271 /92 19 66 (d)
    Stellvertreter:   Dieter Siebeck | E-Mail: d.siebeck@gmx.de, Tel.: 05271 / 31780
    Schriftführer:    Bernhard Ruban | E-Mail: bruban@gmx.de, Tel.: 05271 /692 40 99
    Schatzmeister:    Roland Hesse | E-Mail: runnerhx@t-online.de, Tel.: 05271 /92 13 76

    Aktuelle Informationen zum Vereinsleben finden sich
    im Info-Kasten in der Rathausgasse.
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Inhaltsverzeichnis   3

                                            Liebe Leserinnen und Leser:
                                            Das Heft des HVV erscheint jeweils im
                                            März, Juni, September und Dezember.

                                            Grußwort des Vorsitzenden                     5

                                            Titelgeschichte
                                            Das „Grüne Klassenzimmer“                     6

                                            HVV in eigener Sache
                        Titelgeschichte
                                            Bericht aus dem Vorstand                     12
                            Das „Grüne
                        Klassenzimmer“
                                            Bericht aus den Arbeitskreisen
                               ...Seite 6
                                            AK Wandern                                   15

                                            Eine kleine Geschichte des Hauses
                            Eine kleine
                                            Brenkhäuser Straße 13                        16
                             Geschichte
                            des Hauses
                                            Welches Denkmal bin ich?                     23
                           Brenkhäuser
                              Straße 13
                                            Der Förderverein Landesgartenschau           24

                                            10 Fragen an …
                                            Dr. Christian Lechelt                        26
                              ...Seite 15
                                            Gastbeitrag der evangelisch-freikirchlichen 29
Der Förderverein                            Gemeinde
Landesgartenschau-
Berichte aus dem                            Mitgliedsantrag                              30
Förderverein

          ...Seite 22
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    Impressum

    Herausgeber:               Heimat- und Verkehrsverein der Kernstadt Höxter e.V.,
                               Geschäftsstelle Historisches Rathaus, Weserstraße 11, 37671 Höxter
    Verantwortliche Redaktion: Stephan Berg, Tel. 0 52 71 / 3 91 32 64, hvv.heft@gmail.com
    Redaktion:                 Dr. Burkhard Beinlich, Michaela Weiße, Ernst Würzburger, Wilfried Henze,
                               Dieter Siebeck, Michael Koch
    Lektorat:                  Julia Siebeck
    Homepage:                  www.hvv-hoexter.de
    Layout:                    fien design, Höxter
    Anzeigen:                  Stephan Berg
    Druck:                     Print 24, Friedrich-List-Straße 3, 01445 Radebeul
    Erscheinung:               vierteljährlich
    Bezugspreis:               kostenlos, für eine Spende danken wir Ihnen!
                               (Versand gegen Gebühr, aktuell 5,80 € /Jahr für Mitglieder)
    Spendenkonto:              VerbundVolksbank OWL eG, IBAN: DE97 4726 0121 2005 2529 00,
                               BIC: DGPBDE3MXXX
                               Sparkasse Höxter, IBAN: DE91 4725 1550 0003 0253 43,
                               BIC: WELADED1HXB
    Titelbild:                 Dr. Burkhard Beinlich
    Bildnachweis:              Dr. Burkhard Beinlich, Fabian Beinlich, Julia Siebeck, Dieter Siebeck, Stadtarchiv Höxter,
                               Förderverein Landesgartenschau e.V., Wilfried Henze, Heinrich Esau
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Grußwort    5

Liebe Vereinsmitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde
des Heimat- und Verkehrsvereins,
verehrte Gäste unserer Stadt,
möglicherweise erinnern Sie sich noch an mein Vorwort für
das letzte HVV Heft. Voller Elan und Begeisterung und
mit vielfältigen, gut vorbereiteten Veranstaltungen,
wollten wir im HVV und mit anderen Vereinen durch
unsere ehrenamtliche Arbeit, das gesellschaftliche
Leben unserer Stadt bereichern.

Dann kam mit Corona eine bis dahin nicht vorstellbare
Veränderung im gesellschaftlichen Leben. Eine Infektions-
krankheit als Pandemie weltumschließend. Veranstaltungen
– mit viel Herzblut vorbereitet – mussten kurzfristig abgesagt
werden. Ein zum Teil vollständiges Ruhen des öffentlichen Lebens, bis
auf den systemrelevanten Arbeitsbereich unseres Gemeinwesens, war die
Folge. Trotz der im Moment erweiterten Lockerungen der angeordneten
Maßnahmen ist uns allen bewusst: bis zur Entwicklung eines Impfstoffes oder
wirksamer Medikamente wird das Grundlegende des Infektionsschutzes, die
Abstandswahrung und der Mund-und Nasenschutz, bestehen bleiben. Dies
wird auch für die weiteren Aktivitäten und Planungen im HVV zu beachten
sein. Wir werden daher je nach Situation und Auflagen darüber entscheiden.

Trotz all der Einschränkungen gehen in Höxter Veränderungen voran.
Der Rückbau im Bereich der Weserberglandklinik, die Neubauten in der
Kaserne und des Hallenbades, sowie hoffentlich die bald anstehende
Eröffnung des Freibades.

Bei diesen großen Herausforderungen unserer Zeit sind, meiner festen
Überzeugung nach, Demut und Gemeinschaftsgefühl gefragt, aber auch
Mut und Zuversicht – so auch in der Frage der Landesgartenschau 2023.

Mit lieben Grüßen und bleiben Sie gesund,
Ihr Norbert Drews
Vorsitzender des HVV der Kernstadt Höxter e.V.
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6                        Foto: Fabian Beinlich

    Das „Grüne
    Klassenzimmer“
         am Bielenberg
         bei Höxter
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Titelgeschichte Das „Grüne Klassenzimmer“      7

      N
                      ordwestlich von Höxter grenzt der 231 m hohe Bielenberg
                      direkt an das Stadtgebiet. Er wird im Wesentlichen von den
                      Wellenkalken des Unteren Muschelkalks aufgebaut. Aufgrund
                      seiner ausgesprochen vielfältigen Pflanzenwelt stellte der
                      Bielenberg schon vor über 100 Jahren einen Anziehungspunkt
        für Botaniker von Nah und Fern dar. Es verwundert somit nicht, dass
        drei Teilflächen des Berges bereits Anfang 1930 als Naturschutzgebiet
        ausgewiesen wurden. Zusammen mit dem südlich von Höxter gelegenen
        Ziegenberg ist der Bielenberg das älteste Naturschutzgebiet im Kreis Höxter.

Zur Geschichte des                          anscheinend ackerbaulich genutzt. Selbst
Bielenbergs                                 steilere Hanglagen kamen unter den Pflug,
Heute präsentiert sich der Bielenberg       was an den im Wald gelegenen ehemaligen
überwiegend von Wald bedeckt. An den        Ackerterrassen am Südhang des Berges
weniger steil ausgebildeten West- und       heute noch erkennbar ist.
Ostflanken sowie im flach nach Norden            Der weitgehend waldlose Zustand
auslaufenden Kuppenbereich tritt der Wald   bestand über einen Zeitraum von ca. 200
allerdings deutlich zurück. Dort werden     Jahren, wie die ältesten Kartenwerke von
größere Bereiche landwirtschaftlich ge-     1757 (eine Karte aus dem Siebenjährigen
nutzt – die tiefgründigeren Böden werden    Krieg) und 1838 (Preußische Uraufnahme)
beackert, die flachgründigeren dienen als   dokumentieren.
Viehweiden. Der zentrale Kuppenbereich           Das Weidevieh der Höxteraner Bürger
dient der Bundeswehr als Standortübungs-    wurde aus der Stadt kommend über den
platz.                                      Osthang auf den Berg getrieben. Der
     Ein Blick in alte Quellen und Karten   heutige Straßenname „Triftweg“ erinnert
macht deutlich, dass das Erscheinungsbild   an das ehemalige Hirtenwesen. Der
des Berges über viele Jahrhunderte ein      westliche Bereich des Berges wurde von
ganz anderes war: Noch um 1500 soll         Lütmarsen aus beweidet. Im Dorf wurden
der Bielenberg von einem Ulmenwald          bis zu 200 Ziegen gehalten, die unter
bedeckt gewesen sein, aus dem die Bürger    anderem auf dem Bielenberg gehütet
der Stadt Höxter das Bauholz für ihre       wurden.
Häuser holten. So berichtet Metternich in        In der zweiten Hälfte des 19. Jahr-
seiner „Beschreibung des Kreises Höxter“    hunderts entdeckte dann die Baustoff-
(zitiert in BUDDE 1951). Im Verlaufe        industrie den Muschelkalk des Bielenbergs
des Dreißigjährigen Krieges wurde der       als Rohstoffquelle – ab 1863 wurde er auf
„Belenberg“, so wurde er damals genannt,    dem Bergrücken zur Zementgewinnung
dann völlig oder zumindest weitgehend       abgebaut (WÜRZBURGER 2003). Das erste
entwaldet. Die flachgründigeren und         Zementwerk – es bezog seine Rohstoffe aus
steileren Bereiche dienten den Bürgern      dem östlich gelegenen Steinbruch – wurde
der Stadt Höxter nunmehr als Viehweide,     im Bereich Triftweg / Brenkhäuser Straße
die weitaus größeren Flächen wurden aber    errichtet. Wenige Jahre später wurde 1869
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8     Titelgeschichte Das „Grüne Klassenzimmer“

    bei der ehemaligen Clauseschen Papier-        schlag von Preywisch nicht in das
    fabrik, am südlichen Hangfuß an der           Schutzgebiet einbezogen. Die Flächen am
    Lütmarser Straße gelegen, ein zweites         Südhang fielen Ende der 1960er Jahre zum
    Zementwerk gebaut. Dieses Werk bezog          großen Teil brach und verbuschten bis auf
    seine Rohstoffe aus einem zweiten, weiter     kleine Restbestände.
    westlich gelegenen Steinbruch. Der Kalk-           Im Rahmen der Meldung von
    steinabbau währte bis Anfang der 1930er       europaweit bedeutsamen Schutzgebieten
    Jahre.                                        (NATURA 2000) an die Europäische Union
                                                  (EU) wurde dann endlich der Bedeutung
        Eine weitere einschneidende Ände-         des verbliebenen Offenlands und der
    rung der Nutzung des Bielenbergs stellten     beiden Steinbrüche Rechnung getragen:
    die in den Jahren von 1886 bis 1890           sie wurden in die Abgrenzung des Natura
    durchgeführten Aufforstungen größerer         2000-Gebietes einbezogen. Der 2006
    Flächen des Berges dar. Die flachgründigen    rechtskräftig gewordene Landschaftsplan
    Standorte des Südhanges wurden vor allem      „Wesertal mit Fürstenauer Bergland“ des
    mit genügsamen Waldkiefern bepflanzt.         Kreises Höxter hat die Abgrenzung des
    Auf besser wasserversorgten Standorten        FFH-Gebietes dann für das neu festgesetzte
    wurde dagegen auf Buche, Esche und            Naturschutzgebiet übernommen. Nach
    Ahorn     zurückgegriffen.     Aufgeforstet   fast 50 Jahren wurde damit die seinerzeit
    wurden vor allem die ausgedehnten, als        von Kurt Preywisch verfochtene Schutz-
    Schaf- bzw. Ziegenweide dienenden Kalk-       gebietsabgrenzung Realität.
    halbtrockenrasen sowie die schmalen
    Ackerterrassen am Südhang.                    Zur Vegetation der Wiesen
        Mitte der 1930er Jahre begann die         und Weiden am Südhang
    militärische Nutzung des Bielenberg-          des Bielenbergs
    plateaus. Die Freiflächen und der östliche    Die am Südhang des Bielenbergs gelegenen
    Steinbruch dienten zunächst der Wehr-         Wiesen und die am Ende der Bergstraße
    macht als Übungsgelände, später übernahm      gelegene Wacholderheide waren und sind
    die Bundeswehr das Gelände unter              Lebensraum einer Vielzahl seltener und
    Einbeziehung des westlichen Steinbruchs.      gefährdeter Pflanzenarten. Hierzu gehören
                                                  Kreuz- und Fransen-Enzian, verschiedene
        In den 1950er Jahren wurde dann           Orchideenarten wie Fliegen- und Bienen-
    eine Neuabgrenzung des Naturschutz-           Ragwurz, Mücken-Händelwurz, Großes
    gebiets in Angriff genommen. Dies             Zweiblatt oder Grünliche Waldhyazinthe
    geschah maßgeblich auf Betreiben von          sowie der Wiesensalbei, Zittergras und
    Kurt Preywisch, den die Stückelung des        die Waldanemone. Letztere stellt insofern
    Naturschutzgebietes in drei Teilbereiche      eine Besonderheit dar, als dass sie in
    „verwunderte“. 1959 wurde nunmehr eine        NRW nur im Stadtgebiet von Höxter am
    zusammenhängende, 50 ha große Fläche          Bielen- und Räuschenberg vorkommt. Im
    als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Die        Waldrandbereich und im Grünland selbst
    artenreichen Grünlandbestände im Privat-      finden sich zudem seltene Gehölze wie
    besitz am Süd- und Westhang des Bielen-       Wacholder, Berberitze oder Liguster.
    berges wurden aber entgegen dem Vor-
Das "Grüne Klassenzimmer" - titelgeschichte - HEIMAT- UND VERKEHRSVEREIN - Heimat- und Verkehrsverein ...
Titelgeschichte Das „Grüne Klassenzimmer“           9

                                                                  Die Wald-Anemone
                                                                  (Anemone sylvestris)
                                                                  kommt in NRW nur im
                                                                  Stadtgebiet von Höxter
                                                                  vor (Burkhard Beinlich).

Ein Florenreservat mit                       beständen vorkommenden artenreichen
Grünem Klassenzimmer                         Grünlands entnommen. 2004 wurde dann
Aufgrund der Wertigkeit der Lebensräume      durch den NEW ein Antrag erarbeitet
am Südhang des Bielenberges und              mit dem Ziel, weitere im Privatbesitz
letztendlich aufgrund der Bedeutung          befindliche brachgefallene und verbuschte
der Bergstraße als Spazierweg der            Grünlandbereiche zu erwerben, um sie
Höxteraner Bevölkerung engagieren sich       dann ebenfalls zu artenreichem Grün-
der Naturkundliche Verein Egge-Weser e.V.    land rückentwickeln zu können. Ein
(NEW) und die Landschaftsstation im Kreis    weiteres Ziel war es, auf den Flächen
Höxter e.V. seit nunmehr über 20 Jahren      ein Florenreservat zu etablieren, um der
aktiv zum Schutz der naturschutzfachlich     Bevölkerung die Bedeutung und Schönheit
wertvollen Flächen längs der Bergstraße.     artenreichen Grünlandes und naturnaher
Angestoßen wurde das Engagement              Waldsäume näher zu bringen. Der Antrag
durch die kostenlose Übertragung von         wurde bei der NRW-Stiftung Natur, Heimat
drei kleinen Parzellen mit verbuschenden     und Kultur eingereicht und bewilligt.
Halbtrockenrasen aus Privatbesitz mit
dem Wunsch, dass der Naturkundliche               Über 10 Jahre hat es gedauert, bis
Verein die naturschutzkonforme Pflege        ein zusammenhängendes Grünlandband
und Entwicklung der Flächen übernimmt.       oberhalb der Bergstraße entstanden
Zusammen mit der Landschaftsstation          ist. Jeweils nach Erwerb einer neuen
wurden die Gebüsche und aufstehenden         Parzelle wurde das verbuschte Grünland
Fichten in den Jahren 2001 bis 2003          ehrenamtlich bzw. mit Mitteln des Landes
zugunsten des seinerzeit nur noch in Rest-   und Kreises wieder freigestellt.
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10 Titelgeschichte Das „Grüne Klassenzimmer“

     Im Jahr 2016 ist es dann gelungen,                Da eine Zielsetzung für die Flächen am
 ein Beschäftigungsprojekt des Jobcenters          Südhang des Bielenbergs die Errichtung
 Höxter in Trägerschaft der VHS Höxter             eines Florenreservates ist, wurde durch
 zu initiieren. Im Rahmen des bislang              das Bielenberg-Projekt ein auf dem
 erfolgreich verlaufenden Projekts wurden          Gelände der NRW-Stiftung vorhandenes
 vorhandene Maschen- und Stacheldraht-             ehemaliges Gartenhäuschen saniert, um so
 zäune abgebaut, im großen Umfang                  eine zentrale Anlaufstelle bereitzustellen.
 Müll abgesammelt sowie zahlreiche
 biotopoptimierende sowie Artenhilfs-Maß-              Im Rahmen der Bewerbung der Stadt
 nahmen umgesetzt. Zusammen mit den                Höxter zusammen mit der Hochschule
 umgesetzten Maßnahmen des NEW und                 OWL um Fördermittel aus dem EFRE-
 der Landschaftsstation konnten arten-             Projekt „Grüne Infrastruktur“ hat der
 reiche Kalk-Halbtrockenrasen und Flach-           Naturkundliche Verein Egge-Weser 2018
 landmähwiesen auf größerer Fläche rege-           ein Teilprojekt beantragt mit dem Ziel,
 neriert werden. Weiterhin wurden gut              das ehemalige Gartenhäuschen zu einem
 strukturierte und artenreiche Waldmäntel          „Grünen Klassenzimmer“ auszubauen.
 mit vorgelagerten Säumen geschaffen.              Das Klassenzimmer im „Freien“ soll den
 Angelegte Sonderstrukturen in Form von            nahegelegenen Schulen die Möglichkeit
 Lesesteinhaufen und Trockenmauern                 bieten, Teile des Biologieunterrichtes
 haben die Habitatqualitäten für Reptilien,        ins Freie zu verlegen und so natur-
 unter ihnen die Zauneidechse, deutlich            schutzbezogene Themen in Anlehnung an
 verbessert.                                       die Leitlinien der UNESCO für „Bildung

 Eine männliche Zauneidechse auf einem neu angelegten Lesesteinhaufen
 (Burkhard Beinlich)
Titelgeschichte Das „Grüne Klassenzimmer“ 11

für nachhaltige Entwicklung“ den                 somit eine wertvolle Ergänzung des
Schülern näher zu bringen. Weiterhin             vom Heimat- und Verkehrsverein ausge-
wird das „Grüne Klassenzimmer“ der               zeichneten Preywisch-Weges darstellen.
Technischen Hochschule in Höxter die                 Ziel ist es, dass spätestens 2021 mit
Möglichkeit bieten, Geländepraktika in           dem Unterricht am Bielenberg begonnen
räumlicher Nähe zum Hochschulstandort            werden kann.
zu unterschiedlichsten Themen durch-                               von Dr. Burkhard Beinlich
führen zu können. Die beantragten
Maßnahmen wurden Mitte 2019 geneh-               Danksagung:
migt und werden zurzeit umgesetzt. Es            Die Schaffung des Florenreservates und die
handelt sich zum überwiegenden Teil              Einrichtung des „Grünen Klassenzimmers“
um Maßnahmen zur Besucherlenkung                 wurde maßgeblich durch die NRW-Stiftung
– seien es wassergebundene Wege, land-           Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege
schaftstypische Zäune oder Infotafeln.           sowie durch den Europäischen Fonds für
Auf den Tafeln (ergänzt um eine herunter-        regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.
ladbare App für Smartphones) soll über           Hierfür sei herzlich gedankt.
die naturschutzfachliche Bedeutung des
Bielenbergs, seiner wertgebenden Arten
und Lebensräume und seiner Bedeutung
für den Erhalt der biologischen Vielfalt
informiert werden. Eine Tafel wird speziell
Kurt Preywisch gewidmet werden und

Das wiederhergestellte Grünlandband mit „Grünem Klassenzimmer“ am Südhang
des Bielenbergs oberhalb der Bergstraße im Herbst 2019 (Fabian Beinlich).
                                                         Literatur/Quellen:
                                                         BEINLICH, B., S. HÄCKER & F. GRAWE (2006):
                                                         Der „Bielenberg“ bei Höxter – ein Naturschutz-
                                                         gebiet mit langer Geschichte. – Beiträge zur
                                                         Naturkunde zwischen Egge und Weser 18: 26-37.
                                                         BRATVOGEL, R. (1950): Charakteristische Ver-
                                                         treter der Pflanzenwelt der Naturschutzgebiete
                                                         Bielenberg und Ziegenberg bei Höxter. - Beih.
                                                         zu „Natur und Heimat“ 10: 172-176.
                                                         BUDDE, H. (1951): Die Trocken- und Halb-
                                                         trockenrasen und verwandte Gesellschaften
                                                         im Wesergebiet bei Höxter. - Abh. Landesmus.
                                                         Nat. zu Münster 14(3): 3-38.
                                                         GRAEBNER, P. (1931): Die Pflanzenwelt der Na-
                                                         turschutzgebiete „Ziegenberg“ und „Bielenberg“
                                                         bei Höxter an der Weser. - Mitt. üb. Naturdenk-
                                                         malpfl. i.d. Provinz Westfalen, 2: 37-46. Münster
                                                         KOPPE, F. (1958): Die Pflanzenwelt des NSG
                                                         Bielenberg bei Höxter, unveröffentlicht.
                                                         PREYWISCH, K. (1957): Gutachten über
                                                         die Naturschutzgebiete des Bielenbergs,
                                                         unveröffentlicht.
                                                         RUNGE, F. (1982): Die Naturschutzgebiete
                                                         Westfalens und des früheren Regierungsbezirks
                                                         Osnabrück. - Aschendorf, Münster.
                                                         WÜRZBURGER, E. (2003): Zur Geschichte der
                                                         ehemaligen Zementfabriken Höxters (2). – in:
                                                         Oberweser-Wochen-Zeitungs-Verlag (OWZ),
                                                         31.05.2003.
12 HVV in eigener Sache

 Berichte aus dem Vorstand
 Die Geschichte des Ehrenmals
 Neue Informationstafel aufgestellt
 Es ist schon seit längerem der Wunsch          Richard Hoffmann, einem pensionierten
 des Heimat- und Verkehrsvereins eine           Studienrat der Baugewerkschule Höxter.
 Informationstafel am Ehrenmal für die          Die ursprünglich angebrachten Bronze-
 Gefallenen des Ersten Weltkrieges aufzu-       tafeln mit den Namen von 30 Gefallenen
 stellen. Der Sandsteinbau befindet sich        wurden im Zweiten Weltkrieg zum Ein-
 zwar sehr prominent am Ortseingang am          schmelzen abgeliefert. 1946 wurde be-
 ehemaligen Petritor, so richtig einzuord-      schlossen, dass Ehrenmal in der alten Form
 nen wissen ihn aber auch viele Höxteraner      wieder aufzubauen, allerdings konnte
 nicht. Nach einer ursprünglich bei der Stadt   man die bronzenen Schrifttafeln nicht auf-
 beantragten bronzenen Informationstafel,       finden und so geriet das Vorhaben in
 hat sich der Vorstand dazu entschlossen,       Vergessenheit.
 aus eigener Tasche eine Informationstafel          Die mittlere Tafel des Ehrenmals wurde
 zu finanzieren und aufzustellen. An sehr       später durch eine Sandsteinplatte ersetzt
 prominenter Stelle werden die Fußgänger        und 2017 erneuert. 1953 plante man eine
 und Radfahrer stadteinwärts an der Brenk-      Umgestaltung unter Einbeziehung der
 häuser Straße nun über die Geschichte          Gefallenen des Zweiten Weltkrieges. Aus
 des Ehrenmals aufgeklärt.                      urheberrechtlichen Gründen konnte man
      Das Ehrenmal wurde übrigens im Juni       das Projekt jedoch nicht umsetzen.
 1926 eingeweiht. Der Entwurf stammte von
HVV in eigener Sache 13

Berichte aus dem Vorstand
Neue Bank am Weinberg
Nachdem Unbekannte die Bank am
Weinberg zerschlagen hatten, haben Jan
Marquardt und sein Freund eine neue
Eichenbank gestiftet und aufgestellt.

    Nicht nur der Verein zur Erhaltung und
Nutzung der Weinbergkapelle sowie der
Heimat- und Verkehrsverein der Kernstadt
Höxter, sondern auch alle Spaziergänger
und Wanderer die sich an diesem schönen
Platz niederlassen, danken den Beiden
ganz herzlich.

    Wir alle hoffen, dass diese Bank noch
lange Jahre zum Sitzen einlädt.

               E-Mail: hvv.heft@gmail.com

                                                      Der Heimat-
                                                      und Verkehrs-
                                                      verein dankt
                                                      den Spendern.
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Arbeitskreis Wandern 15

Wanderung vom 15. März 2020                                             von Dieter Siebeck

Wanderung in Altenbeken
Mit dem Titel: „Eisenbahnromantik in Al-       einen weiteren, herrlichen Blick auf den Ort
tenbeken“ haben Silvia Hamatschek und          Altenbeken.
Roland Hesse den „Nagel auf den Kopf ge-
troffen“. Es war eine wunderschöne Runde           Nach knapp zwei Stunden Gehzeit er-
im strahlenden Sonnenschein bergauf und        reichten wir dann die Aussichtsplatform mit
bergab über 9 km in und um Altenbeken,         der besten Sicht auf das Viadukt, das immer-
welche die 18 Wanderer am 15. März erle-       hin die größte steinerne Eisenbahnbrücke
ben durften.                                   Europas ist. Ein Meisterwerk, auch ohne
     Am Bollerborn, dort soll Karl der Große   ICE darauf. 2 Noch ein kurzes Stück muss-
mit seinen Mannen schon gelagert haben,        ten wir durch den Ort zum Eggemuseum
begrüßte uns der Wassermann. 1 Roland          spazieren, um uns mit Kaffee und Kuchen
Hesse kannte ihn wohl, denn er konnte          und Bier und Mettwurstbrot zu belohnen.
einiges über ihn erzählen. Weiter bergauf      Danach noch schnell ein Gruppenfoto vor
und entlang des Gleisdreieck liefen wir hi-    der 44er-Lok 3 und wir fuhren pünktlich
nüber zum 1632 m langen Rehbergtunnel.         mit dem Zug, so wie auf der Hinfahrt, zu-
Hier konnte unser Alt-Eisenbahner Gün-         rück nach Höxter.
ter Specht Fachkundiges beitragen. Dann
wechselten wir durch das Frankenthal hi-       Ich kann nur sagen: Natur und Kultur vom
nüber auf die andere Bergseite und hatten      Feinsten.

1                                                               2

                               3
16

                Eine
              kleine

     Geschichte
              des Hauses

              Brenkhäuser
              Straße

         13
Eine kleine Geschichte des Hauses Brenkhäuser Straße 13 17

I
       n den Jahren 1975 und 1976 erwarb die Bundes-
       republik Deutschland mehrere Wohnhäuser in
       Höxter. Nicht um sie irgendwie zu nutzen, sondern
       „auf Abbruch“. Dazu zählten zwei Häuser an der
       Godelheimer Straße (Nr. 2 und 2a), je ein Haus an der
Lütmarser Straße (Nr. 2), in der Krämerstraße (Nr. 1) und
Am Roten Turm (Nr. 13), zwei Häuser an der Albaxer Straße
(Nr. 27 und 27a) sowie vier Häuser in der Brenkhäuser
Straße (Nr. 13, 15, 15a und 18). Konkrete Hinweise dazu
gab es bereits zehn Jahre zuvor, als das Stadtbauamt Höxter
dem Direktor des Nordrhein-Westfälischen Landtages in
Düsseldorf mitteilte, dass das an der Brenkhäuser Straße
13 gelegene Wohn- und Geschäftshaus des im Mai 1966
verstorbenen Tischlermeisters Franz Lüke auf dessen Frau
übergegangen sei.

    „Über dieses Grundstück läuft die Trasse der geplanten
innerstädtischen Entlastungsstraße (Bundesstraße). Das
Grundstück muß daher von der Straßenbauverwaltung
erworben und die aufstehenden Gebäude abgebrochen
werden. Der Bau der Bundesstraße ist in das 1967 anlaufende
neue Vierjahresprogramm aufgenommen worden. Mit dem
Erwerb des Grundstücks durch den Bund ist daher für das
Jahr 1967/ 69 zu rechnen.“ Der vom Landesstraßenbauamt
Paderborn beantragte Abbruchschein für das Wohn- und
Geschäftshaus Brenkhäuser Straße 13 trägt dann allerdings
das Datum 2. Dezember 1975.

    Nachfolgend soll die Geschichte dieses Gebäudes nach-
gezeichnet werden.
18 Eine kleine Geschichte des Hauses Brenkhäuser Straße 13

                                                                Bauantrag vom 28. Oktober
                                                                1908 für „ein Wohnhaus
                                                                mit eingebauter Werkstatt“
                                                                für den Kunsttischler Johann
                                                                Lüke.

 Am 28. Oktober 1908 stellte das                  Zwei Tage später wurde von der Polizei-
 Baugeschäft Ernst Gockel (Inhaber war        verwaltung Höxter ein Bauerlaubnisgesuch
 inzwischen Sohn und Architekt Hermann        an den „Herrn Stadtbaumeister hier zur
 Gockel) bei der Polizeiverwaltung Höxter     Prüfung und Äußerung“ vorgelegt. Chef
 einen handschriftlichen Bauantrag:           der Polizeiverwaltung waren damals die
                                              Bürgermeister, zu dieser Zeit Wilhelm
  Nach beifolgender Zeichnung beabsichtigt    Leisnering.
     der Kunsttischler Herr Johann Lüke
    hierselbst auf dem Grundstück an der           Dieses Bauerlaubnisgesuch ging am
       Brenkhäuser Straße Flur 11 Parz.       31. Oktober 1908 beim Stadtbauamt
  No. 231/54 ein Wohnhaus mit eingebauter     ein. Stadtbaumeister Friedrich Büchel
    Werkstatt zu errichten. Das Gebäude       vermerkte darauf handschriftlich:
  soll als Putzbau massiv von Ziegelsteinen   „Genehmigung könnte mit der Bedingung
   hergestellt und mit Falzziegeln gedeckt    erteilt werden, daß auch der Westgiebel
                    werden.                   der Vorderfront entsprechend ausgebildet
                                              wird.“ Der Bauschein – heute als Bau-
         Es bitten um Erteilung der           genehmigung bezeichnet – wurde am
              Baugenehmigung                  12. November 1908 ausgestellt und vier
     Ernst Gockel		            Joh. Lüke      Tage später durch Polizei-Sergeant Nolte
Eine kleine Geschichte des Hauses Brenkhäuser Straße 13 19

                                               Bauschein vom 12. November 1908

                                               Lage des Hauses in der Brenkhäuser Straße.
                                               Es wurde 1975 mit dem Nachbarhaus Nr. 15
                                               von der Straßenbauverwaltung für die innerstädti-
                                               sche Entlastungsstraße zum Abbruch erworben.

zugestellt. Die neun auf dem Bauschein
vorgedruckten allgemeinen Bedingungen
wurden um einen weiteren Punkt
handschriftlich mit der schon bekannten
Stellungnahme des Stadtbaumeisters
ergänzt: „10. Der Westgiebel ist der Vorder-
front entsprechend auszubilden und darüber
noch eine Zeichnung vorzulegen.“

    Nördlich des Gebäudes verlief damals
eine Industriebahn (Kleinbahn), welche
die beiden Zementwerke verband und zum
Güterbahnhof an der Corveyer Allee bzw.
zum Hafen führte und dort die Brenkhäuser
Straße querte. Mit dem Bau des Hauses Nr.
13 wurde auf der linken Straßenseite vom                   Giebelansicht nach der Kleinbahn hin.
heutigen Berliner Platz bis zum Triftweg
eine der letzten Baulücken geschlossen.
20 Eine kleine Geschichte des Hauses Brenkhäuser Straße 13

                               „Skizze zur Erbauung einer Werkstatt für Herrn Joh. Lüke, Kunsttischler“
Eine kleine Geschichte des Hauses Brenkhäuser Straße 13 21

Die Rohbauabnahme des Gebäudes erfolgte       fristgemäß abstellte, erhielt er Anfang 1935
Mitte Januar 1909. Das Baugeschäft Ernst      eine polizeiliche Aufforderung, in der schon
Gockel hat nicht nur die Nummer 13            von der „früheren Tischlereiwerkstatt“ zu
erbaut, sondern auch die meisten anderen      lesen ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg
Häuser in der Brenkhäuser Straße. Gockels     nahm Johannes Lüke den Betrieb seiner
Firmensitz befand sich übrigens gegenüber     Tischlerwerkstatt wieder auf. Der Name
von Lükes Haus (Brenkhäuser Straße Nr.        seines Sohnes Franz, seit 1928 ebenfalls
14).                                          Tischlermeister, taucht erstmals 1953 auf,
                                              als er vor der Front des Wohnhauses einen
    Ende 1908 plante Johann Lüke auf          Ausstellungsraum für seine Möbelwerkstatt
dem hinteren Grundstück zunächst einen        errichten wollte. Dies wurde ihm wegen
Holzlagerschuppen, ließ aber stattdessen      der bestehenden Baufluchtlinie versagt.
eine Werkstatt errichten, für die ihm Ende    Allerdings erhielt er die Genehmigung
März 1909 eine Baugenehmigung erteilt         zum Umbau des vorhandenen Ladens.
wurde.
                                                  Warum das Stadtbauamt Höxter –
     Bereits eineinhalb Jahre später folgte   wie anfangs erwähnt – dem Direktor des
die erste Erweiterung der Tischlerwerkstatt   Nordrhein-Westfälischen Landtages in
durch einen Anbau. Nach dem Ersten            Düsseldorf den Tod des 1906 in Höxter
Weltkrieg erweiterte Lüke seine Werkstatt     geborenen Franz Lüke und die Erbfolge
bis an die Grundstücksgrenze. Mitte 1919      seines Wohn- und Geschäftshauses mit-
plante er den Anbau einen Kesselhauses        geteilt hat, ist leicht zu erklären: Franz
für eine acht-PS Lokomobile zum Antrieb       Lüke (CDU) war seit 1958 Mitglied des
der Holzbearbeitungsmaschinen und einer       nordrhein-westfälischen Landtags. Davor
Trockenkammer. Diese Planung wurde            war er schon Ratsherr in Höxter, bis 1964
allerdings aus unbekannten Gründen nicht      Mitglied des Kreistages Höxter sowie von
realisiert. Bei einer Betriebsbesichtigung    1961 bis zu seinem Tod am 18. Mai 1966
im November 1934 durch das Preußische         Bürgermeister der Stadt Höxter.
Gewerbeaufsichtsamt wurden zahlreiche
Mängel festgestellt. Da er diese nicht
                                                                   von Ernst Würzburger
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Welches Denkmal bin ich? 23

        Erraten Sie, welches
        Denkmal ich bin?
                                        ? ? ?                                 ?
                                       ?
L
          iebe Rätselfreundinnen,              jemandem auffällt. Meine Fassade ist üb-
          liebe Rätselfreunde,                 rigens nicht nur prächtig, sondern im Ge-
                                               gensatz zu den anderen historischen Ge-
           ich stehe hinsichtlich meiner       bäuden auch eher ungewöhnlich. Ich bin
           historischen Bedeutung sicher-      nämlich auffällig farbenfroh angemalt und
lich nicht in der ersten Reihe und bin auch    verfüge nicht über die typischen Fächerro-
nicht das größte und schon gar nicht das       setten anderer Häuser. Vielleicht war mein
bekannteste, aber aus Sicht einiger Men-       Erbauer ein Blumen- und Pflanzenfreund,
schen – zumindest der des Verfassers die-      denn ich trage viele florale Elemente als
ses Textes – prächtigste Denkmal in dieser     Schmuck. Aber auch einige Figuren und
Stadt.                                         Engel zieren mich. Die sind übrigens gar
     Ich stehe übrigens auch nicht an dem      nicht so ungewöhnlich wie man meinen
berühmten Hellweg, sondern bloß an der         mag. Wenn ich mich recht erinnere haben
ehemaligen „Bremer Straße“. Die war da-        sich die Handwerker dafür damals irgend-
mals jedoch eine ebenso überregional be-       eines Vorlagenheftes eines Nürnberger
deutende Handelsroute und nicht bloß ir-       Künstlers bedient. Das stört mich aber
gendein kleiner Wirtschaftsweg im Wald.        überhaupt nicht, war es in Renaissancezeit

                                                          ?
Allein aus diesem Grund muss man wohl          doch ein übliches und weit verbreitetes
davon ausgehen, dass mein Erbauer nicht        Vorgehen.
unvermögend war. Wer mich jedoch erbaut

                                                                               ?
hat, habe ich leider vergessen. Das ist aber   Welches Denkmal bin ich? Wissen Sie es?
auch kein Wunder, denn ich bin immerhin        Die Lösung finden Sie auf Seite 31.
schon 466 Jahre alt und damit doch deut-
lich älter als die meisten Leser hier. Dank
lieber und fürsorglicher Eigentümer habe
ich mich trotzdem ganz gut gehalten.
     Ein paar Umbauten musste aber auch
ich über mich ergehen lassen. So hat man
mir irgendwann einmal den Giebel genom-
men. Angesichts meiner prächtigen Fassa-
de denke ich jedoch, dass das heute kaum
24 LGS 2023 Bericht aus dem Förderverein Landesgartenschau

 Bericht aus dem Förderverein
 Landesgartenschau

 Mitglieder bleiben dem
 Förderverein auch in
 schweren Zeiten treu

D
              ie Corona-Pandemie hat das            Nun gibt es in der Coronavirus-Krise
              öffentliche Leben in den         immer mehr Lockerungen, so dass auch der
              vergangenen Monaten nahezu       Förderverein zuversichtlich in die Zukunft
              still gelegt. So musste auch     blickt und sich darauf freut, bald wieder
              der Förderverein der Landes-     durchzustarten. Ideen gibt es bereits viele.
 gartenschau Höxter viele seiner Aktivitäten   So will der Vorstand etwa eine Busfahrt für
 einstellen. Die Infomärkte fielen aus, die    alle Interessierten zur Landesgartenschau
 Idee eines kleinen Begegnungsparks auf        nach Kamp-Lintfort organisieren. Außer-
 dem „Höxteraner Frühling“ konnte nicht        dem wird der Förderverein die Pflanzaktion
 umgesetzt werden und viele weitere            der Vereine fortsetzen und ein Beet
 Vorhaben mussten zunächst auf Eis gelegt      gestalten. Darüber hinaus wird die noch
 werden. Umso erfreulicher ist es, dass der    ausstehende Verlosungsaktion veranstaltet.
 Förderverein auch in dieser schwierigen       Der Förderverein hatte gemeinsam mit der
 Zeit auf seine Mitglieder zählen kann. So     Bäckerei Engel mit einer Gutschein-Aktion
 hat der Verein nicht etwa einen Rückgang      um Mitglieder geworben. Unter allen
 der Mitgliederzahlen, sondern sogar einen     Mitgliedern sollen attraktive Sachpreise
 leichten Zuwachs zu verzeichnen. Aktuell      und Warengutscheine regionaler Betriebe
 zählt der Verein rund 520 Mitglieder.         verlost werden. Da dies in einem öffent-
 Für diese Unterstützung ist der Vorstand      lichen Rahmen geschehen soll, konnte es
 sehr dankbar. Da viele Menschen derzeit       bisher noch nicht stattfinden.
 von Kurzarbeit und Einnahmeausfällen
 betroffen sind, hat sich der Förderverein
 dazu entschieden, die Mitgliedsbeiträge
 nicht im zweiten Quartal, sondern erst am
 16. September einzuziehen.
LGS 2023 Bericht aus dem Förderverein Landesgartenschau 25

     Gute Nachrichten gibt es zur Aktion            Der Förderverein der Landesgarten-
„Natur im Garten“. Der Lizenzvertrag mit        schau Höxter freut sich auch über das
dem Dachverband ist nun unterschrieben.         Engagement vieler Bürger. So haben
Bei diesem Projekt können sich Interessierte,   beispielsweise Anwohner der Marienstraße
die ihren Garten nach bestimmten                in Stahle den Kreisel dort in ein tolles
Kriterien bewirtschaften, mit der „Natur im     Staudenbeet verwandelt. Die Anwohner
Garten“ -Plakette auszeichnen lassen. Die       hatten schon länger die Idee, den Kreisel
Prüfung übernehmen so genannte Garten-          zu bepflanzen. Beim LGS-Infomarkt in
berater, die den Menschen auch als              Stahle im November vergangenen Jahres
Experten zur Seite stehen. Die Schulung         entstand dann der Kontakt zum Leiter der
für die drei ehrenamtlichen Gartenberater       Stadtgärtnerei, Ralf Haffke. Zusammen
aus Höxter sollte eigentlich Anfang April in    mit ihm und dem Bauhof ist nun das
Österreich stattfinden. Auch diese musste       Staudenbeet entstanden.
aufgrund der Corona-Pandemie verschoben
werden. Aktuell bereitet der Förderverein           Der Förderverein hofft, dass die Um-
einen Flyer zum Projekt „Natur im Garten“       stände es zulassen und bald viele weitere
vor, der bald an verschiedenen öffentlichen     Projekte folgen können. Aktuelle Infor-
Stellen ausgelegt wird und die Bürger über      mationen finden Interessierte im Internet
das Programm informiert.                        unter www.foerderverein-lgs.org.de
26 Zehn Fragen an… Dr. Christian Lechelt

 Zehn Fragen an…
 Dr. Christian Lechelt
 Als geborener Braunschweiger (Jahrgang 1977) ist der Kunst-
 historiker als Leiter für das Wohl und Wehe des Museums
 Schloss Fürstenberg verantwortlich. Nach seinem Studium
 der Kunstgeschichte, Pädagogik und Theater-, Film- und
 Fernsehwissenschaft an der Universität zu Köln wechselte
 er an die Universität Hamburg, um zu promovieren. Der
 Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit – die Kunst-
 und Kulturgeschichte des europäischen Porzellans vom
 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart – entspricht auch seiner
 privaten Leidenschaft.

 Das bisher größte Projekt seiner beruflichen Laufbahn stellte die
 Neugestaltung des Museums Schloss Fürstenberg vor, die ihn von 2015
 bis 2017 beschäftigte. Ein komplettes Museum, ausschließlich dem Porzellan
 gewidmet, neu konzipieren zu dürfen, war eine einmalige Gelegenheit. Entstan-
 den ist in den historischen Schlossmauern das innovativste Museum seiner
 Art und ein echter „Hotspot“ im Weserbergland. Damit nicht genug: als Museums-
 leiter bringt Dr. Christian Lechelt über ungewöhnliche Sonderausstellungen und
 ein reichhaltiges Veranstaltungsangebot auch dauerhaft neues Leben ins Haus.

 Hinzu kommt seine internationale Vernetzung mit zahllosen Museumsleuten,
 Sammlerinnen und Sammlern, Kunsthandel und Multiplikatoren, für die ein
 Besuch im Weserbergland ein echtes Aha-Erlebnis darstellt.

 1. Eingeboren oder zugezogen?                engagiert worden war, wollte ich mög-
 Zugezogen, seit Juni 2015. Ursprünglich      lichst nah, aber doch auch ein wenig
 stamme ich aus Braunschweig, nach dem        städtisch zu meiner Arbeitsstelle wohnen.
 Abitur ging es dann auf Wanderschaft:        Da war für mich Höxter die erste Wahl.
 Düsseldorf, Köln, Saarbrücken, Hamburg,
 Hof. In Oberfranken bin ich auch nach        3. Das gemütlichste Plätzchen in der Stadt?
 wie vor zuhause, somit lebe ich in Höxter    Entweder eines der tollen asiatischen Re-
 als klassischer Berufspendler.               staurants (Smiling Buddha und Oshi), der
                                              Biergarten vom Strullenkrug oder einfach
 2. Warum ausgerechnet Höxter?                eine Bank am Weserbogen mit Blick auf
 Das ergab sich aus der beruflichen Situa-    die Landschaft. Und natürlich meine Woh-
 tion. Nachdem ich zunächst als Projektlei-   nung in einem wunderschönen Fachwerk-
 ter für die Neugestaltung des Museums        haus in der Innenstadt, die vollgestopft ist
 Schloss Fürstenberg im Sommer 2015           mit Büchern und Porzellan…
Zehn Fragen an… Dr. Christian Lechelt 27

4. Das Beste, was Ihnen hier je passiert ist? 8. Für welches Problem wären Sie die
Von der Neuen Westfälischen für die           richtige Lösung?
Neugestaltung des Museums als „Stern          Wenn es um Porzellan und von Empathie
des Jahres“ 2018 ausgezeichnet worden         getragene Museumsarbeit geht, bin ich
zu sein. Eine tolle Ehre!                     sicher nicht der schlechteste Ansprech-
                                              partner. Und wer eine verfressene Gesell-
5. Heimat- und Verkehrsverein –               schaft zum Sushi-Essen bei Oshi braucht,
Wofür braucht es den auch in Zukunft?         ist bei mir auch richtig…
Vereine – scheinbar momentan nicht mehr
so angesagt – sind die wichtigsten Kris-      9. Das habe ich noch nie verstanden.
tallisationspunkte für bürgerschaftliches     Warum …
Engagement. Vernetzung, das gemeinsame        …viele Menschen nicht die Qualitäten
Tun für eine gute Sache, Geselligkeit,        einer Region vor der Haustür stärker
Austausch, Verantwortung für einander         wahrnehmen und wertschätzen, lieber
übernehmen. Ohne all das degeneriert          über Defizite klagen, gleichzeitig aber
eine Gesellschaft zur Ansammlung              wenig Aufgeschlossenheit für Neues zei-
unverbundener Individuen, die nur noch        gen und gerne im bequemen „Das haben
nebeneinander her leben.                      wir schon immer so gemacht“ verharren.
                                              Mehr positives und gelassenes Selbstbe-
6. Wenn ich König/ in von Höxter wäre,        wusstsein, bitte!
dann …
Würde ich sofort die Monarchie abschaf-       10. Höxter im Jahr 2030 –
fen.                                          Was sollte sich bis dahin verändert haben?
                                              Eine rasante Landesgartenschau soll ihre
7. Wie sieht Ihr perfekter Sonntag            deutlichen Spuren im Stadtbild hinter-
in Höxter aus?                                lassen haben, ein paar Bausünden in der
Gibt es DEN perfekten Sonntag? War die        wunderschönen Altstadt verschwunden
Woche anstrengend, dann kann es gerade        sein und sich die Gemeinden beiderseits
richtig sein, einen Sonntag lang zu faulen-   der Weser noch mehr als eine Einheit
zen und einen Serienmarathon zu machen.       begreifen. Dazu eine wachsende Einwoh-
Oder aber es steht ein besonderes Event       nerzahl und eine florierende Wirtschaft,
im Museum an und wir haben die Bude           dass auch genug Geld da ist, um kulturelle
voll. Oder ich reise im Land herum. So        Angebote jeder Art lebendig halten zu
viele Möglichkeiten und jede ist für sich     können. Vor allem aber: Sonnenschein
perfekt, wenn sie sich richtig anfühlt.       am Tag, Regen in der Nacht und überall
                                              fröhliche Gesichter!
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Gastbeitrag der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde 29

„Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den
 Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.“ Genesis 2,15
Sich einfach mal in den Garten setzen – in den vergangenen Wochen
der Kontaktbeschränkungen haben viele Menschen das vermutlich
besonders schätzen gelernt. Zumindest die, die einen Garten haben,
dürften frei nach Goethe empfunden haben: „Hier bin ich Mensch,
wenigstens hier darf ich’s noch sein!“. Es ist schön, eine solche Oase
zu haben.

Astronauten, die einmal die Erde aus dem All gesehen haben,
berichten gleiches von unserem ganzen Planeten. Aus der
Schwärze des Alls erscheint unsere Erde als eine blaue
Perle im weiten Nichts. Eine kleine und zerbrechliche
Oase des Lebens. Es ist schön, sie zu haben. Sie ist
der Garten, in dem wir leben.

Die Menschen, die uns den biblischen Schöpfungs-
text überliefert haben, fühlten sich von Gott in den
Garten gesetzt: „Hier bist du Mensch, hier darfst
du sein. Und weil du schon mal da bist: mach was
draus. Aber mach’s nicht kaputt.“ Seinen Lebensraum zu
bebauen und zu bewahren, zu gestalten und zu schützen –
das ist die Aufgabe des Menschen, wenn man der Bibel folgt.

In den letzten Jahrzehnten ist Naturschutz immer wichtiger geworden.
Seit die Menschen sehen, wie sie ihre Umwelt schädigen, steigt zum
Glück auch die Bereitschaft, etwas dagegen zu tun. Auch wenn noch
längst nicht genug getan ist und weltweit noch größere Anstrengungen
vor uns liegen, ist es gut, dass Menschen lokal, wie bei uns in Höxter,
sich für Naturschutz einsetzen. Auch die kleinen Projekte zählen, denn
unser Heimatgarten ist doch nur ein Teil des großen Gartens der Erde.

Leider ist das Thema erst mit der Bedrohung unserer Natur wichtiger
geworden. Der Bibeltext spricht aus einer Zeit, in der die Umwelt noch
nicht so bedroht war. Das wäre uns heute auch zu wünschen: dass wir
unsere Umwelt nicht nur schützen, wenn sie bedroht ist, sondern dass
wir uns um unseren Lebensraum kümmern, weil er eben ein Garten ist.
Und der Garten braucht Pflege.

Gemeindereferent Heinrich Esau
30 Mitgliedsantrag

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Welches Denkmal bin ich?
Die Lösung:
          Haus Horstkotte in der Stummrigestraße
Magazin des HEIMAT- UND VERKEHRSVEREINS der Kernstadt Höxter e.V.

                   HÖXTER
                     CORVEY

      Viele kleine Leute
      an vielen kleinen Orten,
      die viele kleine Dinge tun,
      		 können das Gesicht
      		 dieser Welt verändern.
                            Afrikanisches Sprichwort

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