EINE WELT IM BLICK 30 Jahre Eine-Welt-Arbeit in Düsseldorf
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EINE WELT IM BLICK
EINE WELT FORUM DÜSSELDORF e.V.
Kasernenstraße 6
40213 Düsseldorf
www.eineweltforum.de 30 Jahre Eine-Welt-Arbeit in DüsseldorfFestschrift_v13_210 x 135 mm 23.11.10 21:56 Seite 1
Doch es ist nicht beim Blick in die Vergangenheit geblie-
ben, die Nostalgie wich schnell dem Blick auf die aktu-
Ihr habt der „Einen Welt“ in Düsseldorf ein Gesicht ge- ellen Schwerpunkte der Arbeit und die Aktivitäten der
geben! Initiativen, die ja den Kern unseres Netzwerkes bilden.
Aussagen wie diese freuen uns natürlich nach über 30- Dieses Heft will eine Bilanz der Arbeit der letzten 30
jährigem Engagement. Das Jubiläum des EINE WELT Jahre ziehen, indem es Bilder von wichtigen Aktionen
FORUM DÜSSELDORF e.V. ist ein Anlass, auf die An- und gelungenen Veranstaltungen in Erinnerung bringt.
fänge der Arbeit zurückzublicken und gleichzeitig zu fra- Es sagt unseren Kooperationspartnern und Unterstüt-
gen, was uns in Zukunft weiter trägt. Gibt es eine zern Dank: Ohne sie wäre die Arbeit des EINE WELT
Kontinuität der Themen, was haben wir bewirken kön- FORUM DÜSSELDORF e.V. mit all seinen Veranstaltun-
nen, wie soll es – gerade angesichts knapper Kassen – gen nicht möglich gewesen.
weitergehen ?
Und es will deutlich machen, dass das Engagement für
Ein Aufruf an alle Mitglieder und Initiativen, alte Fotos die Eine Welt konkret hier vor Ort notwendig ist, Freude
und Geschichten herauszukramen, hat manches Verges- macht und nachhaltige Erfolge erzielen kann – wir
sene ans Tageslicht befördert. Die „Aktiven der ersten freuen uns über jede Initiative und jeden Einzelnen, der
Stunde“ – die es immer noch gibt und die immer noch Lust bekommt, mitzuarbeiten!
aktiv sind – hatten daran genauso viel Freude wie die
neu Dazugekommenen. Der Vorstand des EINE WELT FORUM DÜSSELDORF e.V.Festschrift_v13_210 x 135 mm 23.11.10 21:56 Seite 2
Symbole für die
acht Millenniumsziele
der Vereinten Nationen
GLOBAL DENKEN – LOKAL HANDELN
Aufgabe des Netzwerkes EINE WELT Im Netzwerk haben sich die vielen In der Geschäftsstelle im Wilhelm-
FORUM DÜSSELDORF e.V. ist die Aktiven in Düsseldorf und Umge- Marx-Haus arbeiten ehrenamtliche
Integration, Koordination und Be- bung in ihren Bemühungen um eine Mitarbeiter, Praktikanten und FÖJler,
treuung der Eine-Welt-Arbeit von demokratische, ökologisch nachhal- ohne deren Engagement die um-
über 250 Initiativen und Vereinen in tige, sozial gerechte und friedliche fangreiche organisatorische Arbeit
der Stadt Düsseldorf und im Kreis Zukunft zusammengeschlossen – nicht zu bewältigen wäre.
Mettmann. Es organisiert gemein- eine Zukunft, die nicht nur den Men-
same Aktionen und vertritt die Inte- schen hierzulande, sondern allen Seit dem Jahr 2000 ist die Weltkugel
ressen seiner ehrenamtlich arbei- Menschen und überall ein men- mit dem Düsseldorfer Radschläger
tenden Mitglieder. Über 3.800 Düs- schenwürdiges Leben ermöglicht. das Symbol des EINE WELT FORUM
seldorfer Bürgerinnen und Bürger DÜSSELDORF e.V., denn es teilt die
und etwa 600 Engagierte aus dem Repräsentiert wird das EINE WELT Überzeugung, dass sich viele glo-
Kreis Mettmann arbeiten heute in FORUM DÜSSELDORF e.V. durch bale Probleme auf örtlicher Ebene
direkter Kooperation mit Menschen den gewählten Vorstand und seinen lösen lassen. Die Eine-Welt-Arbeit in
in Afrika, Asien, Lateinamerika und Geschäftsführer Ladislav Ceki. Es fi- Düsseldorf nimmt den Auftrag der
Südosteuropa und besuchen regel- nanziert sich aus Mitgliedsbeiträ- AGENDA 21 Global Denken – Lokal
mäßig auf eigene Kosten die ge- gen, Spenden und Zuschüssen der Handeln ernst und arbeitet durch
meinsam mit Partnern vor Ort be- Stadt Düsseldorf und des Landes „local action“– Kampagnen kreativ
betreuten Projekte. Nordrhein-Westfalen. an deren Umsetzung mit.
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Rückblick auf 30 Jahre Eine-Welt-Netzwerk
WIE ALLES BEGANN
Im Juni 1992 unterzeichnete Deutschland als einer von Die Anfänge der Eine-Welt-Netzwerkarbeit liegen in den
über 190 Staaten auf der Konferenz für Umwelt und Ent- späten siebziger Jahren, einer Zeit, in der sich die welt-
wicklung der UN in Rio de Janeiro die AGENDA 21, ein politischen Entwicklungen dramatisch zuspitzten: In La-
entwicklungs- und umweltpolitisches Aktionsprogramm teinamerika wird im Jahr 1973 der demokratisch ge-
für das 21. Jahrhundert. Auf der Agenda ganz oben ste- wählte Präsident Chiles, Salvador Allende ermordet und
hen Armutsbekämpfung, Friedenserhaltung und Um- die Militärjunta unter Diktator Augusto Pinochet kommt
weltschutz. Die Mitglieder der Unterzeichnerstaaten an die Macht. Bis 1990 sind in Chile massive Menschen-
verpflichteten sich, in ihrer Politik die Forderungen nach rechtsverletzungen an der Tagesordnung. 1979 stürzt in
einer umweltgerechten, sozial verantwortlichen und Nicaragua die linksgerichtete FSLN die Somoza-Diktatur
wirtschaftlich tragfähigen Entwicklung in konkreten und ein blutiger Bürgerkrieg beginnt. Zur gleichen Zeit
Schritten umzusetzen. Bundesländer und Kommunen besetzen sowjetische Truppen Afghanistan und auch
sind aufgefordert, eine eigene lokale Agenda 21 zu ent- hier ist die Folge ein grausamer Krieg.
wickeln und zu verwirklichen. Unter der Federführung
des Umweltamtes der Stadt Düsseldorf entstand eine Gleichzeitig waren die späten siebziger Jahre aber auch
vielfältige Agenda-Bewegung mit derzeit 34 Projekten. eine Zeit, in der sich das Bewusstsein der Menschen
Durch Benefizkonzerte, Lesungen und Theaterprojekte, hierzulande für globale sozial-politische Probleme sen-
durch themenbezogene Aktionen und Kampagnen, ins- sibilisierte: Die Menschenrechtsverletzungen in Latein-
besondere aber durch die Unterstützung und den Aus- amerika führen ebenso wie die menschenunwürdige
bau von Agenda-Städtepartnerschaften mit Mbombela Apartheidspolitik Südafrikas oder die extreme Armut in
in Südafrika, Belo Horizonte in Brasilien und Chonqing weiten Teilen dieser Welt zunehmend zu Protesten und
in China, wirkt das EINE WELT FORUM DÜSSELDORF schließlich zur Bildung unterschiedlicher Aktionsgrup-
e.V. aktiv und kreativ am Agenda-Prozess mit. pen, auch in Düsseldorf.
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ZUSAMMEN SIND WIR STARK: Die Gründung des Eine-Welt-Netzwerks in Düsseldorf
Im Jahr 1977 gab es bereits 15 bis keit repräsentiert. Aktivitäten kön- Meinungsverschiedenheiten wurden
20 Initiativen aus dem Eine-Welt-Be- nen effizienter geplant, koordiniert nicht kaschiert, sondern zugunsten
reich in Düsseldorf. Diese Gruppen und umgesetzt werden und die Or- der effektiven Zusammenarbeit tra-
kannten einander, hatten auch ähn- ganisation von Veranstaltungen wird ditionell eher im Anschluss an ge-
liche Zielsetzungen und sie organi- wesentlich erleichtert. meinsame Sitzungen und in „Feier-
sierten sogar thematisch verwandte abendatmosphäre“ diskutiert.
Veranstaltungen – aber eine Koope- Auch wenn allgemeine Einstimmig-
ration der unterschiedlichen Aktiven keit in der Einschätzung der politi- So gründete sich schließlich im Jahr
gab es noch nicht. schen Lage bestand, war das Miss- 1979 auf der Oberbilker Allee 17 der
trauen der einzelnen Initiativen ge- Koordinierungskreis Düsseldorfer
Aufgrund der inhaltlichen und pro- genüber dieser Konzeption – nicht „3. Welt“-Gruppen als erster „Run-
grammatischen Gemeinsamkeiten, zuletzt wegen ihrer doch recht un- der Tisch“.
die alle Düsseldorfer Eine-Welt-Ini- terschiedlichen politischen Ausrich-
tiativen verbanden, lag es nahe, sich tungen – zunächst noch groß. Daher Die monatlichen Treffen verlagerten
zu einem Netzwerk zusammenzu- verständigte man sich auf die prin- sich später ins ZAKK. Wichtigstes
schließen. Die Vernetzung hat viele zipielle Überparteilichkeit des Netz- Ziel war es, gemeinsame Aktivitäten
Vorteile: Sie schafft eine gemein- werks und konzentrierte sich mehr zu organisieren, um in der Öffent-
same Interessenvertretung, die die auf die übergeordnete entwick- lichkeit besser wahrgenommen zu
Eine-Welt-Arbeit in der Öffentlich- lungspolitische Idee. werden.
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DIE ACHTZIGER JAHRE: Die Ersten Lateinamerika-Tage
Trotzdem reifte 1983 die Erkenntnis: Wir sind ca. 20 Ini-
tiativen, aber niemand kennt uns! Was also tun? Das
Netzwerk organisierte 1984 die 1. Lateinamerika-Tage,
um mit unterschiedlichen Veranstaltungen auf sich auf-
merksam zu machen und Interessierten ein Forum zu
bieten, in dem sie sich informieren und austauschen
konnten. Die 1. Lateinamerika-Tage waren eine 14-tä-
gige Veranstaltungsreihe im ZAKK, deren inhaltlicher
Fokus auf Ländern wie Chile und Nicaragua lag. Trotz
der damals noch spärlichen Finanzmittel, die nur eine
sehr bescheidene Werbeaktion zuließen, die hauptsäch-
lich auf selbstgemachten Flyern beruhte, war der Zulauf
von Interessierten größer als erwartet. Auf allen Veran-
staltungen waren ca. die Hälfte der Besucher interes-
Eine der ersten erfolgreichen Aktionen des Eine-Welt- sierte Menschen, die den Aktiven des Netzwerkes
Netzwerkes in Düsseldorf war die Besetzung der süd- gänzlich unbekannt waren. Auch andere Gruppen wur-
afrikanischen Botschaft an der Cecilienallee. Mit den den auf das Netzwerk aufmerksam, das die Zahl seiner
Exil-Chilenen, die vor der Diktatur Pinochets in Düssel- Initiativen dadurch verdoppeln konnte. Das Konzept „La-
dorf Zuflucht suchten, bekam das Netzwerk zudem In- teinamerika-Tage“ ging also auf. Von Jahr zu Jahr stieg
formationen über die Menschenrechtsverletzungen aus der Zulauf von Besuchern und Initiativen kontinuierlich,
erster Hand. Die Demonstrationen gegen Gewalt und dies bedeutete auch eine stärkere Wahrnehmung der
Diktatur gewannen dadurch an Vehemenz. Eine-Welt-Netzwerkarbeit in der Öffentlichkeit.
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DIE NEUNZIGER JAHRE: Konsolidierung inhaltlicher Zielsetzungen
Während sich das Netzwerk in den Möglichkeit der demokratischen Ab- Die Arbeit des Eine-Welt-Netzwer-
ersten fünf Jahren seiner Arbeit vor- sprache auf Augenhöhe mit den Pro- kes bestand zu dieser Zeit aus ganz
wiegend auf politische Diskussionen jektpartnern in den jeweiligen Län- pragmatischer Projektarbeit und der
und die Theoriebildung konzentrier- dern voraus. Wichtig ist dem Netz- Lösung der damit verbundenen Fra-
te, Seminare organisierte und Bil- werk der Kontakt zu Partnern aus gestellungen: Wie realisieren wir ei-
dungsarbeit im klassischen Sinne den betroffenen Ländern. ne ordentliche Beratung, Organisa-
betrieb, verschob sich der Fokus der tion und Finanzbeschaffung?
Netzwerk-Arbeit in den beginnen- Die Betroffenen sollten selbst ent-
den neunziger Jahren stark zuguns- scheiden, was vor Ort am nötigsten Der letzte Punkt zog weitere Fragen
ten ganz praktischer Projektarbeit. gebraucht wurde. Das konnte ein nach sich: Wie kann man in der Po-
Der Ruf nach konkreter Hilfe für die dringend benötigtes Krankenhaus litik ein Bewusstsein für unsere The-
Menschen in den betroffenen Län- sein oder auch ein Brunnen. men schaffen? Wo findet man politi-
dern wurde lauter. Damit war aber sche Partner?
weniger „Hilfe“ im karitativen Sinne Häufig bedeutete das eine enge Zu-
gemeint, sondern vielmehr die Ver- sammenarbeit mit Organisationen 1996 schrieb die Rot-Grüne-Landes-
mittlung von „Hilfe zur Selbsthilfe“. der politischen Opposition, von regierung in Nordrhein-Westfalen
denen erst wenige existierten – 50 Pfennig pro Einwohner für die Ei-
Dies setzt ein Selbstbestimmungs- unter Umgehung des herrschenden ne-Welt-Arbeit in ihrem Koalitions-
recht der Betroffenen, das heißt die politischen Systems. vertrag fest.
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Die Stadt Düsseldorf bewilligte ab dem Jahr 2000 pro
Einwohner 10 Pfenning Zuschuss für die lokalen Aktivi-
täten der Eine-Welt-Gruppen. Fazit: In der Politik braucht
man einen langen Atem!
Eine Besonderheit des Eine-Welt-Netzwerkes Düsseldorf
liegt darin, dass es sich von Anfang an viel mit Migrati- Der Truck, der 2003 auf Düsseldorfer Schulhöfen stand, hatte es
in sich: In einer interaktiven Ausstellung durchliefen Schülerin-
ons- und Flüchtlingsfragen beschäftigt hat. Die katholi- nen und Schüler die Stationen eines Flüchtlings. Foto EWF
sche Caritas, die evangelische Flüchtlingsberatungs-
stelle, der Arbeitskreis Internationales der SPD und ver- Bei all dem bleibt eines besonders wichtig: Wir wollen
schiedene Migranten-Initiativen haben sich gemeinsam nicht über, sondern mit den Menschen reden – hier wie
aktiv gegen Abschiebungen stark gemacht. Dabei waren in den betroffenen Ländern. Wir wollen mit unseren Gäs-
die Flüchtlingsinitiativen mehr auf die in Düsseldorf le- ten diskutieren und zum Beispiel Schulkindern die Mög-
benden Menschen ausgerichtet, während die Eine-Welt- lichkeit bieten, nicht alltägliche Informationen aus erster
Initiativen ihren Blick mehr auf die Menschen im Süden Hand zu erhalten, denn nur so bekommt Eine-Welt- Po-
richteten. Das Netzwerk hatte also immer schon „zwei litik ein Gesicht und wird erfahrbar. Es ist immer ein Un-
Baustellen“ und bis heute hat sich nichts an der engen terschied, ob man mit den Menschen aus anderen Her-
Bindung zu Flüchtlingsinitiativen geändert, zum Beispiel kunftsländern diskutiert oder ob man in ihrer Abwesen-
werden Projekte zur Untersuchung von Ursachen und heit zu einer Bewertung ihrer Lage kommt!
Gründen von politischer Verfolgung und Flucht an Schu-
len organisiert. Diese doppelte Ausrichtung ist eine Düs- Unsere Philosophie hat sich in 30 Jahren nicht geän-
seldorfer Besonderheit, auf die das Netzwerk stolz ist. dert: Begegnungen und Projektarbeit auf Augenhöhe!
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DAS JAHR 1991: Das Eine-Welt-Netzwerk der Landeshauptstadt wird „eingetragener Verein“
Die zahlreicher werdenden Initiativen und Projekte konn- neuen Initiativen und Partnern aktiv voran treibt und die
ten – dies wurde immer deutlicher – unmöglich weiterhin Zusammenarbeit mit Schulen professionell ausbaut, der
allein von ehrenamtlichen Aktivisten betreut werden, unermüdlich Schnittpunkte zur Kooperation mit Politik
dafür war die Arbeit einfach zu umfangreich und der An- und Verwaltung findet und der Institute und Einrichtun-
spruch an die eigene Leistung zu hoch geworden. Die gen als Kooperationspartner gewinnt.
rettende Idee war die Gründung eines Vereins. Denn ein
eingetragener Verein darf Spendenquittungen ausstellen Eine der wichtigsten Aufgaben ist die Presse- und Öf-
und eine ABM-Stelle beantragen. Damit hätte man dann fentlichkeitsarbeit, denn eine erfolgreiche Vereinsarbeit
die Chance auf eine hauptamtliche Stelle. steht und fällt mit der finanziellen Unterstützung durch
private wie öffentliche Sponsoren aus Handel und Ge-
Die Diskussion über eine Vereinsgründung dauerte ein werbe, Kunst und Kultur, kirchlichen Verbänden, durch
halbes Jahr, vor allem die Formulierung einer Satzung, die Stadt und das Land NRW etc. Vor allem eine starke
die alle Akteure zufrieden stellte, nahm viel Zeit in An- Medienpräsenz garantiert eine öffentliche Wahrneh-
spruch. Am 1. Februar 1991 war es endlich so weit: Der mung – und Wahrnehmung öffnet Türen!
Koordinationskreis der Düsseldorfer „3. Welt“-Grup-
pen wird als gemeinnütziger Verein gegründet. Ladislav Die Gleichung ist ganz einfach: Je mehr Initiativen und
Ceki, Aktiver der ersten Stunde, wird einstimmig von Kooperationspartner mit dem Eine-Welt-Netzwerk zu-
Vertretern aller Initiativen zum Geschäftsführer gewählt. sammenarbeiten, desto leichter ist der Zugang zu den
Medien, zur Politik, etc. Je leichter dieser Zugang ist,
Der Status eines eingetragenen Vereins brachte für das desto mehr Mitstreiter können gewonnen werden. Um
Netzwerk die Wende: Es hatte nun einen hauptamtlichen diesen Kreislauf in Gang zu halten, waren und sind an-
Mitarbeiter, der acht Stunden täglich die Suche nach sprechende Themen wichtig.
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Politisches Interesse habe ich aus der Jugend-
arbeit mitgebracht. Seit Mitte der 80er Jahre habe
Als ich nach Deutschland kam, fand ich es ich mich für die Eine-Welt-Arbeit entschieden. Ich
sehr verwirrend, dass mich alle Deutschen so be- habe schnell herausgefunden, dass ich meine Ta-
handelt haben, als käme ich aus einem 3.-Welt-Land. Ich lente am besten für den Erhalt der Infrastruktur des
kannte diese Unterscheidung zwischen 1. Welt und 3. Welt gar Netzwerkes EWF einsetzen kann, das heißt Vor-
nicht. Ich bin nach Deutschland gekommen, weil mich Heine, Tuchol- standsarbeit und Vertretung der Gruppen im Eine-
sky und Schiller neugierig auf dieses Land gemacht haben. Umgekehrt Welt-Beirat, also eher Hintergrundarbeit. Während
empfinde ich die Kultur meiner Heimat Indien als sehr reich. Also keinesfalls ich in meinem Beruf als Psychotherapeutin mit Ein-
„minderwertig“. Klar, Indien mag in weiten Teilen wirtschaftlich arm sein, aber zelschicksalen und dem Innenleben der Menschen zu
die Menschen sind stolz auf ihre Kultur und ihr Land. Deshalb hat es mich geär- tun habe, finde ich hier ein Feld, wo es – gerade auf-
gert, dass die Menschen in Deutschland immer etwas auf mich herabgesehen grund der Nöte vieler Einzelner – um größere Zusam-
haben. Dieses Bild vom per se „bedauernswerten Ausländer“ aufzubrechen, war für menhänge geht. Dieses ehrenamtliche Engagement
mich der Antrieb, mich gesellschaftlich einzubringen. Schon während meines Studi- hat mein Weltbild verändert und viel zu Lebensfreude
ums an der Universität Köln habe ich mich als Sprecher in der evangelischen Stu- und Sinngebung beigetragen. Zu sehen, wie viel Not
dentengemeinde engagiert, dann in der SPD und 1993 bin ich zufällig im ZAKK auf und Unterdrückung es gibt, relativiert manche meiner
das Eine-Welt-Forum Düsseldorf gestoßen. Die netten, offenen Menschen und die „Wohlstandssorgen“ und lässt mich dankbar sein,
transparente Satzung haben mir gefallen und seitdem bin ich aktiv dabei. Ich sehe dass ich hier im reichen Europa leben darf. Die Begeg-
mein Engagement hier als Plattform, das Bild in den Köpfen der Menschen zu nung mit so unterschiedlichen Menschen verschiede-
ändern: Es gibt keine verschiedenen Welten, sondern nur die Eine. Die Aus- ner Kulturen, Nationen und Einstellungen und die
länder selbst müssen das Bild aktiv ändern, dass sich die Deutschen von Beteiligung an den Aktivitäten hier machen mein
ihnen machen, aber dazu gehört in einem fremden Land Selbstvertrauen Leben farbiger und lebendiger. Globale Zusammen-
und Stärke. Die Vielfältigkeit der Initiativen, die das Eine-Welt-Forum hänge zu verstehen, bedeutet zu erschrecken darüber,
unterstützt, macht Mut. Aber auch nach 30 Jahren Eine-Welt- was Menschen Menschen antun, aber auch ein wenig
Arbeit in Düsseldorf bleibt viel zu tun: Kommunikation hinter die Kulissen zu schauen, zu erkennen: wie wir
ist der Schlüssel zu gegenseitigem Verstehen. hier leben, hat entscheidenden Einfluss darauf wie an-
dere woanders leben können. So bin ich dem Geheim-
Foto Hans Rohde
DR. NIRMALENDU SARKAR nis, „was die Welt im Innersten zusammenhält“ durch
die Eine-Welt-Arbeit etwas nähergekommen.
URSULA KÜSTERMANN
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1979 Netzwerk-Arbeit HEUTE
20 Initiativen mit ca. 300 Aktiven
2010
186 Initiativen plus 66 im Kreis Mettmann mit insgesamt Von den ersten ambitionierten und von einer gehörigen
etwa 4.500 Aktiven Portion Idealismus getragenen Anfängen bis zum inzwi-
schen renommierten EINE WELT FORUM DÜSSELDORF
Lateinamerika-Tage 1984 e.V. des Jahres 2010 war es ein langer, arbeitsreicher
ca. 20 Veranstaltungen in zwei Wochen und nicht immer einfacher Weg.
DÜSSELDORFER EINE WELT TAGE 2008
213 Veranstaltungen in 3,5 Monaten Eine-Welt-Arbeit heute heißt über den eigenen Teller-
1984 wurden die Lateinamerika-Tage ausschließlich von rand schauen und im Sinne der Millienniums-Entwick-
und mit Eine-Welt-Initiativen gestaltet, 2008 waren zu lungsziele – die die Versammlung der UN 2010 in New
über 50 Prozent städtische Einrichtungen beteiligt. York ganz aktuell noch einmal bekräftigt hat – sozialpo-
Die Lateinamerika-Tage 1984 wurden ohne finanzielle litische Verantwortung übernehmen. Das Netzwerk setzt
Zuschüsse organisiert. Im Jahr 2008 waren die Stadt sich für Bildungs-, Gesundheits- und Infrastrukturpro-
Düsseldorf, das Land NRW, der Bund, die katholische jekte, für die Wahrung der Menschenrechte und für öko-
sowie die evangelische Kirche und diverse bundesweite logische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit ein.
Stiftungen Zuschussgeber der 24. EINE WELT TAGE.
Die erfolgreiche Vermarktung und der Vertrieb von fair
Medienpräsenz gehandelten und nachhaltig produzierten Waren vor
Pro Jahr sind wir mit ca. 80 Beiträgen in der lokalen Ort – wie der allseits beliebte „Düsseldorf Café“ – ist
Presse präsent. Wir gestalten regelmäßig Sendungen im nur ein Beispiel unter vielen, das zeigt: Die Einbeziehung
Lokalradio und erscheinen häufig im Lokalfernsehen. der Menschen der Region ist ein wichtiger Bestandteil
Zudem erscheinen Artikel über uns in Monatsblättern der Hilfe zur Selbsthilfe der Menschen in anderen Teilen
und Fachzeitschriften, zum Beispiel in „Welt-Sichten“. dieser Welt. Das verbindet uns alle!
10Festschrift_v13_210 x 135 mm 23.11.10 21:57 Seite 11
Dass ich mich seit über drei-
ßig Jahren im Bereich Eine-Welt enga-
giere, ist sicherlich bedingt durch die prägenden
Erfahrungen als Kind. Ich war zusammen mit meiner
Mutter sechs Wochen wegen „Republikflucht“ im damaligen
Jugoslawien im Gefängnis und wurde dort verhört – als Wir leben in einer globali-
Sechsjähriger! Das hat bei mir zu einem ausgeprägten Ge- sierten Welt, das heißt auch, dass
rechtigkeitssinn geführt. Dazu kommt der Wechsel von Probleme, die uns jetzt vielleicht noch weit
Heimat/Kultur/Sprache, als ich dann hier in Deutsch- weg erscheinen mögen, uns bereits unmittelbar
land aufwuchs. So war es nur natürlich, dass ich mich betreffen. Strategien gegen den Klimawandel, der
mit 16 Jahren bei Amnesty gegen Menschenrechtsver- schonende Umgang mit Ressourcen und partnerschaft- Vorstand und
letzungen engagierte. Es war die Zeit, in der Nord-Süd- liche wirtschaftliche Beziehungen mit sog. Schwellenlän- Mitarbeiter der
Themen in die öffentliche Debatte kamen, von großen dern sind schon heute ein wichtiger Bestandteil einer klugen Geschäftsstelle
Politikern wie Willy Brandt, Olof Palme und Bruno Außenpolitik. Die Mitarbeit im Eine-Welt-Forum hat mir Wege 2010
Kreisky vertreten wurden. So wurde ich politisch aufgezeigt, wie ich hier in Düsseldorf etwas bewegen kann, das Regina Riepe, Ursula
aktiv, gründete den internationalen Arbeitskreis der bis in andere Regionen unseres Globus strahlt. Außerdem be- Küstermann, Gabri-
SPD in Düsseldorf mit. Das Internationale war immer komme ich die Chance, die unterschiedlichsten Menschen zu ela Schmitt, Claus
mein Thema. Doch schnell wurde mir klar, wie wich- treffen und mit ihnen gemeinsam zu arbeiten. Mein persön- Pulm, Dr. Nirmalen-
tig es ist, diese Themen da zu diskutieren, wo man liches Highlight sind die vielfältigen Kulturkooperationen. du Sarkar, Susanne
lebt, sie in die Bevölkerung zu tragen, über Par- Vor allem aber habe ich Freunde gefunden, die sich die Garn, Holger Sachse
teigrenzen hinaus. Das Gründen von Netzwer- kindliche Neugier auf die kleinen Wunder der Welt be- (Mitarbeiter), Ladis-
ken, strikt überparteilich, ist mir seither ein wahrt haben – und den Kampfgeist, mutig gegen lav Ceki (Geschäfts-
Anliegen und das Eine-Welt-Forum Düsseldorf Ungerechtigkeit aufzubegehren. führer). Foto EWF
der Raum, in dem ich das umsetzen kann.
SUSANNE GARN (Auf dem Foto fehlt
LADISLAV CEKI Christa Guerrero.)
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EINE-WELT-BEIRAT der Stadt Düsseldorf
Im Düsseldorfer Eine-Welt-Beirat ar- Diese Idee trugen Vertreter/innen Hauptausschuss geprüft. Anfangs
beiten Vertreter/innen von Kirchen, des EINE WELT FORUM DÜSSEL- standen dem Eine-Welt-Beirat nach
und Gewerkschaften, Handwerks- DORF e.V. und der InWEnt gGmbH dem Gemeindefinanzierungsgesetz
kammer und Politik, Verwaltung und dem damaligen Sozialdezernenten 50 Pfennig pro Einwohner aus Lan-
Nichtregierungsorganisationen zu- Paul Saatkamp vor. Die Stadt Düs- desmitteln zur Verfügung. Ab 2000
sammen mit dem Ziel, mehr globale seldorf erklärte sich einverstanden. stellte auch die Stadt Düsseldorf
Gerechtigkeit möglich zu machen. Noch heute ist der Düsseldorfer pro Einwohner 10 Pfennig für die lo-
Seine Geburtsstunde war 1996. Da- Eine-Welt-Beirat einzigartig und gilt kale Eine-Welt-Arbeit bereit.
mals ermöglichte ein Beschluss der in anderen Kommunen als Vorzeige-
Rot-Grünen Landesregierung zum modell für gelungene lokale Koordi- Als 2001 aufgrund der Haushalts-
Gemeindefinanzierungsgesetz den nation von Eine-Welt-Arbeit. konsolidierung auf Landesebene so-
Kommunen, Landesmittel für Ent- genannte „freiwillige Zuschüsse“ ge-
wicklungszusammenarbeit zu bean- Der Eine-Welt-Beirat ist ein offiziel- kürzt wurden, traf das die Eine-Welt-
tragen, es ging um 50 Pfennig pro ler Beirat der Stadt Düsseldorf und Arbeit mit voller Härte: Die Landes-
Einwohner. Wie sollten diese Mittel wird vom Hauptausschuss der Kom- mittel wurden stark gekürzt! Doch
verteilt werden? Es entstand die mune eingesetzt. Der jährliche Re- die Kommune sprang glücklicher-
Idee, einen Eine-Welt-Beirat zu grün- chenschaftsbericht über die Ver- weise ein. Heute verwaltet der Eine-
den, der von Düsseldorfer Einrich- wendung der bereitgestellten Gelder Welt-Beirat rein städtische Gelder,
tungen getragen werden sollte. wird vom Rat der Stadt durch den immerhin 7,5 Cent pro Einwohner.
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Kontinuierlich und vielfältig
unterstützt das Umweltamt
der Stadt Düsseldorf die Ak-
Das Einspringen der Stadt ist auch tivitäten des EINE WELT FO-
RUM DÜSSELDORF e.V. –
auf die gute Zusammenarbeit aller wenn nötig, wie hier, auch
Mitglieder des Beirates zurückzufüh- mal mit einem schützenden
ren, die es gemeinsam geschafft ha- Dach über dem Kopf. Foto EWF
ben, verlässlicher Partner der Kom-
mune zu sein und die lokalen Insti-
tutionen der Eine-Welt-Arbeit breit Der Beirat besteht aus jeweils einer Vertreterin oder einem Vertreter
zu vernetzen sowie für sie Lobbyar-
beit zu leisten. Im Laufe der Zusam- • des Katholischen Gemeindeverbandes (Michael Hänsch, Vorsitz)
menarbeit gelang es immer besser, • des Evangelischen Kirchenkreisverbandes (Bernd Wegerhoff)
die verschiedenen Sichtweisen der • der InWEnt gGmbH (Andreas Hennig; bis Ende 2009 Gerd Deihle)
hauptamtlichen und ehrenamtlichen • der Handwerkskammer (Ulrich Brand)
Vertreter/innen des Beirates in die • des Deutschen Gewerkschaftsbundes (Klaus Reuter)
konkrete Arbeit einfließen zu lassen. • des EINE WELT FORUM DÜSSELDORF e.V. (Ursula Küstermann)
So kann die Eine-Welt-Arbeit in Düs- • des Sozialdezernates der Landeshauptstadt Düsseldorf und
seldorf heute auf die Unterstützung • des Umweltamtes der Landeshauptstadt Düsseldorf (Dr. Werner Görtz)
– nicht nur finanzieller Art – des Ei-
ne-Welt-Beirats bauen. Es ist gelun- Darüber hinaus gehören ihm als beratende Mitglieder an
gen, viele unterschiedliche gesell- • der Geschäftsführer des EINE WELT FORUM DÜSSELDORF e.V. (Ladislav Ceki)
schaftliche Gruppen in das Anliegen • die Geschäftsstelle des Eine Welt Beirates (Dr. Susan Honerla)
der globalen Gerechtigkeit miteinzu- • die Lokale Agenda – Umweltamt (Ursula Keller)
beziehen.
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ENTWICKLUNGSPOLITISCHE BILDUNGSARBEIT des Eine Welt Forum Düsseldorf e.V.
Entwicklungspolitische Bildungs- und Informationsarbeit
auf internationaler, nationaler wie auch auf lokaler
Ebene hat vor allem zwei zentrale Zielsetzungen: Sie soll
zum einen das Leitbild einer global nachhaltigen Ent-
wicklung vermitteln, das heißt sie tritt für eine friedliche,
sozial gerechte und ökologisch verantwortungsbe-
wusste Zukunft ein. Da spielt der faire Handel natürlich
eine besondere Rolle.
Ein Beispiel für diesen Einsatz auf lokaler Ebene ist
Foto Riepe
Martin Lessing mit seinem Fachgeschäft für fairen Han-
del in Düsseldorf: In Schulen, auf Straßenfesten und bei einer Lehrerfortbildung zum WeltFrühstück den fairen
Lehrerfortbildungen setzt er sich unermüdlich für fair Handel zu präsentieren, ist Martin Lessing der richtige
gehandelte Produkte ein. Auch er ist Mitglied des EINE Ansprechpartner. Entwicklungspolitische Bildungs- und
WELT FORUM DÜSSELDORF e.V. Vernetzung wird hier Informationsarbeit hat aber noch ein weiteres wichtiges
groß geschrieben: Wenn Monika Brosch von Deka wowo Ziel und das ist die Förderung des kulturellen Nord-Süd-
e.V. mit dem Eine-Welt-Arbeitskreis an ihrer Schule eine Austausches, der das Interesse für die Lebensweisen
Fair-Handels-Ralley konzipiert, so ist der Laden El Mar- und Lebensformen der Menschen im Süden wecken und
tin wichtiger Anlaufpunkt. Und wenn es darum geht, auf globale Zusammenhänge transparent machen soll.
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UNSER BILD VON AFRIKA
Auseinandersetzung mit dem alltäglichen Rassismus
Unser Bild von den Ländern des Sü-
dens ist stark geprägt von der Be-
richterstattung der Medien: Nega-
tive Meldungen wie Armut, Hungers-
nöte, Korruption, Gewalt und Kriege
sind hier vorherrschend. Die offene
Fotos Riepe
Auseinandersetzung mit Vorurteilen
und Ressentiments war daher be-
reits seit den achtziger und neunzi-
ger Jahren ein wichtiges Thema der Das Thema „Rassismus im Kinderzimmer“ als Diavortrag oder Ausstellungen mit Beispielen
DÜSSELDORFER EINE WELT TAGE. diskriminierender Darstellungen von Afrikanern beziehungsweise Schwarzen – sogenannte
Wandschmierereien, eine erstarken- „Negerbilder“ – waren eine Möglichkeit, das schleichende Gift des alltäglichen Rassismus zu
de Neonazi-Szene mit offenem Ras- thematisieren. Während ein einzelner „Nickneger“ oder ein „Stummer Diener“ noch als nostal-
sismus und brennende Asylbewer- gische Figur abgetan werden könnte, so ist die Menge der verzerrten, herabwürdigenden Bilder
berheime charakterisierten den da- und Objekte für den Besucher der Ausstellung oder des Diavortrags erschlagend. Die Stadtbü-
maligen Zeitgeist – und führten zum cherei, der Kinderbuchladen Birkenstraße und das ZAKK in Düsseldorf, aber auch die Stadtbü-
verstärkten Engagement derjenigen, cherei und der Eine-Welt-Laden in Haan boten Raum zur Auseinandersetzung mit diesem
die sich über die Projektarbeit mit alltäglichen Rassismus. Selbst diejenigen, die jahrelange Erfahrung in der Eine-Welt-Arbeit ge-
Afrika verbunden fühlten und für sammelt hatten, waren erschrocken, angesichts der Selbstverständlichkeit mit der schwarze
deren Weltbild das „Schwarz-Weiß- Menschen in unserer Alltagskultur bewusst oder unbewusst abgewertet werden. Offensichtlich
Denken“ ein Gräuel war. ist keiner wirklich frei von Rassismus!
15Festschrift_Teil2_v7_210 x 135 mm 24.11.10 08:21 Seite 4
ZWANZIG JAHRE SPÄTER: das der erlernten Stereotype tut allen Länder und das Engagement in der
Thema ist noch immer aktuell Eine-Welt-Engagierten gut. Die per- Städtepartnerschaft mit Mbombela
sönliche Begegnung mit Afrikanern, in der Provinz Mpumalanga sind ein
Heute heißen sie Schokoküsse und die Offenheit für die vielen ganz ver- gutes Gegenmittel gegen das „Gift
aus dem kulleräugigen Sarottimohr schiedenen Kulturen afrikanischer des alltäglichen Rassismus“.
ist ein goldener Magier geworden.
Viele der alltäglichen diskriminieren- VON LÖRICK NACH MBOMBELA
den Bilder von schwarzen Men-
schen aus den achtziger Jahren sind
aus dem Stadtbild verschwunden,
genauso wie die Bezeichnung „Ne- Für acht Schülerinnen
und zwei Lehrerinnen
ger“. Gut so! der Düsseldorfer Weber-
Schule, Berufskolleg für
Doch die Vorurteile gegenüber Men- Gymnastik, wurde eine
Idee, die sich während
schen mit anderer Hautfarbe sind
einer Projektarbeit he-
geblieben. Wer das nicht glaubt, rauskristallisierte, nach
sollte sich einmal in Ruhe mit einem drei Jahren Realität.
schwarzen Deutschen unterhalten.
Dank der Beratung und Unterstützung durch das EINE WELT FORUM DÜS-
Viel subtiler noch sind die Afrikabil- SELDORF e.V., die Institution „Arbeit und Leben“ (in Trägerschaft von VHS
der, die in wohlgemeinter Spenden- und DGB), das staatliche Schüleraustauschprogramm „Ensa“ und die Lokale
werbung und durch paternalistische Agenda der Stadt Düsseldorf konnten Sponsoren ausfindig gemacht werden,
Projekte verbreitet werden. Ab und die den Traum von einer Schulreise nach Mbombela (Südafrika) in – eine
zu ein Innehalten und Überprüfen mit 840 Euro pro Person bezahlbare – Wirklichkeit verwandelten.
16Festschrift_Teil2_v7_210 x 135 mm 24.11.10 08:21 Seite 5
So startete am 1. August 2009 eine durch verschiedene wurde und wird auch immer noch mit einem großen Fra-
Seminare bestens vorbereitete zehnköpfige Truppe mit gezeichen versehen. Vor allem das eigene Konsumver-
Vorfreude, aber auch mit einem mulmigen Gefühl nach halten wird kritisch reflektiert.
Südafrika zu einem reichhaltigen, fast dreiwöchigen Aus-
tauschprogramm. Mit Jörg Hagmeier hatten sie einen Diese Erkenntnis war den Schüler-
erfahrenen Begleiter, der sie vor und während der Reise innen und Lehrer/innen ge-
bestens betreute. meinsam und wurde in ei-
ner sehr beeindrucken- CORINNA
fasst ihre Eindrücke so zusammen:
In Südafrika angekommen, konnte die Gruppe nicht nur den zweistündigen Prä-
intensive Erfahrungen mit Schüler/innen und Lehrer/in- sentation auch der da- Das Verhältnis zum Essen und Trinken im
nen der Sitintile Senior Secondary High School sam- heim gebliebenen ge- Allgemeinen und zu unserem „überflüssigen
meln; sie konnten sich auch einen Eindruck verschaffen samten Schülerschaft Luxusleben“ betrachte ich nun viel differen-
zierter. Zudem habe ich gelernt, meine Chan-
von der Landschaft, der Arbeitswelt und den Lebensbe- vermittelt. Neben der cen, die mir im Leben vor die „Füße“ gelegt
dingungen, die dort herrschen. Die Gäste aus Lörick großen Begeisterung werden, zu nutzen, denn dass man eine
nahmen am regulären Unterricht teil und beschäftigten über den Vortrag und Chance im Leben bekommt, ist nicht über-
all auf der Welt selbstverständlich.
sich gemeinsam mit Tanz und Wellnesstechniken. Mit die Erlebnisse ihrer Ka-
dem Kollegium und den Schüler/innen der Highschool meradinnen waren aber
wurde eine große Abschlussaufführung organisiert. auch Nachdenklichkeit und
Bewegtheit über die Bedingun-
Gefragt nach ihren Erfahrungen, zeigten sich alle Betei- gen bei allen deutlich spürbar.
ligten zutiefst beeindruckt von den Lebensbedingungen
der Schüler/innen und von der Zufriedenheit, Großher- Das künftige Ziel unserer Zusammenarbeit ist eine Fort-
zigkeit und Freundlichkeit ihrer Gastgeber/innen. Das, führung des Kontaktes und ein Gegenbesuch der südafri-
was uns hier in Lörick bisher so selbstverständlich war, kanischen Schule.“ Aus einem Bericht der Weberschule
17Festschrift_Teil2_v7_210 x 135 mm 24.11.10 08:21 Seite 6
BEISPIELE LOKALER BILDUNGSARBEIT in der Landeshauptstadt
Ob es um Fairen Handel, den Klima- Gleichzeitig bekommen Künstler aus Eine besondere Rolle spielt hier die
wandel oder die Vermittlung von au- Düsseldorf und Künstler aus dem Zusammenarbeit mit den kulturellen
thentischen Afrikabildern ging, hier Süden eine öffentliche Plattform. Einrichtungen der Stadt.
kann – stellvertretend für all die Pro-
jekte mit Schulen, für die Gespräche
an Informationsständen, für die Be-
gegnungen mit den unterschied-
lichsten Menschen aus Asien, Afrika
und Lateinamerika oder die Zusam-
menarbeit mit Migranten in Düssel-
dorf – nur einiges aus den sehr
bewegten letzten 30 Jahren unseres
Engagements genannt werden.
Die Verbindung zwischen Eine-Welt-
Arbeit und Kultur ist die einfachste Das internationale Bildungszentrum DIE BRÜCKE der VHS beispielsweise ist ein lang-
jähriger Partner in der Bildungsarbeit. Jedes Jahr finden dort Veranstaltungen in Zusam-
Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu er- menarbeit mit Gruppen des Eine Welt Forum statt, im Jahr 2009 beispielsweise die
ringen und Werbung für unsere Ar- Dia-/Beamervorträge „Frauen in den Kulturen Westafrikas – zwischen Tradition und Mo-
beit zu machen. derne“. Foto Riepe
18Festschrift_Teil2_v7_210 x 135 mm 24.11.10 08:21 Seite 7
KULTURKOOPERATIONEN
Durch solche Kulturkooperationen erweitern wir den So fragte unter anderem im Jahr 2008 ein Theaterstück
Kreis der Interessent/innen weit über den, der in die- des Jungen Schauspielhauses Düsseldorf: „Wie kommt
sem Bereich bereits Aktiven hinaus, indem wir auch an- der Eisbär in den Kühlschrank?“ In enger Zusammenar-
dere Zielgruppen erreichen und deren Neugier für un- beit mit Ladislav Ceki entwickelt, brachte dieses Stück
sere Inhalte wecken. jungen Menschen die Konsequenzen des Klimawandels
nahe. So spannend und unterhaltsam kann Globales
Lernen sein – und so erfolgreich, dass es 2009 in Bra-
silien beim „Ökumenischen Weltgipfel“ gezeigt wurde!
Die verschiedensten Kunstformen widmen sich in Ko-
operation mit uns dem Thema „Eine Welt“ und machen
gleichzeitig „Eine Welt“ zum Thema in der Stadt.
Foto Junges Schauspielhaus Düsseldorf
Das tanzhaus nrw gehört seit vielen Jahren zu unseren Koopera-
tionspartnern. Hier ein Szenenfoto aus RAIO X – sozialkritischer
HipHop, präsentiert von der Membros Comphanhia de Dança aus
Brasilien im Oktober 2007 in Düsseldorf. Foto Dominik Fricker
Zwischen 1991 und 2009 ist es uns gelungen, fast alle
kulturellen Einrichtungen der Stadt Düsseldorf für Ko-
operationen zu gewinnen: in Form von Benefizkonzer-
ten, Filmtagen, Pantomime, Clownerie, Ausstellungen,
gymnastischen Inszenierungen und Theater.
19Festschrift_Teil2_v7_210 x 135 mm 24.11.10 08:21 Seite 8
DÜSSELDORFER EINE WELT TAGE auftreten. Entwicklungspolitische Bildungsarbeit, Kultur,
Politik und Vergnügen sind hier eine fruchtbare Verbin-
Das vielleicht beste, mit Sicherheit aber das prominen- dung eingegangen.
teste Beispiel ganz konkreter Bildungsarbeit in der Lan-
deshauptstadt sind die DÜSSELDORFER EINE WELT Zu Beginn hätte wohl niemand gedacht, dass im Jahre
TAGE. Sie haben eine lange Tradition und sind mittler- 2009, bei den 25. DÜSSELDORFER EINE WELT TAGEN,
weile zu einer festen lokalen Größe geworden. Zwischen über 25.000 Besucher an 282 Veranstaltungen teilneh-
Juni und Dezember bringen die unterschiedlichsten Ver- men und bei diesem grandiosen Jubiläumsfest Koope-
anstaltungen die Welt des Südens in unsere Stadt und rationen mit vielen Kultureinrichtungen der Stadt, mit
ermöglichen so vielfältige Möglichkeiten der Begegnung den Kirchen und mit Vertretern der Wirtschaft stattfin-
von Süden und Norden. Musik, Filme, Lesungen, Diskus- den würden. Möglich wurde das alles durch die inter-
sionsveranstaltungen und Ausstellungen wollen zum fraktionelle und überparteiliche Unterstützung der Stadt
Nachdenken anregen und vor allem Spaß machen, poli- Düsseldorf und anderer Zuschussgeber.
tische Veränderungen in Gang setzen oder für die Mit-
arbeit in einem Projekt in Afrika, Asien oder Latein- Neben der finanziellen Unterstützung ist auch die gute
amerika werben. Vernetzung und die hervorragende Kooperation mit ver-
schiedenen städtischen Einrichtungen, Ämtern, der Lo-
Abschluss der DÜSSELDORFER EINE WELT TAGE ist tra- kalen Agenda und Düsseldorfer Initiativen wichtig.
ditionell eine Kabarett-Nacht im Schauspielhaus. Seit
1992 unterstützt uns das Schauspielhaus mit dieser Be- Und natürlich das Engagement aller ehrenamtlichen Ak-
nefizveranstaltung, bei der renommierte Kabarettisten tionsgruppen, die mit ihren Aktivitäten mit den DÜSSEL-
zugunsten des EINE WELT FORUM DÜSSELDORF e.V. DORFER EINE WELT TAGE an die Öffentlichkeit gehen.
20Festschrift_Teil2_v7_210 x 135 mm 24.11.10 08:22 Seite 9
Düsseldorf reicht die Hand.
Wir sind Partner der Welthungerhilfe:
Und die ganze Stadt macht mit!
ik Kelm bei Prof. Wilfried Korfm cher im F chbereich De ig der F chhoch chule Dü eldorf.
Die e Motiv wurde ge t ltet vo A
JUL AUG SEP OKT NOV DEZ
DÜSSELDORFER
EINE WELT TAGE
VON JULI BIS DEZEMBER 2008
EINE WELT FORUM DÜSSELDORFFestschrift_Teil2_v7_210 x 135 mm 24.11.10 08:22 Seite 10
WELTGARTEN
Im Sommer und Herbst 2008 war neben den DÜSSEL-
DORFER EINE WELT TAGEN der „Weltgarten“ zu Gast im
Ulenberg Freizeitpark. Dieser Lernort, konzipiert vom
Eine Welt Netz NRW, besteht aus einem großen Kup-
pelzelt mit Kaffeeausschank, Video, Infoständen sowie
Foto Riepe
verschiedenen Lernstationen zu Themen des „Globalen
Lernens“ – innerhalb und außerhalb des Zeltes.
Bei diesem Projekt war der Einsatz des EINE WELT FO-
RUM DÜSSELDORF e.V. gefragt– die Finanzierung muss-
te auf die Beine gestellt werden und der „Weltgarten“
wurde neben dem Koordinator für entwicklungspoliti-
sche Bildungsarbeit Ladislav Ceki und der hauptamtli-
chen Referentin Gundula Hengst auch von einem Team
von Freiwilligen des Netzwerkes betreut.
Eine positive Bilanz: Über 5.000 Gäste besuchten den
Weltgarten. Ob bei einer interaktiven Führung durch die
verschiedenen Lernstationen oder im Zelt bei einem
Frühstück mit frischem „Düsseldorf Café“ und fair ge-
handelten Leckereien: Schulklassen sowie vorbeikom-
mende Passanten interessierten sich für fairen Handel,
Foto Hans Rohde
Klimaschutz und die Folgen der Globalisierung.
22Festschrift_Teil2_v7_210 x 135 mm 24.11.10 08:22 Seite 11
Foto Riepe
JAZZ UND WELTMUSIK Die Jazzlegende Joe Zawinul im Rahmen der EINE WELT
TAGE 2005 im Düsseldorfer Hofgarten. Foto Hans Rohde
Neben den DÜSSELDORFER EINE
WELT TAGEN finden in regelmäßigen
Abständen Konzerte statt: Undenk-
bar wäre ein Düsseldorfer Sommer
beispielsweise ohne die Open-Air-
Konzerte im Hofgarten, veranstaltet
vom EINE WELT FORUM DÜSSEL-
DORF e.V. in Zusammenarbeit mit
Peter Weiss von der Jazz - Schmiede
– Jazz in Düsseldorf e.V.
Am Rande informieren Stände über
An vier Samstagen treffen sich Lieb- Menschenrechte, den Fairen Handel
haber von Jazz und Weltmusik vor oder die Arbeit verschiedener Eine-
der Bühne im Hofgarten, bringen Welt-Gruppen – im Jahr 2009 nah-
Decken und alles mit, was man zu men alleine 5.000 Besucher dieses
einem gemütlichen Picknick benö- Angebot wahr. Hier hat nicht nur die
tigt, und genießen die Musik von in- Musik, sondern auch die Eine-Welt-
ternationalen Weltstars wie von Arbeit das größte und immer neues
innovativen Neuentdeckungen. Publikum in der Stadt!
Deka wowo e.V. informiert über Togo. Foto Riepe
23Festschrift_Teil2_v7_210 x 135 mm 24.11.10 08:22 Seite 12
In dieser Welt der Ein-
zelkämpfer macht es
einfach Spaß, gemein-
sam etwas auf die Beine
zu stellen: eine Ausstellung
oder eine Infoveranstaltung
zu organisieren oder eine
Dokumentation zu schreiben.
SPIELEN WIE
Im EINE WELT FORUM DÜS- IN AFRIKA
SELDORF e.V. treffe ich Men- Eine Gruppe von Senior/innen von allpha
schen, deren Horizont weiter 60 lässt sich von Gerd Riepe durch die
reicht als die Skyline von Düssel-
Eine andere Form Ausstellung führen. Foto Riepe
dorf, die wissen, wie wichtig ent- erfolgreicher lokaler
wicklungspolitische Bildungsarbeit Bildungsarbeit war die Die Ausstellung mit Fotos und
ist und die einen Teil ihres Herzens in Ausstellung „Spielen wie in Spielzeugen von Afrika-didact in
Uganda, Tibet oder Nicaragua gelassen
haben – genau wie ich! Afrika“, die im Jahr 2009 im Stadt- Kooperation mit dem Düsseldorfer
museum Düsseldorf stattfand. Stadtmuseum richtete sich an
REGINA RIEPE
Afrika wird oft mit Katastrophen, Schulklassen und die interessierte
Kinderarbeit und Mangelernährung Öffentlichkeit. Ziel war es, ein an-
verbunden. Dass in Afrika auch ge- deres, differenziertes Bild vom All-
spielt wird, ja dass die Jungen und tag in Afrika kennenzulernen. Höhe-
Mädchen dort besonders kreative punkt waren die Aktionen am Welt-
Spielzeuge aus Abfall basteln oder kindertag, als afrikanische Referen-
mit Hilfe von Steinchen und selbst- ten des Projekts „Bildung trifft Ent-
gemachten Bällen fröhliche Ge- wicklung“ des Eine Welt Netz NRW
meinschaftsspiele spielen, ist nur mit jungen Besuchern spielten und
wenigen bekannt. Musik machten.
24 Raphael Badjalime bastelt mit Kindern eine Schlange aus Kronkorken. Foto RiepeFestschrift_Teil2_v7_210 x 135 mm 24.11.10 08:22 Seite 13
Schülerinnen und Schüler beim Lernfest
EINE-WELT-FILMTAGE WeltFrühstück im Oktober 2008. Foto Riepe
Im Rahmen der Eine-Welt-Filmtage WELTFRÜHSTÜCK
– auch dies ein Beispiel der lokalen
Bildungsarbeit – zeigen Filmema- Als klar war, dass im Jahr 2008 die
cher aus Afrika, Asien und Latein- Stadt Düsseldorf eine Partnerschaft
amerika ihre Werke und ermög- mit der Welthungerhilfe eingehen
lichen uns so einen erhellenden Per- würde, war Ladislav Ceki der erste
spektivwechsel. Durch die verschie- Ansprechpartner für Angela Tamke,
denen Filmbeiträge wird es möglich Bildungsreferentin der Welthunger- gab eine vielfältige Zusammenarbeit.
den Alltag in Ouagadougou, Buenos hilfe. In diesem Jahr sollte das Mil- Beispielsweise hilfreiche Hinweise
Aires oder Kalkutta durch ihre Au- lenniumsdorf Kongoussi in Burkina bei Fragen wie: Welche Organisatio-
gen zu sehen, die Probleme und ihre Faso im Mittelpunkt aller Aktivitäten nen eignen sich als Lernpartner für
Lösungen aus einem neuen Blick- stehen. die Schulen, wer ist besonders aktiv
winkel zu betrachten. Da viele dieser und wen kann man ansprechen?
international erfolgreichen Filme- Schulen wurden dafür gewonnen,
macher ihre Themen spannend oder sich in dem Projekt „WeltFrühstück“ Nach einem Jahr der Aktivitäten und
mit viel Humor umsetzen, ziehen die mit dem Alltag und der Ernährung in Begegnungen mit Menschen aus
Filmtage ein breites Publikum an. Burkina Faso auseinanderzusetzen Kongoussi geht Düsseldorf nicht zur
und das eigene Ernährungsverhal- Tagesordnung über. Die schwierige
Dank der Kooperation mit Kalle ten zu reflektieren. Situation in Burkina Faso ist ins Be-
Somnitz von den Filmkunstkinos wusstsein der Düsseldorfer/innen
Düsseldorf e.V. können jedes Jahr Die Unterstützung des Projekts war gerückt – und damit auch die Not-
die aktuellsten Produktionen im Me- für das EINE WELT FORUM DÜSSEL- wendigkeit eines Engagements für
tropol oder Bambi gezeigt werden. DORF e.V. selbstverständlich und es die Eine-Welt-Arbeit.
Text ENTWICKLUNGSPOLITISCHE BILDUNGSARBEIT: Regina Riepe 25Festschrift_Teil2_v7_210 x 135 mm 24.11.10 08:22 Seite 14
Das legendäre WIU-Festival für die ganze Fa-
milie ist eine feste Größe des kulturellen Le-
bens der Stadt – bis 2006 noch im Ehrenhof.
Hier kann uns die eigene Größe mit
all ihren Möglichkeiten bewusst wer-
den und dazu ermutigen, selbst zu-
Foto Hans Rohde
kunftsfähige Perspektiven zu entwi-
ckeln. Gelebte Verbundenheit stellt
eine Basiskompetenz für Zukunfts-
fähigkeit dar. Globales Denken und
WIU – WORLD IN UNION e.V. Das WIU-Projekt belebt seit 18 Jah- Handeln braucht eben ein für diese
ren mit integrativen Kunstaktionen Verbundenheit sensibilisiertes Be-
Aus der Vision des WIU-Symbols und Veranstaltungen die Eine-Welt- wusstsein.
entwickelt der Künstler Claus Mi- Kultur und ist fester Bestandteil der
chael Pulm das WIU Kunst- & Kultur- Eine-Welt-Arbeit. Menschen wird die In diesem Sinne organisiert WIU
projekt. Darin geht es um kreative Gelegenheit gegeben, sich in fried- Feste, initiiert und inspiriert Schul-
Eine-Welt-Arbeit hier vor Ort als Ent- voll verbundenem Miteinander zu er- und Agenda 21-Projekte, führt Work-
wicklungsaufgabe für Bildung und leben. Wichtige Erfahrungen werden shops, Seminare, Malaktionen und
Kultur. Der Grundgedanke des Pro- gemacht, die heute sonst oft fehlen! Aktionswochen durch. Zum größten
jektes lebt aus der Einsicht, dass Denkgewohnheiten werden irritiert, Teil wird die WIU-Projektarbeit eh-
alles Leben miteinander verbunden ein Hinterfragen des eigenen Verhal- renamtlich geleistet, doch Räume,
ist – als Einheit in Vielfalt! Dies in lie- tens angestoßen und Horizonte er- Honorare und vor allem die einge-
bevollem Miteinander als Grundlage weitert. Hinzu kommt für viele die setzten Materialien wollen stets be-
für Wissen und Bildung möglichst Entdeckung der eigenen Einzigartig- zahlt sein. Dafür wurde 1997 der
weit zu verbreiten, ist das Motiv für keit als ein wertvoller Teil unserer Förderverein WORLD IN UNION e. V.
die WIU-Arbeit. Gemeinschaft. gegründet.
2614Festschrift_Teil2_v7_210 x 135 mm 24.11.10 08:22 Seite 15
WIU bietet an: Eine-Welt-Arbeit ist für
Aktionswoche „WasserWesenWelt“ • Malaktionen • Aktionswoche mich mehr als eine Notwendig-
„Schwingungen“ • Workshop-Serie „Verbunden“ • WIU-Festival und keit oder der Blick über den Teller-
rand, mehr als Hilfsprojekte oder glo-
vieles mehr für groß und klein. bales Denken und Handeln. Sie ist mir ein
alltägliches und natürliches Herzensanliegen.
Sie ist die gemeinschaftliche Bewegung in Ver-
Foto WIU
bundenheit – eine Kreation hier und jetzt. Eine-
Welt-Arbeit, so wie ich sie empfinde, beginnt
unmittelbar bei jedem von uns in seinem di-
rekten Lebensraum. Sie ist für mich ein we-
sentlicher Bestandteil des Lebens – ist
Liebe.
CLAUS MICHAEL PULMFestschrift_Teil2_v7_210 x 135 mm 24.11.10 08:22 Seite 16
Die Verteidigung der
MENSCHENRECHTE
Noch heute bleiben – trotz der mitt- rechtsverletzungen konfrontiert und
lerweile existierenden Vielzahl von die Verteidigung der Menschen-
Konventionen zum Schutz einzelner rechte war und ist noch heute ganz
Menschenrechte wie etwa der „Gen- bewusst ein Querschnittsthema des
fer Flüchtlingskonvention“, der „UN- Netzwerkes, denn es existiert eine
Kinderrechtskonvention“ oder der enge Verknüpfung zwischen dem
„UN-Antifolterkonvention“ – einem Einsatz für die weltweite Verwirkli- Die Verhaftungen und die grausame Verfol-
großen Teil der Menschen weltweit chung der Menschenrechte und den gung der Mitglieder der religiösen Bahá’i-Ge-
selbst die grundlegendsten sozialen, gemeinsamen Bestrebungen – ar- meinde durch die iranische Regierung ist ein
ganz aktuelles Beispiel, mit dem sich das
justiziabelen und politischen Rechte mer wie reicher Länder – im Sinne EINE WELT FORUM DÜSSELDORF e.V. in Ko-
verwehrt. In Saudi-Arabien, in Nord- von Armutsbekämpfung, Friedens- operation mit der Bahá’i-Gemeinde Düssel-
korea, in Regionen Lateinamerikas erhaltung und Umweltschutz. Daher dorf beschäftigt: Unterschriftenaktion im
November 2010. Foto Bahá’i-Gemeinde Düsseldorf
und in vielen Ländern Afrikas sind haben in der Geschichte des EINE
Verstöße gegen das Menschenrecht WELT FORUM DÜSSELDORF e.V. die
an der Tagesordnung. Aktionen zu Menschenrechtsfragen Heute geht es zum Beispiel um Aktio-
immer einen hohen Stellenwert ge- nen zum Bleiberecht von Flüchtlingen,
Die Eine-Welt-Arbeit sah sich von habt: Letztlich lässt sich auch die Protestmärsche und Mahnwachen, In-
Anfang an mit dem grundlegenden Anti-Apartheids-Bewegung hier zu- formationsveranstaltungen zur Lage der
Thema der weltweiten Menschen- ordnen. indigenen Bevölkerung in Chile, Mexiko
28Festschrift_Teil2_v7_210 x 135 mm 24.11.10 08:22 Seite 17
oder Peru, zum Krieg im Kongo mit seinen brutalen Men- sich in den Menschenrechts-Inititativen engagieren. Der
schenrechtsverletzungen oder zur weiblichen Genitalbe- Focus der einzelnen Gruppen ist unterschiedlich: STAY!
schneidung. Für Aufrufe zur Unterstützung von Mahn- bemüht sich um die medizinische Grundversorgung von
wachen, Einladungen zu Veranstaltungen und Unter- Flüchtlingen in Deutschland; die Terre des Hommes –
schriftenaktionen ist das Plenum ein wichtiges Forum. Gruppe Neuss/Düsseldorf setzt sich für afrikanische
Informationen und Termine werden per E-Mail weiterge- Kindersoldaten ein oder INTERKULTURA e.V. kümmert
leitet, Veranstaltungen im Programm der DÜSSELDOR- sich um die Zukunft von Aidswaisen in Uganda.
FER EINE WELT TAGE angekündigt. Denn eines ist klar:
Es ist schwer, Menschen für diese Themen zu „begeis- Organisationen wie Amnesty International, die größte
tern“. Anders als bei der Umsetzung konkreter Projekte, Menschenrechtsorganisation weltweit; die Gesellschaft
wie dem Bau eines Gesundheitszentrums oder einer für bedrohte Völker e.V. oder Pax Christi kämpfen für
Schule, dauert es häufig sehr lange, bis Erfolge spürbar das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit,
werden. Und im Gegensatz zu einem fröhlichen Afrika- den Schutz vor Folter und die Freiheitsrechte von ein-
Fest oder einer Aktion zum Fairen Handel wird niemand zelnen Menschen und unterdrückten Völkern.
beschwingt von einem Informationsabend zur anhaltend
besorgniserregenden Situation der Menschenrechte in Das EINE WELT FORUM DÜSSELDORF e.V. arbeitet un-
Kolumbien nach Hause gehen. ter anderem eng mit der Amnesty-Gruppe Ratingen
und deren Sprecher Ruben Ruiz zusammen, der selbst
Dass die Menschenrechtsarbeit wichtig ist und dass unter dem Pinochet-Regime durch den Einsatz von Am-
sich durch den langen Atem der Unterstützer doch nesty International befreit wurde.
etwas ändert, ist die Motivation all der Menschen, die Text MENSCHENRECHTE: Regina Riepe
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