INKLUSIVE QUARTIERE ERKENNTNISSE UND KOMMUNALE BEISPIELE AUS DER PRAXIS FÜR DIE PRAXIS - Städtetag Baden-Württemberg
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©Mütterzentrum Braunschweig e. V./MehrGenerationenHaus
INKLUSIVE QUARTIERE
ERKENNTNISSE UND KOMMUNALE BEISPIELE
AUS DER PRAXIS FÜR DIE PRAXIS
STÄDTETAG BADEN-WÜRTTEMBERG
Unterstützt durch
aus Mitteln des Landes
Baden-WürttembergFotos auf der Titelseite: Städtetag Baden-Württemberg / Conzen; Mehrgenerationenhaus: Mütterzentrum Braunschweig e.V. / MehrGenerationenHaus
VORWORT
Wie wollen wir in Zukunft zusammen der Vereinten Nationen4 bietet die Chance,
Diskussionen und Prozesse von der globalen auf
leben? Dies ist die Kernfrage, mit die lokale Ebenen zu übertragen. Dies beinhal-
der sich das Pilotprojekt Inklusive tet beispielsweise Fragen zur Definition von
Wohlstand und Solidarität, von gesellschaftli-
Quartiere1 des Städtetags Baden- chem Fortschritt genauso wie Gelingensfaktoren
Württemberg im vergangenen Jahr inklusiven Wirtschaftens in der Kommune. Der
Städtetag hat sich bereits seit dem Jahr 2006 mit
beschäftigte. Wie werden zum einem themenübergreifenden Inklusionsprozess
Beispiel alte und junge, gesunde und auseinandergesetzt. In entsprechenden Gremien
und Beschlüssen wurde eine weitgefasste
kranke oder Menschen mit und ohne Begriffsdefinition verankert. Unter Inklusion
Behinderung miteinander leben? verstehen wir demnach nicht ausschließlich
Maßnahmen für die Zielgruppe der Menschen
Wie müssen wir dafür bauen? Welche mit Behinderung. Im Fokus steht vielmehr die
Stolpersteine im wörtlichen und über- lebenswerte Stadt für alle Menschen.
tragenen Sinne müssen dazu aus Das Projekt Inklusive Quartiere wurde von der
Geschäftsstelle des Städtetags entwickelt und ist
dem Weg geräumt werden? Und ein Teilprojekt des vom Ministerium für Soziales
wie können wir im Lebensraum Stadt und Integration Baden-Württemberg geförderten
Kompetenznetzwerks Inklusion beim Städtetag.
diesen Fragen begegnen, um trag-
Die Themen nicht isoliert zu betrachten, son-
fähige Lösungen zu erarbeiten? dern die Fachkräfte und Experten aus der
Kommunalverwaltung wie -politik sind verstärkt Kommunalverwaltung unserer Mitgliedstädte
mit komplexen Herausforderungen konfrontiert, interdisziplinär zusammenzubringen, um ge-
für die es nicht immer einfache Lösungen gibt. meinsam Lösungen zu erarbeiten, Impulse
Die Gestaltung des demografischen Wandels, zusammenzutragen, um daraus Ideen für Stadt-
die Aufnahme und Integration von Zuwanderern, planung, in Stadterneuerungsverfahren oder
die Umsetzung von Maßnahmen für Menschen
mit Behinderung, die Gewährleistung einer
guten Daseinsvorsorge – auch mit Blick auf die 1 Inklusive Quartiere im Sinne von Quartiersstrategien, die zeitgemäß,
Digitalisierung – für alle Bürgerinnen und Bürger sozial und zukunftsorientierte Konzepte sind, mit der Zielrichtung von
Selbstbestimmung, Inklusion und zivilgesellschaftlicher Verantwor-
und die Verbesserung der Infrastruktur bei schwieri- tung, die aber auch Infrastruktur- und Finanzierungsfragen und Fragen
ger finanzieller Belastungssituation prägen den der Stadtentwicklung und Stadtplanung beinhalten.
Arbeitsalltag. Auch der Partizipationsgedanke, 2 „Auf Dauer können die Städte ihre Funktion als Träger gesellschaft-
die Beteiligung der Stadtbevölkerung sowie lichen Fortschritts und wirtschaftlichen Wachstums im Sinne der
Lissabon Strategie nur wahrnehmen, wenn es gelingt, die soziale
Interessensvertreter vor Ort, erfordern Ideen und Balance innerhalb und zwischen den Städten aufrecht zu erhalten,
gezielte Maßnahmen, um konkrete und trag- ihre kulturelle Vielfalt zu ermöglichen und eine hohe gestalterische,
bauliche und Umweltqualität zu schaffen.“ (vgl. Leipzig Charta 2007,
fähige Lösungen für die zunehmend vielschichti- vgl. auch Positionspapier des Deutschen Städtetags „Integrierte Stad-
gen Planungsprozesse zu finden.2 tentwicklung und Stadtentwicklungsmanagement 2015“)
Die aktuellen Bemühungen um Inklusion3 auf ver- 3 Inklusion bezieht sich auf das Recht auf volle selbstbestimmte Teil-
habe für alle Menschen, ungeachtet ihrer sozialen Herkunft, Religion,
schiedensten Ebenen und in unterschiedlichsten kulturellen Zugehörigkeit, Hautfarbe, Sprache, Geschlechtszuge-
Handlungsfeldern sichern Teilschritte eines hörigkeit, politischen oder sonstigen Anschauung, des Vermögens,
der Geburt, des Alters oder sonstigen Status. (vgl. UN-BRK)
Paradigmenwechsels ab. Auch die Umsetzung
der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung 4 http://www.un.org/Depts/german/gv-70/band1/ar70001.pdf
5bei Stadtumbaugebieten mit Leerständen und Ein vornehmlicher Dank gilt den Kolleginnen und
Brachen zu entwickeln, war Idee des Projekts. Kollegen aus Mannheim, Schwäbisch Gmünd,
Wie lassen sich Kooperationen erreichen, wo Ulm und Waldkirch, die uns bei der Ausrichtung
sind Synergien unterschiedlicher Themenfelder der regionalen Werkstattgespräche unterstützten.
für verschiedene Zielgruppen nutzbar?
Für die wissenschaftliche Begleitung bedanken
In drei regionalen Werkstattgesprächen in Mann- wir uns bei Gabriele Steffen, EBM a.D. und
heim, Schwäbisch Gmünd und Ulm lernten bis Hauptgeschäftsführerin Institut für Stadtplanung
zu 80 Teilnehmende je Veranstaltung aus den und Sozialforschung Weeber+Partner.
unterschiedlichsten Fach- und Zuständigkeits-
Dieses Ergebnispapier fasst die Erfahrungen,
bereichen unserer Mitgliedstädte praktische
praktische Beispiele unserer Mitgliedsstädte
Beispiele inklusiver Quartiersentwicklung ken-
und Erkenntnisse aus einem intensiven fachli-
nen, tauschten Erfahrungen aus der Praxis aus
chen Dialog zusammen. Es beschreibt kommu-
und arbeiteten an Qualitätskriterien.
nale Projekte mit unterschiedlichen inklusiven
Dabei wurden verschiedene Zugänge bearbeitet, Ansätzen. Sie sind mit Blick auf die eingangs
nämlich die Ebene des ganzen Quartiers, die genannten verschiedenen Zugänge – die Ebene
des ganzen Quartiers, die Ebene der Gebäude,
Ebene der Gebäude, Plätze, Straßen und Orte
Plätze, Straßen und Orte sowie die Ebene der
sowie die Ebene der Quartiersplanung und
Quartiersplanung und -strategien ebenso des
-strategien ebenso das Handelns, wie z.B. in
Handelns – aufbereitet und dargestellt.
Stadtentwicklungsprozessen und der Quartiers-
entwicklung. Die Dokumentation der Ergebnisse und Ver-
öffentlichung der kommunalen Projekte wollen
Die Projektergebnisse beinhalten vielfältige
Beispiel für andere Kommunen geben. Sie wollen
Entwürfe, wie es möglich ist, eine Stadt für alle
aber auch Anregungen für den Diskurs in den
Generationen und für Menschen mit unter-
Kommunen geben, um den zu Beginn beschrie-
schiedlichen Bedürfnissen zu gestalten, um so zu
benen Anforderungen und Fragen zukünftig
mehr Toleranz und einem guten Zusammenleben
umfassend entsprechen zu können und noch
beizutragen.
bessere Lösungsansätze zu finden.
Dabei sind beispielsweise Fragen darüber
Um eine lebenswerte Stadt mit attraktiven
entscheidend, wie die gesetzlichen Regelungen
Angeboten und inklusivem Umfeld zu gestalten,
innovativ umgesetzt werden, wie städtebauliche
die für alle Bürgerinnen und Bürger bestmöglich
Abläufe und Prozesse die Umsetzung des inklu-
nutzbar sind, gilt es, neben der Rahmensetzung
siven Ansatzes aufgreifen, davon profitieren und
durch das Land, vor Ort in den Kommunen pass-
wie sich schließlich Synergieeffekte einstellen
genaue Strukturen zu schaffen.
können.
Dieses Ergebnispapier soll allen Verantwortlichen
Ein ausdrücklicher Dank gebührt den Mitgliedern
in den unterschiedlichsten Fach- und Zuständig-
der interdisziplinär besetzten Projektgruppe
keitsbereichen einen Einblick auf verschiedene
– überwiegend Fach- und Führungskräfte aus
Ansätze und Beispiele geben. Es soll Mut
unseren Mitgliedstädten. Sie brachten ihre
machen, den interdisziplinären Ansatz und ein
Expertise und wertvolle Zeit ein, um das Projekt
weitgefasstes Inklusionsverständnis als Grund-
zu begleiten, über Projektstruktur und -ziele zu
lage zu verankern und darauf aufbauend struk-
beraten, die Themen übergreifend zu diskutieren
turelle Veränderungen anzustoßen.
und die thematische Arbeitsgrundlage für die
regionalen Werkstattgespräche festzulegen.
6Auf der Internetseite www.inklusive-quartiere.de Inklusion braucht nicht nur Visionen, sondern auch
sind Inhalte der Projektarbeit sowie aktuelle konkrete Maßnahmen und vor allem eine bestmögli-
Entwicklungen eingestellt. Sie dient zum Aus- che Vernetzung der Handelnden.
tausch, für Information, zeigt Praxisbeispiele auf, Aus diesem Gedanken heraus ist das Projekt Inklusive
bietet spannende Ansätze und Stimmen zu den Quartiere entstanden, das einen als sehr ergiebig
Themen Stadtentwicklung und Inklusion in Form empfundenen Diskussionsprozess im Städtetag und
von O-Tönen prägender Akteure aus unseren in unseren Mitgliedstädten auslöste.
Mitgliedstädten.
Wir bedanken uns ausdrücklich bei allen Mitwirken-
Auch für den Städtetag bedeutete die inter- den, die sich im Rahmen des Projekts engagiert und
disziplinär angelegte Projektstruktur und eingebracht haben.
-ausgestaltung eine neue Form der Zusammenar-
beit und Vorgehensweise, die wir rückblickend
als sehr erfolgreich bewerten können. Anliegen
ist es, das Thema Inklusion unter den Gesicht-
spunkten des weitgefassten Verständnisses und Simone Fischer
mit interdisziplinärem Ansatz weiterzubearbeiten. Fachberaterin Inklusion und
Die Strukturen des Städtetags dienen dazu, Gesellschaftliche Vielfalt, Projekt-
Prozesse vor Ort anzustoßen, eine Zeitlang zu leiterin Inklusive Quartiere
begleiten und der Kommunalverwaltung eine
fachspezifische wie interdisziplinäre Vernetzung Benjamin Lachat
zu ermöglichen. Mit den unterschiedlichen Kom- Dezernent
petenzbereichen, die beim Städtetag verankert Familie und Soziales
sind, bietet der Städtetag eine Anlaufstelle
und ein Netzwerk für die kommunale Praxis,
gewährleistet den Erfahrungsaustausch und das Gerhard Mauch
gemeinsame Lernen, organisiert das Wissens- Dezernent
management und „Lernräume – aus der Praxis Bau-, Ordnungsrecht, EU,
für die Praxis“. allgemeine Rechtsfragen
Städtetag Baden-Württemberg
Geschäftsstelle Dezernat III, Dezernat IV
Königstraße 2, 70173 Stuttgart
www.staedtetag-bw.de
www.inklusive-quartiere.de
twitter.com/StaedtetagBW
facebook.com/StaedtetagBW
7MITWIRKENDE IM PROJEKT
PROJEKTGRUPPE
Achim Bocher Roland Böhm Stefan Goller-Martin Patrik A. Hauns
Stadt Heilbronn Stadt Esslingen am Stadt Ravensburg Stadt Bruchsal
Amt für Familie, Neckar Amt für Soziales und Fachbereich Bildung,
Jugend und Soziales Baurechtsamt Familie Soziales und Sport
Roswitha Keicher Barbara Kley Detlev Kulse Dieter Lehmann
Stadt Heilbronn Universitätsstadt Stadt Waldkirch Stadt Schwäbisch Gmünd
Stabstelle Partizipation Tübingen Dezernat Bauen, Amt für Familie
und Integration Senioren- und Planen und Umwelt und Soziales
Inklusionsbeauftragte
Gabriele Reichhardt Holger Sköries Ulrich Soldner Angelika Thieme
Landeshauptstadt Stadt Waiblingen Stadt Ulm Stadt Weinheim
Stuttgart Seniorenreferent Liegenschaften und Amt für Baurecht und
Sozialamt Wirtschaftsförderung Denkmalschutz
Dr. Petra Wagner
Stadt Mannheim
Fachbereich
Stadtplanung
Walter Werner Sina Wildhagen Regine Wüllenweber
Mitglied des Fach- Städtetag Stadt Backnang
beirats Beratungs- Baden-Württemberg Amt für Familie,
stelle Inklusion Referentin Dezernat I Jugend und Bildung
PROJEKTSTEUERGRUPPE
Simone Fischer Benjamin Lachat Gerhard Mauch Gabriele Steffen
Fachberaterin Inklusion Dezernent Dezernent EBM a.D.
und Gesellschaftliche Familie und Soziales Bau-, Ordnungsrecht, Weeber+Partner,
Vielfalt (Projektleitung) EU, allgemeine Rechts- Hauptgeschäftsführerin
fragen
8INHALT
VORWORT ............................................................................................................................................ 5
MITWIRKENDE IM PROJEKT
Projektgruppe ............................................................................................................................... 10
Projektsteuergruppe ...................................................................................................................... 10
ABKÜRZUNGEN .................................................................................................................................. 8
HINWEISE ............................................................................................................................................ 8
PRAXISBEISPIELE IM LEBENSRAUM STADT.
1 DIE EBENE DES GANZEN QUARTIERS ..................................................................................... 11
1.1 Stadt Heilbronn | .Quartiersentwicklung im Bereich des Südbahnhofs................................... 12
1.2 Stadt Kirchheim unter Teck | .Steingauquartier – Ein starkes Stück Stadt .............................. 15
1.3 Stadt Mannheim | Franklin-Mannheim .................................................................................. 18
1.4 Stadt Schwäbisch Hall | Entwicklung eines inklusiven Quartiers ........................................... 22
1.5 Stadt Tübingen | Quartier Alter Güterbahnhof....................................................................... 26
1.6 Stadt Ulm | Inklusiver Alter Eselsberg 2030........................................................................... 30
1.7 Stadt Esslingen am Neckar | Alter Sportplatz im Stadtteil Weil ............................................ 35
2 DIE EBENE DER ANGEBOTE, GEBÄUDE, PLÄTZE UND STRASSEN ������������������������������������ 37
2.1 Stadt Backnang | Zwei Einrichtungen unter einem Dach ...................................................... 38
2.2 Stadt Kehl | Dorfplatz Inklusiv ............................................................................................... 40
2.3 Stadt Ludwigsburg.| Das Mehrgenerationenhaus (MGH) als Ort gelebter Inklusion ............ 43
2.4 Stadt Schwetzingen.| Begegnungsfläche Schlossplatz Schwetzingen .................................. 47
2.5 Stadt Waldkirch | Barrierefreies Freibad ’S Bad ..................................................................... 51
3 DIE EBENE DER QUARTIERS-PLANUNG/.-STRATEGIEN UND DES HANDELNS .................. 55
3.1 Stadt Freiburg | Green City Hotel Vauban.............................................................................. 56
3.2 Stadt Ostfildern.| WiPs – Wir in der Parksiedlung ................................................................. 58
3.3 Stadt Schwäbisch Gmünd.| Kommune Inklusiv Gesamtstädtisch und in Stadtteilen ............ 63
3.4 Landeshauptstadt Stuttgart (1).| Salz & Suppe – Stuttgart im Dialog ................................... 68
3.5 Landeshauptstadt Stuttgart (2).| Inklusive Volkshochschule Stuttgart ................................... 70
ZUSAMMENFASSEND ..................................................................................................................... 74
IMPULS | QUALITÄTSKRITERIEN FÜR LEBENSWERTE QUARTIERE ........................................... 77
ANHANG
1 PROJEKTBESCHREIBUNG .......................................................................................................... 80
2 WERKSTATTGESPRÄCHE ........................................................................................................... 81
2.1 Mannheim 16.3.17 | Die lebenswerte Stadt | inklusive Stadtentwicklung.
Erfahrungen – Beispiele – Qualitäten .................................................................................... 81
2.2 Schwäbisch Gmünd 8.5.17 | Attraktivität inklusiver Quartiere .............................................. 83
2.3 Ulm 25.10.17 | Qualitätskriterien – Wie geht inklusive Stadt-/Quartiersentwicklung? .......... 85
9ABKÜRZUNGEN
BMAS: Bundesministerium für Arbeit und Soziales
BTHG: Gesetz zur Stärkung der Teilhabe und Selbst-
bestimmung von Menschen mit Behinderun-
gen (Bundesteilhabegesetz)
GemO: Gemeindeordnung für Baden-Württemberg
HH-Plan: Haushaltsplan
Kita: Kindertageseinrichtung – steht für alle Formen
der institutionellen Kindertagesbetreuung
LBO: Landesbauordnung Baden-Württemberg
MGH: Mehrgenerationenhaus
Sozialministerium: Ministerium für Soziales und Integration
Baden-Württemberg
UN-BRK: UN-Behindertenrechtskonvention
SGB XII: Sozialgesetzbuch, Zwölftes Buch – Sozialhilfe
HINWEISE
Aufgrund der besseren Lesbarkeit wird in den Texten der Ein-
fachheit halber überwiegend die männliche Form verwendet.
Die weibliche Form ist selbstverständlich immer eingeschlossen.
In Baden-Württemberg lebten am 31.12.2015 insgesamt
10.879.618 Einwohner auf einer Fläche von 3.567.676 ha.
Diese Daten sowie die Daten zu Fläche und Einwohnerzahl in
der Publikation beziehen sich auf die Erhebungen des Statis-
tischen Landesamtes Baden-Württemberg zum 31.12.2015.5
Stand November 2017
5 www.statistik-bw.de/BevoelkGebiet/
101
PRAXISBEISPIELE IM
LEBENSRAUM STADT
DIE EBENE DES
GANZEN QUARTIERS1.1 Stadt Heilbronn
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
Informationen zur Stadt
EINWOHNERZAHL: 122.567
FLÄCHE: 9.988 ha
OBERBÜRGERMEISTER: Harry Mergel
Heilbronn ist das wirtschaftliche, kulturelle und
administrative Zentrum der Region Heilbronn-
Franken und liegt zwischen den Ballungsräumen
Stuttgart und Heidelberg/Mannheim/Ludwigs-
hafen im Neckartal. Hier leben Menschen
Projekt Südbahnhof | Foto: Stadtarchiv Heilbronn, S. Irankhah
aus 150 Nationen. Als wichtiger europäischer
Wirtschaftsstandort im nördlichen Baden-
Württemberg bietet Heilbronn zahlreiche Arbeits- lung im Bereich des Südbahnhofs entsprechend
plätze. Für eine hohe Lebensqualität sorgen einem ersten Grobkonzept durchzuführen.
das sehr gute Bildungsangebot, die einladende
Innenstadt, das bunte Vereinsleben, zahlreiche
DAS PROJEKT
Sport- und Kulturveranstaltungen sowie eine
gemütliche Gastronomie. Titel, Kurzbeschreibung
QUARTIER 2020 – QUARTIERSENTWICKLUNG
Kommunales Profil, integrierte
IM BEREICH DES SÜDBAHNHOFS.
Handlungsansätze
Die Stadtverwaltung sieht in dem derzeit entste-
In Heilbronn ist Inklusion Querschnittsaufgabe.
henden Stadtquartier auf dem Südbahnhofareal
Vor allem in neuen Projekten wird verstärkt
– sowohl zeitlich als auch von der Grundstruktur
darauf geachtet, Barrierefreiheit und Inklusion
her – eine ideale Möglichkeit, um eine intensivere
von Anfang an mitzudenken und entsprechend
Quartiersentwicklung zu starten. Als erstes Grob-
einzuplanen. Unterstützung bieten dabei die
konzept und Rahmen dient die Gemeinderats-
Inklusionsbeauftragte sowie der Inklusionsbeirat,
drucksache 147/2017.6
der in die Gemeinderatsstrukturen eingebunden
ist.
Räumlicher Kontext des Projekts
Eines der vier zentralen Strategiefelder der
In dem Gebiet leben derzeit ca. 3.000 Menschen
neuen Heilbronner Stadtkonzeption 2030 ist
in knapp 1.600 Haushalten. Der Anteil an Men-
die „Teilhabe an der Stadtgesellschaft“. Bei der
schen über 65 Jahre liegt bei 13,5 %. Doppelt
Erstellung von Konzepten und bei allem Verwal-
so viele Menschen sind 40 bis 65 Jahre alt und
tungshandeln sollen noch stärker die Vielfalt der
stellen hier den größten Anteil der Bevölkerung.
Gesellschaft berücksichtigt und hierfür Strukturen
Der Anteil an Menschen mit Zuwanderungs-
und Rahmenbedingungen optimiert werden.
geschichte aus 79 Herkunftskulturen beträgt
Alle Heilbronner sollen eine Chance auf Teilhabe
63 %. Inmitten des Südbahnhofgeländes ent-
erhalten. Daher werden auch Kommunikation
stehen derzeit in einem weit fortgeschrittenen
und Information auf dieses Ziel hin angepasst.
Bauabschnitt ca. 333 Wohnungen, 308 Studen-
Gesellschaftliche und soziale Verantwortung
tenapartments und 87 Pflegeheimplätze. Eine
sollen nachhaltig gefördert werden.
stationäre Pflegeeinrichtung, die auch teilsta-
tionäre Tagespflege anbietet, eine betreute
Gemeinderatsbeschlüsse
Seniorenwohnanlage, das inklusive Wohnprojekt
Am 26.07.2017 beschloss der Gemeinderat die „Buntes Wohnen“ für Menschen mit Behin-
Teilnahme am Ideenwettbewerb „Quartier 2020 derung, Senioren, Studenten und Familien, ein
– Gemeinsam. Gestalten.“ des Sozialministeri- Studentenwohnheim sowie eine inklusive Kita in
ums mit dem Projekt Quartiersentwicklung im
Bereich des Südbahnhofs. Die Teilnahme wurde 6 https://gemeinderat.stadt-heilbronn.de/beschluesse/GR/2017/
mit dem Ziel befürwortet, eine Quartiersentwick- _ files/KB GR 26.07.2017 oe-RIS.pdf
12freier Trägerschaft, ein Ärztezentrum und eine Ziele des Projekts
Apotheke werden derzeit realisiert. Vorschub
Die Verwaltung sieht mit der Umsetzung des Pro-
für diese umfassende Infrastruktur leistete die
jekts die Chance, ein durch Neuansiedlung sich
planerische und gestalterische Einbringung der
veränderndes Quartier
Stadtsiedlung Heilbronn GmbH. Es ist mit
einer weiteren Einwohnerzahl von insgesamt ▪▪ über einen intensiven Beteiligungsprozess mit
1.128 Personen zu rechnen, wodurch sich neuen Methoden zu entwickeln,
Bevölkerungsanteile verändern werden. Die ▪▪ den Fokus auf den Bereich Ältere zu legen,
Dimension aber auch die Notwendigkeit einer mit dem Ziel, diese möglichst lange in ihrem
intensiven Quartiersentwicklung wird hieran gewohnten Umfeld leben zu lassen,
deutlich.
▪▪ in diesem Zusammenhang weitere Zielgruppen
Im Quartier angesiedelt sind u.a. eine weitere
(v.a. verschiedene Altersgruppen, Menschen
Kita (kirchliche Trägerschaft), zwei Kirchenge-
mit Behinderung und Menschen mit
meinden (katholisch und evangelisch) sowie ein
Zuwanderungsgeschichte) in den Prozess
Familienzentrum mit einer Begegnungsstätte
einzubinden,
(mit diversen Angeboten wie Sprachkurse etc.)
als mögliches Quartierszentrum. Barrierefreie ▪▪ erste Umsetzungsschritte mit Beteiligung der
Verkehrsräume sowie die Anbindung an den Quartiersbevölkerung zu starten,
ÖPNV schaffen weitere gute Voraussetzungen.
Im unmittelbaren Umfeld des Quartiers liegen ▪▪ bürgerschaftliches Engagement zu fördern
eine Grundschule sowie diverse Lebensmittel- (z.B. über einen Projektfördertopf) und
händler, Restaurants und Einzelhandelsgeschäfte.
▪▪ aus dem Prozess für weitere
Quartiersentwicklungen zu lernen.
Anlass, Anstoß
Die Initiative, eine gezielte Quartiersentwicklung
Projektverantwortliche, Federführung in
in dem Bereich mit umfassender Beteiligung
der Verwaltung
der Bevölkerung zu starten, wurde auch durch
äußere Rahmenbedingungen stark forciert. Die Die Federführung hat die Stabsstelle Partizipa-
Stadtverwaltung hat mit dem Gemeinderat tion und Integration. Dort ist auch der Aufgaben-
bereits durch die Inhalte und das Strategiefeld bereich Bürgerbeteiligung angesiedelt.
„Teilhabe an der Stadtgesellschaft“ der Stadt-
konzeption 2030 Weichen gestellt. Der Gemein- Weitere Akteure, Beteiligte innerhalb
derat erteilte an die Verwaltung den Auftrag, die der Verwaltung
bereits vorhandenen Familienzentren in verschie-
Amt für Familie, Jugend und Senioren, Schul-,
denen Bezirken der Stadt zu Quartierszentren
Kultur- und Sportamt ggf. mit den Kulturinsti-
weiterzuentwickeln.
tuten, Gesundheitsamt, Planungs- und Bau-
Quartiersentwicklungen in sozialer Hinsicht mit rechtsamt, Amt für Liegenschaften und Stadt-
entsprechend vielfältigen Beteiligungsansätzen erneuerung, Stabsstelle Stadtentwicklung
sind grundsätzlich Maßnahmen, um den und Zukunftsfragen, Grünflächenamt, Amt für
Inklusionszielen der Stadt gerecht zu werden. Straßenwesen, Hochbauamt.
Aus dem Prozess sollen wertvolle Erkenntnisse
und Erfahrungen für Entwicklungen anderer Kooperationsformen, ressortüber-
Quartiere in Heilbronn (z.B. „Neckarbogen“) greifende Zusammenarbeit
gewonnen werden. Dabei können wichtige
Prozessbegleitung durch eine Projektgruppe,
Parameter für bestehende Quartiere identifiziert
bestehend aus: Stabstelle Partizipation und Inte-
und bei künftigen Planungen berücksichtigt
gration, Amt für Familie, Jugend und Senioren,
werden. Anregungen hierzu können auch ins
Inklusionsbeauftragte
geplante städtische Pflegekonzept aufgenom-
men werden, welches ab Herbst 2017 weiter-
Sonstige Akteure, Beteiligte außerhalb
entwickelt werden soll.
der Verwaltung
Ein Expertenkreis aus möglichen Kooperations-
partnern, die im Quartier bereits Baumaßnahmen
initiiert bzw. einen engen Bezug zu dem Quartier
haben, wird intensiv eingebunden. Dies sind v.a.
13die stationäre Pflegeeinrichtung Haus zum Fels, PHASE 4 – VERSTETIGUNG UND UNTER-
Arkus gGmbH, der Paritätische Wohlfahrtsver- STÜTZUNG
band, die Offene Hilfen Heilbronn gGmbH, Ver-
Ehrenamtlicher und der Begleitung der Quartiers-
treter des Kreisseniorenrats, der Verein „Buntes
entwicklung (Nachhaltigkeitssicherung) z.B.
Leben e.V.“ und Akteure der früheren Bürger-
durch Einbindung hauptamtlicher Begleiter
initiative zum Bebauungsplanverfahren. Auch
beim Familienzentrum oder anderen sich an-
eine Einbindung der Gewerbetreibenden ist in
bietenden Partnern („Motorenfunktion“); auch
diesem Gebiet gegeben. Weitere Akteure sollen
Vereinsgründungen, Nachbarschaftstreffs etc.
über Beteiligungsprozesse akquiriert werden.
könnten das ehrenamtliche Engagement Einzel-
ner unterstützen; Etablierung unterschiedlicher
DER PROZESS Begegnungsformate, die ein ständiges Zusam-
mentreffen und einen regelmäßigen Austausch
Ablauf, Meilensteine
ermöglichen sollen.
PHASE 1 – ANALYSE ALLER BESTEHENDEN
Evaluation des Entwicklungs- und ersten
VERNETZUNGEN IM QUARTIER
Umsetzungsprozesses, um für weitere Quar-
Wer ist mit wem in welchem Kontext in Kontakt? tiersentwicklungen zu lernen und ggf. neue zu
Start der Befragungen und Treffen im Quartier: starten.
Insbesondere mit den Partnern aus dem Bereich
der Pflege- und Beratungsstruktur mit dem Ziel, Beteiligungsformen und Zielgruppen
herauszufinden, welche Möglichkeiten die Infra-
Einsatz interkultureller Mittler, die im Quartier die
struktur bietet, Älteren den Verbleib im Quartier
Bewohner v.a. an ihren Treffpunkten aufsuchen
zu erleichtern (Analyse der Lebensbedürfnisse
und über eine Befragung einbinden. Ziel ist,
im Quartier, u.a. Wegestrukturen, Versorgung im
Erkenntnisse über Erwartungen und Bedarfe
Alltag, soziale Teilhabe, Begegnung mit anderen
(auch geschlechtsspezifisch) sowie Hinweise
Zielgruppen, weiterer Unterstützungsbedarf etc.);
über Möglichkeiten des sozialen Engagements
es erfolgt eine gemeinsame Entwicklung weiterer
im Quartier zu gewinnen; Treffen mit Experten
Schritte zur Beteiligung der Bevölkerung (z.B.
und Interessierten im Quartier mit dem Ziel der
über Gewinnung von Multiplikatoren).
gemeinsamen Entwicklung weiterer Schritte;
Bedarfsabfrage über eine barrierefreie Online-
PHASE 2 – BETEILIGUNGSPROZESS UND EIN- Plattform, die ab Beginn 2018 als Beteiligungs-
BINDUNG INS QUARTIER plattform installiert werden wird. Über die Ko-
operation mit der stationären Pflegeeinrichtung
Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse sollen
sollen mit Hilfe der dort tätigen ehrenamtlichen
bestehende Netzwerke sowie Bewohner des
Mitwirkenden gemeinsam mit den Bewohnern
Quartiers über Veranstaltungen, Treffpunkte in
die Beantwortungen möglich gemacht werden;
Einrichtungen vor Ort, Besprechungen zwischen
Gewinnung von Multiplikatoren und gemein-
Haupt- und Ehrenamtlichen sowie Angebote
same Entwicklung von Maßnahmen.
eingebunden werden. Ziel ist, gemeinsam
Maßnahmen zu entwickeln für Ältere, die es er- Die Stabsstelle Partizipation und Integration
möglichen, länger im Quartier zu verbleiben, und steuert den Prozess und übernimmt überwie-
gleichzeitig auch ein gesellschaftliches Mitein- gend die Moderation. Eingesetzt werden auch
ander im Fokus haben. Beschäftigte (insbesondere aus dem sozialen
Bereich), die sich zu internen Moderatoren
weiterqualifiziert haben, sowie bei Bedarf mehr-
PHASE 3 – AUSWERTUNG DES BETEILIGUNGS-
sprachige interkulturelle Mittler als Brückenbauer
PROZESSES UND UMSETZUNG ERSTER IDEEN
und Übersetzer bei Beteiligungen. Dokumen-
Dabei könnten z.B. Ehrenamtliche eine Förder- tiert wird u.a. über die Online-Plattform, um
möglichkeit für ihre Ideen erhalten (z.B. für möglichst schnell und transparent Informationen
kleinere Anschaffungen und Auslagenersatz). weiterzugeben.
Die Hauptamtlichen begleiten und unterstützen
Es besteht die Idee des Aufbaus eines Mail-
dabei; Pflege der Vernetzungen und ggf. Er-
verteilers für das Quartier, um schnell Bewohner
weiterung des Netzwerks durch neu Hinzugezo-
erreichen zu können. Unterschiedliche, gemein-
gene; erste Evaluation und Weiterentwicklung
sam entwickelte Begegnungsformate werden
der Ideen über weitere Beteiligungen.
etabliert. Diese sollen ständige Zusammentreffen
und einen regelmäßigen Austausch ermöglichen.
14RESSOURCEN “Inklusive Qualität” soll auf der neuen Online-
Plattform für Bürgerbeteiligung dokumentiert
Personalanteile
und transparent gemacht werden. Hierüber
Personalaufwand entsteht v.a. für die Projektlei- können u.a. auch Befragungen und Stimmungs-
tung und -koordination, die interne Moderation, abfragen gestartet sowie Veranstaltungshinweise
Organisation von Beteiligungsformaten, Doku- eingestellt werden.
mentation sowie Begleitung erster Maßnahmen.
Angedacht ist personelle Unterstützung bei der
BILANZ – FAZIT
Stabsstelle Partizipation und Integration.
Erfahrungen, Erkenntnisse
Budget, Finanzierung, Kosten
Für eine gelingende Quartiersentwicklung ist
Für das Projekt entstehen folgende Sachkosten: es notwendig, die Menschen vor Ort intensiv
einzubinden und frühzeitig ein Netzwerk aus
Mehrsprachige Interviewer und Mittler, Gebär-
Beteiligten aufzubauen. Da sich das Heilbronner
densprachdolmetscher und weiterer behinder-
Modell durch einen hohen Grad an Flexibilität
tenspezifischer Assistenzbedarf: ca. 8.000 Euro;
auszeichnet, sind weitere Ergebnisse noch offen.
Veranstaltungen/Raumkosten/Material:
ca. 5.000 Euro; Öffentlichkeitsarbeit für Betei-
ligung und Veranstaltungen: ca. 2.000 Euro; INFORMATIONEN UND KONTAKT
Projektförderpool: ca. 8.000 Euro. Hinzu kommt
die Einbringung von Ressourcen durch Koopera- ROSWITHA KEICHER
tionspartner. STABSSTELLE PARTIZIPATION UND
INTEGRATION
Tel.: 07131 / 56-4480
WAS IST INKLUSIV? WIRKUNGEN VON
Mail: roswitha.keicher@heilbronn.de
INKLUSION?
Qualitätskriterien, Indikatoren
Durch die Präsenz der Befragenden im Quartier
und Schaffung verschiedener Austauschmöglich- 1.2 Stadt Kirchheim
keiten kann die Bürgerbeteiligung direkt ge-
messen werden. Bei geringer Resonanz kann unter Teck
kurzfristig und flexibel reagiert werden, um die
Menschen vor Ort stärker einzubinden und deren DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
Wünsche und Erwartungen herauszufiltern.
Informationen zur Stadt
Wirkungen, Mehrwert EINWOHNERZAHL: 40.094
Durch den intensiven Beteiligungsprozess wird FLÄCHE: 4.047 ha
nicht nur auf spezielle Bedürfnisse eingegangen,
OBERBÜRGERMEISTERIN:
sondern auch unterschiedliche Prägungen durch
Angelika Matt-Heidecker
Religion und Kultur sowie der Bedarf für Men-
schen mit Behinderung berücksichtigt. Es gilt, Kirchheim unter Teck ist historische Fachwerk-
viele Formen der Unterstützung zu entwickeln, und Marktstadt. Sie ist Große Kreisstadt und
um ein möglichst breites Spektrum an Bedürfnis- die viertgrößte Stadt des Landkreises Esslingen.
sen des Lebens im Quartier abdecken zu können. Kirchheim unter Teck bildet ein Mittelzentrum
für die umliegenden Gemeinden in der Region
Was ist an „inklusiver Qualität“ Stuttgart an der Nahtstelle zur Schwäbischen Alb.
entstanden?
Kommunales Profil, integrierte
Der Beteiligungsprozess soll mit den oben auf-
Handlungsansätze
geführten Methoden gemeinsam mit Partnern
und mit intensiver Einbindung der Bevölkerung Die Stadt verfolgt seit vielen Jahren die Strategie
aus dem Quartier ausgestaltet und umgesetzt einer „Stadt für Alle“. Hierzu gehört auch die
werden. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse Inklusion aller Bevölkerungsgruppen in das
werden für weitere Bürgerbeteiligungsprozesse städtische Leben und ihre Berücksichtigung im
festgehalten und als Grundlage für folgende planerischen Handeln.
Quartiersentwicklungen genutzt. Entstandene
15Dies beginnt bei der aktiven Teilhabe von Ver- DAS PROJEKT
tretern der Menschen mit Einschränkungen an
Titel, Kurzbeschreibung
Tiefbaumaßnahmen, insbesondere Umbau von
Straßen und öffentlichen Flächen, umfasst aber
STEINGAUQUARTIER – EIN STARKES STÜCK
auch einen ganzheitlichen Ansatz bei allen sozial-
STADT.
und stadtplanerischen Strategien und Planungen.
Es handelt sich um ein städtebauliches
Unter anderem bestehen folgende Institutionen:
Konversionsprojekt mit dem Ziel einer
Integrationsrat, Aktionskreis für behinderte und maßstabsgerechten, funktional und sozial durch-
nicht behinderte Menschen, Mehrgenerationen- mischten Stadtstruktur. Der Prozess der Inklusion
haus LINDE mit inklusiven Ferienangeboten für im Städtebau erfolgt im Wesentlichen durch das
Menschen mit Beeinträchtigungen, Teilnahme Vergabeverfahren für die Grundstücke.
am nationalen Tag der Inklusion, Chor ohne Bar-
rieren, Kommunale Altenhilfeplanung, Mobilität Räumlicher Kontext des Projekts
im Alter, städtische barrierearme Homepage7
Das Steingauquartier befindet sich in unmit-
telbarer Nachbarschaft zur Altstadt und zum
Gemeinderatsbeschlüsse
S-Bahnhof Kirchheim unter Teck.
Gemeinderatsbeschluss im Leitbildprozess
Es handelt sich um eine 3,5 ha große Gewerbe-
über Inklusion und Beschluss im Handlungsfeld
brache inmitten des gewachsenen wohnbauli-
Bildung:
chen Siedlungszusammenhangs mit gemischter
Gebäudeinfrastruktur aller Bildungsstätten ist Sozialstruktur.
unter Berücksichtigung der Inklusion
auszuführen/zu optimieren (Kita, Schule usw.). Anlass, Anstoß
Gemeinderatsdrucksache 078/15/GR: Die Initiative kam aus der Fachverwaltung.
Verfahrensmodell Steingauquartier
Ziele des Projekts
Maßstabsgerechte, funktionale und sozial durch-
mischte Stadtstruktur
Projektverantwortliche, Federführung
innerhalb der Verwaltung
Abteilung Städtebau und Baurecht:
Abteilungsleiter Gernot Pohl (Federführung),
Oliver Kümmerle (Projektleiter)
Weitere Akteure, Beteiligte innerhalb
der Verwaltung
Abteilung Soziales: Brigitte Hartmann-Theel
Kooperationsformen, ressortüber-
greifende Zusammenarbeit
Beteiligung im Steingauquartier | Foto: Stadt Kirchheim
Ständige fachübergreifende Zusammenarbeit in-
unter Teck
nerhalb der Verwaltung bei der Konzeption und
Umsetzung des Städtebaus und des Vergabe-
prozesses.
Sonstige Akteure, Beteiligte außerhalb
der Verwaltung
Matthias Gütschow & Thomas Gauggel (freie
Architekten Tübingen) als Berater im Vergabe-
7 https://www.kirchheim-teck.de/willkommen prozess sowie zahlreiche Baugruppen.
16DER PROZESS Wirkungen, Mehrwert
Ablauf, Meilensteine Der Prozess befindet sich derzeit in der Um-
setzung, die Fertigstellung ist im Jahr 2022
2010: Städtebauliches Gutachterverfahren
vorgesehen. Das Steingauquartier soll in seiner
2010-2016: Grunderwerbsverhandlungen städtebaulichen Qualität und sozialen Mischung
beispielbildend für maßstabsgerechtes und
2010-2016: Konzeption des Vergabeverfahrens
zukunftsgerichtetes „Weiterbauen“ der ge-
2017: Abschluss des Bebauungsplanverfahrens wachsenen Mittelstadt wirken.
seit 01.01.2017: Grundeigentumsübergang
Was ist an „inklusiver Qualität“
seit 01.01.2017: Umsetzung des Projektes entstanden?
Der wesentliche Aspekt der inklusiven Qualität
Beteiligungsformen und Zielgruppen
wird im Steingauquartier in der kleinräumlichen
Zielgruppe des Steingauquartiers ist ein Mischung von Wohn-, Freizeit- und Arbeitsange-
möglichst großer Reigen der Stadtgesellschaft. boten für Menschen mit unterschiedlichsten
Eigenarten innerhalb des Quartiers und in direk-
Als Methode wurde ein Vergabeverfahren
tem Umfeld mit der Innenstadt, liegen.
(„Kirchheimer Modell“) entwickelt, in dem
jede Grundstücksbewerbung ihre Chancen auf
Zuschlag dadurch steigert, dass sie eine Be- BILANZ – FAZIT
sonderheit/Eigenart aufzeigt. Der Katalog der
Erfahrungen, Erkenntnisse
Vergabekriterien umfasst diesbezüglich zwei
Kriterien: Bisher können keine endgültigen Erkenntnisse
▪▪ Was leistet das Projekt für die Quartiers- getroffen werden. Aber in der gesamten Stadt ist
gesellschaft? spürbar, dass der Prozess „Steingauquartier“ an-
regend ist und zur Auseinandersetzung mit dem
▪▪ Was leistet das Projekt für die Stadtgesell- eigenen Wohnen und mit gemeinschaftlichen/
schaft? gemeinwesensorientierten Aspekten führt.
Es gibt also keine fest umrissenen Anforderun- Leitsatz, O-Ton, Zitat zum Projekt
gen, sondern die Anregung, im Sinne des Ge-
„Das Steingauquartier – ein starkes Stück Stadt.“
meinwesens kreativ zu werden.
(Leitsatz des Projekts)
RESSOURCEN Anmerkungen, Hinweise, Interessantes
Personalanteile Internetauftritt Steingauquartier mit interessan-
ten und aktuellen Informationen zum Projekt
15 % Stellenanteile: Federführung
Presseartikel, u.a. Teckbote vom 27.10.2017,
20 % Stellenanteile: Projektleitung
02.07.2015, 26.03.2015, 23.03.2015, 21.04.2011,
28.09.2010
Budget, Finanzierung, Kosten
Für Prozesssteuerung, Marketing und rechtliche
INFORMATIONEN UND KONTAKT
Beratung stehen jährlich 60.000 Euro (ab 2020:
30.000 Euro) zur Verfügung. GERNOT POHL
STÄDTEBAU UND BAURECHT
Tel.: 07021 / 502-439
WAS IST INKLUSIV? WIRKUNGEN VON
Mail: g.pohl@kirchheim-teck.de
INKLUSION?
Qualitätskriterien, Indikatoren
Sozialwohnungen; gemeinwesensorientierte
Nutzungen; Gemeinschaftliche Funktionen/
Räumlichkeiten; ökologisches/klimagerechtes
Bauen; maßstabsgerechter Städtebau
171.3 Stadt Mannheim funktion für das Zusammenleben in Metropolen
(Ziel 4), die partnerschaftliche Entwicklung mit
bürgerschaftlichem Engagement zu erreichen
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE (Ziel 7).
Informationen zur Stadt FRANKLIN soll ein vielfältiges Quartier werden
und die Mannheimer Stadtgesellschaft wider-
EINWOHNERZAHL: 305.780
spiegeln, geprägt von wechselseitigem Respekt
FLÄCHE: 14.496 ha und der Bereitschaft zur Verständigung der
hier lebenden Menschen und Gruppen für ein
OBERBÜRGERMEISTER: Dr. Peter Kurz
gelingendes Miteinander. Verankert ist diese
Die an Rhein und Neckar gelegene Quadrate- gemeinsame Wertgrundlage in der Mannheimer
und Universitätsstadt Mannheim ist ein Stadt- Erklärung für ein Zusammenleben in Vielfalt mit
kreis in Baden-Württemberg und gleichzeitig über 200 Institutionen und Unternehmen, die
wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der sich aktiv für ein gelingendes Zusammenleben
Metropolregion Rhein-Neckar. Menschen aus engagieren wollen.
170 Nationen leben hier, über 43 Prozent der
KONVERSIONSSTRATEGIE
Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund
– Mannheim ist eine Stadt, in der Weltoffenheit, Die Auflösung der US-Militärflächen führte
Vielfalt und Toleranz seit der Stadtgründung 2011 zur Einsetzung eines Beauftragten für die
gelebt werden. Die Stadt bietet mit ihrer attrak- Konversion und einer Geschäftsstelle Konversion
tiven Innenstadt vielfältige Einkaufsmöglichkeiten als Stabsstelle des Oberbürgermeisters. Für
mit Oberzentrumsfunktion, ist jedoch auch eine die Verhandlungen mit der Bundesanstalt für
Stadt der Stadtteile. Zahlreiche eingemeindete Immobilienaufgaben (BImA) über den Ankauf
Ortschaften haben ihren ländlichen Charme der Flächen, deren qualitative Entwicklung und
bewahrt, profitieren dabei von den Annehmlich- Umsetzung/Vermarktung wurde 2012 hieraus die
keiten der Großstadt, z.B. ÖPNV-Anbindung und MWS Projektentwicklungsgesellschaft (MWSP) als
städtische Infrastruktur. Das Stadtgebiet besteht Tochter der GBG und Stadt Mannheim gegründet.
etwa zur Hälfte aus Grünflächen, so treffen hoch-
Die strategische Herangehensweise erfolgte
verdichtete urbane Stadtgebiete auf Lebens-
über eine intensive Bürgerbeteiligung ab 2011,
räume für Tiere und Pflanzen – ein einzigartiger
zu der alle Bewohner der Gesamtstadt auf-
Beitrag zur Lebensqualität und ein Gewinn für
gerufen wurden. Auf zahlreichen Veranstaltun-
den Umweltschutz.
gen, im Internet sowie per Post konnten Bürger
ihre Ideen und Vorschläge für die Konversion
Kommunales Profil, integrierte
einbringen. In einem Arbeitsbuch mit dem Titel
Handlungsansätze
„1000 Ideen für eine Stadt, die sich neu baut”,
ACHT STRATEGISCHE ZIELE wurden diese zusammengefasst und dokumen-
tiert. Aus diesen Ideen wurden fünf Marken
Ein zentrales Anliegen der Stadt Mannheim ist
gebildet mit den Titeln Grün, Ingenieursmeile,
es, das Verwaltungshandeln an den Wirkungen
Kultur, Wohnen und Energie. Sie bildeten damit
auf die Mannheimer Stadtgesellschaft zu orien-
den Rahmen für die Flächenentwicklung aller
tieren. Hierfür ist das Verwaltungshandeln auf
Mannheimer Konversionsareale unter dem Ziel
acht strategische Ziele ausgerichtet, die besch-
der Nutzungsmischung mit jeweiliger Schwer-
reiben, welche stadtgesellschaftlichen Entwick-
punktsetzung.
lungen von besonders hoher Relevanz sind:
1. Urbanität stärken, 2. Talente gewinnen, Die Verwaltung legte dem Gemeinderat jährlich
3. Unternehmen stärken, 4. Toleranz leben, ein Weißbuch vor, indem der Beteiligungspro-
5. Bildungsgerechtigkeit verbessern, zess dokumentiert und dessen Ergebnisse in
6. Kreativität stärken, 7. Engagement unter- ein Eckpunktepapier zusammengefasst wurden:
stützen, 8. Eigenkapital mehren. http://www.konversion-mannheim.de/buerger-
beteiligung/weissbuchprozess
Die Entstehung eines auf Konversionsgelände
völlig neu zu entwickelnden Quartiers für über Der Gemeinderat beschloss diese Eckpunkte und
9.000 Menschen wie FRANKLIN, vereint alle gewährleistete damit die Weiterverfolgung der
stadtgesellschaftlichen Schwerpunkte – insbe- Ergebnisse aus dem Bürgerbeteiligungsprozess.
sondere die Stärkung einer ökologisch und sozial
ausgewogenen Urbanität (Ziel 1), die Vorbild-
18Gemeinderatsbeschlüsse Die Planung zu FRANKLIN – gemeinsam mit
Partnern und Investoren – läuft seit über drei
Die qualitative Entwicklung von FRANKLIN
Jahren. Ende 2015 konnte das Areal vom Bund
wurde seit 2012, beginnend mit dem dreijähri-
erworben werden. Vor rund 1 ½ Jahren wurde
gen Bürgerbeteiligungs- und Weißbuchprozess,
mit der umfangreichen Infrastrukturherstellung
ab 2014 mit der Rahmenplanung, 2015 mit
gestartet, mit ersten Bewohner/Einzügen ist
wohnungspolitischen Schwerpunkten, 2016
Ende 2017 zu rechnen. Das neue sozial gemisch-
zu ökologischen, ökonomischen und sozial-
te Quartier FRANKLIN mit insgesamt über 140 ha
politischen Aspekten in zahlreichen Vorlagen
Größe, steht am Beginn seiner Entstehung,
im Gemeinderat bzw. Unterausschuss Konver-
s. www.franklin-mannheim.de
sion behandelt. Parallel erfolgte eine intensive
Abstimmung mit Partnern zum öffentlichen
Räumlicher Kontext des Projekts
gleichberechtigten (Grün-)Raum, die aktuell in
die Planung einfließt. Detailentscheidungen zu Auf dem ehemaligen Kasernengelände Benjamin-
FRANKLIN beschließt der Aufsichtsrat der MWSP Franklin-Village/Sullivan Barracks/Funari Baracks
mit dem Mannheimer Oberbürgermeister als – die ehemalige größte Housing Area der US-
Aufsichtsratsvorsitzendem. Army in Deutschland – entsteht in den nächsten
Jahren im Stadtteil Käfertal ein vollständig neues
2017 beschloss der Gemeinderat die Teilnahme
Quartier für über 9.000 Menschen. Dieses neue
am Ideenwettbewerb “Quartier 2020 – Ge-
Quartier FRANKLIN besteht aus insgesamt fünf
meinsam. Gestalten” des Sozialministeriums
Teilarealen und hat die Größe der Mannheimer
mit einem Vorhaben zur seniorengerechten
City. Über die Schaffung vielfältiger Wohnange-
Quartiersentwicklung auf FRANKLIN. Das Projekt
bote und Wohnformen für Haushalte mit un-
wurde als Preisträger ausgezeichnet.
teren, mittleren und höheren Einkommen sowie
die entsprechenden sozialen und sonstigen
DAS PROJEKT Infrastruktureinrichtungen wird auf FRANKLIN
ein sozial durchmischtes, grünes Quartier für alle
Titel, Kurzbeschreibung
Bevölkerungsschichten entstehen.
FRANKLIN-MANNHEIM
Das Leitbild von FRANKLIN basiert auf einer
umfangreichen Bürgerbeteiligung und dem
mehrjährigen Weißbuchprozess, der die gemein-
wesenorientierte Arbeit mit der Bürgerschaft
und deren Ergebnisse dokumentiert und daraus
Eckpunkte sowie Qualitäten für die Entwicklung
der Flächen ableitet. Seine Weiterentwicklung
ist im Rahmenplan Benjamin-Franklin-Village
mit der Zielvorstellung zu finden, ein „lebhaftes
sozial gemischtes Quartier für alle Generationen”
zu schaffen. Dies impliziert neben ökologischen
und architektonischen Qualitäten auch eine
gezielte Schaffung inklusiver, dezentraler (Wohn-)
Strukturen.
Um in der Quartiersentwicklung die Grundzüge
des Leitbilds zu berücksichtigen, hat die MWSP
für das Teilareal Mitte ein Zertifikat mit fünf Di-
mensionen entwickelt. Enthalten sind Qualitäten
aus den Bereichen Soziale Durchmischung,
Inklusion, Freiraum & Urbanität, Städtebau &
Architektur sowie Energie & Mobilität. Zum
Kaufvertragsabschluss muss der Investor ein
Zertifikat vorlegen, dabei sollte er in mindestens Foto: MWS Projektentwicklungsgesellschaft mbH
drei Kategorien einen Beitrag leisten. Die Pla-
nungen der Investoren werden mit einem Exper-
tengremium abgestimmt.
19Anlass, Anstoß Pionierzeit zu gleichen Teilen von der MWSP, den
Investoren FRANKLINs und der Stadt Mannheim.
Am 23. Juni 2010 gaben die US-Streitkräfte
Europa bekannt, dass sie bis Ende 2015 sämtli-
Weitere Akteure, Beteiligte innerhalb
che Standorte in der Region aufgeben werden.
der Verwaltung
Durch den Abzug der US-Streitkräfte mussten
rund 510 ha Fläche innerhalb der Gemarkung Zwischen MWSP und der Verwaltung bestehen
Mannheim innerhalb weniger Jahre einer quali- vielfältige Querschnittsbezüge und umfangreiche
tativen Neuentwicklung zugeführt werden. Die Abstimmungen mit Fachzuständigkeiten, neben
Umwidmung der bisher militärisch genutzten allen planerischen, rechtlichen und technischen
Flächen in eine zivile Nutzung (“Konversion“) war Bereichen in wöchentlichen Jour-Fixen, entwick-
und ist eine große Herausforderung, aber auch lungs- und themenspezifisch zusätzlich v.a. mit:
eine historische Chance, die Zukunft Mannheims
Beauftragte für die Belange von Menschen mit
auf einer neuen Grundlage zu diskutieren und
Behinderung (BBMB), Beauftragter für Integra-
der Stadt nachhaltige Möglichkeiten für Wachs-
tion und Migration, Fachbereiche Arbeit und
tum und Prosperität zu erschließen.
Soziales/Kinder, Jugend und Familie/Gesund-
heit/Tageseinrichtungen für Kinder/Bildung u.a.
Ziele des Projekts
Die Effekte hieraus sind eine Verzahnung aller
Das Ziel ist die Umsetzung eines Nutzungs-
erforderlichen Fach- und Funktionsbereiche für
mixes – die Entwicklung FRANKLINs als sozial
die Entwicklung eines neuen Quartiers.
gemischten, inklusiven und grünen Stadtteil, die
Bildung und Vertiefung neuer Strukturen und
Kooperationsformen, ressortüber-
Netzwerke zwischen Partnern-Investoren-Stadt/
greifende Zusammenarbeit
MWSP sowie die Sicherung der immensen
Re-Investition für ein neues Stadtquartier. Eine Über den langen Zeitraum erfolgten diverse
erfolgreiche Umsetzung der nachhaltigen Kooperationsformen je nach Themensetzung/
Belebung zeigt sich mit der Aufsiedlung von Entwicklungsschritten zwischen Geschäftsstelle/
FRANKLIN in den nächsten Jahren. MWSP, Stadt und Partnern: Thematische Arbeits-
gruppen, Einbezug in Planungsprozesse, Netz-
Projektverantwortliche, Federführung werkbildung, Partnerzusammenführung z.B.
innerhalb der Verwaltung Investor – “Sozialpartner“ – Stadtverwaltung,
Gemeinschaftsaktivitäten und Events zur Bele-
Ehemals Geschäftsstelle Konversion und städti-
bung des Quartiers, inhaltliche Begleitung und
scher Beauftragter für Konversion als Stabstelle
Unterstützung geplanter Flächeninvestitionen,
des Oberbürgermeisters, aus der die MWSP
Einbindung in Förderprogramme etc.
gegründet wurde. Die Projektverantwortung liegt
bei der MWSP, die in enger Abstimmung mit
Sonstige Akteure, Beteiligte außerhalb
den städtischen Fachbereichen, insbesondere
der Verwaltung
dem Fachbereich Stadtplanung, Projektgruppe
Konversion, das Quartier entwickelt. Während des Weißbuchprozesses begleiteten
sog. “Zukunftslotsen”, ehrenamtlich tätige
Innerhalb der MWSP ist die Federführung beim
Unterstützer und Mittler zwischen Verwaltung
sog. Aufsiedlungsmanagement angesiedelt, hier-
und Bürgerschaft, die Konversionsentwicklung.
für hat sie Personal für die ersten Besiedlungs-
Sie unterstützen z.B. bei Arbeitsgruppen mit
jahre eingesetzt. Das Aufsiedlungsmanagement
Bürgern, spezifischen Zielgruppen und Experten
FRANKLIN ist eine Aufgabe aller beteiligten Ak-
sowie bei öffentlichen Veranstaltungen. Eine
teure unter Steuerungsverantwortung der MWSP
Gruppe der sog. “Soziallotsen” entwickelte ge-
(nicht zu verstehen als klassisch sozialunterstüt-
meinsam mit einem Stadtsoziologen 2013/2014
zendes Quartiersmanagement in sozial benach-
Eckpunkte für eine inklusive Quartiersentwick-
teiligten Gebieten) mit Schwerpunkten, z.B.
lung FRANKLIN und formulierten, wie sich ein
Kontaktpflege und Begleitung sozialer Träger,
gelingendes Zusammenleben, entsprechende
Vereine und Akteure, Vernetzungsarbeit alltags-
Wohnformen und ein lebendiger öffentlicher
bezogener Dienste, Investoren und FRANKLIN
Raum in diesem Kontext darstellt.
Field-Verein, Infomanagement, Werbung und
Öffnung, Veranstaltungen sowie ökologische und In der Umsetzung sog. “Sozialpartner” für
soziale Projekte zur Nachbarschaftspflege. Finan- gemeinsame Planung bzw. Nutzungen/Vorha-
ziert wird das Aufsiedlungsmanagement für die ben auf FRANKLIN: u.a. Arbeitsgemeinschaft
20Barrierefreiheit, Badischer Blinden- und Sehbe- und Sozialpolitik FRANKLIN und der Mobilitäts-
hindertenverein (BBSV), Wespinstift, Johannes planung sowie kontinuierliche Abstimmung/
Diakonie, Reha Südwest Regenbogen gGmbH, Einbindung von Personal aus den planerischen,
Johann-Peter-Heim, Roll in Tagespflege, FRANK- infrastrukturellen und technischen Bereichen der
LIN Field Verein, Hundenachhilfe, KiTa-Träger. MWSP und Stadt sowie der Öffentlichkeitsarbeit/
Weiter wird die frühe Belebung des Gebietes un- Eventplanung der MWSP.
terstützt von der katholischen und evangelischen
Kirche in einem Bauwagen vor Ort sowie einer Budget, Finanzierung, Kosten
Initiative von Stadt/MWSP mit migrantischen
Das Gesamtvolumen FRANKLINs beläuft sich auf
Vereinen unterschiedlicher Nationalitäten, ein
über 220 Mio. Euro. Im Rahmen des Business-
Interkulturelles Haus Mannheim (IKHM) auf
plans der MWSP für FRANKLIN sind veränder-
FRANKLIN aufzubauen.
liche Anteile für soziale, ökologische und ener-
getische Entwicklungen je nach Planungsstand
DER PROZESS und Wirksamkeit vor Ort als Mischkalkulation
innerhalb des Gesamtbudgets eingeplant. Dies
Ablauf, Meilensteine
wird regelmäßig fortgeschrieben und durch einen
Bürgerbeteiligung: 1000 Ideen, vier Weißbücher, Aufsichtsrat genehmigt.
Markenbildung, Definition von Qualitäten
Konversion: Rahmenplan, Flächenerwerb, WAS IST INKLUSIV? WIRKUNGEN VON
Flächenvermarktung, Investorenbindung, Um- INKLUSION?
setzung nach Qualitätskriterien (FRANKLIN-
Qualitätskriterien, Indikatoren
Zertifikat etc.), Öffentlichkeitsarbeit, Aufsied-
lungsmanagement Sozial gemischte, interkulturelle, ökologisch und
planerisch qualitative, nachhaltige Belebung von
Soziale Mischung: Netzwerkbildung mit vielfäl-
FRANKLIN-Mitte gem. FRANKLIN-Zertifikat, im
tigen Partnern innerhalb und außerhalb der
Gesamtgebiet in Anlehnung an die Zertifikats-
Verwaltung, Partnerkooperationen, Investitions-
kriterien und gem. Mischungsgrundsätzen.
entscheidungen, gemeinsame Veranstaltungen,
Planung sozialer (inklusiver, generationsüber-
Wirkungen, Mehrwert
greifender) und interkultureller Vorhaben dezen-
tral im Quartier (Bsp. Programm Quartier 2020, Im Sinne der sozialen Durchmischung sind auf
Zwischennutzungen, Jugendwohngruppen, in- FRANKLIN mehrere Standorte für öffentliche
klusives Wohnen und Kompetenzzentrum, KiTas, Begegnungen und inklusive/soziale Maßnahmen
Grundschule, IKHM etc.), neue Mobilitätsformen geplant. Sowohl im Zentrum mit der Kirche als
für die Zukunft auch im Hinblick auf Inklusion und multireligiösen Begegnungsraum, als auch den
Barrierefreiheit Teil Mitte umgebende Standorte für Sport-,
Spiel-, Grün- und Kulturnutzungen sowie einen
Beteiligungsformen und Zielgruppen öffentlichen Raum, der in seiner Ausgestaltung
ein soziales, gleichberechtigtes Miteinander
Neben den vielfältigen Beteiligungsformen
ermöglicht.
wurde 2017 ein FRANKLIN-Beirat ins Leben
gerufen, der sich unter der Federführung des Das Teilgebiet Funari enthält Planungen zur
Aufsiedlungsmanagements für die nächsten drei interkulturellen Belebung, ebenso wie integrative
Jahre aus Investoren/Projektentwicklern, prägen- und inklusive Nutzungen. Im Teilgebiet Sullivan
den Mietern, Nutzern und Vereinen sowie Fach- bilden sich derzeit Strukturen des künstlerischen
bereichen der Stadt zusammensetzt. Mind. zwei- und musikkreativen Bereichs heraus. Dem Wesen
mal pro Jahr können die Partner der Aufsiedlung FRANKLINs entsprechend, werden offene Be-
auf dieser Ebene Ideen und Erfahrungen ein- gegnungsräume entstehen, die auch für den
bringen und an der aktiven Quartiersentwicklung generationenübergreifenden Bedarf geplant sind.
mitwirken.
Was ist an „inklusiver Qualität“
entstanden?
RESSOURCEN
Identifikation mit dem neuen Quartier ist bei
Personalanteile
Aufsiedlung spürbar: Durch die verschiedenen
Zwei Personen anteilig Aufsiedlungsmanage- Beteiligungsformen und Veranstaltungsformate
ment zzgl. strategische Begleitung der Bildungs- wurde deutlich von Experten in eigener Sache
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