MIRAKTUELL - Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie (MWAE)

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MIRAKTUELL - Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie (MWAE)
MIRAKTUELL
    V I E R T E L J A H R E S S C H R I F T

       Schwerpunktthema:
       Provinz und Metropole – Metropole
       und Provinz – eine Nachlese zur
       Kulturlandkampagne 2008

       Die Bewertungskommission der Arbeits-
       gemeinschaft Städte mit historischen
       Stadtkernen – Plattform für die Zusammen-
       arbeit zwischen Kommunen und Land

       „Zukunft braucht Herkunft“ –
       die Neugestaltung des Museums
       in Fürstenwalde als Motor der
       Stadtentwicklung

 1·2009
MIRAKTUELL - Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie (MWAE)
Schwerpunktthema: Provinz und Metropole – Metropole und Provinz –
            eine Nachlese zur Kulturlandkampagne 2008

Inhaltsverzeichnis

       Editorial .......................................................................................................................................................................................4

       Vorwort........................................................................................................................................................................................5

       Die Kulturlandkampagne 2008 – Ein Rückblick ..........................................................................................................................6

       1. Frühe Wegmarken des Handels und der Infrastruktur zwischen Berlin und der Mark Brandenburg

       Mittelpunkte. Märkte, Plätze und Handel in den historischen Stadtkernen ..................................................................................9

       Die wirtschaftliche Bedeutung des Chausseebaus und der Chausseen ....................................................................................11

       Eine Reise auf der Alten Hamburger Poststraße .......................................................................................................................13

       Unter drei Königen, Friedrich Wilhelm Graf von Redern – in Berlin und in der Mark .................................................................14

       2. Wirtschaftliche, soziale und politische Impulse zur Entwicklung der Hauptstadtregion

       Entwicklung der Hauptpstadtregion ...........................................................................................................................................17

       Lokomotiven brauchen Platz – Die Schwartzkopffwerke und ihre Werkssiedlung in Wildau ......................................................19

       Namhafte Baumeister der Hauptstadtregion und ihre Bauten in Eberswalde
       Wanderausstellung des Museums in der Adlerapotheke Eberswalde ........................................................................................23

       Mit der Bahn ins Grüne .............................................................................................................................................................25

       Weichen stellen für Berlin – 100 Jahre Rangierbahnhof Wustermark – eine Ausstellung zur Geschichte
       mit Zukunft läutet das Jubiläumsjahr 2009 ein ..........................................................................................................................28

       Wandlitz im Zug der Zeit: Von der Landwirtschaft zur Naherholung ..........................................................................................29

       Eröffnung des Museums der Havelländischen Malerkolonie – Ferch.........................................................................................30

       Ananas & Tafelwein aus Görlsdorf für das Adlon in Berlin – Erinnerungen an die Zukunft? ......................................................32

       Von 1939 bis 1942 war ich in Templin – Schulleben im Internat Joachimsthaler Gymnasium ...................................................34

       Rüstungswirtschaft und Zwangsarbeit in Fürstenberg (Oder)
       Sonderausstellung im Städtischen Museum Eisenhüttenstadt...................................................................................................36

       3. Provinz und Metropole im Perspektivenwechsel 2008

       3.1. Ökonomische und funktionale Gesichtspunkte

       Metropole und Region in ergänzender Stärke ...........................................................................................................................40

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Schwerpunktthema: Provinz und Metropole – Metropole und Provinz –
                                                                                eine Nachlese zur Kulturlandkampagne 2008

„Provinz ist kein Ort …“ .............................................................................................................................................................41

Die kreativen Spielräume der „Peripherie“ – Schwedt ...............................................................................................................42

Provinz und Metropole – ein Blickwechsel – Finsterwalde ........................................................................................................44

Eine Landschaft auf der Bühne: Das Oderbruch – Gemüsegarten Berlins und Paradies für Raumpioniere ..............................46

Rohrlack/OPR: Eine solide Zukunft durch enge Verbindungen mit Berlin..................................................................................48

Metropole, Provinz und Metropolregion .....................................................................................................................................51

Ein Haus (von und) für Friedrich Gilly / Steinhöfel.....................................................................................................................53

Cottbus – Die Metropole im Kopf – Fragen über Fragen ...........................................................................................................53

3.2 Ressourcen bewahren – Kulturlandschaft gestalten

Kulturlandschaften gestalten – das dritte Leitbild der Raumentwicklung in Deutschland in der neuen
Landesentwicklungsplanung für Berlin und Brandenburg ..........................................................................................................56

Sommerfest in der Provinz – Kulturland Brandenburg 2008 zu Gast in Altdöbern.....................................................................59

(Un) Mögliche Räume – Baruth .................................................................................................................................................61

Vier Ortsgespräche und ein Landesdenkmaltag zum Verhältnis von Provinz und Metropole.....................................................62

Vierfacher Perspektivenwechsel – Architekturgespräche 2008.................................................................................................64

Den eigenen Reichtum finden – Glienicke/Wittstock .................................................................................................................66

Rheinsberg – Baukultur im ländlichen Raum.............................................................................................................................68

Gewohntes Denken für ungewohnte Probleme? – Innovationsfragen in Schwedt .....................................................................69

Stadt, Land Fluss – Wasserstrategie Oranienburg ....................................................................................................................70

Der Wettbewerb EUROPAN 9 – ein Spremberger Mannschaftsspiel.........................................................................................72

BRÜCKE & TÜR – Kann Europa von Spremberg lernen? .........................................................................................................73

Perspektivenwechsel – „Das Neue Brandenburg“ in Berlin – ....................................................................................................75

David Gilly (1748-1808) – Ausstellung und Publikation .............................................................................................................76

Leidenschaft Baukultur ..............................................................................................................................................................77

Festlicher Ausklang der Kultlandkampagne 2008 im Kaiserbahnhof Potsdam ..........................................................................78

Die Bewertungskommission der Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen –
Plattform für die Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Land ...........................................................................................80

„Zukunft braucht Herkunft“ – Die Neugestaltung des Museums in Fürstenwalde
als Motor der Stadtentwicklung ................................................................................................................................................82

Mit „Job Tiger“ Kompetenzen entdecken und Potenziale stärken –
Ein Modellvorhaben der Sozialen Stadt in Brandenburg a. d. H................................................................................................85

                                                                                                                                                        MIRAKTUELL 1/09                    3
MIRAKTUELL - Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie (MWAE)
Schwerpunktthema: Provinz und Metropole – Metropole und Provinz –
           eine Nachlese zur Kulturlandkampagne 2008

Editorial

        Kulturland Brandenburg hat im Jahr 2008     stadtregion mit der Metropolregion Wien-     tenberg (O). Die Raumprägung in der
        versucht mit einem Weitwinkelobjektiv       Niederösterreich, das Projekt des Lan-       Vergangenheit wird an Fallbeispielen
        das traditionsreiche Beziehungsnetz von     desbetriebes Straßenwesen „Chausseen,        anschaulich beschrieben, neue Investi-
        Provinz und Metropole einzufangen. Die      Meilensteine, Alleen und Chausseehäu-        tionen in den Umbau von Stadt und
        Raumentwicklung von Berlin und der          ser“ und zum anderen die vier Architek-      Landschaft werden vorgestellt, ohne of-
        Mark Brandenburg seit der Industrialisie-   turgespräche der Brandenburgischen Ar-       fene Zukunftsfragen auszublenden. Die
        rung und ihre Begründung durch ökono-       chitektenkammer. Des Weiteren wurde          Transformation der Schwarzkopffwerke
        mische, soziale und kulturelle Transfor-    ein Architekturgespräch des BDA Lan-         und ihrer Werksiedlung zum attraktiven
        mationsprozesse standen im Mittelpunkt      desgruppe Brandenburg gefördert.             Wissenschaftsstandort der Technischen
        der Kulturlandkampagne. Sie wird seit                                                    Fachhochschule Wildau ist solch ein auch
        2006 auch vom Ministerium für Infra-        Fachpolitische Überlegungen und Denk-        baukulturell bemerkenswertes Schlüs-
        struktur und Raumordnung aus einem          anstöße sowie persönliche Erinnerungen       selprojekt des Stadtumbaus.
        Baukulturfonds im Geschäftsbereich des      von Experten erweitern das Ideenspek-
        MIR gefördert.                              trum zur nachhaltigen Raumentwick-           Kapitel 3 umreißt den Stand des ge-
                                                    lung. Schließlich bietet das Heft ein        genwärtigen Perspektivenwechsels
        Der Themenschwerpunkt von MIR AK-           Forum für beispielgebende Projektträger      in der Hauptstadtregion von innen und
        TUELL Heft 1-2009 befasst sich in einer     und Mut machende Eigeninitiativen, stell-    außen betrachtet. Punkt 3.1 hebt ab auf
        „Nachlese“ mit der Hauptstadtregion un-     vertretend für viele andere.                 aktuelle Fragen und strategische Über-
        ter dem Blickwinkel des neuen gemein-                                                    legungen zum ökonomischen und
        samen Leitbildes der beiden Bundeslän-      Der traditionsreiche ökonomische, sozi-      funktionalen Beziehungsgefüge. Das
        der Brandenburg und Berlin. Es gründet      ale und kulturelle Stoffwechsel gleicht in   gemeinsame Leitbild, seine politischen
        auf dem gemeinsamen kulturellen Fun-        der Zusammenschau einem Kaleidos-            Beweggründe und strategischen Impulse
        dus des Raumes und der kulturellen Viel-    kop. Bei Drehung und Mehrfachspiege-         werden reflektiert und aus der Sicht pe-
        gestaltigkeit seiner Kulturlandschaften     lung sortiert sich das Bild aufs Neue.       ripherer Regionaler Wachstumskerne
        und Potenziale. Welche tradierten Bezie-    Der Themenschwerpunkt gliedert sich          kommentiert. Eine besondere Aufmerk-
        hungen lassen sich für die Zukunft trag-    nach Zeitspannen in drei Kapitel, illus-     samkeit verdienen zwei Projekte, die sich
        fähig ausbauen? Welche neuen Bezie-         triert an Kulturlandprojekten, Veranstal-    mit den Bedingungen der Möglichkeit für
        hungen sollten in der gemeinsamen           tungen und Analysen ohne Anspruch auf        eine nachhaltige Kulturlandschaftsent-
        Region zwischen ihrem Kern und ihren        Vollständigkeit.                             wicklung auseinandersetzen – eine The-
        Rändern geknüpft werden?                                                                 atercollage über das Oderbruch sowie
                                                    Im Kapitel 1 geht es um die frühen           das im Sommer 2008 mit einem europä-
        „Die Gestalt eines Raumes, seine Sied-      Wegmarken des Handels und der In-            ischen Dorferneuerungspreis in den Nie-
        lungsstruktur, seine Freiräume und seine    frastruktur. Sie werden besonders von        derlanden ausgezeichnete Dorf Rohr-
        Verkehrsverflechtungen haben einen          der Arbeitsgemeinschaft der Städte mit       lack als Stellvertreter für kleinräumige
        großen Einfluss auf seine wirtschaftli-     Historischen Stadtkernen aufgezeigt          Strategien.
        chen und gesellschaftlichen Entwick-        und an der historischen Verkehrsinfra-
        lungsmöglichkeiten .... Die Raument-        struktur mit neuen Potenzialen für Tou-      Punkt 3.2 beginnt mit einem Schlüs-
        wicklung steht daher in ständiger           rismus und Naherholung festgemacht.          selaufsatz zum Thema Ressourcen
        Wechselwirkung mit allen Lebens- und                                                     bewahren – Kulturlandschaften ge-
        Wirtschafsbereichen“. (In: Perspektiven     Kapitel 2 beschäftigt sich mit wirt-         stalten. Der Beitrag verweist auf den
        der Raumentwicklung in Deutschland.         schaftlichen, sozialen und politischen       komplexen Gestaltungsauftrag der Raum-
        Hrsg. Bundesamt für Bauwesen und            Impulsen zur Entwicklung der Haupt-          ordnung und mögliche Handlungspoten-
        Raumordnung Bonn 2006).                     stadtregion Ende des 19./Anfang des          ziale für Berlin und Brandenburg, sich
        Im Blick zurück nach vorn widmet sich       20. Jahrhunderts. Die neue Verkehrs-,        neu zu formieren. Die nachfolgenden
        dieses Schwerpunktheft besonders dem        wie die Ver- und Entsorgungsinfrastruk-      Berichte engagierter Akteure und lokaler
        Leitmotiv Ressourcen bewahren und           tur, Straßenbau, Eisenbahnbau und die        Initiativen bezeugen, wie man örtlicher
        Kulturlandschaften nachhaltig gestalten     Motorisierung begünstigten die Arbeits-      Innovationslähmung durch Aufklärung,
        (3. Leitsatz der Bundesraumordnung          teilung, den fachkundigen Erfahrungs-        neue Allianzen und gebaute überzeu-
        2006). Unter diesem Gesichtspunkt hat       austausch und den Blickwechsel zwi-          gende Beispiele begegnen kann. Orts-
        das MIR im Jahr 2008 15 der offiziellen     schen Metropole und Provinz ebenso           gespräche des Brandenburgischen
        Kulturlandprojekte unterstützt und zu-      wie eine geopolitisch motivierte Aus-        Landesdenkmalamtes, wie die Architek-
        sätzlich vier weitere bewegt. Zum einen     weisung von Militärstützpunkten und          turgespräche der Brandenburgischen
        den Erfahrungsaustausch der Haupt-          Standorten der Rüstungsindustrie (Fürs-      Architektenkammer und des BDA Bran-

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Schwerpunktthema: Provinz und Metropole – Metropole und Provinz –
                                                                     eine Nachlese zur Kulturlandkampagne 2008

denburg, flankiert von Wettbewerben zu           neuen Brandenburgs (Wanderausstellung        Träger der kleinen Bewegungen. Sie be-
örtlichen Stadtumbaufragen, schärfen             des MIR vom 16.1.-14.2.2009 im Licht-        leben den Stoffwechsel zwischen Berlin
die Urteilskraft und sensibilisieren für ei-     hof der Senatsverwaltung für Stadtent-       und Brandenburg. Die jährlichen Kam-
ne zeitgemäße Baukultur. Zwei Wander-            wicklung Berlin). Der Vorstandsvorsitzen-    pagnen von Kulturland Brandenburg wir-
ausstellungen, die sowohl in Berlin und          de der neuen Bundesstiftung Baukultur        ken dabei als Zündfunken im Triebwerk
im Land Brandenburg präsentiert wer-             mit Sitz in Potsdam plädiert für mehr Lei-   der Hauptstadtregion.
den, öffnen den Blick einmal für die             denschaft bei der Gestaltung der Umwelt.
preußischen Pioniere der Landbaukunst                                                         Doch urteilen Sie bitte selbst.
– David Gilly – (Anna Teut) wie auch für         Der Themenschwerpunkt lenkt den Blick
die baukulturellen Zeichenträger des             auf einige beispielhafte Vorstöße und        Dr. Renate Fritz-Handeler

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
mit dem vorliegenden Heft verabschiedet sich die Redaktion von einer stets aktiven und fachkundigen Autorin, engagierten und
streitbaren Redakteurin, ideen- und beziehungsreichen, impulsgebenden und kritischen Bau-Kultur-Kollegin.
Wir sagen DANKE für die Zusammenarbeit und wünschen Ihnen, liebe Frau Dr. Fritz-Haendeler, für Ihren neuen Wirkungskreis
alles Gute!
                                                                                                               Die Redaktion

                                                                                                                                 Vorwort

Im Jahr 2008 stand das Beziehungsnetz            bild „Hauptstadtregion Berlin-Branden-
von Provinz und Metropole im Mittel-             burg“, beschlossen von den beiden Lan-
punkt der Brandenburger Kulturland-              desregierungen im August 2006, wurden
kampagne. Sie befasste sich nicht nur            die sich ergänzenden Stärken der bei-
mit der langen gemeinsamen Geschich-             den Länder als besondere Qualität aner-
te Berlins und Brandenburgs sondern              kannt, die für die weitere Entwicklung
auch mit Zukunftsfragen der Hauptstadt-          der Region genutzt werden soll.
region. In einer Nachlese zum Jahresbe-
ginn 2009 werden im vorliegenden                 Der wirtschaftliche Aufschwung in der
Schwerpunktheft „Provinz  Metropole“           Hauptstadtregion bestätigt das Konzept.
die thematische Bandbreite des Wech-             Das gilt auch für Krisenzeiten. Gerade
selspiels von Infrastruktur und Raum-            wirtschaftlich sind die beiden Länder
ordnung umrissen, anregende Projekte             aufeinander angewiesen, wie die hohe
und Initiativen vorgestellt sowie die            und weiter wachsende Zahl der Arbeits-
Möglichkeiten für eine neue Baukultur            pendler belegt. Die enge Verflechtung ist
beim Umbau von Stadt und Landschaft              im weltweiten Wettbewerb der Metropol-
betrachtet. Die Beispiele und ihre Träger        regionen von Bedeutung: Nur zusammen
sprechen für sich.                               kann es gelingen, die Potenziale der
                                                 Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg          Das vorliegende Heft ist als Fundgrube
Berlin und Brandenburg bilden zusam-             international zur Geltung zu bringen.        angelegt. Dokumentiert werden große und
men die deutsche Hauptstadtregion in                                                          kleine Bewegungen und Ideen für einen
der Mitte Europas. Von außen werden die          Die Verkehrsinfrastruktur, Wasserstra-       neuen nachhaltigen „Stoffwechsel“ zwi-
beiden Länder längst als eine Region             ßen, Straßen- und Schienennetze haben        schen Berlin und Brandenburg, auf die
wahrgenommen, im Inneren wachsen sie             seit jeher den Waren-, Ideen- und Kultur-    sich auch die diesjährige Kulturlandkam-
immer stärker zusammen. Schon heute              austausch befördert. Sie bestimmt auch       pagne 2009 zum Thema „Demokratie und
sind Berlin und Brandenburg enger mit-           die Zukunftsfähigkeit der Hauptstadtre-      Demokratiebewegungen“ stützen kann.
einander verflochten als alle anderen            gion. Ihre einzigartigen Potenziale nicht
deutschen Länder und Metropolregionen.           nur abgehoben zu erfassen, sondern
                                                 ihre regional spezifische Bodenhaftung,
Metropole und Region müssen zusam-               neue Entwicklungs- und Gestaltungsan-
men gedacht und entwickelt werden –              sprüche und mögliche Synergien beim
die Stärken der Kernstadt Berlin und des         Umbau von Stadt und Landschaft her-          Reinhold Dellmann
weiten Flächenlandes Brandenburg er-             auszustellen, war ein Ziel der Kultur-       Minister für Infrastruktur und Raum-
gänzen sich. Mit dem gemeinsamen Leit-           landförderung des Ministeriums 2008.         ordnung des Landes Brandenburg

                                                                                                                 MIRAKTUELL 1/09         5
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Schwerpunktthema: Provinz und Metropole – Metropole und Provinz –
           eine Nachlese zur Kulturlandkampagne 2008

Die Kulturlandkampagne 2008 – Ein Rückblick
           Brigitte Faber-Schmidt

       Kulturland Brandenburg e. V. konzipiert         spitzen, – das Thema quasi auf den           Brandenburg 1871 bis heute“ wurde
       und organisiert als Dachmarke zu einem          Punkt zu bringen. Das Motto wurde of-        zum einen ergänzt durch die Ausstel-
       jährlich wechselnden Thema in Koope-            fensiv und selbstbewusst von den Ak-         lung „Gefühlte Geschichte“, in der die
       ration mit unterschiedlichsten Partnern         teuren im Land angenommen, voller            Inszenierung und Präsentation des Mär-
       im Land Brandenburg kulturelle Projek-          Selbstbewusstsein wurden Projekte rea-       kischen Museums vor 100 Jahren nach-
       te, insbesondere auch an den Schnitt-           lisiert, die Vielfalt und Potenzial der      vollzogen werden konnte, sowie zum
       stellen zu Wissenschaft, (kultureller) Bil-     Region deutlich gemacht, aber auch           anderen durch die Schau „Berlin im
       dung und Tourismus/Wirtschaft.                  Fragen an Gegenwart und Zukunft der          Licht“, in der die Entwicklung der Metro-
                                                       Region thematisiert.                         pole Berlin durch die technische Ent-
       Kulturland Brandenburg lädt Bewohner                                                         wicklung der Beleuchtung und Elektrifi-
       und Besucher der Region gleicherma-             Dies spiegelt sich ebenso in der Förder-     zierung nachgezeichnet wurde.
       ßen dazu ein, das kulturelle Erbe und           struktur für Kulturland Brandenburg und
       die kulturelle Vielfalt des Landes aus          seine Projekte wider – neben dem Mi-         Die fast fünfzig beteiligten Projekte des
       unterschiedlichen Blickwinkeln immer            nisterium für Wissenschaft, Forschung        Themenjahres haben das Motto auf un-
       wieder neu zu entdecken. Neben der              und Kultur und dem Hauptsponsor, dem         terschiedlichste Weise aufgegriffen und
       historischen Dimension stehen dabei             Ostdeutschen Sparkassenverband, ist          überaus vielseitig bearbeitet. So ging es
       auch aktuelle Fragen an Gegenwart und           das Ministerium für Infrastruktur und        u. a. um Verkehrswege und Handelsbe-
       Zukunft der Region im Mittelpunkt.              Raumordnung mittlerweile ein kontinu-        ziehungen, um den Transfer von Gütern
                                                       ierlicher Partner, sowohl inhaltlich-fach-   und die entsprechenden Umschlagplätze
       Kulturland Brandenburg ist ein Netzwerk         lich, als auch durch Zuwendungen gezielt     für Waren, um die Versorgung der Metro-
       der kulturellen Netzwerke. Kulturland           fördernd.                                    pole mit Produkten aus der Provinz, den
       Brandenburg fördert, unterstützt und                                                         „Stoffwechsel“ zwischen Provinz und
       qualifiziert die kulturelle Infrastruktur im                                                 Metropole im eigentlichen und im über-
       Land und regt gezielt Kooperationen,                                                         tragenen Sinne – Künstler und Intellek-
       Ressort übergreifende und interdiszipli-                                                     tuelle haben immer in beiden Bezugs-
       näre Ansätze an. Kulturland Brandenburg                                                      räumen gelebt und gearbeitet –, aber
       als Dachmarke gibt dabei konzeptionel-                                                       auch um militärhistorische Zusammen-
       le Impulse, begleitet Projekte inhaltlich,                                                   hänge und die damit verbundenen
       organisatorisch sowie durch gezielte                                                         Fragen der Konversion und der Stadt-
       Akquise von Drittmitteln und bietet die                                                      entwicklung, um den Zuzug und den
       eigene Infrastruktur und das eigene                                                          Wegzug von Menschen in der Region
       Netzwerk als Plattform für fachlichen Aus-      Minister unter sich auf dem Sommerfest       oder um die Anfänge des Tourismus und
       tausch und Kooperation an.                      Altdöbern.                                   die Nahverkehrsverbindungen in der ge-
                                                       Foto: Kulturland Brandenburg                 schichtlichen Entwicklung über die politi-
       „Provinz und Metropole – Metropole und                                                       schen Systeme hinweg. Auch diese kurze
       Provinz“, diesem Spannungsfeld hat sich         Der inhaltliche Aufhänger für das The-       Darstellung der inhaltlichen Schwerpunk-
       das Themenjahr von Kulturland Bran-             menjahr Kulturland Brandenburg 2008          te verweist deutlich auf die Ressort
       denburg 2008 gewidmet. Das Motto des            war das 100jährige Jubiläum des Märki-       übergreifenden Schnittstellen, die sich im
       Jahres wurde im Vorfeld intensiv disku-         schen Museums, das 1908 als „Märki-          Rahmen des Themenjahres ergeben ha-
       tiert, die Zuspitzung des Titels hinterfragt.   sches Provinzialmuseum“ in dem Gebäu-        ben, – die Themen und ihre Umsetzung
       Bewusst hat sich Kulturland Branden-            de eröffnet wurde, in dem es auch heute      berühren sowohl die Bereiche Kultur,
       burg diesen provokanten Titel gegeben:          noch seinen Sitz hat. Konsequenterweise      Wissenschaft und Bildung als auch viele
       Kulturland Brandenburg wollte zur Aus-          gab es in diesem Jahr daher komple-          Aspekte aus dem Kontext Infrastruktur
       einandersetzung anregen, zur Positio-           mentär zur zentralen Ausstellung im          und Raumordnung, Stadt- und Regio-
       nierung herausfordern, – eine selbstbe-         Haus der Brandenburgisch-Preußischen         nalentwicklung.
       wusste „Provinz“ evozieren…                     Geschichte (HBPG) in Potsdam auch
                                                       zwei Tandem-Ausstellungen in Berlin.         Neben historischen Ausstellungen und
       Am Ende des Themenjahres kann man               Die Überblicksausstellung im HBPG mit        verschiedenen Präsentationen, Work-
       sagen, dass es sich gelohnt hat, zuzu-          dem Titel „Mark und Metropole. Berlin-       shops und Tagungen zu aktuellen Fra-

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MIRAKTUELL - Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie (MWAE)
Schwerpunktthema: Provinz und Metropole – Metropole und Provinz –
                                                                    eine Nachlese zur Kulturlandkampagne 2008

gestellungen waren in den Projekten             raum und dem Niederlausitz-Museum.
alle künstlerischen Sparten vertreten;          Mit der Auftaktveranstaltung sollte gleich-
es gab Projekte mit zeitgenössischer            zeitig dem Mut der Stadt Luckau, in ein
bildender Kunst, mit Theater, Musik             solches Kulturzentrum zu investieren, so-
und Literatur sowie kulturpädagogi-             wie dem vielfältigen bürgerschaftlichen
sche Angebote für Kinder und Jugend-            Engagement in der Stadt Rechnung ge-
liche, zum Teil mit internationaler Be-         tragen werden.
teiligung.
                                                Ein weiteres Verbundprojekt wurde durch
Ein wichtiger und verlässlicher Partner         den Museumsverband des Landes Bran-
für Kulturland Brandenburg ist in den           denburg koordiniert. Gerade die bran-
letzten Jahren die Arbeitsgemeinschaft          denburgischen Museen fühlten sich
„Städte mit historischen Stadtkernen“ ge-       durch den Anlass des Themenjahres –
worden. Die AG nimmt die jeweiligen             100 Jahre märkisches Museum – und
Jahresthemen auf und sucht sich einen           den Titel „Provinz und Metropole –
spezifischen Aspekt als eigenes Motto           Metropole und Provinz“ herausgefordert,
für ein kooperatives Verbundprojekt, an         ihre Potenziale zu präsentieren. Unter
dem sich dann mehrere Mitgliedsstädte           dem Thema „Metropolen in der Provinz“
beteiligen. Dabei greifen die beteiligten       wurde in den Ausstellungen der zehn           Auftakt in Luckau an der Kulturkirche „die VIPs in der 1. Reihe“
Kommunen auf die Kompetenz des                  verschiedenen beteiligten Museen der          Foto: Kulturland Brandenburg
historischen Instituts der Universität          Bogen gespannt von der „Erfindung“ der
Potsdam zurück und lassen sich kultur-          Mark Brandenburg durch Theodor Fon-           Bundesländern als interessantes kultur-
touristisch beraten. Auch in diesem Jahr        tane und den Anfängen des Tourismus,          politisches und Ressort übergreifendes,
war die AG mit einem gemeinsamen                über regionale, überregionale und inter-      Ressourcen bündelndes Modell wahrge-
Projekt und insgesamt zehn Partner-             nationale Handelsbeziehungen und Ver-         nommen.
städten beteiligt. Unter dem Titel „Mittel-     kehrswege bis hin zu militärhistorischen
punkte. Märkte, Plätze, Handel in den           Aspekten.                                     Das nächste Themenjahr ist in Vorberei-
historischen Stadtkernen“ wurde in Alt-                                                       tung: „Freiheit. Gleichheit. Brandenburg.
landsberg, Bad Freienwalde, Beeskow,            Im Spätsommer öffnete ein zweitägiges         Demokratie und Demokratiebewegun-
Belzig, Brandenburg an der Havel, Dah-          Fest im historischen Park und Schloss         gen | Kulturland Brandenburg 2009“ ist
me/Mark, Luckau, Perleberg, Templin und         Altdöbern die Augen für die einzigarti-       das Motto, – die interdisziplinäre Per-
Ziesar der Geschichte zentraler Straßen         gen Potenziale des Baudenkmals, aber          spektive, der Ressort übergreifende An-
und Plätze nachgespürt, der Entwick-            auch für seine Umbruchsituation zwi-          satz in dem Konzept und in den beteilig-
lung und Funktion von Bauten sowie den          schen Historie und Landschaftsumbau           ten Projekten als Basis angelegt.
Verbindungen zu anderen Orten über              im Rahmen der Internationalen Bauaus-
Handel und Verkehr.                             stellung Fürst-Pückler-Land.                                                         

Die Stadt Luckau hat sich nicht nur an          Das anspruchsvolle Kulturprogramm
dem AG-Projekt beteiligt, sondern ihr           war einerseits auf den Ort, anderer-
gesamtes Jahresprogramm mit den jähr-           seits auf die Vielfalt der Zielgruppen –
lich wiederkehrenden städtischen Fes-           Bewohner der Region, Besucher aus
ten und Veranstaltungen unter das Kul-          den Metropolen Berlin und Dresden,
turland-Motto 2008 gestellt. Dies war für       Kinder und Jugendliche – abgestimmt.
Kulturland Brandenburg nicht nur der            Eine informative Ausstellung im Park
Anlass, zu dem offiziellen Auftakt des          gab den Besuchern über Vergangenheit,
Themenjahres in die Stadt Luckau ein-           Gegenwart und Zukunft des baukultu-
zuladen, sondern erstmalig und durch-           rellen Erbes Auskunft. Das Sommerfest
aus auch mit einem Augenzwinkern den            wurde mit überaus großer und positiver
Titel der „Kulturlandhauptstadt 2008“ an        Resonanz von 2.000 Besuchern wahr-
Luckau zu vergeben.                             genommen.

Der Auftakt fand im Mai 2008 auf dem            Das Kulturland-Jahr 2008 war erneut ein
Gelände der zukünftigen Kulturkirche            großer Erfolg. Mehr als 350.000 Besu-
Luckau statt, der ehemaligen Klosterkir-        cher haben die Angebote im ganzen Land
che, die über Jahrhunderte als Haftan-          wahrgenommen und die Medienresonanz
stalt diente und ab Herbst 2008 kulturell       ist regional wie überregional umfangreich
genutzt wird, u. a. mit einer Bibliothek,       und positiv. Vielfach wird das Konzept        Altdöbern Schlosspark Sommerfest. Publikum am 2.Tag.
einem multifunktionalen Veranstaltungs-         von Kulturland Brandenburg von anderen        Foto: Kulturland Brandenburg

                                                                                                                MIRAKTUELL 1/09            7
MIRAKTUELL - Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie (MWAE)
Schwerpunktthema: Provinz und Metropole – Metropole und Provinz –
        eine Nachlese zur Kulturlandkampagne 2008

1.   Frühe Wegmarken des Handels und der
     Infrastruktur zwischen Berlin und der
     Mark Brandenburg

     Bad Freienwalde. Der erhöht liegende, aufgeweitete Straßenteil unterhalb der Nikolaikirche war wahrscheinlich schon im Mittelal-
     ter Marktplatz und ist seither Dreh- und Angelpunkt des städtischen Lebens. Foto: Jürgen Hohmuth/zeitort.de

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MIRAKTUELL - Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie (MWAE)
Schwerpunktthema: Provinz und Metropole – Metropole und Provinz –
                                                                 eine Nachlese zur Kulturlandkampagne 2008

                                             Mittelpunkte. Märkte, Plätze und Handel
                                                     in den historischen Stadtkernen
                                                                                                            Hathumar Drost

Die Arbeitsgemeinschaft „Städte mit his-     Handel und Wandel, Macht und Herr-           bischöflichen Herrschaft auf Stadtent-
torischen Stadtkernen“ des Landes Bran-      schaftseinfluss im historischen Stadtkern.   wicklung, Handel und Gewerbe, die bau-
denburg präsentierte anlässlich Kultur-      Die Ausstellung in Belzig zeigte die wich-   lichen Veränderungen des Breiten Weges
land Brandenburg 2008 „Provinz und           tigsten Erneuerungs- und Planungsmaß-        und Episoden aus der Nutzungsge-
Metropole | Metropole und Provinz“ ei-       nahmen. Sie führte in die Vergangenheit      schichte des „Marktplatzes von Ziesar“
nen Streifzug durch die Geschichte ent-      ihrer repräsentativen Gebäude und lud        als Schwerpunkte der Ausstellung, am
lang von Handelsstraßen, über Markt-         ein, die Geschichte Belzigs als nördlichs-   Breiten Weg präsentiert.
plätze und Nebenstraßen und versteckte       te sächsische Grenzfestung, Handelsplatz
Winkel.                                      und Kurort am Beispiel einer der wichtigs-   Ergänzend zu diesen dezentralen Aus-
                                             ten Straßen des historischen Stadtkerns      stellungen in den Mitgliedsstädten bilde-
Die nunmehr sechste Beteiligung der Ar-      zu entdecken. In Brandenburg an der Ha-      te eine gemeinsame Zentralausstellung
beitsgemeinschaft an Kulturlandthemen-       vel wurden anhand der fertig gestellten      die inhaltliche Klammer um alle Ausstel-
jahren stand unter dem gemeinsamen           Auswertung der Grabungen auf dem             lungen und regte als zentraler Anlauf-
Motto „Historische Stadtkerne – Straßen      Marktplatz, in einer Freiluftausstellung     und Aufmerksamkeitspunkt Interessierte
und Plätze als Orte der Begegnung und        über mehr als 800 Jahre der baulichen        zum Besuch der Ausstellungen an. Mit
Zentralität“. Vergangenheit, Gegenwart       Entwicklung und Nutzung des Platzes          Unterstützung des Ministeriums für Infra-
und Zukunft wurden anhand unterschied-       und seiner angrenzenden Bauten nach-         struktur und Raumordnung und des Bran-
licher Sichtweisen auf Stadtzusammen-        gezeichnet.                                  denburgischen Landesamt für Denkmal-
hänge und deren Wandel widergespie-                                                       pflege und Archäologischen Landesmu-
gelt. Mit den Straßen und Plätzen konn-      Die Ausstellung in Dahme/Mark zeigte         seum ist es gelungen die Sonderaus-
ten zahlreiche Phänomene von Zentra-         wesentliche Aspekte der historischen und     stellung im Archäologischen Landes-
lität und Austausch, von Transfer und        aktuellen Entwicklung der Hauptstraße        museum Brandenburg im Paulikloster in
Akkulturation, des Verhältnisses von         und ihrer angrenzenden Bauwerke. Sie         Brandenburg an der Havel zu eröffnen.
Stadtkern und Umland, Metropolen und         erzählte die Geschichten bedeutsamer         Die Ausstellung zeigt einen bildhaften
Provinz abgearbeitet werden.                 Personen, die entlang der Straße behei-      Spaziergang durch die historischen
                                             matet waren, und von ihren großen Ent-       Stadtkerne und beleuchtet die Ursprün-
Insgesamt zehn Ausstellungen in den          deckungen. In Luckau trafen sorgfältig       ge der Stadtsanierung, die Rolle der
Städten Altlandsberg, Bad Freienwalde        saniert „Sachsens Glanz und Preußens         historischen Stadtkerne zu Zeiten der
(Oder), Beelitz, Belzig, Brandenburg an      Gloria“ auf dem Marktplatz aufeinander.      DDR und zeigt Erfolge der Stadterneue-
der Havel, Dahme/Mark, Luckau, Perle-        Verschwenderische Fassaden der Bür-          rung nach der Wende auf.
berg, Templin und Ziesar spürten den         gerhäuser geben deutlich Kunde über die
Entstehungsbedingungen ihrer wichtigs-       sächsischen Herrschaftseinflüsse. Die        Neben den Ausstellungen boten die zehn
ten Straßen und Marktplätze nach, zeig-      neoklassizistische Überbauung des Rat-       teilnehmenden Mitgliedsstädte ein um-
ten die Entwicklung und Funktion ihrer       hauses spricht eine preußische Formen-       fassendes kultur-touristisches Begleit-
Bauten und zeichneten ein Bild von           sprache. Die Ausstellung lud ein, sich       programm an, mit Konzerten, Fachvor-
Handel und Verkehr.                          auf Entdeckungsreise zu Menschen und         trägen, Lesungen und vielen anderen
                                             Mächten im historischen Stadtkern zu         interessanten Projekten, die die Städte
Die Ausstellung in Altlandsberg befasste     begeben. Die Ausstellung der Stadt Per-      selbst initiierten. Jeden Monat lud je eine
sich mit den unterschiedlichen Markt-        leberg führte hingegen in die Geschich-      Mitgliedsstadt zur Auszeichnungsveran-
standorten nach und zeigte die Verände-      te und Gegenwart der kleinen Läden und       staltung „Unser Denkmal des Monats“
rungen des Altlandsberger Stadtgrund-        großen Häuser, zu ihren Inhabern und         ein. Unter dem Motto „Straßen und Plät-
risses seit dem 13. Jahrhundert auf. In      deren Kundschaft, spürte den Verände-        ze in den historischen Stadtkernen“
Bad Freienwalde führte die Ausstellung       rungen der attraktiven Einkaufsstraße mit    wurden Denkmale ausgezeichnet, die
in die Geschichte des Marktplatzes und       großer Geschichte nach und stellte Fra-      beispielhaft saniert wurden oder für be-
seiner Bauten und zeigte Aspekte der         gen an ihre Zukunft. Die Templiner Aus-      sondere Herausforderungen der Erneu-
Instandsetzung und Modernisierung. Die       stellung führte in Geschichte, Gegenwart     erung der historischen Stadtkerne ste-
Stadt Beeskow führte, ausgehend vom          und Zukunft des sozialen, wirtschaftlichen   hen. Zum Abschluss des Kulturlandjahres
Marktplatz, zu den zentralen Schauplät-      und politischen „Herzens“ von Templin.       2008 präsentierten sich die Städte der
zen der Geschichte und erzählte von          Und in Ziesar wurde der Einfluss der         Arbeitsgemeinschaft während der Aktion

                                                                                                             MIRAKTUELL 1/09            9
MIRAKTUELL - Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie (MWAE)
Schwerpunktthema: Provinz und Metropole – Metropole und Provinz –
                  eine Nachlese zur Kulturlandkampagne 2008

                                                                                                     rungserfolgen und zum Funktionswandel
                                                                                                     von Gebäuden der Stadt erfahren.

                                                                                                     Mit dieser Aktion endete zwar die Kultur-
                                                                                                     landbeteiligung für das Jahr 2008, nicht
                                                                                                     jedoch die weitere Verwendung der
                                                                                                     Sonderausstellung. Seit Anfang Novem-
                                                                                                     ber weilt die Sonderausstellung der Ar-
                                                                                                     beitsgemeinschaft in den Räumen des
                                                                                                     Betsaals der ehemaligen JVA in Luckau
                                                                                                     und kann dort besichtigt werden.

                                                                                                     Die gelungene Ausstellung wird die Ar-
                                                                                                     beitsgemeinschaft auch im Jahr 2009
                                                                                                     begleiten, denn passend zum Kultur-
                                                                                                     landthemenjahr 2009 „Demokratie und
                                                                                                     Demokratiebewegungen“, an der sich die
                                                                                                     Arbeitsgemeinschaft unter dem gemein-
Belzig, Straße der Einheit, bedeutender Schwerpunkt der Stadterneuerung.                             samen Motto „WendePunkte – Wieder-
Foto: Manfred Kahl, Stadt Belzig                                                                     entdeckung der historischen Stadtkerne“
                                                                                                     beteiligt, wandert die Sonderausstellung
                                                         „Schaustelle Stadtkern“ von ihrer beson-    von einer Ausstellungsstätte zur ande-
                                                         deren Seite. Unter dem Thema „Mittel-       ren und begeistert ihre Besucher mit
                                                         punkte. Märkte, Plätze und Handel in        beeindruckenden Bildern und Geschich-
                                                         den historischen Stadtkernen“ luden die     ten der vergangenen 20 Jahre.
                                                         Mitgliedsstädte herzlich zu den zahlrei-
                                                         chen Aktionen in den Mitgliedsstädten       Kontakt:
                                                         ein. Die Stadtkerne stellten an diesem      Arbeitsgemeinschaft „Städte mit
                                                         Wochenende historische Gebäude vor,         historischen Stadtkernen“
                                                         luden zu erlebnisreichen Stadtführungen     des Landes Brandenburg
                                                         ein oder veranstalteten Straßen- und Hof-   Geschäftsstelle c/o complan GmbH
Luckau, Foto: Mathias Marx                               feste. Dabei konnten die Besucher inte-     Tel: 0331 2015120
                                                         ressante und spannende Informationen        info@ag-historische-stadtkerne.de
                                                         zur Geschichte, Architektur, zu Sanie-      www.ag-historische-stadtkerne.

                                                                                                     Ziesar, der Breite Weg, Rahmen für Han-
Perlebergs Hauptgeschäftsstraße die Bäckerstraße.                                                    del und Kommunikation.
Foto: Mathias Marx                                                                                   Foto: Mathias Marx

                                                         Dahme/Mark, Ausstellungselemente            Der Neue Markt in Neuruppin Denkmal
Denkmal des Monats ... die Hauptstraße von Dahme         schmücken die Hauptstraße.                  des Monats ...
Foto: Jürgen Hohmuth/zeitort.de                          Foto: complan Kommunalberatung              Foto: complan Kommunalberatung

       10         MIRAKTUELL 1/09
Schwerpunktthema: Provinz und Metropole – Metropole und Provinz –
                                                                       eine Nachlese zur Kulturlandkampagne 2008

                        Die wirtschaftliche Bedeutung des Chausseebaus
                                                     und der Chausseen1
                                                                                                                            Dr. Uwe Müller

Die Chaussierung von unbefestigten
Straßen steigerte die Leistungsfähigkeit
des Landverkehrs wesentlich. Im Perso-
nenverkehr konnte die Reisegeschwin-
digkeit mehr als verdoppelt werden. So
verringerte sich die Fahrzeit von Berlin
nach Hamburg nach der Chaussierung
der Straße und der Einführung der
Schnellpostlinien in den 1820er Jahren
von 85 auf 31 Stunden. Frachtfuhrwerke
konnten das Gewicht ihrer Ladungen
wesentlich erhöhen, ohne in der Straße
zu versinken oder Vorspanndienste in
Anspruch nehmen zu müssen. Dies galt
insbesondere für die feuchten Jahres-
zeiten Frühjahr und Herbst, in denen
unbefestigte Landstraßen mit größeren
Wagen häufig nicht befahrbar waren.
Reisen und Transportieren wurden also
insgesamt berechenbarer, sicherer und
bequemer. Daher profitierten alle auf
Mobilität angewiesenen Teile der Gesell-
schaft von der Herstellung einer Chaus-
see: der zum Markt fahrende Bauer
und der wandernde Handwerksgeselle,
Kaufleute und Hausierer, Adlige auf
Bildungsreise und Diplomaten sowie
nicht zuletzt Regierungsbeamte, Land-
räte und Amtsvorsteher. Die Chausseen
können somit als früher Bestandteil der
Kommunikationsrevolution des 19. Jahr-
hunderts angesehen werden.

Der preußische Staat bemühte sich nach
den territorialen Erweiterungen durch den
Wiener Kongress um die Verbindung al-
                                                   Chausseenetzdichte der Staatsstraßen (in km/1000 km2)
ler wichtigen Städte des nun von Aachen
bis Memel reichenden Königreichs mit                Jahr          Regierungs-          Regierungs-          Provinz               Königreich
der Hauptstadt Berlin. Davon profitierte                          bezirk               bezirk Frank-        Brandenburg           Preußen
insbesondere der Regierungsbezirk Pots-                           Potsdam              furt (Oder)
dam, während das Chausseenetz des                   1816          7,1                   2,8                  5,0                  11,0
Regierungsbezirks Frankfurt (Oder) ähn-
                                                    1831          23,0                 12,9                  18,1                 23,6
lich dünn war wie in den anderen länd-
lich geprägten ostelbischen Provinzen.              1846          42,1                 21,7                  32,3                 38,4
                                                    1862          47,1                 22,6                  35,2                 49,7
1   Textauszug aus Uwe Müller: Die Bedeu-
    tung des Chausseebaus in Brandenburg. In:      Quelle: Uwe Müller, Infrastrukturpolitik in der Industrialisierung. Der Chausseebau in der preußi-
    Chausseen – Alleen – Meilensteine – Chaus-     schen Provinz Sachsen und dem Herzogtum Braunschweig vom Ende des 18. Jahrhunderts bis in
    seehäuser. Hg. Landesbetrieb Straßenwe-        die siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts, Berlin 2000, S. 459.
    sen. Hoppegarten Mai 2008 S.45-49

                                                                                                                           MIRAKTUELL 1/09              11
Schwerpunktthema: Provinz und Metropole – Metropole und Provinz –
        eine Nachlese zur Kulturlandkampagne 2008

     Der Vorsprung der Rheinprovinz, West-
     falens, Schlesiens und der Provinz           Chausseegeldhebestellen im Königreich Preußen mit Einnahmen von über
     Sachsen lag nicht nur daran, dass hier       4000 Taler pro Meile
     der Chausseebau bereits vor 1815 be-
                                                  Hebestelle                                               Durchschnittliche jährliche
     gonnen hatte und sich diese Gebiete
                                                                                                           Einnahme 1841-1843 (Taler)
     wirtschaftlich dynamischer entwickelten
     als der größte Teil Brandenburgs. Der        Charlottenburg                                           12328
     preußische Staat hatte auch politische       Friedrichsfelde                                          5850
     und militärische Interessen an guten
                                                  Weißensee                                                5739
     Straßenverbindungen in die neuen Pro-
     vinzen. So wurde der Chausseebau un-         Sorgau (bei Waldenburg in Schlesien)                     4554
     ter anderem zur Unterstützung der Zoll-      Hasslinghausen (bei Witten im Ruhrgebiet)                4554
     vereinigungspolitik eingesetzt. In den
                                                  Leegstriefs (bei Danzig)                                 4516
     unruhigen Zeiten des Vormärz und der
     Revolution von 1848 kamen noch ande-         Ruhleben                                                 4471
     re Zielstellungen hinzu. Straßenbau- und     Quelle: Über den Chausseebau, in: Handelsarchiv, 1848, 1. Hälfte, S. 195.
     andere Erdarbeiten wurden nun häufig
     in erster Linie zur Milderung der Beschäf-
     tigungslosigkeit unter den Handarbeitern     kehrs nahm nur auf den Kunststraßen ab,          nahmen Aktiengesellschaften und Krei-
     begonnen. Solche der Systemstabilisie-       die parallel zu einer Eisenbahnstrecke           se die Initiative und befestigten die Stra-
     rung dienenden „Arbeitsbeschaffungs-         verliefen. Obwohl die Landstraßen näm-           ßen in eigener Regie. Eine für das Jahr
     maßnahmen“ sind insbesondere in Pots-        lich in fast allen Belangen der Verkehrs-        1862 durchgeführte statistische Erhebung
     dam-Nowawes, Königs Wusterhausen             wertigkeit – also vor allem hinsichtlich der     zeigt zum einen, dass die brandenburgi-
     und Köpenick sowie beim Bau der              Schnelligkeit, Massenleistungsfähigkeit          schen Landkreise, die entweder direkt an
     Chausseen zwischen Brandenburg (Ha-          und Bequemlichkeit – den Eisenbahnen             Berlin angrenzten (Niederbarnim, Teltow,
     vel) und Rathenow sowie Beeskow und          unterlegen waren, verfügten sie weiterhin        Osthavelland) oder durch die Eisenbahn
     Fürstenwalde durchgeführt worden.            über eine viel höhere Netzbildungsfähig-         bzw. Wasserstraßen mit der Hauptstadt
                                                  keit. Die Chausseen übernahmen also              verbunden waren (Westhavelland, Ober-
     In den zwanziger Jahren hatten die           eine neue Funktion innerhalb des Ver-            barnim, Lebus), über relativ viele Chaus-
     Chausseen im Wettbewerb mit den Bin-         kehrssystems, indem sie den Transport            seen verfügten. Die Modernisierung der
     nenwasserstraßen einige Fernhandels-         zwischen Produzenten bzw. Konsumen-              Verkehrswege ermöglichte hier also die
     transporte an sich ziehen können. So         ten zum nächsten Bahnhof oder Hafen              Herausbildung einer „Milchviehzone“
     nutzten zahlreiche Kaufleute für den         gewährleisteten. Für die Integration der         und eines „Gemüse- und Obstgürtels“
     Transport schlesischer Gewerbeproduk-        Landwirtschaft und der kleinen Gewerbe-          am Rande der Berliner Agglomeration.
     te anstelle der nur unzureichend regu-       treibenden in überregionale Märkte sowie         Andere frühe Aktivitäten im Aktien- und
     lierten Oder und der märkischen Wasser-      generell für den Handel bildeten sie             Kreischausseebau, wie sie in den nord-
     straßen die neue Chaussee zwischen           daher eine wichtige Vorbedingung.                brandenburgischen Kreisen Ruppin,
     Breslau und Berlin, die über Frankfurt                                                        Templin und Prenzlau, in den neumärki-
     (Oder) führte. Mit dem Beginn des Ei-        Die preußischen Reformen von 1807/11             schen Kreisen Sternberg und Züllichau
     senbahnbaus (in Brandenburg im Jahre         hatten den brandenburgischen Bauern              sowie in der Lausitz (v. a. in den Kreisen
     1838) verloren die Chausseen jedoch          die volle persönliche und wirtschaftliche        Cottbus und Spremberg) festzustellen
     innerhalb eines Jahrzehnts beinahe alle      Freiheit gebracht. Durch die rasante Ent-        waren, zeugen wiederum vom Bemühen
     Fernhandelsgüter. Im Personenverkehr         wicklung Berlins als preußische Haupt-           lokaler Wirtschaftseliten, eine eher un-
     erfolgte der Wechsel von der Postkutsche     stadt und wichtigste deutsche Industrie-         günstige Lage im Eisenbahn- und Was-
     zum komfortableren Eisenbahnwaggon           stadt entstand eine ständig wachsende            serstraßennetz durch vermehrten Chaus-
     sogar noch schneller. Das Kutschpferd        Nachfrage nach frischen Lebensmitteln.           seebau zu kompensieren.
     und die Dampflokomotive standen gera-        Gutsbesitzer und Bauern nutzten Eisen-
     dezu symbolhaft für den Gegensatz zwi-       bahnen, Wasserstraßen und Staats-                Die teilweise beträchtlichen Differenzen
     schen Tradition und Moderne.                 chausseen, um ihre Produkte auf die              zwischen den Kreisen resultieren also
                                                  Berliner Märkte zu bringen. Sichtbar wird        aus der jeweils unterschiedlichen Lage im
     Da nicht nur die wirtschaftliche, sondern    die Bedeutung der Brandenburger Liefe-           sich aus den natürlichen Gegebenheiten
     auch die politische und militärische Be-     rungen nach Berlin an den hohen Chaus-           (Flüsse) und den Interessen des Staates
     deutung der Chausseen für den Gesamt-        seegeldeinnahmen, die an den vor den             sowie der größeren Städte (Staatschaus-
     staat zurückging, verringerte die preußi-    Toren Berlins befindlichen Hebestellen           seen und Eisenbahnen) ergebenden
     sche Regierung seit etwa 1850 ihre           erzielt wurden.                                  überregionalen Verkehrsnetz. Sie sind
     Aktivitäten beim Neubau von Chausseen.                                                        aber auch Ausdruck für die unterschiedli-
     Dennoch wurden weiterhin Chausseen           Als der Staat seit 1850 den Neubau von           che Stärke der lokalen wirtschaftlichen
     gebaut, und auch die Intensität des Ver-     Chausseen weitgehend einstellte, über-           Potenzen, Interessen und Initiativen.

12      MIRAKTUELL 1/09
Schwerpunktthema: Provinz und Metropole – Metropole und Provinz –
                                                                    eine Nachlese zur Kulturlandkampagne 2008

In den 1870er Jahren übertrug der preu-         zeugverkehr in den 1920er Jahren zu         neuer Chausseen und die Unterhaltung
ßische Staat die Verantwortung für die          einer erneuten Zentralisierung der Stra-    des bestehenden Straßennetzes küm-
Unterhaltung seiner Chausseen auf die           ßenbaupolitik führte, waren es vor allem    merten.
Provinzen. Bis der wachsende Kraftfahr-         die Landkreise, die sich um die Anlage                                        

                            Eine Reise auf der Alten Hamburger Poststraße
                                                                                                                Anke Werner

Verkehrs- und Handelswege verbanden             Steinerne Zeugen am Wegesrand
seit alters her wichtige Ansiedlungen           Ansatzpunkte dazu lieferte die mit gro-
und dienten der Reise sowie dem Aus-            ßem Engagement durch den Förderver-
tausch von Gütern und Informationen.            ein Regionalpark Krämer Forst e. V.
Solche Verbindungen blieben oft über            und die Forschungsgruppe Preußische,
Jahrhunderte auf fast unveränderter             Mecklenburgische und Anhaltische
Wegestrecke erhalten und finden sich            Meilensteine e. V. verfolgte Wieder-
noch heute in Landstraßen und selbst            aufstellung verlorengegangener Mei-
als Autobahnabschnitte.                         lensteine. In Zusammenarbeit mit der
                                                Stadt Hennigsdorf und mit Hilfe enga-
Die Alte Hamburger Poststraße ist eine          gierter Bürger wurden im Sommer 2008
der am vollständigsten erhaltenen Mei-          acht Steine nach historischem Vorbild
lensteinstraßen in Deutschland und ver-         an der Alten Hamburger Poststraße
band seit mindestens 1654 Berlin mit            neu errichtet. Diese Maßnahme er-
Hamburg. Zudem verläuft die Trasse,             gänzte auf sinnvolle Weise die Akti-
auf der einst Postkutschen und Postrei-         vitäten der Kulturlandkampagne und
ter verkehrten, in längeren Streckenab-         vernetzte bestehende mit neuen regio-
schnitten auf beschaulichen Waldwegen.          nalen Initiativen.
So können auch heute noch Radler und
Wanderer historische Distanzen erhol-           Die ursprünglichen Meilensteine, von de-
sam erkunden.                                   nen noch ein Originalstein am ehemali-
                                                gen Ausspann Ziegenkrug zu finden ist,
Die Poststraße zwischen Hennigsdorf             wurden um 1800 an der Alten Hambur-
und Flatow verweist neben ihren Meilen-         ger Poststraße zur Entfernungsmessung
steinen auch auf eine Vielzahl gesell-          errichtet. Neben der Information für Rei-
schaftlicher und kultureller Zusammen-          sende berechneten sich aus der Entfer-
hänge zwischen Provinz und Metropole.           nung die jeweiligen Postgebühren. Da-
Zu den Sehenswürdigkeiten, die mit der          her wurden im Abstand von jeweils einer
Poststraßenentwicklung in direktem Zu-          Meile steinerne und damit haltbare Post-
sammenhang stehen oder sich aus der             meilensteine statt der bis dahin ge-        Historischer Grenzmeilenstein, Alte Poststraße im Krä-
guten Zugänglichkeit entwickelt haben,          bräuchlichen Holzwegweiser aufgestellt.     mer Forst. Foto: Anke Werner
gehören ehemalige Ausspanne oder der            Dazwischen markierten kleinere Halb-
Grabstein eines Hamburger Kaufmanns             und Viertelmeilensteine die Strecke.        Die Meilensteine kehren zurück
am Eingang der Nikolaikirche in Bötzow.         Nullpunkt war das Oranienburger Tor in      Die acht wieder aufgestellten Meilen-
Zielorte von Bedeutung waren auch die           Berlin. Eine Preußische Meile maß da-       steine entlang der Alten Hamburger
Schlösser in Groß Ziethen und Schwan-           bei genau 7.532,48 m. Mit Einführung        Poststraße wurden am 15. Juli 2008
te. Viele Geschichten ranken sich um die        des metrischen Systems verloren viele       feierlich eingeweiht. Ein Ganzmeilen-
Poststraße. Diese Zusammenhänge soll-           der Meilensteine nach 1875 ihre Bedeu-      stein am Jungferndamm zwischen Hen-
ten durch Öffentlichkeitsarbeit und eine        tung. Teilweise wurden sie umgesetzt,       nigsdorf und Bötzow war dabei der
Broschüre im Rahmen der Kulturland-             andere Steine verschwanden. Als le-         Mittelpunkt des Geschehens. Um ihn
kampagne verdeutlicht und damit ver-            bende Denkmale der Verkehrsgeschich-        gruppierten sich viele der Engagierten
stecktes Kulturgut – auch für die touristi-     te sind daher die erhaltenen Steine         und enthüllten den steinernen Boten.
sche Entwicklung – gehoben werden.              besonders bedeutend.                        Bei der Veranstaltung zeigte sich deut-

                                                                                                             MIRAKTUELL 1/09          13
Schwerpunktthema: Provinz und Metropole – Metropole und Provinz –
                 eine Nachlese zur Kulturlandkampagne 2008

                                                     lich die ehrenamtliche Vernetzung inner-       Ein Blick in die Zukunft
                                                     halb des Projektes, die vom historischen       Das Kulturland-Themenjahr 2008 hat
                                                     Knowhow der Forschungsgruppe Meilen-           dem Engagement der Meilenstein-Akteu-
                                                     steine e. V. bis zum Kaffee und Kuchen         re und Bürger sowie der Erschließung
                                                     des Heimatvereins Bötzow reichte. Durch        des Krämer Forstes als Ausflugsziel
                                                     die neu aufgestellten Steine nach histori-     kräftigen Aufwind gegeben. Die Aktivitä-
                                                     schem Originalvorbild wird die Alte Ham-       ten rund um die Alte Poststraße sind so
                                                     burger Poststraße nun wieder in gebau-         zu einem Baustein der regionalen Ent-
                                                     ter Form tatsächlich greifbar und auch         wicklung geworden, gleichsam einer
                                                     symbolisch begreifbar.                         modernen Übertragung eben solcher
                                                                                                    wirtschaftlicher und gesellschaftlicher
                                                     Zwei Wanderungen auf der Poststraße            Impulse, die die Poststraße seit Jahr-
                                                     mit bis zu 100 Teilnehmern, begleitet          hunderten in die Region rund um den
                                                     durch Reportagen der Märkischen Allge-         Krämer Forst getragen hat.
                                                     meinen Zeitung, waren weiterer Bestand-
                                                     teil der Aktivitäten zum Themenjahr. Die       Informationen sowie Bestellung der
                                                     Wanderungen verbanden Informationen            Broschüre (1,00 € plus Porto):
                                                     zur Geschichte mit Spaß und Naturge-           Regionalpark Krämer Forst e. V.,
                                                     nuss. Ein Meilensteinlauf lockte fast          Dorfstraße 28a, 16727 Oberkrämer
                                                     50 Teilnehmer an den Start in der Wald-        OT Schwante, Tel. 033055 - 21766,
                                                     begegnungsstätte Neu-Vehlefanz. Auf            www.kraemer-forst.de oder www.land-
                                                     der historischen Trasse der Poststraße         schaftsarchitekturwerner.de
Die Enthüllung des neuen Ganzmeilensteins am Jung-   soll der Lauf auch in den kommenden
ferndamm. Foto: Anke Werner                          Jahren regelmäßig durchgeführt werden.                                                

Unter drei Königen, Friedrich Wilhelm Graf von Redern –
in Berlin und in der Mark
                 Heimtraud Eichhorn

                                                     Die Museumslandschaft Brandenburgs             statt, und seit dem Jahre 2000 erklingt
                                                     ist um ein kleines Museum reicher. In          jährlich während eines Konzertes auch
                                                     dem kleinen Walddorf Glambeck bei              Redernsche Musik. In jenem Jahr gestal-
                                                     Joachimsthal gibt es deutschlandweit           tete Landschaftsarchitektin Christine Hinz
                                                     das erste Redern-Museum. Gewidmet              aus Prenzlau in Glambeck die erste
                                                     ist es Friedrich Wilhelm von Redern            Redern-Ausstellung. Anlässlich des 200.
                                                     (1802-1883), seinem Leben und Wirken           Geburtstages von Graf Redern im Jahre
                                                     – in Berlin und in der Mark.                   2002 erarbeiteten Schüler der Eberswal-
                                                                                                    der Goethe-Schule die zweite Glambecker
                                                     1862 erwarb F. W. von Redern Gut               Redern-Ausstellung, die erste im Tauben-
                                                     Glambeck. In der Mitte des Gutshofes           turm. In Anwesenheit der Ministerin für
                                                     ließ er den Taubenturm errichten. Der          Wissenschaft, Forschung und Kultur,
                                                     exponierte Standort und die auffällige         Prof. Dr. Johanna Wanka, wurde der Turm
                                                     Gestaltung des Baudenkmals verdeut-            als Ausstellungsraum frei gegeben.
                                                     lichen noch heute, dass bei seinem Bau
                                                     auch der Wunsch nach einem repräsen-           Aus Anlass des 200. Geburtstages des
                                                     tativen architektonischen Blickfang auf        „Musikgrafen“ Friedrich Wilhelm von
                                                     dem Gutshof eine Rolle spielte.                Redern wurde das Kulturland-Motto 2008
                                                                                                    „Provinz und Metropole/Metropole und
                                                     Der Denkmalverein fühlt sich Redern-           Provinz“ schon einmal geprobt. Am
Taubenturm mit Biosphärenschild.                     scher Musiktradition verpflichtet. Einzigar-   16. November und am 7. Dezember 2002
Foto: Förderverein Denkmale Glambeck e. V.           tige Klaviermusiken finden in Glambeck         fanden in Glambeck und im Schauspiel-

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