NR. 189 Sommerausgabe 2021 - Mennoniten-Bern

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NR. 189 Sommerausgabe 2021 - Mennoniten-Bern
Evangelische Mennoniten-Gemeinde Bern (Alttäufer)

                                                       www.mennoniten-bern.ch

NR. 189 Sommerausgabe 2021

 Nr. 189 Sommerausgabe 2021                           Unsere Gemeinde    1
NR. 189 Sommerausgabe 2021 - Mennoniten-Bern
Inhaltsverzeichnis

        Editorial                                            3
        Spezielle Anlässe                                    4
        Infos aus dem Leitungskreis                          6
        Ein Gemeindewochenende in Schleitheim                7
        Gemeindemodell und Statuten                          8
        12 Fragen an Pascal                                 11

        Bildthema
        Kein Bildthema

        Titelbild
        Passende Vase zu vielfältigem Blumenstrauss wie ein passendes Gemeinde-
        modell zu den vielfältigen Aufgaben unserer Gemeinde mit ihr zur Verfügung
        stehenden Kräfte.

    2          Unsere Gemeinde                                       Nr. 189 Sommersausgabe 2021
NR. 189 Sommerausgabe 2021 - Mennoniten-Bern
Editorial

Editorial                             danken las. Das dauerte meist länger als
                                      ein Gottesdienst im Träffer und liess dann
Neue Gewohnheiten                     doch noch viel Zeit für eine Rundfahrt
                                      durchs Gürbetal oder wohin auch immer
Ich habe eine neue Kostbarkeit        ich Lust hatte.
entdeckt: Laufen im Regen! Der
Blick auf den Regenradar heute
Morgen sagte mir, dass es noch
ein paar Stunden regnen würde.
Der Aare-Guru meinte kurz und
knapp: NEI! Gut, ich wollte ja
nicht schwimmen gehen, nur der
Aare entlang laufen und der Was-
serstand war noch nicht so hoch,
dass die Aare über die Ufer trat.
Ich wollte mich trotz des Wetters
bewegen. Es kostete mich etwas
Überwindung, in den Regen zu
                                      Aber dann denke ich auch an die Momen-
treten und loszulaufen. Aber
                                      te, wenn ich jeweils nach einem Gottes-
schon bald freute ich mich an Un-
                                      dienst im Träffer wieder nach Hause fah-
gewohntem. Die grossen Regen-
                                      re. Bin jedes Mal beschenkt, wie gut mir
mengen der letzten Tage hatten
                                      die zwei Stunden getan haben. Ja, es
tiefe Furchen gezogen in den
                                      braucht etwas Kraft und Überwindung,
Waldweg. Tropfen und Rauschen
                                      wieder in neue Gewohnheiten hinein zu
im Wald präsentierten andere
                                      finden, jetzt, wo sich wieder mehr Leute
Bilder, als ich sie von meiner ge-
                                      versammeln dürfen. Aber jedes Mal ent-
wohnten Runde her kannte. Als
                                      decke ich auch Ungewohntes, Schönes.
ich aus dem ersten Wald kam,
                                      Für die Retraite des Leitungskreises, Dia-
leuchtete schon etwas blauer
                                      kone und Älteste hatte ich in der Einla-
Himmel hinter dem Gurten, fast
                                      dung versucht, in einem Satz zusammen-
jede Minute wechselte die Stim-
                                      zufassen, worum es uns geht, wenn wir
mung am Himmel, Nebelbänke
                                      zusammen Gemeinde sind: «Ein Ort als
verhüllten Hügel und gaben sie
                                      Ressource für ein engagiertes Leben aus
wieder frei.
                                      dem Leben in Gott, das sich an ganz vie-
Natürlich hatte ich gewusst, dass
                                      len Orten des Zusammenlebens unserer
mir ein Lauf gut tun würde, und
                                      Gesellschaft einbringt.» Die Corona-
natürlich war ich nicht das erste
                                      Massnahmen haben unsere Routine un-
Mal im Regen unterwegs, ich
                                      terbrochen, und das gibt uns jetzt die Ge-
wusste, dass die Landschaft an-
                                      legenheit, auch neu zu überlegen, wie wir
dere Besonderheiten zeigen wür-
                                      denn unser Leben als Gemeinde gestalten
de. Und doch hat es mich Über-
                                      möchten, damit sie ein solcher Ort sein
windung gekostet, aus dem Haus
                                      kann. Das ist ja bei weitem nicht nur der
zu gehen raus in den Wald.
                                      Gottesdienst. Das sind Menschen in vielen
Ich dachte an die neuen Gewohn-
                                      Begegnungen. Wir sind uns bewusst ge-
heiten, welche die Einschränkun-
                                      worden, was wir vermissen, aber auch,
gen durch Corona mit sich ge-
                                      wo es vielleicht weniger braucht, als wir
bracht hatten, und die Kraft, die
                                      meinten. Was brauchen wir, damit wir
es braucht, sie wieder zu ändern.
                                      Gemeinde als ein solcher Kraftort erle-
Nicht, dass ich einen Gottes-
                                      ben? Ich denke an Gespräche am Tisch,
dienstbesuch für ein geistliches
                                      an Momente von gemeinsamem Gebet in
Fitnessprogramm halte. Meist
                                      Worten, Liedern und Stille. An freudige
muss ich mich nicht überwinden,
                                      Blicke und feine Berührungen, durch Wor-
sondern freue mich auf die Stun-
                                      te und Umarmungen. Woran denkst du?
den mit Singen, Gesprächen, Be-
                                      Ich freue mich auf die kommenden Wo-
sinnung. Aber auch die Sonntage
                                      chen und Monate, in denen wir den ge-
ohne Versammlung hatten etwas
                                      meinsamen Gemeinderaum neu entde-
Schönes: der morgendliche Gang
                                      cken können. Mit der Frische eines Wald-
zum Bäcker, das ausgedehnte
                                      laufs durch den Regen.
Frühstück, die Stille, wenn ich die
Liturgie betete und Predigtge-
                                      Jürg Bräker

Nr. 188
    189 Frühlingsausgabe
        Sommerausgabe 2021
                         2021                                     Unsere Gemeinde    3
NR. 189 Sommerausgabe 2021 - Mennoniten-Bern
Unsere Anlässe

                                                    Sonntag,
       Spezielle Anlässe                            12. September2021:
                                                    Gottesdienst mit Nydegg
       Musik-Apéros im Träffer                      Die beiden Kirchgemeinden, ev-ref.
                                                    Kirchgemeinde Nydegg und ev.
       Jeden 3. Freitag im Monat lädt der Träffer   Mennoniten-Gemeinde Bern, laden
       zu einem Musik-Apéro ein. Mit einem Fei-     zu einem gemeinsamen Gottes-
       erabendkonzert die Woche ausklingen las-     dienst im Träffer ein.
       sen, Nachbarn aus dem Quartier treffen,      Beginn: 10 Uhr.
       musikalische und andere Leckerbissen
       geniessen. Beginn jeweils 19 Uhr. Die        18./19. September 2021:
       Konzerte dauern ca. 30 Minuten,              Gemeindewochenende in
       Barbetrieb von 19 – 21 Uhr.
       Informationen unter www.traffer.ch.
                                                    Rüdlingen
                                                    Am Dank-, Buss- und Bettag fah-
                                                    ren wir ins Klettgau für unser jähr-
       13.-15. August 2021: JUWEL                   liches Gemeindewochenende. Das
                                                    Thema «Weisch no...» lädt zum
       Das Jugendweekend Langnau der MJKS
                                                    Erinnern ein. Schleitheim und der
       findet als Sommeredition über drei Tage
                                                    angrenzende Randen sind Erinne-
       hinweg statt. Es richtet sich an Junge Er-
                                                    rungsorte der Wurzeln der Täufer-
       wachsene (20+). Weitere Infos unter
                                                    bewegung. Auch wir haben im Lau-
       www.mjks.ch
                                                    fe unseres Lebens unsere Wurzeln
                                                    in verschiedenen Richtungen wach-
                                                    sen lassen. Am Wochenende ver-
       Mittwoch, 1. September 2021:                 binden wir gemeinsame und per-
       Schöpfungsfeier                              sönliche Erinnerungen miteinander.
       Auch dieses Jahr lädt die AKiB zusammen      Siehe dazu auch Artikel sowie der
       mit OEKU am Tag der Schöpfung zu einer       Flyer, der auch auf der Homepage
       ökumenischen Schöpfungsfeier ein. Das        zugänglich ist und mit dem In-
       Thema der diesjährigen Schöpfungszeit        foblatt versandt wurde. Anmeldung
       dreht sich ums Wasser: Damit Ströme          bis 25. August bei Gaby Krehbiel.
       lebendigen Wassers fliessen. In Bern den-
       ken wir bei strömendem Wasser schnell
       an die Aare, und so lautet das Thema der     Freitag,
       Feier: Die Aare – ein bedrohtes Paradies.    24. September 2021:
       Bernhard Gyger, Geschäftsführer Wasser-      Besuch aus der Pfalz
       verbund Region Bern, ist zu Gast. An-
       schliessend an die Feier gibt es einen       Am Freitag 24. September besucht
       Apéro.                                       eine Gruppe aus verschiedenen
                                                    Mennoniten-Gemeinden aus der
       Ort: Christkatholische Kirche St. Peter      Pfalz Bern. Jugendliche, die mitei-
       und Paul, Bern (beim Rathaus)                nander die Glaubensunterweisung
       Beginn: 18:30                                machen, und ihre Leiter werden
                                                    das Schloss Trachselwald und den
       11./12. September 2021:                      Stationenweg zur Täufergeschichte
                                                    in der Stadt Bern besuchen. Sie
       Sportweekend der MJSK                        freuen sich über Begegnungen mit
       Das Sportweekend der MJKS in Muttenz         Personen aus der Mennoniten-
       findet dieses Jahr wieder zweitätig statt.   Gemeinde Bern, Jugendliche und
       Fussball, Volleyball und vieles mehr.        auch andere Interessierte.
       www.mjks.ch

   4         Unsere Gemeinde                                        Nr. 189 Sommersausgabe 2021
NR. 189 Sommerausgabe 2021 - Mennoniten-Bern
Unsere Anlässe

Samstag,                           Frauen) in den Gesprächskreisen rund um
13. November 2021:                 die Reformbewegung von Zwingli das
Nacht der Religionen               kirchlich vorgeschriebene Fasten mit ei-
                                   nem symbolischen Wurstessen. Man sass
Hey Alter! Wie begegnen sich die   mit ähnlichen Anliegen am Tisch, auch
verschiedenen Generationen?        wenn es später zu Trennungen kam. Dar-
Welche Rolle spielen sie in den    aus stellt sich heute die Frage: Wie sind
verschiedenen Religionsgemein-     wir heute gemeinsam Kirche, auch wenn
schaften? Verschiedene Religi-     die verschiedenen Anliegen der Reforma-
onsgemeinschaften geben Ein-       tion auf unterschiedlichen Wegen verwirk-
blick und schaffen Raum für Be-    licht wurden?
gegnungen. Die Mennoniten-         Dieser Anlass wird im kommenden Jahr in
Gemeinde Bern bietet mit der der   einer Reihe von ökumenischen Anlässen
Gemeinschaft Ahl al Bayt, einer    aufgegriffen:
schiitischen Gemeinschaft, eine
Programm im Träffer an.            Samstag 5. März: Ein Studientag von Re-
                                   formiertbewegt zusammen mit dem Bie-
Eröffnung: 18:30 im Berner Ge-     nenberg.
nerationenhaus, Bahnhofplatz 2,    Sonntag 6. März: Ökumenischer Gottes-
Bern                               dienst im Grossmünster, mit der KMS,
Träffer: 20 Uhr Übernehmen, was    Zürcher reformierter Kirche und römisch-
andere schufen – Neues generie-    katholischer Beteiligung.
ren.
                                   Vom 16. – 18. September 2022 planen
Generationenübergreifende Be-      ausserdem das Haus der Stille in Kappel/
gegnung zwischen Schiiten und      ZH und das Bildungszentrum Bienenberg
Täufern.                           eine gemeinsame Tagung, die ebenfalls
Die Nacht der Religionen ist ein   Themen rund um die Frage von non-
gemeinsames Projekt der Ar-        konformem Leben thematisieren wird.
beitsgemeinschaft der Kirchen in
der Region Bern AKiB und dem
Haus der Religionen.               5. – 10. Juli 2022:
                                   Weltkonferenz in Indonesien:
                                   Jesus gemeinsam nachfolgen
Freitag,
                                   über Grenzen hinweg.
10. Dezember 2021:
Adventsfenster im                  Die Versammlung der Weltkonferenz in
Träffer und Tag der                Idonesien ist auf den 5. – 10. Juli 2022
                                   verschoben worden und findet in Sema-
Menschenrechte                     rang im Holy Stadium statt. Informatio-
Im vergangenen Jahr war es         nen finden sich auf der Seite der MWK
nicht möglich, einen Empfang       (www.mwc-cmm.org). Hier kann man sich
zum Adventsfenster im Träffer      einschreiben, um den Newsletter direkt zu
durchzuführen. Wenn es die Um-     erhalten. Dieser Newsletter ist in Eng-
stände erlauben, möchten wir in    lisch. Die Version in Deutsch wird jeweils
diesem Jahr wieder einen solchen   mit dem Infoblatt versendet.
Anlass durchführen. Gemeinsam
Adventslieder singen, Musik und    Der Global Youth Summit findet in Salati-
Begegnungen.                       ga statt, vom 1. - 4. Juli 2022.
Am 10. Dezember ist auch Tag       Viele Programmteile werden auch als
der Menschenrechte. Die AKiB       Stream und andere virtuelle Plattformen
lädt zusammen mit der ACAT zu      angeboten, sodass man an der Versamm-
einer ökumenischen Feier ein.      lung teilnehmen kann, ohne nach Indone-
Details folgen.                    sien zu reisen. Der Anmeldeprozess wird
                                   voraussichtlich im Herbst 2021 eröffnet.
5. / 6. März 2022:
Es geht um die Wurst!
Im März 1522 brachen einige
Männer (und vielleicht auch

Nr. 189 Sommerausgabe 2021                                     Unsere Gemeinde   5
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Gemeinde Intern

       Infos aus dem
       Leitungskreis

       Spendenbarometer
       Gemäss Budget ist die Gemeinde im Schnitt pro Monat auf 9'000 Franken
       angewiesen. Letzen Monat waren es rund 5'500.-. Corona hinterlässt auch bei
       den Spenden Spuren. Das Gemeindeleben beginnt sich so langsam wieder zu
       normalisieren. Die Spenden werden wohl folgen. Allen Spendern ein herzliches
       Dankeschön für die wertvollen Gaben.

   6         Unsere Gemeinde                                      Nr. 189 Sommersausgabe 2021
NR. 189 Sommerausgabe 2021 - Mennoniten-Bern
Unsere Anlässe

                                     Ansprüche an, auch der Bischof von Kon-
                                     stanz machte Rechte geltend. Wenn nicht
Ein Gemeinde-                        so klar war, wer zuständig war, standen
wochenende                           solche Orte vielleicht auch weniger unter
                                     Beobachtung, oder Behörden konnten
in Schleitheim                       nicht so schnell einschreit. Solche Rechts-
                                     unsicherheiten mögen auch ein Grund ge-
(JuB) Es hat seine Gründe, wa-
                                     wesen sein, warum die Täufer diesen Ort
rum wir für das Gemeindewo-
                                     für ihre Versammlung wählten.
chenende für einmal nicht auf
den Bienenberg, sondern ins
                                     Das Ergebnis der Konferenz wurde in den
Klettgau fahren. Gut, die schönen
                                     Schleitheimer Artikeln festgehalten, deren
Weine und Ausläufer des Juras
                                     Autor wohl im wesentlichen Michael Satt-
wären schon für sich Grund ge-
                                     ler war, ein ehemaliger Benediktiner-
nug, diesen Zipfel nördlich von
                                     mönch, der sich in den Jahren zuvor den
Schaffhausen ennet des Rheins
                                     Täufern angeschlossen hatte. Das Be-
mal zu bereisen.
                                     kenntnis hält Kernpunkte der Überzeu-
                                     gungen fest, auf die sich die Versammel-
Der Grund für unseren ausge-
                                     ten geeinigt hatten. Es grenzt sich gegen
dehnten Ausflug liegt aber an-
                                     die Bauernbewegung ab, indem es sich
derswo: In Schleitheim fand 1527
                                     klar zur Gewaltfreiheit bekennt, aber auch
so etwas wie eine erste Täufer-
                                     gegen enthusiastische Strömungen, in-
Konferenz statt. Die Regierungen
                                     dem es sich auf eine klare Orientierung
der verschiedenen Kantone hat-
                                     an den Schriften der Bibel festlegt, und
ten begonnen, schärfer gegen die
                                     sucht auch zu klären, wie man das Ver-
Täuferbewegung vorzugehen. Die
                                     hältnis zur allgemeinen Gesellschaft und
Bauernaufstände, die zum Teil
                                     Staat sieht. Im Täuferzimmer im Museum
ähnliche Anliegen hatten wie die
                                     von Schleitheim befindet sich eine der
ersten Täufer, hatten zu gewalt-
                                     drei noch erhaltenen Abschriften der Sch-
samen Auseinandersetzungen
                                     leitheimer Artikel.
geführt und waren niedergeschla-
gen worden. Und die junge Be-
                                     Schleitheim erinnert aber nicht nur an die
wegung des täuferischen Auf-
                                     Anfänge einer sich formierenden Bewe-
bruchs breitete sich nicht nur ge-
                                     gung. Auf dem Randen liegt auch ein Täu-
ographisch, sondern auch in ihrer
                                     ferstein, am oberen Ende des Täufer-
inneren Ausrichtung in alle mögli-
                                     stiegs, wohl einer der Zugangswege zum
chen Richtungen aus. «Wir müs-
                                     Versammlungsort in Schleitheim. Dieser
sen reden!» würden wir heute
                                     Stein wurde anlässlich eines Gedenktages
sagen.
                                     gelegt, zu dem die evangelisch-
                                     reformierte Kirche des Kanton Schaffhau-
Am 24. Februar 1527 trafen sich
                                     sens 2004 eingeladen hatte. Ein Zeichen
Täufer aus dem heutigen Süd-
                                     des Gedenkens für alle verfolgten Minder-
deutschland, St. Gallen und Ost-
                                     heiten, und ein Zeichen der Versöhnung.
schweiz und Zürich und auch von
                                     Mehr dazu findet man unter https://
weiter her, in Schleitheim zu ei-    www.natourpark.ch/tour/taeuferweg/.
ner Konferenz. Der Ort war wohl
geeignet, weil er für die südliche   Solche Orte laden dazu ein, darüber
Täuferbewegung recht zentral         nachzudenken, was und wie wir erinnern.
lag. Schleitheim liegt an einer      Da werden berührende Geschichten von
wichtigen Verbindungsstrasse,        Fürsorge erzählt. Aber es sind nicht nur
die schon die Römer nutzten. Der     die Erinnerungen an ferne Zeiten, die
nahe Randen, ein Ausläufer des       zählen. Näher sind uns die Erinnerungen,
Tafel-Juras, bot im Notfall viele    die in unser Leben eingebettet sind. Oder
Fluchtmöglichkeiten, man konnte      in die unser Leben eingebettet ist. Wir
von vielen Seiten her relativ un-    erinnern oft das besonders lebendig,
bemerkt anreisen. Zudem war          was wir einmal oder wiederholt erzählt
umstritten, wer in Schleitheim für   haben. Es gibt Erinnerungen, die sind wie
die Gerichtsbarkeit zuständig        ein Sonnenstrahl der aufgehenden Som-
war. Nachdem es lange zur Graf-      mersonne, die frühmorgens durchs Fens-
schaft Stühlingen gehört hatte,      ter leuchtet. Sie wecken Dankbarkeit,
meldete die Stadt Schaffhausen       verbinden uns mit geliebten Menschen.

Nr. 189 Sommerausgabe 2021                                        Unsere Gemeinde   7
NR. 189 Sommerausgabe 2021 - Mennoniten-Bern
Unsere Anlässe

       Und es gibt Erinnerungen wie Schatten,
       wie schwere Steine. Es gibt Beiläufiges,
       das aus irgendeinem Grund hängen ge-
                                                   Gemeindemodell
       blieben ist, und es gibt zentrale Momente   und Statuten
       unseres Lebens, die wie Meilensteine un-
       seren Lebensweg markieren.                  Retraite des Leitungs-
       Und wir werden erinnert. Von anderen.       kreises, der Diakonie
       Diese Erinnerungen decken sich längst
       nicht immer mit unserem Selbstbild.         und der Redaktion UG
       Manchmal ist das wohltuend, von jeman-      Bericht der Retraite vom
       dem zu hören, welche schöne Erinnerung      28./29.05.2021.
       er mit mir verbindet. Und manchmal irri-
       tierend, wenn ich mit etwas konfrontiert    (KaG) Endlich schönes Wetter
       werde, das ich so ganz anders in Erinne-    und wir können unsere verscho-
       rung habe.                                  bene Retraite am Freitagabend
       Und da ist Gottes Erinnern. Wenn Gott       mit einem syrischen Aperitif
       sich in seinem Gedenken seiner Schöp-       draussen beginnen.
       fung zuwendet, blüht Leben auf. Dieses
       Erinnern blickt nicht nur in Vergangen-
       heit, hat viel damit zu tun, dass seine
       Verheissungen an uns zum Ziel kommen.
       Auch das hat mit Erinnerung zu tun: mich
       an das Erinnern lassen, was mein Leben
       kräftigt und aufblühen lässt.

       «Weisch no …?» lautet das Thema des
       Gemeindewochenendes vom 18./19. Sep-
       tember 2021. Wir werden Zeit haben für
       viele Gespräche unterwegs beim Erwan-
       dern einiger Erinnerungsstätten in der
       Umgebung von Schleitheim. Abends und
       am Sonntag werden wir dann in Rüdlin-
       gen sein, einem schönen Weindorf am
       Rhein. Alle Facetten des Erinnerns werden
       wir nicht abdecken, aber wer weiss: Viel-
       leicht heisst es in 20 Jahren: Weisch no,
       damals beim Gemeindewochende in Sch-
       leitheim und Rüdlingen?

                                                   Thema des Nach- und Überden-
                                                   kens soll unser bisheriges Ge-
                                                   meindemodell und der Istzustand
                                                   sein. Vor gut 20 Jahren wurde
                                                   mit viel Energie und Herzblut ein
                                                   neues Modell erarbeitet und
                                                   diesem an der
                                                   Mitgliederversammlung
                                                   zugestimmt. Es sah vor, mit
                                                   flachen Hierarchien, Ressorts und
                                                   Zuständigkeiten das Gemeindele-
                                                   ben

   8         Unsere Gemeinde                                       Nr. 189 Sommersausgabe 2021
NR. 189 Sommerausgabe 2021 - Mennoniten-Bern
Gemeinde Intern

der Mennoniten-Gemeinde Bern         wie ein Kreis wirken und mit den Statuten
zu gestalten und neu aufzuglei-      übereinstimmen. Dies ist vereinsrechtlich
sen.                                 sinnvoll.
Manches hat sich bewährt und
wird noch heute, wie im Modell
vorgesehen, gelebt. Etliches hat
sich verändert, sich schleichend
der Zeit und den Menschen ange-
passt, ist überholt oder existiert
gar nicht mehr. Das ist nicht wei-
ter schlimm, aber es macht Sinn,
Gemeindemodell und Statuten
möglichst dem Vorhandenen und
Gelebten anzugleichen und zu
vereinfachen. Dieses Bedürfnis ist
spürbar und wird klar geäussert.
In der Einleitung zeigt uns Paul
eindrücklich mit einem bunten
Blumenstrauss auf, dass eine zu      Schön ist, festzustellen, dass unser Leit-
grosse Vase sehr wohl mit einem      bild unangetastet stehen bleiben kann,
kleineren Gefäss ausgetauscht        weil die darin festgehaltenen Werte und
werden kann und das Ganze            Haltung immer noch unseren Grund legen.
dann auch von aussen passender       Wir einigen uns darauf, dass wir die ganze
wirkt. Die Blumen kommen zu-         Gemeinde in den Prozess einbeziehen wol-
dem gleichwohl zur Geltung und       len und ich persönlich vor allem auch die
haben mehr Halt.                     Meinung der Jungen hören möchte.
Es ist beeindruckend festzustel-     Der Leitungskreis fasst die Aufgabe, Vor-
len, wie wir mit unserer be-         gehen und Zeitrahmen festzulegen und
schränkten Anzahl Aktivmitglie-      eine kleine Gruppe einzusetzen, die die
der gut funktionieren und wie viel   Statuten überarbeitet. Sie soll einen Vor-
Verantwortung immer wieder           schlag zuhanden der Gemeinde in die Ver-
übernommen wird. Die Über-           nehmlassung schicken.
schneidungen sind nicht zu über-     An der nächsten Leitungskreissitzung wer-
sehen. Das heisst, einige sind in    den wir unserem Auftrag nachkommen.
mehreren Gremien und Themen          Ziel ist, in absehbarer Zeit zu einem Ge-
engagiert. Das Ganze wird vom        meindeabend einzuladen, um die Anpas-
Leitungskreis koordiniert. Selbst-   sungen vorzustellen und zu diskutieren.
verständlich hat die Gemeinde        Ob die neuen Statuten bereits im Septem-
mit der Mitgliederversammlung        ber 21 oder erst im März 22 traktandiert
die Entscheidungsgewalt.             werden können, ist zweitrangig. Wichtig
                                     ist, das Ganze sorgfältig und offen entste-
Die angeregte Diskussion geht        hen zu lassen und darauf zu vertrauen,
am Samstagmorgen weiter und          dass wir ein richtiges Mass finden können.
wir denken lange darüber nach,       Ich freue mich bereits auf einen regen
wie ein neues Modell aussehen        Austausch und bin gespannt und dankbar
oder vereinfacht werden könnte.      für alle, die mitdenken, anpacken und
Einerseits gilt es den Istzustand    auch im Hintergrund mittragen.
abzubilden, andererseits jedoch
viel Freiraum für Neues und Ver-
änderungen offen zu lassen. Die
Engagierten sollen nicht noch
mehr belastet werden, ihnen soll
Sorge getragen und Ressourcen
gespart werden. Viele Ideen und
Modelle kommen zusammen. Wir
wollen uns nicht einengen lassen
in unserem Tun, das Modell soll
jedoch für uns im Hintergrund
stimmig sein. Es soll auf flachen
Hierarchien aufbauen, eher wie
ein verwurzelter Baum oder

Nr. 189 Sommerausgabe 2021                                        Unsere Gemeinde   9
NR. 189 Sommerausgabe 2021 - Mennoniten-Bern
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        Leitbild
        Wir sind eine evangelische Freikirche
        innerhalb der weltweiten Kirche Christi
        und sind Teil der schweizerischen
        Mennonitengemeinden (Alttäufer), die seit
        der Zeit der Reformation
        (16. Jahrhundert) bestehen.

        Wir sind Christinnen und Christen mit
        Stärken und Schwächen. In unserer
        Geschichte haben wir erfahren, dass Gott
        zu uns steht und uns immer wieder
        durchhilft.

        Wir glauben, dass Gott in Jesus Christus
        zu uns Menschen kam und sich darin sein
        Wesen am deutlichsten zeigt: Seine Liebe
        zu den Menschen, seine Bereitschaft zur
        Vergebung von Schuld, sein Wille zu
        Frieden und Gerechtigkeit.

        Wir stützen uns auf die Bibel, die uns die
        Geschichte und den Plan Gottes mit den
        Menschen erzählt. Sie ist für uns Autorität
        und Massstab, denn in ihr erfahren wir
        Gottes lebendige Anrede.

        Wir sind eine Gemeinschaft von Frauen,
        Männern und Kindern. Offene, familiäre
        Atmosphäre soll Raum für Geborgenheit
        und Begegnung schaffen.

        Wir wollen gemeinsam unsere Gaben
        entdecken und einsetzen. Für den Bau der
        Gemeinde sind wir alle mitverantwortlich.

        Wir leben und erleben Gemeinde, indem
        wir in Gottesdiensten und Kleingruppen
        feiern, beten und die Bibel lesen.

        Wir bezeugen mit der Glaubenstaufe,
        dass Jesus Christus uns mit Gott versöhnt
        hat und wir unser Leben nach ihm
        ausrichten wollen.

        Die Not der Menschen macht uns
        betroffen, denn Gott will das ganzheitliche
        Wohl aller. Wir sind herausgefordert, uns
        für Versöhnung mit Gott und den
        Menschen, für Gewaltlosigkeit,
        Gerechtigkeit und Bewahrung der
        Schöpfung einzusetzen. Jesus Christus
        ermöglicht uns die Liebe zu allen
        Menschen und gibt uns eine Perspektive
        der Hoffnung.

        Verabschiedet 14. März 1997

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12 Fragen an                        Mit einer im Lotto gewonnenen Million
                                    würde ich…
Pascal                              sie in Vermögenswerte investieren, die
                                    mir meinen Lebensunterhalt bezahlen und
Wir führen eine neue Rubrik ein.    danach Länder besuchen, zu denen ich
In jeder UG-Ausgabe werden ei-      schon immer reisen wollte. Nach dem
ner Person der Gemeinde 11 glei-    Reisen würde ich mit dem restlichen Geld
che Fragen gestellt. Am Schluss     ein Startup aufbauen.
darf die Person selbst eine Frage
ausdenken und wünschen, wem         Auf die Palme bringt mich...
in der nächsten UG-Ausgabe die      wenn ich etwas mache, das meine volle
11 + 1 Fragen gestellt werden. So   Aufmerksamkeit benötigt, und jemand
lernen wir jeweils jemanden aus     dazukommt, der auch was davon haben
der Gemeinde besser oder aus        möchte.
einem anderen Blickwinkel ken-
nen. Den Start macht Pascal Hä-     Vor l0 Jahren bin ich...
ring.                               erst elf Jahre alt gewesen und besuchte
                                    eine Privatschule in Olten. Dort habe ich
                                    das erste Mal richtig gelernt zu lernen.
                                    Mein Fokus war vorher auf anderes ge-
                                    richtet. Zudem war mir damals noch nicht
                                    bewusst, wie gross und vielfältig diese
                                    Welt ist und dieses Bewusstsein vergrös-
                                    sert sich jetzt immer noch Jahr um Jahr.

                                    In l0 Jahren werde ich...
                                    mein eigenes Unternehmen aufgebaut
                                    haben und helfe vielen Leuten dabei, ihre
                                    Probleme zu lösen. Zudem habe ich mei-
                                    ne 10 Länder, die ich besuchen möchte,
                                    bereist und ich habe eine Frau fürs Leben
                                    gefunden. Und ganz wichtig! Ich habe bis
                                    dann jeden Tag zu meinem besten
                                    gemacht.

                                    Nie im Leben würde ich...
Ich bin Pascal Häring (21), bin     jemanden töten. Auch nicht, wenn ich da-
in der Gemeinde Bern seit ich       zu gezwungen werde oder ein Krieg aus-
denken kann. Ich besuche den        bricht.
Gottesdienst nicht mehr so
oft, doch ich geniesse ihn je-      An einem unerwartet freien Abend mache
des Mal, wenn ich dabei bin.        ich...
Und beruflich bin ich gelernter     einen Spaziergang oder mache es mir ge-
Elektriker.                         mütlich und höre entspannende Musik.
In der Gemeinde engagiere ich       Ein verborgenes Talent von mir ist…
mich...                             Ich bemerke sofort, wenn mich etwas
als aktives Mitglied unserer JG     erzürnt und kann mich direkt wieder
und geniesse es immerzu auch        beruhigen.
am Gottesdienst teilzunehmen.
                                    Zwei Wahrheiten, eine Lüge. Was stimmt?
An der Berner Gemeinde schätze      Ich verlege fast nie etwas/Ich bin immer
ich...                              hungrig/Ich koche nicht gerne.
den schönen Gesang miteinander
während eines Gottesdienstes.       Wer soll als nächstes diese Fragen beant-
                                    worten und was wolltest du schon lange
Wegen Corona habe ich…              von ihr/ihm wissen?
mehr Zeit, um mir Gedanken über     Frank Rihs. Ich will wissen, wie sein
meine Zukunft zu machen.            Leben als Neurologe ist und wie er zum
                                    Glauben steht mit dem Wissen, wie das
                                    menschliche Gehirn entstanden ist.

Nr. 189 Sommerausgabe 2021                                      Unsere Gemeinde   11
Gemeinde Intern

   12     Unsere Gemeinde   Nr. 189 Sommersausgabe 2021
Gemeinde Intern

Nr. 189 Sommerausgabe 2021    Unsere Gemeinde   13
Bibelspruch/Gebet

     "Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in
     ihm leben, weben und sind wir.
     (Apostelgeschichte 17, Vers 27)"
     (StH) Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Das heisst er ist da! Er ist
     unter uns. Das gibt doch Hoffnung. Ein schöner Monatsspruch für den Juli 2021.
     Ich sehe unsere ganze Coronazeit vor Augen. Was haben wir alles durchge-
     macht. Masken Tragen, Abstand halten, im Home-Office bleiben ganz nach dem
     Motto «bleiben Sie zuhause» und auf viele Kontakte mit Nächsten, Freunden
     und Bekannten verzichten. Auch wenn es nun schon fast locker zu und her
     geht, vorbei ist das Ganze noch nicht. Dabei geht mir immer wieder Hiob durch
     den Kopf. Wie lange hat er gelitten, gehadert und trotzdem die Hoffnung nie
     verloren und durchgehalten. Ja, Gott ist unter uns. Dies gibt uns Hoffnung, die
     wir gerade jetzt immer wieder benötigen. Und noch mehr! In ihm leben, weben
     und sind wir. Weben? Genau, wie viele aufmunternde Worte finden wir in der
     Bibel? Sie geben uns Halt und Zuversicht. Wir erfahren seine Liebe, können im
     Gebet mit ihm sprechen und unseren Ballast ablegen. Wir finden Segen, Ruhe
     und Geborgenheit. Dieses Glaubensnetz bilden und erweitern wir täglich wie in
     einer Beziehung. Denn in ihm leben und sind wir!

                                            Kirchgemeindehaus Schosshalde
                                            Schosshaldenstrasse 43, 3006 Bern

                                            ÖV: Haltestelle Schosshalde
                                            Bus Nr. 12 Richtung Zentrum Paul Klee
                                            Bus Nr. 40 ab Papiermühle oder
                                            Gümligen Bahnhof

                                            Auto: A6, Ausfahrt Ostring
                                            Laubeggstrasse bis Kreuzung
                                            Schosshalden-/Laubeggstrasse

                                            www.mennoniten-bern.ch
                                            Postkonto: 30-26973-5

14          Unsere Gemeinde                                          Nr. 189 Sommersausgabe 2021
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