SALZBURGRADAR 2022 SALZBURGER UNTERNEHMEN UNTER DEM RADAR - Arbeiterkammer Salzburg
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In der Krise wurde die Wirtschaft gefördert, jetzt müssen die Menschen entlastet werden! Der vorliegende aktuelle „Salzburgradar 2022“ zeigt: Die großen Salzburger Unternehmen und ihre Beschäftigten haben in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich gewirtschaftet und konnten somit in der Corona-Krise auf Eigenkapital- und Liquiditätspolster zugreifen. In Kombination mit den hohen staatlichen Unterstützungsleistungen sind sie daher besser als erwartet durch das erste Covid-19-Jahr gekommen. Die Krise hat sich allerdings negativ auf die Investitionsfreudigkeit ausgewirkt. Dabei kommt gerade Sachinvestition eine enorme Bedeutung zu, wenn es um die nachhaltige Entwicklung des Wirtschaftsstandorts sowie den Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen geht. Wichtig wird es daher sein, dass die Investitionen wieder anspringen. Der Gesetzgeber hat in diesem Zusammenhang bereits umfangreiche Investitionsförderungen beschlossen. Während die Investitionen abgenommen haben, hatte die Krise nur wenig Auswirkungen auf die Dividendenzahlungen. Immerhin 66% der erwirtschafteten Gewinne wurden ausgeschüttet. Viel besser wäre dieses Geld in Sachanlagen zur Sicherung des Wirtschaftsstandorts, aber auch für die Beschäftigten investiert gewesen. In Anbetracht der derzeitigen Rekordinflation stimmt nämlich die rückläufige bzw. sehr verhaltene Entwicklung bei den Bruttobezügen nachdenklich. Um die explodierenden Preise bei Energie, Wohnen und dem täglichen Einkauf abzufedern, haben sich die Beschäftigten einen fairen Anteil an den Unternehmensgewinnen verdient. Keine Frage: Erfolgreich wirtschaftende Unternehmen sind wichtig für unser Bundesland. Um die entsprechende Wertschöpfung zu generieren, sind sie jedoch auf engagierte Beschäftigte angewiesen. Nachdem die Unternehmen mit hohen Förderungen und Unterstützungsleistungen durch die Pandemie geführt wurden, sind nun die Beschäftigten an der Reihe. Der Staat ist gefordert rasche und vor allem wirkungsvolle Entlastungsmaßnahmen gegen die Teuerung umzusetzen. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit. a Mag. Cornelia Schmidjell Peter Eder AK-Direktorin AK-Präsident ÖGB-Landesvorsitzender Impressum Medieninhaber: Arbeiterkammer Salzburg, Markus-Sittikus-Straße 10, 5020 Salzburg, T: +43 (0)662 86 87, ak-salzburg.at ISBN: 978-3-901817-56-4 Autorin: Christine Höll, B.jur.oec., LLM.oec. Redaktion: Mag. Christoph Schulz Titelbild: ©LuckyStep, stock.adobe.com Grafik: Gabriele Gallei Druck: Eigenvervielfältigung Verlags- und Herstellungsort: Salzburg Stand: März 2022
AK SALZBURGRADAR 2022 Salzburger Unternehmen unter dem Radar Die Arbeiterkammer Salzburg wirft mit dem AK Salzburgradar 2022 - in Anlehnung an den AK Unternehmensradar der AK Wien – einen Blick auf die wirtschaftliche Lage und die inner- betriebliche Verteilungspolitik der bedeutendsten Salzburger Unternehmen. Dafür wurden die veröffentlichten Jahresabschlüsse der operativen Kapitalgesellschaften des Bundeslandes ab 100 Beschäftigten einem Check unterzogen. Insgesamt flossen die Jahresabschlussdaten von 146 Salzburger Kapitalgesellschaften der Jahre 2018 bis 2020 in die Erhebung ein. Diese Unternehmen erzielten 2020 in Summe einen Umsatz in Höhe von rund 33,5 Milliarden Euro. Sie beschäftigten österreichweit insgesamt rund 89.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – davon rund 35.000 im Bundesland Salzburg. In Anbetracht der noch immer anhaltenden Covid-19-Krise ist vor allem die finanzielle Sta- bilität der Unternehmen von Bedeutung. Konnten und können sie weiterhin ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen? Wurden in der Vergangenheit ausreichend Reserven gebildet, um die Verluste abzufangen? Ist der prognostizierte große Einbruch bei den Erträgen tatsäch- lich eingetreten? Die Salzburger Unternehmen haben in der Vergangenheit eine sehr gute Eigenkapitalaus- stattung aufgebaut. Dieses Fundament konnte auch im Covid-19-Jahr 2020 gehalten werden – unter anderem durch großzügige staatliche Förder- und Unterstützungsmaßnahmen. So lag die durchschnittliche Eigenkapitalquote – das Verhältnis von Eigenkapital zu Gesamtkapital – 2020 bei sehr hohen 44,7 %. Das oberste Viertel verfügte sogar über eine Eigenkapitaldecke von über 54 %. Buchmäßig überschuldet waren nur drei der untersuchten 146 Unternehmen. Auch bei der Zahlungsfähigkeit haben die Liquiditätssicherungmaßnahmen der Bundesregie- rung offenbar Wirkung gezeigt. So konnten die Unternehmen ihre Liquiditätswerte im Krisen- jahr sogar verbessern. Der Liquiditätsgrad lag 2020 im Durchschnitt bei ausgezeichneten 173 %. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten waren demnach ausreichend durch kurzfristiges Vermögen gedeckt. Nur 7,5 % lagen unter der 50 % Grenze und verfügten damit über eine gravierend zu geringe Ausstattung mit liquiden Mitteln. www.ak-salzburg.at 5
AK Salzburgradar 2022 Die Analyse der Ertragslage zeigt zwar eine rückläufige aber immer noch positive wirtschaft- liche Performance der Salzburger Unternehmen. So lag die EBIT-Quote – die operative Gewinnmarge – 2020 bei 1,9 %. Den Unternehmen blieben von 100 Euro Umsatz durch- schnittlich 1,90 Euro an operativem Gewinn. Aus Eigentümersicht lohnt es sich definitiv trotz Krise, Geld in die Salzburger Unternehmen zu investieren, lagen die durchschnittlichen Ren- diten doch im zweistelligen Bereich. 2020 verzinste sich das eingesetzte Eigenkapital mit sehr guten 13,2 % – in Anbetracht der niedrigen Verzinsung bei Alternativanlagen eine durchaus attraktive Anlageform. Von zentraler Bedeutung für den Wirtschaftsstandort ist die Investitionsbereitschaft. Diese war in den letzten Hochkonjunkturjahren sehr erfreulich. Auch 2020 wurden in der Durch- schnittsbetrachtung die Wertminderungen des Anlagevermögens durch Neu- und Ersatzin- vestitionen ausgeglichen. Die durchschnittliche Investitionsneigung ging aber erstmals zurück von über 155 % auf 145 %. Bei mehr als der Hälfte der untersuchten Unternehmen waren die Abschreibungen niedriger als die getätigten Investitionen. Beim untersten Viertel erreichte sie nur noch einen Wert von 62 %. Neben der hohen Rentabilität freuten sich die Eigentümer und Eigentümerinnen auch jahre- lang über sehr hohe Dividendenzahlungen. So lag die Ausschüttungsquote – die Dividende in Prozent des Jahresüberschusses – 2018 bei rund 90 %. Damit wurden die erwirtschafteten Gewinne fast zur Gänze aus den Unternehmen abgezogen. Bei den Ausschüttungen aus den Bilanzgewinnen 2019 hielten sich die Salzburger Unternehmen angesichts der Covid- 19-Krise zurück. Sie zahlten „nur noch“ rund 70 % der Jahresüberschüsse an die Eigen- tümer und Eigentümerinnen aus. Im Hinblick auf die angespannte wirtschaftliche Lage aber immer noch ein sehr hoher Wert. Trotz weiterhin wirtschaftlich unsicherer Zeiten wurden auch aus den Gewinnen 2020 hohe Dividenden gezahlt. In Summe waren es 2020 unglaub- liche 1,8 Mrd Euro. Anzumerken ist, dass davon auf ein einzelnes Unternehmen 1,2 Mrd Euro entfielen. Für die restlichen 145 verblieb eine Dividendensumme von 564 Mio Euro und eine immer noch beachtliche durchschnittliche Ausschüttungsquote von 66 %. Auch bei der Betrachtung der Pro-Kopf-Kennzahlen werden die Auswirkungen der Covid- 19-Krise ersichtlich, wenn diese auch nicht so stark wie ausfielen wie erwartet. Der durch- schnittliche jährliche Bruttoverdienst pro Kopf lag in den untersuchten Unternehmen 2020 bei 34.807 Euro. Bedingt durch die Kurzarbeit und die damit verringerten Bezüge war hier von 2019 auf 2020 ein leichtes Minus zu verzeichnen. Von 2018 auf 2019 stiegen die Bruttolöhne und -gehälter noch um 2,3 % an. Im 3-Jahres-Vergleich erhöhten sich die Bezüge durch- schnittlich um nur 1,37 %. Auch die von den Beschäftigten pro Kopf erwirtschaftete Wertschöpfung erhöhte sich von 2018 auf 2019 noch etwas. Im Krisenjahr schrumpfte sie um -2,5 %. Dies wirkte sich auch auf die erwirtschafteten Gewinne aus. Pro Beschäftigten wurde 2020 ein Gewinn in Höhe von 10.050 Euro erzielt. Das entsprach einem Rückgang von rund -1 % im Beobachtungszeitraum. 6 www.ak-salzburg.at
AK Salzburgradar 2022 Resümee Die Untersuchung bestätigt eine solide finanzielle Stabilität der Salzburger Wirtschaft trotz Covid-19-Krise. Die einbezogenen Unternehmen waren finanziell gut aufgestellt und über alle Branchen hinweg zeigte sich eine solide Basis, um Verluste abdecken und die Krise bewältigen zu können. Die Zahlungsfähigkeit konnte sogar verbessert werden und die großen Salzburger Unternehmen sind gerüstet, um Zahlungsschwierigkeiten zumindest kurzfristig überwinden zu können. Geholfen haben hier unter anderem die umfangreichen staatlichen Hilfsmaßnahmen. In den veröffentlichten Jahresabschlüssen fanden sich bei 82 Unternehmen Angaben zur Inanspruchnahme von Covid-19-Unterstützungsleistungen. Trotz Lockdowns konnten also positive Gewinnmargen und zweistellige Renditen für die Eigentümer und Eigentümerinnen erzielt werden. Der Salzburgradar zeigt auch die noch immer hohe Abschöpfung dieser Gewinne durch die Gesellschafter und Gesellschafterinnen. Bei der Investitionsbereitschaft wird hingegen etwas verhaltener agiert. Untersuchungsgegenstand In die vorliegende Analyse wurden operativ tätige, gewinnorientierte Kapitalgesellschaften mit Sitz im Bundesland Salzburg einbezogen. Banken und Versicherungen waren aufgrund ihrer strukturellen und bilanziellen Besonderheiten nicht Untersuchungsgegenstand. Vorausset- zung für die Aufnahme ins Sample war eine Mindestzahl von 100 Beschäftigten und das Vor- liegen veröffentlichter Jahresabschlüsse mit auswertbaren, verlässlichen und vergleichbaren Daten für die Jahre 2018 bis 2020. Insgesamt konnten die Jahresabschlüsse von 146 Salz- burger Unternehmen erfasst und ausgewertet werden. Die Unternehmenslandschaft in Salz- burg ist grundsätzlich sehr vielfältig und wird auch von einigen großen Unternehmen geprägt. Diese sind ein essentieller Bestandteil der Salzburger Wirtschaft und wurden auch in die Ana- lyse mit einbezogen. Bei einigen Kennzahlen führte eines der erfolgreichsten Unternehmen zu starken Verzerrungen bei den Durchschnittswerten. Diese würden zu falschen Schlussfolge- rungen zur wirtschaftlichen Lage der anderen Unternehmen führen. In diesen Fällen wurden die Berechnungen entsprechend angepasst bwz. bereinigt. Bei 35 % der Unternehmen, die in der Untersuchung berücksichtigt wurden, handelte es sich um Unternehmen der Sachgüterindustrie. Die Branche Handel war mit 30 % und die Branche Dienstleistung mit rund 28 % vertreten. Die restlichen Prozente entfielen auf die Bauwirtschaft. www.ak-salzburg.at 7
LIQUIDITÄT Die Liquidität ist eine der wichtigsten Grundlagen für den Fortbestand eines Unternehmens. Mit der Zahlungsfähigkeit steht und fällt letztlich das Unternehmen. Sie gilt als gesichert, wenn fällige Verbindlichkeiten jederzeit getilgt werden können. Die untersuchten Salzburger Unternehmen wiesen hier schon vor dem ersten Covid-19- Jahr krisensichere Werte auf. Die Liquiditätswerte konnten 2020 überraschenderweise noch verbessert werden und das in allen Quartilen. Der durchschnittliche Liquiditätsgrad lag bei ausgezeichneten 173 %. Das kurzfristige Vermögen war demnach deutlich höher als das kurzfristige Fremdkapital. Die Unternehmen waren in der Lage, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Sie sind auch weiterhin gerüstet, um Schwierigkeiten zu überbrücken. Das oberste Viertel verfügte sogar durchgängig über hervorragende Werte von über 210 % und konnte die Verbindlichkeiten mehr als zweimal abdecken. Die Unternehmen der Sachgüter- industrie waren dabei mit durchschnittlichen Liquiditätswerten von über 200 % besonders kri- senfest. Aber auch die Handels- und Dienstleistungsunternehmen konnten auf ausreichende Liquidität zurückgreifen. Nur wenige der einbezogenen Unternehmen hatten ernsthafte Liquiditätsengpässe. Lediglich 7,5 % lagen 2020 unter der 50 %-Grenze und verfügten damit über eine massiv zu niedrige Ausstattung mit finanziellen Mitteln. Wobei einige dieser Unternehmen in Konzernstrukturen mit zentral gebündelter Liquidität eingebunden und daher keine finanziellen Engpässe zu befürchten waren. 172,83 165,72 162,08 Liquidität in % 2018 2019 2020 Liquidität in % 2018 2019 2020 Unternehmensdurchschnitt 165,72 162,08 172,83 1. Quartil (untere 25 % der Unternehmen) 96,46 93,37 98,10 Median (50 % der Unternehmen) 136,87 135,54 143,18 3. Quartil (obere 25 % der Unternehmen) 203,57 195,19 213,50 Sample: 146 Kapitalgesellschaften Liquidität = Kurzfristiges Vermögen im Verhältnis zum kurzfristigen Fremdkapital 8 www.ak-salzburg.at
EIGENKAPITALQUOTE Das Eigenkapital ist das Fundament der betrieblichen Finanzierung und somit ein wesent- licher Faktor für die Beurteilung, ob Unternehmen in der Lage sind, Krisen- bzw. Verlustjahre zu überstehen. Die AK-Studie zeigt, dass die Unternehmen nicht nur auf eine solide Ausstattung mit liquiden Mitteln, sondern auch auf ihre sehr gute Eigenkapitalbasis bauen konnten. Ungewöhnliche branchenspezifische Abweichungen waren dabei nicht festzustellen. So lag die durchschnitt- liche Eigenkapitalquote 2020 bei hervorragenden 44,7 % und damit leicht über dem Wert aus 2018. Mehr als die Hälfte der Unternehmen wies dabei einen Wert von sehr guten 37,5 % auf. Das oberste Viertel verfügte sogar über eine Eigenkapitaldecke von rund 55 %. Unter der 8 %-Grenze, welchen das Unternehmensreorganisationsgesetz (URG) als kritische Unter- grenze nennt, lagen 7,5 % der einbezogenen Unternehmen. Nur drei der 146 untersuchten Unternehmen hatten ein negatives Eigenkapital und waren somit buchmäßig überschuldet. Die Salzburger Unternehmen verfügen demnach weiterhin über einen hohen Eigenkapitalpolster und ein solides Fundament, um in Krisenzeiten Verluste abzudecken und eine Insolvenz zu vermeiden. 45,01 44,64 44,27 Eigenkapitalquote in % 2018 2019 2020 Eigenkapital-Quote in % 2018 2019 2020 Unternehmensdurchschnitt 44,27 45,01 44,64 1. Quartil (untere 25 % der Unternehmen) 22,56 24,08 22,58 Median (50 % der Unternehmen) 37,66 36,84 37,46 3. Quartil (obere 25 % der Unternehmen) 53,33 53,43 54,84 Sample: 146 Kapitalgesellschaften Eigenkapitalquote = Eigenkapital in Prozent des Gesamtkapitals www.ak-salzburg.at 9
EBIT-QUOTE Die zentrale Kennzahl zur Beurteilung der Ertragslage ist die EBIT-Quote. Sie stellt den Anteil des operativen Ergebnisses an der Betriebsleistung dar und bildet so das Ergebnis des ope- rativen Kerngeschäfts ab. Die Covid-19-Krise wirkte sich zwar auf die Ertäge der Salzburger Unternehmen aus, aber in einem überschaubaren Ausmaß. Die untersuchten Salzburger Unternehmen wirtschafteten im Beobachtungszeitraum noch immer profitabel. Die durchschnittliche operative Gewinnspanne erreichte 2020 einen Wert von 1,9 %. Den Unternehmen verblieben von 100 Euro Umsatz 1,90 Euro an operativem Gewinn. Zwei Jahre zuvor waren es noch 2,30 Euro. Bei der Hälfte der Unternehmen lag die operative Gewinnmarge über 2,5 %. Das oberste Viertel erwirtschaftete eine EBIT-Quote von 4,9 %. Naturgemäß war die Entwicklung je nach Branche unterschiedlich. So lag der durchschnittliche Wert der Produktionsbetriebe mit 3,5 % typischerweise über dem Wert der Handelsunternehmen mit 1,5 %. Wobei die Han- delsunternehmen ihre Marge im Vergleich zu den Vorjahren leicht steigern konnten, während die Industriebetriebe einen Rückgang verzeichnen mussten. 18 der untersuchten Unternehmen wiesen 2018 und 2019 noch ein positives operatives Ergebnis aus und 2020 dann einen operativen Verlust. Hier reichte die Betriebsleistung nicht mehr aus, um die operativen Aufwendungen abzudecken. 2,26 2,05 1,92 EBIT-Quote in % 2018 2019 2020 EBIT-Quote in % 2018 2019 2020 Unternehmensdurchschnitt 2,26 2,05 1,92 1. Quartil (untere 25 % der Unternehmen) 0,55 0,39 -0,13 Median (50 % der Unternehmen) 2,91 2,42 2,47 3. Quartil (obere 25 % der Unternehmen) 6,49 5,90 4,90 Sample bereinigt: 145 Kapitalgesellschaften EBIT-Quote = Betriebsergebnis in Prozent der Betriebsleistung 10 www.ak-salzburg.at
EIGENKAPITALRENTABILITÄT Ein weiteres Instrument zur Messung der Ertragskraft ist die Eigenkapitalrentabilität. Die Ergebnisse zeigen ganz klar: Aus der Eigentümerperspektive lohnt es sich auch weiterhin, Geld in die sehr erfolgreichen Salzburger Unternehmen zu investieren! Die durchschnittlichen Renditen lagen im gesamten Beobachtungszeitraum im zweistelligen Bereich. Auch 2020 wurde ein sehr lukrativer Wert von über 13 % erzielt. Im obersten Quartil konnte sogar ein sensationeller Wert von 23,5 % erreicht werden. Bei 10 % der untersuchten Betriebe verzinste sich das eingesetzte Kapital um mehr als 50 %. Der Medianwert zwischen 10,6 % und 13,3 % veranschaulicht aber deutlich, dass auch dem Mittelfeld eine attraktive Prämie für die Übernahme des unternehmerischen Risikos geboten wird. Vor allem in Anbetracht der niedrigen Zinslandschaft ist es für Investoren eindeutig höchst attraktiv und vorteilhaft, sich an den florierenden Salzburger Unternehmen zu beteiligen und ihr Kapital rentabel zu investieren. Ein Salzburger Unternehmen sprengt – nicht nur bei der Eigenkapitalrentabilität – alle Rekorde. Belässt man dieses Unternehmen in der Stichprobe, ergibt sich eine durchschnitt- liche Eigenkapitalrentabilität von 23,6 %. Für eine aussagekräftigere Kennzahl wurde es daher nicht in das Sample für die Rentabilität aufgenommen. 14,03 13,69 13,16 Eigenkapitalrentabilität in % 2018 2019 2020 Eigenkapitalrentabilität in % 2018 2019 2020 Unternehmensdurchschnitt 14,03 13,69 13,16 1. Quartil (untere 25 % der Unternehmen) 4,65 2,56 1,80 Median (50 % der Unternehmen) 13,34 10,64 11,71 3. Quartil (obere 25 % der Unternehmen) 26,23 26,88 23,49 Sample bereinigt: 145 Kapitalgesellschaften Eigenkapitalrentabilität = Jahresüberschuss im Verhältnis zum durchschnittlich eingesetzten Eigenkapital www.ak-salzburg.at 11
INVESTITIONSVERHALTEN Die Investitionspolitik der Unternehmen spielt sowohl für die Zukunft der Unternehmen als auch für den Wirtschaftsstandort Salzburg eine maßgebliche Rolle. Die durchschnittliche Investitionsneigung lag in allen drei Jahren deutlich über den Wertmin- derungen der Sachanlagen. Das ist grundsätzlich positiv und lässt auf hohe Investitionsbe- reitschaft schließen. Die Investitionen sind im Covid-19-Jahr jedoch zurückgegangen. 2018 investierte das beste Viertel noch fast 200 %, also fast doppelt so viel wie die Wertminde- rungen ausmachten. 2020 war es nur noch das Eineinhalbfache. Das unterste Viertel erreichte nur noch einen Wert von 62 %. Bei mehr als der Hälfte der Unternehmen befand sich die Inves- titionsneigung 2020 unter 100 %. Hier wurden die Wertverluste nicht ausgeglichen. Investitionen erfolgen in der Regel jedoch in Zyklen. Bei Betrachtung des gesamten Zeit- raumes von drei Jahren zeigt sich, dass nur 12 % der Unternehmen dauerhaft unter einer Investitionsneigung von 100 % lagen. Bei vielen Salzburger Unternehmen wurde der Standort in den letzten Jahren ausgebaut. Covid-19-bedingt wurde diese Entwicklung gebremst. Dies lässt sich auch aus der Entwick- lung des Anlagenabnutzungsgrades ableiten. 2019 waren die Sachanlagen durchschnittlich zu 62,4 % abgeschrieben. Durch die eher verhaltenen Investitionen konnte dieser Wert nur minimalst verbessert werden und wies 2020 einen Wert von 62,3 % auf. Bei einem Fünftel der Unternehmen lag der Anlagenabnutzungsgrad bereits bei über 80 %. Zur Sicherung der Wett- bewerbsfähigkeit und der Arbeitsplätze werden hier baldige Investitionen zu tätigen sein. 155,92 152,15 144,77 Investitionsneigung in % 2018 2019 2020 Investitionsneigung in % 2018 2019 2020 Unternehmensdurchschnitt 155,92 152,15 144,77 1. Quartil (untere 25 % der Unternehmen) 69,87 74,87 62,21 Median (50 % der Unternehmen) 115,84 111,77 94,20 3. Quartil (obere 25 % der Unternehmen) 191,91 164,63 155,16 Sample: 146 Kapitalgesellschaften Investitionsneigung = Investitionen in Sachanlagen im Verhältnis zur jährlichen Abschreibung Anlagenabnutzungsgrad = Kumulierte Abschreibungen Sachanlagen im Verhältnis zu ursprünglichen Anschaffungskosten 12 www.ak-salzburg.at
AUSSCHÜTTUNGSVERHALTEN Wie bereits dargestellt trat der befürchtete Einbruch bei den Unternehmensgewinnen nicht im prognostizierten Ausmaß ein. Dass sich die Investitionen in die Unternehmen aus Eigentü- mersicht rechnen, wird auch bei Betrachtung der Dividendenpolitik deutlich. Die Dividendenzahlungen befanden sich in den letzten Jahren vor der Covid-19-Krise auf Rekordniveau. 2018 wies die Ausschüttungsquote einen besonders hohen Wert von rund 90 % auf. Damit wurden die erzielten Jahresüberschüsse fast zur Gänze an die Eigentümer ausgezahlt. Ein Salzburger Unternehmen war dabei eindeutig Spitzenreiter mit einer Aus- schüttung von alleine 521 Mio Euro. 2019 kam es zu einer offensichtlichen Änderung des Ausschüttungsverhaltens. Die Unter- nehmen zahlten im Durchschnitt „nur noch“ rund 70 % der erzielten Jahresgewinne aus. Damit verringerte sich dieser Wert zwar, lag aber immer noch auf einem hohen Level. Begründen lässt sich dieser Rückgang mit dem Einfluss der Covid-19-Krise, wird die Ent- scheidung über die Gewinnverwendung eines Geschäftsjahres doch erst im Laufe des Folge- jahres – in diesem Fall in 2020 – gefällt. Trotz weiterhin anhaltender Krise wurden auch aus den in 2020 erzielten Jahresüberschüssen 1,8 Mrd Euro aus den Unternehmen abgezogen! Davon kamen allerdings 1,2 Mrd Euro aus einem einzigen Unternehmen. Bleibt für die rest- lichen 145 eine Dividendensumme von 564 Mio Euro. Das ergibt für diese eine immer noch beachtliche durchschnittliche Ausschüttungsquote von 66 %. Betrachtet man die Anzahl der ausschüttenden Unternehmen, zeigt sich, dass doch einige Unternehmen ihre Dividendenpolitik an die Krise angepasst haben: 2018 tätigten noch 77 der untersuchten Unternehmen eine Ausschüttung, 2020 waren es nur noch 42. In weiterer Folge wird sich auch zeigen, ob die Nichtausschüttung dieser Gewinne dauerhaft beschlossen oder der Kapitalabfluss nur auf die lange Bank geschoben wurde. 88,77 68,51 66,17 Ausschüttungsquote in % 2018 2019 2020 Ausschüttungsquote in % 2018 2019 2020 Unternehmensdurchschnitt 88,77 68,51 66,17 Sample bereinigt: 145 Kapitalgesellschaften Ausschüttungsquote = Ausschüttungen im Verhältnis zum erzielten Jahresüberschuss www.ak-salzburg.at 13
PRO-BESCHÄFTIGTEN- KENNZAHLEN Wie es um die innerbetriebliche Verteilungsgerechtigkeit bestellt ist, zeigt auch der Blick auf die Pro-Kopf-Kennzahlen. Betrachtet wurde die Entwicklung des durchschnittliche Brutto- verdienstes, der erwirtschafteten Wertschöpfung und des erzielte Gewinnes vor Steuern. Die Pandemie hat hier ganz eindeutig ihre Spuren hinterlassen. Der durchschnittliche jährliche Bruttoverdienst pro Kopf erhöhte sich in den letzten drei Jahren mit einem Plus von 1,37 % nur leicht auf 34.807 Euro. Von 2019 auf 2020 war sogar ein leichtes Minus zu verzeichnen. Einen nicht unwesentlichen Einfluss hatte hier die Kurz- arbeit und die dadurch verminderten Bezüge. Die von den Beschäftigten pro Kopf erwirtschaftete Wertschöpfung stieg von 2018 auf 2019 noch leicht an. Im Krisenjahr schrumpfte sie um -2,5 %. Dies wirkte sich auch auf die erwirt- schafteten Gewinne aus. Pro Beschäftigten wurde 2020 ein Gewinn in Höhe von 10.050 Euro erzielt. Das entsprach einem Rückgang von rund -1 % im Beobachtungszeitraum. 63.549 63.817 61.990 Veränderung 35.116 34.807 Pro-Kopf-Kennzahlen 34.337 in % 10.157 10.215 10.050 2018 2019 2020 Bruttoverdienst Wertschöpfung Gewinn vor Steuern Pro Beschäftigten in EUR 2018 2019 ▲in % 2020 ▲in % ▲18/20 in % Bruttoverdienst 34.337 35.116 2,27 34.807 -0,88 1,37 Wertschöpfung 63.549 63.817 0,42 61.990 -2,86 -2,45 Gewinn 10.157 10.215 0,57 10.050 -1,62 -1,06 Sample bereinigt: 145 Kapitalgesellschaften 14 www.ak-salzburg.at
GLOSSAR §§ Anlagenabnutzungsgrad = Kumulierte Abschreibungen Sachanlagen im Verhältnis zu ursprünglichen Anschaffungskosten §§ Ausschüttungsquote = Ausschüttungen im Verhältnis zum erzielten Jahresüberschuss §§ Betriebsleistung = Gesamtes Produktionsvolumen eines Unternehmens = Umsatzerlöse +/- Bestandsveränderungen + Eigenleistungen + sonstige ordentliche Erträge §§ Bruttoverdienst pro Beschäftigtem = Bruttolohn- und Gehaltssumme dividiert durch Anzahl der Beschäftigten §§ EBIT (Earnings before Interest and Tax) = Operatives Ergebnis (Betriebsergebnis) §§ EBIT-Quote = Betriebsergebnis in Prozent der Betriebsleistung §§ Eigenkapitalquote = Eigenkapital in Prozent des Gesamtkapitals §§ Eigenkapitalrentabilität = Jahresüberschuss im Verhältnis zum durchschnittlich eingesetzten Eigenkapital §§ Gewinn pro Beschäftigtem = Summe der Jahresgewinne dividiert durch die Anzahl der Beschäftigten §§ Investitionsneigung = Investitionen in Sachanlagen im Verhältnis zur jährlichen Abschreibung §§ Liquidität = Kurzfristiges Vermögen im Verhältnis zum kurzfristigen Fremdkapital §§ Wertschöpfung = Wert, der den zugekauften Sach- und Dienstleistungen im betrieblichen Produktions- und Leistungsprozess hinzugefügt wird §§ Wertschöpfung pro Beschäftigtem = Summe der Wertschöpfung dividiert durch Anzahl der Beschäftigten www.ak-salzburg.at 15
AK.AT/FÜRDICH GERECHTIGKEIT #FÜRDICH Die Arbeiterkammer setzt sich für die Rechte der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen ein. #FÜRDICH und die soziale Gerechtigkeit in Österreich.
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