Schnellein schätzung Steuerreform 2021 - Momentum Institut
←
→
Transkription von Seiteninhalten
Wenn Ihr Browser die Seite nicht korrekt rendert, bitte, lesen Sie den Inhalt der Seite unten
Schnellein schätzung Steuerreform 2021 / Autor:innen: Joel Tölgyes, Mattias Muckenhuber, Alexander Huber, Sophie Achleitner, Anna Pixer, Oliver Picek / Oktober 2021
/ Die Analyse der Steuerreform 2021 zeigt ein sehr durchwachsenes Bild: Für das Klima reicht es bei weitem nicht – dazu ist der nun eingeführte CO2- Preis einfach zu gering. Die Tarifsenkungen der Einkommensteuer, der ausgeweitete Familienbonus und die Begünstigung von Mitarbeiter:innen- Beteiligungen kommen vor allem Mittel- und Besserverdiener:innen zugute. Problematisch sind die gegen Expert:innenrat durchgeführten Senkungen bei der Körperschaftsteuer – sie bringen kleinen Unternehmen gar nichts, belasten das Budget aber dauerhaft. Positive Effekte auf Wachstum und Investitionen sind bestenfalls umstritten; unter Verteilungs-Gesichtspunkten gesehen profitiert vor allem das reichste Prozent der Haushalte. / 2 / Momentum Institut /
/ UMWELTSTEUERN
Der geplante CO2-Preis von EUR 30 pro Tonne ist zu niedrig, um die not
wendigen Lenkungswirkungen zu erreichen. Hier wäre ein Einstiegspreis von
EUR 50–60 mit mittelfristigem Anstieg auf über EUR 100 notwendig gewe
sen. Die Rückverteilung über einen pauschalen Klimabonus ist besonders für
niedrige Einkommen wichtig, die regionale Komponente sorgt für Treffsicher
heit. Was fehlt ist aber eine gezielte Unterstützung für Mieter:innen. Diese
können nicht direkt entscheiden, womit sie heizen wollen, denn der Heizungs
tausch obliegt den Vermieter:innen.
Die Regierung plant ab Mitte 2022 einen CO2-Preis einzuführen. Dieser soll zu-
nächst EUR 30 pro Tonne CO2-Äquivalent betragen. Der Preis soll dann über die
Zeit auf EUR 55 pro Tonne im Jahr 2025 ansteigen. Damit erhöhen sich die Kosten
für Treibstoffe um 7,6–8,8 Cent pro Liter im Jahr 2022. Bis zum Jahr 2025 steigen
die zusätzlichen Kosten auf 14,1–16,2 Cent pro Liter. Der Preis für Heizöl steigt zu-
nächst um 9,7 Cent pro Liter. Ab 2025 wird Heizöl dann um 17,8 Cent pro Liter teurer
sein als heute. Die Gaspreise werden durch die CO2-Steuer um 0,7 bis 1,3 Cent pro
Kilowattstunde steigen.
/ Was bedeutet der CO2-Preis konkret an der Zapfsäule/bei der Heizung?
Energieträger Preisanstieg 30€/Tonne Preisanstieg 55€/Tonne
Diesel 8,8 Cent/Liter 16,2 Cent/Liter
Benzin 7,6 Cent/Liter 14,1 Cent/Liter
Heizöl 9,7 Cent/Liter 17,8 Cent/Liter
Gas 0,7 Cent /kWh 1,3 Cent/kWh
/ Öl- und Gasheizungen in Wohnungen in Österreich:
Österreich Wien
absolut relativ absolut relativ
Heizöl 508 861 12,8% 10 175 1,1%
Erdgas 910 736 23,0% 442 287 48,5%
Auf das Jahr gerechnet, bedeutet das für Haushalte, die mit Gas oder Heizöl heizen,
eine durchschnittliche Mehrleistung von rund EUR 130 für die CO2-Steuer auf Gas
und Heizöl. Für Autofahrer:innen bedeutet die CO2-Steuer zusätzliche Ausgaben
von rund EUR 140 pro Jahr für die CO2-Steuer auf Treibstoffe.
Für eine eindeutige Lenkungswirkung wird diese Höhe zu gering sein. Kurzfristig
hätte der CO2-Preis zumindest EUR 50–60 betragen sollen, mit einer deutlichen
Steigerung auf über EUR 100 pro Tonne im Jahr 2030. Insbesondere beim österrei-
chischen Klima-Sorgenkind, dem Verkehrssektor, müsste eine sehr deutliche Reduk-
tion der Treibhausgasemissionen stattfinden, um die Klimaziele zu erreichen. In die-
sem Zusammenhang wäre auch die Abschaffung des Dieselprivilegs eine überfällige
Maßnahme, um die klimaökonomisch unbegründete Subventionierung von Diesel zu
beenden. Auch eine Abschaffung des Dienstwagenprivilegs und eine sozial-ökologi-
sche Reform des Pendlerpauschales – etwa durch einen verpflichtenden Nachweis
der Öffi-Nutzung und eine Umwandlung in einen Absetzbetrag – wären sinnvolle
steuerpolitische Maßnahmen. Bleibt es beim vorgesehenen niedrigen CO2-Preis-
pfad, so werden im Verkehrssektor flankierende ordnungspolitische Maßnahmen
notwendig. Beispiele wären niedrigere Tempolimits auf Autobahnen, autofreie Zonen
/ 3 / Momentum Institut /in Städten oder die Ausweitungen von Parkraumbewirtschaftungen. Außerdem müs-
sen insbesondere auch regionale öffentliche Verkehrssysteme ausgebaut werden.
Auch Konzepte für die „letzte Meile“, also den Weg zwischen letzter Öffi-Haltestelle
und dem Reiseziel, müssen ausgearbeitet werden.
Wie hoch müsste eine CO2-Steuer sein?
Preis pro Liter Eurosuper 95 Preis 10/2021 inkl. € 30/t CO2-Steuer Preis 10/2021 inkl. € 55/t CO2-Steuer
1,8
1,6
1,4
Preis in Euro pro Liter
1,2
1,0
0,8
0,6
0,4
0,2
0,0
2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021
Anmerkung: Preise inkl. CO2-Steuern ausgehend von Preisen am 04.10.2021
Quellen: Weekly Oil Bulletin, EU-Kommission, Eigene Berechnung
CO2-Preis: Rückverteilung höher als direkte Steuerleistung
Haushalte zahlen nicht nur für's Tanken und Heizen mehr (hier dargestellt), sondern auch für alle anderen
Produkte. Denn Unternehmen geben die höheren Kosten für Produktion & Lieferung an die Haush
CO2-Steuerleistung Ökobonus Ökobonus ohne regionale Komponente
2,0 %
Jährliche Steuerleistung & Rückverteilung
(In Prozet des Haushaltseinkommens)
1,5 %
1,0 %
0,5 %
0,0 %
1. Fünftel 2. Fünftel 3. Fünftel 4. Fünftel 5. Fünftel
(Niedrigste Einkommen) (Mittlere Einkommen) (Höchste Einkommen)
Anmerkung: CO2-Preis von 30€/Tonne und Rückverteilung von 100€ pro Erwachsenen & Annäherung regionale Komponente über EUROSTAT
Degree of Urbanisation. (0€ für Wien, 33 Euro für hohe Bevölkerungsdichte in den übrigen Bundesländern, 50€ für mittlere Diche & 100 € für
niedrige Dichte). Zuschlag von 50% pro Kind. Das Haushaltseinkommen wurde äquivalisiert, um Haushalte mit unterschiedlicher
Zusammensetzung miteinander vergleichen zu können.
Quelle: Statistik Austria, Konsumerhebung 2014/15, Eigene Berechnung.
/ 4 / Momentum Institut // Klimabonus
Als soziale Ausgleichsmaßnahme hat sich die Regierung für eine Rückverteilung der
CO2-Steuereinnahmen über einen Pro-Kopf-Pauschalbetrag („Klimabonus“) entschie-
den. Dieser soll für Erwachsene grundsätzlich EUR 100 pro Person betragen. Dazu
kommt außerdem eine regionale Komponente. In ländlicheren Gebieten mit schlechterer
Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel werden damit zusätzlich zwischen EUR 33 und
100 pro Person ausgezahlt. Erwachsene in ländlichen Gebieten bekommen somit bis
zu EUR 200. Die regionale Klassifizierung soll durch die Statistik Austria ausgearbeitet
werden. Außerdem soll pro Kind jeweils die Hälfte des Klimabonus für Erwachsene aus-
gezahlt werden. Kinder erhalten somit zwischen EUR 50 und 100 an Klimabonus.
Die Rückerstattung fällt im Vergleich zur Steuer vom Volumen her sehr großzügig
aus (EUR 540 Mio. im Haushaltssektor vs. EUR 790 Mio. EUR 1,24 Mrd. für Rück-
verteilungsmaßnahmen an Haushalte). Teilweise ist das auch dadurch zu rechtferti-
Wiedass
gen, hoch müssteauch
Haushalte eine
fürCO2-Steuer
eine höhere indirekte sein?Steuerleistung entlastet werden
sollen. Diese entsteht dadurch, dass Unternehmen die Kosten für eine CO2-Steuer
Preis pro Liter Eurosuper 95 Preis 10/2021 inkl. € 30/t CO2-Steuer Preis 10/2021 inkl. € 55/t CO2-Steuer
über höhere Preise an Haushalte weitergeben können. Im Verhältnis zu ihrem Ein-
kommen profitieren Haushalte mit niedrigerem Einkommen stärker von der Rück-
1,8
verteilung als Haushalte mit hohem Einkommen. Aus sozialpolitischer Sicht ist das
sinnvoll,1,6denn Haushalte mit niedrigerem Einkommen wenden auch einen größeren
Teil ihres
1,4 Einkommens für die CO2-Steuer auf als Haushalte mit hohem Einkommen.
Gleichzeitig nimmt die regionale Komponente Rücksicht auf die Verfügbarkeit von kli-
Preis in Euro pro Liter
1,2
mafreundlichen Alternativen. Das ist umweltökonomisch sinnvoll, schließlich können
Haushalte1,0 ohne entsprechende öffentliche Verkehrsanbindung ihr Verkehrsverhalten
nicht so0,8leicht anpassen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang aber eine treffsichere
Klassifizierung, um den regionalen Klimabonus gezielt ausschließlich jenen Haushal-
0,6
ten zukommen zu lassen, die keine klimafreundlichen Alternativen zur Verfügung ha-
ben. Andernfalls
0,4 wird die Lenkungswirkung der CO2-Steuer unnötig abgeschwächt.
0,2
Was allerdings
0,0
fehlt ist eine Regelung für Mieter:innen. Sie können nicht direkt ent-
scheiden,2005womit2006 sie heizen wollen.
2007 2008 2009Der 2010
Heizungstausch obliegt
2011 2012 2013 2014 den
2015Vermieter:innen.
2016 2017 2018 2019 2020 2021
Gleichzeitig müssen Mieter:innen aber für die CO2-Steuer aufkommen, während
Vermieter:innen nicht belastet werden und damit keinen Anreiz zum Heizungstausch
Anmerkung: Preise inkl. CO2-Steuern ausgehend von Preisen am 04.10.2021
bekommen. Hier
Quellen: Weekly Oil empfiehlt
Bulletin, sich einerseits
EU-Kommission, ein gezielter Wohnkostenbonus. Anderer-
Eigene Berechnung
seits könnte auch eine Kostenteilung zwischen Vermieter:innen und Mieter:innen ge-
setzlich festgelegt werden.
CO2-Preis: Rückverteilung höher als direkte Steuerleistung
Haushalte zahlen nicht nur für's Tanken und Heizen mehr (hier dargestellt), sondern auch für alle anderen
Produkte. Denn Unternehmen geben die höheren Kosten für Produktion & Lieferung an die Haush
CO2-Steuerleistung Ökobonus Ökobonus ohne regionale Komponente
2,0 %
Jährliche Steuerleistung & Rückverteilung
(In Prozet des Haushaltseinkommens)
1,5 %
1,0 %
0,5 %
0,0 %
1. Fünftel 2. Fünftel 3. Fünftel 4. Fünftel 5. Fünftel
(Niedrigste Einkommen) (Mittlere Einkommen) (Höchste Einkommen)
Anmerkung: CO2-Preis von 30€/Tonne und Rückverteilung von 100€ pro Erwachsenen & Annäherung regionale Komponente über EUROSTAT
Degree of Urbanisation. (0€ für Wien, 33 Euro für hohe Bevölkerungsdichte in den übrigen Bundesländern, 50€ für mittlere Diche & 100 € für
niedrige Dichte). Zuschlag von 50% pro Kind. Das Haushaltseinkommen wurde äquivalisiert, um Haushalte mit unterschiedlicher
Zusammensetzung miteinander vergleichen zu können.
Quelle: Statistik Austria, Konsumerhebung 2014/15, Eigene Berechnung.
/ 5 / Momentum Institut // EINKOMMENSTEUER
Die Einkommensteuerreform kommt vor allem mittleren und hohen Einkom
men zugute. Die Senkung der Krankenversicherungsbeiträge und die Erhö
hung des SV-Bonus erreicht zwar auch kleine Einkommen, absolut profitieren
aber die reichsten 10 % der Erwerbstätigen mit über EUR 1.300 netto pro Jahr
Wer profitierte
am stärksten. Auchprozentuell am meisten
mit dem Familienbonus von derKinder
bekommen erstenvonEtappe
einkom der
Steuerreform?
mensstarken Eltern (trotz Erhöhung des Kindermehrbetrags) mehr als jene
Die
von„untere
ElternMittelschicht“
mit niedrigem profitierte im Verhältnis
Einkommen. zu ihrem Einkommen
Eine Erhöhung am stärksten von
der Familienbeihilfe um der ersten Etappe
der Steuerreform.
rund 17 % wäre bei denselben Kosten wesentlich verteilungsgerechter.
2,0 %
/ ESt-Senkung: 1,56 %
1,53 %
1,5 %
/ Inhalt:
1,14 %
Zweite und dritte Steuerstufe werden gesenkt (35 auf 30 %, 42 auf 40 %)
0,96 %
1,0 %
/ Ab welchem Einkommen profitiert man von der jeweiligen Senkung? 0,72 %
35 auf 30 %: Zwischen EUR 1.800 und 1.900; voller Betrag (EUR 650 netto pro Jahr
zwischen
0,5 % EUR 3.100 und 3.200)
42 auf 40 %: Zwischen EUR 3.100 und 3.200; voller Betrag (EUR 580 netto pro Jahr
zwischen EUR 6.000 und 6.100)
Ab%EUR 6.000/6.100 brutto pro Monat bekommt man also EUR 1.230 netto pro Jahr.
0,0
1. Fünftel 2. Fünftel 3. Fünftel 4. Fünftel 5. Fünftel
(Niedrigste Einkommen) (Mittlere Einkommen) (Höchste Einkommen)
/ Einschätzung:
Die Senkung der Steuersätze der zweiten und dritten Tarifstufe bringt vor allem der
oberen
Quelle: Mittelschicht
Eigene bzw. hohen
Einkommen etwas. Mit einem mittleren Einkommen
Berechnung, SORESI
von EUR 2.100 bekommt man durch die zweite Etappe der Steuerreform gerade ein-
mal EUR 137 pro Jahr mehr. Ab einem Bruttomonatseinkommen von EUR 6.000 sind
es dagegen jährlich EUR 1.230 mehr.
Einkommenszuwachs durch die 2. Etappe der Steuerreform (2022)
Mittleres Einkommen 2019
EUR 1.500
Jährlicher Einkommenszuwachs durch Steuerreform
EUR 1.200
EUR 900
EUR 600
EUR 300
0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 3.500 4.000 4.500 5.000 5.500 6.000 6.500 7.000
Laufendes monatliches Bruttoeinkommen
Quellen: Eigene Berechnung
/ 6 / Momentum Institut /Das spiegelt sich auch in der Verteilungsanalyse wider: Während im ersten Einkom-
mensfünftel (niedrigste Einkommen) niemand von der geplanten Tarifsenkung pro-
fitiert, haben fast alle Menschen im obersten Einkommensfünftel nach der Reform
mehr Geld zur Verfügung.
Senkung der Steuersätze der 2. und 3. Tarifstufe
Von der 2. Etappe der Steuerreform werden vor allem Menschen mit hohem Einkommen profitieren.
Profitieren Profitieren nicht
100 % 6,9 % 1,5 %
21,6 %
80 %
91,4 % 98,5 %
60 %
100 %
93,1 %
40 % 78,4 %
20 %
8,6 %
0%
1. Fünftel 2. Fünftel 3. Fünftel 4. Fünftel 5. Fünftel
(Niedrigste Einkommen) (Mittlere Einkommen) (Höchste Einkommen)
Quelle: Eigene Berechnung, SORESI
Auch der durchschnittliche Einkommenszuwachs ist bei Menschen mit hohen Ein-
kommen größer. Während sich im ersten Einkommensfünftel kein Einkommenszu-
wachs abzeichnet, sind es im obersten Einkommensfünftel fast 1,9 Prozent.
Was bringt die 2. Etappe der Steuerreform?
Wer profitiert
Wie sich prozentuell
die durchschnittlichen am meisten von der
Nettomonatseinkommen 2.die
durch Etappe
Senkungder Steuerreform?
der Steuersätze der 2. und 3.
Von der Senkung
Tarifstufe von 35 der
auf Steuersätze
30 % und vonder
422.auf
und403.%Tarifstufe
verändern von 35 auf
– von den30 % und vonbis
niedrigsten 42zu
auf 40höchsten
den % profitiert
fast ausschließlich die obere Hälfte der Einkommensverteilung.
Einkommen.
Nettoeinkommen vor Reform Zusätzliches Nettoeinkommen nach der Reform
2,0 % 1,87 %
EUR 5.000 1,66 %
81
1,5 %
EUR 4.000
EUR
1,0 %3.000 43
0,75 %
15
EUR 2.000 4.339
0,5 % 1
2.5884
EUR 1.000 1.989
0,07 %
0,0 % 0 1.429
0,0 %
527
1. Fünftel 2. Fünftel 3. Fünftel 4. Fünftel 5. Fünftel
(Niedrigste Einkommen) (Mittlere Einkommen) (Höchste Einkommen)
1. Fünftel 2. Fünftel 3. Fünftel 4. Fünftel 5. Fünftel
(Niedrigste Einkommen) (Mittlere Einkommen) (Höchste Einkommen)
Quelle: Eigene Berechnung, SORESI
Amerkung: Werte in Euro
Quellen: Eigene Berechnung, SORESI
Kalte Progression seit 2009 wurde bislang nicht vollständig abgegolten
EUR 2.500 Mio.
Bereits im Jahr 2026 wird die
EUR 2.000 Mio. kalte Progression die Entlastung
durch die Steuerreform wieder
aufgefressen haben
EUR 1.500 Mio.
/ 7 / Momentum Institut /
EUR 1.000 Mio.
EUR 500 Mio.Von der Senkung der Steuersätze der 2. und 3. Tarifstufe von 35 auf 30 % und von 42 auf 40 % profitiert
Wer profitiert prozentuell
fast ausschließlich die obere Hälfte am meisten von der 2. Etappe der Steuerreform?
der Einkommensverteilung.
Von der Senkung der Steuersätze der 2. und 3. Tarifstufe von 35 auf 30 % und von 42 auf 40 % profitiert
fast ausschließlich die obere Hälfte der Einkommensverteilung.
2,0 % 1,87 %
1,66 %
/ Kalte Progression:
2,0 % 1,87 %
1,5 % 1,66 %
Die 1,5Senkung
% der zweiten und dritten Steuerstufe ab 2022 sorgt für eine Entlastung
der1,0Lohn-
% und Einkommenssteuerpflichtigen von EUR 2,8 Mrd. Auch die Senkung
der ersten Stufe ab 2020 zeigt noch Wirkung. Von einer tatsächlichen Entlastung
0,75 %
kann1,0 jedoch
% nicht die Rede sein, denn rechnet man bis 2009 zurück, wurde die kalte
Progression
0,5 % der letzten 12 Jahre nicht einmal vollständig
0,75 % abgegolten. Auch der ent-
lastende Effekt der jetzigen Tarifsenkung wird bereits im Jahr 2026 wieder verpufft
sein.
0,5 %Höhere Inflation und schnelleres
0,07 % Lohnwachstum lassen die kalte Progression
0,0 %
in den
0,0 % kommenden Jahren umso stärker wirken.
1. Fünftel 2. Fünftel
0,07 % 3. Fünftel 4. Fünftel 5. Fünftel
(Niedrigste0,0 %
Einkommen) (Mittlere Einkommen) (Höchste Einkommen)
Im 0,0
Zeitraum
% bis 2028 betrachtet ergeben sich dadurch für den Staat Mehreinnahmen
in Höhe von
Quelle: Eigene EUR 7,8
1. Fünftel
Berechnung,
(Niedrigste
Mrd., während
SORESI
Einkommen)
2. Fünftel
durch die Senkung
3. Fünftel
der Körperschaftsteuer
(Mittlere Einkommen)
4. Fünftel
im 5. Fünftel
(Höchste Einkommen)
gleichen Zeitraum EUR 5,3 Mrd. an Steuereinnahmen verloren gehen. Die Senkung
der Steuerstufen
Quelle: Eigene Berechnung, beiSORESI
der Lohn- und Einkommensteuer ist also eine temporäre Maß-
nahme, während Unternehmen durch die KöSt-Senkung dauerhaft entlastet werden.
Kalte Progression seit 2009 wurde bislang nicht vollständig abgegolten
Kalte Progression
EUR 2.500 Mio. seit 2009 wurde bislang nicht vollständig abgegolten
Bereits im Jahr 2026 wird die
EUR kalte Progression die Entlastung
EUR2.000
2.500 Mio.
Mio.
durch die Steuerreform wieder
Bereits imaufgefressen
Jahr 2026 wird die
haben
EUR2.000
EUR 1.500 Mio.
Mio. kalte Progression die Entlastung
durch die Steuerreform wieder
EUR aufgefressen haben
EUR1.000
1.500 Mio.
Mio.
EUR1.000
EUR 500 Mio.
Mio.
0
EUR 500 Mio.
EUR - 500 Mio.
0
EUR
EUR-1.000
- 500 Mio.
Mio.
2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028
EUR -1.000 Mio.
2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028
Quelle: VGR, OeNB, Statistik Austria, Eigene Berechnungen
Quelle: VGR, OeNB, Statistik Austria, Eigene Berechnungen
Kalte Progression frisst Effekte der Steuerreform bald wieder auf
2028 übersteigt die Belastung die Entlastung bereits um 53 %. Unternehmen profitieren hingegen
Kalte Progression
dauerhaft frisst Effekte der Steuerreform bald wieder auf
von der KÖSt-Senkung
2028 übersteigt die Belastung die Entlastung bereits um 53 %. Unternehmen profitieren hingegen
dauerhaft
9 von der KÖSt-Senkung
Einnahmen
in Mrd. EUR
9
Einnahmen
6 Kalte Progression
in Mrd. EUR
und verlorene
7,8
2022-2028
6 Kalte Progression
3
und verlorene
7,8
2022-2028
Einnahmen
3
durch Steuerreform
0
Körperschaftssteuer Lohnsteuer
Einnahmen
durch Steuerreform
0 -5,3 -5,1
Tatsächliche
-3
Körperschaftssteuer Lohnsteuer
-5,3 -5,1
Tatsächliche
-3
-6
-6
Quelle: SORESI, SABINA, VGR, Budgetdienst, eigene Berechnungen
Quelle: SORESI, SABINA, VGR, Budgetdienst, eigene Berechnungen
/ 8 / Momentum Institut // Familienbonus und
Kindermehrbetrag:
/ Inhalt:
Familienbonus Plus: Erhöhung von EUR 1.500 auf EUR 2.000 pro Kind (jährlich)
Kindermehrbetrag: Erhöhung von EUR 250 auf EUR 450 pro Kind (jährlich)
/ Einschätzung:
Statt um EUR 250 wird der Familienbonus jetzt um EUR 500 pro Kind erhöht. Der
Familienbonus nutzt als Steuerabsetzbetrag vor allem höheren Einkommen. In den
beiden untersten Einkommensfünfteln kommt die Erhöhung des Familienbonus so
gut wie gar nicht an, zu einem hohen Anteil wirkt der Familienbonus erst bei den
obersten Einkommen. Dem entgegenwirken soll der Kindermehrbetrag. Auch dieser
wird von EUR 250 auf EUR 450 erhöht.
Ob es auch eine Ausweitung des Kindermehrbetrags geben wird, blieb vorerst offen.
Aktuell steht dieser nur Alleinerziehenden und Alleinverdienenden zu, die so wenig
verdienen, dass sie kaum oder gar keine Lohn- und Einkommensteuer zahlen. Unter
der Annahme, dass dies so bleibt, wirkt sich eine Erhöhung des Familienbonus und
Kindermehrbetrags vor allem auf mittlere und höhere Einkommen aus. In diesen
Einkommensgruppen profitieren deutlich mehr Menschen von der Reform. In den
untersten beiden Einkommensfünfteln hingegen profitieren nur zwei bzw. vier Pro-
zent der Menschen.1
Unter denen, die profitieren, bekommen jene im obersten Einkommensfünftel am
meisten. Dort bleiben durch die Reform im Durchschnitt jährlich EUR 540 bzw.
EUR 732 mehr. Der Kindermehrbetrag wirkt im untersten Fünftel, das zweite Fünftel
hingegen bekommt im Schnitt lediglich EUR 72 mehr im Jahr.
Erhöhung des Familienbonus Plus und Kindermehrbetrags begünstigt mittlere
und hohe Einkommen stärker
Profitiert Profitiert nicht
100 %
80 %
98 % 96 % 86 % 79 % 69 %
60 %
40 %
20 %
21 % 31 %
14 %
2% 4%
0%
1. Fünftel 2. Fünftel 3. Fünftel 4. Fünftel 5. Fünftel
(Niedrigste Einkommen) (Mittlere Einkommen) (Höchste Einkommen)
Quelle: Eigene Berechnung, SORESI
Höhere Einkommen profitieren deutlich stärker von Erhöhung des
Familienbonus Plus
EUR 800 732
EUR 700
/ 9 / Momentum Institut /
EUR 600 540
EUR 50040 %
20 %
21 % 31 %
14 %
2% 4%
Eine Erhöhung
0% der Familienbeihilfe in gleicher Höhe (EUR 496 Mio.) würde sich
wesentlich gleicher auf die Einkommensfünftel
1. Fünftel 2. Fünftel verteilen
3. Fünftel und auch mehr
4. FünftelMenschen 5. Fünftel
(Niedrigste Einkommen) (Mittlere Einkommen) (Höchste Einkommen)
begünstigen. Vor allem niedrige Einkommen würden dazu im Vergleich zur Reform
des Familienbonus
Quelle: Eigene Berechnung,und Kindermehrbetrags besser aussteigen.
SORESI
Höhere Einkommen profitieren deutlich stärker von Erhöhung des
Familienbonus Plus
EUR 800 732
EUR 700
EUR 600 540
EUR 500
EUR 400
300
EUR 300
216
EUR 200
72
EUR 100
EUR 0
1. Fünftel 2. Fünftel 3. Fünftel 4. Fünftel 5. Fünftel
(Niedrigste Einkommen) (Mittlere Einkommen) (Höchste Einkommen)
Quelle: Eigene Berechnung, SORESI
Von einer Erhöhung der Familienbeihilfe profitieren alle – unabhängig von der
Höhe des Einkommens
Familienbonus + KMB Familienbeihilfe
40 %
37 %
35 %
31 %
29 %
30 % 27 %
25 % 23 % 23 %
21 %
20 %
14 %
15 %
10 %
4%
5% 2%
0%
1. Fünftel 2. Fünftel 3. Fünftel 4. Fünftel 5. Fünftel
(Niedrigste Einkommen) (Mittlere Einkommen) (Höchste Einkommen)
Quelle: Eigene Berechnung, SORESI
/ 10 / Momentum Institut // SV-Beiträge
/ Inhalt:
Die Krankenversicherungs-Beiträge sollen ab Juli 2022 für kleine Einkommen redu-
ziert werden. Geplant ist eine Senkung von 1,7 Prozentpunkten ab der Geringfügig-
keitsgrenze (derzeit EUR 475,86 brutto), die sich bis EUR 2.600 brutto stufenweise
auf 0 reduziert.
Von der Steuerreform profitieren vor allem Menschen mit hohem Einkommen
SV-Bonus & KV-Beiträge 25 auf 20 % 35 auf 30 % 42 auf 40 %
Ab EUR 6.000 brutto profitiert man mit EUR 1.580 netto
pro Jahr maximal von allen drei Steuersenkungen.
EUR 2000
Jährlicher Einkommenszuwachs durch
Nur 10 von 100 Österreicher:innen verdienen monatlich mehr als EUR 4.750.
Sie profitieren mit EUR 1.300 pro Jahr oder mehr von der Reform.
EUR 1500
Steuerreform (netto)
Die Hälfte der Österreicher:innen verdient monatlich weniger als
EUR 1000 EUR 2.100. Sie profitieren mit EUR 700 pro Jahr oder weniger
von der Reform.
EUR 500
EUR 0
0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 3.500 4.000 4.500 5.000 5.500 6.000 6.500 7.000
Laufendes monatliches Bruttoeinkommen
Quelle: Eigene Berechnung // Die orange Fläche beinhaltet die Senkung der Krankenversicherungsbeiträge für
Einkommen unter EUR 2.600 brutto sowie die Erhöhung des SV-Bonus sowie des erhöhten Verkehrsabsetzbetrages um
EUR 100. Die restlichen Flächen beinhalten die Senkung der Steuersätze der ersten drei Tarifstufen
(von 25 auf 20 %, von 35 auf 30 % und von 42 auf 40%)
/ Einschätzung:
Die KV-Beiträge wurden gesenkt, um auch niedrigste Einkommen zu entlasten. Das
Ziel wurde erreicht, da auch Einkommen profitieren, bei denen eine reine Steuersen-
Männer profitieren mehr als doppelt so stark von der
kung nicht greifen würde. Vergleicht man die Höhe der Einkommenszuwächse durch
Einkommensteuersenkung als Frauen
die gesamte Reform, zeigt sich aber, dass sie für die Hälfte der Erwerbstätigen ver-
gleichsweise gering ausfallen (rund EUR 700 netto pro Jahr oder weniger), während
576
Durchschnittlicher jährlicher Einkommensgewinn
die 10 EUR
% der
600einkommensstärksten Erwerbstätigen mit EUR 1.300 netto oder mehr
pro Jahr profitieren.
EUR 500
Dazu kommt:
EUR 400
Eine Gegenfinanzierung ist zwar versprochen (was wichtig ist, weil
sonst Geld in der Krankenversicherung fehlt), die genaue Ausgestaltung fehlt aber
noch. Wichtig
EUR 300 wäre eine jährliche Valorisierung des steuerlichen Ersatzes der Bei-
240
tragsausfälle, sodass den Krankenkassen kein ungewollter Spardruck wegen zu ge-
ringer realer
EUR 200Einnahmen entsteht.
EUR 100
EUR 0
Frauen Männer
Anmerkung: Steuersenkung der 2. und 3. Tarifstufe (35 auf 30 %, 42 auf 40 %)
Quelle: Eigene Berechnung, SORESI
/ 11 / Momentum Institut /Der Löwenanteil der Körperschaftsteuersenkung geht an die reichsten 10 %
/der
KÖRPERSCHAFTSTEUER
Haushalte
Von der Senkung
Reichste 10 % der Körperschaftsteuer
Untere 90 % (KöSt) profitiert nur ein Bruchteil
der Unternehmen: Sehr gewinnstarke Großunternehmen und in Folge deren
Eigentümer:innen erhalten ein Steuergeschenk mit hohen jährlichen Kosten
von EUR 774 Mio. Das forciert die Ungleichheit 86,1
in Österreich
% und garantiert
keinesfalls den gewünschten Wachstums-Effekt.
/ KöSt-Senkung:
/ Inhalt:
2%ige KöSt-Senkung von 25 % auf 23 %, die stufenweise stattfindet (2023 & 2024).
Die geschätzten budgetären Mindereinnahmen liegen bei EUR 774 Mio. pro Jahr auf
Dauer.
13,9 %
/ Einschätzung:
Die Senkung der KöSt ist ein weiteres Zugeständnis an große und gewinnstarke
Unternehmen. Nur knapp 3.000 Großunternehmen (1,9 % der Unternehmen) lukrie-
Quelle: Eigene Berechnung, HFCS 2010, 2014
ren drei Viertel der KöSt-Steuerleistung. Eine Senkung der Steuer nützt folgerichtig
vor allem sehr profitablen Großunternehmen und Konzernen.
Wer profitiert von der KöSt Senkung?
Rund 3.000 Unternehmen (1,9% aller Unternehmen) erhalten drei Viertel der Steuersenkung.
Unter EUR 1 Mio. zu versteuerndes Einkommen Über EUR 1 Mio. zu versteuerndes Einkommen
97,3 %
100 %
80 % 74,9 %
60 %
40 %
25,1 %
20 %
1,9 %
0%
Anteil Unternehmen Anteil KöSt
Quelle: Eigene Berechnung, Statistik Austria, Körperschaftsteuerstatistik 2016
Von einer KöSt-Senkung profitieren Großunternehmen dauerhaft, die Mindereinnah-
men schlagen sich jährlich im Budget nieder. Anders ist das etwa bei der Senkung
von Lohn- und Einkommensteuer, die langfristig von der kalten Progression aufge-
zehrt werden. Auch verteilungspolitisch ist die KöSt-Senkung problematisch, denn
Unternehmensbesitz ist hierzulande extrem ungleich verteilt. Der Löwenanteil der
Steuerersparnis (86 %) geht somit an die vermögendsten 10 %.
/ 12 / Momentum Institut /Der Löwenanteil der Körperschaftsteuersenkung geht an die reichsten 10 %
der Haushalte
Reichste 10 % Untere 90 %
86,1 %
13,9 %
Quelle: Eigene Berechnung, HFCS 2010, 2014
Wer profitiert von der KöSt Senkung?
Österreich an der EU-Spitze
Rund 3.000 Unternehmen bei Corona-Unternehmenssubventionen
(1,9% aller Unternehmen) erhalten drei Viertel der Steuersenkung.
Fast 5 % des BIP gingen im Jahr 2020 an Unternehmen, mehr als überall sonst in der EU
Unter EUR 1 Mio. zu versteuerndes Einkommen Über EUR 1 Mio. zu versteuerndes Einkommen
Österreich97,3 % 4,8 %
100 %
UK
Niederlande
80 % Belgien 74,9 %
Slowenien
Polen
60 % USA
Zypern
Schweden
40 %
EU-Durchschnitt 2,0 %
Estland 25,1 %
20 % Litauen
Dänemark
Norwegen 1,9 %
0 Tschech.
% Rep.
Portugal Anteil Unternehmen Anteil KöSt
Rumänien
Quelle: Eigene Berechnung, Statistik Austria, Körperschaftsteuerstatistik 2016
Frankreich
Lettland
Ungarn
Irland
Deutschland
Spanien
Finnland
Slowakei
Luxemburg
Griechenland
Italien
0% 1% 2% 3% 4% 5%
Subventionen in Prozent des BIP 2020
Anmerkung: Der Vergleich umfasst alle Länder, für die AMECO für das Jahr 2020 Daten zu staatlichen
Subventionen zur Verfügung stellt. Subventionen beinhalten u.a. viele der Corona-Maßnahmen
(Fixkostenzuschuss, Umsatzersatz, Kurzarbeit, etc.)
Quelle: AMECO
/ 13 / Momentum Institut /
Corona brachte Explosion bei Unternehmensubventionen
2020 flossen mehr als Mrd.EUR 18 in Unternehmenshilfen34 %
Ausgaben und Arbeit-
nehmer:innen Steuereinnahmen
Einnahmeausfälle
& Familien
Darüber hinaus hat Österreich während der Corona-Pandemie im internationalen
Vergleich den Unternehmen bereits die großzügigsten Unternehmenssubventionen
gewährt im Ausmaß von EUR 18 Mrd., das entspricht 4,8 % des BIP.
56 % 76 %
Unternehmen & Abgaben auf Arbeit &
Auch im internationalen Vergleich
Landwirt:innenzeigt sich mittlerweile ein gegenteiliger Trend:
allgemeinen Für
Konsum
große Konzerne will die internationale Staatengemeinschaft erstmals eine weltweite
Mindeststeuer von effektiv 15 % einführen, um dem Steuerwettbewerb einen Riegel
von unten Ausgaben:
Anmerkungen: vorzuschieben. Die konservative
Budgetärer Rahmen britische
2020-2024. Sonstige Regierung
steuerliche Maßnahmen erhöht ab 2023 die
und Vorauszahlungsherabsetzungen sind nicht inkludiert. Die Kurzarbeitsgelder werden zu 25 % auf
Unternehmenssteuer
Arbeitgeber:innen von
und zu 75 % auf 19 auf 25 %.aufgeteilt.
Arbeitnehmer:innen Die regierenden Demokraten in den USA wäl-
zen ähnliche
Quelle: Pläne.
Budgetdienst (Stand 08.05.2020), Parlamentskorrespondenz (Stand 17.06.2021),
BKA, Statistik Austria, Eigene Berechnungen
Senkung der Körperschaftsteuer: Seit Jahren kein Ende in Sicht
Der KöSt-Satz ist heute nicht einmal halb so hoch wie noch vor 40 Jahren
60 %
55 %
50 %
Körperschaftsteuersatz
40 %
34 %
30 %
30 %
25 %
23 %
20 % 21 %*
0%
1971
1973
1975
1977
1979
1981
1983
1985
1987
1989
1991
1993
1995
1997
1999
2001
2003
2005
2007
2009
2011
2013
2015
2017
2019
2021
2023
2025
Anmerkungen: *Das Regierungsprogramm 2020-2024 sieht eine Senkung der KöSt auf 21 % vor, es kann also von einer weiteren
Reduktion ausgegangen werden
Quelle: OECD
Um Investitionen zu fördern und das Wachstum anzukurbeln, wurde vom Wirtschafts-
ministerium erst im letzten Jahr eine Investitionsprämie aufgelegt mit einem Gesamt-
volumen von EUR 7,8 Mrd. Die wachstumstreibende Wirkung einer KöSt-Senkung
ist wissenschaftlich umstritten und für Österreich auch nicht belegt. Die KöSt-Sen-
kung erfolgt so auch gegen Rat u. a. des neuen WIFO-Chefs Gabriel Felbermayr.
/ 14 / Momentum Institut // MA-Beteiligung:
/ Inhalt:
EUR 3.000 Einkommen pro Jahr steuerfrei, wenn es aus einer direkten Beteiligung
der Mitarbeiter:innen am Unternehmen stammt.
/ Einschätzung:
Eine steuerfreie Zahlung an Arbeitnehmer:innen aus Mitarbeiter:innen-Beteiligung
hat mehr als einen Haken. Generell gibt es Beteiligungen von Mitarbeiter:innen am
Unternehmen eher in größeren Konzernen oder künftig in Start-Ups. Der steuerfreie
Von der Steuerreform profitieren vor allem Menschen mit hohem Einkommen
Betrag kommt so eher Besserverdiener:innen zugute, bei denen es eigentlich keinen
GrundSV-Bonus
für eine steuerfreie Zahlung
& KV-Beiträge
gibt – die 35
25 auf 20 %
Einnahmen
auf 30 %
fehlen aber dem Staat.
42 auf 40 %
Viel problematischer wird die Mitarbeiter:innen-Beteiligung aber in einem anderen
Fall: Ersetzen Unternehmen echte Lohnerhöhungen durch Ausschüttungen aus der
Ab EUR 6.000 brutto profitiert man mit EUR 1.580 netto
Beteiligung, kann das Arbeitnehmer:innen schaden. Entfällt die Auszahlung
pro Jahr maximal von allen drei aus der
Steuersenkungen.
Beteiligung, weil das Unternehmen ein schlechtes Jahr hat, fallen Arbeitnehmer:in-
EUR 2000
nen um einen Teil ihres Lohns um. Das unternehmerische Risiko wird somit den Un-
Jährlicher Einkommenszuwachs durch
selbstständigen umgehängt.
Nur 10 von 100 Österreicher:innen verdienen monatlich mehr als EUR 4.750.
Sie profitieren mit EUR 1.300 pro Jahr oder mehr von der Reform.
EUR 1500
Steuerreform (netto)
/ Geschlechter-Analyse EUR 1000
Die Hälfte der Österreicher:innen verdient monatlich weniger als
EUR 2.100. Sie profitieren mit EUR 700 pro Jahr oder weniger
von der Reform.
Frauen werden von der Steuerreform stärker getroffen als Männer. Real
profitieren sie durch die Einkommensteuersenkung durchschnittlich um über
EUR 500
EUR 300 pro Jahr weniger. Der Familienbonus könnte durch Einkommensun
terschiede Väter stärker abgelten. Auch die Senkung der Körperschaftsteuer
kommt aufgrund der geringen Anzahl an Frauen in profitierenden Betrieben
EUR 0
stärker Männern zugute.
0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 3.500 4.000 4.500 5.000 5.500 6.000 6.500 7.000
/ Einschätzung 1: Frauen verlieren bei der Steuerreform insgesamt
Laufendes monatliches – durch Einkom-
Bruttoeinkommen
mensteuersenkung und Familienbonus Plus.
Männer profitieren
Quelle: Eigene Berechnungim Schnitt
// Die mehrbeinhaltet
orange Fläche als doppelt so stark
die Senkung von der Steuerreform.
der Krankenversicherungsbeiträge für Das
bezieht
Einkommen sich
unterauf
EURdie bisbrutto
2.600 dato bekannten
sowie die ErhöhungDetails zur sowie
des SV-Bonus Steuersenkung und Familienbo-
des erhöhten Verkehrsabsetzbetrages um
EUR 100. Die restlichen Flächen beinhalten die Senkung der Steuersätze der ersten drei Tarifstufen
nus Plus. Im Durchschnitt profitieren Männer
(von 25 auf 20 %, von 35 auf 30 % und von 42 auf 40%)
mit EUR 576 pro Jahr, Frauen nur mit
EUR 240. Das zeigt eine Modellierung mittels Mikrosimulationsmodells des Sozialmi-
nisteriums (SORESI). Die Unterschiede sind vor allem auf die großen Einkommens-
unterschiede zwischen Männern und Frauen zurückzuführen.
Männer profitieren mehr als doppelt so stark von der
Einkommensteuersenkung als Frauen
576
Durchschnittlicher jährlicher Einkommensgewinn
EUR 600
EUR 500
EUR 400
EUR 300
240
EUR 200
EUR 100
EUR 0
Frauen Männer
Anmerkung: Steuersenkung der 2. und 3. Tarifstufe (35 auf 30 %, 42 auf 40 %)
Quelle: Eigene Berechnung, SORESI
/ 15 / Momentum Institut // Einschätzung 2: Problematischer Familienbonus Der Familienbonus ist ein Steuerabsetzbetrag, der die Steuerlast der Bezieher:innen reduziert. Voll ausgeschöpft werden kann er ab einem monatlichen Bruttoeinkommen von EUR 1.700. Er wirkt nicht, wenn das jeweilige Elternteil so wenig verdient, dass keine Einkommens- bzw. Lohnsteuer anfällt, weil er bei den tatsächlich bezahlten Steuern ansetzt. Er kann zwar theoretisch zwischen (Ehe-)Partner:innen aufgeteilt werden – das muss in der Realität jedoch nicht immer der Fall sein. Wenn etwa die Mutter aufgrund eines nicht steuerpflichtigen Einkommens keinen Anspruch auf den Familienbonus hat, der Vater jedoch schon, wird der Betrag nicht automatisch auf die Eltern aufgeteilt. Da in der Realität Mütter oft weniger verdienen als Väter und sie so in manchen Fällen die Voraussetzungen für den Familienbonus nicht erfüllen, birgt diese Lösung versteckte Vorteile für Männer gegenüber sehr gering verdienenden Frauen. / Einschätzung 3: Von einer Senkung der Körperschaftsteuer profitieren vorwiegend Männer Im Jahr 2020 waren nur 35 % aller Selbstständigen Frauen (Statistik Austria). Män- ner besitzen also häufiger Unternehmen als Frauen und profitieren daher auch mehr von der niedrigeren KöSt. Es ist außerdem davon auszugehen, dass größere Unter- nehmen, die ganz besonders von der KöSt-Senkung profitieren, noch häufiger im Besitz von Männern sind. / 16 / Momentum Institut /
Einkommens- Einnahmen aus
Lohn- und
steuern 28 % Sozialbeiträgen 35,6 %
Einkommens-
steuer 20,7 %
/ Steuerstruktur Gütersteuern,
Produktions- und
Importabgaben 13,6 %
Mehrwertsteuer 17,7 %
Die Finanzierung des Staates baut sehr stark auf Einkommens- und Lohnsteuer
auf: Jeder fünfte Euro (bzw. 20 von 100) der Staatsfinanzierung kommt von dort.
Produktions- und
Dabei kommen nur 6 von 100 Euro von Steuern auf
Importabgaben 31,6Unternehmensgewinne.
% Trotz-
dem sollen letztere gesenkt werden. Vermögensbezogene Steuern sind dabei auch
äußerst gering. Nur 3 von 100 Euro werden durch Vermögen finanziert – dazu zäh-
len z. B. Einnahmen durch Vermögenstransfers, Kapitalertragsteuern oder Steuern
auf Grundstücke
Anmerkung: und andere
Vermögensbezogene SteuernAnlagegüter. Die
beinhalten u.a. KESt, Steuerreform
Steuern auf Vermögenumfasst
& -transfers,trotzdem
Grundstückekeine
Quelle: Statistik Austria 2019, eigene Berechnungen
Maßnahme, die versucht, mehr Einnahmen aus Vermögen zu generieren – auch
wenn sich durch die derzeitige Staatsfinanzierung eine deutliche Schieflage zwi-
schen Vermögens- und Einkommensbesteuerung zeigt.
Finanzierung des Staates: Nur 3 von 100 Euro kommen aus
vermögensbezogenen Steuern
Nur 6 von 100 Euro kommen aus der Körperschaftsteuer
Vermögensbezogene Steuern 3,1 %
Sonstige direkte Steuern und Abgaben 1,9 %
Körperschafts-
steuer 5,8 %
Sonstige EK-Steuern,
Kammerbeiträge 1,5 %
Einkommens- Einnahmen aus
Lohn- und Sozialbeiträgen 35,6 %
steuern 28 %
Einkommens-
steuer 20,7 %
Gütersteuern, Mehrwertsteuer 17,7 %
Produktions- und
Importabgaben 13,6 %
Produktions- und
Importabgaben 31,6 %
Anmerkung: Vermögensbezogene Steuern beinhalten u.a. KESt, Steuern auf Vermögen & -transfers, Grundstücke
Quelle: Statistik Austria 2019, eigene Berechnungen
/ 17 / Momentum Institut // Fußnoten
1
Bereits 2020 wurde seitens der Regierung eine Erhöhung von Familienbonus Plus und Kindermehrbetrag angekündigt.
Dieses Reformvorhaben sah eine Erhöhung des Familienbonus Plus auf EUR 1.750 vor, sowie eine Erhöhung des Kinder-
mehrbetrags auf EUR 350, bei gleichzeitiger Ausweitung des Kreises an möglichen Bezieher:innen auf alle Familien (unter
Beibehaltung der sogenannten 330-Tage-Regelung). Ob diese Ausweitung kommt, wurde bislang offiziell nicht bestätigt. Be-
rechnungen mit dem alten Reformplan zeigen, dass diese Ausweitung in den untersten zwei Einkommensfünfteln die Quote
der Profitierenden leicht erhöht. An der generellen Verteilungswirkung des Systems von Familienbonus Plus und Kinder-
mehrbetrag ändert aber auch eine Ausweitung des Kindermehrbetrags auf alle Familien nichts. Grundsätzlich bekommen
Familien mit höherem Einkommen mehr Geld pro Kind.
/ 18 / Momentum Institut /Märzstraße 42/1,
1150 Wien, Österreich
kontakt@momentum-institut.at
www.momentum-institut.atSie können auch lesen