(Selbst-)Reflexionsanlässe in der Lehrerfortbildung zur Weiterentwicklung des professionellen Handelns

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(Selbst-)Reflexionsanlässe in der Lehrerfortbildung zur Weiterentwicklung des professionellen Handelns
(Selbst-)Reflexionsanlässe
                                         in der Lehrerfortbildung
                                         zur Weiterentwicklung des
                                         professionellen Handelns
                                         Dr. Ilka Benner & Katharina Hombach,
                                         Justus-Liebig-Universität Gießen

Fachtagung Beratung und (Selbst-)Reflexion in der Lehrer*innenbildung, 27.-28.08.2018, Vechta
GLIEDERUNG

 1.     Theoretischer Hintergrund
        – Ausgangslage
        – Unser Reflexionsverständnis

 2.     Fortbildung „Schulische Berufs- und Studienorientierung“
 3.     Multiplikatorenprogramm „Lehrkräfte erforschen Schule und
        Unterricht“
 4.     Fazit und Diskussion

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1. Theoretischer Hintergrund

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AUSGANGSLAGE
 Permanente gesellschaftliche und bildungspolitische Entwicklungen
         Professionalisierung als fortlaufender Prozess über die gesamte
          Berufslaufbahn erforderlich (Hippel, 2011)

         Reflexivität als Voraussetzung und Ziel der Entwicklung von Professionalität
          (z. B. Schön, 1983; Roters, 2012)

         Handlungsbezug nach Altrichter: Schöns Konzept des ‚Unausgesprochenen
          Wissens-in-der-Handlung‘ als normaler Aggregatzustand des Wissens hoch
          qualifizierter Praktiker*innen. (Altrichter, 2000)

         Forschungsorientierung als Möglichkeit, Reflexivität anzuregen
          (Altrichter & Mayr, 2004; Huber, 2009; Fichten, 2010)

         Bezug von Lernbiografien und Lehrüberzeugungen
          (Kiehne 2015; Hericks & Kunze 2002)

         Fokus der Fortbildungen auf wissenschaftlich geleiteter Reflexion von Schule
          und (eigenem) Unterricht als universitäres Angebot

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UNSER REFLEXIONSVERSTÄNDNIS

                Definition:                                                 Reflection on action:

• […] a conscious and systematic                                  • We may reflect on action,
  mode of thought. A reflective                                     thinking back on what we have
  person gives careful                                              done in order to discover how
  consideration to important                                        our knowing-in-action may have
  matters and is open to the                                        contributed to an unexpected
  voices, opinions, and advice of                                   outcome. We may do so after
  others. (Valli, 1997, S. 68)                                      the fact, in tranquillity, or we
                                                                    may pause in the midst of action
                                                                    to make what Hannah Arendt
                                                                    (1971) calls as „stop-and-think“.
                                                                     (Schön, 1987, S. 26)

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2. Fortbildung „Schulische Berufs- und
Studienorientierung“

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FORTBILDUNGSANGEBOTE

 •    Ziel
 •    Irritationen von Gewissheiten in Bezug auf den Übergang Schule-Beruf
 •          Schaffung von Anlässen zur Vergewisserung über die eigenen
      Prämissen und Lernerfahrungen (Biografiekurve in BSO) mit gleichzeitiger
      Bezugnahme auf professionswissenschaftliche Konzepte (vgl. Leonhard & Abels,
      2017)

 •    Untersuchungsanliegen
 •    Bieten die unterschiedlichen Formate Anlässe zur Reflexion und welche
      Aspekte werden von den Teilnehmenden als besonders relevant
      eingeschätzt – besonderer Fokus auf dem Einsatz der Biografiekurve

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METHODE & STICHPROBE

 Erhebung mit standardisierten Fragen
 • Teilnahmemotivation, reflexionsbezogene internale und externale
   Orientierungen sowie Reflexionsanlässe, Angebotsqualität, Vorzug
   des Berufs und Lehrerselbstwirksamkeit (vgl. Kember et al., 2000; Prenzel et al, 2006;
      Quellenberg, 2009; Rzejak et al. 2014; Schippers, Den Hartog & Koopman, 2007; Schmitz & Schwarzer, 2000)

 • 5stufige Likert-Skala: 1=nie bis 5=immer
 N: insgesamt 15 Lehrpersonen
 • Lehrerfahrung: 2 bis 34 Jahre
 • Alter: 34 bis 56 Jahre
 • 12 weibliche, 3 männliche Teilnehmende

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ORIENTIERUNGEN DER TEILNEHMENDEN
                                                BSO 2017/2018                     BSO Summerschool
                                                                                  2018
                                                Mittelwert                        Mittelwert
Entwicklungsorientierung                        4,68                              4,38
Karriereorientierung                            1,36                              2,38
Externale Erwartungsanpassung                   1,36                              1,69
Soziale Interaktion                             3,64                              3,94

                                                BSO 2017/2018                     BSO Summerschool
                                                                                  2018
                                                Mittelwert                        Mittelwert
Internale Orientierung                          4,04                              4,56
Externale Orientierung                          3,95                              4,00

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ANLÄSSE ZUR REFLEXION – HANDLUNGSBEZUG
   (NACH DEM INHALTLICHEN BLOCK – 2 TAGE)
                                                                                      manch
                                                                  nie       selten          häufig immer
                                                                                       mal
Die Themen in der Fortbildung haben mich zum
Nachdenken über meine eigenen                                                            9,1      81,8   9,1
Handlungsweisen gebracht.
Ich habe während oder nach der Fortbildung die
Handlungsweisen anderer hinterfragt und über                                            36,4      63,6    0
bessere Handlungsstrategien nachgedacht.
In der Fortbildung habe ich überlegt, wie ich bei
diesem Thema handle und habe danach gesucht,                                            18,2      54,5   27,3
ob es auch alternative Handlungsweisen gibt.
Ich reflektiere durch die Fortbildung meine
Handlungsweisen, um zu sehen, was ich                                                    9,1      72,7   18,2
verbessern kann.
Durch die Fortbildung habe ich Gelegenheit
bekommen, meine Handlungsweisen neu zu                                                  18,2      63,6   18,2
bewerten, so dass ich sie weiterentwickeln kann.

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ANLÄSSE ZUR REFLEXION – HANDLUNGSBEZUG
   (NACH DEM INHALTLICHEN BLOCK – 2 TAGE)
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                                                                  nie       selten          häufig immer
                                                                                       mal
Die Themen in der Fortbildung haben mich zum
Nachdenken über meine eigenen                                                            9,1      81,8   9,1
Handlungsweisen gebracht.
Ich habe während oder nach der Fortbildung die
Handlungsweisen anderer hinterfragt und über                                            36,4      63,6    0
bessere Handlungsstrategien nachgedacht.
In der Fortbildung habe ich überlegt, wie ich bei
diesem Thema handle und habe danach gesucht,                                            18,2      54,5   27,3
ob es auch alternative Handlungsweisen gibt.
Ich reflektiere durch die Fortbildung meine
Handlungsweisen, um zu sehen, was ich                                                    9,1      72,7   18,2
verbessern kann.
Durch die Fortbildung habe ich Gelegenheit
bekommen, meine Handlungsweisen neu zu                                                  18,2      63,6   18,2
bewerten, so dass ich sie weiterentwickeln kann.

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ANLÄSSE ZUR REFLEXION – HANDLUNGSBEZUG
   (NACH DEM INHALTLICHEN BLOCK – 2 TAGE)
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                                                                  nie       selten          häufig immer
                                                                                       mal
Die Themen in der Fortbildung haben mich zum
Nachdenken über meine eigenen                                                            9,1      81,8   9,1
Handlungsweisen gebracht.
Ich habe während oder nach der Fortbildung die
Handlungsweisen anderer hinterfragt und über                                            36,4      63,6    0
bessere Handlungsstrategien nachgedacht.
In der Fortbildung habe ich überlegt, wie ich bei
diesem Thema handle und habe danach gesucht,                                            18,2      54,5   27,3
ob es auch alternative Handlungsweisen gibt.
Ich reflektiere durch die Fortbildung meine
Handlungsweisen, um zu sehen, was ich                                                    9,1      72,7   18,2
verbessern kann.
Durch die Fortbildung habe ich Gelegenheit
bekommen, meine Handlungsweisen neu zu                                                  18,2      63,6   18,2
bewerten, so dass ich sie weiterentwickeln kann.

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DIE BIOGRAFIEKURVE ALS ANLASS ZUR
 REFLEXION IN DER FORTBILDUNG BSO
 Biografie-Kurve
 • Die Methode ermöglicht eine Reflexion über die eigenen
     übergangsbezogenen Erfahrungen. Die Reflexion der persönlichen
     Biografie soll dabei auch den Blick auf den eigenen Umgang mit
     Schülern*innen schärfen.
 Durchführung
 • Die TN finden sich paarweise zusammen und zeichnen – jede(r) für sich
     auf ein Flipchart Ihre Biografie ab Beendigung der Schule
 Leitfragen
 • In welchen Situationen haben Sie sich als Individuum im Übergang
     wahrgenommen?
 • In welchen Situationen haben Sie positive Reaktionen bzw. negative
     Reaktionen in Bezug auf die neue Situation bekommen?
 ca. 15 – 20 Minuten
                                                                                                (Ruhe, 2014)

Fachtagung Beratung und (Selbst-)Reflexion in der Lehrer*innenbildung, 27.-28.08.2018, Vechta    13
RÜCKMELDUNGEN DER TEILNEHMER*INNEN

 • Im Rahmen der Rückmeldung zu den einzelnen Tagen wurde mithilfe
   der Reflexionshand immer wieder positiver Bezug zu dieser Methode
   genommen: „viele Denkanstöße“, „gute Methode“
 • Rückmeldungen zur Biografiekurve:
        – „Es ist schon krass, wie deutlich es wird, dass der Übergang in den Beruf kein
          linearer Prozess ist.“
        – „Die Methode hilft einem, sich wieder besser in die Situation der Schüler und
          Schülerinnen einzufühlen
                                               (Auszüge aus dem Protokoll zur Sitzung)

Fachtagung Beratung und (Selbst-)Reflexion in der Lehrer*innenbildung, 27.-28.08.2018, Vechta   14
BIOGRAFIEKURVE UND ANLÄSSE ZUR
     REFLEXION
                                                                                    Anregung zur Reflexion
                                                                                    01.08.2018
                                                                                    (Biografiekurve)
Zustimmung der Anregung zur Reflexion ihrer eigenen                                 3,70
Denkweisen als Resultat der Lehrveranstaltung

Zustimmung der Anforderungen des Verstehens                                         3,65
hinsichtlich reflexionsunterstützender Aspekte der
Lehrveranstaltung
                                                                                    Anregung zur Reflexion
                                                                                    02.08.2018
Zustimmung der Anregung zur Reflexion ihrer eigenen                                 3,31
Denkweisen als Resultat der Lehrveranstaltung

Zustimmung der Anforderungen des Verstehens                                         3,56
hinsichtlich reflexionsunterstützender Aspekte der
Lehrveranstaltung
    Fachtagung Beratung und (Selbst-)Reflexion in der Lehrer*innenbildung, 27.-28.08.2018, Vechta      15
• Im Rahmen der Rückmeldung zu den einzelnen Tagen wurde mithilfe
   der Reflexionshand immer wieder positiver Bezug zu dieser Methode
   genommen: „viele Denkanstöße“, „gute Methode“
 • Rückmeldungen zur Biografiekurve:
        – „Es ist schon krass, wie deutlich es wird, dass der Übergang in den Beruf kein
          linearer Prozess ist.“
        – „Die Methode hilft einem, sich wieder besser in die Situation der Schüler und
          Schülerinnen einzufühlen
                                               (Auszüge aus dem Protokoll zur Sitzung)

Fachtagung Beratung und (Selbst-)Reflexion in der Lehrer*innenbildung, 27.-28.08.2018, Vechta   16
BIOGRAFIEKURVE UND ANLÄSSE ZUR
     REFLEXION
                                                     BSO Summerschool 2018                BSO 2017/2018

                                                     Anregung zur Reflexion               Anregung zur
                                                     01.08.2018                           Reflexion Freitag
                                                     (Biografiekurve)                     15.09.2017

                                                     Mittelwert                           Mittelwert

Zustimmung der Anregung zur Reflexion                3,70                                 3,33
ihrer eigenen Denkweisen als Resultat
der Lehrveranstaltung
Zustimmung der Anforderungen des                     3,65                                 3,38
Verstehens hinsichtlich
reflexionsunterstützender Aspekte der
Lehrveranstaltung

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3. Multiplikatorenprogramm „Lehrkräfte
erforschen Schule und Unterricht“

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MULTIPLIKATORENPROGRAMM:
 LEHRKRÄFTE ERFORSCHEN SCHULE UND UNTERRICHT

 • Lehrkräfte führen in Kooperation mit Wissenschaftler*innen
   praxisorientierte Forschungsprojekte zur datenbasierten Schul- und
   Unterrichtsentwicklung durch.
 • Theoretische Verortung:
        – „Forschendes Lernen“
             (Huber, 2014)

        – „Aktionsforschung“ bzw. „Lehrerforschung“
             (Altrichter & Posch, 2007)

        – Lehrerforschung als Professionalisierungsstrategie
             (Altrichter & Feindt, 2004)

 • Umfang: 1 Jahr mit 30 Stunden monatlich

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BEISPIEL: FORSCHUNGSPROZESS

                                             Fragestellung aus der
                                               Praxis entwickeln

                                                                                   Geeignete
                  Maßnahmen in
                                                                                   Methoden
                    der Praxis
                                                                                 auswählen und
                    umsetzen
                                                                                 Daten erheben

                         Maßnahmen
                                                                         Daten auswerten
                        ableiten, Hand-
                                                                          und Ergebnisse
                       lungsalternativen
                                                                            darstellen
                          entwickeln

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ERGEBNIS: TEILNAHMEMOTIVATION
Skala              Items       Beispielitems                                                         Quelle
Teilnahme-         16          Grundsätzlich nehme ich an dieser Fortbildung teil, weil …            RZEJAK ET AL.
motivation                     • ich mich für methodisch-didaktische Innovationen                    (2014)
                                 interessiere.
                               • ich meine Aufstiegschancen erhöhen kann.
                               • ich im Kollegium nicht unangenehm auffallen will.
                               • ich den kollegialen Austausch suche.

Dimensionen                             Lehrerin A         Lehrerin B

Entwicklungsorientierung                          4,25               4,00
Karriereorientierung                              2,25               2,50
Externale                                         1,25               1,50
Erwartungsanpassung
Soziale Interaktion                               3,50               3,75
5-stufige Likert Skala (1 = „Trifft überhaupt nicht zu“, 5 = „Trifft voll und ganz zu“)

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ERGEBNIS: ORIENTIERUNG ZUR REFLEXION
Skala              Items       Beispielitems                                                         Quelle
Orientierung       22          Inwieweit treffen die folgenden Aussagen auf Sie persönlich           KORTHAGEN
zur Reflexion                  zu?                                                                   & WUBBELS
                               • Ich denke im Nachhinein über die Art und Weise meiner               (1995)
                                   Reaktion nach
                               • Ich höre gerne die Meinung anderer, wie sie mein
                                   Auftreten finden.

Dimensionen                             Lehrerin A         Lehrerin B

Internale Orientierung                            4,50               5,00

Externale Orientierung                            4,67               3,67

5-stufige Likert Skala (1 = „Trifft überhaupt nicht zu“, 5 = „Trifft voll und ganz zu“)

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EINGANGSINTERVIEW LEHRERIN A

 „Ja also erstmal natürlich mein Unterricht, also es geht mir darum, dass ich
 meinen schulischen Alltag auf eine Weise bewältige, die ich gut finde. Also dass
 ich […] wo ich sage, ich liefere eine gute Arbeit ab, und das ist erstmal schon
 Arbeit genug.“

  Zentrales Thema als Ausgangspunkt für Reflexion: Unterricht
  Lehrerhabitus: Orientierung an Vermittlung (Fokus auf fachliche Inhalte)

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EINGANGSINTERVIEW LEHRERIN B

 „Also ganz aktuell natürlich der Start, man versucht die Sachen die letztes Jahr
 nicht so gut gelaufen sind, irgendwie besser zu machen. Gerade am Anfang
 vielleicht noch ein bisschen strenger auftreten […] dass man halt auch an sich
 selber arbeitet und ab der ersten Stunde versucht, die Sachen auch umzusetzen.
 Heute ist es mir nicht so gut gelungen bei einem Schüler, aber man hat so
 einzelne Situationen […]“

  Zentrales Thema als Ausgangspunkt für Reflexion: Lehrer-Schüler-Interaktion
  Lehrerhabitus: Orientierung an sozialen Kontakten (Fokus auf die Schüler-
   Lehrerbeziehung und Kontakte zu anderen Lehrkräften)

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INTERVIEW ZUM EXPOSÉ LEHRERIN A

 „Ja ich bin eigentlich von meiner Referendariatszeit ausgegangen und hab das
 ganze wie einen gigantischen Unterrichtsentwurf angelegt. Also woran kann ich
 auch wirklich erkennen, dass mein didaktisches Zentrum tatsächlich auch
 erreicht ist. Also im Referendariat ist es so, dass die Leute dann hinten sitzen und
 dass dann die Ausbilder sagen, ja nach unserem Dafürhalten ist das Stundenziel
 erreicht worden. Das hab ich ja dann nicht und insofern muss ich mir andere
 Formen der Evaluation überlegen.“

  Referendariat als prägende Erfahrung
  Unterrichtsentwurf als Ausgangspunkt für Reflexion
  Selbstevaluation als Ansatzpunkt für universitäre Fortbildung

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INTERVIEW ZUM EXPOSÉ LEHRERIN A

 „Ja das ist schwierig weil ich damit so gar keine Erfahrung habe, […] aber ein
 Fragebogen im Hinblick darauf, was habt ihr jetzt von der Stunde mitgenommen,
 was habt ihr gelernt, hab ich bis jetzt noch gar nicht gemacht, (.) und ich kön-
 also (2) wie gesagt darüber mach ich mir eben gerade noch die meisten
 Gedanken über die methodische datenbasierte (.) Evaluation meiner
 Forschungsfrage. (.) Ich könnte mir auch (2) vielleicht ein Quiz oder (.) bös'
 gesprochen einen Test vorstellen, also dass am Ende der Einheit vielleicht auch
 ne Lernzielkontrolle steht (.)“

  Forschungsmethodische Grundlagen sind zu Beginn noch nicht vorhanden
  Rückgriff auf bewährte schulische Methoden („Lernzielkontrolle“)
  Im Verlauf des Interviews startet ein Prozess des Nachdenkens und
   Abwägens verschiedener Möglichkeiten

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4. Fazit und Diskussion

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FAZIT UND DISKUSSION

 • Die teilnehmenden Lehrkräfte verfügen bereits zu Beginn über
   vorwiegend hoch reflexionsbezogene Orientierungen.
 • Die Fortbildungen sind über einen längeren Zeitraum angelegt und
   die Anlässe zur Reflexion haben einen unmittelbaren
   Handlungsbezug.
 • Die Entwicklungsperspektive in den Anlässen zur Reflexion wird hoch
   eingeschätzt.
 • Einschränkungen unserer Ergebnisse: niedrige Fallzahlen,
   Selbsteinschätzungen
 • Über die Fortbildung hinaus: Langfristige Wirkungsforschung?
 • Wie können Lehrkräfte bei der Entwicklung und Aufrechterhaltung
   einer reflexiven Haltung unterstützt werden?

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 Dr. Ilka Benner
 Wissenschaftliche Gesamtkoordinatorin der Gießener Offensive Lehrerbildung
 Justus-Liebig-Universität Gießen | Zentrum für Lehrerbildung
 Rathenaustraße 8 | Raum 107 | 35394 Gießen
 0641-99 15460 | gol@zfl.uni-giessen.de | www.uni-giessen.de/gol

 Katharina Hombach
 Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Gießener Offensive Lehrerbildung
 Justus-Liebig-Universität Gießen | Zentrum für Lehrerbildung
 Rathenaustraße 8 | Raum 106 | 35394 Gießen
 0641-99 15473 | katharina.hombach@zfl.uni-giessen.de

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LITERATUR

 •    Altrichter, H. & Feindt, A. (2004): Zehn Fragen zur LehrerInnenforschung. In: S. Rahm & M. Schratz
      (Hrsg.): LehrerInnenforschung. Theorie braucht Praxis. Braucht Praxis Theorie? (S. 84-101).
      Innsbruck: Studienverlag.
 •    Altrichter, H. & Mayr, J. (2004). Forschung in der Lehrerbildung. In: S. Blömeke, P. Reinhold, G.
      Tulodziecki & J. Wild (Hrsg.). Handbuch Lehrerbildung (S. 164-183). Bad Heilbrunn: Klinkhardt.
 •    Altrichter, H. & Posch, P. (2007): Lehrerinnen und Lehrer erforschen ihren Unterricht.
      Unterrichtsentwicklung und Unterrichtsevaluation durch Aktionsforschung. 4., überarbeitete und
      erweiterte Auflage. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.
 •    Fichten, W. (2010). Forschendes Lernen in der Lehrerbildung. In: U. Eberhardt (Hrsg.). Neue Impulse
      in der Hochschuldidaktik (S. 127-182). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
 •    Hericks, U. & Kunze, I. (2002): Entwicklungsaufgaben von Lehramtsstudierenden, Referendaren und
      Berufseinsteigern. Ein Beitrag zur Professionalisierungsforschung. Zeitschrift für
      Erziehungswissenschaft. 5 (3), S. 401-416.
 •    Hippel, A. von (2011). Fortbildung in pädagogischen Berufen – zentrale Themen, Gemeinsamkeiten
      und Unterschiede der Fortbildung in Elementarbereich, Schule und Weiterbildung. In: W. Helsper &
      R. Tippelt (Hrsg.). Pädagogische Professionalität (S. 248-267). Weinheim: Beltz.
 •    Huber, L. (2009): Warum forschendes Lernen nötig und möglich ist. In: L. Huber, J. Hellern & F.
      Schneider (Hrsg.). Forschendes Lernen im Studium. Aktuelle Konzepte und Erfahrungen (S. 9-36).
      Bielefeld: UVW.

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LITERATUR (FORTSETZUNG)

 •    Huber, L. (2014). Forschungsbasiertes, Forschungsorientiertes, Forschendes Lernen: Alles dasselbe?
      Ein Plädoyer für eine Verständigung über Begriffe und Unterscheidungen im Feld forschungsnahen
      Lehrens und Lernens. Das Hochschulwesen, 1+2 (2014), S. 22-29.
 •    Kiehne, B. (2015). Die Biografie lehrt mit. Biografisch sensible Lehrkompetenzentwicklung an
      Hochschulen. Neues Handbuch Hochschullehre. A 2.9.
 •    Kember, D., Leung, Doris, Y. P., Jones, A., Yuen Loke, A., McKay, J., Sinclair, K. et al. (2000).
      Development of a Questionnaire to Measure the Level of Reflective Thinking. Assessment &
      Evaluation in Higher Education, 25 (4), 381-395.
 •    Leonhard, T. & Abels, S. (2017). Der „reflective practitioner“. Leitfigur oder Kategorienfehler einer
      reflexiven Lehrerinnen- und Lehrerbildung? In: C. Berndt, T. Häcker & T. Leonhard (Hrsg.). Reflexive
      Lehrerbildung revisited. Traditionen – Zugänge – Perspektiven. (S. 46-55). Bad Heilbrunn: Verlag
      Julius Klinkhardt.
 •    Prenzel, M., Baumert, J., Blum, W., Lehmann, R., Leutner, D., Neubrand, M., Pekrun, R., Rost, J.,
      Schiefele, U., Rolff, H.-G. & Ramm, G. (2006). PISA 2003: Dokumentation der Erhebungsinstrumente.
      Münster: Waxmann.
 •    Quellenberg, H. (2009). Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG) ausgewählte
      Hintergrundvariablen, Skalen und Indices der ersten Erhebungswelle. In Materialien zur
      Bildungsforschung (24) , Frankfurt am Main: Gesellschaft zur Förderung Pädagogischer Forschung /
      Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung.

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LITERATUR (FORTSETZUNG)

 •    Rzejak, D.; Künstig, J.; Lipowsky, F.; Fischer, E.; Dezhgahi, U.; Reichardt, A. (2014): Facetten der
      Lehrerfortbildungsmotivation – eine faktorenanalytische Betrachtung (Journal for Educational
      Research Online, 2014, Heft 1, Jahrgang 6), S. 139-159.
 •    Roters, B. (2012). Professionalisierung durch Reflexion in der Lehrerbildung. Münster: Waxmann.
 •    Ruhe, H. G. (2014). Praxishandbuch Biografiearbeit. Methoden, Themen und Felder. Weinheim:
      Beltz Juventa.
 •    Schippers, M. C., Den Hartog, D. N. & Koopman, P. L. (2007). Reflexivity in Teams. A Measure and
      Correlates. Applied Psychology, 56(2), S. 189-211.
 •    Schmitz, G. & Schwarzer, R. (2000). Selbstwirksamkeitserwartung von Lehrern: Längsschnittbefunde
      mit einem neuen Instrument. Zeitschrift für pädagogische Psychologie (14/1) S. 12-25.
 •    Schön, D. A. (1983). The Reflective Practitioner. How Professionals Think in Action. New York: Basic
      Books.
 •    Schön, D. A. (1987). Educating the Reflective Practitioner. San Fransisco: Jossey-Bass Publishers.
 •    Valli, L. (1997). Listening to Other Voices: A Despription of Teacher Reflection in the United States.
      Peabody Journal of Education. 72 (1), S. 67-88.

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