St arke deine Ehe durch gute Kommunikation - SEITE 3 LIEDER: 36, 87

 
34567                                 15. MAI 2013

             15. bis 21. Juli
       ¨
     Starke deine Ehe durch
      gute Kommunikation
         SEITE 3    LIEDER: 36, 87

             22. bis 28. Juli
Eltern und Kinder, kommuniziert
      liebevoll miteinander
         SEITE 13    LIEDER: 88, 3

          29. Juli bis 4. August
 Weise Entscheidungen treffen,
                          ¨
um unser Erbe nicht zu gefahrden
        SEITE 23    LIEDER: 14, 134

Großdruckausgabe                       TEIL 2
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                                                                                                                    MAY 15, 2013
                                                                                                                  Semimonthly   GERMAN

     STUDIENARTIKEL

         ¨
     ˇ Starke deine Ehe durch gute Kommunikation
     ˇ Eltern und Kinder, kommuniziert liebevoll
       miteinander
                               ¨        ¨
     Gute Kommunikation ist fur das Gluck in Ehe und Fa-
     milie von entscheidender Bedeutung. Im ersten Artikel
     geht es um Eigenschaften, die es uns leichter machen,
     gut zu kommunizieren. Der zweite Artikel zeigt, was der
     Kommunikation zwischen Eltern und Kindern im Weg
                                   ¨            ¨
     stehen kann und wie sich das uberwinden lasst.

     ˇ Weise Entscheidungen treffen,
                                 ¨
       um unser Erbe nicht zu gefahrden
           ¨
     Was fur ein Erbe steht Dienern Gottes in Aussicht? Wel-
                   ¨
     che Lehren konnen wir aus dem warnenden Beispiel
                            ¨
     Esaus ziehen? Was mussen wir tun, damit unser Erbe
               ¨
     nicht gefahrdet wird? Diese Fragen werden im Artikel
     beantwortet.
Diese Zeitschrift wird im Rahmen eines welt-       5 2013, Druck und Verlag: Wachtturm Bibel-      5 2013 Watch Tower Bible and Tract Society
                                           ¨
weiten gottesdienstlichen Werks zur Verfugung      und Traktat-Gesellschaft der Zeugen Jehovas,    of Pennsylvania. Alle Rechte vorbehalten.
gestellt, das durch freiwillige Spenden unter-     e. V., Selters/Taunus. Deutsche Ausgabe. Ver-   Printed in Germany.
   ¨
stutzt wird. Sie ist nicht zum Verkauf bestimmt.   antwortliche Redaktion: Ramon Templeton, Sel-
                        ¨
Die verwendete Bibelubersetzung ist, wenn nicht    ters/Taunus.
                                     ¨
anders angegeben, die Neue-Welt-Ubersetzung
der Heiligen Schrift — mit Studienverweisen.
¨
           St arke deine Ehe durch
            gute Kommunikation
                    ¨
     „Wie goldene Apfel in Silberziselierungen ist
                                        ¨
 ein Wort, geredet zur rechten Zeit dafur“ (SPR. 25:11)
       ¨
WAS WARE DEINE ANTWORT?
              ¨                                     ¨
Wie kann Verstandnis die Kommunikation in der Ehe fordern?
         ¨
Warum mussen Ehepartner sich gegenseitig respektieren?
Welchen Einfluss kann Demut auf die Ehe haben?

„MEINE Zeit verbringe ich am liebsten mit meiner Frau“,
sagte ein Bruder aus Kanada. „So wird aus geteilter Freude
doppelte Freude und aus geteiltem Leid halbes Leid.“ Ein Ehe-
mann aus Australien schrieb: „In den 11 Jahren, die wir ver-
heiratet sind, ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht mit mei-
                          ¨
ner Frau gesprochen hatte. Bedenken oder Zweifel, ob unsere
Bindung stark genug ist, hat keiner von uns. Das liegt vor al-
lem daran, dass wir viel und gut miteinander kommunizie-
                                            ¨
ren.“ Eine Schwester aus Costa Rica erklarte: „Gute Kommu-
nikation hat nicht nur unsere Ehe bereichert, sondern hat uns
                 ¨
auch Jehova nahergebracht, uns vor Versuchungen bewahrt,
uns enger miteinander verbunden und unsere Liebe wach-
sen lassen.“
1. Wie wirkt sich gute Kommunikation in der Ehe aus?
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2
              ¨
       Wie wurdest du die Kommunikation zwischen dir und dei-
nem Ehepartner beschreiben? Macht es euch Freude, euch
                             ¨                                    ¨
auszutauschen, oder fallt es euch schwer, tief gehende Gespra-
            ¨
che zu fuhren? Dass das nicht immer so gut gelingt, ist ver-
   ¨
standlich. Schließlich sind in jeder Ehe zwei unvollkommene
                                                       ¨
Menschen vereint, deren unterschiedliche Personlichkeiten
                                                    ¨         ¨
auch von ihrer Kultur und Erziehung gepragt sind (Rom.
                                            ¨
3:23). Zudem unterscheiden sie sich haufig in ihrer Art zu
kommunizieren. Nicht umsonst schreibt ein Eheberater, der
                                          ¨
seit Jahrzehnten das Geheimnis glucklicher Ehen erforscht,
                ¨
dass man fur die Ehe „Mut, Bestimmtheit und den Willen
                         ¨                        ¨
braucht, eine lang wahrende Beziehung zu fuhren“.
                                        ¨                       ¨
     3 Ja, wer eine erfolgreiche Ehe fuhren will, muss hart dafur
                               ¨
arbeiten. Aber die Muhe lohnt sich: Das Leben als Ehepaar
                                                     ¨
kann ein echter Genuss sein und sehr, sehr glucklich machen,
wenn man sich liebt (Pred. 9:9). Nehmen wir die liebevolle
Beziehung zwischen Isaak und Rebekka (1. Mo. 24:67). Auch
nach etlichen Ehejahren war ihre Zuneigung ganz offensicht-
                    ¨
lich nicht abgekuhlt. Das trifft auch auf viele Ehepaare heute
zu. Ihr Geheimnis? Sie haben gelernt, offen, aber liebevoll
                  ¨                             ¨
miteinander uber ihre Gedanken und Gefuhle zu sprechen.
                           ¨     ¨
Dazu haben sie Verstandnis fureinander entwickelt, haben Lie-
                                      ¨
be, tiefen Respekt und sind demutig. Zeichnet sich eine Ehe
durch diese grundlegenden Eigenschaften aus, wird die Kom-
munikation nie abreißen. Warum kann man das sagen?
                     ¨
2. Welche Faktoren konnen eine gute Kommunikation erschweren?
3. Wie haben Ehepaare ihre Bindung gefestigt?
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BEKUNDE EINSICHT
  4   „Wer in einer Sache Einsicht bekundet, wird Gutes fin-
                        ¨
den“, heißt es in Spruche 16:20. Das trifft ohne Frage auch
                                          ¨
auf Ehe und Familie zu. (Lies Spr uche 24:3.) Gottes Wort
ist die beste Quelle von Einsicht und Weisheit. Wie wir aus
1. Mose 2:18 erfahren, hat Jehova die Frau nicht als eine Ko-
                                                      ¨
pie des Mannes geschaffen, sondern als sein Gegenstuck. Das
                                                        ¨
zeigt sich auch daran, wie sie kommuniziert. Es gibt naturlich
                                                          ¨
Unterschiede, aber in der Regel sprechen Frauen gern uber
                                ¨
ihre Empfindungen oder uber Menschen und Beziehungen.
Eine herzliche, enge Kommunikation tut ihnen gut, denn so
  ¨                               ¨
fuhlen sie sich geliebt. Viele Manner hingegen sprechen nicht
           ¨              ¨           ¨         ¨          ¨
so gern uber ihre Gefuhle, dafur aber lieber uber ihre Tatig-
       ¨                    ¨       ¨
keit, uber Probleme und uber Losungen. Gleichzeitig ist es ih-
nen wichtig, respektiert zu werden.
                                                    ¨
    5 „Mein Mann will immer gleich das Problem losen, statt
mich erst mal ausreden zu lassen“, bemerkte eine Schwester
                                        ¨
aus England. „Das kann ganz schon frustrieren, wenn ich mir
                ¨                           ¨
einfach nur wunsche, dass er mir zuhort und versucht, mich
zu verstehen.“ Ein Ehemann berichtet: „Als wir frisch verhei-
ratet waren, hab ich versucht, jedes Problem, das meine Frau
                              ¨
hatte, immer gleich zu losen. Ich hab aber schnell gemerkt:
         ¨                                    ¨
Sie mochte einfach nur, dass ich ihr zuhore“ (Spr. 18:13; Jak.
                                                             ¨
1:19). Zeigt ein Mann Einsicht, dann nimmt er die Gefuhle
                                                             ¨      ¨
4, 5. Wieso macht es Einsicht Eheleuten leichter, mehr Verstandnis fureinan-
                                                  ¨     ¨
der aufzubringen? Welche Beispiele lassen sich dafur anfuhren?
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seiner Frau ernst und bemuht sich, darauf einzugehen. Gleich-
zeitig versichert er ihr, dass es ihm wichtig ist, zu wissen, wie
                  ¨
sie denkt und fuhlt (1. Pet. 3:7). Umgekehrt versucht auch
sie, seine Sicht zu begreifen. Wenn Mann und Frau richtig ver-
                                  ¨
stehen, welche Rolle sie gemaß der Bibel haben, diese Rolle
                              ¨
anerkennen und sie ausfullen, dann ist ihre Verbindung ein
                            ¨
echtes Juwel! Und sie konnen gut zusammenarbeiten, wenn
es darum geht, weise und ausgeglichen zu entscheiden und zu
handeln.
    6Wer Einsicht hat, weiß auch: Es gibt „eine Zeit zum
Schweigen und eine Zeit zum Reden“ (Pred. 3:1, 7). Eine
Schwester, die seit 10 Jahren verheiratet ist, stellt fest: „Heu-
te verstehe ich, dass es Momente gibt, wo ich meinen Mann
lieber nicht mit einem Problem belaste. Ist er wegen seiner Ar-
beit oder seiner Aufgaben gerade sehr eingespannt, warte ich
lieber ein wenig ab, bis ich die Sache anspreche. Dann sind
                ¨                                           ¨
unsere Gesprache viel entspannter.“ Eine kluge, verstandige
          ¨
Frau druckt sich zudem gewinnend aus. Sie weiß, dass ein
      ¨
wohluberlegtes „Wort, geredet zur rechten Zeit“, angenehm
                     ¨                    ¨
ist und auch geschatzt wird. (Lies Spr uche 25:11.)
   7 Und der Mann? Er sollte seiner Frau nicht nur zuhoren,
                                                              ¨
                          ¨                   ¨
sondern sich auch bemuhen, klar und verstandlich zu vermit-
              ¨         ¨
teln, wie er fuhlt. Ein Altester, der schon 27 Jahre verheiratet
6, 7. (a) Wie kann das Prinzip aus Prediger 3:7 Eheleuten helfen, Einsicht
                                               ¨
zu bekunden? (b) Was zeichnet eine kluge, verstandige Ehefrau aus, und wo-
                                ¨
rum sollte sich ein Ehemann bemuhen?
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ist, sagt: „Ich muss immer noch daran arbeiten, meiner Frau
          ¨
zu erklaren, wie es tief in meinem Innern aussieht.“ Ein an-
                                            ¨
derer Bruder, seit 24 Jahren verheiratet, raumt ein: „Ich neige
               ¨              ¨
dazu, mich uber meine Gefuhle auszuschweigen in der Hoff-
nung, die Sache werde sich von selbst erledigen. Doch ich
                                                ¨
habe gelernt, dass es kein Zeichen von Schwache ist, wenn ich
             ¨
meine Gefuhle zeige. Wenn mir das also mal wieder schwer-
   ¨
fallt, bete ich um die richtigen Worte und den richtigen Ton.
Dann atme ich tief durch und fange an zu reden.“ Vorteilhaft
                                              ¨
ist es auch, den passenden Rahmen zu wahlen — vielleicht
wenn man zu zweit den Tagestext bespricht oder in der Bi-
bel liest.
                          ¨
     8 Ganz wichtig ist fur beide das Gebet und der innige
                                                            ¨
Wunsch, immer besser miteinander kommunizieren zu kon-
nen. Es ist zugegebenermaßen nicht leicht, alte Gewohnheiten
        ¨
zu andern. Aber wer Jehova liebt, um seinen Geist bittet und
                                                        ¨
die Ehe als heilig betrachtet, der hat eine starke zusatzliche
Motivationshilfe. Eine Schwester schreibt nach 26 Jahren Ehe:
      ¨
„Fur meinen Mann und mich ist es wichtig, die Ehe genauso
                                                  ¨   ¨
ernst zu nehmen wie Jehova. Uns zu trennen kame uberhaupt
nicht infrage. Darum strengen wir uns umso mehr an, offen
 ¨
uber Probleme zu reden und sie gemeinsam anzupacken.“ Je-
                  ¨
hova freut sich uber eine solche Gottergebenheit und Treue;
und er segnet sie (Ps. 127:1).
              ¨                                                       ¨
8. Welche zus atzliche Motivationshilfe haben Christen, um ihre Ehe glucklich
zu gestalten?
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WACHSE IN DER LIEBE
    9Die wichtigste Eigenschaft in einer Ehe ist die Liebe, denn
„sie ist ein vollkommenes Band der Einheit“ (Kol. 3:14). Ech-
             ¨
te Liebe wachst, wenn man in guten wie in schlechten Zeiten
                    ¨
fest zueinanderhalt. Die Freundschaft wird dadurch noch en-
ger und man genießt es, mit dem anderen zusammen zu sein.
                ¨
Anders als haufig in den Medien dargestellt, werden solche
Ehen nicht durch einige wenige große Taten zusammengehal-
                            ¨
ten, sondern durch unzahlige kleine Liebesbeweise — eine
                                        ¨
Umarmung, ein liebes Wort, eine mitfuhlende Geste, ein herz-
          ¨
liches Lacheln oder die ehrlich gemeinte Frage: „Wie war dein
Tag?“. Diese kleinen Dinge sind es, die den großen Unter-
                                                             ¨
schied machen. Ein Bruder, der schon seit 19 Jahren glucklich
                        ¨
verheiratet ist, erzahlt, dass er und seine Frau mehrfach am
Tag telefonieren oder sich eine SMS schicken, „nur um zu wis-
                  ¨
sen, wie es so lauft“.
                                    ¨
   10 Wenn man jemand liebt, mochte man ihn auch immer
besser kennenlernen (Phil. 2:4). Und je besser man den an-
                          ¨     ¨
deren kennt, desto starker wachst wiederum die Liebe, allen
                                                ¨
Unvollkommenheiten zum Trotz. In einer glucklichen Bezie-
                                                           ¨
hung bleibt man also nie stehen, sondern sie wird uber die
                      ¨                                ¨
Jahre immer erfullter und die Bindung immer starker. Da
   ¨
drangt sich die Frage auf: Wie gut kenne ich eigentlich mei-
                                                         ¨
nen Partner? Wie genau weiß ich, was er denkt und fuhlt? Wie
oft kreisen meine Gedanken um ihn und um die Eigenschaf-
ten, die mich ganz am Anfang an ihm fasziniert haben?
             ¨                ¨                               ¨
9, 10. Was konnen Eheleute dafur tun, das Band der Liebe zu starken?
8              D ER WACHTTURM — 15. M AI 2013                     TEIL 2
ARBEITE WEITER AN RESPEKT
  11
                    ¨
       Selbst die glucklichste Ehe ist nicht vollkommen, und
Ehepaare, die sich lieben, sind nicht immer einer Meinung.
Auch Abraham und Sara waren sich nicht immer einig (1. Mo.
21:9-11). Doch das hat keinen Keil zwischen sie getrieben.
                                              ¨
Wieso nicht? Weil sie sich gegenseitig mit Wurde und Respekt
behandelten. So sagte Abraham zu Sara „bitte“ (1. Mo.
                            ¨
12:11, 13). Und Sara horte auf ihren Mann und betrachtete
ihn als ihren „Herrn“ (1. Mo. 18:12). Fehlt es Ehepaaren an
Respekt voreinander, merkt man das zumeist daran, welcher
Umgangston bei ihnen herrscht (Spr. 12:18). Arbeiten sie
                                        ¨
nicht an dem eigentlichen Problem, konnte ihre Ehe auf eine
Katastrophe zusteuern. (Lies Jakobus 3:7-10, 17, 18.)
                 ¨
    12 Neuvermahlte sollten ganz besonders daran arbeiten,
durch einen freundlichen, respektvollen Umgangston eine At-
         ¨                                             ¨
mosphare zu schaffen, in der jeder offen und ehrlich uber al-
                          ¨
les reden kann. „So schon es ist, verheiratet zu sein — in den
ersten Ehejahren ist man hin und wieder auch frustriert“, sagt
                                   ¨
ein Ehemann. „Da man erst allmahlich lernt, sich auf die Ge-
  ¨                              ¨
fuhle, Gewohnheiten und Bedurfnisse seiner Frau einzustel-
                                          ¨
len — und sie umgekehrt ja auch —, lauft nicht immer alles
                                                           ¨
rund. Aber langfristig kommt es beiden zugute, dann vernunf-
tig an die Sache heranzugehen, mit einer Prise Humor sowie
                                     ¨
11. Warum ist Respekt lebenswichtig fur eine Ehe? An welchem Beispiel wird
das deutlich?
                           ¨
12. Warum sollten Neuvermahlte besonders daran arbeiten, respektvoll mit-
einander zu reden?
TEIL 2               D ER WACHTTURM — 15. M AI 2013                     9
mit Demut, Geduld und Gottvertrauen — Eigenschaften, die
stabilisierend wirken.“ Wie wahr!
                    ZEIGE ECHTE DEMUT
     13
                                              ¨
      Gute Kommunikation in der Ehe lasst sich mit einem
                                          ¨
Bach vergleichen, der friedlich und bedachtig durch einen Gar-
ten fließt. Ob die Kommunikation ungehindert „fließen“
          ¨                                               ¨
kann, hangt maßgeblich davon ab, ob beide demutig sind
                                                                ¨
(1. Pet. 3:8). Ein Bruder, der 11 Jahre verheiratet ist, erklart:
„Demut ist der schnellste Weg, einen Streit beizulegen, weil
                                                                  ¨
man dann eher bereit ist zu sagen: ‚Es tut mir leid.‘ “ Ein Al-
                               ¨
tester, der seit 20 Jahren glucklich verheiratet ist, bemerkt: „Zu
sagen ‚Es tut mir leid‘ ist manchmal wichtiger als ‚Ich liebe
                  ¨
dich‘ “, und fugt hinzu: „Es gibt kaum eine schnellere Metho-
de, sich auf Demut zu besinnen, als das Gebet. Beten meine
Frau und ich gemeinsam zu Jehova, werden wir an unsere Un-
                                                   ¨
vollkommenheit und an seine unverdiente Gute erinnert. Die-
ser sanfte Hinweis hilft mir, die Dinge richtig einzuordnen.“
                                                        ¨
   14 Stolz hingegen wirkt alles andere als versohnend. Er
                                            ¨
macht Kommunikation praktisch unmoglich, denn ein stolzer
Mensch hat weder den Wunsch, sich zu entschuldigen, noch
                             ¨
den Mut dazu. Statt demutig zu sagen „Es tut mir leid, bitte
                                                 ¨
verzeih mir“, und dabei mutig eigene Schwachen einzugeste-
hen, verweist er lieber auf die des anderen und sucht nach
                ¨
Ausreden. Fuhlt er sich verletzt, reagiert er eher beleidigt,
                                    ¨
13. Warum spielt Demut in einer glucklichen Ehe eine entscheidende Rolle?
14. Wie kann sich Stolz auf eine Ehe auswirken?
10             D ER WACHTTURM — 15. M AI 2013                     TEIL 2
¨
revanchiert sich vielleicht mit b osen Worten oder eisigem
                                            ¨
Schweigen, statt sich um Frieden zu bemuhen (Pred. 7:9). An
                           ¨
Stolz kann eine Ehe tatsachlich zerbrechen. Vergessen wir nie:
                                 ¨                ¨
„Gott widersteht den Hochmutigen, den Demutigen aber er-
                         ¨
weist er unverdiente Gute“ (Jak. 4:6).
                             ¨
      15 Zu glauben, man konne Stolz komplett unterdrucken,
                                                           ¨
    ¨       ¨
ware naturlich naiv. Es ist wichtig, sich dessen bewusst zu sein
und schnell dagegen vorzugehen. Paulus legte Mitchristen ans
                                     ¨
Herz: „Lasst die Sonne nicht uber eurer gereizten Stim-
mung untergehen, auch gebt dem Teufel nicht Raum“ (Eph.
4:26, 27). Halten wir uns nicht an diesen Rat aus Gottes Wort,
                               ¨
machen wir uns nur unnotig Stress. Eine Schwester klagte:
„Manchmal haben mein Mann und ich den Rat aus Epheser
4:26, 27 außer Acht gelassen. Das brachte mir einige der
                    ¨  ¨
schlimmsten Nachte uberhaupt ein.“ Wie viel besser, Proble-
me gleich anzusprechen und zwar mit dem Ziel, sich zu ver-
  ¨             ¨
sohnen! Naturlich kann es sein, dass man sich und seinem
Partner ein wenig Zeit geben muss, sich zu beruhigen. Ein Ge-
                                         ¨
bet um Hilfe, die richtige Gemutsverfassung wiederzuer-
              ¨                                              ¨
langen, ware sicher auch angebracht. Und eine demutige
Einstellung macht es leichter, sich nicht auf sich selbst zu kon-
zentrieren und so die Situation noch zu verschlimmern, son-
                                   ¨
dern darauf, das Problem zu losen. (Lies Kolosser 3:12, 13.)
                  ¨                                      ¨
      16 Wer demutig und bescheiden ist, freut sich uber die
         ¨
15. Erklare, wie der Grundsatz aus Epheser 4:26, 27 Ehepartnern helfen
kann, Differenzen beizulegen.
                                        ¨
16. Wie kann Demut helfen, die eigenen Fahigkeiten richtig einzuordnen?
TEIL 2             D ER WACHTTURM — 15. M AI 2013                   11
¨                                                         ¨
Starken seines Partners. Vielleicht hat eine Frau besondere Fa-
                                                      ¨
higkeiten, die der Familie zugutekommen. Ein demutiger und
                       ¨
bescheidener Mann fuhlt sich dadurch nicht angegriffen. Er
  ¨
fordert sie vielmehr und zeigt damit, wie sehr er sie liebt und
        ¨
schatzt (Spr. 31:10, 28; Eph. 5:28, 29). Andererseits wird eine
           ¨                                            ¨
demutige und bescheidene Frau nicht mit ihren Fahigkeiten
protzen oder ihren Mann herabsetzen. Die beiden sind ja
schließlich „ein Fleisch“ und was den einen verletzt, verletzt
auch den anderen (Mat. 19:4, 5).
             ¨                          ¨
    17 Mochtest auch du so eine Ehe fuhren wie Abraham und
                                                    ¨
Sara oder Isaak und Rebekka — von Herzen glucklich, un-
                                            ¨
zertrennlich und Jehova zur Ehre? Was fur eine Frage! Dann
lass dich von nichts und niemand davon abbringen, die Ehe so
zu sehen, wie Jehova sie sieht. Suche in seinem Wort nach Ein-
sicht und Weisheit. Lass wahre Liebe — „die Flamme Jahs“ —
weiter in dir wachsen, indem du dir immer wieder bewusst
machst, wie wertvoll dein Partner ist (Hoh. 8:6). Arbeite hart
                     ¨
daran, immer demutig zu sein. Behandle deinen Partner mit
      ¨                                       ¨
Wurde und Respekt. All das wird dich glucklich machen und
Jehovas Herz erfreuen (Spr. 27:11). Ein Bruder, der seit
                                ¨
27 Jahren verheiratet ist, erklart: „Ein Leben ohne meine Frau
          ¨      ¨
ist fur mich vollig undenkbar. Weil wir beide Jehova lieben
und eine gute Kommunikation pflegen, kommen wir uns je-
                   ¨         ¨
den Tag ein Stuckchen naher.“ Und genau so kann es dir
auch gehen . . .
                              ¨             ¨
17. Wie kann man heute eine gluckliche Ehe fuhren, die Gott ehrt?
12             D ER WACHTTURM — 15. M AI 2013                       TEIL 2
Eltern und Kinder, kommuniziert
      liebevoll miteinander
                                           ¨
     „Jeder Mensch soll schnell sein zum Horen,
 langsam zum Reden, langsam zum Zorn“ (JAK. 1:19)

WAS SAGST DU?
Warum ist es so wichtig, sich Zeit zu nehmen,
miteinander zu sprechen?
      ¨
Wie konnen Eltern Jakobus 1:19 anwenden?
      ¨
Wie konnen Kinder Jakobus 1:19 anwenden?

IN DEN Vereinigten Staaten wurde im Rahmen einer Studie
mehreren Hundert Jugendlichen die Frage gestellt: „Wenn du
                                        ¨
zum Beispiel irgendwie herausfinden wurdest, dass deine El-
                                    ¨
tern morgen sterben werden, was wurdest du ihnen heute un-
bedingt noch sagen wollen?“ Die Reaktion? Probleme oder
Streitigkeiten wurden kaum thematisiert. „Die große Mehr-
heit — 95 Prozent — sprach aus tiefstem Herzen heraus.
Worte wie ‚Es tut mir leid‘ oder ‚Ich liebe euch so sehr‘ ka-
men immer wieder vor“ (Wie Teens ticken, Shaunti Feld-
hahn und Lisa Rice).
   2 Es ist ganz normal: Kinder lieben ihre Eltern, Eltern lie-
                              ¨
ben ihre Kinder, und beide wunschen sich, einander nahe zu
1, 2. Wie stehen Eltern und Kinder normalerweise zueinander, doch welche
Schwierigkeiten haben sie?
TEIL 2             D ER WACHTTURM — 15. M AI 2013                    13
sein — vor allem in einer christlichen Familie. Trotzdem ha-
pert es manchmal mit der Kommunikation. Wie kommt es,
                        ¨
dass Eltern und Kinder uber manche Themen ganz offen mit-
                  ¨
einander reden konnen, andere hingegen komplett vermei-
den? Was steht einer guten Kommunikation im Weg und wie
           ¨
kann das uberwunden werden?
                                       ¨
               SCHAFFE GENUG ZEIT DAF UR
     3
                       ¨                       ¨
     Vielen Familien fallt es schwer, sich genugend Zeit zu
                               ¨         ¨
nehmen, tiefer gehende Gesprache zu fuhren. Das war nicht
                                 ¨
immer so. Moses forderte die Vater im alten Israel auf: „Du
                                             ¨
sollst sie [Gottes Worte] deinem Sohn einscharfen und davon
reden, wenn du in deinem Haus sitzt und wenn du auf dem
Weg gehst und wenn du dich niederlegst und wenn du auf-
stehst“ (5. Mo. 6:6, 7). Damals verbrachten die Kinder den
Tag entweder zu Hause bei der Mutter oder mit dem Vater
auf dem Feld oder an seinem Arbeitsplatz. So konnten sie
viel Zeit miteinander verbringen und sich unterhalten. Da-
                                     ¨
durch kannten die Eltern die Personlichkeit ihrer Kinder, de-
           ¨              ¨
ren Bedurfnisse und Wunsche. Und die Kinder hatten aus-
giebig Zeit und Gelegenheit, ihre Eltern kennenzulernen.
   4 Das Leben heute ist so ganz anders! In manchen Lan-
                                                          ¨
                                   ¨
dern gehen Kinder schon sehr fruh in die Vorschule, teilwei-
                ¨
3. (a) Warum fallt es vielen Familien schwer, gut zu kommunizieren? (b) Wa-
            ¨
rum war es fur Familien in Israel kein Problem, viel Zeit miteinander zu ver-
bringen?
                  ¨
4. Warum ist es fur viele Familien schwierig, gut miteinander zu kommuni-
zieren?
14              D ER WACHTTURM — 15. M AI 2013                       TEIL 2
¨          ¨
se schon mit zwei Jahren. Viele Vater oder Mutter haben lan-
                              ¨
ge Arbeitswege. In der fur die Familie verbleibenden kurzen
Zeit heißt es Kommunikation kontra Fernsehen, Computer
und andere elektronische Medien — und oft zieht dabei die
                            ¨                    ¨
Kommunikation den Kurzeren. Nicht selten fuhren Eltern
und Kinder ihr ganz eigenes Leben, sind quasi Fremde. Ech-
           ¨
te Gesprache gibt es praktisch nicht.
       ¨
   5 Konntest du vielleicht bei unwichtigeren Dingen Abstri-
che machen und so mehr Zeit schaffen, um sie mit deinen
Lieben zu verbringen? (Lies Epheser 5:15, 16.) Manche Fa-
milien haben sich darauf geeinigt, weniger Zeit vor dem Fern-
seher oder Computer zu verbringen. Andere versuchen we-
nigstens einmal am Tag gemeinsam zu essen. Eine besonders
                                ¨
gute Gelegenheit, sich naherzukommen und sich in ent-
                     ¨    ¨
spannter Atmosphare uber geistige Inhalte auszutauschen,
bietet das Familienstudium. Schon eine Stunde in der Woche
     ¨                 ¨
dafur vorzusehen, ware ein guter Anfang. Aber um tiefere
         ¨      ¨
Gesprache zu fuhren, reicht das allein nicht aus. Dazu muss
                                       ¨
man oft miteinander reden, im Gesprach bleiben. Bevor dein
Kind morgens zur Schule geht, sag ihm einige ermutigende
Worte, besprich den Tagestext mit ihm, bete mit ihm. Dann
sieht sein Tag vielleicht schon ganz anders aus.
   6 Manche Eltern haben ihr Leben umgestellt, um mehr mit
ihren Kindern zusammen zu sein. Laura1, Mutter von zwei
            ¨
  1 Name geandert.
                                                   ¨
5, 6. Was haben manche Eltern getan, um mehr Zeit fur ihre Kinder zu
schaffen?
TEIL 2               D ER WACHTTURM — 15. M AI 2013               15
¨
Kindern, gab deshalb ihre Ganztagsstelle auf. Sie erzahlt:
„Morgens mussten alle immer schnell los — zur Arbeit oder
zur Schule. Wenn ich nach Hause kam, schliefen die Kinder
                                                       ¨
schon, zu Bett gebracht von einer Babysitterin. Jetzt mussen
wir zwar mit weniger Geld auskommen, aber ich hab das Ge-
 ¨
fuhl, einen guten Draht zu meinen Kindern zu haben, ken-
                                             ¨
ne ihre Gedanken und Probleme. Ich kann horen, worum sie
beten, und sie entsprechend anleiten, ihnen etwas sagen, ih-
nen Mut machen.“
                                  ¨
               SEI „SCHNELL ZUM H OREN“
     Die Autorinnen des Buches Wie Teens ticken kamen
     7
nach vielen Interviews mit jungen Leuten einem weiteren
„Kommunikationsblocker“ auf die Spur. Sie schreiben: „Die
                                            ¨       ¨
Klage, die wir von den Jugendlichen am haufigsten uber ihre
              ¨                    ¨
Eltern zu horen bekamen: ‚Sie horen nicht zu!‘ “ Doch be-
trifft das nicht auch die andere Seite? Eltern behaupten von
ihren Kindern ja oft dasselbe. Damit die Kommunikation
                    ¨                                       ¨
fließen kann, mussen Familienmitglieder einander zuho-
                      ¨
ren — richtig zuhoren! (Lies Jakobus 1:19.)
        ¨
   8 Hort ihr Eltern euren Kindern wirklich zu? Das ist be-
                                                 ¨
stimmt nicht immer leicht, vor allem wenn ihr mude seid oder
es um ganz belanglose Dinge zu gehen scheint. Was euch
                                              ¨           ¨
aber vielleicht belanglos vorkommt, kann fur eure Kinder au-
                                         ¨
ßerst wichtig sein. „Schnell sein zum Horen“ bedeutet nicht
       ¨
7. Woruber beschweren sich oft sowohl Kinder wie auch Eltern?
         ¨                                      ¨
8. Wie konnen Eltern ihren Kindern richtig zuh oren?
16             D ER WACHTTURM — 15. M AI 2013                   TEIL 2
¨
nur, aufmerksam hinzuhoren, was dein Kind sagt, sondern
                                                            ¨
auch darauf zu achten, wie es etwas sagt. Tonfall und Kor-
                                                          ¨
persprache lassen erkennen, wie ein junger Mensch fuhlt.
Vergesst auch nicht, Fragen zu stellen. In der Bibel heißt es:
                                                  ¨
„Die Gedanken eines Menschen sind unergrundlich wie
ein tiefer See, aber ein Menschenkenner durchschaut sie
                                                        ¨
und bringt sie ans Licht“ (Spr. 20:5, Hoffnung f ur alle).
Gerade bei sensiblen Themen ist Einsicht und Unterschei-
             ¨
dungsvermogen gefragt, um die Gedanken des Kindes he-
rauszufinden.
       ¨
    9 Hort ihr Kinder auf eure Eltern? Gottes Wort fordert
dich auf, der Anleitung deines Vaters zu folgen und „das Ge-
setz deiner Mutter“ nicht zu verlassen (Spr. 1:8). Denke da-
ran, deine Eltern lieben dich und wollen dein Bestes. Da ist
                            ¨                       ¨
es nur weise, auf sie zu horen (Eph. 6:1). Das fallt leichter,
                                                      ¨
wenn ihr gut miteinander kommuniziert und du spurst, dass
sie dich lieb haben. Sag deinen Eltern, wie du denkst. Dann
  ¨
konnen sie dich besser verstehen. Und versuch bitte auch, sie
zu verstehen.
  10 Wie sieht es mit dem Rat von Gleichaltrigen aus? Sei
                                                  ¨
vorsichtig. Vielleicht sagen sie dir das, was du horen willst —
was dir aber gar nicht hilft, ja dir vielleicht sogar schadet.
                                               ¨
Weil ihnen die Erfahrung und Weisheit der Alteren fehlt, ha-
                                                          ¨
ben die meisten von ihnen noch keinen Weitblick und konnen
                                          ¨
9. Warum sollten Kinder auf ihre Eltern horen?
10. Was zeigt uns der Bericht von Rehabeam?
TEIL 2              D ER WACHTTURM — 15. M AI 2013           17
¨
die Folgen einer Handlungsweise nicht unbedingt abschatzen.
                                   ¨
Als Rehabeam, der Sohn von Konig Salomo, Israels Thron
           ¨                                            ¨
bestieg, ware es weise gewesen, sich an den Rat der alteren
   ¨                                              ¨
Manner zu halten. Er folgte jedoch den unvernunftigen Vor-
     ¨          ¨          ¨
schlagen der jungeren Manner, mit denen er aufgewachsen
                                     ¨
war. Dadurch verlor er die Unterstutzung der meisten seiner
                   ¨
Untertanen (1. Ko. 12:1-17). Um nicht in dieselbe Falle zu
                                       ¨
tappen, ist es wichtig, dass du alles fur eine gute Kommuni-
kation mit deinen Eltern tust. Lass sie wissen, was du denkst.
Lerne von ihnen und mach dir ihre Erfahrung zunutze
(Spr. 13:20).
     11
     Liebe Eltern, wollt ihr, dass sich eure Kinder an euch
                                                           ¨
um Rat wenden statt an Gleichaltrige? Dann tut alles dafur,
                     ¨
dass es ihnen leichtfallt, zu euch zu kommen und mit euch
zu reden. Eine getaufte Jugendliche schreibt: „Ich brauch nur
den Namen eines Jungen in den Mund zu nehmen und schon
                            ¨
werden meine Eltern nervos. Das verunsichert mich total und
                                         ¨
ich trau mich kaum noch, weiterzuerzahlen.“ Eine andere
junge Schwester schreibt: „Suchen Jugendliche den Rat ihrer
Eltern, werden von ihnen aber nicht ernst genommen, dann
gehen sie zu jemand anders, der das tut — auch wenn derje-
nige kaum Erfahrung hat.“ Bist du bereit, deinen Kindern
                         ¨                               ¨
mit dem Herzen zuzuhoren, ganz gleich, was sie zu erzahlen
                              ¨
haben, werden sie sich dir offnen und deine Anleitung gern
annehmen.
                                                ¨               ¨
11. Was kann passieren, wenn Eltern sich nicht fur ihre Kinder offnen?
18              D ER WACHTTURM — 15. M AI 2013                      TEIL 2
SEI „LANGSAM ZUM REDEN“
  12
                             ¨
     Die Kommunikation konnte auch erschwert werden,
wenn Eltern sich gleich aufregen oder ablehnend reagieren,
                                  ¨
sobald die Kinder etwas sagen. Naturlich wollen sie ihre Kin-
        ¨                                                ¨
der schutzen — ganz besonders heute, in den gefahrli-
chen „letzten Tagen“ (2. Tim. 3:1-5). Aber was die Eltern
als Schutz ansehen, empfinden ihre Kinder vielleicht als ei-
nengend.
  13  Es ist klug, wenn sich Eltern mit ihrer Meinung erst ein-
            ¨
mal zuruckhalten. Zugegeben, das ist nicht immer ganz
                                              ¨
leicht, besonders wenn du schockiert bist uber das, was du
   ¨                                            ¨
horst. Aber es ist sehr wichtig, genau zuzuhoren, bevor man
                        ¨
reagiert! Der weise Konig Salomo schrieb: „Wenn irgendei-
ner auf eine Sache eine Erwiderung gibt, ehe er sie ange-
   ¨                                              ¨
hort hat, so ist es ihm Torheit und Demutigung“ (Spr.
18:13). Bleibst du ruhig, wird dein Kind weiterreden und du
wirst mehr erfahren. Damit du ihm beistehen kannst, musst
                   ¨
du dir ein vollstandiges Bild verschaffen. Vielleicht liegt der
          ¨
Grund fur das „unsinnige Gerede“ deines Kindes darin, dass
                      ¨
es gerade ein Gefuhlschaos durchlebt (Hiob 6:1-3). Du
liebst dein Kind — also mache guten Gebrauch von deinen
Ohren, um es zu verstehen, und von deiner Zunge, um ihm
zu helfen.
          ¨
12. Wie konnte die Reaktion der Eltern die Kommunikation mit ihren Kindern
blockieren?
13. Warum ist es nicht ratsam, wenn Eltern immer gleich mit ihrer Meinung
herausplatzen?
TEIL 2              D ER WACHTTURM — 15. M AI 2013                     19
14
     Der Rat, „langsam zum Reden“ zu sein, gilt genauso
   ¨
fur Kinder. Widersprich den Eltern nicht gleich, denn sie ha-
                                       ¨
ben von Gott die Verantwortung fur dich bekommen (Spr.
          ¨                          ¨     ¨
22:6). Moglicherweise haben sie fruher Ahnliches erlebt wie
du jetzt. Sie bereuen die Fehler, die sie in deinem Alter ge-
macht haben, und wollen dich unbedingt davor bewahren,
 ¨
ahnliche Fehler zu machen. Betrachte deine Eltern daher als
     ¨
Verbundete und nicht als Feinde, als gute Ratgeber und nicht
                         ¨
als Kritiker. (Lies Spr uche 1:5.) „Ehre deinen Vater und dei-
ne Mutter“ und zeige ihnen, dass du sie auch liebst, wie sie
dich. Das macht es ihnen leichter, dich in den Wegen Jeho-
vas zu erziehen (Eph. 6:2, 4).
                 SEI „LANGSAM ZUM ZORN“
     15
      Mit denen, die wir lieben, sind wir nicht immer gedul-
                                     ¨
dig. An „die Heiligen und treuen Bruder in Gemeinschaft mit
                    ¨                                     ¨
Christus in Kolossa“ schrieb der Apostel Paulus: „Ihr Man-
ner, liebt eure Frauen weiterhin, und lasst euch nicht gegen
                        ¨
sie erbittern. Ihr Vater, reizt eure Kinder nicht, damit sie
nicht mutlos werden“ (Kol. 1:1, 2; 3:19, 21). Die Epheser
forderte er auf, „alle boshafte Bitterkeit und Wut und Zorn
                      ¨
und Geschrei und lasterliches Reden“ untereinander zu ent-
fernen (Eph. 4:31). Arbeiten wir an Langmut, Milde und
Selbstbeherrschung — alles Aspekte der Frucht des Geis-
14. Warum sollten Kinder „langsam zum Reden“ sein?
15. Was macht es uns leichter, mit denen, die wir lieben, nicht die Geduld zu
verlieren?
20              D ER WACHTTURM — 15. M AI 2013                       TEIL 2
¨
tes —, fallt es uns leichter, auch unter Druck und Stress ru-
hig zu bleiben (Gal. 5:22, 23).
  16  Nehmen wir Jesu Beispiel. Stell dir vor, wie groß der
                                                ¨
Druck gewesen sein muss, unter dem Jesus wahrend des letz-
ten Abendmahls stand. Er wusste genau: In wenigen Stunden
   ¨
wurde er einen langsamen, qualvollen Tod sterben. Von sei-
ner Treue hing es ab, ob der Name seines Vaters geheiligt und
                                      ¨
die Menschheit gerettet werden wurde. Ausgerechnet an die-
sem Abend entstand unter den Aposteln „ein hitziger Wort-
                 ¨                        ¨
streit . . . daruber, wer von ihnen der Großte zu sein scheine“.
Wie ging Jesus damit um? Er schrie sie nicht an, reagierte
                   ¨
auch nicht verargert. Vielmehr redete er ihnen ruhig zu, um
sie zum Nachdenken zu bringen. Er erinnerte sie daran, dass
             ¨
sie in Prufungen zu ihm gehalten hatten. Mit seinen Wor-
ten zeigte Jesus, wie sehr er darauf vertraute, dass sie
treu blieben, auch wenn der Teufel sie „wie Weizen sichten“
wollte. Ja, er schloss sogar einen Bund mit ihnen (Luk.
22:24-32).
  17 Auch Kinder sollten ruhig bleiben. Das kann besonders
                               ¨                        ¨
Teenager betreffen, die das Gefuhl haben, ihre Eltern wurden
ihnen nicht genug vertrauen, weil sie ihnen Vorschriften ma-
chen. Auch wenn das manchmal so aussieht — mach dir
bewusst, was dahintersteckt. Ist es nicht die Liebe deiner
                                               ¨
16. Auf welche Weise korrigierte Jesus seine J unger, und warum ist das so
beeindruckend?
17. Was hilft Kindern, ruhig zu bleiben?
TEIL 2              D ER WACHTTURM — 15. M AI 2013                     21
¨
Eltern, die sich um dich sorgen? Horst du ihnen ruhig zu
und bist kooperativ, erwirbst du dir ihren Respekt und den
                    ¨                     ¨                ¨
Ruf, vertrauenswurdig zu sein. Gut moglich, dass dir das gro-
ßere Freiheiten einbringt. Es ist daher nur weise, Selbstbe-
                  ¨
herrschung zu uben. Ein kluger Spruch besagt: „All seinen
         ¨                ¨
Geist lasst ein Unvernunftiger herausfahren, aber wer weise
      ¨
ist, halt ihn bis zuletzt ruhig“ (Spr. 29:11).
     18
     Liebe Eltern und liebe Kinder: Verliert nicht den Mut,
wenn die Kommunikation in eurer Familie nicht immer so
                                 ¨
funktioniert, wie ihr es euch wunscht. Arbeitet weiter da-
ran. Lebt weiter nach dem Weg der Wahrheit (3. Joh. 4).
In der neuen Welt werden vollkommene Menschen perfekt
                                        ¨
miteinander umgehen, ohne Missverstandnisse und Streitig-
keiten. Noch sind wir aber nicht so weit. Noch passieren je-
                                                 ¨
dem von uns immer wieder Dinge, die uns spater leidtun.
                            ¨
Wie wichtig, dass wir demutig um Vergebung bitten und be-
reitwillig vergeben, damit wir „harmonisch zusammenge-
  ¨
fugt seien in Liebe“! (Kol. 2:2). Liebe hat Macht. Die Lie-
                ¨         ¨                    ¨
be „ist langmutig und gutig“. Die Liebe „lasst sich nicht
                                      ¨
aufreizen“. Die Liebe „rechnet das B ose nicht an“. Die Lie-
          ¨
be „ertragt alles, glaubt alles, hofft alles, erduldet alles“
(1. Kor. 13:4-7). Wachst also weiter in der Liebe, und ihr
werdet euch im wahrsten Sinn des Wortes immer besser ver-
                              ¨
stehen. Und durch euer gluckliches Familienleben wird
Jehova geehrt.
         ¨
18. Wie fuhrt Liebe zu guter Kommunikation?
22             D ER WACHTTURM — 15. M AI 2013          TEIL 2
Weise Entscheidungen treffen,
                          ¨
um unser Erbe nicht zu gefahrden
                             ¨
         „Verabscheut das B ose,
                             ¨   haltet am Guten fest“
                             (ROM. 12:9)

       ¨
WAS W URDEST DU SAGEN?
Was ist unser geistiges Erbe?
Warum ist Esau ein warnendes Beispiel?
     ¨                                        ¨
Was mussen wir tun, um unser Erbe nicht zu gefahrden?

MILLIONEN haben bereits die weise Entscheidung getrof-
fen, Jehova Gott zu dienen und den Fußstapfen Jesu Christi
genau zu folgen (Mat. 16:24; 1. Pet. 2:21). Was wir Gott bei
unserer Hingabe versprochen haben, nehmen wir nicht auf die
                                          ¨
leichte Schulter. Unsere Entscheidung stutzte sich nicht auf
            ¨
eine oberflachliche Kenntnis einiger weniger Schrifttexte, son-
                ¨
dern auf ein grundliches Studium des Wortes Gottes. Wir ha-
                     ¨                      ¨
ben viele glaubensstarkende Einzelheiten uber das Erbe ken-
                                                      ¨
nengelernt, das Jehova denen in Aussicht stellt, die uber ihn
                                      ¨
Erkenntnis in sich aufnehmen und uber den, den er ausge-
                                        ¨
sandt hat, Jesus Christus (Joh. 17:3; Rom. 12:2).
  2   Damit wir als Diener Gottes unseren guten Ruf nicht
                                 ¨
1, 2. (a) Wieso hast du dich dafur entschieden, Gott zu dienen? (b) Welche
                                   ¨
Fragen zu unserem geistigen Erbe konnte man stellen?
TEIL 2              D ER WACHTTURM — 15. M AI 2013                     23
¨
verlieren, mussen wir Entscheidungen treffen, die unserem
himmlischen Vater gefallen. In diesem Artikel werden daher
wichtige Fragen behandelt wie: Worum handelt es sich bei un-
                                                   ¨
serem Erbe? Wie sollten wir es betrachten? Was mussen wir
tun, um unser Erbe zu bekommen? Was hilft uns, weise Ent-
scheidungen zu treffen?
         UNSER ERBE: WORUM HANDELT ES SICH?
     Eine relativ kleine Zahl von Dienern Jehovas freut sich
     3
                   ¨
auf ein „unvergangliches und unbeflecktes und unverwelkli-
                           ¨
ches Erbe“ — das unschatzbare Vorrecht, mit Christus vom
Himmel aus zu regieren (1. Pet. 1:3, 4). Um dieses Erbe zu
                 ¨
bekommen, mussen sie wiedergeboren werden (Joh. 3:1-3).
Worum handelt es sich beim Erbe der Millionen von „ande-
ren Schafen“ Jesu, die gemeinsam mit seinen gesalbten Nach-
                                          ¨
folgern die gute Botschaft von Gottes Konigreich predigen?
(Joh. 10:16). Die „anderen Schafe“ werden das erben, was
Adam und Eva nie erhalten haben — ewiges Leben auf einer
paradiesischen Erde, wo es kein Leid, keinen Tod und keine
                                                        ¨
Trauer gibt (Offb. 21:1-4). Jesus konnte daher einem Ubel-
  ¨
tater, der neben ihm hingerichtet wurde, versprechen: „Wahr-
lich, ich sage dir heute: Du wirst mit mir im Paradies sein“
(Luk. 23:43).
     4   Wir haben schon heute etwas von unserem Erbe. Da wir
3. Welches Erbe steht (a) den Gesalbten und (b) den „anderen Schafen“ in
Aussicht?
                           ¨
4. Welche Segnungen verspuren wir schon heute?
24               D ER WACHTTURM — 15. M AI 2013                  TEIL 2
¨
Glauben an „das von Christus Jesus bezahlte Losegeld“ aus-
 ¨
uben, genießen wir Herzensfrieden und erfreuen uns eines en-
          ¨                   ¨
gen Verhaltnisses zu Gott (Rom. 3:23-25). Wir haben ein kla-
          ¨
res Verstandnis der kostbaren Verheißungen in Gottes Wort.
                  ¨
Außerdem gehoren wir zu einer liebevollen, internationalen
Bruderschaft, was uns viel Freude bereitet. Und wie gesegnet
                                          ¨
wir doch sind, Zeugen Jehovas sein zu durfen! Kein Wunder,
                                  ¨
dass wir unser Erbe so sehr schatzen.
   5 Um unser wundervolles Erbe sicher zu bewahren, mus-
                                                             ¨
              ¨                 ¨             ¨
sen wir bestandig vor den Tauschungsmanovern Satans auf
der Hut sein. Satan hat schon immer versucht, Gottes Die-
ner zu Entscheidungen zu verleiten, die sie um ihr Erbe brin-
        ¨
gen konnen (4. Mo. 25:1-3, 9). Satan weiß, dass es mit
seinem Treiben bald vorbei ist, und intensiviert seine Anstren-
                                    ¨
gungen, uns in die Irre zu fuhren. (Lies Offenbarung
12:12, 17.) Um den Machenschaften des Teufels standhalten
      ¨         ¨
zu konnen, mussen wir unserem Erbe weiterhin einen hohen
Stellenwert geben (Eph. 6:11). In diesem Zusammenhang ist
Isaaks Sohn Esau ein warnendes Beispiel, das wir uns zu Her-
zen nehmen sollten.
                   NICHT WIE ESAU SEIN
  6Vor fast 4 000 Jahren bekamen Isaak und Rebekka die
Zwillinge Esau und Jakob. Sie waren, was Temperament und
                                                    ¨
5. Was versucht Satan bei Gottes Dienern, und wie konnen wir seinen Ma-
chenschaften standhalten?
6, 7. Wer war Esau, und welches Erbe stand ihm in Aussicht?
TEIL 2             D ER WACHTTURM — 15. M AI 2013                   25
Vorlieben angeht, sehr unterschiedlich. „Esau wurde ein jagd-
kundiger Mann, ein Mann des Feldes“, berichtet die Bibel,
„Jakob aber ein Mann ohne Tadel, der in Zelten wohnte“
                           ¨
(1. Mo. 25:27). Das hebraische Wort, das mit „ohne Tadel“
                                            ¨
wiedergegeben wird, deutet nach dem Bibelubersetzer Robert
                    ¨
Alter „auf Integritat oder sogar Unschuld hin“.
    Als Esau und Jakob 15 waren, starb ihr Großvater Abra-
     7
ham. Die Verheißung, die ihm Jehova gegeben hatte, blieb je-
                   ¨                               ¨
doch bestehen. Spater wiederholte sie Jehova gegenuber Isaak
und wies darauf hin, dass sich alle Nationen der Erde durch
                               ¨
den Samen Abrahams segnen wurden. (Lies 1. Mose 26:3-5.)
      ¨
Gemaß dieser Verheißung sollte der Messias — der in
                 ¨
1. Mose 3:15 erwahnte Same — ein Nachkomme Abrahams
sein. Auf diese Verheißung hatte Esau als Erstgeborener
                                     ¨
Isaaks einen Rechtsanspruch. Was fur ein wunderbares Erbe
                                 ¨
ihm doch in Aussicht stand! Schatzte er es?
     Eines Tages kam Esau vom Feld und sah, dass Jakob et-
     8
was kochte. „Geschwind“, sagte Esau, „lass mich bitte etwas
von dem Roten verschlingen — dem Roten da, denn ich bin
   ¨
mude!“ Jakob erwiderte: „Verkauf mir zuerst dein Erstge-
                  ¨
burtsrecht!“ Wofur entschied sich Esau? Kaum zu glauben,
dass er sagte: „Von welchem Nutzen ist mir ein Erstgeburts-
recht?“ Esau zog ein Linsengericht seinem Erstgeburtsrecht
                           ¨
vor! Jakob wollte nun die Ubertragung des Erstgeburtsrechts
               ¨                                                     ¨
8, 9. (a) Wofur entschied sich Esau? (b) Was wurde Esau erst Jahre spater
klar, und wie reagierte er darauf?
26             D ER WACHTTURM — 15. M AI 2013                     TEIL 2
¨                    ¨               ¨
rechtsgultig machen und drangte: „Schwor es mir zuerst!“
             ¨
Ohne zu zogern, gab Esau sein Erstgeburtsrecht weg. „Jakob
gab Esau Brot und ein Linsengericht, und er begann zu es-
sen und zu trinken. Dann stand er auf und ging seines Weges.
So verachtete Esau das Erstgeburtsrecht“ (1. Mo. 25:29-34).
                 ¨                         ¨
    9 Jahre spater dachte Isaak, er musse sterben. Rebekka
stellte sicher, dass Jakob das von Esau leichtfertig weggegebe-
                                 ¨
ne Erstgeburtsrecht auch tatsachlich erhielt. Als Esau klar
                 ¨
wurde, was fur eine schlechte Entscheidung er getroffen hat-
                   ¨
te, war es zu spat. Er bettelte: „Segne mich, ja auch mich,
                                             ¨
mein Vater! . . . Hast du keinen Segen fur mich aufbehalten?“
                             ¨
Doch Isaak sagte ihm, er konne an dem Segen, den er bereits
                                     ¨
Jakob gegeben hatte, nichts mehr andern. „Damit erhob Esau
                                   ¨
seine Stimme und brach in Tranen aus“ (1. Mo. 27:30-38).
                           ¨
    10 Welche Charakterzuge Esaus treten besonders hervor?
                                         ¨
Sein Verlangen zu befriedigen war fur ihn wichtiger als die
  ¨
kunftigen Segnungen, die mit seinem Erbe verbunden gewe-
        ¨
sen waren. Er hielt sein Erstgeburtsrecht nicht in Ehren und
hatte offensichtlich keine echte Liebe zu Gott. Außerdem ließ
er außer Acht, wie sich sein Verhalten auf seine Nachkommen
               ¨                       ¨
auswirken wurde. Jakob dagegen schatzte sein Erbe sehr. Als
                        ¨
es darum ging, sich fur eine Ehefrau zu entscheiden, hielt er
sich an die Anweisungen seiner Eltern (1. Mo. 27:46 bis
28:3). Das verlangte von ihm Geduld und war mit Opfern
verbunden, doch er wurde ein Vorfahr des Messias. Was
                      ¨                ¨
10. Was empfand Gott fur Esau und was fur Jakob, und warum?
TEIL 2             D ER WACHTTURM — 15. M AI 2013             27
¨                 ¨
empfand Gott fur Esau und was fur Jakob? Durch den Pro-
pheten Maleachi ließ Jehova sagen: „Ich liebte Jakob, und
Esau habe ich gehasst“ (Mal. 1:2, 3).
                              ¨               ¨
   11 Ist das, was die Bibel uber Esau sagt, fur uns heute von
                ¨                                  ¨
Belang? Naturlich. Paulus ermahnte Glaubensbruder, darauf
zu achten, „dass kein Hurer da ist noch irgendjemand, der
                          ¨
heilige Dinge nicht schatzt, wie Esau, der seine Erstgeburts-
                    ¨
rechte im Tausch fur e i n Mahl weggab“ (Heb. 12:16). Diese
                        ¨                 ¨                 ¨
Warnung gilt auch fur uns heute. Wir mussen die Wertschat-
        ¨
zung fur heilige Dinge bewahren, damit wir nicht von fleisch-
                      ¨
lichen Begierden uberwunden werden und unser geistiges
Erbe verlieren. Warum sprach Paulus im Zusammenhang mit
Esaus Verhalten von Hurerei? Weil jemand mit der fleischli-
                                                        ¨
chen Einstellung Esaus eher bereit ist, heilige Dinge fur ver-
              ¨
botene Genusse wie etwa Hurerei aufzugeben.
            JETZT UNSER HERZ BEFESTIGEN
     Bestimmt wollen wir als Diener Jehovas Situationen ver-
     12
                                     ¨
meiden, in denen wir versucht sein konnten, unsittlich zu han-
deln. Wir bitten Jehova Gott, nicht zuzulassen, dass wir einer
Versuchung zum Ungehorsam nachgeben (Mat. 6:13). In der
                               ¨
heutigen verdorbenen Welt mochten wir unsere unversehrte
                                          ¨
Lauterkeit bewahren, auch wenn Satan standig versucht, un-
                                         ¨
11. (a) Warum ist das Beispiel Esaus fur uns heute von Belang? (b) Warum
sprach Paulus im Zusammenhang mit Esaus Verhalten von Hurerei?
               ¨
12. (a) Wie tragt Satan Versuchungen an uns heran? (b) Welche biblischen
            ¨
Beispiele konnen uns helfen, wenn wir vor schwierigen Entscheidungen stehen?
28              D ER WACHTTURM — 15. M AI 2013                       TEIL 2
sere geistige Gesinnung zu untergraben (Eph. 6:12). Als Gott
        ¨                                                       ¨
des b osen Systems der Dinge weiß der Teufel, unsere Schwa-
                             ¨
chen auszunutzen, und tragt Versuchungen an uns heran
                                                       ¨
(1. Kor. 10:8, 13). Stellen wir uns einmal vor, wir hatten die
Gelegenheit, ein bestimmtes Verlangen auf unmoralische
                                 ¨                          ¨
Weise zu befriedigen. Wie wurden wir uns entscheiden? Wur-
den wir wie Esau handeln und sagen: „Geschwind! Ich will
                       ¨
es haben!“? Oder wurden wir der Versuchung widerstehen
und uns wie Joseph, der Sohn Jakobs, verhalten, der floh,
als er von Potiphars Frau versucht wurde? (Lies 1. Mose
39:10-12.)
                         ¨
    13 Viele unserer Bruder und Schwestern haben sich in Si-
tuationen befunden, in denen sie entscheiden mussten, ob sie
sich wie Esau oder wie Joseph verhalten. Die meisten handel-
ten weise und haben Jehovas Herz erfreut (Spr. 27:11). Eini-
                           ¨
ge unserer Glaubensbruder haben sich jedoch in Versuchun-
gen wie Esau entschieden und ihr geistiges Erbe aufs Spiel
                                   ¨                          ¨
gesetzt. Jedes Jahr sind eine betrachtliche Zahl von Rechtsfal-
                               ¨
len und Gemeinschaftsentzugen auf sexuelles Fehlverhalten
      ¨      ¨
zuruckzufuhren. Wie wichtig ist es doch, jetzt unser Herz zu
befestigen — lange bevor eine Situation entsteht, in der un-
sere Lauterkeit auf die Probe gestellt wird (Ps. 78:8). Was
  ¨                                                  ¨
konnen wir tun, um uns vor Versuchungen zu schutzen und
13. (a) In welcher Hinsicht verhalten sich heute viele wie Joseph und einige
                    ¨
wie Esau? (b) Was mussen wir tun, damit es uns nicht so ergeht wie denen, die
wie Esau handelten?
TEIL 2               D ER WACHTTURM — 15. M AI 2013                       29
¨
um weise Entscheidungen zu treffen? Zwei Schritte mochten
            ¨
wir jetzt naher betrachten.
                  NACHDENKEN UND ¨
           DIE WIDERSTANDSKRAFT STARKEN
      Der erste Schritt ist, an die Folgen zu denken. Wie sehr
     14
                                ¨       ¨         ¨
wir unser geistiges Erbe schatzen, hangt großtenteils davon
ab, wie sehr wir Jehova lieben, der uns das Erbe gibt. Und
               ¨
schließlich mochten wir doch jemand, den wir lieben, nicht
verletzen, sondern ihm gefallen. Daher sollten wir uns die
                        ¨                             ¨
Zeit nehmen und daruber nachdenken, was sich fur uns und
                   ¨
andere ergeben wurde, wenn wir unreinen fleischlichen Be-
                                                    ¨
gierden nachgeben. Wir sollten uns fragen: Wie wurde sich die
                                                ¨
egoistische Handlungsweise auf mein Verhaltnis zu Jehova
                                                          ¨
auswirken? Wie auf meine Familie? Wie auf die Bruder und
                                          ¨
Schwestern in der Versammlung? Konnte ich andere zum
                                            ¨
Straucheln bringen? (Phil. 1:10). Wir konnten uns auch fra-
          ¨                                             ¨
gen: Waren einige Momente unerlaubten Vergnugens all
den Kummer wert, der durch meine Entscheidung entsteht?
   ¨
Mochte ich wirklich, dass es mir so ergeht wie Esau und ich
bitterlich weine, wenn mir schließlich die Tragweite meines
                                              ¨
Verhaltens bewusst wird? (Heb. 12:17). Uber solche Fragen
                                   ¨
nachzudenken hilft uns, das B ose zu verabscheuen und am
                          ¨
Guten festzuhalten (Rom. 12:9). Vor allem motiviert uns die
Liebe zu Jehova, an unserem Erbe festzuhalten (Ps. 73:28).
     ¨                                               ¨
14. Uber welche Fragen nachzudenken hilft uns, das B ose zu verabscheuen und
am Guten festzuhalten?
30              D ER WACHTTURM — 15. M AI 2013                       TEIL 2
15  Der zweite Schritt besteht darin, unsere Widerstands-
             ¨                                 ¨
kraft zu st arken. Damit wir weltlichen Einflussen, die die
                         ¨                             ¨
geistige Gesinnung gefahrden, besser widerstehen konnen,
                                                 ¨
hat Jehova viele Vorkehrungen getroffen. Dazu zahlen Bibel-
                       ¨
studium, Zusammenkunfte, Predigtdienst und Gebet (1. Kor.
15:58). Jedes Mal, wenn wir von Herzen zu Jehova beten oder
                                  ¨                      ¨
uns im Predigtdienst so gut wir konnen einsetzen, verstarken
wir den Schutz gegen Versuchungen. (Lies 1. Timotheus
                                         ¨
6:12, 19.) Unsere Widerstandskraft hangt also weitgehend
                                       ¨
von uns ab (Gal. 6:7). Das wird in Spruche, Kapitel 2 gezeigt.
                        ¨
            „SUCHE FORTWAHREND DANACH“
  16
             ¨
       In Spruche, Kapitel 2 werden wir aufgefordert, Weisheit
                 ¨
und Denkvermogen zu erwerben. Wer diese Gaben hat, kann
        ¨                                         ¨
sich fur Recht und gegen Unrecht entscheiden, fur Selbstdis-
ziplin und gegen Selbstsucht. Doch das gelingt nur, wenn wir
                     ¨
uns darum bemuhen. Dieser grundlegende Gedanke wird in
der Bibel mit den Worten betont: „Mein Sohn, wenn du mei-
ne Reden annehmen und meine eigenen Gebote bei dir ver-
wahren wirst, indem du der Weisheit dein Ohr leihst, sodass
                                          ¨
du dein Herz dem Unterscheidungsvermogen zuneigst, wenn
     ¨                   ¨
du uberdies nach Verstandnis selbst rufst und zum Unter-
                   ¨
scheidungsvermogen deine Stimme erhebst, wenn du danach
           ¨                                          ¨      ¨
15. Wie konnen wir unsere Widerstandskraft gegen Einflusse starken, die die
                      ¨
geistige Gesinnung gefahrden?
                ¨             ¨
16, 17. Wie konnen wir die Fahigkeit erwerben, weise Entscheidungen zu
treffen?
TEIL 2              D ER WACHTTURM — 15. M AI 2013                      31
¨
fortwahrend wie nach Silber suchst und du wie nach verbor-
            ¨       ¨
genen Schatzen standig danach forschst, dann wirst du die
Furcht Jehovas verstehen, und du wirst die wahre Erkenntnis
Gottes finden. Denn Jehova selbst gibt Weisheit; aus seinem
                                                         ¨
Mund kommen Erkenntnis und Unterscheidungsvermogen“
(Spr. 2:1-6).
                                 ¨
    17 Weise Entscheidungen konnen wir somit nur dann tref-
                               ¨        ¨
fen, wenn wir die in den Spruchen erwahnten Voraussetzun-
          ¨           ¨
gen erfullen. Wir konnen Versuchungen standhaft widerste-
                                                        ¨
hen, wenn wir den inneren Menschen von den Ausspruchen
Jehovas formen lassen, wenn wir beharrlich um Gottes An-
                                 ¨
leitung beten und wenn wir standig nach der Erkenntnis Got-
                                   ¨
tes wie nach verborgenen Schatzen forschen.
                                           ¨
    18 Jehova gibt denen Erkenntnis, Verstandnis, Unterschei-
              ¨                                      ¨
dungsvermogen und Weisheit, die sich darum bemuhen. Je
mehr wir nach diesen Gaben suchen und sie gebrauchen, des-
                          ¨
to enger wird unser Verhaltnis zum Geber. Ein vertrautes Ver-
  ¨                          ¨
haltnis zu Jehova Gott schutzt uns, wenn wir einer Versu-
                ¨
chung gegenuberstehen. Uns ihm mit Ehrfurcht zu nahen
bewahrt uns vor Fehlverhalten (Ps. 25:14; Jak. 4:8). Wir sind
                                               ¨
gern Freunde Jehovas und richten uns nach gottlicher Weis-
heit aus. Treffen wir deshalb weiterhin Entscheidungen, die
                                             ¨
sein Herz erfreuen und unser Erbe nicht gefahrden!
18. Wozu bist du entschlossen, und warum?
                                       www.jw.org oder
                                                         5
                                                             wlp13 05/15-X-2

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32          D ER WACHTTURM — 15. M AI 2013
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