Stiftungsantrag an Schweizer Förderstiftung Visio Permacultura - Ringsom

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Stiftungsantrag an Schweizer Förderstiftung Visio Permacultura - Ringsom
Stiftungsantrag an Schweizer Förderstiftung
             Visio Permacultura

                         Ringsom
       Projekttyp: Waldgarten/Agroforstsystem auf 8000m²

       Projektleiterin/Permakulturdesignerin: Melanie Alder

               Vertreter Kientalerhof: Mario Binetti

                  Projektadresse : Kientalerhof
                       Griesalpstrasse 94
                         3723 Kiental BE

                         Dezember 2020
Stiftungsantrag an Schweizer Förderstiftung Visio Permacultura - Ringsom
1 Zusammenfassung
Worum geht es bei diesem Antrag? Kurz zusammengefasst

Rundum einen bestehenden Garten der nach den Prinzipien der Permakultur
bewirtschaftet wird und eine halben Hektar umfasst, soll eine weitere Fläche von
8000m² umgestaltet werden. Daher der Projektname „ringsom“. Diese Fläche ist
momentan als Graswirtschaft genutzt.

Durch die Kombination von Grundsätzen und Erfahrungen aus den Bereichen
Waldgarten, Agroforst und Syntropischer Landwirtschaft entstand diese Planung für
das Projekt.

Dabei sind die Ziele…

… Schaffung von Lebensräumen für Mensch, Tier, Pflanzen und allem anderem
Lebendigem.

… Aufbau der Humusschicht.

… Förderung der Vielfalt in den Bereichen Visionen/Ideen, Pflanzen, Arbeiten, Ernten.

… Erkenntnisgewinnung über Waldgartensysteme an einem solchen Standort (Was
für Sorten, welche Bewirtschaftungsform, Übergang von Graswirtschaft zu
Pflanzenbau)

Durch einen einmaligen, grösseren gestalterischen Eingriff soll im Verlauf des Jahres
2021 aus einer Weidefläche ein Waldgartensystem entstehen. Im Frühjahr wird der
Boden so vorbereitet und mit angepassten Vorkulturen eingesät, dass im Herbst
Oktober/November der grösste Teil der Gehölze mit passenden Unter- und
Nebenkulturen gepflanzt werden kann.

Das Projekt generiert in vielerlei Hinsicht einen Mehrwert für das Grundstück, die
Region und die hier lebenden Menschen.

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Stiftungsantrag an Schweizer Förderstiftung Visio Permacultura - Ringsom
Inhalt
1 Zusammenfassung .......................................................................................................................... 2
2 Einleitung ........................................................................................................................................... 4
3 Menschen ......................................................................................................................................... 5
   3.1 Der Kientalerhof ....................................................................................................................... 5
   3.2 Melanie Alder ........................................................................................................................... 5
   3.3 Permakultur Gartenteam ...................................................................................................... 5
4 Der Ort ................................................................................................................................................ 6
   4.1 Lage ............................................................................................................................................ 6
   4.2 Boden.......................................................................................................................................... 7
   4.3 Klima ............................................................................................................................................ 7
5 Planung .............................................................................................................................................. 8
   5.1 Planungsskizzen ........................................................................................................................ 8
   5.3 Zeitrahmen Projektaufbau .................................................................................................. 10
   5.4 Pflanzlisten ............................................................................................................................... 11
   5.5 Bewirtschaftung ..................................................................................................................... 13
6 Budget und Finanzierung ............................................................................................................ 15
   6.1 Investitionskosten ................................................................................................................... 15
   6.2 Laufende Kosten pro Jahr................................................................................................... 16
   6.3 Einnahmen............................................................................................................................... 16
7 Mehrwert ......................................................................................................................................... 18
   7.1 Erkenntnisgewinnung............................................................................................................ 18
   7.2 Ernte........................................................................................................................................... 18
   7.3 Lebensraum ............................................................................................................................ 18
8 Abschluss ......................................................................................................................................... 19

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2 Einleitung
Gut zu wissen…

Um eine kleinen Hof inmitten der Berge auf einem Talboden des Tales, das den
Namen Kiental trägt, darum wird es auf den folgenden Seiten gehen. Dieser kleine
Betrieb ist Teil des Kientalerhof AG, einem Seminarhaus für Körpertherapie.

In diesem Dossier konnte ich viel Gedachtes und gefühltes festhalten –
niederschreiben und zeichnen. Täglich tauchen neue Ideen, Inspirationen von
Begegnungen, Erkenntnisse und Einfälle auf, die diese Arbeit zu einem dicken Buch
machen könnten. Da dies nicht meine Absicht ist, und meine Geduld am Laptop zu
sitzen und zu schreiben übersteigen würde, habe ich probiert alle nötigen
Informationen kurz und übersichtlich festzuhalten.

Vor bald drei Jahren, im Februar 2018 kam ich ins Kiental und durfte mich, ohne dass
ich mit einer solchen Absicht ankam, auf diesem vom Kientalerhof gemieteten 2ha
Betrieb einbringen. Unter anderem konnte ich interessante Beobachtungen machen,
da auf einer Fläche von einem halben Hektar bereits seit 2012 nach den Prinzipien
der Permakultur bewirtschaftet wurde. Dieser Garten ist von einer vielfältigen
Wildsträucherhecke umgeben. Hinter dieser Hecke liegt das restliche dazugehörige
Land, welches seit 2018 vom Nachbar zur Futtergewinnung genutzt wird.

Über die Zeit die ich hier verbracht habe, bewirtschafteten wir in einem dreier Team
diesen Garten nach den Grundsätzen der Permakultur. Wir lernten den Ort, das Klima
die Vegetation und unsere Mitbewohner und Mitlandnutzer kennen und wirkten auf
dem Land.

Jetzt ist es an der Zeit, den Schritt durch die Hecke zu wagen, um weitere 8000m²
dazugehöriges Land zu gestalten.

Seit Kindheit bin ich von bergiger Landschaft, die mit Viehwirtschaft gepflegt wird,
geprägt. Daher liegt ein grosses persönliches Interesse darin, wie Land bei diesen
klimatischen Bedingungen weiterhin bewirtschaftet werden kann, sodass
Lebensräume erhalten und erweitert werden. Gleichzeitig sollen sich auch die
Menschen wieder vom Land ihrer nächsten Umgebung ernähren dürfen. Schnell
tauchen bei diesen Fragen Bäume und Gehölze als mögliche Antworten auf.

Für eine optimale Gestaltung setze ich mich mit Erfahrungen aus den
Themengebieten des Waldgartens, des Agroforsts und der syntropischen
Landwirtschaft auseinander. Ebenfalls vernetze ich mich mit
Landwirtschaftsbetrieben oder kleineren Permakulturprojekten die in den
Themengebieten ähnliche Ansätze Verfolgen.

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3 Menschen
Wer steckt hinter dem Projekt?

3.1 Der Kientalerhof
Der Kientalerhof ist ein Campus für Körpertherapie wie z. B. Shiatsumassagen, Cranio
Sacral Therapie oder Ayurvedamassage Ausbildung. Der Campus
(www.kientalerhof.ch) sowie das 2018 eröffnete Chienehuus (www.chienehuus.ch)
                            eine durch Holz 100 Bauweise und Mondholz erbautes
                            Gebäude, sind auch offen für Hotel- und Feriengäste.
                            Seit 2017 gehört auch das Permakulturprojekt, ein 2ha
                            Betrieb zum Kientalerhof. Dort finden Kurse und
                            Führungen statt und die Seminarküche vom Kientalerhof
                            wird von dem Betrieb mit Kräuter und Salaten beliefert.
                            Der Hof liegt ein Kilometer vom Campus entfernt, am
                            anderen Ende des Dorfes.
https://www.gruppenhaus.ch/de/haus/kurshaus/kientalerhof/25#group-1

3.2 Melanie Alder
Seit Februar 2018 lebe ich im Kiental und begann im selben
Sommer auf dem Permakulturprojekt des Kientalerhofes zu
arbeiten. Parallel dazu arbeitete ich an verschiedenen
Projekten für die Diplomausbildung zur Permakulturdesignerin.
Das Diplom durfte ich im Oktober 2019 entgegen nehmen.
Meine Schwerpunkte sind die Auseinandersetzugen zu den
Themen Kompostierung/Bodenlebendigkeit,
Saatgutgewinnung und Agroforstsysteme. Ich bin zuständig
für die Initiierung des Projekts Ringsom und werde dieses von
der Planung über die Umsetzung bis zur Bewirtschaftung
begleiten. Ich erkenne riesiges Potenzial in kleinen Betrieben
wie diesem. Ringsom stellt für mich persönlich eine Gelegenheit dar eigene Visionen
umzusetzen, Erfahrungen zu sammeln und auf eine Weise mein Leben zu gestalten,
die für mich stimmt.

3.3 Permakultur Gartenteam
Bis anhin waren wir über die Sommersaison ein Gartenteam von 3 Personen für die
bestehende Gartenfläche von 0.5ha. Für den nächsten Sommer 2021 werden
ebenfalls 3-4 Menschen die in verschiedenen Bereichen zuständig sind, zum fixen
Gartenteam gehören. Wir bieten die Möglichkeit im Austausch Mitarbeit auf dem
Hof gegen Kost, Logie und Erfahrungen eine Praktikumsmöglichkeit für Menschen die
bereits einen PDC besucht haben. Dadurch stellt sich ein Team zusammen von
Menschen die längerfristig und solchen die für einen kürzeren Zeitrahmen vor Ort
wirken.

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4 Der Ort
Ein Einblick ins Land

4.1 Lage
Das Land umfasst die Parzelle 2451. Südlich fliesst die Chiene durch und entlang gibt
es einen Spazierweg. Nordöstlich verläuft die Griesalpstrasse. Der Ort liegt auf dem
Talboden und ist ganz eben.

Das Kiental (geoportal Bern)

Foto von 2011                                  (geoportal Bern)

Foto Herbst 2019 (Bestehender Garten. Das dazugehörige Land aussen rum ist frisch
gemäht)

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4.2 Boden
Vor Bald zehn Jahren, wurde die Talfläche nach einem Unwetter zum zweiten Mal
ganz überschwemmt. Dies hatte einen enormen Einfluss auf den Boden. Die
Grasflächen sind eher mager. Unterhalb der mittlerweile entstandenen Erdschichten
sieht es aus wie in einem Flussbeet. Grosse Steine lassen sich teilweise nicht weit unter
der Erdoberfläche finden. Die Erde ist Mineralreich, beinhaltet dafür kaum Ton.
Innerhalb von kurzer Zeit konnten wir auf dem bis jetzt bewirtschafteten Teil durch
einarbeiten von organischem Material, einen für den Gemüseanbau idealeren
Boden erzeugen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass das Land noch einmal überschwemmt wird ist sehr
gering, da nach der zweiten Überschwemmung Massnahmen getroffen wurden.
Unter anderem die Aufschüttung von einem Damm sowie das rausnehmen von
Bäumen Flussabwärts, die nach einem Umstürzen, ein Aufstauen des Flusses
ermöglichen würden.

Bodenproben vom Land sind zurzeit gerade im Labor. Die Resultate sollen dazu
dienen für die verschiedenen Gehölze optimale Bedingungen zu schaffen. Je
nachdem werden verschiedene Nährstoffressourcen ins Pflanzloch mit eingebracht.
(z.B. Kompost)

4.3 Klima
Der Fokus liegt vor allem darin, die kurze Vegetationszeit optimal zu nutzen. Während
die Sommer von üppigen Wachstum strotzen, gibt es im Winter wenig
Sonnenstunden.

Auch auf die Spätfröste achte ich besonders bei der Sortenwahl der Kulturgehölze.

https://www.meteoblue.com/de/wetter/historyclimate/weatherarchive/kiental

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5 Planung
Die Ideen auf Papier gebracht

5.1 Planungsskizzen
Vogelperspektive:

Skizze: grobe Darstellung vom Waldgartensystem

Das Modell ist hilfreich
bei dem ausrechnen
von den Flächen und
den Pflanzabständen.

Ein geeignetes
Werkzeug wenn man,
wie ich, nicht gerade
ein Hirsch ist mit
Planungsprogramen
auf dem Computer.

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Blick in die Baumreihen

5.2 Gestaltung

Die Baumreihen werden in einem Abstand von 8m zueinander angelegt. Und ein
Meter breit werden sie vorbereitet. 8m zwischen den Reihen lässt es den Bäumen zu
in den ersten Jahren eine Krone auszubilden. Die Bewirtschaftung könnte mit diesem
Reihenabstand ebenfalls Maschinell gemacht werden.

Die Beerenhecke, die Vertikalgewächse und die Erste Reihe verlaufen entlang der
Grundstücksgrenze an dem ein Wanderweg entlangführt sowie dahinter der Fluss
fliesst. Dies eignet sich den restlichen Teil von Wind und Kälte zu schützen.
(Prädestiniert ist die Beerenhecke zum selber pflücken direkt am Wanderweg)
Ebenfalls gibt es eine Haselhecke an der nördlichen Grundstücksgrenze, die
demselben Zweck dient. Die übrigen Baumreihen sind Nord-Süd ausgerichtet und
ermöglichen so eine bestmöglichen Sonneneinfall.

Die Bepflanzung ist so angedacht, dass abgesehen von den Haselsträuchern, sich
immer ein Kulturbaum und ein unterstützender Baum
(Stickstofffixierer/Schneitelbaum) abwechseln. So kann eine Mischkultur mit
verschiedenen Wurzeltiefen und Nährstoffbedürfnissen entstehen. Die Erste
Bepflanzung wird dicht sein und kann so mit den Jahren mehr und mehr ausgedünnt
werden, damit genügend Sonne und Licht in das System kommt.

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5.3 Zeitrahmen Projektaufbau

Dieser Jahresverlauf ist für das 2021 vorgesehen. Im Frühling und im Herbst gibt es
zwei grosse Eingriffe bei denen menschliche sowie finanzielle Ressourcen benötigt
werden.

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5.4 Pflanzlisten
Diese Pflanzliste ist in stetiger Bearbeitung und noch nicht komplett. Sortenwahl,
Bodenansprüche und Besonderheiten werden in der Detailplanung genau
betrachtet. Dazu dient der Austausch mit Baumschullisten, Bauern und anderen
Experten.

 Was                    Bemerkung                                                    lm    K S Anzahl
  Lm: Lunearmeter (Platzbedarf) K: Pflanzen kaufen S: Pflanzen selber sammeln, Stecklinge machen oder
                                                 ziehen
           Beerenhecke zum selber Pflücken

 Heidelbeeren             benötigt sauren Boden                                   1     x       30
 Rote Johannisbeere                                                               1     x   x   24
 Weisse Johannisbeere                                                             1     x   x   24
 Cassis                   Schattenverträglich als Zwischen Baumreihen probieren   1     x   x   24
 Jostabeere                                                                       1.5   x   x   20
 Stachelbeere                                                                     1     x   x   24
 Sommerhimbeere           Rankhilfe optimal                                       0.5   x   x   40
 Herbsthimbeere                                                                   0.5   x       40
 Japanische Weinbeere Rankhilfe optimal                                           0.5   x       10
 Brombeere                Verschiedene Sorten für längere Erntedauer              0.5   x       10
 Aroniabeere                                                                      1     x   x   20
         Schlinger und Ranker 2. Reihe

 Rebe                    Südlich gepflanzt bei Feldahorn oder Schwarzerle               x       10
 Kiwi                    Südlich gepflanzt bei Feldahorn oder Schwarzerle                   x   10
 Erle                    Stickstofffixierer, Pioniergehölz, Sämlinge in der                 x
                         Umgebung sammeln                                                       20
 Feldahorn                                                                                  x
         Nüsse

 Kulturhasel              Verschiedene Sorten                                           x       40
 Walnuss                  4 versch. Sorten 2pro Sorte für optimale Bestäubung           x       8
 Obst – ein Teil Baumschulware, ein Teil Sämlinge veredeln
 Kernobst
 Apfel                                                                                  x x
 Birne                                                                                  x x     21
 Quitte                   Mischsorten Quitte-Apfel zum roh essen                        x x

 Steinobst
 Zwetschgen                                                                             x   x
 Pflaumen                                                                               x   x
 Mirabellen                                                                             x   x    6
 Kirschen                                                                               x   x
 Pfirsich                                                                               x   x
 Weinbergpfirsich                                                                           x

                                                11
Zwischengehölze/Unterstützer/Schneitelbäume

Erle                    Stickstofffixierer                                             x
Ölweide                 Stickstofffixierer                                         x
Sanddorn                Stickstofffixierer                                             x
Schwarzer Holunder                                                                     x
Kornelkirsche                                                                          x
                                                                                           Ca. 50
Maulbeere
Bergahorn                                                                              x
Feldahorn
Linde                                                                                  x
Birke                                                                                  x
         Unterkulturen von Bäumen

Zwiebelgewächse          Mehrj. Sachen wie Elefantenknoblauch, Etagenzwiebel,          x
                         Schlangenknoblauch, Berglauch, Bärlauch etc.
Kartoffeln                                                                             x
Minze                                                                                  x   1200
Erdbeeren                                                                              x    lm
Div. Kräuter             Lavendel, Kamille, Ringelblumen, d                            x
Meerrettich                                                                            x

               Zwischenkulturen (1-jährig)

Ackerkulturen (frühe Aussaat, dass alles ausreift)
Sonnenblumen
Flachs
Quinoa                   Fäulnisgefahr
Amaranth
                                                                                           Ca.
Buchweizen
                                                                                           5000
Hanf
                                                                                           m²
Mais
Roggen
Dinkel
Hafer
Gemüse
Knoblauch
Schalotten
Zwiebeln
Kartoffeln
Hülsenfrüchte            Erbsen, Kracherbsen, gelbe Erbsen, Auskernbohnen (alles
                         was Rapunzel so aus Chinesischer LW hat ausprobieren

                                               12
5.5 Bewirtschaftung
Vermarktung

Die Ernten aus dem Agroforstsystem soll zur Selbstversorgung, zur Versorgung der
Kientalerhof Seminarküche sowie zur Direktvermarktung dienen.

Bereits seit zwei Jahren vermarkten wir Gemüse direkt vor Ort. Wir konnten sehr gute
Erfahrungen machen und wählten den Weg auf möglichst einfache Art und Weise
die Ernten unter die Leute zu bringen. (Kunden bestimmen den Preis selber oder
bringen Einkaufstasche selber mit)

Die Nachfrage ist vorhanden, sei das von den Menschen die im Dorf leben, von
Touristen oder auch Gästen vom Kientalerhof. Ebenfalls sehe ich grosses Potenzial in
der Belieferung von Bergrestaurants rund ums Kiental sowie Belieferung des Dorflädeli
Aellig.

Arbeiten

Der grösste Eingriff auf dem Land findet im ersten Jahr statt und ist die
Bodenvorbereitung und die Pflanzung der Gehölze. In den ersten Jahren nach der
Pflanzung, brauchen die jungen Bäume mehr Pflege. Unkrautregulierung wird in der
Zeit ein grösserer Arbeitsaufwand sein. Je nach dem was in den Baumreihen
angebaut wird, kann man aufwendigere Kulturen (Gemüse, Getreide) oder weniger
aufwendigere Kulturen (Gras, Gründüngungen) anbauen. So lässt sich der
Arbeitsaufwand regulieren.

Je grösser die Bäume wachsen, desto kleiner und schattiger werden die kultivierten
Flächen zwischen den Bäumen. Anzustreben ist es, den Boden gar nicht mehr zu
bearbeiten. Dafür können Zwischengehölze geschnitten werden, gehäckselt und
direkt als Mulchmaterial verwendet werden. (Schneitelbäume – auf Kopf gesetzte
Bäume bieten wertvolle Lebensräume für Tiere) Das zurückschneiden einzelner
Bäume soll einen Wachstumsimpuls in das gesamte System geben, sobald dieses sich
durch die Wurzelhärchen und die Mykorrhiza verbunden hat.

Je etablierter das System ist, desto weniger Eingriffe müssen getätigt werden. Die
Hauptaufgaben werden nach den ersten Jahren das Ernten, Verarbeiten und
Vermarkten sein.

                                          13
14
6 Budget und Finanzierung
Was wird an finanziellen Ressourcen gebraucht um das Projekt wie geplant
umzusetzen?

6.1 Investitionskosten
 Was                         Bemerkung               Bezugsort      Preis    Anzahl          Total
 Pflanz-      Nüsse          Walnuss                 Glauser                 8               600.-
 material                                            Baumschul      75.-
                                                     e
                             Grossfruchtige Hasel                            40              1680.-
                                                                    42.-
              Obst           Kernobst                               89.-     21              1869.-
                             Steinobst                              109.-    6               654.-
                             Reben                                  44.-     10              440.-
              Beeren-        Johannisbeere                          26.-     48              1248
              sträucher
                             Stachelbeere                           32         24            768.-
                             Jostabeere                             32.-       10            320.-
                             Himbeere                               9.50       80            760.-
                             Brombeere                              34.-       10            340.-
                             Jap. Weinbeere                         34.-       10            340.-
                             Heidelbeere                            34.-       30            1020.-
                                                                      Total Pflanzmaterial   10039.-
 Saatgut      Gründüngung Baumreihen                 Sativa                    1200m²        40.-
              Wildblumen-wiese                                                 280m²         150.-
                                                                             Total Saatgut   190.-
 Maschinen    Treeline       Transport und Miete     Rhenustek                               1000.-
              preparer
              Bodenfräse     Transport, Miete                                            500.-
                                                                         Total Maschinen 1500.-
 Weitere      Kompost Big                            Maurer         180.-    2           360.-
 Ressourcen   Bag                                    Münsingen
              Stammschutz                            Glauser        5.-      35              175.-
              Pfosten                                Glauser        3.-      35              105.-
              Kompoststart   Pfeifer-Lübke Starter   Verora                  300g            75.-
              er 300g
                                                                 Total weitere Ressourcen 715.-
                                                                  Total Investitionskosten 12444.-

                                                15
6.2 Laufende Kosten pro Jahr
 Was                 Bemerkung                                                Preis               Anzahl           Total
 Arbeits-            Richtlohn Landw. und bäuerl.-hausw.                                          12               30780.-
 kosten              Betriebsange-stellte : 3760Fr. – 4790Fr.                 2565.-/Mt
                     (Mittelwert 4275.-)
                     (0.8 ha Spezialkulturen = 0.258 SAK)
                     Mehraufwand im PK System und nicht
                     maschineller Bewirtschaftung ≈ 60%
                     Anstellung

 Unterkunft          Zimmer im Haus                                                               12               4800.-
                                                                              400.-/Mt
 Jährliches          Für Saatgut, Maschinen, Pflanzmaterial etc.                                                   5000.-
 Budget
                                                                                                    Total/Jahr 40580.-

6.3 Einnahmen
Beispielrechnung 1 : Ertrag aus den Nutzgehölzen bei Direktvermarktung ohne
Verarbeitung

 Was                       Mengen                       Wie                   Standjahr             Verkaufs Total
                                                                                                    preis
 Beerenhecke               280 Sträucher                Selber                ab 2. Jahr            7.-/kg   3920.-
                           (ø 2kg/Strauch)              pflücken
 Kernobst                  21 Bäume (Vollertrag         Tafelobst             ab 5. Jahr            2.30/kg      4830.-
                           100kg/Baum)
 Steinobst                 6 Bäume (Vollertrag          Tafelobst             ab 5. Jahr            3.30/kg      792.-
                           40kg/Baum)
 Walnüsse                  8 Bäume (Vollertrag          Getrocknete           ab 8. Jahr            8.-/kg       2240-.
                           35kg/Baum)                   Nüsse
 Haselnüsse                40 Sträucher                 Ungeschälte           Ab 5. Jahr            10.-/kg      3200.-
                           (Vollertrag bis              Nüsse
                           8kg/Strauch
                                                                                               Total/Saison 14982.-

Quellen:

https://www.bioaktuell.ch/fileadmin/documents/ba/Markt/Direktvermarktung/Richtpreise_Direktvermarktung_Hofprodukte_2018-
2019.pdf
https://www.liebegg.ch/upload/rm/seitenausbeerenanbau-diegruene19-2016-2.pdf?_=1539952795000
https://www.meier-ag.ch/cms-wAssets/docs/ratgeber/obstgarten/Obstbaum_pflanzen_Meiers_Profitipp_A5.pdf
Wirz Handbuch Pflanzen und Tiere 2019
Revival der Walnuss – Vivian Böllersen

                                                             16
Beispielrechnung 2: Ertrag aus Zwischenkulturen (auf ca. 5000m²)
Die Zahlen für die Erträge sind aus klimatisch geeigneteren Ackerbauregionen. Daher ist diese
Beispielrechnung sehr theoretisch.

 Was                       Mengen                        Wie                   Standjahr             Verkaufs Total
                                                                                                     preis
 Hülsenfrüchte             1000m² ≈ 100kg                Getrocknet            Ersten 3 Jahre        8-10.-   900.-
                           (ø 1t/ha)                                                                 /kg
 Getreide                  1000m² ≈500kg                 Körner                Ersten 3 Jahre        1.05Fr./ 525.-
                           (Ø 5t/ha)                                                                 kg

 Knoblauch                 1000m² ≈1200kg                Frisch Gemüse         Erste 5 Jahre         18.-/kg         21600.-
                           (ø12t/ha)
 Kartoffeln                1000m² ≈ 4000kg               Frisch Gemüse         Erste 5 Jahre         0.90Fr/k        3600.-
                           (Ø 40t/ha)                                                                g
 Samen/Körner              1000m² ≈ 200kg                Mischungen            Ersten 3 Jahre        15.-/kg         3000.-
 (Flachs,                  (Ø 2t/ha)
 Sonnenblumen,
 Kürbiskerne,..)
                                                                                                Total/Saison 26925.-

Quellen:

https://www.lid.ch/fileadmin/lid/infoservices/Dossier/479/LID_Dossier_479.pdf
https://www.green-shop.ch
https://www.bioaktuell.ch/fileadmin/documents/ba/Markt/Direktvermarktung/Preisempfehlungen_Direktvermarktung_2019-
20_Gemuese__Kartoffeln.pdf
https://www.pantiru-knoblauchkulturen.de/knoblauch/anbau/
Wirz Handbuch 2019

                                                              17
7 Mehrwert
Welche Auswirkungen wird dieses Projekt haben?

7.1 Erkenntnisgewinnung
Durch den Aufbau und die Beobachtung von diesem
Waldgartensystem, kann viel gelernt werden. In Bezug auf die
Kulturen: Was gedeiht gut, welche Kulturen ergeben ausgiebig
Ertrag und sind leicht zu Bewirtschaften. Welche Pflanzen wirken
sich positiv auf das Umgebende System aus und wie können
Gehölz Mischkulturen funktionieren.

Eine solche Bewirtschaftung bedeutet gleichzeitig auch die Anpassung der eigenen
Lebensweise. Wir können erkennen, was für einem persönlich wirklich wichtig ist, was
wirklich benötigt wird. Wie reagiert man selber wenn man tagtäglich die Natur
beobachten kann und mit ihr zusammenarbeitet?

7.2 Ernte
Mit dem Anbau ergibt sich der Mehrwert von den Menschen vor Ort und in der
Umgebung, Lebensmittel direkt zu beziehen. Grossteils solche, die ansonsten nicht
(mehr) aus der Region erhältlich sind. Diese Lebensmittel werden auf eine natürliche
Art und Weise angebaut und geben uns Menschen wieder die Möglichkeit zu
erfahren, was es wirklich heisst, lebendige Nahrung zu sich zu nehmen.

                       Auch Saatgut und Pflanzmaterial (Stecklinge) dürfen geerntet
                       werden um weiter Flächen vielfältiger zu gestalten.

                       Alte und/oder gefährdete Kultursorten können hier erhalten
                       werden. (z.B. von ProSpecieRara)

                      Die Humusschicht wird so aufgebaut, dass sie zu einer
                      Natürlichkeit kommen kann wie man sie in Wildnis Gebieten
sehen kann. Diese Bodenlebendigkeit hat einen positiven Einfluss auf die direkte
Umgebung.

7.3 Lebensraum
Gestaltung von mehr Lebensraum für Insekten hat zur
Folge, dass es mehr Insekten gibt die in der Umgebung
fleissig Blütenstände bestäuben. Ebenso bieten sich mehr
Nahrungsquellen an für die Honigbienen die in den vielen
Bienenhäusern im Kiental hausen.

Wenn die Wildtiere wieder mehr Raum haben in dem sie sich bewegen dürfen,
werden wir erfahren können, was es wirklich heisst, wenn sich die Natur selber
reguliert.

Zusammengefasst ergeben sich aus diesem Projekt unzählige Mehrwerte für die
Menschen vor Ort, für die Menschen in der Region und auch vom grösseren Umkreis.
Einige sind zu erahnen und zu erwarten und andere werden sich auf ganz natürliche
Art ergeben.

                                         18
8 Abschluss

Die Ethik der Permakultur steht im Mittelpunkt und wird bei Ringsom zur praktischen
Erfahrung gebracht.

Wir tragen Sorge zu der Erde

Nach besten Wissen und Gewissen wirken wir so auf diesem Stück Land, dass für
Lebensraum gesorgt ist. Wir lassen die Lebendigkeit der Erde in all ihren Facetten
gewähren und bewegen uns achtsam auf dem Land. Scheinbare Probleme können
zu Lösungen werden die langfristig und stabil sind.

Besonderes Augenmerk gilt den Bodenlebewesen, der Grundlage von allem was
darauf wächst.

Wir tragen Sorge zu den Menschen

Jeder geht seinen ganz eigenen individuellen Weg in diesem Leben. Die Fähigkeiten
und die Unterschiedlichkeit in diesem werden wertgeschätzt.

Wir wollen eine Grundlage schaffen um den Menschen die Erfahrung des Geniessens
von lebendiger Nahrung wieder zu geben.

Wir teilen Überschüsse und sorgen für die Zukunft

Dies sind Überschüsse in Form von Lebensmitteln, Saatgut, Pflanzmaterial,
Erfahrungen, Arbeiten, Energie, Wissen, Weisheiten, Liebe und vieles mehr.

Mit einem solchen Walgarten-/Agroforstsystem machen wir eine grosse Investition in
die Zukunft. Je eher wir Bäume pflanzen, desto eher werden wir die Früchte ernten
dürfen und von all ihren positiven Auswirkungen (Schaffung Lebensräume,
Humusaufbau, Erosionsschutz, Sonne- und Windschutz, Schutz vor Verdunstung,
Reduktion von Stickstoff und Phosphorausträgen, Luftfilter und Freunde der
Menschen) profitieren.

                                         19
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