The Great Progression: Das Jahrzehnt massiver Beschleunigung - FERI Institut
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17.8.2021 The Great Progression: Das Jahrzehnt massiver Beschleunigung | The Market
MEINUNG
The Great Progression: Das Jahrzehnt massiver
Beschleunigung
Megatrends wie Klimawandel, Digitalisierung, Monetisierung
und politische Spaltung werden die Zukunft entscheidend
verändern. Diese Dynamik ist bereits deutlich spürbar,
wird sich bis 2030 aber noch weiter beschleunigen – mit
oftmals disruptiver Kraft. Was sich abzeichnet, ist das
Bild einer «Grossen Progression».
Heinz-Werner Rapp
19.04.2021, 03.48 Uhr
Die weltweite Corona-Pandemie hat Alltag und Arbeitswelt bis
auf die Grundfesten erschüttert. Sie ist jedoch nur ein plakatives
Beispiel für die Art disruptiver Entwicklungen, die unsere Welt
derzeit tiefgreifend verändern und dies auch in Zukunft tun
werden. Auslöser dafür sind starke strukturelle Trends, die sich
mit grosser Wucht und hoher Dynamik entfalten. Diese
Megatrends finden zeitgleich in den verschiedensten Bereichen
statt, betreffen aber speziell die Felder Technik, Politik,
Finanzsystem und Umwelt, wobei der Klimawandel eine
zentrale Rolle spielt.
Unsere gesamte Gesellschaft ist von diesen Veränderungen stark
betroffen. Manche dieser Umwälzungen sind positiv, andere
eher negativ. Wichtige Themenbereiche wie der globale
Klimawandel haben sogar existenzielle Relevanz. Gemeinsamer
Faktor ist jedoch vor allem eines: ein progressives
Verlaufsmuster, das ungewöhnlich starke, extrem dynamische
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und oftmals exponentielle Trendentwicklungen mit sich bringt.
Das Besondere dieser progressiven Trends ist jedoch nicht nur
deren hohe Dynamik, sondern auch ihre Gleichzeitigkeit und
Parallelität in der Dekade bis 2030. Wir bei Feri haben dafür den
Begriff der «Progressive Twenties» geprägt.
Stärkste progressive Treiber sind die Bereiche
Technik, Umwelt und Finanzsystem
Drei Bereiche stechen besonders hervor: das Feld
Technik/Technologie, das globale Finanzsystem sowie – von
überragender Bedeutung – das Thema Umwelt/Klimawandel.
Im Bereich Technik steht der Megatrend Digitalisierung in den
kommenden zehn Jahren vor einer massiven Progression.
Speziell der Vormarsch von Künstlicher Intelligenz und der
Durchbruch von Quantencomputern erzeugen starke
Wirkungsketten und exponentielle Trends. Im Kontext der
Künstlichen Intelligenz werden moderne Computersysteme, aber
auch alltägliche Gegenstände (smart devices), schon in wenigen
Jahren zu kaum vorstellbaren Leistungen befähigt sein und
unser Verständnis von Intelligenz revolutionieren. Dies wird der
Wissenschaft auf vielen Gebieten enorme Fortschritte
ermöglichen, unter anderem in der Biotechnologie, der Material-
und Medizinforschung sowie der Klima- und
Weltraumforschung.
Beim globalen Finanzsystem sind Stichworte wie Asset Price
Inflation, also die massive Aufblähung von Finanzmärkten durch
neu gedrucktes Notenbankgeld, sowie monetäre Verwässerung
die entscheidenden Parameter. Begleitend dazu entwickelt sich
das Phänomen der finanziellen Repression, schon heute deutlich
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sichtbar an globalen Niedrigzinsen, Nullzinsen oder sogar
Negativzinsen, wie etwa in der Europäischen Währungsunion
(EWU). Die Bilanzen grosser Notenbanken wurden bereits in
den letzten zehn Jahren durch progressive Geldschöpfung
oftmals um das Zehnfache ausgeweitet.
Inzwischen hat die neue Geldschöpfung solch enorme
Ausmasse erreicht, dass das gesamte Finanzsystem gravierende
Verzerrungen und Aufblähungen aufweist. Da ein kontrollierter
Ausstieg aus der Politik monetärer Verwässerung kaum noch
möglich ist, wächst auch die Wahrscheinlichkeit steigender
Inflation in den kommenden Jahren progressiv. Mit anderen
Worten: Die Notenbanken haben sich auf eine Reise begeben, die
nahezu unumkehrbar ist – ihre Geldpolitik folgt einem
progressiven Pfad, der langfristig nicht tragbar ist und an dessen
Ende Inflation und/oder monetäre Zerrüttung droht.
Es droht der Point of No Return
Im Bereich Umwelt ist schon jetzt eine Vielzahl
besorgniserregender Entwicklungen zu beobachten,
überwiegend als Folge des Klimawandels und der
nachweisbaren Erderwärmung. Der globale Klimawandel ist
somit das perfekte Beispiel für progressive Trends, da hier sehr
viele Faktoren ineinandergreifen, sich gegenseitig verstärken
und über dynamische Rückkopplungen und das Auslösen
wichtiger Kipp-Punkte (Trigger Points) heftige Dominoeffekte
auslösen.
Falls bis 2030 kein massiver Rückgang beim Ausstoss
klimaschädlicher Emissionen erfolgt, wird bei der
Erderwärmung nach Ansicht führender Klimawissenschaftler
ein kritischer Point of No Return erreicht und überschritten. Um
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noch «irgendwie» einen möglichst milden Verlauf dieser
Progression zu organisieren, sind massive Programme zur
Dekarbonisierung der gesamten Weltwirtschaft und zur
Veränderung bisheriger klimaschädlicher Verhaltensweisen
unerlässlich.
Investitionen in die grüne Transformation der
Schlüsselindustrien müssen jetzt getätigt werden, flankiert von
wirtschaftlichen und regulatorischen Anreizen für
klimaneutrale Technologien. Diese massive Transformation
dürfte für viele Wirtschaftsbereiche schmerzhaft sein, zugleich
aber strategischen Investoren auch ein breites Feld attraktiver
Anlagemöglichkeiten bieten.
Weltwirtschaft an der Schwelle zur Bifurkation
Zusätzlich zu den drei genannten Kernbereichen entwickeln sich
auch im Bereich der Geopolitik bedeutsame Trends, die die
«Progressive Twenties» prägen: Seit einigen Jahren schwinden
Kohärenz und Dominanz des Westens; gleichzeitig verstärkt sich
der globale Führungsanspruch von China – beides mit
progressiver Tendenz. Dies verstärkt die strategische Rivalität
zwischen der bisherigen Supermacht USA und der
aufstrebenden Grossmacht China, die in den kommenden Jahren
weiter zunehmen wird.
Andere Länder und Regionen werden hierdurch ebenfalls in
Mitleidenschaft gezogen, so auch Europa als export- und
handelsorientierter Block. Schon jetzt gibt es eindeutige Signale
einer strategischen Abkopplung (Decoupling) des chinesischen
Wirtschaftssystems, mit dem Ziel grösserer Autarkie. Die
Weltwirtschaft steht damit an der Schwelle einer Aufspaltung in
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zwei Hemisphären (Bifurkation), die sich in Zukunft progressiv
verschärfen könnte.
Die «Progressive Twenties» bieten auch Chancen
Die Dekade der Great Progression wird ein Jahrzehnt massiver
Beschleunigung, und zwar in vielen Bereichen gleichzeitig. Die
zugrunde liegenden progressiven Trends werden enorme
Veränderungen und Umbrüche auslösen, vielfach sehr schnell
und überraschend. Deshalb ist die Gefahr gross, dass derartige
Trends lange unterschätzt oder ignoriert werden.
Da progressive Trends Entscheidern oftmals nur eine sehr
begrenzte Reaktionszeit bieten, ist es umso wichtiger, frühzeitig
informiert zu sein, um schnell handeln und auch unter Zeitdruck
weitreichende Entscheidungen treffen zu können. Das gilt
sowohl für die Politik als auch für Unternehmer und Investoren.
Die «Progressive Twenties» repräsentieren aber nicht nur
verschärfte Probleme, sondern bieten Investoren auch ein breites
Spektrum an Möglichkeiten, um daran mit attraktiven
Renditechancen zu partizipieren.
Dieser Artikel basiert in Teilen auf einer aktuellen Studie des Feri
Cognitive Finance Institute mit dem Titel «The Great Progression:
Das Jahrzehnt massiver Beschleunigung – Ursachen und
Konsequenzen».
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Heinz-Werner Rapp
Heinz-Werner Rapp ist Vorstand und CIO beim
unabhängigen Investmenthaus Feri mit Standorten
in Deutschland, Luxemburg, Österreich und der
Schweiz, wo er die Anlagestrategie und sämtliche
Investmentaktivitäten verantwortet. Rapp
beschäftigt sich seit Jahren mit neuartigen
Kapitalmarktmodellen und hat zuletzt die
Grundlagen der «Cognitive Finance»-Theorie
entwickelt. 2016 gründete er das Feri Cognitive
Finance Institute als strategisches
Forschungszentrum und kreative Denkfabrik der
Feri-Gruppe. Seine aktuellen Interessen- und
Analyseschwerpunkte sind Komplexitätstheorie,
progressive Trends sowie systemische Risiken als
Folge weltweit exzessiver Notenbankpolitik. Rapp
hat an der Universität Mannheim Wirtschafts- und
Rechtswissenschaften studiert und 1994 dort über
psychologisch geprägtes Anlegerverhalten
doktoriert.
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