USSER BLITTCHE AUSGABE 17 / MÄRZ 2021 - HUG HOLZHAUSEN

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USSER BLITTCHE AUSGABE 17 / MÄRZ 2021 - HUG HOLZHAUSEN
Heimat- und Geschichtsverein Holzhausen

 Usser Blittche
                         Ausgabe 17 / März 2021
                                                             Ihr lejwe Leu vo
                                                               Holzhause
                                                          Leider ist das alles beherr-
                                                      schende Thema, das uns voll im
                                                      Griff hat, die Pandemie. Dies
                                                      betrifft nicht nur unseren Ver-
                                                      ein, sondern alle Lebensberei-
                                                      che. So besteht mit der Mög-
                                                      lichkeit der Impfung ein Licht-
                                                      zeichen am Horizont. Wo wir
                                                      sonst über unsere Aktivitäten
                                                      berichten, ist gähnende Leere.
                                                          Unser      Sägekettenkünstler
                                                      Georg Maurus – Crazy George -
                                                      aus dem Ulmtal hat die Situati-
                                                      on künstlerisch umgesetzt und
                                                      den Virus in seine Schranken
                                                      verwiesen. Diese gelungene
                                                      Skulptur ist beim Sägewerk mit
                                                      einem Schmunzeln zu betrach-
                                                      ten und ein Lichtblick in der
                                                      aktivitätseingeschränkten Zeit.
                                                      Wir hoffen auf eine baldige
                                                      Umsetzung dieses Motivs.
                                                          Stolz sind wir auf unsere
                                                      Mitglieder, die in Eigenregie
                                                      unser Dorf mit markanten Ar-
                                                      beiten attraktiv gestalten, aber
                                                      auch auf alle, die sich für all-
        Wegweiser von Hans-Albert Rumpf               jährlich anfallende Arbeiten
                                                      einsetzen. Hier nenne ich aus-
                                                      drücklich Hans-Albert Rumpf,
                                                      der mit seinen schmückenden
                                                      Kunstwerken unser Dorf berei-
                                                      chert und wir sagen ihm mit
                                                      einem kleinen Bericht auf der
                                                      letzten Seite dieses Blittches un-
                                                      seren Dank.
                                                          An diesen Beispielen ist zu
                                                      erkennen, dass trotz der Ein-
                                                      schränkungen einiges bewegt
                                                      wird. So werden wir auch in
                                                      diesem Frühjahr in individuel-
                                                      len Gruppen unsere Einrichtun-
                                                      gen in Feld, Wald und Flur, die
                                                      Boulebahn, die hoffentlich bald
                                                      von kleinen Gruppen bevölkert
                                                      werden kann, für den Sommer
                                                      fit machen.

Coronavirus durch Impfung gefangen von Georg Maurus      Hans-Joachim Schwalbe
USSER BLITTCHE AUSGABE 17 / MÄRZ 2021 - HUG HOLZHAUSEN
Seite 2                          Heimat- und Geschichtsverein Holzhausen – Usser Blittche         Ausgabe 17/März 2021

                                     Das Jahr 1921 zitiert aus der Dorfchronik
   Zu Beginn des Jahres 1921            Quellenverhältnissen      und                hausen bis September 1922
waren noch die starken Aus-             höchstens 25000 Mark Kos-                    erfolgen.
wirkungen des Friedens-                 ten, eine Hochdruckwasserlei-                   Aufgrund der anhaltenden
schlusses von 1918 zu spüren.           tung zu bauen. Jetzt wurde der               Trockenheit und den strengen
Deutschland wurde im Januar             Bau beschlossen, der aber                    Nachtfrösten im April litt die
1921 von den Siegermächten
zu hohen Wiedergutma-
chungszahlungen verurteilt.
226 Mrd. Goldmark sollten in
42 Jahren gezahlt werden, was
Deutschland niemals in der
Lage war, zu leisten, Erst nach
einem scharfen Einspruch
konnte der Betrag auf 132
Mrd. Goldmark reduziert
werden.
   Große Kohlemengen muss-
ten lt. Friedensvertrag aus
dem Ruhrgebiet an die Sieger
geliefert werden. Da war es
erfreulich, dass sich Ober-
schlesien mit seinen Kohlen-
gebieten in einer Abstimmung
für Deutschland entschieden
hat. Trotzdem verteuerte sich                                            Schulklasse 1921
das Brennholz in unserer Ge-
meinde von 6M bis zu                    wohl das 10fache kostete. Mit                Heuernte. Sie betrug in etwa
15-20 M /Raummeter.                     der Quellfassung im Steimel                  die Hälfte des Vorjahresvolu-
                                        wollte man rasch beginnen, da                mens. Die Wiesen waren
                                        die Quellen aufgrund der an-                 braun und die Grummeternte
                                        haltenden Trockenheit viel-                  drohte ganz auszufallen. Die
                                        fach schon versiegten.                       Schafherden fanden auf ihren
                                            Trotz der schon spürbaren                Weiden nichts mehr. Unter
                                        gewaltigen Teuerung vor al-                  diesen Umständen ließ sich
                                        lem aber der Beleuchtungs-                   eine Verminderung des Vieh-
                                        stoffe sollte die elektrische Be-            bestandes kaum vermeiden.
                                        leuchtung            allenthalben            Viel Vieh musste zu geringen
                                        schnellst möglichst eingeführt               Preisen abgeschafft werden.
                                        werden. Der Ausbau des Orts-                 Trotzdem stiegen die Preise
                                        netzes und die Einrichtung im                Ende 1921 für Schweinefleisch
                                        Innern der Häuser waren                      auf 18 M, Rindfleisch 16 M
                                        schon seit Frühjahr 1921 im                  sowie Butter und anderes Fett
                                        Gange.                                       auf 40 M das Pfund. Der
                                            Der Eisenbahnbau war im-                 Chronist berichtete von rasch
                                        mer noch nicht beendet. Bis                  zunehmender Teuerung Ende
          Hammpeters auf der Trepp      September 1921 sollte die                    des Jahres 1921 und einem
            -heute Haus Lengling-       Strecke bis Holzhausen eröff-                Verfall der Mark. Der Kurs
                                        net werden. Es fehlte aber das               zum US Dollar betrug 209 M
   Das Wasser in Holzhausen             Geld für den Oberbau, so dass                für einen Dollar. Er befürch-
war aufgrund des trockenen              bloß die Strecke bis Allendorf               tete einen schlimmen Winter,
Herbstes 1920 sehr knapp ge-            in Betrieb genommen wurde,                   in dem jene, die sich nicht
worden. Trotz der vielen Re-            allerdings ohne dass das                     selbst versorgen konnten,
gengüsse im Januar hat sich             Bahnhofsgebäude in Allendorf                 hungern würden und hoffte,
der Wasservorrat bei Weitem             fertig gestellt werden konnte.               bald die unterste Stufe des
noch nicht genügend erholt.             Für Basalt und Tonlieferung                  Niedergangs erreicht zu ha-
Bedauerlicherweise versäumte            konnte die Teilstrecke aller-                ben.
es die Gemeinde Holzhausen              dings genutzt werden. Nun
vor dem Kriege bei günstigen            sollte der Ausbau bis Holz-
USSER BLITTCHE AUSGABE 17 / MÄRZ 2021 - HUG HOLZHAUSEN
Ausgabe 17/März 2021        Heimat- und Geschichtsverein Holzhausen – Usser Blittche                            Seite 3

          Wie das Altenteil vor 150 Jahren vertraglich geregelt wurde
   Wenn heute zum Monatsletzten pünktlich die Rente auf dem Konto eingeht, denkt kaum ei-
ner daran, dass vor gut 150 Jahren eine solche Altersversorgung nicht gegeben war.
   Die Stütze des Alters waren die wenigen Äcker und Wiesen, und ganz besonders gut gestellte
Leute hatten einen bescheidenen Betrag im Geldstrumpf. Ist es deshalb verwunderlich, dass in
jenen Jahren von den Alten erst relativ spät an die Jüngeren «übergeben» wurde? Und wenn man
schließlich auf das Altenteil ging, sicherte sich der «Aushalter» gegenüber seinen Kindern ver-
traglich ab. Einen solchen «Aushalter-Vertrag» konnte der Verfasser einsehen:
                                                                                           Verfasst von Walter Daniel

                   Geschehen zu Holzhausen am 16. Januar 1871

    Ich, der Wittwer Georg Wil-       Küche,                                           Hinsichtlich meiner Beerdi-
helm Leidolf, beabsichtige mein           5. Raum in der Scheune zur               gungskosten bestimme ich, dass
Vermögen, bestehend aus den in        Aufbewahrung meines Futters                  wenn ich in dem Zeitraum von
den Attesten des Feldgerichts zu      und Stroh,                                   Martinitag (11.11.) bis Ostern,
Holzhausen näher beschriebenen            6. Raum im Viehstall zum                 1.April, sterben sollte, der Ge-
Gebäude und Grundstücke an            Stellen meiner Kuh,                          bäudebesitzer oder derjenige bei
meine 5 Kinder, nämlich meinen            7. Raum in der Düngegrube                dem ich versterben sollte, die
Söhnen Peter, Philipp, Friedrich      zur Aufbewahrung meines Dün-                 Beerdigungskosten allein be-
und meinen Töchtern Catharine         gers,                                        streitet und dagegen die geliefer-
und Maria Christine unter ge-             8. freies Licht und Holz, wel-           ten Naturalien als alleiniges Ei-
wissen Bedingungen abzutreten.        ches der künftige Gebäudebesit-              gentum behalten soll. Sollte ich
Meine genannten Kinder sind           zer zu stellen hat ,                         aber in dem Zeitraum von Os-
mit der Abtretung einverstan-             9. das Reinigen und Instand-             tern bis zu Martinitag sterben,
den. Die Bedingungen, unter           halten meiner Wäsche und Be-                 so sollen die noch verbleibenden
welchen ich das Vermögen ab-          kleidungsstücke, wofür ebenfalls             Naturalien zu gleichen Teilen an
trete, sind folgende:                 der künftige Gebäudebesitzer zu              die Erben zurückerstattet und
    Von der von dem Feldgerich-       sorgen hat,                                  die Beerdigungskosten von den-
te zu Holzhausen als Wertsum-             10. das Mähen und Einernten              selben zu gleichen Teilen getra-
me der Gebäude ad. 800 Thaler         meines Futters von den Aushalts              gen werden.
(1 Taler ungefähr 55 Euro Wert)       -wiesen.                                         Zur Gleichstellung und Her-
angenommenen Taxe bleiben 50              Dann hat ferner jeder Erbe               auszahlung der Gebäudegelder
Thaler für mich als Notpfennig        zur Unterhaltung des Erblassers              werden 3 Termine, und zwar:
bei demjenigen, welcher die Ge-       jährlich und zwar zu Martinitag              der erste auf Ostern 1.4.1872,
bäude durch das Los oder eine         (11.11.) in der durch Los be-                der zweite auf Ostern 1.4.1873
sonstige Vereinbarung erhält, bis     stimmten Reihenfolge kostenfrei              und der dritte auf Ostern
nach meinem Ableben unver-            zu liefern:                                  1.4.1874 bestimmt.
zinslich stehen, es kommen dem-           75 Pfund Korn, 65 Pfund                      Ich bitte deshalb nach vorste-
nach in der gegenwärtigen Tei-        Gerste, 40 Pfund Weizen, 30                  henden Andeutungen meine
lung nur 750 Thaler Gebäudegeld       Pfund Hafer, 110 Pfund Kar-                  Teilungs-Verhandlungen          zu
zur Verrechnung. Der auf 50           toffel, je 4 Pfund Erbsen und                gerichtlichem Protokoll nehmen
Thaler festgesetzte Notpfennig        Linsen, 3 Körbe Kohlrabi, 10                 zu wollen.
muss von dem künftigen Gebäu-         Pfund dörren Speck oder 2 Tha-                   Unterschriften: Georg, Peter,
debesitzer, wenn ich es verlange,     ler, 1 Korb voll Äpfel, wenn sol-            Philipp,      Friedrich,   Marie-
ausbezahlt werden.                    che gewachsen sind. Für meine                Christine Leidolf, Catharine
    Dann behalte ich mir in den       Aushaltskuh sind ebenfalls jähr-             Droß (geb. Leidolf).
Gebäuden ohne Vergütung vor,          lich zu Martini 60 Pfund Korn-                   Nachträglich wird bemerkt:
und zwar:                             stroh und 48 Pfund Gerstenstroh              Folgende Mobilien habe ich zur
    1. die untere Stube zur Wohn      zu liefern. Sollte ich von einer             Alleinbenutzung:       1    Sessel,
- und Schlafstätte,                   mit ärztlichen Kosten aufwendi-              1 Stuhl, 1 Uhr, 1 Bibel, 1 Zuber,
    2. Raum im Keller zur Aufbe-      gen Krankheit befallen werden,               1 Spiegel, 1 Rodhacke, 2 Äxte,
wahrung meiner Kartoffel und          so sind die Kosten von meinem                1 Bohrwinde nebst Bohrer. Die-
sonstigem Gemüse,                     Notpfennig, soweit derselbe                  se sind nach meinem Tode un-
    3. Raum auf dem Speicher zur      noch vorhanden ist, zu bestreiten            ter meinen 5 Kindern gleich-
Aufbewahrung meiner Früchte,          und das allenfalls Fehlende von              mässig zu verteilen.
    4. die Mitbenutzung des Feu-      den 5 Erben zu gleichen Teilen
erherdes und Sittkessels in der       beizutragen.
USSER BLITTCHE AUSGABE 17 / MÄRZ 2021 - HUG HOLZHAUSEN
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                                 Alte Flurnamen um Holzhausen
   Als im Jahre 1962 in der         des «Steinmals» im Distrikt                  im Laufe der Zeit aus
Gemarkung Holzhausen die            Steimel                     der              «Holsdorf» zum heutigen
sogenannte «Flurbereinigung»        «Himbächer» (sicherlich als                  «Helsdorf» geworden.
durchgeführt wurde, tauchten        Ableitung von «Himberg»)                        Die            Flurnamen
plötzlich in den Worten der         liegt. Der Flurname «Im Hels-                «Amtsmanns       Heckelche»,
Altväter wieder Flurnamen           dorf» dürfte dadurch erklär-                 «Badersbach», «Husloch» und
auf, die auf keiner Landkarte       bar sein, dass einer der Lich-               «Spionskopf» mögen in Zu-
vermerkt und auch sonst             tensteiner im 13. Jahrhundert                sammenhang mit Kriegsereig-
kaum schriftlich niedergelegt       eine Frau «vom Holsdorf» zur                 nissen stehen. Unterhalb des
sind. Aus welcher Zeit sie          Gemahlin nahm. Eine andere                   sogenannten «Himbächer»,
stammen, weiß man nicht.            Version        deutet       auf              vom Damm der ehemaligen
   Im Wetzlarer Land gab es         «Hernsdorf» hin, einen im                    Bahnlinie Stockhausen – Beil-
mehrere Richtstätten, in deren      Dreißigjährigen Krieg unter-                 stein und heutigen Fahrrad-
unmittelbarer Umgebung je-          gegangenen Ort. Sehr wahr-                   weg getrennt, liegt die Flur
weils auch ein «Himberg» ge-        scheinlich aber leitet sich die              «Amtsmann Heckelche». An-
nannt wird. So auch in der          heutige Flurbezeichnung «Im                  schließend daran, als Grenze
Gemarkung Holzhausen, wo            Helsdorf»       nicht      von               der Holzhäuser Gemarkung
in nordwestlicher Richtung          «Hernsdorf» ab, sondern ist                  zu Beilstein plätschert klar

             Ausschnitt aus der Flurkarte von Holzhausen mit Flurnamen, gezeichnet von Alfred Hardt
                                 Standort der Karte: Kreuzgasse bei der Boulebahn
Ausgabe 17/März 2021     Heimat- und Geschichtsverein Holzhausen – Usser Blittche                       Seite 5

und munter, von Rodenroth          vorstieß. Die österreichischen               vereinten Truppen der Sach-
her       kommend,         der     Soldaten drängten die Franzo-                sen und Österreicher beo-
«Badersbach».                      sen jedoch wieder über die                   bachtet worden sein. Weil
   In gar nicht weiter Entfer-     Lahn zurück, was sie aber                    man die Marschbewegungen
nung ist das «Husloch» zu fin-     nicht hinderte, im Jahre 1796                der Franzosen von dieser Hö-
den. Wer die Heimatgeschich-       erneut in unseren Raum ein-                  he aus ausspionierte, könnte
te einigermaßen kennt, weiß,       zufallen, wobei es zu einem                  man     den     Berg    fortan
dass Ende des 18. Jahrhun-         Gefecht um den Altenberg-                    «Spionskopf» genannt haben.
derts (1795) die Truppen Na-       Klosterwald kam. Eine andere                 Den Spionskopf haben sich
poleons in breiter Front über      Deutung von «Hun» könnte                     auch die Landvermesser zu
den Westerwald bis zur Lahn        «Heun» oder «Hin» sein, wie                  Nutzen gemacht; es befindet
hin vorstießen und es in die-      der verstorbene Robert Her-                  sich dort ein trigonometri-
ser Gegend mit Truppen der         wig in seinem Beitrag im Hei-                scher Punkt (Landvermessung
österreichischen Streitkräfte      matkalender      des     Kreises             auf der Basis der Berechnung
zu Scharmützeln kam. Zur           Wetzlar 1963 über die Him-                   von Dreiecken).
damaligen Zeit wurden die          berge schrieb.                                  Die unter Naturschutz ste-
Truppenärzte und Sanitäter            Ob die Flurbezeichnung                    hende Eichengruppe am
«Bader» genannt. An dem            «Spionskopf»      aus     jenen              «Schäfernack» war der Ruhe-
«Badersbach», unmittelbar an       Kriegsjahren herrührt, ist                   platz der Herde. Dort wurde
«Amtmanns Heckelche» gren-         nicht mehr genau festzustel-                 «geunnert», was auf «Unnern»
zend, wird vielleicht ein Ver-     len. Doch als die Truppen Na-                - Ruhepause am Nachmittag –
bandsplatz gewesen sein. Ob        poleons im 1. Koaltionskrieg                 zurückzuführen ist.
die Flurnamen «Hunsheck»           1793-1796 in unsere Heimat                      Manch alte Flurbezeich-
und «Hunsrück» mit diesen          einfielen, zog eine Streitmacht              nung ist heute nicht mehr ein-
Kriegsereignissen, mit den         von Frankreich kommend                       wandfrei zu deuten. Gar man-
Husaren zu tun haben, ist nur      über den Westerwald. Ihr                     che interessante Begebenheit
schwer zu sagen. Mit etwas         Weg führte sie über Mengers-                 aus unserer engsten Heimat,
Phantasie kann man jedoch          kirchen ins Ulmtal. Sie lager-               von Mund zu Mund erzählt,
annehmen, dass auf dem mit         ten bei Bissenberg, um von                   wurde vergessen.
«Hunsrück»        bezeichneten     dort aus in die Schlacht bei
Flurteil, einem Geländerü-         Wetzlar eingreifen zu können.                   Aufgeschrieben von Walter
cken, sich die Husaren gegen-      Diese Truppenbewegungen                      Daniel im Greifensteiner Ge-
über dem feindlichen Angriff       könnten von der höchsten Er-                 meinde Express 2/2002 und
verschanzten. Tatsächlich be-      hebung in der Holzhäuser                     ergänzt durch Aufzeichnungen
richtet die Geschichtsschrei-      Flur am «Hintersten Hohen                    zum Spionskopf von Dieter
bung, dass damals die franzö-      Berg» mit weitem Rundblick                   Jung.
sische Armee bis zur Lahn          über das Tal der Ulm von den

        Die Osterwiese
   Zu Ostern traf sich Jung
und Alt auf der Osterwiese
am Hessenberg. Der Besuch
der Osterwiese gehörte zur
Festtagsstimmung. Die Klei-
nen tummelten sich beim
Eier- und Ballwerfen; in an-
geregter Unterhaltung freu-
ten sich die Eltern. Auch das
Eierkippen war so ein schö-
ner Brauch. Während einer
sein Osterei mit der Spitze
nach oben hält, schlägt sein
Partner ebenfalls mit der
Spitze seines Ostereies da-
rauf. Wessen Ei nach dem
Kippen zerbricht, muss es
seinem Partner überlassen.
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                    Holzhäuser Stammtische: Der Kreuzgass-Club
   Die «Kreuzgass» gab dem        -Club» 1969 bei der damali-                  Rundenzahl den Bierdurst
Stammtisch seinen Namen.          gen Wirtin und späteren Eh-                  überstieg oder die 1 Stunde
Wie kam es dazu?                  renwirtin Luise Jung im Gast-                Stammtisch jeweils am Sonn-
   Die Leute, die sonntags-       haus Knetsch aus der Taufe                   tagvormittag von 11 bis 12
morgens aus der Kirche ka-        gehoben. Nach dem altersbe-                  Uhr nicht ausreichte, die an-
men, trafen sich mitten im        dingten Ausscheiden von Lui-                 stehenden Runden Bier zu
Dorf auf der Kreuzgass und        se Jung wurde das Vereins-                   trinken, erfasste Bernhard
hielten ihr Schwätzchen. Bei      mitglied Karl Tischer neuer
                                                                                 v. li. unten im Uhrzeigersinn:
                                                                                      Heinz Rothenpieler
                                                                                      Heinrich Rau
                                                                                      Emil Pfaff
                                                                                      Karl Droß
                                                                                      Ernst Christ
                                                                                      Heinrich Karl Droß
                                                                                      Helmut Gaumann
                                                                                      Josef Konetschny sen.
                                                                                      Richard Droß
                                                                                      Otto Spach sen.
                                                                                      Josef Schön sen.
                                                                                      Emil Gelzenleuchter
                                                                                      Ewald Germann
                                                                                      Gast aus Köln
                                                                                      Walter Leidolf
                                                                                      Heinrich Jung
                                                                                 Nicht dabei: Rudi Droß, Karl-Ernst
                                                                                 Rupp, Klaus Schmidt

schlechtem Wetter ging man        Stammtischwirt. Als auch das                 Rotter alle Verurteilten an der
ins Gasthaus Knetsch auf ein      Gasthaus Knetsch schloss, zog                Wandtafel. Diese Regelung
Glas Bier.                        man von der Kreuzgass zur                    klappte so famos, dass immer
   Die ersten Treffs der Leute    Wirtin Edeltraud ins Gasthaus                gefüllte Biergläser zur Verfü-
von der Kreuzgass gehen auf       Birlenbach. Dort fühlte man                  gung standen. Gesprächsstoff
das Jahr 1960 zurück. Sonn-       sich wie zu Hause. Die Wirtin                gab es genug am Tisch. Die
tags nach dem Kirchgang           hatte ein feines Ohr. Kurzes                 hölzerne Spardose, in der je-
blieb man oft auf ein gemein-     Läuten – kleines Bier, langes                der jeden Sonntag eine Mark
sames Schwätzchen auf der         Läuten großer Schoppe. Mit                   und mehr einwarf, wurde von
Straße stehen. Auch die Hei-      den Runden hatte das über-                   Heinrich Jung gezimmert.
matvertriebenen Otto Spach,       haupt so etwas auf sich. Es gab              War sie voll, wurde sie für be-
Josef Schön und Josef Ko-         eine ganze Reihe ungeschrie-                 sondere Feierstunden geöff-
netschny, die die katholische     bener Gesetze, durch die man                 net.
Kirche in Leun besuchten, sa-     immer wieder zu einer                           So beschloss man eine
ßen nach Ihrem Kirchenbe-         Stammtischrunde verurteilt                   Fahrt mit Gimmler in die
such auch im Gasthaus             wurde. Das fing schon damit                  Schweiz zu bestellen. In Gie-
Knetsch, allerdings anfangs       an, dass der dritte Mann, der                ßen gesellte sich ein lebens-
immer so allein in der Ecke.      zum Stammtisch kam, den                      lustiger Damen-Kegelklub aus
Da wurden sie gebeten, doch       Wimpel auf den Tisch stellen                 Launsbach zu den Holzhäuser
bei uns am Tisch Platz zu neh-    musste. Vergaß er es, war eine               Stammtischbrüdern.        Kurz:
men erinnern sich die Kreuz-      Runde fällig. Wer trinkt bevor               Die Fahrt wurde zu einem
gässer. Der Otto Spach war        alle anderen das Glas am                     netten Erlebnis, zumal unser
früher Fiakerkutscher, der        Mund hatten, musste eben-                    Hotel (im Mai) 2 Tage völlig
konnte was erzählen.              falls eine Runde blechen.                    eingeschneit war.
   Nach langen Jahren unge-       Gründe für das Spendieren                       Die flotten Kegeldamen
zwungenen Treffs nach dem         einer Runde gab es so gut wie                kreuzten später einmal, zur
sonntäglichen Kirchgang wur-      immer. Herausmogeln konn-                    Überraschung der Kreuzgäs-
de der Stammtisch «Kreuzgass      te sich keiner, selbst wenn die              ser , unverhofft in Holzhausen
Ausgabe 17/März 2021       Heimat- und Geschichtsverein Holzhausen – Usser Blittche                       Seite 7

auf. Es wurde gedrückt und
es gab sogar Küsschen, erin-
nert man sich gerne.
     Weitere Reisen folgten:
Altes Land mit Hamburg, an
den Bodensee und ins All-
gäu, sowie nach Schladming,
im Sonderzug mit dem VdK,
organisiert durch Bernhard
Rotter.
    „Weil wir vergessen ha-
ben, unsere Frauen mitzu-
nehmen, stießen wir bei der
Damenwelt auf Unverständ-
nis“, erinnert sich ein Kreuz-
gassfahrer. Daraufhin be-
schloss der Stammtisch jedes
Jahr eine Tagesfahrt mit den
Frauen zu machen.                         v.li.: Klaus Schmidt, Bondrosse Heine u. Lotte, Ewald Germann und
     Die letzte Tour war mit                                         Richard Droß
den Frauen zur Fernsehsen-
dung «Lustige Musikanten»            seinem Gehilfen Karl Rupp I.                 bietsreform Ernst gemacht
in die Dortmunder Westfa-            die feinen Wurstspezialitäten                wurde, gab es Wetten: 1 Fäß-
lenhalle.                            zu. Grundsatz: Für Jeden ei-                 chen Bier wollten einige der
    Eine     Spezialität    des      nen Presskopf und abends                     Runde spenden, sollte der Na-
Stammtisches war es, jährlich        folgte   die    obligatorische               me der neuen Großgemeinde
ein Schwein nach alter Väter         Schlachtvesper. Dazu wurden                  «Ulmtal» werden. Klaus
Sitte zu schlachten. Stamm-          auch die Frauen eingeladen.                  Schmidt wettete dagegen auf
tischbruder und Hausmetz-            Zur vorgerückten Stunden                     den Namen «Beilstein». Dann
ger Richard Droß hielt sich          kamen die Dampfäpfel auf                     kam die Enttäuschung: Die
dafür immer im Dezember              den Tisch, auch der Radonku-                 Großgemeinde wurde auf den
einen Termin frei. Wenn              chen durfte nicht fehlen. Zwi-               Namen «Greifenstein» ge-
dann freitags das Schwein            schen den Jahren ging es                     tauft. Wir sind reformgeschä-
auf der Leiter hing, gab es ein      meist auf Wanderschaft mit                   digt, sagten die Stammtisch-
zünftiges       Käsefrühstück,       dem traditionellen Abschluss:                brüder, dies wurmte, dass die
meist Limburger. Abends              Wurst am Spieß.                              Greifensteiner ihnen noch
folgte das gemeinsame Well-             Noch eine Geschichte soll-                nicht mal ein Fäßchen spen-
fleischessen. Am Samstag             te nicht unerwähnt bleiben:                  diert haben.
bereitete Richard Droß mit           Als in Wiesbaden mit der Ge-                    Nach Schließung der Gast-
                                                                                  stätte Birlenbach zog man
                                                                                  noch ins Gasthaus Post um.
                                                                                  Allmählich      kamen      die
                                                                                  Stammtischler in die Jahre, so
                                                                                  dass sich der Stammtisch
                                                                                  ganz natürlich Anfang der
                                                                                  90er auflöste.
                                                                                     Heute sind noch Klaus
                                                                                  Schmidt und Karl–Ernst
                                                                                  Rupp bei bester Gesundheit
                                                                                  und können die Erinnerun-
                                                                                  gen an diese einmalige Ge-
                                                                                  meinschaft und Holzhäuser
                                                                                  Institution wach halten.

                                                                                     Aufgeschrieben in Zusam-
                                                                                  menarbeit mit Klaus Schmidt
                                                                                  von Helma Schauss
Seite 8                       Heimat- und Geschichtsverein Holzhausen – Usser Blittche               Ausgabe 17/März 2021

                      Hans-Albert Rumpf                                             Platt Geschwätz
                                     rischen Gabe. Seit 1998 Mit-
                                     glied, hat er diese Fähigkeiten
                                     immer wieder in den Dienst
                                     unseres Vereins gestellt.                      Baijass - lustiger Mensch
                                         Eine         wunderschöne                  Bankert – uneheliches Kind
                                     Freundschaftsbank steht auf                    Beem - Bäume
                                     einem Dorfplatz in unsrer ös-                  Bettsaacher – Bettnässer
                                     terreichischen Partnergemein-                  Brutsch zähje -beleidigt
                                     de St. Andrä-Wördern. Auch                     sein
                                     Briefkästen, Vogelhäuschen                     dunke – eintauchen
                                     und weitere diverse Holzar-                    Fatzke – hochnäsige Person
                                     beiten werden von ihm herge-                   Froijoar – Frühjahr
                                     stellt und künstlerisch gestal-                Gaas – Ziege
                                     tet.                                           Gegommern – Gurken
                                         Ebenso hat sich Hans-                      Gelärsch - Müll
                                     Albert auch als Fassadenmaler                  Gewirreroos – böse Frau
   Hans Albert mit dem Hinweis-      einen Namen gemacht. Hier                      Goure – Gruß zu allen Ta-
    schild zur Ulmtalsperre am       ist insbesondere das Logo am                   geszeiten
        Fuß des Oberwalds            Feuerwehrhaus zu nennen.                       Grawallschochtel – streit-
                                     Sein Fleiß und seine hand-                     süchtige Frau
   Wer hat nicht schon die           werklichen Fähigkeiten hat                     guggemool – schau mal
liebevoll gestalteten Hinweis-       Hans-Albert beim Bau seines                    Hobch—Habicht
schilder aus Holz in unserer         Hauses in Eigenleistung unter                  Kratzböschd – nörgelnde
Gemarkung bewundert oder             Beweis gestellt.                               Frau
mit einem gewissen Stolz auf             Der Heimat– und Ge-                        Kombe – großes Wasser-
die Schilder an den Ortsein-         schichtsverein hofft, dass wir                 loch
gängen von Holzhauen ge-             auch bei zukünftig anstehen-                   Offebächer – Einer, der
blickt. Gerade bei auswärtigen       den Arbeiten auf die fachliche                 Insolvenz beantragt hat
Besuchern      stoßen    diese       Kompetenz und die hand-                        offramme – aufräumen
durchaus als Kunstwerke zu           werkliche Mithilfe von Hans-                   Peedche – Pfad
bezeichnenden Schilder auf           Albert rechnen können.                         schippel - rollen
reges Interesse.                         Gleichzeitig bedanken wir                  schnappe- hinken
   Wir Holzhäuser im Allge-          uns auf diesem Weg bei einem                   schnuddelich—dreckig
meinen und der Heimat– und           ungemein kreativen, fleißigen                  wickse – polieren.
Geschichtsverein im Besonde-         und hilfsbereiten Menschen
ren wissen die Arbeit von            für die vielfältige Unterstüt-
Hans-Albert zu schätzen.             zung und wünschen für den
   Er ist ein Mann von außer-        weiteren Lebensweg alles er-
gewöhnlichem handwerkli-             denklich Gute, vor allen Din-
chen Geschick, verbunden             gen aber Gesundheit und                      Termine:
mit einer besonderen künstle-        Wohlergehen.

                                                                                  Coronabedingt fallen bis auf
                                                                                  weiteres unsere Veranstaltun-
   Der Heimat– und Geschichtsverein wünscht                                       gen aus. Dies betrifft:
              Euch zum Osterfeste                                                 die Jahreshauptversammlung,
                                                                                  die wir hoffentlich später im
         alles Gute und nur das Beste.                                            Jahr durchführen können und
                Bleibt gesund !                                                   das Familienfest mit Enten-
                                                                                  rennen im Juni.
                                                                                    Impressum: Informationsblatt des Hei-
                                                                                    mat- und Geschichtsverein Holzhausen.
                                                                                    Herausgeber und verantwortlich für den
                                                                                    Inhalt: Heimat- und Geschichtsverein
                                                                                    Holzhausen. Redaktion: H.-J. Schwalbe,
                                                                                    H. Schauss, E. Haas.
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