VILLIGST PUBLIC # 70 WINTER 2021/2022 - Evangelisches ...

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VILLIGST PUBLIC #  70
WINTER 2021/2022
In »Wort und Tat« erinnert das Ev. Studienwerk an seine Geschichte. Nach digitalen Begegnungen
gab es während der letzten Monate die ersten Veranstaltungen wieder in Präsenz. Diese Ausgabe berichtet
über Projekte und Menschen, die Engagement und Verantwortung für andere zeigen.

Editorial                                                     Titelthema

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Villigster*innen,

ein zweites Mal geht ein Corona-Jahr zu Ende.
Der Villigster Geist ist auch digital spürbar,
das wissen wir jetzt. Mit vorsichtigen Schritten              Neue Förderlinie »Wort und Tat«
haben wir im Sommer erste Präsenzveranstal-
tungen aufleben lassen und zwischenzeitlich                   nimmt die Geschichte auf
Begegnungen in Haus Villigst genossen.
Das Kirchenjahr neigt sich dem Ende entgegen
                                                              Unkraut wurde beseitigt, neues Pflanzwerk gesetzt.
und dann beginnt mit dem Advent die Zeit                      Die Studierenden reinigten das Mahnmal der Gedenkstätte
der Erwartung. Ich wünsche mir sehr, dass wir                 und machten das Außenlager des Konzentrationslagers Buchen­
uns von dieser Erwartung, dieser Hoffnungs-                   wald in Schwerte wieder zugänglich. Ein Auftaktwochenende
stimmung anstecken lassen und in der Welt                     zur neuen Förderlinie »Wort und Tat«.
spürbar werden. Ihr Engagement, Ihr Interesse
an unserer Arbeit und Ihre Spenden für Villigst               Zwei Jahre vor dem 75-jährigen Jubi­       der His­torie zurück. »Die so zusammen­
ermöglichen es jungen Menschen zu Hoffnungs­                   läum des Ev. Studienwerks verweist die    ge­tragenen Gehälter bildeten den
träger*innen zu werden. Danke! Wir freuen                     Aktionsreihe auf die eigene Geschichte.    Grundstock für die Stipendien und er-
uns auf ein neues Jahr mit Ihrer Begleitung.                   Die Stipendiat*innen sind aufgerufen,     möglichten allen einen Studien­
Bleiben Sie behütet,                                           sich nicht nur theoretisch mit gesell-    einstieg – unabhängig vom Einkommen
                                                               schaftlich wichtigen Themen zu beschäf-   und Bildungshintergrund der Eltern.
                                                               tigen, sondern auch vor Ort praktisch     Die Arbeit verstand sich gleichzeitig
Friederike Faß                                                zu arbeiten und ein nachhaltiges Ergeb-    als Beitrag zur aktiven Gestaltung einer
                                                               nis für andere zu erzielen. In Schwerte   solidarischen Gesellschaft.«
Impressum                                                      waren die engagierten Helfer*innen        Ebenso soll nun »Wort und Tat«, mit
                                                               für das Wochenende in Haus Villigst        ­initiiert von Studienleiterin Dr. Franziska
Herausgeber: Evangelisches Studienwerk e. V.
                                                               untergebracht und beschäftigten           Schade, als Programm weiter ausgebaut
Redaktion: Nicole Feist
Anregungen bitte an kommunikation@evstudienwerk.de             sich vorab mit den Themen Zwangs­         werden. »Das ist ein großes Stück Ge-
oder 02304.755 218                                             arbeit im Nationalsozialismus und         meinschaft, auch im Erleben unserer
Bildnachweis: Evangelisches Studienwerk, privat,              ­Gedenkstättenarbeit. Die Aktion fand      Stipendiat*innen«, sagt sie. »Wir haben
GEOMAR (Anna Christina Hans), Gunnar Klack
(Kristof Magnusson)                                            in Kooperation mit dem Kulturbüro         die Konvente ermutigt zu schauen,
                                                               der Stadt Schwerte statt.                 ­welche sozialen Einrichtungen kurzfristig
                                   Gefördert durch die:
                                                              »Die ersten Werkstudent*innen haben        Unterstützung brauchten.« Bis zum Jubi-
                                                               in Haus Villigst gelebt und in den          läumsjahr, da ist sich auch Friederike
                                                              ­um­liegenden Betrieben hart gearbei-        Faß sicher, »werden wir bundesweit ge-
                                                              tet«, blickt Leiterin Friederike Faß in    meinsam viel erreicht haben!«

villigst public # 70, Winter 2021/2022: Evangelisches Studienwerk                                                                                  1
Mein Villigst                                                        Termine / Ankündigungen / Veranstaltungen

»Villigst vereint, was woanders                                        »Villigst vor Ort« fand wirklich vor Ort statt

wie ein Widerspruch erscheint:                                         Das Netzwerktreffen eröffneten        40 Teilnehmer*innen genossen
                                                                       Friederike Faß, Dr. Marcus Nicolini   sichtbar das Gefühl der Begeg-
christlichen Glauben und gesell-
                                                                       und Dr. Svenja Hohenstein Ende        nungen und setzten sich in der
schaftliche Progressivität.«                                           September 2021 in Haus Villigst.      Fachtagung mit dem Thema
Mehr auf Seite 5.                                                      Es war einer der Termine, mit         »Evangelisch sein« auseinander.
                                                                       ­denen das Evangelische Studien-      Impulse aus der Pfadfinderschaft
                                                                        werk unter aller Vorsicht nach       VCP und aus Taizé beförderten
                                                                        und nach zurückkehrte zu Ver­        die Gespräche über das Ev. Studi-
                                                                        anstaltungen vor Ort. Die rund       enwerk als »spirituelle Heimat«.

Rückschau                                                                          Villigst engagiert

»Alles ganz anders« auch in der                                                    JAN-Treffen bot Rat zu
Auswahl und Begleitung von                                                         »Entscheidungen«
Stipendiat*innen                                                                    Wichtige Entscheidungen sollte man morgens
                                                                                    treffen, wenn man ausgeruht ist, und sich selbst Zeit
Noch einmal digital (das war das Ergebnis im Herbst)
                                                                                    dafür g­ eben. Das war einer der Hinweise der Fach­
oder in Präsenz – auch für die Auswahl von Stipen­                                  referent*innen, als sich die jungen Altvilligster*innen
diat*innen stellte sich diese Frage. »Ganz klar möchten                             zum ­jährlichen Austausch dieses Mal Mitte Septem-
wir zum ­Persönlichen zurück«, stellt Studienleiterin                                ber in Würzburg trafen. Eine Pro-Contra-Liste zu
Dr. Svenja Hohenstein fest. »Aber manchmal brauchen                                 ­nutzen, keine Angst vor falschen Entscheidungen
wir alle eben noch das gewisse Etwas mehr an Geduld.«                               zu haben und vielleicht doch mal drüber zu schlafen,
                                                                                     waren weitere Empfehlungen aus den Vorträgen.
Von den Studierenden selbst wissen die Studienleiter*innen auch,
                                                                                     Die Gespräche zur aktuellen Altvilligster*innen-­
dass die Pandemie eine besondere Herausforderung mit sich brachte.
                                                                                    Arbeit im Evangelischen Studienwerk schlossen die
So sei es wichtig gewesen, Druck herauszunehmen und indivi­
                                                                                   ­Tagung ab.
duelle Hilfsangebote zu schaffen. »Vielen fehlten die sozialen Kon-
takte, anderen machte in einer WG die Enge zu schaffen«, weiß
Dr. Svenja Hohenstein. Mehreren ausländischen Stipendia­t*innen                    Aus dem 5er Rat
fehlte Kontakt, um die Deutschkenntnisse zu verbessern.
Umgekehrt war es für Studierende im Ausland schwierig, berichtet
Studienleiter Dr. Michael Weichbrodt: »Ich hatte Stipendiat*innen,
die in Frankreich, den Niederlanden oder Finnland studierten –
von Zuhause aus. Andere hatten ihren Auslandsaufenthalt zweimal
verschoben und mussten ihn letztlich doch absagen.«
 Prof. Dr. Knut Berner aus dem Ressort Forschungsförderung hat
 auch viele Stipendiat*innen mit Kindern: »Für sie war die Situation
 mehrfach schwierig. Betreuungsoptionen fielen aus und zum
­Studieren blieben oft nur die Abendstunden.« Dennoch ermutigt
das Ressort Forschungsförderung, in dem derzeit auch Dr. Peter
Kainz vertretungsweise unterstützt, Interessierte, den Schritt
der Promotion anzugehen: »Mit unseren Promotionsstipendien und
unserer Betreuung können wir ein ganzes Stück weiterhelfen.«                       Erstes Treffen fast
Stipendiat*innen mit Fluchterfahrung und Familie im Ausland leben                  in Präsenz
nach wie vor mit großen Sorgen. In Einzelfällen konnte das Studien-                 Das erste (Fast-)Präsenz-Treffen des 5er Rats gelang
werk über Spendengelder auch finanzielle Hilfen leisten. Vor allem                  Mitte O
                                                                                          ­ ktober im Medizin- und Gesundheits­zentrum
ging es in den Studienleitungs-Gesprächen jedoch ums Zuhören                        Brandenburg. So tauschten sich Studienleiter
und Trostspenden. »Manchmal hilft ein Bibelwort in einer Situation                  Dr. Marcus Nicolini und Vernetzungsreferent Felix Opitz
weiter oder die Erzählung von Erfahrungen anderer Menschen                          aus mit Prof. Dr. Volker Beck, Dr. Anna-Lisa Müller,
in vergleichbaren Situationen. Manchmal auch das gemeinsame                         Hiwa Asadpour und Enrico Triebel sowie der digital
Gebet«, sagt Pfarrer Wolfram Gauhl.                                                 zeitweise zu­geschalteten Natascha Gillenberg.
»Hin und wieder waren wir Studienleitungen die einzige Abwechs-                    ­Themen waren unter ­anderem das nächste Pfingst-
lung vom Uni-Lernprogramm«, berichtet Dr. Marcus Nicolini aus                       treffen und die Intensivierung der Ehemaligenarbeit
dem Ressort Vernetzung. Prof. Dr. Knut Berner ergänzt: »Vielen tat                  in den Regionen.
das Signal gut, von Villigst nicht allein gelassen zu werden.«

2                                                                                  villigst public # 70, Winter 2021/2022: Evangelisches Studienwerk
Villigst engagiert

»Villigst Zu Hause« im Wahlmonat
Da die gemeinsame Sommer­                den Fokus auf das Thema Demo-            lagen d
                                                                                        ­ emokratischer Kultur         Die S­ eminare werden sich in­
akademie der Begabtenförderungs-         kratie zu legen.                         austauschen. Am Wahl­abend           haltlich mit den Schwerpunken
werke zum Thema ­›Demokratie             In drei aufeinander folgenden            gab es den Austausch der             ›Demokratie ­gestalten‹ und
gestalten‹ in der Pandemie ab­           Wochen konnten die Stipen­               Stipendiat*innen auf der Online-     ›Digi­t alisierung‹ auseinander­
gesagt wurde, entschied sich das         diat*innen sich mit anti­demokra­        treppe.                             setzen. Leiterin Friederike Faß und
Ressort I­deelle Förderung / Bildungs-   tischen Tendenzen in Social Media        Im kommenden Jahr soll die          Studienleiterin Dr. Franziska Schade
programm dazu, bei der Online-           aus­einandersetzen, über Vor-            ­Sommerakademie der Begabten-       ist das Seminarangebot zum
Reihe ›Villigst Zu Hause‹ im Sep-        und Nachteile direkter D
                                                                ­ emokratie        förderungswerke wieder auf­        ­Thema Demokratie in der Veran-
tember vor der Bundestagswahl            diskutieren oder sich zu Grund­           genommen werden.                   staltungsplanung enorm wichtig.

Kolumne: Lebenswege von Altvilligster *innen                                                                   Villigst lebendig

                                                                                                               Achtung, Achtung
                                                                                                               in der Sommer­
                                                                                                               universität
                                                                                                               In der Ideellen Förderung ist die Sommer­
                                                                                                               universität erklärtes Herzstück und
                                                                                                               die umfangreichste Veranstaltung des
                                                                                                               Ev. Studienwerks. Mehrere Wochen
                                                                                                               lang verwandelt sich das Haus Villigst
                                                                                                               hierbei in einen Sommer-Campus. Und
                                                                                                               wenn auch 2021 (noch) nicht wieder
                                                                                                               in Präsenz, so doch digital. Die Sommer­
Was wurde eigentlich aus                                                                                       universität fand zu dem Thema »Ach-
Kristof Magnusson?                                                                                             tung« statt.

Aktuell arbeite ich an zwei sehr unterschiedlichen                   Kristof Magnusson                         Die spannenden Seminare füllten zwei
Vorhaben. Ein Herzensprojekt für mich ist die Litera-                war von 1998–2003 in der                  Villigster Wochen, parallel fand auch
tur in einfacher Sprache. Mit Kolleg*innen probieren                 Villigster Förderung und                  die Woche in Kooperation mit der
wir das künstlerische Experiment aus, mit einem                      studierte am Deutschen                    Hans-Böckler-Stiftung statt. Die Seminar­
                                                                     Literaturinstitut Leipzig,                tage in Meißen waren im September das
nur kleinen Werkzeugkasten der einfachen Sprache
                                                                     das ihn heute – wie auch                  »allererste Präsenzseminar seit 18 Mo-
zu schreiben. Die ersten Erzählungen sind in einer                   andere Hochschulen
Anthologie schon veröffentlicht. Es ist schön, bei                                                             naten«, so Studienleiterin Dr. Franziska
                                                                     ­national und inter­
­Lesungen dann Menschen zu sehen, die ansonsten                                                                Schade. »Was war das schön!«
                                                                      national – für Gastprofes­
 nicht zu solchen Abenden ­gehen ­würden. Zugleich                    suren anfragt. Über seine                Insgesamt 175 Teilnehmer*innen der
 schreibe ich an einer Weltuntergangskomödie für                      Ausbildung als Kirchen­                  Sommeruni arbeiteten zu ganz unter-
 das Volkstheater Wien. Hier arbeitet als Intendant                  musiker und Tätigkeiten                   schiedlichen Themen und interdis­ziplinär
 Kay Voges, der zuvor am Theater Dortmund mehrere                    für die evangelische ­Kirche              zum Jahresthema »Achtung«. Seminare
                                                                      entstand für ihn der An­
 meiner Stücke zur ­Aufführung brachte. Immer wieder                                                           fanden beispielsweise zur F­ rage »Braucht
                                                                      knüpfungspunkt, sich
 sehr unterschiedlich zu schreiben, ist mir genauso                                                            Gott Achtung« oder zum »Darknet«
                                                                      um ein S­ tipendium zu be­
 wichtig, wie Engagement zu zeigen. Ich hoffe sehr,                   werben. Kristof Magnusson
                                                                                                               statt. Das Rahmen­programm zielte ab
 dass meine Weltuntergangskomödie nicht den ­Effekt                   hat seinen Anderen Dienst                auf Begegnungen und Austausch
 hat, den man meinem Roman »Das war ich nicht«                        im Ausland nach dem Abi­                 ­zwischen den Stipen­diat*innen, Seminar­
 über ­einen Investment-Banker zuschreiben könnte,                    tur bei der Aktion Sühne­                 leitungen und Gästen. »Das Tagungs­
 als es dann nämlich in die wirkliche ­Finanzkrise ging.              zeichen Friedensdienste                   büro hat dieses Programm so realistisch
                                                                      in New York geleistet und                 wie nur eben möglich g ­ estaltet«, be-
 Durch das Stipendium und die Zeit danach bin ich
                                                                      mit ­Obdachlosen und                      richtet Doris Mikus aus dem Ressort
 ­Menschen ­begegnet, die ich sonst nie kennengelernt               ­Holocaust-Überlebenden
  hätte. Zwei Lebensfreundschaften sind hier entstan-                                                           Ideelle Förderung. Spaziergänge, Sport
                                                                      gearbeitet. Für die Aktion
  den. Bei der Sommeruniversität war ich mehrere                                                                und Kochen, Vorträge und auch Musik
                                                                      Sühnezeichen engagiert
  ­Male als R­ eferent, einmal sehr frühzeitig zum Thema                                                        und Poetry Slam gab es, zwar digital,
                                                                      er sich bis heute. Er ist
   Migration in der Literatur, und habe die Sommeruni                 vielfach ausgezeichneter                  aber doch »besonders persönlich«.
   im j­eweils ­darauffolgenden Jahr dann wieder als                  Autor von Erzählungen,                   Das Jahresthema für die Sommeruni­
   ­Teilnehmer besucht. Wissen einerseits zu vermitteln               Berichten, Romanen und                   versität 2022 verspricht ebenfalls viel:
                                                                      Theaterstücken, außerdem
    und andererseits wieder zu er­fahren, das ist ein                                                          Sie kommt mit aller »Macht«.
                                                                      Übersetzer. Der 45-Jährige
­besonderes Erlebnis.
                                                                      lebt heute in Berlin.

villigst public # 70, Winter 2021/2022: Evangelisches Studienwerk                                                                                       3
Termine / Ankündigungen / Veranstaltungen

                                   »Thüringer Andachten«
                                   Der Thüringer Konvent veran­          aktion »Sieben Wochen mit            lag bei den Konventsspreche­
                                   staltete in Zusammenarbeit mit        ­Villigst und den ESGen«. Die Im-    r*innen aus Thüringen, Annika
                                   der Evangelischen Studierenden­        pulse kamen aus dem gesamten        Camin, Lukas Kleinwächter und
                                   gemeinde Jena bis zum Sommer           Bundesgebiet, ergänzt um Live-      Angus Rocha Vogel. Im Anschluss
                                   einmal im Monat Online-­             musik aus der ESG Jena und            fanden Begegnungen auf der digi-
                                   Andachten im Nachgang an die         ­verschiedene Liedvorträge. Die       talen Villigster Treppe statt. Die
                                   erfolgreiche Thüringer Fasten­        Koordination der Veranstaltungen     Reihe soll ihre Fortsetzung finden.

Villigst engagiert                                  Villigst vernetzt                       Villigst engagiert

20 Jahre Stiftung                                   Über 1.400 Jahre­
Evangelische                                        Lebens­
Begabtenförderung                                   erfahrung
Im kommenden Jahr begeht die Stiftung               Bei zwei aufeinander folgen­
Evangelische Begabtenförderung (StEB)               den Treffen des 20. und
ein kleines Jubiläum. Bereits 1994 ge-              des 33. Werksemesters
gründet, wurde sie im Jahr 2002 umge-               Mitte Oktober in Villigst war
wandelt in eine rechtsfähige kirchliche             die Erfahrung der Altvillig­
Stiftung Bürgerlichen Rechts. Mit dem               ster*innen direkt spürbar.
von Landeskirchen gestifteten Errich-               Gerne ließen sie sich von
tungskapital von 137.200 Euro, zwei                 ­Leiterin Friederike Faß und
großen Stiftungsfonds und einer Viel-                Dr. Peter Kainz über aktuelle          Auszubildende er­leben
zahl von ­individuellen und institutio-              Neuigkeiten und Entwick-               Studienwerk als offen
nellen Zu­stiftungen ist der Kapitalstock            lungen im Studienwerk
 inzwischen auf rund 1,55 Millionen                  informieren. Die Altvillig­
                                                                                            und spannend
­Euro angewachsen.                                   ster*innen des Evangelischen            »Ich weiß gar nicht, ob andere Auszubildende
 Die Stiftung unterstützt das Evangelische           Studienwerks Villigst haben             aus unserer Berufsschule in ihren Be­trieben
 Studienwerk überall dort, wo andere                 sich bereits mehrere Male               so herzlich willkommen g ­ eheißen wurden«.
­Finanzierungen nicht greifen. Dies gilt             getroffen, nachdem ihre Auf-            Alexandra Sabisch (20 Jahre) strahlt. Und auch
 insbesondere für die Förderung von                  nahme in das Studienwerk                Ömer Tas (25 Jahre) weiß gleich viele span-
 Sozial­semestern. Bis 2030 verfolgt die             schon so viele Jahrzehnte               nende Dinge zu berichten, wenn er nach
 Stiftung das ehrgeizige Ziel, ihr Stif-             zurückliegt. Sie nutzten sehr           den ­ersten Wochen im Einsatz gefragt wird.
 tungskapital auf 3,5 Millionen Euro zu              gerne die Gelegenheit zum               »Ja, manchmal war der Kopf nach einigen
 erhöhen. Mit den jährlichen Ausschüt-               Austausch.                              Stunden schon total voll.« Aber nach und nach
 tungen sollen künftig neben Angeboten              Unser Foto entstand beim                 werden Arbeitsabläufe und Zusammenhänge
 des Bildungsprogramms und der Be­                  Treffen des 20. Werkseme-                dank der Betreuung der Sachbearbeiterinnen
 rufsorientierung auch zehn Sozialseme-             sters vor Ort.                           in den verschiede­nen Ressorts immer klarer.
ster im Jahr ge­fördert werden können.                                                       Dass das Ev. Studienwerk nun wieder aus­
Möchten Sie mehr über die Arbeit                                                             bildet, und zwar gleich zwei angehende Kauf-
der Stiftung Evangelische Begabten­                                                              leute für Büromanagement, war eine sehr
förderung er­fahren, nehmen Sie                                                              ­bewusste Entscheidung. »Zur Verantwortung
gerne mit uns Kontakt auf unter                                                               für die Zukunft gehört auch, Ausbildung
fundraising@evstudienwerk.de oder                                                             ­anzubieten«, betont Leiterin Friederike Faß.
02304.755 205. Wir sind dankbar über                                                           Die Mitvorbereitung von Material für die
jeden einzelnen Beitrag.                                                                       ­Einführungswoche und die Mitarbeit in der
                                                                                                ­Verwaltung der Daten von Stipen­­diat*innen
Bankverbindung Stiftung                                                                          waren für Alexandra Sabisch und Ömer Tas
Evangelische ­B egabtenförderung                                                                 bereits Aufgaben der ersten Wochen.
KD Bank Die Bank für Kirche                                                                      »Schön, dass wir immer fragen dürfen.«
und Diakonie                                                                                     Das ist den Auszu­bildenden im Beruf genau
BIC: GENODED1DKD                                                                                 so wichtig, wie es privat ihre Hobbies sind:
IBAN: DE27 3506 0190 2119 6920 19
                                                                                                 Fußball gehört bei beiden zu den Interessen.

4                                                                                   villigst public # 70, Winter 2021/2022: Evangelisches Studienwerk
Villigst unterwegs

                                                             Ein Preis für Meeresforschung
                                                             Stipendiatin Anna Christina Hans     Kiel studiert, hatte sich mit ozea-
                                                             hat mit ihrer Bachelorarbeit so      nischen Wirbeln bei » ­ Cape Verde«
                                                             weitgehend überzeugt, dass sie       beschäftigt und ist nun schon im
                                                             dafür den Otto-Krümmel-Förder-       Masterstudium in Climate Physics
                                                             preis auf dem Gebiet der Meeres-     an der Univer­sität zu Kiel. Das
                                                             forschung junger Talente bekom-      Ev. Studienwerk hat sich sehr mit
                                                             men hat. Die Stipendiatin, d
                                                                                        ­ ie in   ihr über die Auszeichnung gefreut.

Villigst fördert                                                                                  Kolumne: Mein Villigst

Mentoring-Runde erfolgreich
abgeschlossen
Die fünfte Runde des bewährten Mentoring-
Programms »Villigster Tandem« hatte Ende August
ihren Abschlussworkshop.

27 Mentees waren ein Jahr lang von ihren jeweiligen Mentor*innen
­begleitet w­ orden. Selbst unter Corona-Bedingungen konnten die
 ­Tandems von erfolgreichen und prägenden Mentoring-Beziehungen
  berichten, die überwiegend im digitalen Austausch stattfanden. Umso
  größer war die Freude, sich zum Abschluss in Präsenz kennenzulernen.                            Lieber Max, wie sieht Dein Villigst aus?
  15 Mentees und zwei Mentorinnen waren zu dem Abschlusstreffen                                   Seit ich im Oktober das Amt des Koordinators von
  in der Katholischen Akademie angereist.                                                         Janne Anna Neumann übernehmen durfte, hat
Der Workshop half bei der Frage »Worauf kommt es bei meiner zukünf-                               sich mein Verhältnis zu Villigst um 180 Grad
tigen Jobsuche an und wie finde ich eigentlich meinen persönlichen                                ­gedreht. Davor durfte ich vor allem die Früchte
                                                                                                    eines Stipendiums genießen, jetzt kann ich selbst
Unique Selling Point (USP)?«. Ebenso initiierte er Übungen dazu,
                                                                                                  anpacken. Und da bestätigt es sich für mich ein
wie man im Arbeitsleben Kompetenzen, Vorschläge und E­ r­gebnisse
                                                                                                  weiteres Mal, dass es nicht anstrengend und
kommunizieren kann. Nach dem Austausch an Tag zwei schrieben die
                                                                                                   ­nervig sein muss, sich für eine Sache einzusetzen.
Mentees als Ratgeber*innen Briefe an die Teilneh­mer*innen der zu-
                                                                                                   Im Gegenteil, man lernt sie umso mehr
künftigen Runde des Villigster Tandems, die im April 2022 starten wird.                           wertzuschätzen!
Sowohl Studienleiter Dr. Marcus Nicolini als auch Agnes Eroglu, Re­                                Es ist toll zu sehen, dass man den Villigster Geist
ferentin Vernetzung, hatten ›Gänsehautmomente‹: »Es war un­                                        in allen Strukturen erleben kann (sogar in so
glaublich schön zu sehen, welche Entwicklung die Mentees von der                                  ­zunächst trocken klingenden Angelegenheiten
Auf­nahme ins ›Villigster Tandem‹ bis zum Abschlussworkshop ge-                                    wie »Verwaltung«!) Als Koordinator darf ich das
macht haben und wie gut sie auch – trotz der Pandemie-Umstände –                                   aus nächster Nähe erleben – wie bei der Vor­
die Mentoring-Beziehung für sich nutzbar machen konnten.«                                          bereitung auf die Herbstdelegiertenkonferenz
                                                                                                   oder unserem Merchandise-Projekt. Die Arbeit
Für Interessierte, die sich in das Mentoring einbringen möchten, sind
                                                                                                   macht durch das Team, in das mich Janne so
die beiden gerne ansprechbar. Dr. Marcus Nicolini und Agnes Eroglu
                                                                                                   freundlich eingeführt hat, auch unverschämt viel
im Ressort Vernetzung freuen sich auf Fragen und ­Anregungen zum                                  Spaß. Und auch wenn mal nicht alles rund läuft,
Mentoring.                                                                                         gibt es immer ein offenes Ohr, auf das man sich
                                                                                                   verlassen kann.
                                                                                                  Villigst vereint, was woanders wie ein Wider-
                                                                                                  spruch scheint: christlichen Glauben und gesell-
                                                                                                  schaftliche Progressivität – oder für mich gerade:
                                                                                                  zielsichere Arbeit und menschliches Miteinander.
                                                                                                  Ich freue mich, hier zu sein.
                                                                                                   Max Reichert, (21 Jahre) ist seit März 2021
                                                                                                   ­Stipendiat und seit Oktober im Koordina-
                                                                                                    riat der Geschäftsstelle. Er studiert in
                                                                                                  ­Würzburg Pädagogik und Political and Social
                                                                                                   Studies (PSS).

villigst public # 70, Winter 2021/2022: Evangelisches Studienwerk                                                                                        5
Rückschau

                                  Stabsstellen­leiterin Kathrin Wißmach verlässt das Studienwerk
                                  Seit 2012 leitete Kathrin Wißmach       Besonders schätzt sie rückblickend     Im Sommer hat Kathrin Wißmach
                                  die Stabsstelle Kommunikation / ­       die Zusammenarbeit mit Villigste­      ein neues berufliches Kapitel beim
                                  Fundraising und war für den öffent-     r*innen aller Generationen – seien     Landschaftsverband Westfalen-
                                  lichkeitswirksamen Auftritt des         es ehemalige Stipendiat*innen,         Lippe in ­ihrer Heimatstadt Münster
                                  Studienwerks zuständig – zuletzt        die sich im Fundraising für das        aufgeschlagen. »Das Ev. Studien-
                                  entwickelte sie den Jahresbericht,      Studienwerk engagieren und mit         werk ist sehr dankbar für die
                                  der seit 2020 erscheint. In den ver-    ihren Lebens­läufen für die evan-    ­vertrauensvolle und inhaltsstarke
                                  gangenen Jahren hat sich im Bereich     gelische Begabtenförderung            Zusammenarbeit in den vergange-
                                  Kommunikation viel getan und es        ­werben, oder aktuell ­Geförderte,     nen Jahren und wünscht von
                                  war ihr wichtig, das Studienwerk        die mit Testimonials potenzielle      ­Herzen Gottes Segen für den wei-
                                  zukunftsorientiert aufzustellen.        Bewerber*innen ansprechen.             teren Weg«, betont ­Friederike Faß.

Villigst engagiert                                                                                    Ausschau

                                                                                                       Neue Leiterin in der Kommunikation
                                                                                                      »Manchmal soll es so sein« – das w­ aren die
                                                                                                      ersten Worte in ihrem Bewerbungsschreiben
                                                                                                      und es ist auch ein Stück Lebensmotto

Evangelisches Gütesiegel                                                                              für Nicole Feist, die mit dem 1. Oktober die
                                                                                                      Leitung der Stabsstelle Kommunikation /
Familienorientierung:                                                                                 Fundraising übernommen hat.

Studienwerk ist jetzt zertifiziert                                                                     Die 49-Jährige war nach ihrem Journalistik-
                                                                                                       Studium zunächst als Zeitungsredakteurin
Die Pandemie hat verstärkt gezeigt, dass die Vereinbarkeit                                             und dann langjährig als Pressesprecherin
von Berufswelt und familiären Bedürfnissen eine hohe Relevanz                                          und Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit sowie
hat und dass zukunftsorientierte und engagierte Arbeitgeber                                            Spezialistin für junge Mehrwertprogramme
diesen Punkt berücksichtigen müssen.                                                                    bei der Sparkasse Dortmund tätig. In der
                                                                                                       ­nebenberuflichen Selbstständigkeit coachte
Das Evangelische Studienwerk bemüht sich schon seit vielen Jahren um                                   sie Veranstalter*innen und Künstler*innen
ein mitarbeitendenorientiertes Arbeits­klima und ist daher stolz, seit Septem-                          in PR und Social Media, auch im Krisenma-
ber 2021 nun auch das Ev. Gütesiegel Familienorientierung 2021 tragen                                   nagement durch die Pandemie hindurch.
zu dürfen.                                                                                             Sie unterrichtet Marketing, derzeit online für
                                                                                                        eine Dortmunder Akademie.
»Uns war immer wichtig, den Mitar­beite­r*innen Raum für die Familie, für
                                                                                                      »Was ich in den ersten Wochen des An­
Kinder, aber auch für zu pflegende Angehörige zu geben«, erklärt Friederike
                                                                                                       kommens und Anfangens im Studienwerk
Faß. Den Prozess der Zertifizierung zu durchlaufen, habe noch ­einmal das
                                                                                                       erleben durfte, hat mich begeistert: so viel
Bewusstsein für die Mit­arbeitendenorientierung manifestiert.                                         Offenheit und Herzlichkeit, viele spannende
Nach 2019 wurden zentral nun zum zweiten Mal Einrichtungen mit dem                                     Persönlichkeiten, kreative Aufgaben –
Evangelischen Gütesiegel Familien­orientierung ausgezeichnet. »Sie stellen                            Villigst eben«, sagt sie zu der neuen beruf-
Menschen in ihrer Vielfältigkeit und Verantwortung füreinander ins Zen-                                lichen Chance. Nicole Feist freut sich darauf,
trum«, lobte Maria Loheide, Vorständin Sozialpolitik der Diakonie Deutsch-                             die Kommunikation »auf verschiedenen
land die Zertifizierten in ihrer Rede.                                                                ­Kanälen noch mehr zu vernetzen und immer
                                                                                                       wieder neue Themen offline und online
Es habe sich gezeigt, so Heinrich Bedford-Strohm als EKD-Ratsvorsitzender                              umzusetzen.«
Mitte September bei der Veranstaltung in Berlin, dass Arbeitgeber mit
familien­orientierten Strukturen auch deutlich besser mit der Pandemie­
                                                                                                      Kontakt:
situation zurechtgekommen seien. Die Flexibilität in der Arbeitswelt, um die                          Stabsstelle
Bedarfe der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erfüllen, sei notwendig.                           Kommunikation /Fundraising
Zurück »können wir als Kirche und Diakonie nicht mehr gehen und wir                                   Nicole Feist
sollten es auch nicht.«                                                                               n.feist@evstudienwerk.de

6                                                                                    villigst public # 70, Winter 2021/2022: Evangelisches Studienwerk
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