Vor den Wahlen in den USA - Frank Unger bei "n-tv" - Ein Interview - Rationalgalerie
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Vor den Wahlen in den USA Frank Unger bei "n-tv" - Ein Interview Autor: Frank Unger Datum: 15. Januar 2008 n-tv.de: Bei den Demokraten tritt ein Schwarzer gegen eine Frau an, bei den Republikanern ist unter den vier aussichtsreichsten Kandidaten niemand, der die Masse der Konservativen in den USA vom Stuhl reißt. Man hat den Eindruck, dass der Wahlkampf ein Rennen der Außenseiter ist.Frank Unger: Na ja, Außenseiter… Es sind auf jeden Fall Wahlen, bei denen es um Erneuerung geht, das heißt, ich habe das Gefühl, und auch alle Beobachter bestätigen das, dass die Bevölkerung mit der Bush-Administration stark über Kreuz liegt. Das geht bis weit in die Konservativen hinein. Erneuerung ist sozusagen die Parole, und was alle Beobachter sagen, sie rechnen eigentlich auch, egal, wer jeweils antritt, mit einem Sieg der Demokraten.Die Republikaner sind eigentlich chancenlos?Soweit würde ich nicht gehen. Chancenlos sind sie insofern nicht, als die amerikanische Wahlarithmetik so ist, dass eigentlich – wenn es dann endgültig zur Wahl kommt – das Ergebnis in den meisten Bundesstaaten und den meisten Wahlkreisen schon vorher feststeht. Sie kennen wahrscheinlich die Karten mit den roten und blauen Bundesstaaten, rot für die Republikaner, blau für die Demokraten. Da ist gar kein richtiger Wettbewerb, man könnte sie als Einparteienstaaten bezeichnen. Die Entscheidung spielt sich immer nur in bestimmten Staaten ab, den »swing states«. Dieses Mal könnte es allerdings doch ein bisschen anders werden, dadurch, dass offensichtlich – zumindest war das so bei den bei den bisherigen Vorwahlen – eine überproportional große Zahl von jungen Wählern beteiligt sind, die sich sonst normalerweise nicht so beteiligen, das heißt, eine Zunahme der Wahlbeteiligung um drei oder vier Prozentpunkte würde dann erheblich ins Gewicht fallen und den Demokraten zugute kommen.Es heißt immer, die Jungen wählen Obama, die Alten und die Frauen wählen Hillary Clinton. Stimmt das?Na ja, das muss sich erst noch herausstellen. In New Hampshire hat sich ja Clinton jetzt auch mit jungen Leuten umgeben. Natürlich repräsentiert Obama glaubwürdiger die junge Generation, damit ist gemeint die so genannte Generation X, die Quelle: http://www.rationalgalerie.de/vor-den-wahlen-in-den-usa.html 1|8 Heruntergeladen am 27.05.2019
Nach-Baby-Boomer-Generation. Das sagt er jedenfalls ständig. Clinton repräsentiert mehr die Erfahrung. Aber man sollte das nicht überschätzen. Ich glaube, entscheidend wird die Wahlbeteiligung sein. Das ist total offen zwischen Obama und Clinton.Warum ist Hillary Clinton eigentlich bei vielen schwarzen Wählern so beliebt?Nur wegen ihres Mannes. Man denkt immer, Obama wird von den Schwarzen gewählt und Clinton eher von den weißen Frauen. Das ist nur halb richtig, denn Hillary Clinton wird auch von vielen Schwarzen gewählt, einfach weil ihr Mann unglaublich populär ist unter der schwarzen Bevölkerung. Nicht so sehr wegen seiner Politik, sondern weil er – einfach von seiner Persönlichkeit her – nach Bekunden vieler prominenter Schwarzer der erste weiße Politiker war, der überhaupt keine rassistischen Vorurteile hatte, der total non-racist war. Die Schriftstellerin Toni Morrison nannte ihn bekanntlich den »ersten schwarzen Präsidenten der USA«. Und das meinte sie durchaus ernst. Das kommt seiner Frau zugute. Wenn sie gewählt würde, dann nicht nur wegen ihrer selbst, sondern auch wegen der positiven Erinnerungen an die Amtsperiode ihres Mannes, die alles in allem eine relativ prosperierende und ruhige Zeit war – jedenfalls im Vergleich zu dem, was danach kam.Die Skandale um Bill Clinton sind vergessen?Die Mehrzahl der Amerikaner, und natürlich vor allem Clintons Anhänger hat das nie wirklich interessiert. Die Skandale sind ja auch von den politischen Gegnern fabriziert worden, und jeder, der halbwegs lesen und denken konnte, der hat die Absicht gemerkt und war verstimmt. Und was amouröse Affären betrifft: Kennedy war weitaus ausschweifender als Clinton das gewesen ist, andere auch. Diejenigen, die sich über Clinton aufgeregt haben – die christliche Rechte – würden ohnehin nicht demokratisch wählen.Früher hieß es, Hillary sei die Lieblingskandidatin der Republikaner: Sie sei zwar bei den Demokraten populär, wäre aber bei Präsidentschaftswahlen chancenlos. Das hat sich geändert, oder?Man sagt, dass Clinton, wenn es zum Beispiel zu einem Szenario käme Clinton gegen McCain, und plötzlich gibt es noch ein akutes Problem im Nahen Osten - und auf einmal gelingt es den Republikanern dann, klarzustellen, dass man einen kompetenten Oberbefehlshaber braucht, jemanden, der für die amerikanische Sicherheit verantwortlich ist. Es könnte also sein, sagt man, dass viele dann einer Frau und vor allem Hillary Clinton das nicht zutrauen würden. Die Vorstellung, dass Hillary Clinton der Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte wäre, dass könnte viele Leute davon abhalten, sie zu wählen, sagt man. Überhaupt gehört es zur Grundwahlstrategie der Neocons, dem Volk einzubläuen, Demokraten Quelle: http://www.rationalgalerie.de/vor-den-wahlen-in-den-usa.html 2|8 Heruntergeladen am 27.05.2019
seien nicht gut für die amerikanische »Sicherheit«.Hat sie nicht mehr dieses kalte, berechnende Image – etwa: sie sei nur bei ihrem Mann geblieben, weil sie Präsidentin werden wollte?Ach Gott, ja, aber wissen Sie, für die Wahlentscheidung selbst spielt das, glaube ich, keine so große Rolle. Ich glaube, wir sollten mal über einen anderen Aspekt reden: Ich meine die Besetzung des Obersten Gerichtshof. Sie wissen ja, der Präsident muss ausscheidende oder gestorbene Richter neu ersetzen, und zwar nach seiner Wahl. Im Augenblick gibt es dann ein Patt mit leichtem Vorteil für die "progressive Seite". Der nächste Präsident hat die Möglichkeit, entscheidende Neuberufungen an den Obersten Gerichtshof vorzunehmen, denn einer der »liberalen« Richter ist 89 Jahre alt und die Wahrscheinlichkeit, dass er die Amtsperiode des nächsten Präsidenten nicht überlebt, ist nicht gering. Und das ist etwas, was die religiöse Rechte – die ja die am besten organisierte Kraft in den USA ist – stark interessiert, denn dann könnte endgültig das Urteil Roe vs. Wade von 1973 rückgängig gemacht werden, also die Entscheidung, dass Bundesgesetze, die Abtreibungen verbieten, gegen die Verfassung verstoßen. Die religiöse Rechte interessiert sich vornehmlich für diese soften Themen wie Abtreibung oder die Homo-Ehe. Dagegen kämpfen die. Alles andere ist ihnen im Grunde egal.Ist das realistisch? Würden sich die republikanischen Bewerber dafür einsetzen?Ja, die würden sich alle dafür einsetzen...Bush hat das auch versprochen, hat dann aber nichts gemacht.Na ja, im Supreme Court fehlte ja auch eine Stimme, um das zu machen. Alle republikanischen Bewerber, auch Giuliani, der persönlich »pro-choice« ist, haben versichert, dass sie bei der Besetzung des Supreme Court dafür sorgen würden, dass da jemand hinkommt, der dieses Abtreibungsurteil rückgängig macht.Auch Giuliani?Er hat es nicht geradeheraus gesagt, sondern in Code-Sprache. Giuliani ist zum Beispiel auch von Pat Robertson endorsed worden, was also darauf hinweist, … Giuliani hat gesagt, er werde Richter berufen, die »originalist« sind, d. h. die den Geist und die Intentionen der ursprünglichen Verfassungsgeber bewahren wollen, und das ist ein code-Wort für konservativ.Aus deutscher Sicht fällt auf, dass es bei jedem Wahlkampf in den USA um dieselben Themen geht: Steuern runter, Abtreibung, Waffenbesitz, Gesundheitssystem. Warum ist das so?Genau. Steuern runter, vor allem bei der Einkommenssteuer, obwohl es da gar nicht mehr viel Spielraum gibt. Das ist ein ewiges Thema, und da sind die sich alle einig, die Konservativen, eigentlich kontinuierlich seit ihrer Einführung im Jahr 1913. Das Thema Abtreibung hat die religiöse Rechte erst zum nationalen Thema gemacht, das war eine Quelle: http://www.rationalgalerie.de/vor-den-wahlen-in-den-usa.html 3|8 Heruntergeladen am 27.05.2019
organisierte Gegenbewegung gegen die "Kulturrevolution" der sechziger und siebziger Jahre, wo die Entscheidung Roe vs. Wade mit hinzugehört, ebenso andere Gesetze wie affirmative action, Gleichstellung von Frauen und solche Geschichten. All das wollen die Konservativen rückgängig machen, wobei sie natürlich in vielen Fällen chancenlos sind. Es sind eher Parolen, hinter denen sie sich scharen und an denen sie sich erkennen. Waffenbesitz und Gesundheitssystem dagegen sind wirklich ernste Themen, die deswegen bei Präsidentschaftswahlen eher ausgeklammert werden. Das ist diesmal eben ein bisschen anders, weil die Frage des Gesundheitssystems diesmal sehr wohl Gegenstand der Wahlkämpfe ist. Das ist eigentlich ein gutes Zeichen für die amerikanische Demokratie. Bei einer Versammlung der religiösen Rechten, wo die republikanischen Kandidaten sich vorstellen sollten, ist Mike Huckabee seltsamerweise nur auf den zweiten Platz gekommen. Mitt Romney lag knapp vor ihm. Woran lag das? Huckabee müsste doch eigentlich ein Mann nach dem Geschmack der religiösen Rechten sein?Richtig. Romney hat ja das Problem, dass er Mormone ist. Mormonen sind streng genommen keine Christen, weil sie eine andere Vorstellung von der Dreieinigkeit haben. Sie sind auch in den Augen der meisten Amerikaner eine etwas merkwürdige Sekte, obwohl sie gleichzeitig ja auch eine uramerikanische Religionsgemeinschaft sind. Der Mormone Romney ging aber in seiner Rede vor dieser Konferenz weiter als alle anderen: Er sagte dem Sinne nach, für einen guten Amerikaner gehöre es sich, Christ bzw. religiös zu sein. Er wolle Amerikas "religiöses Erbe" verteidigen. Damit traf er den Nerv der religiösen Rechten: Aus ihrer Sicht sind alle, die nicht religiös sind, keine richtigen Amerikaner. Mit Romney sagte zum ersten Mal jemand genau das, was die religiöse Rechte hören wollte– indirekt natürlich, immer in Code-Sprache. Er hat nämlich angedeutet, dass er die Trennung von Kirche und Staat – und damit eine der Grundfesten des amerikanischen Selbstverständnisses - ablehnt. Aus Romneys Sicht – und das hat er einfach von den frommen Christen abgekupfert - ist die Trennung von Kirche und Staat eine verfassungswidrige Bevorteilung der "Säkularisten". Denn die religiöse Rechte unterscheidet nicht zwischen Wissenschaft und Glauben. Alles ist »Religion«, auch das wissenschaftliche Denken oder die Säkularität. Wenn also der Staat für sich das Prinzip der Säkularität verlange, dann sei das die Bevorzugung einer »Religion« vor allen anderen. Alles klar? Könnte davon einer der anderen republikanischen Bewerber profitieren, dass die religiöse Rechte sich nicht auf einen klaren Favoriten einigen konnte?Das hat man ja sowieso, Quelle: http://www.rationalgalerie.de/vor-den-wahlen-in-den-usa.html 4|8 Heruntergeladen am 27.05.2019
dass diesmal die Basis, die religiöse Rechte, etwas enttäuscht ist von den republikanischen Bewerbern, auch von der Bush-Regierung. Ich gehe davon aus, dass viele von ihnen nicht zur Wahl gehen werden. Und sollte z.B. Giuliani das Rennen machen, werden sicherlich einige der frommen Christen zu Hause bleiben. Mein Tipp ist, dass es am Ende darauf hinauslaufen wird, dass bei den Republikanern am Ende als Kandidaten Romney oder McCain übrig bleiben werden, dass bei der eigentlichen Wahl jedoch der demokratische Kandidat gewinnt.Wo ist eigentlich der Kern-Unterschied zwischen Republikanern und Demokraten?Die Republikaner sind inzwischen total identifiziert mit dem Konservatismus. Das war früher nicht so, früher waren die Republikaner sehr breit gefächert, es gab auch sehr liberale Republikaner, denken Sie an Nelson Rockefeller oder solche Leute. Das ist heute nicht mehr so, heute sind die Republikaner festgelegt auf den sozialen und politischen Konservatismus im amerikanischen Sinne, also radikaler Wirtschaftsliberalismus, dafür umso mehr soziale Kontrolle und Verregelung der Lebenswelt. Und sie sind abhängig von der religiösen Rechten und ihrer Mobilisierungskraft. Wie gesagt: Die sind die bestorganisierte Gruppe im ganzen Land, die in jedem Wahlkreis ihre Vertreter haben. Wenn die Republikaner die verlieren, können sie die Wahlen gleich abschreiben.Der Unterschied besteht also darin, dass inzwischen – also durch die Entwicklung der letzten 20 Jahre – die Republikaner eigentlich eindeutig zu verstehen sind als parteilicher Ausdruck des politischen Konservatismus, bis in seine extremen Auswüchse, nicht ganz der radikalen religiösen Rechten, aber doch des Konservatismus. Während die Demokraten eher offen sind. Es gibt rechte und konservative und linke und mittlere Demokraten – die Demokraten haben nicht den Ruf der Bewegung. Mit Blick auf die Wähler würde ich zugespitzt sagen, die Republikaner sind die Partei der ganz Reichen und der Einfältigen, während es bei den Demokraten einen starken Bias zugunsten der Gebildeten gibt. Damit repräsentieren die Demokraten vor allem die städtischen Mittelklassen. Jüngst kam aus den Reihen des American Enterprise Institute, also einer zentralen Denkfabrik der Neokonservativen, der sensationelle Vorschlag, in den USA die Wahlpflicht einzuführen. Man weiss, dass unter den Nichtwählern die Zahl der Nicht-Gebildeten überproportional gross ist, und die konservativen Strategen gehen offensichtlich davon aus, dass darunter auch die meisten Einfältigen seien. Folglich wäre – siehe oben – die Republikaner eigentlich die strukturelle Mehrheitspartei im Lande! Die sagen sich, wenn die alle wählen müssen, dann haben die Republikaner strategisch auf längere Sicht Quelle: http://www.rationalgalerie.de/vor-den-wahlen-in-den-usa.html 5|8 Heruntergeladen am 27.05.2019
bessere Chancen. Aber im Ernst: Die Neocons haben offenbar eine Heidenangst davor, dass diese Wahl Anstoß sein könnte für eine oder gar zwei Dekaden solider demokratischer Vorherrschaft.Weil Bush als so schlechter Präsident angesehen wird?Weil Bush die Karre so extrem in den Dreck gefahren hat, ja. Und weil er auch persönlich so unfähig war. Auch wegen bestimmter ökonomischer Entwicklungen in den USA: Große Teile der Mittelklassen sind inzwischen nicht mehr der neoliberalen Meinung, dass so wenig Staat wie möglich der richtige Weg ist. Da denkt man auch schon wieder an mögliche Steuern, an bessere öffentliche Dienste. Wenn man ein bisschen übertreibt, kann man sagen: Wir können einen neuen New Deal erwarten, also einen innenpolitischen Wandel. Irgendwie geht es nach links im Sinne von mehr Staat, mehr staatliche Verantwortungsübernahme bei bestimmten Problemen. Ich bin zum Beispiel sicher, dass man endlich versuchen wird, ein gesetzlich geregeltes Gesundheitssystem für alle Amerikaner einzurichten.Ist der New Deal nicht gescheitert? So wahnsinnig viel wurde da ja nicht umgesetzt.Die Einrichtung eines öffentlichen Gesundheitssystems etwa hat Truman nicht hinbekommen, das stimmt. Das scheiterte an der Ideologie. Das wird ja immer gleich ideologisch verbellt als sozialistische Medizin. Da spielt auch der Rassismus der Weißen eine Rolle: Bei einer sozialisierten Medizin muss man möglicherweise im selben Krankenhauszimmer liegen wie der »Drogenhändler«. Das ist das weisse Code-Wort für die afroamerikanische Unterschicht. Das sind Dinge, die subkutan eine unheimliche Rolle spielen. Der amerikanische Wohlfahrtsstaat geriet in dem Augenblick massiv unter Beschuss, als er faktisch ausgedehnt wurde auf den schwarzen Teil der Bevölkerung, also mit den Bürgerrechten, als also schwarze Teenage-Mütter Wohlfahrtsgelder in Anspruch nahmen, die ursprünglich nur für weiße Kriegerwitwen gedacht waren. Von da an kam die rechte Wende, und der ganze welfare state wurde untergraben, die Steuern runtergesetzt und so weiter.Obama spricht viel davon, dass die USA sehr gespalten seien; er will das Land wieder zusammenführen. Nach "change" ist das wohl seine wichtigste Botschaft. Sind die USA wirklich so gespalten, wie Obama suggeriert?Alle Umfragen ergeben, dass es eine überwältigende Mehrheit gibt für bestimmte politische Ziele, z. B. sich aus dem Irak zurückzuziehen. Dennoch würde ich schon sagen, dass die USA gespalten sind: Die Polarisierung zwischen Reich und Arm ist gigantisch. Das ist schon eine Sache, die inzwischen durchschlägt. Teile der amerikanischen Ideologie verfangen inzwischen nicht mehr, weil Quelle: http://www.rationalgalerie.de/vor-den-wahlen-in-den-usa.html 6|8 Heruntergeladen am 27.05.2019
Arbeitnehmer gefeuert werden, während ihre CEOs 25 Millionen Prämien abgreifen. Dieses Auseinanderklaffen zwischen hohen und niedrigen Einkommen ist inzwischen auch ein Skandalon in den USA.Ähnlich wie in Deutschland?Das kann man kaum vergleichen. Hier haben wir doch immerhin noch Hartz IV. Das gibt es nicht in Amerika. Es gibt keinen Anspruch auf Sozialhilfe. Wenn Sie arbeitsunfähig sind, dann kann Ihnen Ihre Gemeinde oder Ihr Bundesstaat helfen, aber es gibt keinen Anspruch darauf – Sie sind im Grunde angewiesen auf Almosen. Für einen arbeitsfähigen jungen Mann gibt es keine Chance, eine Unterstützung zu erhalten, dann müssen Sie eben unterm Mindestlohn jobben. Deshalb ist die Arbeitslosenquote in den USA auch so gering.Aber in den USA gilt dieses System doch als das bessere. Die Amerikaner lehnen den europäischen Sozialstaat doch ab.Sie kennen ja keine anderen Systeme als ihr eigenes. Ob die Betroffenen das alle auch so gut finden, weiß man nicht. Darüber wird ja nie abgestimmt. Die Wirtschaft funktioniert ja so, dass es immer irgendwelche noch so prekären Jobs gibt, dann kann man sich so durchschlagen. Das sogenannte Prekariat, von dem hier neuerdings ständig gesprochen wird, ist ja in den USA viel größer, hat dort auch eine viel längere Tradition.Wer wäre Ihnen persönlich der liebste Bush-Nachfolger?Ich würde schon sagen, dass Obama … wobei Edwards auch nicht so schlecht wäre, aber der hat meiner Meinung nach keine Chance. Ich glaube schon, dass Obama das machen könnte. Obwohl: Das Problem sowohl bei Clinton als auch bei Obama ist der whimp factor: Eine Frau oder ein Schwarzer würden immer unter dem Verdacht stehen, außenpolitisch und militärisch schwach zu sein. Möglicherweise würde daher eine Präsidentin Clinton oder ein Präsident Obama außenpolitisch besonders falkenhaft auftreten. Der einzige, der unter den Demokraten ein bisschen souveräner sein könnte, wäre John Edwards. Das ist natürlich aber relativ unwahrscheinlich, dass der das macht. Schade, dass die Demokraten in Michigan keine Vorwahlen abgehalten haben, denn dort hätte Edwards als alter New Dealer vielleicht eine ganz gute Chance gehabt.Und wer, glauben Sie, wird das Rennen machen?Das kann ich nicht sagen. Ich hab̉́’ so das Gefühl, dass es Obama machen wird. Obwohl Clinton ja mit Abstand das meiste Geld hat und hat nach dem Schock von Iowa eine neue Sammel-Kampagne gestartet, die vor allem darauf hinauslaufen soll, zusammen mit ihren Großkapital-Unterstützern, dass Obama ein bisschen diskreditiert wird. Obama hat ja mehr so von kleinen Leuten das Geld, Clinton hat die großen Summen. Obama spielt ja auf der Kennedy-Karte, und Clinton wird versuchen, Quelle: http://www.rationalgalerie.de/vor-den-wahlen-in-den-usa.html 7|8 Heruntergeladen am 27.05.2019
ihn stärker in dieser Richtung zu bekämpfen, indem sie auch darauf hinweist, natürlich nur andeutungsweise, dass er zwar Schwarzer ist, aber keineswegs aus der Bürgerrechtsbewegung kommt. Er ist kein black american wie etwa Jesse Jackson, sondern er ist in Hawaii geboren, hat ein bisschen community work gemacht, aber er ist ein Harvard-Typ. Insofern hat er keineswegs automatisch die schwarzen Wähler hinter sich, weil – wie gesagt – die Popularität von Bill Clinton das überdecken kann. Aber ich glaube trotzdem, dass Obama das machen wird, weil er jung ist, und von daher glaubwürdiger eine neue Politik repräsentieren kann. Und sehr viele junge Wähler, wie es so aussieht, werden dieses Mal an der Wahl teilnehmen, jedenfalls mehr als sonst. Bei den bisherigen Vorwahlen jedenfalls war es schon so. Quelle: http://www.rationalgalerie.de/vor-den-wahlen-in-den-usa.html 8|8 Heruntergeladen am 27.05.2019
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