YOLO: You Only Leeds Once!

 
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Leeds, April 2014

                   YOLO: You Only Leeds Once!
Dieser Spruch entstand am Anfang des ersten Semesters während eines
gemütlichen Abends mit neu gewonnen Freunden aus aller Welt. Im Prinzip blieb
dies unser Wahlspruch für den Rest des gemeinsamen Jahres und zeigt deutlich
welch eine schöne Zeit dies für uns alle war. Ich habe meine Zeit hier in Leeds sehr
genossen, habe viel erlebt und jede Menge toller Leute kennen gelernt und auch das
Studium selbst hat mir gut gefallen. Leeds ist als Universitaet auf jeden Fall weiter zu
empfehlen, wie generell ein Jahr im Ausland ein Muss ist für alle, die wenigstens ein
klitzekleines bisschen Interesse an einer solchen Erfahrung haben. Eigentlich wollte
ich lieber nach Edinburgh. Da das leider nicht ging und ich mich spontan zwischen
den übrig gebliebenen Plätzen entscheiden musste, nahm ich Leeds. Ich habe
meine Entscheidung kein einziges Mal bereut! Wieso, das erfahrt ihr zumindest
teilweise auf den nächsten Seiten, also wenn ihr Interesse habt, bitte weiter lesen!

Vorbereitung auf den Alltag
Alles fängt ja mit der Entscheidung an, dass man überhaupt ins Ausland möchte,
entweder für ein oder zwei Semester. Da würde ich auf jeden Fall zwei empfehlen,
einfach weil man diese schöne Zeit länger geniessen kann, mehr mitnehmen kann
und sich tatsächlich ein Leben hier aufbauen kann. Sollte das nicht möglich sein,
dann geht zum zweiten Semester, da erfährt man erst hinterher was man alles
verpasst hat und verlässt nicht wehmütig einen Ort, wo im nächsten halben Jahr
noch viele tolle Sachen ohne euch passieren werden. Alle, die vorher gegangen sind,
haben es bedauert. Das Bewerbungsverfahren ist recht einfach, die Informationen
dazu bekommt ihr auf der Homepage des Anglistischen Seminars.

Kurswahl
Nach meiner Bewerbung erhielt ich im April die Bestätigungsmail von Leeds mit
Unterlagen und Informationsbroschüren. Wenn ihr diese aufmerksam durchlest, seid
ihr bereits gut vorbereitet und wisst im Prinzip alles was ihr für die Anfangszeit
wissen müsst. Zudem werdet ihr um eure Kurswahl gebeten. Dies mag seltsam
erscheinen, da ihr dazu den „module catalogue“ des aktuellen und nicht des neuen
Jahres benutzen musst. In England ist es aber so, dass die gleichen Seminare, auch
meist mit der gleichen Zeit, jedes Jahr angeboten werden, nur selten werden sie
gestrichen oder es kommen neue dazu. Zudem ist man nicht auf sein Department
beschränkt, sondern kann sich in Kurse von bis zu vier verschiedenen Departments
einschreiben. Dies ist auf jeden Fall zu empfehlen, wenn man Interesse an neuen
Faechern hat, ich habe damit bisher sehr gute Erfahrungen gemacht! Sollte man
nicht in die Kurse hinein kommen, ist das (kurzfristige) Umwählen kein Problem,
selbst wenn das Semester bereits angefangen hat. Da muss man sich nur per E-Mail
an die jeweilige Ansprechperson des Institutes wenden oder direkt zum Büro gehen
um sich ein- oder um zutragen. Es ging immer einfach und unkompliziert dank des
freundlichen Personals.

Wohnen
Das große Thema Wohnen ist in Leeds erfreulicherweise eine bedeutend einfachere
Angelegenheit als in Heidelberg, denn es gibt hier Zimmer im Überfluss! Da lässt
sich auch kurzfristig etwas finden. Generell lässt sich sagen, dass die
Studentenwohnheim durchaus zu empfehlen sind (außer das „Catered“, die Mensa
hier ist nicht so besonders). Sie sind leider recht teuer im Vergleich zu Deutschland,
aber Nebenkosten sind enthalten und eine Mitgliedschaft für das Universitätseigene
Fitnessstudio „The Edge“. Am besten sollte man eins in der Nähe vom Campus
wählen, es macht das Universitaetsleben und die Freizeitgestaltung leichter. Ich
habe mich allerdings privat nach einem Zimmer umgesehen, denn das kann
bedeutend günstiger sein (achtet allerdings auf die Nebenkosten, die können höher
sein als in Deutschland). Unipol ist eine gute Webseite um solche Unterkünfte zu
finden. Auch hier sollte man auf die Nähe zum Campus achten. Übrigens sind die
Zimmer glücklicherweise meistens möbliert.

Bank
Für das Finanzielle gibt es zahlreiche Möglichkeiten: Kreditkarte, Deutsche Bank,
britische Banken mit verschiedenen Angeboten, teils auch speziell für ausländische
Studenten. Ich habe mich für ein simples Konto (Ready Cash) bei der Yorkshire
Bank entschieden, es ist kostenlos und ich kann mit der Debitcard problemlos
überall kostenlos Geld abheben und online einkaufen. Online banking ist damit auch
möglich, habe ich allerdings nicht ausprobiert. Ich hebe immer Geld von meiner
deutschen EC-Karte ab (leider gebührenpflichtig) und zahle es dann in die Bank
direkt vor meiner Haustür ein. Das ist schnell und unkompliziert. Übrigens ist das
Leben in England generell teurer als in Deutschland, darauf muss man sich dann
einstellen.

Anreise
Auch bei der Anreise gibt es verschiedene Möglichkeiten: Bus, Zug, Flugzeug. Man
kann sich zudem von Freiwilligen der Universität abholen lassen. Darüber steht mehr
in den Informationsbroschüren, die man am Anfang erhält. Ich bin mit meinen Eltern
im Auto nach Leeds gefahren, das hatte den Vorteil, dass ich mich bei meinem
Gepäck nicht beschränken musste. Ansonsten hat Leeds einen eigenen Flughafen
und auch der Flughafen von Manchester ist nicht besonders weit und gut mit dem
Zug zu erreichen.
Universität
Die Universität von Leeds gehört laut einigen Unirankings zu den besten hundert
Universitäten der Welt. Mit ca. 30 000 Studenten ist es zudem eine große und
dynamische Bildungseinrichtung, in der es vielfältige Angebote und
Informationsveranstaltungen gibt. Auch der Service ist hier ist sehr gut, man
kümmert sich wirklich ausgezeichnet um die Internationalen Studenten. Es gibt
zahlreiche Angebote gerade am Anfang, aber auch während des Semesters, damit
man sich wohlfühlt, sich gut einlebt und schöne Erlebnisse hat. Besonders das
Global Café ist sehr empfehlenswert um viele nette, aufgeschlossene Menschen
kennen zu lernen. Dort bin ich den meisten meiner jetzigen Freunde begegnet. Die
meisten sind ebenfalls international, man rutscht zugegebenermaßen recht schnell in
diese Gruppe rein, denn es ist eher schwer Freundschaft mit Briten zu schliessen.
Diese sind nämlich entweder Freshers (also Erstsemester) und feiern die ganze Zeit
oder sie haben bereits Freunde gefunden. Mir hat es jedoch schon bald nichts
ausgemacht eher mit anderen Internationalen befreundet zu sein, es war im
Gegenteil sehr bereichernd. Es ist daher auch sehr empfehlenswert bereits in der
Internationalen Woche anzureisen.
Die Angestellten sind ebenfalls freundlich und sehr hilfsbereit, die Papiere sind
immer recht schnell fertig, da hatte ich noch nie einen Grund zur Klage.

Studium
Die Kurse sind anders als in Deutschland, darauf muss man sich schon einstellen.
Man macht bedeutend weniger Kurse, für die man jeweils auch mehr Kredits erhält.
Dafür muss man aber auch mehr selbstständig lernen und sich auf diese Kurse
vorbereiten. Denn in vielen Seminare sind nur wenige Teilnehmer, für die Diskussion
ist dann Wissen um das Material durchaus von Vorteil. Mir ist es einige Male passiert,
dass ich alleine mit meinem Tutor war, denn es gibt keine Anwesenheitspflicht in den
Kursen. Auch sonst sind die Kurse oft recht klein, dementsprechend ist die
Diskussion oft intensiver und man hat tatsächlich einen näheren Kontakt zur
Lehrperson. Pro Kurs gibt es oft zwei Leistungsnachweise, die man in Form eines
Essays oder einer Prüfung erbringen muss, eins in der Mitte des Semesters, eins am
Ende. Die Arbeit daran sollte man sich gut einteilen, denn man hat gleichzeitig noch
regulär Uni. Jedoch wird nicht eine so hohe Leistung erwartet wie in Heidelberg, bei
mir haben meistens ein bis zwei Wochen zum Schreiben gereicht.

Societies
Was mich noch an Leeds unglaublich begeistert hat, sind die Union und die
zahlreichen Societies. Diese gehören traditionell zur britischen Universität dazu und
decken den sozialen Bereich des Studentenlebens ab. Die Union ist gleichzeitig eine
Institution und ein Gebäude auf dem Campus. Die Institution organisiert Angebote
für das soziale Leben des Studenten und ist Administrator und Ansprechpartner für
zahlreiche Aspekte des Lebens wie Freizeitgestaltung, Hilfeleistungen, Jobangebote,
Veranstaltungen und vielem mehr. Das Gebäude hat zahlreiche Räumlichkeiten für
Veranstaltungen, es gibt dort einige Laden, einen kleinen Supermarkt, Bars, ein Café,
Aufenthaltsraeume und sogar Clubräume. Dort finden auch die Societies statt,
vergleichbar mit Vereinen, die zur Universität gehören. Es ist unglaublich was man
da alles machen kann! Es ist sehr empfehlenswert sich darüber vorher genau zu
informieren mit Hilfe der Broschüren und dem „Freshers Fair“, wo die Societies sich
vorstellen. Was ich selbst gemacht habe, und jedem weiter empfehlen würde, ist bei
den zahlreichen Give-it-a-Go in die verschiedenen Societies hinein zu schnuppern
um diese zum einen kennen zu lernen, zum anderen um sehr günstig Aktivitäten
auszuprobieren, zu denen man sonst nicht kommt. Einige der Give-it-a-Goes, die ich
gemacht habe, waren fechten, Jiu-Jitsu, Segelfliegen, Tauchen, Kuchen dekorieren,
Tanzen (Salsa, Scottish Country Dancing), Dangons and Dragons. Einige habe ich
leider verpasst. Ich habe mich dann auch einigen Societies angeschlossen, diese
sind zwar kostenpflichtig, aber meist recht günstig und lohnen sich auf jeden Fall! Ich
war bei der Christian Union, dem Scottish Cournty Dancing, Aviation (zum
Segelfliegen) und Kickboxing&Krav Maga. Sie waren alle sehr gut, aber es gibt noch
unglaublich viele tolle, die ich leider nicht machen konnte. Beliebt sind etwa die
Hiking Society, die Baking Society und die German Society. Da lernt als
internationaler Student man auch leichter die Briten kennen.

Leeds und England generell
Nicht nur die Universität von Leeds ist empfehlenswert, auch die Stadt selbst ist eine
dynamische und sympatische Stadt. Als drittgrößte Stadt Englands gibt es
zahlreiche kulturelle Angebote von Kinos, Museen, Konzerten über einer Oper zu
speziellen Events wie der German Christmasmarket, einer temporären
Schlittschuhbahn und vielen anderen. Da die Innenstadt in 15 Minuten vom Campus
aus zu erreichen ist (wie fast alles andere auch zu Fuß zu erreichen ist), sind diese
Angebote und natürlich die Geschäfte in handlicher Nähe. Denn Leeds ist ein
Shoppingparadies mit einer schönen Innenstadt, einigen Shoppingcentern und
einem tollen Markt. Für den alltäglichen Bedarf sind zum Einkaufen besonders
Morrison oder Asta zu empfehlen, für das Eindecken mit Bettwäsche, Geschirr etc.
Wilkinson. Auch bei Poundland lohnt sich ein guter Blick. Zugleich ist die Stadt auch
für sein Nachtleben bekannt, es gibt zahlreiche Bars, Clubs und Discos, so dass
man praktisch jeden Tag in der Woche weg gehen kann und jedermann auf seinen
Geschmack kommen kann. Einige der Möglichkeiten sind: in der Universität die Old
Bar und Fruity, in der Stadt: Revolution, Mission, Halo, Mint, Fab Club, Tiger Tiger,
Yates und zahlreichen anderen. An einigen Tagen gibt es sogar sehr gute Angebote
für Eintritt und Getränke, da sollte man auf jeden Fall drauf achten. Taxis sind zum
Glück auch sehr günstig, da ist Amber oder Arrow zu empfehlen. Obligatorisch ist
auch der sogenannte Otely Run, ein Pub Crawl mit ca. 16 Pubs, den sollte man als
Student in Leeds auf jeden Fall mindestens ein mal gemacht haben! Es bietet sich
übrigens nicht an ein Semesterticket zu holen, außer man wohnt weiter außerhalb,
denn es liegt alles recht nah aneinander. Man kommt gut zu Fuß oder mit dem
Fahrrad überall hin. Letztes kann man übrigens recht günstig von der Uni aus leihen.
Es bietet sich natürlich auch an das Land selbst zu erkunden. Yorkshire hat
wunderschöne Landschaften und Städte, auch weiter entfernt liegende Orte sollte
man auf jeden Fall besuchen! Zu Empfehlen sind: die Yorkshire Dales, the
Lakedistrict, York, Manchester, Liverpool, London, Edinburgh, Oxford... Von der
Universität aus werden auch günstige Fahrten zu diesen Orten angeboten, etwa von
der Global Community. Diese sollte man wenn möglich in Anspruch nehmen. Wenn
man viel verreist, gerade auch mit Zug, sollte man die Railcard kaufen. Man erhält
sie für 30 £ und spart ein drittel pro Fahrt, das lohnt sich. Allerdings sind Busse
bedeutend günstiger, wenn sie auch länger dauern. Sollte man diese
Reisemöglichkeit bevorzugen, wäre eine Buscard zu empfehlen.
Fazit
Ich habe meine Zeit hier in Leeds ungemein genossen, es war bisher eine wirklich
tolle Zeit und mit Schrecken stelle ich fest, dass es bereits in wenigen Wochen zu
Ende ist. Nach Leeds zu gehen war eine sehr gute Entscheidung, ich würde es auf
jeden Fall wieder tun und kann es nur wärmstens empfehlen! Sollten noch Fragen
offen sein, stehe ich gerne zur Verfügung.
Esther Sheldrick

esther@linta.de
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