7 Internationale Agrarentwicklung - 07 Internationale Agrarentwicklung - Deutscher Bauernverband eV
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07 Internationale Agrarentwicklung 7.1 Agrarpreise und Agrarrohstoffmärkte 7 Internationale Agrarentwicklung 7.1 Agrarpreise und Agrarrohstoffmärkte 219 7.2 Agraraußenhandel 229 218
7.1 Agrarpreise und Agrarrohstoffmärkte 07 Internationale Agrarentwicklung
7.1 Agrarpreise und Agrarrohstoffmärkte
Wirtschaftsjahr 2019/20:
Uneinheitliche Entwicklungen
bei den Erzeuger- und Betriebs-
mittelpreisen
Sowohl die Erzeugerpreise für
landwirtschaftliche Produkte als
auch die landwirtschaftlichen
Betriebsmittelpreise sind im Wirt-
schaftsjahr 2019/20 (Juli 2019 bis
Juni 2020) gegenüber dem Vorjahr
im Mittel nahezu unverändert
geblieben. Dabei waren die Ent-
wicklungen bei den einzelnen
Erzeugnissen und Betriebsmitteln
sehr unterschiedlich. Erheblich
unter Vorjahresniveau blieben im
Wirtschaftsjahr 2019/20 die Erzeu-
gerpreise für Kartoffeln und Getrei-
de. Aber auch die Preise für Gemü-
se, Rinder und Milch verfehlten das
Vorjahresniveau deutlich. Durch
die globale Knappheitssituation
infolge Afrikanischer Schweinepest
(ASP) lagen die Schweinepreise
dagegen um fast ein Viertel über
Vorjahresstand. Auch für Eier,
Schafe, Raps und Obst erzielten
die Landwirte im Durchschnitt des
Wirtschaftsjahres höhere Preise.
Auf der Betriebsmittelseite stiegen
vor allem die Preise für Dünge-
mittel und Strom sowie für die
Anschaffung und Unterhaltung von
Maschinen und Gebäuden. Dage-
gen verbilligte sich der Einkauf
von Treibstoffen und Futtermitteln
deutlich.
21907 Internationale Agrarentwicklung 7.1 Agrarpreise und Agrarrohstoffmärkte
Wirtschaftsjahr 2020/21
beginnt mit Druck auf die
Erzeugerpreise
Seit Beginn des Jahres 2020 haben
die landwirtschaftlichen Erzeu-
gerpreise kräftig nachgegeben.
Im ersten Quartal des laufenden
Wirtschaftsjahres 2020/21 lag das
landwirtschaftliche Erzeugerpreis-
niveau um gut 6 Prozent unter
dem Vorjahresstand. Starke Ein-
brüche sind bei den Kartoffel- und
Schweinepreisen zu verzeichnen.
Aber auch die Erzeugerpreise für
Geflügel und Milch blieben hinter
dem Vorjahresstand zurück. Da-
gegen erzielten die Landwirte für
Obst deutlich mehr. Auch konnten
sich die Getreide-, Raps-, Jungbul-
len- und Eierpreise im Jahresver-
gleich etwas erholen. Die Betriebs-
mittelpreise veränderten sich im
Jahresvergleich im Mittel kaum.
Während Energie- und Schmierstof-
fe sowie Düngemittel im Juli 2020
deutlich günstiger zu haben waren
als ein Jahr zuvor, verteuerten sich
vor allem Maschinen und Bauten.
AMI-Agrarrohstoff-Index mit
Abwärtstendenz
Auch der Agrarrohstoff-Index der
Agrarmarkt Informations-GmbH
(AMI) für die 13 wichtigsten in
Deutschland erzeugten Agrarpro-
dukte zeigte im Jahresverlauf 2020
insgesamt eine deutliche Abwärts-
tendenz. Zu dieser Entwicklung
hat vor allem der Einbruch der
Schweinepreise beigetragen. Im
November 2020 lag der AMI-Index
mit 124 Punkten deutlich unter
2207.1 Agrarpreise und Agrarrohstoffmärkte 07 Internationale Agrarentwicklung
dem entsprechenden Vorjahres-
stand (- 8 Prozent).
Überwiegend positive Preis-
tendenz bei wichtigen Agrar-
rohstoffen
Der FAO-Preisindex für die wich-
tigsten weltweit gehandelten
Agrarrohstoffe konnte im Oktober
2020 im fünften Monat in Folge
einen Zuwachs verzeichnen. Mit
100,9 Punkten erreichte der Index
im Oktober 2020 einen Stand, der
um gut 3 Prozent über dem Stand
des Vormonats und um 6 Prozent
über dem entsprechenden Vorjah-
reswert lag. Milch, Getreide, Zucker
und pflanzliche Öle zeigten ähnlich
positive Entwicklungen. Lediglich
die internationalen Fleischpreise
standen relativ stark unter Druck.
Im Jahresvergleich beläuft sich der
Rückgang der globalen Fleischprei-
se auf fast 11 Prozent.
Prognostiziert werden nominal
steigende, aber real fallende
Agrarpreise
FAO und OECD gehen in ihrer
Landwirtschaftsprognose bis zum
Jahr 2029 davon aus, dass ein
Wachstum in der pflanzlichen
Erzeugung vor allem durch stei-
gende Erträge und in der Fleisch-
und Milchproduktion sowohl über
höhere Tierbestände als auch über
verbesserte Tierleistungen stattfin-
den wird. Die globale Nachfrage
nach Nahrungsmitteln dürfte in
den kommenden Jahren bis 2029,
auf Kalorienbasis gemessen, um 15
Prozent zulegen. Weiter gehen FAO
22107 Internationale Agrarentwicklung 7.1 Agrarpreise und Agrarrohstoffmärkte
und OECD in ihren Projektionen Rohstoff- und Energiepreise.
davon aus, dass das globale Agrar- Wachsende Handelskonflikte und Starker Nachfragezuwachs
preisniveau nominal ansteigen zunehmende Unsicherheiten durch in aufstrebenden Volkswirt-
wird, aber unter Berücksichtigung geopolitische Risiken dämpfen das schaften
der Inflation (real) sinken oder Weltwirtschaftswachstum und da- Mit steigenden Einkommen in
stagnieren wird. mit den internationalen Handel mit den aufstrebenden Volkswirt-
schaften geht ein starker Nach-
Agrarprodukten zusätzlich. Der In-
fragezuwachs von Fleisch, Fisch
Effekte der schwächelnden ternationale Währungsfonds (IWF)
und Geflügel, aber auch von
Welt-Konjunktur rechnet in seiner Prognose aus Obst, Gemüse und Zucker einher.
Oktober 2020 für das Jahr 2020 mit Um diesen decken zu können,
Die globalen Preise landwirtschaft- einem Schrumpfen der weltweiten werden steigende Mengen an
licher Rohstoffe hängen auch vom Wirtschaftsleistung um 4,4 Prozent. Futtermitteln, insbesondere
grobkörnigem Getreide und
Wetter ab. Rekord- oder Missernten 2021 soll die Weltwirtschaft dann
proteinhaltigen Nahrungsstoffen
fallen relativ stark ins Gewicht. Ge- wieder um 5,2 Prozent wachsen. benötigt.
meinsam aber ist allen Rohstoffen,
dass ihr Verbrauch an die wirt- Volatilere Agrarpreise in der EU
schaftliche Entwicklung gekoppelt
ist, wenn auch bei Metallen und Seit dem Abbau der EU-Agrarpreis-
mineralischen Rohstoffen stärker stützung werden die heimischen aus. Bei Milch dagegen sind die
als bei Nahrungsmitteln. Außerdem Erzeugerpreise von der Situation Schwankungen weiterhin groß.
besteht ein Zusammenhang zwi- auf den internationalen Agrar- Vor diesem Hintergrund gewinnen
schen den globalen Energie- und märkten geprägt. Infolgedessen Preisabsicherungsinstrumente wie
Nahrungsmittelpreisen, nicht nur haben sich die Preisschwankungen Warenterminmärkte für Anbieter
bei Bioenergie, sondern auch durch (Volatilitäten) an den europäischen und Käufer von Agrarrohstoffen
die energieabhängige Erzeugung Agrarmärkten in den letzten Jah- an Bedeutung. Landwirte sichern
landwirtschaftlicher Produkte. ren deutlich erhöht. Preisschwan- sich im Vorfeld der Ernte vor allem
Angesichts der schwächelnden kungen an den europäischen über Vorkontrakte ab, denen Wa-
Welt-Konjunktur infolge der Coro- Getreidemärkten fallen in den rentermingeschäfte des Handels
na-Pandemie erwarten Analysten letzten Jahren auf Grund reichli- zugrunde liegen.
tendenziell keine steigenden cher Versorgung etwas geringer
2227.1 Agrarpreise und Agrarrohstoffmärkte 07 Internationale Agrarentwicklung
Preisabsicherung durch
Vorkontrakte
Bei der Vermarktung von Getrei-
de und Raps nutzen viele Land-
wirte Vorkontrakte zur Preis-
absicherung. Nach Ergebnissen
des Konjunkturbarometer Agrar
gaben im März 2020 43 Prozent
der Verkaufsgetreide anbauen-
den Landwirte an, Vorkontrakte
mit Abnehmern wie Handel
und Mühlen über ihre anste-
hende Ernte oder Teile davon
abgeschlossen zu haben oder
zu planen. Der entsprechende
Wert für die Raps anbauenden
Betriebe lag im März 2020 bei
64 Prozent.
Sinkender Dollarkurs dämpft immer noch gut 5 Prozent mehr
EU-Agrarexport in Drittländer als im November 2019. Damit sind
Exporte in den US-Dollarraum et-
Einfluss der Finanzmärkte auf Der globale Handel mit Agrarpro- was teurer, Importe dagegen etwas
die Agrarmärkte dukten wird nicht nur durch An- billiger geworden.
gebot und Nachfrage beeinflusst.
Kapitalanleger suchen auch auf Erhebliche Bedeutung haben auch Zusammenhang zwischen
den Rohstoffmärkten nach ren- die Wechselkurse. Der internati- Energie- und Agrarpreisen
tierlichen Anlagemöglichkeiten. onale Agrarrohstoffhandel wird
Begünstigt wird diese Entwicklung überwiegend auf US-Dollar-Basis Die Entwicklung der Getreide-,
durch ein niedriges Zinsniveau abgewickelt. Eine Euro-Stärke ge- Ölsaaten- und Zuckerpreise steht
bzw. eine lockere Geldpolitik der genüber dem US-Dollar wirkt sich in einer Wechselbeziehung zu der
Notenbanken in vielen Industrie- auf die deutschen Exportgeschäfte kaufkräftigen Nachfrage nach
ländern, die die Konjunktur ankur- negativ aus, da die Unternehmen Nahrungsmitteln und der Nachfra-
beln soll. Wie zahlreiche wissen- teurer auf dem Weltmarkt anbie- ge nach Bioenergie, die wiederum
schaftliche Studien belegen, kön- ten. Die Importe von Rohstoffen vor allem vom Rohölpreis abhängt.
nen spekulative „Blasen“ an den und Gütern verbilligen sich dage- Hohe Energiepreise stützen also
Terminmärkten („Preisübertreibun- gen, was sich entlastend auf die die Weltagrarpreise, besonders
gen“) in der Regel nur dann entste- Produktionskosten auswirkt. Im bei Getreide, anderen pflanzlichen
hen, wenn in den von Angebot und Laufe des Jahres 2020 hat der Euro Rohstoffen und auch bei Holz.
Nachfrage bestimmten Börsen- gegenüber dem US-Dollar an Wert Niedrige Energiepreise führen
plätzen keine ausreichende Markt- gewonnen. Lag der Kurs Anfang tendenziell zu einem Druck auf die
transparenz gegeben ist. Bislang des Jahres 2020 bei 1,12 US-Dollar/ Agrarpreise.
konnten derartige Marktverzerrun- Euro, waren es im September 2020 Der Ausbau der Bioenergie bzw.
gen an den Agrarterminmärkten 1,19 US-Dollar/Euro. Im November der nachwachsenden Rohstoffe
nicht nachgewiesen werden. 2020 fiel der Wert wieder etwas bietet den Landwirten Chancen
auf 1,17 US-Dollar/Euro. Das waren für eine alternative Vermarktung
22307 Internationale Agrarentwicklung 7.1 Agrarpreise und Agrarrohstoffmärkte
gen, dass bei der Biokraftstoffer-
zeugung zu einem hohen Anteil
pflanzliche Nebenprodukte (Ge-
treide: circa 40 Prozent Schlempe;
Raps: circa 60 Prozent Schrot)
anfallen, die als Futtermittel Ver-
wendung finden und damit die
Netto-Inanspruchnahme von Flä-
chen für Energiezwecke etwa um
die Hälfte kleiner ausfallen lassen.
Nach Einschätzung des Internatio-
nalen Getreiderates (IGC) werden
im Wirtschaftsjahr 2020/21 gut
16 Prozent der Weltgetreideernte
(ohne Reis) für die Erzeugung von
Ethanol und Stärke genutzt. 45 Pro-
zent der Weltgetreideernte werden
zu Futterzwecken eingesetzt.
„Spekulation“ verantwortlich
für Hunger in der Welt?
Wissenschaftliche Analysen kom-
men zu dem Schluss, dass „Speku-
lation“ nicht den oft behaupteten
Einfluss auf das Preisgeschehen am
Weltmarkt hat. Analysten sehen
die fundamentalen Nachfrage- und
Angebotstrends bei Agrarrohstof-
fen als entscheidend an. Hunger
und Armut sind häufig Folge von
schlechter Regierungsführung,
Korruption, Bürgerkriegen, Wetter-
ihrer Erzeugnisse. Die Preise am 5 Prozent der Weltackerfläche extremen, Marktabschottung und
Energiemarkt bilden grundsätzlich für Biokraftstoffe unzureichenden Eigentums- und
die Preisuntergrenze für landwirt- Nutzungsrechten. Verstärkt wird
schaftliche Produkte. Durch die Von der gesamten weltweiten der Hunger durch die Folgen des
Koppelproduktion, z.B. bei Raps für Landfläche sind 1,5 Milliarden Klimawandels. Die Agrarmärkte in
Biodiesel und für Rapsschrot-Fut- Hektar Ackerland. 5 Prozent davon den ärmeren Ländern sind oft we-
termittel, wird die Anfälligkeit der oder rund 80 Millionen Hektar nig funktionsfähig. Dazu gehören
Verarbeitungskette gegen Preis- werden für den Anbau von Energie- vor allem schlechte Infrastrukturen
schwankungen gemindert. pflanzen wie Getreide, Ölpflanzen und abgeschottete Märkte. So ist
und Zuckerrohr/Zuckerrüben zum Beispiel in Afrika nur 15 Pro-
genutzt. Dabei ist zu berücksichti- zent des Handels innerafrikanisch.
2247.1 Agrarpreise und Agrarrohstoffmärkte 07 Internationale Agrarentwicklung
Zum Vergleich: In Europa werden
70 Prozent der Waren innerhalb
der EU gehandelt.
Zahl der Hungernden weiter
angestiegen
Die FAO definiert Unterernährung
als die Aufnahme von zu wenig
Kalorien, die jeder Mensch für ein
gesundes und produktives Leben
benötigt. In 2019 traf das auf fast
690 Millionen Menschen oder rund
9 Prozent der Weltbevölkerung
zu. Das waren 10 Millionen mehr
als in 2018 und 60 Millionen mehr
als fünf Jahre zuvor. Nach vielen
Jahren des Rückgangs nimmt die
Zahl der Hungernden seit 2014
wieder zu. Nach Schätzungen der
FAO dürfte die Zahl der chronisch
hungernden Menschen in 2020
auf Grund der Corona-Pandemie
um etwa 130 auf 820 Millionen
angestiegen sein. Zusammen ha-
ben zwei Milliarden Menschen,
ein Viertel der Weltbevölkerung,
keinen regelmäßigen Zugang zu
sicheren, nährstoffreichen und
ausreichenden Lebensmitteln.
Dem stehen etwa 1,9 Milliarden
Menschen gegenüber, die als über-
gewichtig gelten, davon fast 700
Millionen als fettleibig.
Hungerbekämpfung durch
höhere Produktivität der Land-
wirtschaft für notwendig. Das Wachstum der Ressourcenverbrauch zu produ-
Weltwirtschaft habe dazu geführt, zieren, wird eine weitere Moderni-
Zur Verbesserung der Welternäh- dass sich die Menschen mehr Le- sierung und Professionalisierung
rungssituation hält die FAO eine bensmittel leisten und Landwirte der Landwirtschaft in den Entwick-
nachhaltige Intensivierung der mehr Geld in moderne Agrartech- lungsländern gefordert. Gleichzei-
Landwirtschaft und einen wachsen- nik investieren können. Um mehr tig geht es darum, die massiven
den Handel mit Agrarprodukten Nahrungsmittel bei geringerem Nachernteverluste zu reduzieren
22507 Internationale Agrarentwicklung 7.1 Agrarpreise und Agrarrohstoffmärkte
und dabei in eine bessere Lager- Landwirten nach Auffassung der europäischen Landwirtschaft beim
haltung zu investieren. Nicht zu- Wissenschaftler zwar zusätzliche Export und bei nachwachsenden
letzt setzt eine erfolgreiche Land- einkommenswirksame Liquidität Rohstoffen. Der Weltagrarhandel
wirtschaft Bodeneigentum, Zugang sichern, hätten allerdings kaum hat in den letzten Jahren kräftig
zu Ausbildung, Märkten, Kapital Auswirkungen auf die Höhe der zugenommen. Nach FAO-Angaben
und Betriebsmitteln ebenso voraus Produktionsmenge. Die Erzeugung hat sich der Weltagrarhandel von
wie unternehmerische Freiräume werde im Gegenteil durch Agrar- 1995 bis 2018 auf 1,5 Billionen
und die Möglichkeit der Landwirte, umweltmaßnahmen eher noch US-Dollar mehr als verdoppelt.
sich politisch und wirtschaftlich gesenkt. EU-Ausfuhrbeihilfen sind
unabhängig zu organisieren. seit Dezember 2015 abgeschafft. Bis 2050 Produktionssteigerung
um die Hälfte
GAP hat kaum noch Auswirkun- Europa bleibt ein global
gen auf Entwicklungsländer wichtiger Versorger mit Agrar- Bis zum Jahr 2050 müsste die
rohstoffen globale Agrarproduktion gegen-
Die Gemeinsame Agrarpolitik über 2013 nach FAO-Angaben um
(GAP) der Europäischen Union hat Der Anteil der Entwicklungs- und 50 Prozent gesteigert werden,
nach Einschätzung von Wissen- Schwellenländer an der Weltagrar- wenn den Anforderungen der
schaftlern nur relativ geringe nega- erzeugung und am Weltagrarhan- voraussichtlich auf 9,8 Milliarden
tive wirtschaftliche Auswirkungen del wird nach FAO-Einschätzung Menschen ansteigenden Weltbe-
auf Entwicklungsländer. Dazu künftig weiter wachsen. Für die völkerung und ihren wachsenden
gehören nach Feststellung der Industrieländer wie die Länder der Bedürfnissen nachgekommen
Stiftung Wissenschaft und Politik EU wird ebenso eine weitere, wenn werden soll.
(SWP) fast nur noch die produkti- auch verlangsamte Steigerung der
onsgekoppelten Direktzahlungen Agrarerzeugung erwartet. Mit ihrer Weitere Produktivitäts-
(10 Prozent aller Direktzahlungen), hohen Produktivität und Effizienz steigerungen erforderlich
die es in Deutschland nicht mehr werden sie nach Prognosen der
gibt. Die meisten Unterstützungs- FAO weiter bedeutende Versorger Da die produktiven landwirtschaft-
formen der GAP wie etwa die der Weltagrarmärkte bleiben. lichen Flächen kaum zunehmen
von der Produktion entkoppelten Angesichts stagnierender Bevölke- werden, sind weitere Produktivi-
Direktzahlungen oder spezielle rung und weitgehend gesättigter tätssteigerungen erforderlich. Die-
Unterstützungsmaßnahmen für Nahrungsmittelmärkte in Europa se aber haben nach Analysen der
benachteiligte Gebiete würden ergeben sich Marktpotenziale der FAO in den letzten Jahren deutlich
2267.1 Agrarpreise und Agrarrohstoffmärkte 07 Internationale Agrarentwicklung
nachgelassen. Gleichzeitig ist eine fast 24 Prozent als fossiles Grund-
Weltweiter Agrarhandel
effizientere Nutzung der knapper wasser in tiefen Gesteinsschichten
kann Wasserstress mindern
werdenden Ressource Wasser eingeschlossen. Nur etwa 0,3 Pro-
angezeigt. Die Auswirkungen des zent des Süßwasservorkommens Durch den globalen Handel mit
Nahrungsmitteln aus landwirt-
Klimawandels verschärfen diese (ca. 100.000 km3) sind zugängliche
schaftlicher Produktion lassen
Knappheit. erneuerbare Süßwasserressourcen
sich große Mengen Wasser ein-
in Flüssen, Feuchtgebieten, Seen, sparen. Das zeigt eine Studie des
Effiziente Nutzung der Böden und der Atmosphäre. Welt- Potsdam-Instituts für Klimafol-
weit werden jährlich rund 4.000 genforschung (PIK). Wichtig für
Ressource Wasser
km³ Frischwasser entnommen. Die die Auswirkungen auf Knappheit
ist danach vor allem die Herkunft
Fast alles Wasser der Erde ist Süßwasserressourcen auf der Erde
des Wassers. In der deutschen
Salzwasser. Nur 2,5 Prozent oder sind räumlich wie zeitlich nicht Landwirtschaft wird zu 99 Prozent
35 Millionen km3 sind Süßwasser. gleichmäßig verteilt. In vielen Regenwasser genutzt. Dagegen
Die größte Menge davon ist uner- Regionen der Welt ist das nutzbare wird in vielen südlichen Ländern
reichbar: Drei Viertel sind als Eis Wasser schon heute limitierend hauptsächlich auf die Bewässe-
rung bzw. Brunnenwasser zurück-
und Schnee gebunden und weitere für die Entwicklung der Wirtschaft,
gegriffen.
gerade auch der Landwirtschaft.
Besonders verschärft sich der
Deutschland bei „virtuellem Wassermangel in den heutigen Tro-
Wasser“ im Standortvorteil ckenregionen. Weitere Regionen
stehen vor der Herausforderung
Der Handel mit Agrarprodukten
ist indirekt auch ein Handel
zunehmender Wasserknappheit. ihre Notdurft im Freien. Nach dem
mit virtuellem Wasser. Das ist Nach Einschätzung der UNESCO aktuellen UN-Weltwasserbericht
jenes Wasser, das während der sind bis zum Jahr 2050 voraus- wird sich der globale „Wasser-
Produktion eingesetzt wird. Der sichtlich 40 Prozent der globalen stress“ in den nächsten Jahren
Wasserbedarf landwirtschaftli- Getreideproduktion von knapper noch deutlich verschärfen.
cher Produkte variiert von Region
werdenden Wasserreserven be-
zu Region teilweise sehr stark.
Um ein Kilo Getreide in Marokko droht. Kann die Ernährung der Welt-
anzubauen, müssen etwa 2.700 bevölkerung sichergestellt
Liter Wasser aufgewendet wer- „Wasserstress“ nimmt zu werden?
den. Die gleiche Menge kann in
Deutschland mit nur 520 Litern
Fast die Hälfte der Weltbevölke- Inwieweit die Versorgung mit der
Wasser hergestellt werden, wie
Wissenschaftler des PIK vorrech- rung (4 Milliarden Menschen) lebt globalen Nachfrage Schritt halten
nen. Es zeigt sich, dass nicht die nach dem UN-Weltwasserbericht kann, hängt insbesondere mit dem
Menge des verbrauchten Wassers, 2020 in Gebieten, die mindestens globalen Bevölkerungswachstum
sondern dessen Herkunft ent- einen Monat pro Jahr von Was- zusammen. Nach Projektionen der
scheidend ist. In Indien oder im
sermangel bedroht sind. Weltweit Vereinten Nationen (UN) wird die
Mittleren Osten lässt sich durch
den Import von Agrarprodukten haben aktuell 2,2 Milliarden Men- Weltbevölkerung von derzeit 7,6
Wasserknappheit verringern. In schen keinen Zugang zu sicherem (2018) auf 9,8 Milliarden Menschen
Ländern Südeuropas hingegen Trinkwasser. 4,2 Milliarden Men- in 2050 ansteigen. Jährlich nimmt
verstärkt der Export bei einer schen, also mehr als 55 Prozent die Weltbevölkerung um mehr
Reihe von Produkten den Mangel der Weltbevölkerung, haben keine als 80 Millionen zu, was in etwa
an dieser Ressource.
sicheren Sanitäranlagen. Etwa 900 der Bevölkerung Deutschlands
Millionen Menschen praktizieren entspricht. Die globale Nachfrage
22707 Internationale Agrarentwicklung 7.1 Agrarpreise und Agrarrohstoffmärkte
wird ebenso durch eine höhere
Kaufkraft und geänderte Ernäh-
rungsgewohnheiten geprägt. In
den Schwellenländern ist mit
einem weiter steigenden Konsum
von höherwertigen Lebensmitteln
wie Fleisch- und Milchprodukten
sowie Obst und Gemüse zu rech-
nen. Hinzu kommt eine tendenziell
wachsende Verwendung von Agrar-
rohstoffen für energetische und
stoffliche Zwecke.
Bislang hielt die Getreide-
produktion mit dem
Bevölkerungswachstum Schritt
Die Weltgetreideproduktion (ohne
Reis) ist in den letzten Jahrzehnten
in etwa so stark gewachsen wie
die Weltbevölkerung. Allerdings
schwanken die Ernten von Jahr zu
Jahr. Während sich die Anbauflä-
che für Weizen und Futtergetreide
in den letzten 30 Jahren insgesamt
nur wenig verändert hat, sind die
Hektarerträge um mehr als 70
Prozent gestiegen. Nach wissen-
schaftlichen Studien würde die
Weltproduktion an pflanzlichen
Erzeugnissen ohne gezielten Ein-
satz von Pflanzenschutzmitteln um
ein Drittel niedriger ausfallen.
2287.2 Agraraußenhandel 07 Internationale Agrarentwicklung
7.2 Agraraußenhandel
EU-Außenhandel
Die EU ist nach China der zweit-
größte Exporteur der Welt
Die Europäische Union (EU-27) ist
mit 448 Millionen Menschen auch
nach dem Austritt der Vereinigten
Königreichs (67 Mio. Menschen)
nicht nur der größte Binnenmarkt,
sondern auch die zweitgrößte Han-
delsmacht der Welt; der Anteil der
EU-28 am Welthandel (bezogen
auf den Export und ohne Berück-
sichtigung des EU-Binnenhandels)
betrug 2019 15,8 Prozent. Der
Anteil Chinas am Welthandel lag
bei 17,3 Prozent und der Anteil der
USA bei entsprechend 11,4 Prozent.
Die EU-Importe hatten 2019 einen
Anteil am Welthandel von 15,3
Prozent (USA 17,1 Prozent, China
13,8 Prozent).
EU-Handelsbilanz nahezu
ausgeglichen
Die Einfuhren und die Ausfuhren
USA und China sind die wichtig- (300 Mrd. Euro bzw. 7 Prozent)
der EU-28 aus Drittländern sind
sten Handelspartner der EU und zu Russland (249 Mrd. Euro
2019 mit plus rund vier Prozent
bzw. 6 Prozent). Bedingt durch
fast gleich stark angestiegen. Diese
Im Jahr 2018 blieben die Verei- hohe Energieeinfuhren betrug
Entwicklung führte in der Außen-
nigten Staaten (744 Mrd. Euro das Handelsdefizit der EU mit
handelsbilanz zu einem Saldo
bzw. 18 Prozent des gesamten Russland 2019 67 Milliarden Euro.
von minus 18 Milliarden Euro. Im
Warenverkehrs der EU) und China Mit China hatte die EU 2019 ein
Vorjahr hatte die EU-Außenhan-
(646 Mrd. Euro bzw. 16 Prozent) Handelsdefizit von 196 Milliarden
delsbilanz ein Minus von rund 27
die zwei wichtigsten Handelspart- Euro. Gegenüber dem Vorjahr ist
Milliarden Euro.
ner der Europäischen Union, mit damit das Defizit um 11 Milliarden
deutlichem Abstand zur Schweiz Euro gewachsen. Der traditionelle
22907 Internationale Agrarentwicklung 7.2 Agraraußenhandel
EU-Handelsbilanzüberschuss mit
den USA stieg 2019 um 19 auf 155
Milliarden Euro.
Deutschland im Weltagrar-
handel die Nummer drei
Sowohl bei den weltweiten Agrar-
exporten als auch bei den weltwei-
ten Agrarimporten nimmt Deutsch-
land jeweils Rang 3 und damit eine
Spitzenposition ein. Von den im
Jahr 2019 weltweit exportierten
Agrargütern im Gesamtwert von
1.780 Milliarden US-Dollar stamm-
ten 4,6 Prozent aus Deutschland.
Mehr Agrarprodukte außerhalb
ihrer Grenzen vermarkteten 2019
nur die USA und die Niederlande.
Brasilien mit weltweit größtem
Exportüberschuss
Verrechnet man Exporte und Im-
porte miteinander, ergibt sich für
Deutschland ein Agrarhandelsde-
fizit von 16 Milliarden US-Dollar
(2019). Damit steht Deutschland
auf Platz 8 der größten Nettoim-
porteure von Agrarprodukten.
China, Japan und das Vereinigte
Königreich haben weitaus größere
Nettoimporte. Der bei weitem
größte Nettoexporteur ist Brasilien.
Dieses Land exportierte 2019 für 67
Milliarden US-Dollar mehr Agrar-
güter als es importierte. Mit gro-
ßem Abstand folgen in der Rang-
liste der weltgrößten Agrar-Net-
toexporteure Argentinien und die
Niederlande.
2307.2 Agraraußenhandel 07 Internationale Agrarentwicklung
EU-Agrarhandelsbilanz im Plus bedeutender Exporteur vor allem entfällt auf Erzeugnisse, die nicht
bei Getreide, Milch, Fleisch (jeweils oder kaum mit EU-Produkten kon-
Auf Basis der WTO-Definition von einschließlich Verarbeitungser- kurrieren. Dazu gehören vor allem
Agrareinfuhren und -ausfuhren, zeugnissen), aber auch von Bier, südländisches Obst und Gemüse
die Fisch und Fischwaren nicht Wein und Spirituosen. Nach der sowie Kaffee, Kakao und Tee.
berücksichtigt, hat die Europäische traditionellen nationalen Waren-
Kommission für das Jahr 2019 klassifikation, bei der insbesondere EU-Agrarhandel in 2020
einen hohen EU-28-Außenhandels- auch der Handel mit Fisch und
bilanzüberschuss bei Agrar- und Fischwaren Berücksichtigung fin- Nach Ergebnissen für die ersten
Ernährungsgütern ermittelt. Die det, weist die EU-28 im Handel mit neun Monate des Jahres 2020
Einfuhren stiegen 2019 gegenüber Agrarprodukten allerdings einen (Januar bis September) sind die
2018 auf 119,3 Milliarden Euro (+ deutlich geringeren positiven Saldo Exporte der EU-27 gegenüber dem
2,5 Prozent), die Ausfuhren kletter- auf, der für 2019 mit 8,4 Milliarden entsprechenden Vorjahresstand
ten auf mit 151,2 Milliarden Euro Euro veranschlagt wird. auf Grund der wirtschaftlichen
(+ 10,0 Prozent). Dadurch nahm Folgen der Corona-Pandemie um
das Außenhandelsplus auf 31,9 11 Prozent und die EU-Importe um
EU für Entwicklungsländer ein
Milliarden Euro deutlich zu. Nach 13 Prozent eingebrochen. China
offener Absatzmarkt
dem Austritt des Vereinigten König- blieb in den ersten neun Monaten
reichs als großes Netto-Agrarim- Für die Entwicklungs- und Schwel- des Jahres 2020 Haupthandelspart-
portland aus der EU wird sich die lenländer ist die EU im interna- ner der EU. Die Importe aus China
positive EU-Agraraußenhandelsbi- tionalen Vergleich der offenste stiegen gegenüber dem entspre-
lanz künftig noch deutlich vergrö- Absatzmarkt. Sie liefern in die EU chenden Vorjahreszeitraum um
ßern. Die EU-Agrarimporte beru- zollfrei oder zu niedrigen Zollsät- knapp 5 Prozent an, während die
hen vor allem auf beträchtlichen zen mehr Agrarprodukte als in die Exporte nach China unverändert
Einfuhren an Gemüse, Obst (jeweils USA, Kanada, Japan, Australien und blieben. Im Handel mit den USA
einschließlich Verarbeitungser- Neuseeland zusammen. Mehr als gingen sowohl die Exporte (- 10
zeugnissen) sowie an Futtermitteln, zwei Drittel der EU-Agrarimporte Prozent) als auch die Importe (- 11
Ölsaaten und Ölsaatenprodukten. und gut die Hälfte der EU-Agrar- Prozent) stark zurück.
Hinzu kommen umfangreiche exporte werden mit den Entwick- Der im Gesamthandel enthaltene
Importe an Kaffee, Tee, Fleischwa- lungs- und Schwellenländern getä- EU-Handel mit Agrar- und Ernäh-
ren, Tabak und Kakao. Die EU ist tigt. Ein großer Teil der Einfuhren rungsgütern konnte sich in den
23107 Internationale Agrarentwicklung 7.2 Agraraußenhandel
ersten neun Monaten des Jahres
2020 dagegen eher festigen. Trotz
Corona-Krise nahmen die Exporte
der Agrar- und Ernährungsgüter
gegenüber dem entsprechenden
Vorjahresstand um 6 Prozent zu,
während die entsprechenden Ein-
fuhren um gut 3 Prozent zurückgin-
gen. EU-Agrarexporte nach China
sind in dem Neunmonatszeitraum
von Januar bis September 2020
um etwa gut die Hälfte und damit
besonders stark angestiegen.
Außenhandel Deutschland
Deutscher Außenhandel 2020
stark rückläufig
Sowohl auf der Einfuhr- als auch
auf der Ausfuhrseite ist der deut-
sche Außenhandel 2019 leicht ge-
wachsen. Mit einem wertmäßigen
Umfang von 1.328 Milliarden Euro
fielen die Ausfuhren gegenüber
2018 um 11 Milliarden Euro oder
0,8 Prozent höher aus. Noch etwas
stärker legten 2019 die Einfuhren
zu. Sie lagen mit 1.104 Milliarden
Euro um gut 15 Milliarden Euro
oder 1,4 Prozent über dem Stand
des Vorjahres. Der positive Han-
delsbilanzsaldo verringerte sich
gegenüber dem Vorjahr um 5
auf 224 Milliarden Euro. In 2020
zeichnet sich als Folge der Coro-
na-Pandemie ein starker Rückgang
des deutschen Außenhandels ab.
Im Zeitraum Januar bis September
2020 gingen die Ausfuhren im
Jahresvergleich um 11,7 Prozent
und die Einfuhren um 9,3 Prozent
zurück.
2327.2 Agraraußenhandel 07 Internationale Agrarentwicklung
Deutscher Agrarhandel
im Aufwärtstrend
Die deutschen Agrarexporte
haben sich seit 2005 genau
verdoppelt und seit der Wieder-
vereinigung (1991) sogar mehr
als vierfacht. Das Wachstum der
Agrarimporte verlief dagegen
etwas moderater. Rund ein
Drittel der Gesamtproduktion
der deutschen Landwirtschaft
wird exportiert. 2009 lag dieser
Anteil noch entsprechend bei
einem Viertel. In der deutschen
Ernährungswirtschaft liegt der
Exportanteil ebenfalls bei einem
Drittel.
Positive Entwicklung des
Agrarhandel in 2019
Der deutsche Außenhandel mit
Gütern der Land- und Ernährungs-
wirtschaft wies 2019 gegenüber
dem Gesamthandel eine etwas
stärkere Aufwärtsentwicklung auf.
Die Agrarausfuhren stiegen um 3,3
Prozent auf 74,0 Milliarden Euro. Deutscher Agrarhandel bleibt mit einem Wert von 73,5 Milliar-
Die Agrareinfuhren nahmen um 2,1 2020 trotz Corona relativ stabil den Euro den Vorjahreswert nur
Prozent auf 87,1 Milliarden Euro knapp verfehlen. Die Agrarimporte
zu. Im Ergebnis schloss die Agrar- Nach Angaben und Schätzungen dürften mit einem Wert von 89,6
handelsbilanz mit einem Defizit für den Zeitraum Januar bis Sep- Milliarden Euro um etwa 3 Prozent
von 13,1 Milliarden Euro ab. Damit tember 2020 trotzt der deutsche höher ausfallen.
hat sich das Defizit gegenüber dem Handel mit Agrar- und Ernäh-
Vorjahr um 0,5 Milliarden Euro ver- rungsgütern den Auswirkungen
ringert. Gemessen am deutschen der Corona-Pandemie. Die Exporte
Außenhandel insgesamt hatten die gingen gegenüber dem entspre-
Agrarausfuhren 2019 einen Anteil chenden Vorjahreszeitraum nur
von 5,6 Prozent und die Agrar- um 0,6 Prozent zurück, die Importe
einfuhren einen Anteil von 7,9 stiegen um 2,9 Prozent. Die deut-
Prozent. schen Agrarexporte dürften 2020
23307 Internationale Agrarentwicklung 7.2 Agraraußenhandel
China (1,8 Mrd. €) die wichtigsten
Lieferanten noch vor der Schweiz
und dem Vereinigten Königreich
(jeweils 1,6 Mrd. €) und der Türkei
(1,5 Mrd. €).
Deutscher Agrarhandel mit
Drittländern dynamischer
Besonders stark stieg 2019 der
deutsche Agrarhandel mit Dritt-
ländern an. Die Exporte dorthin
nahmen gegenüber dem Vorjahr
um fast 10 Prozent zu, während
die Importe nahezu unverändert
blieben. Der Agrarhandel mit den
EU-Partnerstaaten entwickelte sich
weniger positiv. Die Ausfuhren in
die Partnerstaaten stiegen nur um
gut 1 Prozent an. Die Einfuhren
nahmen um 3 Prozent zu. Ähnlich
sieht die Situation in 2020 aus. Im
Zeitraum von Januar bis Septem-
ber 2020 haben die deutschen
Agrarausfuhren in Drittländer deut-
lich zugenommen (+ 3 Prozent),
während sie in die EU-Partnerstaa-
ten etwas rückläufig waren (- 2 Pro-
zent). Die deutschen Agrarein-
fuhren aus Drittländern stiegen
Deutscher Agrarexport steht Deutscher Agrarhandel über- weniger stark an (+ 2 Prozent) als
für Ausfuhr von Qualitäts- wiegend mit EU-Partnerstaaten die Einfuhren aus den EU-Partner-
produkten staaten (+ 4 Prozent).
Deutschlands wichtigste Kunden
Charakteristisch für den deutschen im Agrarhandel sind die EU-Länder. Handel mit Entwicklungslän-
Agrarexport ist die Ausfuhr von 77 Prozent der gesamten Agrar- dern: Viel Import, wenig Export
hochwertigen Veredlungserzeug- ausfuhren gingen 2019 in EU-Part-
nissen. So sind Milch und Milcher- nerstaaten und 23 Prozent in Dritt- 70 Prozent der deutschen Agrar-
zeugnisse, darunter vor allem Käse, länder. Beim Drittlandexport sind importe aus Drittländern stam-
sowie Fleisch und Fleischwaren, China (2,4 Mrd. €), die Schweiz (2,1 men aus den Entwicklungs- und
die herausragenden Produkte des Mrd. €) und die USA (2,0 Mrd. €) Schwellenländern, insgesamt 17,2
deutschen Agrarexportes. Qualität die wichtigsten Abnehmer. Bei den Milliarden Euro (gegenüber Vor-
und Sicherheit sind wichtige Fakto- Drittlandimporten sind die USA (2,8 jahr - 0,6 Prozent). Importiert wer-
ren im Export. Mrd. €), Brasilien (2,3 Mrd. €) und den in erster Linie Kaffee, Ölsaaten
2347.2 Agraraußenhandel 07 Internationale Agrarentwicklung
sowie Obst und Südfrüchte. Die
Agrarexporte in die Entwicklungs-
und Schwellenländer beliefen sich
dagegen 2019 auf nur 7,2 Milli-
arden Euro (gegenüber Vorjahr
+ 21,1 Prozent). Der traditionelle
Einfuhrüberschuss mit den Ent-
wicklungs- und Schwellenländern
verringerte sich 2019 um 1,3 auf
10,0 Milliarden Euro. Hintergrund
für diese Entwicklung sind die stark
gestiegenen Agrarexporte nach
China.
Nur knapp 2 Prozent des deut-
schen Agrarexports gehen nach
Afrika
entfielen 2019 6,9 Milliarden Euro Nach vorliegenden Ergebnissen
Über 90 Prozent der deutschen auf Polen. Deutlich niedriger fielen der ersten neun Monate in 2020
Agrarexporte gehen in entwickelte die deutschen Agrarexporte nach nehmen die Agrarimporte aus
Volkswirtschaften mit hohen Ein- Polen aus (4,6 Milliarden Euro). Russland um etwa 18 Prozent zu,
kommen. Nach Afrika zum Beispiel während die Agrarexporte nach
gingen 2019 nur 1,9 Prozent der Agraraußenhandel mit Russ- Russland um gut 4 Prozent zurück-
deutschen Agrarexporte im Wert land mit leichten Erholungs- gehen.
von gut 1,4 Milliarden Euro. Le- tendenzen
diglich 1,3 Prozent der deutschen Agrarhandel mit den USA 2020
Agrarexporte wurden in die Länder Nach Einführung des Import-Em- deutlich rückläufig
Sub-Sahara Afrikas ausgeführt, nur bargos im August 2014 sind die
0,5 Prozent in die am wenigsten deutschen Agrarausfuhren nach Im Drittlandhandel sind die USA
entwickelten Länder (LDC). Russland stark eingebrochen. Sie zusammen mit Brasilien die bedeu-
fielen in 2015 und 2016 auf ein tendsten Lieferanten von Agrar-
EU-Erweiterung hat deutschen Niveau von unter 0,9 Milliarden und Ernährungsgütern. Die deut-
Agrarhandel beflügelt Euro im Jahr. 2019 konnten sich schen Agrarimporte aus den USA
die deutschen Agrarexporte nach stiegen 2019 wertmäßig auf 2,8
Der EU-Beitritt der elf osteuropä- Russland weiter leicht erholen (+ 3 Milliarden Euro (gegenüber dem
ischen Länder sowie von Malta Prozent). Der Export von Milch- und Vorjahr plus 6 Prozent). Die deut-
und Zypern hat den deutschen Fleischprodukten sowie anderer schen Agrarausfuhren in die USA
Agrarhandel deutlich belebt. Agrar- und Ernährungsgüter ist betrugen 2,0 Milliarden Euro (+ 6
Deutschland führte 2019 aus den aber weiterhin blockiert. Die Agrar- Prozent). Auf Basis der Angaben für
EU-Beitrittsländern Agrar- und importe aus Russland spielen eine die Monate Januar bis September
Ernährungsgüter im Wert von 11,3 vergleichsweise geringe Rolle. Sie 2020 geht der Agrarhandel mit den
Milliarden Euro ein und im glei- nahmen 2019 zwar um 4 Prozent USA sowohl auf der Export- als
chen Umfang aus. Bei den Agrarim- zu, sind aber mit 315 Millionen auch auf der Importseite deutlich
porten aus den 13 Beitrittsländern Euro vergleichsweise bescheiden. zurück (- 5 bzw. - 7 Prozent).
23507 Internationale Agrarentwicklung 7.2 Agraraußenhandel
Vereinigtes Königreich ist für
Deutschland ein wichtiges
Absatzland für Agrargüter
Die Exporte der deutschen Agrar-
und Ernährungswirtschaft in das
Vereinigte Königreich beliefen sich
2019 auf 4,7 Milliarden Euro, das
entspricht einem Anteil an den
gesamten Agrarexporten von gut
6 Prozent. Die Agrarimporte aus
dem Vereinigten Königreich nach
Deutschland betrugen 2019 1,6
Milliarden Euro. Mit 3,1 Milliarden
ist das Vereinigte Königreich für
Deutschland das Land mit dem
größten Nettoagrarexport-Saldo.
Nach Handelszahlen für die Mona-
te Januar bis September 2020 sind
die deutschen Agrarausfuhren in
das Vereinigte Königreich leicht
(- 2 Prozent) und die Agrareinfuh-
ren aus dem Vereinigten König-
reich stark (- 14 Prozent) zurück-
gegangen.
Fleischwaren, Backwaren und
Milchprodukte sind wichtige
Exportgüter
Von Bedeutung ist der Agrarex-
port Deutschlands in das Verei-
nigte Königreich vor allem bei
Fleischwaren (698 Mio. Euro in
2019), Backwaren (628 Mio. Euro)
Starke Steigerung der Agrar- einen Wert von 2,4 Milliarden Euro und Milchprodukten (525 Mio.
exporte nach China (+ 59 Prozent). In den ersten neun Euro). Umgekehrt ist das Vereinigte
Monaten des Jahres 2020 stiegen Königreich vor allem bei Spirituo-
In 2019 sind die deutschen Agrar- die Agrarexporte nach China noch sen ein bedeutender Lieferant nach
exporte nach China auf Grund weiter stark an, und zwar um rund Deutschland (377 Mio. Euro).
höherer Ausfuhren an Schwei- ein Drittel. Dann kam es wegen des
nefleisch, aber auch an Milch- ASP-Ausbruchs zum Exportstopp
produkten kräftig gestiegen. Das von deutschem Schweinefleisch.
Exportvolumen erreichte 2019
2367.2 Agraraußenhandel 07 Internationale Agrarentwicklung
EU strebt weitere Handels-
abkommen an
Die EU verhandelt derzeit mit
vielen Ländern über Freihandelsab-
kommen. Dabei liegt ein Schwer-
punkt auf asiatischen Ländern. Mit
Japan und Kanada traten Handels-
abkommen bereits in Kraft. Mit den
Mercosur-Staaten, Vietnam, Singa-
pur sind Abkommen ausverhandelt.
Mit zwei Gruppen afrikanischer
Länder wurden Partnerschaften ge-
schlossen (bisher AKP-Vereinbarun-
gen). Intensive Verhandlungen lau-
fen mit Australien und Neuseeland.
Eine Aktualisierung bestehender
Handelsabkommen wird mit Mittel-
meeranrainern (Marokko, Tunesien,
Ägypten, Jordanien), Südafrika,
Chile und Mexiko angestrebt.
237Anhang
Stichwortverzeichnis
Ackerbau, -fläche 53, 125, 168 - Wirtschaft 26-33
Agrarerzeugung 98, 164-217 - Welternährung 225-228
Agrargenossenschaften 90, 161 Erneuerbare Energien 48-51
Agrarhandel, siehe Außenhandel Ernte 167-170
Agrarpreise/-entwicklungen 20, 151, 164-217 Erwerbstätige 8-10, 16, 94-97
Agrarsektor 7-15, 73-103, 162 Erzeugerpreise 24, 44, 46, 165-212
Agrarstrukturen Europäische Union
- Deutschland 73-103 - Agrarausgaben 111-117
- Förderung 128-131 - Außenhandel 229-233
Agrarumweltprogramme 122-127, 152 - Direktzahlungen 118-127
Agribusiness 8-9 - Haushalt 111-117
Alterssicherung der Landwirte 136 - Ländliche Entwicklung 128-131
Altersstruktur 96, 102 - GAP-Reform 118-127
Anlagevermögen 73, 149 Exporte, siehe Außenhandel
Arbeitskräfte 10, 13, 94-97, 101
Arbeitsproduktivität, -zeiten 10-11 Flächennutzung 53-55
Ausbildung 101-102 Flächenverlust 54
Außenhandel / Agrarhandel 229-237 Fleischerzeugung 185-211
Forstwirtschaft 104-109
Berufsbildung 101 Fremdkapital 75, 148-161
Betriebsgrößen/-formen 81-93 Futtermittel 214-219
Betriebsmittel/-preise 8, 219-224
Betriebe 81-93 Geflügel 24, 91, 201-204
Bewässerung 58 Gemeinschaftsaufgabe GAK 134
Bioenergie 48-51 Getreide 167-174
Boden 56-59, 75-80
Brauereien 31 Handel
Buchführungsergebnisse 148-161 - siehe Außenhandel
Bundeshaushalt 132-135 Haupterwerbsbetriebe 90-93, 148-159
Haushalt, siehe auch Europäische Union
CO2-Emissionen 62-65 - Agrarhaushalt Deutschland 132-135
Cross Compliance 123 - EU-Haushalt 111-117
Direktzahlungen 116-127 Image der Landwirtschaft 15
Diesel, Biodiesel 51, 137 Investitionen 8, 144-146, 156
Discounter 32-34
Düngung/Düngemittel 60 Juristische Personen 90
Eier 24-25, 36-37, 204-205 Kapitalintensität 75
Energie Kartoffeln 25, 181
- Pflanzen 49 Kaufkraft 24
- Preise 51, 212 Klimaschutz 62-71
Ernährung Konjunkturbarometer Agrar 142-147
- Verhalten 35-41 Konsumausgaben 20-25, 32-41
238Anhang
Landwirtschaftliche Gesamtrechnung 162 Schweine,
Landtechnik 11 siehe auch Vieh, Fleisch 85-87, 153
Langfristvergleiche 16-19 Selbstversorgungsgrad 17, 25
Ländlicher Raum 12 Strukturförderung, siehe Europäische Union
Lebensmittelhandel 32-41 Strukturwandel 16-18, 81-90
Marktanteile 98 Tierhaltung 39, 83-89, 187-213
Milch und Milcherzeugnisse 22, 25, 29, 152, 205-213
Mühlen 30 Unternehmensergebnisse 148-160
Urlaub auf dem Bauernhof 14-15
Nachwachsende Rohstoffe 48-50
Nahrungsmittel Verbraucherpreise 20-25
- Ausgaben, -preise 20-25 Verbrauchertrends 33-41
- Pro-Kopf-Verbrauch 25 Vorleistungen 7-8, 161, 153
Nebenerwerbsbetriebe 90-93, 160
Nitrat 60 Wein 184
Weltagrarmärkte 165-211, 219-224
Obst u. Gemüse 182-185 Wertschöpfung 7-9, 161
Ökologischer Landbau 42-47 Wetterextreme 66-71
Ölsaaten 174-178
Zucker 31, 179-181
Pachtmarkt 76-80 Zweite Säule der EU-Agrarpolitik 128-131
Pflanzliche Erzeugung 167-186
Pflanzenschutzmittel 8, 60
Produktionswert 7-9, 161
Raps174-178
Rinder, siehe auch Vieh, Fleisch
83-85, 153
Bildnachweis
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Gero Breloer Seite 3
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