Besonders schutzbedürftige Geflüchtete Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt - Queer Refugees ...

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Besonders schutzbedürftige Geflüchtete Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt - Queer Refugees ...
Besonders schutzbedürftige
Geflüchtete
Sexuelle und geschlechtliche
Vielfalt
Besonders schutzbedürftige Geflüchtete Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt - Queer Refugees ...
Über die Autor*innen

Alva Träbert (M.Sc.)
Sie ist in der Bochumer LSBTI-Beratungsstelle Rosa
Strippe e.V. tätig. Sie leitet dort das NRW -weite Schu-
lungsprojekt „LSBT*I* und Flucht“ und berät Geflüchtete
in der Regionalberatung.

Patrick Dörr (M.A.)
Er leitete von 2017 bis 2019 das bundesweite LSVD-
Projekt „Queer Refugees Deutschland“. Seit Juli 2019
ist er ehrenamtlich für den LSVD zu den Themen Asyl
und Migration tätig.

Queer Refugees Deutschland -
Ein Projekt des LSVD

Lilith Raza (M.Sc.) und Ina Wolf beraten, unterstützen,
vernetzen und informieren im Projekt „Queer Refugees
Deutschland“ LSBTI-Geflüchtete und Organisationen,
die mit LSBTI-Geflüchteten arbeiten. Das bundesweite
Projekt des Lesben- und Schwulenverbandes in
Deutschland (LSVD) wird gefördert von der Beauftrag-
ten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und
Integration.

Kontakt zum Projekt
„Queer Refugees Deutschland“:
Webseite: www.queer-refugees.de
E-Mail: queer-refugees@lsvd.de

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Inhalt

Über die Autor*innen                      1
Inhalt                                    2

Einleitung                                3
Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt     5
Identität und Coming-out                  7
LSBTI-feindliche Gewalt und Verfolgung    9
Beratung im Asylverfahren                13
Unterbringung und Gewaltschutz           15
Psychosoziale Beratung                   17
Transition und Personenstandsänderung    19
Vernetzung und Empowerment               21

Über diese Broschüre                     23

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Einleitung

Lesbische, schwule, bisexuelle, trans-                      als auch im Asylverfahren besteht das
und intergeschlechtliche (LSBTI) Ge-                        größte Hindernis jedoch darin, dass sich
flüchtete teilen mit allen anderen ge-                      die Mehrzahl der LSBTI-Geflüchteten
flüchteten Menschen eine ganze Reihe                        nicht als solche zu erkennen geben – sei
von Erfahrungen: Sie haben oft Krieg                        es aus Angst, Scham oder aber, weil sie
und Gewalt erfahren, haben bei der                          nicht wissen, dass ihre sexuelle Orien-
Flucht ihr Leben im Herkunftsland – Fa-                     tierung bzw. geschlechtliche Identität
milie, Freund*innen, Partner*innen – zu-                    von entscheidender Bedeutung für ihr
rückgelassen und sich in ein fremdes                        Asylverfahren oder für ihre Unterbrin-
Land begeben, dessen Gesetze und                            gung sein könnte.
Sprache sie noch nicht kennen. Hinzu
kommen in der Regel eine ganze Reihe                        Die vorliegende Broschüre unterstützt
spezifischer Erfahrungen, die sie be-                       Unterkunftsmitarbeitende sowie Bera-
sonders vulnerabel machen. Daher gel-                       ter*innen und ehrenamtliche Mitarbei-
ten sie in Deutschland als besonders                        tende darin, diesen besonderen Heraus-
schutzbedürftige Gruppe. Das heißt,                         forderungen in ihren unterschiedlichen
dass Bund, Länder und Kommunen                              Arbeitskontexten in der Arbeit mit Ge-
entsprechend der EU-Aufnahmericht-                          flüchteten gerecht zu werden. In den
linie1 besondere Maßnahmen ergreifen                        Abschnitten „Sexuelle und geschlechtli-
müssen, um sie vor Gewalt vor allem in                      che Vielfalt“, „Identität und Coming-
Sammelunterkünften      zu     schützen.                    out“ und „LSBTI-feindliche Gewalt und
Gleichzeitig benötigen LSBTI-Geflüch-                       Verfolgung“ wollen wir hierfür zunächst
tete gemäß EU-Verfahrensrichtlinie2                         den Blick auf die vielfältigen Hinter-
besondere Verfahrensgarantien, um                           gründe der in Deutschland Schutz su-
während des Asylverfahrens ihre Rechte                      chenden LSBTI-Geflüchteten richten.
wahrnehmen und ihre Pflichten erfüllen                      Die folgenden Abschnitte beschäftigen
zu können. Sowohl beim Gewaltschutz                         sich mit den zentralen Arbeitsfeldern
                                                            „Beratung im Asylverfahren“, „Unter-
1
  Richtlinie 2013/33/EU zur Festlegung von Normen für
                                                            bringung und Gewaltschutz“ und „Psy-
die Aufnahme von Personen, die internationalen              chosoziale Beratung“, beinhalten wich-
Schutz beantragen
2
                                                            tige    Handlungsempfehlungen       und
  Richtlinie 2013/32/EU zu gemeinsamen Verfahren für
die Zuerkennung und Aberkennung des internationa-           verweisen auf weitere nützliche Materia-
len Schutzes

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lien für die Arbeit mit LSBTI-                standsänderung“.      LSBTI-Geflüchtete
Geflüchteten. Hier stehen vor allem           sind nicht nur wie alle anderen Geflüch-
Maßnahmen im Fokus, mit denen Un-             teten auch eine Minderheit in Deutsch-
terkunftsmitarbeitende und Beratende          land, sondern gleichzeitig eine Minder-
dazu beitragen können, dass LSBTI-            heit unter ihren eigenen Landsleuten.
Geflüchtete das Vertrauen finden, sich        Daher ist es für sie besonders wichtig,
mit ihren Anliegen an sie zu wenden.          sich mit anderen LSBTI-Geflüchteten
Viele transgeschlechtliche Geflüchtete        auszutauschen und Netzwerke zu bil-
möchten hierbei erfahren, wie sie – sei       den. Den Organisationen der LSBTI-
es während oder nach dem Asylverfah-          Community und der LSBTI-Geflüchteten
ren – eine Transition (Geschlechtsan-         selbst widmet sich daher das abschlie-
gleichung) beginnen bzw. fortsetzen           ßende Kapitel „Vernetzung und Em-
können. Diesem Thema widmet sich der          powerment“.
Abschnitt „Transition und Personen-

Foto: Marta Branco, pexels.com

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Sexuelle und geschlechtliche
Vielfalt

Das Kürzel LSBTI wird so oder so ähn-           empfinden jedoch, dass das ihnen bei
lich neben dem Wort queer benutzt, um           der Geburt zugewiesene Geschlecht auf
ein ganzes Spektrum von Identitäten zu          sie nicht oder nicht ausschließlich zu-
beschreiben. Allen diesen Identitäten ist       trifft. Viele trans*Personen empfinden
gemein, dass sie in der ein oder anderen        vielmehr Teile ihres Körpers als fremd.
Form nicht in traditionelle, binäre Vor-        Andere hingegen finden ihre Körper
stellungen von Geschlechtlichkeit pas-          passend, empfinden sich jedoch entge-
sen. Es gibt unterschiedliche Erhebun-          gen der gesellschaftlichen Erwartung
gen und Schätzungen zum Anteil dieser           nicht als Mann oder als Frau. Die Viel-
Gruppen an der Gesamtbevölkerung. So            zahl der Begriffe (wie transgender,
wurde ermittelt, dass sich 7,4 % der            transsexuell, nicht-binär) trägt der sehr
Deutschen als lesbisch, schwul, bisexu-         großen Vielfalt dieser geschlechtlichen
ell oder transgeschlechtlich bezeichnen.        Identitäten Rechnung.
Der Anteil derer, die faktisch nicht aus-
schließlich heterosexuell lieben, ist           Intergeschlechtliche Personen unter-
sogar noch höher. Lesbische, schwule            scheiden sich von anderen Menschen
und bisexuelle Personen begehren nicht          zunächst durch ihre biologischen Ge-
oder nicht ausschließlich „das“ andere          schlechtsausprägungen. So gibt es Men-
Geschlecht, haben also andere sexuelle          schen, die bereits aus genetischer Sicht
Orientierungen als die Mehrheitsgesell-         weder männlich noch weiblich sind. Bei
schaft. Der Begriff „homosexuell“ für           anderen Personen sind es körperliche
Schwule und Lesben findet in Deutsch-           Ausprägungen, die nicht unserem Bild
land seit einiger Zeit kaum noch Ver-           von Frauen und Männern entsprechen.
wendung.                                        Viele Personen wissen hierbei gar nicht,
                                                dass sie intergeschlechtlich sind. Auch
In der Regel wird Menschen bei der              in Deutschland werden immer noch,
Geburt anhand ihrer körperlichen                zum großen Leidwesen der Betroffenen,
Merkmale das Geschlecht männlich                medizinisch nicht notwendige Operati-
oder weiblich zugewiesen. Die meisten           onen an Kindern durchgeführt, nur
Menschen erachten diese Zuweisung im            damit sie den Vorstellungen der Mehr-
weiteren Verlauf ihres Lebens als zutref-       heitsgesellschaft entsprechen. Seit An-
fend. Transgeschlechtliche Personen             fang 2019 hat auch Deutschland auf-

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grund eines Beschlusses des Verfas-                         The Genderbread Person
  sungsgerichts anerkannt, dass es mehr                       Die Geschlechtliche Identität (Gender
  Geschlechter als nur Frau und Mann gibt                     Identity),   der    Geschlechtsausdruck
  und den dritten Geschlechtseintrag „di-                     (Gender Expression), das biologische
  vers“ eingeführt.                                           Geschlecht (Biological Sex) und die
                                                              sexuelle Orientierung (Sexual Orientati-
  Mehr Information zu Begriffen und                           on) bewegen sich allesamt auf einem
  Identitäten finden sich beispielsweise im                   Spektrum. Das bedeutet, dass diese
  Glossar von „Anders & Gleich“:                              Kategorien nicht binär zu verstehen
  www.aug.nrw/glossar                                         bzw. zu denken sind, sondern vielfältig
                                                              ausgelebt werden können.

Abb: The Genderbread Person, abgeleitet vom engl. Wort ‚Gingerbread‘ (dt.: Lebkuchen).

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Identität und Coming-out

Das „Coming-out“ ist für viele LSBTI-          theken, CSDs3 oder die sozialen Medien.
Personen ein lebenslanger, komplexer           Gerade junge Menschen sind oft beson-
Prozess, in dem sie ihre sexuelle Orien-       ders verletzlich, in Bezug auf ihre Iden-
tierung bzw. geschlechtliche Identität         tität verunsichert und benötigen daher in
sich selbst vergegenwärtigen (inneres          dieser Lebensphase Ermutigung und
Coming-out) und ihrer Umwelt mitteilen         Hilfe. Viele verheimlichen ihre Identität
(äußeres Coming-out). Zahlreiche For-          aus Angst vor Ablehnung, Diskriminie-
schungen belegen, dass ein erfolgreiches       rung und Gewalt. Studien zeigen, dass
Coming-out positive Auswirkungen auf           für junge LSBTI-Personen ein um ein
das allgemeine Wohlbefinden sowie die          Vielfaches erhöhtes Risiko besteht,
körperliche und psychische Gesundheit          einen Suizidversuch zu unternehmen,
hat. Inwiefern ein äußeres Coming-out          als für gleichaltrige Nicht-LSBTI-
erfolgt, hängt von vielen Faktoren ab.         Personen. Auch in Deutschland erfährt
Gerade hier sind die Unterstützung durch       die Mehrheit LSBTI-Jugendlicher nach
Freund*innen, die Existenz positiver           dem Coming-out gegenüber den Eltern
Vorbilder und Akzeptanz in der Familie         zunächst Ablehnung. Langfristig kann
entscheidend. In einer weiterhin sehr          die Geheimhaltung der Identität sowohl
heteronormativen Umgebung ist die              die physische als auch die psychische
Arbeit spezialisierter Beratungsstellen        Gesundheit massiv beeinträchtigen.
enorm wichtig. Sichere Räume, in denen         Nicht wenige Jugendliche haben in die-
sich LSBTI-Personen angstfrei austau-          ser Situation mit selbstverletzendem
schen und ihre sexuelle Orientierung           Verhalten, Essstörungen oder Sucht zu
bzw. geschlechtliche Identität leben           kämpfen. Somit stellt das Coming-out
können, ohne der Gefahr eines Fremd-           auch in Deutschland trotz maßgeblicher
Outings oder verbaler wie physischer           rechtlicher und gesellschaftlicher Ver-
Gewalt ausgesetzt zu sein, vereinfachen        besserungen der letzten Jahre für viele
diesen für viele sehr schweren Schritt         LSBTI-Jugendliche weiterhin eine echte
eines Coming-out enorm. Diese sicheren         Herausforderung dar.
Räume können sensibilisierte Jugend-
treffs sein, aber auch einfach LSBTI-
Treffpunkte wie Bars, Kneipen, Disko-          3
                                                Christopher Street Day: Feierliche Demonstration für
                                               die Rechte von sexuellen und geschlechtlichen Minder-
                                               heiten.

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Für LSBTI-Geflüchtete ist diese Heraus-       sexuellen und geschlechtlichen Minder-
forderung aus verschiedenen Gründen           heiten – vielfach werden sie von der
noch einmal größer. Zunächst einmal           Mehrheitsgesellschaft und vom Staat als
sind die mit dem Kürzel LSBTI bezeich-        kriminell, sündhaft und krank aufge-
neten Identitäten – ebenso wie das Kon-       fasst. Mit diesen Vorstellungen wachsen
zept eines Coming-out – zumindest             auch Jugendliche auf, die sich später
ursprünglich westliche Vorstellungen.         selbst als LSBTI begreifen. Ihnen fällt es
Vielen Geflüchteten fällt es daher            umso schwerer, ein positives Selbstbild
schwer, im Asylverfahren oder in der          zu entwickeln, welches sie dann ihrer
Unterkunft ihre Identität in der gefor-       Umwelt überhaupt mitteilen könnten.
derten Weise zu benennen – zumal es in        Viele LSBTI-Geflüchtete haben darüber
einigen Sprachen die entsprechenden           hinaus am eigenen Leib oder in ihrem
Begrifflichkeiten nicht gibt. Zudem ist       Umfeld erlebt, welche Gefahren ein
die rechtliche und gesellschaftliche          (freiwilliges oder unfreiwilliges) Co-
Haltung in den meisten Herkunftslän-          ming-out mit sich bringen kann.
dern eindeutig ablehnend gegenüber

Foto: Francesco Ungaro, pexels.com

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LSBTI-feindliche Gewalt und
Verfolgung

Nicht alle LSBTI-Geflüchteten sind            der Verfolgung dar. Gleichgeschlechtli-
aufgrund ihrer sexuellen Orientierung         che Paare können in diesen Ländern
oder geschlechtlichen Identität nach          nicht offen leben und werden massiv
Deutschland geflohen. Viele wurden,           diskriminiert. Die Gründung einer Fa-
wie andere Geflüchtete auch, Opfer von        milie ist nicht möglich. Nichtstaatlicher
Krieg und Vertreibung. Jedoch gibt es         Gewalt stehen LSBTI-Personen hier
auch viele Personen, die aufgrund ihrer       ohne staatlichen Schutz oft wehrlos
sexuellen Orientierung oder geschlecht-       gegenüber. Nicht nur schwule, lesbische
lichen Identität verfolgt wurden. Ver-        und bisexuelle, sondern auch transge-
gleicht man die Flüchtlingsstatistiken        schlechtliche Personen werden Opfer
aus den letzten Jahren mit der rechtli-       dieser homophoben Gesetze. Hinzu
chen Situation in den Herkunftsländern,       kommt, dass transgeschlechtlichen Per-
so sieht man: Die weit überwiegende           sonen in vielen Ländern der Wechsel
Mehrzahl aller Geflüchteten in Deutsch-       von Geschlechtseintrag und Namen
land kommen aus einem der ca. 70 Län-         sowie die Durchführung geschlechtsan-
der, in denen einvernehmliche homose-         gleichender Maßnahmen per Gesetz
xuelle Handlungen unter Erwachsenen –         verwehrt bleiben.
ähnlich wie noch in der Bundesrepublik
bis 1969 – mit mehrjährigen Haftstrafen       Die Verfolgung geht nicht immer nur
geahndet werden. In vielen dieser Län-        vom Staat aus. Viele LSBTI-Geflüchtete
der steht darauf sogar die Todesstrafe.       berichten, dass sie vor ihrer eigenen
                                              Familie geflüchtet sind. In vielen Ge-
Der Staat ist in diesen Ländern nicht         sellschaften gilt schwul, lesbisch oder
Schützer, sondern Verfolger. So fahndet       trans* sein mehrheitlich als Sünde, als
beispielsweise der ägyptische Staat in        Schande oder gar als Krankheit. Die
Dating-Apps systematisch nach LSBTI-          Formen, die die LSBTI-feindliche Ge-
Personen, wobei sich das Strafmaß auf         walt annehmen kann, sind dabei sehr
mehrere Jahre belaufen kann. Selbst           vielfältig und reichen von Beleidigungen
wenn die Lage von Land zu Land variiert       bis hin zu Mord. Schwule und lesbische
und diese Gesetze in manchen Staaten          Geflüchtete berichten, dass die Familie
seltener zur Anwendung kommen als in          sie zwingen wollte, heterosexuell zu
anderen, so stellen sie doch eine Form        heiraten. Besonders lesbische Frauen

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werden oft Opfer von Vergewaltigun-             Die International Lesbian, Gay, Bisexu-
gen, mit denen sie von ihrer Homosexu-          al, Trans and Intersex Association
alität „geheilt“ werden sollten. Vielen         (ILGA) erstellt regelmäßig einen Bericht
trans*Personen werden durch die Fami-           zur Lage von LSBTI-Personen in der
lie oder durch ihre Partner*in notwendi-        Welt: www.ilga.org
ge Medikamente vorenthalten.
                                                Die nachfolgende Karte „Gesetze zur
Der Lesben- und Schwulenverband in              sexuellen Orientierung in der Welt“
Deutschland (LSVD) verfasst auf Anfra-          finden Sie auf der Internetseite von
ge Begleitschreiben zur Lage von                ILGA in einem größeren Format:
LSBTI-Personen für das jeweilige Her-           www.queer-refugees.de/wp-content/uploa
kunftsland. Diese können sowohl im              ds/2019/08/ilga-karte-2019-deutsch.pdf
Asylverfahren als auch im Falle einer
Klage genutzt werden. Anfragen können
gerichtet werden an:
E-Mail: asylrecht@lsvd.de

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Beratung im Asylverfahren

LSBTI-Geflüchtete können – wenn ihnen           Beratungsstellen allen Geflüchteten
bei der Rückkehr in ihr Herkunftsland           gegenüber ihre Offenheit für LSBTI-
Verfolgung aufgrund ihrer LSBTI-                Themen vermitteln. Hierzu sollten sie
Zugehörigkeit droht – einen internatio-         über Poster Sichtbarkeit für das Thema
nalen Schutzstatus erhalten. Hierbei            herstellen. Beratende sollten zusätzlich
müssen LSBTI-Geflüchtete sowohl diese           systematisch in jedem Erstgespräch über
Zugehörigkeit als auch die Verfol-              die Relevanz der sexuellen Orientierung
gungswahrscheinlichkeit glaubhaft ma-           bzw. geschlechtlichen Identität für das
chen. LSBTI-Geflüchtete haben jedoch            Asylverfahren     informieren.   Vielen
meist ihr Leben lang diskret gelebt, in         LSBTI-Geflüchteten fehlen die Worte,
der Regel aus Angst vor Gewalt und              um ihre Hintergründe während der An-
Diskriminierung, oder aber aus Scham            hörung zu schildern. Es ist daher be-
vor ihrer eigenen sexuellen Orientierung        sonders wichtig, mit ihnen das Sprechen
bzw. geschlechtlichen Identität. Sich           über ihre Orientierung bzw. Identität
den BAMF-Mitarbeitenden gegenüber               sowie über das Erlebte zu üben. Häufig
zu outen und intime Details zu berichten        stellt das BAMF jedoch die LSBTI-
fällt vielen von ihnen äußerst schwer –         Zugehörigkeit der geflüchteten Perso-
zumal in Anwesenheit einer Sprachmitt-          nen an sich in Zweifel. Neben der Situa-
lung aus dem eigenen Kulturkreis. Da-           tion im Herkunftsland ist es daher rat-
her hat sich Deutschland in der Auf-            sam, dass Antragsteller*innen auch ihr
nahmerichtlinie verpflichtet, LSBTI-            Leben als LSBTI-Person in Deutschland
Antragsteller*innen besondere Verfah-           nachweisen. So nehmen viele LSBTI-
rensgarantien zu gewähren. Hierzu               Geflüchtete an CSD-Veranstaltungen
gehört, dass LSBTI-Personen im Vor-             teil, besuchen zielgruppenspezifische
feld    der   Anhörungen     beantragen         Gruppenangebote oder nehmen Bera-
können, dass diese durch „Sonderbeauf-          tungsangebote von LSBTI-Organisatio-
tragte für geschlechtsspezifische Ver-          nen wahr.
folgung“ durchgeführt werden.
                                                LSBTI-Geflüchtete, deren Asylverfah-
Damit sich diejenigen Geflüchteten, die         ren bereits mit negativem Ergebnis
LSBTI sind, als solche in der Beratung          abgeschlossen ist, weil sie sich während
zu erkennen geben, ist es wichtig, dass         des Verfahrens nicht geoutet haben,

                                           13
können ein Folgeverfahren beantragen.          konkreten Verfolgungswahrscheinlich-
Das Bundesverfassungsgericht hat in            keit muss somit im Asylfolgeverfahren
seinem Beschluss von 4. Dezember 2019          erfolgen und darf nicht in die Entschei-
die Rechte der Antragsteller*innen in          dung über die Zulässigkeit des Folgean-
diesen Fällen gestärkt. Hier heißt es,         trags verlagert werden.
dass solche Anträge auf ein Folgever-
fahren nur dann als unzulässig abge-           Zur weiteren Lektüre:
lehnt werden dürfen, wenn „das Vor-            Patrick Dörr und Alva Träbert:
bringen    des   Antragstellers    zwar        „LSBTI*-Geflüchtete im Asylverfahren“
glaubhaft und substantiiert, jedoch von        Asylmagazin 10-11/2019, S. 352 ff.:
vornherein nach jeder vertretbaren Be-         www.asyl.net/asylmagazin/inhalt
trachtungsweise ungeeignet ist, zur
Asylberechtigung beziehungsweise zur           Rechtsprechungsdatenbank und Asyl-
Zuerkennung internationalen Schutzes           rechtsratgeber des LSVD:
zu verhelfen“. Eine Beurteilung der            www.lsvd.de/de/recht/ratgeber/asylrecht

   Foto: Queer Refugees Deutschland

                                          14
Unterbringung und Gewalt-
schutz

Durch die EU-Aufnahmerichtlinie wurde            che und verbale Gewalt gegen LSBTI-
Deutschland verpflichtet, im Bereich der         Personen ebenso verboten ist wie ge-
Unterbringung Maßnahmen zum Schutz               genüber allen anderen Personen. Dies
besonders schutzbedürftiger (Englisch:           sollte zum einen über mehrsprachige
vulnerable) Geflüchteter zu ergreifen.           Poster und Informationsmaterialen ge-
Zwar führt die Richtlinie LSBTI-                 schehen. Gleichzeitig sollten in Unter-
Geflüchtete in der nicht abschließenden          künften diese Themen systematisch in
Auflistung besonderer Schutzbedarfe              den Erstgesprächen angesprochen wer-
nicht explizit auf, die „Mindeststan-            den und explizit in den Hausordnungen
dards zum Schutz geflüchteter Men-               und Leitbildern erwähnt werden.
schen in Flüchtlingsunterkünften“, her-
ausgegeben vom Bundesministerium für             Der erste Annex der „Mindeststandards
Familie, Senioren, Frauen und Jugend             zum Schutz geflüchteter Menschen in
und von Unicef, definieren sie jedoch            Flüchtlingsunterkünften“ widmet sich
klar als besonders schutzbedürftige              ausführlich der „Umsetzung der Min-
Gruppe. Grund hierfür sind die teils             deststandards für LSBTI* Geflüchtete“
massiven Gewalt- und Diskriminie-                und enthält eine Reihe von Maßnahmen
rungserfahrungen,       die    LSBTI-Ge-         zum Schutz LSBTI-Geflüchteter in
flüchtete regelmäßig in Sammelunter-             Sammelunterkünften, von denen hier
künften machen. Diese können – wenn              nur einige genannt werden sollen. Mit
die sexuelle Orientierung bzw. ge-               Bezug auf LSBTI-Geflüchtete, die in der
schlechtliche Identität in der Unterkunft        Unterkunft Gewalterfahrungen gemacht
bekannt wird – von Beleidigungen bis             haben, heißt es beispielsweise: „Den
hin zu Morddrohungen reichen.                    LSBTI* Geflüchteten ist unverzüglich ein
                                                 Einzelzimmer anzubieten.“ Zur Qualifi-
Die Mehrzahl der LSBTI-Geflüchteten              kation der Mitarbeitenden führen die
entscheidet sich auch vor dem Hinter-            Mindeststandards aus: „Alle Personen,
grund dieser Gewalt dazu, in der Unter-          die in der Unterkunft tätig sind, vom
kunft möglichst unsichtbar zu bleiben.           Leitungspersonal über die Sprachmitt-
Umso wichtiger ist es daher, alle Ge-            ler_innen und Ehrenamtlichen bis hin
flüchteten und Mitarbeitenden explizit           zum Sicherheitspersonal, sollten für die
darüber zu informieren, dass körperli-           Belange von LSBTI* Geflüchteten sensi-

                                            15
bilisiert werden.“ Mit Blick auf die ein-           Zur weiteren Lektüre:
richtungsinterne    Organisation    wird            Alva Träbert und Patrick Dörr:
gefordert: „In der Einrichtung ist eine             „LSBTI*-Geflüchtete und Gewaltschutz“
festangestellte Person für die Belange              Asylmagazin 10-11/2019, S. 344 ff.:
von LSBTI* Personen zuständig.“ Die                 www.asyl.net/asylmagazin/inhalt
Mindeststandards sind eine gute Grund-
lage zum Schutz Geflüchteter vor                    Mindeststandards zum Schutz geflüch-
LSBTI-feindlicher Gewalt in Unterkünf-              teter Menschen in Flüchtlingsunterkünf-
ten. Daneben verfügt die Mehrzahl der               ten:
Bundesländer über Gewaltschutzkon-                  www.gewaltschutz-gu.de/schutz-von-lsbti-
zepte, in denen verbindliche Vorgaben               gefluechteten
zum Gewaltschutz gemacht werden.
Diese Landesgewaltschutzkonzepte sind
jedoch mit Bezug auf LSBTI in der Re-
gel deutlich weniger umfassend.

                Foto: Queer Refugees Deutschland

                                               16
Psychosoziale Beratung

Während des Asylverfahrens und der              Psychosoziale Beratung durch Einrich-
Unterbringung in Sammelunterkünften,            tungen, die auf sexuelle und geschlecht-
aber auch danach, spielt der Zugang zu          liche Vielfalt spezialisiert sind, kann
bedarfsgerechter psychosozialer Unter-          LSBTI-Geflüchtete bei ihrem Coming-
stützung und Beratung für LSBTI-                out-Prozess begleiten und unterstützen.
Geflüchtete eine zentrale Rolle.                Es gibt Raum, im Kontext der Identitäts-
                                                findung konkrete Fragen zu stellen und
Für psychosoziale Beratungseinrichtun-          Sorgen zu äußern. Hier können gemein-
gen in der Geflüchtetenhilfe lohnt sich         sam Strategien entwickelt werden, mit-
eine umfassende Sensibilisierung und            hilfe derer sich die geflüchtete Person
Fortbildung zur Lebensrealität und den          im Freundeskreis, in der Unterkunft
Bedarfen Geflüchteter, bei         deren        oder in anderen Beratungskontexten
Fluchterfahrung die sexuelle Orientie-          öffnen und anvertrauen kann. Häufig
rung bzw. geschlechtliche Identität eine        haben die Berater*innen eine Lotsen-
Rolle spielt. Hierzu zählt auch die Sen-        funktion und können LSBTI-Geflüch-
sibilisierung der eingesetzten Sprach-          teten den Zugang zu geeigneten Grup-
mittler*innen, die je nach sprachlichem         penangeboten oder Community-Anbin-
und kulturellem Kontext in der Lage             dung vermitteln.
sein sollten, positiv oder zumindest
neutral konnotierte Begrifflichkeiten zu        Eine besondere Bedeutung kommt der
nutzen, mitunter aber auch westliche            psychosozialen Beratung in der Praxis
Identitätskonzepte bildhaft zu um-              dann zu, wenn sie eine Brücke zur the-
schreiben, um sie für die geflüchtete           rapeutischen Regelversorgung darstellt.
Person zugänglich zu machen und eine            Die Mehrzahl der LSBTI-Geflüchteten
weitergehende Verständigung zu ermög-           hat geschlechtsspezifische homo- oder
lichen. Erst dadurch kann das nötige            transfeindliche Gewalt erlebt, die häufig
Vertrauen aufgebaut werden, damit sich          durch Mitglieder des eigenen Familien-
die geflüchtete Person als LSBTI zu             kreises verübt wurde. Vielen ist auch
erkennen geben und ihre Schutzrechte            sexualisierte Gewalt wiederfahren – dies
geltend machen kann.                            gilt auch und gerade für männliche Ge-
                                                flüchtete. In einem sicheren Rahmen
                                                erstmals über das Erlebte zu sprechen,

                                           17
kann zur psychischen Stabilisierung
beitragen und dabei helfen, das Risiko
einer Traumafolgestörung langfristig zu
reduzieren. In psychosozialen Bera-
tungszentren für Geflüchtete und Fol-
teropfer, wie es sie bundesweit gibt,
können Geflüchtete dahingehend schon
während ihres Asylverfahrens aufgefan-
gen werden. Die Fachkräfte dort – und
in anderen psychosozialen Beratungs-
stellen – können später maßgeblich
dabei unterstützen, ein geeignetes An-
gebot für eine langfristige, LSBTI-
sensible Psychotherapie zu finden.

                                          18
Transition und
Personenstandsänderung

Die relevanten rechtlichen Vorgaben zur          aus als passend, jedoch lehnen sie die
Änderung des Vornamens und zur Fest-             von der Gesellschaft gemachten Ge-
stellung der Geschlechtszugehörigkeit            schlechtszuschreibungen für sich als
finden sich in Deutschland im Trans-             falsch ab.
sexuellengesetz. Dieses Gesetz steht
hierbei aufgrund der in ihm verankerten          Die Möglichkeiten, das eigene Erschei-
hohen Hürden für die Selbstbestimmung            nungsbild dem empfundenen oder wah-
der betroffenen Personen in der öffent-          ren Geschlecht anzugleichen, sind in der
lichen Kritik und sollte daher eigentlich        Regel in den Herkunftsländern, während
bereits 2019 überarbeitet werden. Über-          der Flucht und während des Asylverfah-
dies kommt in dem Gesetz eine recht              rens in Deutschland sehr begrenzt: Ein-
beschränkte Sicht auf Transsexualität            fache Maßnahmen reichen beispielswei-
zum Ausdruck: Transsexuell – um im               se vom Anpassen der Frisur und der
Sprachgebrauch des Gesetzes zu blei-             Kleidung bis hin zum Anpassen der
ben – sind Personen, die das ihnen bei           Stimme, Mimik und Gestik. Viele
der Geburt zugewiesene Geschlecht                trans*Männer binden sich – oft unter
(zum Beispiel weiblich) ablehnen und             großen Schmerzen – ihren Oberkörper
„das andere“, von ihnen als richtig emp-         ab. Eine systematische Hormontherapie
fundene soziale Geschlecht (zum Bei-             oder operative Eingriffe standen nur den
spiel männlich) annehmen möchten.                wenigsten LSBTI-Geflüchteten zur Ver-
Dabei gibt es auch viele trans*Personen,         fügung. Folge ist, dass transgeschlecht-
die sich keinem dieser beiden Ge-                liche Geflüchtete in der Regel viel eher
schlechter eindeutig zugehörig fühlen.           als solche zu erkennen sind. Auch dies
Die dritte Option „divers“ jedoch hat            trägt zur besonders starken Gefährdung
der Gesetzgeber Anfang 2019 nur Per-             von trans*Personen in Sammelunter-
sonen mit varianten Geschlechtsent-              künften bei.
wicklungen eingeführt. Tatsächlich
empfindet nur ein Teil der trans*Per-            Für Personen im Asylverfahren ist es
sonen ihren eigenen Körper als fremd             deutlich schwerer, die gegebenenfalls
und strebt daher eine körperliche An-            notwendige medizinische und psycho-
gleichung an. Viele trans*Personen               logische Versorgung zu erhalten, als es
empfinden ihren eigenen Körper durch-            das beispielsweise für Menschen ist, die

                                            19
sich nicht im Asylverfahren befinden.
Besonders eine bereits – eventuell durch
die geflüchtete Person selbst und ohne
ärztliche Aufsicht – organisierte Hor-
montherapie nicht fortzusetzen ist sehr
gefährlich. Transgeschlechtliche Perso-
nen sollten in diesen Fällen versuchen,
ihre bisherige Hormoneinnahme zu
belegen und auf die medizinische Not-
wendigkeit der Fortführung bestehen.
Viele transgeschlechtliche Geflüchtete
möchten ebenfalls ihren Personenstand
(Vorname und Geschlechtseintrag) än-
dern sowie geschlechtsangleichende
operative Eingriffe durchführen lassen.
Hierfür sind jedoch eine langwierige
therapeutische Begleitung sowie umfas-
sende psychologische Gutachten erfor-
derlich. Für die meisten transge-
schlechtlichen Geflüchteten stellt dies –
auch nach Erhalt eines internationalen
Schutzstatus – allein aufgrund sprachli-
cher Voraussetzungen über viele Jahre
ein kaum überwindbares Hindernis dar.

Ausführliche Informationen finden sich
unter:
www.queer-refugees.de/trans

                                            20
Vernetzung und Empowerment

Besonders für geflüchtete LSBTI-                tionen zum nächstliegenden Angebot für
Personen ist die Vernetzung mit anderen         LSBTI-Geflüchtete in ihrer Einrichtung
LSBTI-Geflüchteten häufig besonders             sichtbar machen und in mehreren Spra-
wichtig. Innerhalb der Unterkünfte ist          chen aushängen. Die enge Vernetzung
dies kaum möglich. Umso wichtiger ist           mit LSBTI-Organisationen stellt einen
daher in der Regel die Anbindung an             entscheidenden Aspekt bei der Feststel-
Gruppenangebote für LSBTI-Geflüch-              lung des besonderen Schutzbedarfes
tete, wie es sie in einer ganzen Reihe          LSBTI bei Geflüchteten dar.
großer Städte in Deutschland gibt. Hier
fühlen sie sich verstanden, können sozi-        Richtig ist, dass LSBTI-Geflüchtete
ale Kontakte knüpfen und sich in einem          aufgrund LSBTI-feindlicher und rassis-
sicheren Raum zu den unterschiedlichs-          tischer Einstellungen sowohl in der
ten Themen austauschen.                         deutschen Mehrheitsgesellschaft als
                                                auch in der Geflüchteten-Community in
Ebenso wichtig ist der Kontakt zur              besonderem Maße als vulnerabel ange-
LSBTI-Community der sogenannten                 sehen werden müssen. Gleichzeitig
Mehrheitsgesellschaft, auch wenn – wie          bringen sie – wie alle Geflüchteten – eine
in der restlichen Gesellschaft – Rassis-        Reihe von Stärken, Erfahrungen und
mus leider in der Community ebenfalls           Talenten mit, mit denen sie sich in die
ein Problem darstellt. Umso mehr leis-          Gesellschaft einbringen möchten. Eini-
ten LSBTI-Beratungsstellen und ehren-           ge der geflüchteten Personen waren
amtliche Initiativen einen entscheiden-         bereits in ihren Heimatländern als Akti-
den Beitrag dazu, dass geflüchtete              vist*innen im Kampf für die Menschen-
LSBTI-Personen in Deutschland an-               rechte von LSBTI-Personen aktiv. Diese
kommen. Denn LSBTI-Geflüchteten                 Aspekte mehr in den Blick zu nehmen,
fehlen zunächst die Deutschkenntnisse           ist das Ziel einer Reihe selbstorganisier-
sowie das Wissen im Umgang mit Be-              ter LSBTI-Gruppen. Bundesweit stellt
hörden. So zögern viele LSBTI-                  das LSVD-Projekt „Queer Refugees
Geflüchtete, sich mit ihren Anliegen            Deutschland“ eine Vernetzung zwischen
direkt an Stellen der Mehrheitsgesell-          geflüchteten LSBTI-Aktivist*innen her
schaft zu wenden. Unterkünfte und               und stärkt sie darin, selbst für ihre Rech-
Beratungsstellen sollten daher Informa-         te einzutreten.

                                           21
Kontaktdaten zu spezialisierten Grup-
pen- und Beratungsangeboten für
LSBTI-Geflüchtete in ganz Deutschland
finden sich unter:
www.queer-refugees.de/anlaufstellen

Foto: Queer Refugees Deutschland, Sechstes bundesweites Vernetzungstreffen von geflüchteten LSBTI-
Aktivisten*innen in Köln, Mai 2019

                                                    22
Über diese Broschüre

Die Mitarbeiterinnen des Projektes „EvA –Empowerment vulnerabler Personen im Asylverfahren“ und die Mitarbei-
ter*innen des LSVD-Projekts „Queer Refugees Deutschland“ und der Rosa Strippe freuen sich, Ihnen diese Broschü-
re zum Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt und Flucht zu präsentieren. Sie richtet sich an alle Menschen,
die mit LSBTI Geflüchteten arbeiten oder anderweitig Interesse an dem Thema haben.

Projektleitung

Daniela Bröhl
Sachgebietsleiterin Integration, Migration und Flucht
Daniela.Broehl@diakonie-duesseldorf.de
www.diakonie-duesseldorf.de

Projektkoordination

Sarah Wolff
Sachgebiet Integration, Migration und Flucht
Sarah.Wolff@diakonie-duesseldorf.de                          Dieses Projekt wird aus Mitteln des Asyl-, Migrations-
www.diakonie-duesseldorf.de                                  und Integrationsfonds kofinanziert

                                                 In Kooperation mit:

                                                        23
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