COSMIC PSYCHOS Interviews & Artikel - Ox Fanzine

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COSMIC PSYCHOS Interviews & Artikel - Ox Fanzine
Interviews & Artikel

COSMIC PSYCHOS
Zitat: "Solange wir Freibier bekommen, werden wir
weiterspielen."

Es gibt kaum eine andere Band, die mich so begeistern kann
wie die Australier COSMIC PSYCHOS. Konservative
Dummköpfe mögen zwar der Meinung sein, was die drei
Typen seit Mitte der Achtziger so produzieren, das sei gar
kein richtiger Punk, weil viel zu schweinerockig, aber sowas
zeugt eigentlich nur von der musikalischen Ignoranz dieser
Leute. Denn punkiger als die COSMIC PSYCHOS kann gar
niemand sein. Warum? Nun, Punk geht ja davon aus, daß drei
Akkorde reichen, um ordentlich Lärm zu machen, und die
RAMONES sind dafür ja auch der beste Beweis. Doch es geht
noch einfacher. Die Psychos nämlich begnügen sich mit zwei
Akkorden, dem immer gleichen, monoton stampfenden
Rhythmus und fabrizieren daraus Musik, die dreckig, simpel,
voll in den Bauch gehend und damit eben doch 100% Punk
ist. Nachdem Ox-Kollege Thomas Hähnel den Jungs vor fünf
Jahren schon mal auf den Zahn gefühlt hat, machte ich mich
im Mai auf nach Münster, wo einer der beiden deutschen
Auftritte des Trios from Down Under stattfand. Anwesend
waren Robbie (Gitarre), Bill (Drums) und Ross (Bass), wobei
eigentlich nur letzterer den Mund aufmachte. Was da
allerdings herauskam, entsprach nur rudimentär den
durchschnittlichen Vorstellungen von der englischen
Sprache.

Schön zu sehen, daß ihr in Realität nicht ganz so alt ausseht
wie es die - computermanipulierten - Fotos auf eurem letzten
Album erwarten ließen.

Haha, stimmt, so alt sind wir noch nicht, aber ehrlich gesagt fühlen
wir uns mindestens so alt, wie wir da aussehen.

Echt?

Klar: Ich bin zwar erst 24, fühle mich aber wie 26.

Wie kommt es denn, daß ihr eure deutschen Fans diesmal mit
nur zwei Auftritten enttäuscht?

Wir würden ja gerne mehr spielen, aber können es uns nicht
leisten, länger als drei oder vier Wochen wegzubleiben. Dazu
kommt, daß es wegen der neuen Steuergesetze etwas schwerer
geworden ist, Auftritte in Deutschland zu bekommen. Naja, und da
wir sonst viel in Deutschland spielen, kümmern wir uns diesmal
mehr um die anderen Länder Europas.

Weshalb seid ihr zeitlich so eingeschränkt?

Wir haben alle Verpflichtungen zuhause in Australien: Bill hat
einen normalen Job bei einer Radiostation, und ich kann meine
Farm nicht zu lange alleinlassen. Außerdem brauchen wir das
Geld von unseren Jobs, denn von der Musik können wir nicht
leben. Aber das ist auch gesünder, weil der Rock´n´Roll-Lifestyle
echt Gift ist.

Ach? Das überrascht mich jetzt aber: von euch Australiern
hat man so das Klischee im Kopf, daß ihr sowieso nichts
anderes tut als den ganzen Tag in der Sonne sitzen und Bier
trinken.

Hehe, das stimmt ja auch, aber deshalb macht es noch lange
keinen Sinn, zwischen zwei Bieren sechs Stunden in einem
vollgepackten Auto durch die Gegend zu fahren. Nein, da setzen
wir uns lieber zuhause auf die Veranda und trinken uns da einen.
Von daher trifft das Australienbild, das viele im Kopf haben, schon
zu. Aber was willst du auch groß in deiner Freizeit machen, wenn
du irgendwo auf dem Land eine Farm hast?

Du lebst also richtig weit draußen im Outback?

Nein, von meiner Farm sind es nur zwei Stunden bis nach
Melbourne. Das klingt weit, ist es aber nicht, und natürlich mußt
du die Vorteile bedenken. Auf so einer Farm kannst du nämlich
machen, was du willst, solange du dich einigermaßen unauffällig
verhältst. Bei mir da draußen hat sich in den letzten hundert
Jahren so gut wie nichts verändert, von Fernsehen und Telefon
mal abgesehen. Ganz anders die Städte: die größeren
australischen Städte sind wie alle anderen Städte in Europa oder
den USA, da gibt´s kaum Möglichkeiten, sich der Gesellschaft zu
entziehen.

Was für eine Farm hast du?

Beef. Ich züchte Rinder. Und außerdem habe ich noch einen
Bulldozer, mit dem ich für andere Farmer Arbeiten erledige,
Gräben aufreißen, Dämme aufschütten und so. Naja, da hat man
schon was zu tun.

Da bist du doch sicher ein ziemlicher Außenseiter, oder? Ich
schätze mal, deine Nachbarn kommen ihr ganzes Leben lang
nicht weiter als in die nächste Stadt, aber du spielst in einer
seltsamen Rockband und fliegst ständig in der Welt herum.

Die halten mich alle für völlig verrückt, denken, ich bin
drogensüchtig und habe nicht alle Tassen im Schrank. Mich stört
das nicht weiter, ich halte das für einen guten Kontrast. Ich
genieße es, in beiden Welten zu leben: nur Rock´n´Roll, das
langweilt schnell, und nur Farmleben, da verblödest du
irgendwann. Aber die Mischung von beidem ist in Ordnung.

Ist es das Fehlen von Langeweile, weshalb die COSMIC
PSYCHOS bis heute existieren?

Ja, auch, und außerdem nehmen wir uns selbst nicht so wichtig
und ernst. Wir haben uns von dem ganzen Rock-Business
ferngehalten, spielen mittlerweile seit elf Jahren zusammen und
haben in dieser Zeit nie unseren Musikstil verändert. Manche
kritisieren uns dafür, aber ich möchte wetten, daß die auch
meckern würden, wenn wir uns änderten. Unser Motto aber war
und ist, daß wir solange weiterspielen, wie wir dafür Freibier
bekommen. So lange du Spaß am Musikmachen hast, ist alles in
Ordnung. Deshalb achten wir darauf, daß die Band ein Hobby
bleibt und nicht zum Beruf wird.

Du lebst zwei Stunden von Melbourne entfernt. Wie
organisiert ihr da eure Proben?

Welche Proben? Wir proben so gut wie nie! Das letzte Mal haben
wir vor 18 Monaten geprobt, bevor wir ins Studio gingen. Aber das
waren auch nur Bill und ich, Robbie hatte gar keine Zeit. Also
haben wir im Studio nochmal kurz die Songs geübt und das war´s
dann auch. Das Problem mit den Proben fängt schon damit an,
daß Robbie auch zwei Stunden von Melbourne entfernt wohnt,
aber in der anderen Richtung, an der Küste. Nur Bill wohnt direkt
in Melbourne. Naja, und wenn wir es dann mal schaffen, uns zu
treffen, trinken wir meist ein paar Bier zusammen, unterhalten uns
und das war´s dann. Oder jemand hat mal wieder sein Instrument
vergessen, hehe. Bill hat einmal sogar sein Schlagzeug
vergessen, aber frag mich bitte nicht, wie man sowas schafft.

Aber wie schreibt ihr eure Songs, wenn ihr nie probt?
Och, das ist kein Problem. Ich denke mir die Songs aus, und im
Studio erkläre ich den anderen dann, was sie spielen sollen. Und
dann, bummbumm, twängtwäng, probieren wir das einmal und
nehmen auf. Wenn die Platte im Kasten ist, ziehen wir uns davon
eine Cassette, nehmen die mit nachhause und üben ein bißchen,
jeder für sich.

Wahrscheinlich ist diese minimalistische, einfache
Arbeitsweise der Grund, warum ich euch so liebe. Ihr seid
das krasse Gegenteil von all diesen hochgezüchteten
Studiobands, die an jedem Detail endlos rumfrickeln.

Naja, so wie wir das machen, bleibt die Sache eben immer frisch
und abwechslunsgreich. Und ich glaube auch nicht, daß wir
anders arbeiten könnten.

Wie kriegst du eigentlich diesen Bass-Sound hin? Das klingt
immer so, als ob du statt der Seite ein altes, ausgeleiertes
Unterhosengummi aufgezogen hast.

Harharhar, guter Vergleich, aber ich weiß auch nicht so genau,
wie ich das hinkriege. Das ist wohl eine Kombination von meinem
Verzerrer und meiner Unfähigkeit, richtig Bass zu spielen. Das ist
alles sehr primitiv, mehr fällt mir dazu nicht ein. Ich habe auch nie
Unterricht genommen, sondern mir das Spielen selbst
beigebracht. Es ist, glaube ich, manchmal sehr gut, wenn man gar
nicht genau weiß, was man tut.

Als Thomas euch vor Jahren interviewt hat, habt ihr euch
ausgiebig über die damalige Karnickelplage unterhalten. Und,
habt ihr die mittlerweile alle abgeknallt?

Nee, haha, aber so schlimm ist es nicht mehr. Dafür schießen wir
jetzt Vögel. Hehe, den Kaninchen gönnen wir erstmal eine
Schonzeit. Nach ´ner Weile wird das eben langweilig. Vielleicht
sollten wir uns ja mal auf Menschen verlegen...

Wie der Typ, der neulich in Tasmanien zugeschlagen hat.

Ja, genau, aber im Vergleich zu mir wird der noch harmlos
gewesen sein, hehehe.

Mit diesen Aussagen hast du mal wieder bestätigt, daß ihr
wahrscheinlich eine der politisch unkorrektesten Bands
überhaupt seid.

Mit Sicherheit, ja. Aber schau dir diese Bands doch an: die klopfen
ohne Ende Sprüche, aber werden im Alltag ihren eigenen
Ansprüchen nicht gerecht. Es kommt letztendlich nur darauf,
andere Leute, Frauen gut zu behandeln. Nein, sowas wie eine
politisch korrekte Band gibt´s gar nicht, das erfinden die nur, das
ist alles völlige Scheiße. Und weil ich das so empfinde, schreibe
ich auch entsprechende Texte - über ganz alltägliche, simple
Dinge: Jeder Mann wacht mal mit ´nem üblen Kater auf, jede Frau
wacht mal verkatert auf, und das sind die Themen, mit denen du
die Leute ansprichst. Warum klopfen die Leute Sprüche, wie man
die Welt retten kann, wenn es ihnen eigentlich nur darum geht,
Platten zu verkaufen? Nein, wir singen über Alltägliches und
verdienen damit keinen Pfennig. Was soll´s?

Bill, warum hast du eigentlich diesen blöden Spitznamen
"Billie Arschloch"?

Naja, den haben mir die anderen in der Band gegeben, weil meine
Fürze richtig übel sind. Außerdem klingt Arschloch besser als
"asshole". Wir verwenden das sehr gerne, vor allem, weil in
Australien nur wenige gleich kapieren, was das heißt.

Wieso wechselt ihr in Europa ständig euer Label? Früher wart
ihr mal bei Normal, dann kam "Palomina Pizza" auf City Slang
und euer neues Album ist jetzt überraschenderweise bei
Amphetamine Reptile erschienen.

City Slang hatten keine Lust mehr auf uns, die waren mit anderen
Sachen beschäftigt. Christof ist seit Jahren ein guter Freund von,
wir hatten also keinen Ärger mit ihm, aber er sagte uns ganz
ehrlich, daß er das Album nicht machen will. In den USA waren
wir da schon auf AmRep, da machte es natürlich Sinn, sich auch
in Europa für AmRep zu entscheiden.

An dieser Stelle fangen die LOMBEGO SURFERS an zu
spielen, weshalb Ross und ich das Interview auf den
Parkplatz vor dem Gleis 22 verlegen.

Was waren bzw. sind deine Einflüsse?

Als Kind war ich ein großer Fan von Gary Glitter, SLADE und
KISS. Als dann Punk losging, hörte ich natürlich RAMONES. Ich
mochte die, seit ich sie 1977 zum ersten Mal hörte. Ich wollte
natürlich auch sofort selber Musik machen und kaufte mir einen
Bass. An der Highschool spielte ich dann erstmals in einer Band,
und seitdem ist Musik für mich ein wichtiges Hobby. Ich habe in all
den Jahren nie Lust verspürt, die Musik zum Beruf zu machen.
Aber ich muß sagen, daß sich unsere Band in einer Weise
weiterentwickelt hat, die ich nie für möglich gehalten hätte, also
was unsere Bekanntheit und Beliebtheit betrifft. O.k., wir
verkaufen nicht gerade Unmengen von Platten, aber was soll´s?
Und mich stört auch nicht, daß wir nicht in ´nem großen Bus
touren und in schönen Hotels pennen. Darauf kommt´s nicht an.
Schön finde ich, daß wir durch und mit der Band in der ganzen
Welt rumkommen und mittlerweile überall Freunde haben. Ich
kenne überall in der Welt - ob in Deutschland, Belgien oder
Holland - nette Kneipen, kenne die Leute dort, kann mich zu ihnen
setzen und gemütlich ein paar Biere trinken. Und das ist eine
Erfahrung, die du auch mit Millionen von Dollars nicht kaufen
kannst.

Vor ein paar Jahren hatten wir mal die Chance, bei einem Major
zu unterschreiben, es interessierten sich ein paar Leute für uns,
aber wir ließen die Finger davon. Dann hätten wir die Band
nämlich als ernsthafte Full time-Angelegenheit betrachten
müssen, und das hätte uns mit Sicherheit den Spaß daran
verdorben.

RADIO BIRDMAN haben unlängst ein Reunion-Konzert
gespielt. Hast du die gesehen?

Ja, in Melbourne, und es war wirklich genial. Wir haben vorher
schon ein paarmal mit Deniz Tek gespielt, und ich kenne auch
Rob Younger, das sind wirklich sehr nette Leute. Schade, daß das
mit der Europa-Tour nicht geklappt hat, denn wir bekommen hier
immer wieder mit, wie beliebt RADIO BIRDMAN selbst nach all
den Jahren noch sind.

Siehst du denn einen Unterschied zwischen der Reunion von
RADIO BIRDMAN und der der SEX PISTOLS?

Naja, ich weiß nicht so recht. Die Pistols waren damals die
bekannteste Band der Welt, aber RADIO BIRDMAN wurden erst
richtig bekannt, als sie sich schon längst aufgelöst hatten. Klar, in
Australien waren sie auch damals schon "Stars", aber heute sieht
es so aus, als ob sie - gerade im Ausland - Jahr für Jahr
bekannter würden. Und die SEX PISTOLS? Wenn die nochmal
abkassieren wollen, sollen sie es tun, denn immerhin wurden sie
damals ja von allen beschissen.

Interessant ist, daß RADIO BIRDMAN so viele australische
Bands beinflußt haben und immer noch beeinflussen - von
den frühen AC/DC und ROSE TATTOO mal abgesehen.

Ja, stimmt. Ich selbst zum Beispiel habe auch erst so ab 1980
angefangen, RADIO BIRDMAN zu hören. ROSE TATTOO und
AC/DC habe ich aber schon in den Siebzigern gehört, und ich
glaube, den Einfluß hört man unserer Musik auch an. Daß heute
noch so viele australische Bands nach den dreien klingen, hängt
meiner Meinung nach damit zusammen, daß sie sehr australisch
klangen.

Wie würdest du diesen australischen Sound definieren?

Puh, das kann ich nicht. Ich mache zwar Musik, aber im
Beschreiben von Musik bin ich nicht gut. Naja, man könnte
vielleicht sagen, daß der Sound ziemlich roh und rauh ist, und
RADIO BIRDMAN hatten, weil sie aus Sydney kamen, auch noch
´ne Spur Surfsound mit drin. Doch, die haben den typischen
Sydney-Sound drauf. Es ist jedenfalls ´ne Tatsache, daß man den
meisten australischen Bands anhört, wo sie herkommen.

Dem Einfluß kann man sich und könnt ihr euch also nicht
entziehen.

Nein, denn natürlich ist man davon geprägt, was man in seiner
Jugend gesehen, erlebt und gehört hat. Dazu gehören bei mir
auch die SAINTS, und generell vielleicht die Ehrlichkeit von vielen
australischen Bands.

Was meinst du damit? Dieses Underdog-Working Class-
Gefühl?

Ja, genau! Underdog und Working Class, das ist es. Und das war
ja typisch für die Siebziger, als Punk - auch von Bands wie MC 5
oder STOOGES - sowas wie Working Class-Musik war. Heute ist
das genaue Gegenteil der Fall. Eine ganze Menge Punkrock von
heute ist künstlich, ein Produkt - Pepsi-Punk! Aber es gibt immer
noch eine ganze Menge guter Bands, gerade in Australien. Die
BLITZ BABIEZ zum Beispiel.

Mir fiel auf, daß bei keiner eurer Platten die Texte abgedruckt
sind. Wie kommt´s?

Äh, ehrlich gesagt habe ich nie daran gedacht, daß sich jemand
für meine Texte interessieren könnte. Die sind sowieso nicht
besonders toll, viel Persönliches eben. Außerdem sind sie so
simpel, daß die eigentlich jeder verstehen kann.

Ach ja? Australisches Englisch ist schon ziemlich krass...

Na gut, du hast recht. Trotzdem ist das egal, denn die
Mainstream-Musikpresse in Australien und England mag uns
sowieso nicht. Die halten uns für dumm und plump, und wenn wir
die Texte abdruckten, würde die das sicher nur noch bestätigen.
Aber eigentlich ist mir das auch scheißegal.

Halten die euch für Outback-Idioten oder was?

So ungefähr. Unsere Songs haben meist blödsinnige Texte, sind
nur Spaß, und du hast ja vorhin schon gesagt, wir würden keinen
sonderlich "politisch korrekten" Eindruck machen. So ganz stimmt
das nicht, denn als Privatpersonen verhalten wir uns durchaus
verantwortlich und respektieren alle und jeden. Wir sind absolut
keine Sexisten oder so. Doch wenn du einen Song machst, sollte
der eben ´ne klare, eindeutige Aussage haben und witzig sein, da
ist kein Platz für Subitilität. Just give it to them, and if they don´t
like it, fuck ´em!

BSE ist hier derzeit ein Riesenthema. Wie sieht das in
Australien aus, und wie stehst du als Rinderzüchter dazu?

BSE sorgt natürlich auch bei uns für große Schlagzeilen. Ich
selbst erhoffe mir davon Vorteile, denn dadurch ziehen derzeit die
Preise für Rindfleisch etwas an. Sonst verdienst du mit Rindern
und Schaffen nämlich so gut wie gar nichts. Farmer sind in
Australien wirklich die ärmsten Schweine, die von der Regierung
keinerlei Hilfe bekommen. Du mußt echt um dein Überleben
kämpfen. Naja, und da es in Australien kein BSE gibt, können wir
jetzt vielleicht nach Europa exportieren.

Ich bin Vegetarier und fühle ehrlich gesagt etwas
Schadenfreude angesichts von BSE.

Ich habe damit keine Probleme, war sogar selbst mal 18 Monate
Vegetarier.

Als Rinderzüchter???

Ja, ich hatte eine amerikanische Freundin, die Vegetarierin war,
und aus Solidarität verzichtete ich dann auch auf Fleisch. Ich
mußte dann aber damit aufhören, weil ich so schwach und krank
wurde, daß ich beinahe umgekippt bin. Ich esse nämlich keinen
Reis, bin allergisch auf Eier, und Tofu mag ich auch nicht. Also
nahm ich kaum Eiweiß zu mir, aß nur Kartoffeln. Und irgendwann
ging das eben nicht mehr. Trotzdem esse ich nicht übermäßig viel
Fleisch, ab und zu etwas Fisch und auch mal Gemüse. Nein, mit
vegetarischem Essen habe ich eigentlich keine Problem. Hehe,
aber es war natürlich eine witzige Sache, Rinder zu züchten, aber
nicht zu essen.
Ich denke mal, daß Rinderzucht in Australien schon noch was
anderes ist als hierzulande, wo die Tiere nicht grasen dürfen,
sondern in Betonboxen gesperrt werden.

Auf jeden Fall. Und es kommt auch darauf an, wie man die Tiere
behandelt. Ich habe zum Beispiel eine besondere Weide für alte
Kühe. Die habe ich schon zehn Jahre, die will keiner mehr, aber
anstatt die zum Abdecker zu bringen, lasse ich die auf der Weide
stehen, bis sie an Altersschwäche sterben. In finazieller Hinsicht
ist das natürlich nicht besonders schlau, aber ich finde, ich bin das
denen schuldig. Und so stehen die Kühe dann eben den ganzen
Tag kauend auf der Wiese. Derzeit habe ich da sechs Kühe und
zwei Bullen. Das ist mein privates Rinderaltersheim, hehe. Und
wenn sie sterben, grabe ich mit dem Bulldozer ein Loch und
schmeiße sie rein.

Da wundert es mich nicht, wenn dich deine Nachbarn für
bescheuert halten. Lebst du denn ganz allein auf der Farm?

Ja, aber ich habe derzeit mal wieder eine Freundin. Das Problem
ist, daß die es immer nicht lange mit mir aushalten. Versteh ich
auch irgendwie, denn zweimal im Jahr bin ich für Wochen auf
Tour - drei Wochen nach Europa, sechs Wochen nach Amerika -
und am Wochenende spielen wir oft in Australien. Da kommen die
Frauen nicht klar damit, die denken immer, ich sei auf Tour
ständig mit anderen Frauen am rummachen, aber das ist
Blödsinn.

So ein Rockerleben verträgt sich eben nicht mit ´ner Familie.

Ach, sag das nicht. Robbie ist verheiratet und hat vier Kinder, bei
dem klappt das. Aber er wäre natürlich auch gerne mehr mit
seinen Kindern zusammen: Sein Sohn ist 16, die anderen sind 6,
4 und 2.

Wie alt seid ihr denn?

Ich bin 34, Robbie ist 37 und Bill 39.

Ach echt? Ich hätte euch für noch älter gehalten.

Haha, nein, das reicht auch schon. Ich bin das Baby in der Band,
sehe aber am ältesten aus mit meinen grauen Haaren. Das
kommt vom vielen Bier.

Meinst du?
Naja, alles zusammengenommen. Ich bin zwar 34, habe aber
schon 68 Jahre gelebt. Zumindest fühle ich mich so.

Bei dir ist das also wie bei Hunden.

So ähnlich. Ein Menschenjahr sind sieben Hundejahre. Aber egal.
Ich werde dieses Leben wohl noch ein paar Jahre führen, denn
solange es Spaß macht und die Leute uns hören wollen, gibt es
keinen Grund aufzuhören.

Wie kamst du eigentlich dazu, Farmer zu werden?

Als ich jünger war, lebte ich sieben Jahre in Melbourne. ich war
von zuhause weggerannt, aber irgendwann hatte ich die
Schnauze voll von der Stadt. Vor sechzehn Jahren habe ich dann
die Farm von meinem Vater abgekauft, das heißt, ich zahle immer
noch und werde ihn wohl in zehn Jahren ausgezahlt haben. Ich
habe noch drei Schwestern, die wollen natürlich auch ihren Anteil
haben.

Wie groß ist die Farm denn?

So ungefähr 400 Acres. Das sind so ungefähr vier auf fünf
Kilometer.Nicht besonders viel für Australien, aber für mich
reichts. Von meiner Haustür zum Tor sind es an die zwei
Kilometer. Nicht viel, wie gesagt, aber mit dem Bulldozerfahren
reichts. Und Bulldozerfahren ist cool, denn dabei fallen mir alle
meine Songs ein. Du sitzt da oben, der Motor dröhnt, es ist laut
und heiß und ich schalte völlig ab, kann da total gut nachdenken.
Du machst mechanisch dein Arbeit, kannst mit niemandem reden,
also läßt du deine Gedanken schweifen. Tja, auf diese Weise sind
also schon ein paar Platten entstanden.

Solange der Bulldozer läuft wird es also die COSMIC
PSYCHOS geben.

Ja!
Joachim Hiller

                       © by Ox-Fanzine / Ausgabe #24 (III 1996)

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