Die Corona-Pandemie Eine Herausforderung für den Fachdienst Gesundheit - und das ganze Landratsamt - Alb-Donau-Kreis
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Schwerpunkt Corona | Gesundheit
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: 49 | Fachdienstleiter: Marc Bierkamp (kommissarisch)
Die Corona-Pandemie
Eine Herausforderung für den Fachdienst Gesundheit – und das ganze Landratsamt
N och nie in der Geschichte des
Landratsamts Alb-Donau-Kreis hat
ein Thema, eine Aufgabe die Arbeit der
und die Stadt Ulm werden voraus-
sichtlich in Ehingen und auf dem
Ulmer Messegelände sein. Das Land
Monatswechsel Februar/März ein
Bürgertelefon für Rat suchende Anru-
ferinnen und Anrufer aus dem Alb-
Kreisverwaltung so sehr geprägt, wie geht von einem landesweiten Donau-Kreis und dem Stadtkreis Ulm
die Bekämpfung des Coronavirus. Die Start der KIZ Mitte Januar 2021 aus. ein. Das Bürgertelefon wurde und wird
Arbeit im Fachdienst Gesundheit stand seither situationsangepasst weiter
und steht dabei im Mittelpunkt, mit Doch zurück zum Beginn: betrieben.
sehr viel Unterstützung durch andere Schon bevor der erste bestätigte
Fachdienste der Kreisverwaltung. Coronafall Baden-Württembergs im Erste Fälle in Ulm und im Alb-Donau-
Landkreis Göppingen in der zweiten Kreis
Deshalb haben wir den Bericht über Februarhälfte 2020 gemeldet wurde, Am 2. März gab es im Stadtkreis Ulm
den Fachdienst Gesundheit als Schwer- stand das Gesundheitsamt im Land- einen ersten bestätigten Coronafall.
punktthema weit an den Beginn des ratsamt Alb-Donau-Kreis in ständigem Es handelte sich um eine Frau, die zuvor
Jahresberichts 2020 gestellt. Austausch mit dem Robert Koch-Institut im Skiurlaub in Südtirol gewesen war
und dem Landesgesundheitsamt. und nach dem Erregernachweis auf
Das Gesundheitsamt (Fachdienst Um in einem begründeten Verdachtsfall der Infektionsstation des Universitäts-
Gesundheit) ist sowohl für den Alb-Do- schnell, angemessen und situations- klinikums Ulm aufgenommen wurde.
nau-Kreis, wie für den Stadtkreis Ulm zu- angepasst handeln zu können, hatten
ständig, und damit für mehr als 320.000 sich der Fachdienst Gesundheit, Kliniken, Am 4. März wurden auch die ersten
Einwohnerinnen und Einwohner. Rettungsdienst und Ärzteschaft in drei Infektionsfälle aus dem Alb-
Ulm und im Alb-Donau-Kreis in Donau-Kreis gemeldet, aus Langenau
Hohe Dynamik des Geschehens – den Wochen zuvor intensiv auf die und Dornstadt. Auch diese waren
intensive Vorbereitungen notwendigen Maßnahmen vorbereitet. Urlaubsrückkehrer. Für alle wurde
Zu Beginn des Jahres 2020 war noch Das Landratsamt richtete ab dem häusliche Quarantäne angeordnet.
nicht absehbar, welche Dynamik die
Pandemie in Deutschland und auch in
unserer Region entfalten würde. Das
sollte sich dann sehr schnell ändern.
Führt man sich vor Augen, wo wir
am Jahresende 2020 stehen, wird die
Dynamik besonders deutlich. Nachdem
Impfstoffe gegen das Coronavirus
nun unmittelbar in Aussicht stehen,
liefen bei Redaktionsschluss Anfang
Dezember zeitgleich die Vorberei-
tungen des Landes für die Zentralen
Corona-Impfzentren (ZIZ), wie auch
für die Kreisimpfzentren (KIZ). Eines
der ZIZ des Landes entsteht unter der
organisatorischen Regie des DRK,
mit Start ab Mitte Dezember, auf dem
Ulmer Messegelände. Die Standorte Reges Medieninteresse bei der Pressekonferenz im Haus des Landkreises am 3. März 2020, nach dem ersten
für die KIZ für den Alb-Donau-Kreis bestätigten Corona-Fall im Stadtkreis Ulm.
Jahresbericht 2020
18Gesundheit | Schwerpunkt Corona
Die Zusammenarbeit zwischen dem
Landratsamt als Gesundheitsbehörde
und den Ortspolizeibehörden hatte
sich im Frühjahr schnell gut eingespielt,
auch dank eines regelmäßigen
Informationsaustausches.
Darüber hinaus übernehmen die
Städte und Gemeinden im Wege der
Amtshilfe Teile der Kontaktpersonen-
Nachverfolgung. So kümmert sich das
Gesundheitsamt im Landratsamt um
die Kontaktpersonen-Nachverfolgung
bei Ausbrüchen in Pflegeheimen,
Anfang März 2020 (noch ohne die später eingeführte Maskenpflicht): Der Krisenstab des Landratsamts trifft Schulen, Kitas, Kliniken oder Einrich-
sich unter Vorsitz des Ersten Landesbeamten Markus Möller (2.v.r.) tungen für Menschen mit Behinde-
rungen. Bei einzelnen Coronafällen
Anfang März wurde im Landratsamt Zusammenarbeit mit Städten und übernimmt diese Aufgabe die jeweilige
ein Krisenstab aus den verschiedenen Gemeinden Ortspolizeibehörde der Wohnsitzge-
Fachdiensten der Kreisverwaltung meinde. Diese Aufgabenteilung läuft
unter der Leitung des Ersten Landes- Mitentscheidend für eine effektive auch aktuell weiter.
beamten Markus Möller eingerichtet. Pandemiebekämpfung war von Anfang
an auch die Zusammenarbeit mit
Der Krisenstab unterstützte das den Städten und Gemeinden im Alb-
Gesundheitsamt und koordinierte Maß- Donau-Kreis. Bei der In-Quarantäne-
nahmen für den Bevölkerungsschutz. setzung (schriftliche Anordnung der
Außerdem half er bei der Sicherstellung Isolierung und später der Entisolierung)
eines abgestimmten Vorgehens auf von Personen, die an Corona erkrankt
allen Ebenen der Verwaltung unter sind, nehmen sie einen gewichtigen Teil
Einschluss der Stadt Ulm. Vertreter der der Infektionsschutzmaßnahmen wahr.
Stadt Ulm, von Feuerwehr und Kata
strophenschutz waren im Krisenstab
mit anwesend.
Am 17. März schlossen die Dienst-
stellen der Kreisverwaltung für den
öffentlichen Publikumsverkehr. Die
Dienststellen sind seither per Telefon,
E-Mail und Post erreichbar sowie für
Kundinnen und Kunden mit vorheriger
Terminvereinbarung. So konnte
beispielsweise die KFZ-Zulassungsstelle
über die ganzen Monate hinweg Telefonkonferenz zwischen Landrat Heiner Scheffold und den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern
ihren Service aufrechterhalten. (links Bernd Mangold, Bürgermeister von Berghülen und Kreisverbandsvorsitzender des Gemeindetags).
Jahresbericht 2020
19Schwerpunkt Corona | Gesundheit
Zusammenarbeit der Akteure in der
Pandemiebekämpfung
Ebenso bedeutsam war von Beginn an
die Zusammenarbeit mit der Kreisärz-
teschaft, den Kliniken und dem DRK.
Aus dem im Frühjahr 2020 regelmäßig
bei Landrat Heiner Scheffold tagenden
Runden Tisch ging zum Beispiel das
Klinik-Dashboard für die Region hervor
(siehe dazu den entsprechenden
Abschnitt). Gleiches gilt für die von der
Kassenärztlichen Vereinigung betriebe-
nen Drive-In-Stationen für Coronatests
in Ulm und Ehingen. Erste Vorbereitun-
gen für die Einrichtung der Stationen
hatte der Krisenstab im Landratsamt
bereits vorher auf den Weg gebracht. Das DRK-Testmobil vor dem Landratsamtsgebäude in Ulm.
dem Landratsamt Alb-Donau-Kreis Schutzausrüstung anfänglich schwer
unter der Gesamtleitung von Andreas zu bekommen
Rost, dem regionalen Pandemiebeauf- Angesichts der weltweit hohen Nach-
tragten der KVBW. Für die Infrastruktur frage nach medizinischer Schutzaus-
der Drive-In-Stationen, wie beispiels- rüstung, wie FFP2-Masken, bestanden
weise Container, Ausschilderungen anfänglich erhebliche Lieferschwierig-
und Sicherheitspersonal, sorgten das keiten, sowohl auf Seiten des Landes,
Landratsamt bzw. die Städte Ulm wie auch – im Rahmen ihrer Eigen-
und Ehingen. Die Stationen wurden verantwortung – bei den Kassenärzt-
bis in den Juni hinein betrieben und lichen Vereinigungen.
anschließend durch das Angebot der
Corona-Schwerpunktpraxen ersetzt, das
Drive-In-Station in Ehingen; bei der Vorstellung der durch die KVBW auch in Ulm und im
Corona-Testabläufe für die Medien im März 2020. Alb-Donau-Kreis auf- und ausgebaut
wurde.
Corona-Teststationen der
Ärzteschaft Außerdem gab es bereits zuvor das
An den Standorten Ehingen (Festplatz „Test-Mobil“: Damit wurden vorrangig
am Stadion) und Ulm (Messegelände/ Personen in häuslicher Isolierung
Volksfestplatz) nahmen am 20. März angefahren, die nicht mobil waren und
2020 zwei Abstrichstationen für Corona- deshalb nicht zu einer Drive-In-Station
Tests den Betrieb auf. Dies war eine fahren konnten.
gemeinschaftliche Aktion von Kreis-
ärzteschaft, DRK, der Kassenärztlichen Beim Landratsamt wird Persönliche
Vereinigung (KVBW), dem Gesund- Schutzausrüstung an medizinische und pflegerische
heitsnetz Süd, in Abstimmung mit Einrichtungen ausgegeben (Frühjahr 2020).
Jahresbericht 2020
20Gesundheit | Schwerpunkt Corona
Der Landkreis konnte dann am 3. April Was wir brauchen, sind Herz und Verstand: Kliniken in der Region schließen sich
2020 beginnen, erste Lieferungen des Herz, um solidarisch, verantwortungs- zu regionalem Netzwerk zusammen
Landes an persönlicher Schutzausrüs- bewusst und mitfühlend miteinander Anfang April 2020 war es soweit:
tung (PSA) für medizinisches Personal umzugehen, um sozial zu handeln, auch Die Kliniken in Ulm, im Alb-Donau-Kreis
zu verteilen. Einen Teil davon ging wenn wir bei unseren sozialen Kontakten und im Landkreis Neu-Ulm hatten ein
zunächst an die Kliniken im Alb-Donau- auf Abstand gehen. Und wir brauchen gut funktionierendes regionales Netz-
Kreis. Die Abgabe des dringend Verstand, um die richtigen Entscheidungen werk aufgebaut, um ihre vorhandenen
erwarteten Materials an medizinische zu treffen, um angemessen und mit Kapazitäten während der Coronavirus-
und pflegerische Einrichtungen Augenmaß zu handeln. Vergessen wir nie: Pandemie bestmöglich zu nutzen.
erfolgte wenige Tage später durch die Wir sind eine Gemeinschaft, in der jedes
Kreisverwaltung. Im weiteren Verlauf Leben zählt! Wir versichern Ihnen: Unser Ziel war, die Behandlungskapazitäten
des Frühjahrs entspannte sich die Staat wird auch weiterhin funktionieren. klinikübergreifend zu erfassen und
Versorgungssituation bei der Schutz- Die Versorgung der Bevölkerung ist sicher- zu koordinieren. Dies geschieht bis
ausrüstung. gestellt. Die Region verfügt über eine heute mit einer Übersichtsplattform,
gesundheitliche Versorgung auf höchstem einem sogenannten Dashboard, das
Kurz vor dem strengen Lockdown im Niveau. (…) Wir versprechen Ihnen: täglich aktualisiert wird. Als Klinikum
Frühjahr Unsere Verwaltungen werden weiterhin der Maximalversorgung für die Region
Zu Beginn des ersten Lockdowns am ihren Beitrag zur Bewältigung der Krise koordiniert das Universitätsklinikum
21. März wandten sich die Landräte leisten. (…) Ulm die Kooperation. Dessen Ärztlicher
Heiner Scheffold (Alb-Donau-Kreis), Direktor und Vorstandsvorsitzender,
Thorsten Freudenberger (Landkreis Insbesondere danken wir in diesen Tagen Professor Dr. Udo X. Kaisers, und Land-
Neu-Ulm) sowie die Oberbürgermeister den haupt- und ehrenamtlichen Kräften rat Heiner Scheffold (Alb-Donau-Kreis)
von Ulm und Neu-Ulm, Gunter Czisch in unseren Blaulichtorganisationen sowie hoben die besondere Bedeutung dieser
und Gerold Noerenberg in einem allen Beschäftigten in den Betrieben, die regionalen und grenzüberschreitenden
gemeinsamen Appell via Tagespresse an derzeit unsere Grundversorgung sichern. Kooperation hervor.
die Öffentlichkeit. Daraus einige Zitate: Dafür ein herzliches Dankeschön!“
„ ‚Es ist ernst‘ – dieser Einschätzung der
Bundeskanzlerin zur Corona-Krise ist
nichts hinzuzufügen. Darum gelten in
Baden-Württemberg und Bayern seit
heute weitreichende Ausgangsbeschrän-
kungen. Die Verbote werden uns alle mit
einer Wucht treffen, wie die allermeisten
von uns es bisher noch nie erlebt haben.
Für einen demokratischen Rechtsstaat ist
dieser Eingriff in die Bewegungsfreiheit
Foto: Universitätsklinik Ulm
die Ultima Ratio, ein letzter Lösungsweg,
um die von dem Coronavirus ausgehende
Gefahr einzugrenzen. Jetzt müssen sich
alle, wirklich alle von uns daran halten.
Es kommt nun auch auf Sie ganz persön-
lich an! (…) Die Universitätsklinik Ulm koordiniert das regionale Klinik-Dashboard.
Jahresbericht 2020
21Schwerpunkt Corona | Gesundheit
An dem Projekt beteiligen sich, neben Um die Versorgung der Covid-19- Hinzu kommen befristet Beschäftigte,
dem Universitätsklinikum Ulm, das BWK Patientinnen und -Patienten weiter zu Beschäftigte des Landes und 10
Ulm, das Alb-Donau-Klinikum mit sei- verbessern, wurde auch den Rettungs- Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für
nen Standorten Blaubeuren, Ehingen diensten Zugriff auf das gemeinsame das Kontaktpersonenmanagement.
und Langenau, die RKU, die Agaplesion Dashboard ermöglicht. Auf diese Das ständige Personal des Gesund-
Bethesda Klinik Ulm sowie die Kliniken Weise haben die Rettungsteams einen heitsdienstes im Landratsamt wurde
der Kreisspitalstiftung Weißenhorn in Überblick darüber, welche Klinik wie gegenüber dem Jahresbeginn 2020
Neu-Ulm und Weißenhorn. viele Kapazitäten für Patienten frei hat. in etwa verdoppelt.
Das Dashboard bildet eine gemeinsame Diese Form der regionalen Zusam- Ergänzend hinzu kommt ein Personal-
Kapazitäten-Liste ab, die zeigt, in menarbeit erleichtert somit nicht nur Stufenkonzept, mit dessen Hilfe
welcher Klinik zum jeweiligen Zeitpunkt die Arbeit der einzelnen Kliniken, Beschäftigte aus anderen Bereichen
wie viele Covid-19-Patientinnen sondern unterstützt auch die Arbeit der Kreisverwaltung abgezogen
und -Patienten auf den Normal- und der Rettungsdienste in hohem Maße. werden können, um den Fachdienst
Intensivstationen versorgt werden. Der Leitende Ärztliche Direktor und Gesundheit personell weiter zu
Hier kann außerdem abgelesen werden, Vorstandsvorsitzende des Universi- verstärken.
wie viele freie Betten auf diesen tätsklinikums Ulm, Professor Dr. Udo
Stationen für Betroffene zur Verfügung X. Kaisers, betonte: „Unser regionales Dieses Konzept ermöglicht es, je
stehen. Auf diese Weise können Netzwerk und das gemeinsame nach Infektionsgeschehen flexibel und
Behandlungskapazitäten für Covid-19- Dashboard ermöglichen uns nun, unsere situationsangepasst reagieren zu
Patienten optimal vorbereitet und Kapazitäten bestmöglich an die können.
bereitgestellt sowie Patientinnen und Behandlungsbedarfe der an COVID-19
Patienten zielgerichtet zugeführt erkrankten Patientinnen und Patienten Alles in allem kommen wir mit den
und verlegt werden. der Region anzupassen, ohne die Neueinstellungen sowie mit dem
weiterhin erforderliche Therapie anderer unterstützenden Personal aus dem
Landrat Heiner Scheffold sagte zu Erkrankungen dabei zu vernachlässigen.“ Stufenkonzept und dem Bürgertelefon
dieser Zusammenarbeit: „Wir sind in auf über 100 Vollzeitäquivalente von
unserer Region, was die Kliniken Personalaufstockung und Unterstüt- Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
angeht, medizinisch außerordentlich zung durch Personal-Stufenkonzept die im Bedarfsfall in Spitzensituationen
gut aufgestellt. Mit dem Dashboard unmittelbar oder mittelbar für den
und bei der Ausweitung der Behand- Das Arbeitsvolumen im Fachdienst Fachdienst Gesundheit tätig sein
lungskapazitäten denken wir regional, Gesundheit bewegt sich seit Beginn können.
stimmen uns ab und ziehen für die der Corona-Pandemie kontinuierlich
betroffenen Menschen an einem auf sehr hohem Niveau. Das Landrats
Strang. Diese Kooperation endet nicht amt Alb-Donau-Kreis reagierte im
an der Landesgrenze.“ späten Frühjahr 2020 mit einem umfas-
senden Personalkonzept zur Stärkung
des Fachdienstes Gesundheit auf die
Dynamik des Pandemiegeschehens
und die wachsende Aufgabenfülle.
Für den „Corona-Normalbetrieb“ wurde
der Öffentliche Gesundheitsdienst im
Landratsamt um 19 Dauerstellen auf-
gestockt.
Jahresbericht 2020
22Gesundheit | Schwerpunkt Corona
Kommissarische Leitung des Gesundheitsamts
Überdies hat das Land 2,5 zusätzliche
Arztstellen für das Gesundheitsamt
im Landratsamt zugesagt. Diese sind
N achdem die bisherige Fachdienst-
leiterin Dr. Barbara Unger zum
September das Landratsamt verlassen
derzeit noch nicht vollständig besetzt. hatte, um neue Aufgaben wahrzu-
Gerade mit Blick auf die „zweite Welle“, nehmen und der stellvertretende
die nach Ende der Schulferien im Fachdienstleiter Dr. Matthias Freuden-
September einsetzte, ist diese Perso- mann Ende August in den Ruhestand
nalstrategie unbedingt notwendig getreten war, sorgte Landrat Heiner
und hilfreich. Scheffold für eine gut funktionierende
Interimslösung.
Da vom Land bislang nicht im erforder-
lichen Umfang Ärzte gestellt werden Bei der Leitung des Gesundheitsamtes
konnten, ist das Landratsamt Alb-Donau- bzw. seinem Stellvertreter handelt
Kreis ergänzend initiativ geworden es sich um Bedienstete des Landes.
und konnte dabei Erfolge verzeichnen: Trotz mehrerer Ausschreibungen
So wurden ehemalige Amtsärztinnen konnte das Ministerium für Soziales
und Amtsärzte temporär reaktiviert. und Integration noch keine Nachfol-
Zudem konnten zeitlich befristet Ärzte gerin oder Nachfolger gewinnen.
Ganz kurz mal ohne Maske:
vom BAD Gesundheitsvorsorge und Die Bemühungen dauern an. Marc Bierkamp (l.) und Christoph Bauer.
Sicherheitstechnik GmbH gewonnen
werden. Zur Bewältigung des enormen Arbeits- Landrat Heiner Scheffold entschied
aufkommens im Zusammenhang mit deshalb, ab dem 14. September 2020
Darüber hinaus wurden Anfragen der Bekämpfung des Coronavirus war mit Marc Bierkamp einen erfahrenen
bei der Landesärztekammer gestellt es aber zwingend erforderlich, dass Fachdienstleiter des Landkreises
und Bundeswehrärzte in Amtshilfe der Fachdienst bestmöglich weiter- kommissarisch die organisatorische
für den Bereich des Gesundheitsamts geführt wird. Leitung des Fachdienstes Gesundheit
Alb-Donau-Kreis über das Sozialmi zu übertragen.
nisterium beantragt. Außerdem wurde
um ärztliche Unterstützung beim Marc Bierkamp verfügt über eine
Universitätsklinikum Ulm und beim langjährige Führungserfahrung.
Alb-Donau-Klinikum angefragt. Durch die Fachdienstleitung in der
Flurneuordnung ist er versiert im
Aktuell wird das Personalstufenkonzept Umgang mit verschiedenen Fachleuten
umgestellt auf eine „Kernmannschaft“ und Experten.
sowie rund 50 Vollzeitäquivalente an
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Im Rahmen einer Abordnung verstärkt
in einem rollierenden System eingesetzt das Ministerium für Soziales und Inte-
werden. gration die medizinische Kompetenz
in der Leitungsebene durch den Leiter
des Fachbereichs Gesundheit des
Landkreises Heidenheim, Christoph
Bauer.
Jahresbericht 2020
23Schwerpunkt Corona | Gesundheit
„Zweite Welle“ der Corona-Ausbreitung im Herbst –
Infektionsgeschehen diffuser, deutlich mehr Kontaktpersonen
N ach einer Beruhigung der Situation
ab dem Frühsommer 2020 mit
rückläufigen und geringen Infektions-
Corona-Infektionszahlen im Alb-Donau-Kreis und im Stadtkreis Ulm
(kumuliert), März bis Dezember 2020
zahlen machte sich die viel zitierte 3000
Quelle: Gesundheitsatlas Baden-Württemberg / Landesgesundheitsamt
„zweite Welle“ mit stark steigenden
Infektionen nach Ende der Schulferien 2500
deutlich bemerkbar, vor allem mit
Beginn der kälteren Jahreszeit im Laufe 2000
des Oktobers.
1500
Die „zweite Welle“, der bundesweit
ab Anfang November mit einem
1000
„Lockdown light“ begegnet wurde,
unterschied sich grundlegend von der
ersten im Frühjahr. Für den Fachdienst 500
Gesundheit wurde die Arbeit noch
umfangreicher und anspruchsvoller. 0
März April Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt. Nov.
n Das Infektionsgeschehen ist
wesentlich diffuser, es streut mehr – Alb-Donau-Kreis
auch in den Städten und Ulm
Gemeinden im Landkreis.
n Im Frühjahr waren die Infektions- n Pflegeheime, Schulen, Kitas, Corona im Alb-Donau-Kreis und Ulm
ketten durch den Lockdown, auch Einrichtungen für Menschen mit ADK Ulm
in den Schulen, und die strengen Behinderungen sind deutlich Covid-19 Fälle (kumuliert) 3.458 2.533
Kontaktbeschränkungen limitiert. stärker betroffen. Der Schutz
Genesene (kumuliert) 2.856 2.130
Die Zahl der Kontaktpersonen je vulnerabler Gruppen rückte dabei,
Todesfälle 81 29
Indexfall (eine an Corona erkrankte gerade mit Blick auf die Pflege-
Stand: 17.12.2020
Person) ist in der „zweiten Welle“ heime, noch stärker in den Vorder-
deutlich höher. Waren es in der grund des Infektionsschutzes. Zwischenzeitlich waren dort mehr als
„ersten Welle“ im Frühjahr vielfach 40 Todesfälle zu beklagen. Dazu muss
weniger als zehn, so sind es jetzt oft Das Arbeitspensum im Gesundheitsamt, gesagt werden, dass viele der schwer
zwischen 30 bis zu 100 Personen. auch in den Städten und Gemeinden erkrankten Hochbetagten oder ihre
(Ortspolizeibehörden) ist dadurch sehr Angehörigen es ablehnten, zur weiteren
stark gestiegen, gerade was die Kontakt- Behandlung in ein Krankenhaus zu
personen-Nachverfolgung angeht. kommen, sondern in ihrer Einrichtung
bleiben wollten.
Das Geschehen in den Pflegeheimen
rückte auch in den Medien stark in den Das Gesundheitsamt stand ständig
Fokus. Im Alb-Donau-Kreis und in Ulm und sehr eng in Kontakt mit den
waren Ende November zeitweise 12 betroffenen Heimen, die im Übrigen
Pflegeheime durch Coronafälle bei Be- eigene Pandemiepläne vorhalten und
wohnern und Mitarbeitenden betroffen. anwenden müssen.
Jahresbericht 2020
24Gesundheit | Schwerpunkt Corona
Hilfe von DRK und Bundeswehr Resümee
zum Jahresende 2020
und Soldaten der Bundeswehr dar. Corona ist ein Kraftakt. Für die Gesell-
Seit dem 23. Oktober 2020 arbeiten schaft als Ganzes, für ihren Zusammen-
schichtweise je 12 Bundeswehrange- halt, aber auch für die Mitarbeiterinnen
hörige im Landratsamt. und Mitarbeiter im Gesundheitsamt
und in der gesamten Kreisverwaltung,
Sie sind bei der Isolierung oder Entiso- gleich welche berufliche Qualifikation
lierung von Covid-19-Fällen und deren sie haben und an welcher Stelle sie
Kontaktpersonen tätig. Die „Kolleginnen in der Pandemiebekämpfung wirken.
und Kollegen in Uniform“ gehören Der Verantwortungsdruck für alle ist
derzeit fast schon zum vertrauten Bild spürbar.
im 2. Stock des Landratsamtsgebäudes.
Corona ist aber auch ein „Kraftmacher“.
Bundeswehrsoldaten im Landratsamt – Rund 30 Angehörige des DRK unter- Denn es hat sich in den letzten
Unterstützung für das Gesundheitsamt. stützen seit dem 21. Oktober im Monaten gezeigt, dass die Synergien
Schichtdienst das Gesundheitsamt in in der großen Kreisverwaltung voll zur
E ine große Hilfe stellt die Unterstüt-
zung durch ehrenamtliche Helferin-
nen und Helfer des DRK und Soldatinnen
der Kontaktpersonen-Nachverfolgung
und bei anderen Aufgaben. Sie erledi-
gen das von ihrem DRK-Sitz in Ulm aus.
Wirkung kommen. Die Unterstützung
des Gesundheitsamts durch Mitarbei-
tende aus anderen Fachdiensten des
Hauses, die engagierte Arbeit in den
„Querschnittsdiensten“, etwa in den
Großes Informationsbedürfnis der Bevölkerung Fachdiensten für das Personalwesen,
für Finanzen und Liegenschaften, oder
für die Kommunikationstechnologie
D as Interesse der Bevölkerung an
Informationen rund um das
Coronavirus ist anhaltend groß. Mit
– all das ist weit mehr als das übliche
„Tagesgeschäft“.
dem Corona-Bürgertelefon des Land- Dass die Pandemie auch in den
ratsamts, aktuellen Informationen anderen Fachdiensten deren originäre
auf der Webseite oder über die Social Arbeit stark beeinflusst und zu krea-
Media-Kanäle des Landratsamts leistet tiven Lösungen zwang, das wird in
die Kreisverwaltung ihren Teil für die diesem Jahresbericht deutlich. Für die
Informations- und Öffentlichkeitsarbeit. Bürgerinnen und Bürger ist durch die
Pandemie noch deutlicher geworden,
Das Corona-Dashboard auf der Webseite des Alb-
Seit Ende Oktober gehört dazu auch Donau-Kreises stößt auf sehr reges Interesse. wie wichtig das Landratsamt und die
ein Corona-Dashboard im Themen- Kommunalverwaltungen der Städte und
schwerpunkt Corona auf der Alb-Do- Gemeinden für die Versorgung und
nau-Kreis-Webseite (www.alb-donau- den Schutz der Bevölkerung ist.
kreis.de). Das ist eine tagesaktuelle
interaktive grafische und kartografische
Übersicht zu Coronafällen im Alb-
Donau-Kreis, seinen 55 Kommunen
und in der Stadt Ulm.
Jahresbericht 2020
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