Energieeffizienz mit elektrischen Antrieben - Fachverband Automation - ZVEI

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Energieeffizienz mit elektrischen Antrieben - Fachverband Automation - ZVEI
Energieeffizienz mit
elektrischen Antrieben

              Fachverband Automation
Energieeffizienz mit elektrischen Antrieben - Fachverband Automation - ZVEI
Impressum
Energieeffizienz mit
elektrischen Antrieben
Herausgeber:
ZVEI - Zentralverband Elektrotechnik-
und Elektronikindustrie e. V.
Fachverband Automation
Fachbereich Elektrische Antriebe
Lyoner Straße 9
60528 Frankfurt am Main
Telefon: +49 69 6302-377
Fax: +49 69 6302-279
E-Mail: antriebe@zvei.org
www.zvei.org
Verantwortlich:
Gunther Koschnick
Bernhard Sattler
Fachbereich Elektrische Antriebe
Redaktion:
Michael Burghardt, Sylvia Blankenhagen, Gregor Dietz,
Fred Donabauer, Prof. Martin Doppelbauer, Lutz Schube,
Thorben Steinmann, Eva-Maria Wagner, Claus Wieder,
Yasar Yûce
November 2017
Trotz größtmöglicher Sorgfalt übernimmt der ZVEI
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sowie der Übersetzung, sind vorbehalten.
Energieeffizienz mit elektrischen Antrieben - Fachverband Automation - ZVEI
Inhaltsverzeichnis

              1		 Vorwort: Energieeffizienz hat oberste Priorität           4

              2		 Stromverbrauch in Industrie und Antriebstechnik           5

              3		 Energieeffizienz im Antriebssystem                        6

              4		 IE-Code: weltweite Vereinheitlichung durch die Normung   14

              5		 Gesetzliche Vorgaben in Europa                           21

              6		 Weltweite Vorschriften                                   23

              7		 Best-Practice-Anwendungen mit Einsparpotenzial           25
Energieeffizienz mit elektrischen Antrieben - Fachverband Automation - ZVEI
1 Vorwort: Energieeffizienz hat oberste Priorität

Der politische Wille, Energieeffizienz zu beschleunigen, ist spürbar und beim Blick auf die Lebenszykluskosten auch sinnvoll.
Mit dieser Broschüre sollen die Energieeinsparpotenziale elektrischer Antriebe und Antriebssysteme aufgezeigt werden.
Sie gibt einen Überblick, wie internationale Normen Transparenz für die Energieeffizienz schaffen und Grundlage für die
Gesetzgebung in der Antriebstechnik sind.

                               Das von der Europäischen Kommission (EK)          Zur Zielerreichung 2030 setzt die Kommission
                               am 30. November 2016 veröffentlichte Paket        verschiedene Instrumente ein. Vor allem die
                               „Clean Energy for All Europeans“ gibt den         Ökodesign-Richtlinie – die Umweltwirkungen
                               Rahmen für die Zeit 2021 bis 2030 vor und         von energieverbrauchsrelevanten Produkten
                               macht damit einen wichtigen Schritt, die Ener-    unter Berücksichtigung des gesamten Lebens-
                               gieversorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und      wegs im Fokus hat – ist von großer Relevanz
                               Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu stärken.      für die elektrische Antriebstechnik, da sie
                               Die Kommission verfolgt mit ihren insgesamt       gesetzliche Anforderungen festschreibt.
                               acht Gesetzesvorschlägen folgende drei Ziele:
                               • Energieeffizienz als oberste Priorität,
                               • Förderung von erneuerbaren Energien
                               • und ein faires Angebot für Verbraucher.

                               Um die hohe Priorität von Energieeffizienz
                               verbindlich zu gestalten, hat die Kommission
                               das Ziel von 30 Prozent Energieeinsparung bis
                               2030 vorgegeben (Basis 2005). Dies ist ein
                               wichtiges politisches Signal, um weitere Ener-
                               gieeffizienzmaßnahmen anzuregen. Die Revi-
                               sion der Energieeffizienzrichtlinie rückt die
                               Steigerung der Energieeffizienz noch stärker
                               als bisher in den Fokus und erfüllt damit eine
                               wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche
                               Energiewende. Sie hilft, die Energiekosten zu
                               senken sowie die Versorgungssicherheit zu
                               verbessern und löst erhebliche Investitionen
                               für die Wirtschaft aus. Zudem trägt sie wesent-
                               lich zum Klimaschutz bei.

                                                              4
Energieeffizienz mit elektrischen Antrieben - Fachverband Automation - ZVEI
2 Stromverbrauch in Industrie und Antriebstechnik

Im Jahr 2016 war die Industrie mit einem Anteil von 47 Prozent am Gesamtverbrauch der größte Stromverbraucher in
Deutschland (Abb. 1). Rund 250 TWh (250 Mrd. kWh) Strom hat die Industrie in diesem Jahr verbraucht. Davon entfielen
rund 70 Prozent oder 175 TWh auf den Energieverbrauch von elektromotorischen angetriebenen Systemen.1

                                         In Deutschland besitzen elektrische Antriebs-                           • Bei Elektromotoren mit höherem Wir-
                                         systeme ein bedeutendes Einsparpotenzial in                               kungsgrad lässt sich der Energiebedarf
                                         Höhe von 33 TWh Strom. Rund fünf Milliarden                               signifikant senken. Ein IE3-Motor mit
                                         Euro an Energiekosten ließen sich jährlich ein-                           75 kW Leistung ist mit einem Wirkungs-
                                         sparen durch den Einsatz der elektronischen                               grad von 95,7 Prozent beispielsweise
                                         Drehzahlregelung mittels Drive Controller                                 1,7 Prozent effizienter als ein leistungs-
                                         (26 TWh) und durch die Reduzierung der Ver-                               gleicher IE2-Motor (94,0 Prozent). Die
                                         lustleistung bei Energiesparmotoren (7 TWh).                              höhere Effizienz ergibt bei 6.000 Betriebs-
                                                                                                                   stunden 30 Prozent weniger Verluste
                                         Lebenszyklusbetrachtungen zeigen                                          sowie Einsparungen von rund 1.276 Euro
                                         Nutzen auf                                                                pro Jahr.
                                         Die folgenden zwei Beispiele verdeutlichen
                                         sehr gut den Nutzen, den Energiesparmo-                                 • In einer Absauganlage wird ein Lüfter mit
                                         toren und die elektronische Drehzahlregelung                              7,5 kW Nennleistung eingesetzt. Wird der
                                         durch Drive Controller den produzierenden                                 Förderstrom nicht mechanisch gedrosselt,
                                         Unternehmen bringen (Grundlage: Strompreis                                sondern über einen drehzahlgeregel-
                                         15 ct/kWh).                                                               ten Drehstrommotor an die tatsächlich
                                                                                                                   benötigte Menge angepasst, lassen
                                                                                                                   sich bei 4.000 Betriebsstunden pro Jahr
   Abb. 1: Stromverbrauch in Deutschland                                                                           1.260 Euro Stromkosten einsparen.
   (2016: 525 Mrd. kWh)
                                                   Verkehr
                                                     2%                                                       Weitere Beispiele werden im Kapitel 7 Best-
                                                                                                              Practice-Anwendungen mit Einsparpotenzial
                                                                                         Industrie            dargestellt.
                                                                                          47 %
                                                                                                              Der Einsatz neuer innovativer, energiespa-
   Gewerbe, Handel,                                                                                           render Technik rechnet sich über den Lebens-
   Dienstleistungen                                                                                           zyklus. In der Industrie wird allerdings noch
          26 %                                                                                                ein großer Anteil Motoren verwendet, die die
                                                                                                              Anforderungen an die heutigen Wirkungs-
                                                                                                              gradklassen nicht erfüllen und vergleichs-
                                                                                                              weise viel Energie verbrauchen. Ziel muss es
                                                                                                              daher sein, diesen industriellen Bestand so
             Haushalt
               25 %                                                                                           rasch wie möglich zu modernisieren. Lebens-
                                                                                                              zyklusbetrachtungen, Förderprogramme und
                                                                                                              gesetzliche Regelung sind Instrumente, die
   Quelle: BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft                                               diesen Prozess beschleunigen.

                                         1
                                             Bauernhansel, Mandel, Wahren, Kasprowicz, & Miehe, Energieeffizienz in Deutschland, Mai 2013

                                                                                     5
Energieeffizienz mit elektrischen Antrieben - Fachverband Automation - ZVEI
3 Energieeffizienz im Antriebssystem

Neben den Einsparpotenzialen, die durch die Auslegung der elektrischen Antriebssysteme gehoben werden können, liegt das
größte Energieeinsparpotenzial in der Optimierung der angetriebenen Maschine (z. B. Pumpe, Lüfter, Kompressor): in der mecha-
nischen Systemoptimierung (Abb. 2). Im Nachfolgenden wird nur der Bereich der elektrischen Antriebstechnik näher betrachtet.

                                    Abb. 2: Einsparpotenziale bei elektronisch angetriebenen Systemen

                                     Einsparpotenzial bei                                 Einsparpotenzial
                                     elektromotorisch angetriebenen                       in %
                                     Systemen
                                     1. Vermehrter Einsatz von Energiesparmotoren                         10 %

                                     2. Elektronische Drehzahlregelung                                    30 %

                                     3. Mechanische Systemoptimierung                                     60 %

                                     Summe                                                               100 %
                                       Quelle: Save-Berichte der EU

                                    Der komplette Antriebsstrang im Fokus           Einige Anwendungen mit fester Drehzahl
                                    Elektrische Antriebssysteme bestehen im We-     benötigen keinen Drive Controller, sondern
                                    sentlichen aus folgenden Komponenten:           lediglich einen Schütz zum Ein- und Ausschal-
                                    • einem Gerät zur Ansteuerung der Motoren       ten des Motors oder einen Sanftstarter für
                                      aus dem elektrischen Netz, üblicherweise      den sanften Motoranlauf. In anderen Anwen-
                                      einem Schütz, Sanftstarter oder Frequenz-     dungen, beispielsweise Pumpen, kann mit der
                                      umrichter (Drive Controller);                 hohen Drehzahl des Elektromotors gearbeitet
                                    • einem Elektromotor, der elektrische in        werden, sodass das Getriebe entfällt.
                                      mechanische Leistung umwandelt;
                                    • einem Getriebe, das die mechanische
                                      Leistung des Motors an den Arbeits-
                                      punkt der Arbeitsmaschine anpasst
                                      (siehe auch Abb. 3).

                     Abb. 3: Schematischer Aufbau eines Antriebsstrangs

                     Quelle: ZVEI

                                                                      6
Drive Controller (Frequenzumrichter)             Die zentrale Aufgabe eines Drive Controllers
Zur Regelung eines Drehstrommotors müssen        ist es, die Motordrehzahl zu regeln, sodass
Frequenz und Spannungshöhe am Motor mit-         quasi von einem variablen elektronischen
tels eines Drive Controllers verändert werden.   Getriebe gesprochen werden kann. Je nach
                                                 Prozessbedarf kann die Motordrehzahl redu-
Drive Controller werden für alle Leistungen –    ziert und damit genau so viel Energie aus dem
von wenigen Watt bis zu vielen Megawatt –        Netz aufgenommen werden, wie gerade benö-
angeboten. Sie sind in ihren Eigenschaften       tigt wird.
(Antriebsverhalten, Verlustleistung, Größe) in
den letzten Jahrzehnten durch Fortschritte in    Diese Art der Prozessregelung birgt dadurch
der Mikro- und Leistungselektronik kontinu-      ein enormes Energieeinsparpotenzial und ist
ierlich verbessert worden. Der Wirkungsgrad      deutlich effizienter als beispielsweise eine
von modernen Drive Controllern liegt typi-       Drosselregelung in einer Pumpenanwendung
scherweise zwischen 96 und 98 Prozent (je        (Abb. 4).
nach Leistung) und wird unter anderem durch
die verwendeten Halbleiter und die Takt-
frequenz zu deren Ansteuerung bestimmt.

   Abb. 4: Energiebedarf bei einer Pumpenanlage:
   Vergleich Drossel- und Drehzahlregelung
   Mengenregelung über Drossel                       Mengenregelung über Drehzahl

                  Einspeiseleistung 281 %                       Einspeiseleistung 158 %

                        281 %                                          158 %
     M                     Verluste im Motor                    Verluste im Drive Controller

                        265 %                                          152 %
                      Verluste in der Pumpe
                                                       M            Verluste im Motor

                         160 %                                         142 %

                  Verluste im Drosselventil                      Verluste in der Pumpe

                     100 %                                          100 %

                  Nutzleistung                                  Nutzleistung

   Die Nutzleistung beträgt jeweils 100 % an der Pumpe. Im Falle der Drosselregelung muss
   das 2,81-Fache der Nutzleistung eingespeist werden. Bei der elektronischen Drehzahl-
   regelung hingegen ist es nur das 1,58-Fache. Die Verluste werden auf 1/3 reduziert.
   Quelle: ZVEI

                                    7
Energieeinsparpotenziale beim                        Zwischenkreiskopplung
Bremsbetrieb                                         Wird nicht nur ein Antrieb, sondern eine Viel-
Beim Betrieb mit einem Drive Controller ent-         zahl von Antrieben nebeneinander eingesetzt,
steht in einem Motor bei Bremsvorgängen              so kann die Verbindung der Zwischenkreise
generatorische Energie. Je nach Anwendung            der Drive Controller eine sinnvolle und prak-
und Auftreten dieser generatorischen Energie         tische Nutzung der Rückspeiseenergie dar-
kommt eines oder kommen mehrere der vier             stellen. Anstatt Energie aus dem Netz aufzu-
folgenden Prinzipien zum Einsatz:                    nehmen, findet in diesem Fall ein effizienter
  • Bremswiderstand                                  und direkter Energieausgleich zwischen den
  • Zwischenkreiskopplung                            Antrieben in einem Verbund statt (Abb. 6).
  • Rückspeisung                                     Voraussetzung ist, dass die rückgeführte Ener-
  • Energiespeicher                                  gie eines Antriebs unmittelbar in einem ande-
                                                     ren Antrieb wiederverwendet werden kann.
Bremswiderstand
Lange Jahre war es gängige Praxis, genera-           Dieses Grundprinzip ist sehr effektiv und
torische Energie mittels Bremswiderstände in         könnte auf größere Bereiche ausgeweitet wer-
Wärme umzuwandeln. Die Weiterleitung der             den. Aus diesem Grund gibt es aktuell das
Energie an den Bremswiderstand erfolgt mit           Forschungsprojekt „DC-INDUSTRIE – Intelli-
einem im Drive Controller an- oder eingebau-         gentes offenes DC-Netz in der Industrie für
ten Brems-Chopper. Die Umsetzung dieser              hocheffiziente Systemlösungen mit elektri-
Energie in Wärme stellt dabei einen nachteili-       schen Antrieben“. Ziel ist die Sicherung einer
gen Beitrag zur Energiebilanz dar, ist aber oft      effizienten und robusten Energieversorgung
bei einem geringen oder sporadischen Auf-            von Maschinen und Anlagen durch Gleich-
kommen von Rückspeiseenergie die einzige             spannungsnetze in Fabriken.
ökonomische Lösung (Abb. 5).

   Abb. 5: Blockschaltbild Drive Controller mit Brems-Chopper

      Netz           Gleichrichter       Zwischenkreis       Wechselrichter         Motor

                                                               =
                      ~
                                                                                    3~
                                                                     ~
                            =

                                                         Brems-Chopper

                                                         Bremswiderstand

      Quelle: ZVEI

                                     8
Abb. 6: Energieausgleich zwischen mehreren Antrieben
                       Energie-
                      ausgleich                                     DC-Zwischenkreis

                  =               =                  =             =              =

                      ~                   ~              ~             ~              ~

                  Netz
                                 Motor-           Generator-
                                 betrieb           betrieb
   Quelle: ZVEI

Rückspeisung
Mit einem Drive Controller kann die generato-             Jede Umwandlung von Energie ist verlust-
rische Energie aus der Anlage zurück ins Netz             behaftet. Daher muss im Einzelfall – abhän-
gespeist werden. Hierbei wird das Funktions-              gig von den Bremszyklen – geprüft werden,
prinzip der Netzeinspeisung in den Zwischen-              ob eine Netzrückspeisung in der jeweiligen
kreis umgekehrt, indem die gleichgerichtete               Anlage sinnvoll ist.
Zwischenkreisspannung in eine sinusförmige
Netzspannung konvertiert wird. Je nach Netz-              Energiespeichersystem
eigenschaften können block- oder sinusför-                Aufbauend auf dem Prinzip der Zwischen-
mige Rückspeisegeräte verwendet werden.                   kreiskopplung löst der Energiespeicher den
Sowohl separate Geräte als auch Kombinati-                zeitlichen Konflikt auf, dass die rückgeführte
onen aus Netzgleichrichter und Rückspeisung               Energie unmittelbar in einem anderen Antrieb
sind am Markt verfügbar (Abb. 7).                         wiederverwendet werden muss. Er stellt die

   Abb. 7: Blockschaltbild Drive Controller mit Rückspeisung
   (Zwei-Geräte-Lösung)

      Netz            Gleichrichter           Zwischenkreis      Wechselrichter           Motor

                                                                   =
                       ~
                                                                                          3~
                                                                         ~
                             =

                       ~
                             =
                   Wechselrichter
   Quelle: ZVEI

                                      9
Abb. 8: Blockschaltbild Drive Controller mit Energiekoppler und -speicher

      Netz         Gleichrichter     Zwischenkreis       Wechselrichter          Motor

                                                           =
                    ~
                                                                                 3~
                                                                 ~
                          =

                                       =             Energiekoppler

                   Energie-
                                             =
                   speicher-
                   system

                                                     Energiespeicher

   Quelle: ZVEI

Energie wieder bereit, wenn sie benötigt         Sanftstarter arbeiten nahezu verlustfrei, da sie
wird. Der Energiespeicher ermöglicht die         nach dem Anfahren des Motors wie ein Schütz
intelligente Kombination der rückgespeisten      den Motor direkt an das Netz schalten. Für
Energie mit der aufgenommenen Energie            Anwendungen mit stets voll belasteten und
und reduziert gleichzeitig die hohe kurzzei-     optimal ausgelegten Motoren ist diese Konfi-
tige Energieaufnahme aus dem Netz (Abb.          guration die energetisch bessere. Mit Blick auf
8). Hoher dynamischer Energiebedarf des          Anwendungen, bei denen sich prozessbedingt
Antriebs wird aus dem Speicher bereitgestellt,   Energie durch die Anpassung der Drehzahl
sodass alle netzseitigen Installationen einfa-   einsparen lässt, sind Drive Controller einem
cher und preiswerter werden. Zudem werden        Sanftstarter vorzuziehen, da sich bei Sanft-
hohe Bereitstellungskosten für den Bezug von     startern die Motordrehzahl nicht regeln lässt.
Spitzenleistungen vermieden. Diese monetäre      Das mit der Drehzahlregelung verbundene
Ersparnis im Betrieb der Anlage wird wirt-       Energieeinsparpotenzial können diese Geräte
schaftlich gegen den Investitionsbedarf des      also nicht heben.
Speichers betrachtet und kann ökonomisch
und ökologisch eine gute Lösung darstellen.      Motoren
                                                 Elektromotoren setzen elektrische Energie
Sanftstarter                                     hauptsächlich in mechanische Energie um,
Die Ansteuerung eines Drehstrommotors mit        und zwar in Drehzahl und Drehmoment.
einem Sanftstarter kann abhängig von der         Aufgrund ihres Wirkungsprinzips haben
Anwendung verschiedene Effekte haben: För-       Elektromotoren einen relativ hohen Wirkungs-
deranlagen fahren ruckfrei an, Druckstöße        grad. Ein typischer Wert für einen 1,1-kW-
in Pumpenanlagen werden vermieden oder           Drehstromasynchronmotor liegt bei etwa
Anlaufströme bei großen Schwungmassen            82 Prozent; 100-kW-Motoren haben Wirkungs-
reduziert. Dabei wird während einer einstell-    grade bis 95 Prozent.
baren Hochlaufzeit die an den Motor abge-
gebene Spannung im Sanftstarter mittels
Phasenanschnittsteuerung reduziert und der
Anlaufvorgang so gezielt beeinflusst.

                               10
Motorverluste entstehen durch verschiedene        higkeits-, Geräusch- oder Wirkungsgradanfor-
physikalische Effekte. Je nach eingesetz-         derungen.
ter Technologie und Baugröße können diese
unterschiedlich hoch sein. Die wichtigsten        Der Wirkungsgrad von Getrieben wird beein-
Verlustfaktoren sind:                             flusst von der Reibung in der Abdichtung zwi-
• elektrischer Stromfluss in den Wicklungen       schen Gehäuse und Wellen sowie von den Ver-
  mit ihren elektrischen Widerständen;            lusten innerhalb des Getriebes (Verzahnung,
• Ummagnetisierungsvorgänge und                   Lagerreibung, Planschverluste, Zusatzver-
  Wirbelströme;                                   luste). Häufig verwendete Getriebearten sind
• mechanische Reibungsverluste und                Stirnrad-, Kegelrad- und Schneckengetriebe.
  Parasitäreffekte.                               Abb. 9a zeigt die maximale sinnvolle Über-
                                                  setzung je Getriebestufe und den klassischen
Je nach Betriebszustand des Motors (Dreh-         Zahlenwert des Wirkungsgrads je Stufe.
zahl- und Drehmomentauslastung) wirken
sich diese Effekte unterschiedlich auf die Ver-   Mit zweistufigen Stirnradgetrieben lassen sich
luste des Motors aus. Während beispielsweise      Übersetzungen im Bereich von 5 bis 60 abde-
die abgegebene Leistung proportional mit          cken. Der Wirkungsgrad dieser Getriebe ist
sinkender Drehmomentbelastung abnimmt,            unabhängig von der Übersetzung gleich und
reduzieren sich die Verluste des Motors nicht     liegt bei 96 bis 98 Prozent. Durch Vorschal-
proportional. Der Motor wird mit sinkender        ten einer dritten Stirnradstufe können Über-
Auslastung also ineffizienter. Für einen ener-    setzungen bis circa 250 realisiert werden; der
gieeffizienten Betrieb sollte ein Motor daher     Wirkungsgrad sinkt dann auf etwa 94 Prozent.
immer gut ausgenutzt sein und Überdimensi-
onierungen sollten vermieden werden.              Kegelrad- oder Schneckengetriebe werden
                                                  dort eingesetzt, wo die Abtriebswelle recht-
Getriebe und Getriebemotoren                      winklig zur Motorachse ausgeführt werden
Die nominelle Drehzahl von Drehstromasyn-         soll.
chronmotoren liegt bei direktem Netzbetrieb
je nach Polpaarzahl und Netzfrequenz zwi-         Kegelradgetriebe werden oft mit vor- oder
schen circa 750 U/min (8-polig und 50 Hz) und     nachgeschalteten Stirnradstufen versehen,
3.600 U/min (2-polig und 60 Hz). Für viele        um höhere Übersetzungen zu realisieren.
Antriebsaufgaben wird jedoch eine wesentlich      Diese haben dann Wirkungsgrade von etwa
geringere Drehzahl bei gleichzeitig größerem      94 Prozent. Schneckengetriebe können in
Drehmoment benötigt. Die häufig genutzten         einer Stufe hohe Übersetzungen aufweisen,
Drehzahlen liegen typischerweise zwischen 15      wodurch meistens eine oder zwei weitere
und 300 U/min. Um die mechanische Leistung        Getriebestufe(n) entfallen können. Zur Errei-
(Drehzahl x Drehmoment) des Motors an den         chung hoher Wirkungsgrade bei hohen Über-
Arbeitspunkt der Arbeitsmaschine anzupas-         setzungen werden auch hier vor- oder nachge-
sen, kommt in diesen Fällen ein Getriebe zum      schaltete Stirnradstufen verwendet. Applikativ
Einsatz.                                          interessant sind Schneckengetriebe aufgrund
                                                  ihres geräuscharmen Laufs sowie der Möglich-
Man unterscheidet generell Getriebe mit           keit, sie für bestimmte Sicherheitsfunktionen
koaxialen und parallelen Achsen sowie             selbsthemmend auszuführen.
Getriebe mit sich kreuzenden Achsen. Die
Auswahl der passenden Getriebetypen erfolgt       Grundsätzlich muss bei der Auswahl der
je nach konstruktiv bedingter Einbausituation     geeigneten Getriebeart immer der Bedarf der
oder aber nach Gesichtspunkten wie Tragfä-        speziellen Anwendung berücksichtigt werden.

                              11
Abb. 9a: Getriebearten im Vergleich (je Stufe)

  Getriebeart                     Stirnrad                       Kegelrad                       Schnecke

  Max. Übersetzung                    ca. 7                        ca. 5                         ca. 100

  Wirkungsgrad                    ca. 98 %                       ca. 98 %                  ca. 50 % ... ca. 90 %
Quelle: ZVEI

Abb. 9b: Übertragungsarten im Vergleich

  Übertragungsart           Flachriemen             Keilriemen              Zahnriemen                Kette

  Max. Übersetzung                5                     8                       8                       6

  Wirkungsgrad             96 % ... 98 %           92 % ... 94 %           96 % ... 98 %         96 % ... 98 %
Quelle: ZVEI

                Die Kraftübertragung von der Motor- bzw.           mindert sich teilweise erheblich, wenn eine
                Getriebewelle auf die Arbeitswelle erfolgt         Komponente nur sehr gering ausgelastet ist,
                idealerweise mittels einer starren Kupplung.       zum Beispiel wenn die ausgelegte Prozess-
                In diesem Fall treten praktisch keine weiteren     leistung nur in Spitzenzeiten abgerufen wird.
                Verluste auf. Oft kommen aber auch Riemen          Die nominellen Wirkungsgrade auf dem
                oder Ketten zum Einsatz, mit denen zusätzlich      Typenschild können in diesem Fall täuschen
                eine weitere Übersetzung der Drehzahl reali-       und sollten lediglich zur ersten Orientierung
                siert werden kann. Keilriemen sollten wegen        dienen.
                des etwas geringeren Wirkungsgrads zuguns-
                ten von Flach- oder Zahnriemen bzw. Ketten         Eine vermeintlich effizientere Komponente
                vermieden werden. Bei Ketten ist besonders         hat nicht zwangsläufig eine geringere Ener-
                auf eine gute Schmierung zu achten. Abb.           gieaufnahme des Antriebssystems zur Folge.
                9b zeigt die maximale sinnvolle Übersetzung        Ein Asynchronmotor der Effizienzklasse IE3
                und den typischen Wirkungsgrad der Übertra-        hat neben dem besseren Wirkungsgrad oft
                gungsarten.                                        ein höheres Trägheitsmoment als ein IE2-
                                                                   Asynchronmotor. Besteht ein Prozess größ-
                Optimale Auslegung energieeffizienter              tenteils aus Beschleunigungs- und Verzöge-
                Antriebssysteme                                    rungsvorgängen, so wird durch die größere
                Für die Auslegung energieeffizienter Antriebe      Trägheit mehr Energie benötigt als mit einem
                muss der Prozessbedarf mit Lastspielen mög-        trägheitsarmen Motor. Das Problem lässt sich
                lichst exakt ermittelt werden. Überdimensio-       durch den Einsatz vom umrichterbetriebenen
                nierungen, Sicherheits- oder Angstfaktoren         Synchronmotoren lösen, wobei die Wirkungs-
                sind zu vermeiden, denn alle Antriebskompo-        gradklassen IE4 oder sogar IE5 erreicht wer-
                nenten sind am effizientesten, wenn sie gut        den können.
                ausgenutzt werden. Der Wirkungsgrad ver-

                                              12
Die Komponenten des Antriebssystems kön-            und gegenseitige Einflüsse der Komponen-
                                            nen sich darüber hinaus gegenseitig beein-          ten berücksichtigt und ein Energieeffizienz-
                                            flussen. Der Teillastwirkungsgrad von Motoren       vergleich verschiedener Antriebskonzepte
                                            lässt sich beispielsweise durch eine intelli-       ermöglicht.
                                            gente Drive-Controller-Regelung (Magneti-
                                            sierungsanpassung) optimieren. Eine Einzel-         Digitalisierung hilft beim
                                            betrachtung der beiden Komponenten Motor            Energiesparen
                                            und Drive Controller deckt dieses Potenzial         Die Digitalisierung bietet heute schon viele
                                            nicht auf.                                          Werkzeuge, um Bestandsanlagen energieef-
                                                                                                fizienter zu betreiben. Beispielsweise können
                                            Insgesamt zeigen diese Beispiele: Mit einer         mittels der Istwert-Signale im Drive Controller
                                            Systembetrachtung lassen sich die vorhan-           oder einfach nachrüstbarer, kostengünstiger
                                            denen Energieeinsparpotenziale besser aus-          Sensorik Wartungs- und Energieverbrauchsin-
                                            schöpfen als mit einer Komponentenoptimie-          dikatoren ermittelt werden. Diese Merkmale
                                            rung. Aufgrund der Komplexität einer solchen        helfen dabei, Energieverbräuche anzuzeigen
                                            Gesamtbetrachtung ist eine manuelle Berech-         und unnötig hohe Lasten zu identifizieren.
                                            nung sehr aufwendig oder fast unmöglich.            Die gesammelten Informationen lassen sich
                                            Viele Hersteller von Antriebstechnik bieten         beispielsweise über eine Cloud auswerten und
                                            aus diesem Grund unterstützende Enginee-            zur Dokumentation von Energieeinsparungs-
                                            ring-Software, die dem Anwender hilft, den          potenzialen heranziehen. So entsteht eine
                                            Prozessbedarf zu ermitteln und die Energie-         belastbare Entscheidungsgrundlage für Anla-
                                            effizienz eines kompletten Antriebssystems          generneuerungen oder Neuinstallationen, die
                                            zu berechnen (Abb. 10). Je nach Umfang der          Berechnungen von Amortisationszeiten und
                                            Software werden dabei Teillastwirkungsgrade         Optimierungen umfasst.

Abb. 10: Engineering-Software als Unterstützung bei der
Dimensionierung und Optimierung                                                                 Fazit
                                                                                                Die einzelnen Komponenten des Antriebs-
                                                                                                strangs von elektrischen Antriebssystemen
                                                                                                weisen unterschiedliche Energieeinsparpo-
                     3,00
                                                                                                tenziale auf. Ein besonders hohes Potenzial
                     2,50                                                            125 %      hat in vielen Anwendungen die Drehzahlre-
                     2,00
                                                                                     100 %      gelung von Elektromotoren durch Drive Con-
        Losses(kW)

                     1,50                                                                75 %   troller. Aber auch die Motoren selbst und das
                     1,00
                                                                                         50 %
                                                                                         25 %
                                                                                                Getriebe bieten Einsparmöglichkeiten durch
                                                                                                hohe Wirkungsgrade. Eine Systemoptimie-
                     0,50
                                                                                                rung hilft, die vorhandenen Sparpotenziale
                     0,00
                            0   200   400   600      800       1000   1200   1400        1600   maximal auszuschöpfen.
                                                  Speed(rpm)

  Quelle: ZVEI

                                                                                    13
4 IE-Code: weltweite Vereinheitlichung durch die Normung

Normen sind die verlässliche Grundlage für weltweites, wirtschaftliches Handeln. Sie sind ein Garant für erfolgreiche und ver-
lässliche Produktentwicklung. Häufig sind sie auch Grundlage für die Erfüllung von gesetzlichen Verordnungen und Richtlinien.

                                Eine Erfolgsstory für die Normung ist die Ein-     Die Verfahren zur Bestimmung der IE- und
                                führung der Wirkungsgradklassen für Moto-          IES-Klassen sind, physikalisch bedingt, unter-
                                ren, des sogenannten IE-Codes (Internatio-         schiedlich. Bei Motoren, die direkt am Netz
                                nal Efficiency). Dieser Code hat sich weltweit     betrieben werden können, wird nach entspre-
                                durchgesetzt und ist heute für jeden typischen     chenden Messnormen der Wirkungsgrad im
                                Industriemotor anwendbar. Darüber hinaus           Bemessungspunkt ermittelt. Bei Motoren, die
                                wurde eine durchgehende Normung für die            rein für Umrichterbetrieb ausgelegt sind, wird
                                Bewertung der Energieeffizienz von den Kom-        der Wirkungsgrad im Bezugspunkt 90 Prozent
                                ponenten bis zum gesamten Antriebssystem           Drehzahl / 100 Prozent Drehmoment ermittelt.
                                entwickelt.                                        Dann wird der so ermittelte Wirkungsgrad
                                                                                   jeweils mit den Grenzwerten der jeweiligen
                                Dazu wurde zunächst der IE-Code auf andere         IE-Klassen verglichen.
                                Antriebskomponenten und andere Motorenar-
                                ten ausgeweitet. Zusätzlich wurden die Ver-        Beim Drive Controller werden die Verluste
                                luste im gesamten Antriebssystem normativ          im Bezugspunkt 90 Prozent relative Stator-
                                betrachtet und das System mit einem IES-Code       frequenz / 100 Prozent relativer drehmoment-
                                (International-Efficiency-System) klassifiziert.   bildender Strom ermittelt. Diese werden mit
                                                                                   den Verlusten eines Referenzumrichters ver-
                                Die IE-Codes gelten für die Komponenten            glichen und führen zur IE-Klasse.
                                (Motor bzw. Drive Controller) und der IES-
                                Code für das komplette Antriebssystem              Die IES-Klasse wird über die Verluste der bei-
                                (Motor und Drive Controller)!                      den Komponenten Motor und Drive Controller
                                                                                   im Bezugspunkt ermittelt, die Verluste werden
                                Die verschiedenen Normen ergänzen sich             addiert und das Ergebnis mit einem Referenz-
                                gegenseitig zu einem vollständigen Ansatz          system verglichen.
                                der Energieeffizienz-Klassifizierung von Kom-
                                ponenten und dem gesamten Antriebssystem.

Tab. 1 Übersicht der Antriebsnormen für Energieeffizienz

 Antriebssystem (Motor und Drive Controller)

 Norm EN 50598-2 / IEC 61800-9-2
 Verlustbetrachtung der Antriebskomponenten zur Systembewertung

 IES-Klasse (Vergleich Verluste mit Referenzsystem)

 Komponente                                Komponente                                   Komponente
 Motor                                     Motor                                        Drive Controller
 (geeignet für direkten Netzbetrieb)       (nicht geeignet für direkten Netzbetrieb)    (Frequenzumrichter)

 IEC 60034-30-1                            IEC TS 60034-30-2                            EN 50598-2
 Messnorm IEC 60034-2-1                    Messnorm IEC 60034-2-3                       Messnorm EN 50598-2
 IE-Klasse                                 IE-Klasse                                    IE-Klasse
 Wirkungsgrad im Nennpunkt                 Wirkungsgrad bei 90 % Drehzahl und           Verluste bei 90 % relativer Frequenz
                                           vollem Lastmoment                            und 100 % drehmoment-
                                                                                        bildenden Stroms

                                                               14
In der Praxis ergänzen sich die IE-/IES-Codes    Effizienzklassen
sinnvoll und ermöglichen eine einfache Ein-      In der IEC 60034-30-1 werden für die
ordnung in Energieeffizienzklassen, die als      Asynchronmotoren folgende Effizienzklassen
Orientierung dient. Allerdings kann eine reine   (IE = International Efficiency) festgelegt:
Klassenbetrachtung nie die optimale Ausle-
gung des Antriebssystems ersetzen. Erst die         IE1      Standard Efficiency
Betrachtung des realen Lastprofils und die          IE2      High Efficiency
Auswahl der dafür besten Komponenten erge-          IE3      Premium Efficiency
ben die günstigste Gesamtbilanz.                    IE4      Super Premium Efficiency

 Komponente                                      Ausnahmen
 Motor                                           • Motoren mit 10 oder mehr Polen sowie
 (geeignet für direkten Netzbetrieb)               Motoren, die für mehrere Drehzahlen aus-
                                                   gelegt sind (polumschaltbare Wicklung)
IEC-Norm Wirkungsgradklassen                     • Motoren mit mechanischen Kommutatoren
Netzmotoren (IEC 60034-30-1)                       (wie Gleichstrommotoren)
Im März 2014 wurde die Norm IEC 60034-           • Motoren, die vollständig in eine Maschine
30-1 veröffentlicht. Sie ersetzt die Norm IEC      integriert sind (z. B. Pumpen, Lüfter und
60034-30:2008, die bisher drei Wirkungs-           Kompressoren) und praktisch nicht eigen-
gradklassen für 3-Phasen-Asynchronmotoren          ständig geprüft werden können, selbst wenn
festlegte. Die aktualisierte Norm IEC 60034-       vorübergehend auf der Antriebsseite Lager
30-1 wurde erweitert um die Wirkungsgrad-          und Lagerschilde verwendet werden
klasse IE4. Darüber hinaus werden jetzt          • Motoren mit integrierten Frequenzumrich-
8-polige Motoren und ein erweiterter Leis-         tern, wenn der Motor nicht getrennt vom
tungsbereich in der Norm berücksichtigt.           Umrichter geprüft werden kann
                                                 • Bremsmotoren, wenn die Bremse integraler
Geltungsbereich                                    Bestandteil der inneren Motorkonstruktion
Die Norm IEC 60034-30-1 definiert Wirkungs-        ist und weder entfernt noch während der
grade bzw. Effizienzklassen bei 50 und 60 Hz       Prüfung des Motorwirkungsgrads separat
für 1- bzw. 3-phasige Netzmotoren (unabhän-        gespeist werden kann
gig von der Technologie). Dort sind sowohl der   • Unterwassermotoren, die speziell dafür aus-
Geltungsbereich der Norm als auch die Aus-         gelegt sind, dass sie komplett in Flüssigkei-
nahmen definiert.                                  ten eingetaucht betrieben werden können
                                                 • Brandgasmotoren mit einer Temperatur-
Die überarbeitete Norm umfasst die in der          klasse über 400 °C
Tabelle stehende Netzmotoren.

 Leistungsbereich          0,12–1.000 kW
 Bemessungsspannung        50 V bis 1.000 V, 50 und 60 Hz
 Polanzahl                 2, 4, 6, 8
 Betriebsart               S1 (Dauerbetrieb mit konstanter Belastung) sowie teilweise Moto-
                           ren, die auf andere Betriebsarten ausgelegt sind, aber dennoch bei
                           Bemessungsleistung im Dauerbetrieb betrieben werden können
 Umgebungs-                –20 °C bis +60 °C
 temperaturbereich
 Aufstellhöhe              Bis 4.000 m über Meeresspiegel

                              15
• Unterwassermotoren, die speziell dafür aus-
 Komponente
                                                  gelegt sind, dass sie komplett in Flüssigkei-
 Motor
 (nicht geeignet für direkten Netzbetrieb)        ten eingetaucht betrieben werden können
                                                • Brandgasmotoren mit einer Temperatur-
                                                  klasse über 400 °C
IEC-Norm Wirkungsgradklassen                    • Servo-Motoren
Umrichtermotoren (IEC TS 60034-30-2)            • Motoren, die für Netzbetrieb ausgelegt sind
Im Dezember 2016 wurde die Technische             (IEC 60034-30-1)
Spezifikation IEC TS 60034-30-2 veröffent-
licht. Diese Vornorm enthält Wirkungsgrad-      Effizienzklassen
klassen für Motoren, die ausschließlich am      In der IEC TS 60034-30-2 werden für Umrich-
Drive Controller (Frequenzumrichter) betrie-    termotoren die Effizienzklassen IE1 bis IE5
ben werden können (z. B. fast alle permanent-   festgelegt. Die Wirkungsgradklassen IE4 und
magneterregte Synchronmotoren). Motoren,        insbesondere IE5 sind so angelegt, dass sie nur
die sowohl für direkten Netzbetrieb als auch    mit Motoren neuer Technologien erreicht wer-
für Umrichterbetrieb bemessen sind (z. B.       den können. Hierzu zählen beispielsweise Syn-
fastalle Asynchronmotoren), fallen unter        chronmotoren mit Permanentmagneten und
IEC 60034-30-1.                                 Synchron-Reluktanzmotoren, wie sie bereits
                                                heute von einigen Herstellern angeboten
Geltungsbereich                                 werden.
Die technische Spezifikation IEC TS 60034-
30-2 umfasst folgende Motoren:

 Leistungsbereich          0,12–1.000 kW
 Bemessungsspannung        50 V bis 1.000 V
 Polanzahl                 600/min bis 6.000/min
 Betriebsart               S1 (Dauerbetrieb mit konstanter Belastung) sowie teilweise Moto-
                           ren, die auf andere Betriebsarten ausgelegt sind, aber dennoch bei
                           Bemessungsleistung im Dauerbetrieb betrieben werden können
 Umgebungs-                –20 °C bis +60 °C
 temperaturbereich
 Aufstellhöhe              Bis 4.000 m über Meeresspiegel

Ausnahmen                                       Der Vorteil dieser Motoren besteht darin, dass
• Motoren mit mechanischen Kommutatoren         die höchsten Wirkungsgradklassen in den
  (wie Gleichstrommotoren)                      bekannten Standardabmessungen erreicht
• Motoren, die vollständig in eine Maschine     werden können. Anders als bei vielen Asyn-
  integriert sind (z. B. Pumpen, Lüfter und     chronmotoren der Wirkungsgradklasse IE3
  Kompressoren) und praktisch nicht eigen-      sind also die Abmessungen und das Gewicht
  ständig geprüft werden können, selbst wenn    der IE4- und insbesondere IE5-Antriebe mit
  vorübergehend auf der Antriebsseite Lager     Asynchronmotoren der Klassen IE1 und IE2
  und Lagerschilde verwendet werden             vergleichbar.
• Bremsmotoren, wenn die Bremse integraler
  Bestandteil der inneren Motorkonstruktion
  ist und weder entfernt noch während der
  Prüfung des Motorwirkungsgrads separat
  gespeist werden kann

                             16
Norm EN 50598: Energieeffizienz                    Teil 3: Ökodesign und Umweltdeklaration;
mit elektrisch angetriebenen                       Umweltaspekte und Produktdeklaration der
Arbeitsmaschinen                                   Antriebskomponenten von Power-Drive-Sys-
Die Energieeffizienz eines Antriebssystems ist     tems und Motorstarter.
entscheidender als die Summe der Wirkungs-         In diesem Teil der Norm wird das Thema
grade einzelner Komponenten. Dem trägt die         Ökodesign und die Berücksichtigung wesent-
Norm EN 50598 Rechnung und beschreibt im           licher Umweltaspekte beim Produktdesign
Teil 2, wie die Energieeffizienz eines Antriebs-   von Motorsystemen (Motorstarter/Umrichter,
systems bestimmt wird. Die Normung geht            Motor) festgelegt.
damit konsequent von der Komponente in das
gesamte Antriebssystem.
                                                    Komponente
Die Norm besteht aus drei Teilen:                   Drive Controller
                                                    (Frequenzumrichter)
Teil 1: Allgemeine Anforderungen zur Er-
stellung von Standards für energieeffiziente       Effizienzklassen der Drive Controller
elektrisch angetriebene Arbeitsmaschinen           (Frequenzumrichter, CDM )
mit der Methodik des erweiterten Produk-
tansatzes (semi-analytische Modelle (SAM)).
                                                      Abb.11 Effizienzklassen
Beschreibt die Verantwortlichkeiten und die
                                                      CDM (Drive Controller)
Aufgaben der verschiedenen Interessengrup-
pen, die diesen Standard verwenden, sowie
                                                          PL,CDM (90, 100)
den dazu notwendigen Datenfluss.                          PL,RCDM (90, 100)
                                                                              IE0
Teil 2: Bestimmung der Verluste und
Effizienzklassen                                                    125

Spezifiziert die Energieeffizienzindikatoren
                                                                    100       IE1
für das Antriebssystem (Power-Drive-Sys-
tem, PDS) im Leistungsbereich 0,12 kW bis                            75
1.000 kW.
• Festlegung der Effizienzklassen von An-                            50
  triebssystemen (PDS) und Drive Controller                                   IE2
  (Complete-Drive-Module, CDM)
• Festlegung von acht applikationsrelevanten
                                                                      0
  Betriebspunkten
                                                     Quelle: ZVEI
• Methoden zur Ermittlung (Messungen und
  Berechnung) der Verluste in den acht
  Betriebspunkten eines kompletten Motoren-        Auf Grundlage von relativen Verlusten wer-
  systems und seinen Komponenten                   den Drive Controller in die Effizienzklassen
• Messmethoden für Drive Controller                IE0 bis IE2 eingeteilt. Die Klasse IE1 ist der
• Verluste des Referenzmotors, des Referenz-       technische Standard und wird als Referenz zur
  CDMs und eines Referenz-PDS in den fest-         Bestimmung der weiteren Klassen verwendet.
  gelegten acht Betriebspunkten                    Bezogen auf den Wert eines Drive Controllers
• Die EN 50598-2 bezieht sich zunächst nur         der Effizienzklasse IE1 hat der Drive Controller
  auf Systeme mit Asynchronmaschinen. Die          der Klasse IE2 um 25 Prozent niedrigere Ver-
  grundlegenden Prinzipien der Norm sind           luste und ein Drive Controller der Klasse IE0
  aber technologieunabhängig.                      um 25 Prozent höhere Verluste.

                               17
Die Effizienzklassen der Drive Controller       Die Norm verfolgt beim Antriebssystem (PDS)
beziehen sich mit dem Ziel der Vermeidung       einen ähnlichen Ansatz und legt die relativen
von Übermodulation und der dadurch mög-         Verluste eines PDS in den Effizienzklassen
lichen Vergleichbarkeit der unterschiedlichen   IES0 bis IES2 fest. Bezogen auf den Wert eines
Drive Controller auf den 90-/100-Betriebs-      PDSs der Effizienzklasse IES1 (Referenzan-
punkt (100 Prozent drehmomentbildender          trieb) hat ein PDS der Effizienzklasse IES2 um
Strom, 90 Prozent Motorstatorfrequenz).         20 Prozent niedrigere Verluste und ein PDS
                                                der Effizienzklasse IES0 um 20 Prozent höhere
                                                Verluste.

 Antriebssystem (Motor und Drive Controller)
                                                Auch für die Effizienzklasse eines PDS ist ein
                                                spezifischer Lastpunkt definiert. Als Referenz-
                                                punkt dient hier der 100-/100-Betriebspunkt
Effizienzklassen eines Antriebssystems          (100 Prozent Motorstatorfrequenz, 100 Pro-
(PDS)                                           zent Drehmoment).

                                                Detaillierte Verlustbetrachtung
  Abb. 12 Effizienzklassen PDS
                                                Die Norm bietet neben der Effizienzklassen-
  (Antriebssystem)
                                                einteilung den weiteren Vorteil, dass Verluste
       PL,PDS (100, 120)                        nun detailliert für den drehzahlgeregelten
       PL,RPDS (100, 100)                       Betrieb betrachtet werden können. Eine Ver-
                            IES0
                                                lustwertbetrachtung über den gesamten Last-
                                                bereich des Antriebs ist möglich.
                 120

                 100        IES1                Dazu sind im Drehmoment-über-Drehzahl-
                                                Kennlinienfeld die für elektrisch angetriebene
                  80                            Arbeitsmaschinen typischen Betriebspunkte
                                                festgelegt. Durch Addition der absoluten Ver-
                  50                            luste des Drive Controllers und des Motors in
                            IES2                jedem Punkt werden die absoluten Verluste
                                                eines PDS ermittelt (siehe Abb. 13).

                    0
                                                Web-Applikation zur Berechnung der
                                                Motoren-Umrichter-Kombinationen
  Quelle: ZVEI
                                                Wie im Detail die Berechnung von verschie-
                                                denen Motoren-Umrichter-Kombinationen ge-
Die Betrachtung und Vergleichbarkeit der        mäß der Norm EN 50598-2 (IEC 61800-9-2)
Energieeffizienz des gesamten Antriebssys-      funktioniert, kann mithilfe einer Web-Appli-
tems ist die führende Größe und wesentli-       kation nachvollzogen werden:
cher Bestandteil des Anwendernutzens. In        www.power-drive-system.com
der gezielten Abstimmung der Komponenten
Motor und Drive Controller steckt zusätzli-     Mit verschiedenen Herstellerdaten können die
ches Optimierungspotenzial für das gesamte      Verluste des Power-Drive-Systems in den Teil-
Antriebssystem (PDS).                           lastpunkten wie auch die entsprechende IES-
                                                Klasse des Systems ermittelt werden.

                                   18
Abb. 13: Drehmoment-über-Drehzahl-Kennlinienfeld

                                      PL, PDS (0, 100)                    PL, PDS (50, 100)               PL, PDS (100, 100)
                                100

       Relatives Drehmoment %

                                      PL, PDS (0, 50)                     PL, PDS (50, 50)                PL, PDS (100, 50)
                                50

                                      PL, PDS (0, 25)                     PL, PDS (50, 25)
                                25

                                                                       50                              100
                                                              Relative Drehzahl %

   Quelle: ZVEI

Es handelt sich bei der Web-Applikation um                                   der grundlegende Ansatz mit den IE-Klassen
ein neutrales Berechnungstool des ZVEI. Es ist                               für Drive Controller und IES-Klassen für das
kein Projektierungstool und kann die Messun-                                 System quasi unverändert. Aus formellen
gen in einem konkreten System nicht ersetzen.                                Gründen hat die Norm eine völlig andere
                                                                             Nummerierung (IEC 61800-9-2: 2017).
Interaktion EN 50598-2 und
IEC 61800-9-2                                                                Im Rahmen der Vereinheitlichung von interna-
Aufgrund eines europäischen Normungsauf-                                     tionaler und europäischer Normung wird nach
trags der Kommission an die Normungsorga-                                    einer Übergangszeit von ca. drei Jahren die
nisation CENELEC wurde die europäische Norm                                  Norm EN 50598-2 zurückgezogen und end-
EN 50598 entwickelt. Kurz nach Fertigstellung                                gültig durch die Norm IEC 61800-9-2 ersetzt.
wurde dieses Ergebnis bei der internationalen
Normungsorganisation IEC eingereicht und
die Arbeiten an einer IEC-Norm gestartet.
Auch wenn einige Teile angepasst wurden, ist

   Abb. 14 Überführung der Nomen

                       EN 50598-2                                                        IEC 61800-9-2

   Quelle: ZVEI

                                                         19
Auszug aus der FAQ-Liste der Web-Ap-            Wiederspricht die Norm EN 50598 dem Exten-
plikation www.power-drive-system.com            ded-Product-Approach?
                                                • Nein, das sogenannte Extended Product
Hat ein Motor somit zwei IE-Klassen, eine,        (z. B. Pumpensystem) setzt sich aus dem
wenn er am Netz läuft, und eine andere am         elektrischen Antriebssystem plus der
Umrichter?                                        anzutreibenden Maschine zusammen.
• Nein, es gibt keine Doppelklassifizierung       EN 50598-1 beschreibt das semi-analy-
  von netz- bzw. umrichtergeführten Moto-         tische Modell und EN 50598-2 die Verlust-
  ren. Ein Motor, der sowohl am Netz als          bestimmung. Damit unterstüzt die Norm
  auch am Drive Controller betrieben werden       den Extended-Product-Approach.
  kann, erhält nur nach IEC 60034-30-1 für
  Netzbetrieb seine IE-Klasse. Motoren nach
  IEC TS 60034-30-2 sind speziell für Um-
  richterbetrieb bemessen und können nicht
  am Netz betrieben werden.

Können die Effizienzklassen der Komponen-
ten Motor und Drive Controller nicht einfach
direkt verwendet werden, um die Effizienz-
klasse des Systems zu bekommen nach dem
Motto: IE2 + IE2 = IES2?
• Nein, dieser ganz simple Ansatz IE-Klasse
  Motor + IE-Klasse Drive Controller = IES-
  Klasse des Systems ist nicht möglich. Mit-
  hilfe der Norm EN 50598-2 ist es einfach
  möglich, die Verluste eines Antriebssystems
  zu berechen und daraus die Effizienzklasse
  zu bestimmen.

Erlaubt die Norm EN 50598-2 überhaupt
noch, Komponenten verschiedener Anbieter
zu mischen?
• Ja, die Normen sind anbieter- und tech-
  nologieoffen. Die Web-Applikation www.
  power-drive-system.com zeigt, wie dies mit
  den Verlusten der einzelnen Komponenten
  funktioniert.

Wie verhält es sich bei Servomotoren?
• Servomotoren sind von der IE-Klassifi-
  zierung ausgeschlossen, da sie mit einer
  geringen Schwungmasse für dynamische
  Applikationen ausgelegt sind. Die Norm
  IEC TS 60034-30-2 gilt für Umrichter-
  motoren mit wenigen Geschwindigkeits-
  änderungen, die meistens im Dauerbetreib
  mit konstanter Last betrieben werden.

                             20
5      Gesetzliche Vorgaben in Europa

Inzwischen sind viele Gesetze in der Europäischen Union in Kraft, die das Ziel haben, den Energieverbrauch und damit den
CO2-Ausstoß zu reduzieren. In der EU-Verordnung 640/2009 und Ergänzung 04/2014 wird die Energieeffizienz von 3-phasigen
Asynchronmotoren für Netzbetrieb im industriellen Umfeld behandelt

                              Geltungsbereich der Netzmotoren

                                Leistungsbereich      0,75–375 kW

                                Spannung
Somit sind im Umkehrschluss folgende Moto-                           Ausblick auf neue gesetzliche Vorgaben
ren nicht betroffen:                                                 in Europa
• 8-polige Motoren                                                   Im Juli 2014 wurde die Ökodesign-Studie
• Polumschaltbare Motoren                                            zum Lot 30 veröffentlich. In dieser Vorberei-
• Synchronmotoren                                                    tungsstudie wurden die Energieeinsparpo-
• Motoren für Schaltbetrieb S2 ... S9                                tenziale der Antriebstechnik untersucht und
• Umrichtermotoren gemäß                                             Vorschläge für zukünftige gesetzliche Rege-
  IEC TS 60034-30-2                                                  lungen erstellt. Die Vorschläge aus dem Jahr
• 1-Phasen-Motoren                                                   2014 finden sich nach wie vor im Umlauf,
                                                                     besitzen aber keine Verbindlichkeit!
Zeitplan zur Umsetzung
Die einzelnen Anforderungen sind wie folgt in                        Nach einer Zeit des politischen Stillstands
Kraft getreten:                                                      im Bereich Ökodesign wurden mit der Veröf-
• Ab dem 16. Juni 2011 mussten neu in Ver-                           fentlichung des Ecodesign Working Plans im
  kehr gebrachte Motoren mindestens der                              November 2016 die Arbeiten wieder aufge-
  Wirkungsgradklasse IE2 entsprechen.                                nommen.
• Seit dem 1. Januar 2015 müssen neu in
  Verkehr gebrachte Motoren mit einer Nenn-                          Aufgrund des hohen Einsparpotenzials ist die
  ausgangsleistung von 7,5 bis 375 kW ent-                           Antriebstechnik wieder im Fokus der Betrach-
  weder mindestens die Wirkungsgradklasse                            tung und die Kommission prüft aktuell (Herbst
  IE3 erreichen oder der Wirkungsgradklasse                          2017) noch einmal alle 2014 angedachten
  IE2 entsprechen, dürfen dann aber nur mit                          Maßnahmen und die Wirkung der bisherigen
  einer elektronischen Drehzahlregelung                              Motoren-Verordnung 640/2009.
  betrieben werden.*
• Seit dem 1. Januar 2017 müssen neu in                              Generell müssen auf dem Weg zu einer Ver-
  Verkehr gebrachte Motoren mit einer Nenn-                          ordnung gewisse formale Schritte und Abstim-
  ausgangsleistung von 0,75 bis 7,5 kW ent-                          mungen innerhalb der Kommission und der
  weder mindestens die Wirkungsgradklasse                            Mitgliedstaaten eingehalten werden, sodass
  IE3 erreichen oder der Wirkungsgradklasse                          aus heutiger Sicht mit der Veröffentlichung
  IE2 entsprechen, dürfen dann aber nur mit                          einer neuen Verordnung für die Antriebstech-
  einer elektronischen Drehzahlregelung                              nik erst in der zweiten Hälfte 2018 zu rechnen
  betrieben werden.*                                                 ist. In diesem Dokument werden verschiedene
                                                                     gesetzliche Maßnahmen für Motoren und
Die Motorenhersteller informieren mit                                Drive Controller vorgeschrieben sein, die aber
Hinweisen über die Inbetriebnahme-                                   erst mit verbindlich definierten Übergangs-
Bedingung.                                                           fristen wirksam werden. Wie lange diese Fris-
                                                                     ten sein werden, ist aus heutiger Sicht nicht
Abb. 15 Beispiel für einen Hinweis                                   vorhersehbar. Der ZVEI und der europäische
                                                                     Verband der Antriebstechnik, CEMEP, fordern
                                                                     im Minimum zwei Jahre, je nach Art der Maß-
                                                                     nahme auch länger, um ausreichend Zeit zu
                                                                     haben, die Produkte anpassen und den Markt
                                                                     auf die Änderungen vorbereiten zu können.

* Die elektronische Drehzahlregelung erfolgt mit einem Drive Controller, der die Drehzahl des Motors und damit die abgegebene Leis-
  tung an den unterschiedlichen Bedarf anpasst. Welches die energieeffizienteste Lösung ist, hängt von der Anwendung ab und sollte im
  Einzelfall vom Betreiber oder Planer der Anlage ermittelt werden. Bei Volllastanwendungen sollte ein IE3-Motor gewählt werden, bei
  variabler Last kann die Drehzahlregelung mit einem Drive Controller große Einsparungen bringen.

                                          22
6 Weltweite Vorschriften

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Regelungen für den Einsatz von Energiesparmotoren in verschiedenen
Industrieländern. Die Wirkungsgradklassen richten sich hauptsächlich nach der international gültigen Norm IEC 60034-30-1.
Länderspezifische Anforderungen und Bezeichnungen können von dieser Norm abweichen.

Tab. 2: Weltweite Vorschriften für Energiesparmotoren

      Land        IE       kW         Polzahl          Ab               Bis             Wesentliche Ausnahmen

 Argentinien                                       21.12.2017                       •   Verbaute Motoren
                           1~:
                                                                                    •   Alle Nicht-S1-Motoren
                  1     0,12–7,5       2,4,6,8
                                                                                    •   Umrichtermotoren
                                                                                    •   (IEC 60034-25)

                           3~:                                                      • Verbaute Motoren
                  1      0,75–30       2,4,6,8                                      • Umrichtermotoren
                                                                                    • (IEC 60034-25)

 Australien                                        01.04.2007                       • S2-Motoren
                  2     0,75–185       2,4,6,8                                      • Umrichtermotoren
                                                                                    • Getriebemotoren

 Brasilien        2     0,75–110          8        08.12.2009     August 2019       • Alle Nicht-S1-Motoren
                                                                                    • Umrichtermotoren
                  2     0,75–150          6                                         • Ex-Motoren

                  2     0,75–185         2,4

 China                                             01.10.2016     September 2018    •   Alle Nicht-S1-Motoren
                                                                                    •   Umrichtermotoren
                  2     0,75–375        2,4,6                                       •   Unbelüftete Motoren
                                                                                    •   Sondermotoren für spezielle
                                                                                        Maschinenanforderungen

 Chile                                             01.01.2011                       • Alle Nicht-S1-Motoren
                  1     0,75–375        2,4,6                                       • Umrichtermotoren
                                                                                    • Bremsmotoren

 EU                                                01.01.2017                       • Alle nicht für Dauerbetrieb
                                                                                      bemessenen Motoren
                                                                                    • Umrichtermotoren
                                                                                    • IE2-Motoren „Use with VSD only“
                  3     0,75–375        2,4,6
                                                                                    • Ex-Motoren
                                                                                    • Bremsmotoren
                                                                                    • Motoren, die verschärften
                                                                                      Umwelteinflüssen ausgesetzt sind

 Indien           1     0,12–0,37         8        01.10.2013                       • Umrichtermotoren

                  2     0,37–375        2,4,6      01.01.2018

 Japan                                             01.04.2015                       • Alle Nicht-S1-Motoren
                  3     0,75–375        2,4,6                                       • Umrichtermotoren
                                                                                    • Ex-Motoren

                                                            23
Land      IE     kW       Polzahl       Ab             Bis       Wesentliche Ausnahmen

  Kanada          3    0,75–185     8       28.06.2017                 • Alle Nicht-S1-Motoren
                                                                       • Umrichtermotoren
                  3    0,75–260     6

                  3    0,75–375     2,4

  Kolumbien       1    0,18–373   2,4,6,8   31.08.2017    30.08.2018

                  2    0,18–373   2,4,6,8   31.08.2018

                  3    7,5–373    2,4,6,8   31.08.2020

  Mexiko          3    0,75–375   2,4,6,8   19.12.2010                 • Alle Nicht-S1-Motoren

  Neuseeland                                01.06.2007                 • S2-Motoren
                  2    0,75–185   2,4,6,8                              • Umrichtermotoren
                                                                       • Getriebemotoren

  Saudi-Arabien   2    0,75–375    2,4,6    01.07.2015    31.12.2016

                  3    0,75–375    2,4,6    01.01.2017

  Schweiz         3    0,75–375    2,4,6    01.01.2017                 • Analog EU

  Südkorea        2    0,75–30    2,4,6,8   01.10.2016    31.09.2018   • S2-Motoren
                                                                       • Umrichtermotoren
                  3    37–375     2,4,6,8   01.10.2016                 • Unbelüftete Motoren

                  3    0,75–375   2,4,6,8   01.10.2018

  Türkei          3    0,75–375    2,4,6    01.01.2017                 • Analog EU

  USA             3    0,75–185      8      01.06.2016                 • Alle Nicht-S1-Motoren
                                                                       • Umrichtermotoren
                  3    0,75–260      6      01.06.2016

                  3    0,75–375     2,4     01.06.2016
Quelle: ZVEI

                                                     24
7      Best-Practice-Anwendungen mit Einsparpotenzial

In der Automatisierungstechnik spielt der Einsatz von Energiesparmotoren, von Drive Controllern für die Drehzahlregelung
und einer wirtschaftlichen Motor-Getriebe-Kombination eine wichtige Rolle bei der Energieeinsparung. Unterschiedliche
Anwendungsbeispiele zeigen, wie sich mit einer optimierten Antriebslösung der Verbrauch und damit auch die Energiekosten
teilweise drastisch reduzieren lassen.

                              Die Mehrkosten für energiesparende Tech-          Die tatsächlich notwendige Fördermenge
                              niken amortisieren sich vielfach in weniger       liegt infolge der Überdimensionierung des
                              als zwei Jahren. Bei den folgenden Anwen-         Systems in der Regel unterhalb des Nenn-
                              dungsbeispielen wurde ein Strompreis von          Betriebspunkts und wird in vielen Fällen durch
                              15 ct/kWh zugrunde gelegt. Neben Motoren          mechanische Regelsysteme geregelt, wie bei-
                              mit hoher Wirkungsgradklasse und energie-         spielsweise Ventile oder Drosselklappen. Ein
                              optimalem Getriebe bieten Drive Controller        Beispiel: Bei einer Kühlmittel-Pumpstation
                              zur elektronischen Drehzahlregelung beson-        mit fünf Kreiselpumpen und fünf Motoren mit
                              ders große Einsparmöglichkeiten.                  je 55 kW in einer Produktion der Automobil-
                                                                                industrie wurden alle Rohrblenden entfernt
                              Beispiel 1                                        und die Drosselventile geöffnet. Zur Regelung
                              Pumpenantrieb: Drehzahlregelung statt             der Fördermenge wurde stattdessen die Dreh-
                              mechanischer Drosselung                           zahlregelung mit Drive Controllern eingesetzt.
                              Pumpensysteme bieten ein erhebliches Ein-         Das Ergebnis war eine beachtliche Energieein-
                              sparpotenzial, nicht zuletzt, weil sie meist im   sparung von 60 Prozent; die Energiekosten
                              Teillastbereich betrieben werden (Abb. 16).       wurden um 160.000 Euro pro Jahr gesenkt.

                               Abb. 16: Großes Einsparpotenzial bei Pumpensystemen

                              Quelle: ABB

                                                            25
Beispiel 2
                                                              Lüfterantrieb: Drehzahlregelung statt
                                                              mechanischer Drosselung
                                                              Das Einsatzgebiet von Lüftern reicht von klei-
                                                              nen Ventilatoren für die Raumbelüftung über
                                                              die Gebäudeklimatisierung bis zu Frischluft-
                                                              und Abgasgebläsen in Zementwerken. In die-
                                                              sem Anwendungsbeispiel wird ein Lüfter mit
                                                              7,5 kW Nennleistung in der Absauganlage
                                                              eines Holz verarbeitenden Betriebs einge-
                                                              setzt. Der Förderstrom wird nicht mechanisch
                                                              gedrosselt, sondern über einen drehzahlge-
                                                              regelten Drehstrommotor an die tatsächlich
                                                              benötigte Menge angepasst. Dadurch lassen
                                                              sich bei 4.000 Betriebsstunden 1.260 Euro
                                                              Stromkosten pro Jahr einsparen. Die Inves-
                                                              titionskosten für den Drive Controller und
                                                              Schaltschrank amortisieren sich somit in rund
                                                              15 Monaten (Abb. 17).

Abb. 17: Rasche Amortisation eines Lüfterantriebs

 Betriebszeit                                                                          4.000 Stunden

 Mittlerer Förderstrom                                                               70 % vom Nennwert

 Aufnahmeleistung Drosselung                                                                5,7 kW

 Aufnahmeleistung Drehzahlregelung                                                          3,6 kW

 Eingesparte Energie                                                                   8.400 kWh/Jahr          Energieeinsparung:
                                                                                                               8.400 kWh
                                   Lüfter, Vergleich Energiebedarf
                                   Mechanische Drosselung – elektronische Regelung                             Einsparung
                                                                                                               Stromkosten:
  Relative Wirkleistungsaufnahme

                                            Regelung des                                                       1.260 €/Jahr
                                      1     Volumenstroms
                                            über Drosselung
                                                                                                               Amortisationszeit:
                                                                                                               15 Monate
                                    0,5

                                                                            Regelung des Förderstroms
                                                                            über die Motordrehzahl
                                      0
                                          0,5                            0,75                              1
                                                                       Relativer Volumenstrom

Quelle: ZVEI

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Beispiel 3                                        Beispiel 4
Drive Controller: Intelligente                    Multidrive-Konzept: Strom sparen
Funktionen helfen, Energie zu sparen              durch Energieausgleich
Moderne Drive Controller beinhalten intelli-      Bei vielen Anwendungen werden Antriebe
gente Energiesparfunktionen. Der Anwender         eines Systems motorisch und andere gleich-
kann mit ihnen eine Feinabstimmung des Pro-       zeitig generatorisch betrieben. Hier ist ein
zesses vornehmen, um die Energie optimal zu       Mehrantriebssystem (Multidrive) mit DC-Sam-
nutzen. Ein Beispiel ist der Energieoptimierer-   melschiene anstelle mehrerer Einzelantriebe
Modus, der den Wirkungsgrad des Systems           sinnvoll. Im Gegensatz zum Einzelantrieb
aus Drive Controller und Motor vor allem im       werden beim Multidrive-Konzept mehrere
Teillastbereich um bis zu 20 Prozent erhöht.      Wechselrichter unterschiedlicher Leistung von
Integrierte Energieeffizienzrechner unterstüt-    einer gemeinsamen Einspeiseeinheit über
zen die Anwender bei der Analyse und Opti-        einen DC-Zwischenkreis versorgt. Über den
mierung der Prozesse.                             DC-Zwischenkreis kann ein effizienter und
                                                  direkter Energieausgleich von allen Wechsel-
Spezielle Drive Controller für Wasser- und        richtern erfolgen, ohne dass Energie in einem
Abwasserapplikationen bieten des Weiteren         Bremswiderstand in Wärme umgesetzt werden
intelligente Pumpenregelungsfunktionen für        muss oder eine Netzrückspeiseeinheit erfor-
Einzelpumpen und Mehrpumpensysteme zur            derlich ist. Ein Beispiel hierfür sind Bandanla-
Steigerung der Energieeffizienz. Bei einer        gen oder Papiermaschinen, in denen sich der
Druckerhöhungsstation mit zwei 75-kW-             Abwickler dauernd im generatorischen und
Pumpen und einer 37-kW-Pumpe kamen die            der Aufwickler im motorischen Betrieb befin-
Mehrpumpen-Regelung, die Pumpenpriori-            den (Abb. 18).
tätsumschaltung und eine Durchflussberech-
nung zum Einsatz. Bei geringem Wasserver-         Bei Maschinen, die zyklisch abgebremst wer-
brauch im Leitungsnetz während der Nacht          den, wie es beispielsweise bei Zentrifugen und
schaltet sich die kleine Pumpe zu, während        Kranen der Fall ist, bietet sich eine Ein-/Rück-
tagsüber die beiden großen Pumpen arbeiten.       speiseeinheit an. Sie speist die Bremsenergie
Die Pumpen können somit näher an ihrem            in das Versorgungsnetz zurück und steigert
optimalen Betriebspunkt gefahren werden.          somit die Effizienz der Maschine.
Durch den Einsatz der Drive Controller mit
intelligenten Pumpenfunktionen konnte der
Energiebedarf um 30 Prozent gesenkt werden.

                       Abb. 18: Multidrive-Konzept bei einer Papiermaschine

                       Quelle: ZVEI
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