FÜR ZUKUNFT DIE - Ministerium für ...

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K U   L   T   U     R   P O L I T I K
FÜR               DIE         ZUKUNFT
FÜR ZUKUNFT DIE - Ministerium für ...
Ob Zirkuszelt, Barockschloss, Museum oder Lokhalle:
Die Vielfalt des „Dialogs | Kulturpolitik für die Zukunft“
spiegelte sich in den unterschiedlichen Örtlichkeiten für
die Veranstaltungen wider.

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Nach den Impulsvorträgen mit
     anschließenden Diskussionen setzte
     sich die Arbeit an den Themen in den
    ­Workshops fort.

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Engagiert bei der Sache:
    Ministerin Theresia Bauer,
    die Forenleiterinnen
    und -leiter sowie rund
    1.250 Teilnehmende des
    Kulturdialogs.

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FÜR ZUKUNFT DIE - Ministerium für ...
2020
Dialog | Kulturpolitik für die Zukunft
FÜR ZUKUNFT DIE - Ministerium für ...
Inhaltsangabe

Einführung – Dialog | Kulturpolitik für die Zukunft                                                  12    Forum		                Neue gesellschaftliche Bündnisse                                             105

Winfried Kretschmann    Grußwort                                                                     12    				               Forumsleitung und Beratungskreis                                                 108
                                                                                                           Siegfried Dittler	Forumsbeitrag: Dialog im Dialog – Netzwerke und Partnerschaften                  109
Theresia Bauer          Mit Mut in die Zukunft – Verantwortung für das Erbe		                        14                       zwischen ­Zivilgesellschaft und Kultur
                                                                                                           				               Handlungsempfehlungen – Statements – Best Practice                                116
			                     Förderlandschaft Baden-Württemberg		                                         20
                                                                                                           				                   Gastbeitrag
Petra Olschowski „Kulturschaffende verstehen sich als aktiven Teil der Gesellschaft“                 22    Annika Hampel          Die Zukunft von Kulturpolitik ergibt sich aus der Gegenwart –                123
			                                                                                                        				                   und der Praxis
			Dialog | Kulturpolitik für die Zukunft – Prozess                                                 26

                                                                                                           Forum                  Kunst und Kultur in ländlichen Räumen                                        129

Impulse                                                                                              29    				                   Forumsleitung und Beratungskreis                                             132
                                                                                                           Judith Bildhauer       Forumsbeitrag: Vom Eigensinn der Landkultur                                  133
Thea Dorn		             Der Freiheit eine Bühne! Über das Verhältnis von Kunst und Demokratie        29    				                   Handlungsempfehlungen – Statements – Best Practice		                         140
Markus Gabriel          Überlegungen über Digitalität und Verantwortung in Kulturinstitutionen       37
Bernhard Pörksen        Vernetzt. Wie die Digitalisierung die Welt verändert                         45    				                   Gastbeitrag
                                                                                                           Patrick S. Föhl        Kulturentwicklung in ländlichen Räumen – planen, vernetzen, transformieren   148

Forum                   Digitale Welten                                                              47
                                                                                                           Filmkonzeption                                                                                      157
		                      Forumsleitung und Beratungskreis                                             50
Tobias Wall             Forumsbeitrag: Kulturpolitik digital – Verantwortung, Veränderung, Öffnung    51   Jochen Laun und        Startklar für die Zukunft – Notizen zu Film und Medien aus                   159
			                     Handlungsempfehlungen – Statements – Best Practice                           60    Morticia Zschiesche    Baden-Württemberg

			                     Gastbeiträge
Steven Walter           Maschinell erzeugt, folglich ohne Unterschrift gültig.                       69
Dirk von Gehlen         Was digital-mutige Menschen tun                                              74    Corona-Pandemie                                                                                     168
                                                                                                           Theresia Bauer und     Corona und die Folgen                                                        168
Forum                   Strategien der Transformation                                                77    Petra Olschowski

				                    Forumsleitung und Beratungskreis                                             80
Marcus Grube            Forumsbeitrag: Ein neues Selbstverständnis		                                 81
				                    Handlungsempfehlungen – Statements – Best Practice                           92    Resümee und Ausblick                                                                                172
Nicolai Schwartz        Treff im Zirkuszelt – Ganz Ohr für die Jugend		                              96    Petra Olschowski       Blick nach vorn – 13 Thesen                                                  172

				                    Gastbeitrag                                                                        Petra Olschowski       Dank                                                                         178
Anna Lampert            Interkultur als Normalität                                                   99
                                                                                                           		                     Impressum                                                                    180
                                                                                                           		                     Bildnachweise                                                                180

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Artikel 5                             Grundgesetz

     (1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort,
     Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten
     und sich aus allgemein zugänglichen ­Quellen
     ­ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit
      und die Freiheit der Bericht­erstattung durch
      Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine
      Zensur fi ­ ndet nicht statt.
      (2) Diese Rechte finden ihre Schranken in
      den Vorschriften der allgemeinen G    ­ esetze, den
      ­gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze
       der Jugend und in dem Recht der persönlichen
       Ehre.
       (3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und
       ­Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet
        nicht von der Treue zur Verfassung.
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FÜR ZUKUNFT DIE - Ministerium für ...
Winfried Kretschmann MdL, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg                                            Grußwort

Grußwort

Als bekennender Opernliebhaber schätze ich nicht nur                                                                Sparten hinweg diskutiert wurden. Dadurch konnten
das erstklassige Musiktheater in Baden-Württemberg,                                                                 die Beteiligten voneinander lernen und neue Part-
sondern die gesamte vielfältige und lebendige Kunst-                                                                nerschaften aufbauen. Mit diesem Abschlussbericht
und Kulturlandschaft in unserem Land. Kunst und                                                                     liegen uns nun konkrete Handlungsempfehlungen
Kultur sind weit mehr als nur Unterhaltung, sie sind                                                                vor, sowohl für die Kultureinrichtungen und Kultur-
gesellschaftlich höchst relevant. Ja sogar systemrele-                                                              schaffenden, als auch für all jene, die für die Kultur-
vant! Das ist seit Beginn der Corona-Krise noch deut-                                                               förderung zuständig sind.
licher geworden, seitdem wir schmerzhaft auf einen
großen Teil von Kunst und Kultur verzichten müssen.                                                                 Im Namen der Landesregierung danke ich allen, die
Die Corona-Pandemie hat wie ein globales Erdbeben                                                                   an der Auftaktveranstaltung, den vier Foren des Kul-
den Menschen den sicheren Halt unter ihren Füßen                                                                    turdialogs oder an der Filmkonzeption teilgenommen
weggezogen und in nur wenigen Wochen alle Bereiche                                                                  und sich in die Diskussion so sachkundig und enga-
unseres Lebens erschüttert. Und gerade in diesen                                                                    giert eingebracht haben. Diese Abschlussdokumen-
schwierigen Zeiten ist unser Bedürfnis nach Kunst                                                                   tation markiert keineswegs das Ende der Diskussion,
und Kultur größer denn je. Uns allen fehlten Kino-                                                                  sondern dient als Grundstein für den weiterführenden
abende, Lesungen, Ballett, Theater, Konzerte, oder –     berührt: Gleichzeitig ist diese Pandemie für Kultur-       intensiven Dialog zwischen den Kulturschaffenden und
wie mir persönlich besonders – die Oper. Nicht nur       schaffende eine besonders harte Zeit. Die Kultur           der Kulturförderung.
hauptberufliche Künstlerinnen und Künstler machen        braucht unsere Solidarität.
Kunst. Viele Menschen verbringen ihre Freizeit mit
Chor- oder Orchesterproben, auf der Impro-Bühne          Umso drängender ist die Frage, wie wir für Kunst und
oder im Tanzkurs.                                        Kultur in Baden-Württemberg die richtigen Rahmen-
                                                         bedingungen schaffen können. Mit dem „Dialog | Kul-
Kunst und Kultur stiften Gemeinschaft, ermöglichen       turpolitik für die Zukunft“, der im Jahr 2018 von Kunst-
Begegnung und Austausch und bauen Brücken, die           ministerin Theresia Bauer und Kunststaatssekretärin
Menschen unterschiedlichster Herkunft und über           Petra Olschowski gestartet wurde, hat sich das Land
Generationen hinweg verbinden. Kultur stiftet Hei-       zum Ziel gesetzt, die Kultureinrichtungen in Baden-
mat, gibt Halt und Orientierung. Kunst und Kultur        Württemberg – insbesondere mit Blick auf die gesell-
sind aber auch wichtige Tabubrecher, überschreiten       schaftliche Transformation und damit verbundene He-
Grenzen und holen uns aus unserer Komfortzone. Sie       rausforderungen – zu unterstützen und zu begleiten.
geben uns Anstoß, verschiedenste Blickwinkel einzu-      Über den großen Anklang, den der Dialogprozess
nehmen, die uns dabei helfen, Haltung zu entwickeln      bislang gefunden hat, freue ich mich außerordentlich.
und Haltung zu zeigen. So auch aktuell in der Corona-    Eine Besonderheit war, dass aktuelle Themenfelder wie
Krise. Unsere Kulturschaffenden haben wunderbare         die „Digitalen Welten“, „Neue gesellschaftliche Bünd-
kreative Formate entwickelt und viele Menschen in        nisse“, „Strategien der Transformation“ oder „Kunst und    Winfried Kretschmann
unserem Land in einer schweren Zeit erreicht und         Kultur in ländlichen Räumen“ über die klassischen          Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg

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FÜR ZUKUNFT DIE - Ministerium für ...
Theresia Bauer MdL, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg                               Mit Mut in die Zukunft – Verantwortung für das Erbe

Mit Mut in die Zukunft –
Verantwortung für das Erbe

Lässt sich die Publikation über den „Dialog | Kultur-                                                                und Vertreter aus Stiftungen, kommunalen Verwaltun-        Kulturpolitik für die Zukunft“ ist für die Frage, welche
politik für die Zukunft“ und die Filmkonzeption stim-                                                                gen und der Landespolitik sowie engagierte Bürgerin-       Bedeutung und Akzeptanz Kunst und Kultur aus
miger einleiten als mit Artikel 5 des Grundgesetzes?                                                                 nen und Bürger. Vor dem Hintergrund tiefgreifender         ­Baden-Württemberg in der nächsten Dekade haben
Im Absatz 3 heißt es dort: Kunst und Wissenschaft,                                                                   Umbrüche in der Gesellschaft, die gegenwärtig und           werden, der richtige Weg.
Forschung und Lehre sind frei. Ein klares Bekenntnis.                                                                auch perspektivisch unseren Gestaltungswillen heraus-
Formuliert wenige Jahre nach Ende des Zweiten Welt-                                                                  fordern, wurde in großer Runde und in kleinen Arbeits-     Über den Sinn und die Ziele des „Dialogs | Kulturpolitik
kriegs und des verbrecherischen NS-Regimes, das                                                                      kreisen über die Notwendigkeit von Kunst- und Kultur-      für die Zukunft“ geben nachfolgende Beiträge Aus-
jede freie Entfaltung mit aller Gewalt unterband.                                                                    institutionen debattiert. Schließlich liegt viel von der   kunft. Als Ministerin für Wissenschaft, Forschung und
                                                                                                                     Verantwortung für die Gestaltung unserer Zukunft in        Kunst eines auch kulturell starken Landes trete ich für
Die im Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutsch-                                                                   den Händen der Kreativen. Das gilt umso mehr, wenn         eine freiheitliche Gesellschaft ein, die soziale, wirtschaft-
land festgeschriebene Freiheit der Kunst ist keine                                                                   wir unsere Zukunft nicht rein ökonomischen Prinzipi-       liche und politische Herausforderungen annimmt, da-
Selbstverständlichkeit. Gegenwärtige Generationen                                                                    en unterwerfen wollen, sondern mit unseren euro-           bei dialogfähig bleibt und für ein respektvolles Mitein-
und nachkommende sind aufgefordert, die in der Ver-                                                                  päischen Werten verbinden, also mit der Idee einer         ander einsteht. Dabei ist mir bewusst, dass wir in einer
fassung verankerte Freiheit von Kunst und Wissen-                                                                    freiheitlichen Gesellschaft aus aufgeklärten und mün-      Zeit leben, in der sicher geglaubte Gewissheiten brü-
schaft, Forschung und Lehre beherzt zu nutzen und sie                                                                digen Menschen.                                            chig werden und Orientierung verloren geht. Vieles ist
gegen Angriffe zu verteidigen. Als innovationstreiben-     „Dialog | Kulturpolitik für die Zukunft“ hat dieser Ge-                                                              im Umbruch. Mitten in diesem dynamischen Wandel
de Kräfte entscheiden Kunst und Wissenschaft, For-         setzestext zentrale Bedeutung. Artikel 5 des Grund-       Die Kunst ist frei. Und fordert jeden Menschen dazu        zwang uns das Coronavirus im März 2020 über Wochen
schung und Lehre mit darüber, was unsere Gegenwart         gesetzes steht als Bekenntnis und Verpflichtung in        auf, seine Ängste vor dem Unbekannten abzuschüt-           zur Aussetzung des öffentlichen, insbesondere des
bestimmt und die Zukunft prägen wird. Zugleich sind        dieser Publikation. Sie dokumentiert den 2018 gestar-     teln, den Horizont zu weiten und nach vorne zu blicken,    kulturellen Lebens. Der Lockdown beeinträchtigte die
sie sensibel reagierende Seismografen für das Erodie-      teten kulturpolitischen Dialogprozess und zeichnet in     statt in überholten Konzepten vergeblich nach Halt zu      reiche und starke Kunst- und Kulturlandschaft in be-
ren von persönlicher wie gesellschaftlicher Freiheit und   Texten, Fotos und Grafiken die ergebnisoffene Arbeit      suchen. Wobei künstlerische Perspektiven gerade auch       sonders tückischer Weise. Diese in ihrer ganzen Vielfalt
Rechtsstaatlichkeit. Das wissen wir nicht nur aus der      in den vier Foren „Digitale Welten“, „Strategien der      dann beflügeln, wenn sie sich kritisch mit aktuellen       zu erhalten und deren kreatives Potenzial weiter zu för-
Geschichte. Das lässt sich gegenwärtig auch in Ländern     Transformation“, „Neue gesellschaftliche Bündnisse“       Phänomenen auseinandersetzen. Schließlich gehört           dern, ist erklärtes Ziel des Landes.
beobachten, deren Regierungen sich von demokrati-          sowie „Kunst und Kultur in ländlichen Räumen“ nach.       die Kritik im philosophischen Sinn einer denkenden
schen Prinzipien abwenden. Als Neues denkende, of-         Diese Schwerpunktthemen wurden spartenübergrei-           Vernunft zu den Tugenden der Aufklärung.                   Unsere Gesellschaft steht vor großen, drängenden Fra-
fene, oft widerspenstige Geister gehören Künstlerinnen     fend auf 14 Veranstaltungen diskutiert. An dem dialo-                                                                gen und Herausforderungen – eine davon ist die Pan-
und Künstler zu den ersten, die solche Rückschritte        gisch angelegten Prozess beteiligten sich rund 1.250      So sind Kunst und Kultur wahre Meisterinnen darin,         demie, deren ökonomische und gesellschaftliche Aus-
bemerken. Ihre Gestaltungsspielräume werden von            Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem ganzen             Fragen zu stellen. Zum Beispiel nach Identität, Heimat     wirkungen noch schwer abzusehen sind. Zugleich sind
autoritären Regimen als erstes beschnitten. Vor allen      Land und darüber hinaus. Mit dabei waren Kulturak-        und Zugehörigkeit. Ihre Antworten liegen oft in einer      wir mit Veränderungen konfrontiert, deren Rasanz von
anderen spüren sie, wenn sich Freiräume verengen.          teurinnen und -akteure aus Museen, Theatern, sozio-       tiefer gehenden Befragung dieser Begriffe, liefern keine   historischem Ausmaß ist und die nahezu alle Bereiche
                                                           kulturellen Einrichtungen, Orchestern, Chören, Tanz,      engen Definitionen und fordern von uns als Publikum        des Lebens betreffen. Die Triebkräfte sind bekannt: Di-
Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei:     Literatur, Bibliotheken, Vereinen, Initiativen, aus der   und Rezipienten die Bereitschaft, immer wieder andere      gitale Technologien und die damit einhergehende Ver-
Für den vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung        freien Szene und der Breitenkultur, aus Jugendkunst-      Blickwinkel einzunehmen und den eigenen Standpunkt         änderung der Arbeitswelt, der Kommunikation und des
und Kunst Baden-Württemberg unter Federführung             und Musikschulen, dem Film- und Animationsbereich,        zu überprüfen. Im Austausch mit anderen gelingt            Informationsflusses, Globalisierung und Migration, der
von Staatssekretärin Petra Olschowski angestoßenen         aus Hochschulen, der Heimatpflege, Vertreterinnen         das am besten. Daher bin ich mir sicher: Der „Dialog |     Klimawandel und der Umstieg in die Klimaneutralität,

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FÜR ZUKUNFT DIE - Ministerium für ...
Theresia Bauer MdL, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg                                  Mit Mut in die Zukunft – Verantwortung für das Erbe

das Erstarken populistischer Strömungen, verbun-           diesem Sinne dient beispielsweise das von der Landes-        Baden-Württemberg ist mit seiner hohen Zahl an             Schauspiel, Tanz, Design, Filmgestaltung, Musikjour-
den mit einer zunehmenden Aggression im zwischen-          regierung 2017 auf den Weg gebrachte Förderpro-              Theatern, Orchestern, Museen, Literatureinrichtungen,      nalismus und Bildender Kunst ausgebildet. In ihrer
menschlichen Umgang bis hin zu einem Auseinan-             gramm „Digitale Wege ins Museum“ dazu, die Samm-             freien Ensembles, soziokulturellen Zentren, Festivals,     Gesamtheit decken die Hochschulen und die drei Aka-
derdriften der Gesellschaft, sei es in Arm und Reich       lungen in den Landesmuseen und im ZKM Zentrum für            Bibliotheken, Archiven, Akademien und Hochschulen          demien Filmakademie, Popakademie und Akademie
oder in Stadt- und Landbevölkerung. All das ge-            Kunst und Medien Karlsruhe, durch digitale Vermitt-          kulturell stark aufgestellt. Diese Kultureinrichtungen     für Darstellende Kunst das ganze Spektrum der Aus-
schieht mitten in Europa. Und wir suchen europäi-          lungsangebote besonders einem jungen Publikum zu-            stehen für Exzellenz, Vielfalt und Breitenkultur glei-     bildungsmöglichkeiten innerhalb der Künste ab. Unter
sche Antworten hierfür. Gerade, weil Europa mit            gänglich zu machen und neue Besucherschichten an-            chermaßen und befinden sich in urbanen Zentren wie         dem Namen „Zukunftskonferenz Musikhochschulen“
seiner langen Friedenszeit, seiner die Menschen-           zusprechen. Ist es nicht ein zutiefst demokratisches         auch in ländlichen Gegenden. Neben den bundesweit          haben wir 2014 Maßnahmen diskutiert, übrigens eben-
rechte achtenden Rechtsstaatlichkeit und seinem            Anliegen, die digitale Technik dazu zu nutzen, Kunst         und international beachteten Staatstheatern, dem           falls in einem Dialogprozess, um die Musikhochschulen
vergleichsweise stabilen Wirtschaftsraum ein Sehn-         und Kultur allen zur Verfügung zu stellen und Teilhabe       Nationaltheater Mannheim, den Landesmuseen, der            weiterzuentwickeln. Die Ergebnisse mün­­de­ten unter
suchtsort und -ziel für Menschen geworden ist, die         zu ermöglichen? Dass digitale Inhalte während des            Akademie Schloss Solitude, dem Zentrum für Kunst           anderem in einem Wettbewerbsverfahren, an dessen
Kriege, Terror und Perspektivlosigkeit hinter sich         Lockdowns gegen die unkontrollierte Ausbreitung des          und Medien Karlsruhe, dem Deutschen Literaturarchiv        Ende fünf Landeszentren ausgezeichnet wurden, die an
lassen wollen.                                             Coronavirus sogar zum wesentlichen Kulturangebot             Marbach, der Filmakademie Baden-Württemberg so-            den jeweiligen Standorten Schwerpunkte in der musi-
                                                           werden sollten, hätte zuvor wohl kaum jemand für             wie den Animations- und Visual Effects-(VFX-)Studios       kalischen Ausrichtung setzen und innovative Ansätze
Veränderungen können Angst machen. Das ist zunächst        möglich gehalten.                                            strahlen auch Festivals und musikalische Ensembles         verfolgen.
einmal ein verständlicher Schutzreflex. Wer Verunsi-                                                                    weit über ihren Standort und die Region hinaus. Man
cherungen und Zweifel nicht wahr- und ernstnimmt,          Dass Kultureinrichtungen und -akteure gesellschaftli-        denke etwa an den Heidelberger Frühling, die Donau­        Die baden-württembergische Landregierung weiß um
verleiht ihnen ungewollt mehr Macht. Deshalb ist es        che Aufgaben für ein demokratisches Miteinander              eschinger Musiktage, das Internationale Trickfilm-Fes-     die umfassende und weiterwachsende Bedeutung von
umso wichtiger, miteinander im Gespräch zu bleiben         haben und dafür garantierte Freiräume brauchen,              tival Stuttgart oder das Freiburger Barockorchester        Kunst und Kultur und unterstreicht diese hohe Wert-
und Ängsten mit gesicherten Fakten zu begegnen. Mit        steht nicht im Widerspruch zur Freiheit der Kunst.           und die Internationale Bachakademie.                       schätzung mit einem steigenden Kulturetat. Die Ge-
Mut und dem Willen, die Chancen in dem Wandel zu           Schließlich ist diese Freiheit Voraussetzung dafür,                                                                     samtausgaben für Kultur betrugen 2011, meinem ers-
erkennen, eröffnen sich Möglichkeitsräume, die sich        dass Kunst und Kultur mit ihren Beiträgen ihre ge-           Das qualitativ hohe und äußerst vielfältige Kultur­ange­   ten Jahr als Ministerin, 385 Millionen Euro. Seitdem ist
aktiv gestalten lassen. Oder wie es der Schweizer          sellschaftlichen Aufgaben und Verantwortlichkeiten           bot im Land wird rege genutzt. Das belegen rund 16         der Kulturetat kontinuierlich gestiegen. Mit dem Dop-
Schriftsteller Lukas Bärfuss in seinem Essay „Futuro-      erfüllen können – als stabilisierende Bausteine eines        Millionen Museumsbesuche pro Jahr in staatlichen,          pelhaushalt 2020/21 seit 2011 um rund 40 Prozent auf
logie“ formuliert: „Man mag von der Zukunft halten,        diskursiven, respektvollen und toleranten Miteinan-          kommunalen und privaten Häusern, vier Millionen Be-        530 Millionen Euro. Wobei die Ausgaben für die Corona-
was man will: eine freiheitliche Gesellschaft glaubt an    ders und in welcher selbstbestimmt gewählten Aus-            suche in öffentlich geförderten Theatern, Orchester-       Not­programme hierbei nicht berücksichtigt sind.
sie, mit ganzem Herzen.“ Das ist eine zutiefst aufklä-     drucksform auch immer.                                       vorstellungen und Festivals. Dazu kommen eine Million
rerische Haltung. Bärfuss schreibt in diesem Sinn: „Auf-                                                                Menschen, die in Musikvereinen aktiv sind, 330.000         Die Kernaufgabe der Kulturpolitik ist es, durch eine
klärung nach der berühmten Definition von Immanuel         Gehen wir also mutig ins Offene. Halten wir die Räume        Sängerinnen und Sänger in Chören sowie 12.000 Mu-          transparente und verlässliche Förderung sichere Rah-
Kant, ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst       weit für ein Denken und Handeln in Freiheit. Das meint,      sikensembles. Viele Tausend Menschen sind in Ama-          menbedingungen für Kultureinrichtungen, für Künstle-
verschuldeten Unmündigkeit. Dieser Ausgang, diese          verantwortungsvoll und demokratisch, kooperativ mit          teurtheatergruppen, in Trachtenvereinen und in der         rinnen und Künstler und auch für deren kreative Positi-
Bewegung, ist die grundsätzliche Methode: Die Zu-          solidarischem Interessenausgleich, mit gegenseitigem         Heimatpflege engagiert – das zeigt die große Bedeu-        onen, Experimente und Auseinandersetzungen in und
kunft ist offen, die Menschen können gestalten.“           Respekt und Toleranz gegenüber anderen Sichtweisen           tung der Breitenkultur im Land. Um die Amateurmusik        außerhalb der Kultureinrichtungen zu schaffen. Ein er-
                                                           und mit der Bereitschaft, sich auszutauschen, Kompro-        weiter zu stärken, unterstützt das Land zwei zentrale      heblicher Anteil der jährlichen Steigerung unserer Kul-
Letztlich bestimmt der Mensch, ob etwa die digitalen       misse zu schließen, Differenzen auszuhalten und vonei-       Neubauten für Musikakademien in Plochingen und             turausgaben fließt deshalb in die Tariferhöhungen, die
Technologien mit ihrer Option, Geräte mit Künstlicher      nander zu lernen. Hier gilt es, die Interkultur zu stärken   Staufen und investiert dafür 20,8 Millionen Euro. Als      das Land in Anerkennung der kreativen Arbeit in den
Intelligenz (KI) auszustatten und als lernende Systeme     und Diversität auch in den Strukturen zu fördern. Set-       Zeichen der Wertschätzung wurde beschlossen, die           Kunst- und Kultureinrichtungen regelmäßig ausgleicht.
zu begreifen, unser aller Leben im Privaten wie Beruf-     zen wir darauf, unsere Grundwerte auch im digitalen          pauschale Vergütung für Dirigenten und Dirigentin-         Nur so bleiben dort die für die Freiheit der Kunst ent-
lichen positiv oder negativ beeinflussen und wie sie       Zeitalter leben zu können und die Aufklärung fortzu-         nen, für Chorleiter und Chorleiterinnen zu erhöhen.        scheidenden Spiel- und Entwicklungsräume erhalten.
die Gesellschaft einschließlich der Politik verändern.     schreiben. Als mündige Bürgerinnen und Bürger sollten
Nicht wenige Kultureinrichtungen stellen sich diesen       wir auch in der Lage sein, digital mündig zu handeln. Ich    Darüber hinaus ist Baden-Württemberg ein erstklas-         Seit 2012 gibt es mit dem „Innovationsfonds Kunst“ ein
Aufgaben. Schon heute gelingt ihnen die kreative           danke Thea Dorn, Markus Gabriel und Bernhard Pörk-           siger Hochschulstandort, den es zu sichern gilt. Acht      zusätzliches flexibles Förderprogramm, das die Kunst-
Präsentation unserer digitalen Gegenwart. Technisch,       sen, die in ihren Impuls-Beiträgen die Spannungsfelder       Kunst- und Musikhochschulen gibt es hier. Kein an-         akteurinnen und -akteure bei neuen künstlerischen
konzeptionell, strukturell und programmatisch ma-          von Freiheit der Kunst und Demokratie, von Digitalität       deres Bundesland hat so viele Ausbildungsstätten           Fragestellungen unterstützt und ihnen für sämtliche
chen sie sich bereit für die nächste Dekade. Ganz in       und Verantwortung beleuchten und diskutieren.                für Kreative. Junge Talente werden dort in Musik,          Sparten neue Spielräume eröffnet. Die Akzente liegen

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Theresia Bauer MdL, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg                                Mit Mut in die Zukunft – Verantwortung für das Erbe

dabei auf den Förderlinien: Innovative Kunstprojekte,     im März 2019 in Berlin erklärt, ist diese Restitution für   Die baden-württembergische Landesregierung stellt        Künstler sind gefragt, die interne wie externe Kommu-
Kulturelle Bildung, Interkultur sowie Kunst und Kultur    uns kein Schlusskapitel der Aufarbeitung, sondern           sich diesen Aufgaben in dem Bewusstsein, der Kunst       nikation, Einkäufe und Abläufe, Strategien für Mobili-
für das ganze Land. Der „Innovationsfonds Kunst“          der Auftakt für eine Gesamtstrategie zum kolonialen         und Kultur ein angemessenes Zuhause zu geben. Für        tät bis hin zur Müllentsorgung und vieles mehr klima-
wird ergänzt durch die wichtigen Förderprogramme          Erbe. So ist es mir ein großes Anliegen, die Herkunfts-     ihre inhaltliche Arbeit brauchen Kulturorte Räumlich-    freundlich zu gestalten. Umweltzertifizierte Museen
der Baden-Württemberg-­Stiftung, insbesondere die         und Erwerbsgeschichte von Objekten aus kolonialem           keiten, die stärker als bislang dem gesellschaftlichen   sind bereits auf einem guten Weg. Die anderen Kultur-
Projektförderungen des Kunst­fonds.                       Kontext in den Beständen der Landesmuseen zu unter-         Austausch und der Begegnung dienen und sich für          einrichtungen brauchen nicht nur zusätzliche Kompe-
                                                          suchen und auch kommunale wie private Sammlun-              ein neues und jüngeres Publikum öffnen. WLAN im          tenzen und passende Leitlinien, sondern auch Anreize
Eine Aufgabe der Kulturpolitik des Landes ist es, da-     gen dahingehend zu unterstützen. Diese gemeinsam            Foyer ist da nur eine Maßnahme von vielen. Umfas-        durch entsprechende Förderrichtlinien.
für Sorge zu tragen, dass ein vielseitiges Kulturange-    mit den Herkunftsgesellschaften erarbeiteten For-           sende Renovierungen und Erweiterungsbauten ste-
bot auch ein die gesellschaftliche Vielfalt widerspie-    schungsergebnisse stellen wir online und machen sie         hen auch für die Kunsthalle Karlsruhe, das Badische      Die Kulturpolitik in Baden-Württemberg steht vor gro-
gelndes Publikum hat. Alle Menschen sollen Zugang         damit international zugänglich. Es ist eine intensive       Landesmuseum im Schloss Karlsruhe und für die            ßen Aufgaben und ist schon dabei, diese mit Blick auf
zu den Kraftquellen Kunst und Kultur haben. Darauf        kulturelle und wissenschaftliche Zusammenarbeit             Württembergische Landesbibliothek an, deren Neu-         die nächste Dekade anzugehen. Im „Dialog | Kulturpo-
zielen nicht nur die bereits erwähnten „Digitale Wege     zwischen dem Land Baden-Württemberg und Nami-               bau bereits die Stuttgarter Kulturmeile an der Kon-      litik für die Zukunft“ haben wir mit den thematischen
ins Museum“ mit neuen Vermittlungsformaten, dafür         bia entstanden, die ihresgleichen sucht und mit wei-        rad-Adenauer-Straße bereichert. Mit dem Neubau           Foren die zentralen Herausforderungen benannt: „Digi-
steht eine ganze Reihe von Maßnahmen der Kulturpo-        teren Kooperationspartnern ausgebaut werden soll.           der John Cranko Schule samt maßstabsgerechter            tale Welten“, „Strategien der Transformation“, „Neue
litik. Eine von Vielfalt geprägte Gesellschaft sehe ich   Das lange eurozentrierte Geschichtsbild wird durch          Probebühne für das Stuttgarter Ballett hat das Land      gesellschaftliche Bündnisse“ sowie „Kunst und Kultur
als Bereicherung und trete ausdrücklich für ein Mit-      die namibische Perspektive nicht nur korrigiert und         im Schulterschluss mit der Stadt Stuttgart soeben        in ländlichen Räumen“. Das geschieht im Austausch
einander auf Augenhöhe ein.                               vervollständigt, zwischen Museen, Hochschulen, Stu-         ein weiteres Bauprojekt beendet. Perspektivisch war-     mit den Kulturakteurinnen und -akteuren in den ver-
                                                          dierenden und Kunstakteurinnen und -akteuren wer-           ten zudem Depots der staatlichen Museen und Archive      schiedenen Einrichtungen, mit neuen Allianzen und
Nicht nur im Zusammenhang mit der Aufarbeitung des        den auch neue Kooperationen möglich.                        auf ihre Ertüchtigung. So soll das Deutsche Literatur-   unter Beteiligung der Zivilgesellschaft. So wie keine
Unrechts im Nationalsozialismus steht das Land Baden-                                                                 archiv in Marbach aus Mitteln des Bundes und des         Gruppe von dem gesellschaftlichen Wandel ausge-
Württemberg für einen zukunftsorientierten Umgang         Der Blick auf die Vergangenheit und die Beschäfti-          Landes einen Neubau für ein offenes digitales For-       nommen ist, so befindet sich eine jede in einem Trans-
mit der deutschen Vergangenheit. Das gilt ausdrücklich    gung mit dem kulturellen Erbe sind dem Land Baden-          schungslabor erhalten. Energetische Sanierungen          formationsprozess. Neben dem digitalen Wandel geht
auch für das koloniale Erbe. Dass es keinen Schluss-      Württemberg wichtig, das unterstreicht eindrucksvoll        und Modernisierungen stehen bei allen staatlichen        es dabei ganz wesentlich um strukturelle Veränderun-
strich unter die lernende Auseinandersetzung mit der      die Keltenkonzeption. Zum kulturellen Erbe Baden-           Gebäuden im Kulturbereich auf der Tagesordnung.          gen, die sich darauf auswirken, ob Kunst und Kultur
NS-Zeit geben kann und darf, hat die Landesregierung      Württembergs gehören aber auch die Kulturbauten.            Weitere große Bau- und Sanierungsvorhaben sind be-       auch in Zukunft relevant sind und Teilhabe für möglichst
durch ihr Engagement für die im Dezember 2018 er-         Im angestrebten Neubau des Linden-Museums, ver-             schlossen – die Staatliche Akademie der Bildenden        alle Menschen gewährleistet ist. Welche Maßnahmen
öffnete Einrichtung des Lern- und Gedenkorts im ehe-      bunden mit einer Neukonzeption hin zu einem ethno-          Künste in Stuttgart soll am Hauptstandort zusammen-      dafür notwendig sind, haben 1.250 Teilnehmerinnen
maligen Hotel Silber in Stuttgart bekräftigt. Das Land,   logischen Museum der Zukunft, soll dieser erweiterte        geführt und erweitert werden. Die Neueinrichtung von     und Teilnehmer beim „Dialog | Kulturpolitik für die Zu-
das Haus der Geschichte Baden-­Württemberg und die        Blickwinkel perspektivisch Raum erhalten. Das neue          Schloss Rosenstein ist angelaufen, auch beim Natur-      kunft“ spartenübergreifend und breit diskutiert. Ich bin
Stadt Stuttgart arbeiten hier mit engagierten Bürge-      Linden-Museum soll noch stärker ein Ort des Dialogs         kundemuseum Stuttgart gibt es Erweiterungsbedarf.        gespannt, wie sich dieser partizipative Prozess mit den
rinnen und Bürger zusammen, um demokratische              über historische und zeitgemäße Konzepte von Kul-                                                                    erarbeiteten inhaltlichen Impulsen fortsetzt.
Werte und Regeln, Grund- und Menschenrechte sowie         tur, Identität und Differenz werden und gehört an ei-       Die energetische Sanierung ist nur eine Maßnahme
die Prinzipien des Rechtsstaats zu vermitteln.            nen Standort im Herzen der Landeshauptstadt. Es ist         beim notwendigen Umstieg hin zur Klimaneutralität.       Wie beendet Lukas Bärfuss seinen schon erwähnten
                                                          eine ureigene, aber zu lange nachrangig behandelte          Nachhaltiges und ressourcenschonendes Arbeiten           „Futurologie“-Essay so treffend? „Wem etwas an der
Mein erklärtes Anliegen ist es, die Herkunfts- und        Aufgabe der Kulturpolitik, tradierte Kulturorte leben-      wird auch für die Kreativbranche zukunftsweisend         Aufklärung liegt, muss rausgehen und den Leuten er-
Erwerbgeschichte von Museumsbeständen zu klären.          dig zu halten und für die Zukunft auszurichten. Die         sein. Hier geht es zum einen um die Nutzung von          klären, dass es eine Zukunft gibt.“ Wer könnte das
Deswegen habe ich die systematische Provenienzfor-        auch aus arbeitsrechtlichen und brandschutztechni-          Green-­ IT, um Sharing-Konzepte bei technischem          freier, undogmatischer, vielgestaltiger und besser als
schung eingeführt, verbunden mit der Absicht, geraub-     schen Gründen notwendige Sanierung des Opern-               Equipment, nachgenutzte Möblierung und Räumlich-         diejenigen, die für die Kunst und Kultur dieses Landes
te Güter an die rechtmäßigen Besitzer beziehungsweise     hauses der Württembergischen Staatstheater, ver-            keiten. Zum anderen um ein für Umwelt und Mensch         sorgen. Mit ihrem Mut zur Komplexität, mit ihrer Lust
deren Erben zurückzugeben. Mit der Restitution der        bunden mit einer Erweiterung, zählt zu diesen               verträgliches Raumklima, um energiesparende Be-          am Diskurs, mit ihrer Weltoffenheit und Bereitschaft
Witbooi-Bibel und Peitsche im namibischen Gibeon im       komplexen Herausforderungen. Ebenso die beschlos-           leuchtungskonzepte oder um Bestrebungen, bei Film-       zu experimentieren und stets dazuzulernen, mit ihrem
Februar 2019 geschah das bundesweit erstmals im Zu-       sene Erneuerung des Badischen Staatstheaters Karls-         produktionen oder der Organisation von Festivals         Mut, neue Wege zu beschreiten. Genau das taten sehr
sammenhang mit der deutschen Kolonialgeschichte.          ruhe und die Generalsanierung des Nationaltheaters          deutlich stärker auf Nachhaltigkeit zu achten. Jede      viele Vertreterinnen und Vertreter aus Kunst und Kul-
Wie schon bei der Kulturministerkonferenz der Länder      Mannheim, an dessen Kosten sich das Land beteiligt.         Institution, jede Einrichtung, jede Akteurin und jeder   tur beim „Dialog | Kulturpolitik für die Zukunft“.

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Förderlandschaft Baden-Württemberg                                                                                 Museen und Kunstförderung                             Kulturelle Bildung / Interkultur
                                                                                                                    •	12 Museen in staatlicher Trägerschaft              • Forum der Kulturen Stuttgart
                                                                                                                    •	Museumsstiftung Baden-Württemberg                  • Programm Interkulturelle Qualifikation
                                                                                                                    •	Große Landesausstellungen                          •	Kompetenzzentrum Kulturelle Bildung
     Breitenkultur                                            Beteiligung an länderübergreifenden
                                                                                                                    •	Kunstförderankäufe                                    und Vermittlung Baden-Württemberg
                                                              Institutionen
     •	Landesverband Amateurtheater mit mehr                                                                       •	Kunststiftung Baden-Württemberg                       (in Gründung)
        als 600 Vereinen                                      • Kulturstiftung der Länder                           •	Kunstvereine
     •	Landesmusikverband mit rund 6.300                     •	Deutsches Zentrum Kulturgutverluste                •	7 Freilichtmuseen
        ­Vereinen                                             • Stiftung Preußischer Kulturbesitz                   •	Landesstelle für Museumsbetreuung
                                                                                                                                                                                    Digital@bw
     •	BDB Musikakademie Staufen im Breisgau                                                                          ­Baden-Württemberg
         und Musikzentrum Baden-Württemberg in                                                                                                                                      •	Förderprogramme
         Plochingen des BVBW (im Bau)                                                                                                                                                  Virtual Reality@bw
                                                              Soziokulturelle Zentren
     •	Bundesakademie für musikalische Jugend-                                                                                                                                     •	Digitale Wege ins
                                                                                                                    Literatur / Bibliotheken / Archive
         bildung Trossingen und Musikakademie                 •	Landesarbeitsgemeinschaft der Kulturinitia-                                                                           Museum 1 + 2
         Schloss Weikersheim                                     tiven und Soziokulturellen Zentren in Baden-­      •	Badische Landesbibliothek                                    •	Digitalmanager und
     •	Heimat- und Brauchtumspflege mit etwa                    Württemberg e. V. mit 72 Einrichtungen             •	Württembergische Landesbibliothek                               -managerinnen in
         500 Trachtenvereinen, 27 Narrenverbänden                                                                   •	Landesarchiv Baden-Württemberg                                  Landesmuseen
         und mehr als 1.300 weiteren Vereinen                                                                       •	Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg                 •	LEO-BW: Landes-
     •	Immaterielles Kulturerbe                                                                                    •	Deutsches Literaturarchiv Marbach und Arbeitsstelle             kunde entdecken
                                                                                      Internationales
                                                                                                                        für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten             ­online
                                                                                      •	Akademie Schloss               in Baden-Württemberg                                        •	Digitalität in künst-
                                                                                         Solitude                   •	Literaturhäuser und Literaturgesellschaften                      lerischen Studien-
     Förderprogramme / Initiativen
                                                                                      •	Institut für Auslands-     •	4 Fachstellen für das öffentliche Bibliothekswesen               gängen
     •	Innovationsfonds Kunst mit den Programmlinien innovative Kunst-                  beziehungen                •	Literaturtage, Kinder- und Jugendliteraturtage,
        und Kulturprojekte, Kunst und Kultur für das ganze Land, Interkultur          •	Internationale Boden-         ­Übersetzertage Baden-Württemberg
        und kulturelle Bildung                                                           seekonferenz               •	Übersetzerförderung
                                                                                                                                                                                    Musikförderung
     •	FreiRäume – Impulsprogramm der Landesregierung für den gesell-                •	Frankreich-­               • Literaturstipendien
        schaftlichen Zusammenhalt                                                        Konzeption                                                                                 •	3 Symphonische Orchester
     •	Keltenland Baden-Württemberg                                                  •	Donauraumstrategie                                                                         • 5 Kammerorchester
     •	Stiftung Kulturgut                                                            •	Namibia-Initiative                                                                         •	Förderung musikalischer
                                                                                                                    Film- und Medienförderung
     •	Corona-Soforthilfen für Soloselbständige und freischaffende                   •	Stipendien                                                                                    ­Ensembles und Chöre
        Künstlerinnen und Künstler, Nothilfefonds für Kunst- und Kulturein-                                         •	MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-                      • Musikfestivals
        richtungen, Impulsprogramme „Kunst trotz Abstand“ und „Kultur                                                  Württemberg – Filmförderung, Animation                       • Neue Musik
        Sommer 2020“, Soforthilfeprogramm für Vereine der Breitenkultur                                                und VFX, Games, Kino, Kreativwirtschaft,                     • Jazz und Pop
                                                                                                                       Film- und Medienbildung                                      • Landesmusikrat
                                                                                                                    •	Filmfestivals und Veranstaltungen                            •	Jugendmusikalische Spitzen­
                                                                                                                    •	Haus des Dokumentarfilms mit Landes­                             förderung, Jugendwettbewerbe
     Theater / Darstellende Künste
                                                                                                                       filmsammlung                                                     und landeszentrale Jugendmu-
     • Württembergische Staatstheater Stuttgart                                                                                                                                         sikensembles
                                                              Preise und Stipendien
     • Badisches Staatstheater Karlsruhe
     • 3 Landesbühnen                                         •	in den Bereichen Bildende Kunst, Literatur,
     • 9 Kommunaltheater                                         Musik, Tanz, Breitenkultur, Heimatforschung
                                                                                                                    Provenienzforschung /                Künstlerische Ausbildung
     • 46 Privat- und Figurentheater                             und mehr
                                                                                                                    Restitution
     •	Landesverband Freie Tanz- und Theater-                •	Hans-Thoma-Preis                                                                        •	2 Kunstakademien und Hochschule für Gestaltung Karlsruhe
        schaffende Baden-Württemberg                          •	Schiller-Gedächtnis-Preis                                                               •	5 Musikhochschulen
     • Kinder- und Jugendtheater                              •	Preis für literarisch ambitionierte Kleinverlage                                        •	Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg
     • Theaterfestspiele                                      •	Landesjazzpreis, Jazz-Ehrenpreis                                                        •	Filmakademie Baden-Württemberg und Animationsinstitut
     • Tanzförderung                                          •	Kleinkunstpreis Baden-Württemberg                                                       •	Popakademie Baden-Württemberg

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Petra Olschowski, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst                           „Kulturschaffende verstehen sich als aktiven Teil der Gesellschaft“

„Kulturschaffende verstehen sich als
 aktiven Teil der Gesellschaft“

 Petra Olschowski blickt im Gespräch mit Julia                                                                     auch auf die inneren Strukturen der Einrichtungen        ­ eführt. Und darum ging es uns. Nicht zuletzt: Mit
                                                                                                                                                                            g
 Lutzeyer, freie Journalistin und Redakteurin die-                                                                 und die gesellschaftliche Verortung der Kultureinrich-   „Kultur 2020“ wurden Themen wie Kulturelle Bildung
 ser Publikation, auf den „Dialog | Kulturpolitik für                                                              tungen schauen. So ergaben sich die vier Foren. Die      und Interkultur gesetzt. Seither ist in diesen Berei-
 die Zukunft“ zurück und gibt einen Ausblick, wie es                                                               Themen haben wir dann im Prozess immer wieder            chen viel passiert. 2012 haben wir beispielsweise den
 nun weitergeht.                                                                                                   ergänzt und präzisiert, immer auch im Spannungsfeld      schon angedachten „Innovationsfonds Kunst“ einge-
                                                                                                                   von Freiheit und Verantwortung gespiegelt.               führt und damit Impulse setzen können für innovative
                                                                                                                                                                            Kunst- und Kulturprojekte, für Kultur in ländlichen
                                                                                                                   Wie unterscheidet sich der „Dialog | Kulturpolitik       Räumen, für Kulturelle Bildung und für Interkultur.
                                                                                                                   für die Zukunft“ von dem 2009/10 erarbeiteten            Aber gerade in diesem Bereich wollten wir jetzt weiter-
                                                                                                                   Vorläufer „Kultur 2020“?                                 gehen – und das ist uns mit der beschlossenen Ein-
                                                                                                                      Die Erwartungen an Beteiligung sind heute viel        richtung des Kompetenzzentrums Kulturelle Bildung
                                                                                                                   höher. 2009/10 gab es zwar einige Facharbeitskreise      und Vermittlung gelungen, das durch den Dialog­
                                                                                                                   im Ministerium – damals durchaus progressiv. Wir         prozess inhaltlich vorbereitet wurde. Das Kompetenz-
                                                                                                                   haben jetzt mit Forenleitung, Beratungskreisen, Gast-    zentrum wird eine feste institutionelle Basis für das
 Frau Olschowski, mit welchen Anliegen haben Sie          hat unsere Erwartungen übertroffen. Vielleicht war die   referenten und dem aktiv mitarbeitenden Publikum         Thema schaffen und trennt nicht mehr zwischen
 den kulturpolitischen Dialog gestartet?                  Zeit überreif: Engagierte Kulturmenschen aus allen       1.250 Beteiligte gehabt – das ist eine ganz andere       Kultur und Interkultur, sondern begreift beides als
    Zunächst einmal ging es mir und dem Team darum,       Bereichen sind aufeinandergetroffen, die Hierarchie-     Größenordnung.                                           zusammenhängend.
 herauszufinden, welche Themen die Kulturschaffen-        ebenen wurden aufgelöst, eine neue Generation hat
 den und die Kulturszene aktuell und in den nächsten      etwa in den Beratungsteams Verantwortung über-           Wie lässt sich ein Dialogprozess mit so vielen Mit-      Sie waren auf fast allen Veranstaltungen. Welche
 Jahren beschäftigen – über alle Sparten hinweg. Aus-     nommen, und so wurde ein Expertinnen- und Exper-         wirkenden überhaupt moderieren?                          Eindrücke wirken nach?
 gangspunkt war die Frage, was sich seit der Konzeption   tenwissen generiert und zusammengefügt, das enorme          Wir haben mit Elke S. Sieber und den Forenleitern        Die große Offenheit im Gespräch miteinander. Die
 „Kultur 2020“ verändert hat: Welche neuen Herausfor-     Qualität hat.                                            zusammen eine klar definierte Prozessstruktur ent-       Energie, Kraft, das positive Miteinander. Das Engage-
 derungen stellen sich? Wie können Politik, Verwaltung,                                                            wickelt und professionelle Methoden in der Modera-       ment der Kulturschaffenden, ihre Expertise und ihre
 aber auch die Kulturschaffenden Veränderung gestal-      Über die Foren wurden vier inhaltliche Themenfel-        tion sowohl bei großen wie kleinen Veranstaltungen       Bereitschaft, Verantwortung für unsere demokratische
 ten? Und dann ging es mir auch darum, dass wir diesen    der abgesteckt. Wie kam es zu dieser Auswahl?            angewandt – spezifisch für das jeweilige Setting. Oft    Gesellschaft zu übernehmen, und die Offenheit, Neu-
 Wandel, den viele in der Produktion von Kunst und Kul-       Es sind Themen, die wir in ersten Gesprächen mit     mit gewagten Beteiligungsformaten, die aber alle – zu    es zu denken und zu wagen: Das ist ein großer Reich-
 tur ebenso beobachten wie das Publikum, nicht nur        Kolleginnen und Kollegen aus dem Ministerium, mit        meiner eigenen Überraschung – sehr gut funktioniert      tum in diesem Land.
 behaupten, sondern genauer analysieren und daraus        unserer externen Beraterin Elke S. Sieber und ihrem      haben. Zugleich waren wir offen für Unerwartetes und
 Handlungsfelder ableiten. Wichtig war mir zudem, die     Team, aber auch mit den Forenleiterinnen und Foren-      auch für unangenehme Fragen und Aussagen.                Kamen im Dialogprozess Diskussionsthemen auf,
 Beteiligten in einen intensiven Austausch zu bringen,    leitern herausgearbeitet haben. Dass die Digitalisie-                                                             mit denen Sie nicht gerechnet hatten?
 also ein Gemeinsamkeitsgefühl herzustellen.              rung alle umtreibt, war schnell klar. Auch die Frage     Nochmal zurück zu „Kultur 2020“: Was war dieses              Oh ja! Jede Menge. Dass man, wenn man über Kultur
                                                          nach der Kulturarbeit in den ländlichen Räumen be-       Mal inhaltlich neu?                                      in ländlichen Räumen spricht, auf einmal den öffent-
 Hat das funktioniert?                                    schäftigt uns seit längerem intensiv, auch aufgrund         Wir haben Querschnittsthemen ausgewählt, sind         lichen Nahverkehr diskutiert, ist so ein Beispiel. Auch
   Absolut. Dass das eine so konstruktive Dynamik         der Erfahrungen durch das Projekt „Trafo – Lernende      also nicht wie damals von Institutionen und Spar­        das große Interesse, Engagement und Wissen der
 auslösen würde, hat uns positiv überrascht. Der Dialog   Kulturregion Schwäbische Alb“. Dann wollten wir aber     ten ausgegangen. Das hat uns sofort zu den Inhalten      jüngeren Diskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmer

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Petra Olschowski, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst                               „Kulturschaffende verstehen sich als aktiven Teil der Gesellschaft“

hat mich überrascht und beeindruckt. Soll noch einer       Und abgesehen von den ländlichen Räumen?                   Auch das fordert viel von den Beteiligten. Über den        Welche genau?
behaupten, die nächsten Generationen würden sich              Im Rahmen des „Innovationsfonds Kunst“ wollen wir       Aspekt von Geld und Struktur hinaus, wird die wich-           Zum Beispiel die Frage nach der Zukunft des Kinos
nicht für unsere Einrichtungen interessieren! Auch         eine neue Förderlinie einrichten, die ausgewählte Trans-   tigste Herausforderung darin bestehen, verstärkt ein       als kulturellem Ort in den ländlichen Räumen oder die
wenn sie in Teilen andere Interesse und Wünschen ha-       formationsprozesse von Institutionen finanziell über       diverses und junges Publikum aus den verschiedenen         notwendige Aufwertung der Film- und Medienbildung
ben – zum Glück! – sind das keine getrennten Welten.       drei Jahre hinweg begleitet. Und wir haben das För-        Gesellschaftsgruppen anzusprechen und dabei das            parallel zur kulturellen Bildung. Gerade im Filmbereich
Es gibt produktive und wichtige Anknüpfungspunkte.         derprogramm „Digitale Wege ins Museum“ mit großer          klassische Kulturpublikum nicht zu verlieren. Das An-      hat sich das Verhalten des Publikums auffallend ver-
                                                           Kraft und beeindruckendem Erfolg vorangebracht –           gebot unserer Einrichtungen – egal welcher Größe           ändert. Nicht nur die jüngeren Zuschauer haben sich
Und die wären?                                             bis hin zu den 20 zusätzlichen festen Personalstellen,     und Art – muss in vielen Fällen diverser und vielfälti-    vom linearen Fernsehen verabschiedet und genießen
   Es zeigte sich, dass die junge Generation großes        die wir von diesem Jahr an in unseren staatlichen Mu-      ger werden, ebenso die Zusammensetzung der Teams.          die Unabhängigkeit von Zeit und Raum, um Filme oder
Interesse an den Angeboten und Programmen der              seen einrichten werden. Und wir richten schon jetzt        Das ist eine großartige Chance für uns alle. Doch das      Serien jederzeit und an fast jedem Ort sehen zu kön-
Kunst- und Kultureinrichtungen hat, gerade auch an         das Kompetenzzentrum Kulturelle Bildung und Ver-           passiert nicht von selbst! Es gibt noch viel zu tun, auf   nen – allein oder in Gruppen, die ganze Nacht hindurch
klassischen wie etwa an Theatern und Opernhäusern.         mittlung ein – mein Herzensprojekt. Dass wir schon         allen Seiten.                                              oder in Etappen. Gerade diese Tendenz zur Singulari-
Allerdings ist der Wunsch nach mehr aktiver Teilhabe       während des Dialogprozesses so erfolgreich sein wür-                                                                  tät und zum schnellen An- und Ausschalten beeinflusst
und nach offeneren Strukturen groß. Ein weiterer           den – das hatte ich nicht zu hoffen gewagt.                Hat sich Ihr Blickwinkel im Dialog verschoben?             auch das Publikumsverhalten in anderen Sparten.
Punkt ist das Thema Nachhaltigkeit – sicher auch be-                                                                     Interessant ist, dass viele Einrichtungen schon auf
einflusst von der Fridays-for-Future-Bewegung. Es          Wie wollen Sie gewährleisten, dass weitere Resultate       einem sehr guten Weg sind, ihre Angebote geöffnet          Wird der „Dialog | Kulturpolitik für die Zukunft“
hat sich gezeigt, dass wir die Themen Klimawandel          aus dem Dialogprozess handlungsleitend werden?             haben und Konzepte zur Vermittlung ihrer Arbeit viel       fortgesetzt und, wenn ja, in welcher Form?
und Nachhaltigkeit noch mal intensiver werden auf-             Die Ergebnisse sollen in den zuständigen Gremien       konsequenter mitdenken als früher. Manche allerdings          Das haben sich die Beteiligten der Foren gewünscht:
greifen müssen. Am meisten überrascht hat mich             des Landtags und im Plenum vorgestellt und disku-          halten an alten Modellen fest. Das ist übrigens ganz       dass es weitergeht. Das ist sicher in dieser umfassen-
aber, dass wir tatsächlich nicht nur über Geld geredet     tiert werden. Damit sind die Handlungsempfehlungen         unabhängig von Größe und Einfluss. Mir ist deutlich        den Form nicht möglich und auch nicht immer nötig.
haben, sondern über inhaltliche und strukturelle Her-      der Foren auch auf der politischen Ebene angekom-          geworden, dass die meisten Kulturschaffenden sich          Zu speziellen Themen aber werden wir das Gespräch
ausforderungen, die wir gemeinsam bewältigen wollen        men. Niemand wird sich davon grundsätzlich distan-         als aktiven Teil der Gesellschaft verstehen und nicht      weiterhin suchen und im Dialog bleiben, so wie ja
und können.                                                zieren können, zumal ein umfassender Beteiligungs-         nur etwas zum guten Zusammenleben beitragen wol-           schon beim #CooltourTalk mit Kulturakteurinnen und
                                                           prozess dahintersteht. Möglicherweise werden je            len, sondern auch vorausdenken. Das war durchaus           -akteuren zur Wiederöffnung der Kulturinstitutionen
Einige Anregungen wurden schon während des                 nach kulturpolitischer Haltung aber andere Schwer-         nicht immer so. Es gab Zeiten, da hat sich die Kunst       nach der coronabedingten Schließung geschehen.
Dialogprozesses aufgegriffen. Welche konkreten             punkte in der Umsetzung gesetzt. Dieser Spielraum          vor allem um die Kunst selbst gedreht. Heute muss          Darüber hinaus denke ich aktuell an Fragen zum Klima-
Maßnahmen haben Sie abgeleitet?                            ist durchaus wichtig. Es leitet sich aber auch ein Auf-    man manchmal sogar daran erinnern, dass die Kunst          schutz und zur Nachhaltigkeit. Auch die strukturelle
   Es war mir wichtig, dass wir nicht nur reden, sondern   trag für die Kunst- und Kulturschaffenden, für die         auch einen Wert für sich hat und dass – bei allen an-      Transformation der Einrichtungen wird weiteren Ge-
schnell ins Handeln kommen. Daher bin ich sehr dank-       Verbände und für die kommunale Ebene ab, die Er-           deren Fragen – das Ringen um hohe und höchste              sprächsbedarf mit sich bringen. Unbedingt intensivie-
bar, dass es gemeinsam mit der Bundeskulturstiftung        gebnisse in eigener Verantwortung umzusetzen und           Qualität in der künstlerischen Arbeit nicht vernach-       ren will ich den Kontakt mit Jugendlichen und Men-
und den Landkreisen möglich war, dem Wunsch der            weiterzuentwickeln.                                        lässigt werden darf.                                       schen der verschiedenen Kulturen, die nur punktuell
Beteiligten nach Regionalmanagerinnen und Regional-                                                                                                                              vertreten waren. Ich ermuntere auch alle Beteiligten,
managern Kultur im ländlichen Raum zu entsprechen.         Welche Herausforderungen müssen aus Ihrer Sicht            Ihnen war wichtig, die Filmkonzeption in diese             die Impulse aus dem Dialogprozess aufzunehmen und
Um diese einzusetzen, wurden schon die Vorausset-          gemeistert werden, damit Kunst und Kultur in               Dokumentation aufzunehmen. Warum?                          die Vernetzung sowie den inhaltlichen Austausch in
zungen geschaffen. Sechs Landkreise sind ausgewählt        ­Baden-Württemberg auch in Zukunft relevant sind?             Die Kreativwirtschaft des Landes wächst dyna-           eigener Verantwortung fortzusetzen. Wenn das gelingt,
und haben mit dem Programm begonnen, von dem                  Kunst und Kultur in diesem Land müssen ausrei-          misch, gerade in den Bereichen Visuelle Effekte, Ani-      wäre auch das ein überzeugendes Ergebnis.
wir uns eine Verbesserung der ortsübergreifenden           chend finanziert sein – das bleibt eine zentrale Her-      mation, Virtual Reality und Spieleentwicklung. Parallel
Kooperationen, eine Stärkung des Ehrenamts und eine        ausforderung, gerade wenn wir auch über Aspekte wie        zum Kulturdialog haben wir in einem anderen Beteili-       Bitte ergänzen: 2030 stehen Kunst und Kultur in
bessere Vernetzung der Akteurinnen und Akteure             „Gute Arbeit“ oder Klimaschutz sprechen. Wir haben         gungsverfahren die bisher geltende Filmkonzeption          Baden-Württemberg für …
versprechen. Das zweite Programm für die ländlichen        schon zu Beginn der Corona-Krise gesehen, wie pre-         auf den Prüfstand gestellt. Es war mir wichtig, dass          ... Vielfalt, Toleranz, Offenheit, Empathie, für die
Räume trägt den Titel „FreiRäume“. Damit fördern wir       kär viele Kultureinrichtungen aufgestellt sind und viele   zentrale Ergebnisse dieser Gespräche auch im Kon-          ganze Breite der Gesellschaft und die ganze Tiefe
die kulturelle Nutzung von Leerständen oder ermögli-       Künstlerinnen und Künstler leben. Gleichzeitig muss        text des Kulturdialogs auftauchen, weil Film und Me-       menschlicher Erfahrungswelten. Vor allem aber ste-
chen die Stärkung von örtlichen Bibliotheken. Es geht      es möglich sein, dass sich Schwerpunkte innerhalb von      dien Kultur sind, es viele Schnittstellen mit den ande-    hen sie für Freiheit!
also um die Dritten Orte, die jenseits von Privatleben     Institutionen bei gleichbleibendem Budget verschie-        ren Bereichen gibt und uns einige Fragen hier wie
und Beruf Begegnung und Austausch ermöglichen.             ben – zum Beispiel hin zu mehr Vermittlungsarbeit.         dort beschäftigen.                                         Vielen Dank für das Gespräch.

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Dialog | Kulturpolitik für die Zukunft

Prozess                                                                                                               Forenbeiträge

Den Ausgangspunkt des vom Ministerium für Wissen-         und Protokolle der Veranstaltungen veröffentlicht. Da-      Die zentralen Zusammenfassungen der Arbeit aus             Die im Anschluss an die Forentexte als Best Practice
schaft, Forschung und Kunst entwickelten „Dialogs |       durch konnten auch Nicht-Teilnehmende am Dialog-            den vier Foren sind als Beiträge der Autoren und der       aufgeführten Beispiele aus dem Kulturleben des
Kulturpolitik für die Zukunft“ bildeten Leitfragen zu     prozess partizipieren. Erweitert durch die externe          Autorin zu lesen. Die jeweilige Forenleitung hatte freie   Landes geben eine Anregung, wie bestimmte Themen
den vier Themenfeldern: „Digitale Welten“, „Strate-       Beraterin Elke S. Sieber steuerte im Ministerium ein        Hand bei der Ausgestaltung und Schwerpunktsetzung          und Aufgaben angegangen werden können. Gleich-
gien der Transformation“, „Neue gesellschaftliche         Lenkungsteam den Prozess in enger Abstimmung mit            der Texte. Zugleich waren die Forenleiter und die Fo-      wohl bleiben sie Beispiele. Die unter Best Practice
Bündnisse“, „Kunst und Kultur in ländlichen Räumen“.      den Forenleiterinnen und den Forenleitern. Je ein           renleiterin den in wechselnden Kollektiven entstan-        genannten Einrichtungen und Projekte sind als positive
Bei der Auftaktveranstaltung im Juni 2018 wurden          Beratungskreis begleitete die inhaltliche und metho-        denen Diskussionsergebnissen des gesamten Dialog-          Beispiele weder vollständig, noch sind sie inhaltlich
diese Leit­fragen von anfangs 300 Kulturakteurinnen       dische Arbeit in den Foren, der aus Expertinnen und         prozesses verpflichtet und erarbeiteten ihre Beiträge      absolut zu setzen.
und -akteuren überprüft und in den vier themati-          Experten für das jeweilige Themenfeld bestand und           in enger Abstimmung mit ihren Beratungskreisen und
schen Foren geschärft.                                    weitere Impulse sowie Best-Practice-Beispiele ein-          Tandempartnern am Ministerium.
Um möglichst viele Perspektiven zu integrieren, setz-     speiste. Die politischen Vertreterinnen und Vertreter
ten Ministerin Theresia Bauer und Staatssekretärin        des Landtages, Mitarbeitende des Ministeriums für
Petra Olschowski als Verantwortliche auf eine breite      Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie anderer             Themen
Beteiligung. Zu den 14 Veranstaltungen an acht Orten in   Ministerien wurden regelmäßig über den Verlauf in-
ganz Baden-Württemberg luden sie Kulturakteurinnen        formiert.                                                   • Digitalität • Verantwortung • Aufklärung • Co-Kreation / Kollaboration • Open Source / Open Access
und -akteuren aller künstlerischen Sparten, Expertin-                                                                 • Humanität • Digitale Kompetenz • Neue Arbeitskultur • Nachhaltigkeit / Green IT • Öffnung • Agilität
nen und Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft,         Mit dieser Publikation lässt sich der „Dialog | Kulturpo-   • Neue Bündnisse • Demokratie • Gesellschaftlicher Zusammenhalt • Zivilgesellschaft • Netzwerke
Vertreterinnen und Vertreter aus Kulturpolitik, Verwal-   litik für die Zukunft“ nachvollziehen, der mit weiteren     • Empowerment • Internationalität • Critical Friends • Soziokultur • Freundes- und Förderkreise
tung sowie engagierte Bürgerinnen und Bürger ein. Ins-    Vernetzungsformaten fortgesetzt werden soll. Sie fasst      • Beratungsstrukturen • Transformation • Diversität / Vielfalt • Interkulturelle Kompetenzen
gesamt nahmen um die 1.250 Personen am „Dialog |          die Ergebnisse und Schlussfolgerungen aus den Foren         • Evaluation • Teilhabe • Kulturvermittlung • Publikumsforschung • Dritte Orte • Rauminnovationen
Kulturpolitik für die Zukunft“ teil. Ein prozessuales     zusammen und stellt die daraus abgeleiteten Hand-           • Das Publikum von morgen • Ländliche Räume • Demografischer Wandel • Tradition / Kulturelles Erbe
Vorgehen und agile Methoden sicherten die kontinu-        lungsempfehlungen vor.                                      • Regionalentwicklung • Regionale Verantwortungsgemeinschaften • Zwischenraummanager
ierliche Einbindung neuer Erkenntnisse.                   Die digitale Version umfasst einen erweiterten The-         • Professionalisierung • Ehrenamt • Attraktive Kulturorte • Breitenkultur • Inklusion • Vernetzung
                                                          menspeicher sowie Bildergalerien von den Veran-             • Best Practice • Geschlechtergerechtigkeit • Bürgerschaftliches Engagement
Auf der Homepage des Ministeriums wurde der Dialog-       staltungen und verfügt über eine nach den zentralen
prozess transparent dargestellt. Dort wurden Vorträge     ­Begriffen geordnete Suchfunktion.
                                                                                                                      Methoden
                        →  https://dialog-kulturpolitik-fuer-die-zukunft.landbw.de
                                                                                                                      • Workshops • Design Thinking Adaptionen • Thementische • Kreatives Speed Dating • World Café
                                                                                                                      • Fishbowl • Open Space • Road to Hell • Video Streaming • Social Media Chats
Die vier Foren                                                                                                        • Online-Diskussionen • Kurzpräsentationen • Paneldiskussionen • Konferenzformate • Zukunftswerkstatt
                                                                                                                      • Podiumsdiskussionen • Fachgespräche • Experteninterviews • Feedback-Runden • Mind Mapping
Digitale Welten             Strategien der                Neue gesellschaftliche       Kunst und Kultur in            • Cluster-Darstellungen • Impulse • Vorträge • Keynotes • Online-Umfrage • Guerilla-Befragungen
                            Transformation                Bündnisse                    ländlichen Räumen

                                                                                                                      Orte

                                                                                                                      • Ettlingen • Freiburg­  • Karlsruhe • Lauchheim • Mannheim • Singen • Stuttgart • Ulm

                                                                                                                      2018                                            2019                                            2020 ->
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