Geschäftsbericht 2020 - IHK Regensburg
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Das Jahr in Zahlen
13.105 Rund 85.100 52,6 %
Auszubildende in den Mitgliedsunternehmen
Mitgliedsunternehmen
Exportquote (Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten)
davon
4.369 467 76.905
neue Auszubildende Stellungnahmen in ausgestellte Außenwirtschaftsdokumente
der Bauleitplanung3
805 1.686 4.165
Einstiegsgespräche und Teilnehmer an Auskünfte zu Rechtsfragen
Intensivberatungen für Gründer Weiterbildungsangeboten
4.094 2.806 997.522
Prüferinnen und Prüfer in der Teilnehmer an
Website-Besuche auf den Internetseiten der IHK
Aus- und Weiterbildung Weiterbildungsprüfungen
81
IHK-Webinar-Veranstaltungen insgesamt4
Inhalt
Das Jahr in Zahlen 2
Vorwort 5
Wirtschaft im Corona-Jahr: Was die IHK bewegte 6
Wirtschaft im Corona-Jahr: Konjunktur unter Druck 10
Standort stärken 14
Fachkräfte fördern 18
Weltweit wirtschaften 22
Vollversammlung 24
Gremien 26
Mitglieder im Ehrenamt 36
Bilanz, GuV und Finanzrechnung 46
Impressum
Herausgeber Konzeption, Layout & Gestaltung Druck Fotos
IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim Burckhardt Design GmbH Schmidl & Rotaplan Druck GmbH Bayreuther (Titel, 6, 7, 8, 14, 19), Knorr (5),
D.-Martin-Luther-Straße 12 Hermann-Geib-Straße 18 Hofer Straße 1 Hannes (10, 22, 37, 41), Burdack (13, 25, 26),
93047 Regensburg 93053 Regensburg 93057 Regensburg Hanke (27, 28, 29, 30, 33), Stolberg (31),
0941 5694-0 0941 784934-0 0941 69695-0 DIHK (32), Franck (34)
info@regensburg.ihk.de kontakt@burckhardtdesign.de info@schmidl-rotaplan.de
www.ihk-regensburg.de www.king-of-design.de www.schmidl-rotaplan.de
Redaktion
Herta Riedl, Ramona Bayreuther, Stand April 2021
Simone Hannes, Peter Burdack
Alle Rechte liegen beim Herausgeber.
Ein Nachdruck – auch auszugsweise –
ist nur mit ausdrücklicher schriftlicher
Genehmigung des Herausgebers gestattet.5
Vorwort
Kein Jahr wie jedes andere
Mehr als ein Jahr bestimmt die Corona-Krise nun schon über unser privates, gesell-
schaftliches und wirtschaftliches Leben. Die Verwerfungen in der Wirtschaft werden
uns noch lange begleiten, auch wenn wir die Pandemie – so hoffen wir es – im Jahr
2021 in den Griff bekommen. Mut machen uns der Zusammenhalt, das Engagement
und die Kreativität, mit welcher sich Ostbayerns Unternehmerinnen und Unternehmer
gegen die Krise stemmen.
Trends wie die Digitalisierung, die Flexibilisierung der Arbeitswelt oder die Transfor-
mation unserer Ortszentren erfuhren seit Frühjahr 2020 eine Beschleunigung bis hin
zur Überschallgeschwindigkeit. Wer diese Welle reiten kann, der geht gestärkt aus der
Corona-Pandemie hervor. All das kann jedoch nicht aufwiegen, wie sehr einige Bran-
chen in der Region unter den Corona-Maßnahmen leiden, wie sehr Existenzen auf dem
Spiel stehen oder wie viele den Kampf bereits verloren haben.
Die IHK ist Bindeglied zwischen Politik und Unternehmerschaft, sie zeigt auf, wo Maß-
nahmen zu weit gehen, wo Vernunft an den Tag gelegt werden sollte, wo die Soli-
dargemeinschaft an ihre Grenzen stößt. Wie kein anderes Jahr ist uns als Vertretern
des Gesamtinteresses der Wirtschaft diese Aufgabe bewusst geworden, wie in keinem
anderen Jahr haben wir auf die Politik eingewirkt, haben Unternehmen in Schieflage
beraten und versucht, das Wirtschaftsgeschehen in der Region mit am Leben zu erhal-
ten. Der Blick in die Ereignisse von 2020 macht uns nachdenklich, aber er stimmt uns
auch zuversichtlich, dass wir gemeinsam mit Ihnen die kommenden Herausforderungen
stemmen werden.
Wir wünschen Ihnen alles Gute für Ihre Geschäfte. Den Gen-Code anpackenden
Unternehmertums, der unsere Region widerstandsfähig macht, kann auch kein Virus
knacken!
Dr. Jürgen Helmes Michael Matt
Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg Präsident der IHK Regensburg
für Oberpfalz / Kelheim, für Oberpfalz / Kelheim
Geschäftsführer der IHK-Akademie
Michael Matt Dr. Jürgen Helmes in Ostbayern GmbH6
Wirtschaft im Corona-Jahr: Was die IHK bewegte
Ende Januar 2020 wurde der erste Corona-Fall in Deutschland
bestätigt. Noch war nicht absehbar, welche Auswirkungen für
Gesellschaft und Wirtschaft bald folgen sollten. Mit der Aus-
breitung des Corona-Virus erwarteten die Unternehmen in der
Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim jedoch schon einen Mo-
nat darauf, Ende Februar, deutliche Belastungen für die weltweite
Wirtschaft. „Ostbayerns Unternehmen sind mit einer Exportquote
von über 55 Prozent eng mit der Welt vernetzt. Die Ausbreitung
des Corona-Virus in Ländern mit wichtigen Handelsbeziehungen
wie China und Italien beobachten die Unternehmen mit großer
Sorge. Das Corona-Virus wirkt sich jetzt schon negativ auf den
Welthandel aus und trifft somit auch unsere Exportwirtschaft“,
sagte IHK-Präsident Michael Matt. Noch sprach man von einer
Epidemie, sah aber voraus, dass auch in anderen europäischen
Regionen bald Quarantänemaßnahmen erforderlich seien, die
Produktions- und Lieferausfälle nach sich zögen. Bereits da appel-
lierten die IHKs an die Politik, gerade für kleine und mittelständi-
sche Unternehmen Finanzhilfen bei Liquiditätsproblemen vorzu-
bereiten. Als Blaupause sahen die IHKs eine Wiederbelebung des
sogenannten Mittelstandsschirms, der vielen Unternehmen wäh-
rend der Finanzkrise vor einem Jahrzehnt unbürokratische Hilfe
bot. Für die Gewährleistung innerbetrieblicher Abläufe empfahl
die IHK Regensburg ihren Mitgliedsunternehmen zur Prävention
vor Ansteckungen eine Informationsoffensive zu Hygieneregeln.
„An erster Stelle steht jetzt ein besonnenes und professionelles
Krisenmanagement“, sagte Matt.7
Hilfe zur Selbsthilfe leisten
Anfang April, in der dritten Woche des ersten bundesweiten
Lockdowns, war Corona in der Wirtschaft gänzlich angekom-
men, aus der Epidemie war eine Pandemie geworden. „Fast
alle Unternehmen in unserem IHK-Bezirk spüren die negativen
Auswirkungen des Corona-Virus und rechnen mit teilweise ein-
schneidenden Umsatzeinbrüchen. Für viele geht es gerade um
alles. Sie kämpfen um ihre Existenz. Und sie setzen alles daran,
um die Beschäftigung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
zu sichern“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes
dann. Bayern und der Bund hätten ein beispielloses Hilfspaket
geschnürt, um die Betriebe zu unterstützen. Direkte Soforthilfen
oder die Aussetzung von Steuerzahlungen sollten dafür sorgen,
dass jeder – vom Soloselbstständigen bis zum Global Player – Mitgliedsunternehmen. „Keiner von uns kann im Moment sagen, wie lange die Krise andauern
seine laufenden Kosten bestreiten kann. Was in diesen Zeiten wird. Wir alle fahren momentan auf Sicht. Unsere Botschaft an die Unternehmerinnen und
Mut machte: „Die Menschen halten fest zusammen. Unterneh- Unternehmer lautet: Wir sind für sie da, um sie bestmöglich durch die Krise zu lotsen und ge-
men entwickeln mit ihren Mitarbeitern kreative Konzepte oder meinsam mit ihnen diese Krise durchzustehen“, versicherte Helmes.
stellen ihre Produktion um, um die Krise zu bewältigen.“
Gleichzeitig setzte die IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim zu Telefonische Hotline in der ersten Welle von Mitte März bis Mitte Juni 2020
den dringlichsten Themen von Corona-Hilfen über das Geschäft (drei Monate)
mit Tschechien hin zu Fragen der Kurzarbeit oder des Arbeits- -> sieben Expertenhotlines
rechts der regionalen Wirtschaft Experten-Hotlines ein, sie erwei- -> insgesamt 12.500 Beratungen
terte ihr Angebot auf der Webseite und in ihren Newslettern, um
bestmöglich zu informieren. Telefonische Hotline in der zweiten Welle zum Start des „Lockdown light“ vom
29. Oktober 2020 bis 8. Januar 2021
Ein IHK-interner Krisenstab stellte die Arbeit der IHK auf neue -> drei Hotlines (Finanzielle Hilfen, Tschechien, Handel, Gastro, Tourismus)
Beine, die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten -> ca. 1.600 Beratungen
„remote“ aus dem Homeoffice. Die Digitalisierung im „Brennglas 463.003 Website-Besuche zu Corona-Informationen im Jahr 2020
Corona“ durchlebte die IHK gleichermaßen wie auch ihre 84.0009
Liquidität der Unternehmen im Blick Ausbildung sichern
Wie Ostbayerns Wirtschaft wieder in Fahrt kommen kann, the- Dass die Corona-Pandemie am Ausbildungsmarkt in der Region nicht spurlos vorüberging,
matisierte die IHK nach dem Lockdown im Frühjahr angesichts zeigte sich im Sommer 2020. In der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim waren im Juli in
des 130 Milliarden Euro schweren Konjunkturpakets des Bundes. den IHK-Berufen rund 4.800 unbesetzte Lehrstellen gemeldet. Dem gegenüber standen etwa
„Jetzt kommt es darauf an, dass die Betriebe schnell von den in 1.100 Bewerber, die noch keinen Ausbildungsvertrag unterschrieben hatten. Neben der demo-
Aussicht gestellten Hilfen profitieren, und dass die staatlichen grafischen Entwicklung und dem Trend zur Akademisierung lag das aus Sicht der IHK am Feh-
Planungsverfahren bei den angekündigten Investitionen in den len von Bausteinen in der Berufsorientierung, wie etwa den regionalen Job-Messen. Im Laufe
Infrastrukturausbau beschleunigt werden“, schätzte Dr. Jürgen des Jahres konnten – auch dank verstärkt digitaler Angebote wie etwa dem fortan virtuellen
Helmes. Schon da forderte die IHK auch steuerliche Impulse, wie Format der IHK-Azubi-Scouts – noch viele junge Menschen mit Betrieben zusammengebracht
etwa die Ausweitung des Verlustrücktrags sowie zusätzliche Hil- werden. Dass das Ausbilden in den Unternehmen während und nach der Corona-Krise gesi-
fen für besonders stark betroffene Unternehmen. „Vor allem die chert bleibt, dafür sorgte zusätzlich der Bund mit dem Förderprogramm „Ausbildungsplätze
Überbrückungshilfen für Firmen mit Liquiditätsschwierigkeiten sichern“. Hier gab es Prämien für Unternehmen, die weiterhin vielen jungen Menschen Be-
sind wichtig, um eine Insolvenzwelle und Beschäftigungsverluste rufschancen geben. Auch das Prüfungsniveau konnte die IHK unverändert hoch halten. In
abzumildern“, erklärte Helmes. Als „zukunftsgerichtet“ bezeich- Summe war 2020 für die berufliche Bildung ein forderndes, aber kein verlorenes Jahr.
nete die IHK die angekündigten steuerlichen Begünstigungen
etwa bei der degressiven Abschreibung und der Forschungsförde-
rung, weil das für die Firmen Investitionsanreize schaffe. Damit
die öffentlichen Haushalte auf lange Sicht wieder von Gewerbe- Digitalisierung ermöglichen
steuereinnahmen profitieren können, sollten durch staatliche In-
vestitionen für die Firmen Aufträge generiert werden. Im Herbst 2020 befand sich Ostbayerns Wirtschaft auf dem Weg der Besserung. Der Co-
rona-Sommer verlief, aus der Rückschau betrachtet, erstaunlich normal und sorgte für
eine Wiederbelebung aller Branchen. Ab Ende Oktober – spätestens mit dem Auslaufen
des „Lockdown light“ im November sowie dessen Übergang in einen „harten“ Lockdown ab
Dezember – trübte sich die Geschäftslage in vielen Branchen ein. Ein langer Winter hielt in
der regionalen Wirtschaft Einzug. Zum Ende des Jahres diskutierte die IHK-Vollversamm-
lung über die Rahmenbedingungen, welche es braucht, damit die Wirtschaft nach der
Corona-Krise wieder durchstarten kann. „Standortfaktoren wie beispielsweise eine mo-
derne Breitband-, Mobilfunk- und Verkehrsinfrastruktur sind grundlegend für die künftige
Entwicklung des Wirtschaftsraums und den Erfolg der Betriebe vor Ort“, betonte IHK-Prä-
sident Michael Matt im Plenum der regionalen Unternehmerinnen und Unternehmer.10
Wirtschaft im Corona-Jahr: Konjunktur unter Druck
Strukturelle Veränderungen im Automotive-Bereich und durch die Digitalisierung ange-
stoßene Disruption sowie Rückgänge im Auslandsgeschäft sorgten noch im Herbst 2019
für Skepsis bei den Geschäftserwartungen der regionalen Wirtschaft. Anfang 2020 stellte
sich das vorerst als „Konjunkturdelle“ heraus, bevor der Corona-Sturm über die Wirtschaft
hereinbrechen sollte. Er beschleunigte die Digitalisierung der Wirtschaft mit einem Turbo.
Prozesse, wie sie wohl erst in Jahren flächendeckend eingeführt worden wären, wurden
innerhalb weniger Monate zu Standards in Industrie, Handel und Dienstleistungen.
Das Jahr startete optimistisch
Bei der Konjunkturumfrage zu Jahresbeginn 2020 machte sich noch Optimismus breit. „Die
negativen Prognosen bei Industrie und Dienstleistern sind nicht in vollem Ausmaß einge-
treten. Auch die Exportwirtschaft blickt wieder etwas optimistischer in die Zukunft, das
Bauwesen ist nach wie vor oben auf“, fasste IHK-Präsident Michael Matt die Ergebnisse der
Umfrage bei einem Pressegespräch in der IHK zusammen. Jedes fünfte Unternehmen erwar-
tete eine Verbesserung des Geschäftsvolumens. Bei allem Optimismus konnte die heimische
Wirtschaft jedoch nicht an das hohe Niveau der Vorjahre anknüpfen.
Jahrelang hatte Ostbayerns Exportwirtschaft einen Rekord nach dem anderen gejagt. 2019
stoppte dieses Dauerhoch. Die Auftragslage zum Jahresbeginn 2020 bleibt bei der exportie-
renden Industrie weiterhin schwach. „Den Turbulenzen auf den Auslandsmärkten zum Trotz
soll die Auslandsnachfrage aber wieder ansteigen“, berichtete Matt. Über alle Branchen
hinweg bleibt die Beschäftigtenzahl konstant auf hohem Niveau.11 Folgen des ersten Lockdowns Die Konjunkturumfrage der IHK im Mai zeigte dann die Folgen des ersten Corona-Lockdowns für die Wirtschaft und Wege aus der Krise auf. „Ostbayerns Wirtschaft leidet massiv unter den Folgen der Coronakrise. Der IHK-Konjunkturklimaindikator sinkt auf den niedrigsten Wert seit der Finanzkrise im Sommer 2009“, stellte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes fest. „Der Lockdown des öffentlichen Lebens hat in einigen Branchen für einen sofortigen Zusam- menbruch der Geschäftslage gesorgt“, so Helmes weiter. Bei der Finanzkrise vor einem guten Jahrzehnt sei es noch „deutlich langsamer“ nach unten gegangen. 46 Prozent der Unternehmen berichteten zur Jahresmitte über stornierte Aufträge. Am stärksten betroffen waren der Tou- rismus mit 96 Prozent Auftragsrückgang und die Industrie mit minus 51 Prozent. Lediglich das Bauwesen spürte keine Einbußen. Nicht alles schien schlecht durch die Corona-Krise. Die Wirtschaft reagierte schnell und kre- ativ. „Es ist bemerkenswert, wie agil unsere Wirtschaft auf geänderte Rahmenbedingungen reagiert hat. Vor allem Dienstleister, aber auch Handel und Industrie veränderten angesichts der Corona-Bedingungen ihre Geschäftsmodelle oder die Vertriebswege“, zeigte sich Helmes beeindruckt. Einige Industriebetriebe sattelten spontan um auf die Produktion von Schutzmas- ken oder Desinfektionsmitteln, stationäre Händler und Restaurants digitalisierten in Windeseile ihren Vertrieb und lieferten kontaktlos zu den Kunden. Hotellerie, Gastronomie und Freizeitein- richtungen konnten dank der ersten Lockerungen ab den Pfingstferien mit kreativen Geschäfts- ideen aus der Talsohle starten. „Das macht uns Mut, dass Ostbayerns Wirtschaft den massiven Folgen der Coronakrise die Stirn bieten kann.“ Eine „Kreditklemme“ war noch nicht in Sicht. Den Zugang zu Finanzierungsangeboten bezeich- neten die Firmen als weiterhin gut. Allerdings nahmen vermehrt Liquiditätsprobleme zu. Die Kurzarbeiterregelungen hatten viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Lockdown vor Kün- digungen bewahrt. Jedes zweite Unternehmen musste dennoch Personalanpassungen wie z.B. Arbeitszeitreduzierungen vornehmen. Befragt nach den Geschäftserwartungen in den nächsten zwölf Monaten lautete der Tenor insgesamt, dass diese stark vom weiteren Verlauf des Virus abhängen. „Die wirtschaftlichen Prognosen gleichen derzeit einem Blick in die trübe Glaskugel. Alles hängt vom Verlauf der Infizierungsraten und der Erholung der Liefer- und Absatzketten ab“, schätzte Helmes.
12
Wirtschaft im Corona-Jahr: Konjunktur unter Druck
Milder Herbst leitet kalten Winter ein Zum Jahresende prägte der zweite Lockdown das Geschehen in der Wirtschaft. Industrie und
Bauwesen stabilisierten noch die Gesamtlage bei der regionalen Konjunktur. Gleichzeitig
Eine leichte gesamtwirtschaftliche Erholung ergab die Herbst-Kon- spitzte sich die Lage in den besonders stark vom Lockdown betroffenen Branchen zu, vor
junkturumfrage. „Die Corona-Krise wirkt sich jetzt unterschiedlich allem bei Hotellerie und Gastronomie, im Kultur- und Veranstaltungsbereich, im Einzelhandel
stark auf die Branchen aus. Selbst innerhalb der Branchen, etwa und weiteren Dienstleistungsbranchen. Die Liquiditätslage spitzte sich zu. Die Forderung nach
im Handel und bei Dienstleistern, gibt es Gewinner und Verlierer“, einer breiten Öffnungsperspektive für die Betriebe sollte das neue Jahr bestimmen.
resümierte IHK-Präsident Michael Matt die Ergebnisse. Während
die von ihm genannten Branchen von Nachholeffekten ihrer Kun-
den profitierten, befanden sich Tourismus und Industrie in Summe
gesehen noch immer im negativen Bereich. Die insgesamt bessere
Beurteilung der Geschäftslage konnte nicht darüber hinwegtäu- Konjunkturentwicklung im IHK-Bezirk*
schen, dass die überwiegende Mehrheit der Betriebe sich noch im
Krisenmodus befand. „Nur jedes fünfte Unternehmen im IHK-Be-
60,0
zirk befindet sich im Herbst 2020 auf Vorkrisenniveau. In der In-
dustrie sind die Auftragseingänge bereits seit Herbst 2019 im ro-
ten Bereich“, sagte Matt. Die Umsatzprognosen für 2020 zeigten 40,0
Gewinner und Verlierer. „Gerade digitale Geschäftsmodelle und
Serviceleistungen erfreuen sich einer hohen Nachfrage“, so Matt.
20,0
90 Prozent der Unternehmen bewerteten ihre Liquidität als ge-
sichert. Das lag zum einen an den Finanzpolstern, welche die 0,0
Betriebe in den guten Ertragsjahren vor Corona aufgebaut hat-
ten, zum anderen an den unmittelbar wirkenden Corona-Hilfs- -20,0
programmen, massiven Kosteneinsparungen und der Kurzarbeit Geschäftslage Geschäftserwartung
zur Sicherung der Arbeitsplätze. „Allerdings ist das Finanzpolster
nicht unendlich und in vielen Tourismusbetrieben bereits aufge- -40,0
braucht“, warnte Matt. J16 F16 H16 J16
J17 F17 H17 J18 F18 H18 J19 F19 H19 J20 F20 H20 J21
Wann ist die Pandemie überwunden, wird es wieder mehr Ein-
IHK-Konjunkturklimaindikator Oberpfalz-Kelheim J: Jahresbeginn, F: Frühjahr, H: Herbst
schränkungen des Wirtschaftslebens geben? Bleiben die Grenzen
* Die Kurvenwerte errechnen sich aus dem Saldo der positiven und negativen Antworten in Prozent.
für Waren und Berufspendler offen? Corona erschwerte die unter-
nehmerische Planbarkeit insgesamt und sorgte für Zurückhaltung
bei Investitionen. „Die Unternehmen fahren auf Sicht und planen
nur noch wenige Monate im Voraus“, schloss Matt.13
14
Standort stärken15
Kommunalwahl 2020
Was die Wirtschaft braucht
Als am 15. März 2020 in den Kommunen der Oberpfalz und des
Landkreises Kelheim gewählt wurde, rollte die Corona-Pande-
mie gerade an. Im Vorfeld der Kommunalwahl machte die IHK
der regionalen Politik klar, was für die Unternehmerinnen und
Unternehmer aus Industrie, Handel und Dienstleistungen in der
Region für die kommenden fünf Jahre zählt. „In der nächsten Le-
gislaturperiode kommen auf unsere kommunalen Politikerinnen
und Politiker große Herausforderungen zu“, sagte IHK-Präsident
Michael Matt bei der Vorstellung einer Broschüre, die sich mit
konkreten Handlungsfeldern an die Politikerinnen und Politiker
in den Rathäusern zwischen Mainburg und Waldsassen, Berching
und Waldmünchen richtet. „Kommunale Wirtschaftspolitik ist
kein Selbstläufer“, fügte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen
Helmes hinzu und erinnerte an die Gestaltungsmöglichkeiten
und die Verantwortung, die die gewählten Volksvertreter über-
nähmen.
Die Broschüre gibt es zum Nachlesen unter
www.ihk-regensburg.de/kommunalwahl2020
IHK-Präsident Michael Matt (l.) und Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes geben der regionalen Wirtschaftspolitik Impulse.
(Foto: Burdack)16
Standort stärken
Schlüssel für die Standortentwicklung Regionaler Tourismus schwer angeschlagen
Welche Rahmenbedingungen braucht die regionale Wirtschaft, Corona traf besonders die Tourismusbranche hart. Die Jahresbilanz für Ostbayern war ver-
um nach der Corona-Krise wieder durchstarten zu können? „Eine heerend: 44 Prozent weniger Gäste, 37 Prozent weniger Übernachtungen. Alle touristischen
moderne Breitband-, Mobilfunk- und Verkehrsinfrastruktur sind Anbieter vom Hotel bis zum Erlebnisanbieter mussten große Einbußen hinnehmen. Besonders
grundlegend für die künftige Entwicklung des Wirtschaftsraums“, schwer getroffen hat es die Städte, da hier neben Sightseeing-Touristen auch der komplette
betonte IHK-Präsident Michael Matt bei der Veröffentlichung der Geschäftstourismus wegbrach. Der ländliche Raum wie der Bayerische und der Oberpfälzer
IHK-Standortumfrage im Dezember 2020. Alle fünf Jahre führt die Wald kamen etwas besser durch die Krise, bedingt durch das intensivere Gästeaufkommen im
IHK diese bei den Unternehmen in der Region durch. Die Ergeb- Sommer. Insgesamt waren die Betriebe sechs Monate geschlossen, alleine von März bis Juli
nisse aus 2020 zeigen nicht nur, wie die Betriebe den Wirtschafts- 2020 hatte der Tourismus in Ostbayern einen Verlust von 1,1 Milliarden Euro zu verkraften.
raum Oberpfalz-Kelheim aktuell beurteilen, „sondern mit welchen
Empfehlungen und Positionen wir an die Politik herantreten müs-
sen, um die Bedingungen für die regionalen Firmen künftig zu
verbessern“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes. Damit erneuerbare Energien ankommen
Alle Ergebnisse sowie regionale Sonderauswertungen unter Erneuerbare Energien verringern CO2-Emissionen und leisten einen entscheidenden Beitrag
www.ihk-regensburg.de/standortumfrage zum Klimaschutz, lautete der Konsens der Mitglieder des IHK-Fachausschusses für Industrie,
Umwelt, Energie und Technolo-
Standortpolitik Dezember 2020
gie bei ihrer Sitzung im Techno-
logie Campus (TC) in Cham im
Ostbayern Februar 2020. Prämisse hierfür
ist Versorgungssicherheit durch
KONKRET
2.3
einen zielgerichteten Ausbau
Standortumfrage 2020 der Stromnetze. Nur so könn-
Der Wirtschaftsstandort Oberpfalz-Kelheim
im Fokus der Unternehmen
ten sich dezentrale Lösungen
zu einem Gesamtbild der Ener-
Note
gielandkarte für die Region zu-
sammenfügen.
Erneuerbare Energien brauchen Netze (v.l.): Holger Seidenschwarz von ibi research an der Universität Regensburg
GmbH, Boris Goldberg vom Hochschulverbund TRIO, stellvertretender Ausschussvorsitzender Johannes Helmberger,
www.ihk-regensburg.de
Ausschussvorsitzender Stephan K. Fischer, Prof. Dr. Wolfgang Aumer, Leiter des Technologie Campus in Cham und
IHK-Abteilungsleiter Thomas Genosko. (Foto: Bayreuther)17
Schulterschlüsse für mehr Mobilität Zentren unter Druck
Um die Region noch mobiler zu machen, bedarf es eines langen Bereits vor der Corona-Pandemie standen viele Innenstädte und die dort ansässigen Einzel-
Atems vonseiten der Akteure in Politik und Verwaltung. Frühe handelsgeschäfte unter Druck – Kundenfrequenzen in den Läden nahmen ab, während die Um-
und breite Schulterschlüsse können Planungszeiträume wesent- satzanteile des Onlinehandels stiegen. „Covid-19 wirkt nun als Beschleuniger dieser Entwick-
lich verkürzen. Daher begrüßte die IHK das Engagement der zwölf lungen“, sagte Wolfgang Holzapfel, Vorsitzender des Handelsausschusses der IHK Regensburg,
Städte und Landkreise im Großraum Regensburg, den Schienen- bei dessen virtueller Sitzung Anfang November. Seit dem Frühjahr 2020 legten die Umsätze im
verkehr für den Stadt- und Umlandverkehr S-Bahn-ähnlich auszu- Handel zwar wieder zu, aber schon im Teil-Lockdown im November brachen die Geschäfte ein.
bauen. Über 80.000 Einwohner aus dem Umland pendeln täglich Denn Hotellerie, Gastronomie und Dienstleistungen, die zusätzliche Kunden in die Innenstadt
auf ihrem Weg zur Arbeit nach Regensburg. „Stadt und Umland locken, fielen weg. Für die betroffenen Branchen wurde die Luft immer dünner. Für die Zukunft
sind eng miteinander verbunden und dieser Verflechtung muss der Innenstädte bedarf es weitreichender Konzepte, die auf kommunaler Ebene und in das
auch beim Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs Rechnung ge- Umland hinaus wirken – ein Mega-Thema, welches die IHK-Arbeit auch nach Corona intensiv
tragen werden“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Hel- vorantreiben wird.
mes. Aus diesem Grund unterstütze die regionale Wirtschaft die
gemeinsame Forderung der kommunalen Politik an die bayerische www.ihk-regensburg.de/stadtentwicklungscheck
Staatsregierung und die Bayerische Eisenbahngesellschaft, den
Großraum Regensburg besser über die Schiene zu vernetzen. Ent-
scheidend für den Ausbau ist das Nadelöhr zwischen Regensburg
und Obertraubling. Dem überfälligen Gleisausbau hier kommt so-
gar nationale Bedeutung zu, weil das noch fehlende dritte Gleis Region forscht immer besser
einen Flaschenhals für die gesamte Schienenachse Main-Donau
zwischen Frankfurt (Main), Nürnberg, Regensburg und Passau bil- Die Region Oberpfalz-Kelheim ist ein starker Standort für Forschung und Entwicklung (FuE).
det. Deshalb haben die IHK Regensburg und die Handwerkskammer Das verdeutlichte der 2020er FuE-Report des Bayerischen Industrie- und Handelskammer-
Niederbayern-Oberpfalz gemeinsam mit 13 weiteren deutschen tages (BIHK). Die Studie untersuchte die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Vergleich
Wirtschaftskammern eine Resolution für die Zukunftsfähigkeit der der Bundesländer, der bayerischen Regionen und der Schlüsselbranchen in der Wirtschaft. Im
Achse an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer übergeben, in Ranking der Raumordnungsregionen für FuE-Investitionen steht Regensburg mit 695 Millionen
welcher dem Gleisstück zentrale Bedeutung zukommt. Euro an vierter Stelle direkt hinter München, Mittelfranken und Ingolstadt. Die Nördliche Ober-
pfalz konnte im Zehn-Jahres-Vergleich ihre Aufwendungen um 86 Prozent steigern. Perspektive
böte vor allem die Entwicklung im Bereich Künstliche Intelligenz. Besonders profitiert die Regi-
on von der Praxisnähe der regionalen Hochschulen, von Clustern sowie kommunalen Projekten
wie der Techbase in Regensburg.18
Fachkräfte fördern
IHK-Prüfer sichern Berufsbildung Optimaler Rahmen für Aus- und Weiterbildung
Die jährliche Prüferehrung der IHK konnte aufgrund der Corona- Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) schafft seit vielen Jahren verlässliche Rahmenbedin-
Pandemie nicht stattfinden, trotzdem ehrte IHK-Präsident Michael gungen für eine erfolgreiche berufliche Aus- und Weiterbildung. Um mit den Verände-
Matt 183 langjährig tätige Prüferinnen und Prüfer für ihr großes rungen der Arbeitswelt Schritt zu halten und aktiv mitgestalten zu können, wurde das
Engagement. Die silberne Ehrennadel für mehr als zehn Jahre BBiG Anfang 2020 umfassend aktualisiert und für die Zukunft fit gemacht. So wurde
Prüfertätigkeit erhielten 122 Prüfer, die goldene Ehrennadel be- etwa die Möglichkeit zur Ausbildung in Teilzeit gestärkt.
kamen 54 Prüfer für mehr als 20 Jahre. Sieben Prüferinnen und
Prüfer wurden von der IHK mit dem Goldenen Ehrenbrief für 30
oder mehr Jahre Prüfertätigkeit verabschiedet. Spitzenreiter war
Richard Herrmann. Er wurde für 51 Jahre Prüfertätigkeit geehrt
und nahm für die IHK seit Anfang 1969 Prüfungen für Metallberufe
sowie Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik
ab. Gerhard Wolfram liegt knapp dahinter – er prüft seit 50 Jahren
im Grafischen Gewerbe.
Diskutierten mit den Mitgliedern des IHK-Berufsbildungsausschusses über die Neuerungen des Berufsbildungsge-
setzes (v.l.): IHK-Bereichsleiter Ralf Kohl, IHK-Referentin Fachkräftegewinnung und Berufsorientierung Vera Probst,
Vorsitzender Michael Mändl, Berufsbildungszentrum Schwandorf und Stellv. Ausschussvorsitzender Alexander
Schmid, BMW AG. (Foto: Bayreuther)19
IHKs verschoben schriftliche Abschluss- Neun bundesbeste Azubis
prüfungen Auch 2020 ehrte die IHK Regensburg die 46 besten Absolventinnen und Absolventen der
beruflichen Ausbildung aus der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim. Von rund 3.700 Prü-
Die IHKs verschoben bundesweit die für April und Mai 2020 ge- fungsteilnehmern im Sommer 2020 glänzten 31 technische und 15 kaufmännische Auszu-
planten schriftlichen Azubi-Abschlussprüfungen aufgrund der bildende mit hervorragenden Leistungen in ihrem Fachbereich. 22 Auszubildende aus den
Corona-Pandemie auf Juni, Juli und August. Betroffen waren in Winter- und Sommerprüfungen wurden die bayernweit Besten ihres Faches. Neun Azubis
der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim etwa 3.700 Auszubil- zählten zu den deutschlandweit besten Absolventen einer Ausbildung in IHK-Berufen. Do-
dende und 3.500 Weiterbildungskandidaten, in ganz Deutschland minik Hoch, Elektroniker für Betriebstechnik bei der TGW Software Services GmbH in Teunz,
rund 210.000 Azubis. erhielt den „Praktikus 2020“ der Scheubeck-Jansen-Stiftung. Der Sonderpreis geht jährlich
an den besten Absolventen einer Metall- und Elektro-Berufsausbildung. Dominik Hoch er-
Die Regensburger IHK war für den Prüfungsmarathon im Som- reichte die Höchstpunktzahl von 100 Punkten und war damit zusätzlich Bundesbester.
mer gewappnet und erarbeitete auch Notfallpläne für Prüflinge,
die durch die erzwungene Corona-Auszeit in eine schwierige
Lage geraten waren. Es bleibt abzuwarten, wie die Corona-
Pandemie auch die berufliche Aus- und Weiterbildung verän-
dert. In der Gastronomie und Hotellerie wird die Nachfrage
nach Azubis vermutlich eher zurückgehen, während beispiels-
weise im IT-Bereich weiterhin Spezialisten und qualifizierte
Nachwuchskräfte gesucht werden.20
Fachkräfte fördern
Gutes Personal trägt durch Krisen
Ein Unternehmen definiere sich nicht nur über die Produkte oder
die Dienstleistungen, die es anbietet, sondern vor allem über
sein Personal, würdigte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Helmes
die Gewinner des IHK-Personalmanagement-Awards 2020.
„Vorausschauende Personalentwicklung trägt durch Krisen, wie
wir sie angesichts Corona gerade erleben“, zeigte sich Helmes
überzeugt. Gerade der digitale Wandel der Arbeitswelt böte in
der jetzigen Zeit Lösungen. Hierfür speziell ausgebildete Fach-
kräfte seien Gold wert und rar auf dem Arbeitsmarkt. Es lohne
sich für die Unternehmen auch der Blick in die eigenen Reihen:
„In vielen Ihrer Mitarbeiter stecken Potenziale, die sie durch
systematische Personalentwicklung heben können“, so Helmes.
Kreative und innovative Konzepte der Personalentwicklung und
-Qualifizierung hat eine zehnköpfige Fachjury aus Wirtschafts-
vertretern und Hochschulexperten mit dem IHK-Personalma-
nagement-Award 2020 honoriert.
Preisträger in der Kategorie Kleinunternehmen ist die raith architekten GmbH aus Kelheim.
Das inhabergeführte Architekturbüro wird von Norbert und Anja Raith (Mitte) geleitet. Sie
hatten sich mit ihrem Personalmanagement-Konzept „Fit für die Zukunft - Weichen stellen“
bei der Ausschreibung beworben, dabei ging es um das Nachfolgemanagement des Unterneh-
mens. (Foto: Scheßl)21
Preisträger in der Kategorie mittlere Unternehmen ist die Dischner Preisträger in der Kategorie Großunternehmen ist die Bayernwerk Netz GmbH aus Regens-
Speditions- und Handelsgesellschaft mbH aus Weiding mit den burg. Das Unternehmen bietet rund fünf Millionen Menschen in Bayern eine sichere Ener-
Geschäftsführern Wolfram und Josef Dischner (v.l.). Der Trans- gieversorgung und möchte sich in den nächsten Jahren vom klassischen Verteilnetzbetrei-
portdienstleister rückt das Thema Gesundheitsmanagement schon ber hin zu einem Energieunternehmen mit innovativen Produktlösungen entwickeln. Ein
seit Jahren in den Mittelpunkt. Sein Konzept lautet „Gesund- erster Baustein dazu ist ein interner Coworking Space mit neuen Arbeitsmethoden und dem
heitsmanagement für Berufskraftfahrer“. (Foto: Scheßl) dazu passenden Arbeitsumfeld am Standort Regensburg. Im Bild: IHK-Hauptgeschäftsführer
Dr. Jürgen Helmes übergibt den Personalmanagement-Award an Andreas Ladda, Personal-
vorstand des Bayernwerks. (Foto: Scheßl)22
Weltweit wirtschaften23
Für schnelle Öffnung der Grenzen Herbstblüte für Ostbayerns Außenhandel
Die Corona-Pandemie hatte den Freistaat Bayern und die Tsche- Beim Ausschuss International der IHK im Oktober trafen sich die Entscheider der heimischen
chische Republik im Frühjahr 2020 gleichermaßen erfasst. Grenz- Exportwirtschaft zum virtuellen Austausch. Im Fokus standen die Chancen und Herausforderun-
schließungen am 17. März waren die Folge. Die rückgängigen gen im aktuellen China-Geschäft sowie der Brexit. „Eine Vielzahl der deutschen Unternehmen
Infektionszahlen auf beiden Seiten der Grenze sollten dann im meldet Umsatzeinbußen im internationalen Geschäft. Dennoch lief der Außenhandel nach dem
Mai Anlass sein, die strikten Grenzkontrollen und weitgehenden Lockdown besser ab, als erwartet“, so Ausschussvorsitzender Thomas Hanauer. Zumindest einige
Einschränkungen zeitnah zurückzufahren. Trotz der Lockerungen Unternehmen zeigten sich für die nächsten Monate im Auslandsgeschäft verhalten optimistisch.
in Deutschland summierten sich gerade in der Grenzregion, die China ist für Ostbayerns Mittelstand enorm wichtig. Umso schwerer wog der Lockdown mit
vom grenzübergreifenden Waren- und Dienstleistungsverkehr eingehender Abschottung des Landes. Für die Stabilisierung der Weltwirtschaft spielt China aus
lebt, die Verluste, die aus ruhender Produktion und unterbun- Sicht von Jens Hildebrandt, Geschäftsführer der Deutschen Handelskammer (AHK) in Peking,
denen Dienstleistungen resultieren. In dieser Situation war es eine wichtige Rolle. Freya Lemcke, Leiterin der Vertretung des DIHK bei der EU in Brüssel, emp-
dringend geboten, jede noch bestehende Restriktion auf ihre fahl den Unternehmen im Großbritannien-Geschäft die Abarbeitung der Brexit-Checkliste der
Eignung, Erforderlichkeit und Angemessenheit zu überprüfen. IHKs – unabhängig davon, ob es auf einen Deal oder ein No Deal-Szenario hinausliefe. Denn
Die IHKs Niederbayern, Regensburg für Oberpfalz / Kelheim und ein Großteil der Rahmenbedingungen ändere sich mit dem Ende der Übergangsfrist in jedem
Oberfranken Bayreuth, die Handwerkskammer Niederbayern- Fall. Noch in den letzten Dezembertagen einigten sich die britische Labourpartei und die EU auf
Oberpfalz sowie die Wirtschaftskammern in Pilsen und Süd- einen Deal – was von diesem in der Praxis zu halten war, sollte sich erst im neuen Jahr zeigen.
böhmen forderten deshalb einhellig die zügige, schrittweise
Öffnung der nationalen Grenzen. Am 15. Juni wurden die Gren-
zen schließlich wieder geöffnet. Im Herbst 2020 erfolgten ange-
sichts des sich dynamisch entwickelnden Pandemiegeschehens
in Tschechien von deutscher Seite Einschränkungen bei der Ein- Weniger bürokratische Hürden für Dienstleister
reise mit Folgen für die über 13.000 Berufspendler, welche täg-
lich aus Tschechien in die Oberpfalz fahren. Intensives Handeln Corona, Brexit, Handelskrieg USA-China – es wird für die Unternehmen zunehmend schwieri-
der IHK mit Ihren Partnern konnte Lösungen für die Wirtschaft ger, weltweiten Handel zu betreiben. Umso mehr kommt dem EU-Binnenmarkt für Ostbayerns
unter Einhaltung der gebotenen Hygienemaßnahmen erzielen. Unternehmen eine wachsende Bedeutung zu. Es sind vier Grundfreiheiten – freier Verkehr von
Waren, Personen, Kapital und Dienstleistungen – auf welchen dieser beruht. Die A1-Bescheini-
gung oder die Entsendemeldungen verursachen dabei unnötige bürokratische Hürden. Die IHKs
Regensburg und Niederbayern fordern vonseiten der EU und des Bundes eine praxisgerech-
te Gestaltung der Dienstleistungserbringung. In einem Brief an Ostbayerns Bundestags- und
EU-Abgeordnete haben sie dies noch vor Weihnachten zu Papier gebracht.24
Vollversammlung
Virtuelles Parlament der Wirtschaft
Alle drei Sitzungen der IHK-Vollversammlung 2020 fanden im IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes bestätigte nach dem aktuellen Stimmungsbild
virtuellen Sitzungssaal statt. Nichtsdestotrotz konnten wichtige zur Lage der Wirtschaft in Ostbayern, dass Corona gezeigt habe, dass „Digitalisierung und Agili-
Weichen für die regionale Wirtschaft, die über die Corona-Pan- tät die entscheidenden Themen der Zukunft sind.“ Darüber hinaus zeigte sich: Zentrale Aufgabe
demie hinaus wirken werden, gestellt werden. Darüber hinaus für die Region sei es, die Innenstädte und Ortskerne als lebendige Begegnungsorte für Arbeit,
nutzten die Unternehmerinnen und Unternehmer die Sitzungen Wohnen, Handel und Freizeit wiederzubeleben.
zum Austausch in einer kontaktarmen Zeit und zum Dialog mit
wichtigen Wirtschaftsvertretern aus der IHK-Organisation.
Die Sitzung im April fiel mitten in den ersten Lockdown und war
für die Unternehmerinnen und Unternehmer im IHK-Ehrenamt
ein Forum zur Lagebestimmung. Es zeigte sich große Kreativi-
tät und Flexibilität, um zum Beispiel in der Industrie unter den
gegebenen Hygienemaßnahmen die Linien am Laufen zu halten.
Bei der Sitzung im Sommer 2020 diskutierten sie mit dem
DIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Wansleben sowie mit
Dr. Ulrich Hoppe, der die AHK in London leitet. Es liege an der Po-
litik, auf allen Ebenen die richtigen Rahmenbedingungen für Be-
triebe zu schaffen, sagte Wansleben in seinem virtuellen Gastvor-
trag. Die IHK-Organisation habe sich in der Zeit des Lockdowns für
eine praxistaugliche Ausgestaltung der Konjunkturhilfen des Bun-
des eingesetzt und gezeigt, wie fiskalpolitische Anreize geschaffen
werden können. Das am selben Tag geschlossene Corona-Hilfspaket
der EU begrüßte Wansleben und betonte zugleich wie wichtig es
sei, die internationalen Geschäftsbeziehungen am Leben zu halten.
Auf lange Sicht dürfe die Wirtschaft nicht allein vom Fördertopf
genährt werden. „Am Ende kann man gute Konjunktur nicht kaufen,
gute Konjunktur kann nur Tag für Tag in Deutschland, Europa und
weltweit erwirtschaftet werden.“ Dr. Ulrich Hoppe informierte die
Vollversammlung zur wirtschaftlichen Lage in Großbritannien und Die Vollversammlung der IHK tagte 2020 erstmals in ihrer Geschichte digital. Dr. Jürgen Helmes im virtuellen Aus-
zu den Folgen durch Corona und Brexit. tausch mit Ostbayerns Unternehmerschaft. (Fotos: Burdack)25 Bei der Dezember-Sitzung der Vollversammlung – nunmehr innerhalb eines zweiten Lockdowns, machte sich vonseiten der betroffenen Branchen bereits große Resignation breit. Von der Corona-Krise jedoch nicht überlagert, stand die Standort- bestimmung der Städte und Landkreise in der Region auf der Agenda. Alle fünf Jahre befragt die IHK ihre Mitglieder mit ei- ner Standortumfrage umfassend nach den Qualitäten und He- rausforderungen für den Wirtschaftsraum Oberpfalz-Kelheim. (Mehr zu der Umfrage auf Seite 16.)
26
Gremien27
Gremium Amberg-Sulzbach
Konsequenz lautet die Devise
Die Unternehmerinnen und Unternehmer des IHK-Gremiums Amberg-Sulzbach tauschten sich
2020 in zwei virtuellen Sitzungen – unter anderem mit Ambergs Oberbürgermeister Michael
Cerny – über den Wirtschaftsstandort im Corona-Modus aus. Nahezu alle Branchen kämpften
mit den negativen Auswirkungen der Corona-Krise und sahen sich mit grundlegenden Verän-
derungen, beispielsweise der Digitalisierung in der Arbeitswelt, konfrontiert. Neuerungen gab
es auch innerhalb des Gremiums: Dr. Rolf Pfeiffer gab Ende des Jahres seinen Rückzug aus dem
Gremiumsvorstand bekannt. Seit 2003 hat der Geschäftsführer der DEPRAG SCHULZ GMBH u.
CO als Vorsitzender die Arbeit des regionalen Gremiums mit geprägt und setzt sich auch künf-
tig als ordentliches Mitglied für die positive Entwicklung des Wirtschaftsraums Amberg-Sulz-
bach ein. Zu Pfeiffers Nachfolger wählten die Gremiumsmitglieder Markus Frauendorfer, Ge-
schäftsführer der Georg Frauendorfer GmbH & Co. KG. Nikola Heckmann, Geschäftsführerin
der KORODUR Westphal Hartbeton GmbH & Co. KG, wurde als stellvertretende Vorständin ge-
wählt. Gemeinsam setzte das Gremium weiter wichtige Impulse für die Unternehmen vor Ort,
damit diese nach der Corona-Krise wieder durchstarten können – sei es bei der Innenstadtent-
wicklung in Amberg, dem Ausbau einer modernen Breitband- und Verkehrsinfrastruktur oder
beim Zukunftsthema Elektromobilität. Die Pandemie wirkte sich unterschiedlich stark auf die
Wirtschaftszweige aus. Selbst innerhalb der Branchen, etwa im Handel und bei Dienstleistern,
gab es Gewinner und Verlierer. Vielerorts zeichneten sich jedoch bereits Verschiebungen und
Rückgänge bei Aufträgen ab. „Positiv hervorzuheben ist, dass die Unternehmen äußerst flexibel
und kreativ auf die geänderten Rahmenbedingungen reagiert haben“, betonte der neue Vorsit-
zende Frauendorfer. Trotz aller Herausforderungen dürfe auch die Wirtschaft das Gesamtziel
nicht aus den Augen verlieren: die konsequente und erfolgreiche Eindämmung der Pandemie.
» Gerade mit Blick auf die Corona-Krise ist es umso wichtiger,
entscheidende Standortthemen kontinuierlich weiter zu verfolgen.
«
Markus Frauendorfer
Vorsitzender des IHK-Gremiums Amberg-Sulzbach28
Gremium Cham » Firmen, Schulen, Krankenhäuser, Behörden und
«
private Haushalte sind auf schnelle digitale
Verbindungen angewiesen.
Dr. Alois Plößl
Vorsitzender des IHK-Gremiums Cham
Anpacken statt abwarten
Nicht zuletzt die Corona-Pandemie legte die Bedeutung einer
leistungsfähigen digitalen Infrastruktur offen, waren sich die Un-
ternehmerinnen und Unternehmer des IHK-Gremiums Cham im
vergangenen Jahr einig. „Es ist deshalb richtig, dass der Landkreis
Cham den Ausbau der oft noch lückenhaften digitalen Infrastruktur
selbst in die Hand nimmt, um den Hightech-Standort Bayerischer
Wald zukunftsfähig aufzustellen“, betonte Gremiumsvorsitzender
Dr. Alois Plößl. Im konstruktiven, meist virtuellen Austausch mit
Politik und Verwaltung – beispielsweise mit Chams neuem Bürger-
meister Martin Stoiber oder dem Werkleiter „Digitale Infrastruktur
Landkreis Cham“ Klaus Schedlbauer – diskutierten die Gremiums-
mitglieder die Rahmenbedingungen vor Ort. Cham als größte Kom-
mune und Oberzentrum müsse in besonderer Weise für die Dyna-
mik der Region stehen, waren sich die Gremiumsmitglieder einig.
Die Stadt benötige künftig mehr Personal für ein professionelles
Stadtmarketing, die Umsetzung einer gemeinsamen Markenstra-
tegie sowie für Stadtentwicklungsprojekte. Im Sinne eines Ober-
zentrums seien mit der Stadthalle oder dem Technologie Campus
wichtige Meilensteine erreicht worden, hier sei aber noch Luft nach
oben. Als starker Industrie-, Handels- und Tourismusstandort war
der Landkreis Cham in mehrfacher Hinsicht von den Auswirkungen
der Pandemie betroffen. Bei den Unternehmen vor Ort sind rund
4.600 Berufspendler aus Tschechien beschäftigt, die sich bereits
2019 mit verschärften Einreisebedingungen konfrontiert sahen.
Tourismus und Gastronomie, die Hygienekonzepte in vorbildlicher
Weise umgesetzt haben, sahen sich mit Schließungen konfrontiert.
Zahlreiche Auflagen, das Verbot von Sonderveranstaltungen wie
verkaufsoffene Sonntage sowie die Online-Konkurrenz stellten den
stationären Handel vor große Herausforderungen. „Umso bemer-
kenswerter ist es deshalb, dass sich unsere Wirtschaft trotz der
schwierigen Rahmenbedingungen robust gegen die Krise stemmt“,
sagte Plößl.29
Gremium Kelheim
Kelheim hält zusammen
Die Corona-Pandemie traf vergangenes Jahr branchenübergreifend auch die Unternehmen im
Landkreis Kelheim. Vorsitzender des IHK-Gremiums Kelheim Michael Gammel beobachtete in
dieser Zeit einen besonderen Zusammenhalt: „Arbeitgeber versuchen alles, um ihre Mitarbei-
ter zu halten. Arbeitnehmer zeigen viel Flexibilität und Verständnis für notwendige Maßnah-
men. Wir erleben derzeit eine große Solidarität und Einsatzbereitschaft.“ Ebenfalls zeigte sich
die Anpassungsfähigkeit und Stärken der regionalen Wirtschaft. Videokonferenzen und an-
dere digitale Arbeitsweisen gewannen in hohem Maß an Akzeptanz. Für das Gremium unter-
strich dies einmal mehr die Notwendigkeit einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur und
ihres konsequenten Ausbaus. Neben lückenlosen Datenautobahnen setzte sich das Gremium
für den Ausbau der Straßeninfrastruktur ein. Die B16 zwischen Regensburg und Günzburg sei
trotz des durch Corona aktuell verringerten Verkehrsaufkommens überlastet, so der Konsens
entlang der Bundesstraße. Viele Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe sind an der
B16 angesiedelt und auf eine gute Erreichbarkeit und funktionierende Logistik angewiesen.
Mit weiteren fünf IHK-Gremien tauschten sich die Kelheimer Wirtschaftsvertreter hinsichtlich
des Ausbaus mit den Staatlichen Bauämtern aus. Das gemeinsame Ziel: bayernweit rund 30
unterschiedliche Ausbauabschnitte, Ortsumgehungen und Brückenneubauten voranbringen.
„Wir benötigen die B16 als belastbare und zuverlässige Verbindung nach Regensburg und In-
golstadt. Spätestens nach der Corona-Krise werden wir wieder deutlicher an vielen Stellen ihre
Defizite und Überlastungen spüren“, erklärte Gammel. Für viele Unternehmen von Günzburg
bis Regensburg ist die Bundesstraße als Zugang zu den Autobahnen A8, A9 und A3 von existen-
zieller Bedeutung. Die einzelnen Teilprojekte sind Bausteine einer Gesamtachse, „im Landkreis
Kelheim brauchen wir hierfür dringend den Ausbau bei Bad Abbach und Neustadt a.d. Donau“.
» Wir benötigen die B16 als belastbare und zuverlässige
Verbindung nach Regensburg und Ingolstadt.
«Michael Gammel
Vorsitzender des IHK-Gremiums Kelheim30
Gremium Neumarkt » Wer hätte gedacht, dass vielen von uns quasi über Nacht
«
die Grundlage des wirtschaftlichen Handelns entzogen
würde.
Ursula Hammerbacher, Vorsitzende des IHK-Gremiums Neumarkt
Veränderte Normalität
Nur nach und nach kehrten die Unternehmerinnen und Unterneh-
mer im Landkreis Neumarkt aus der ersten Corona-Starre zurück
in eine veränderte Normalität. Die Zeit seit dem ausgerufenen
Katastrophenfall am 16. März hat Spuren hinterlassen. Auch bei
den Sitzungen des IHK-Gremiums Neumarkt war 2020 einiges an-
ders: Gespräche nur mit Sicherheitsabstand oder virtuelle Treffen,
verhaltenere Geschäftsprognosen als im vorangegangenem Jahr
und ein wenig vorsichtiger Optimismus. „Wer hätte gedacht, dass
vielen von uns quasi über Nacht die Grundlage des wirtschaft-
lichen Handels entzogen würde“, sagte Gremiumsvorsitzende
Ursula Hammerbacher. Industriebetriebe sahen sich größtenteils
mit stornierten Aufträgen und unterbrochenen Lieferketten kon-
frontiert. Gastronomie, Tourismus und Handel traf es besonders
hart – sie mussten größtenteils schließen, ihre Geschäftskonzepte
funktionierten nicht mehr. Branchenübergreifend brauchte es nun
bestmögliche Rahmenbedingungen, um die Wirtschaft aus der
Talsohle zu befreien. „Unsere Region ist geprägt von einem starken
Mittelstand“, betonte die neue stellvertretende Neumarkter Land-
rätin Susanne Hierl im Austausch mit den Gremiumsmitgliedern.
Mit Investitionen in digitale Infrastruktur und Mobilität wolle der
Landkreis zukunftsfähige Voraussetzungen für Wirtschaft und
Bürger schaffen. Bereits geplante Investitionen dazu sollten nicht
zurückgestellt werden. Wichtig für die wirtschaftliche Entwick-
lung der Region Neumarkt sei eine gut ausgebaute Infrastruktur
Nachruf Josef Dunkes für digitale Wege ebenso wie für Verkehrswege, so der Konsens
des Gremiums. Aus diesem Grund sprach es sich für den dreistrei-
Josef Dunkes, Vorstandsvorsitzender Raiffeisenbank Neumarkt i.d.OPf. figen Ausbau der B299 aus. „Die Bundesstraße ist die Lebensader
eG, verstarb am 7. Oktober 2020 nach schwerer Krankheit im Alter von im Landkreis Neumarkt“, betont die Gremiumsvorsitzende Ursula
56 Jahren. Seit 2013 engagierte er sich im IHK-Gremium Neumarkt Hammerbacher, „ihr dreistreifiger Ausbau ist für einen sicheren
mit Weitsicht und Leidenschaft für die Belange der regionalen Unter- und reibungslosen Warenverkehr zur Autobahn sinnvoll und not-
nehmen. wendig“.31
Gremium Nordoberpfalz » Nun gilt es, gemeinsam anzupacken, damit unsere
«
Wirtschaftsregion schnell wieder aus eigener Kraft
durchstarten kann.
Bernd Fürbringer
Vorsitzender des IHK-Gremiums Nordoberpfalz
Regionale Chancen weiter denken
Das IHK-Gremium Nordoberpfalz rückte 2020 regionale Zukunftsthemen in den Fokus seiner
Arbeit. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie verdeutlichte einmal mehr die Bedeutung digitaler
Infrastruktur für die Wirtschaftsregion. „Die Digitalisierung verändert unsere Arbeits- und
Lebenswelt in der Zukunft grundlegend“, sagte Gremiumsvorsitzender Bernd Fürbringer. Hier
dürfe man den Anschluss nicht verlieren, „doch die Nordoberpfalz birgt vielversprechendes
Know-how“. Dieses Potenzial soll bis 2024 ein Zuhause bekommen – die Denkwelt Oberpfalz in
Halmesricht bei Weiden. Gemeinsam mit Severin Hirmer, Projektleiter bei der LUCE-Stiftung,
diskutierten die Gremiumsmitglieder mögliche Chancen und Synergieeffekte für Wirtschaft
und Wissenschaft. Über die Folgen der Corona-Pandemie für den Wirtschaftsstandort tausch-
ten sich die Nordoberpfälzer Wirtschaftsvertreter in einer Onlinekonferenz mit Dr. Gertrud
R. Traud und Michael Sager von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) aus. Volkswirtin
Traud attestierte dem Wirtschaftsstandort Bayern aufgrund seiner hohen Innovationskraft
gute Chancen, um gestärkt aus der Krise zu kommen. „Nun gilt es, gemeinsam anzupacken,
damit unsere Wirtschaftsregion schnell wieder aus eigener Kraft durchstarten kann“, appel-
lierte Fürbringer an die regionalen Unternehmen und an die Politik. Neben einer leistungsfä-
higen digitalen Infrastruktur setzten sich die Gremiumsmitglieder für die Entwicklung inter-
kommunaler und neuer Gewerbegebiete, wie beispielsweise Weiden West IV, ein. „Die Region
braucht weitere Gewerbegebiete, um Bestandsunternehmen als auch ansiedlungsinteressier-
ten Betrieben Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten“, machte Fürbringer deutlich. Sie seien
entscheidend für die Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandorts in der nördlichen Ober-
pfalz. Darüber hinaus beschäftigte sich das Gremium mit einem gemeinsamen Standort- und
Fachkräftemarketing, um Initiativen anzustoßen und entscheidende Weichen zu justieren.
Nachruf Marion Bergler
Marion Bergler, Geschäftsführerin des Nordoberpfälzer Familien-
unternehmens Bergler GmbH & Co. KG, verstarb am 15. April 2020
unerwartet im Alter von 41 Jahren an den Folgen des Corona-Virus.
Seit 2013 brachte sie sich im IHK-Gremium Nordoberpfalz, dessen
stellvertretende Vorsitzende sie zuletzt war, in der IHK-Vollver-
sammlung und im Verkehrsausschuss ein.32
Gremium Regensburg
Infrastrukturprojekte helfen uns aus der Krise
Die Corona-Pandemie bestimmte 2020 auch den Alltag und die
Geschäfte der Unternehmerinnen und Unternehmer in der Regi-
on Regensburg. Im virtuellen Austausch mit Vertretern aus Politik
und Wissenschaft – unter anderem Oberbürgermeisterin Gertrud
Maltz-Schwarzfischer, Landrätin Tanja Schweiger, OTH-Präsident
Prof. Dr. Wolfgang Baier oder Wirtschaftsreferent Prof. Dr. Georg
Stephan Barfuß – diskutierten die Unternehmerinnen und Unter-
nehmer Wege aus der Krise und wichtige Standortbedingungen. Die
Gremiumsmitglieder begrüßten es, dass die Koalitionsvereinbarung
der neuen Stadtregierung zahlreiche Forderungen und Impulse des
IHK-Gremiums enthält. So hat sich die Koalition beispielsweise die
Realisierung der für die regionale Wirtschaft wichtigen Verkehrs-
infrastrukturmaßnahmen Sallerner Regenbrücke, kreuzungsfreier
Ausbau der DEZ-Kreuzung, Modernisierung und Stärkung des ÖPNV
sowie die Erstellung eines zukunftsfähigen Mobilitätskonzepts im
Raum Regensburg zum Ziel gesetzt. Auch die Fortschreibung des
Stadtentwicklungsplans und Investitionen in Digitalisierungsstra-
tegien wie das Smart-City-Konzept stehen auf der Agenda der
kommenden Wahlperiode. Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-
Pandemie hätten nicht nur auf die Unternehmen massive Auswir-
»
kungen, auch die Kommunen leiden unter finanziellen Einbußen,
so Gremiumsvorsitzender Peter Esser. Es sei dennoch entscheidend,
zukunftsweisende Projekte trotz Krise und eventueller Finanzie-
rungsvorbehalte nicht aus dem Blick zu verlieren sowie mit gezielter Mit welcher Energie und Effizienz die gemeinsame Wirtschafts-
Wirtschaftsförderung die Stärken der Stadt – etwa bei innovativer region aus der Talsohle startet, hängt vor allem davon ab, welche
Forschung und Entwicklung - nach dem „Corona-Loch“ voranzu-
Entscheidungen wir jetzt treffen und wie mutig wir notwendige
«
treiben. Vonseiten der Stadt erwarte die regionale Unternehmer-
schaft, schnellstmöglich die entsprechende Infrastruktur, etwa bei Projekte nach der Krise angehen.
den Verkehrswegen, bei der Ausweisung von Gewerbegebieten und
beim Breitband vorzuhalten. Effizienzgewinne sahen die Gremiums-
mitglieder auch bei der Digitalisierung von Verwaltungsprozessen. Peter Esser, Vorsitzender des IHK-Gremiums RegensburgSie können auch lesen