Gesundheitsgespräch Hautkrebs und dessen Vorstufen 02.02.2022

Die Seite wird erstellt Elena Eckert
 
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Gesundheitsgespräch
Hautkrebs und dessen Vorstufen

Sendedatum: 2.2.2022

Experte:
Prof. Dr. med. Tilo Biedermann, Direktor der Klinik und Poliklinik für
Dermatologie und Allergologie am Biederstein, TU München

Autorinnen: Monika Dollinger und Katrin Bohlmann

"Wegen einer kleinen Hautunregelmäßigkeit gehe ich doch nicht zum Arzt!", so
denken viele. Der Besuch beim Dermatologen wird immer wieder
hinausgeschoben – und das kann böse Folgen haben.
Viele gehen nicht zum Arzt aus Bequemlichkeit, aus Angst, sich lächerlich zu
machen, oder aus der festen Überzeugung heraus, dass eine schuppige Stelle
oder ein plötzlich auftretendes Muttermal bestimmt nur eine Lappalie sei. Aber:
Hautkrebs ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, doch im Unterschied zu
vielen anderen Krebsleiden kann man Hautkrebs sehen und auch dadurch oft
"rechtzeitig" behandeln. Ein Melanom beispielsweise - die bösartigste Form des
Hautkrebses - lässt sich durch Herausschneiden heilen, solange es noch klein
ist.

"Die Patienten überleben zu über 95 Prozent. Nur kommen leider immer noch
viele von ihnen viel zu spät zum Arzt. Und: Ein Dermatologe lacht Patienten nie
aus, wenn sie ihre Haut ernst nehmen." Prof. Dr. med. Tilo Biedermann,
Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am
Biederstein, Technische Universität München

Unter der Lupe - Hautveränderungen beobachten

Die meisten Hautkrebsformen haben eine gute Prognose, wenn sie möglichst
früh diagnostiziert werden. Zu schweren Verläufen kommt es oft nur dann,
wenn Patienten zu spät zum Hautarzt kommen. Auch ein malignes Melanom ist
im Frühstadium mit hoher Wahrscheinlichkeit heilbar. Aber: Alle Arten von
Hautkrebs können, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt werden, auch tödlich
verlaufen. Unter den zahlreichen verschiedenen gutartigen und den selteneren

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bösartigen Hauttumoren gibt es im Wesentlichen drei Arten von bösartigem
Hautkrebs:

Bösartiger Hautkrebs
Schwarzer Hautkrebs                   (Malignes Melanom)
Weißer Hautkrebs                      (Basalzellkarzinom und Stachelzellkrebs)
Roter Hautkrebs                       (Kutanes malignes Lymphom)

Die A-B-C-D-E-Regel
Die Kriterien bei der Bewertung von Pigmentmalen (im Volksmund auch
"Leberfleck" oder "Muttermal" genannt) reichen von A bis E. Je mehr dieser
Kriterien vorliegen, desto wahrscheinlicher ist, dass es sich bei einer
Hautveränderung um ein malignes Melanom, den schwarzen Hautkrebs,
handelt.

"Das Vorliegen dieser Kriterien ist jedoch keinesfalls gleichbedeutend mit einer
sicheren Diagnose, sondern sollte nur Anlass zur genauen Abklärung geben."
Prof. Dr. med. Tilo Biedermann, Direktor der Klinik und Poliklinik für
Dermatologie und Allergologie am Biederstein, Technische Universität
München

Kriterien für einen Melanom-Verdacht
A      Asymmetrie: Man kann keine spiegelbildliche Achse durch die
       Hautveränderung legen.
B      Begrenzung: Unregelmäßig mit (blassen) Ausläufern
C      Colorit: Uneinheitliche Pigmentierung - neben braunen und schwarzen
       Farbtönen finden sich auch graue, weiße oder rötliche Einsprengungen.
D      Durchmesser: Die meisten bösartigen Hautveränderungen haben einen
       Durchmesser von über fünf Millimetern.
E      Entwicklung: Veränderung eines Pigmentmals innerhalb der letzten drei
       Monate

Es gibt allerdings auch seltene Formen des malignen Melanoms, für die die A-
B-C-D-E-Regel nur bedingt anwendbar sind: Diese Formen betreffen die
Schleimhäute, den Mund, aber auch den Genital- und Analbereich sowie die
Handflächen, die Fußsohlen und die Nägel. Und: Es gibt Hautkrebsarten, die
optisch überhaupt keine Verwandtschaft zu "Leberflecken" oder "Muttermalen"
haben: den weißen und den roten Hautkrebs.

Juckreiz, Blut und Krusten
Weißer Hautkrebs
beginnt oft als raue Stelle, die sich nicht einfach abkratzen lässt (aktinische
Keratose), oder als Kruste, die immer wieder entsteht. Aus einer Vorstufe

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(aktinische Keratose) von Hautkrebs kann sich ein Spinozelluläres Karzinom
entwickeln (Stachelzellkrebs).

Roter Hautkrebs
kann im Anfangsstadium einem Ekzem ähneln. Charakteristisch ist, dass die
Hautveränderung nicht verschwindet, sondern an der gleichen Stelle konstant
über viele Monate bleibt, auch unter anti-entzündlicher Therapie.

Aktinische Keratose: Vorstufe von weißen Hautkrebs

Die Haut vergisst nie, besagt ein Sprichwort. Zuviel Sonneneinstrahlung führt
auch noch viele Jahre später zu Hautschäden. Die Folge ist eine aktinische
Keratose oder auch solare Keratose genannt, also durch die Sonne induziert.
Es entsteht zunächst eine Schuppe, eine kleine Kruste, meist auf roten Grund.
Die Oberhaut hat durch die Sonnenbelastung in ihrem Genmaterial einen
Schaden erlitten, eine Mutation. In den vergangenen Jahren hat die Zahl der
betroffenen Patienten zugenommen. Zum einen weil die jetzige "Rentner-
Generation" sich seit ihrer Jugend erheblich mehr der Sonne ausgesetzt hat.
Viele Ältere sind gereist, haben die Sonne genossen. Zum anderen gibt es
immer mehr, immer ältere Menschen. Die Folge sind immer mehr von
aktinischen Keratosen betroffene Patienten.

Wie aktinische Keratose entsteht
Jede Minute in der Sonne, jeder Sonnenbrand summiert sich im Laufe des
Lebens auf der Haut. Irgendwann sind die Hautzellen überlastet, so dass
Hautkrebs entstehen kann. Sonnenstrahlen sind also der Hauptauslöser für
aktinische Keratosen. Sie treffen auf das Genmaterial in diesen Hautzellen. Es
kommt dabei häufig zu sogenannten Mutationen, also Veränderungen in dem
Genmaterial. Dafür gibt es Reparaturmechanismen, denn wir alle würden sonst
permanent diese Veränderungen entwickeln. Und diese
Reparaturmechanismen können das korrigieren. Das geht deswegen, weil es
zwei Stränge gibt, die nebeneinanderliegen. Wenn der eine kaputt ist von
diesem Genmaterial, dann kann der andere Strang als Vorlage zur Reparatur
benutzt werden. Und deswegen kommen wir überhaupt so gut durch die Sonne.
Das hat sich evolutionär schon herausgebildet. Mit immer mehr
Sonneneinstrahlung und zunehmendem Alter nimmt aber die
Reparaturfähigkeit der Zellen ab, so dass sich defekte Zellen vermehren und zu
einem hellen Hautkrebs entarten können.

Aktinische Keratose: Vorstufe von weißem Hautkrebs
Aktinische Keratosen haben das Potential, sich zu Hautkrebs
weiterzuentwickeln. Sie können also zu Hautkrebs führen, zum sogenannten
weißen oder eben nicht dunklen, nicht melanozytären Hautkrebs.

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"Das Gute an der Haut ist, dass die Haut eine sehr gute Immunkontrolle hat,
auch von sich verändernden Zellen. Das heißt, dass nicht jede aktinische
Keratose zu Hautkrebs führt." Prof. Dr. Tilo Biedermann

Zum Übergang von aktinischen Keratosen in weißen Hautkrebs gibt es kaum
belastbare Daten. Klar ist: viele von den aktinischen Keratosen führen nicht zu
Hautkrebs. Das Immunsystem spielt in dem Zusammenhang eine große Rolle
bei der Kontrolle von aktinischen Keratosen.

"Die Abwehr der aktinischen Keratosen durch Entzündung ist ein wichtiger
Mechanismus, um sie wieder loszuwerden. Wenn Menschen also Medikamente
einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken, steigt die Gefahr, dass
aktinische Keratosen sich in weißen Hautkrebs weiterentwickeln." Prof. Dr. Tilo
Biedermann

Unterschied zwischen weißem Hautkrebs und schwarzem Hautkrebs
Weißer Hautkrebs ist die häufigste Form von Hautkrebs. Der Begriff umfasst
zwei verschiedene Krebsformen: das Basalzellkarzinom (Basaliom) oder das
spinozelluläre Karzinom Plattenepithelkarzinom (Spinaliom). Beide wachsen
relativ langsam und nur letzterer bildet selten Metastasen. Daneben gibt es
noch den schwarzen Hautkrebs, dermatologisch malignes Melanom genannt.
Im Vergleich zum weißen Hautkrebs hat dieser ein anderes Risikoprofil und ist
aggressiver. Der weiße Hautkrebs dagegen wird nicht von den Pigmentzellen
gebildet, sondern von den Keratinozyten, die eben kein Pigment herstellen.
Deswegen heißt er auch weißer Hautkrebs. Er kann sich in unterschiedlichen
Schattierungen zeigen. Das spinozelluläre Karzinom entsteht aus diesen
aktinischen Keratosen.

"Der weiße Hautkrebs hat eine sehr viel bessere Prognose, eine deutlich
geringere Aggressivität als der schwarze Hautkrebs. Trotzdem müssen wir ihn
ernst nehmen, denn das Risiko ist nicht null." Prof. Dr. Tilo Biedermann

Diagnose aktinische Keratose: heilbar, aber wachsam bleiben
Weil die aktinische Keratose eine Vorstufe von weißem Hautkrebs sein kann,
sollte sie mit Wachsamkeit beobachtet werden. Wenn sie rechtzeitig erkannt
und therapiert wird, dann passiert nichts Schlimmeres für den Patienten.

"Ganz wichtig ist es zu verstehen, dass wenn die Diagnose einer aktinischen
Keratose gestellt wird, man deswegen nicht unruhig schlafen muss. Man ist
nicht sofort der Gefahr "Hier entsteht jetzt Krebs" ausgesetzt. Einfach nur
wachsam sein." Prof. Dr. Tilo Biedermann

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Alarmzeichen: Wie ist aktinische Keratose zu erkennen?
Natürlich ist nicht jeder "Pickel" an der Haut gleich ein großes Alarmzeichen.
Das nicht geschulte Auge erkennt eine mögliche aktinische Keratose daran,
wenn in einer chronisch Licht exponierten Haut eine Stelle auftritt, vielleicht eine
geringe Rötung, die aber vor allem diese kleine Kruste, diese haftende
Schuppe hat. Wenn man die immer wieder wegkratzt, sie aber an der Stelle
immer wieder zurückkommt oder man sieht vielleicht sogar einen roten Fleck
auch noch darunter dann sollte man diese Veränderungen einem Facharzt
zeigen.

Betroffen sind vor allem helle Hauttypen und ältere Personen
Wir wissen aus vielen Untersuchungen, dass der Hauttyp eine wesentliche
Rolle spielt bei der Empfindlichkeit gegenüber UV-Licht und Empfänglichkeit
gegenüber aktinischen Keratosen. Das heißt, je heller der Hauttyp, umso
schlechter wird oft die Sonne vertragen und umso eher kommt es zu
Sonnenbrand. Alle diese Kriterien kann man benutzen, um Hauttypen zu
trennen. Und der Hauttyp eins ist der mit der hellsten Haut, mit hellblauen
Augen und eben häufigen Sonnenbränden. Dieser Hauttyp ist auch stärker
empfindlich bzw. aktinische Keratosen treten dort eher auf. Grundsätzlich ist die
Erkrankung oder sind diese Hautveränderungen etwas, was im höheren
Lebensalter auftritt. Kinder haben so etwas nie. Das lehrt uns, dass es eine
Aufsummierung der Sonnenschäden über das Leben ist, die irgendwann dazu
führt, dass solche aktinischen Keratosen entstehen. Je heller der Hauttyp,
umso höher das Risiko.

Behandlungsmöglichkeiten
Die gute Nachricht: es gibt viele sehr gute Behandlungsmöglichkeiten für
aktinische Keratosen. Die schlechte Nachricht: für den Laien kann das
unübersichtlich werden, weil es viele Methoden gibt, die zum Ziel führen. Die
Auswahl aus diesen Methoden durch den Arzt ist für den Patienten manchmal
nicht nachvollziehbar. Es gibt Creme-Methoden, die helfen, die Haut zu
aktivieren oder das Immunsystem der Haut zu aktivieren und so diese
aktinischen Keratosen abzustoßen. Man kann auch mit Lasertherapie oder
Vereisung die Abstoßung aktinischer Keratosen einleiten. Wichtig ist zu wissen:
viele dieser Therapien haben zum Ziel, eine gewisse Entzündung in der Haut
auszulösen. Denn diese Entzündung stößt die aktinische Keratosen ab.

Um ausgedehntere aktinische Keratosen zu behandeln, hilft die sogenannte
photodynamische Therapie. Hier wird auf die Haut eine Substanz aufgebracht,
die insbesondere von den in einer aktinischen Keratose veränderten Hautzellen
aufgenommen wird und dadurch diese Zellen empfindlicher gegenüber
therapeutischer Bestrahlung macht. Nach einer Einwirkzeit wird diese
Bestrahlung dann vorgenommen, um durch die Energie der UV-Strahlen Zellen

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der aktinischen Keratose zu zerstören und dadurch eine Entzündung und die
Abstoßung der aktinisichen Keratosen auszulösen.

"Es ist wichtig, dem Patienten das zu erklären: Erschrecken Sie nicht vor dieser
Entzündung. Das ist eine erwünschte Wirkung und keine ‚böse‘ Nebenwirkung."
Prof. Dr. Tilo Biedermann

Wenn ein Patient schon viele aktinische Keratosen oder sogar weißen
Hautkrebs hatte, dann wählt der Arzt auch intensivere Therapieformen. Das
Gute ist: die Haut erneuert sich.

Wenn eine aktinische Keratose sich klinisch schon als ein bisschen dicker
tasten lässt und man den Verdacht hat, dass sie sich vielleicht schon
weiterentwickelt hat zu einem frühen weißen Hautkrebs, dann entscheidet man
sich manchmal auch, diese herauszuschneiden oder eine Probe zu nehmen,
um zu sehen, wie tief sie in die Haut hineingeht. Das ist eine klinische
Entscheidung und hängt auch von der Vorgeschichte des Patienten ab. Wenn
schon Hautkrebs an der Haut diagnostiziert worden ist, dann muss man eben
auch besonders aufmerksam sein.

In der Regel gibt es keine Medikamente, die wir in Form von Tabletten oder
Spritzen anbieten können, um solche aktinischen Keratosen zu behandeln oder
ihnen vorzubeugen. Das Entscheidende ist, die Haut zu beobachten und dann
zu entscheiden, mit welcher Therapie man in der Haut eine Abstoßung
hervorrufen kann. Der natürliche Weg ist ja die Abstoßung der aktinischen
Keratosen und den kann man unterstützen, gerade wenn die Anzahl höher ist,
um diese aktinische Keratosen wieder loszuwerden.

Vorbeugen und Schutz
Eines ist klar: gesunde Bräune gibt es nicht. Das bedeutet: Lichtschutz ist das
Wichtigste. Wir müssen textilen Lichtschutz beachten, also unsere Haut mit
Stoff bedecken. Außerdem brauchen wir einen hohen Sonnenschutz und nicht
wie früher in den 1980´ern Faktor acht. Das kann man heute gar nicht mehr
vertreten, sondern wir brauchen wirklich einen hohen guten Lichtschutz.
Außerdem sind insbesondere für den hellen Hauttyp bestimmte Tageszeiten
einfach nicht geeignet, um in die Sonne zu gehen.

"Das Sonnenbaden im Urlaub ist ein Teil des Schadens, den Menschen sich
zuziehen. Aber wenn sie es schon machen, dann nehmen sie einen
Sonnenschirm. Dann nehmen sie Textil dazu und vor allem
Sonnenschutzmittel." Prof. Dr. Tilo Biedermann

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Mit Vorbeugemaßnahmen kann man nicht früh genug beginnen. Das geht
natürlich schon als Baby und Kind los. Das Beispiel Australien zeigt: dort ist vor
allem die Sorge vor schwarzen Hautkrebs groß, weil dort viele Menschen mit
hellem Hauttyp leben, die z.B. aus Großbritannien emigriert sind und jetzt in
Australien dauerhaft der Sonne ausgesetzt sind und das nicht vertragen.

"Wir wissen aus Australien, dass diese Lichtschutzmaßnahmen, die schon in
der Kita, die schon im Kindergarten beginnen und sehr umfassend sind, auch
für den weißen Hautkrebs eine erhebliche Eindämmung bewirkt haben." Prof.
Dr. Tilo Biedermann

Unter der Sonne - Ursachen für Hautkrebs

Mit Ausnahme des roten Hautkrebses ist für die meisten anderen bösartigen
Hauttumoren ein mehr oder weniger direkter Zusammenhang mit
Sonneneinstrahlung erwiesen.

Der weiße Hautkrebs tritt vor allem auf den stark der Sonne ausgesetzten
Hautpartien auf (Gesicht, Handrücken etc.). Sein Erscheinen folgt einer Dosis-
Wirkungsbeziehung: je mehr Sonne, desto größer das Risiko einer
Krebsentwicklung im Laufe des Lebens.

Schwarzer Hautkrebs auch durch Sonne
Beim schwarzen Hautkrebs ist der Zusammenhang etwas indirekter: Starke und
plötzlich wechselnde (intermittierende) Sonnenbelastung (zum Beispiel mehrere
massive Sonnenbrände in der Jugend) sind statistisch mit einem höheren
Melanom-Risiko im mittleren Lebensalter verbunden. Man erklärt sich dies
durch die schädigende Wirkung der Sonne auf die pigmentbildenden Zellen.
Das Immunsystem kann die Defekte zwar lange - durchaus auch über
Jahrzehnte - in Schach halten, eines Tages kommt es aber dennoch zu einem
plötzlichen, bösartigen Wachstum.

Tipps von Prof. Biedermann: Rundum geschützt vor der Sonne
Verhalten:
Meiden Sie starke Sonnenbelastung, insbesondere in der Mittagszeit. Mein Rat:
Verhalten Sie sich im Urlaub so, wie sich die Menschen verhalten, die dort
wohnen (beispielsweise in Nordafrika).
Kleidung:
Schützen Sie lichtexponierte Körperregionen durch entsprechende Kleidung
(Hut!).
Es gibt auch Kleidungsstücke mit Lichtschutzfaktoren im Textilgewebe,
insbesondere für Kinder.

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Lichtschutzfaktoren (Sonnencreme):
Wählen Sie je nach Lichtempfindlichkeitstyp. Es gibt physikalische und
chemische Lichtschutzstoffe. Häufigste Fehler sind falsche und ungenügende
Anwendung. Nehmen Sie sich die Zeit und cremen Sie rechtzeitig: vor dem
Frühstück und vor dem Gang zum Strand. Nach Wasserkontakt nachcremen
auch bei "wasserfesten" Cremes.

Wichtig: Sonnenschutz für empfindsame Kinderhaut
"Die Kenntnis zur Gefährlichkeit von Sonnenstrahlen und vor allem
Sonnenbränden hat in den letzten Jahren zugenommen, aber die
Konsequenz bei der Umsetzung des Sonnenschutzes lässt noch sehr zu
wünschen übrig. Gerade Eltern sollten daran denken, Sonnenbrände sind
eigentlich eine ‚fahrlässige Körperverletzung‘ an ihren Kindern." Prof. Dr.
med. Tilo Biedermann, Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und
Allergologie am Biederstein, Technische Universität München

Prognose
Frühzeitig erkannt, haben die meisten Hautkrebsformen eine gute Prognose.
Nicht rechtzeitig erkannt, können jedoch alle Arten auch tödlich sein. Am
gefährlichsten ist der schwarze Hautkrebs.

"Deshalb muss eine konsequente Nachsorge erfolgen, die wir allen
Patienten mit der Diagnose schwarzer Hautkrebs anfangs in dreimonatigen
Abständen anbieten. Auch bei Patienten mit besonderen oder
fortgeschritteneren Formen des weißen Hautkrebses bieten wir eine
Nachsorge an." Prof. Dr. med. Tilo Biedermann, Direktor der Klinik und
Poliklinik für Dermatolgie und Allergologie am Biederstein, Technische
Universität München

Unter dem Skalpell - Therapie bei Hautkrebs

Für jede Hautkrebsart gilt: Das Skalpell ist das Mittel der Wahl. Wenn
möglich, wird das bösartige Gewebe in einer Operation chirurgisch entfernt.
Hierzu werden besondere Verfahren eingesetzt, die die Tumorfreiheit im
Gewebe nachweisen. Bei sehr ausgedehnten Tumoren oder sehr hohem
Lebensalter des Patienten stehen auch andere Therapieverfahren zur
Verfügung:

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Therapieansätze im Überblick

        Strahlenbehandlung: Weiche Röntgenstrahlen zur Behandlung
         oberflächlicher Formen des weißen Hautkrebses in höherem
         Lebensalter, insbesondere im Gesichts- und Lidbereich

        Kryochirurgie: Kältebehandlung bei Vorstufen oder oberflächlichen
         Formen des weißen Hautkrebses

        Photodynamische Therapie (PDT): Verwendung von örtlich
         aufgetragenen, photosensibilisierenden Substanzen bei gleichzeitiger
         Bestrahlung mit Infrarotlicht oder kontrolliert mit Tageslicht. Nur
         bösartig veränderte Zellen werden getroffen, die gesunde Haut wird
         nicht in Mitleidenschaft gezogen. Diese Behandlung ist besonders bei
         der sogenannten "Feld-Kanzerisierung" angebracht, wenn sich die
         betroffenen Areale nicht mehr gut voneinander abgrenzen lassen.

        Äußerliche immunmodulierende Zubereitungen: Salbentherapie mit
         immunaktivierenden Stoffen für Vorstufen und bestimmte Formen des
         oberflächlichen weißen Hautkrebses führt zu guten Erfolgen.

        Systemtherapien: Bei fortgeschrittenen Tumorstadien und der
         Bildung von Tochtergeschwülsten in inneren Organen werden
         Chemotherapien heute seltener eingesetzt. Diese werden zunehmend
         durch andere Therapieverfahren ersetzt oder ergänzt. Bei manchen
         Tumoren kann man gezielt das, was beim Krebs "außer Rand und
         Band geraten ist", blockieren. Oft benötigt man hierzu den Nachweis
         einer spezifischen Veränderung im Tumor ("Mutation"). Beim
         fortgeschrittenen Melanom kommen zusätzlich immunstimulierende
         Systemtherapien zum Einsatz, die das Immunsystem gegen den
         Tumor regelrecht "lostreten". Diese Therapien haben zu einer
         erheblichen Verbesserung bei der Versorgung einiger
         fortgeschrittener Hautkrebserkrankung geführt.

        Immuntherapien: Sogenannte Checkpoint-Inhibitoren können eine um
         Jahre lebensverlängernde Wirkung haben. Diese Medikamente bringen
         das Immunsystem dazu, eine Art Bremse zu lösen, die die Bekämpfung
         der Krebszellen verhindert. Ist der Mechanismus entsperrt, kann das
         Immunsystem den Krebs wieder aktiv zerstören, bzw. daran hindern
         weiter zu wachsen. 2018 bekamen die Entdecker dieser Mechanismen
         den Nobelpreis für Medizin.

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Ein Ratschlag, der heutzutage bei der Hauptkrebstherapie nicht mehr gilt, ist
der lateinische Spruch: "Noli me tangere" – "Rühr mich nicht an". In der
medizinischen Praxis gilt heute gerade das Gegenteil, so Prof. Biedermann von
der TU München:

"Man kann und muss in jedem Stadium von Hautkrebs behandeln. Nur so
können sich Lebensqualität und -erwartung verbessern."

Forschen für die Impfung gegen Krebs
Die Entwicklungen der neuen gezielten Therapien und Immuntherapien
verändern die therapeutischen Möglichkeiten beim schwarzen Hautkrebs
derzeit quasi monatlich, und daher werden immer Patienten innerhalb
klinischer Studien mit den neuesten Medikamenten oder deren
Kombinationen behandelt. Diese werden in der Regel in den großen
Zentren, beispielsweise Hautkrebszentren, durchgeführt.

"Generell gilt: Wenn sich bei Ihnen eine Hautveränderung neu bildet oder sich
eine schon länger bekannte Hautveränderung irgendwie bemerkbar macht -
durch Juckreiz, Bluten oder Krustenbildung - sollten Sie unbedingt umgehend
Ihren Hautarzt aufsuchen." Prof. Dr. med. Tilo Biedermann, Direktor der Klinik
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