GLORY CASH REPORT 2020 - ZAHLUNGS- UND EINKAUFSVERHALTEN IN ZEITEN DER PANDEMIE Neue Herausforderungen und Chancen für die Customer Experience im ...

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GLORY CASH REPORT 2020

  ZAHLUNGS- UND EINKAUFSVERHALTEN
  IN ZEITEN DER PANDEMIE
  Neue Herausforderungen und Chancen für die Customer Experience
  im Einzelhandel
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                          Inhalt

03                           04                   09                       12                       19
VORWORT                      ENDE EINER LIEBE?    BEZAHLEN IM HANDEL:      HYGIENE AM               DIGITALISIERUNG
                             Das Verhältnis der   Drei Fragen an           CHECKOUT:                AM POS:
                             Konsumenten zum      Ulrich Binnebößel, HDE   Expertenmeinung der      Chancen für die Customer
                             Bargeld                                       Deutschen Bundesbank     Experience

25                           31                   33                       37                        41
ZAHLUNGSVERHALTEN            CORONA VERÄNDERT     NUTZUNG CASH BACK        EFFIZIENTES BARGELD-      QUELLEN & LINKS
IN DER KRISE:                DAS ZAHLUNGS-        UND SB-ANGEBOTE:         HANDLING ALS TEIL         ÜBER GLORY
Ergebnisse der Payment-      VERHALTEN            Ergebnisse der KANTAR-   DER DIGITALISIERUNGS-
Studie von KANTAR            DER DEUTSCHEN        Umfrage                  STRATEGIE
                             Infografik
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Vorwort – die Krise als Chance
Corona hat unser aller Leben verändert – im Beruflichen wie       Offen bleibt die Frage, ob diese Verhaltensänderungen von Dauer
im Privaten. Vieles von dem, was vor der Pandemie normal und      sein werden. Was geschieht, wenn nach der Pandemie wieder
alltäglich war, gibt es heute in dieser Form nicht mehr. Manche   so etwas wie „Normalität“ in unseren Alltag einkehrt? Werden die
Dinge vermissen wir, bei anderen fragen wir uns: Warum brauchte   Verbraucher dann ihre neuen Gewohnheiten beibehalten oder
es erst eine solche Pandemie, damit sich das Neue durchsetzen     so schnell wie möglich zu ihren ursprünglichen Vorlieben zurück-
konnte?                                                           kehren?

Zu den positiven Auswirkungen der Corona-Krise zählt beispiels-   Wir haben die Auswirkungen der Corona-Krise auf das Verhalten
weise, dass die Digitalisierung in vielen Unternehmen mit hoher   am Checkout in einer repräsentativen Studie beleuchtet und die
Priorität vorangetrieben wurde und noch wird. Maßnahmen,          Verbraucher dabei auch nach ihren Annahmen für die Zukunft
die man früher auf Monate ausgerichtet hätte, konnten plötzlich   gefragt. Die Erhebung zeigt interessante Entwicklungen auf, auch
innerhalb kürzester Zeit umgesetzt werden. Auch der Handel        im Hinblick auf die künftige Nutzung von SB-Kassen. Einzel-
hat beim digitalen Wandel an Tempo zugelegt. Kleine, lokale       händler erhalten damit wertvolle Hinweise, wie sie auf die verän-
Händler haben den Schritt in den Online-Handel gewagt, interne    derten Gewohnheiten reagieren und gleichzeitig das Bargeld-
Prozesse wurden optimiert.                                        handling in ihrem Unternehmen optimieren können. Denn eines
                                                                  ist klar: Selbst Corona wird das Bargeld nicht abschaffen. Händler
Die Einkaufsgewohnheiten der Verbraucher haben sich mit           sollten daher in der derzeitigen Krise auch die Chance sehen,
der Pandemie ebenfalls massiv gewandelt: Sie kaufen deutlich      ihre Bargeldstrategie zu überdenken und neue Services zu ent-
häufiger online und seltener im Laden. SB-Angebote werden         wickeln, um das Einkaufserlebnis der Kunden zu verbessern.
intensiver genutzt, und auch die Bargeldmitnahme via Cash Back
am POS wird verstärkt nachgefragt. Für mich persönlich ist
besonders eines bemerkenswert: Die bargeldliebenden Deutschen
haben sich für kontaktlose Bezahlmethoden geöffnet und zahlen     Thomas Rausch
nun seltener mit Münzen und Scheinen.                             Sales Director Retail, GLORY Deutschland
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ENDE EINER LIEBE?
DAS VERHÄLTNIS DER KONSUMENTEN
ZUM BARGELD
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                    Kartenzahlungen werden beliebter
                    Der Trend scheint eindeutig: Kunden greifen an der Kasse immer     Schon häufig wurde das Ende des Bargelds prognostiziert.
                    häufiger zu Karten statt zu Münzen und Scheinen. Mehr als jeder    Doch eingetreten ist es bislang nicht. Zu groß war und ist die
                    zweite Euro wird mittlerweile bargeldlos bezahlt. Das zeigt eine   Bargeldliebe der Deutschen. Zwar scheint diese langsam abzu-
                    aktuelle Studie des EHI1, wonach der Anteil der Kartenzahlungen    kühlen, doch nach wie vor spielen Münzen und Scheine im
                    am Umsatz des stationären Einzelhandels bei 50,5 Prozent liegt.    Alltag eine gewichtige Rolle. So wird der weitaus größte Teil aller
                    Barzahlungen kommen nur noch auf 46,5 Prozent. Vor zwei            Transaktionen im Einzelhandel bar bezahlt: 2019 lag der Anteil
                    Jahren war das Verhältnis noch umgekehrt.2 Der Vorsprung der       der Barzahlungen bei knapp 73 Prozent. Nur 26 Prozent der
                    Kartenzahlungen ist noch gering, doch die EHI-Experten gehen       Transaktionen werden mit Karte bezahlt.3 Auch die Bargeldmenge
                    davon aus, dass sich dieser schnell vergrößern wird. Grund ist     steigt kontinuierlich an – jedes Jahr um etwa sechs bis sieben
                    die Corona-Pandemie, die einen regelrechten Boom bei Karten-       Prozent. Im Verlauf von zehn Jahren hat sie sich fast verdoppelt:
                    zahlungen ausgelöst hat. Beim EHI erwartet man daher, dass         Im Juli 2010 waren 13,7 Milliarden Euro-Banknoten im Umlauf,
                    der Anteil der Kartenzahlungen am Gesamtumsatz bis 2022 auf        im Juli 2020 rund 25,4 Milliarden.4
                    58 Prozent steigen wird.
                                                                                       Es sind vor allem die vielen kleinen Einkäufe beim Metzger,
                                                                                       beim Bäcker und am Kiosk, für die Bargeld noch unverzichtbar
Über die Hälfte des Umsatzes im deutschen Einzelhandel                                 ist. Für Beträge unter 20 Euro sind Münzen und Scheine das mit
wird mittels Kartenzahlung getätigt.                                                   Abstand meistgenutzte Zahlungsmittel. Bei Beträgen zwischen
                                                                                       20 und 50 Euro wird Bargeld immerhin noch doppelt so häufig
                    Dass Corona den Trend zum bargeldlosen Bezahlen beschleu-          genutzt wie Debitkarten, erst bei Beträgen über 50 Euro domi-
                    nigt, bestätigt auch die im Auftrag von GLORY durchgeführte        nieren letztere.5
                    KANTAR-Studie in diesem Report. Demnach ist der Anteil derer,
                    die Bargeld bevorzugen, von 49 Prozent vor der Krise auf 29
                    Prozent gesunken – vor allem aus Angst vor einer Ansteckung.
                    Ist also mit Corona nun die Zeit gekommen, in der Karten das
                    Bargeld endgültig verdrängen werden?

                                        Bargeld dominiert bei Kleinbeträgen.
                    Gemessen an den Transaktionen, liegen Münzen und Scheine
                    nach wie vor vorne.
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          Eine Frage des Alters?
          Nicht nur die Einkaufshöhe, auch das Alter der Konsumenten           Digitalen Bezahlverfahren gehört die Zukunft – davon sind die
          spielt bei der Frage „Karte oder Cash?“ eine Rolle. Jüngere          Jungen überzeugt. Gleichzeitig sehen viele die Entwicklung aber
          nutzen kontaktlose Bezahlmethoden deutlich häufiger als Ältere:      auch kritisch: Drei von vier Jugendlichen glauben, dass digitale
          Einer Studie des Bankenverbands6 zufolge haben sechs von             Bezahlverfahren dazu verleiten, mehr Geld auszugeben.7
          zehn Personen unter 40 Jahren (58 Prozent) schon einmal kon-         Im Alltag bevorzugt die Mehrheit (63 Prozent) daher immer noch
          taktlos mit Karte bezahlt. Bei den über 50-Jährigen sind es nur      Münzen und Scheine und trägt entsprechend viel Geld bei sich:
          36 Prozent. Auch das NFC-basierte kontaktlose Zahlverfahren          Bei den 18- bis 24-Jährigen sind es immerhin 67 Euro, die über
          mit dem Smartphone nutzen Jüngere häufiger als Ältere, wobei         45-Jährigen haben durchschnittlich 98 Euro im Portemonnaie.8
          der Anteil insgesamt sehr niedrig ist. Dabei ist zu bedenken, dass   Egal ob jung oder alt: Die Deutschen wollen auf Münzen und
          kontaktloses Bezahlen noch nicht überall möglich ist. Wäre das       Scheine offenbar nicht verzichten. Denn Bargeld erfüllt alle
          der Fall, würden gerade die jungen Leute deutlich häufiger davon     Kriterien, die ihnen bei der Wahl eines Zahlungsmittels wichtig
          Gebrauch machen: 80 Prozent der unter 30-Jährigen zählen             sind: einfache Nutzung, ein guter Überblick über die Ausgaben,
          sich zu potenziellen Nutzern, über alle Altersgruppen hinweg         Vertrautheit und die Wahrung der Privatsphäre. Nur bei einem
          sind es 57 Prozent.                                                  Punkt schneiden Debitkarten besser ab: beim Schutz vor finanzi-
                                                                               ellen Verlusten. Kontaktlos- oder Internetbezahlverfahren liegen
                                                                               dagegen bei allen Kriterien weit hinter anderen Zahlungsmitteln.9

Jüngere zahlen häufiger mit Karte,
aber auch sie wollen auf Bargeld nicht
verzichten.
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                          Transaktionsanteile der Zahlungsarten im deutschen Einzelhandel
                          stationär

                                                                                  0,7%
Während der Pandemie                                                                0,4%                  3,9%   ELV (SEPA-Lastschrift)
hat sich das Zahlungs-
verhalten der Deutschen
verändert, siehe KANTAR
Umfrage ab Seite 26.

                          72,9%                                                            26,1%          17,7% girocard

                                                                                                          3,8% Kreditkarten
                                                                                                          0,5% Maestro/V Pay/Debit Mastercard
                                                                                                          0,3% Handelskarte

                          Quelle: EHI Retail Institute, 2020

                            per Karte    Bar     Rechnung/Finanzkauf   Sonstige
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             In Krisenzeiten vertraut man auf Bargeld
             Wie aber steht es um die Bargeldliebe in Zeiten von Corona?     In der Krise scheinen die Deutschen somit regelrecht ins Bar-
             Wie wirkt sich der Boom bei den Kartenzahlungen auf das         geld zu flüchten – ein Phänomen, das man schon während der
             Verhältnis zum Bargeld aus? Angaben der Bundesbank zufolge      Finanzkrise 2008 beobachten konnte. Dahinter steht das Sicher-
             ist die Bargeldnachfrage mit Beginn der Pandemie deutlich an-   heitsdenken der Verbraucher. Denn die meisten Banknoten
             gestiegen: Als es am 16. März 2020 zu Schließungen in Gastro-   werden nicht etwa für Einkäufe genutzt, sie dienen vielmehr als
             nomie und Handel kam, wurde an den Geldautomaten in             Wertaufbewahrungsmittel. Offenbar genießt Bargeld gerade in
             Deutschland 700 Millionen Euro mehr angefordert als sonst.      diesen ungewissen Zeiten besonders hohes Vertrauen. Darauf
             In den darauffolgenden Tagen war die Nachfrage nach Scheinen    deuten auch die gestiegenen Barreserven hin: Vor Corona hor-
             und Münzen etwa doppelt so hoch wie zu „normalen“ Zeiten.10     teten die Deutschen zu Hause oder in Bankschließfächern durch-
             Auch an den Kassen in Supermärkten haben mehr Verbraucher       schnittlich 1.364 Euro.11 Mit Beginn der Pandemie stieg dieser
             Bargeld abgehoben. Der Anteil der Cash-Back-Nutzer stieg von    Notgroschen nach Berechnungen der Bundesbank auf mehr
             32 Prozent in 2019 auf 56 Prozent während der Pandemie an,      als 3.000 Euro je Bundesbürger an.12
             wie die KANTAR-Studie im Auftrag von GLORY in diesem
             Report zeigt.

Die Bargeldnachfrage steigt in Krisenzeiten.
Auch Cash Back wird vermehrt genutzt.

             Fazit
             Der Anteil der Barzahlungen an den Transaktionen und am Umsatz im Einzelhandel sinkt kontinuierlich.
             Die Corona-Krise hat diesen Trend verstärkt. Sie hat aber auch deutlich gemacht, dass Münzen und Scheine
             bei Verbrauchern noch immer größtes Vertrauen genießen. Vom Ende der Bargeldliebe kann daher nicht
             die Rede sein. Dennoch hat die Pandemie vieles verändert, worauf Händler sich einstellen müssen.
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BEZAHLEN IM HANDEL
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                                      Expertenmeinung: Pandemie als Herausforderung, Digitalisierung als Chance
                                      Herr Binnebößel, durch die Covid-19-Pandemie steht der Handel      Wenn man dem Coronavirus etwas Positives abgewinnen
                                      in diesem Jahr vor ganz neuen Herausforderungen. Der LEH           möchte, dann doch, dass die Pandemie einen Digitalisierungs-
                                      scheint – zumindest momentan – als Gewinner aus der Krise zu       schub angestoßen hat. Sind diese Entwicklungen aus Ihrer
                                      gehen. Auf der anderen Seite ist bei Nicht-Lebensmittelhändlern    Sicht im Handel bereits spürbar und wenn ja, welche Maß-
                                      von Existenznot die Rede. Wie schätzen Sie die Situation im        nahmen wurden bisher umgesetzt?
                                      Handel aktuell ein?

                                      Binnebößel: Anders als erwartet hat das Statistische Bundesamt     Binnebößel: Man kann feststellen, dass die Krise eine
                                      im ersten Halbjahr 2020 ein reales und saisonbereinigtes Umsatz-   Katalysatorfunktion hat und die Digitalisierung insbesondere im
                                      wachstum von 0,8 Prozent gegenüber dem zweiten Halbjahr            Mittelstand beschleunigte. In der Not sind viele kleine und mittlere
                                      2019 ausgemacht. Das hier allerdings ein schiefes Bild entsteht    Händler „digital aktiv“ geworden oder haben ihre Online-Aktivi-
Ulrich Binnebößel, Handelsverband     wird schnell deutlich, wenn man sich einzelne Branchen ansieht.    täten verstärkt. Ob in der Kommunikation mit ihren Kunden, der
Deutschland (HDE), Zahlungsverkehr/   So hat der Lebensmittelhandel sowie der E-Commerce um 15 bis       Teilnahme an regionalen Gutschein- und überregionalen Verkaufs-
Logistik
                                      16 Prozent an Umsatz gewonnen. Hingegen haben insbesondere         plattformen oder gar mit eigenem Onlineshop. Ob alle Aktivitäten
                                      Innenstadt-orientierte Non-Food-Händler, die lange Wochen ihre     nachhaltig sind, muss sich zeigen. Insgesamt ist aber eindeutig
                                      Geschäfte schließen mussten, mit Umsatzverlusten von bis zu        erkennbar, dass das Interesse an digitalen Dienstleistungen –
                                      30 Prozent zu kämpfen. Bis heute sind hier deutliche Frequenz-     übrigens auch im Laden und an der Kasse – deutlich zugenom-
                                      verluste zu beobachten. Insgesamt können diese Händler die         men hat.
                                      verlorenen Umsätze nicht wieder aufholen. Wir befürchten daher
                                      eine hohe Zahl an Insolvenzen in den kommenden Monaten.
                                      Hoffnung könnte allenfalls ein gutes Weihnachtsgeschäft geben,
                                      vorausgesetzt die zweite Welle bleibt aus.

                                      „Man kann feststellen, dass die Krise eine Katalysatorfunktion hat und
                                       die Digitalisierung insbesondere im Mittelstand beschleunigte.“
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            Mancherorts wird der Ruf nach Wahlfreiheit in puncto                 sich mit mobilem Bezahlen ergeben. Allerdings wird uns
            Bezahlmethoden im Handel laut. Der Handelsverband selbst for-        das Bargeldhandling im Handel noch lange beschäftigen. Hier
            dert europaweit einheitliche Standards, um Händlern das diverse      müssen wir darauf achten, dass auch bei Bargeldprozessen eine
            Angebot an Zahlungsmitteln zu erleichtern. Wie sieht die Zukunft     Weiterentwicklung und Effizienzsteigerung erfolgt – trotz sinken-
            des Payments Ihrer Meinung nach aus und denken Sie, dass             der Nachfrage. Um Händlern die Akzeptanz der diversen unbaren
            Covid-19 potenzielle Entwicklungen beeinflussen wird?                Zahlungsmittel zu erleichtern, bedarf es einheitlicher Standards
                                                                                 und aus unserer Sicht die Weiterentwicklung der SEPA-Verfahren
            Binnebößel: Im Handel gibt es de facto bereits die Wahl, mit         hin zu europaweiten Zahlverfahren am POS und im Netz. Gerade
            Karte zu zahlen. Manche Branchen, wie Bäcker oder Metzger,           der SEPA Instant Payment Standard wäre geeignet, ein europä-
            haben womöglich einen gewissen Nachholbedarf – aber gerade           isches Zahlungsmittel zu entwickeln, dem sich auch der Handel
            hier zeigt sich, dass die Betriebe derzeit aufrüsten. Übrigens       öffnen würde, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.
            war der Trend auch schon vor Corona erkennbar. Wir nähern
            uns damit einer Vollausstattung nicht nur im Handel, wie wir ihn     Auch wenn die Corona-Krise einen Schub in Richtung unbaren
            vertreten, sondern in allen Bereichen der Wirtschaft. Natürlich      Zahlungen ausgelöst hat – Grund waren hier Hygienebedenken
            bleibt dabei auch die Option Bargeld weiterhin möglich, denn         gegenüber Bargeld – lässt sich feststellen, dass der Wunsch der
            nach wie vor ist dies das bevorzugte Zahlungsmittel vieler Kunden.   Kunden nach unbaren Bezahlmöglichkeiten bereits seit Jahren
            Wir rechnen insgesamt mit einer weiteren Zunahme des bar-            anhält. Wichtig ist es in diesem Zusammenhang, die Akzeptanz-
            geldlosen Bezahlens, getrieben durch neue Technologien wie           kosten zu senken und damit den Händlern die Möglichkeit zu
            Near Field Communication sowie praktischen Mehrwerten, die           geben, weiterhin effiziente Angebote machen zu können.

„Der Trend mit Karte zu zahlen war auch schon
 vor Corona erkennbar.“
GLORY CASH REPORT 2020   12

HYGIENE AM CHECKOUT:
NEUE HERAUSFORDERUNG FÜR DEN HANDEL
GLORY CASH REPORT 2020                                13

                   Corona-Krise verändert Kundenbedürfnisse
                   Das Jahr 2020 hat gezeigt, wie schnell sich Kundenbedürfnisse       Das bringt für Händler neue Herausforderungen mit sich:
                   verändern können. Hygienemaßnahmen, die in der Vergangenheit        Einerseits müssen sie dafür sorgen, dass die zur Eindämmung
                   für viele Verbraucher kaum eine Rolle gespielt haben, avancierten   der Pandemie wichtigen Hygienevorschriften eingehalten werden.
                   mit der Corona-Krise plötzlich zum Gesprächsthema Nummer            Andererseits wollen sie den Kundenansprüchen bestmöglich
                   Eins. Ein Einkauf ohne Mund-Nasenschutz und Abstandsmar-            gerecht werden. Im Fokus steht hier vor allem der Wunsch,
                   kierungen ist heute kaum noch denkbar. Die Pandemie hat mehr        weiterhin mit Bargeld zahlen zu können.
                   Kunden für Hygiene im Alltag sensibilisiert und damit auch ihr
                   Zahlungsverhalten verändert.

                   Zu Beginn der Pandemie vermutete man noch, dass von Bargeld
                   ein erhöhtes Ansteckungsrisiko ausgeht. In den Einkaufsstätten
                   forderte man die Kunden deshalb zum Bezahlen mit Karte als
                   vermeintlich hygienischere Methode auf. Zwar bestätigen Infektio-
                   logen mittlerweile, dass der Infektionsweg bei Banknoten und
                   Münzen nicht gegeben ist. Doch die Verbraucher bevorzugen
                   nach wie vor Kartenzahlung: Jeder Zweite zahlt während der Krise
                   häufiger bargeldlos, so das Ergebnis der KANTAR-Studie im
                   Auftrag von GLORY. Als Grund geben 36 Prozent an, sich so
                   besser vor einer Ansteckung schützen zu wollen.

Das Hygienebewusstsein der Konsumenten
ist gestiegen.

                                                                                       Jeder Dritte hat sein Zahlungsverhalten
                                                                                       verändert, um sich vor einer Ansteckung
                                                                                       zu schützen.
GLORY CASH REPORT 2020                                  14

Sicheres Einkaufen ermöglichen
Während der Corona-Pandemie haben viele Lebensmittelhändler         Bei diesen und ähnlichen Maßnahmen geht es nicht nur darum,
ihre ohnehin schon hohen Hygienestandards angepasst und auf         die gesetzlichen Vorgaben des Infektionsschutzes umzusetzen.
den Kundenbereich ausgeweitet. Zu den Maßnahmen zählen              Mit ihnen vermitteln die Händler den Kunden auch ein Gefühl
Glasschutzwände an den Kassen, an Kundeninformationen oder          der Sicherheit – ein wichtiger Aspekt, um ihr Klientel nicht an
am Leergutautomaten, häufigere Reinigungen von Kartenlese-          die Online-Konkurrenz zu verlieren. Das gelingt bei Supermärkten
geräten, Türgriffen und Theken, Markierungen zur Abstandswah-       und Drogerien offenbar gut, wie die KANTAR-Studie im Auftrag
rung und die Ausstattung der Mitarbeiter mit Desinfektionsmittel,   von Glory zeigt: 50 Prozent der Kunden fühlt sich hier sicher.
Einmalhandschuhen und Masken. Außerdem achtet man mancher-          In größeren Einzelhandelsgeschäften für Möbel, Bekleidung und
orts darauf, dass jeder Kunde einen Einkaufswagen nutzt, um         ähnliches, sind es nur 38 Prozent. Ganze 18 Prozent der Ver-
das Kundenaufkommen im Markt besser kontrollieren zu können.        braucher kaufen dort seit Beginn der Pandemie überhaupt nicht
Desinfektionsmittel stehen für Kunden an verschiedenen Stellen      mehr ein.
bereit. Und mit Tafeln und Durchsagen werden sie an die
Maßnahmen erinnert. Einige Händler haben Verkaufsflächen
umgeräumt, um mehr Platz für Kunden zu schaffen.

Hygienemaßnahmen im Laden vermitteln
ein Gefühl der Sicherheit.
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Kontakt mit Bargeld minimieren
Ein besonders sensibler Bereich im Einzelhandel ist der Check-     Für kleine Lebensmittelläden sind diese Cash-Management-
out. Schon vor Corona war es aus hygienischer Sicht problema-      Systeme ebenso geeignet wie für größere Märkte. Dort lassen
tisch, wenn der Verkäufer beim Metzger oder Bäcker gleichzeitig    sich auch SB-Kassen einsetzen: Kunden können ihre Einkäufe
mit frischen Waren und Bargeld hantierte. Spätestens mit der       damit selbstständig einscannen und bezahlen. Immer mehr
Pandemie muss dieser Prozess optimiert werden. Dabei sind          Händler setzen auf Self-Checkout, meist ergänzend zu mitarbei-
Lösungen gefragt, mit denen Händler Hygienevorgaben einhalten,     terbedienten Kassen. Werden die Geräte regelmäßig desinfiziert,
gleichzeitig aber einen gewohnt schnellen Bezahlvorgang sicher-    lassen sich Hygieneregeln gut einhalten. Je mehr Kassensysteme
stellen können. Dies gelingt beispielsweise mit Cash-Management-   im Einsatz sind, desto wichtiger wird es allerdings, das Bargeld-
Systemen, bei denen Kunden Münzen und Scheine eingeben             handling zu optimieren. Wird dies manuell durchgeführt, kann
und der Automat das Wechselgeld passend herausgibt.                das sehr aufwendig und kostenintensiv sein. Empfehlenswert sind
Die Mitarbeiter an der Theke kommen so nicht mehr direkt mit       dann zentrale Cash-Management-Systeme, die alle Zahlungen
dem Bargeld in Berührung. In der dadurch gewonnenen Zeit           automatisch erfassen – egal ob an der Frischetheke, an der
können sie ihre Aufmerksamkeit stattdessen dem Kunden              bedienten Kasse oder am Self-Checkout.
widmen.

                                 Je mehr Kassenstationen es gibt, desto wichtiger wird
                                 ein zentrales Cash Management.

Automatisierte Barzahlung reduziert
den Kontakt mit Bargeld.
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Hygienisches Bezahlen
Das Beispiel EDEKA Grümmi
Automatisierte Lösungen für Barzahlungen helfen Händlern dabei,   eingeben und erhält automatisch das passende Wechselgeld
Hygienestandards leichter einzuhalten. Auch für die Kaufmanns-    zurück. Die Hygiene am POS wird verbessert, da die Kassen-
familie Grümmer, die im vergangenen Jahr einen neuen EDEKA-       mitarbeiter nicht mehr selbst mit Bargeld in Berührung kommen.
Markt in Neumünster eröffnete, war das einer der Gründe, um
auf eine moderne Cash-Management-Lösung zu setzen. Bei der        Sämtliche Kassen des EDEKA sind mit dem Cash-Management-
Modernisierung des 4.000 Quadratmeter großen Marktes reali-       System im Backoffice verbunden und werden darüber zentral
sierte der Betreiber ein innovatives Shop-in-Shop-Konzept – mit   gesteuert. Der komplett geschlossene Bargeldkreislauf ermöglicht
Sushi-Bar, Burger-Station, Fischrestaurant und mehr. Jeder Shop   es, Bargeldflüsse zu optimieren und Cash-Bestände flexibel
sollte mit eigener Kasse ausgestattet werden. Zudem waren         umzuverteilen. Wenn im Fischrestaurant beispielsweise mehr
 mitarbeiterbediente und Self-Scanning-Kassen geplant.            Wechselgeld benötigt wird, ist dies im System direkt ersichtlich
                                                                  und das Personal kann entsprechend reagieren. Auch der Kassen-
Der Betreiber entschied sich für Cash Recycler von GLORY, die     schluss ist jederzeit auf Knopfdruck möglich. Das vermeidet Fehler
leicht in bestehende Kassentische und Self-Checkout-Stationen     und spart Zeit, die das Personal nutzen kann, um sich voll und
integriert werden können und besonders einfach zu bedienen        ganz auf den Kundenservice zu konzentrieren.
sind: Der Kunde wird mit einer “Follow-me”-LED-Steuerung durch
den Bezahlvorgang geführt, kann bequem Scheine und Münzen

Fazit
Mit der Corona-Krise ist Hygiene am POS zu einem zentralen Thema geworden. Besonders im Kassenbereich
sind neue Konzepte gefragt, um den Kontakt des Personals mit Bargeld zu minimieren. Cash-Management-
Systeme können dabei unterstützen. Gleichzeitig lassen sich damit Prozesse effizienter gestalten und Mitarbeiter
von zeitraubenden Aufgaben entlasten. Das bietet neue Chancen für die Customer Experience.
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                                   Expertenkommentar: Bargeld und Coronaviren
                                   Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie werden Verbraucher-
                                   innen und Verbraucher in Deutschland immer wieder aufgefordert,
                                   beim Bezahlen weitgehend auf Bargeld zu verzichten. Man könne
                                   sich ja bei der Herausgabe und Entgegennahme von Bargeld
                                   womöglich mit dem Coronavirus infizieren oder sogar selbst zu
                                   seiner weiteren Ausbreitung beitragen. Als Notenbank nehmen
                                   wir dadurch hervorgerufene Sorgen der Bevölkerung sehr ernst.
                                   Denn eine funktionierende Geldwirtschaft basiert einzig und allein
                                   auf Vertrauen. Dazu gehört auch, dass jede Banknote oder
                                   Münze, die man in den Händen hält, ein gutes und sicheres
                                   Gefühl vermittelt.
Matthias Callen, Stellv. Leiter
Zentralbereich Bargeld, Deutsche   Gemeinsam mit der EZB und anderen nationalen Notenbanken
Bundesbank.
                                   in Europa forscht die Deutsche Bundesbank deshalb fortlaufend
                                   daran, Euro-Banknoten hinsichtlich der Sicherheit und Hand-
                                   habung zu verbessern. Dabei kooperieren unsere Experten auch         Mikroskopische Aufnahme der porösen Oberfläche von Banknotenpapier.
                                   mit Forschungseinrichtungen und Spezialisten aus unterschied-        Die Abbildung zeigt die kraterartigen Strukturen auf Euro-Banknoten hervorgerufen
                                                                                                        durch übereinanderliegende Baumwollfasern. Die Vergrößerung ist 200-fach.
                                   lichen Bereichen der Industrie und Wissenschaft. Was mögliche
                                                                                                        Quelle: Deutsche Bundesbank.
                                   Infektionsrisiken mit Coronaviren über Banknoten betrifft, stehen
                                   drei Fragen im Mittelpunkt: Wie könnten Coronaviren auf die
                                   Banknoten gelangen? Wie lange würden sie darauf überhaupt
                                   überleben? Und wie wahrscheinlich ist es, dass die Viren von
                                   der Banknote wieder zurück auf einen anderen Menschen
                                   übertragen werden?
GLORY CASH REPORT 2020                                    18

Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Aus den vorliegenden                   Verbraucherinnen und Verbraucher sollen aus Sicht der Bundes-
wissenschaftlichen Untersuchungen wissen wir, dass kein Anlass         bank frei entscheiden können, welche Zahlungsmittel sie für
besteht, Barzahlungen wegen einer möglichen Übertragungs-              jede ihrer verschiedenen Transaktionen verwenden möchten.
gefahr von Coronaviren auf den Menschen zu vermeiden. Denn             Diese Wahlmöglichkeit sollte auch in der Pandemie und über sie
zunächst müssten Viren in hoher Anzahl auf die Banknoten               hinaus erhalten bleiben. Denn Bargeld als analoges Gegenstück
gelangen. Es ist aber schon unwahrscheinlich, dass Infizierte          zu digitalen und kontaktlosen Verfahren ist und bleibt ein wesent-
etwa beim Husten oder Niesen gleichzeitig auch eine Banknote           licher Bestandteil der vielfältigen Möglichkeiten, seine Einkäufe
in der Hand hielten. Zum anderen sind Banknoten im Unterschied         zu bezahlen. Die Menschen in Deutschland greifen an der Super-
zu anderen Oberflächen, etwa dem Griff am Einkaufswagen                marktkasse gerne und oft zu Münzen und Banknoten, wie wir
oder den in Folie verpackten Waren, nicht glatt. Euro-Banknoten        aus unseren Erhebungen wissen. Unsere Bargeldstrategie ist
bestehen aus einem Baumwollsubstrat und weisen daher –                 langfristig ausgerichtet. So gilt auch im Zeitalter der zunehmen-
ähnlich wie Textilien – eine stark poröse Oberfläche auf. Poten-       den Digitalisierung der Grundsatz, dass die Bundesbank gemein-
zielle Erreger dringen so in die mikroskopisch kleinen kraterartigen   sam mit den anderen Notenbanken im Euroraum sichere Euro-
 Strukturen der Euro-Banknote ein und trocknen dort relativ            Banknoten in hoher Qualität in den Umlauf bringt, solange die
schnell ein. Selbst unter üblichen Laborbedingungen können die         Bürgerinnen und Bürger dies wünschen.
Viren dann nur noch in absolut geringen Mengen auf weitere
Oberflächen übertragen werden. Darüber hinaus sind eingetrock-
nete Coronaviren nicht mehr stabil und werden inaktiviert.
GLORY CASH REPORT 2020   19

DIGITALISIERUNG AM POS:
CHANCEN FÜR DIE CUSTOMER EXPERIENCE
GLORY CASH REPORT 2020                                     20

                    Neue Kundenerwartungen am Checkout

                                                                                        Die neuen Angebote sind auch eine Reaktion auf veränderte
                                                                                        Ansprüche der Kunden: Geprägt von den Erfahrungen in
                                                                                        der Online-Welt erwarten sie auch im stationären Handel
                                                                                        smarte Services sowie mehr Flexibilität und Selbstbestimmung.
                                                                                        So wollen sie am Checkout nicht in der Schlange warten müssen
                                                                                        und selbst aktiv sein. Self-Checkout-Lösungen, bei denen der
                                                                                        Kunde den Scan- und Bezahlvorgang selbst in die Hand nehmen
                                                                                        kann, sind deshalb zunehmend gefragt. 61 Prozent der Kunden
                                                                                        sehen in ihnen eine Verbesserung des Bezahlvorgangs. Bei den
                                                                                        unter 40-Jährigen sind es sogar über 70 Prozent.14 Und in einer
                                                                                        EHI-Studie gaben Ende 2019 knapp 40 Prozent der Befragten
                                                                                        an, SB-Kassen oder kassenlose Checkouts gegenüber
                                                                                        bedienten Kassen zu bevorzugen.

                                                                                        Bisher hatten diese Systeme in Deutschland eher ein Schatten-
                    Pre-Order-Terminals, Roboter-Einkaufsassistenten oder digitale      dasein geführt. In England oder den skandinavischen Ländern
                    Preisschilder am Regal: Die Digitalisierung hat dem Handel          sind sie wesentlich verbreiteter – vor allem, weil dort bargeldlose
                    zahlreiche neue Möglichkeiten eröffnet. Mehr als jedes zweite       Zahlungsmittel stärker genutzt werden. Das macht Self-Check-
                    Handelsunternehmen in Deutschland (53 Prozent) bietet seinen        outs weniger komplex und damit kostengünstiger. Doch mittler-
                    Kunden infolge der Digitalisierung bereits komplett neue Pro-       weile wächst aufgrund der steigenden Akzeptanz auch hierzulan-
                    dukte oder Dienstleistungen an, wie eine Bitkom-Studie zeigt.13     de das Angebot. Gut 1.000 Märkte mit Self-Checkout-Systemen
                    63 Prozent haben Service und Kommunikation deutlich verändert.      gibt es bereits. Das sind fast doppelt so viele wie 2017.
                    Damit wollen sie für die Zukunft gut aufgestellt sein: 41 Prozent
                    erwarten, dass ihr Umsatz infolge der Digitalisierung stark
                    wachsen wird.

Kunden wollen Flexibilität und Selbstbestimmung.
                                                      Händler wollen mit digitalen Angeboten
                                                      wettbewerbsfähig bleiben.
GLORY CASH REPORT 2020                              21

Self-Checkout wird durch Corona beliebter

Die Akzeptanz für Self-Checkout-Lösungen hat mit der Corona-                        Neben der Corona-Pandemie werden auch neue Digitalisierungs-
Krise noch einmal einen kräftigen Schub bekommen. Rund                              technologien die Akzeptanz von SB-Kassen weiter fördern. Wenn
80 Prozent der Verbraucher haben stationäre SB-Kassen oder                          zum Beispiel Obst und Gemüse durch visuelle Objekterkennung
mobile Self-Scanning-Systeme in dieser Zeit wahrgenommen.                           automatisch registriert wird oder verpackte Waren nicht mehr
60 Prozent wünschen sich mehr dieser Kassen. Als wichtigsten                        über den EAN-Code eingescannt werden müssen, wird das den
Grund nennen sie dabei das geringere Infektionsrisiko: An Self-                     Self-Checkout-Prozess noch einmal wesentlich vereinfachen.
Service-Kassen können sie ohne Kontakt zu anderen Menschen
bezahlen und müssen weder Kassenband noch Trenner anfas-
sen. Vor der Pandemie hatten sich Verbraucher vor allem
aufgrund der kürzeren Wartezeiten und einer selbst bestimmten
Geschwindigkeit am POS für die SB-Kassen entschieden.15

Frage: Warum ziehen Sie Self-Service-Kassen während der Corona-Pandemie vor?
Quelle: POSpulse, Dossier: Kassenpräferenzen in der Corona-Krise / n=408 Antworten, Mehrfachnennungen möglich

Einfache Kartenzahlung                                                                46,57%

Kein Anfassen des Bandes/der Trenner                                                   47,30%

Kein Kontakt zu anderen Menschen                                                                        72,30%

keine/kürzere Wartezeit                                                                         61,52%

Sonstiges                                               3,43%
GLORY CASH REPORT 2020                                   22

                   Erfolgsfaktor Barzahlung                                              Weniger Kundenkontakte durch
                                                                                         Automatisierung
                   Viele Einzelhändler haben das Potenzial im Bereich Self-Check-        Die zunehmende Automatisierung am POS bringt allerdings nicht
                   out erkannt und sehen dort für sich großen Handlungsbedarf.           nur Vorteile. Einzelhändler sollten sich bewusst sein, dass damit
                   Kurz vor Beginn der Corona-Pandemie hatten in einer EHI-              wichtige Kundenkontakte verloren gehen können. Wenn beim
                   Umfrage bereits 47 Prozent der Befragten angegeben, dass sie          Checkout eine Kamera den Warenkorb des Kunden erfasst und
                   den Einsatz bzw. die Optimierung von Self-Checkout- und Self-         der Betrag automatisch über eine App abgebucht wird, entspricht
                   Scanning-Systemen vorantreiben wollen. Diese Zahlen dürften           das zwar dem Wunsch nach mehr Convenience und Effizienz.
                   mit der Pandemie deutlich gestiegen sein.                             Doch es fehlt der persönliche Kontakt – und damit ein entschei-
                                                                                         dender Faktor für ein positives Einkaufserlebnis.
                   Da sie wissen, dass viele Verbraucher nicht auf Bargeld verzich-
                   ten wollen, entscheiden sich Händler meist für SB-Kassen mit          Welch massive Auswirkungen ein verändertes Shoppingerlebnis
                   Barzahlungsmodulen: In 85 Prozent der Geschäfte mit SB-Kassen         auf das Einkaufsverhalten haben kann, zeigt die Corona-
                   können Kunden ihre Einkäufe bar bezahlen.17 Diese Kassen-             Pandemie. 63 Prozent der Konsumenten geben an, dass durch
                   systeme erfordern zwar oft höhere Investitionskosten und sind         Masken, Mindestabstand, lange Schlangen und Absperrbänder
                   wartungsintensiver, doch langfristig zahlt sich das aus: einerseits   der Spaß am Einkaufen verloren gegangen ist.18 Viele Verbraucher
                   aufgrund der gesteigerten Kundenzufriedenheit, andererseits weil      haben deshalb Einkäufe aufs Nötigste reduziert und einige
                   sich damit weitere Vorteile verbinden lassen. So können zum           Geschäfte während der Pandemie sogar ganz gemieden, wie die
                   Beispiel mit modernen Cash-Management-Systemen am Check-              KANTAR-Umfrage im Auftrag von GLORY zeigt. Manche Händler
                   out gleichzeitig auch neue kundenorientierte Services wie Cash        versuchen, die Einschränkungen abzufangen, indem sie vermehrt
                   Back angeboten werden.                                                digitale Systeme einsetzen. Erschwert beispielsweise an der
                                                                                         Frischetheke der Mindestabstand die Warenauswahl, könnte
                                                                                         man Pre-Order-Systeme anbieten, an denen Kunden Produkte
                                                                                         auswählen und später an der Theke abholen.

Bargeld und Self-Checkout stehen
nicht im Widerspruch.

                   Händler wollen in Self-Checkout investieren.
GLORY CASH REPORT 2020                                   23

           Dauerhafte Differenzierung nur mit dem Faktor Mensch
                                                                              sind, ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Konkurrenz sie
                                                                              einsetzt. Hinzu kommt die noch geringe Akzeptanz bei vielen
                                                                              Verbrauchern: Jeder zweite Kunde über 40 Jahre würde Roboter
                                                                              als digitale Einkaufshelfer nicht nutzen.19

                                                                              Wenn durch Automatisierung zwischenmenschliche Kontakte
                                                                              verloren gehen, digitale Services aber keine dauerhafte
                                                                              Differenzierung bieten, wie kann sich der stationäre Handel
                                                                              dann behaupten? Entscheidend für die Zukunft wird der Faktor
                                                                              Mensch sein: Menschen sind soziale Wesen und brauchen an-
                                                                              dere Menschen, um sich wohl zu fühlen. Um also das Geschäft
                                                                              zu einem Ort zu machen, an dem sich Kunden gerne aufhalten,
                                                                              braucht es aufmerksames Personal, das sich wirklich um die
                                                                              Kunden kümmert. Digitale Technologien müssen ihm dafür den
                                                                              Rücken freihalten. Wenn beispielsweise das Kassenpersonal
                                                                              durch einen automatisierten Checkout Zeit gewinnt, sollte es
           Viele Händler setzen auf neue, digitale Technologien, um sich zu   diese nutzen, um den Kunden beim Einpacken der Ware zu
           differenzieren. Doch egal ob es dabei um VR-Brillen oder Roboter   unterstützen oder ihn auf individuelle Angebote und Services
           für die Kundenberatung geht: Echte Wettbewerbsvorteile bringen     anzusprechen. Aus dem „Point of Sale“ muss ein „Point of
           diese Angebote kaum und da die Technologien nicht exklusiv         Service“ werden.

Der POS muss zum „Point of Service“ werden.
GLORY CASH REPORT 2020                                   24

              Faktoren für ein besseres Einkaufserlebnis
              Der stationäre Handel wird in Zukunft nicht mehr nur für die reine     Ein wichtiger Erfolgsfaktor sind neben persönlichen Kontakten
              Bedarfsdeckung genutzt. Er wird vielmehr ein Ort der Inspiration       auch besondere Produkterlebnisse, die in der Online-Welt nicht
              und des Erlebnisses sein. Für die große Mehrheit der Kunden            möglich sind. Es gilt, eine Einkaufswelt zu schaffen, in der
              spielt dabei das Personal eine wichtige Rolle: 75 Prozent zählen       Kunden Produkte anfassen und testen können, wo sie durch Duft
              freundliche, aufmerksame Verkäufer und 61 Prozent eine neutra-         und Klang inspiriert werden oder an Events teilnehmen können.
              le, ehrliche Beratung zu den wichtigsten Faktoren für ein positives    Dazu ist nicht zwingend viel Budget nötig, vielmehr kommt es auf
              Kundenerlebnis.20                                                      Ideen, Kundenorientierung und ein perfektes Zusammenspiel von
                                                                                     Mensch und Maschine an.
              Besonders hohe Erwartungen an das Einkaufserlebnis haben die
              Jüngeren: Fast jeder zweite erwartet, dass sich Verkäufer für ihre     Schließlich können auch Services rund um das geliebte Bargeld
              persönlichen Präferenzen interessieren. Und auch digitale              die Customer Experience verbessern. Wenn Bargeldprozesse
              Services sind für sie relevanter. So erwartet fast jeder Zweite, die   digital abgebildet und alle Kassensysteme zentral gesteuert sind,
              Produktverfügbarkeit online einsehen zu können. Händler sollten        kann eingezahltes Bargeld relativ einfach wieder über Cash Back
              sich darauf einstellen, dass diese Erwartungen schnell zum gene-       an die Kunden ausgegeben werden. Ein Service, den immer
              rationenübergreifenden Mainstream werden. Hier ist bei vielen          mehr Kunden schätzen und der Händlern die Chance bietet,
              noch ein Umdenken nötig: Derzeit halten nur acht Prozent der           mehr Profit aus ihrem Cash zu ziehen.
              Handelsunternehmen Personalisierung und Individualisierung für
              ein Must-have.21
                                                                                     Fazit
                                                                                     Eine Investition in Self-Checkout-Systeme ist eine
                                                                                     Investition in die Kundenzufriedenheit. Denn die
                                                                                     Akzeptanz für diese Lösungen steigt deutlich – nicht
                                                                                     zuletzt infolge der Corona-Pandemie. Die mit der
                                                                                     Automatisierung gewonnene Zeit müssen Händler
Persönliche Beratung ist den Kunden                                                  allerdings dafür nutzen, um mit Kunden in Kontakt zu
                                                                                     bleiben. Denn der persönliche Kontakt ist und bleibt
sehr wichtig.                                                                        ein zentraler Faktor für ein positives Einkaufserlebnis.

              Besondere Produkterlebnisse bieten Möglichkeiten
              zur Differenzierung.
GLORY CASH REPORT 2020                                 25

ZAHLUNGSVERHALTEN IN DER KRISE:
ERGEBNISSE DER PAYMENT-STUDIE VON
KANTAR IM AUFTRAG VON GLORY
Das Marktforschungsinstitut KANTAR hat im Auftrag von GLORY 1.050 deutsche Internetnutzer im Alter zwischen 16 und
64 Jahren zu ihrem Zahlungsverhalten vor und während der Corona-Pandemie sowie zu ihren Absichten für die Zeit danach befragt.
Ziel der Mitte 2020 durchgeführten Studie war es, Einblicke in mögliche Veränderungen zu gewinnen. Dabei standen Zahlungs-
vorlieben ebenso im Fokus wie die Nutzung von Cash Back und SB-Angeboten. Die Befragung untersuchte auch Gründe für
die Verhaltensänderungen und liefert damit wertvolle Hinweise für künftige Payment-Strategien der Händler. Im Folgenden werden
die wichtigsten Ergebnisse vorgestellt.
GLORY CASH REPORT 2020                                   26

                          Bezahlen vor Corona
                          Die Deutschen bevorzugen Bargeld                                          Jüngere zahlen schon vor Corona häufiger bargeldlos
                          Vor Beginn der Corona-Pandemie im März zahlte jeder zweite                Die Vorliebe für Münzen und Scheine teilen alle Altersgruppen.
                          Konsument (49 Prozent) am liebsten in bar. Der Anteil ist                 Doch bei den 25- bis 34-Jährigen ist der Abstand vor den
                          etwas niedriger als im Vorjahr: 2019 gaben noch 53 Prozent                Kartenzahlungen nur gering: 37 Prozent von ihnen zahlen am
                          der Konsumenten an, an der Kasse von Supermarkt, Bäcker,                  liebsten bar, 34 Prozent bevorzugen kontaktlose Kartenzahlung.
                          Buchladen & Co. Bargeld als Zahlungsmittel zu bevorzugen.                 Mit zunehmendem Alter der Verbraucher vergrößert sich der
                          Auf Platz zwei folgen Kartenzahlungen: 44 Prozent geben sie               Abstand und ist bei den über 55-Jährigen am deutlichsten:
                          als präferierte Methode an. Der größere Teil favorisiert dabei die        Nur 18 Prozent der Befragten in dieser Altersgruppe bevorzugen
                          kontaktlose Variante (25 Prozent der Verbraucher), etwas weniger          kontaktlose Kartenzahlung. Mehr als drei Mal so viele (56 Prozent)
                          beliebt ist die Zahlung mit PIN (21 Prozent). Kaum eine Rolle             geben an, am liebsten mit Bargeld zu zahlen. Damit decken
                          spielen für die Verbraucher mobile Bezahlverfahren wie Apple              sich die Ergebnisse mit anderen Studien, die ebenfalls Jüngeren
                          Pay, Google Pay oder Banken-Apps (von vier Prozent genutzt),              eine geringere Bargeldaffinität attestieren.
                          sowie Geldkarten und Apps der Händler (jeweils ein Prozent).

49 Prozent der Konsumenten zahlten
vor Corona am liebsten bar.

                          Frage: Wie haben Sie vor der Corona-Pandemie Ihre Einkäufe im Handel am liebsten bezahlt?

                          0% 4%                       22%                    18%                                         56%
        55 bis 64 Jahre
                          1% 2%                       21%                    22%                                         54%
        45 bis 54 Jahre
                          1% 4%                       20%                    30%                                         45%
        35 bis 44 Jahre
                          1% 6%                       23%                    34%                                         37%
        25 bis 34 Jahre
                          3% 5%                       21%                    23%                                         49%
        16 bis 24 Jahre

                            Händler-App                                  Kartenzahlung mit PIN                           Bargeld
                            Mobile Bezahlverfahren                       Kartenzahlung kontaktlos
                            (wie Banken-App, Apple Pay, Google Pay)
GLORY CASH REPORT 2020                                    27

                           Veränderungen in der Pandemie
                           Mehr als die Hälfte zahlt seltener mit Bargeld                                    Jeder Dritte hat sein Bezahlverhalten nicht geändert
                           Vieles hat sich mit der Corona-Krise von heute auf morgen verän-                  Unbeeindruckt von der Krise zeigt sich ein gutes Drittel der
                           dert – auch das Verhalten der Kunden an der Kasse: 63 Prozent                     Verbraucher: 37 Prozent haben ihr Zahlungsverhalten nicht verän-
                           der Befragten gaben an, dass sie in der Pandemie ein anderes                      dert. Dieser Anteil ist bei den Älteren besonders hoch: 46 Prozent
                           Zahlungsmittel bevorzugen. Über die Hälfte (52 Prozent) greift                    der über 55-Jährigen zahlen beim Einkaufen genauso wie vor der
                           dabei lieber zur Karte oder zum Smartphone als zu Münzen und                      Krise. Bei der jüngsten Altersgruppe haben nur 27 Prozent ihr
                           Scheinen. Die meisten sind dabei zur Kartenzahlung gewechselt:                    Verhalten nicht verändert. Einige Konsumenten haben in der Krise
                           36 Prozent der Befragten nutzen häufiger kontaktlose Karten-                      sogar ihre Liebe zu Münzen und Scheinen entdeckt: 11 Prozent
                           zahlung, 21 Prozent die Variante mit PIN. Der Zuwachs bei mobilen                 zahlen häufiger in bar.
                           Zahlmethoden ist gering: Nur 5 Prozent zücken in der Pandemie
                           häufiger das Smartphone. Händler-Apps konnten durch die
                           Pandemie nicht hinzugewinnen.22

                           Frage: Hat sich Ihr Zahlungsverhalten während der Krise verändert?
                           Wenn ja, welche Zahlungsmittel nutzen Sie nun häufiger?

                                                    Seit dem Beginn der Pandemie zahle ich häufiger…                                                 63%
                                                                                      Kontaktlos mit Karte                          36%
                                                                                        Mit Karte und PIN                   21%
                                    Mit mobilen Zahlungsmethoden (z.B. Bank-Apps, Apple Pay, Google Pay)         5%
                                                                                    Mit einer Händler-App     1%
                                                                                                  Bargeld             11%
                                                                  Nein, ich bezahle fast genauso wie zuvor                           37%

Zwei von drei Konsumenten haben ihr Zahlungsverhalten verändert.

                           Ältere haben ihr Verhalten weniger verändert als Jüngere.
GLORY CASH REPORT 2020                                    28

               Gründe für das neue Bezahlverhalten
               Kunden richten sich nach Händlervorgaben                            Als weitere Gründe für neue Bezahlgewohnheiten gaben Befragte
               Als Hauptgrund für ihr verändertes Zahlungsverhalten nennen         an, dass sie meist zu wenig Bargeld bei sich tragen (19 Prozent)
               41 Prozent der Befragten, dass sie im Laden neuerdings darum        und deshalb mit Karte zahlen, oder dass sie ohnehin verstärkt
               gebeten werden, möglichst mit Karte zu bezahlen. Das bedeutet,      ein anderes Zahlungsmittel nutzen wollten (17 Prozent). Sonstige
               dass die Verhaltensänderung nicht unbedingt dem eigenen             Gründe nannten 9 Prozent – worunter vermutlich auch Erklärungen
               Wunsch entsprechen muss. Möglicherweise werden diese                für häufigere Barzahlungen zu finden wären, die in der Studie
               Kunden nach der Pandemie wieder zu den alten Gewohnheiten           nicht explizit untersucht wurden. So könnte beispielsweise in einem
               zurückkehren.                                                       Haushalt eine Person für Großeinkäufe zuständig sein, während
                                                                                   eine andere die kleineren Einkäufe übernimmt und daher vermehrt
               Schutz vor Ansteckung ist zweitwichtigster Grund                    bar zahlt.
               Mehr als ein Drittel der befragten Verbraucher hat sein Verhalten
               geändert, weil sie sich vor einer Ansteckung mit COVID-19
               schützen möchten. Dabei vermuten die meisten (25 Prozent) in
               der Barzahlung ein erhöhtes Infektionsrisiko. 8 Prozent halten
               Kartenzahlung für riskanter – was eine Erklärung dafür sein
               könnte, dass einige Verbraucher in der Krise häufiger mit Münzen
               und Scheinen zahlen als zuvor. Die große Mehrheit der Ver-
               braucher (67 Prozent) hält Kartenzahlung mit PIN und Barzah-
               lung für etwa gleich ansteckend.

Der Wunsch der Händler nach Kartenzahlung und Angst
vor einer Ansteckung sind die Hauptgründe für verändertes
Zahlungsverhalten.
GLORY CASH REPORT 2020                                  29

              Prognosen für die Zeit danach
              Verhaltensänderungen sind vorübergehend                           Hoher Anteil an Bargeldrückkehrern bei den Jüngeren
              Knapp die Hälfte aller Verbraucher (47 Prozent) geht davon aus,   49 Prozent der Befragten gaben an, dass sie vor der Krise
              nach der Corona-Krise, wenn keine Ansteckungsgefahr mehr          Bargeld bevorzugten. Dieser Anteil sank während der Pandemie
              besteht, ihr Zahlungsverhalten wieder an die Zeit vor der Krise   auf 29 Prozent, wird aber nach der Krise wieder ansteigen:
              anzugleichen. Nur 16 Prozent denken, dass sie dann weniger        Vier von zehn Kunden (41 Prozent) wollen dann genauso oft oder
              häufig mit Bargeld bezahlen werden. Doppelt so viele (31 Pro-     sogar noch öfter mit Bargeld bezahlen. Bei den Befragten im
              zent) halten es dagegen für wahrscheinlich bis sicher, dass       Alter von 16 bis 24 Jahren ist der Anteil der Bargeldrückkehrer
              sie nach der Krise Bargeld häufiger nutzen werden als zuvor.      besonders hoch (53 Prozent). Denn: Es handelt sich hierbei um
              Das heißt: Die Verhaltensänderungen sind nicht von Dauer, die     jene Gruppe, die auch ihr Zahlungsverhalten in der Krise am
              Mehrheit der Konsumenten will nach der Krise zu alten Gewohn-     stärksten veränderte (73 Prozent bei den 16- bis 24-jährigen
              heiten zurückkehren und sogar noch häufiger bar zahlen als        gegenüber 63 Prozent aller Befragten) und die stärker davon
              zuvor.                                                            ausgeht, dass Bargeld eine hohe Ansteckungsgefahr hat
                                                                                (32 Prozent im Vergleich zu 25 Prozent). Das bedeutet: Viele
                                                                                Verbraucher, die vor der Krise Bargeld bevorzugten, wollen
                                                                                danach zu ihrem alten Verhalten zurückzukehren.

30 Prozent wollen nach der Pandemie sogar
häufiger bar zahlen als zuvor.

                                               Der Anteil der Bargeldzahler sinkt in der Krise von 49 auf 29 Prozent
                                               und wird danach wieder auf 41 Prozent ansteigen.
GLORY CASH REPORT 2020                                      30

Frage: Werden Sie nach der Corona-Krise, wenn keine Ansteckungsgefahr mehr besteht,
häufiger mit Bargeld bezahlen?

15%             16%                  47%                                                          11%              5% 5%
 Ja, bestimmt   Ja, wahrscheinlich   Genauso häufig wie vor der Corona-Krise                       Nein,           Nein,      Weiß nicht
                                                                                                   eher seltener   bestimmt
                                                                                                   als vor der     seltener
                                                                                                   Corona-Krise    als vor der
                                                                                                                   Corona-Krise

„Die Corona-Krise hat das Zahlungs- und Einkaufsverhalten der Verbraucher
massiv verändert. Mehr als jeder Zweite zahlt heute seltener mit Bargeld.
Und fast jeder Fünfte kauft nicht mehr in großen Einzelhandelsgeschäften ein.
Doch diese Veränderungen scheinen nur vorübergehend: Nach der Pandemie
wollen viele Kunden zu ihren alten Gewohnheiten zurückkehren.
Bargeld wird daher weiter Bestand haben.“
GLORY CASH REPORT 2020                 31

CORONA VERÄNDERT DAS ZAHLUNGSVERHALTEN DER DEUTSCHEN
Jeder Zweite zahlt während der Pandemie häufiger bargeldlos, diese Veränderung ist meist nicht verbrauchergetrieben.
GLORY CASH REPORT 2020                                    32

                                       Expertenkommentar: Wie Corona das Verhalten verändert
                                       Die Corona-Pandemie hat das Einkaufsverhalten der Menschen          Während des Lockdowns haben Konsumenten gelernt, sich
                                       nachhaltig verändert, denn die eigene Sicherheit steht nun im       selbst und ihren Bedürfnissen mehr Raum zu geben. Durch
                                       Vordergrund. Entsprechend ist während der Pandemie das              Bargeld kann das Individuum uneingeschränkt am Leben teil-
                                       bargeldlose Bezahlen gestiegen. Wie unsere Verbraucherumfrage       haben. Keiner in der Gesellschaft wird ausgeschlossen, weil
                                       für den GLORY Cash Report zeigt, bleibt das Bargeld trotzdem        er keinen Zugang zu elektronischen Zahlungsmitteln hat.
                                       beliebt, weil es auch in Zeiten von Corona die eigene
                                       Unabhängigkeit unterstreicht.

                                       Aus dem Corona-Update des Werte-Index wissen wir, dass
                                       das Ohnmachtsgefühl der aktuellen Krise dazu führt, dass wir
                                       gleichzeitig dem gefühlten Kontrollverlust entgegenwirken wollen.
Joachim Bacher, Director Trends &      Dazu gehört auch, seine Mündigkeit im digitalisierten Alltag zu
Futures bei KANTAR.                    behalten und im Zweifel auch kurzfristig Lösungen zu ändern
Er untersucht die Folgen der Corona-
Pandemie für KANTAR im Rahmen
                                       oder gar wieder abzuschaffen.
des globalen COVID-19 Barometers
und berät Unternehmen bei der
strategischen Neuausrichtung.

                                       „Die Corona-Pandemie hat das Einkaufsverhalten
                                       der Menschen nachhaltig verändert, denn die eigene
                                       Sicherheit steht nun im Vordergrund.“
GLORY CASH REPORT 2020   33

NUTZUNG CASH BACK
UND SB-ANGEBOTE
GLORY CASH REPORT 2020   34

              Nutzung von Cash Back

              Corona-Krise treibt Nachfrage an
              Während der Pandemie ist der Anteil der Cash-Back-Nutzer
              deutlich gestiegen: 56 Prozent der Verbraucher geben an, dass
              sie von der Möglichkeit Gebrauch machen, beim Bezahlen an
              der Kasse auch gleich Bargeld abzuheben. 14 Prozent tun dies
              in der Krise sogar öfter als zuvor. Cash Back hat damit durch die
              Corona-Krise einen kräftigen Schub bekommen. In der GLORY
              Cash-Back-Studie 2019 hatten nur 32 Prozent der Kunden
              angegeben, Cash Back zu nutzen.

Während der Pandemie lassen sich Verbraucher
häufiger Bargeld auszahlen
GLORY CASH REPORT 2020                                  35

SB-Kassen steigern die Nutzung kaum
Jeder dritte Kunde (31 Prozent) möchte kein Cash Back nutzen,    wird. Lediglich 15 Prozent würden den SB-Kassen den
selbst dann nicht, wenn es den Service an Selbstbedienungs-      Vorzug geben. Bemerkenswert ist allerdings, dass sich unter
kassen mit mehr Privatsphäre geben würde. Insbesondere die       diesen Kunden viele Nicht-Nutzer finden: 13 Prozent derjenigen,
Älteren scheinen hier Vorbehalte zu haben: 44 Prozent der über   die aktuell noch kein Cash Back nutzen (etwa 4 Prozent aller
55-Jährigen würde auch an SB-Kassen kein Bargeld abheben.        Befragten), könnten durch Selbstbedienungskassen zu Nutzern
Für 29 Prozent der Kunden, macht es keinen Unterschied, ob       werden.
Cash Back an einer bedienten oder einer SB-Kasse angeboten

Der Anteil der Cash-Back-Nutzer ist in der Pandemie deutlich gestiegen
  Nutzer      Nichtnutzer

                                                                 56 Prozent der Kunden nutzen
                                                                 Cash Back – fast doppelt so viele wie
                                                                 vor der Krise.
                  32%                                  56%
 68%                                 44%

           2019                                 2020
GLORY CASH REPORT 2020                                          36

Akzeptanz von SB-Angeboten
Ein Drittel lehnt Selbstbedienungssysteme ab                          nutzen, wenn es keine Wartezeiten gäbe. Eine einfachere
Im Einzelhandel gibt es mittlerweile eine Vielzahl an SB-Angeboten:   Bedienung ist 40 Prozent der Kunden wichtig. An dritter Stelle
Selbstbedienungskassen, Bezahlstationen, Self-Scanning-               folgt mit 31 Prozent die Verfügbarkeit eines Mitarbeiters, der
Vorrichtungen am Einkaufswagen, Pre-Order-Terminals, Einkaufs-        bei Problemen eingreifen kann. Offenbar trauen viele Kunden
listen-Apps, Automaten, die gegen Münzeinwurf Einkaufsgut-            der Technik nicht oder fürchten, beim Bedienen einen Fehler zu
scheine ausgeben, Roboter zur Einkaufsberatung und vieles             machen. Andere Faktoren spielen nur eine untergeordnete Rolle:
mehr. Allerdings können sich nur wenige Kunden vorstellen,            Dazu zählen eine bessere Hygiene (22 Prozent), die Möglichkeit,
diese Systeme auch zu nutzen. Am ehesten akzeptiert werden            bar zu zahlen (22 Prozent) oder Bargeld abzuheben (12 Prozent)
SB-Kassen: 32 Prozent der Kunden nutzen diese oder würden             und mehr Ablagefläche neben der Kasse (19 Prozent).
sie nutzen, wenn der Händler sie anbietet. An zweiter und dritter
Stelle folgen Bezahlstationen mit 26 Prozent und Self-Scanning        Persönlicher Kontakt beim Einkauf ist wichtig
am Einkaufswagen mit 25 Prozent. Mehr als ein Drittel aller           Selbstbedienungssysteme werden das Personal im stationären
Kunden (36 Prozent) gibt an, keines dieser Angebote nutzen            Handel offenbar auf absehbare Zeit nicht verdrängen:
zu wollen.                                                            Viel zu wichtig ist den Kunden der persönliche Kontakt zu den
                                                                      Marktmitarbeitern, zum Beispiel als Ansprechpartner bei Fragen
Bezahlen muss schnell und einfach gehen                               oder für Small Talk. 62 Prozent der Befragten geben an, der
Die bereits hohe Akzeptanz von SB-Kassen könnte weiter stei-          Kontakt sei für sie wichtig oder sehr wichtig. Der Anteil ist in
gen, wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben sind. So würde            allen Generationen ähnlich hoch, wobei Ältere etwas stärker
die Hälfte der Befragten (46 Prozent) diese Systeme häufiger          zu „sehr wichtig“ tendieren.

Frage: Wie wichtig ist Ihnen bei einem Einkauf im stationären Handel der persönliche Kontakt
zu Verkäufern/Marktmitarbeitern?

  20%                        42%                                                 29%                                  9%
   Sehr wichtig              Wichtig                                              Weniger wichtig                      Ich kaufe lieber
                                                                                                                       ohne Kontakt
                                                                                                                       zum Verkaufs-
                                                                                                                       personal
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EFFIZIENTES BARGELDHANDLING
ALS TEIL DER DIGITALISIERUNGSSTRATEGIE

Bargeldhandling ist teuer, zeitaufwendig und riskant
Die vorliegende KANTAR-Studie im Auftrag von GLORY zeigt erneut, dass analoges Bargeld auch in einer digitalisierten Welt
so schnell nicht verschwinden wird. Für Händler bedeutet das: Sie müssen einerseits mit der Zeit gehen und die Infrastruktur für
kontaktlose Zahlungsmethoden bereitstellen. Andererseits müssen sie sich weiterhin mit dem täglichen Bargeldhandling beschäftigen:
mit Kassiervorgängen, mit der Abrechnung bei Ladenschluss, dem Vorbereiten des Wechselgelds, der Bargeldübergabe beim
Schichtwechsel und anderen Aufgaben, die äußerst zeitintensiv sind. Hinzu kommen Kosten für Werttransporte oder Wechselgeld-
anlieferungen sowie Verluste und Differenzen, die beim manuellen Bargeldhandling entstehen. Ein weiteres Problem ist das
Sicherheitsrisiko. Bei Bargeldtransporten innerhalb der Filiale ebenso wie bei der Abholung durch ein Werttransportunternehmen
besteht die Gefahr, dass Unbefugte auf die Kassenlade zugreifen.
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Vorteile von Cash-Management-Systemen
Händler sehen die Kosten und Risiken, die mit dem Bargeld-            Positives Einkaufserlebnis
handling verbunden sind, oft als unvermeidbares Übel. Dabei           Mit einem schnelleren Bezahlvorgang an der Kasse reduzieren
ist es mit modernen Cash-Management-Systemen ein Leichtes,            sich die Wartezeiten – ein wichtiger Faktor für ein positives
die Bargeldprozesse zu digitalisieren und effizienter zu gestalten.   Einkaufserlebnis.
Händler können damit auf vielfältige Weise profitieren:
                                                                      Mehr Transparenz und Planbarkeit
Höhere Produktivität                                                  Die Systeme erfassen sämtliche Transaktionen automatisch.
Ein schnellerer Bezahlvorgang an der Kasse erhöht die Durch-          Der aktuelle Bargeldbestand lässt sich jederzeit auf Knopfdruck
laufzeiten. Auch der Kassenschluss ist auf Knopfdruck möglich,        abrufen und mit den Buchungen abgleichen.
wodurch zeitraubende Zählprozesse wegfallen.
                                                                      Weniger Fehler
Mehr Sicherheit an der Kasse und beim Transport                       Werden Kassenschluss und Bargeldinventur nicht manuell
Das Bargeld wird auf Echtheit geprüft und Falschgeld direkt           erledigt, reduzieren sich Fehler merklich. Das gilt auch für
am Cash Touchpoint zurückgewiesen. In Transferkassetten ist           Wechselgeldrückgaben an der Kasse.
das Geld vor unbefugtem Zugriff geschützt.
                                                                      Mehr Hygiene am POS
Geringere Bargeldbestände durch Cash-Recycling                        Das Verkaufspersonal kommt nicht mehr mit dem Bargeld in
Eingezahltes Bargeld lässt sich effektiv nutzen, z. B. indem          Berührung. Das garantiert hygienisches Bezahlen – vor allem
man es über Cash Back wieder an die Kunden auszahlt oder              in Zeiten von Corona ein wichtiger Aspekt.
als Wechselgeld in den Bargeldkreislauf zurückführt.
                                                                      Wertstellung am gleichen Tag
Mehr Komfort für den Kunden                                           Die GLORY-Lösung schafft die Voraussetzung für eine direkte
In einer Zeit, in der Bankfilialen immer rarer werden, ist            Übermittlung der Daten an die Bank nach dem Abtransport
Cash Back sehr gefragt: Die KANTAR-Studie im Auftrag von              des Geldes.
GLORY zeigt, dass mehr als die Hälfte der Kunden diesen
Service nutzt.
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