KRANKENHAUS BAROMETER - Umfrage 2020 - Deutsches ...

 
WEITER LESEN
KRANKENHAUS BAROMETER - Umfrage 2020 - Deutsches ...
KRANKENHAUS BAROMETER
Umfrage 2020
KRANKENHAUS BAROMETER - Umfrage 2020 - Deutsches ...
INHALT

    SEITE		     KAPITEL

    04			       EINLEITUNG

    06 1		      DER OP IN DER CORONA-PANDEMIE
    07			       1.1 OP-Vorhaltung und OP-Zahlen für 2019
    08			       1.2 Der OP in der Corona-Krise bis Mai 2020
    10			       1.3 Der OP in der Corona-Krise seit Mai 2020
    13			       1.4 Finanzielle Auswirkungen
    14			       1.5 Stellenbesetzungsprobleme im OP

    16		 2      GEBURTSHILFLICHE ABTEILUNGEN
    16			       2.1 Stellenbesetzungsprobleme in der Geburtshilfe
    20			       2.2 Beleghebammen
    21			       2.3 Wirtschaftliche Lage der Geburtshilfen
    23			       2.4 Sicherstellungszuschlag
    24			       2.5 Zeitweise Schließung von Abteilungen
    25			       2.6 Zukunft der geburtshilflichen Abteilungen
    27			       2.7 Gründe für die Schließung von geburtshilflichen Abteilungen

    28		3       PLANUNGSRELEVANTE QUALITÄTSINDIKATOREN (plan. QI)
    29			       3.1 Krankenhäuser mit plan. QI
    30			       3.2 Relevanz der plan. QI
    33			       3.3 Nutzen und Aufwand der plan. QI
    34			       3.4 Erfahrungen mit zuständigen Behörden
    35			       3.5 Verbesserungsmöglichkeiten des plan. QI-Verfahrens

2        DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020
KRANKENHAUS BAROMETER - Umfrage 2020 - Deutsches ...
SEITE		   KAPITEL

38		 4    KRANKENHAUSINDIVIDUELLE PFLEGEBUDGETS
39			     4.1 Abschluss eines Pflegebudgets zum 01.07.2020
39			     4.2 Zusätzlicher Vorbereitungsaufwand
40			     4.3 Auswirkungen auf Personalausstattung und Finanzen
42			     4.4 Nicht refinanzierte Kosten für Fremdpersonal
43			     4.5 „Kappungsgrenze“

44		5     PFLEGEPERSONALUNTERGRENZEN
44			     5.1 Vorhaltung pflegesensitiver Bereiche
45			     5.2 Einhaltung der Untergrenzen
46			     5.3 Änderungen im Belegungsmanagement
47			     5.4 Änderungen in der Organisation des Pflegedienstes
48			     5.5 Fortführung der Untergrenzen

49		6     WIRTSCHAFTLICHE SITUATION DER KRANKENHÄUSER
49			     6.1 Jahresergebnis 2019
50			     6.2 Entwicklung der Jahresergebnisse 2018 /2019
52			     6.3 Erwartetes Jahresergebnis 2020
54			     6.4 Beurteilung der wirtschaftlichen Situation
56			     6.5 Beurteilung der wirtschaftlichen Erwartungen

57			     LITERATURVERZEICHNIS

                              DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020   3
KRANKENHAUS BAROMETER - Umfrage 2020 - Deutsches ...
EINLEITUNG
                                                             2                JAHRE

                                                             KRANKENHAUS BAROMETER

    Das Deutsche Krankenhausinstitut (DKI) stellt mit dem vorliegenden Bericht die Ergebnisse
    des Krankenhaus Barometers 2020 vor. Beim Krankenhaus Barometer handelt es sich um
    eine jährlich durchgeführte Repräsentativbefragung deutscher Krankenhäuser zu aktuellen
    gesundheits- und krankenhauspolitischen Themen. Das Barometer wird im Auftrag der Träger
    des DKI erstellt; das sind die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), der Verband der Kran-
    kenhausdirektoren Deutschlands (VKD) und der Verband der leitenden Krankenhausärzte
    Deutschlands (VLK).

    Ziel des Krankenhaus Barometers ist es, den Kran-        senen Allgemeinkrankenhäusern ab 100 Betten
    kenhäusern und den Krankenhausverbänden zeit-            in Deutschland, welche von Ende Juni bis Ende
    nahe Informationen zum aktuellen Krankenhaus-            August 2020 durchgeführt worden ist. Beteiligt
    geschehen zur Verfügung zu stellen. Seit seiner          haben sich insgesamt 438 Krankenhäuser.
    Einführung im Jahr 2000 hat sich das Krankenhaus
    Barometer zu einem einzigartigen Informations-           Die Krankenhäuser unter 100 Betten wurden nicht
    instrument im Krankenhausbereich entwickelt, das         in die Erhebung einbezogen, da es sich vielfach
    seither exklusiv, kontinuierlich und auf repräsentati-   um Kliniken mit einem besonderen Leistungs-
    ver Basis über zahlreiche aktuelle Themen aus dem        spektrum und einer besonderen Struktur handelt
    Krankenhausbereich berichtet.                            (z. B. zahlreiche Privatkliniken ohne Versorgungs-
                                                             auftrag, kleine Fach- und Belegkliniken).
    Die jährlichen Ausgaben des Krankenhaus Barome-
    ters sind im Downloadbereich der DKI-Homepage            Durch die Nicht-Einbeziehung dieser Häuser, auf
    abrufbar (www.dki.de).                                   die bundesweit lediglich ca. 4 % der Betten, der
                                                             Patienten und des Krankenhauspersonals entfal-
    Die Ergebnisse des Krankenhaus Barometers                len, wird eine homogenere Gruppe der kleineren
    2020 beruhen auf der schriftlichen Befragung             Krankenhäuser in der Grund- und Regelversor-
    einer repräsentativen Stichprobe von zugelas-            gung geschaffen.

4          DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020
KRANKENHAUS BAROMETER - Umfrage 2020 - Deutsches ...
Dr. Karl Blum        Robin Heber        Dr. Sabine Löffert   Dr. Matthias Offermanns   Dr. Petra Steffen

Im Jahr 2020 feiert das Krankenhaus Barometer         Unser besonderer Dank gilt natürlich den zahl-
sein 20-jähriges Bestehen. Dieses Jubiläum ist        reichen Krankenhäusern, Krankenhausver-
Anlass für eine neue Optik. So erscheint das          antwortlichen und Krankenhausmitarbeitern,
Krankenhaus Barometer 2020 in einem neuen             die mit ihrer regelmäßigen Teilnahme an unseren
und modernen Design und einer kompakteren             Befragungen, ihrer hohen Informationsbereit-
Darstellungsform als bislang.                         schaft und dem uns geschenkten Vertrauen das
                                                      Krankenhaus Barometer zu einem Erfolgsprojekt
Ein Jubiläum wie das 20jährige Bestehen des           gemacht haben. Mit diesem Dank ist der Wunsch
Krankenhaus Barometers ist auch ein Anlass,           verbunden, dieses wichtige Projekt auch in Zu-
Dank zu sagen. Bedanken möchten wir uns               kunft nachhaltig zu unterstützen.
daher bei unseren Trägern, der DKG, dem VKD
und dem VLK, für ihre Vorschläge, Ideen und
konstruktiven Rückmeldungen zum Barometer             Düsseldorf, im Dezember 2020
sowie bei den Landeskrankenhausgesell-
schaften und Spitzenverbänden der Kranken-            Deutsches Krankenhausinstitut e. V.
hauswirtschaft für ihre Unterstützung durch           Hansaallee 201
Teilnahmeempfehlungen bei ihren Mitglieds-            40549 Düsseldorf
krankenhäusern.                                       Telefon 02 11. 4 70 51 - 17
                                                      Fax     02 11. 4 70 51 - 67
                                                      E-Mail karl.blum@dki.de
                                                      www.dki.de

                                        DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020            5
KRANKENHAUS BAROMETER - Umfrage 2020 - Deutsches ...
1 DER OP IN DER CORONA-
      PANDEMIE
    Die Corona-Pandemie hatte insbesondere zu             Im Zuge des Pandemiegeschehens wurde diese
    Beginn vor allem auch auf den OP-Bereich der          Forderung Ende April 2020 modifiziert und eine
    Kliniken massive Auswirkungen. So forderte            schrittweise Wiederaufnahme von Operationen
                                                          und Eingriffen ermöglicht. Die Kliniken konnten
    die Bundesregierung die Krankenhäuser auf,
                                                          ab Mai 2020 dann nach BMG-Vorgaben die OP
    ab dem 16.03.2020 alle „planbaren Aufnahmen,
                                                          in einem ersten Schritt bis zu 70 % für Elektivein-
    Operationen und Eingriffe auf unbestimmte             griffe öffnen. Dem sollte alle zwei Wochen eine
    Zeit zu verschieben und auszusetzen“.                 schrittweise Erhöhung der OP-Kapazität für Elek-
                                                          tiveingriffe um jeweils 10 % folgen, wobei dies
                                                          in Abhängigkeit des Infektionsgeschehens mit
                                                          COVID-19 erfolgen sollte (Bundesministerium für
                                                          Gesundheit, 2020).

                                                          Aus naheliegenden Gründen ist und war dies für
                                                          die Kliniken mit Schwierigkeiten und Problemen
                                                          verbunden. Welche konkreten – auch länger-
                                                          fristigen – Auswirkungen dies für die Kliniken mit
                                                          OP-Sälen hatte, war Gegenstand des Krankenhaus
                                                          Barometers 2020.

6         DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020
KRANKENHAUS BAROMETER - Umfrage 2020 - Deutsches ...
1.1 OP-Vorhaltung und OP-Zahlen für 2019

Der Großteil der befragten Krankenhäuser hält
Operationssäle vor (92 %) (Abb. 1). Die Zahl der                  Abb.
Operationssäle hat sich damit in den Allgemein-
krankenhäusern ab 100 Betten seit 2015 kaum
verändert (DKI 2015). In den weiteren Auswertun-
                                                                  1
gen werden nur die Häuser mit Operationssälen                     Halten Sie in Ihrem Krankenhaus Operations-
berücksichtigt.                                                   säle vor? (Krankenhäuser in %)

Die befragten Kliniken haben im Jahr 2019 im                                       Nein        Ja
Schnitt knapp 8.000 stationäre (Median: 5.785)                                     8%          92 %
und gut 2.500 ambulante Operationen (Median:
1.460) durchgeführt (Tab. 1).

Tab.

1         OP-Zahlen für das Jahr 2019
                                                                  © Deutsches Krankenhausinstitut 2020

 Stationäre und ambulante              Stationäre Fälle mit         Fälle mit ambulanten Operatio-
 Operationen 2019                      Operationen im Jahr 2019     nen / stationsersetzenden Eingrif-
                                       insgesamt                    fen im Jahr 2019 insgesamt

 Mittelwert                                     7.905                              2.706

 5 % getrimmter Mittelwert                      7.030                              2.018

 Median                                         5.785                              1.460

 Unterer Quartilswert                           3.336                               800

 Oberer Quartilswert                            9.719                              2.610

© Deutsches Krankenhausinstitut 2020

                                                    DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020   7
KRANKENHAUS BAROMETER - Umfrage 2020 - Deutsches ...
1. Der OP in der Corona-Pandemie

    1.2 Der OP in der Corona-Krise bis Mai 2020

    Erwartungsgemäß wurden in nahezu allen Kliniken
    in der Zeit vom 16.03.2020 bis Anfang Mai 2020               Abb.
    planbare Operationen und Eingriffe verschoben
    (Abb. 2).                                                     2
    Der Rückgang stationärer Fälle mit operativen                Wurden in Ihrem Haus von Mitte März bis Anfang
    Eingriffen betrug in der Zeit von Mitte März bis             Mai 2020 aufgrund der Corona-Pandemie Opera-
    Anfang Mai 2020 im Mittel 41 % und variierte                 tionen und Eingriffe verschoben?
    zwischen 28 und 50 % (Quartilswerte).                        (Krankenhäuser mit OP Sälen in %)
                                                                                 Nein
    Die Verschiebungen bei ambulanten Operatio-                                   1%
    nen bzw. stationsersetzenden Eingriffen fiel noch
    größer aus als im stationären Bereich: Im Schnitt
    verringerte sich die entsprechende Fallzahl pro
    Klinik im Vergleich zum Vorjahr um mehr als die
    Hälfte (Mittelwert und Median je 58 %). Bei einem
    Viertel der Häuser waren die ambulanten Fälle mit
    operativen Eingriffen sogar um 80 % im Vergleich
    zum Vorjahr rückläufig (Tab. 2).

                                                                                       Ja
                                                                                       99 %

     Tab.

     2
                                                                 © Deutsches Krankenhausinstitut 2020
                   Rückgang OP-Zahlen von Mitte
                   März 2020 bis Anfang Mai 2020

      Rückgang stationärer und ambu-       Rückgang stationärer Fälle mit          Rückgang ambulanter Fälle mit
      lanter Operationen Mitte März        operativen Eingriffen                   operativen Eingriffen
      bis Anfang Mai 2020

      Mittelwert                                        41 %                                       58 %

      5 % getrimmter Mittelwert                         41 %                                       59 %

      Median                                            40 %                                       58 %

      Unterer Quartilswert                              28 %                                       40 %

      Oberer Quartilswert                               50 %                                       80 %

    © Deutsches Krankenhausinstitut 2020

8            DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020
KRANKENHAUS BAROMETER - Umfrage 2020 - Deutsches ...
Über den allgemeinen Trend hinaus sollten sich                   Der Zugang zur Lendenwirbelsäule, zum Os sa-
die Teilnehmer auch zur Entwicklung bei häufigen                 crum und zum Os coccygis (5-032) sowie andere
Eingriffen gemäß dem Operationen- und Proze-                     Operationen an der Wirbelsäule (5-839) wurden
durenschlüssel (OPS) des DIMDI äußern (Abb. 3).                  in je ca. 40 % der Kliniken manchmal oder (sehr)
                                                                 häufig ausgesetzt.
Der Rückgang der Operationen und Eingriffe
betraf hier vor allem die Implantation einer Endo-               Offene Repositionen einer Mehrfragment-Fraktur
prothese am Hüftgelenk (5-820) sowie arthro-                     im Gelenkbereich eines langen Röhrenknochens
skopische Operationen am Gelenkknorpel und an                    mit Osteosynthese (5-794) oder Rekonstruktionen
den Menisken (5-812). Rund 70 % der Kliniken, die                weiblicher Geschlechtsorgane nach Ruptur, post
entsprechende Eingriffe vornehmen, berichten von                 partum (Dammriss) (5-758) wurden, wie zu erwar-
einem (sehr) häufigen Rückgang im Vergleich zum                  ten, da hier kein Aufschieben möglich war, ver-
Vorjahreszeitraum.                                               gleichsweise selten verschoben.

Abb.           Wie häufig wurden die folgenden Operationen und Eingriffe in der Zeit von Mitte

 3             März bis Anfang Mai 2020 (im Vergleich zum Vorjahr) in Ihrem Haus verschoben
               oder ausgesetzt? (Krankenhäuser mit entsprechenden Operationen, Mittelwert)

Implantation einer Endoprothese am Hüftgelenk (5-820)
                                                                                            2,6

Arthroskopische Operationen am Gelenkknorpel und
an Menisken (5-812)                                                                         2,6

Zugang zur Lendenwirbelsäule, zum Os sacrum und
zum Os coccygis (5-032)                                                               2,3

Andere Operationen an der Wirbelsäule (5-839)
                                                                                      2,2

Andere Operationen am Darm (5-469)
                                                                                 2,0

Endoskopische Operationen an den Gallengängen (5-513)
                                                                                1,9

Chirurgische Wundtoilette (Wunddebridement) mit Entfer-
nung von erkranktem Gewebe an Haut und Unterhaut (5-896)
                                                                          1,6

Offene Reposition einer Mehrfragment-Fraktur im Gelenkbe-
reich eines langen Röhrenknochens mit Osteosynthese (5-794)
                                                                        1,4

Rekonstruktion weiblicher Geschlechtsorgane nach Ruptur,
post partum (Dammriss) (5-758)
                                                                       1,3

                                                          1                                                 3
                                                   selten/gar nicht                                   (sehr) häufig

© Deutsches Krankenhausinstitut 2020

                                                   DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020         9
KRANKENHAUS BAROMETER - Umfrage 2020 - Deutsches ...
1. Der OP in der Corona-Pandemie

 1.3 Der OP in der Corona-Krise seit Mai 2020

 Die Krankenhäuser konnten im Zuge der Corona-              der Freihaltekapazitäten im Intensivbereich für
 Krise ab Mitte Mai wieder schrittweise ihre (elek-         Corona-Patienten, den erhöhten Hygiene- und
 tiven) OP-Kapazitäten erhöhen und ausweiten.               Schutzvorkehrungen oder der Sorge der Patien-
 In einem ersten Schritt sollten die OP zu 70 % für         ten, noch nicht realisiert werden konnte.
 Elektiveingriffe geöffnet werden. Danach war eine
 zweiwöchentliche Steigerung um 10 % möglich,               Dies bestätigen auch die Befragungsergebnisse:
 wobei hierbei immer das Infektionsgeschehen                Zum Befragungszeitpunkt hatte zwar ein Viertel
 berücksichtigt werden sollte (Bundesministerium            der Häuser 90-100 % und ein Drittel 80-89 % der
 für Gesundheit, 2020).                                     normalen OP-Auslastung des Vorjahreszeitraums
                                                            wieder erreicht.
 Anzunehmen ist, dass zum Befragungszeitpunkt
 (von Ende Juni bis Ende August) trotz der Möglich-         Dennoch erreichte zum damaligen Zeitpunkt
 keit, die Kapazitäten zu erhöhen, eine Rückkehr            knapp die Hälfte der Häuser weniger als 80 % der
 zu einer „normalen“ OP-Auslastung, z. B. aufgrund          OP-Auslastung des Vorjahres (Abb. 4).

     Abb.       Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum:

     4          Wie viel Prozent der normalen OP-Auslastung werden in Ihrem Haus seit Mitte Mai
                wieder erreicht? (Krankenhäuser mit OP-Sälen und -Verschiebungen in %)

                               7%
                      11 %                 20 %                  90 - 100 % Auslastung
                                                                 89 - 80 % Auslastung
                                                                 79 - 70 % Auslastung
                                                                 69 - 60 % Auslastung
                                                                 Weniger als 60 % Auslastung

                   29 %
                                           33 %

                                                            © Deutsches Krankenhausinstitut 2020

10          DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020
Der Anteil der letztgenannten Kliniken ist in den             Von notwendigen Änderungen waren Häuser in
ländlichen Kreisen größer als in den städtischen              dünn besiedelten ländlichen Kreisen überpropor-
Kreisen oder Großstädten (Ergebnisse nicht dar-               tional betroffen.
gestellt).
                                                              In gut einem Drittel der Häuser traten bei Wie-
Grundsätzlich, so berichten die Kliniken, hat die             deraufnahme der Operationen Schwierigkeiten
Wiederaufnahme der Operationen und Eingriffe                  bei der Planung auf, z. B. nach Dringlichkeit. Dies
seit Anfang Mai mehrheitlich reibungslos funktio-             berichteten vor allem Kliniken in dünn besiedelten
niert. Und dies, obwohl in knapp drei Viertel der             ländlichen Kreisen, während Häuser in kreisfreien
Häuser vieles aufgrund der veränderten Situation              Großstädten hier am seltensten betroffen waren.
durch die Pandemie angepasst und verändert                    Probleme aufgrund von fehlenden Schutzmateria-
werden musste, wie z. B. die Zimmerbelegung.                  lien sind vergleichsweise selten aufgetreten. Der
                                                              Großteil der Häuser hat dies als gar nicht zutref-
                                                              fend bewertet (Abb. 5).

Abb.

 5             Wie beurteilen Sie die Wiederaufnahme von Operationen und Eingriffen seit
               Anfang Mai 2020? (Krankenhäuser mit OP-Sälen und -Verschiebungen in %)

Die Wiederaufnahme der Operationen und
                                                            27                               73
Eingriffe hat reibungslos funktioniert.

Wir mussten vieles wieder ändern, um die Wieder-
aufnahme planbarer OPs und Eingriffe zu realisieren.
                                                              30                              70

Wir hatten Schwierigkeiten, die Operationen und
Eingriffe zu Beginn der Wiederaufnahme zu planen.
                                                                            64                       36

Wir mussten seit Wiederaufnahme Operationen
und Eingriffe verschieben, da wir nicht ausreichend                         91                                9
Schutzmaterialien haben.

© Deutsches Krankenhausinstitut 2020                      trifft nicht zu        trifft zu

                                                DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020          11
1. Der OP in der Corona-Pandemie

                                            Die OP-Situation war zum Befragungszeitpunkt insgesamt immer
                                            noch von Schwierigkeiten geprägt. Dies betrifft vor allem die OP-
                                            Auslastung. So geben zwei von drei Häusern an, dass die Patienten
                                            aus Sorge vor Ansteckung mit dem COVID-19-Erreger weiterhin auf
                                            elektive Operationen und Eingriffe verzichten. Der Anteil der Häuser
                                            mit entsprechender Einschätzung nimmt mit zunehmender Bevölke-
                                            rungsdichte ab. D. h. in dünn besiedelten ländlichen Kreisen geben
                                            drei von vier Kliniken an, dass Patienten aus Sorge vor Ansteckung
                                            fernbleiben, während es in kreisfreien Großstädten weniger 61 % der
                                            Häuser sind.

                                            Eine normale OP-Auslastung wird aufgrund der Freihaltekapazitä-
                                            ten, der erforderlichen Schutzmaßnahmen sowie des Verzichts auf
                                            elektive Eingriffe, um Intensivbetten für (potenzielle) COVID-19-
                                            Patienten freizuhalten, in 40-50 % der Kliniken nicht erreicht.

     Abb.                                   Zudem führen die gestiegenen Hygiene-Anforderungen im Zuge

     6                                      der Corona-Pandemie in der Hälfte der Häuser zu zeitlichen Verzö-
                                            gerungen beim OP-Ablauf (Abb. 6).

 Wie beurteilen Sie die Wiederaufnahme von Operationen und Eingriffen seit Anfang Mai 2020.
 (Krankenhäuser mit OP-Sälen und -Verschiebungen in %)

 Patienten verzichten aus Sorge um Ansteckung
 mit dem Covid-19-Erreger derzeit noch auf elektive            34                            66
 Operationen und Eingriffe.

 Beim OP-Ablauf kommt es aufgrund der gestiegenen
 Hygieneanforderungen im Zuge der Corona-Pande-                      48                           52
 mie zu zeitlichen Verzögerungen.

 Wir haben noch keine normale OP-Auslastung, weil
 wir weiterhin Bettenkapazitäten für (potenzielle)                   49                           51
 Covid-19-Patienten freihalten.

 Wegen der Schutzmaßnahmen und Auflagen kann
 die normale OP-Auslastung derzeit nicht erreicht                           59                         41
 werden.

 Elektive Operationen, bei denen eine intensiv-
 medizinische Behandlung absehbar ist, werden                               59                         41
 nur begrenzt durchgeführt, um Intensivbetten
 für (potenzielle) Covid-19-Patienten freizuhalten.

 © Deutsches Krankenhausinstitut 2020                     trifft nicht zu        trifft zu

12          DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020
1.4 Finanzielle Auswirkungen                     Abb.

75 % der Häuser mit OP-Sälen und
-Verschiebungen machten Angaben zu
                                                  7
Erlösverlusten durch den Rückgang von             Erlösverluste von Mitte März bis Anfang Mai 2020
stationären Operationen und Eingriffen            durch den Rückgang von Operationen und Eingriffen
von Mitte März bis Anfang Mai 2020.               (Krankenhäuser mit OP-Sälen, Verschiebungen und
Etwa zwei Drittel der Kliniken haben An-          Angaben von Erlösverlusten in %)
gaben zu Erlösverlusten im ambulanten
OP-Bereich gemacht.                                                   5%                        beides
                                                          14 %                                  nur stationär
Die Kliniken mit entsprechenden Anga-                                                           nur ambulant
ben waren größtenteils von Verlusten im
stationären und ambulanten Bereich be-
troffen. Bei knapp 15 % der Häuser waren
die finanziellen Verluste ausschließlich
auf die Einbußen bei stationären Ope-
rationen und Eingriffen zurückzuführen                                                   81 %
(Abb. 7).

                                                  © Deutsches Krankenhausinstitut 2020

                                           DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020           13
1. Der OP in der Corona-Pandemie

                                         Die Erlösverluste bei den Kliniken mit Rückgang stationärer Eingriffe
                                         und Operationen lagen pro Haus im Schnitt bei etwa 2,5 Millionen
                                         Euro (Median: 1.800.000 €). Bei den ambulanten Operationen und sta-
                                         tionsersetzenden Eingriffe bewegten sich die finanziellen Einbußen
                                         pro Krankenhaus im Mittel bei knapp 250.000 € (Median: 120.622 €).

     Tab.

     3            Erlösverluste durch den Rückgang von Operationen
                  in der Zeit von Mitte März bis Anfang Mai 2020

     Erlösverluste ...                  ... durch Rückgang stationärer   ... durch Rückgang ambulanter
                                        Operationen/Eingriffe in €       Operationen/stationsersetzender
                                                                         Eingriffe (§ 115b SGB V) in €

     Mittelwert                                    2.521.110                       236.638

     5 % getrimmter Mittelwert                     2.191.163                       120.622

     Median                                       1.800.000                         75.000

     Unterer Quartilswert                         1.000.000                         39.627

     Oberer Quartilswert                          3.150.000                        200.000

 © Deutsches Krankenhausinstitut 2020

                                         1.5 Stellenbesetzungsprobleme im OP

                                         Das nicht-ärztliche Personal im Operationsdienst umfasst Ope-
                                         rationstechnische Assistenten (OTA), weitergebildete OP-Pflege-
                                         fachkräfte sowie nicht entsprechend aus- oder weitergebildetes
                                         OP-Personal. Das nicht-ärztliche Personal in der Anästhesie umfasst
                                         Anästhesietechnische Assistenten (ATA), weitergebildete Anästhe-
                                         sie- und Intensivfachpflegekräfte sowie Anästhesiepersonal ohne
                                         entsprechende Aus- oder Weiterbildung.

                                         49 % der Krankenhäuser hatten zur Jahresmitte 2020 Probleme,
                                         offene Stellen beim nicht-ärztlichen Personal im Operationsdienst
                                         zu besetzen. Gegenüber 2011 ist der Wert damit um 6 Prozent-
                                         punkte gestiegen.

14          DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020
Im Vergleich zum OP-Personal fällt beim nicht-ärztlichen Personal
im Anästhesiedienst der Anteil der Einrichtungen mit Stellenbe-
setzungsproblemen mit 46 % kaum niedriger aus. Allerdings ist
hier im letzten Jahrzehnt eine deutliche Steigerung um 18 % zu
verzeichnen (Abb. 8).

Abb.

 8         Haben Sie in Ihrem Krankenhaus derzeit Probleme offene
           Stellen im nicht ärztlichen Anästhesie- und Operations-
           dienst zu besetzen? (Krankenhäuser in %)

                  2011          2016              2020

                     +6
                                                         + 18

                               49
                      44                                        46
             43

                                                  28     29

           Nicht-ärztlicher OP-Dienst             Nicht-ärztlicher
                                                  Anästhesie-Dienst
           © Deutsches Krankenhausinstitut 2020

Die Krankenhäuser mit Stellenbesetzungsproblemen konnten
im Mittel 3,6 Vollkraftstellen im Operationsdienst nicht besetzen
(Median: 2,5). Hochgerechnet sind damit bundesweit rund 1.800
Vollkraftstellen im nicht-ärztlichen OP-Dienst unbesetzt.

Für das nicht-ärztliche Personal in der Anästhesie lag der Durch-
schnittswert bei 2,6 Stellen (Median: 2). Das entspricht hochge-
rechnet rund 1.200 vakanten Vollkraftstellen im nicht-ärztlichen
Anästhesiedienst bundesweit.

                                                    DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020   15
2 GEBURTSHILFLICHE
   ABTEILUNGEN

                                  2.1 Stellenbesetzungsprobleme in der Geburtshilfe

                                  Für die geburtshilflichen Abteilungen wurde für das Jahr 2020 erho-
                                  ben, ob es Probleme gibt, offene Stellen bei verschiedenen Berufs-
                                  gruppen zu besetzen. Abb. 9 zeigt die entsprechenden Ergebnisse
                                  auch im Vergleich zum Jahr 2014 und 2018 (DKI, 2014, 2018).

                                  Die größten Stellenbesetzungsprobleme bestehen bei den fest an-
                                  gestellte Hebammen. Fast die Hälfte aller Krankenhäuser mit einer
                                  geburtshilflichen Abteilung hat ein Problem, offene Stellen zu beset-
                                  zen. Im Vergleich zu 2014 hat sich somit der Anteil der Häuser mehr
                                  als verdoppelt, in welchen offene Stellen für fest angestellten Heb-
                                  ammen nicht besetzt werden können.

16   DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020
Abb.

      9
     Haben Sie in der geburtshilflichen Abteilung derzeit Probleme,
     offene Stellen in den folgenden Berufsgruppen zu besetzen?
     (Krankenhäuser mit Geburtshilfe in %)

            Ärzte mit begonnener Weiterbildung
            Ärzte mit abgeschlossener Weiterbildung
            Gesundheits- und KrankenpflegerInnen                                                               48
            Gesundheits- und KinderkrankenpflegerInnen
                                                                    41
            Fest angestellte Hebammen                                                   39
                                                                                                     35
                                                                                 33            33
                                                 28
                                            23                23
                        20
                                                       17

                9
        5

              2014                                    2018                                   2020

     © Deutsches Krankenhausinstitut 2020

Auch bei den Gesundheits- und Krankenpfleger                   und Geburtshilfe zeigt sich ein vergleichbares Bild.
-Innen bzw. Gesundheits- und Kinderkrankenpfle-                Hier kann ebenfalls etwa jede dritte Klinik offene
gerInnen bestehen Stellenbesetzungsprobleme.                   Stellen in einer geburtshilflichen Abteilung nicht
Etwa jede dritte Klinik mit einer Geburtshilfe kann            besetzen. Im Jahr 2014 wurde bei den Ärzten
offene Stellen bei diesen Berufsgruppen nicht be-              nicht zwischen begonnener und abgeschlossener
setzen. Auch hier zeigt der Vergleich zu 2014 eine             Weiterbildung unterschieden. Aber schon da-
deutliche und stetige Verschärfung des Problems.               mals war fast ein Viertel der Krankenhäuser von
                                                               entsprechenden Stellenbesetzungsproblemen
Bei den Ärzten mit begonnener und abgeschlos-                  betroffen, so dass auch hier eine Zunahme der
sener Weiterbildung im Gebiet Frauenheilkunde                  Problematik zu beobachten ist.

                                                  DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020          17
2. Geburtshilfliche Abteilungen

                Nach Bettengrößenklassen gibt es bei der Stellenbesetzung ein-
                deutige Unterschiede zwischen dem Ärztlichen Dienst und nicht
                ärztlichen Berufen. Kleine Krankenhäuser (zwischen 100 und 299
                Betten) haben mehr Probleme als größere Einrichtungen, Arztstel-
                len im Gebiet Frauenheilkunde und Geburtshilfe zu besetzen.

                Bei Pflegekräften und Hebammen zeigt sich der Trend genau
                umgekehrt: Hier haben insbesondere die großen Kliniken ab
                600 Betten deutlich mehr Stellenbesetzungsprobleme (Ergebnisse
                nicht dargestellt). Ähnlich deutliche Unterschiede zwischen dem
                Ärztlichen Dienst und den nicht ärztlichen Berufen zeigen sich
                bei der Betrachtung der siedlungsstrukturellen Kreistypen, die
                vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung definiert
                wurden (Abb. 10).

     Abb.       Krankenhäuser mit Stellenbesetzungsproblemen in

 10             der Geburtshilfe nach siedlungsstrukturellen Kreistypen
                (Krankenhäuser mit Geburtshilfe in %)

                     Ärzte mit begonnener Weiterbildung
                     Ärzte mit abgeschlossener Weiterbildung
                     Gesundheits- und KrankenpflegerInnen
                     Gesundheits- und KinderkrankenpflegerInnen
                     Fest angestellte Hebammen

          63
                                                                                                                        55
     48                                                                                    49
                          46
                    42                       42                   41         41                                  41
                                                                                                           38
                                        35                  35          35            35

               24                                 22                                                  24
                                                       20
                                                                                                15

 Dünn besiedelte                        Ländliche Kreise mit      Städtische Kreise             Kreisfreie Großstädte
 ländliche Kreise                       Verdichtungsansätzen

 © Deutsches Krankenhausinstitut 2020

18          DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020
Die größten Probleme, offene Stellen für Ärzte                     auch in dünn besiedelten ländlichen Kreisen kann
mit abgeschlossener Weiterbildung im Gebiet der                    rund die Hälfte der Krankenhäuser keine offenen
Frauenheilkunde und Geburtshilfe zu besetzen,                      Stellen besetzen.
haben Krankenhäuser in dünn besiedelten ländli-
chen Räumen. Fast zwei Drittel der Krankenhäuser                   Krankenhäuser mit Stellenbesetzungsproblemen
in diesen Regionen kämpfen mit dieser Problema-                    haben im Mittel 1,4 Vollkraftstellen im Ärztlichen
tik. Deutlich weniger Krankenhäuser haben Prob-                    Dienst unbesetzt. Gegenüber 2018 gab es hier
leme, Ärzte mit abgeschlossener Weiterbildung zu                   kaum Veränderungen. Bei dem Pflegefachper-
finden, wenn sie in Großstädten liegen.                            sonal ist die Entwicklung im Zeitvergleich un-
                                                                   einheitlich (Abb. 11). Dagegen ist sie bei den fest
Differenzierter sieht die Situation bei den festan-                angestellten Hebammen leicht ansteigend.
gestellten Hebammen aus. In (Groß)Städten wie

Abb.

11         Offene Stellen in der geburtshilflichen Abteilung nach
           Mitarbeitergruppen (Vollkräfte / Krankenhaus)

                Ärzte mit begonnener Weiterbildung
                Ärzte mit abgeschlossener Weiterbildung
                Gesundheits- und KrankenpflegerInnen
                Gesundheits- und KinderkrankenpflegerInnen
                Fest angestellte Hebammen

             5,7

                                                                     4,0

                                                            2,9                                      3,1
                                                                                                           2,6
                     2,0                                                   1,9                                    2,1
                              1,6             1,5                                       1,4   1,4
                                                      1,1

                    2014                                    2018                                    2020

           © Deutsches Krankenhausinstitut 2020

                                                    DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020           19
2. Geburtshilfliche Abteilungen

 2.2 Beleghebammen

 In 38 % der geburtshilflichen Abteilungen sind frei-                     Jede dritte Einrichtung, die zurzeit schon Beleg-
 berufliche Hebammen tätig. Dies bedeutet einen                           hebammen beschäftigt, ist auf der Suche nach
 leichten Rückgang gegenüber 2018 mit 44 % der                            weiteren freiberuflichen Hebammen (Abb. 12).
 Krankenhäuser mit Beleghebammen. Der entspre-                            Fast alle geburtshilflichen Abteilungen, die nach
 chende Anteil der geburtshilflichen Abteilungen                          Beleghebammen suchen, haben jedoch Proble-
 mit Beleghebammen unterscheidet sich stark je                            me, Beleghebammen zu finden.
 nach Größe der Krankenhäuser. So sind in 51 % der
 Krankenhäuser mit bis zu 299 Betten Beleghebam-                          Im Mittel werden 2,2 Beleghebammen (Köpfe) je
 men tätig, während in den großen Einrichtungen                           geburtshilflicher Abteilung gesucht. Rechnet man
 ab 600 Betten nur noch gut jede vierte Geburts-                          die Zahl der gesuchten Beleghebammen auf alle
 abteilung Beleghebammen hat.                                             geburtshilflichen Abteilungen hoch, so werden 144
                                                                          Beleghebammen deutschlandweit gesucht. Gemäß
 Im Mittel sind 7,8 Beleghebammen in den jewei-                           Statistischem Bundesamt waren 2018 1.324 Beleg-
 ligen geburtshilflichen Abteilungen tätig. Jede                          hebammen in den Allgemeinkrankenhäusern tätig.
 zehnte Einrichtung (11 %) mit einer geburtshilfli-                       Damit soll der derzeitige Bestand an Beleghebam-
 chen Abteilung sucht derzeit Beleghebammen.                              men um rund 11 % aufgestockt werden.

                                   Abb.          Krankenhäuser mit Beleghebammen und der Suche

                                   12            bzw. Probleme bei der Suche nach Beleghebammen
                                                 (Anzahl Krankenhäuser und Prozentsatz)

                                                                davon

                                                64,0 (38 %)

                                                                                           davon

                                                                             19,0 (31 %)
                                                                                                   15,0 (83 %)

                                   KH mit Beleghebammen in                   KH mit Suche nach     KH mit Problemen,
                                   geburtshilflicher Abteilung               Beleghebammen         Beleghebammen zu finden

                                   © Deutsches Krankenhausinstitut 2020

20        DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020
2.3 Wirtschaftliche Lage der Geburtshilfen

Im Krankenhaus Barometer wird traditionell nach
der wirtschaftlichen Lage des Gesamtkrankenhauses
gefragt. Im aktuellen Barometer wurde zusätzlich die
wirtschaftliche Lage speziell in den geburtshilflichen
Abteilungen betrachtet.

Rund 65 % der Krankenhäuser gaben hier an, dass im
Jahr 2020 die Erlöse in der Geburtshilfe niedriger als die
Kosten waren. Die Mehrzahl der geburtshilflichen Ab-
teilungen arbeitet derzeit somit nicht kostendeckend.

In ähnlicher Größenordnung haben die geburtshilf-
lichen Abteilungen dies auch schon für 2013 und 2017
festgestellt. Damit hat sich die wirtschaftliche Lage der
Geburtshilfen offensichtlich in den letzten sieben Jah-
ren nicht verbessert.

   Abb.       Bitte geben Sie an, ob die geburtshilfliche Abteilung in

  13          Ihrem Krankenhaus alles in allem wirtschaftlich ist.
              (Krankenhäuser mit Geburtshilfe in %)

                     Erlöse sind niedriger als die Kosten
                     Erlöse und Kosten gleichen sich in etwa aus
                     Erlöse sind höher als die Kosten
                                                                                65
                58                                   57

                          28
                                                            25                         26
                                                                   18
                                  14
                                                                                              10

                        2013                               2017                       2020

              © Deutsches Krankenhausinstitut 2020

                                                     DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020   21
2. Geburtshilfliche Abteilungen

 Bei der Unterscheidung nach Größenklassen der                      Die Erwartungen der Krankenhäuser im Hinblick
 Krankenhäuser zeigt sich, dass auch die großen Kli-                auf die wirtschaftliche Situation der Geburtshilfen
 niken ab 600 Betten vermehrt niedrigere Erlöse als                 für das Jahr 2021 unterscheiden sich nur wenig
 Kosten haben (Abb. 14). Bei fast zwei Dritteln der                 von der Ist-Situation des Jahres 2020. Insgesamt
 großen Einrichtungen ist dies der Fall. Im Vergleich               erwarten die Krankenhäuser kaum eine Verände-
 zu 2017 ist das für die großen Kliniken ein Zuwachs                rung bzw. Verbesserung ihrer Situation (Abb. 15).
 um 22 Prozentpunkte (Ergebnisse nicht gezeigt).

     Abb.

 14             Wirtschaftlichkeit der geburtshilflichen Abteilung in 2020 nach
                Bettengrößenklassen (Krankenhäuser mit Geburtshilfe in %)

                                                                                  Erlöse sind niedriger als die Kosten
                                                                                  Erlöse und Kosten gleichen sich in etwa aus
        65                 62               55              78
                                                                                  Erlöse sind höher als die Kosten

        26                 29               31
                                                            17
                                                                            © Deutsches Krankenhausinstitut 2020
        10                  9               14
                                                                5
      KH gesamt         KH ab             KH mit 300 -    KH mit 100 -
                        600 Betten        599 Betten      299 Betten

     Abb.

 15             Erwartete wirtschaftliche Lage der geburtshilflichen Abteilungen
                für 2021 (Krankenhäuser mit Geburtshilfe in %)

                                          9%

                                   24 %                                           Erlöse sind niedriger als die Kosten
                                                                                  Erlöse und Kosten gleichen sich in etwa aus
                                                                                  Erlöse sind höher als die Kosten

                                                         67 %

                                                                            © Deutsches Krankenhausinstitut 2020

22          DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020
2.4 Sicherstellungszuschlag

Krankenhäuser können Zuschläge vereinbaren zur Finanzierung der
Sicherstellung einer für die Versorgung der Bevölkerung notwendi-
gen Vorhaltung von Leistungen (§ 17b Absatz 1a Satz 1 Nr. 6 KHG;
Sicherstellungszuschläge).

Der überwiegende Teil der Krankenhäuser mit einer geburtshilfli-
chen Abteilung hat seit 2018 keinen Sicherstellungszuschlag bean-
tragt (Abb. 16).

Rund 9 % der Stichprobenkrankenhäuser gaben an, einen Sicherstel-
lungszuschlag im Jahr 2020 beantragt zu haben. Davon sind fast 4 %
genehmigt und 2 % nicht genehmigt worden. Insgesamt stellt sich
die Situation kaum verändert zu 2018 dar.

 Abb.          Haben Sie für die geburtshilfliche Abteilung Ihres Krankenhauses einen

16             Sicherstellungszuschlag gemäß § 17b Absatz 1a Nummer 6 KHG beantragt?
               (Krankenhäuser mit Geburtshilfe in %)

Kein Sicherstellungszuschlag
beantragt                                                           94,7                                         91,4

Sicherstellungszuschlag
beantragt                                                        3,8                              1,9

Sicherstellungszuschlag
genehmigt                               0,0                                                                3,7

Sicherstellungszuschlag
nicht genehmigt                               0,8                                                 1,9

Sicherstellungszuschlag nicht mit
den Krankenkassen vereinbart                  0,8                                           1,2

                                       2018                                         2020

© Deutsches Krankenhausinstitut 2020

                                                    DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020     23
2. Geburtshilfliche Abteilungen

 2.5 Zeitweise Schließung von Abteilungen

 Im Jahr 2020 haben bisher 5 % der              Abb.
 Krankenhäuser ihre geburtshilfliche
 Abteilung temporär geschlossen und
 für einen bestimmten Zeitraum keine
                                               17
 weiteren Patientinnen aufgenommen.             Haben Sie 2020 Ihre geburtshilfliche Abteilung temporär
 Damit gab es kaum Veränderungen zu             geschlossen? (Krankenhäuser mit Geburtshilfe in %)
 2017 mit 4 % zeitweisen Schließungen
 (Abb. 17).                                                         Ja
                                                                    5%

                                                                    Nein
                                                                    95 %

                                                © Deutsches Krankenhausinstitut 2020

24        DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020
2.6 Zukunft der geburtshilflichen Abteilungen

Die Zukunft von geburtshilflichen Abteilungen            aus, dass sie ihre Geburtshilfe weiterhin betreiben
wird mit Blick auf die demografischen Entwicklun-        können. Lediglich 3 % der Häuser zeigen sich skep-
gen schon seit geraumer Zeit diskutiert. Erschwe-        tisch. Sie gehen davon aus, im Laufe der kommen-
rend kommt hier der Fachkräftemangel hinzu, der          den Jahre diese Abteilung schließen zu müssen.
seit Jahren die Arbeit in diesem Bereich beein-
trächtigt.                                               Problematisch ist die Schließung von geburts-
                                                         hilflichen Abteilungen immer dann, wenn die
Vor diesem Hintergrund sollten die Krankenhäuser         Versorgungsdichte an Geburtshilfen im Umkreis
einschätzen, ob sie auch in drei Jahren noch über        gering ist. Aus diesem Grund wurde nach anderen
eine geburtshilfliche Abteilung verfügen werden          geburtshilflichen Abteilungen in der Nähe des
(Abb. 18). 89 % der Krankenhäuser gehen davon            eigenen Krankenhauses gefragt.

 Abb.

18
Gehen Sie davon aus, dass Ihr Krankenhaus auch in 3 Jahren noch über eine
geburtshilfliche Abteilung verfügt? (Krankenhäuser mit Geburtshilfe in %)

      2%                                                                       3%
             6%                                                                     7%

                                              Ja
                                              Nein
                2018                          Keine Angabe möglich                    2020

                92 %                                                                   90 %

                                        © Deutsches Krankenhausinstitut 2020

                                        DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020         25
2. Geburtshilfliche Abteilungen

 Dabei gaben 30 % der Häuser an, dass sich im                    (Abb. 19): Erwartungsgemäß ist die Zahl der
 Umkreis von 20 km keine weitere geburtshilfliche                Geburtshilfen in einem Radius von 20 km in den
 Abteilung befindet. Bei gut einem Drittel der Häu-              kreisfreien Großstädten relativ hoch. Dort haben
 ser gab es in diesem Radius zwei bis vier entspre-              45 % der Häuser mehr als vier Geburtshilfen in der
 chende Abteilungen. Jedes fünfte Krankenhaus                    näheren Umgebung. In dünn besiedelten länd-
 hatte in seiner Nähe mehr als vier Geburtshilfen                lichen Kreisen hat kein Stichprobenkrankenhaus in
 (Ergebnisse nicht gezeigt).                                     diesem Radius vier und mehr andere Geburtshil-
                                                                 fen. In drei Viertel dieser Häuser gibt es in einem
 Besondere Relevanz hat die Versorgungsdichte                    Radius von 20 km keine weitere geburtshilfliche
 der Geburtshilfen jedoch, wenn man die zur Ver-                 Abteilung. Das kommt in den Großstädten ledig-
 fügung stehenden Einrichtungen nach siedlungs-                  lich bei 6 % der Krankenhäuser vor.
 strukturellen Kreistypen differenziert betrachtet

     Abb.        Wie viele geburtshilfliche Abteilungen in anderen Krankenhäusern

 19              gibt es in einem Radius von 20 km um Ihr Krankenhaus? (Kranken-
                 häuser mit Geburtshilfe in %)

                         Keine
                         1 gebh. Abtlg.
                         2 - 4 gebh. Abtlg.                      © Deutsches Krankenhausinstitut 2020
                         Mehr als 4 gebh. Abtlg.

     Dünn besiedelte                                             Ländliche Kreise mit                   5%
     ländliche Kreise              16 %                          Verdichtungsansätzen

                              9%                                                             28 %

                                                          75 %                                                     48 %

                                                                                                    20 %

                                                                                                             6%
     Städtische Kreise             18 %            15 %          Kreisfreie Großstädte                            8%

                                                                                             45 %
                                                          22 %
                                                                                                                   42 %
                                 45 %

26          DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020
2.7 Gründe für die Schließung von geburtshilflichen Abteilungen

Unabhängig von den Zukunftserwartungen für                       Eng damit zusammenhängend, nannten 80 % der
die eigene geburtshilfliche Abteilung sollten die                Krankenhäuser fehlende Hebammen sowie 70 %
Befragungsteilnehmer eine generelle Einschät-                    eine zu geringe Zahl von Geburten als weitere
zung zu möglichen Gründen für eine Schließung                    Gründe für eine Schließung.
von Geburtshilfen abgeben (Abb. 20).
                                                                 Fehlende eigene Ärzte mit abgeschlossener oder
Der maßgebliche Grund („trifft voll und ganz zu“                 begonnener Weiterbildung im Gebiet Frauenheil-
bzw. „trifft eher zu“), der von gut 88 % der Häuser              kunde und Geburtshilfe und die Haftungsrisiken
genannt wurde, ist die wirtschaftliche Lage der                  stehen an vierter und fünfter Stelle der am häu-
Geburtshilfe. Wie schon festgestellt (vgl. Kap. 2.3),            figsten genannten Gründe.
sind in zwei Drittel der Krankenhäuser die Kosten
der Geburtshilfe höher als die Erlöse. Sollte sich               Nur von wenigen Krankenhäusern wurde der Ent-
diese Situation verschärfen, erwartet die große                  zug des Versorgungsauftrages bzw. Versorgungs-
Mehrheit der Krankenhäuser, dass es zu Schließun-                vertrages als maßgeblicher Grund genannt.
gen aus wirtschaftlichen Gründen kommen wird.

 Abb.         Welche Gründe sprechen aus Ihrer Sicht maßgeblich dafür, dass Krankenhäuser

20            in 3 Jahren ggf. über keine geburtshilfliche Abteilung mehr verfügen werden?
              (Krankenhäuser in %)

   Wirtschaftliche Situation der gebh. Abtlg.
                                                                               88                                12

   Fehlende eigene Hebammen
                                                                              80                                20

   Zu geringe Zahl von Geburten
                                                                         70                                30

   Fehlende eigene Ärzte mit abgeschl. /
   begonnener Weiterbildung
                                                                        65                               35

   Haftungsrisiken zu groß
                                                                   58                                 42

   Zusammenlegung der gebh. Abtlg. mit
   Geburtshilfe eines anderen KH
                                                                   56                                44

   Fehlende Beleghebammen
                                                                  53                                47

   Fehlende Belegärzte mit abgeschl.
   Weiterbildung
                                                            39                                 61

   Entzug Versorgungsauftrag /
   Versorgungsvertrag
                                                   16                                 84

   © Deutsches Krankenhausinstitut 2020             trifft voll und ganz/eher zu    trifft überhaupt nicht/eher nicht zu

                                                DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020                 27
3 PLANUNGSRELEVANTE
   QUALITÄTSINDIKATOREN
 Seit dem Erfassungsjahr 2017 werden elf              Diese Richtlinie regelt ein datengestütztes Aus-
 Qualitätsindikatoren der externen stationä-          wertungsverfahren für die übermittelten einrich-
 ren Qualitätssicherung aus den Bereichen             tungsbezogenen Indikatorergebnisse. Es werden
                                                      Maßstäbe und Kriterien zur Bewertung der Qua-
 gynäkologische Operationen, Geburtshilfe
                                                      litätsergebnisse von Krankenhäusern definiert
 und Mammachirurgie als planungsrelevante
                                                      sowie das Verfahren zur Übermittlung der Ergeb-
 Qualitätsindikatoren (plan. QI) eingesetzt.          nisse an die für die Krankenhausplanung zustän-
 Die normative Grundlage dazu stellt die              digen Landesbehörden und die Landesverbände
 „Richtlinie zu planungsrelevanten Qualitätsin-       der Krankenkassen und Ersatzkassen.
 dikatoren gemäß § 136 Absatz 1 SGB V i. V. m.
 § 136c Absatz 1 und Absatz 2 SGB V – plan.           Durch die Anwendung der planungsrelevanten
 QI-RL“ dar.                                          Qualitätsindikatoren sollen die Länder in die Lage
                                                      versetzt werden, bei ihren Planungsentscheidun-
                                                      gen neben Aspekten der Leistungsfähigkeit und
                                                      Wirtschaftlichkeit von Krankenhäusern auch die
                                                      Versorgungsqualität der Einrichtungen zu berück-
                                                      sichtigen.

28     DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020
Bei einem sachgerechten Einsatz mit einem ge-               Mit der Befragung der Krankenhäuser sollte in Er-
eigneten Instrumentarium kann dies zum Ziel                 fahrung gebracht werden, inwieweit das derzeitige
einer qualitativ hochwertigen, patienten- und be-           Verfahren für eine qualitätsorientierte Kranken-
darfsgerechten Versorgung der Bevölkerung mit               hausplanung geeignet ist und ob sich aus Sicht der
leistungsfähigen, qualitativ hochwertig und eigen-          Krankenhäuser Verbesserungsmöglichkeiten am
verantwortlich wirtschaftenden Krankenhäusern               Verfahren zeigen.
beitragen.
                                                            3.1 Krankenhäuser mit plan. QI
Die von den Krankenhäusern erhobenen Daten
werden vom Institut für Qualitätssicherung                  Eingangs sollten die Krankenhäuser angeben, ob
und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG)                 sie im Jahr 2020 Leistungen erbracht haben, die zu
validiert und bei statistisch auffälligen Ergebnis-         dem plan. QI-Verfahren gehören. Dies war bei 59 %
sen einer fachlichen Bewertung unterzogen.                  der Befragungsteilnehmer der Fall (Abb. 21).

Die planungsrelevanten Qualitätsindikatoren, die            In Abhängigkeit von der Größe der Krankenhäuser
vom IQTIG mit unzureichender Qualität bewertet              steigt der Anteil der Häuser, die Leistungen erbracht
werden, werden vom Gemeinsamen Bundesaus-                   haben, die für das plan. QI-Verfahren relevant sind.
schuss unter Nennung der Krankenhausstandorte               Die Ausführungen in diesem Kapitel beziehen sich
veröffentlicht. Gleichzeitig erhalten die für die           ausschließlich auf Krankenhäuser, die im Jahr 2020
Krankenhausplanung zuständigen Ministerien die              Leistungen, die zu den planungsrelevanten Quali-
Auswertungen für ihre Bundesländer.                         tätsindikatoren zählen, erbracht haben.

 Abb.

21         Krankenhäuser mit Leistungen, die zu den planungsrelevanten
           Qualitätsindikatoren gehören (Krankenhäuser in %)

           Krankenhäuser gesamt                         59,0

           Krankenhäuser mit
           100 - 299 Betten
                                                 41,1

           Krankenhäuser mit
           300 - 599 Betten
                                                               75,6

           Krankenhäuser ab
           600 Betten
                                                                   87,2

                                    © Deutsches Krankenhausinstitut 2020

                                          DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020            29
3. Planungsrelevante Qualitätsindikatoren

 3.2 Relevanz der plan. QI

 Die Relevanz der planungsrelevanten Qualitäts-                    Die Bewertung der planungsrelevanten Quali-
 indikatoren muss sich an den damit verbundenen                    tätsindikatoren im Bereich der gynäkologischen
 Zielsetzungen messen lassen.                                      Operationen fällt ambivalent aus (Tab. 4). Auf der
                                                                   einen Seite sehen einige Krankenhäuser die Mög-
 Konkret erfolgte deren Bewertung nach ihrer                       lichkeit der Patienten, sich mittels dieser Indikato-
 Praxisrelevanz für Patienten, für die Krankenhaus-                ren über die Qualität ihres Hauses zu informieren.
 planung zuständigen Landesbehörden sowie für
 Krankenhäuser.                                                    Sie konstatieren auch, dass durch die Indikatoren
                                                                   zum Teil krankenhausinterne Qualitätsverbes-
 Die Krankenhäuser wurden jeweils nach der Rele-                   serungen angestoßen werden. Auf der anderen
 vanz für jeden der elf Qualitätsindikatoren gefragt.              Seite schätzt die Mehrzahl der Krankenhäuser den
 Hierbei wurden nur Krankenhäuser berücksichtigt,                  Nutzen der Qualitätsindikatoren für krankenhaus-
 die die zugehörigen Leistungen auch erbracht                      planerische Entscheidungen gering ein.
 haben.

      Tab.

      4         Relevanz der planungsrelevanten Qualitätsindikatoren „Gynäkologische Operationen“ -
                Ja-Antworten in % der Krankenhäuser mit entsprechenden Leistungen

     Planungsrelevante                   Bieten die plan. QI          Sind die plan. QI für     Werden durch die plan.
     Qualitätsindikatoren                Patienten Informationen      krankenhausplanerische    QI krankenhausinterne
                                         über die Qualität in         Entscheidungen ge-        Qualitätsverbesserun-
                                         Ihrem Krankenhaus?           eignet?                   gen angestoßen?

     Vollständige Entfernung des
     Ovars oder der Adnexe ohne                   49,0                        22,0                       54,1
     pathologischen Befund

     Fehlende Histologie nach
     isoliertem Ovareingriff mit                  59,3                        29,8                       64,9
     Gewebsentfernung

     Verhältnis der beobachteten
     zur erwarteten Rate (O/E) an
     Organverletzungen bei lapa-                   65                         36,2                       66,7
     roskopischer Operation

 © Deutsches Krankenhausinstitut 2020

30         DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020
Bei den planungsrelevanten Qualitätsindikatoren im Bereich der
Geburtshilfe fällt das Ergebnis überwiegend ähnlich aus. Aller-
dings wird der Nutzen für krankenhausplanerische Entscheidun-
gen von zwei der vier Indikatoren höher eingeschätzt (Tab. 5).

Bei den vier planungsrelevanten Qualitätsindikatoren aus dem
Bereich der Mammachirurgie sieht die Mehrzahl der Kranken-
häuser in ihnen einen Informationsgewinn für die Patienten.
Auch wird durchaus der Nutzen für krankenhausinterne Quali-
tätsverbesserungen gesehen. Aber auch hier – wie schon bei
den Indikatoren aus dem Bereich der „Gynäkologischen Opera-
tionen“ – sieht die Mehrheit der Krankenhäuser keinen Nutzen
für die Krankenhausplanung durch diese Indikatoren (Tab. 6).

   Tab.

    5            Relevanz der planungsrelevanten Qualitätsindikatoren „Geburtshilfe“ -
                 Ja-Antworten in % der Krankenhäuser mit entsprechenden Leistungen

  Planungsrelevante                    Bieten die plan. QI       Sind die plan. QI für    Werden durch die plan.
  Qualitätsindikatoren                 Patienten Informationen   krankenhausplanerische   QI krankenhausinterne
                                       über die Qualität in      Entscheidungen ge-       Qualitätsverbesserun-
                                       Ihrem Krankenhaus?        eignet?                  gen angestoßen?

  Anwesenheit eines Pädiaters
  bei Frühgeburten                              69,0                     47,4                      61,9

  Antenatale Kortikosteroid-
  therapie bei Frühgeburten
  mit einem präpartalen stat.                   55,9                     33,3                      57,9
  Aufenthalt von mindestens
  zwei Kalendertagen

  E-Zeit bei Notfallkaiserschnitt
  über 20 Minuten                              73,5                      50,4                      66,9

  Perioperative Antibiotikapro-
  phylaxe bei Kaiserschnittent-                63,2                      30,5                      59,4
  bindung

© Deutsches Krankenhausinstitut 2020

                                                DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020         31
3. Planungsrelevante Qualitätsindikatoren

                                                  Insgesamt fällt die Bewertung der planungsrelevanten Quali-
                                                  tätsindikatoren durch die Krankenhäuser nicht einheitlich aus.
                                                  Ihre krankenhausplanerische Relevanz wird überwiegend be-
                                                  zweifelt.

                                                  Dies zeigt, dass die bisher genutzten planungsrelevanten Quali-
                                                  tätsindikatoren aus Sicht der Krankenhäuser kaum einen Nut-
                                                  zen für die Krankenhausplanung aufweisen. Dagegen schätzen
                                                  die Krankenhäuser die planungsrelevanten Qualitätsindikatoren
                                                  eher für relevant ein, um die eigenen Ergebnisse zu analysieren
                                                  und ggf. geeignete Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität
                                                  einzuleiten. Die Relevanz der Indikatoren zur Information von
                                                  Patienten wird teilweise gesehen.

      Tab.      Relevanz der planungsrelevanten Qualitätsindikatoren

      6         „Mammachirurgie“ - Ja-Antworten in % der Kranken-
                häuser mit entsprechenden Leistungen

     Planungsrelevante                   Bieten die plan. QI       Sind die plan. QI für    Werden durch die plan.
     Qualitätsindikatoren                Patienten Informationen   krankenhausplanerische   QI krankenhausinterne
                                         über die Qualität in      Entscheidungen ge-       Qualitätsverbesserun-
                                         Ihrem Krankenhaus?        eignet?                  gen angestoßen?

     Qualitätsindex zum kritischen
     Outcome bei Reifgeborenen                   64,9                      43,4                      67,5

     Primäre Axilladissektion bei
     DICS                                        64,6                      41,2                      59,8

     Intraoperative Präperatradio-
     grafie oder intraoperative
     Präparatsonografie bei sono-                66,2                      39,7                      63,7
     grafischer Drahtmarkierung

     Intraoperative Präperatradio-
     grafie oder intraoperative
     Präparatsonografie bei mamo                 65,3                      41,4                      64,4
     grafischer Drahtmarkierung

 © Deutsches Krankenhausinstitut 2020

32         DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020
3.3 Nutzen und Aufwand der plan. QI

Die planungsrelevanten Qualitätsindikatoren         Beurteilung der Relevanz der Qualitätsindikatoren
müssen sich auch am Verhältnis von Aufwand und      gesehen werden. Die Mehrzahl der Krankenhäuser
Nutzen messen lassen. Die Beurteilung der Auf-      gab an, dass die Indikatoren durchaus krankenhaus-
wand-Nutzen-Relation ist eindeutig: Fast 60 % der   interne Qualitätsverbesserungen ausgelöst haben.
Krankenhäuser sehen eher einen geringen Nutzen
durch die planungsrelevanten Qualitätsindikato-     Dieser positive Effekt wird jedoch offensichtlich
ren im Vergleich zu dem von ihnen ausgelösten       durch einen zu hohen Aufwand beim gesamten
Aufwand (Abb. 22).                                  Verfahren der planungsrelevanten Qualitätsindi-
                                                    katoren konterkariert. Das Verfahren ist für Quali-
Diese eindeutige Beurteilung der Nutzen-Auf-        tätsverbesserungen sinnvoll, aber aus Sicht der
wand-Relation muss im Zusammenhang mit der          Krankenhäuser zu aufwändig.

 Abb.     Wie beurteilen Sie für Ihr Krankenhaus den Nutzen der plan. QI

22        insgesamt im Vergleich zu dem Aufwand, der durch sie ausgelöst
          wird? (Krankenhäuser mit plan. QI in %)

                               9%

                                                         Gering
                                                         Hoch
                                                         Ausgewogenes Verhältnis
            60 %                         31 %

                                                    © Deutsches Krankenhausinstitut 2020

                                       DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020         33
3. Planungsrelevante Qualitätsindikatoren

 3.4 Erfahrungen mit zuständigen Behörden

 Der G-BA informiert die für die Krankenhaus-
 planung zuständigen Landesbehörden über die
 Ergebnisse des plan. QI-Verfahrens.

 Rund 20 % der Krankenhäuser, die Leistungen
 erbringen, die für die plan. QI relevant sind, haben
 Erfahrungen mit den zuständigen Behörden ge-
 sammelt.                                                    2. Es hat sich kein Handlungsbedarf
                                                                ergeben
 Differenziert nach Krankenhausgröße gab mehr
 als ein Drittel der kleinen Häuser unter 300 Betten         Etwa ein Drittel der betroffenen Kranken-
 an, dass sie nach Auffälligkeiten im Kontakt mit            häuser gab an, dass sich kein Handlungs-
 den Behörden standen. In den übrigen Bettengrö-             bedarf aus dem Kontakt zu den Behörden
 ßenklassen waren es jeweils 11 %.                           ergeben habe. Begründet wurde diese u. a.
                                                             wie folgt:
 Gefragt nach dem resultierenden Handlungsbe-
 darf aus den Behördenkontakten, kann man die                •   „Einschätzung IQTIG war falsch.“
 Antworten der betroffenen Krankenhäuser in drei             •   „keiner, Kritik war fremdverschuldet“
 Gruppen zusammenfassen:                                     •   „keiner, fehlende medizinische
                                                                 Kompetenz der Behörde“

     1. Krankenhausinterne Qualitätsver-
        besserungen wurden eingeleitet

     Viele Krankenhäuser gaben an, dass kran-                3. Methodenkritik
     kenhausinterne Qualitätsverbesserungen
     angestoßen werden konnten. So gaben                     Etwa 10 % der Krankenhäuser übten Fach-
     Krankenhäuser u. a. folgendes an:                       und Methodenkritik am Verfahren und den
                                                             verwendeten Indikatoren. Das äußert sich
     •   „Fälle wurden vollständig mit Planungs-             u. a. durch folgende Aussagen:
         behörde besprochen. Maßnahmen
         wurden gemeinsam festgelegt.“                       •   „Eigentlich nicht notwendige Antibiose
     •   „Verbesserung in der Kommunikation;                     bei primärer Sectio (muss aber gegeben
         Verfahrensanweisungen“                                  werden! Studien alle alt!)“
     •   „vermehrte Aufmerksamkeit auf den                   •   „schwierige und wenig pragmatische
         Indikator“                                              Abstimmung mit den IQTIG“

34        DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020
3.5 Verbesserungsmöglichkeiten des plan. QI-Verfahrens

Abschließend wurden die Krankenhäuser noch nach Verbesserungen
des plan. QI-Verfahrens gefragt (Abb. 23).

 Abb.

23        Wie muss sich das plan. QI-Verfahren verbessern?
          (Krankenhäuser mit plan. QI in %)

                                    26 %                  Etablierung zusätzlich Widerspruchsverfahren
                                                          Transparentere Bewertung der Indikatoren
                                                          Darstellung der Relation zwischen beanstandeten
                                                          und erbrachten Fällen
            34 %

                                    40 %
                                                     © Deutsches Krankenhausinstitut 2020

Fast 40 % der Krankenhäuser wünscht sich eine        Im Rahmen einer offenen Frage konnten die
transparente Bewertung der Indikatoren. Mehr         Krankenhäuser weitere Verbesserungsvorschläge
als ein Drittel der Häuser wäre für eine Darstel-    nennen. Die Vorschläge beinhalten Verbesserun-
lung der Relation zwischen beanstandeten und         gen der Methodik und des Verfahrens. Andere
erbrachten Fällen, um die Relevanz der beanstan-     Krankenhäuser erkennen keinen weiteren Nutzen
deten Leistungen zu verdeutlichen. Außerdem          des plan. QI-Verfahrens und schlagen dessen Ab-
fordert ein Viertel der Häuser ein zusätzliches      schaffung vor.
Widerspruchsverfahren, um Unklarheiten oder
Fehlinterpretationen vor der Veröffentlichung        Die nachfolgende Tab. 7 führt die Verbesserungs-
von Auffälligkeiten ausräumen zu können.             vorschläge und Hinweise auf.

                                        DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020          35
3. Planungsrelevante Qualitätsindikatoren

                              Tabelle 7: Verbesserung des plan. QI-Verfahrens
     Zwingende medizinische Fachkompetenz und Einzelfallbetrachtung
     Versorgungsbedarf flächendeckend vs. Versorgungsgebiete beachten
     Der Dokuaufwand für fachlich zertifizierte Zentren (gem. DKG, Senologie, Onkologie, Brustkrebszentr.,
     Endoprothetikzentr. usw.) sollte auf die Relation der erbrachten Fälle reduziert werden, da diese sehr
     umfangreich von den Fachgesellschaften doppelter u. dreifacher Dokuaufwand anhand von QI im
     Erhebungsbogen abgefragt werden.
     Vermeidung doppelter Doku bei zertifizierten Zentren, da dort gleiches und mehr abgefragt wird.
     Der bürokratische Aufwand bei den Stellungnahmen; Verfahren muss reduziert werden.
     Manche QI müssen überdacht werden, z. B. Antibiose bei Sectio.
     Risikoadjustierung verstärken
     Im Gyn-Bereich wird nur ein geringer Teil der erbrachten Leistungen abgesichert.
     Reduktion der Anzahl der Parameter, plan. QI für alle Fachrichtungen etablieren
     Relevante Kriterien, z. B. Sectiorate, werden nicht abgefragt. Dies sollte eingeführt werden.
     Mehr Kontext bei bestimmten Einzel-Items; ein einfaches Ja / Nein erfasst nicht den Kontext
     des Ereignisses.

36         DEUTSCHES KRANKENHAUSINSTITUT I KRANKENHAUS BAROMETER 2020
Sie können auch lesen