Nachhilfe 2012 AK-Studie: Bundesweite Elternbefragung Studienbericht

 
AK-Studie:
   Nachhilfe 2012
  Bundesweite Elternbefragung

         Studienbericht

     Diese Studie wurde erstellt für die:
AK-Wien, Abteilung Bildungspolitik

            Wien, im Mai 2012
         Archivnummer: 21917045
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21917045   Nachhilfestudie 2012
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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis ................................................................................ 3
Daten zur Untersuchung ...................................................................... 4
Vorwort ................................................................................................ 5
I. Hauptergebnisse in Kurzform............................................................ 6
II. Die Ergebnisse im Einzelnen ............................................................ 9
1. Struktur der Stichprobe..................................................................... 9
2. Externe Nachmittagsbetreuung...................................................... 11
3. Hilfe beim Lernen und Aufgaben machen...................................... 13
4. Nachhilfe ........................................................................................ 17
   4.1. Benötigte externe Nachhilfe .................................................... 17
   4.2. Nachhilfefächer ....................................................................... 20
   4.3. Wer gibt die bezahlte Nachhilfe? ............................................. 22
   4.4. Wie oft ist die externe Nachhilfe nötig?................................... 24
   4.5. Gründe für die externe Nachhilfe ............................................ 25
   4.6. Wurde das Ziel der Nachhilfe erreicht? .................................... 27
   4.7. Keine externe Nachhilfe, obwohl Bedarf war........................... 29
   4.8. Kosten für die Nachhilfe während des Schuljahres.................. 31
   4.9. Kosten für die Nachhilfe im letzten Sommer ........................... 32
   4.10.          Gesamtkosten für die Nachhilfe ..................................... 34
   4.11.          Hochrechnung der Kosten für die Nachhilfe.................. 36
5. Finanzielle Belastung durch die Nachhilfe ..................................... 38
6. Maßnahmen zur Reduzierung der Nachhilfe ................................. 41
7. Wie realistisch ist eine Schule ohne externen Nachhilfebedarf?.... 45
8. Fazit ................................................................................................ 47

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Daten zur Untersuchung

Themen:                •   Nachhilfe im laufenden Schuljahr
                       •   Nachhilfe im letzten Sommer
                       •   Gründe für die Nachhilfe
                       •   Kosten der Nachhilfe
                       •   Maßnahmen zur Reduzierung der
                           Nachhilfe

Auftraggeber:          Basisstudie:
                       Kammer für Arbeiter und Angestellte in
                       Wien; Abteilung Bildungspolitik
                       Aufstockung der Stichprobe:
                       •   AK Oberösterreich (auf 400 HH)
                       •   AK Niederösterreich (auf 500 HH)
                       •   AK Salzburg (auf 300 HH)
                       •   AK Steiermark (auf 400 HH)
                       •   AK Tirol (auf 300 HH)
                       •   AK Vorarlberg (auf 300 HH)

Grundgesamtheit:       Haushalte mit Schulkind/ern (ausge-
                       nommen Berufsschule)

Erhebungsgebiet:       Österreich

Stichprobenumfang:     2.851 Haushalte bundesweit

Gewichtung:            Aufhebung der regionalen Disproportio-
                       nalität; damit bundesweit repräsentativ

Zielpersonenauswahl: Zufallsauswahl nach Telefonscreening

Art der Befragung:     Telefonische Erhebung (CATI)

Befragungszeitraum:    April 2012

Projektleiter:         Dr. Gert Feistritzer

Projektassistenz:      Mag. Christine Schuster
                       Mag. Teresa Schaup

Auswertung:            Anna Sophie Schiff

                                                    21917045   Nachhilfestudie 2012
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Vorwort

   Das IFES führte im Auftrag der AK Wien (Abteilung Bildungspolitik)
von April bis Mai 2012 eine bundesweit repräsentative Befragung bei
Eltern von Schulkindern zum Thema „Nachhilfe“ durch. Die Erhe-
bung erfolgte in Form von Telefoninterviews. Im Rahmen der öster-
reichweiten Basis-Studie wurden 2.000 Elternteile befragt. Zusätzlich
konnte in einer Reihe von Bundesländern im Auftrag der jeweiligen
Länder-AK eine Aufstockung der Stichprobe realisiert werden, so dass
die Gesamtstichprobe insgesamt 2.851 Haushalte und innerhalb die-
ser 4.933 SchülerInnen umfasst. Im Zuge der Auswertung erfolgte eine
regionale Gewichtung der Ergebnisse, so dass diese wieder für ganz Ös-
terreich repräsentativ sind. Einbezogen wurden alle Schulformen mit
Ausnahme der Berufsschulen. Bei der Erhebung wurden Eltern mit
Kindern, die die Neue Mittelschule besuchen, gezielt überrepräsen-
tiert, um auch über diese Schulform Aussagen treffen zu können. Diese
Überquotierung wurde bei der Auswertung durch eine entsprechende
Gewichtung ebenfalls wieder aufgehoben, um die Repräsentativität
der Gesamtergebnisse zu gewährleisten.

   Sinn und Zweck dieser Studie war es so wie bei den Vorgängerstu-
dien, aktualisierte empirische Grundlagendaten zur Nachhilfe-Thema-
tik in Österreich zu beschaffen, die das Ausmaß der Problematik und
der jährlichen Gesamtkosten für die Eltern aufzeigen, um daraus mög-
liche Maßnahmen zur nachhaltigen Verringerung der Belastungen ab-
zuleiten.

   Der vorliegende Band enthält die bundesweiten Hauptergebnisse
der Befragung in Form eines auch grafisch aufbereiteten Berichtes. Da-
rüber hinaus wurden eigene Tabellenbände erstellt, in welchen sämt-
liche Ergebnisse in detaillierter Form dokumentiert sind.

  Wien, im Mai 2012          Institut für empirische Sozialforschung
                                       Dr. Gert Feistritzer

                                                        21917045   Nachhilfestudie 2012
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I. Hauptergebnisse in Kurzform

• Unverändert gab nur ein Fünftel der Eltern an, dass ihr Schulkind
  eine externe Nachmittagsbetreuung in Anspruch nimmt (Hort,
  Ganztagsschule oder andere schulische Nachmittagsbetreuung).

• Rund drei Viertel der Eltern von Kindern, die zur Schule gehen, ler-
  nen mit ihren Kindern und kontrollieren die Hausaufgaben. Ein
  Drittel der Eltern ist damit so gut wie täglich beschäftigt. An dieser
  intensiven Betreuung durch die Eltern selbst hat sich in den letzten
  drei Jahren nichts verändert. Es ist also keineswegs so, dass sich die
  Eltern zunehmend weniger um die schulischen Belange ihrer Kinder
  kümmern. Bis zur 5. Schulstufe lernen und üben fast alle Eltern re-
  gelmäßig mit den Kindern.

• Von den Eltern mit einem Schulkind helfen 40 Prozent mehrmals in
  der Woche beim Lernen und Aufgabenmachen; bei zwei Kindern ist
  diese Unterstützung in 68 Prozent und ab drei Kindern in 84 Pro-
  zent der Haushalte erforderlich.

• 27 Prozent der Eltern bestätigten, dass ihr Kind im Laufe des letzten
  Jahres eine externe Nachhilfe gebraucht hat. Bei einem Fünftel aller
  Haushalte mit einem Schulkind handelte es sich um eine bezahlte
  Nachhilfe. Dieser Anteil liegt leicht unter jenem der letzten beiden
  Jahre. Gegenüber dem Vorjahr bildet sich hier eine Verschiebung
  von der bezahlten hin zur unbezahlten Nachhilfe ab. Dies betrifft
  hochgerechnet rund 7.000 Haushalte.

• Bezogen auf die Schülerinnen und Schüler hat im laufenden Schul-
  jahr jede/r Fünfte eine externe bezahlte oder unbezahlte Nachhilfe
  bekommen.

• Es ist keineswegs so, dass vor allem für jene Kinder eine private
  Nachhilfe nötig ist, deren Eltern sich nicht genug um die Schule
  kümmern können. Im Gegenteil: Bei jenen Kindern, die eine Nach-
  hilfe über das ganze Jahr hinweg haben, ist auch das Engagement
  der Eltern überdurchschnittlich hoch.

• Nachhilfe ist fast ausschließlich in den ‚Hauptgegenständen’ Ma-
  thematik, Fremdsprachen und Deutsch nötig.

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• Die bezahlte Nachhilfe geben zu gleich hohen Anteilen Lehrkräfte
  (zu 32 %) oder ein Nachhilfe-Institut (zu 33 %). Studentinnen und
  Studenten wurden von rund einem Fünftel der Eltern engagiert.
  Vom privat finanzierten Nachhilfemarkt profitiert somit auch ein
  beträchtlicher Teil der Lehrerinnen und Lehrer.

• Nachhilfe ist vor allem vor Schularbeiten und Tests nötig (57 %).
  Unverändert hoch ist aber auch der Anteil derer, die für ihr Kind ei-
  ne Nachhilfe während des ganzen Schuljahres bezahlen (41 %). Die-
  se Prozentwerte basieren auf der Gruppe der Haushalte, die für ihre
  Kinder eine externe Nachhilfe benötigen.

• Die beiden Hauptgründe für die Nachhilfe sind: Eine Note zu
  verbessern (41 %) und eine Nachprüfung bzw. eine negative Note
  im Zeugnis zu verhindern (33 %).

• Die Nachhilfe hatte im Regelfall auch den gewünschten Erfolg. In
  80 Prozent der Fälle wurde damit das angestrebte Ziel tatsächlich er-
  reicht. Bei 10 Prozent traf dies nicht zu. Weitere 14 Prozent sagten,
  dass sich Erfolg oder Misserfolg erst bis zum Ende des Schuljahres
  herausstellen wird (hier gibt es bei mehr als einem Kind im Haus-
  halt Mehrfachnennungen).

• Die durchschnittliche Gesamtbelastung für Nachhilfe beläuft sich
  für die davon betroffenen Haushalte auf 670 Euro pro Jahr (Mittel-
  wert). Im Vorjahr lag der mittlere Betrag mit 775 Euro noch deutlich
  darüber.

• Differenziert nach den Schulformen zeigt sich, dass Eltern von Kin-
  dern, die die Neue Mittelschule besuchen, deutlich weniger für
  Nachhilfe ausgegeben haben, als dies bei Eltern von Kindern in der
  AHS-Unterstufe der Fall ist (564 Euro versus 788 Euro bei den von
  Nachhilfe betroffenen Haushalten). Eltern von Hauptschulkindern
  liegen bei den Ausgaben (580 Euro) in etwa auf dem Level der Eltern
  mit einem NMS-Kind. Überdurchschnittlich hoch sind die Nachhil-
  fekosten in der Oberstufe.

• Hochgerechnet gaben die Eltern in Österreich in diesem Schuljahr
  und im Sommer davor rund 107 Millionen Euro für die Nachhilfe
  aus. Im Jahr zuvor waren es rund 127 Millionen. Die Gesamtausga-
  ben der Eltern für Nachhilfe haben sich somit um ein Fünftel redu-
  ziert.

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• Dieser deutliche Rückgang der Nachhilfekosten ist durch die Neue
  Mittelschule alleine natürlich nicht zu erklären. Er resultiert vor al-
  lem daraus, dass die Eltern angesichts der zunehmend angespann-
  ten finanziellen Haushaltslage auch bei der Nachhilfe sparen müs-
  sen und die benötigte Hilfe vermehrt im privaten Umkreis (kosten-
  los) rekrutieren. Stark verringert hat sich zudem die Anzahl der El-
  tern, die in den letzten Sommerferien für ihre Kinder eine Nachhilfe
  bezahlt oder ihnen Sprachferien oder Lerncamps finanziert haben.

• 44 Prozent der Eltern, die für ihr Kind eine bezahlte Nachhilfe enga-
  gieren, sind dadurch finanziell stark bzw. spürbar belastet. Für wei-
  tere 36 Prozent bedeutet die Nachhilfe zumindest eine gewisse Be-
  lastung des Haushaltsbudgets. Dies liegt daran, dass sich inzwischen
  die finanzielle Lage vieler Haushalte infolge der starken Preisanstie-
  ge vor allem bei Gütern des täglichen Bedarfs und bei Energiepro-
  dukten gegenüber den Vorjahren weiter verschlechtert hat.

• Mit spürbaren Belastungen durch Nachhilfe-Kosten sind insbeson-
  dere die sozial und finanziell schwächeren Haushalte konfrontiert,
  sofern sich diese eine bezahlte Nachhilfe überhaupt leisten können.
  Daraus ergeben sich negative Effekte in Bezug auf die Bildungsge-
  rechtigkeit und Chancengleichheit.

• Bei den Eltern besteht unverändert ein breiter Konsens darüber, dass
  es nötig wäre, im Bereich der privaten Nachhilfe gegenzusteuern.
  Ein Eindämmen derselben verspricht man sich vor allem durch den
  Ausbau der schulischen Nachmittagsbetreuung bzw. der Ganztags-
  schulen mit individueller Förderung sowie generell durch noch
  mehr Förderunterricht an unseren Schulen. Man wünscht sich ins-
  besondere, dass der Unterricht so gestaltet wird (auch durch Arbeit
  in Kleingruppen), dass die Kinder den Lehrstoff auch wirklich ver-
  stehen.

• Mehr als die Hälfte der Eltern (57 %) halten es bei entsprechendem
  Engagement aller Beteiligten für machbar, dass durch eine umfas-
  sende Weiterführung der Reformen letztlich eine Schule entsteht,
  bei der die Eltern möglichst gar keine Nachhilfe für ihre Kinder
  mehr zahlen müssen. Auch an dieser Zielerreichung wäre der Erfolg
  von Schulreformen zu evaluieren.

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II. Die Ergebnisse im Einzelnen

1. Struktur der Stichprobe

   Die Stichprobenziehung erfolgte mittels eines telefonischen Scree-
nings, das auf einer Zufallsauswahl basierte. Die Struktur der befragten
Haushalte mit zumindest einem Schulkind bildet somit auch annä-
hernd die entsprechende Grundgesamtheit in Österreich ab. Im Zuge
der Auswertung wurde die disproportional angelegte Stichprobe (Auf-
stockung in den Bundesländern Niederösterreich, Oberösterreich, Stei-
ermark, Salzburg, Tirol und Vorarlberg sowie Überquotierung der
Neuen Mittelschule) entsprechend gewichtet, sodass die Ergebnisse
bundesweit repräsentativ sind.

Struktur der Stichprobe(Gewichtet*)
                          Basis: Haushalte                      Basis: Kinder
                          absolut   in Prozent                absolut   in Prozent
GESAMT                     2851         100                    4933         100
SCHULTYP
Volksschule                1125          39                    1431              29
Hauptschule                 819          29                     982              20
Neue Mittelschule           120           4                     197               4
AHS-Unterstufe              700          25                     730              15
AHS-Oberstufe               472          17                     538              11
BMS                         180           6                     247               5
BHS                         597          21                     691              14
BUNDESLAND
Wien                        556          19                     962              20
Niederösterreich            536          19                     927              19
Burgenland                   94           3                     163               3
Steiermark                  382          13                     661              13
Kärnten                     191           7                     331               7
Oberösterreich              505          18                     873              18
Salzburg                    200           7                     345               7
Tirol                       248           9                     429               9
Vorarlberg                  140           5                     242               5
  * Aufhebung der Disproportionalität nach Bundesländern und in Bezug auf die NMS

                                                                      21917045   Nachhilfestudie 2012
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  Verstärkt wurden diesmal im Screening Haushalte mit Schulkindern
in der Neuen Mittelschule einbezogen, um auch zu dieser neuen
Schulform fundierte Aussagen machen zu können. Im Zuge der Ge-
samtauswertung wurden diese Haushalte wieder ihrem Anteil entspre-
chend heruntergewichtet. Durch dieses Prozedere ergibt sich ein dop-
pelter Vorteil: Die Studienergebnisse sind einerseits bundesweit reprä-
sentativ und geben andererseits auch Hinweise zur NMS, da in Summe
645 Haushalte mit einem NMS-Kind befragt worden sind.

   In 45 Prozent der befragten Haushalte lebt ein Schulkind, in ebenso
vielen Haushalten gehen zwei Kinder zur Schule. In 10 Prozent der Fäl-
le sind es drei oder mehr Schulkinder.

   Von den befragten Elternteilen sind 87 Prozent berufstätig. 55 Pro-
zent stehen in einem Angestellten- oder Arbeiterverhältnis, 15 Prozent
sind öffentlich Bedienstete bzw. Beamte, rund ebenso viele haben ei-
nen anderen Berufsstatus (Selbstständige etc.).

   Der schulische Bildungslevel der Eltern von Schulkindern liegt über
jenem der Gesamtbevölkerung. 47 Prozent der Befragten haben zu-
mindest die Matura (Matura: 27 %; Hochschule: 20 %). 10 Prozent der
Befragten gaben an, alleinerziehend zu sein. 7 Prozent der Befragten
sind im Ausland geboren.

  Diese Strukturverteilung deckt sich weitgehend mit jener der voran-
gegangenen Nachhilfe-Studie.

                                                         21917045   Nachhilfestudie 2012
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2. Externe Nachmittagsbetreuung

   21 Prozent der befragten Haushalte haben für ihr Schulkind bzw. für
zumindest eines ihrer Schulkinder eine externe Nachmittagsbetreu-
ung. Bei etwas mehr als der Hälfte davon (12 %) handelt es sich um ei-
ne schulische Betreuung. An dieser Verteilung hat sich gegenüber den
letzten beiden Jahren so gut wie nichts verändert.

  Frage: Hat Ihr Kind/Haben Ihre Kinder eine externe Nachmittagsbetreuung?
  (in Prozent)
                          0           20        40   60        80       100

             ja, gesamt                    21

        schulische
                                  8
   Nachmittagsbetreuung

          Hortbetreuung           7

         Ganztagsschule       4

                anderes       4

                   nein                                         79

                                                                21917045      Nachhilfestudie 2012
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  In Wien ist der Anteil an Kindern mit einer externen bzw. mit einer
schulischen Nachmittagsbetreuung nach wie vor deutlich höher als in
den anderen Bundesländern. Dies resultiert vor allem auch aus der
höheren Dichte an Hortbetreuungseinrichtungen und an Ganztags-
schulen.

Frage: Hat Ihr Kind/Haben Ihre Kinder eine externe Nachmittagsbetreuung? (in Prozent)
                                 Hort- schul. Nach-
                       ja,                              Ganztags-
                               betreu-      mittags-                 anderes nein
                     gesamt                                schule
                                  ung      betreuung
GESAMT                 21           7            8            4         4          79
BUNDESLAND
Wien                   32          14           11            7         2          68
Niederösterreich       17           5            6            3         3          83
Burgenland             25           7           14            5         3          75
Steiermark             20           4           11            2         5          80
Kärnten                24          10            7            5         5          76
Oberösterreich         18           6            8            4         3          82
Salzburg               16           3            4            3         6          84
Tirol                  13           1            5            4         4          87
Vorarlberg             15           3            8            2         2          85

   Auch diesbezüglich hat sich gegenüber den Vorjahren nur wenig
verändert. Die Abweichungen liegen innerhalb der Bandbreite der sta-
tistischen Schwankungsbreiten.

Frage: Hat Ihr Kind/Haben Ihre Kinder eine externe Nachmittagsbetreuung?
(in Prozent) – JA, GESAMT
                          2010               2011             2012
GESAMT                      20                 20               21
BUNDESLAND
Wien                        32                 33               32
Niederösterreich            15                 16               17
Burgenland                  29                 30               25
Steiermark                  20                 20               20
Kärnten                     20                 18               24
Oberösterreich              16                 16               18
Salzburg                    14                 14               16
Tirol                       11                 13               13
Vorarlberg                  15                 12               15

                                                          21917045   Nachhilfestudie 2012
13

3. Hilfe beim Lernen und Aufgaben machen

  Die Frage, ob bzw. wie oft man den eigenen Kindern beim Lernen
und bei den Hausaufgaben helfen muss, wurde für alle Schulkinder
innerhalb der einbezogenen Haushalte gestellt (in diesen leben insge-
samt ca. 4.933 Schülerinnen und Schüler).

   In einem Drittel der Haushalte mit einem Schulkind müssen die El-
tern oder andere erwachsene Bezugspersonen so gut wie täglich mit
den Kindern lernen oder bei den Aufgaben helfen. Ein Viertel der Be-
fragten macht dies zwei oder drei Mal in der Woche; in weiteren 17
Prozent der Haushalte ist dies zumindest ein Mal in der Woche nötig.
Insgesamt gesehen beaufsichtigen 77 Prozent aller Eltern ihre Kinder
zumindest gelegentlich bei den Aufgaben oder beim Lernen.

   Auch dieser Befund, wonach die Mehrzahl der Eltern sich relativ in-
tensiv um die schulischen Belange ihrer Kinder kümmert, deckt sich
fast vollständig mit den Ergebnissen der beiden vorangegangenen Jah-
re.

  Bei der folgenden Zeitreihen-Grafik ist zu berücksichtigen, dass es
hier zum Teil Mehrfachnennungen gibt: Mit dem einen Kind lernt
man z.B. täglich, mit dem zweiten zwei bis drei Mal pro Woche inner-
halb desselben Haushaltes.

                                                        21917045   Nachhilfestudie 2012
14

  Frage: Wie oft müssen Sie bzw. andere Erwachsene in Ihrem Haushalt mit
  Ihrem Kind/Ihren Kindern lernen bzw. die Aufgaben beaufsichtigen?
  (in Prozent)       0         20         40        60         80        100

              gesamt                                           77

    so gut wie täglich                    32

   2-3 Mal pro Woche                 25

      mind. 1 Mal pro
                               17
          Woche

             seltener           20

                 nein               23

  Am nötigsten ist die elterliche Hilfe erwartungsgemäß bei den unte-
ren Schulstufen. In der 1. und 2. Klasse Volksschule lernen zwei Drittel
der Eltern praktisch täglich mit den Kindern; in der 3. Klasse sind es 60
Prozent und in der 4. Klasse Volksschule 54 Prozent. Annähernd gleich
intensiv ist die schulische Begleitung der Eltern im ersten Jahr nach
der Volksschule, also in der 5. Schulstufe (so gut wie täglich: 50 %); erst
ab der 6. Schulstufe nimmt die hohe Frequenz deutlich ab (so gut wie
täglich: 38 %). Ab der 9. Schulstufe kümmern sich nur noch zwischen
rund 15 und 20 Prozent der Eltern fast täglich um die schulischen Be-
lange ihrer Kinder.

  Der diesbezügliche Einsatz der Eltern unterscheidet sich kaum da-
nach, ob ihr Kind die Hauptschule, die Neue Mittelschule oder die
AHS-Unterstufe besucht. Jeweils rund ein Drittel der Eltern lernt mit
den Kindern so gut wie täglich; rund 85 Prozent machen dies zumin-
dest gelegentlich.

                                                                 21917045      Nachhilfestudie 2012
15

  Die folgende Tabelle basiert auf jenen Haushalten, in denen die Kin-
der ausschließlich die jeweils ausgewiesene Schulform besuchen.

Frage: Wie oft müssen Sie bzw. andere Erwachsene in Ihrem Haushalt mit Ihrem Kind/Ihren
Kindern lernen bzw. die Aufgaben beaufsichtigen? (in Prozent)
                                       so gut 2-3 Mal mind. 1
                            gesamt wie täg- pro Wo- Mal pro seltener nein
                                        lich       che      Woche
GESAMT                        77         32         25        17        20        23
SCHULTYP
nur Volksschule               88         55         19        10        10        12
nur Hauptschule               85         28         24        20        23        15
nur Neue Mittelschule         84         27         32        14        19        16
nur AHS-Unterstufe            85         25         32        20        19        15
AHS-Oberstufe, BMHS           40          3         10        10        18        60

  Die Notwendigkeit einer regelmäßigen Lernbeaufsichtigung ist im
Regelfall bereits bei einem Kind gegeben. Bei zwei oder mehr Schulkin-
dern nimmt sie noch deutlich zu. Von jenen, die ein einziges Schul-
kind zu Hause haben, üben und lernen mit diesem 40 Prozent mehr-
mals in der Woche; bei zwei Kindern ist das schon in zwei Drittel der
Haushalte und bei mehr als zwei Kindern in 84 Prozent der Haushalte
nötig.

   So wie bei den vorangegangenen Erhebungen gibt bei der Frage der
Beaufsichtigung der Kinder beim Lernen nur sehr geringe Unterschie-
de zwischen den Berufstätigen und Nicht-Berufstätigen. Auch von den
Berufstätigen beschäftigt sich rund ein Drittel der Eltern so gut wie täg-
lich mit den schulischen Belangen der Kinder; bei fast sechs von zehn
Erwerbstätigen trifft dies mehrmals in der Woche zu.

   Bemerkenswert ist in Bezug auf die schulische Mitbetreuung zu Hau-
se vor allem auch wieder folgendes Ergebnis: Die Häufigkeit der Lern-
beaufsichtigung durch die Eltern ist keineswegs geringer, wenn die
Kinder eine bezahlte Nachhilfe bekommen. Von den Eltern, die für ihr
Kind eine bezahlte Nachhilfe haben, kümmern sich 56 Prozent selbst
mehrmals in der Woche um dessen schulische Belange. Praktisch de-
ckungsgleich ist mit 57 Prozent der entsprechende Anteil bei jenen,
die keine bezahlte Nachhilfe in Anspruch nehmen. In einem über-
durchschnittlichen Ausmaß lernen jene Eltern mit ihren Kindern re-
gelmäßig, die zumindest gelegentlich auf eine externe unbezahlte

                                                           21917045   Nachhilfestudie 2012
16

Nachhilfe zurückgreifen können (zu 63 %). Und von den Eltern der
Kinder mit einer regelmäßigen Nachhilfe während des Schuljahres
lernen und üben 73 Prozent mit diesen auch selbst mehrmals in der
Woche.

   Besonders hoch ist der Einsatz der Eltern darüber hinaus, wenn das
Kind in Deutsch eine Nachhilfe erhält. Von ihnen lernen 60 Prozent
fast täglich mit den Kindern; weitere 31 Prozent mehrmals in der Wo-
che. In den anderen Fächern (z.B. andere Sprachen oder Mathematik)
ist der Anteil derer, die so gut wie jeden Tag die Kinder schulisch un-
terstützen, nur rund halb so hoch. Dies wohl auch deshalb, weil die El-
tern in diesen Fächern ab der Grundschule vielfach selbst überfordert
sein dürften.

   Eine externe Nachhilfe ist somit nicht die Folge davon, dass die El-
tern mit ihren Kindern zu wenig üben und lernen; vielmehr wird dar-
auf zurückgegriffen, weil sich viele Schülerinnen und Schüler den
Lehrstoff während des Unterrichts nicht anzueignen vermögen bzw.
diesen schon in der Schule durch Üben so vertiefen, dass eine private
Lernhilfe weitgehend überflüssig wird.

                                                         21917045   Nachhilfestudie 2012
17

4. Nachhilfe

4.1. Benötigte externe Nachhilfe

  27 Prozent der Eltern gaben an, dass zumindest eines ihrer Kinder
im laufenden Schuljahr oder in den letzten Sommerferien eine externe
Nachhilfe benötigt hat. In einem Fünftel der Fälle handelte es sich um
eine bezahlte Nachhilfe. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die bezahlte
Nachhilfe etwas reduziert (bundesweit hochgerechnet betrifft das ca.
7.000 Haushalte, wobei sich der größte Rückgang in Wien abzeichnet:
um ca. 4.000 HH). Umgekehrt hat sich die unbezahlte Nachhilfe in
denselben Größenordnungen erhöht. Dies spricht stark dafür, dass
man aus Kostengründen bzw. wegen der zunehmend knapperen fi-
nanziellen Ressourcen der Haushalte vermehrt auf nichtprofessionelle
Lernhilfen zurückgreifen muss.

  Frage: Wenn Sie an das ganze laufende Schuljahr und an den letzten Sommer
  denken – hat Ihr Kind oder eines Ihrer Kinder einmal eine Nachhilfe durch
  andere Personen erhalten bzw. erhält es derzeit Nachhilfe?
  (in Prozent)        0         20          40          60         80       100

                                       27

    Nachhilfe gesamt                   27

                                       28

                                 20

   bezahlte Nachhilfe            21

                                 21

                          8

 unbezahlte Nachhilfe     7

                           9

                                                                 73

      keine Nachhilfe                                            73

                                                              72

                                2012         2011         2010

                                                                   21917045   Nachhilfestudie 2012
18

  Auf Basis der Schulkinder haben 20 Prozent innerhalb des letzten
Jahres eine externe Nachhilfe benötigt (15 % bezahlt).

   Differenziert nach der Schulform der Kinder zeigt sich eine weitge-
hende Gleichverteilung der Nachhilfe bei der Hauptschule, der Neuen
Mittelschule und der AHS-Unterstufe; jeweils rund 27 bis 28 Prozent
der Schulkinder haben innerhalb des letzten Jahres eine externe Nach-
hilfe benötigt. Bei Schülerinnen und Schülern der AHS-Unterstufe ist
der Anteil an einer bezahlen Nachhilfe mit 23 Prozent etwas höher als
in der Neuen Mittelschule (21 %) und in der Hauptschule (17 %).

   Dass sich die Schülerinnen und Schüler, die die Neue Mittelschule
besuchen, hinsichtlich ihrer Nachhilfeanteile nicht signifikant von
den anderen Unterstufen-Schulformen unterscheiden, mag darin be-
gründet sein, dass die Eltern auf den Lernerfolg ihrer Kinder in dieser
neuen Schulform einen besonders hohen Wert legen. An sich sollte
diese Schulform dazu beitragen, die Notwendigkeit einer externen
Nachhilfe eher einzudämmen (in der NMS liegen die Nachhilfekosten
allerdings deutlich unter dem Gesamtschnitt; siehe Kap. 4.8 bis 4.10).

  Deutlich verbreiteter ist der Nachhilfebedarf jener Haushalte, die
Schülerinnen und Schüler in der AHS-Oberstufe bzw. in mittleren oder
höheren berufsbildenden Schulformen haben (38 % insgesamt; be-
zahlte Nachhilfe: 32 %).

  Die Prozentzahlen der folgenden Tabelle basieren wieder auf jenen
Haushalten, in welchen die Kinder ausschließlich die entsprechende
Schulform besuchen.

Frage: Wenn Sie an das ganze laufende Schuljahr und an den letzten Sommer denken – hat
Ihr Kind oder eines Ihrer Kinder einmal eine Nachhilfe durch andere Personen erhalten bzw.
erhält es derzeit Nachhilfe? (in Prozent)
                                Nachhilfe      bezahlte       unbezahlte        keine
                                 gesamt        Nachhilfe       Nachhilfe      Nachhilfe
GESAMT (Haushalte)                  27            20                8             73
SCHULTYP
nur Volksschule                      7              2               5              93
nur Hauptschule                     28             17              10              72
nur Neue Mittelschule               27             21               7              73
nur AHS-Unterstufe                  27             23               4              73
nur AHS-Oberstufe, BMHS             38             32               8              62

                                                            21917045   Nachhilfestudie 2012
19

  Eine private Nachhilfe ist natürlich auch eine Frage der Leistbarkeit.
Dementsprechend gaben nur 17 Prozent der Befragten mit einem
Haushaltseinkommen von bis zu 1.600 Euro netto an, dass ihr Kind
eine solche im laufenden Schuljahr bekommen hat, während es bei
den höheren Einkommensbeziehern (ab 3.000 Euro HH-Einkommen)
25 Prozent sind.

  Jeweils rund ein Drittel der Haushalte mit Schulkindern hat in
Wien, in Niederösterreich, im Burgenland und in Vorarlberg die eine
oder andere Form einer externen Nachhilfe engagiert. In den übrigen
Bundesländern beläuft sich der entsprechende Anteil auf rund ein
Viertel.

   Darüber hinaus spielt hier nach wie vor auch die Ortsgröße eine Rol-
le. In kleinen Gemeinden ist eine bezahlte Nachhilfe schwerer als im
städtischen Bereich zu finden. Von den in Orten bis zu 2.000 Einwoh-
ner lebenden Eltern gaben 17 Prozent an, für ihr Kind eine bezahlte
Nachhilfe zu haben; in den größeren Städten trifft dies auf ein Viertel
der Haushalte mit Schulkindern zu.

  Sowohl das Einkommen als auch der Wohnort bewirken eine Un-
gleichheit in Bezug auf die Möglichkeit, sich externe Nachhilferessour-
cen im Bedarfsfall zu beschaffen. Diese Faktoren tragen somit dazu bei,
die Bildungsgerechtigkeit zu untergraben.

                                                          21917045   Nachhilfestudie 2012
20

4.2. Nachhilfefächer

  Diesmal wurde zusätzlich erhoben, in welchen Fächern die Kinder
im laufenden Schuljahr oder in den vorangegangenen Sommerferien
eine Nachhilfe benötigt haben.

  Die mit Abstand höchten Nennungsanteile entfallen dabei auf Mat-
hematik (57 %) und auf Fremdsprechen (46 %). Mit schon deutlichem
Abstand folgt das Unterrichtsfach ‚Deutsch’ (20 %). Andere Fächer
spielen von der Verbreitung her eine sehr untergeordnete Rolle.

  Frage: Und in welchen Fächern?
  (Basis: Haushalte mit bezahlter/unbezahlter Nachhilfe, n=775; in Prozent)
                     0           20      40          60          80           100

       Mathematik                                    57

   andere Sprache                             46

          Deutsch                 20

   kaufmännisches
                         4
        Fach

  technisches Fach       2

     anderes Fach            5

  Differenziert nach den Schulstufen zeigt sich, dass der Nachhilfe-
bedarf in Mathematik durchgehend am verbreitetsten ist (auch in der
Volksschule, sofern hier überhaupt eine exterene Nachhilfe nötig ist).
Nachhilfe in Fremdsprachen bilden sich ab der 6. Schulstufe anteils-
mäßig relativ gleichförmig auch bei den höheren Schulstufen ab.
Nachhilfe in Deutsch spielt vor allem bei den ersten sieben Schulstu-
fen eine Rolle und geht danach deutlich zurück.

                                                                  21917045    Nachhilfestudie 2012
21

   Zwischen der Hauptschule, der Neuen Mittelschule und der AHS-
Unterstufe gibt es hinsichtlich der Nachhilfe-Fächer nur geringe Un-
terschiede.

   Jene, die das eine oder andere Nachhilfefach angaben, wurden ge-
fragt, ob sie für ihr Kind bzw. ihre Kinder auch in anderen Fächern
eine Nachhilfe benötigt hätten. Diese Frage bejahten 22 Prozent, wo-
bei sich auch hier der Bedarf auf die Fächer Mathematik, Fremdspra-
chen und Deutsch fokussiert.

 Frage: Hätten Sie für Ihr Kind auch in anderen Fächern eine Nachhilfe
 benötigt? Falls ja, in welchen Fächern?
 (Basis: Haushalte mit bezahlter/unbezahlter Nachhilfe, n=775; in Prozent)
                     0               20   40        60          80           100

   andere Sprache                8

      Mathematik                 7

          Deutsch            5

  technisches Fach       1

  kaufmännisches
                         1
       Fach

     anderes Fach            4

   in keinem Fach                                               78

  Ob man für das Kind auch in anderen Fächern eine (bezahlte) Nach-
hilfe organisiert, ist wiederum eine Frage der Leistbarkeit. Dement-
sprechend gaben 32 Prozent der unteren Einkommensbezieher an,
dass auch in einem weiteren Fach eine Nachhilfe wünschenswert
gewesen wäre, während dies von den oberen Einkommensbeziehern
nur 18 Prozent bestätigten.

                                                                 21917045    Nachhilfestudie 2012
22

4.3. Wer gibt die bezahlte Nachhilfe?

  Die bezahlte Nachhilfe wird am vergleichsweise öftesten von einem
Nachhilfe-Institut und von Lehrerinnen und Lehrern gegeben. Jeweils
ein Drittel der Eltern, die eine Nachhilfe engagieren, greift darauf zu-
rück. 23 Prozent der Haushalte mit Nachhilfe bezahlten dafür eine
Studentin oder einen Studenten; knapp ebenso viele eine andere Per-
son, wobei es sich hier im Regelfall um Hilfe aus dem privaten Umkreis
handelt, für die keine oder nur geringe finanzielle Belastungen anfal-
len (deren Anteil hat sich gegenüber zuletzt erhöht).

  Wie die folgende Vergleichsgrafik zeigt, haben sich die Nennungs-
anteile hinsichtlich der Frage, wer für die bezahlte Nachhilfe engagiert
worden ist, innerhalb der letzten drei Jahre zwar leicht verschoben –
ein klarer Trend lässt sich daraus aber noch nicht ableiten.

  Frage: Wer hat die bezahlte Nachhilfe gegeben?
  (Basis: Haushalte mit bezahlter Nachhilfe, n=574; in Prozent)
                      0            20                 40          60          80         100

                                                 33
 Nachhilfe-Institut                           31
                                                      37

                                                 32
         Lehrer/in                                 34
                                            27

                                        23
        Student/in                      24
                                       20

                          4
     Mitschüler/in        5
                              6

                                   19
   andere Person                  15
                                       20

                                            2012           2011        2010

                                                                              21917045   Nachhilfestudie 2012
23

   Angesichts des Befundes, wonach rund ein Drittel der Eltern, die für
ihr Kind eine Nachhilfe engagieren, sich dabei an eine Lehrerin oder
einen Lehrer wendet, ist nach wie vor evident, dass das System Schule
einen privaten Nachhilfemarkt produziert, von dem auch jene Berufs-
gruppe profitiert, die eigentlich dazu beitragen sollte, dass möglichst
keine Nachhilfe nötig ist. Um dies zu erreichen, müsste es im Unter-
richt allerdings ausreichende Zeit- und Personalressourcen etwa für
Förderangebote geben.

  Lehrerinnen und Lehrer werden zu überdurchschnittlichen Antei-
len von Eltern von Hauptschul- und NMS-Kindern für die bezahlte
Nachhilfe herangezogen (42 % bzw. 36 % derer, die Nachhilfe be-
kommen), während man ein Nachhilfeinstitut zu höheren Anteilen
bei Kindern, die in der Oberstufe sind, konsultiert (38 % derer, die
Nachhilfe bekommen).

                                                         21917045   Nachhilfestudie 2012
24

4.4. Wie oft ist die externe Nachhilfe nötig?

  In 57 Prozent der Haushalte mit einem Nachhilfebedarf gibt es die-
sen vor Schularbeiten oder Tests. Vier von zehn Haushalten mit Nach-
hilfe benötigen diese regelmäßig während des ganzen Schuljahres. Da-
rüber hinaus engagiert ein Teil der Eltern auch vor Entscheidungsprü-
fungen und vor Nachprüfungen eine private Nachhilfe. Im Zeitverlauf
nimmt die benötigte Nachhilfe vor Schularbeiten und Tests etwas zu,
während die regelmäßige Nachhilfe während des ganzen Schuljahres
konstant geblieben ist.

  Frage: Wie oft bzw. wann war die bezahlte/unbezahlte Nachhilfe nötig?
  (Basis: Haushalte mit bezahlter/unbezahlter Nachhilfe, n=775; in Prozent)
                              0       20      40        60       80           100

    vor Schularbeiten oder
                                                        57
            Tests

    regelmäßig während d.
                                                   41
         Schuljahres

             vor
                                  5
   Entscheidungsprüfungen

        in den Ferien, ohne
                                  5
            Nachprüfung

      vor Nachprüfungen in
                                  4
           den Ferien

                   anderes        3

  Schülerinnen und Schüler der Oberstufe, die eine Nachhilfe benöti-
gen, erhalten diese primär vor Schularbeiten und Tests (66 %). Über-
durchschnittlich hoch ist der entsprechende Anteil auch bei Haupt-
schulkindern (62 %). Eine regelmäßige Nachhilfe während des Schul-
jahres wird hingegen in erhöhtem Ausmaß in der AHS-Unterstufe und
in der Neuen Mittelschule beansprucht – rund jedes zweite Schulkind,
das in diesen Schulformen eine Nachhilfe bekommt, erhält diese mehr
oder weniger regelmäßig. Bei Volksschulkindern mit Nachhilfe ist der
entsprechende Anteil noch deutlich höher (67 %).

                                                                   21917045         Nachhilfestudie 2012
25

4.5. Gründe für die externe Nachhilfe

  Vier von zehn Eltern, die für ihr Kind eine externe Nachhilfe enga-
giert haben, wollten damit ihrem Kind helfen, die eine oder andere
Note zu verbessern. Bei einem Drittel war der Hauptgrund für die
Nachhilfe, eine Nachprüfung bzw. eine negative Note im Zeugnis zu
vermeiden. Dazu gibt es keine Vergleichsergebnisse, da die Antwort-
vorgaben diesmal etwas verändert wurden.

  Frage: Und warum hat das Kind Nachhilfe gebraucht?
  (Basis: Haushalte mit bezahlter/unbezahlter Nachhilfe, n=775; in Prozent)
                        0        20         40         60          80         100

      Um eine Note zu
                                                 41
        verbessern

         Um eine
   Nachprüfung bzw.
   eine negative Note                     33
      im Zeugnis zu
        verhindern

    um die Aufnahme
         in die
                            3
    AHS/BMS/BHS zu
      ermöglichen

       andere Gründe                       35

                                                                  21917045    Nachhilfestudie 2012
26

  Die Gründe für die Nachhilfe variieren relativ stark je nach dem,
welche Schulform die Kinder besuchen. In der Hauptschule und in der
Neuen Mittelschule geht es vorwiegend darum, eine Note zu verbes-
sern, während in der AHS-Unterstufe und insbesondere in den Ober-
stufen die Nachhilfe zum Ziel hat, eine Nachprüfung oder eine negati-
ve Note im Zeugnis zu verhindern. Eltern von Volksschulkindern, die
eine Nachhilfe engagiert haben, gaben zu 14 Prozent als Motiv dafür
an, dass sie damit für ihr Kind die Aufnahme in ein Gymnasium er-
mögliche möchten.

  Differenziert nach Schulformen lauten die diesbezüglichen Vertei-
lungen:

Frage: Und warum hat das Kind Nachhilfe gebraucht?
(Basis: bezahlte/unbezahlte Nachhilfe, n=775; in Prozent)
                                        schlechte No- um Aufnahme
                       Note ausbes-
                                        te bzw. Nach- in AHS oder       andere
                       sern bzw. vor
                                         prüfung ver- BMHS zu er-       Gründe
                       Nachprüfung
                                           hindern        möglichen
GESAMT                       41                33            3           35
SCHULTYP
nur Volksschule               16               25            14           42
nur Hauptschule               13               50             4           41
nur Neue Mittelschule         13               46             6           47
nur AHS-Unterstufe            38               37             3           24
nur AHS-Oberstufe,
                              43               41             2           27
BMHS

                                                       21917045   Nachhilfestudie 2012
27

4.6. Wurde das Ziel der Nachhilfe erreicht?

  Im Rahmen der diesjährigen Studie wurden die Eltern erstmals auch
gefragt, ob die Nachhilfe den gewünschten Erfolg gehabt hat. In den
meisten Fällen wird damit das angestrebte Ziel tatsächlich erreicht. 80
Prozent der befragten Eltern, die für ihr Kind eine Nachhilfe engagiert
haben, bestätigten, dass diese hilfreich gewesen ist. In 10 Prozent der
Fälle traf dies nicht zu. Weitere 14 Prozent sagten, dass sich das erst bis
zum Ende des Schuljahres herausstellen wird (hier gibt es bei mehre-
ren Kindern im Haushalt Mehrfachnennungen).

  Frage: Und ist dieses Ziel mit der Nachhilfe erreicht worden?
  (Basis: Haushalte mit bezahlter/unbezahlter Nachhilfe, n=775; in Prozent)

                     0        20         40          60          80           100

                ja                                                80

             nein        10

  weiß noch nicht,
  steht noch nicht         14
        fest

  Zwischen den einzelnen Schulformen gibt es dabei keine allzu gro-
ßen Unterschiede. Dasselbe gilt in Bezug auf die Nachhilfefächer und
im Hinblick darauf, was der Grund für die Nachhilfe war (Nachprü-
fung vermeiden, Note verbessern etc).

   Leicht unter dem Schnitt ist die Erfolgsquote bei jenen, die während
des ganzen Jahres eine Nachhilfe bekommen (Ziel erreicht: 76 %),
leicht darüber bei Schülerinnen und Schülern, die vor Prüfungen oder
Tests Nachhilfe erhalten (83 %).

                                                                  21917045    Nachhilfestudie 2012
28

  Jene, die Studentinnen bzw. Studenten oder eine Lehrkraft mit der
Nachhilfe betrauen, liegen bei der Erfolgsquote im Gesamtschnitt. Et-
was geringer war die Zielerreichung bei einer Nachhilfe durch ein
Nachhilfeinstitut (zum Zeitpunkte der Befragung: ca. 70 % erfolgreich;
ca. 20 % nicht erfolgreich).

                                                        21917045   Nachhilfestudie 2012
29

4.7. Keine externe Nachhilfe, obwohl Bedarf war

   8 Prozent der Eltern von Schulkindern gaben an, dass sie für ihr
Kind im letzten Jahr zwar keine externe Nachhilfe engagiert hatten, sie
eine solche aber benötigt bzw. gerne gehabt hätten. Der Großteil da-
von betraf das laufende Schuljahr selbst; nur vereinzelt war dies in den
letzten Sommerferien der Fall.

  Die aktuelle Verteilung deckt sich fast völlig mit den Ergebnissen
der Vorjahre.

  Frage: Hätten Sie für Ihr Kind/Ihre Kinder in diesem Schuljahr oder im Sommer
  zuvor gerne eine bezahlte Nachhilfe gehabt?
  (Basis: Haushalte mit keiner/unbezahlter Nachhilfe, n=2.558; in Prozent)
                  0           20          40          60          80           100

                          8

    ja, gesamt            8

                          9

                          7
  während des
                          7
  Schuljahres
                          8

                      2
 in den letzten
                      2
 Sommerferien
                      2

                                                                          92

          nein                                                            92

                                                                          91

                                   2012        2011        2010

                                                                  21917045   Nachhilfestudie 2012
30

   Am vergleichsweise höchsten war der entsprechende Bedarf bei je-
nen Eltern, die ein geringes Einkommen haben und sich eine bezahlte
Nachhilfe somit kaum leisten können. 16 Prozent der Einkommensbe-
zieher bis 1.300 Euro im Monat hätten für ihr Kind gerne eine Nach-
hilfe gehabt; bei der oberen Einkommensgruppe (über 3.000 Euro) be-
läuft sich der entsprechende Anteil nur auf 4 Prozent.

   Insgesamt gaben vier von zehn Eltern, die trotz Bedarf keine externe
Nachhilfe für ihr Kind engagiert haben, als Grund dafür an, dass sie
sich das finanziell nicht leisten können. Selbst bei den Einkommens-
beziehern bis zu 2.500 Euro im Monat trifft dies auf rund jeden Zwei-
ten zu.

  18 Prozent sagten, dass sie keine geeignete Person für die Nachhilfe
gefunden haben; die übrigen Eltern verwiesen auf sonstige Gründe.
Viele davon gaben an, dass sie diese Aufgabe dann letztlich doch selbst
übernommen haben, obwohl man dafür oft kaum Zeit und Energien
aufzubringen vermochte. Andere meinten, dass die Kinder selbst die
Nachhilfe abgelehnt haben. Manche Nennungen bezogen sich wie-
derum auf die Schwierigkeit, eine Nachhilfe in ihrer Wohnumgebung
zu finden bzw. auf das fehlende Wissen, wo man sich dazu informie-
ren könnte.

                                                         21917045   Nachhilfestudie 2012
31

4.8. Kosten für die Nachhilfe während des Schuljahres

  Insgesamt gab ein Fünftel der Eltern an, für zumindest ein Kind im
laufenden Schuljahr für externe Nachhilfe bezahlt zu haben; das sind
543 Haushalte innerhalb der Stichprobe.

   Die Kosten dafür haben sich auf durchschnittlich 562 Euro belau-
fen (Mittelwert). Der Median liegt bei 300 Euro (d.h. jeweils bei der
Hälfte der Haushalte lagen die Kosten bei bis zu diesem Betrag oder
darüber). Die durchschnittlichen Ausgaben haben sich damit wieder
auf jenem Wert eingependelt, der vor zwei Jahren ausgewiesen war.
Gegenüber dem Vorjahr ist somit wieder ein leichter Rückgang fest-
zustellen. Am vergleichsweise deutlichsten fällt dieser bei der Neuen
Mittelschule aus. Wie sich aus der folgenden Mittelwerttabelle ersehen
lässt, hatten die mit Abstand höchsten Ausgaben für eine private
Nachhilfe im laufenden Schuljahr die Eltern in Wien (rund 700 Euro).

Frage: Wie viel Euro geben Sie während des laufenden Schul-
jahres durchschnittlich für Nachhilfe aus? (Basis: Haushalte
mit bezahlter Nachhilfe, n=574)
Mittelwerte in Euro *
                              2010         2011       2012
GESAMT                         562          582        562
SCHULTYP
Volksschule                    635          581        537
Hauptschule                    436          540        511
Neue Mittelschule                *          615        457
AHS-Unterstufe                 653          614        636
AHS-Oberstufe                  564          669        577
BMS                            513          576        696
BHS                            562          598        561
BUNDESLAND
Wien                           704          734        713
Niederösterreich               551          528        526
Steiermark                     488          506        496
Kärnten                        609          512        593
Oberösterreich                 471          536        515
Salzburg                       473          552        476
Tirol                          491          485        481
Vorarlberg                     613          553        613
  *Die NMS wurde im Jahr 2010 nicht ausgewiesen, da damals die Fallzahlen
  zu gering waren; dasselbe gilt auch diesmal für das Burgenland.

                                                                      21917045   Nachhilfestudie 2012
32

4.9. Kosten für die Nachhilfe im letzten Sommer

   5 Prozent bzw. 157 Personen innerhalb der Stichprobe bestätigten,
auch im letzten Sommer eine externe Nachhilfe bezahlt zu haben – da-
zu zählten auch Sprachferienkurse oder Lerncamps. Dieser Anteil hat
sich gegenüber dem Vorjahr mehr als halbiert und ist somit hauptver-
antwortlich für den Rückgang der Gesamtausgaben für Nachhilfe.

   Die Ausgaben dafür beliefen sich für die davon betroffenen Haus-
halte im Schnitt auf 442 Euro (Mittelwert). Der Median liegt bei 300
Euro. Die Kosten für die Nachhilfe in den Sommerferien sind bei je-
nen, die entsprechende Aufwendungen hatten, in den letzten Jahren
tendenziell gestiegen, betreffen aber nicht nur deutlich weniger Eltern
als bei der Nachhilfe während des Schuljahres, sondern wie gesagt
auch viel weniger Eltern als in den letzten Jahren.

   Eltern mit Kindern, die in der Neuen Mittelschule sind, zahlten im
Sommer zwar weniger als der Durchschnitt, gegenüber dem Vorjahr
sind aber auch hier die Kosten etwas angestiegen. Am vergleichsweise
höchsten sind die Ausgaben für jene Eltern gewesen, deren Kind eine
AHS besucht.

  Auch hier zeigt sich, dass die Wiener Eltern die im Bundesschnitt
höchsten Ausgaben hatten (annähernd 600 Euro pro Haushalt mit
Nachhilfe).

                                                         21917045   Nachhilfestudie 2012
33

Frage: Und wenn Sie an die letzten Sommerferien denken –
wie viel Euro haben Sie da für Nachhilfe ausgegeben?
(Basis: Haushalte mit bezahlter Nachhilfe, n=574)
Mittelwerte in Euro*
                               2010       2011       2012
GESAMT                          369        407       442
SCHULTYP
Volksschule                     327        350       373
Hauptschule                     326        334       326
Neue Mittelschule                *         260       370
AHS-Unterstufe                  417        328       525
AHS-Oberstufe                   438        592       535
BMS                             256        413       428
BHS                             407        405       357
BUNDESLAND
Wien                            515        600       592
Niederösterreich                315        350       432
Steiermark                      278        399       468
Kärnten                         392        419       323
Oberösterreich                  296        314       311
Salzburg                        292        374       284
Tirol                           340        319       333
Vorarlberg                      452        317       452
  *Die NMS wurde im Jahr 2010 nicht ausgewiesen, da die Fallzahlen zu gering
  waren; dasselbe gilt auch diesmal für das Burgenland.

                                                                       21917045   Nachhilfestudie 2012
34

4.10. Gesamtkosten für die Nachhilfe

  Für die externe Nachhilfe während des laufenden Schuljahres (das
zum Erhebungszeitpunkt allerdings noch nicht zu Ende war) und in
den letzten Sommerferien entfallen auf die davon betroffenen Haus-
halte im Schnitt 670 Euro (Mittelwert). Der Median liegt bei 500 Eu-
ro; das heißt, dass jeweils die Hälfte der betroffenen Eltern Ausgaben
bis zu dieser Höhe oder darüberliegende Ausgaben hatten.

  Dass sich die mittleren Gesamtkosten pro Haushalt gegenüber dem
Vorjahr gesenkt haben, ergibt sich vor allem daraus, dass im letzten
Sommer nur rund halb so viele Eltern eine bezahlte Nachhilfe enga-
giert oder ihren Kinder in Feriencamps etc. finanziert haben, als in den
Jahren zuvor.

   Dies liegt wohl nur zum Teil daran, dass sich der diesbezügliche Be-
darf tatsächlich verringert hat. Eher ist anzunehmen, dass sich ange-
sichts der zunehmend prekären finanziellen Lage der österreichischen
Haushalte viele diese Ausgaben nicht mehr leisten konnten und z.B.
bei Lernferien gespart haben. Vermutlich spielen hier beide Faktoren
eine gewisse Rolle, wobei anteilsmäßig die Kostenfrage wohl relevan-
terer ist. Dafür spricht auch der hohe Anteil von Haushalten, die von
einer bezahlten Nachhilfe zu einer unbezahlten Lernunterstützung
(durch Verwandte oder Bekannte) umgestiegen sind.

  Die Wiener Eltern zahlen auch in Summe die höchsten Nachhilfe-
kosten, gefolgt von den Eltern in Vorarlberg.

   Zum Teil sind davon in einzelnen Haushalten mehrere Kinder be-
troffen. Pro Kind sind die Nachhilfekosten somit etwas geringer. Sie
belaufen sich im Schnitt auf rund 600 Euro (Median: 400 Euro). Auch
hier bildet sich gegenüber dem Vorjahr ein deutlicher Rückgang ab.

                                                          21917045   Nachhilfestudie 2012
35

Frage: Wie viel Euro geben Sie insgesamt durchschnittlich für Nachhilfe aus? (Basis: Haus-
halte mit bezahlter Nachhilfe, n=574)
Mittelwerte in Euro*
                              Basis: Haushalte                    Basis: Kinder

                            2010         2011         2012         2010          2011    2012
GESAMT                       764          775          670           694         678     606
SCHULTYP
Volksschule                  823          739          634           751         681     545
Hauptschule                  620          689          580           559         578     528
Neue Mittelschule             *           705          564            *          597     482
AHS-Unterstufe               900          755          788           796         641     668
AHS-Oberstufe                787          989          746           690         831     656
BMS                           *           765          836            *          639     646
BHS                          798          805          639           711         671     537
BUNDESLAND
Wien                        1.010        1.004         869           911         866     780
Niederösterreich             718          712          662           617         611     599
Steiermark                   642          691          637           610         630     596
Kärnten                      706          706          648           669         635     570
Oberösterreich               598          692          565           564         615     502
Salzburg                     608          665          503           577         566     483
Tirol                        727          654          557           676         584     490
Vorarlberg                   868          718          735           742         637     647
   *Die NMS und BMS wurde im Jahr 2010 nicht ausgewiesen, da die Fallzahlen zu
gering sind; dasselbe gilt auch diesmal für das Burgenland.

                                                                     21917045    Nachhilfestudie 2012
36

4.11. Hochrechnung der Kosten für die Nachhilfe

  Insgesamt gibt es in Österreich rund 800.000 Haushalte mit zumin-
dest einem Schulkind.

   Rechnet man die durchschnittlichen Kosten (Mittelwert: 670 Euro)
auf die Gesamtzahl der Eltern in Österreich hoch, die innerhalb des
letzten Jahres für eine externe Nachhilfe Geld ausgeben mussten (ca.
20 % der Haushalte mit einem Schulkind, das sind rund 160.000 Haus-
halte), ergeben sich jährliche bundesweite Gesamtausgaben für die
Nachhilfe in der Höhe von rund 107 Millionen Euro pro Jahr.

  Unter Berücksichtigung der statistischen Schwankungsbreiten lie-
gen die jährlichen Nachhilfekosten in der Bandbreite von 104 bis 110
Millionen Euro.

   Gegenüber dem Vorjahr haben sich die bundesweiten Ausgaben der
Eltern somit um rund 20 Millionen Euro bzw. um ein Fünftel verrin-
gert. Diese Tendenz wäre überaus erfreulich, wenn man sicher sein
könnte, dass der Rückgang daraus resultiert, dass an unseren Schulen
innerhalb kurzer Zeit der Lernerfolg in diesem Ausmaß zugenommen
hat.

    Nachhilfekosten Gesamt in Millionen Euro
                      2010            2011                2012
GESAMT                 126             127                107
BUNDESLAND
Wien                    40             41                   33
Niederösterreich        24             24                   22
Burgenland               4              4                   3
Steiermark              13             13                   11
Kärnten                  8              7                   7
Oberösterreich          16             17                   13
Salzburg                 5              6                   5
Tirol                    9              9                   8
Vorarlberg               7              6                   5

                                                      21917045   Nachhilfestudie 2012
37

  Tatsächlich lässt sich aus den Daten auch ablesen, dass die Nachhil-
feausgaben für Schülerinnen und Schüler in der Neuen Mittelschule
geringer als in den anderen vergleichbaren Schulformen sind. Alleine
daraus lässt sich der rezente Rückgang der Nachhilfekosten aber nicht
hinreichend erklären.

   Es deutet viel darauf hin, dass sich die die Ausgaben für private
Nachhilfe vor allem deshalb verringert haben, weil die finanziellen
Ressourcen vieler Haushalte zunehmend begrenzt sind. Die Anzahl de-
rer, die für ihre Kinder innerhalb des letzten Jahres eine Nachhilfe en-
gagiert haben, ist nur leicht zurückgegangen. Bei der bezahlten Nach-
hilfe ist der Rückgang viel deutlicher. Er betrifft in Summe rund 7.000
Elternhaushalte. Der mit Abstand höchste Anteil entfällt dabei auf
Wien (rund 4.000 Haushalte). Jeweils ebenso viele haben stattdessen
für ihr Kind eine unbezahlte Nachhilfe (durch Verwandte und Be-
kannte) eingesetzt.

   Stark verringert hat sich darüber hinaus die Anzahl derer, die für ih-
re Kinder in den Sommerferien eine Nachhilfe oder ein Lerncamp und
Ähnliches bezahlt haben. Traf dies im Jahr zuvor noch auf jeden zwei-
ten Haushalt mit Nachhilfe zu, so waren es in den letzten Sommerfe-
rien nur noch 27 Prozent.

  Der Rückgang der Kosten teilt sich somit fast gleichermaßen auf das
laufende Schuljahr und auf die Sommerferien auf: Der geringere Auf-
wand für Nachhilfe während des Jahres beläuft sich bundesweit auf
rund 8 Millionen Euro, jener in den Sommerferien auf rund 12 Millio-
nen Euro.

   Trotz dieses signifikanten Rückgangs der Ausgaben für Nachhilfe ist
auch der derzeitige Gesamtbetrag von über 100 Millionen Euro immer
noch viel zu hoch. Nach wie vor sind viele Schülerinnen und Schüler
bzw. deren Eltern darauf angewiesen, für einen positiven Schulerfolg
außerschulische Hilfen in Anspruch zu nehmen und zu bezahlen.
Damit wird natürlich auch die Chancen- und Bildungsgerechtigkeit
der Kinder unterminiert, da die sozial Schwächeren sich die hohen
Kosten einer externen Nachhilfe für ihre Kinder entweder gar nicht
oder in einem viel geringerem Ausmaß leisten können, als dies bei El-
tern mit einem höheren Einkommen der Fall ist.

                                                           21917045   Nachhilfestudie 2012
38

5. Finanzielle Belastung durch die Nachhilfe

   Von den Eltern, die für ihr Kind innerhalb des letzten Jahres eine ex-
terne Nachhilfe bezahlen mussten, gaben 44 Prozent an, dass sie da-
durch sehr stark oder spürbar belastet sind. Für weitere 36 Prozent der
Eltern bedeuten diese Kosten zumindest eine gewisse Belastung.

   Gegenüber den Jahren zuvor hat sich an der überaus hohen finan-
ziellen Belastung der Eltern durch die Nachhilfe nicht viel verändert.
Dies gilt vor allem für den hohen Anteil derer, die durch diese Ausga-
ben sehr stark oder spürbar belastet sind. Zugenommen hat die Grup-
pe derer, die von einer gewissen Belastung sprechen. Inzwischen kann
sich nur noch rund ein Fünftel der von Nachhilfe betroffenen Haus-
halte diese Kosten problemlos leisten.

   Dass das Belastungsgefühl angesichts der rückläufigen Kosten für
die Nachhilfe nicht gleichermaßen abgenommen hat, lässt sich wie-
derum damit erklären, dass sich die finanziellen Ressourcen der Haus-
halte angesichts der rezenten Sparpakete und der steigenden Lebens-
haltungskosten weiter verschlechtert haben. Auch hier ist zu berück-
sichtigen, dass sich viele in diesem Jahr eine bezahlte Nachhilfe gar
nicht mehr leisten konnten und stattdessen auf kostenlose private
Ressourcen in ihrem Umfeld zurückgegriffen haben.

                                                           21917045   Nachhilfestudie 2012
39

  Frage: Und wie sehr sind Sie durch die bezahlte Nachhilfe finanziell
  belastet?
  (Basis: Haushalte mit bezahlter Nachhilfe, n=574; in Prozent)

            so gut wie
             gar nicht                            sehr stark
            belastet                              belastet
              19%                                   14%

                                                          spürbar
                                                         belastet
       ein wenig
                                                           30%
       belastet
         37%

   Die folgende Grafik weist die finanzielle Belastung nach der Berufs-
tätigkeit, dem Herkunftsland, dem HH-Einkommen und nach Bundes-
ländern aus. Vor allem die unteren Einkommensgruppen - sofern sich
diese überhaupt eine bezahlte Nachhilfe leisten konnten - sind durch
die Nachhilfekosten finanziell sehr stark belastet. Jede zusätzlich nöti-
ge bzw. privat finanzierte Nachhilfe bedeutet jedenfalls eine Benach-
teiligung der sozial schwächeren Familien bzw. Eltern.

  Zugleich lässt sich allerdings ersehen, dass von den mittleren Ein-
kommensgruppen (bis zu einem monatlichen HH-Einkommen von
rund 2.500 Euro netto) ebenfalls viele von den Nachhilfekosten spür-
bar belastet sind.

  Besonders betroffen sind davon natürlich die nicht Berufstätigen
sowie die Gruppe der Alleinerziehenden (starke bzw. spürbare Belas-
tung: 62 %) sowie Haushalte mit einem Migrationshintergrund (star-
ke bzw. spürbare Belastung: 67 %)

  Bei den Bundesländern sticht die besonders hohe finanzielle Belas-
tung der Eltern in Kärnten heraus.

                                                               21917045   Nachhilfestudie 2012
40

Frage: Und wie sehr sind Sie durch die bezahlte Nachhilfe finanziell belastet?
(Basis: Haushalte mit bezahlter Nachhilfe, n=574; in Prozent)

                                        0                          20                   40                   60                      80                      100

                             GESAMT             14                           30                              36                                19

               BERUFSTÄTIGKEIT

          Angestellte/r, Arbeiter/in            13                           31                               36                               20

  im Öffentlichen Dienst, Beamte/r              12                      27                                   43                                17

            andere Berufstätigkeit              11                      27                              37                                 25

                   nicht berufstätig                     27                                  36                                 27                   10

                     GEBURTSORT

                           Österreich           12                      30                                   37                                20

                     anderes Land                             33                                  34                             25                      8

                    BUNDESLAND

                                Wien            13                           32                          29                                26

                  Niederösterreich              9                  24                                    53                                         14

                        Burgenland                            33                       10               26                                30

                        Steiermark                  15                       30                                   38                            15

                             Kärnten                     24                                  40                             20                  16

                    Oberösterreich              11                       33                                       39                            17

                            Salzburg        10                          31                               37                                    22

                                Tirol                21                            31                                 30                       17

                           Vorarlberg       10                               38                              27                            24

          HAUSHALTSEINKOMMEN

                    bis 1.300 Euro                                            61                                  5                   32                     1

                    bis 1.600 Euro                            34                                   35                            18                 13

                    bis 2.000 Euro              12                            38                                       37                           13

                    bis 2.500 Euro              13                                42                                       34                       11

                    bis 3.000 Euro          5                      33                                    42                                    19

                   über 3.000 Euro          7                 21                              39                                          34

     sehr stark belastet        spürbar belastet                        ein wenig belastet                   so gut wie gar nicht belastet

                                                                                                                            21917045                 Nachhilfestudie 2012
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6. Maßnahmen zur Reduzierung der Nachhilfe

   Auch diesmal wurden die Eltern gefragt, was aus ihrer Sicht wirklich
helfen würde, um die finanziellen Belastungen für die Nachhilfe zu re-
duzieren. Dazu wurden einige mögliche Maßnahmen vorgelesen, die
fast durchwegs auf hohe Zustimmung stoßen.

   Neun von zehn Eltern halten es für ganz wichtig, dass die Lehrerin-
nen und Lehrer den Unterricht so gestalten, dass die Kinder den Lehr-
stoff auch wirklich verstehen. Dabei geht es auch um den Einsatz mo-
derner und effizienter Unterrichtsmethoden.

   Breiter Konsens besteht auch darüber, dass es hilfreich wäre, in ein-
zelnen Fächern die Klassen aufzuteilen, so dass in kleineren Unter-
richtsgruppen gearbeitet wird, in welchen man auf die einzelnen Kin-
der stärker eingehen kann (Zustimmung: 84 %).

  Der Großteil der Eltern geht auch davon aus, dass eine Ausweitung
des Förderunterrichts an unseren Schulen den Bedarf an einer kosten-
intensiven privaten Lernhilfe deutlich reduzieren würde. Davon ge-
hen 75 Prozent der Befragten aus.

  Ebenso viele sind auch davon überzeugt, dass durch einen weiteren
Ausbau der schulischen Nachmittagsbetreuung mit individueller För-
derung der Bedarf an einer privaten Nachhilfe zurückgehen würde.

  Mehr als die Hälfte der Befragten (54 %) glaubt, dass sich der ver-
breitete Nachhilfebedarf auch reduzieren ließe, wenn die Lehrerinnen
und Lehrer die Eltern und Schulkinder besser über den jeweils passen-
den Schultyp beraten würden.

  52 Prozent der Eltern glauben, dass ein Ausbau der Ganztagsschulen
mit verpflichtender Anwesenheit am Nachmittag und individueller
Förderung ebenfalls geeignet wäre, die Nachhilfen einzudämmen.

  Vergleichsweise etwas geringer ist die Zustimmungsquote in Bezug
auf eine Hortbetreuung mit individueller Förderung – dies wohl auch
deshalb, weil davon nur die jüngeren Kinder profitieren würden. 45
Prozent der Befragten halten aber auch diese Maßnahme für hilfreich.

  Sechs von zehn Eltern meinen zugleich, dass sich eine bezahlte
Nachhilfe vielfach vermeiden ließe, wenn die Eltern selbst mehr mit

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