Nachrichten 4/2021 - arching-zt.at

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Nachrichten 4/2021

                                                                                               ©Pixabay

Die neuen Fortbildungsverordnungen - Verpflichtung und
Chance zur beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung
Da unsere Zeit immer schnelllebiger wird und sich der Stand der Technik sowie gesetzliche Bestimmun-
gen fortwährend ändern, ist laufende Fortbildung unumgänglich. 		               Mehr dazu ab Seite 6 

                                                                                                          1
Brief des Präsidenten

                                      Präsident BR h.c.
                                      Dipl.-Ing. Rudolf Wernly
                                      © W. Heidenberger

    Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!

    Eine wichtige Erinnerung zu Beginn. Ich erinnere an                  Die Ziviltechnikerkammer hat höchstes Interesse, die-
    den von uns abgelegten Eid, denn aus diesem geht                     sen langwierigen und komplexen Prozess zu digitalisie-
    hervor, dass wir in Kenntnis der gültigen Vorschriften               ren. Dieses Anliegen folgt allein daraus, dass die Pläne
    unseren Beruf gewissenhaft ausüben. Dazu gehört die                  für Bauverfahren ohnehin nicht mehr analog erarbeitet
    laufende Berufsfortbildung, um stets über die neuesten               werden, sondern digital mit Computerunterstützung
    Entwicklungen der Wissenschaft und der technischen                   erstellt werden.
    Standards informiert zu sein.
                                                                         Bereits den Verfahrensstart zu digitalisieren, ermög-
    Zukünftig wird die Dokumentation der Fortbildung für                 licht eine elektronische Antragsstellung, die mehrere
    Ziviltechniker.innen obligatorisch sein. Dies hat zu ei-             Vorteile aufweist: Die Verwendung von einheitlichen
    nem den Grund, dass das bewährte System der Berufs-                  Systemen reduziert die Fehleranfälligkeit, erleichtert
    zugangserfordernisse für österreichische Ziviltechniker.             die Bearbeitung und trägt auch zur Verfahrensbe-
    innen nicht mehr länger ausreicht, um auf Dauer die                  schleunigung bei. Dabei können vorhandene E-Gover-
    höchste Qualifikation nach den Anforderungen der                     nment-Elemente sinnvoll und kostengünstig zu einer
    Europäischen Union aufrecht zu erhalten. Zum ande-                   Lösung zusammengefügt werden. Es soll u. a. auf die
    ren soll durch ein explizites Fortbildungscommitment                 Erfahrungen des elektronischen Urkundenarchivs der
    gewährleistet werden, dass das Wissen im jeweiligen                  Ziviltechniker.innen als Portalverbundanwendung zu-
    Fachgebiet auf dem neuesten Stand ist. Die Bundes-                   rückgegriffen werden. Vorhandene Metadaten aus den
    kammer der Ziviltechniker.innen hat nunmehr entspre-                 Antragsunterlagen kann die jeweilige Gemeinde auto-
    chende Verordnungen erlassen, die die Überprüfung                    matisiert übernehmen, dadurch wird der Bearbeitungs-
    der Fortbildungsverpflichtung regeln.                                prozess vereinfacht und beschleunigt.

    Es ist in unserem Sinne, das umfangreiche Fortbildungs-              Unsere Initiative, bei der wir mit der Wirtschaftskam-
    angebot zu nutzen, um die Qualität unserer Arbeit zu                 mer kooperieren, soll die Entwicklung und Einführung
    sichern. Ich lade Sie herzlich dazu ein, neben dem viel-             der digitalen Baueinreichung anregen und unterstüt-
    fältigen Angebot der Fortbildungsakademien, auch die                 zen. Die Einschränkungen der letzten beiden Jahre
    Fortbildungsangebote der Kammer in Form von kosten-                  haben die Bereitschaft aller Beteiligten für diese Ent-
    freien Veranstaltungen und Seminaren wahrzunehmen.                   wicklung geweckt und sind ein zusätzlicher Antrieb für
    Das anwendbare Wissen soll dadurch erweitert und                     unsere Bemühungen.
    verfestigt werden. Die Technik entwickelt sich stetig
    weiter und wir müssen darüber informiert sein, um am                 Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie erholsame Feierta-
    Stand der Technik zu arbeiten.                                       ge in anhaltender Gesundheit, sowie ein wirtschaftlich
                                                                         erfolgreiches Jahr 2022!
    Ebenso wie die Technik schreitet auch die Digitalisie-
    rung vieler Abläufe permanent voran. Jedes behördli-                 Glück Auf!
    che Verfahren, einschließlich der Bauverfahren, beginnt
    derzeit mit einer analogen Antragsstellung und führt zu
    einem langen und zeitaufwendigen Prozess.

                                                                         Ihr Rudolf Wernly
    Impressum

    Herausgeber
    Kammer der ZiviltechnikerInnen | ArchitektInnen und IngenieurInnen   Redaktion: Mag. Reinhard Leitner
    Oberösterreich und Salzburg | A-4040 Linz | Kaarstraße 2/II          Satz und Layout: Cornelia Hirschmann
    T     +43.732.73 83 94, F DW 4                                       Druck: Stiepel Druckerei und Papierverarbeitung GmbH
    E     linz@arching-zt.at                                             A-4050 Traun | Hugo-Wolf-Straße 14
    W     www.arching-zt.at
    FB    www.facebook.com/arching.ooe.sbg
    IG    www.instagram.com/ziviltechniker.innen_ooe_sbg/

2
Inhalt

Brief des Präsidenten .......................................................... 2

Aus den Sektionen
DEKARBONISIERUNG –
Expertise der Ziviltechniker.innen? .................................. 4
Ausbildung-Fortbildung – Bildung fort? ........................... 6
Bildung macht den Meister ................................................ 7

Fortbildung
Die neuen Fortbildungsverordnungen .............................. 8

Besuch bei Kollegen
Über Grenzen hinweg .........................................................10

Veranstaltungen und Events
Symposium Brennpunkt Alpines Bauen ......................... 11
Ausstellung Boden für Alle ............................................... 12
Konferenz Österreich verschwindet ............................... 14
Spätsommerfeste in Linz und Salzburg .......................... 16

Recht & Services
Neue rechtliche Bestimmungen und
Gesetzesänderungen ........................................................ 18
Angleichung der Kündigungsregelungen ........................ 19
Aus der Rechtssprechung ................................................ 19
Gewährleistungsregeln ..................................................... 20

Chronik Mitglieder
Wir begrüßen unsere neuen Mitglieder ......................... 22
                                                                                     Boden für Alle
                                                                                     Ausstellung in der
Feuilleton                                                                           Geschäftsstelle in
                                                                                     Salzburg
Buchvorstellungen ............................................................. 23   © Franz Neumayr

Rückblick & Vorschau
Sitzungen, Veranstaltungen, Besprechungen ............... 24

                                                                                                          3
Aus den Sektionen

                           Dipl.-Ing. Heinz Plöderl
                           Architekt
                           Sektionsvorsitzender

                           DEKARBONISIERUNG –
                           Expertise der Ziviltechniker.innen ?
    Eine der größten Herausforderungen der österrei-            Prozesse und die ganzen Ablaufketten steuern. Wenn
    chischen Ziviltechnikerkammern und deren Mit-               wir dies rasch erkennen, werden wir zu wesentlichen
    glieder ist für den Klimawandel und das Bauen               Playern bei der Etablierung einer unumgänglichen Kreis-
    eine ganzheitliche Perspektive zu entwickeln.               laufwirtschaft. Aus meiner Sicht ist die Zeit, in der wir
    Diese Herausforderungen sind vielschichtig und              endlos Ressourcen verbrauchen können, ohne darü-
    betreffen die vielen Aufgaben und Faktoren der              ber nachzudenken, vorbei. Wir werden nicht unendlich
    ressourcenintensiven Bauwirtschaft.                         wachsen können.

    Die Ziviltechniker.innen setzen sich noch immer nicht       Als Ziviltechniker.innen könnten wir verantwortungsvoll
    geschlossen und öffentlich für „Klimaschutz“, Klima-        nachhaltig, klimaneutral und menschenverträglich bau-
    wandelanpassungsstrategien und hochenergieeffizi-           en und eine ganzheitliche Perspektive entwickeln. An
    ente Gebäude und Infrastrukturen mit Netto Null Treib-      dieser Aufgabe als Impulsgeber und Gestalter könnten
    hausemissionen ein. Dazu zählen auch ein sparsamerer        wir standortbezogene, typologische und topologische
    Einsatz von Ressourcen und der Ausbau der Kreislauf-        sowie tektonische Faktoren ebenso berücksichtigen
    wirtschaft. Dabei kommen den grauen Treibhausga-            wie eine zeitgemäße Übersetzung tradierter regionaler
    semissionen, die in der Bauwirtschaft entstehen, im         Bauweisen.
    Vergleich zu den Emissionen im Betrieb bereits höhere
    Relevanz zu. Zur Klimaerwärmung leistet die Bauwirt-        Unser Berufsstand steht unter Druck. Klimawandel, Flä-
    schaft mit ihrer Ressourcenintensität einen immer we-       chensparen, zu geringe Honorare, die fortschreitende
    sentlicheren Beitrag.                                       Verrechtlichung und der Wunsch privater und öffentli-
                                                                cher Auftraggeber mit „Generalübernehmer“ zu arbei-
    BAUEN – als Um- und Weiterbauen verstehen?                  ten, trifft nicht nur unsere kleinteiligen Bürostrukturen
                                                                sondern auch das lokale Handwerk. Wir müssen hier
    Ein immer übersehener Faktor sind die Ressourcen, die
                                                                die Veränderungen und Auswirkungen in einer gesamt-
    uns unmittelbar bereits zur Verfügung stehen – zum
                                                                gesellschaftlichen Perspektive aufzeigen, und nicht nur
    einen, das was bereits gebaut ist, unser Gebäudebe-
                                                                – wie bisher – auf unsere beruflichen Rahmenbedingun-
    stand.
                                                                gen hinweisen. Jetzt, wo viele Initiativen Innenentwick-
    Diesen gilt es unter anderen Gesichtspunkten zu lesen,
                                                                lungen unserer Siedlungen, Orte und Städte zum Ziel
    zu nutzen und räumlich weiterzuentwickeln. Wenn wir
                                                                haben und vorausschauend wie schonend mit den vor-
    uns zu einer anderen Baukultur – einer „Umbau-Kultur“
                                                                handenen Ressourcen umgehen wollen, werden auch
    bekennen, heißt das wiederum mehr am Bestand bau-
                                                                wir Ziviltechniker.innen nicht umhin kommen, unsere
    en und weniger neu bauen.
                                                                Positionen in den Diskurs einzubringen und knapp so-
                                                                wie präzise auf den Punkt zu bringen.
    Dabei ist es wesentlich, dass wir Ziviltechniker.innen
    alles so planen, dass all das, was wir bauen, wieder
                                                                Zwischen Baukultur, Architektur und Gesellschaft be-
    in seine Einzelkomponenten zerlegt werden kann. Da-
                                                                steht eine enge komplexe Beziehung: Bedingen sich
    durch können alle Ressourcen und Materialien, die wir
                                                                Gesellschaft und ihre gebaute Umwelt gegenseitig?
    beim Konstruieren und Bauen einsetzen, wieder weiter-
    verwendet und in den Kreislauf zurückgeführt werden.
                                                                Aus meiner Sicht können wir nur gute Lösungen fin-
    Dies wird nur gelingen, wenn wir anders als bisher ar-
                                                                den und unsere Prozesse richtig aufsetzen, wenn wir
    beiten und bauen sowie die Zusammenarbeit mit den
                                                                ein „umfassendes“ Wissen über das „Commons“ und
    anderen Professionen und die interdisziplinäre Zusam-
                                                                unsere Gesellschaft haben. Nur durch Offenheit, Wis-
    menarbeit intensivieren.
                                                                sensdurst, Neugier und vielseitiges Interesse können
                                                                wir uns dieses Wissen zu allen möglichen und erforder-
    Für diese Transformationen werden wir die Rahmen-
                                                                lichen Themen erwerben.
    bedingungen schaffen müssen. Logistik, Materialbörse
    und Recyclinghöfe für eine umfassendere Weiternut-
                                                                Bauen im Bestand und die „Architektur“ die unsere His-
    zung der Baustoffe werden ebenso einzurichten sein
                                                                torie transformiert und fortsetzt, die in Form und Mate-
    wie die Prozesse des Planens, Konstruierens und Reali-
                                                                rial den Kontakt zu unserer Geschichte wahrt, ist stets
    sierens „generalistisch“ aufzusetzen. Als Ziviltechniker.
                                                                als Weiterbauen zu verstehen.
    innen könnten wir bei der bevorstehenden Transforma-
    tion an Bedeutung gewinnen. Als „technische Notare“
    und Treuhänder der Auftraggeber könnten wir diese

4
Dies hat mit Blick auf die großen gesellschaftlichen He-   An die Stelle der bisherigen Energieeffizienz treten als
rausforderungen der nächsten Jahre mehr als große          bedeutende ökologische Kriterien Materialien und Kon-
Dringlichkeit. Daher müssen wir „Bauen“ an die vielen,     struktionen ein. Diese emittieren sowohl in der Herstel-
nicht nur durch den Klimawandel geänderten Rahmen-         lung als im späteren Einsatz und Betrieb wenig bis gar
bedingungen, anpassen und für eine Kultur des Um-          kein CO2.
und Weiterbauens auch für deren Akzeptanz und Um-
setzung sorgen.                                            Darüber hinaus können wir heute schon viel mehr tun,
                                                           um der Verantwortung unserer Profession angesichts
KREISLAUFWIRTSCHAFT – gegen die Ressour-                   der „Klimakrise“ gerecht zu werden. Dies erfordert ein
cenknappheit?                                              Umdenken und ein über Bord werfen gestalterischer
                                                           wie gesellschaftlicher Paradigmen. Das kann auch
Eine rasche Dekarbonisierung der Bauwirtschaft stellt      durchaus einem „Neuerfinden“ nahekommen.
scheinbar eine der ganz großen Herausforderungen dar.
Erstellung, Betrieb, Erhaltung und Rückbau unseres Ge-     Die Herausforderungen lassen sich daher nicht nur rein
bäude,- und Infrastrukturbestandes in lokalen Kreisläu-    technisch oder nur innerhalb unserer Disziplinen lösen.
fen würde die damit verbundenen Treibhausgasemissi-        Die technischen Lösungen für eine Baukultur mit einer
onen, die „graue Energie“ und die Umweltbelastungen        CO2-neutralen Kreislaufwirtschaft und einer Dekarbo-
bereits bedeutend minimieren.                              nisierung der Bauwirtschaft sind bereits heute vorhan-
                                                           den.
Die Qualität der eingesetzten Materialien, die Repara-
turfähigkeit, Wiederverwertbarkeit und Trennbarkeit        Ein wichtiges, nicht moralisierendes gesellschaftliches
von Baustoffen und Bauteilen sind wie die Energie der      Narrativ, das den Gewinn der „ökologischen Wende“
Baustoffe einer Kreislaufwirtschaft zuzuführen damit       betont, wird das „konzeptionelle “ Weiterdenken unse-
diese einer bereits globalen Ressourcenknappheit ent-      rer Gebäude und Infrastrukturen sowie Regionen sein.
gegenwirken. Die höchste Priorität sollte die Entkarbo-    Zu diesem erforderlichen Umsteuern braucht es unsere
nisierung der Bauwirtschaft darstellen und Themen,         Ideen und Kreativität – können wir sie als Chance wahr-
wie Kosten- und Termindruck in den Hintergrund rü-         nehmen und in den Prozessen umsetzen.
cken. Dabei übersehen wir auch, wie nah eigentlich das
Jahr 2030 ist.                                             Mehr Baukultur, mehr Kommunikation.

Wir setzen uns immer für eine qualitative Baukultur ein.   Das Wirken von Gestaltungsbeiräten nimmt in Fragen
Um diese zukunftstauglich darstellen und mitgestalten      der Architektur und Ortsplanung in vielen Städten
zu können, bedarf es aber klimapositiver Orte, Städte,     und Gemeinden Vorbildfunktion ein. Mit Offenheit und
Gebäude und Infrastrukturen sowie eine entsprechen-        Transparenz sowie überzeugenden Argumenten brin-
de Biodiversität. Ein bisschen davon wird nicht reichen,   gen Gestaltungsbeiräte Qualität in das Baugeschehen
um das 1,5 Grad Ziel zu erreichen. Denn unser CO2-Bud-     ein. Für das Stadt- und Landschaftsbild, mit dem sich
get ist längst überstrapaziert.                            die Bürger.innen identifizieren und das den Tourismus
                                                           und den Standortfaktor fördert, ist für eine qualitäts-
Wohldurchdachte Prozesse in Konzeption, Planung,           volle Planungs- und Baukultur eine unabhängige Be-
Entwurf und Umsetzung für eine qualitative Baukultur       ratungsinstanz entscheidend. Dabei vermitteln sie in
und Architektur stellen einen gesellschaftlichen und       kultureller, sozialer und ästhetischer Verantwortung
wirtschaftlichen Mehrwert dar, erzeugen Lebensquali-       als ausgleichendes Moment zwischen den Interessen
tät und Identität für unsere gebaute Umwelt und sind       der Allgemeinheit und dem spezifischen Interesse der
über Jahrzehnte im Lebenszyklus nachhaltig.                „Bauherrn“.

Wir Ziviltechniker.innen sollten proaktiv vorangehen,      Um unserer Verantwortung als Ziviltechniker.innen zur
um das Ziel in Richtung Netto-Null und einem Bauen in      Gestaltung unserer Lebensräume noch besser gerecht
einer erforderlichen CO2-neutralen Kreislaufwirtschaft     zu werden, bietet die Ziviltechnikerkammer Gemeinden
zu bewegen. Es ist nicht allen bewusst, wie wenig Zeit     am und um den Attersee (Region Attersee) ab Jänner
bleibt und wie klein unser verbleibendes CO2-Budget        2022 einen unabhängigen Gestaltungsbeirat, dessen
tatsächlich ist. Beide Positionen erfordern einen Para-    Mitglieder in der Region keine Architektur- und Städte-
digmenwechsel im Material- und Energieeinsatz.             bauleistungen erbringen.

                                                                                                                      5
Aus den Sektionen

                                       Ausbildung-Fortbildung – Bildung fort?

                                       DI Cora Stöger              zifisch viele Informationen und Anregungen für die ei-
                                       Ing.Kons.f.
                                       Vermessungswesen
                                                                   gene Arbeit geben können. Befugnisübergreifende Dis-
                                       Sektionsvorsitzende         kussionen liefern oftmals Erkenntnisse über Abläufe in
                                                                   der Zusammenarbeit. Sie erzeugen aber auch grundle-
                                                                   gendes Verständnis für die Arbeits- und Denkweise an-
                                                                   derer Ziviltechniker.innen. Der respektvolle Umgang mit
                                                                   den Kolleg.innen ist eine unbedingt notwendige Basis
                                                                   für die Bildung von Teams bei Ausschreibungen oder für
                                                                   Generalplanungen. Solidarisches und wertschätzendes
                                                                   Verhalten gegenüber anderen Ziviltechniker.innen ist
                                                                   das, was wir unseren späteren Kolleg.innen während
                                                                   ihrer Praxisjahre vorleben müssen, um es von ihnen mit
    Am 1. Jänner 2022 tritt für beide Sektionen die jeweili-       aufrechter Befugnis auch erwarten zu können. Als Zivil-
    ge Fortbildungsverordnung in Kraft. Ich nehme das zum          technikerkammer können wir unsere ordentlichen und
    Anlass darüber nachzudenken, in welchen Aspekten               außerordentlichen Mitglieder unterstützen, indem wir
    uns das Lernen begleitet. Eigentlich sollte ich mit den        Fortbildungsveranstaltungen anbieten. Diese Angebote
    Überlegungen im Kindergarten beginnen, wo bereits              anzunehmen, liegt in der Verantwortung der einzelnen
    begonnen werden sollte, Interesse für technische Be-           Person.
    rufe zu wecken und diese im besten Fall zu fördern.
                                                                   Gestatten Sie mir zum Abschluss noch einen kleinen
    Beginnen wir unsere Reise durchs Lernen aber an den            Exkurs in das Leben meiner 7jährigen Tochter. Sie hat
    Universitäten. Dort wird die Basis für künftige Ziviltech-     in den Herbstferien einen über zoom angebotenen
    niker.innen geschaffen. Die universitäre Ausbildung soll       Kurs „Die Physik der Seifenblasen“ an der Kinder-Uni
    zunächst einmal eine solide naturwissenschaftliche             OÖ belegt. Abgesehen von vielen gut erklärten Grund-
    Grundlage schaffen. Sie hat unter anderem die Aufga-           lagen über Seifenblasen und lustigen Experimenten be-
    ben der Schulung des wissenschaftlichen Denkens, der           inhaltete der Kurs am Ende noch eine Überraschung.
    Förderung der Selbstständigkeit beim Lernen, der Un-           Präsentiert von einer Physikerin der Johannes Kepler
    terstützung des Forschungsdranges. Bekomme ich also            Universität bekamen die in dem Fall 7 bis 9jährigen Kin-
    bei der Arbeit eine komplexe und schwierige Aufgabe,           der Informationen darüber, wie die Eigenschaften von
    so heißt es natürlich nicht, dass ich beim Finden der          Seifenblasen in der Architektur genutzt werden. Als
    Lösung grundsätzlich immer auf mich alleine gestellt           Beispiel diente u.a. das uns aus dem letzten INGGenial
    bin. Allerdings wird es Problemstellungen geben, die           wohlbekannte Olympiastadion in München. Das We-
    völlig neu sind und eine innovative Herangehensweise           cken von Interesse bei Kindern ginge so einfach. Schön,
    erfordern. Es zeichnet uns als Ziviltechniker.innen aus,       dass es hier so unerwartet passiert ist.
    hier unsere Kenntnisse und Erfahrungen anzuwenden,
    um Lösungen zu finden. Zuweilen kann eine Rückkop-             Lernen begleitet uns also das ganze Leben lang. Bewah-
    pelung mit der früheren Alma Mater hilfreich sein – für        ren wir uns die Neugierde auf neues Wissen. Dann kön-
    beide Seiten. Aktuelle Erkenntnisse der Forschung kön-         nen wir gedanklich den negativen Beigeschmack der
    nen uns bei unserer Arbeit helfen. Die Universitäten           „Verpflichtung“ zur Fortbildung streichen und sehen die
    erhalten umgekehrt eine Rückmeldung aus den Anfor-             Fortbildung als das, was sie sein soll: die Chance zur
    derungen der Praxis, was sie wiederum dabei unter-             persönlichen Weiterentwicklung. Ohne Fortbildung ist
    stützen kann, die Studierenden besser auszubilden und          auch die früher erworbene Bildung rasch fort.
    auf die Arbeitswelt vorzubereiten.

    Defizite in Bezug auf die praktische Ausbildung werden
    bei Absolvent.innen immer auftauchen, zumal Erfah-
    rung hier eine wichtige Rolle spielt. Diese Defizite sollten
    aber nur so groß sein, dass man gut auf vorhandenem
    Wissen aufbauen kann. Landen Absolvent.innen dann
    in unseren Büros, so liegt es bis zu einem gewissen
    Grad in unserer Verantwortung, sie weiter zu fördern
    und zu fordern, unsere Erfahrungen mit ihnen zu teilen.
    Auch für diese Wissensvermittlung ist es nötig, dass
    wir am Puls der Zeit sind, uns über aktuelle Aspekte im
    Bereich unserer Befugnis informieren. Einen wertvollen
    Beitrag liefern Gespräche mit Kolleg.innen, die fachspe-       © Pixabay

6
Aus den Sektionen

Bildung macht den Meister

(M)Ein Standpunkt. Carsten Innerhofer.                             DI Carsten Innerhofer
                                                                                Architekt
                                                                   Sektionsvorsitzender
Ich durfte mein Architekturstudium in den 90ern des                        Stellvertreter
vergangenen Jahrhunderts absolvieren. Die Zeiten ha-
ben sich geändert, die Gesellschaft, so auch das Archi-
tekturstudium. Josef Lackner, Volker Giencke, Leopold
Gerstl waren damals unsere großen Vorbilder – und
sind es noch heute!

Allen voran war Josef Lackner jemand, der uns gelehrt
hat, wie man konkreten Problemstellungen (Entwurfs-
aufgaben) mit klarer Haltung, Intelligenz und gestalteri-
schem Willen begegnen kann, ohne letztendlich in die        In der postuniversitären Ausbildung stehen wir als Zivil-
Bedeutungslosigkeit abzudriften.                            techniker.innen in der Verantwortung, künftige Kolleg.
Bis zu seinem Tod im September 2000 durfte ich mein         innen entsprechend weiter- und auszubilden - sei es in
Studium der Architektur – so könnte man es sagen – als      der Planung oder auch auf der Baustelle. Das benötig-
Mitarbeiter in seinem Büro fortsetzen.                      te Handwerk lernen die Jungen in Wirklichkeit nur bei
                                                            uns. Die schulische und universitäre Ausbildung ist ihr
Unsere universitäre Ausbildung von da-                                       Rüstzeug, auf dem die Kolleg.innen
mals würde ich heute als „universell“         In der postuniversitären       aufbauen können.
bezeichnen. Das heißt, alle Aspekte          Ausbildung stehen wir als
der architektonischen und bautechni-         Ziviltechniker.innen in der       Aus meiner Sicht gilt es, dem jahre-
schen Ausbildung wurden uns gelehrt.         Verantwortung, künftige           langen Trend stark entgegenzuwirken
Auch Städtebau, Raumplanung, Land-          Kolleg.innen entsprechend          und die Ausbildung an den Universitä-
schaftsgestaltung,     Innenarchitektur       weiter- und auszubilden          ten penibel unter die Lupe zu nehmen.
bis zum Möbelbau waren Teil des Lehr-                                          Hierzu gibt es bereits erste Ansätze
planes, und es mussten hierzu an den                                           der Bundeskammer der Ziviltechnike-
einzelnen Instituten „Scheine“ gemacht werden.               rInnen und der Bundessektion der Architekt.innen. Es
Hochbautechnische Ausbildungsfächer waren jedoch             wurde der nationale Thinktank für Architekturausbil-
damals bereits – gelinde gesagt – unterversorgt. So          dung – mit Vertreter.innen aus Lehre, Praxis und Be-
konnte es passieren, dass man bis zur Diplomprüfung          rufsvertretungen - ins Leben gerufen. Ziel ist der Dis-
weniger hochbautechnische Kenntnisse erwarb, als             kurs zwischen Universitäten und Berufsvertretungen,
Absolvent.innen einer Höheren Technischen Schule.            um ein breitgefächertes Studienangebot wieder dauer-
Aber das war schon damals ein Armutszeugnis.                 haft in den Studienplänen festzuschreiben.
                                                             Auch die großen gesellschaftlichen Fragen wie etwa
Zieht man heute Bilanz, so sieht die Situation wohl          Bodenverbrauch, Klimaschutz und Digitalisierung brin-
noch viel dramatischer aus. Einzelne, aber sehr wich-        gen das klassische Berufsbild in Bedrängnis. Auch hier
tige Fachbereiche wurden über die Jahre bereits aus          lautet die durchaus kritische Frage, ob die Student.in-
dem Architekturstudium ausgelagert und werden auch           nen und künftigen Kolleg.innen adäquat auf diese Ent-
nicht mehr angeboten. So verliert unser Berufsstand          wicklungen durch entsprechende Lehrinhalte und Fra-
der Architekt.innen kontinuierlich an Ausbildung und         gestellungen vorbereitet werden.
letztendlich auch an Befugnissen.
Im gleichen Zuge wurden die schweren Mängel an tech-         Grundsätzlich muss ich jedoch aus meiner persönli-
nischer Ausbildung leider nicht kompensiert.                 chen Erfahrung mit Praktikant.innen und Absolvent.in-
                                                             nen sagen, dass trotz aller Kritik die meisten von ihnen
Eine groß angelegte Spezialisierung findet jedoch der-       das gleiche Feuer in sich tragen wie wir vor 20 Jahren!
zeit statt: Für die Innenraumgestaltung kommt nur
noch der Innenarchitekt in Frage. Für die Raumplanung        Letztendlich gilt damals wie heute: „Früh übt sich wer
nur noch ein spezialisierter Raumplaner. Für die Land-       ein Meister werden will“. Und das liegt wie wir alle wis-
schaftsplanung nur noch der Landschaftsarchitekt, für        sen, in der Verantwortung eines jeden selbst.
die Baustelle muss ein externes Baumanagement ins-
talliert werden. Dabei gehören jegliche Disziplinen in
eine Hand und sollten auch mit einem durchlaufenden
Konzept miteinander verbunden sein. Das können und
sollen aus meiner Sicht nur Architekt.innen leisten.

                                                                                                                         7
Fortbildung

    Die neuen Fortbildungsverordnungen

                                 © pixabay

    Die Berufsfortbildungsverordnungen der Ingenieurkon-        Die Ausgestaltung der Fortbildungsverordnung gliedert
    sulent.innen/Zivilingenieur.innen und Architekt.innen       sich in folgende inhaltliche Punkte:
    treten 2022 in Kraft.                                       • Ingenieurkonsulent.innen/Zivilingenieur.innen ha-
                                                                    ben Fortbildungsmaßnahmen in Höhe von mindes-
    Die Bundessektionen der Bundeskammer der Ziviltech-             tens 80 Stunden innerhalb eines Zeitraumes von
    niker.innen wurden durch das ZTG 2019 ermächtigt,               vier Jahren zu erbringen,
    konkrete Weiterbildungsverordnungen mittels Verord-         • wobei pro Jahr ein Mindestausmaß von 15 Stunden
    nung zu erlassen. Die Bundessektionen haben jeweils             gilt. Es können daher nicht alle 80 Stunden im ers-
    eine solche bereits beschlossen. Sie treten mit 1.1.2022        ten Jahr absolviert werden.
    in Kraft.                                                   • Während des Ruhens der Befugnis besteht keine
                                                                    Verpflichtung zur Fortbildung. Bei Wiederaufnahme
    Eine Verpflichtung zur laufenden Weiterbildung ist für          der Befugnis sind allerdings Fortbildungsmaßnah-
    Ziviltechniker.innen seit langem gesetzlich festgeschrie-       men vorzuweisen, nämlich 20 Stunden, die in den
    ben. Jedoch war bisher kein konkreter Nachweis zu               letzten 12 Monaten vor Wiederaufnahme absolviert
    erbringen. Ab 2022 kommt eine Nachweispflicht bzw.              wurden.
    Pflicht zur Evidenthaltung mit stichprobenartiger Über-     • Keine Fortbildungsverpflichtung besteht für das
    prüfung durch die Kammer neu hinzu.                             Kalenderjahr, in dem die Ziviltechnikerprüfung ab-
                                                                    gelegt wurde, und für das darauffolgende Kalender-
    Dabei unterscheiden sich die Verordnungen der Ingeni-           jahr.
    eurkonsulent.innen/Zivilingenieur.innen und Architekt.      • Die Fortbildungsmaßnahmen werden in der Verord-
    innen im Detail voneinander.                                    nung beispielhaft aufgezählt. Als Fortbildungsmaß-
                                                                    nahmen kommen Seminare, Webinare, Tagungen,
    Fortbildungsverordnung für Ingenieurkonsu-                      Fachmessen, Konferenzen und Fachvorträge in Be-
    lent.innen/Zivilingenieur.innen                                 tracht. Weiters zählen eigene Forschungen und Ent-
                                                                    wicklungen sowie berufsrelevante Publikationen
    Der Grund warum eine Verpflichtung zur Fortbildung              dazu. Auch die Tätigkeit als Mitglied in berufsrele-
    mit Nachweispflicht erforderlich ist, liegt zum einen da-       vanten Gremien der Ziviltechnikerkammer, als Prü-
    ran, dass die Ingenieurkonsulent.innen/Zivilingenieur.          fungskommissär und in Organisationen zur Erstel-
    innen einzigartig in der Europäischen Union sind und            lung von Regelwerken sind anrechenbar. Darüber
    zum anderen, dass innerhalb der Europäischen Union              hinaus zählen Vortragstätigkeiten und Lehrtätigkei-
    andere Maßstäbe gelten, um als Ingenieur.in tätig wer-          ten sowie berufsrelevante Preisrichtertätigkeiten,
    den zu können.                                                  Beiratstätigkeiten und Kommissionstätigkeiten zur
                                                                    Fortbildung.
8
Fortbildung

Einige der angeführten Kategorien sind pro Kalender-         Während des Ruhens der Befugnis besteht keine Ver-
jahr mit einer maximalen Stunden-Anzahl limitiert.           pflichtung zur Fortbildung.
Beispielsweise sind Vertrags- und Lehrtätigkeiten mit        Keine Fortbildungsverpflichtung besteht für das Kalen-
höchstens 10 Stunden pro Kalenderjahr und berufsre-          derjahr, in dem die Ziviltechnikerprüfung abgelegt wur-
levante wissenschaftliche Publikationen mit höchstens        de, und für das darauffolgende Kalenderjahr.
15 Stunden pro Kalenderjahr anrechenbar.
                                                             Mögliche Fortbildungsmaßnahmen werden in der Ver-
Die Fortbildungsverpflichtung gab es schon immer,            ordnung beispielhaft aufgezählt:
durch die Nachweispflicht - die jetzt neu dazugekom-         • Teilnahme an Architekturwettbewerben,
men ist – wird die Kammer stichprobenartig Überprü-          • eigene Forschungen und eigene Entwicklungen,
fungen durchführen. Damit diese durchgeführt werden          • berufsrelevante wissenschaftliche Publikationen,
können, wurde ein System entwickelt, welches dabei           • sonstige berufsrelevante fachliche Publikationen,
helfen soll. Eine Webapplikation, die in das bestehende      • Tätigkeiten als Mitglied in berufsrelevanten Gremi-
System des ZT-Verzeichnisses integriert ist, ermöglicht         en, Arbeitsgruppen und Ausschüssen der Kammern
auf unkomplizierte Art den Upload, das Speichern und            der Ziviltechniker.innen, als Prüfungskommissär.in,
das Einreichen der Nachweise. Durch dies ergibt sich            in Organisationen zur Erstellung von Regelwerken,
ebenfalls die Möglichkeit, die Fortbildungen im Rahmen       • berufsrelevante Vortragstätigkeiten, Lehrtätigkei-
der eigenen Website im ZT-Verzeichnis für potenzielle           ten, Mentoring,
Kund.innen anzuführen.                                       • berufsrelevante Preisrichtertätigkeiten, Beiratstä-
                                                                tigkeiten und Kommissionstätigkeiten,
Der Inhalt der Fortbildungsverordnung sowie die Nut-         • Teilnahme an Seminaren, Webinaren, Workshops,
zung der Webapplikation werden im Jänner/Februar                Tagungen, Fachmessen, Konferenzen, Fachvorträ-
2022 im Rahmen mehrerer Online-Informationsveran-               gen, Ausstellungen, Exkursionen und Studienreisen.
staltungen der Sektion detailliert vorgestellt und offene
Fragen beantwortet werden. Über die Termine werden           Jedenfalls erfüllt – auch wenn die oben genannten Fort-
die Kammermitglieder rechtzeitig informiert werden.          bildungsmaßnahmen nicht absolviert wurden - ist die
                                                             Fortbildungsverpflichtung, wenn:
Abgrenzung zu Architekt.innen                                • eine Lehrbefugnis für das Fachgebiet Architektur an
                                                                 einer Hochschule im europäischen Raum ausgeübt
Die Sektion der Architekt.innen hat eine eigene und we-          wird oder
niger strikte Fortbildungsverordnung beschlossen. Dies       • die Architekt.innen zumindest alle drei Jahre erfolg-
hat folgende Gründe, die auch das Bundesministerium              reich baurechtliche Genehmigungsverfahren oder
für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort nachvoll-            gleichwertige Verwaltungsverfahren durchgeführt
zieht:                                                           haben oder Gutachten auf dem Gebiet der Archi-
• Das Berufsbild der Architekt.innen ist ein anderes             tektur im Namen der Behörde erstellt haben.
    als jenes der Ingenieurkonsulent.innen/Zivilingeni-
    eur.innen: Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf        Die Architekt.innen haben die von ihnen durchgeführ-
    dem kreativen Schaffen. Daher erfolgen Weiterbil-        ten Fortbildungsmaßnahmen zu dokumentieren und
    dungen im Rahmen der Teilnahme an Architektur-           evident zu halten. Dafür wird eine Webapplikation zur
    wettbewerben und ein formalistisches Lernen rückt        Verfügung stehen, die das Dokumentieren erleichtern
    in diesem Bereich in den Hintergrund.                    soll. Mittels zufällig ausgewählter Stichproben erfolgt
• Darüber hinaus gibt es bereits eine Berufsanerken-         durch die Länderkammer eine Überprüfung.
    nungs-Richtlinie für Architekt.innen. Sie sind als Be-
    rufsstand sozusagen anerkannt. Bei den Ingenieur.
    innen Europas ist das leider nicht der Fall.

Fortbildungsverordnung für Architekt.innen
                                                                        Den genauen Wortlaut der
Die Ausgestaltung der Fortbildungsverordnung gliedert                   beiden Verordnungen finden
sich in folgende inhaltliche Punkte:                                    Sie auf der Homepage der
Architekt.innen haben eigenverantwortlich für Ihre Wei-                 Bundeskammer
terbildung Sorge zu tragen, sodass die Qualität der Leis-               www.arching.at
tungserbringung gewährleistet ist und                                   in der Rubrik ZiviltechnikerInnen |
sie ihren Beruf auf Basis der geltenden Rechtsvorschrif-                Berufs- und Kammerrecht |
ten und der allgemein anerkannten technischen Stan-                     Verordnungen der Bundeskammer
dards ausüben und auf die neuesten wissenschaftli-
chen Entwicklungen Bedacht nehmen können.

                                                                                                                       9
Besuch bei Kollegen

     Über Grenzen hinweg
     Zu einem Erfahrungs- und Wissensaustausch tra-
     fen sich jüngst Vertreter der Ziviltechnikerkammer
     mit Vertretern der Ingenieurkammer Südböhmen.

     Neben der Option konkreter Zusammenarbeitsmöglich-
     keiten zwischen österreichischen Ziviltechnikerbüros
     und tschechischen Ingenieurbüros stand das Thema
     Digitalisierung im Zentrum der Gespräche. Covid-19 hat
     auf beiden Seiten der Grenze zu einem wahren Digita-
     lisierungsschub geführt. Bei der Etablierung digitaler
     Behördenverfahren, etwa im Baubewilligungsverfah-
     ren, ergeben sich in der Umsetzung vergleichbare Fra-
     gestellungen, die es zu lösen gilt; So beispielsweise die
     Frage der Durchführung von Bauverhandlungen vor Ort
     mit ausschließlich digitalen Planunterlagen.

     Mit dem – bereits seit 2008 bestehenden – zt: Archiv der
     Ziviltechnikerkammer verfügen die österreichischen Zi-
     viltechniker.innen über langjährige Erfahrungen im Um-
     gang mit sicheren elektronischen Urkunden und damit
     auch über einen entsprechenden Wissensvorsprung.
     Ident sind die Ziele der Interessenvertretungen beider
     Länder in diesem Zusammenhang, nämlich Lösungen
     für digitale Einreichverfahren, die den Planer.innen eine
     einfache, komfortable und einheitliche Anwendung er-
     möglichen.

                                                                            Vertreter der Ziviltechnikerkammer zu Besuch bei Vertretern der
                                                                            Ingenieurkammer Südböhmen | © ZT:OÖundSBG

                                                                            Aufgrund der aktuellen Covid-19-Situation wird „PRES-
                                                                            TA 2018-2020“ zwar nicht als Ausstellung präsentiert,
                                                                            es wurde allerdings ein Katalog der prämierten Projekte
     Besichtigung der Brauerei Solnice, einem prämierten Projekt im Kata-
     log Presta | © ZT:OÖundSBG
                                                                            herausgegeben.

                                                                                                            Die deutschsprachige
     Als Beitrag zur Weiterentwicklung der Baukultur in Süd-
                                                                                                            Version dieser Publikation
     böhmen vergibt die Ingenieurkammer Budweis gemein-
                                                                                                            bietet einen übersichtlichen
     sam mit weiteren Initiatoren für ausgezeichnete Projek-
                                                                                                            Einblick in das Wirken
     te binär „PRESTA“-Preise in verschiedenen Kategorien
                                                                                                            der tschechischen
     (Industriebau, Denkmalbau,..).
                                                                                                            Kollegenschaft.
     Ziel der Sichtbarmachung der Projekte ist die Schaffung
                                                                                                            Zu sehen auf unserer
     eines gesunden Wettbewerbsgeistes und dadurch die
                                                                                                            Website unter NEWS
     Unterstützung qualitätsvoller und effizienter Planungen.
                                                                                                            Presta Prestigebauten
     In der Vergangenheit wurde die Ausstellung der preis-
                                                                                                            Südböhmen
     gekrönten Projekte bereits mehrmals in der Kammer-
     direktion Linz und auch in der Geschäftsstelle Salzburg
     gezeigt.

10
Veranstaltungen

Symposium Brennpunkt Alpines Bauen: Der Green Deal für
neues Bauen und Wohnen
Gebäude sind für ein Drittel der gesamten Emissio-
nen in der Europäischen Union verantwortlich. Sie
spielen daher eine zentrale Rolle, wenn die EU das
Ziel des European Green Deals, bis 2050 klimaneu-
tral zu werden, erreichen will.

Beim 8. Fachsymposium Brennpunkt Alpines Bauen -
heuer erneut als online-Format - diskutierten Expertin-
nen und Experten, was der Green Deal für die Bauwirt-
schaft bedeutet, wie wir in Zukunft zusammenleben
wollen und wie wir Klimaneutralität im Gebäudesektor
erreichen wollen. „Bei der Veranstaltung haben wir die
strategischen Pläne der EU auf konkrete Beispiele und
                                                          Moderator Wojciech Czaja, Renate Hammer (Baukultur-Beirat im
Handlungsempfehlungen für die Betriebe umgemünzt“,        Bundeskanzleramt), Arnold Schmitzer (pm1 Projektmanagement)
sagte der Veranstalter Bernhard Lehofer vom ITG Salz-     und Heinz Plöderl (ZT-Kammer) bei der per live-Stream übertragenen
burg.                                                     Podiumsdiskussion.

EU-Strategie mit nationaler Umsetzung                     ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt ist. „Mit der
Mithilfe der Regularien wird den Mitgliedstaaten Hilfe-   Renovierungswelle soll unter anderem auch die Armut,
stellung gegeben, nationale Programme zu erstellen.       die mit hohen Energiekosten verbunden ist, bekämpft
„Europas Regionen haben unterschiedliche Bedürfnisse      werden“, sagte Stefan Moser. Um die kulturellen und
an Gebäude. Verschiedene Klimazonen sowie kulturel-       sozialen Aspekte mit einzubeziehen, wurde das New
le und ästhetische Aspekte haben Einfluss darauf, wie     European Bauhaus gegründet, eine Initiative, die die
in einer Region gebaut wird. Von der EU gibt es daher     Themen Kunst, Kultur, soziale Inklusion, Wissenschaft
typisierte Lösungen, die auf nationaler Ebene adaptiert   und Technologie zusammenbringt. „Wir vereinen damit
werden können“, sagte Keynote Speaker Stefan Moser,       die politischen Vorgaben mit der Frage, wie wir leben
Referatsleiter der Generaldirektion Energie bei der Eu-   wollen“, schloss Stefan Moser seinen Vortrag.
ropäischen Kommission.                                    Die Online-Veranstaltung fand 2021 im Rahmen der bei-
                                                          den EU-Projekte „Das Gebäude als Baustein der Ener-
Der Green Deal hat positive Effekte auf das Thema Woh-    giezukunft“ und „Green Public Procurement for Buil-
nen und Wohnqualität, welches durch Corona wieder         ding“ statt.

Social Media

Projekte für Instagram gesucht - Zeigen Sie Ihre Projekte
                                                          Der Instagram-Account der Kammer bekommt eine stetig wachsende
                                                          Community - seit dem Start Mitte September verzeichnen wir einen
                                                          aktuellen Stand von mittlerweile 350 Followern. Sehr erfreulich, zumal
                                                          wir noch nicht die Werbetrommel gerührt haben!

                                                          Nun wollen wir unserem Account mehr Reichweite verschaffen und
                                                          freuen uns daher auf IHRE PROJEKTE und BEITRÄGE!

                                                          Hochglanzbilder und lange Romane sind nicht vonnöten - werfen Sie
                                                          einen Blick auf die bisherigen Postings und lassen Sie sich überzeugen!
                                                          https://www.instagram.com/ziviltechniker.innen_ooe_sbg/

                                                          Gemeinsam erfolgreich mit der
                                                          Social-Media-Kampagne der
                                                          ZT-Kammer OÖ/Sbg
                                                          Senden Sie Ihre Daten gerne an
                                                          a.falger@arching-zt.at oder s.kicin@arching-zt.at

                                                                                                                                    11
Veranstaltungen

     Die Ausstellung „Boden für Alle“ zeigt Lösungen im Um-
     gang mit dem Flächenfraß auf

                                                                                         Maria Schachinger, Karoline Mayer, Franz
                                                                                         Seidl bei der Eröffnung der Ausstellung
                                                                                         „Boden für Alle“
                                                                                         | © Franz Neumayr

     Von Baulandhortung und fortschreitender Zersie-             allem an die Wähler.innen. Wir alle können eine andere
     delung, von Ideen für gelingende Raumplanung                Politik fordern“, meinte die Ausstellungskuratorin Karo-
     bis hin zu internationalen Beispielen für einen er-         line Mayer.
     folgreichen Umgang mit der Ressource Boden - die
     Ausstellung „Bode für Alle“ erzählt viele Geschich-         Die WWF-Bodenschutz-Sprecherin Maria Schachin-
     ten. Warum das Thema zunehmend an Bedeutung                 ger ging in ihrem Vortrag am Eröffnungsabend auf die
     gewinnt, welche Kräfte an unserem Boden zerren              ökologischen Auswirkungen der massiven Verbauung
     und wer vom Flächenverbrauch profitiert - davon             ein: Naturzerstörung, Artensterben, Klimakrise, Ge-
     konnten sich die zahlreichen Gäste bei der Aus-             sundheitsgefahr, um nur einige zu nennen. Sie legte
     stellungseröffnung Ende September in der Zivil-             anschaulich dar, warum sich mehr Natur statt Beton
     technikerkammer Salzburg überzeugen.                        bezahlt macht und welche Wege aus der Umweltkrise
                                                                 führen können.
     Der Boden ist ein kostbares Gut, mit dem wir in Öster-
     reich nicht gerade sorgsam umgehen. Über die anhal-         Die Wander-Ausstellung hat inhaltlich einiges zu bieten:
     tende Zersiedelung des Landes wird seit Jahrzehnten         sie widmet sich in sieben Kapiteln den rechtlichen, öko-
     diskutiert. Trotzdem wird weiter Bauland gewidmet,          nomischen und ökologischen Aspekten des Bodens,
     werden neue Einkaufszentren auf der grünen Wiese            macht die damit verbundenen Probleme anschaulich,
     und Chaletdörfer in den Alpen errichtet. „Die Wohn-         liefert Diskussionsstoff und zeigt mögliche Lösungswege
     flächenentwicklung in Salzburg zeigt in den letzten 50      auf. Fallstudien und Begriffserklärungen bringen Licht in
     Jahren einen enormen Anstieg - von 25 m2 pro Kopf im        das Dickicht der Zuständigkeiten. Ländervergleiche ver-
     Jahr 1970 bis zu 45 m2 pro Kopf heute - das ist unter       anschaulichen Stärken und Schwächen, internationale
     anderem dem Anteil von 50 % (!) an Singlehaushalten         Best-Practice-Bei-
     geschuldet. Unsere neue Haushaltsstruktur beeinflusst       spiele zeigen Alter-
     auf lange Sicht den Wohnbau und den Flächenbedarf“,         nativen. Eine Samm-
     erläuterte Franz Seidl, Vizepräsident der Ziviltechniker-   lung     an    bereits
     kammer Oberösterreich und Salzburg.                         bestehenden       und
                                                                 möglichen       neuen
     Die vom Architekturzentrum Wien kuratierte Schau            Instrumenten weist
     „Boden für alle“ zeigt eindringlich, dass wir ein System    Wege zu einer Raum-
     geschaffen haben, in dem viele von uns vom Flächen-         planung, welche die
     verbrauch profitieren. Dieser Profit geht allerdings mit    Ressource       Boden
     Baulandhortung und Zersiedelung sowie steigenden            schont, den Klima-
     Bodenpreisen einher. „Die Ausstellung richtete sich ur-     wandel abfedert, der
     sprünglich an die Politik. Die Erfahrung zeigt aber, dass   Wohnungsfrage hilft
     die Politik erst dann reagiert, wenn genügend Wäh-          und eine gute Archi-
     lerstimmen abzuholen sind, somit richtet sie sich vor       tektur ermöglicht.
12
Veranstaltungen

Konfliktzone Boden - Podiumsdiskussion im Rahmen der
Ausstellung „Boden für Alle“ beleuchtet Mittel und Wege
zu gelingender Bodenpolitik

                                                                              Ernst Rainer, Martin Schürz, Josef
                                                                              Schwaiger, Franz Seidl, Ulrike Böker und
                                                                              Winfried Herbst beim Programmhighlight
                                                                              zur Ausstellung „Boden für Alle“
                                                                              | © Franz Neumayr

Dialog ist immer gut. Problemfelder werden defi-         bis hin zur Bedeutung und Qualität der nahen Naturräu-
niert, unterschiedliche Argumentationen vorge-           me sowie Schönheit der Lebensumgebung.
bracht, gemeinsame Lösungsansätze gesucht. So
auch bei dem Programmhighlight Podiumsdiskus-            Mehrmals aufgegriffen wurde die Bedeutung der so-
sion mit namhaften Expert.innen im Rahmen der            genannten „Null-Phase“ beim Planen. Das Verständ-
Ausstellung „Boden für Alle“ Ende Oktober in der         nis um die Zusammenhänge in der Raumplanung und
Ziviltechnikerkammer Salzburg.                           Baukultur ist in der Kommunalpolitik allzu oft gar nicht
                                                         vorhanden. Hier besteht ein dringender Handlungs- und
„Wir Architekten bauen gerne, haben allerdings Kon-      Investitionsbedarf, die Frage Was wollen wir? leitet den
zepte, damit der Boden nicht verschwindet“, stellte      qualitativen Prozess überhaupt erst ein, in dieser ent-
Kammer-Vizepräsident Franz Seidl gleich in seinen        scheidenden Phase werden die Weichen für die Ener-
Begrüßungsworten fest. „Sorgsamer Umgang mit der         gie- und Raumplanung gestellt.
endlichen Ressource Boden liegt durchaus im Interes-
se des Berufsstandes der Ziviltechniker.innen und hat    Am Ende des angeregten Meinungsaustausches wag-
weitreichende Folgen für unser und das Leben künftiger   ten alle Podiumsgäste einen Blick in die nahe Zukunft.
Generationen“, so Seidl weiter.                          Auf die Frage des Moderators Stefan Veigl hin, wie soll-
                                                         te oder müsste eine nachhaltige Bodenpolitik ausse-
Der renommierte Vermögensforscher Martin Schürz          hen, folgten prompte Antworten:
gewährte in seinem Vortrag spannende Einblicke in die
komplexe Problematik des Bodenbesitzes und seiner        •   Zonenorientierte Leerstand-Analyse aufbereiten,
gesellschaftlichen Konnotationen und Gefühlszuschrei-        Förder-Milliarde für städtebauliche Entwicklung
bungen. Er fand klare Worte, was die Rolle der Politik       schaffen (Böker)
in Bezug auf Ungleichheit der Bodenverteilung angeht:    •   In Phase Null massiv investieren, Bodenwertabgabe
Vermögenssteuer an der Wurzel angehen, Erbschafts-           einführen (Rainer)
steuer einführen.                                        •   Mehr Partizipation der Bürger, Funktion der Böden
                                                             in Mittelpunkt rücken (Herbst)
Diskussionsstoff gab es in der anschließenden Podi-      •   Mit dem Thema Raumordnung bereits in den Schu-
umsrunde zu Genüge. Keynote Martin Schürz, Landes-           len anfangen, die Diskussion ohne erhobenen Zei-
rat Josef Schwaiger, Landtagsabgeordnete der Grünen          gefinger führen (Schwaiger)
Ulrike Böker, Naturschutzbund-Chef Winfrid Herbst        •   Grundrecht auf Wohnen – Perspektive wechseln –
und Stadtentwickler Architekt Ernst Rainer sprachen          weg von den „Oberen 10.000“ der Gesellschaft hin
über Umgang mit Flächenwidmungen, Weiterbauen                zur Bevölkerung mit niedrigen Einkommen (Schürz)
angesichts des Klimawandels, steigende Wohnpreise,
Zersiedelung, psychologische Aspekte des Wohnens         Dialog ist immer gut, Worte ein guter Anfang. Ob kon-
(Traum von Einfamilienhaus), Energiewende, Umnut-        krete Schritte zur Umsetzung eingeleitet werden, bleibt
zungen, die Rolle der Gemeinden in der Bodenpolitik,     abzuwarten.

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Veranstaltungen

     Österreich verschwindet: Was tun gegen den Flächenver-
     brauch?

     Hochkarätige Expertenrunde trug zum Mehrwert der Konferenz bei. © Stadt Salzburg

     Unser Land droht unter immer mehr Beton und                         bleiben auch fünf Jahre später bestehen: Österreich
     Asphalt zu verschwinden. Der tägliche Flächenver-                   verschwindet immer mehr unter Beton und Asphalt.
     brauch nimmt weiterhin zu. Wie kann der Zersie-                     Der Flächenverbrauch ist mit 11,5 ha/Tag immer noch
     delung entgegengewirkt werden und die Stand-                        zu hoch und weit entfernt vom Ziel von 2,5 ha/Tag bis
     ort- und Lebensqualität erhalten bleiben? Diesen                    2030, wie im Regierungsprogramm 2020 – 2024 fest-
     Fragen ging Mitte Oktober im Schloss Hellbrunn                      geschrieben. Zersiedelung sowie vielfältige Nutzungs-
     die 2. Auflage der Fachkonferenz „Österreich ver-                   ansprüche an die begrenzte Ressource Raum gefährden
     schwindet“, organisiert von der Research Studios                    die Standort- und Lebensqualität in Österreich und ha-
     Austria Forschungsgesellschaft und der Ziviltech-                   ben zahlreiche negative Auswirkungen auf Klimaschutz,
     nikerkammer OÖ/SBG, nach.                                           Landwirtschaft, Mobilität und Energie. Unser Umgang
                                                                         mit Flächen beeinflusst, ob wir unsere Ziele in Klima-
     Starkregen und Überflutungen auf der einen, Hitze-                  und Umweltschutz erreichen können.
     wellen und glühender Asphalt auf der anderen Seite:
     Vor dem Hintergrund des Klimawandels gewinnen die                   Im Rahmen der Konferenz haben österreichische und
     Themen Bodenversiegelung, Flächenverbrauch und Zer-                 deutsche Expert.innen Strategien und Tools gegen den
     siedelung an Bedeutung. „Österreich verschwindet II“                Flächenverbrauch sowie neue Wege in der Raumpla-
     zeigte auf, wie nachhaltige Raumplanung ein Werkzeug                nung beleuchtet. Im Anschluss wurden in einer Podi-
     für mehr Klimaschutz und Lebensqualität sein kann.                  umsdiskussion zwischen Expert.innen und Vertreter.
                                                                         innen der Politik die praktischen Implikationen dieser
     Im Jahr 2016 beleuchtete die Konferenz zum ersten                   Erkenntnisse diskutiert. Die Veranstaltung moderierte
     Mal die damaligen Herausforderungen und Trends des                  Tarek Leitner - der ZIB 1 Moderator hielt auch den Be-
     zunehmenden Flächenverbrauchs sowie einer nach-                     grüßungsvortrag “Wo leben wir denn?”.
     haltigen Siedlungsentwicklung. Die Herausforderungen

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Veranstaltungen

                                                                       In ihrem Vortrag begab sich die renommierte Stadtplanerin Ingrid
                                                                       Krau auf die Suche nach einer neuen Normalität in der Raumentwick-
                                                                       lung nach Corona. | © Stadt Salzburg

Josef Schwaiger, Barbara Unterkofler, Thomas Prinz, Tarek Leitner,
Martina Berthold und Rainer Kolator bei „Österreich verschwindet II“
© Stadt Salzburg

                                                                       Der Architekt Gunther Koppelhuber war einer der Vortragenden
                                                                       aus den ZT-Reihen. | © Stadt Salzburg

                                                                                                                                            15
Veranstaltungen

     Impressionen von den Spät-Sommerfesten in Salzburg ...

     Fotos Salzburg © Franz Neumayr

     Beschwingte Musik und jede Menge guter
     Stimmung zogen in die Salzburger Zivil-
     technikerkammer ein. Das Wetter hielt sich
     spätsommerlich warm und so konnte ein ge-
     lungenes Fest mit mehr als 100 Kammermit-
     gliedern und Gästen aus der Politik und Wirt-
     schaft über die Bühne gehen.

     „Ziviltechniker.innen sind das ganze Jahr über in
     knapp 100 verschiedenen technischen Bereichen
     im Einsatz. Das Sommerfest bietet die Gelegenheit,
     gemeinsam einen schönen Abend zu verbringen und
     Erfahrungen unter Kollegen und Partnern auszutau-
     schen“, betonte Kammerpräsident Rudolf Wernly in
     seinen Grußworten. Kammermitglieder genossen das                                Musikalisch
     stimmungsvolle Ambiente ebenso wie Landesrätin                  sorgten schwungvolle Beats
     Andrea Klambauer und die Direktorin der Arbeiterkam-     der Salzburger Band Libertango für
     mer Cornelia Schmidjell. Zudem ließen es sich der Lan-           ausgezeichnete Stimmung.
     desbaudirektor Daniel Burtscher, Planungsstadträtin
     Martina Berthold sowie zahlreiche Vertreter.innen aus
     allen Ebenen der Landes- und Stadtverwaltung nicht
     nehmen, mit den Ziviltechniker.innen gemeinsam zu
     feiern.
16
Veranstaltungen

... und Linz

Fotos Linz © Peter Mayr

Im denkmalgeschützten Architekturjuwel der
1930er Jahre, in der Lösehalle der Tabakfabrik
in Linz, trafen sich Ziviltechniker.innen mit
Gästen aus Politik und Wirtschaft zum gemein-
samen Feiern und Netzwerken.

Für reges Interesse sorgte das Vorprogramm mit
Führungen durch die Grande Garage. Die techni-
schen Ausrüstung bietet viele Möglichkeiten, die
auch für Ziviltechniker.innen von Interesse sind.

Mit österreichischen und internationalen Köstlichkei-
ten, edlen Weinen und kreativen Longdrinks verwöhnte
das Team vom Caterer Tinschert die Gäste. Schwung-
volle Musikuntermahlung der Musiker.innen von Voices
and Music bildeten den Rahmen für einen Stimmungs-
vollen Abend.

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Recht & Services

     Neue rechtliche Bestimmungen und Gesetzesänderungen

     © pixabay

     Bundesgesetz, mit dem ein Bundesgesetz über                Vorgaben des nationalen Gewässerbewirtschaftungs-
     die Gewährleistung bei Verbraucherverträgen                plans 2015 und der Nationalen Gewässerwirtschafts-
     über Waren oder digitale Leistungen (Verbrauch-            planverordnung 2009. Die Verordnung trat mit 1.10.2021
     ergewährleistungsgesetz – VGG) erlassen wird so-           in Kraft.
     wie das allgemeine bürgerliche Gesetzbuch und
     das Konsumentenschutzgesetz geändert werden                Gesetz vom 10. November 2021, mit dem das Gesetz
     (Gewährleistungsrichtlinien-Umsetzungsgesetz –             über Auskunftspflicht, Dokumentenweiterverwen-
     GRUG; BGBl. I 175/2021)                                    dung, Datenschutz, Landesstatistik und Geodaten-
     Dieses Bundesgesetz regelt die Gewährleistung zwi-         infrastruktur geändert wird (Sbg.LGBl. 90/2021)
     schen Unternehmern und Verbrauchern im Hinblick auf        Das Gesetz verfolgt u.a. die Förderung der Verwendung
     Warenkäufe und die Bereitstellung von digitalen Leis-      offener Daten sowie die Verpflichtung, soweit möglich
     tungen. Das Gesetz tritt mit 1.1.2022 in Kraft.            und sinnvoll, Dokumente auf elektronischem Weg in of-
                                                                fenen, maschinenlesbaren, zugänglichen, auffindbaren
     Verordnung der Bundesministerin für Klimaschutz,           und weiterverwendbaren Formaten zur Verfügung zu
     Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Tech-           stellen. Das Gesetz trat Großteils mit 19.11.2021 in Kraft.
     nologie, mit der die Altlastenatlas-VO geändert
     wird (1. Altlastenatlas-VO-Novelle 2021; BGBl. II          Verordnung der Salzburger Landesregierung vom
     428/2021)                                                  29. September 2021 mit der die Salzburger Bautech-
     Der Atlas wurde um neue Altlasten ergänzt. Die Novelle     nikverordnung geändert wird (Sbg.LGBl. 78/2021)
     trat mit 15.10.2021 in Kraft.                              Die Verordnung erklärt die OIB-Richtlinien 2019 für ver-
                                                                bindlich (Ausnahme hinsichtlich Gesamtenergieeffizi-
     Landesgesetz, mit dem das Oö. Wohnbauförde-                enz, Energieeinsparung und Wärmeschutz – hier gilt die
     rungsgesetz 1993 geändert wird (Oö. Wohnbauför-            OIB-Richtlinie Nr. 6 aus 2015). Allerdings wurden Abwei-
     derungsgesetz-Novelle 2021; Oö.LGBl. 91/2021)              chungen von den OIB-Richtlinien vorgesehen. Die Neue-
     Die reine Kaufförderung gibt es nicht mehr. Dadurch soll   rungen traten Großteils mit 1.10.2021 in Kraft.
     der Anreiz für die Sanierung erhöht werden. Kellerer-
     satzräume können nun über der Wohnung erschlossen          Verordnung der Salzburger Landesregierung vom
     werden. Die Wohnbeihilfe wurde auf Mietwohnbereiche        29. September 2021 über die bauliche Ausgestal-
     beschränkt. Die Novelle ist seit 8.9.2021 in Kraft.        tung der Fahrradabstellplätze und -räume (Fahrrad-
                                                                abstellplätze-Verordnung; Sbg.LGBl. 79/2021)
     Verordnung des Landeshauptmanns von Oberös-                Die Verordnung regelt die Anforderungen an Stellplät-
     terreich, mit der ein 3. Sanierungsprogramm für            ze für Fahrräder. So ist beispielsweise die Mindestgrö-
     Fließgewässer erlassen wird (Oö.LGBl. 97/2021)             ße mit 2 x 0,8 m festgelegt. Die Verordnung trat mit
     Die Verordnung dient der Umsetzung der konkreten           1.10.2021 in Kraft.

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Recht & Services

Angleichung der Kündigungsregelungen von Arbeitern und
Angestellten
Mit 1. Oktober 2021 sind die Kündigungsfristen und                      Zu beachten ist auch, dass die gesetzlich normierten
Kündigungstermine von Arbeitern und Angestellten an-                    Kündigungstermine zum Quartalsende einzuhalten
geglichen worden. Die neue Rechtslage gilt somit für                    sind. Allerdings können weitere Kündigungstermine (15.
alle Kündigungen, die nach dem 30.09.2021 ausgespro-                    oder Monatsletzter) vereinbart werden.
chen wurden. Das bedeutet im Überblick:
                                                                        Während der Zeit bis zum letzten Arbeitstag wird oft-
Beschäftigungsdauer              Kündigungsfrist
                                                                        mals zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Ver-
1. und 2. Dienstjahr             sechs Wochen                           einbarung geschlossen, dass der Arbeitnehmer in die-
ab dem 3. Dienstjahr             zwei Monate                            ser Zeit seinen Resturlaub aufbraucht.
ab dem 6. Dienstjahr             drei Monate
ab dem 16. Dienstjahr            vier Monate
ab dem 26. Dienstjahr            fünf Monate

Aus der Rechtsprechung
Zahlung von Mehrkosten wirken als deren schlüssi-                       Der OGH wandte hinsichtlich der Erstellung der Pläne
ge Akzeptanz; keine Rückforderung möglich (OGH                          die Bestimmungen über Werkverträge an. Er stellte
24.3.2021, 3 Ob 27/21y)                                                 fest, dass der Architekt aus dem Werkvertrag heraus
Ein Unternehmen legte der Bauwerberin einen Kosten-                     zwar nicht den Erfolg im Baubewilligungsverfahren
voranschlag mit näher umschriebenen Bauarbeiten vor                     schuldet, sehr wohl aber mangelfreie Pläne. Im konkre-
und wurde in der Folge von der Bauwerberin beauf-                       ten Fall liegt eine Mangelhaftigkeit der Pläne vor, da die
tragt. Nach Beginn der Arbeiten übermittelte das Bau-                   Abstandbestimmungen nicht eingehalten wurden bzw.
unternehmen per Mail eine Kalkulation, die Mehrleis-                    nicht begründet wurde, dass eine Ausnahme für die Un-
tungen ergab. Begleitend führte das Bauunternehmen                      terschreitung dieser Abstände vorliegt.
in der Mail aus, dass mittlerweile sämtliche Unklarhei-
ten hinsichtlich der Planung und Statik abgeklärt und                   Eine Verbesserung der Pläne in dem Sinne, dass eine
keine unbekannten Kosten oder Überraschungen bei                        geeignete Begründung für das Unterschreiten der Ab-
der Ausführung zu erwarten waren. Die Bauwerberin                       standsregelungen nachgereicht wird, wurde vom Archi-
beglich die Mehrleistungen. Anschließend forderte sie                   tekten nicht vorgebracht. Im Gegenteil, der Architekt
diese allerdings zurück.                                                stritt die Mangelhaftigkeit der Pläne ab (Argument: Ver-
Der OGH bestätigte das Urteil des Berufungsgerichts,                    sagung der Baubewilligung mangels Konsens mit dem
dass der zweite Kostenvoranschlag Kostensicherheit                      Nachbarn). Aus diesem Grund brauchte der OGH nicht
gewähre und die Bauwerberin die Mehrkosten schlüs-                      prüfen, ob und mit welchem Aufwand eine Verbesse-
sig akzeptiert hatte, da sie von der Möglichkeit des Ver-               rung der Pläne möglich ist, sondern gab dem schaden-
tragsrücktritts keinen Gebrauch gemacht hatte.                          ersatzrechtlichen Anspruch auf Rückerstattung des
                                                                        Werklohns (ohne Setzung einer Mangelbeseitigungs-
Bauherr kann bei mangelhaften Plänen sein Geld                          frist) statt.
zurückfordern (OGH 25.2.2021, 3 Ob 183/20p)
Ein Architekt war mit der Einreich- und Entwurfsplanung
betraut worden. Er teilte dem Bauherrn mit, dass vor-
geschriebene Abstände zum Nachbargrundstück nicht
eingehalten werden können und daher Absprachen mit
dem Nachbarn und der Gemeinde von Nöten seien.
Auf die Möglichkeit einer ausnahmsweisen Unterschrei-
tung der Abstände (§ 25 Abs. 8 Sbg. Bebauungsgrund-
lagengesetz) wies er nicht hin. In der Folge wurde die
Baubewilligung mangels Bewilligungsfähigkeit des Pro-
jekts abgelehnt, weswegen der Bauherr den Architek-
ten auf Rückerstattung des Werklohns klagte.
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                                                                  nge
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                                                    pix
                                                                                                                                     19
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