Rohstoffe für die Energiewende - Menschenrechtliche und ökologische Verantwortung in einem Zukunftsmarkt - Misereor

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Rohstoffe für die Energiewende - Menschenrechtliche und ökologische Verantwortung in einem Zukunftsmarkt - Misereor
STUDIE

         Rohstoffe
         für die Energiewende
         Menschenrechtliche und ökologische
         Verantwortung in einem Zukunftsmarkt
Rohstoffe für die Energiewende - Menschenrechtliche und ökologische Verantwortung in einem Zukunftsmarkt - Misereor
Rohstoffe für die Energiewende – Menschenrechtliche und ökologische Verantwortung in einem Zukunftsmarkt

Impressum
Herausgeber:
   Bischöfliches Hilfswerk MISEREOR e. V.
   Mozartstr. 9 · 52064 Aachen
   Tel +49 (0)241/ 442 0
   Fax +49(0)241/442 188

Kontakt:
   Armin Paasch (armin.paasch@misereor.de)

Autor:
   Axel Müller (FAKT)

Redaktion:
   Dr. Bernd Bornhorst, Armin Paasch und
   Antje Kathrin Schroeder

Layout und Grafik-Design:
   VISUELL Büro für visuelle Kommunikation

Fotos Titelseite:
  F. Kopp/MISEREOR und Fotolia/@nt

                                                                Gedruckt auf 100 % Recycling-Papier mit EU Ecolabel,
Februar 2018                                                    FSC-zertifiziert + Blauer Engel

                                                                                                                        Foto: Oupa Nkosi/MISEREOR

Zivilgesellschaftliche Akteure und die Bevölkerung protestieren gegen die Kohleindustrie und für erneuerbare Energien
in Johannesburg (Südafrika).

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Rohstoffe für die Energiewende - Menschenrechtliche und ökologische Verantwortung in einem Zukunftsmarkt - Misereor
Inhalt
1. Einleitung.  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 4

2. Erneuerbare Energien .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 6
     2.1. Die Rolle der erneuerbaren Energien weltweit .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 6
     2.2. Deutschland – Land der erneuerbaren Energien .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 11
     2.3. Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien.  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 12

3. Rohstoffe für die Energiewende .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 14
     3.1. Zunehmender Bedarf an Metallen für die Energiewende .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 14
     3.2. Welche Rohstoffe benötigen Windkraft- und Photovoltaikanlagen? .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 16
		          3.2.1. Rohstoffbedarf von Windkraftanlagen .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 16
		          3.2.2. Rohstoffbedarf von Photovoltaikanlagen .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 17
     3.3. Rohstoffbedarf für die Zukunft .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 18
		          3.3.1. Von Peak Oil zu Peak Metal? .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 18
		          3.3.2. Mehr Bergbau – auch für die Energiewende .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 20

4. Die Wertschöpfungskette von Windrädern und Photovoltaikanlagen und ihre Akteure.  .  .  .  .  . 21
     4.1. Der Windkraftsektor .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 21
     4.2. Die Photovoltaik - Solarbranche .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 24

5. Menschenrechtliche Probleme im Bergbausektor .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 26
     5.1. Rohstoffabbau in Entwicklungs- und Schwellenländern .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 26
     5.2. Fallbeispiele: Rohstoffabbau und seine Folgen .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 26

6. Rohstoffherkunft, Menschenrechtsverletzungen und Unternehmensverantwortung .  .  .  .  .  .  . 35
     6.1. Hersteller von Windkraftanlagen .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 38
     6.2. Die Solarbranche .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 39
     6.3. Metallverarbeiter und Zulieferer von Solar- und Windindustrie .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 40
     6.4. Ökostromanbieter .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 42

7. Fazit .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 44

8. Empfehlungen .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 46

Literatur.  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 48

Endnoten.  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 52

                                                                                                                                                                                     3
Rohstoffe für die Energiewende - Menschenrechtliche und ökologische Verantwortung in einem Zukunftsmarkt - Misereor
Rohstoffe für die Energiewende – Menschenrechtliche und ökologische Verantwortung in einem Zukunftsmarkt

1. Einleitung
   Nach jahrelangen, zähen Verhandlungen einigte sich                                          21 und beschloss den Ausstieg der USA aus dem Kli-
die Weltgemeinschaft beim Klimagipfel COP 21 (The Paris                                        maabkommen. Nichtsdestotrotz hält die Weltgemein-
Climate Conference is officially known as the 21st Con-                                        schaft an dem Abkommen fest. Das Ziel, die durch die
ference of the Parties (or “COP”) to the United Nations                                        COP eingeleitete Dekarbonisierung der Weltwirtschaft
Framework Convention on Climate Change (UNFCCC)) im                                            weiter zu forcieren und damit die globale Energiewen-
Dezember 2015 in Paris auf ein neues Klimaabkommen                                             de basierend auf erneuerbaren Energien zu vollziehen,
für die Zeit nach 2020. Dieses sieht erstmalig vor, dass                                       wurde von den Staatsoberhäuptern im Zuge des G20-
alle Staaten gemeinsam gegen den Klimawandel vorge-                                            Gipfels in Hamburg erneut bekräftigt. Mit Ausnahme
hen. 195 Staaten verpflichteten sich durch ein völker-                                         der USA betonten die „restlichen 19 G20-Länder, dass
rechtlich verbindliches Abkommen, die Erderwärmung im                                          für sie die Klimavereinbarung „unumkehrbar“ sei und
Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf unter 2 °C zu                                     diese rasch umgesetzt werden solle.“ 2
begrenzen. Ziel ist es, den Temperaturanstieg bereits bei                                         Erneuerbare Energien umfassen verschiedene Formen
1,5 °C zu stoppen.1 Zudem soll sich die Welt bis Mitte                                         der Wasserkraft, Geothermie, Biomasse, Solarenergie
des Jahrhunderts von den fossilen Energieträgern wie                                           und Windkraft. Zwar spielen sie im globalen Vergleich
Kohle, Erdöl und Erdgas lossagen. Die Weltgemeinschaft                                         zu den fossilen Energieträgern noch immer eine unter-
sichert im Pariser Abkommen außerdem den durch den                                             geordnete Rolle, doch seit Jahren wachsen ihre Anteile
Klimawandel betroffenen Entwicklungsländern finanzi-                                           an der weltweiten Energieversorgung stetig, sodass sie
elle Unterstützung zu.                                                                         herkömmliche Energieträger hinsichtlich der neu instal-
   Ein Jahr später haben bereits 131 Staaten den Pariser                                       lierten Kapazität bereits übersteigen. Insbesondere die
Klimavertrag ratifiziert, darunter auch die USA, China,                                        Energieerzeugung durch Wind- und Solarkraft gewinnt
Russland und die EU. Mit Beginn der Weltklima-Kon-                                             im Stromsektor zunehmend an Bedeutung.
ferenz (COP 22) in Marrakesch, die vom 7. bis 18. No-                                             Doch gerade wegen der zunehmenden Relevanz rege-
vember 2016 stattfand, galt es, konkrete Umsetzungs-                                           nerativer Energien muss auf deren Nachhaltigkeit geach-
                                                                                               tet werden. Soll ein erhöhter Anteil erneuerbarer Ener-
                                                                                               gien an der globalen Stromversorgung erreicht werden,
                                                                                               müssen Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt werden.
                                                                     Foto: GRUFIDES/MISEREOR

                                                                                               Dazu gehören vor allem Auswirkungen auf das Klima und
                                                                                               Ökosysteme, auf die Gesundheit der Bevölkerung, eine
                                                                                               generationsübergreifende Versorgungssicherheit, aber
                                                                                               auch kurz- und langfristige Kostenaspekte, die Auswir-
                                                                                               kungen auf Landnutzung und Landschaftsbild sowie der
                                                                                               Ressourcenbedarf.
                                                                                                  Wegen der beschränkten Verfügbarkeit und
                                                                                               der ökonomischen Bedeutung beschäftigen sich
                                                                                               Wissenschaftler/-innen, Forschungsinstitute und Nicht-
                                                                                               regierungsorganisationen (NRO) mit der Frage der Ver-
                                                                                               knappung von Rohstoffen heute und in der Zukunft.
                                                                                               Jedoch wird ein wichtiger Aspekt immer wieder außer
                                                                                               Acht gelassen: Woher stammen die für die Fertigung
                                                                                               der Windkraft-, Wasserkraft- und Photovoltaikanlagen
                                                                                               benötigten Rohstoffe und unter welchen Umständen
                                                                                               werden diese abgebaut?
                                                                                                  Die Studie greift diese Fragestellung mit speziellem
maßnahmen des Pariser Klimavertrages zu verhandeln.                                            Blick auf die Wind- und Solarbranche auf, da beide bei
Zweifelsohne waren die COP 21 und die Marrakesch-                                              der deutschen Energiewende eine außerordentlich wich-
Konferenz wichtige Erfolge, auch wenn es weiterhin po-                                         tige Rolle spielen. In diesem Zusammenhang geht die
litische Hürden und Widerstand geben wird. Aller Vorar-                                        Studie auf folgende Fragen ein:
beit zum Trotz stellte sich der Präsident der Vereinigten                                      • Welche Rohstoffe werden bei der Herstellung von
Staaten, Donald Trump, nach seiner Wahl gegen COP                                                 Windrädern und Photovoltaikanlagen verwendet? Aus

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Rohstoffe für die Energiewende - Menschenrechtliche und ökologische Verantwortung in einem Zukunftsmarkt - Misereor
Einleitung

                                                                                                                                      Foto: R. Brockmann/MISEREOR
Arbeiter/innen in der Coltan-Mine Fungamwaka in South Kivu in der Demokratischen Republik Kongo. Ob industriell oder
wie hier mit fast mittelarlterlichen Methoden – der Bergbau hinterlässt in vielen Regionen der Welt – vor allem in Entwick-
lungs- und Schwellenländern – tiefe Spuren in der Natur und bei den betroffenen Menschen.

  welchen Ländern stammen die ausgewählten Rohstof-                Das Ziel der Studie ist nicht, die Energiewende in ir-
  fe zur Herstellung von Windrädern und Photovoltaik-              gendeiner Form in Frage zu stellen. Es steht außer Fra-
  Anlagen in Deutschland?                                          ge, dass Energieanlagen auf Basis fossiler Energieträ-
• Unter welchen menschenrechtlichen und ökologi-                   ger, unter Miteinbeziehung von Folgebetriebskosten so-
  schen Bedingungen werden diese Rohstoffe in den                  wie des vorausgesetzten kontinuierlichen und hohen
  Herkunftsländern abgebaut?                                       Rohstoffeinsatzes, im Vergleich zu Anlagen regenerativer
• Inwieweit werden deutsche Hersteller von Windrä-                 Energieformen eine wesentlich schlechtere Gesamtroh-
  dern und Photovoltaik-Anlagen sowie Zulieferer ihrer             stoffbilanz aufweisen. Dennoch wird in der vorliegenden
  menschenrechtlichen Verantwortung auf Grundlage                  Studie vorwiegend der Rohstoffbedarf an Metallen wie
  der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschen-               Eisen, Kupfer, Seltene Erden etc. für den Bau von Ener-
  rechte mit Bezug auf die Lieferketten dieser Rohstoffe           giegewinnungsanlagen aus erneuerbaren Energieträgern
  gerecht?                                                         behandelt. Gerade weil sich MISEREOR seit Langem mit
• Welche Maßnahmen seitens der Unternehmen, der                    Partnern für regenerative Energien einsetzt und in zahl-
  Politik wie auch der Konsumenten/-innen sind not-                reichen Entwicklungs- und Schwellenländern Projekte
  wendig, um Menschenrechtsverletzungen beim Roh-                  im Bereich der erneuerbaren Energien unterstützt, sind
  stoffabbau zu verhindern?                                        wir daran interessiert, auf mögliche Probleme und Her-
                                                                   ausforderungen in diesem Sektor hinzuweisen. Dadurch
Zentrales Instrument der Studie war ein Fragebogen, der            soll ein Austausch mit relevanten Entscheidungsträgern
an 21 Unternehmen aus der Branche der erneuerbaren                 – wie Energieanbietern, Anlagenherstellern und Zuliefe-
Energien geschickt wurde. An dieser Befragung haben                rern – gefördert werden, um aktiv an Lösungsansätzen
neun Unternehmen teilgenommen.                                     zu arbeiten.

                                                                                                                                 5
Rohstoffe für die Energiewende - Menschenrechtliche und ökologische Verantwortung in einem Zukunftsmarkt - Misereor
Rohstoffe für die Energiewende – Menschenrechtliche und ökologische Verantwortung in einem Zukunftsmarkt

2. Erneuerbare Energien
2.1. Die Rolle der erneuerbaren Energien weltweit
   Energiegewinnung für Strom und Wärme aus Wind,                            das Investitionsvolumen im Vergleich zum Vorjahr
Sonne, Wasser und Biomasse nimmt seit Jahren global                          um 4 %.6
gesehen eine zunehmend wichtige Rolle ein. Die instal-                          Das weltweite Wachstum bei erneuerbaren Energien
lierte Leistung an erneuerbaren Energien lag 2016 bei                        steht in direktem Zusammenhang mit unterschiedli-
2.006 Gigawatt 3 (GW) und stieg damit um 161 Giga-                           chen Faktoren: (1) dem zunehmenden Bewusstsein für
watt gegenüber dem Vorjahr.4 Mittlerweile decken die                         die Endlichkeit fossiler Energieträger; (2) dem wach-
erneuerbaren Energien Schätzungen zufolge bereits                            senden Bewusstsein bezüglich des Klima- und Um-
knapp 24 % des weltweiten Strombedarfs.5                                     weltschutzes und damit in Verbindung stehend die
Dieser Zuwachs drückt sich auch in den global steigen-                       schwindende Akzeptanz gegenüber einzelnen Ener-
den Investitionen im Bereich der erneuerbaren Energi-                        gieträgern wie Atom- oder Kohlekraft, aber auch Ge-
en aus. Insbesondere in den Sektoren Windkraft und                           setze zur Förderung der erneuerbaren Energien und
Solarenergie werden weltweit die meisten Investitio-                         Emissionssenkungen. (3) Den dritten Faktor bilden der
nen getätigt, sowohl in Industrieländern als auch in                         wachsende globale Energieverbrauch, Fortschritte in
Entwicklungsländern (siehe Abbildung 1). Damit wurde                         der Technologienentwicklung, besonders in Entwick-
in den Ausbau der Solarenergie 12 % mehr investiert                          lungs- und Schwellenländern, und die damit verbun-
als noch 2014. Im Bereich der Windkraft steigerte sich                       denen politischen Rahmenbedingungen zur Förderung

Abb. 1: Globale Investitionen im Jahr 2015 im Bereich erneuerbarer Energien
        Angaben in Milliarden US-Dollar

                                                                                                                                 81
       Solarenergie
                                                                                                                                80

                                                                                       42
       Windenergie
                                                                                                                67

       Biomasse &                          3,9
       Müllverstromung                 2,1

                                     0,1
       Wasserkraft
                                           3,8

                                       2,1                                            Industrienationen
       Biokraftstoff
                                      1,0                                             Entwicklungsländer

       Geothermal-                   0,7
       energie                        1,3

                                     0,2
       Ozean-Energie
                                     0.03

                                 0                       20                      40                        60              80
                                                                    Milliarden US-Dollar
                                                                                                                Quelle: REN21 2016, S. 103

6
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2. Erneuerbare Energien

Abb. 2: Länder mit bestehenden Energieeffizienzgesetzen und -zielen

           Mit Energieeffizienzgesetzen und -zielen        Mit Energieeffizienzzielen, ohne Energie-
                                                           effizienzgesetze (oder keine Daten)
           Mit Energieeffizienzgesetzen, ohne Ener-
           gieeffizienzziele (oder keine Daten)            Keine Energieeffizienzgesetze/-ziele
                                                           (oder keine Daten)

                                                                                        Quelle: REN21 2016b, S. 25

von erneuerbaren Energien; (4) den stark gefallenen
Kosten zum Beispiel von Wind- und Solaranlagen.            Fossile Energieträger und der Klimawandel
Europa ist weiterhin ein wichtiger Markt für erneuer-          Trotz des kontinuierlichen Wachstums an er-
bare Energien, ebenso bleibt es das Zentrum tech-          neuerbaren Energien bilden die fossilen Energie-
nischer Innovationen und Entwicklungen in diesem           träger Erdöl, Kohle und Erdgas global weiterhin
Bereich. Doch auch in anderen Regionen der Welt            die dominierenden Energiequellen. Zu den Folgen
wachsen die Märkte für diese Energieträger stetig und      gehören die verstärkte Emission von Treibhaus-
zum Teil sehr rasant. Insbesondere China verzeichnete      gasen wie Methan und Kohlenstoffdioxid sowie
in den letzten fünf Jahren einen enormen Anstieg an        der daraus resultierende Anstieg der globalen
erneuerbaren Energien, aber auch Brasilien, Südafri-       Durchschnittstemperatur. Dieser anthropogen ver-
ka oder Indien. Weiterhin gibt es mehr und mehr Ent-       ursachte Klimawandel hat bereits extreme nega-
wicklungsländer in Asien, Afrika und Lateinamerika,        tive Folgen für die Menschheit: Erwärmung der
deren Strom- und Wärme- bzw. Kälteerzeugung sich auf       Erd- und Meeresoberfläche, Gletscherschmelze,
regenerative Energien stützt. Im International Energy      Meeresspiegelanstieg, Verschiebung der Klimazo-
Outlook wird zwischen 2012 und 2040 ein weltwei-           nen, Zunahme von extremen Wetterphänomenen
tes Wachstum der Stromerzeugung durch Solar-               wie Dürren, Starkregen oder Stürmen. Besonders
energie um 8,3 % prognostiziert. Auch die Wind-            trifft der Klimawandel diejenigen, die ihn am we-
energie wächst laut Prognose um 5,7 %.7 In vielen          nigsten verursachen und sich am wenigsten da-
Ländern spielt vor allem die Wasserkraft eine wichti-      gegen schützen können: Die Menschen aus den
ge Rolle, doch auch die Wind- und Solarenergie ge-         armen und ärmsten Ländern.
winnt vielerorts an Bedeutung.

                                                                                                                       7
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Rohstoffe für die Energiewende – Menschenrechtliche und ökologische Verantwortung in einem Zukunftsmarkt

Windkraft
   Der Windkraftsektor ist einer der wichtigsten Berei-                      produzent durch Windkraft ist derzeit mit Abstand China,
che erneuerbarer Energien und befindet sich im steti-                        das seine Kapazität zwischen 2015 und 2016 insgesamt
gen Wachstum.                                                                um 19,3 GW ausbaute und damit einen Teil seines gro-
   Durch Luftströme werden die Rotoren am Windrad                            ßen Energiebedarfs deckt.9 An zweiter Stelle stehen die
in Bewegung gesetzt, die einen Generator antreiben,                          Vereinigten Staaten mit einem Zuwachs von 8,7 GW, ge-
welcher die Bewegungsenergie in elektrische Energie                          folgt von Deutschland, das fünf GW im Vergleich zum Vor-
umwandelt. Moderne Windräder sind laut dem Bundes-                           jahr zubaute.10 Aber auch die Schwellenländer Brasilien
verband WindEnergie e. V.(BWE) bis zu 150 Meter hoch                         und Indien verzeichnen einen starken Zuwachs (Brasili-
(Nabenhöhe), haben eine gängige Nennleistung von 2,5                         en: Zuwachs um zwei GW; Indien: Zuwachs um 3,7 GW),
Megawatt (MW) und können damit circa 1.400 Haushalte                         während Südafrikas rasanter Ausbau die Windenergie-
mit Strom versorgen.8 Dies kann sowohl auf dem Was-                          Kapazitäten des Landes innerhalb der letzten drei Jahre
ser (offshore) als auch an Land (onshore) geschehen.                         von 257 MW auf 1.473 MW gesteigert hat, was einem
   2016 betrug die weltweite Stromproduktion durch                           Zuwachs von mehr als 570 % entspricht.11
Windkraft 466 Gigawatt (GW), was eine Steigerung zum                            Die European Wind and Energy Association schätzt,
Vorjahr von 34 GW bedeutet. Damit stiegen die Kapazitä-                      dass global gesehen die durch Windkraftanlagen instal-
ten zur Umwandlung von Windenergie von 2004 (48 GW)                          lierte Leistung im Jahr 2050 auf 3.000 GW steigen wird.
bis 2016 um fast das Zehnfache. Insbesondere in Asi-                         Dies wäre im Vergleich zum Jahr 2015 wiederum eine
en, Nordamerika und Europa werden fortwährend neue                           Versiebenfachung der Energieerzeugung durch Wind-
Märkte und Standorte erschlossen. Wichtigster Strom-                         kraft.12

Abb. 3: Globale Windkraftkapazität in Gigawatt
        von 2004 bis 2016

                       500
                                                                                                                                       466
                       450                                                                                                   432

                       400
                                                                                                                    370
                       350
                                                                                                           319
     Kapazität in GW

                       300                                                                       283

                       250                                                              238

                                                                              198
                       200
                                                                     159
                       150
                                                           121
                                                   94
                       100
                                           74
                                    59
                             48
                        50

                        0
                             2004   2005   2006   2007     2008      2009     2010      2011     2012      2013     2014     2015      2016

                                                                                                   Quelle: REN21 2016, S. 77; IRENA 2017b, S. 16

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2. Erneuerbare Energien

                                                                                                                                  Foto: Fotolia/©rost9
                                                                               Sonstige
                                                                                21  %
Abb. 4: Länder mit                                    Frankreich
                                                           2%
        der höchsten                                                                                       China
                                          Kanada                                                            32 %
        installierten                       3%
        Kapazität
                                     Großbritannien
        für Windenergie                    3%
        2016
                                                 Spanien
                                                    5%
                                                            Indien
                                                                6%                               USA
                                                                                                 17 %
                                                                 Deutschland
                                                                     11 %

Photovoltaik (PV)
   Neben der Windkraft gewinnt insbesondere auch die            den Faktor 79. Von 2015 bis 2016 wuchs die weltweite
Solarenergie an Bedeutung. Die Sonne ist eine beinahe           Stromerzeugung durch Sonnenkraft um rund 70 GW Leis-
unerschöpfliche Energiequelle für Strom und Wärme, die          tung.14 laut der International Renewable Energy Agency
der Menschheit kostenlos zur Verfügung steht. Berech-           (IRENA) hat damit der Zugewinn an installierter Leistung
nungen zufolge liefert die Sonne der Erde etwa 15.000-          durch den Ausbau der globalen PV-Kapazität der Wind-
mal mehr Energie als sie verbraucht.13                          kraft im Vergleich zum Vorjahr den Rang abgelaufen.15
   Die Sonnenstrahlung kann durch thermische Ver-                  Weltweit den größten Anteil an der installierten Photo-
fahren in Wärmeenergie oder mittels photovoltaischer            voltaikkapazität hat China mit 26 %. Nachdem Deutsch-
Prozesse in Strom umgewandelt werden. Bei Photovol-             land vor zwei Jahren durch Chinas Neubau von 15 GW
taikanlagen (PVA) wird mittels Solarzellen direkt Strah-        auf den zweiten Platz (18 %) verwiesen wurde, hat Ja-
lung in elektrischen Strom umgewandelt. Weil aber eine          pan 2016 mit Deutschland gleichgezogen (14 %) und
einzelne Solarzelle nur wenig Strom produzieren kann,           mit einer gesamten installierten Leistung von 41,6 GW
werden in Photovoltaikanlagen mehrere solcher Zellen            sogar überholt (Deutschland 40,9 GW).16 Ende 2016
in Modulen zusammengefasst.                                     gab es in Deutschland 1,5 Millionen installierte Pho-
   Die globale Stromerzeugung durch die Sonne wächst            tovoltaikanlagen, die über eine Nennleistung von circa
rasant. 2004 lagen die globalen Photovoltaik-Kapazi-            41 GW verfügen und im Jahr 2016 38,3 Terrawattstun-
täten noch bei 3,7 GW, elf Jahre später sind es bereits         den (TWh) Strom erzeugten.17 In vielen Ländern rund um
295 GW pro Jahr. Dies entspricht einer Steigerung um            den Globus steigt der Anteil der Stromerzeugung aus

                                                                                                                             9
Rohstoffe für die Energiewende - Menschenrechtliche und ökologische Verantwortung in einem Zukunftsmarkt - Misereor
Rohstoffe für die Energiewende – Menschenrechtliche und ökologische Verantwortung in einem Zukunftsmarkt

Abb. 5: Globale Photovoltaikkapazität in Gigawatt
        von 2004 bis 2016

                                                                                                                                       295,6
                       300

                       250
                                                                                                                             219,3

                       200
     Kapazität in GW

                                                                                                                    171,9

                       150                                                                                 135,4

                                                                                                 98,9
                       100
                                                                                        69,4

                        50                                                    38,8
                                                                     22,4
                                                  8,6      14,6
                             3,7    5,1    6,1
                        0
                             2004   2005   2006   2007     2008      2009     2010      2011     2012       2013     2014     2015      2016

                                                                                                                      Quelle: IRENA 2017b, S. 21

PV-Anlagen stark an. Allen voran in China, Japan und                         Abb. 6: Länder mit den größten PV-Kapazitäten
den USA, aber auch in Großbritannien und Indonesien                                  2016
ist ein deutlicher Zuwachs zu verzeichnen. Besonders
Asien mit China, Japan, Indien oder Thailand gehört zu
den führenden Photovoltaikmärkten weltweit. Nicht nur
                                                                                                                     Deutschland
verlagert sich die Produktion immer mehr in diese Re-                                       China                         14 %
gion, auch der Ausbau der Anlagen in diesen Ländern                                          26 %
macht einen Großteil der globalen Kapazitätssteigerung
aus. Allein die Summe an Neuinstallationen in China und                                                                              Japan
Japan machte im Jahr 2016 60 % der gesamten globalen                                                                                  14 %
Neuinstallationen aus.18
    Technologische Fortschritte in der Massenfertigung
von PV-Modulen haben dazu geführt, dass die Kosten                                     Sonstige
                                                                                          18 %                                     USA
für die Produktion kontinuierlich sinken. Laut Bundes-                                                                             12 %
verband Solarwirtschaft e. V. (BSW-Solar) kostet „in rund
30 Ländern der Erde Solarstrom vom eigenen Hausdach
inzwischen weniger als konventioneller Strom vom Ener-
gieversorger“.19
                                                                                                                                  Italien
                                                                                                                   Spanien           7%
                                                                                 Indonesien
                                                                                      3%                            2%
                                                                                                Großbritannien
                                                                                                           4%

                                                                                                                     Quelle: IRENA 2016, S. 46-48

10
2. Erneuerbare Energien

2.2. Deutschland – Land der erneuerbaren Energien
   Deutschland hat sich im Hinblick auf die Verwendung       und Klimaschutzplan 2050 bei Weitem nicht aus, um die
erneuerbarer Energien eine Führungsposition erarbeitet,      im Pariser Abkommen intendierten Emissionsreduktionen
auch wenn deren Ausbau durch die jüngste Reform des          zu erreichen. Das im EEG festgelegte Ziel des jährlichen PV -
Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) deutlich verlang-        Zubaus von 2,5 GW konnte bisher nicht erreicht werden22.
samt wird. Die Förderung erneuerbarer Energien bildet           Dennoch ist im internationalen Vergleich der Ausbau
dennoch weiterhin einen wichtigen Bestandteil der Ener-      von Wind- und Solarenergienutzung für die Stromer-
gie- und Klimapolitik der Bundesregierung. Das Erneu-        zeugung weit fortgeschritten. 2016 wurden circa 29 %
erbare-Energien-Gesetz erlaubt den Erzeuger(-inne)n,         des Bruttostromverbrauchs,23 192 Milliarden Kilowatt-
Strom aus erneuerbaren Energien zu festen Preisen in         stunden, aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt. Der
das Netz einzuspeisen und fördert dadurch den Ausbau         Großteil des Stroms aus erneuerbaren Quellen wird heu-
dieser modernen Technik.                                     te durch Wasserkraftwerke, Windkraft und Photovoltaik-
   Durch diese Maßnahmen sollen die Kohlenstoffdi-           anlagen erzeugt. So sind in Deutschland im Jahr 2016
oxidemissionen bis zum Jahr 2020 im Vergleich zu 1990        28.217 Windenergieanlagen24 und rund 1,5 Millionen
um mindestens 40 % und bis 2050 entsprechend dem             Photovoltaikanlagen in Betrieb.25 Sonne und Wind haben
Kyoto-Protokoll (siehe Kasten: Kyoto-Protokoll und COP       die Braunkohle als früheren Energieträger Nummer eins
21 in Paris) um 80 bis 95 % sinken.20 Die Zielvorgaben       im deutschen Strommix hinter sich gelassen.
des Kyoto-Protokolls, „seine Emissionen im Durchschnitt         Laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesyste-
der Jahre 2008 bis 2012 um 21 % gegenüber 1990 zu            me (ISE) sind ungefähr 30.000 Menschen in Deutschland
senken“, hat Deutschland bereits erfüllt.21 Allerdings       in der Solarbranche beschäftigt.28 Die Zahl der Beschäf-
reichen die Mechanismen im EEG und die flankieren-           tigten nimmt aber stets ab, da die Solarbranche in einem
den Programme wie Aktionsprogramm Klimaschutz 2020           stark umkämpften internationalen Wettbewerb steht.29

  Kyoto-Protokoll und COP 21 in Paris
     Im Jahr 1997 wurde das Kyoto-Protokoll, ein globales    Wirkung, jedoch fehlen wirkungsvolle Sanktionsme-
  Abkommen zur Verminderung von Treibhausgasemissi-          chanismen, weshalb es oftmals als zu kurz greifend
  onen, verabschiedet. Aufgrund eines Quorums konnte         bewertet wird.27 Durch die COP 21 (21st Conference of
  das Protokoll erst nach der Ratifizierung durch Russland   the Parties to United Nations Framework Convention
  im Jahr 2005 in Kraft treten. Durch dieses internatio-     on Climate Change) in Paris Ende 2015 wurde hinge-
  nale Übereinkommen, die Treibhausgasemissionen in          gen erstmals ein verbindliches internationales Abkom-
  zwei Perioden schrittweise zu senken, versuchen die        men beschlossen, um den Kohlendioxid-Ausstoß zu
  Staaten durch Verwendung von Biomasse, Wind-, So-          reduzieren und den Klimawandel zu begrenzen. Das
  lar- und Wasserkraft den Energiebedarf der Nationen        Abkommen sieht vor, den globalen Temperaturanstieg
  zu stillen. Damit fördert es (indirekt) die Nutzung von    auf unter zwei Grad Celsius einzudämmen. Außerdem
  regenerativen Energien. Im ersten Zeitraum von 2008        soll ein System zur Überwachung der nationalen Re-
  bis 2012 verpflichteten sich die Staaten ihre Emissio-     duktion der Treibhausgasemissionen eingeführt wer-
  nen um insgesamt mindestens 5 % (gegenüber 1990)           den. Außerdem sollen Industrienationen verwundbare
  zu senken. In den Jahren 2013 bis 2020 sollten die         arme Länder finanziell unterstützen und Technologie-
  Treibhausgasemissionen um 18 % gegenüber 1990              transfers für eine auf erneuerbaren Energien basieren-
  gesenkt werden. Sowohl die EU als auch Deutschland         de Wirtschaft bereitstellen. Die 195 Staaten müssen in
  haben ihr Ziel zur Reduzierung bereits erreicht. Andere    den kommenden Jahren die Beschlüsse umsetzen und
  Nationen konnten die Vereinbarungen nicht einhalten        Maßnahmen ergreifen, um die Zielsetzung der COP 21
  bzw. manche Länder, wie die USA, weigerten sich, das       zu realisieren. Ob dies gelingt, bleibt ein großes Frage-
  Abkommen zu ratifizieren. Der globale Treibhausgas-        zeichen und hängt letztlich vom Willen der einzelnen
  ausstoß stieg bis 2010 gegenüber 1990 um 29 % an.26        Staaten ab. Im Mai 2017 ist die USA unter Präsident
  Das Kyoto-Protokoll hat zwar eine rechtlich bindende       Trump aus dem Pariser Abkommen ausgestiegen.

                                                                                                                          11
Rohstoffe für die Energiewende – Menschenrechtliche und ökologische Verantwortung in einem Zukunftsmarkt

Seit Jahren schwächelt die deutsche Solarwirtschaft, die                        in den kommenden Jahren erholt und wieder an wirt-
durch den globalen Konkurrenzkampf und den Preisver-                            schaftlichem Aufschwung gewinnt, denn Unternehmen
fall in den letzten Jahren Rückschläge einstecken muss-                         in Deutschland verfügen nicht nur über technisches
te und sich seither in einer schweren Krise befindet.                           Wissen, sondern es befindet sich auch ein Großteil der
   Aufgrund der anhaltenden Wirtschaftskrise der So-                            Wertschöpfungskette in Deutschland.
larbranche, aber vor allem wegen der niedrigeren Ein-                              Die Windenergiebranche steht in Deutschland weniger
speisevergütung für Solarstrom, die im Zuge der neus-                           unter Druck. So wächst der Zubau von Windkraftanlagen
ten EEG-Reformen deutlich an Attraktivität verloren hat,                        beständig. Laut Ministerium für Wirtschaft und Energie
war die innerdeutsche Nachfrage nach Photovoltaikanla-                          (BMWi) waren 2015 143.000 Menschen in der Branche
gen nicht so hoch wie ursprünglich intendiert. So wurde                         beschäftigt.31 Mit einer installierten Gesamtleistung von
in Deutschland 2015 nur eine Leistung von 1.400 MW                              49.747 MW32 sowie einer neuinstallierten Leistung von
an das Netz angeschlossen, obwohl die Bundesregie-                              4.625 MW im Jahr 201633 ist die Windkraft der wichtigs-
rung in ihrem ursprünglichen Erneuerbaren-Energien-                             te Energieträger bei den regenerativen Energien und hat
Gesetz eine Leistung von 2.400 bis 2.600 MW anstreb-                            zudem noch den größten Beschäftigungseffekt unter den
te.30 Expert(inn)en hoffen, dass sich die Solarbranche                          verschiedenen erneuerbaren Energieträgern.

Abb. 7: Sonne, Wind, Wasser, Biomasse: Anteil erneuerbarer Energien an der Stromproduktion in Deutschland
        und Bruttostromerzeugung in Deutschland 2015 in TWh (Terrawattstunden)

                                    Erdgas 12,4 %
                                                         Mineralöl 0,9 %
                                                               Sonstige 4,2 %                            Wasserkraft
             Steinkohle                                                                                  17,2 %                Biomasse
             17,2 %
                                          81    6                                                                              7,0 %
                                                    28
                                112                                                                           21
                                                                                                                         46

                                                         192               Erneuerbare
                              85                                           29,0 %                        80
      Kernenergie                                                                                                         38
      13,0 %                                                                                                         6            Photovoltaik
                                        150
                                                                                                                                  5,9 %

                                                                                                        Windkraft        Hausmüll**
                                                                                                        11,9 %           0,9 %
                                 Braunkohle 23,1 %

                                                                     Geothermie aufgrund der geringen Menge in Photovoltaik
                                                                     *vorläufig, **regenerativer Anteil
                                                                     Quelle: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Dossier/erneuerbare-energien.html

2.3. Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien
   Expert(inn)en sind sich einig: Der erneuerbaren Energie                      Die International Renewable Energy Agency (IRENA) ist
gehört weltweit die Zukunft. Nur ist noch unklar, in welcher                    in dieser Hinsicht deutlich ambitionierter. Sie geht da-
Geschwindigkeit sich die Menschheit von fossilen Energie-                       von aus, dass insbesondere die Solarenergie sehr stark
trägern lösen wird, um auf alternative Quellen zu setzen.                       an Bedeutung gewinnen und erneuerbare Energieträger
Laut der Energieagentur IEA (International Energy Agency)                       bis zum Jahr 2030 fast 45 % der weltweiten Strompro-
müssen bis 2030 die erneuerbaren Energien rund ein Vier-                        duktion decken könnten (siehe Abbildung 8). Wie Abbil-
tel des weltweiten Primärenergieverbrauchs decken. 2050                         dung 9 zeigt, prognostizieren fast alle jüngeren Szena-
sollen über die Hälfte der globalen Energieversorgung durch                     rien verschiedener Organisationen eine Verdoppelung
Sonne, Wind, Wasser und Biomasse gedeckt werden.34                              der globalen erneuerbaren Energiekapazitäten bis 2025.

12
2. Erneuerbare Energien

Abb. 8: Schätzungen, wie die Welt sich in Zukunft mit Strom versorgt

                     1974                                         2011                                           2030

                                                                     4%                            26 %                            27 %

                                                       16 %
                    24 %      0,1 %
                                                                                  42 %
             5%                                                                                                                        1%
                                   36 %             12 %
            11 %
                                                                                                   18 %                            17 %
                    24 %                                      22 %         4%
                                                                                                                  11 %

                      6.200 TWh                                   22.126 TWh                                      37.000 TWh

                       4,0 Mrd.                                    7,0 Mrd.                                        8,2 Mrd.

            Kohle           Öl            Erdgas           Atomstrom            Wasserkraft            Erneuerbare

             Stromverbrauch weltweit (in TWh)              Weltbevölkerung (in Milliarden)
                                                                                                                         Quelle: IRENA 2014, S. 21

In Deutschland soll laut Bundesregierung der Anteil er-                Doch um die Energiewende voranzutreiben und damit
neuerbarer Energien an der Stromversorgung bis 2050 auf                die weltweiten Klimaziele zu erreichen, sind in den nächs-
80 % anwachsen. Damit hat sich Deutschland im euro-
                   35
                                                                       ten Jahren noch große Anstrengungen nötig. In vielen
päischen Vergleich die ambitioniertesten Ziele gesetzt.                Ländern fehlt es noch immer an politischem Willen so-
In Frankreich beispielsweise plant die Regierung den                   wie an wirtschaftlichen Anreizen, um eine Abkehr von
Anteil der erneuerbaren Energien bis 2030 um lediglich                 den fossilen Energieträgern zu vollziehen. Eine weitere
32 % zu steigern. Das Fraunhofer-Institut für Solare
                    36
                                                                       Herausforderung der Energiewende ist die große Menge
Energiesysteme (ISE) und das Deutsche Luft- und Raum-                  an Rohstoffen, die zum Beispiel für die Technologien der
fahrtzentrum halten die Einhaltung des von der Bundes-                 Photovoltaik- und Windkraftanlagen erforderlich ist.40
regierung gesteckten Zieles
für realistisch, die CO2-Emis-
                                  Abb. 9: Prognosen und Wirklichkeit des weltweiten Ausbaus der erneuerbaren
sionen in Deutschland bis
                                            Energie (ohne große Wasserkraft)
2050 um 80 bis 95 % zu re-
duzieren.37 Sie gehen sogar
davon aus, dass die Energie-            2500
versorgung Deutschlands mit
                                                                                                                                                          Quelle: WWF Deutschland & LichtBlick SE 2015, S.11

Strom und Wärme bis 2050                2000
vollständig aus erneuerba-
ren Energien möglich ist.38             1500
                                              GWh

Zuvor müssen allerdings Ver-
besserungen und eine Wei-               1000

terentwicklung der Infrastruk-
                                         500
tur stattfinden. So müssen
Windkraftanlagen (onshore                   0
und offshore) ausgebaut,                        1997    2000                 2005              2010               2015            2020            2025
mehr Solaranlagen installiert
und Gebäude besser isoliert              IEA - WEO 2000 ·
                                         IEA - WEO 2010 ·
                                                              IEA - WEO 2003 ·
                                                              IEA - WEO 2011 ·
                                                                                  IEA - WEO 2004 ·
                                                                                  IEA - WEO 2012 ·
                                                                                                      IEA - WEO 2006 ·
                                                                                                      IEA - WEO 2013 ·
                                                                                                                       IEA - WEO 2008 ·
                                                                                                                       IEA - WEO 2014
                                                                                                                                        IEA - WEO 2009

werden.  39                              Greenpeace  2010 - Energy  Revolution ·   Tatsächlich/Prognose 2015

                                                                                                                                                     13
Rohstoffe für die Energiewende – Menschenrechtliche und ökologische Verantwortung in einem Zukunftsmarkt

           3. Rohstoffe für die Energiewende
           3.1. Zunehmender Bedarf an Metallen für die Energiewende
              Mineralische und metallische Rohstoffe werden zu                           Doch auch der Ausbau der regenerativen Energien für
           unzähligen Konsum- und Wirtschaftsgütern verarbeitet.                         die Energiewende steigert den Bedarf an Metallen, denn
           Insbesondere Metalle41 sind für Volkswirtschaften von                         Windkraft und Photovoltaik sind Technologien, die gro-
           grundlegender Bedeutung. Zentrale Eigenschaften sind                          ße Mengen an Metallen benötigen.
           jedoch die Endlichkeit und die fehlende Erneuerbarkeit                           Laut der Studie „Metals for a low-carbon society“
           dieser Rohstoffe.                                                             („Metalle für eine kohlenstoffarme Gesellschaft“) der
              Die Welt hat in den letzten 50 Jahren „mehr Rohstoffe                      Universität Grenoble wird für die Energiewende eine Viel-
           verbraucht als in der gesamten Menschheitsgeschichte                          zahl an Rohstoffen benötigt – und zwar nicht nur spezielle
           zuvor“.42 Die globale Nachfrage nach Metallen wächst                          Metalle wie Seltene Erden46 oder Indium, sondern auch
           jährlich um 5 %. Ein Grund dafür ist die steigende An-                        gewöhnliche Metalle wie Aluminium, Kupfer oder Eisen.
           wendung von Elektronik- und Technologieprodukten.                             Außerdem ist für die Errichtung von Windkraftanlagen
           In Smartphones oder Computern beispielsweise sind                             und PVA ein Vielfaches der metallischen Rohstoffe erfor-
           Metalle wichtige Bestandteile. Heutige Computerchips                          derlich, die für Atomkraftwerke oder fossile Kraftwerke
           enthalten bis zu 60 metallische Elemente, während es                          mit einer vergleichbaren Kapazität an Energie benötigt
           1980 lediglich elf waren.43 Eine weitere Erklärung für den                    werden würden.47 So beansprucht beispielsweise eine
           Anstieg der Nachfrage nach metallischen Rohstoffen ist                        Windkraftanlage oder PVA im Vergleich zu einem fossi-
           das Wirtschaftswachstum der Schwellen- und Entwick-                           len Kraftwerk mit einer Megawatt-Leistung „die 15-fa-
           lungsländer.44 So konsumiert China beispielsweise mehr                        che Menge an Zement, 90 Mal mehr Aluminium und das
           als 60 % der global produzierten Eisen- und Aluminium-                        50-fache an Eisen, Kupfer und Glas“ (siehe Abbildung
           vorräte und ist für über 30 % des Verbrauchs von Kupfer                       10).48 Zwar kommen neuere PV-Anlagen mit weniger
           verantwortlich.45 Wobei ein nicht geringer Teil der produ-                    Rohstoffen aus, dennoch ist der Rohstoffbedarf immens.
           zierten Technologie-/Elektronikprodukte wieder in die                            In Anbetracht der Tatsache, dass die Welt in Zukunft
           Industrienationen exportiert und dort verwendet wird.                         auf erneuerbare Energien setzt, werden diese Energie-

           Abb. 10: Bedarf ausgewählter Rohstoffe für den Bau von fossilen Kraftwerken und Anlagen erneuerbarer Energien
                    Angaben in Tonnen pro Megawatt

      Kupfer                                   Aluminium                                  Eisen                                     Zement

5,0                                     40                                        180                                    10000
4,5                                     35                                        160
4,0                                                                               140                                      8000
                                        30
3,5
                                                                                  120
3,0                                     25                                                                                 6000
                                                                                  100
2,5                                     20
                                                                                    80
2,0                                     15                                                                                 4000
                                                                                    60
1,5
                                        10                                          40
1,0                                                                                                                        2000
0,5                                      5                                          20
 0                                       0                                           0                                         0

                Wasserkraftwerk              Windkraftwerk            Photovoltaikanlage              Kohlekraftwerk          Atomkraftwerk

                                                                                   Quelle: http://www.nature.com/ngeo/journal/v6/n11/full/ngeo1993.html

           14
3. Rohstoffe für die Energiewende

formen mit anderen Wirtschaftssektoren wie der Auto-
mobil-, Elektronik- oder Kommunikationsbranche um                                        Kohlebedarf und CO2 -Ausstoß
Rohstoffe konkurrieren, was die Thematik des Rohstoff-
abbaus weiter verschärft.                                                                von fossilen Kraftwerken anhand
   Denn heutzutage decken Solar- und Windkraft mit 400                                   zweier Beispiele
Terrawattstunden (TWh) nur etwa ein % der weltweiten
Energienachfrage. Da der Anteil der beiden erneuer-                                      Steinkohle
baren Energieträger bis ins Jahr 2050 auf 25.000 TWh                                     Beispiel Kraftwerk Moorburg
anwachsen soll, werden immense Rohstoffmengen be-                                        Betreiber: Vattenfall
nötigt. Schätzungen zufolge wären dazu zum Beispiel                                      Verbrauch: ca. 12.000 Tonnen Steinkohle/Tag
zusätzlich 3.200 Millionen Tonnen Stahl und 310 Milli-                                   Verbrauch 30 Jahre: circa 49.143 Tonnen Braun-
onen Tonnen Aluminium erforderlich.49                                                    kohle pro MWel (Megawatt elektrisch)
   Den prozentualen Anstieg des Mehrbedarfs an me-                                       Leistung: 1.680 Megawatt
tallischen Rohstoffen bis 2050 hat die Weltbank in einer                                 Wirkungsgrad: etwa 46 %
Studie für drei Klimaszenarien (Begrenzung des Anstiegs                                  CO2-Ausstoß: rund 8,5 Millionen Tonnen/Jahr
der Erderwärmung auf 2 - 4 - 6 °C) bilanziert.50 Demnach
steigt die globale Nachfrage an metallischen Rohstof-                                    Braunkohle
fen für Windkraft bei der Einhaltung der 2-Grad-Grenze                                   Beispiel Kraftwerk Neurath
um 250 % beziehungsweise um 150 % bei der 4-Grad-                                        Betreiber: RWE
Grenze. Noch stärker ausgeprägt ist dieser Anstieg für                                   Verbrauch: circa 40.000 Tonnen Braunkohle/Tag
die Photovoltaiktechnologie. Hier muss die Produktion                                    Verbrauch 30 Jahre: circa 62.571 Tonnen Braun-
von relevanten Metallen für die Einhaltung der 2-Grad-                                   kohle pro MWel (Megawatt elektrisch)
Grenze um 300 % gesteigert werden.                                                       Leistung: 4.400 Megawatt
   Wie Abbildung 10 zeigt, verbraucht der Bau von An-                                    Wirkungsgrad: 43 % (Weltrekord bei
lagen der erneuerbaren Energien zunächst mehr Roh-                                       Braunkohle)
stoffe als bei Kraftwerken, die Energie aus fossilen Ener-                               CO2-Ausstoß: rund 32 Millionen Tonnen/Jahr
gieträgern bereitstellen. Obwohl die vorliegende Studie
vorwiegend auf Metalle wie Eisen, Kupfer, Seltene Er-
den etc. sowie deren Bedarf für den Bau von Energie-
                                                             Foto: Wikipedia/©Tetris L

gewinnungsanlagen aus erneuerbaren Energieträgern
eingeht, müssen Folgebetriebskosten sowie der Res-
sourcenbedarf für die Energiegewinnung mitberück-
sichtigt werden. Anlagen, die Strom auf Basis erneuer-
barer Energien produzieren, benötigen nach dem Bau
kaum oder keine Metalle bzw. andere Rohstoffe mehr.
Dagegen haben fossile Energieträger einen kontinu-
ierlichen und hohen Rohstoffbedarf und weisen somit
eine wesentlich schlechtere Gesamtrohstoffbilanz auf
(siehe Kasten auf dieser Seite).
   Für den Betrieb eines moderneren Kohlekraftwerks
fallen so pro generiertem MW (elektrisch) über einen
Zeitraum von 30 Jahren bis zu 48.200 Tonnen Stein-
kohle an.51 So verheizen Kohlekraftwerke mit ihrer lan-
gen Laufzeit nicht nur weiterhin fossile Brennstoffe zur
Energiegewinnung, sondern belasten damit teils massiv        Das größte deutsche Braunkohlekraftwerk in Neurath
Umwelt und Klima. Im Europäischen Schadstoffemissi-
onsregister (PRTR) sind die Schadstoffemissionen aller
Kohlekraftwerke veröffentlicht. Unter den zehn größten       allem Quecksilber beisteuern. Der fortwährende Bedarf
Emittern Europas sind fünf deutsche Braunkohlekraft-         unvorstellbarer Mengen an Rohstoffen hat zwangsläufig
werke,52 welche zu diesem Problem einerseits durch           die Ausweitung des Bergbaus mit seinen ökologisch und
den immensen Ausstoß an CO2 als auch durch Ausstoß           menschenrechtlich problematischen Auswirkungen zur
von Schwermetallen wie Cadmium, Nickel, Arsen und vor        Folge. Auch Atomkraftwerke (AKW) benötigen zur Ener-

                                                                                                                                                 15
Rohstoffe für die Energiewende – Menschenrechtliche und ökologische Verantwortung in einem Zukunftsmarkt

giegewinnung fortlaufend Uran. Davon verbraucht ein                          und Endlagerung von Atommüll ist mit weiterem Roh-
AKW mit einer Leistung von 1.000 MW/Jahr 160 bis 175                         stoffeinsatz verbunden.53 Der Umstieg auf erneuerbare
Tonnen jährlich. Beim Abbau fallen zudem große Men-                          Energien bleibt daher alternativlos – allerdings werden
gen radioaktiven Abfalls an, und auch die Zwischen-                          auch dafür Rohstoffe benötigt.

3.2. Welche Rohstoffe benötigen Windkraft- und Photo-
     voltaikanlagen?

3.2.1. Rohstoffbedarf von Windkraftanlagen                                   Wellen, Zahnrädern, Passstiften, Gewindespindeln oder
                                                                             Hydraulikkomponenten sind sie im Maschinenhaus ver-
  Hauptbestandteile einer Windkraftanlage bilden das                         baut. Insgesamt werden so bis zu 80 Tonnen Stahl pro
Fundament, der Turm, die Maschinengondel und der                             Windkraftanlage (WEA) verbaut. Bei einer bis ins Jahr
Rotor. Letzterer besteht aus der Nabe und den Rotor-                         2020 erreichten Gesamtinstallation von 11,8 GW von
blättern. In der Maschinengondel befinden sich der Ge-                       Onshore- und Offshore-WEA in Deutschland wird ge-
nerator und – je nach Anlagentyp – das Getriebe des
Windrades. Die Gondel ist drehbar und lagert auf dem                         Abb. 11: Das Windrad und seine wichtigsten Rohstoffe
Turm, der alle Bestandteile trägt und in dessen Inneren
der Netzanschluss und die Steuerungssysteme unterge-
bracht sind. All diese Bestandteile bestehen aus einer
Reihe von Rohstoffen, zum Beispiel:
                                                                                         Rotorblatt
• Fundament: Zement
• Turm: Metall (Eisen, Stahl) oder Zement
• Maschinengondel: Eisen, Kupfer, Plastik, Aluminium,
                                                                                           Nabe
   Chrom, Mangan, Selen, Molybdän, Niob
• Generatoren: Eisen und Seltene Erden (Neodym, Dys-                                          Generator mit Permanentmagnet
   prosium, Praseodym, Bor, Terbium)
• Permanentmagnete in Generatoren (Praseodym, Neo-                                                               Gondel
   dym, Dysprosium)
• Getriebe: Rostfreier Stahl (Chrom, Mangan, Selen,
   Molybdän, Niob)
• Rotoren: Carbon, Glasfaser, Epoxidharz (Holz)
                                                                                                                                   Stahl/Gusseisen

Zur Konstruktion von Windkraftanlagen werden, neben                                                                                Elektronikmetalle,
Sanden und industriellen Mineralien, zusätzlich große                                                                              Aluminium, Kupfer
Mengen an gewöhnlichen Metallen wie Eisen, Kupfer und
                                                                                                                                   Verbundwerkstoffe
Aluminium benötigt. Diese werden an zahlreichen Stellen
verbaut. Zement und Stahl machen den weitaus größten                                                                               Seltene Erden
Anteil an der Windkraftanlage aus. Die genauen Antei-
le schwanken je nachdem, ob der Turm aus Beton oder                                                                                Beton
Stahl besteht.54 Zusammen mit dem Fundament macht
Zement bei einem Betonturm fast 84 % des Gewichts
aus. Sieht man bei Stahltürmen vom Fundament ab,
bestehen diese zu 89 % aus diesem Material. Weltweit
bestehen 85 % der Windkraftanlagen aus Stahlrohren.55
                                                                                                                Netzanschluss
   Andere Metalle wie Chrom, Mangan, Molybdän und
Niob hingegen werden in der Gondel (auch Maschi-
                                                                                                                            Fundament
nenhaus) einer Windkraftanlage (engl. „wind turbine“)
eingesetzt. Als rostfreier Stahl kommen sie vor allem in
küstennahen Windrädern vor, als Edelstahl in Lagern,
                                                                                                           Quelle: BGR, Commodity TopNews 50, Juli 2016

16
3. Rohstoffe für die Energiewende

schätzt, dass etwa 4,5 Millionen Tonnen Stahl zusätz-

                                                              Foto: Wikipedia/©Molgreen
lich gebraucht werden.56
   Im Maschinenhaus befindet sich die größte Menge an
Elektronik. Aus diesem Grund werden hier für die neues-
ten Windkraftanlagen Seltene Erden wie Neodym, Dys-
prosium und in kleineren Mengen Praseodym, Bor sowie
Terbium verwendet. Zusätzlich werden für die Elektronik,
aber vor allem auch für den Permanentmagneten und
den Generator, pro WEA zwischen acht und 30 Tonnen
Kupfer benötigt, abhängig von der Höhe, Art und dem
Standort (Offshore oder Onshore) der Anlage. Schon
heute werden ein Zehntel der deutschen Kupferimporte
für die Herstellung von WEAs verwendet.57
   Die Permanentmagnete in den Generatoren bestehen
neben Seltenen Erden durchschnittlich zu 67 % aus Ei-
sen. Sie wiegen für eine getriebelose Windkraftanlage im
Durchschnitt 679,75 Kilogramm pro Megawatt Anlagen-
leistung. Davon entfallen 217,52 Kilogramm pro Megawatt
auf die Seltenen Erden Dysprosium, Neodym und Terbium.        Siedlung mit Photovoltaikanlagen in Oberstdorf
Die Windräder mit Getrieben hingegen enthalten kleine-
re Permanentmagnete mit bis zu 30 Kilogramm Seltenen
Erden pro Megawatt. Zusammen mit dem Eisen wiegen             Die Energiegewinnung mit Photovoltaik, abhängig von
die Magnete in WEA mit Getriebe 88,24 Kilogramm.58 Die        der jeweiligen Modulart, benötigt eine Vielzahl an Roh-
Rotoren werden aus Glasfaser (billiger) oder Carbon-Fa-       stoffen:
ser (leichter) angefertigt. Dabei wiegt ein 40 Meter langes   • Silizium und Silber (nur für mono- und polykristalline
Glasfaser-Rotorblatt circa sieben Tonnen.59                      Module): Das auf dem Photovoltaikmarkt mit Abstand
   Stahl, Kupfer und industrielle Metalle mit eingerech-         am häufigsten genutzte Material ist Silizium.
net, werden so insgesamt bis zu 200 Tonnen Metalle in         • Metalle und Halbmetalle: Cadmium, Tellur oder Kupfer,
einer einzelnen WEA verbaut.60                                   Indium, Gallium, Selen, Germanium (für Dünnschicht-
   Auf Basis der erwarteten Kapazitätsentwicklung der            Module)
Onshore- und Offshore-Anlagen kann der Bedarf errech-         • Metalle: Eisen, Kupfer, Aluminium für Rahmen, Kabel
net werden. So entsteht durch den Ausbau der Windkraft           und Aufständerung
bis in das Jahr 2050 ein Bedarf an den strategischen Me-      • Zement
tallen Chrom, Mangan, Molybdän und Niob von kumu-             • Glas (Silikat-Glas als Schutzglas der Module)
liert knapp fünf Millionen Tonnen.61                          • Kunststoffe

                                                              Von besonderer Bedeutung ist Silizium, da Solarzellen
3.2.2. Rohstoffbedarf von Photovoltaik-                       auf Basis dieses Rohstoffs den Markt beherrschen. Ähn-
       Anlagen                                                lich wie bei der Windkraft werden auch bei der Energie-
  Bei Photovoltaikanlagen kommen vor allem drei Mo-           gewinnung mit Solarenergie Seltene Erden für die Her-
dularten zum Einsatz: Dünnschichtmodule sowie mono-           stellung elektronischer Steuerelemente benötigt. Ein
und polykristalline Silizium-Module. Alle drei Techniken      typisches Panel basiert auf einigen dieser Stoffe wie Se-
unterscheiden sich nach Wirkungsgrad, Produktions-            len, Neodym, Indium, Gallium, Tellur und Germanium.63
kosten, Wärmeverhalten und Gewicht. Ebenso gibt es               Die Menge des verwendeten Zementes pro Mega-
Unterschiede bei der Herstellung und hinsichtlich des         watt (MW) installierter Anlagenleistung liegt bei 1.100
Rohstoffbedarfs. Obwohl heute siliziumbasierte Module         Tonnen. An Glas werden hingegen 69 Tonnen/MW ver-
über 90 % aller PV-Module ausmachen, werden diese in          wendet. Bei den Metallen zeigt sich der Rohstoffbedarf
den nächsten Jahren an Bedeutung verlieren (bis 2030          folgendermaßen:
soll der Anteil auf 45 % sinken). Dafür werden Dünn-          • Eisen: 170 Tonnen/MW
schichtmodule und neuere Technologien mehr Markt-             • Aluminium: 35 Tonnen/MW
anteile erobern, da diese eine bessere Effizienzrate auf-     • Kupfer: 4,5 Tonnen/MW64
weisen können.62                                              • Silberpaste: 90 Kilogramm/MW65

                                                                                                                            17
Rohstoffe für die Energiewende – Menschenrechtliche und ökologische Verantwortung in einem Zukunftsmarkt

3.3. Rohstoffbedarf für die Zukunft
3.3.1. Von Peak Oil zu Peak Metal                                            Bedarf an speziellen Rohstoffen wie Mangan oder Selte-
                                                                             nen Erden relativ gering bleiben wird, sollen hingegen bis
   Windkraft- und Photovoltaikanlagen sind wichtige                          zu 41,5 Millionen Tonnen Rohstahl und 240.000 Tonnen
Säulen der Energiewende, die in Zukunft weiter stark an                      Kupfer und Aluminium benötigt werden, um den Bedarf für
Bedeutung gewinnen werden. Doch durch diesen globa-                          neu gebaute Windkraftanlagen im Jahre 2035 zu decken.
len Zuwachs der beiden Technologien wird auch der Be-                           Der aktuelle Bedarf an Rohstoffen für den Neubau
darf der eingangs erwähnten Metalle stark zunehmen.                          von Windkraftanlagen mag im Vergleich zum globalen
   Die meisten Metalle in Windkraftanlagen lassen sich                       Bedarf anderer Wirtschaftszweige wie der Industrie oder
ohne großen Qualitätsverlust recyceln. Bei einer Wind-                       dem Automobilsektor, die bisher wenig Interesse für
kraftanlage beträgt die Quote sogar 80 bis 90 %. Die Ro-                     dieses Thema zeigen, eher gering erscheinen. Jedoch
torblätter stellen allerdings noch ein Problem dar, da sie                   muss beachtet werden, dass sich bei den erneuerbaren
aus einem Verbundstoff aus Kunstharz und Fasern beste-                       Energien zum einen der Bedarf an manchen Rohstoffen
hen.66 Viele Windkraft- und PV-Anlagen sind bereits heute                    für den Neubau von Anlagen bis 2035 teilweise fast ver-
zum Teil aus Sekundärrohstoffen (wiederverwertete Roh-                       dreifachen wird und zum anderen, dass es mitunter sehr
stoffe) gebaut, doch angesichts der zunehmenden Rele-                        starke regionale Unterschiede geben wird, während der
vanz von Solar- und Windenergie wird für diese beiden                        Rohstoffbedarf auf einem globalen Level ermittelt wur-
Sektoren eine steigende Zahl an Primärrohstoffen benötigt,                   de. So werden Regionen wie das Amazonasgebiet wei-
so etwa Eisenerz, Bauxit, Seltene Erden, Silber, Indium,                     terhin auf Wasserkraft setzen, wobei die Windkraft oder
Kupfer etc. Dies zeigt beispielsweise die Studie der Bun-                    Solarenergie dort nur eine untergeordnete Rolle spielen
desanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), die                    werden. Somit wird der Bedarf an Stahl, Kupfer und an-
den globalen Rohstoffbedarf für neu gebaute Windkraft-                       deren Rohstoffen in Regionen, in denen die Windkraft-
anlagen bis 2035 prognostiziert (Tabelle 1).67 Während der                   und Solarenergiekapazitäten stark ausgebaut werden

Tabelle 1: Globale Rohstoffproduktion und Rohstoffbedarfe für neu gebaute Windkraftanlagen
           in 1.000 Tonnen/Anteil an globaler Produktion in %

     Rohstoff                              Produktion 2013                          Bedarf 2013                    Bedarfsvorschau 2035

     Rohstahl                                      1.600.000                     17.500 (1,1 %)                                        41.500

     Kupfer                                           39.800*                      103 (0,25 %)                                            244

     Aluminium                                         47.800                      103 (0,22 %)                                            244

     Chrom                                             13.400                        49 (0,36 %)                                           116

     Nickel                                            4.600 *                      36. (0,79 %)                                            86

     Molybdän                                              271                        7 (2,75 %)                                            18

     Mangan                                                  17                       5 (0,02 %)                                            12

     Zinn                                                 653*                        8 (1,24 %)                                            19

     Endymion, Praseodym                                     37                             gering                                          10

     Dysprosium, Terbium                                       2                            gering                                          0,5

Schätzungen nach BGR; Zahlen gerundet;
* Bergwerksförderung und Raffinadeproduktion zusammengefasst                                   Quelle: DERA 2016, S. 185 / Tabelle: Eigene Darstellung

18
3. Rohstoffe für die Energiewende

                                                                                                                                   Foto: Fotolia/©mario beauregard
Weltweit kann die Recyclingquote bei Metallen noch stark ausgebaut werden.

sollen, zum Beispiel Europa und vor allem Deutschland,         abgeleitet und bezeichnet den Zeitpunkt, zu dem die
weitaus höher sein als im globalen Vergleich. Ein Blick        Extraktionsmengen der mineralischen Rohstoffe aus der
auf die Prognosen des Silberkonsums verdeutlicht dies:         Erdkruste das Maximum erreichen. Danach sinken die
Bereits 2018 sollen zwei Drittel des weltweiten Silberkon-     Abbaumengen wieder, sofern nicht neue Technologien
sums auf die Photovoltaikbranche zurückzuführen sein.68        das rentable Erschließen neuer Rohstoffvorräte ermögli-
   Mit der Verfügbarkeit von Rohstoffen für die Energie-       chen. Der genaue Zeitpunkt des „Peak Metal“ ist schwer
wende befassen sich einige Forschungsinstitute intensiv,       zu schätzen, da sich die Extraktionskosten ändern und
beispielsweise das Fraunhofer-Institut für Solare Energie-     sich die Technologie weiterentwickelt. So werden heute
systeme (ISE), Max-Planck-Institut oder die Universität        durch bessere Technik Vorkommen in entlegenen Regio-
Augsburg. Die zentrale Frage lautet: Reichen die Metalle       nen ausgebeutet, die früher noch nicht rentabel genutzt
für unsere Zukunft beziehungsweise bis wann reichen sie?       werden konnten.70 Zudem variiert dieser Zeitpunkt sehr
   Die tatsächliche Verfügbarkeit von metallischen Roh-        stark je nach Rohstoff.
stoffen hängt von diversen Faktoren ab. Wichtig sind die          Abhilfe könnte aber durch eine höhere Recyclingquote
geologische Verfügbarkeit, soziale Beschränkungen oder         einzelner Rohstoffe geschaffen werden. Obwohl bereits
die politische Situation in einer Bergbauregion oder ei-       heute schon ein beträchtlicher Teil an Rohstoffen wie-
nem Land. Außerdem sind für den Rohstoffabbau und              derverwertet wird, kann die Recyclingquote bei Metallen
die Weiterverarbeitung die Gesetzgebung, Umweltaufla-          noch enorm ausgebaut werden: Bis zu 99 % der Metalle
gen und ökonomische Faktoren wie die Rentabilität zu           sind potenziell recycelbar. So könnte ein Großteil der für
beachten. Zusätzlich erfordert die Extraktion von Rohstof-     die Energiewende benötigten metallischen Rohstoffe si-
fen ein gewisses Know-how und entsprechende Technik.           chergestellt werden, wenn diese durch Wiederaufberei-
Ein letzter bestimmender Faktor für die Verfügbarkeit von      tung erneut in den Rohstoffkreislauf eingeführt werden.
metallischen Rohstoffen liegt in den Recyclingkapazi-          Laut Europäischer Kommission und dem Öko-Institut gibt
täten und Materialineffizienzen.69 Darüber hinaus ver-         es einige strategische Rohstoffe, für die in Zukunft ein
braucht das Recycling von Metallen weniger Energie als         Verfügbarkeitsrisiko besteht. Dazu gehören unter ande-
die Gewinnung von Primärrohstoffen.                            rem Gallium, Germanium, Graphit, Indium, Kobalt, Mag-
   Um im Zusammenhang mit den mineralischen Roh-               nesium, Niobium, Platin, Tantal, Wolfram und die Sel-
stoffen für die Endlichkeit zu sensibilisieren, sprechen       tenen Erden (Yttrium, Lanthan und Scandium).71 Einige
Forscher/-innen von einem „Peak Minerals“ oder „Peak           Studien gehen sogar davon aus, dass Vorkommen von
Metal“. Der Terminus wird von dem Begriff „Peak Oil“           strategischen Rohstoffen wie Indium, Blei oder Tantal in

                                                                                                                            19
Rohstoffe für die Energiewende – Menschenrechtliche und ökologische Verantwortung in einem Zukunftsmarkt

     Deutschland und seine Rohstoffabhängigkeit
       Deutschland gehört zu den Nationen mit dem größ-                       Zu den wichtigsten Erzen und Metallen gehören
     ten Ressourcenverbrauch. Gleichzeitig ist das Tech-                      Eisenerz, Kupfer, Bauxit, Gallium, Germanium, Graphit,
     nologieland aber auch bei metallischen Rohstoffen                        Indium, Kobalt, Magnesium, Niobium, Platin, Tantal,
     zu 100 % importabhängig. Schon seit etlichen Jahren                      Wolfram und Seltene Erden.
     bemüht sich die Bundesregierung, die Versorgung an                       Hierbei ist Deutschland als Metallimporteur stark von
     Bodenschätzen langfristig zu sichern – unter anderem                     Entwicklungs- und Schwellenländern wie China, Peru,
     über Rohstoffpartnerschaften mit ausgewählten Län-                       Brasilien, Chile, Argentinien, Südafrika, Guinea etc.
     dern sowie Handels- und Investitionsschutzabkom-                         abhängig. Bei manchen Rohstoffen gibt es eine gewis-
     men der EU. 2015 importierte Deutschland metalli-                        se Diversifizierung, bei anderen eine starke Abhängig-
     sche Rohstoffe im Wert von circa 49,7 Milliarden Euro.                   keit, zum Beispiel von China bei Seltenen Erden.

     Tabelle 2: Importmengen nach Deutschland und Hauptherkunftsländer ausgewählter Metalle, 2015

                                Importmengen 2015               Hauptherkunftsland (Anteil             Weiter wichtige Herkunftsländer
       Metalle
                                         in Tonnen                 an Gesamtimport in %)                (Anteil an Gesamtimport in %)

       Rohstahl                                 4,2 Mio.                      Brasilien (56 %)                                Kanada (16 %)

       Kupfer                                   1,2 Mio.                            Peru (24 %)            Chile (23 %), Brasilien (21 %)

       Aluminium                                2,8 Mio.                        Guinea (92 %)

       Chrom                                      8.425                         Mexiko (49 %)                            Argentinien (42 %)

       Nickel                                        245                          China (94 %)

                                              Quellen: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/164506/umfrage/deutscher-export-und-import-
                                                            im-1-halbjahr-2010-nach-gueterabteilungen (Text), BGR 2016; Eigene Darstellung (Tabelle)

den nächsten Jahrzehnten erschöpft sein könnten, wenn                         benden Industrienationen – China, Indien oder Brasilien
der globale Konsum mit der heutigen Geschwindigkeit                           – mehr denn je daran interessiert, sich einen Anteil an
weiterwächst.72                                                               den weltweit noch vorhandenen Rohstoffreserven und
   Unter der Annahme, dass für die Energiewende gro-                          -ressourcen zu sichern.
ße Mengen an mineralischen Rohstoffen in Form von                                Bei der Suche nach neuen Lagerstätten rücken die
Metallen nötig sind, kann „Peak Metal“ folglich die                           Entwicklungs- und Schwellenländer verstärkt in den Fo-
Entwicklung zu einer „Low carbon society“ tatsächlich                         kus nationaler und transnationaler Rohstoffkonzerne. In
erschweren bis verhindern, wenn diese nicht verfüg-                           vielen dieser Länder gibt es noch unerschlossene Lager-
bar sind.73                                                                   stätten, außerdem sehen die dortigen Regierungen den
                                                                              Rohstoffreichtum als ein Entwicklungspotenzial an, das
                                                                              es zu nutzen gilt. Daher erhalten Konzerne in solchen
3.3.2. Mehr Bergbau – auch für die                                            Staaten relativ rasch und kostengünstig Bergbaulizen-
       Energiewende                                                           zen. So werden in vielen armen und ärmsten Ländern in
   Die steigende Nachfrage nach Rohstoffen, auch für die                      Lateinamerika, Asien und Afrika mehr und mehr Lizen-
Energiewende, setzt einen globalen Trend fort, der schon                      zen zum Abbau von Erzen vergeben, ein Trend, der sich
seit der Jahrtausendwende anhält: mehr Bergbau. Da                            auch in Zukunft fortsetzen wird.
nicht alle Länder natürliche Rohstoffvorkommen in aus-                           Das Problem ist aber: Zu oft ist der Rohstoffabbau in
reichender Menge besitzen, müssen diese ihren Bedarf                          diesen Ländern mit schweren Menschenrechtsverlet-
über Einfuhren decken. Schon seit Jahren sind deshalb                         zungen, ökologischen Schäden und sozialen Konflikten
sowohl die großen Industrieländer als auch die aufstre-                       verbunden.

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