Äschenmonitoring in Aare und Saane BE - Zwischenbericht 2016, Mai 2017 Auftraggeber: Fischereiinspektorat des Kantons Bern - Kanton Bern
←
→
Transkription von Seiteninhalten
Wenn Ihr Browser die Seite nicht korrekt rendert, bitte, lesen Sie den Inhalt der Seite unten
Äschenmonitoring in Aare und Saane BE Zwischenbericht 2016, Mai 2017 Auftraggeber: Fischereiinspektorat des Kantons Bern Dr. J. Guthruf, Dr. K. Guthruf-Seiler Tel.: +41 31 781 49 40, Hängertstrasse 13 g, 3114 Wichtrach info@aquatica-gmbh.ch
Äschenmonitoring in Aare und Saane BE, Zwischenbericht 2016 Impressum Autor: Joachim Guthruf, Aquatica GmbH Fachliche Begleitung: Christoph Küng, Thomas Vuille, Fischereiinspektorat des Kantons Bern Auftraggeber: Fischereiinspektorat des Kantons Bern Zitiervorschlag: GUTHRUF (2017): Äschenmonitoring in Aare und Saane BE. - Zwischenbericht 2016 Aquatica, Auftraggeber: Fischereiinspektorat des Kantons Bern: 50 S. Titelbild oben: revitalisiertes Aare-Ufer im Selhofenzopfen bei Kehrsatz, Foto K. Guthruf Unten: Äschenlarven, Foto K. Guthruf Aquatica GmbH 2
Äschenmonitoring in Aare und Saane BE, Zwischenbericht 2016 Inhaltsverzeichnis Zusammenfassung ................................................................................................... 4 1. Ausgangslage .................................................................................................... 6 1.1. Aufgabe der vorliegenden Studie ............................................................................. 6 1.1.1. Dokumentation nach Wiederaufnahme Befischung, neue Schonbestimmung ....................6 1.1.2. Fangmindestmass, Schutz der Erstlaicher in allen Strecken ...............................................6 1.1.3. Abklärungen zu möglichen Ursachen des Rückgangs der Bestände ..................................7 1.1.4. Übersicht Gewässerstrecken ................................................................................................7 2. Abklärungen zu ökologisch abgestütztem Fangmindestmass ...................... 8 2.1. Aare Interlaken (202)................................................................................................ 8 2.2. Aare Thun - Bern (203-205) ................................................................................... 10 2.3. Aare Engehalbinsel (208) ....................................................................................... 12 2.4. Aare Mühleberg (211) ............................................................................................ 14 2.5. Aare Oberaargau (222-228) ................................................................................... 16 2.6. Saane (181) ........................................................................................................... 18 2.7. Übersicht Fangmindestmasse ................................................................................ 19 2.7.1. Korrektur des Fangmindestmasses auf Grund Reproduktion und Prädation ....................20 3. Die Äschen-Laichpopulation Thun Schadau ................................................. 22 4. Fang und Ertrag (Fangstatistik) ...................................................................... 24 5. Längenverteilung der gefangenen Äschen (Fangstatistik BE) .................... 25 6. Äschenbestand (CPUE) und Beobachtungshäufigkeit von Prädatoren...... 26 6.1. Catch per unit effort, CPUE .................................................................................... 26 6.2. Äschen mit Verletzungen durch fischfressende Vögel ............................................ 26 7. Beobachtung fischfressender Vögel (Sonderfänge Angelfischer) .............. 27 7.1. Kormorane ............................................................................................................. 27 7.1.1. Aktivität der Kormorane ......................................................................................................28 7.2. Gänsesäger ........................................................................................................... 28 7.2.1. Aktivität der Gänsesäger ....................................................................................................29 8. Abklärungen zu möglichen Ursachen des Äschenrückgangs ..................... 30 8.1. Fortpflanzungserfolg............................................................................................... 30 8.2. Aufkommen der Jungfische, Eingrenzen der Dezimierungsphase? ........................ 31 8.3. Besatz als mögliche Lösung? ................................................................................. 32 8.4. Einfluss der Befischung auf die Altersverteilung ..................................................... 32 8.5. Suche nach möglichen Ursachen für den Rückgang .............................................. 33 8.5.1. Krankheiten.........................................................................................................................34 8.5.2. Einfluss der Angelfischerei .................................................................................................35 8.5.3. Wassertemperaturen ..........................................................................................................35 8.5.4. Starke Hochwasser während der frühen Entwicklung ........................................................39 8.5.5. Prädation durch fischfressende Vögel (Kormoran und Gänsesäger).................................39 9. Ausblick ............................................................................................................ 45 10. Literaturverzeichnis ......................................................................................... 46 11. Anhang.............................................................................................................. 48 Aquatica GmbH 3
Äschenmonitoring in Aare und Saane BE, Zwischenbericht 2016 Zusammenfassung Der Äschenbestand der Aare im Kanton Bern erholte sich während des auf drei Jahre befristeten Fangmo- ratoriums (2008 – 2010), wie das Monitoring zeigte. Dieses wurde nach Wiederaufnahme der Fischerei mit verschärften Schonbestimmungen weitergeführt, um die Entwicklung des Bestandes unter den neuen Bedingungen zu dokumentieren. Die Ergebnisse der Untersuchungen wurden verwendet für die Überprü- fung des Fangmindestmasses in der Saane und verschiedenen Strecken der Aare. Weiter wurden alle ver- fügbaren Daten über die Äschenpopulationen gesammelt und in Hinblick auf mögliche Ursachen für den starken Rückgang der Fangzahlen ausgewertet. Die Laichpopulation in der Aare bei Thun besteht nach wie vor aus sechs oder mehr Jahrgängen. Auch die Fangzahlen im Rahmen des Laichfischfangs waren zwischen 1999 und 2015 auf relativ tiefem Niveau stabil. Ab 2016 erfolgte ein erneuter Rückgang der Fangzahlen. Seit Beginn des Laichfischfangs im Jahr 1948 ist der Weibchen-Anteil deutlich gesunken, wie eine Studie der Universität Lausanne zeigte. Der Fang pro Zeit (CPUE) in den Sonderfängen durch beauftragte Angelfischer nahm nach Wiederauf- nahme der Angelfischerei in allen Strecken wieder ab, was auf einen deutlichen Rückgang des Bestandes hindeutet und den zum Teil sehr starken Einfluss der Fischerei belegt. Die Abnahme des CPUE ist auch plausibel, da im ersten Jahr nach dem Fangmoratorium (2011) sehr grosse Äschenfänge erzielt wurden. Die Ergebnisse der Sonderfänge zeigen aber auch, dass der Anteil sicherer Laichtiere (≥ 2+) deutlich höher ist als in den Jahren vor dem Fangmoratorium und dass auch ältere Äschen (≥ 3+), welche früher weitge- hend fehlten, wieder regelmässig vorkommen. Diese Verbesserungen sind als Folge des neuen Fangmin- destmasses zu betrachten und erhöhen das Potenzial der natürlichen Fortpflanzung und geben den Populationen eine bessere Chance, Katastrophensituationen wie extreme Hochwasser unbeschadet zu überleben. Obwohl sich der CPUE im Verlauf des Fangmoratoriums auch in Mühleberg erhöhte, lag der reguläre Fang im Jahr 2011 weit unter dem Wert vor dem Fangmoratorium. Es ist davon auszugehen, dass neben der Nutzung durch Angelfischer die Prädation durch Kormorane in Mühleberg eine entscheidende Rolle spielt. Die relativ hohe Zahl überwinternder Kormorane ist sowohl den Erhebungen durch Angelfischer als auch den Wasservogelzählungen der Vogelwarte Sempach zu entnehmen. Das mittels Reifeuntersuchungen an Sonderfängen durch Angelfischer ermittelte ökologisch optimale Fangmindestmass wich in den meisten Strecken nur 1 – 2 cm vom geltenden Mindestmass von 36 cm ab. Lediglich in der Aare bei Interlaken, wo die Äschen wegen des langsamen Wachstums erst ein Jahr später laichreif werden, ist ein sehr hohes Fangmindestmass von 41 cm notwendig, damit die Erstlaicher geschützt werden. Seit 1989 werden die Äschen-Beifänge des Forellen-Laichfischfangs in der Aare zwischen Jaberg und Bern erfasst, mit einer Lücke zwischen 1993 und 2005 sowie im Jahr 2015. Die Fangzahlen dieser Befischungen mit dem Elektrofanggerät sind sehr stark rückläufig und belegen, dass dem Fangrückgang der Angelfischer ein Bestandesrückgang zugrunde liegt. Aus der Altersverteilung geht hervor, dass die entscheidende Dezimierung des Bestandes zwischen dem Winter des ersten und dem Herbst des zweiten Lebensjahres erfolgt. Auch die Fokussierung auf den ausserordentlich starken Jahrgang 2011 ergab, dass die Dezimie- rung in der besagten Zeitspanne erfolgte. Die Äschen werden zu einem Zeitpunkt dezimiert, wenn sie das Fangmindestmass noch nicht erreicht haben. Die Angelfischerei scheidet folglich als Ursache aus für die Dezimierung der Äschen im Alter von ½ bis 1½ Jahre. Die Verluste durch die Dezimierung können nicht durch Besatz kompensiert werden, da die Besatzfische vor Erreichen des «Flaschenhalses» eingesetzt werden. Ein Besatz mit Jährlingen ist nicht sinnvoll, da diese zu sehr an das Leben in der Fischzucht gewöhnt sind. Aquatica GmbH 4
Äschenmonitoring in Aare und Saane BE, Zwischenbericht 2016 Die Suche nach möglichen Auslösern des Rückganges ergab, dass die proliferative Nierenkrankheit PKD als Ursache unwahrscheinlich ist, da die Krankheit bei Bachforellen im Sommer des ersten Lebensjahres ausbricht und zu hohen Ausfällen führt, also vor dem Zeitfenster der Dezimierung der Äschen. Eine Studie des FIWI im Kanton Baselland ergab zudem, dass die Empfänglichkeit der Äschen für die Krankheit viel geringer ist als bei Bachforellen. Die Untersuchungen erbrachten keine Hinweise, dass erhöhte Wassertemperaturen eine Haupt-Ursache für den Rückgang der Äschenfänge im Zeitraum zwischen 1989 und 2016 darstellen: Die mittlere Som- mertemperatur gemäss PERSAT (1976) hat sich seit 1989 nicht signifikant verändert. Auch letale oder sub- letale Schwellenwerte wurden in der fraglichen Zeit nicht überschritten. Abgesehen von der Aare im Ober- aargau wurde die maximal tolerierbare Temperatur in keiner Strecke überschritten. Nach Wiederaufnahme der Fischerei wurden erst fünf Jahre untersucht. Die Entwicklung der Populatio- nen nach Inkrafttreten der neuen Schonbestimmungen kann deshalb nur ansatzweise beurteilt werden, zumal abgesehen von der Aare zwischen Thun und Bern lediglich von zwei Jahren Daten vorliegen. Es ist deshalb zu empfehlen, die Erhebungen gemäss Konzept weiterzuführen, wobei die Äschenlarvenkartie- rungen sowie die Äschen-Beifänge während des Forellen-Laichfischfanges zwischen Thun und Bern jähr- lich und die Erhebungen im Laichgebiet Thun sowie die Sonderfänge durch Angelfischer weiterhin im Drei- jahres-Turnus erfolgen sollten. Das Wachstum im Bereich der Engehalbinsel war in den letzten Jahren etwas langsamer als zwischen 1989 und 1992. Sollte dieser Trend anhalten, sind Reifeuntersuchungen notwendig, um das Fangmindestmass zu überprüfen. Da das Fangmindestmass in der Aare bei Mühleberg nur auf einer geringen Stichprobenzahl an Reifeun- tersuchungen beruht, wird empfohlen, während der folgenden zwei Jahre mit Sonderfängen in Mühleberg Reifeuntersuchungen durchzuführen. Durch im Frühjahr stattfindende Elektrofänge vom treibenden Boot aus (analog zum Forellen-Laichfisch- fang) liesse sich der Zeitraum der Dezimierung der jungen Äschen enger eingrenzen. Magenanalysen an Gänsesägern im Winterhalbjahr würden zur besseren Kenntnis des Beutespektrums der Art beitragen. Aquatica GmbH 5
Äschenmonitoring in Aare und Saane BE, Zwischenbericht 2016 1. Ausgangslage Die Äsche ist im Anhang 1 der Verordnung zum Bundesgesetz über die Fischerei unter den gefährdeten Arten aufgeführt. Im Kanton Bern leben 4 der insgesamt 20 Populationen von nationaler Bedeutung (KIRCHHOFER et al. 2002). Wegen starker Rückgänge des Fangs und Einbrüche des zweitgrössten Bestandes der Schweiz - zwischen Thun und Bern trug im Jahr 2006 lediglich noch 1 Jahrgang wesentlich zum Bestand bei (GUTHRUF 2011) - verfügte das Fischereiinspektorat ein auf drei Jahre befristetes Äschen-Fangmorato- rium. Die Auswirkungen dieses Fangmoratoriums auf die Äschenpopulationen wurden umfassend untersucht (GUTHRUF 2011, GUTHRUF 2011). Im Anschluss an dieses Fangmoratorium für Äschen (2008-2010) traten folgende neuen Bestimmungen für die Äsche in Kraft: • Erhöhung Fangmindestmass in Aare (Brienzersee – Kantonsgrenze) und Saane von 32 auf 36 cm, • Verschärfung der Tagesfangzahlbeschränkung von 6 auf 2 Äschen, • Neue Jahresfangzahlbeschränkung von 20 Äschen, • Neue Erfassung der Länge jeder Äsche in der Fangstatistik zur Überwachung des Altersaufbaus. 1.1. Aufgabe der vorliegenden Studie 1.1.1. Dokumentation nach Wiederaufnahme Befischung, neue Schonbestimmung Aufgabe der vorliegenden Studie ist es, die Entwicklung der Äschenpopulationen nach Wiederaufnahme der Befischung und nach Inkrafttreten der neuen Schonbestimmungen seit 2011 bis 2016 gestützt auf verschiedene Untersuchungen zu dokumentieren (Tab. 1). Tab. 1 Konzept Äschenmonitoring nach Abschluss des drei Jahre dauernden Äschen-Fangmo- ratoriums und der Wiederaufnahme der Angelfischerei. 1.1.2. Fangmindestmass, Schutz der Erstlaicher in allen Strecken Vor allem das erhöhte Fangmindestmass, das an die Ökologie der Populationen angepasst ist, ist eine sehr wichtige Neuerung, da sie den Schutz der Erstlaicher garantiert. In den meisten Äschenstrecken von nati- onaler Bedeutung (KIRCHHOFER et al. 2002) standen die notwendigen ökologischen Grundlagen für eine Festlegung des Fangmindestmasses (Wachstum, Eintritt der Laichreife) zur Verfügung. Ausnahmen bilden die Aare in Interlaken und die Saane, wo Angaben zum Eintritt der Laichreife fehlten. In der Saane fehlten zusätzlich Angaben zum Wachstum. Auch in der Aare im Oberaargau lebt eine Äschenpopulation, über die nur sehr wenig bekannt ist. Um auch für die drei genannten Populationen ein ökologisch gerechtfer- tigtes Fangmindestmass einzuführen, wurden zusätzliche Wachstums- und Reifeuntersuchungen durch- geführt. Aquatica GmbH 6
Äschenmonitoring in Aare und Saane BE, Zwischenbericht 2016 1.1.3. Abklärungen zu möglichen Ursachen des Rückgangs der Bestände Die im Rahmen der Fangstatistik erhobenen Fangzahlen der Äschen waren bereits vor Beginn des Fang- moratoriums in der Aare und in der Saane stark rückläufig. Beifänge im Rahmen des Forellen-Laichfischfangs zwischen Jaberg und Bern (mit dem Elektrofanggerät vom treibenden Boot aus) nahmen noch stärker ab als die Fänge der Angelfischer, wodurch bestätigt wird, dass der beobachteten zeitlichen Entwicklung ein Bestandesrückgang zugrunde liegt. Durch eine alters- spezifische Analyse der Elektrofänge zwischen Jaberg und Bern sowie Abklärungen zu möglichen Einfluss- faktoren sollen infrage kommende Ursachen für den Bestandesrückgang ermittelt oder zumindest einge- grenzt werden. 1.1.4. Übersicht Gewässerstrecken Die untersuchten Gewässerstrecken sind in folgender Karte dargestellt (Abb. 1): Laichgebiet Thun Abb. 1 Gewässerstrecken mit Äschenbeständen, welche im Rahmen des Monitorings untersucht wurden. Aquatica GmbH 7
Äschenmonitoring in Aare und Saane BE, Zwischenbericht 2016 2. Abklärungen zu ökologisch abgestütztem Fangmindestmass 2.1. Aare Interlaken (202) Die Äschen in der Aare bei Interlaken wachsen von allen untersuchten Populationen am langsamsten: Im Alter von 1½ Jahren erreichen sie Längen von 23 – 32 cm und somit um 4 – 5 cm weniger als Äschen aus den raschwüchsigen Populationen. Mit 2½ Jahren sind die Äschen 30 – 42 cm lang, womit die Differenz zu den raschwüchsigen Populationen wiederum rund 4 cm beträgt (Abb. 2). Abb. 2 Äschen Interlaken: Links: Beziehung zwischen Alter (X-Achse) und Länge (Y-Achse); rechts: Längenverteilung getrennt nach Altersklassen. Daten: Sonderfänge 2012 und 2015. Roter Pfeil: grösste 2+-Äsche. Angesichts der Längenabhängigkeit des Eintritts der Laichreife (GUTHRUF 1996) bleibt dieses langsame Wachstum nicht ohne Folgen für die Laichreife Während in der Saane 68% der 1+-Männchen und 91% der 1+-Weibchen laichreif werden, ist dies in Interlaken lediglich bei 10% der Männchen und 0% der Weibchen im Alter von 1+ der Fall. Folglich sollte in Interlaken die Altersklasse 2+ geschont werden: 94% der 2+-Weib- chen und 81% der 2+-Männchen werden laichreif (Abb. 3). Jährliche Schwankungen sind begrenzt (Abb. 4). Abb. 3 Verteilung der reifen und unreifen Äschen auf die Altersklassen nach Männchen (links) und Weibchen (rechts). Daten: Sonderfänge 2012 und 2015. Die Strecke unterliegt einem relativ starken Befischungsdruck: Nach dem Fangmoratorium wurden jährlich im Durchschnitt 485 erfolgreicher Anglerausflüge registriert, was dem dritthöchsten Wert in allen Äschenstrecken des Kantons entspricht (Tab. 2). Tab. 2 Anzahl erfolgreiche Anglerausflüge (e. A. a.) in verschiedenen Gewässerstrecken des Kanntons Bern mit Äschenbestand. Mittelwert der Jahre 2011-2015. Daten: Fischereiin- spektorat des Kantons Bern. Strecke 103 202 203 205 208 210 211 212 213 215 218 220 221 222 223 225 227 228 181 e. A.a. 33 485 494 350 825 16 73 2 7 86 29 19 1 1 1 17 2 18 64 Aquatica GmbH 8
Äschenmonitoring in Aare und Saane BE, Zwischenbericht 2016 Abb. 4 Prozent-Anteil reifer 1+-Äschen aus der Aare bei Interlaken nach Geschlechtern und Fangjahren getrennt. Daten: Sonderfänge 2012 und 2015. Um den Erstlaichern die natürliche Fortpflanzung zu ermöglichen, wären sämtliche 2+-Äschen zu schonen. Dazu ist ein Fangmindestmass von 41 cm notwendig (Abb. 2). Da sämtliche Fische maximal drei Monate vor Beginn der Schonzeit gefangen wurden und das Wachstum der Äsche im Winterhalbjahr reduziert ist (GUTHRUF 1996), kann auf eine zusätzliche Erhöhung verzichtet werden. Durch die Reduktion des Fangmindestmasses auf 40 cm kann die Längenselektion unter den 3+-Äschen reduziert werden, indem von dieser Altersklasse 10% mehr entnommen werden dürfen als beim Fang- mindestmass 41 cm. Im Gegenzug ist die Längenselektion bei den 2+-Äschen höher, da statt 100% (41 cm) nur 97% (40 cm) geschont werden. Unter dem Aspekt der Längenselektion kann das biologisch begrün- dete Fangmindestmass von 41 auf 40 cm reduziert werden, wodurch aber der vollständige Schutz der Erstlaicher aufgegeben wird. Sowohl beim Fangmindestmass 41 cm als auch beim Fangmindestmass 40 cm können zahlreiche laichreife Äschen-Männchen und –Weibchen geschont werden. Auf Grund der Längenverteilung sind die Unter- schiede nur geringfügig (Abb. 5). Abb. 5 Längenverteilung unreifer und reifer Äschen-Männchen und –Weibchen in der Aare in Interlaken (202). Daten: Sonderfänge 2012 und 2015. Grüne Linie: biologisch korrektes Fangmindestmass. Beim bestehenden Fangmindestmass von 36 cm wird lediglich ein Teil der Erstlaicher geschützt, während die raschwüchsigen 2+-Tiere herausgefangen werden können. Sowohl der nur teilweise Schutz der Erstlai- cher als auch die sehr starke Längenselektivität unter den 2+-Äschen (Mindestmass liegt etwa in der Mitte der Längenverteilung dieser Altersklasse) können sich sehr negativ auf die Äschenpopulation auswirken durch Überfischung sowie genetische Veränderung der Population. Aquatica GmbH 9
Äschenmonitoring in Aare und Saane BE, Zwischenbericht 2016 2.2. Aare Thun - Bern (203-205) In der Aare zwischen Thun und Bern wachsen die Äschen sehr rasch und erreichen im Alter von 1½ Jahren (1+) Längen zwischen 27 und 38 cm. 2½ Jahre alte Äschen (2+) sind bereits zwischen 32 und 45 cm lang (Abb. 6) und gehören damit europaweit zu den am raschesten wachsenden Äschen (GUTHRUF 1996). Seit 1992 hat das Wachstum der Äschen sogar noch leicht zugenommen (Abb. 7). Abb. 6 Äschen Thun-Bern: Links: Beziehung zwischen Alter (X-Achse) und Länge (Y-Achse); rechts: Längenverteilung getrennt nach Altersklassen. Daten: Sonderfänge 2012 und 2015. Roter Pfeil: grösste 1+-Äsche. * sig. Unterschied 1989-92 zu 2008-10 * sig. Unterschied 2008-10 zu 2012-15 * sig. Unterschied 1989-92 zu 2012-15 Abb. 7 Veränderung des Äschenwachstums in der Aare zwischen Thun und Bern vor (1989-92) während (2008-10) und nach dem Äschen-Fangmoratorium (2012-15). In der raschwüchsigen Population werden beide Geschlechter erstmals im Alter von 1+ laichreif und lai- chen somit erstmals als zweijährige Tiere ab. Im Durchschnitt erreichen 39% der 1+-Männchen und 57% der 1+-Weibchen die Laichreife. Während der Anteil der reifen 1+-Männchen von Jahr zu Jahr sehr stark schwankt, Ist der Prozentanteil reifer 1+-Weibchen relativ stabil zwischen 56 und 59% (Tab. 3). Aquatica GmbH 10
Äschenmonitoring in Aare und Saane BE, Zwischenbericht 2016 Tab. 3 Laichreife der 1+-Äschen in der Aare Thun bis Bern. Sonderfänge Oktober bis Februar 1989-1992. Detail-Auswertungen an den Daten der Dissertation (GUTHRUF 1996). Männchen Weibchen Männchen Weibchen unreif reif unreif reif reif [%] reif [%] 1990 28 13 33 42 32% 56% 1989 19 21 26 37 53% 59% Thun-Bern (203-205) 1991 26 16 35 46 38% 57% 1992 8 1 5 7 11% 58% Summe / Durchschnitt 81 51 99 132 39% 57% Da die Äschen rascher wachsen als in den Jahren 1989-1992, muss das Fangmindestmass zwingend auf Grund der aktuellen Wachstumsdaten bestimmt werden. Die Reifeangaben aus den Jahren 1989-1992 hingegen sind verwendbar, da der Prozentanteil reifer Tiere auf Grund des rascheren Wachstums sogar noch gestiegen sein dürfte, insbesondere bei den Männchen (GUTHRUF 1996). Zum Schutz der Erstlaicher müssen in der Aare zwischen Thun und Bern die 1+-Äschen 100% geschützt werden, was mit einem Fangmindestmass von 38 cm gewährleistet ist (Abb. 6). Da sämtliche Fische maximal drei Monate vor Beginn der Schonzeit gefangen wurden und das Wachstum der Äsche im Winterhalbjahr reduziert ist (GUTHRUF 1996), kann auf eine zusätzliche Korrektur verzichtet werden. Da lediglich eine von insgesamt 46 untersuchten 1+-Äschen (=2%) mehr als 36 cm mass, kann das Fang- mindestmass auf das aktuell geltende Fangmindestmass von 36 cm reduziert werden, da dadurch die Län- genselektion in der nächstälteren Altersklasse 2+ gesenkt werden kann. Von total 35 2+-Äschen können beim Fangmindestmass von 36 cm drei Tiere mehr behändigt werden, wodurch sich die Längenselektion bei der Altersklasse 2+ um 9% senkt. Aquatica GmbH 11
Äschenmonitoring in Aare und Saane BE, Zwischenbericht 2016 2.3. Aare Engehalbinsel (208) Im Bereich der Engehalbinsel wachsen die Äschen etwas langsamer als zwischen Thun und Bern und erreichen mit 1½ Jahren (1+) Längen zwischen 24 und 33 cm und im Alter von 2½ Jahren (2+) Längen von 28 – 38 cm (Abb. 8). Das Wachstum lag in den Moratoriums-Jahren leicht über und nach dem Moratorium leicht unter dem Wert aus den Jahren 1989-1991. Die Unterschiede waren aber nicht in allen Altersklassen statistisch signifikant (Abb. 9). Da der Unterschied bei den 1+-Äschen nur rund 8 mm beträgt, dürfte der Einfluss der Wachstumsveränderung auf den Eintritt der Reife nur begrenzt sein. Folglich können die Reifedaten aus den Jahren 1989-1991 verwendet werden. Abb. 8 Äschen Engehalbinsel: Links: Beziehung zwischen Alter (X-Achse) und Länge (Y-Achse); rechts: Längenverteilung getrennt nach Altersklassen. Daten: Sonderfänge 2012 und 2015. Roter Pfeil: grösste 1+-Äsche. sig. Unterschied 1989-92 zu 2008-10 * * sig. Unterschied 2008-10 zu 2012-15 * sig. Unterschied 1989-92 zu 2012-15 Abb. 9 Veränderung des Äschenwachstums in der Aare im Bereich der Engehalbinsel vor (1989- 92) während (2008-10) und nach dem Äschen-Fangmoratorium (2012-15). Nur ein Teil der 1+-Äschen wurden in den Jahren 1989-1992 laichreif. Bei den 1+-Männchen war dies ein Anteil von 17%. Bei den 1+-Weibchen war der Anteil mit 57% bedeutend höher (Tab. 4). Tab. 4 Laichreife der 1+-Äschen in der Aare im Bereich der Engehalbinsel. Sonderfänge Oktober bis Februar 1989-1991. Detail-Auswertungen an den Daten der Dissertation (GUTHRUF 1996). Männchen Weibchen Männchen Weibchen unreif reif unreif reif reif [%] reif [%] 1990 10 3 11 11 23% 50% 1989 7 1 1 5 13% 83% Engehalbinsel (208) 1991 2 0 0 0 Summe 19 4 12 16 17% 57% Aquatica GmbH 12
Äschenmonitoring in Aare und Saane BE, Zwischenbericht 2016 Die nur geringfügige, und nicht in allen Altersklassen signifikante Veränderung des Wachstums sowie das Schwanken der Werte der Moratoriumsjahre und der Jahre danach um die Werte der Jahre 1989-1991 rechtfertigt, dass die Reifedaten aus den Jahren 1989-1992 für die Festlegung des Fangmindestmasses verwendet werden können. Durch den relativ geringen Anteil reifer 1+-Männchen ist der Spielraum nur sehr begrenzt. Im Rahmen der kommenden Sonderfänge ist deshalb das Wachstum der Äschen im Bereich der Engehalbinsel weiter zu überwachen. Sollte das Wachstum weiter abnehmen, sind erneute Reifeun- tersuchungen ins Auge zu fassen. Das Fangmindestmass ist auf Grund der Ergebnisse dieser Reifeunter- suchungen zu prüfen. Da sämtliche Fische maximal drei Monate vor Beginn der Schonzeit gefangen wurden und das Wachstum der Äsche im Winterhalbjahr reduziert ist (GUTHRUF 1996), kann auf eine zusätzliche Korrektur verzichtet werden. Auf Grund der Reifeuntersuchungen aus den Jahren 1989-1992 sind zum Schutz der Erstlaicher alle 1+- Äschen zu schützen, wozu auf Grund der Wachstumsdaten aus den Jahren 2012 und 2015 rechnerisch ein Fangmindestmass von 33 cm erforderlich wäre. Da das Wachstum in den Jahren 2012 und 2015 unter- durchschnittlich, und die Stichprobenzahl nur begrenzt war, müssen die Wachstumsdaten der Jahre 2008- 2010 (GUTHRUF 2011) hinzugezogen werden. Zum vollständigen Schutz der 1+-Äschen ist ein Fangmindest- mass von 36 cm notwendig. In Jahren mit langsamem Wachstum führt dies zu einer relativ starken Längenselektion bei den 2+-Äschen, welche aber angesichts des geringen Anteils reifer 1+-Männchen hinzunehmen ist. Die zusätzlich geschon- ten 2+-Äschen liefern einen existenziellen Beitrag zur natürlichen Fortpflanzung, insbesondere in Jahren mit langsamem Wachstum. Aquatica GmbH 13
Äschenmonitoring in Aare und Saane BE, Zwischenbericht 2016 2.4. Aare Mühleberg (211) Auch in der Aare bei Mühleberg wachsen die Äschen nicht ganz so schnell wie zwischen Thun und Bern. Sie erreichen mit 1½ Jahren (1+) Längen zwischen 24 und 36 cm und im Alter von 2½ Jahren (2+) 28 bis 43 cm (Abb. 10). Die Wachstumsunterschiede seit der Untersuchungsperiode 1989-1992 sind zwar signifi- kant, aber bei den 1+-Äschen mit 1.8 mm äusserst gering (Abb. 11). Abb. 10 Äschen Mühleberg: Links: Beziehung zwischen Alter (X-Achse) und Länge (Y-Achse); rechts: Längenverteilung getrennt nach Altersklassen. Daten: Sonderfänge 2012 und 2015. Roter Pfeil: grösste 1+-Äsche. sig. Unterschied 1989-92 zu 2008-10 * * sig. Unterschied 2008-10 zu 2012-15 * sig. Unterschied 1989-92 zu 2012-15 Abb. 11 Veränderung des Äschenwachstums in der Aare bei Mühleberg vor (1989-92) während (2008-10) und nach dem Äschen-Fangmoratorium (2012-15). Es ist deshalb von einem marginalen Einfluss der Wachstumsunterschiede auf den Eintritt der Laichreife auszugehen, weshalb die Daten aus den Jahren 1989-1991 (Tab. 5) verwendet werden können. Daraus ist ersichtlich, dass bei den 1+-Äschen sowohl Männchen als auch Weibchen teilweise laichreif werden. Bei den 1+-Äschen wurden 20% der Männchen 50% der Weibchen laichreif. Allerdings ist die Stichprobenzahl von total 22 1+-Äschen sehr gering (Tab. 5). Tab. 5 Laichreife der 1+-Äschen in der Aare bei Mühleberg. Sonderfänge Oktober bis Februar 1989-1991. Detail-Auswertungen an den Daten der Dissertation (GUTHRUF 1996). Männchen Weibchen Männchen Weibchen unreif reif unreif reif reif [%] reif [%] 1990 4 0 3 3 0% 50% 1989 3 2 3 3 40% 50% Mühleberg (211) 1991 1 0 0 0 Summe 8 2 6 6 20% 50% Aquatica GmbH 14
Äschenmonitoring in Aare und Saane BE, Zwischenbericht 2016 Wie in den meisten Äschenpopulationen wird auch in der Aare bei Mühleberg die 1½ Jahre alte Alters- klasse erstmals laichreif und kommt im Alter von zwei Jahren zum Laichen. Das Fangmindestmass muss bei 36 cm angesetzt werden, dass sämtliche 1+-Äschen geschont werden. Da sämtliche Fische maximal drei Monate vor Beginn der Schonzeit gefangen wurden und das Wachstum der Äsche im Winterhalbjahr reduziert ist (GUTHRUF 1996), kann auf eine zusätzliche Korrektur verzichtet werden. Das vorgeschlagene Fangmindestmass führt zu einer nur geringen Längenselektion unter den 2+-Äschen, weshalb kein Bedarf für eine Anpassung des aktuell geltenden Fangmindestmasses besteht. Wegen des geringen Anteils reifer 1+-Männchen wäre eine Reduktion des Fangmindestmasses ohnehin nicht vertret- bar. Angesichts der sehr geringen Stichprobenzahl von lediglich 22 1+-Äschen ist eine erneute Reife- Untersuchung ins Auge zu fassen. Aquatica GmbH 15
Äschenmonitoring in Aare und Saane BE, Zwischenbericht 2016 2.5. Aare Oberaargau (222-228) In der Aare im Oberaargau lebt auch eine Äschenpopulation mit geringfügig langsamerem Wachstum als dasjenige der Population zwischen Thun und Bern. Mit 1½ Jahren erreichen die Äschen Längen zwischen 29 und 35 cm; mit 2½ Jahren messen die Äschen 36 – 42 cm (Abb. 12). Abb. 12 Äschen Aare Oberaargau: Beziehung zwischen Alter (X-Achse) und Länge der Äschen (Y- Achse). Daten: Sonderfänge 2012 und 2015. Roter Pfeil: grösste 1+-Äsche. Im Oberaargau ist der grösste Teil der 1+-Männchen und der überwiegende Anteil der 1+-Weibchen laich- reif (Abb. 13), wobei der Anteil der reifen Tiere bei beiden Geschlechtern von Jahr zu Jahr schwankt (Abb. 14). Allerdings war die Stichprobenzahl im Jahr 2015 mit nur acht 1+-Äschen sehr gering. Über beide Jahre betrachtet reichen die Stichprobenzahlen aber aus für die Festlegung eines auf die Ökologie der Population angepassten Fangmindestmasses. Abb. 13 Verteilung der reifen und unreifen Äschen auf die Altersklassen nach Männchen (links) und Weibchen (rechts). Daten: Sonderfänge 2012 und 2015. Abb. 14 Prozent-Anteil reifer 1+-Äschen aus der Aare im Oberaargau nach Geschlechtern und Fangjahren getrennt. Daten: Sonderfänge 2012 und 2015. Dieses ist so festzulegen, dass sämtliche 1+-Äschen geschont werden. Dies ist durch ein Fangmindestmass von 35 cm garantiert (Abb. 12). Aquatica GmbH 16
Äschenmonitoring in Aare und Saane BE, Zwischenbericht 2016 Da sämtliche Fische maximal drei Monate vor Beginn der Schonzeit gefangen wurden und das Wachstum der Äsche im Winterhalbjahr reduziert ist (GUTHRUF 1996), kann auf eine zusätzliche Korrektur verzichtet werden. Da das Fangmindestmass von 35 cm auch zu einer minimal möglichen Längenselektion bei den 2+-Äschen führt, sind keine diesbezüglichen Anpassungen erforderlich. Durch das Fangmindestmass von 35 cm kann ein hoher Prozentsatz der laichreifen Äschen-Männchen und -Weibchen geschont werden (Abb. 15). Abb. 15 Längenverteilung unreifer und reifer Äschen-Männchen und –Weibchen in der Aare im Oberaargau (222-228). Daten: Sonderfänge 2012 und 2015. Grüne Linie: vorgeschlagenes Fangmindestmass. Aquatica GmbH 17
Äschenmonitoring in Aare und Saane BE, Zwischenbericht 2016 2.6. Saane (181) Das Wachstum der Äschen in der Saane ist sehr rasch: Bereits im Alter von 1½ Jahren (1+) werden Längen von 25 – 37 cm und mit 2½ Jahren (2+) Längen von 34 – 43 cm erreicht (Abb. 16). Da der Eintritt der Laich- reife massgeblich durch die Grösse der Fische bestimmt wird (GUTHRUF 1996), ist ein grosser Anteil der Äschen im Alter von 1+ bereits laichreif, sowohl bei den Männchen als auch bei den Weibchen (Abb. 17). Abb. 16 Saane-Äschen: Links: Beziehung zwischen Alter (X-Achse) und Länge (Y-Achse); rechts: Längenverteilung getrennt nach Altersklassen. Daten: Sonderfänge 2012 und 2015. Roter Pfeil: grösste 1+-Äsche. Abb. 17 Verteilung der reifen und unreifen Äschen auf die Altersklassen nach Männchen (links) und Weibchen (rechts). Daten: Sonderfänge 2012 und 2015. In beiden Untersuchungsjahren war ein Teil der 1+-Männchen und der 1+-Weibchen laichreif. Sehr positiv ist zu werten, dass in beiden Untersuchungsjahren der überwiegende Teil der untersuchten 1+-Weibchen laichreif war (Abb. 18). Abb. 18 Prozent-Anteil reifer 1+-Äschen aus der Saane nach Geschlechtern und Fangjahren getrennt. Daten: Sonderfänge 2012 und 2015. Aquatica GmbH 18
Äschenmonitoring in Aare und Saane BE, Zwischenbericht 2016 Um die Erstlaicher unter den Saane-Äschen wirksam zu schützen, müssen alle 1+-Äschen konsequent geschont werden (Abb. 17, Abb. 18). Um dies zu erreichen, wäre ein Fangmindestmass von 37 cm erfor- derlich (Abb. 16). Da sämtliche Fische maximal drei Monate vor Beginn der Schonzeit gefangen wurden und das Wachstum der Äsche im Winterhalbjahr reduziert ist (GUTHRUF 1996), kann auf eine zusätzliche Erhöhung über die 37 cm hinaus verzichtet werden. Im Hinblick auf eine geringere Längenselektion ist keine Optimierung des Fangmindestmasses möglich: Eine Senkung des Fangmindestmasses auf 36 cm, bzw. die Beibehaltung des aktuell geltenden Fangmin- destmasses würde bewirken, dass relativ viele gross gewachsene 1+-Äschen von den Angelfischern behän- digt werden dürften. Grosse 1+-Äschen sind erfahrungsgemäss mit hoher Wahrscheinlichkeit laichreif. Eine Erhöhung des Fangmindestmasses auf 38 cm hingegen hätte eine erhöhte Längenselektivität unter den 2+-Äschen zur Folge. Die Längenverteilung der Äschen (Abb. 19) zeigt, dass mit dem Fangmindestmass 37 cm zahlreiche reife Männchen und Weibchen geschont würden. Abb. 19 Längenverteilung unreifer und reifer Äschen-Männchen und -Weibchen in der Saane (181). Daten: Sonderfänge 2012 und 2015. Grüne Linie: biologisch korrektes Fangmin- destmass. 2.7. Übersicht Fangmindestmasse Die anlässlich der aktuellen Analyse vorgeschlagenen Fangmindestmasse liegen in der Regel +/- 2 cm ober- oder unterhalb des geltenden Fangmindestmasses (Abb. 20). Abb. 20 Optimale Fangmindestmasse [cm] in den verschiedenen Strecken der Aare und der Saane. Rote Linie: aktuell geltendes Fangmindestmass. Aquatica GmbH 19
Äschenmonitoring in Aare und Saane BE, Zwischenbericht 2016 Dies ist auf die relativ einheitlichen Verhältnisse betreffend Wachstum und Laichreife zurückzuführen. Einzig die Population der Aare in Interlaken fällt aus dem Rahmen: Wegen ihres langsamen Wachstums werden Äschen aus Interlaken erstmals mit drei Jahren laichreif. Zum vollständigen Schutz der Altersklasse 2+ in der Fangsaison vor der ersten Laichzeit ist ein Fangmindestmass von 41 cm notwendig (Abb. 20). 2.7.1. Korrektur des Fangmindestmasses auf Grund Reproduktion und Prädation Auch wenn die Besatz und der zwei bis drei Jahre spätere Fang bei der Population in Interlaken signifikant korrelierten (KIRCHHOFER et al. 2002), konnte in verschiedenen Studien eine erfolgreiche natürliche Fort- pflanzung der Äsche nachgewiesen werden (GUTHRUF 2009, GUTHRUF 2010, GUTHRUF 2011). Zudem wurden seither im Raum Interlaken an verschiedenen Stellen Uferaufwertungen realisiert, welche das Angebot an Habitaten für Äschenlarven erhöhen und auf diese Weise zur Entschärfung des in der Studie von KIRCH- HOFER et al. (2002) postulierten Engpasses “Larvenhabitate“ beitragen (GUTHRUF 2009, GUTHRUF 2010, GUTHRUF 2011). Es ist deshalb in sämtlichen Strecken von einer natürlichen Fortpflanzung und einem ent- sprechendem Jungäschen-Aufkommen auszugehen. Ein Abweichen vom Schutz der Erstlaicher ist deshalb in keiner Population angezeigt. Kormorane und Gänsesäger ernähren sich primär von Fisch und können Äschenpopulationen massgeblich dezimieren. Vor allem im Winterhalbjahr, wenn zahlreiche Vögel beider Arten aus Nordeuropa einwan- dern, um zu überwintern, kann es zu grossen Schäden kommen (STAUB et al. 1987, STAUB 1992). Gemäss Hochrechnungen von ESCHER & VONLANTHEN (2005) entnehmen Kormorane, Gänsesäger und Graureiher der Aare bedeutend mehr Fischbiomasse als die Angelfischer. Studien im Rahmen einer Dissertation in Bayern ergaben, dass sich der Äschenbestand in Gewässerstrecken erholte, in welchen der Gänsesäger-Bestand durch Vergrämung dezimiert wurde. In Referenzstrecken ohne Vergrämung der Gänsesäger erholte sich der Äschenbestand nicht. Der Besatz mit Äschen war in den Strecken mit Vergrämung erfolgreich, dies im Gegensatz zu den Referenzstrecken (HANFLAND 2002). Auch im Allondon wirkte sich eine Reduktion des Prädationsdrucks durch Gänsesäger – die Vögel wurden eingefangen und in den Genfersee umgesiedelt – positiv auf die Äschen aus. Ein zum Zeitpunkt der Emergenz schwacher Jahrgang entwickelte sich zu einer überdurchschnittlich starken Kohorte, was die Autoren auf den reduzierten Prädationsdruck zurückführen (ANONYMUS (2015). In den letzten Jahren hat in der ganzen Schweiz aber auch die Zahl der Brutpaare des Kormorans zugenommen (KELLER & MÜLLER 2012). Kormoran und Gänsesäger unterscheiden sich aber grundlegend hinsichtlich der Grösse der Beutefische: Während der Gänsesäger primär kleine, in der Regel unter 25 cm lange Fische frisst (ESCHER & Vonlanthen 2005, ESCHER et al. 2012, TRAUTTMANSDORFF & RUDOLPH 2013), können Kormorane grössere Äschen bis zu 45 cm Länge bewältigen. Berücksichtigt man Fische, die nicht geschluckt werden können, aber an ihren Verletzungen sterben, dürfte es bei den Äschen keine Obergrenze für kormoranbedingte Mortalität geben. Aus diesem Grund wird im Folgenden bei der Festlegung des Fangmindestmasses ausschliesslich der Kormoran berücksichtigt. Die Präsenz von Kormoranen und damit das Risiko der Prädation auf grosse Äschen im Bereich möglicher Fangmindestmasse nimmt in Fliessrichtung der Aare zu, mit den stärksten Konzentrationen der Vögel in der Aare bei Mühleberg und im Oberaargau. Das höchste Fangmindestmass wurde für die Strecke in Interlaken vorgeschlagen. Da in dieser Strecke Kormorane sehr selten zu beobachten sind, ist es nicht sinnvoll, das Fangmindestmass aus Prädations- Gründen tief zu halten, zumal sich das Risiko einer Überfischung massiv erhöhen würde. In Interlaken wird der Befischungsdruck durch Angelfischer auf Äschen als hoch eingestuft: Nach dem Fangmoratorium wurden jährlich im Durchschnitt 485 erfolgreiche Anglerausflüge registriert, was dem dritthöchsten Wert in allen Strecken mit Äschenbestand entspricht (Daten: Fischereiinspektorat des Kantons Bern). Aquatica GmbH 20
Äschenmonitoring in Aare und Saane BE, Zwischenbericht 2016 Auch in den anschliessenden Aarestrecken von Thun bis zum Wohlensee im Oberaargau und in der Saane empfiehlt sich keine prädationsbedingte Anpassung des Fangmindestmasses, zumal bei Unterschreitung der postulierten Mindestmasse der Schutz der Erstlaicher nicht mehr gewährleistet ist (Abb. 20). Besondere Beachtung verdient die Aare in Mühleberg, die einzige Aarestrecke wo positive Auswirkungen des Fangmoratoriums ausblieben. Zwar hat der CPUE der Sonderfänge im Lauf des Fangmoratoriums zugenommen, der reguläre Fang im Anschluss an das Fangmoratorium lag aber mit 105 Äschen weit unter der Fangzahl vor dem Moratorium (1'276 im Jahr 2007). Auch in den Folgejahren erhöhte sich der Äschen- fang in dieser Strecke nicht. Dieser Einbruch bestätigte sich im Sonderfang des Jahres 2012: der CPUE stürzte von 0.62 (2010) auf 0.20 Äschen pro Stunde (2012). Auf Grund der vergleichsweise hohen Kormo- ran-Präsenz in dieser Strecke (Abb. 39) ist zu vermuten, dass im Winter des letzten Fangmoratorium-Jah- res und auch in den folgenden Wintern Kormorane den Äschenbestand dezimierten. Die positiven Aus- wirkungen von Schonbestimmungen sind deshalb in dieser Strecke äusserst begrenzt, da sich die Fischer und die Kormorane den Äschenbestand «teilen». Trotz dieses labilen Gleichgewichts zwischen Befischung und Prädation erachte ich es als wichtig, dass die Fischerei den Bestand so nutzt, dass die Erstlaicher zum Ablaichen gelangen, auch wenn dies zu einer starken Fang-Einbusse führt. Entsprechend wird vorgeschlagen, das bestehende Fangmindestmass von 36 cm beizubehalten. Das Wachstum der Äschen in Aare und Saane ist je nach Strecke unterschiedlich. Der Eintritt der Laichreife erfolgt aber bei den meisten Populationen im Alter von 1½ Jahren. Durch den absoluten Schutz dieser Altersklasse können die Erstlaicher ausreichend geschützt werden. Die vorgeschlagenen Fangmindest- masse liegen zwischen 35 und 38 cm. In Interlaken wachsen die Äschen am langsamsten und werden erst mit 2½ Jahren reif. Diese Altersklasse könnte mit einem Fangmindestmass von 41 cm vollständig geschont werden (Abb. 20). Eine Korrektur der vorgeschlagenen Fangmindestmasse aus Prädations-Überlegungen ist nicht notwen- dig. Bei einzelnen Strecken sind Anpassungen möglich zur Reduktion der Längenselektion (Kapitel 2.1 - 2.2). Aquatica GmbH 21
Äschenmonitoring in Aare und Saane BE, Zwischenbericht 2016 3. Die Äschen-Laichpopulation Thun Schadau Die Kiesflächen im Ausfluss des Thunersees stellen eines der beiden grössten Äschen-Laichgebiete von nationaler Bedeutung dar (KIRCHHOFER et al. 2002). Die Laichpopulation soll deshalb auch nach Abschluss des Fangmoratoriums für Äschen weiter überwacht werden. Sie ist zudem die wichtigste Quelle des Besatzmaterials im Kanton Bern. Jährlich wird die Zahl der gefangenen Laichtiere nach Geschlechtern getrennt erfasst. Ebenfalls jährlich registriert werden die gewonnenen Äscheneier, der Anteil der Laichtiere mit Kormoran-Verletzungen und die Zahl der geschossenen Kormorane (Abb. 21). Aus diesen Ergebnissen geht hervor, dass der Ertrag an Äschenlaich im Jahr 1999 abrupt und sehr stark von 825'000 (Durchschnitt 1985-1998) auf 156'000 Eier (Durchschnitt 1999-2014) abgenommen hat. Dies entspricht einer Reduktion der Zahl der gewonnenen Eier um einen Faktor 5. Zwischen 2015 und 2016 erfolgte eine erneute starke Reduktion des Ertrags auf 56'000 Eier, das schlechteste Ergebnis seit Beginn des Äschen-Laichfischfangs (Abb. 21). Im Jahr 1991 kam es erstmals zu einer umfangreichen Kormoran-Prädation im Laichgebiet, was sich darin äusserte, dass 25% der Laichtiere Verletzungen durch Kormorane aufwiesen (Abb. 21). Ab 1992 wurden deshalb im Laichgebiet Hegeabschüsse durchgeführt, wobei die Abschusszahlen je nach Jahr zwischen 0 und 15 Vögeln schwankten (Abb. 21). In der Folge lag der maximale Anteil von Äschen mit Verletzungen durch fischfressende Vögel bei 12%. Daneben gab es Jahre, in denen keine Laichtiere Verletzungen auf- wiesen (Abb. 21). Abb. 21 Zeitliche Veränderung des Äschen-Laichfischfang-Ertrags, des Prozentanteils von Äschen mit Vogelverletzungen sowie der Zahl geschossener Kormorane in Thun (Schadau) während den Jahren 1985 - 2016. Daten: Fischereiinspektorat des Kantons Bern. Der Kormoran-Abschuss wurde im Jahr 2016 eingestellt. In den Jahren vor und während des Moratoriums (2005 – 2010) wurde die Laichpopulation intensiver untersucht: Jährlich wurde das Alter aller gefangenen Laichtiere bestimmt. Nach Abschluss des Fangmo- ratoriums finden diese detaillierten Untersuchungen alle drei Jahre statt (Abb. 23). Daraus sind Rückschlüsse zu ziehen, wie sich das Äschen-Fangverbot im Thunersee und die Kormoran- Vergrämung während der Äschenlaichzeit auswirken: Beide Geschlechter der im Äschen-Laichfischfang in Thun erfassten Laichtiere waren zwischen 3 und 8 Jahre alt, wobei Laichtiere im Alter von 5 Jahren am häufigsten gefangen wurden (Abb. 22). Aquatica GmbH 22
Äschenmonitoring in Aare und Saane BE, Zwischenbericht 2016 Abb. 22 Altersverteilung der Äschen in Thun (Schadau). Netzfänge anlässlich des Äschen-Laich- fischfangs im März – April 2014, N = 138. Die Altersverteilung hat sich nicht grundlegend verändert, aber der Anteil der siebenjährigen Äschen hat stark abgenommen (Abb. 23). Da im Jahr 2014 die vier- fünf- und sechsjährigen Äschen sehr stark in der Laichpopulation vertreten waren, sind die Aussichten gut, im laufenden Jahr wieder vermehrt alte Äschen in Laichfischfang anzutreffen. Abb. 23 Zeitliche Veränderung der Altersverteilung der Äschen in Thun (Schadau). Netzfänge beim Äschen-Laichfischfang, März – April 1986 - 2014. Die Altersverteilung ist geprägt durch einen hohen Anteil alter Tiere. Bei der letzten Erhebung nahm der Anteil der über 6-jährigen Äschen ab. Die Aussichten stehen aber gut für eine erneute Zunahme des Anteils der alten Äschen. Aquatica GmbH 23
Äschenmonitoring in Aare und Saane BE, Zwischenbericht 2016 4. Fang und Ertrag (Fangstatistik) Bei Gültigkeit der alten Bestimmungen hat der Äschenfang zwischen Thun und Bern Neubrücke bis 2006/2007 stark abgenommen (Abb. 24). Der Rückgang der Äschenfänge im Kanton Bern ist statistisch signifikant (ESCHER & VONLANTHEN 2016). Im Anschluss an das 3 Jahre dauernde Entnahmeverbot für Äschen (2008-2010) wurde die Äschenfischerei im Jahr 2011 wiederaufgenommen, wobei verschärfte Schonbe- stimmungen in Kraft traten (siehe Kapitel 1). Trotzdem wurden mehr Äschen gefangen als vor dem Fang- moratorium. Dies ist einerseits eine Bestätigung, dass sich der Bestand während des Fangmoratoriums erholt hat (GUTHRUF 2011). Andererseits sind die hohen Fänge auf erhöhte Anglerpräsenz zurückzuführen. Abb. 24 Äschenfänge der Angelfischer in der Aare zwischen Thun und Bern (Neubrück). Daten- grundlage: Fangstatistik, Fischereiinspektorat des Kantons Bern. Roter Balken: Äschen- Fangmoratorium Das Fangmoratorium war jedoch nur in einem Teil der Äschen-Strecken gültig (roter Balken Abb. 25): In den meisten dieser Strecken nahm der Ertrag nach dem Moratorium stark zu. In der Aare bei Interlaken sowie zwischen Thun und Bern und im Bereich der Engehalbinsel wurden nach dem Fangmoratorium mehr als doppelt so viele Kilogramm Äschen gefangen als vor dem Moratorium. Einzige Ausnahme bildet die Strecke 211, die Aare bei Mühleberg, wo die Ertragsspitze im Jahr 2011 ausblieb (siehe Kapitel 2.7.1). In allen Strecken ohne Fangmoratorium fehlte diese Ertragsspitze im Jahr 2011 (Abb. 25). Abb. 25 Äschen-Ertrag [kg/ha] der Angelfischer in verschiedenen Gewässerstrecken des Kantons Bern. Hochrechnung des Fischgewichts anhand der Längenangaben durch die Angelfi- scher. Roter Balken: Strecken mit Äschen-Fangmoratorium. Aquatica GmbH 24
Äschenmonitoring in Aare und Saane BE, Zwischenbericht 2016 Aus dem flächenspezifischen Ertrag (Abb. 25 rechts) ist ersichtlich, dass am meisten Äschen pro Hektare in der Strecke 208 im Bereich der Engehalbinsel gefangen werden, was mit der grossen Naturnähe dieser Strecke und den weitgehend unverbauten Ufern zusammenhängen dürfte. Auch in Interlaken (202/102), zwischen Thun und Bern und in Mühleberg werden relativ hohe Hektarerträge erzielt, wobei diese in Fliessrichtung abnehmen (Abb. 25 rechts). Die Fliessstrecken der Aare und Saane stellen die wichtigsten Äschenhabitate des Kantons Bern dar. 5. Längenverteilung der gefangenen Äschen (Fangstatistik BE) Aus den Längen der Äschen, die seit 2011 in der Fangstatistik erhoben werden, und den Wachstumsdaten kann die Altersverteilung der Äschen in den Anglerfängen grob abgeschätzt werden: In den meisten Stre- cken sind 2½ Jahre alte Tiere (2+) im Äschenfang am häufigsten (Abb. 26). Abb. 26 Altersverteilung der der Äschen in verschiedenen Gewässerstrecken des Kantons Bern in den Jahren 2011 – 2014. Abschätzung des Alters anhand der Länge der Äschen auf Grund der Beziehung zwischen Alter und Länge der Fische (Sonderfänge 2012/2015). Aquatica GmbH 25
Äschenmonitoring in Aare und Saane BE, Zwischenbericht 2016 Dies ist unabhängig von starken und schwachen Jahrgängen in allen Jahren sehr ähnlich. Ausnahme bildet die Aare-Strecke bei Interlaken, wo wegen des langsameren Wachstums die meisten Äschen erst ein Jahr später gefangen werden, nämlich mit 3½ Jahren (3+, Abb. 26). Zwischen Thun und Bern hingegen und insbesondere in der Saane wachsen die Äschen sehr schnell, wes- halb ein Teil der Tiere bereits im Alter von 1½ Jahren gefangen werden kann (Abb. 26). 6. Äschenbestand (CPUE) und Beobachtungshäufigkeit von Prädatoren 6.1. Catch per unit effort, CPUE Anlässlich der Sonderfänge durch Angelfischer wurde der Fang pro Zeit, der so genannte «catch per unit effort CPUE» aufgenommen. Diese Grösse ermöglicht Aussagen über die Veränderung der Bestandes- dichte während und nach dem Fangmoratorium. Zudem wurde die Zahl der beobachteten Kormorane und Gänsesäger nach ihrer Aktivität getrennt (fliegend, ruhend, jagend) registriert. Sämtliche gefangenen Äschen wurden auf Verletzungen abgesucht, welche von fischfressenden Vögeln stammten. Im Lauf des Fangmoratoriums nahm der CPUE zu, ein klarer Hinweis auf eine steigende Bestandesdichte (Abb. 27). In Interlaken und im Bereich der Engehalbinsel war die Zunahme sehr stark, zwischen Thun und Bern und in Mühleberg hingegen nur begrenzt (Abb. 27). Entsprechend sank der CPUE im Rahmen der Sonderfänge nach Wiederaufnahme der regulären Fischerei, wobei in den Strecken mit starker Zunahme wie Interlaken und Engehalbinsel eine noch stärkere Abnahme folgte. Diese Ergebnisse belegen den grossen Einfluss der Angelfischerei in diesen Strecken. Zwischen Thun und Bern und in Mühleberg, wo bereits der Anstieg des CPUE während des Fangmoratori- ums begrenzt war, fiel auch der Rückgang moderater aus (Abb. 27). Der weitere Verlauf des CPUE gestaltete sich in den verschiedenen Strecken nicht einheitlich: Während der Fang pro Zeit in der Aare bei Interlaken, zwischen Thun und Bern im Bereich der Engehalbinsel und im Oberaargau zwischen 2012 und 2015 weiter abnahm, war in der Aare bei Mühleberg und in der in diese Strecke mündenden Saane eine deutliche Zunahme des CPUE zu registrieren (Abb. 27). 202 203-205 208 211 181 220-228 Abb. 27 Sonderfänge Angelfischer: Fangerfolg (“catch per unit effort, CPUE“) in den Jahren 2008 – 2015 in verschiedenen Aarestrecken und in der Saane von Laupen bis Aaremündung. Die starke Zunahme des CPUE im Lauf des Fangmoratoriums und der starke Rückgang danach belegt den grossen Einfluss der Angelfischerei auf die Äsche. An die Ökologie der Art angepasste Schonbestimmun- gen sind deshalb sehr wichtig. 6.2. Äschen mit Verletzungen durch fischfressende Vögel Im Vergleich mit der Aare bei Thun, wo anlässlich des Äschen-Laichfischfangs im Jahr 1991 25% der Laich- tiere Verletzungen durch Kormorane aufwiesen oder am Hochrhein, wo sogar 28% der Äschen verletzt waren (STAUB et al. 1987), hielten sich die Verletzungen bei den Sonderfängen in Grenzen und lagen in Aquatica GmbH 26
Äschenmonitoring in Aare und Saane BE, Zwischenbericht 2016 keinem Fall über 4% (Abb. 28, rechte Grafik). Die höchsten Anteile verletzter Äschen wurden zwischen Thun und Bern, im Bereich der Engehalbinsel und in Mühleberg registriert (Abb. 28). Die vergleichsweise geringen Anteile verletzter Äschen sind nur teilweise durch die Kormoran-Präsenz erklärbar. Auch methodische Aspekte können eine Rolle spielen: Die Fangwahrscheinlichkeit verletzter und unverletzter Äschen ist mit in den beim Laichfischfang eingesetzten Kiemennetzen vergleichbar. Dem- gegenüber ist anzunehmen, dass unverletzte Äschen eher an die Angel gehen als verletzte, da verletzte Äschen kaum Nahrung zu sich nehmen und sich nicht auf den Nahrungshabitaten aufhalten (wo gefischt wird). Im zeitlichen Verlauf ist kein einheitliches Muster feststellbar (Abb. 28). 202 203-205 208 211 181 220-228 202 203-205 208 211 181 220-228 Abb. 28 Sonderfänge Angelfischer: Anzahl Äschen mit Verletzungen durch Prädatoren Jahren 2008 – 2015 in verschiedenen Aarestrecken und in der Saane von Laupen bis Aaremün- dung. 7. Beobachtung fischfressender Vögel (Sonderfänge Angelfischer) 7.1. Kormorane In allen Strecken, welche während des Fangmoratoriums untersucht wurden, nahm die Zahl der pro Stunde beobachteten Kormorane zu (Abb. 29). Die Wasservogelzählungen bestätigen dies für die Aare bei Interlaken und zwischen Thun und Bern, und teilweise in Mühleberg, wo in den Wintern 2008/09 und 2009/10 überdurchschnittlich viele Kormorane gezählt wurden, nicht aber im Winter 2010/11. In der Aare im Bereich der Engehalbinsel ist der Vergleich mit der Wasservogelzählung wegen Datenlücken nicht mög- lich (Abb. 41). Die Zunahme der Zahl an Kormoranen während des Äschen-Fangmoratoriums wird somit in der Mehrheit der Strecken durch die Wasservogelzählungen der Vogelwarte Sempach bestätigt, was auf Grund des gestiegenen Angebots an Äschen erklärbar ist. Nach der Wiederaufnahme der Angelfischerei nahm die Zahl der Kormorane nicht wieder ab: Während die Kormoranpräsenz in Interlaken und zwischen Thun und Bern weder ab- noch zunahm, stieg die Zahl der Kormoranbeobachtungen pro Stunde in den beiden unteren Strecken Engehalbinsel und Mühleberg auch nach dem Fangmoratorium weiter relativ stark an. Insbesondere in Mühleberg wurden in den Jahren 2012 und 2015 sehr viele Kormorane beobachtet (Abb. 29). Die Wasservogelzählungen der Vogelwarte Sempach bestätigen den Anstieg der Kormoranzahlen im Anschluss an das Fangmoratorium nicht (Abb. 41). Diese methodisch bedingten Unterschiede dürfte dadurch erklärbar sein, dass die Zahl der Kor- morane innerhalb eines Jahres relativ stark schwankt, da neben dem Futterangebot weitere Faktoren wie Bejagung und Vereisung der Kleinseen den Winter-Bestand der Kormorane entlang der Aare massgeblich beeinflussen. Die Zählungen durch die Angelfischer, welche über einen längeren Zeitraum erfolgten, tra- gen diesen Schwankungen mehr Rechnung als die Wasservogelzählungen, welche zweimal jährlich statt- finden. Demgegenüber erfassen die Wasservogelzählungen die räumliche Verteilung der Vögel besser, da längere Strecken begangen werden, während die Angelfischer sich auf die Äschen-Fangorte konzentrie- ren. Aquatica GmbH 27
Sie können auch lesen