"Snow Safety" Leitfaden für die Sicherheit im Schneesport

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"Snow Safety" Leitfaden für die Sicherheit im Schneesport
Schulungsunterlage

«Snow Safety»
Leitfaden für die Sicherheit im Schneesport

bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung

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"Snow Safety" Leitfaden für die Sicherheit im Schneesport
Inhalt                                      Einleitung

                                            Die Schweiz ist eine Wintersportnation: Über 25 % fahren Ski oder Snowboard.
Einleitung                              3   Rund ein Viertel aller Unfälle im Sport entfällt auf den Schneesport. Deshalb sollte
1. Verletzungsstatistik                 4   das Thema Sicherheit nicht Schnee von gestern sein.
2. Material                             6
3. Schutzausrüstung                    10
4. Konditionelle Vorbereitung          16   Informationen zu Sicherheit und Prävention       Den Leitfaden finden Sie ebenfalls auf
5. Be ready                            17   im Schneesport sind in vielen unterschied-       www.bfu.ch/snowsafety.
6. FIS- und SKUS-Regeln                18   lichen Kommunikationsmitteln zu finden.
7. Markierungen und Signale            23   Das macht es für Schneesport-Lehrpersonen        Die bfu – Beratungsstelle für Unfallver-
8. Benutzung von Transportanlagen      26   schwierig, den Gästen das Thema Sicherheit       hütung wünscht Ihnen und Ihren Gästen
9. Verhalten in Park und Pipe          27   umfassend zu vermitteln. Auch Klassen-           viel Spass und sicheres Fahren.
10. Ausbildung                         29   lehrer, Kursleiter und weitere Interessierte
11. Tempo                              33   stehen vor dieser Herausforderung. Der
12. Kollisionsunfälle im Schneesport   34   Leitfaden «Snow Safety» fasst die wich-
13. Alkohol im Schneesport             35   tigsten Informationen und Tipps rund um
14. Lawinenkunde, Freeriden            36   die Sicherheit im Schneesport zusammen.
15. Verhalten bei Unfall               39   Hier finden Sie fast alles: Verletzungs-
                                            statistik, Tipps zum Material, Tragquoten
                                            von Schutzausrüstungen, Erläuterungen zu
                                            den FIS-Regeln, Signale und Markierungen,
                                            Infos zum Tempo, Grundlagen der Lawinen-
                                            kunde, Verhaltensanweisungen bei Unfall
                                            usw. Beachten Sie auch die weiterführenden
                                            Publikationen auf der Rückseite.

2                                                                                                                                       3
"Snow Safety" Leitfaden für die Sicherheit im Schneesport
1. Verletzungsstatistik

Jährlich verletzen sich durchschnittlich rund 43 000 Personen der Schweizer Wohnbevölkerung    Verletzte nach Sportart und Alter, Ø 2004–2008
beim Skifahren (darunter 12 000 Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre) und 25 000 Personen       Sportart                                            Altersklasse                                            Total1
beim Snowboardfahren (darunter 13 000 Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre). Dazu kommen                                    0–16           17–25            26–45             46–64          65+
noch rund 30 000 Unfälle von ausländischen Gästen, die in der Schweiz Ski oder Snowboard       Skifahren                     11 990            3 490         15 960           11 080             690         43 210
fahren.                                                                                        Snowboardfahren               13 460            5 850          4 570             550               30         24 460
                                                                                               1
                                                                                                   Total gerundet

Die Unfälle im Schneesport haben nicht          Verletzungslokalisation
zugenommen, das Risiko eines Unfalls pro        Beim Skifahren betrifft jede dritte Verlet-
Schneesporttag hat sich in den letzten          zung das Knie, beim Snowboardfahren jede       Verletzungsschwere beim Schneesport, 2007
30 Jahren sogar ungefähr halbiert. Ob die       vierte Verletzung den Unterarm, speziell das   Sportart                                   Verletzte1                             Getötete               Verletzte
Schwere der Verletzungen zugenommen             Handgelenk. Anfängerinnen und Anfänger                                   Schwerverletzte       Mittelschwerverletzte                                   pro 100 000
hat, belegen Studien nicht. Es zeigt sich je-   sind besonders stark gefährdet.                                                                                                                        Sportstunden
doch, dass über 85 % der Verletzungen der                                                      Skifahren                              2 540                          3 120                  15                      46
Skifahrer und über 90 % der Verletzungen        Weitere Statistiken finden Sie auf             Snowboardfahren                         440                           1 190                  3                       68
der Snowboarder keinen Spitalaufenthalt         www.bfu.ch > Statistik.                        1
                                                                                                   Verletzungsschwere:   Leichtverletzte: kein Spitalaufenthalt
erfordern.                                                                                                               Mittelschwerverletzte: Spitalaufenthalt 1–6 Tage
                                                                                                                         Schwerverletzte: Spitalaufenthalt 7 Tage oder mehr

                                                                                               Verletzungslokalisation beim Schneesport, Schätzung bfu
                                                                                               Körperteil                                 Skifahren                                    Snowboarden
                                                                                                                                Anteil (%)             Bandbreite (%)          Anteil (%)          Bandbreite (%)
                                                                                               Kopf / Hals                                    15                  13–17                     16                13–17
                                                                                               Rumpf / Wirbelsäule                            15                  15–19                     15                15–20
                                                                                               Schulter / Oberarm                             20                  17–23                     20               18–22
                                                                                               Ellbogen / Vorderarm                           5                    3–6                      10                 8–12
                                                                                               Handgelenk / Hand                              10                  10–13                     20                15–25
                                                                                               Hüfte / Oberschenkel                           8                    7–10                      4                  3–5
                                                                                               Knie                                           25               20–30                        15                13–18
                                                                                               Unterschenkel /
                                                                                               Sprunggelenk / Fuss                            15                  12–18                     13                10–15

4                                                                                                                                                                                                                        5
"Snow Safety" Leitfaden für die Sicherheit im Schneesport
2. Material

Die Auswahl an Skis, Skiboards («Snowblades») und Snowboards hat deutlich                       Skitypen
zugenommen. Die richtige Wahl des passenden Schneesportgeräts ist schwieriger als               Skityp                Allroundcarver               Allroundcarver                Racecarver
früher und hängt noch mehr vom persönlichen Fahrstil und Fahrkönnen ab.                                               Easycarver                   Allmountaincarver             Freeride
                                                                                                                      Slalomcarver                                               Tourenski
                                                                                                                                                                                 Twintips
Beim Kauf oder bei der Miete der Ausrüs-         erinnert zudem an die nächste Bindungs-        Fahrtyp               Einsteiger,                  Fortgeschrittene,              Fortgeschrittene,
tung ist es unerlässlich, sich durch Fach-       kontrolle. Eine Liste der Geschäfte mit bfu-                         vorsichtige Fahrer;          Genussfahrer                   Könner oder Spezialisten
spezialisten beraten zu lassen. Vor der          Skivignetten finden Sie auf www.bfu.ch                               Slalomcarver:
Saison sollten Schuhe, insbesondere Sohle        > Sport > bfu-Skivignette.                                           Fortgeschrittene,
und Schnallen, Bindungen sowie Beläge                                                                                 Könner
und Kanten kontrolliert werden. Gerade die       2010 gaben 75 % der befragten Skifah-          Radius                < 13 m                       13–16 m                        ab 17 m
Kanten tragen wesentlich zur Sicherheit bei.     renden an, dass der Zeitpunkt der letzten      Eigenschaften         Kurze Schwünge,              Mittlere Schwünge,             Grosse Schwünge,
Sind sie verrostet oder abgerundet, kommt        Bindungskontrolle höchstens eine Saison                              verzeiht Fahrfehler          alle Pisten                    Tempo, Offpiste,
es auf vereisten Pisten zu gefährlichen          zurücklag.                                                           (Ausnahme SC)                                               Park und Pipe
Rutschpartien.                                                                                  Empfohlene Skilänge   Brust- bis Nasenhöhe         Kinn- bis Augenhöhe            Körpergrösse
                                                 Die Bindungseinstellung ist nicht vorge-       Hinweis               Je kürzer der Ski, desto drehfreudiger – je länger, desto laufruhiger
Skibindungen                                     schrieben, eine fehlende Skivignette hat
Skibindungen sind als Auslösebindungen           deshalb keinen Einfluss auf Versicherungs-
konzipiert. Lediglich Skiboards sind mit star-   leistungen.
ren Bindungen ausgerüstet. Die individuel-                                                      Snowboardtypen
len Auslösewerte hängen ab von Körper-           Ski- und Snowboardtypen                        Snowboardtyp           Freestyle                     Freeride                       Raceboard
grösse, Alter, Gewicht, Schuhsohlenlänge         Das Fahren des richtigen Ski- und Snow-                                                             Allmountain
und Fahrdynamik. Dabei wird zwischen eher        boardtyps ist sicherheitstechnisch sinnvoll.   Fahrtyp               Einsteiger, Allrounder,        Allrounder,                    Carver, Wettkämpfer
langsamer und vorsichtiger Fahrweise in          Nachfolgend eine kleine (unvollständige)                             Freestyler                     Offpiste-Fahrer
mehrheitlich flachem Gelände (= Skifahrer-       Auflistung der gängigen Typen.                 Eigenschaften         Weich,                         Mittlere Härte,                Hart, schmal
typ 1) und eher schneller und aggressiver                                                                             verzeiht Fahrfehler            eher breit                     (gute Technik nötig)
Fahrweise in mehrheitlich steilem Gelände                                                       Empfohlene Länge      Kinnhöhe                       Stirnhöhe                      Stirnhöhe
(= Skifahrertyp 3) unterschieden. Mit                                                           Bindungstyp           Freestyle                      Freestyle                      Alpin
dem Bindungseinstell-Prüfgerät wird die                                                         Hinweis               Zentrierung: Zehen und Fersen sollten nicht über das Brett herausragen.
Funktionsfähigkeit der Bindung gemäss SN
ISO-Norm 11088 überprüft. In der Schweiz
werden Skibindungen, deren Auslösewerte
mit einem Prüfgerät kontrolliert wurden, mit
der bfu-Skivignette gekennzeichnet. Diese

6                                                                                                                                                                                                            7
"Snow Safety" Leitfaden für die Sicherheit im Schneesport
Snowboardbindungen                            Ski- und Snowboardschuhe                         Tipps
Der Abstand (Stance) zwischen den             Der Ski- oder Snowboardschuh muss                • Lassen Sie Ihr Material vor jeder        • Kleidung: zweckmässig, funktionell,
Bindungen entspricht in etwa der Länge        «angenehm eng» sitzen und vor allem im             Saison durch Fachpersonen über-            wintertauglich, warm, wetterfest,
von der Fusssohle bis zum oberen Teil des     Mittelfussbereich und der Ferse guten Halt         prüfen und ersetzen Sie ältere             bequem. Tragen Sie beim Snow-
Knies. Ein breiter «Stance» vereinfacht die   bieten.                                            Ausrüstungsteile, die den Sicherheits-     boarden vor allem als Anfänger
seitliche Stabilität.                         Grösse: In fahrtypischer Haltung im ge-            anforderungen nicht mehr genügen.          wasserundurchlässige Kleider, wenn
                                              schlossenen Ski- oder Snowboardschuh             • Ziehen Sie die Schrauben Ihrer             möglich mit Knie- und Gesäss-
                                              (inkl. Innenschuh) stehend sollte man vorne        Snowboardbindung nach.                     polsterung.
                                              mit den Zehen nicht anstossen. Aufgerich-        • Lassen Sie Ihre Skibindungen jährlich    • Lassen Sie regelmässig Ihr Sehver-
                                              tet (wobei sich die Ferse leicht nach vorne        durch eine Fachperson einstellen und       mögen prüfen und tragen Sie auch
                                              schiebt) sollte man vorne leicht anstossen.        auf einem Bindungseinstell-Prüfgerät       beim Schneesport die erforderliche
Die Bindungswinkeldifferenz beträgt           Falls nicht, ist dies ein Hinweis darauf, dass     kontrollieren. Beachten Sie, dass Sie      Sehhilfe.
mindestens 24°. Beliebt ist der sogenannte    der Schuh zu gross ist!                            Ihre Fahrdynamik angeben müssen          • Tragen Sie eine Sonnenbrille
«Duck-Stance». Diese Einstellung ermöglicht                                                      und nicht Ihr Fahrkönnen. Verlangen        mit ausreichendem Schutz vor
das Fahren in beiden Richtungen und hilft     Sehhilfen                                          Sie den ausgedruckten Beleg mit den        UV-Strahlung.
den Einsteigern, die bevorzugte Position      Umfragen auf Schweizer Schneesportpisten           Einstellwerten und vergleichen Sie
zu finden.                                    zeigen, dass 45 % der Brillen- und 5 % der         ihn mit den gemachten Angaben.
                                              Kontaktlinsenträger ihre Sehhilfen beim            Kontrollieren Sie, dass die bfu-
                                              Fahren nicht tragen. Das dürfte Auswirkun-         Skivignette auf einem Ski aufgeklebt
                                              gen auf das Unfallgeschehen haben, denn            ist.
                                              wechselnde Schnee- und Lichtverhältnisse         • Die Skibremse (Stopper) muss auch
                                              sowie kontrastarme Sichtbedingungen                mit Erhöhungen und Platten noch
                                              stellen sehr hohe Anforderungen an die             lang genug sein.
                                              Sehleistung.                                     • Skiboards haben keine Auslösebin-
                                                                                                 dungen und sind deshalb kein Ersatz
                                                                                                 für Kinderskis. Sie sollten nur ab
                                                                                                 einer Körpergrösse von 150 cm
                                                                                                 gefahren werden. Vorsicht bei hohen
                                                                                                 Geschwindigkeiten, kleinen Löchern,
                                                                                                 Schneehaufen usw.

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"Snow Safety" Leitfaden für die Sicherheit im Schneesport
3. Schutzausrüstung

Beim Skifahren und Snowboarden können durch das konsequente Tragen einer sportart-       Helmtragquoten in Prozent im Schneesport, 2002–2010
spezifischen persönlichen Schutzausrüstung (PSA) viele Verletzungen vermieden oder                                                       Saison
die Schwere der Verletzungen vermindert werden. Eine Schutzausrüstung schützt aber                      2002/03  1
                                                                                                                      2004/052
                                                                                                                                  2005/063   2006/074   2007/085   2008/096   2009/107
nicht vor Stürzen und es darf deshalb nicht risikoreicher gefahren werden.               Alter
                                                                                         0–17                   44          62          73         79        87          90        95
                                                                                         18–25                  14          25          39         45        57          60        76
Schneesporthelm                                                                          26–45                    6         16          29         39        49          57        67
Die Schutzwirkung des Schneesporthelms          Tipps                                    46–64                    1         11          19         31        44          54        69
ist wissenschaftlich bestätigt: Das Tragen      • Tragen Sie beim Ski- und Snow-         65+                      0         11          15         27        31          53        66
eines Schneesporthelms reduziert das              boardfahren immer einen Helm.          Geschlecht
Risiko einer Kopfverletzung bei einem Sturz       Achten Sie auf die Normbezeichnung     Männlich               17          32          43         52        58          63        74
oder einer Kollision um rund ein Drittel. Die     EN 1077 A oder B (Europäische          Weiblich               14          27          40         51        59          68        78
Forscher sind sich auch einig: Das Helm-          Norm für Ski- und Snowboardhelme).     Region
tragen führt nicht zu einer Risikokompen-       • Der Helm muss gut sitzen, sollte       Deutschschweiz         17          32          42         55        63          72        74
sation durch schnelleres Fahren und erhöht        weder wackeln noch drücken und         Romandie               13          24          40         40        45          46        78
ebenso wenig das Risiko für Nackenverlet-         auch mit Sonnen- oder Skibrille be-    Sportart
zungen. Die Helmtragquote der Ski- und            quem zu tragen sein. Probieren Sie     Skifahren              14          28          40         49        55          63        75
Snowboardfahrenden auf den Schweizer              ihn beim Kauf unbedingt selber an.     Snowboardfahren        20          37          49         62        70          71        79
Pisten hat sich in den vergangenen Jahren       • Die bfu empfiehlt, den Helm nach       Total                  16          30          42         52        58         65         76
von 16 % (Saison 2002/03) auf 76 %                spätestens 5 Jahren zu ersetzen,       Beobachtung
(Saison 2009/10) erhöht.                          auch wenn noch keine defekten          Erfasste Personen (Stichprobe):
                                                  Stellen feststellbar sind. Grund ist   1
                                                                                             Skifahrende 2729, Snowboardfahrende 749
In der Schweiz sind Schneesporthelme              die Alterung der Kunststoffe, deren    2
                                                                                             Skifahrende 4631, Snowboardfahrende 1249
der Europäischen Norm EN 1077 A und B             Eigenschaften sich im Laufe der Zeit   3
                                                                                             Skifahrende 6379, Snowboardfahrende 1696
erhältlich. Diese Norm stellt Anforderungen       verändern.                             4
                                                                                             Skifahrende 7363, Snowboardfahrende 1792
an die Funktionstauglichkeit und Prüfung                                                 5
                                                                                             Skifahrende 4096, Snowboardfahrende 1003
der Schneesporthelme. Helme der Klasse                                                   6
                                                                                             Skifahrende 4423, Snowboardfahrende 1063
A bieten eine höhere Durchdringungs-                                                     7
                                                                                             Skifahrende 4407, Snowboardfahrende 1125
festigkeit. Bei Helmen der Klasse B ist im
Gegensatz zu denjenigen der Klasse A der
Schutz über den Ohren abnehmbar. Sie
sind aufgrund der Bedürfnisse nach mehr
Belüftung und besserem Hörvermögen
entstanden.

10                                                                                                                                                                                   11
"Snow Safety" Leitfaden für die Sicherheit im Schneesport
Handgelenkschutz                               Die Tragquote des Handgelenkschutzes                                 1
Insbesondere Anfänger verletzen sich beim      beim Snowboardfahren hat in den letzten
Snowboardfahren oft am Handgelenk.             Jahren wieder abgenommen und beträgt                         7
Häufig verlieren sie bei geringer Geschwin-    aktuell 27 % (2010).                                                                                   9
                                                                                                     3
digkeit oder gar im Stand das Gleichgewicht                                                                                                                             5
                                                                                              8                                               6
und fallen rückwärts auf die ausgestreckten    In Zusammenarbeit mit Experten hat die                                                                             2
Arme. Dadurch erfahren das Handgelenk          bfu nach heutigem Wissensstand sicher-                                                                         4
                                                                                                                3
und der Unterarm einen Kraftstoss in Rich-     heitstechnische Anforderungen an einen
tung des Unterarms bzw. eine starke Über-      wirksamen Handgelenkschutz erarbeitet.
streckung des Handgelenks, was häufig zu
einem Unterarmbruch (distale Radiusfraktur)                                              Sicherheitstechnische Anforderungen             7   sollte eine Krümmung Richtung Hand-
führt.                                                                                   an einen Handgelenkschutz für das                   rücken von 25° bis 30° erreichen
                                                                                         Snowboardfahren                                 8   sollte im mittleren Teil eher steif, an
Das Tragen eines wirksamen Handgelenk-                                                   Damit ein Handgelenkschutz wirksam ist,             beiden Enden leicht weniger steif sein
schutzes hilft viele Verletzungen zu vermei-                                             muss er über ein Stabilisierungselement         9   sollte nicht scharfkantig und eher
den oder den Schweregrad zu vermindern.                                                  verfügen, das das Handgelenk vor Über-              grossflächig sein
Verschiedene Untersuchungen liefern den                                                  streckung schützt (1) und Stösse auf das
Nachweis, dass heute verfügbare Schützer                                                 Handgelenk dämpft (2).                          Der Handgelenkschutz
das Risiko einer Handgelenkverletzung                                                                                                    • muss aus hautverträglichem Material
um rund die Hälfte reduzieren. Bis heute                                                 Das Stabilisierungselement                        gefertigt sein,
besteht aber noch keine Europäische Norm,                                                3   sollte handflächen- und/oder                • soll die durch das Schwitzen anfallende
die die Qualitätssicherung des Handgelenk-                                                   handrückenseitig positioniert sein            Feuchtigkeit weitgehend aufnehmen
schutzes gewährleisten würde. Gemäss                                                     4   sollte an Hand resp. Handgelenk               können,
Experteneinschätzung haben viele Produkte,                                                   und Unterarm fest fixiert (v. a. hand-      • soll waschbar sein.
die heute auf dem Schweizer Markt erhält-                                                    flächenseitig) und die Fixierung
lich sind, eine eingeschränkte Schutzwir-                                                    stufenlos verstellbar sein
kung. Es kann aber davon ausgegangen                                                     5   sollte bis zur Handbeugefalte, aber nicht
werden, dass die erhältlichen Modelle die                                                    bis zu den Fingern reichen
Gefahr einer Handgelenk- oder Unterarm-                                                  6   sollte bis zur Mitte des Unterarms
verletzung nicht erhöhen.                                                                    reichen

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"Snow Safety" Leitfaden für die Sicherheit im Schneesport
Rückenschutz                                  Ein Rückenprotektor heutiger Generation
     Tipps                                    • Achten Sie darauf, dass der Hand-         Bisher weiss man wenig über die Unfall-       hat wenig bis keine Schutzwirkung bei
     • Tragen Sie beim Snowboardfahren,         gelenkschutz über eine stufenlose         mechanismen, die zu Verletzungen an           axialen Schlägen auf das Steissbein und den
       insbesondere als Anfänger, immer         Fixierung an der Hand respektive dem      Rumpf, Rücken und Rückenmark führen.          Kopf («Zusammenstauchen» der Wirbel-
       Handschuhe mit integriertem Hand-        Handgelenk und Unterarm verfügt.          Es gibt auch keine Norm für Schneesport-      säule), beim Abknicken der Halswirbelsäule
       gelenkschutz oder einen separaten      • Probieren Sie den Handgelenkschutz        Rückenschutz. Einige Anbieter beziehen sich   sowie bei starken Rotationskräften auf den
       Handgelenkschutz.                        beim Kauf selber an. Er sollte bequem     auf die Norm für Motorrad-Rückenprotek-       Rumpf. Diese Kraftwirkungen können zu
     • Falls Handgelenkschützer zum Inline-     zu tragen sein und die Alltagsbewe-       toren. Auf wissenschaftlicher Basis können    Brüchen der Wirbelsäule und Schädigungen
       Skaten vorhanden sind, können auch       gungen (z. B. Reissverschluss der Jacke   deshalb keine Empfehlungen abgegeben          des Rückenmarks führen.
       diese unter dem Handschuh getragen       schliessen) nicht einschränken.           werden.
       werden.                                                                                                                          Die Tragquote des Rückenschutzes beim
     • Achten Sie darauf, dass der Hand-                                                  Rückenprotektoren können, abhängig von        Snowboardfahren beträgt aktuell 49 %,
       gelenkschutz das Handgelenk vor                                                    Konstruktion und Material und nur wenn sie    beim Skifahren 13 % (Wintersaison
       Überstreckung schützt und Stösse                                                   optimal der Körpergrösse angepasst sind,      2009/10).
       auf das Handgelenk und den Unterarm                                                • die Wirkung von direkten Schlägen auf
       dämpft.                                                                              den Rücken dämpfen,
                                                                                          • die Einwirkung eines spitzen Gegen-           Tipp
                                                                                            standes (z. B. einer Skispitze) mindern,      Mit einem Rückenschutz schützen Sie
                                                                                          • aufgrund der veränderten Eigenwahr-           sich zusätzlich, vor allem beim Fahren
                                                                                            nehmung eine leicht verbesserte               in Snowparks, Pipes, auf Rails und
                                                                                            Stabilisierung des Rumpfes bewirken.          Obstacles, bei Sprüngen oder beim
                                                                                                                                          Boardercross sowie abseits der Pisten,
                                                                                                                                          da dort das Risiko einer Landung auf
                                                                                                                                          den Rücken aus der Höhe deutlich
                                                                                                                                          wahrscheinlicher ist als beim freien
                                                                                                                                          Fahren auf der Piste.

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"Snow Safety" Leitfaden für die Sicherheit im Schneesport
4. Konditionelle Vorbereitung                                                               5. Be ready

Schneesport verlangt Fähigkeiten, die im Alltag oft nicht ausreichend trainiert werden.     Schneesport ist anspruchsvoll – wechselnde Lichtverhältnisse, unterschiedliche Pisten-
Eine gute körperliche Verfassung erhöht den Fahrgenuss und reduziert das Risiko für         beschaffenheit, plötzliche Hindernisse und viele weitere Faktoren erfordern eine
Stürze und Verletzungen. Kräftige Muskeln stabilisieren während eines Sturzes die Gelenke   hohe Konzentration beim Ski- und Snowboardfahren. Viele Unfälle geschehen nach dem
besser, eine gute Ausdauer lässt den Schneesportler weniger schnell ermüden.                Mittagessen oder am späteren Nachmittag, wenn die Müdigkeit zunimmt und die
                                                                                            Konzentration nachlässt.

Sportclubs und Fitnesscenter bieten vor der    Die DVD ist gratis erhältlich auf
Wintersaison spezielle Kraft-, Beweglich-      www.suva.ch, Bestellnummer DVD 359.d.        Nicht nur die physische Fitness, sondern       Aufwärmspiele finden sich in verschiede-
keits-und Ausdauertrainings an. Besonders                                                   primär die mentale Bereitschaft spielt eine    nen Broschüren wie beispielsweise:
wichtig ist die Kräftigung der Oberschen-      Im Schulunterricht können Kräftigungs-       wichtige Rolle in der Unfallverhütung. Auch    • «Snowboard – Ideen zum Abheben»
kel-, Rumpf- und Rückenmuskulatur.             übungen in der Turnstunde oder auch wäh-     Hunger, Durst, Müdigkeit, Kälte, fehlende        (bestellbar unter www.snowsports.ch
Ausdauer kann zusätzlich mit Velofahren,       rend kleinen Pausen durchgeführt werden.     Motivation, Überforderung oder Gruppen-          > Services > Swiss Snow Shop)
Walking, Jogging und Inline-Skating trai-      Ideen für Kraft-, Beweglichkeits- und        druck können zu Leistungseinbussen             • Sportzeitschrift Mobile (z. B. 24-2006,
niert werden. Auch koordinative Fähigkeiten    Koordinationsübungen sind in verschie-       führen und das Risiko von Stürzen erhöhen.       www.mobilesport.ch > Praxisbeilagen)
sind für alle Schneesporttreibenden wichtig.   denen Praxisbeilagen der Sportzeitschrift    Besonders beim Fahren in der Gruppe ist es     • «Lernlehrmittel für den Kinder-Schnee-
                                               «Mobile» zu finden: 1-2005, 26-2007,         wichtig, dass die Wahl der Piste, der Fahr-      sportunterricht» (www.snowsports.ch
Als Vorbereitung auf den Schneesport und       32-2007, 34-2007, 38-2008.                   geschwindigkeit und der gestellten Aufgabe       > Services > Swiss Snow Shop)
um die Häufigkeit und Schwere der Verlet-      www.mobilesport.ch > Praxisbeilagen          durch den Klassenlehrer nicht nur auf die      • Auch Ideen aus anderen Sportarten wie
zungen zu reduzieren, bietet die Suva das                                                   Fertigkeiten, sondern auch auf das mo-           z. B. dem Nordic-Walking können
DVD-Trainingsprogramm «Top 10» für den                                                      mentane Befinden der Gruppenmitglieder           gut umgesetzt werden (44-2008,
Winter an. Es wurde von Spezialisten ent-                                                   abgestimmt ist. Es muss allen klar sein, was     www.mobilesport.ch > Praxisbeilagen).
wickelt. Damit werden nicht nur Muskeln,                                                    sie auf der nächsten Abfahrt erwartet. Bei
sondern auch Bewegungskoordination und                                                      zunehmender Müdigkeit oder abnehmen-           Eine Notfallapotheke sollte immer mitge-
Körperstabilität trainiert. Die DVD umfasst                                                 der Konzentration ist unbedingt eine Pause     führt werden und mindestens Folgendes
je zehn Einzel- und Partnerübungen und                                                      einzulegen, um neue Kräfte zu tanken.          beinhalten:
enthält auch Tipps für das Ausdauertraining                                                                                                1. Notfallblatt mit Telefonnummern von:
und das Dehnen sowie eine neue Version                                                      Das Aufwärmen aktiviert das Herz-Kreis-           • Pisten- und Rettungsdienst,
des Evergreens «Alles fahrt Schi».                                                          lauf-System und erhöht die Körpertempera-            Flugrettung, Spital usw.
                                                                                            tur. Muskeln, Sehnen, Bänder und Nerven           • Kurs- oder Lagerleitung
                                                                                            stellen sich auf die kommende Aktivität ein.   2. Verbandspatrone, Pflaster, elastische
                                                                                            Dadurch werden Reaktionsgeschwindigkeit,          Binde
                                                                                            Bewegungspräzision, Koordination und           3. Bleistift und Notizblock
                                                                                            Sauerstoffversorgung verbessert.

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"Snow Safety" Leitfaden für die Sicherheit im Schneesport
6. FIS- und SKUS-Regeln

Mit der Einhaltung der Regeln leisten Sie einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit auf   1. Rücksichtnahme auf die anderen              3. Wahl der Fahrspur
Schneesportabfahrten. Schneesport-Lehrpersonen sollten Vorbild sein und sich an die    Skifahrer und Snowboarder                      Der von hinten kommende Skifahrer und
Regeln halten – auch ausserhalb des Unterrichts – und sie nach Möglichkeit in den      Jeder Skifahrer und Snowboarder muss           Snowboarder muss seine Fahrspur so
Unterricht einbauen.                                                                   sich so verhalten, dass er keinen anderen      wählen, dass er vor ihm fahrende Skifahrer
                                                                                       gefährdet oder schädigt.                       und Snowboarder nicht gefährdet.
                                                                                       Skifahrer und Snowboarder sind nicht nur       Skifahren und Snowboarden sind Sport-
FIS-Verhaltensregeln und                                                               für ihr fehlerhaftes Verhalten, sondern auch   arten der freien Bewegung, wo jeder nach
Erläuterungen                                                                          für die Folgen einer mangelhaften Ausrüs-      Belieben fahren kann, solange er die Regeln
Der Internationale Skiverband FIS hat zehn                                             tung verantwortlich. Dies gilt auch für die    einhält, den Freiraum anderer achtet und
Verhaltensregeln aufgestellt (aktuelle Fas-                                            Benützer neu entwickelter Sportgeräte.         sein eigenes Können und die jeweilige
sung 2002). Sie sind für alle Schneesportle-                                                                                          Situation berücksichtigt.
rinnen und Schneesportler verbindlich. Als                                             2. Beherrschung der Geschwindigkeit            Vorrang hat der vorausfahrende Skifah-
Massstab für sportgerechtes Verhalten                                                  und der Fahrweise                              rer oder Snowboarder. Wer hinter einem
haben sie zum Ziel, Unfälle auf Schneesport-                                           Jeder Skifahrer und Snowboarder muss auf       anderen herfährt, muss genügend Abstand
abfahrten zu vermeiden. Jeder Skifahrer                                                Sicht fahren. Er muss seine Geschwindig-       einhalten, um dem Vorausfahrenden für
und Snowboarder ist verpflichtet, sie zu                                               keit und seine Fahrweise seinem Können         alle seine Bewegungen genügend Raum zu
kennen und einzuhalten. Wer unter Verstoss                                             und den Gelände-, Schnee- und Witte-           lassen.
gegen die Regeln einen Unfall verursacht,                                              rungsverhältnissen sowie der Verkehrsdichte
kann für die Folgen zivil- und strafrechtlich                                          anpassen.                                      4. Überholen
belangt werden.                                                                        Kollisionen sind häufig die Folge von zu       Überholt werden darf von oben oder unten,
                                                                                       hoher Geschwindigkeit, unkontrollierter        von rechts oder von links, aber immer nur
Die FIS-Regeln finden Sie auf                                                          Fahrweise oder mangelnder Beobachtung.         mit einem Abstand, der dem überholten
www.fis-ski.com/de > FIS Intern                                                        Skifahrer und Snowboarder müssen im            Skifahrer oder Snowboarder für alle seine
> Allgemeine Regeln FIS                                                                Bereich ihrer Sichtmöglichkeiten anhalten      Bewegungen genügend Raum lässt.
                                                                                       oder ausweichen können.                        Die Verpflichtung des überholenden Skifah-
Seilbahnen Schweiz bietet Ihnen ein                                                    An unübersichtlichen oder stark befahrenen     rers oder Snowboarders bleibt während des
A3-Plakat mit illustrierten FIS-Regeln.                                                Stellen ist langsam zu fahren, insbesondere    ganzen Überholvorgangs bestehen, damit
Bestellung oder Download auf                                                           an Kanten, am Ende von Pisten und              der überholte Skifahrer oder Snowboarder
www.seilbahnen.org/FIS-Regeln.html.                                                    im Bereich von Liften und Seilbahnen.          nicht in Schwierigkeiten gerät. Das gilt auch
                                                                                                                                      für das Vorbeifahren an einem stehenden
                                                                                                                                      Skifahrer oder Snowboarder.

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5. Einfahren, anfahren und hangaufwärts         6. Anhalten                                    auf Gefahren. Skifahrer und Snowboarder         SKUS-Regeln für Snowboarder
fahren                                          Jeder Skifahrer und Snowboarder muss es        müssen sich bewusst sein, dass diese            Die Schweizerische Kommission für Unfall-
Jeder Skifahrer und Snowboarder, der in         vermeiden, sich ohne Not an engen oder         Vorkehrungen in ihrem Interesse erfolgen.       verhütung auf Schneesportabfahrten SKUS
eine Abfahrt einfahren, nach einem              unübersichtlichen Stellen einer Abfahrt                                                        hat in Ergänzung zu den FIS-Regeln fünf
Halt wieder anfahren oder hangaufwärts          aufzuhalten. Ein gestürzter Skifahrer oder     9. Hilfeleistung                                spezielle Snowboard-Regeln aufgestellt:
schwingen oder fahren will, muss sich           Snowboarder muss eine solche Stelle so         Bei Unfällen ist jeder Skifahrer und Snow-      1. Bei Alpinbindungen muss das vordere
nach oben und unten vergewissern, dass er       schnell wie möglich freimachen.                boarder zur Hilfeleistung verpflichtet.            Bein mit einem Fangriemen (Leash) fest
dies ohne Gefahr für sich und andere            Ausgenommen auf breiten Pisten soll der        Hilfeleistung ist, unabhängig von einer            mit dem Snowboard verbunden sein.
tun kann.                                       Skifahrer und Snowboarder nur am Pisten-       gesetzlichen Pflicht, ein Gebot sportlicher     2. An Skiliften und auf Sesselbahnen das
Die Erfahrung zeigt, dass das Einfahren in      rand anhalten und stehen bleiben. Eng-         Fairness. Das bedeutet Erste Hilfe, Alarmie-       hintere Bein aus der Bindung lösen.
eine Piste und das Wiederanfahren nach          stellen und unübersichtliche Abschnitte sind   rung des Rettungsdienstes und Absichern         3. Vor jedem Richtungswechsel, besonders
einem Halt gelegentlich zu Unfällen führen.     ganz freizuhalten.                             der Unfallstelle. Die FIS erwartet, dass           vor Fersenschwüngen (Heel Turns/
Es ist daher unbedingt erforderlich, dass                                                      Unfallflucht ebenso geahndet wird wie im           Backsideschwünge): Blick zurück, Raum
ein Skifahrer oder Snowboarder sich beim        7. Aufstieg und Abstieg                        Strassenverkehr.                                   überprüfen.
Anfahren harmonisch und ohne Gefahr             Ein Skifahrer oder Snowboarder, der auf-                                                       4. Das Snowboard immer mit der Bindungs-
für sich und andere in den allgemeinen          steigt oder zu Fuss absteigt, muss den Rand    10. Ausweispflicht                                 seite nach unten in den Schnee legen.
Verkehrsfluss einfügt.                          der Abfahrt benutzen.                          Jeder Skifahrer und Snowboarder, ob Zeuge       5. Auf Gletschern das Snowboard wegen
Befindet er sich dann – wenn auch lang-         Bewegungen gegen den allgemeinen               oder Beteiligter, ob verantwortlich oder           der Spaltengefahr nicht abschnallen.
sam – in Fahrt, hat er gegenüber schnelle-      Verkehrsfluss stellen für Skifahrer und        nicht, muss im Falle eines Unfalls seine Per-
ren und von hinten oder oben kommenden          Snowboarder unerwartete Hindernisse dar.       sonalien angeben.                               Pistenmaschinen
Skifahrern und Snowboardern wieder den          Fussspuren beschädigen die Piste und           Der Zeugenbeweis ist für die zivil- und         Mit dem Einsatz von Pistenbearbeitungs-
Vorrang nach Regel 3.                           können dadurch Skifahrer und Snowboar-         strafrechtliche Beurteilung eines Unfalls von   maschinen (Pistenraupen) muss jederzeit
Die Entwicklung von Carvingskis und             der gefährden.                                 grosser Bedeutung. Jeder verantwortungs-        gerechnet werden, auch bei Schneefall und
Snowboards erlaubt es deren Benützern,                                                         bewusste Skifahrer und Snowboarder              schlechter Sicht. Die Maschine hat Vortritt!
ihre Schwünge und Kurven auch hangauf-          8. Beachten der Zeichen                        muss daher seine staatsbürgerliche und          Verhalten:
wärts auszuführen. Sie bewegen sich damit       Jeder Skifahrer und Snowboarder muss die       moralische Pflicht erfüllen, sich als Zeuge     – Abstand halten (vorne und hinten 15 m,
entgegen dem allgemein hangabwärts              Markierung und die Signalisation beachten.     zur Verfügung zu stellen.                         seitlich 3 m).
fliessenden Verkehr und sind entsprechend       Pisten werden nach ihrem Schwierigkeits-       Auch Berichte des Rettungsdienstes und der      – Nicht anhängen.
verpflichtet, sich rechtzeitig auch nach oben   grad schwarz, rot oder blau markiert. Die      Polizei sowie Fotos dienen zur Beurteilung      – Sich bemerkbar machen, wenn man nicht
zu vergewissern, dass sie das ohne Gefahr       Skifahrer und Snowboarder sind frei, ihren     der Verantwortlichkeitsfragen.                    ausweichen kann.
für sich und andere tun können.                 Wünschen entsprechende Pisten zu wählen.
                                                Pisten werden mit Hinweis-, Gefahren- und
                                                Sperrtafeln gekennzeichnet. Ist eine Piste
                                                gesperrt oder geschlossen, ist dies ebenso
                                                zwingend zu beachten wie der Hinweis
20                                                                                                                                                                                       21
7. Markierungen und Signale

Weiterführende                                  Pisten und Abfahrtsrouten werden durch die Angehörigen des Pisten- und
Schulungsunterlagen                             Rettungsdienstes nach einheitlichen Kriterien markiert, signalisiert und insbesondere
Das Präventionskonzept «Pistengeist»            vor Lawinen- und Absturzgefahr gesichert.
richtet sich an Schüler der 5. und 6. Primar-
klasse. Mit Hilfe von DVD, Flyer, Charta und
Arbeitsblättern werden die Kinder für ein       Pisten- und Rettungsdienst
risikoarmes Verhalten auf Schneesportpisten     Seit 1982 prüfen Experten der Pistenab-
sowie für das Beachten und Einhalten            nahmekommission die Wintersportgebiete
der FIS-Verhaltensregeln sensibilisiert.        nach über 150 Beurteilungskriterien. Sie
www.bfu.ch/pistengeist oder                     untersuchen Aspekte wie Verantwort-
www.kwro.ch.                                    lichkeits- und Organisationsstrukturen,
                                                Sicherheit, Markierung und Signalisation,
«Ta vie ta planète» ist ein Konzept,            Pistenqualität, Pisten- und Rettungsdienst,
um Kinder spielerisch für das Thema             Rettungsorganisation sowie Ausbildungs-
Sicherheit auf der Piste zu sensibilisieren.    stand der Pisten- und Rettungsfachleute,
www.riderlicence.com.                           die zur Qualität eines Wintersportgebiets
                                                gehören. Aktuell sind 117 Wintersport-
Das Safety-Check-Kartenspiel im ACADEMY         gebiete mit dem Qualitäts- und Sicherheits-
4/2005 (Beilage Fachzeitschrift von SWISS       label «Geprüfte Pisten» ausgezeichnet.
SNOWSPORTS) enthält je 8 Fragen zu Park         Ab der Wintersaison 2010/11 wird diese
und Pipe, Regeln und Prävention sowie 8         bisher freiwillige Pistenkontrolle für Mitglie-
Joker-Fragen. Das Spiel eignet sich für den     der der SBS Seilbahnen Schweiz obligato-
Einsatz auf dem Sessellift oder bei schlech-    risch. Alle drei Jahre finden entsprechende
tem Wetter in der Unterkunft in einem           Nachkontrollen statt. Über 80 % der
Schneesportlager. www.snowsports.ch             Pistenflächen der Schweiz genügen bereits
> Services > Publikationen.                     den hohen Ansprüchen dieses offiziellen
                                                Qualitätsmerkmals von Seilbahnen Schweiz.

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Markierungen und Signale                     Pisten werden nach Schwierigkeitsgrad           Das Gelände abseits von Pisten und Ab-
Bei vorübergehender Gefährdung der           eingestuft, mit Farben gekennzeichnet und       fahrtsrouten ist freies Schneesportgelände,
Schneesportler werden Pisten und             durch die Patrouilleure regelmässig präpa-      das weder markiert noch vor Gefahren
Abfahrtsrouten mit Sperrtafeln und mit       riert und kontrolliert. Einzelne Anlagen oder   (Lawinen, Absturz) gesichert ist.
Absperrseilen und Wimpeln gesperrt.          Pistenteile wie zum Beispiel Halfpipes,
                                             Fun-Parks oder Buckelpisten können zusätz-
                                             lich speziell signalisiert werden.

                                             Leichte Piste: blau

                                             Mittelschwere Piste: rot

                                             Schwere Piste: schwarz

                                             Abfahrtsrouten sind gelb gekennzeichnet.        Gefahrensignale
Örtliche Gefahrenstellen werden mit Stan-    Sie werden weder präpariert noch kont-
gen oder Wimpeln signalisiert und notfalls   rolliert und sind für geübte Schneesportler
abgesperrt.                                  bestimmt.

                                             Abfahrtsrouten: gelb

                                                                                             Allgemeine     Engpass         Kreuzung
                                                                                             Gefahr

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8. Benutzung von Transportanlagen                                                               9. Verhalten in Park und Pipe

Für Informationen über die Benutzung einer Bahn- und Liftanlage beachten                        Bisher existieren keine Standards für den Bau und Betrieb von Parks. Oft werden hohe
Sie bitte allfällige Hinweistafeln und befolgen Sie die Anweisungen des                         Anforderungen an die Benutzer gestellt. Eine sorgfältige Einführung und Schulung ist
Personals.                                                                                      deshalb sehr wichtig.

Seilbahn/Sessellift                            Schlepplift                                      Swiss Snowsports stuft Kickers (Schanzen)
Schliessen Sie die Sicherheitsbügel oder       Üben Sie mit Anfängern die Liftbenützung         und Obstacles (Hindernisse, v.a. Rails) in
die Türe. Schaukeln Sie nicht, sitzen oder     zuerst mit Übungsbügel oder Stöcken in fla-      drei Schwierigkeitsgrade ein:
stehen Sie ruhig. Bleiben Sie bei Stillstand   chem Gelände. Verzichten Sie bei der ersten      einfach: mit Sprungdistanz von max. 5 m
ruhig und warten Sie auf Anweisungen des       Liftfahrt auf Stöcke, tragen Sie sie später      oder einfachen Hindernissen
Bahnpersonals. Steigen Sie unterwegs nie       in der Aussenhand. Stehen Sie zu zweit           mittel: mit Sprungdistanz von mind. 5 m
frühzeitig selbst ab oder aus!                 an, Skis parallel zur Fahrspur, breiter Stand,   oder mittelschweren Hindernissen
                                               nahe beim Partner. Lassen Sie Anfänger           schwierig: mit Sprungdistanz von
Kinder unter 125 cm Körpergrösse dürfen        die ersten paar Mal mit stärkeren Begleit-       mind. 15 m oder schwierigen Hindernissen
nicht allein befördert werden, sondern müs-    personen fahren. Blicken Sie während der
sen durch eine erwachsene Person begleitet     Fahrt in Fahrtrichtung, sitzen Sie nicht auf
werden. Das ist für Schneesportschulen,        dem Bügel, sondern lassen Sie sich ziehen,
insbesondere bei Kindergruppen, nicht          bleiben Sie in der Spur, fahren Sie nicht
immer einfach umsetzbar. Evtl. begleiten       Slalom! Verlassen Sie bei einem Sturz und
die Eltern oder andere Schneesportler die      beim Ausstieg die Fahrspur sofort.
Kinder auf der Fahrt. Die Seilbahnhersteller
bemühen sich, die Sicherheit bei Sessel-
liften mit Personensicherungssystemen zu
verbessern, z. B. mit höhenverstellbaren
Sicherheitsbügeln.

Organisation Einstieg/Ausstieg: Bei Anfän-
gern zwei Personen, eine organisiert den
Einstieg an der Talstation, die andere den
Ausstieg an der Bergstation. Lassen Sie
beim Ein- und Ausstieg bei nicht auskup-
pelbaren Sesselliften die Bahngeschwindig-
keit in Absprache mit dem Bahnpersonal
herabsetzen.

26                                                                                                                                                                                     27
10. Ausbildung

SKUS-Regeln für Parks und Pipes             Park Rules                                   Durch solide Ausbildung erlangen Schneesportler Fähigkeiten und Fertigkeiten. Das kann
1. Benütze Fun Parks und Half Pipes         • Versichere dich vor jedem Sprung,          dazu beitragen, dass sich ihr Unfallrisiko reduziert. Eine realistische Selbsteinschätzung
   nur nach Besichtigung.                     dass Anfahrt, Absprung und Landezone       ist dabei sehr wichtig! Das reine Verbessern der Fertigkeiten kann dazu führen, dass sich
2. Stelle bei Sprüngen sicher, dass der       frei sind.                                 die Schneesportler überschätzen.
   Landeraum frei ist.                      • Platziere bei unübersichtlichen Anlagen
                                              jemanden beim Kicker.
Regeln von SWISS SNOWSPORTS                 • Benutze einen Park nie ganz allein.        Sicherheit und Wagnis                           den Übergang zum gelben Bereich wird
für Parks und Pipes                         • Markiere nach Möglichkeit Anfahrt,         Wesentlich ist die Vermittlung von Einstel-     allmählich der sichere Handlungsraum ver-
                                              Absprung und Landezone.                    lungen und Werten: Nicht leichtsinnige          lassen und Neues gewagt. Die eingegangen
Basic Rules                                 • Springe dich mit einigen Basic Airs ein,   Abenteurer sind Helden, sondern jene, die       Risiken sind aber gut zu handhaben. In der
• Benutze Parks und Pipes erst nach           bevor du zur Sache gehst.                  Gefahrensituationen souverän meistern.          gelben «Lernzone» kann geübt werden. Der
  täglicher Besichtigung.                   • Bereite dich für Flipvarianten in jeder    Schneesportler sollen Situationen und Ge-       rote Bereich stellt die Panikzone dar und ist
• Berücksichtige die Schnee- und              Hinsicht besonders seriös vor.             fahren sowie die eigenen Fertigkeiten bes-      der «No-Go-Bereich». Hier ist ein allfälliges
  Wetterverhältnisse.                       • Wähle für die ersten Versuche              ser einschätzen lernen. Dadurch können sie      Risiko zu hoch und nicht mehr kontrollier-
• Bereite dich körperlich und mental auf      Neuschnee, eine Wasserschanze,             Risiken angemessen beurteilen und durch         bar. Es muss etwas verändert werden, um
  die Belastung vor.                          ein Trampolin oder ein Luftkissen          entsprechendes Verhalten reduzieren.            zumindest wieder den gelben Bereich zu
• Trage Helm und eventuell weitere                                                                                                       erreichen.
  Protektoren.                              Pipe Rules                                   Jugend und Sport hat Unterlagen für den
• Nimm Rücksicht auf die anderen Fahrer,    • Gehe keinesfalls in der Pipe und nicht     Wagnisunterricht zusammengestellt. Sie
  respektiere die Reihenfolge und halte       zu nahe am Coping hoch oder runter.        finden sie auf www.sport.admin.ch/dok_
  genügend Abstand.                         • Lass den Anfahrtsweg für das «Drop in»     js/upload/671_2004_wagnis_js_d.pdf.
• Fahre/springe nur solange, wie es deine     frei.
  Kondition und Konzentration zulassen.     • Gib beim «Drop in» verbal («Next»,         bfu-Safety-Card
                                              «Drop in») oder durch Handzeichen          Die bfu-Safety-Card hilft Leitenden, das
                                              bekannt, dass du als Nächster fahren       Risiko einer geplanten oder bereits lau-
                                              wirst.                                     fenden Aktivität zu ermitteln. Nach dem
                                            • Fahre dich mit einigen Basic Runs ein,     Prinzip einer Ampel werden die Umwelt,
                                              bevor du zur Sache gehst.                  die Teilnehmenden sowie auch die lei-
                                            • Verlass nach einem Sturz so schnell wie    tende Person eingeschätzt. Befindet sich
                                              möglich die Pipe.                          das zu beurteilende Kriterium im grünen
                                            • Versichere dich bei «Drop outs», dass      Bereich, so ist alles in Ordnung und es kann
                                              das Coping frei ist, und nimm zu Beginn    «weitergefahren» werden. Dieser Bereich
                                              nicht zu viel Schwung.                     stellt die Komfortzone dar und die Risiken
                                            • Überhole nicht und lass dich nicht         sind «niedrig» oder «kontrollierbar». Durch
                                              überholen.
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Beispiel: Mit den Kursteilnehmenden be-         Weitere Informationen und Anwendungs-          Im Vorfeld des Schneesporttages oder am
sichtigen Sie den Snowpark und beurteilen       beispiele zur bfu-Safety-Card finden sich      Abend können die Kursteilnehmenden
die Umweltbedingungen. Die Sicht ist her-       im neuen Lehrmittel «Erwachsenensport»         im Internet eine Risikoanalyse der Suva
vorragend (grün), der Schnee jedoch ziem-       des BASPO, das im Frühjahr 2011 erscheint.     ausfüllen, mit der das persönliche Risiko
lich hart (gelb). Die Kursbesucher haben        Bestellbar auf www.baspo.ch.                   im Schneesport bestimmt werden kann.
nur wenig Erfahrung mit dem Fahren im                                                          Anhand von Fragen lernen sie ihr Risikover-
Park (gelb). Die grossen Sprünge schliessen     Wagnisse – gefährliche Sportarten              halten kennen und schätzen sich selbst ein.
Sie von Anfang an aus, sie liegen im roten      Bei einigen Sportarten, die generell als       Aufgrund der Resultate erhalten sie direkt
Bereich. Sie entscheiden sich also für einen    Wagnis gelten, werden bei Unfällen die         Tipps, wie sie ihr Unfallrisiko auf Pisten
Sprung mittlerer Schwere (gelb). Sie fragen     Geldleistungen um 50 % gekürzt (nach Art.      senken können. www.suva.ch/suvaliv.
die Anwesenden, wie sie sich fühlen. Einige     39 des Bundesgesetzes über die Unfallver-
sind top motiviert und fit (grün). Jemand ist   sicherung), zum Beispiel bei Ski-Geschwin-     Ab der Wintersaison 2011/2012 steht das
bei der Müdigkeit bereits im gelben Bereich.    digkeits-Rekordfahrten oder beim Snow          neue «Safety Tool Schneesport» zur Ver-
Sie zeigen ihnen den Sprung und fragen          Rafting (Schlauchbootfahrten auf Skipisten).   fügung, das den Jugendlichen hilft, sich
sie, ob sie sich diesen zutrauen. Aufgrund      Als Wagnisse gelten auch andere Aktivitä-      selbst und die Umgebung realistischer ein-
der Antworten merken Sie, dass sich einige      ten mit vergleichbarem Risiko. Ebenfalls mit   zuschätzen. www.bfu.ch > Prävention
Teilnehmende im roten Bereich befinden          einer Kürzung der Geldleistungen hat zu        in Schulen > Unterrichtshilfen «Safety Tool».
und mit dem Sprung überfordert sind. Sie        rechnen, wer bei einer an sich voll von der
beschliessen, mit diesen zuerst über einen      Versicherung gedeckten Sportart die sports-
einfacheren Sprung zu fahren, bis sie sich      üblichen Vorschriften oder Vorsichtsgebote
sicherer fühlen (gelb). Nach zwei Durchläu-     in schwerwiegender Weise missachtet.
fen erkundigen Sie sich nochmals nach dem       Wer eine Pistenabschrankung absichtlich
Befinden. Eine Person befindet sich nun mit     überfährt, sich so einem Wagnis aussetzt
der Müdigkeit im roten Bereich. Sie geben       und dann verunfallt, muss mit gekürzten
ihr die Anweisung, eine Pause einzulegen.       Versicherungsleistungen (Taggeld, Rente)
Andere trauen sich nun bereits auf den          rechnen. Eine Liste von Wagnissen finden
grösseren Sprung. Nach einigen weiteren         Sie auf www.suva.ch/home/suvaliv/
Durchgängen werden die Teilnehmenden            wagnisse.htm.
allmählich müde (gelb bis rot) und Sie ver-
lassen deshalb den Park.

30                                                                                                                                             31
11. Tempo

Verhalten von Kindern und                                                                                    Eine Studie der AGU (Arbeitsgemeinschaft für Unfallmechanik, Zürich, 2009) zeigt, dass
Jugendlichen                                                                                                 rund 80 % der Schneesportler mit Tempi zwischen 25 und 45 km/h unterwegs sind
Nachfolgend einige Merkmale zu fünf ver-                                                                     (gemessen auf einer roten Piste in Zermatt). Rund 8 % fahren 50 km/h und mehr.
schiedenen Altersstufen. Die Altersangaben
sind Richtwerte und die entsprechenden
Merkmale können je nach Individuum mehr                                                                      Brutal sind die Kräfte, die bei einem Zusam-    Fahrgeschwindigkeit      Fallhöhe in m
oder weniger stark variieren. Die Hand-                                                                      menprall mit einer Person oder mit einem        20 km/h                                   1,6
lungsempfehlungen sollen als Tipps für                                                                       Gegenstand bei einem Tempo von 50 km/h          30 km/h                                   3,5
einen erfolgreichen Unterricht dienen oder                                                                   auf der Skipiste wirken. Ein von der Suva       40 km/h                                   6,3
auf Risiken hinweisen.                                                                                       und dem Kassensturz durchgeführter Crash-       50 km/h                                   9,8
                                                                                                             Test zeigt, dass beim Aufprall eines fah-       60 km/h                                  14,2
                   Merkmale                                     Handlungsempfehlungen
                                                                                                             renden Schneesportlers auf eine stehende        70 km/h                                  19,3
                                                                für die Leiterperson
                                                                                                             Person das 93-fache Körpergewicht auf den       80 km/h                                  25,2
3–6 Jahre          Kinder können bereits mit 3 Jahren mit       Spielerischer Unterricht wichtig, viel mit   Kopf wirkt. Dies hat verheerende Folgen auf     90 km/h                                  31,9
                   Skifahren beginnen. Sehr ichbezogen,         Bildern und Geschichten arbeiten. Nicht      die Unfallschwere und die Verletzungsart.       100 km/h                                 39,3
                   haben Mühe, sich an Regeln zu halten.        zu lange an Übungen verharren, da
                                                                                                             Ein Beinbruch oder eine schwere Hirn-
                   Interessieren sich für alles Neue, stellen   Kinder rasch ermüden. Fallen oft hin und
                                                                                                             erschütterung ist oft die geringste Folge
                   viele Fragen.                                haben häufig Rückenlage.
6–9 Jahre          Günstig zum Erwerben von                     Motivierter Unterricht mit vielen Erfolgs-   eines solchen Unfalls. Auf der Piste lassen
                   Bewegungsmustern. Messen sich gerne          erlebnissen schafft günstige Basis für       sich nicht allgemein gültige Geschwindig-
                   und lernen Regeln zu beachten.               lebenslanges Sporttreiben. Erkennen die      keitslimiten festlegen. Das Gefahren-
                   Neugierig, oft unbekümmert, häufig           Gefahren noch nicht. Mit dem Snow-
                                                                                                             potenzial der eigenen Geschwindigkeit
                   noch ichbezogen.                             boardfahren noch etwas warten, bis sie
                                                                                                             einzuschätzen ist sehr schwierig.
                                                                das Snowboard selbst anziehen können.
9–12 Jahre         Ausgezeichnetes Lernalter.                   Gute Organisation und klare Regeln
                   Selbstbewusst, mutig und risikofreudig.      nötig. Gruppendynamik wird immer             Eine Kollision mit 30 km/h entspricht dem
                   Immer noch ichbezogen, aber Gruppen-         wichtiger. Geschwindigkeit und Schanzen      Aufprall nach einem Sturz aus 3,5 m Höhe.
                   orientierung nimmt zu. Wettkampf-            sind besonders für Knaben reizvoll.          Bei einer Fahrgeschwindigkeit von 50 km/h
                   freudig. Können Gut und Böse / richtig       Grenzen (z. B. Anlauf) festlegen.
                                                                                                             beträgt die Fallhöhe bereits 9,8 m und bei
                   und falsch unterscheiden.
13–18 Jahre        In der Regel ausgeprägtes Gruppenbe-         Vor allem Jungs neigen zu Nachah-
                                                                                                             einer Geschwindigkeit von 70 km/h sogar
(Pubertät)         wusstsein, Persönlichkeitsentwicklung        mungen von Idolen oder Gruppenbesten.        19,3 m.
                   je nach Person unterschiedlich               Individuelle, stufengerechte Aufgaben
                   ausgeprägt. Mitbestimmung wichtig.           bzw. Rückmeldungen geben.
                                                                Grenzen zusammen abmachen. Themen
                                                                gemeinsam bestimmen.

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12. Kollisionsunfälle im Schneesport                                                             13. Alkohol im Schneesport

Weitaus am häufigsten verletzen sich die Schneesportler bei einem Selbstunfall ohne              Der Konsum von Alkohol enthemmt, fördert die Risikobereitschaft, verlängert die
Fremdeinwirkung. Kollisionen mit Verletzten stellen nur rund 7 % des Unfallgeschehens            Reaktionszeit und vermindert die Bewegungspräzision. Dies kann zu Fehleinschätzungen
dar. Dieser Anteil hat sich in den letzten Jahren kaum verändert. Statistiken aus dem            von Geschwindigkeiten und eigenen Fähigkeiten führen und das Risiko für einen Sturz
benachbarten Ausland stützen diese Feststellung.                                                 erhöhen.

Die Möglichkeit, mit einem anderen              Eine Verbesserung der Aus- und Weiter-           Es gibt keine wissenschaftlichen Studien      Ergänzende Informationen finden Sie im
Schneesportler zusammenzustossen, ist re-       bildung ist notwendig. Die Kenntnisse der        oder Statistiken, die es erlauben würden,     Positionspapier «Schneesport und Alkohol»
lativ gross, einerseits aufgrund des auf den    Ausbildner und der Schneesportler über die       Aussagen über den Einfluss von Alkohol auf    auf www.bfu.ch.
präparierten Teil der Pisten beschränkten       Unfallprävention sind zum Teil ungenügend.       das Unfallgeschehen zu machen. Die bfu
Fahrbereichs, andererseits, weil die Fahrspur   So sind die verbindlichen FIS-Verhaltens-        empfiehlt jedoch allen Schneesportlern, auf
in diesem Bereich von Schneesportlern           regeln für das Ski- und Snowboardfahren          den Konsum von Alkohol beim Schneesport
mit völlig unterschiedlichen Fahrniveaus,       zu wenig bekannt und dabei insbesondere          zu verzichten. Bedenken Sie auch, dass Sie
-geschwindigkeiten und Geräten frei             diejenigen, die für das Vermeiden von Kolli-     nach dem Après-Ski allenfalls noch Auto
wählbar ist. Trotzdem ist der Anteil der        sionen wichtig sind.                             fahren.
Kollisionen am Gesamtunfallgeschehen
relativ gering.                                 Der Ordnungsdienst wird durch die Pisten
                                                und Rettungsdienste besorgt. Ihre Tätigkeit
Die Analyse von jährlich rund 4000 Unfällen     als Sicherheitsleute auf den Pisten kann eine
zeigt, dass sich das Unfallgeschehen in den     Pistenpolizei hinfällig machen. Sie haben
letzten Jahren nur sehr wenig verändert         bereits heute die Möglichkeit, Einzelperso-
hat. Die vorwiegend durch die Medien            nen, die Dritte gefährden oder schädigen,
vermittelte Meinung, dass das Verhalten der     zivil- und strafrechtlich zu belangen. Die zur
Schneesportler rücksichtsloser geworden sei     Verfügung stehenden rechtlichen Instru-
und der Anteil an Kollisionen markant zuge-     mente genügen, sofern sie konsequent zur
nommen habe, wird durch die Resultate der       Anwendung gelangen.
vorliegenden Auswertungen nicht gestützt.
                                                Ergänzende Informationen liefern das
                                                bfu-Positionspapier «Pistenpolizei im
                                                Schneesport» auf www.bfu.ch sowie das
                                                Dokument «Kollisionsunfälle im Schnee-
                                                sport» (Forschung > Forschungsergebnisse
                                                > Sport).

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14. Lawinenkunde, Freeriden

Für viele Schneesportlerinnen und Schneesportler ist die Versuchung gross, ihre Spur in     Lawinengefahrenskala
unberührte Hänge zu ziehen. Wenn Sie abseits der markierten und gesicherten Pisten
fahren, erhöhen Sie wegen Absturz- und Lawinengefahr Ihr Unfallrisiko beträchtlich und       1 gering                       Allgemein günstige Verhältnisse.
können andere Personen gefährden. 90 % der Verschütteten haben ihre Lawine selbst                                           Extrem steile Hänge (> 40˚) einzeln befahren!
ausgelöst. Besuchen Sie deshalb eine Freeride-Ausbildung und rüsten Sie sich richtig aus.                                   Absturzgefahr beachten!
Bleiben Sie im Zweifelsfall besser auf der Piste.

Informationen über die                                                                       2 mässig                       Mehrheitlich günstige Verhältnisse.
Lawinensituation                                                                                                            Vorsichtige Routenwahl.
– Lawinenbulletin (www.slf.ch, Telefon 187,                                                                                 Extrem steile Hänge (> 40˚) und
  Teletext S. 782, iPhoneApp «White Risk                                                                                    Triebschneeansammlungen meiden!
  Mobile»)                                                                                                                  Schattige Steilhänge (> 30˚) einzeln befahren!
– Wetterbericht (www.meteoschweiz.ch,
  Telefon 162, Teletext S. 150)                                                              3 erheblich                    Teilweise ungünstige Verhältnisse.
– Warnungen der Pisten- und                                                                                                 Schattige Steilhänge (> 30˚) meiden.
  Rettungsdienste                                                                                                           Unerfahrene bleiben auf der Piste oder schliessen
– Freeride Checkpoints                                                                                                      sich einer professionell geführten Gruppe an!

                                                                                             4 gross                        Ungünstige Verhältnisse. Lawinenauslaufbereiche beachten!
                                                                                             5 sehr gross
                                                                                                                            Unbedingt auf den markierten und geöffneten
                                                                                                                            Abfahrten/Routen bleiben!

                                                                                            Die Einteilung in die 5 Gefahrenstufen wird in den Alpenländern einheitlich angewendet.

36                                                                                                                                                                                      37
15. Verhalten bei Unfall

Lokale Signalisation im                      «white risk»                                 Hilfeleistung bei Unfällen
Schneesportgebiet                            Absolvieren Sie «white risk», die erste      Bei Unfällen sind Sie verpflichtet zu helfen.
Ab Lawinengefahrenstufe 3 (erhebliche        interaktive Lernanwendung zum Thema
Lawinengefahr) der fünfteiligen Skala wird   Lawinenunfallprävention. Sie erhalten auf    Sichern Sie die Unfallstelle
mit diesem Warnsignal und zusätzlichen       unterhaltsame Art solides Basiswissen.       Bringen Sie Verletzte und Beteiligte aus der
Lawinenwarnleuchten mit Blinklicht auf       «white risk» ist auch auf CD-ROM erhält-     Gefahrenzone, markieren Sie die Unfallstelle
die Gefahr hingewiesen. Unterlassen Sie      lich. Herunterladen oder bestellen auf       durch Einstecken der gekreuzten Skis und
in diesem Fall das Fahren ausserhalb der     www.whiterisk.org.                           postieren Sie allenfalls Warnposten.
geöffneten Pisten.
                                             «white risk mobile»                          Leisten Sie Erste Hilfe
                                             «white risk mobile» ist die mobile Lawi-     Erfassen Sie den Zustand des Verletzten,
                                             nenkunde für unterwegs. Die Anwender         lagern Sie ihn richtig, beginnen Sie
                                             erhalten viele Informationen, wie sie        mit lebensrettenden Sofortmassnahmen
                                             sich abseits der Pisten richtig verhalten.   (CPR: Atemwege freimachen, beatmen,
                                             Verschiedene Tools helfen, die Situation     bei Kreislaufstillstand Herzmassage),
                                             zu analysieren und unterstützen bei der      versorgen Sie Wunden und schützen Sie
Die Beurteilung der Lawinengefahr erfor-     Entscheidungsfindung. «white risk mobile»    den Verunfallten gegen Kälte.
dert grosse Umsicht und Erfahrung. Gefühl    nimmt jedoch keine Entscheidungen ab.
genügt nicht. Schönes Wetter und wenig       Die Schneesportler können auch jederzeit     Alarmieren Sie den Rettungsdienst
Schnee schliessen Lawinengefahr nicht aus.   das aktuelle Lawinenbulletin des SLF sowie   des Gebietes
                                             die dazugehörigen Gefahren- und Schnee-      Melden Sie Ort und Zeit des Unfalls, die
                                             karten abrufen. «white risk mobile» kann     Anzahl Verletzte und die Art der Verletzung
     Tipps                                   kostenlos heruntergeladen werden.            über die örtliche Notfallnummer, über
     • Schliessen Sie sich einer geführten                                                Telefon 112 (Europäische Notfallnummer)
       Gruppe an und besuchen Sie eine                                                    oder bei der nächsten Seilbahnstation.
       Freeride-Ausbildung.
     • Holen Sie die nötigen Informationen                                                Halten Sie den Unfallhergang und die
       über Wetter, Lawinensituation und                                                  Personalien der Beteiligten und Zeugen fest.
       Gelände ein.
     • Nehmen Sie die Notfallausrüstung
       mit und machen Sie sich mit deren
       Handhabung vertraut.

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3.126.01 – 11.2010
Sicher leben: Ihre bfu.

Die bfu setzt sich im öffentlichen Auftrag                Weitere Informationen
für die Sicherheit ein. Als Schweizer                     Wir empfehlen Ihnen ausserdem folgende
Kompetenzzentrum für Unfallprävention                     bfu-Broschüren:
forscht sie in den Bereichen Strassenverkehr,             3.002 Skifahren und Snowboarden
Sport sowie Haus und Freizeit und gibt ihr                3.028 Lawinengefahr
Wissen durch Beratungen, Ausbildungen                     4.035 Safety Tool Schneesport
und Kommunikation an Privatpersonen und                          (ab Mai 2011 erhältlich)
Fachkreise weiter. Mehr über Unfallprä-
vention auf www.bfu.ch.                                   Schweizerische Kommission für Unfallverhütung
                                                          auf Schneesportabfahrten SKUS (www.skus.ch)
Die Publikationen der bfu können Sie                      • Richtlinien für Skifahrer und Snowboarder
kostenlos beziehen oder als PDF                           • Richtlinien für Anlage, Betrieb und
herunterladen: www.bfu.ch. Für die                           Unterhalt von Schneesportabfahrten
anderen Kommunikationsmittel wenden                       Suva (www.suva.ch)
Sie sich bitte direkt an die jeweiligen                   • Top 10 für den Winter. DVD 359.D
Herausgeber.                                              • White risk. DVD 99070.D/F (www.whiterisk.org)
                                                          • White risk mobile. (www.whiterisk.org)
                                                          WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung
                                                          SLF (www.slf.ch)
                                                          • Achtung, Lawinen!
                                                          • White risk (www.whiterisk.org)
                                                          SWISS SNOWSPORTS (www.snowsports.ch)
                                                          • Sicher Lernen! Sicher Lehren! Academy 4/2005
                                                          Jugend und Sport/J+S (www.jugendundsport.ch)
Partner:                                                  • Sicherheit und Umwelt im Schneesport;
                                                             Ausgabe 2007
                                                          • Kernlehrmaterial Jugend und Sport,
                                                             Ausgabe 2008. 30.80.400

© bfu 2010, Verwendung unter Quellenangabe erwünscht. Bild S. 27: © Sami Perucchi

bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung, Postfach 8236, CH-3001 Bern
Tel +41 31 390 22 22, Fax +41 31 390 22 30, info@bfu.ch, www.bfu.ch
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