Solaranlagen für Warmwasser und Heizung - Eine Verbraucherinformation
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Solaranlagen für Warmwasser und Heizung
Eine Verbraucherinformation
Inhalt
■ Solarthermie – wie viel kostet sie
und was bringt sie?
■ Die Einsatzmöglichkeiten
■ Die Voraussetzungen: Sonneneinstrahlung,
Dachkonstruktion, Heizung
■ Die Technik: Komponenten einer
Solaranlage
■ Richtwerte für die Dimensionierung
■ Montage, Abnahme und Inbetriebnahme
■ Fehlerquellen – es kann beliebig viel
falsch gemacht werden
Immer mehr Hausbesitzer träumen von der Unabhängig- ■ Inspektion und Wartung
keit von Öl und Gas. Eine thermische Solaranlage kann dazu ■ Qualitätskriterien
beitragen, indem sie die Energie der Sonne zur Warmwasser- ■ Weitere Informationen
bereitung nutzt und die Heizung entlastet. Während für
■ Rat und Unterstützung
Neubauten häufig ein Solar/Heizungspaket aus bereits
aufeinander abgestimmten Komponenten angeboten
wird, sollte die Kopplung einer Solaranlage an ein
bestehendes Heizsystem vorher geprüft werden.
Wenn Sie vor der Entscheidung zum Kauf einer
Solaranlage stehen, Angebote prüfen oder techni-
sche Fragen zur Solarthermie haben: Die folgen-
den Informationen und die persönliche Energie-
beratung der Verbraucherzentrale stehen Ihnen
bei der Suche nach einer optimalen Lösung zur
Verfügung – anbieterunabhängig und kompetent.
www.verbraucherzentrale-energieberatung.deSolarthermie – wie viel kostet sie und was bringt sie?
Solarthermische Anlagen, auch Solaranlagen genannt,
erwärmen mit Hilfe der Sonne Brauch- oder Heizungs- Die Komplettpreise für Solaranlagen zur Warm-
wasser und können damit die Heizung entlasten. In wasserbereitung liegen für ein Einfamilienhaus
Deutschland kann eine Solaranlage etwa 50 Prozent der mit 3 - 4 Personen bei etwa 4.000 - 5.000 Euro
jährlichen Warmwasserbereitung eines Vier-Personen- für Flachkollektoren und bei 5.000 - 6.000 Euro
Haushaltes abdecken. Heizungsunterstützende Anlagen für Röhrenkollektoren. Heizungsunterstützende
stellen je nach Dämmung des Gebäudes zusätzlich Anlagen sind für 9.000 - 12.000 Euro erhältlich.
10 - 40 Prozent der Heizwärme.
Haushalte mit einem erhöhten Warmwasserbedarf Legt man eine moderate Steigerung der Energiepreise
oder einem Schwimmbad können besonders von solar- von jährlich 6 % zugrunde, amortisiert sich eine Solar-
thermischen Anlagen profitieren. Ab einer benötigten anlage zur Trinkwassererwärmung für einen 4-Personen-
jährlichen Warmwassermenge von etwa 50 Kubikmetern Haushalt nach etwa 20 Jahren. Dabei wird von einem
lohnt es sich, über eine solarthermische Anlage nachzu- Warmwasserverbrauch (50°C) von 45 l pro Person aus-
denken, denn dann wird spürbar Brennstoff eingespart. gegangen. Die Lebensdauer von Solaranlagen beträgt
Ebenfalls sinnvoll ist der Einsatz von Sonnenenergie, zwischen 20 und 30 Jahren. Die Investition in eine
wenn bereits ein großer Warmwasserspeicher (Puffer- Solaranlage für ein Einfamilienhaus liegt also selten im
speicher) vorhanden ist, etwa bei Holzpelletkesseln und Bereich einer attraktiven Rendite. Ökologisch gesehen
wenn die Solaranlage auch sonst gut ins Heizsystem sind thermische Solaranlagen allerdings »Energie-
passt (siehe Seite 5). Aber: Für kleine Haushalte mit ge- sparmaschinen«. Bereits in etwa drei Jahren sparen sie
ringem Warmwasserbedarf ist eine Solaranlage allein die Energie, die zu ihrer Herstellung eingesetzt wurde.
für die Warmwasserbereitung kaum von Nutzen. Das begeistert nicht nur Technikinteressierte sondern
auch Menschen, die Energieeinsparungen höher be-
Ob die Einsparung an Brennstoff die Kosten einer Solar- werten als das gesparte Geld. Doch bald könnten sich
anlage innerhalb ihrer Lebensdauer »hereinspielen« Solaranlagen auch finanziell lohnen:
wird (Amortisation), hängt neben dem genutzten Ertrag
der Anlage auch von den Investitionskosten und den Die Energiepreise sind im vergangenen Jahrzehnt
künftigen Öl- und Gaspreisen ab. Die Preisentwicklung durchschnittlich um acht Prozent pro Jahr gestiegen
bei Solaranlagen ist derzeit stabil: Nach Preisrecher- und manche Prognosen gehen zukünftig von noch
chen der Zeitschrift Sonne, Wind & Wärme (3/2011) hat stärkeren Preissteigerungen aus. Durch steigende
die Hälfte der Anbieter für das Jahr 2011 Preissteigerun- Preise verkürzt sich die Amortisationszeit der Solar-
gen, die andere Hälfte Preissenkungen angekündigt. anlage. Im Vergleich zu einer sinkenden Einspeise-
Wird das Dach neu
eingedeckt, lässt sich durch eine
Indachmontage der Solaranlage
Eindeckmaterial sparen
2vergütung bei Solarstrom steigt der Wert der gewonne-
nen Solarwärme mit steigenden Energiepreisen. Solch Was bringt die Sonne an Kostenersparnis
ein Gewinn muss nicht versteuert werden und steht bei der Warmwasserbereitung?
als Vorteil den derzeit noch hohen Kosten gegenüber.
Um den jährlichen Warmwasserbedarf von vier
Personen zu decken, ist eine Energiemenge von
Tipp: Sparen Sie bei den Investitions- etwa 4.200 Kilowattstunden nötig (inklusive
kosten und planen Sie Ihre Anlage gut Wärmeverlusten durch Speicher und Leitungs-
wege). Eine Solaranlage kann 50 % davon über-
■ Falls Sie eine neue Heizungsanlage oder einen nehmen. Bei einem Heizölpreis von 8 Cent pro
neuen Warmwasserpeicher benötigen, sollten Sie Kilowattstunde (80 Cent pro Liter) bringt die
darüber nachdenken, ob Sie Kunde bei der Sonne Anlage eine Energiekostenersparnis im Wert
werden wollen, denn dann können Kessel, Solar- von 145 Euro im Jahr. Bei einer angenommenen
anlage und Speicher optimal aufeinander abge- Energiepreissteigerung von jährlich sechs Prozent
stimmt werden. summiert sich das über 20 Jahre auf 5.800 Euro.
■ Muss Ihr Dach neu eingedeckt werden, können
Sie bis zu 20 % an Montagekosten für eine Solaran- neu zu errichtende Gebäude die anteilige Deckung
lage sparen, wenn Sie diese gleichzeitig montieren des Wärmebedarfs durch erneuerbare Energien
lassen. Bei einer Indachanlage sparen Sie außerdem vor. Die Solarthermie ist dabei eine von mehreren
Dacheindeckungsmaterial, denn die Kollektoren Möglichkeiten.
werden direkt auf die Dachlattung bzw. -schalung
montiert. ■ Berechnen Sie Ihren Warmwasserbedarf genau
und dimensionieren Sie Ihre Anlage nicht größer als
■ Planen Sie bei einem Neubau den späteren Einbau nötig. Denn die Wirtschaftlichkeit einer Solaranlage
einer Solaranlage, sollten alle notwendigen Vor- hängt entscheidend davon ab, ob Wärmebedarf
installationen bereits am Dach durchgeführt werden und Anlagengröße im richtigen Verhältnis stehen.
und ein entsprechend großer Speicher eingeplant
werden. Das seit 1.1.2009 geltende Erneuerbare- ■ Binden Sie Ihre Solaranlage optimal in den beste-
Energien-Wärmegesetz (EEG WärmeG) schreibt für henden Heizkreis ein – das steigert die Effizienz.
Nach einer Außenwand-
dämmung sinkt der Wärme-
bedarf von Altbauten. Damit
lässt sich die Temperatur
des Heizwassers absenken
und es kann über eine solare
Heizungsunterstützung
nachgedacht werden.
3Die Einsatzmöglichkeiten
Wenn Sie Sonnenenergie allein für die Erwärmung
des Wassers im Trinkwasserspeicher nutzen, kann der Was bringt die Sonne an Kostenersparnis bei
Heizkessel von Mitte Mai bis Anfang September aus- zusätzlicher Heizungsunterstützung?
geschaltet bleiben. In dieser Zeit reicht die Sonnen-
energie in der Regel aus, um den Warmwasserbedarf Der Energiebedarf für Heizung und Warmwasser
eines Vierpersonenhaushaltes zu decken. Neben der liegt in einem Standardneubau mit 150 Quadrat-
Brennstoffeinsparung schont das auch den Brenner, meter Wohnfläche bei etwa 15.000 Kilowattstun-
der nicht starten muss, um den Speicher nachzuheizen. den. Kann davon durch die Solaranlage etwa
25 Prozent abgedeckt werden, sind das bei einem
Je höher Personenzahl und Warmwasserverbrauch Ölpreis von 8 Cent pro Kilowattstunde rund
in Ihrem Haushalt sind, umso mehr Kollektorfläche be- 300 Euro Einsparung pro Jahr. Bei einer jährlichen
nötigen Sie. Große Kollektorflächen liefern aber die Energiepreissteigerung von 6 Prozent summiert
beste Grundlage, die Solaranlage neben der Warm- sich das auf etwa 11.000 Euro in 20 Jahren.
wasserbereitung auch zur Heizungsunterstützung ein-
zusetzen, vor allem, wenn ohnehin schon ein großer
Pufferspeicher vorhanden ist. mit Temperaturen von rund 30 Grad – also deutlich unter
der Warmwassertemperatur.
Mit zunehmender Dämmung bei modernen Gebäuden
kann es sogar sinnvoll sein, vorrangig die Heizung zu un- Im Idealfall setzt eine intelligente Regelung die solare
terstützen, bevor das Trinkwasser erwärmt wird. Denn Wärme dort ein, wo sie momentan die größte Energie-
Flächenheizungen, die in ihrer Durchströmung optimal einsparung bringt.
eingestellt sind (»Hydraulischer Abgleich«), arbeiten
Solarpaket mit 15 m2 Kollektorfläche und 1.000-Liter-Kombispeicher
bei einem Haus mit 150 m2 Wohnfläche und 4 Personen
Gebäudebestand Neubau
vor 1984 nach 1984 nach 1995 nach 2007 nach 2009 Passivhaus
ca. 10 % ca. 15 % ca. 20 % ca. 25 % ca. 30 % ca. 50 %
solarer Deckungsanteil für Heizung und Wasser
Der solare Deckungsanteil beschreibt das Verhältnis von solarem Wärmeertrag
und Energiebedarf des Hauses. Je besser der bauliche Wärmeschutz des Gebäudes,
desto höher ist der Anteil der Wärme, die über die Sonne zur Verfügung gestellt
werden kann. Je nach Dämmstandard können Solaranlagen heute Deckungsanteile
von 10 - 30 Prozent, bei Niedrigenergiehäusern sogar bis 40 Prozent erreichen.
Allerdings haben moderne Häuser einen sehr geringen Wärmebedarf, sodass eine
Solaranlage hier trotz des hohen Deckungsanteils weniger Kosten spart als bei
Häusern mit einem großen Wärmebedarf.
4Die Voraussetzungen:
Sonneneinstrahlung, Dachkonstruktion, Heizung
Auch wenn Solaranlagen nicht so empfindlich reagieren
wie Photovoltaikanlagen sollten Verschattungen durch Sonnenkollektoren sollten am besten nach Süden,
Schornsteine, Gauben, SAT-Empfänger, Nachbargebäu- Südwesten oder Südosten ausgerichtet sein.
de und Bäume vermieden werden. Eine unverschattete, Die optimale Neigung beträgt bei vorrangiger
gut ausgerichtete Dachfläche von mindestens fünf Verwendung zur Warmwassererzeugung 30 - 40°,
Quadratmetern sollte vorhanden sein. zur Unterstützung der Heizung 40 - 55°.
Der Ertrag einer Solaranlage hängt von Fläche, Aus-
richtung und Neigung der Kollektoren ab. Ein noch so Die Montage von Solaranlagen auf Asbestzement-
großer Wärmeertrag bringt jedoch keine Ersparnis, dächern ist grundsätzlich verboten. Hier muss zuerst
wenn das Warmwasser nicht benötigt wird. Deshalb soll- das Dach fachgerecht saniert werden. Da die Anlage nun
ten Solaranlagen in erster Linie auf den tatsächlich an- für 20 - 30 Jahre auf dem Dach bleiben soll, ist es ohne-
fallenden Warmwasserbedarf hin geplant werden. Die hin wichtig, dass das Dach vor der Montage in den best-
im Tages- und Jahresverlauf schwankende Strahlung- möglichen Zustand versetzt wird.
dauer- und intensität der Sonne soll also so ausgenutzt
werden, dass sie übers Jahr gesehen einen möglichst Die häufigste Montageart für die Solarkollektoren ist
großen Teil des Warmwasserbedarfs abdeckt. Das kann nach wie vor das Aufdachsystem. Dabei werden die
dann auch bedeuten, dass maximale Erträge zu be- Kollektoren mit Schienen und Sparrenankern oder Dach-
stimmten Zeiten nicht ausgeschöpft werden. Je nach haken auf dem Dach montiert. Die Rohrdurchführung
Nutzung ist eine Untersuchung mittels Sonnenbahn- durch die Eindeckung erfolgt mit Lüfterziegeln. Achtung:
analysator, die manche Handwerksbetriebe anbieten, Diese sind oft nicht Bestandteil eines Angebotes. Pro-
empfehlenswert, um den Ertrag der einzelnen Anlage bleme mit der Statik des Dachstuhls sind in der Regel
zu optimieren. nicht zu befürchten. Wird die Solaranlage ins Dach inte-
griert (»Indach-Montage«), ist der Kollektor meist so-
Zur Warmwasserbereitung kann die Neigung der gar leichter als die entfernten Dachziegel. Trotzdem soll-
Kollektoren flach sein – die Sonne strahlt in den ten die statischen Verhältnisse vorher geprüft werden.
Sommermonaten relativ steil auf das Dach. Für eine Bei einer Aufdachinstallation kommen etwa 40 Kilo-
Heizungsunterstützung bieten eine Dachneigung von gramm pro Quadratmeter zusätzlich auf die Dachfläche.
45 - 55 Grad und eine Ausrichtung nach Süden (bis
zu einer Abweichung von 15 Grad) sehr gute Voraus- Für eine Heizungsunterstützung sind niedrige Heizwas-
setzungen. So können die Kollektoren auch im Herbst ser-Vorlauftemperaturen und großflächige Heizsysteme
und Frühjahr das schräg einfallende Sonnenlicht auf- wie Fußboden- oder Wandheizungen besonders ge-
fangen und mit der gewonnenen Wärme große Anteile eignet – sie werden mit Vorlauftemperaturen von 32°C
der Heizung abdecken. Bei einem weniger geneigten bis maximal 35°C betrieben. Aber auch großflächige
Dach gleicht eine etwas größere Kollektorfläche Ertrags- Heizkörper mit einer Vorlauftemperatur von maximal
verluste aus. Nicht zweckmäßig ist dagegen die steilere 45°C passen noch gut zu einer Solaranlage. Eher un-
Montage der Kollektoren mittels eines besonderen günstig sind kleine Heizkörper, denn ihre Vorlauftempe-
Montagegestells: Die Kosten der Installation fallen deut- ratur beträgt oft mehr als 50°C.
lich höher aus und die größere Windlast reduziert die
Stabilität. Nach einer wärmetechnischen Sanierung des Gebäudes
durch eine Dämmung der Außenbauteile reduziert sich
jedoch der Wärmebedarf. Dann lässt sich die Vorlauf-
temperatur meist auch in Altbauten auf 50°C absenken,
so dass über eine solare Heizungsunterstützung nach-
gedacht werden kann.
5Die Technik: Komponenten einer Solaranlage
Eine Solaranlage besteht Sonnenkollektoren
aus vielen Komponenten.
Die wichtigsten sind hier
dargestellt.
Solarkreislauf gefüllt mit
Wärmeträgerflüssigkeit
Warmwasser
für Küche und Bad
Solarstation
mit Solarregler
Membranausdehnungsgefäß
mit Druckmesser
Kessel des zentralen
Heizsystems
Wasserspeicher mit Solarkreiswärme-
tauscher (unten) und Nachheizung (oben)
Schema eines Röhrenkollektors Kollektoren
Zentrale Einheit einer Solaranlage sind die Solarkollek-
toren. Unter ihrer Glasoberfläche nimmt eine dunkel be-
schichtete Metallplatine, der Absorber, Sonnenstrahlen
auf und wandelt sie in Wärme um. Auf seiner Rückseite
ist ein meist aus Kupfer bestehendes Röhrensystem
angebracht. In diesen Leitungen zirkuliert die Wärme-
trägerflüssigkeit und transportiert die Wärme zu einem
Warm-Wasserspeicher. Die meisten Hersteller verwen-
den als Solarflüssigkeit ein Wasser-Glykol-Gemisch, das
mit bis zu 50 Prozent Propylenglykol angereichert ist.
Schema eines Flachkollektors Dadurch ist ein Frostschutz von bis zu -23°C gewähr-
leistet und die Siedetemperatur erhöht sich auf 150°C.
Wird die Wärme nicht aus dem Kollektor abtransportiert,
steigt die Temperatur auf über 200°C – deshalb müssen
alle Komponenten stark hitzebeständig sein.
In Deutschland werden vorwiegend Flachkollektoren
und Vakuumröhrenkollektoren installiert. Beide Kollek-
tortypen arbeiten nach demselben Absorberprinzip,
allerdings sind die wärmeführenden Leitungen und Ab-
sorberflächen in den Vakuumröhrenkollektoren durch
6das sie umgebende Vakuum besser isoliert. Dieser Solarstation und Regelung
Kollektortyp ist aber auch teurer. Er ist deshalb beson-
ders geeignet, wenn nicht viel Dachfläche zur Verfügung Die Solarkreispumpe befindet sich in der Solarstation
steht oder wenn es bei umfassend gedämmten Häusern und treibt den Kreislauf an. Um keinen unnötigen Strom
auf einen sehr hohen Deckungsgrad ankommt. Auf zu verbrauchen, sollte sie möglichst klein dimensioniert
dem Markt angebotene Flachkollektoren haben Brutto- sein (20 W). Für elektronisch regelbare Pumpen und
flächen von 2 - 2,5 Quadratmeter pro Stück. Das Gehäu- Pumpen, die über ein Solarstrommodul versorgt wer-
se besteht meist aus Aluminium. den, kann derzeit beim Bundesamt für Wirtschaft und
Ausfuhrkontrolle (BAFA) ein staatlicher Zuschuss von
Heutige Kollektoren haben sehr gute Wirkungsgrade; 50 Euro beantragt werden.
sie nehmen viel Sonnenstrahlung auf und verlieren we-
nig Wärme. Ein geringerer Kollektorwirkungsgrad kann
aber auch durch mehr Kollektorfläche oder ein sehr gu-
tes Speichersystem ausgeglichen werden. Deshalb soll-
te der Kollektorwirkungsgrad nicht die alleinige Rolle bei
der Kaufentscheidung spielen.
Folgende Eigenschaften sollten vor allem berück-
sichtigt werden:
Die Solarstation ent-
■ Qualität der Verarbeitung und der Absorberbeschich- hält Komponenten,
tung (Bauartzulassung, Prüfzertifikate) die für den Berieb der
Anlage erforderlich
■ Dauer der Herstellergarantie (Standard sind fünf sind. Dazu gehören
Jahre, besser sind zehn Jahre) Solarkreispumpe,
Sicherheitsventile,
■ Austauschbarkeit von Einzelteilen im Reparaturfall Schwerkraftbremse
und Rücknahmegarantie sowie Rückschlagven-
til und Kugelhähne.
Die meisten Hersteller von Solaranlagen zur Warmwas- Die meisten Hersteller
serbereitung bieten für Einfamilienhäuser komplette bieten die Stationen in
und abgestimmte Systeme an. Darin sind festgelegte Wärmedämmschalen
Kollektorflächen, passende Speicher, Umwälzpumpen und mit Wandhalterun-
und Regler enthalten. Anstatt sich auf einen Kollektortyp gen an.
festzulegen, sollten Sie die zu erwartenden Erträge und
Preise der Anlagenbausätze vergleichen – zum Beispiel,
indem Sie den Preis pro Kilowattstunde des zu erwarten-
den Ertrags berechnen.
Über das Rohrleitungssystem wird die heiße Solarflüs-
sigkeit bis zum Solarspeicher transportiert. Wichtig ist Das Membranausdehnungsgefäß (MAG) nimmt das sich
eine gute Dämmung der Leitungen, um den Ertrag zu mit der Temperatur ändernde Volumen der Solarflüssig-
maximieren. Im gesamten Solarkreis können Temperatu- keit auf. Es muss ausreichend groß sein, damit der Druck
ren über 130 °C auftreten. Dämmstoffe aus dem konven- im Leitungssystem – auch im Dampfbetrieb – nicht so
tionellen Heizungsbau kommen deshalb nicht in Frage, stark ansteigt, dass Flüssigkeit über das Sicherheitsven-
da das Material hoch temperaturbeständig sein muss. til abgeblasen wird. Je nach Höhenunterschied zwischen
Für Dämmmaterial auf dem Dach gilt außerdem, dass Kollektor und Speicher muss eventuell der Vordruck im
es für den Außenbereich geeignet, d.h. Ozon-, UV- und Gefäß eingestellt werden. Die Werksvoreinstellung von
witterungsbeständig sowie gegen Tier-Verbiss geschützt 1,5 bar ist bei einer Höhendifferenz von 15 Metern opti-
sein muss. mal.
7Speichersysteme
Da der Wärmebedarf im Haushalt zeitlich nicht mit
dem Sonnenertrag übereinstimmt, muss die Wärme
über mehrere Tage in einem Warmwasserspeicher auf-
bewahrt werden können. Über den Solarkreiswärme-
tauscher wird die von den Kollektoren gesammelte
Wärme in den Speicher eingespeist. Dazu werden häufig
interne Wärmetauscher eingesetzt. Auf ihren Ober-
flächen kann sich – ähnlich wie bei Waschmaschinen-
Heizstäben – Kalk ablagern. Dies sollte regelmäßig über-
Die Regelung steuert die Umwälzpumpe für die Solar- prüft werden. Eine Kalkschicht von 2 - 5 mm verringert
flüssigkeit und optimiert so den Wärmeertrag. Übliche die Wärmeübertragung um 20 % - 40 %.
Regelungen messen die Temperaturdifferenz zwischen
Wärmetauscher und Kollektor. Liegt die Temperatur im Neben reinen Trinkwasserspeichern oder Heizwasser-
Speicher 5 - 10 °C niedriger als am Kollektorausgang, pufferspeichern werden auch kombinierte Geräte ange-
schaltet die Regelung die Pumpe an. Ist die Temperatur- boten, in denen das Trinkwasser durch das Heizungs-
differenz geringer als 2 - 3°C, wird die Pumpe abgeschal- wasser auf verschiedene Weisen erwärmt wird:
tet. Mit zunehmender Länge der Rohrleitung muss die
kritische Temperaturdifferenz, bei der die Pumpe an- ■ Durchflusssystem: Das Trinkwasser zirkuliert in
springt, größer eingestellt werden. Moderne Regelun- einem internen Wärmetauscher, der den Heizwasser-
gen sind mit Wärmemengenzählern ausgestattet, sollten speicher durchzieht. Dabei erwärmt es sich.
über eine Temperaturanzeige verfügen und können an
den PC angeschlossen werden. Um Überhitzung zu ver- ■ Tank-in-Tank-System: Innerhalb des Heizwasser-
hindern und Kalkablagerungen zu minimieren, sollte speichers befindet sich ein kleinerer Trinkwasser-
die Regelung auch die Temperatur begrenzen können. speicher. Er wird durch das umgebende Heizwasser
erwärmt.
Wenn keine Nutzwärme entnommen wird, steht die So-
laranlage still (Stagnation). Die Temperatur steigt bei
Sonneneinstrahlung aber weiter an. In den Kollektoren
werden nun Temperaturen erreicht, die den Siedepunkt
der Solarflüssigkeit überschreiten – sie wird dampf-
förmig. Die Dampfbildung im Kollektor gilt als »normaler
Betriebszustand« und die Komponenten des Solarkreis-
laufs müssen für eine solche thermische Belastung ge-
eignet sein. Um unnötige Stagnationen zu vermeiden,
bieten aber viele Regler Zusatzfunktionen, wie Urlaubs-
oder Kühlschaltungen an.
Eine Schwerkraftbremse und Rückschlagventile im
Kollektorvorlauf verhindern, dass die warme Solarflüs-
sigkeit bei Nacht oder bei bewölktem Wetter vom Spei-
cher zu den Kollektoren strömt. Fehlen sie oder funktio-
nieren nicht richtig, kommt es zu einem unnötigen Wär-
meverlust – im Extremfall kann der Speicher entladen
werden. Das Augenmerk ist auch darauf zu richten, wie
die Zirkulationspumpe für die Warmwasserverteilung
im Haus geschaltet ist. Sie sollte nur so wenig wie nötig
arbeiten, um den Speicher nicht zu entladen.
8■ Heizungs-Pufferspeicher mit externer Trinkwasser- ■ Gute Temperaturschichtung: Aufgrund der unter-
erwärmung. Ist genügend Platz und ein entsprechen- schiedlichen Dichte von warmem und kaltem Wasser
der Wärmebedarf vorhanden, ist dieser Speicher das stellt sich in jedem Speicher eine Temperaturschich-
System der Wahl, denn: Die Erwärmung des Trink- tung ein. Die heißeste Wasserschicht steigt in den
wassers über einen äußeren Plattenwärmetauscher oberen Bereich - den sogenannten Bereitschaftsteil.
(»Frischwasserstation«) hat den Vorteil, dass obere Während die Solaranlage über einen Wärmetauscher
Temperaturbegrenzungen zur Kalkvermeidung und im unteren Teil den gesamten Speicherinhalt er-
untere Temperaturbegrenzungen zur Trinkwasser- wärmt, heizt der Heizkessel nur den oberen Bereit-
hygiene (siehe Kasten) nicht notwendig sind. Das schaftsteil. Die Schichtung trägt also dazu bei, dass
Trinkwasser wird dann erwärmt, wenn es gebraucht der Heizkessel nur dann einspringt, wenn am oberen
wird. Fühler kein heißes Wasser mehr vorhanden ist.
Andererseits sorgt die Position des Solarwärme-
tauschers im kältesten Bereich dafür, dass möglichst
häufig Wasser über den Solarkreislauf erwärmt wird.
Einige Hersteller arbeiten zur Optimierung der
thermischen Schichtung mit Leitblechen, Prallplatten
oder Konvektionskaminen.
■ Richtig dimensionierte Wärmetauscherflächen für
den Solarkreislauf: Bei internen Wärmetauschern
können für Glattrohr 0,25 Quadratmeter und bei
Rippenrohr 0,35 Quadratmeter Tauscherfläche pro
Quadratmeter Kollektorfläche angenommen werden.
Ein anderer Näherungswert geht von einem Viertel
der Kollektorfläche aus.
Prüfen Sie vor dem Kauf eines Speichers die Maße
der Türen zum Aufstellraum – manche Pufferspeicher
passen nicht durch übliche Türöffnungen.
Gute Speicher zeichnen sich unabhängig von ihrer
Bauart weiterhin aus durch: Wasserhygiene
■ Geringe Wärmeverluste: Mehr als 3°C sollte der Bei Warmwasserspeichern mit über 400 Liter
Speicher über Nacht nicht abkühlen. Dafür sind Warmwasserinhalt ist einmal am Tag die Erwärmung
Dämmstärken von mindestens 10 Zentimetern um des gesamten Inhaltes auf mindestens 60°C vor-
die Speicherwand und 15 Zentimeter ober- und unter- geschrieben, um einer bakteriellen Verunreinigung
seitig mit einer Wärmeleitfähigkeit des Dämmstoffs durch Legionellen vorzubeugen. Bei kleineren An-
von unter 0,035 W/(mK) (Lambdawert) üblich. Rohr- lagen, wie sie meist in Einfamilienhäusern zu finden
anschlüsse müssen besonders gut gedämmt und sind (weniger als 400 Liter Inhalt, weniger als 3 Liter
im unteren kalten Bereich des Speichers angeschlos- Rohrleitungsvolumen zwischen Speicher und Ent-
sen sein. nahmestelle) ist eine einmalige Erwärmung des
Speicherinhaltes nicht vorgeschrieben. Nach Unter-
■ Lange Lebensdauer: Hochwertige Speicher beste- suchungen am Hygiene-Institut der Uniklinik Mainz
hen aus emailliertem oder kunststoffbeschichtetem ist das Risiko einer Legionelleninfektion in Einfamili-
Stahl. Zu beachten ist der jeweils unterschiedliche enhäusern sehr klein. Trotzdem sollte eine Betriebs-
Korrosionsschutz. Bei hohem Chloridgehalt des temperatur von 50°C nicht unterschritten werden.
Wassers sollten reine Edelstahlspeicher nicht ein-
gesetzt werden.
9Richtwerte für die Dimensionierung
Je nachdem, ob die Anlage nur Warmwasser bereiten oder Manche Geschirrspüler können direkt ans Warmwasser
auch die Heizung unterstützen soll, gelten unterschied- angeschlossen werden, wenn der Hersteller dies aus-
liche Auslegungsgrößen (siehe Tabelle 2). Diese beruhen weist. Waschmaschinen sollten über ein entsprechendes
auf Erfahrungswerten zahlreicher realisierter Anlagen. Vorschaltgerät angeschlossen werden, das auch weiter-
hin Kaltspülgänge ermöglicht. Damit lässt sich der Nut-
a) zur Warmwasserbereitung zungsgrad der Solaranlage weiter erhöhen.
In der Regel werden für einen Vier-Personen-Haushalt Tab. 2: Richtwerte für Kollektorgrößen bei den
5 - 6 Quadratmeter Kollektorfläche und 300 - 400 Liter am häufigsten eingesetzten Kollektortypen:
Pufferspeichervolumen benötigt, um 50 bis 60 Prozent
des jährlichen Warmwasserbedarfs über die Solaranlage Anlagen zur Warmwasserbereitung
zu decken. Grundlage der Auslegung ist der voraussicht-
Flachkollektor: 1,2 - 1,5 m2 pro Person
liche Warmwasserbedarf, der etwa 25 - 30 Prozent des
Gesamtwasserverbrauchs beträgt. Röhrenkollektor: 0,8 - 1,0 m2 pro Person
100,0%
Anlagen zur Heizungsunterstützung
90,0%
80,0%
Flachkollektor: 0,8 - 1,1 m2 pro 10 qm Wohnfläche
70,0%
60,0% Röhrenkollektor: 0,5- 0,8 m2 pro 10 qm Wohnfläche
50,0%
40,0%
30,0%
20,0%
Für die Auslegung des Speichervolumens bei der
10,0% Warmwasserbereitung gilt, dass mindestens 50 Liter
0,0% pro Quadratmeter Kollektorfläche bereitgehalten wer-
Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
den sollten. Bei üblichen Anlagen für Einfamilienhäuser,
Solaranlage Heizung
sind das bei 6 m2 Kollektorfläche rund 300 Liter. Der
Die Solaranlage deckt je nach Monat verschiedene Warmwasserspeicher sollte auf das 1,2 bis 1,5 fache des
Anteile des Warmwasserbedarfs ab. Im Sommer sind es täglichen Bedarfs ausgelegt werden. Werden zusätzlich
über 90 Prozent – in der Regel muss die Heizung nicht Wasch- und oder Spülmaschine mit Warmwasser ver-
zugeschaltet werden. Im Winter muss die Heizung sorgt, müssen 30 - 50 Liter pro Gerät hinzuaddiert wer-
den größten Teil des Warmwassers liefern. Randbedin- den.
gungen: 6 m2 Kollektorfläche, 300 l Wasserspeicher,
160 Liter Warmwasserbedarf mit 45°C Wassertemperatur. b) zur Heizungsunterstützung
Aber auch über den Verbrauch an Öl und Gas in den Auch hier werden von den Herstellern immer häufiger
Sommermonaten kann die verbrauchte Warmwasser- Systeme mit mindestens 10-15 Quadratmetern Kollektor-
menge bestimmt werden. Je besser die Schätzung, desto fläche angeboten. Als Auslegungsziel für den solaren
genauer kann die Anlage in ihrer Leistungsfähigkeit und Deckungsgrad am Heizwärmebedarf gilt bei ähnlicher
Größe dem tatsächlichen Bedarf angepasst werden. Kollektorfläche:
Altbauten: 10-20 %
Tab. 1: Schätzung des Bedarfs an Warmwasser (45°C)
Energiesparhäuser: 25-40 %
Täglicher Warmwasserbedarf Liter pro Person und Tag
Für die Heizungsunterstützung werden Pufferspeicher
niedrig . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 - 30 zwischen 700 - 1.200 Liter benötigt.
mittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 - 50
hoch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50 - 100
10Montage, Abnahme und Inbetriebnahme
Wichtig sind vor allem die fachgerechte Abdichtung der Lassen Sie sich bei der Abnahme vom Installateur in
Dachdurchdringungen und ein geeigneter Blitzschutz. die Regelung, Bedienung und Ablesefunktionen der
Nach der Verlegung der Solarkreisverrohrung muss Solarstation einweisen. Alle Warmwasser führenden
das durchdrungene Unterdach (Unterspannbahn oder Rohrleitungen sollten gedämmt und die Leitungswege
Dampfsperre) wieder sorgfältig abgedichtet werden. beschriftet sein.
Die Art des Blitzschutzes hängt davon ab, ob eine Achten Sie darauf, dass zur Inbetriebnahme folgende
Blitzschutzanlage vorhanden ist. Existiert keine Anlage, Tätigkeiten erfolgt sind:
muss der Vor- und Rücklauf geerdet werden. Da die
Kupferleitungen in den Kollektoren mit dem Solarkreis ■ Spülen des Solarkreislaufs sowie anschließendes
verbunden sind, reicht der interne Blitzschutz (Blitz- Befüllen mit Wärmeträgerflüssigkeit und Entlüften
schutzdose für den Kollektorfühler) nicht aus, um die
Regelungselektronik bei Blitzeinschlägen und Über- ■ Messung von Frostschutz und pH-Wert
spannung zu schützen. Deshalb sollten die am Speicher
ankommenden metallischen Leitungen in den inneren ■ Dichtheitsprüfung
Blitzschutz mit aufgenommen werden. Ist eine Blitz-
schutzanlage vorhanden, muss die Solaranlage fach- ■ Einstellung von Betriebsdruck und Vordruck
männisch an diese angebunden werden. Membranausdehnungsgefäß
■ Befüllen des Speichers
■ Einstellung von Pumpe, Durchfluss und Regelung
Lassen Sie sich ein vom Installateur unterschriebenes
Abnahmeprotokoll aushändigen.
Prüfen Sie, ob alle zugehörigen Anlagenbeschreibungen
(Kollektor, Speicher, Pumpe, MAG, Solarstation) sowie
Garantie- und Gewährleistungsbescheinigungen vor-
handen sind. Ist die Abnahme erfolgt, beginnt der Ge-
währleistungszeitraum. Hinweise und Empfehlungen zur
Abnahme finden Sie unter www.gueteschutz-solar.de
Montage einer Indachanlage. Das Installationsunter-
nehmen verantwortet, dass die Montage den statischen
Anforderungen genügt und dass das Dach in seiner
Dichtheit und Wetterschutzfunktion nicht beeinträchtigt
wird.
11Fehlerquellen:
Es kann beliebig viel falsch gemacht werden
Gelegentlich müssen in den ersten Wochen noch 3. Die Entlüftung des Systems ist falsch platziert
nachträgliche Einstellungen vorgenommen werden. oder technisch ungeeignet.
Spätestens nach zwei Monaten sollte die Anlage jedoch
störungsfrei laufen. Die Gründe für länger andauernde 4. Schäden der Wärmeträgerflüssigkeit treten auf,
Fehlfunktionen liegen nach Angaben der Deutschen wenn sich diese über längere Zeit zu stark erwärmt
Gesellschaft für Sonnenenergie meist in Fehlern bei hat.
Planung (45 %) und Montage (39 %) und nur zu einem
geringeren Teil an Herstellungsfehlern (16 %). 5. Der Temperaturfühler sitzt an einer falschen oder
ungenauen Position und damit funktioniert die
Grundsätzliches: Planungs- und Montagefehler häufen Regelung nicht optimal.
sich vor allem dann, wenn die Solaranlage nachträglich
in ein bestehendes Heizsystem eingebaut wird. Leider 6. Wenn keine Schwerkraftbremse im Vorlauf oder ein
ist hier die billigste Lösung oft nicht die wirtschaftlich- Siphon in der aufsteigenden Leitung eingebaut ist,
ste. Besonders der Solarspeicher und seine Anbindung kann es zu großen Wärmeverlusten kommen.
spielen eine große Rolle.
7. Die Dämmung ist unzureichend ausgeführt, vor
Meist ist es nicht sinnvoll, den vorhandenen Speicher allem im Bereich der direkten Kollektorverrohrung,
im System zu behalten. Durch ein ungünstiges Neben- bei Durchbrüchen und bei den Speicheranschlüssen.
einander von neuem und altem Speicher kann es dazu
kommen, dass der Heizkessel ständig nachheizt, ob- 8. Die vorgeschriebene Dokumentation ist bei den
wohl warmes Wasser im Solarspeicher vorhanden ist. wenigsten Anlagen vorhanden.
Auch wenn diese Klippe umgangen wird, haben zwei
Speicher eine größere Oberfläche und damit größere 9. Die Abblaseleitung fehlt. Damit kann es zum un-
Wärmeverluste – zumeist ist der alte Speicher auch kontrollierten Austritt von Flüssigkeit und Dampf
unzureichend gedämmt. Eine sinnvolle Koppelung von kommen.
altem und neuem System, zum Beispiel durch einen zen-
tralen Solarpufferspeicher und eine optimale Regelung 10. Das Membran-Ausdehnungsgefäß (MAG) ist nicht
sorgen dafür, dass solare Wärme vorrangig verwendet richtig dimensioniert. Es steigt der Druck und
wird. Ein weiterer Punkt, der zu bedenken ist: Manchmal das Sicherheitsventil öffnet sich. Dies sollte aber
wird Solarwärme in den Rücklauf des Heizkreises ein- während der normalen Stagnationsphasen nicht
gespeist. Handelt es sich um einen Brennwertkessel, passieren und zieht Wartungsarbeiten nach sich.
bedeutet das, dass sich der Brennwerteffekt – die Über-
tragung der Abgaswärme auf das kühlere Rücklauf- 11. Es werden keine hoch hitzebeständigen Materialien
wasser – verringert und die Effizienz des Kessels sinkt. eingesetzt. Bei Hochleistungskollektoren können
Stagnationstemperaturen über 240°C auftreten.
Um Fehler zu erkennen und zu beheben, ist meist die
Hilfe eines Solarfachberaters oder Installateurs nötig. 12. Das 3-Wege-Ventil, das den Heizkreis vor Über-
Wir geben hier deshalb nur einen kleinen Überblick über hitzung schützt, ist falsch angebracht. Es sollte
die häufigsten Fehlerquellen. an der kältesten Rücklaufleitung der Heizkreise
montiert sein – nur dann werden die solaren Erträge
1. Ein Trinkwassermischer fehlt, so dass die Gefahr unterhalb der kritischen Temperaturgrenze voll
von Verbrühungen besteht. ausgeschöpft.
2. Im Solarkreis verbleibt Luft. Der Systemdruck Sprechen Sie Ihren Installateur auf diese Punkte an.
schwankt und es kommt zu Geräuschen und
Leistungseinbußen.
12Inspektion und Wartung
Klären Sie vor dem Kauf, ob ein Wartungsvertrag abge- Richtwerte für die Erträge pro m2 Kollektorfläche:
schlossen werden soll. Solarthermische Anlagen sind
in der Regel wartungsarm. Was Sie selbst tun können:
Überprüfen Sie in regelmäßigen Abständen, ob der Be- Anlagen zur Warmwasserbereitung
triebsdruck eingehalten wird und ob Kollektoren, Wär-
Flachkollektor: 350 bis 400 kWh/m2
medämmung und Leitungen sauber und unversehrt sind.
Führen Sie mehrmals im Jahr eine Funktionskontrolle Röhrenkollektoren: 450 bis 500 kWh/m2
durch, bei der Sie die Werte für Druck und Temperatur,
Reglereinstellungen sowie die Betriebsstunden der Anlagen zur Heizungsunterstützung
Solarpumpe und den Ertrag pro Quadratmeter Absor-
Flachkollektor: 250 bis 300 kWh/m2
berfläche prüfen und ablesen. Eine entsprechende Ein-
weisung und Dokumentation sollte bei der Übergabe der Röhrenkollektor: 300 bis 400 kWh/m2
Anlage erfolgen. Wenn Sie diese Punkte beachten, ge-
nügt es, nur alle 3 bis 4 Jahre eine Wartung durchführen
zu lassen. Falls kein Zähler vorhanden ist, schalten Sie im Sommer
die Heizung aus, um zu prüfen, ob die Anlage Erträge
liefert. Wenn in den Sommermonaten nicht ausreichend
Warmwasser zur Verfügung steht, ist das ein deutlicher
Hinweis darauf, dass die Anlage nicht optimal läuft.
Defektes Dämm-Material eignet sich nicht, um Wärme-
verluste an Rohrleitungen zu begrenzen. Die Dämmung
sollte alle Warmwasserrohre unversehrt und lücken-
los umschließen und muss bei Solaranlagen außerdem
hitzefest und für den Außenbereich geeignet sein.
13Qualitätskriterien
Bevor Sie einen Auftrag erteilen, sollten Sie sich infor- Zu den Vergabekriterien des Blauen
mieren und mindestens drei vergleichbare Angebote Engel zählen unter anderem:
einholen. Aus einem Angebot muss klar hervorgehen, Der jährliche Kollektorertrag (Jahres-
was angeboten wird. Pauschalangebote (»1 Stück energieertrag) bezogen auf einen
Solaranlage«) sollten Sie nicht akzeptieren. Kollektor, solaren Deckungsanteil von 40 % muss
Speicher, Solarstation, Regler, Montagesystem und MAG mindestens 525 kWh/m2 betragen. In
sowie Wärmeträgerflüssigkeit sind die Kernelemente, den Kollektoren dürfen als Wärmeträgermedium keine
die ein Angebot üblicherweise mindestens enthalten halogenierten Kohlenwasserstoffe oder andere umwelt-
sollte. Darüber hinaus unterscheiden sich die Angebote gefährliche Substanzen eingesetzt werden, Rücknahme-
jedoch sehr. Klären Sie deshalb unbedingt, was im An- garantie aller Anlagenbestandteile.
gebot noch enthalten ist, zum Beispiel:
■ Inbetriebnahmepauschale Das Schweizer Institut
prüft Kollektoren auf deren
■ Erstinspektion nach den ersten Monaten
Erträge und Wirkungsgrade
■ Kollektorverbindungen und ermittelt Kollektor-Kennlinien. Prüfresultate finden
Sie unter: www.solarenergy.ch
■ Anschlussschläuche und Verbindungsrohre
■ Nebenleistungen, wie Gerüst, Baustelleneinrichtung
Kollektoren wurden auf
Um Angebote besser prüfen und vergleichen zu können stoffliche, bauliche und
empfehlen wir die »Angebotserstellung nach den Beson- mechanische Eigenschaften
deren Güte- und Prüfbestimmungen solarthermischer geprüft. Dazu gehören
Anlagen S2 (GZ 966)« 4/2007. Die Liste finden Sie unter: unter anderem Temperatur- und Hitzebeständigkeit,
www.gueteschutz-solar.de. Sie können sich auch Refe- Schlag- und Druckfestigkeit. Weitere Infos unter:
renzanlagen vom ausgewählten Betrieb zeigen lassen www.dincertco.de
oder sich an Marktübersichten oder Tests von Fach-
zeitschriften orientieren (www.test.de, Sonne, Wind &
Wärme). Die Solar Keymark ist ein Europäi-
sches Zertifikat für Kollektoren
Zertifikate und Gütezeichen sind hilfreich, um die und Systeme und ist nach EEG
Qualität der Anlagenkomponenten zu beurteilen. Wärmegesetz vorgeschrieben. Es
Sie stellen jedoch nicht automatisch sicher, dass die zeigt dem Käufer, dass ein Produkt
Solaranlage auch insgesamt optimal funktioniert – der Europäischen Norm entspricht und regelmäßig von
dazu ist eine gute Planung und Installation notwendig. unabhängiger Seite überwacht wird. Informationen zu
Mittels einer regelmäßigen Ertragskontrolle durch diesem Siegel finden Sie unter www.solarkeymark.org
einen Wärmemengenzähler lässt sich schnell beurteilen,
ob die Anlage gut läuft.
Das TestLab Solar Thermal
Systems des Fraunhofer-Instituts
für Solare Energiesysteme ISE
in Freiburg prüft Sonnenkollek-
toren nach anerkannten nationalen und internationalen
Normen. www.kollektortest.de
14Weitere Informationen
Ausführliche Fachinformationen zum Thema solare Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet zins-
Wärme erhalten Sie beispielsweise vom Bundes- günstige Kredite zur Finanzierung größerer solarthermi-
industrieverband Haus, Energie und Umwelttechnik e.V. scher Anlagen an (ab 40 m2). Ausführliche Informatio-
(BDH), von der Deutschen Gesellschaft für Sonnen- nen: www.kfw.de
energie e.V. (DGS) und der RAL Gütegemeinschaft
Solarenergieanlagen e.V.
Internetadressen:
www.bdh-koeln.de
www.dgs.de
www.ralsolar.de
Staatliche Förderung Für Modernisierungsmaßnahmen am selbstgenutzten
Wohneigentum oder im Privathaushalt des Mieters kön-
Derzeit (2012) werden Solaranlagen zur Heizungs- nen bis zu 6.000 Euro Arbeitskosten steuerlich geltend
unterstützung in Bestandsgebäuden mit 90 Euro pro gemacht werden. 20 Prozent davon (das heißt maximal
Quadratmeter Kollektorfläche vom Bundesamt für 1.200 Euro) werden als Steuerrückzahlung gewährt.
Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gefördert. Die Förder- Dies gilt nicht bei gleichzeitiger Inanspruchnahme eines
anträge kann man beim »Bundesamt für Wirtschaft« KfW-Darlehens.
unter der Nummer: 0 61 96 / 908 - 625 anfordern oder
unter www.bafa.de herunterladen. Es müssen die
Kriterien des Umweltzeichens RAL-ZU 73 (Blauer Engel)
erfüllt werden.
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie e.V., Sonne, Wind & Wärme – Branchenmagazin für erneuerbare Energien,
Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik e.V. und die Beratungspraxis der Verbraucherzentrale.
Wir danken für Bildmaterial: Paradigma Deutschland GmbH, (S.8 oben, S. 9) SOLVIS GmbH & Co KG (S.2), Wagner & Co. Solar-
technik GmbH (S.6 oben, S. 8 unten, S. 11). Weitere Bildautoren: Bernhard Andre (S. 7), Hans Kitzerow (S. 1 und 3), Udo Rohnke/
photon-pictures.com (S. 6 links), Matthias Unnath (S.13)
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15Rat und Unterstützung Bei Fragen zum Energiesparen und regenerativen Energien sprechen Sie die Energieberaterinnen und Energieberater der Verbraucherzentrale an. In 58 Beratungsstellen und über 30 Stützpunkten in Nordrhein-Westfalen bieten unsere Energie-Experten Rat und Hilfe im persönlichen Gespräch. Eine halbstündige Beratung kostet dank Förderung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie nur 5 Euro. Den nächstgelegenen Beratungsort und die Möglichkeit einer E-Mail-Beratung finden Sie im Internet unter www.verbraucherzentrale-energieberatung.de Zum nächsten Beratungsort werden Sie bei Anruf automatisch über die Rufnummer 018 809 802 400 weitergeleitet (0,14 EUR/Min. aus dem deutschen Festnetz, abweichende Preise für Mobilfunkteilnehmer). Auf Wunsch erhalten Sie hier auch eine telefonische Energieberatung. Weitere Angebote zur Energieberatung der Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen finden Sie im Internet unter: www.vz-nrw.de/energieberatung © Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e.V., Seppel-Glückert-Passage 10, 55116 Mainz Stand 03/2012 Die Herausgabe dieser Broschüre wurde gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Herausgeber: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e.V. – Bereich Energie – Mintropstraße 27, 40215 Düsseldorf Tel.: 0211 /38 09 - 191, Fax: 0211 /38 09 - 187 energie@vz-nrw.de
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