Tierisch Toll Hilfe für Tiere in Not - Magazin für Schüler
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TIERE FINDEN TIERSCHUTZ
TIERISCH TOLL
Die Broschüre „Tierisch Toll –
Hilfe für Tiere in Not“ wurde
im Rahmen der „Animal Action
Week“ des IFAW erstellt.
Begleitend gibt es einen Film
zum Thema und für LehrerInnen
die dazu passende „Tierisch Toll“-
Unterrichtsbroschüre.
Die „Animal Action Week“ ist ein
internationales Schul- und Jugend-
projekt, bei dem SchülerInnen zwi-
schen 8 und 16 Jahren während eines
gesamten Schuljahrs zu einem
bestimmten Tier- und Artenschutz-
thema aktiv werden können.
Nehmt an unserem Wettbewerb
„Tierisch in Aktion“ teil und werdet
mit guten Ideen und etwas Glück
zum „Tierschützer des Jahres“.
© IFAW / Aniruddha Mookerjee
Informationen gibt es auf unserer
Webseite www.tierisch-toll.de.
Alle Materialien können kostenlos
beim IFAW angefordert werden
(Adresse rechts unten).
Die Animal Action Week des IFAW
Inhalt
Auf einen Blick... 3 Unsere Adresse
IFAW Internationaler Tierschutz-Fonds
Tiere aus Katastrophen retten 4-7
Stichwort AAW
Naturkatastrophen PF 104623
auf den Grund gehen 8-9 20032 Hamburg
©I FAW / Jon Hrusa
Pflege- und Auffangstationen – Unsere Faxnummer ist 040-866 500-22.
Asyl für Tiere 10-11 Oder ruft uns an unter 040-866 500-0.
Wildtiere nach Ölunfällen retten 12-14 Unsere Email ist aaw-de@ifaw.org.
Klimawandel 15
Titelbild © IFAW / Stewart Cook
Impressum 16 Gedruckt auf Recycle-Papier
2 Tierisch Toll - Hilfe für Tiere in NotW Der IFAW (Internationaler
ir Menschen teilen uns die Bei Katastrophen brauchen nicht nur
Erde mit vielen verschiedenen Menschen, sondern auch Tiere schnelle
Tierschutz-Fonds) setzt sich
Tieren. Durch Lebensraum- Hilfe. Beim IFAW gibt es deshalb ein Ret-
zerstörung, kommerzielle Ausbeutung,
seit fast 40 Jahren dafür tungsteam für Tiere in Not. Unser Maga-
Jagd oder einfach nur durch sinnlose ein, die Situation für Wild- zin „Tierisch Toll – Hilfe für Tiere in
Grausamkeit werden heute noch viele und Haustiere in der Not“ erklärt, warum es so wichtig ist, in
Tiere gequält, manche Tierarten ausge- ganzen Welt zu verbessern. Katastrophensituationen auch die betrof-
rottet oder an den Rand des Aussterbens fenen Tiere zu retten. Viele Beispiele aus
gebracht. Der Mensch hat eine mora- Wir sind auf allen Kontinenten vertreten der Praxis zeigen, was bei einer Rettung
lische Verantwortung, Tiere und Natur und eine der größten Organisationen, beachtet werden muss und wie sie am
zu schützen. Manchmal ist das aber gar die Tier- und Naturschutz vereinen und sinnvollsten durchgeführt wird. Außer-
nicht so einfach und erfordert von uns sich für ein friedliches Miteinander von dem erhaltet ihr interessante Infos zu den
eine ganze Menge Engagement! Menschen und Tieren einsetzen. Hintergründen von Naturkatastrophen.
Auf einen Blick...
©IFAW / John Wright
Hilfe für Menschen und Tiere
Es ist für jeden von uns selbstverständlich, dass
Menschen aus Katastrophen gerettet werden.
Aber auch Tiere sind Notsituationen hilflos
ausgeliefert und auf Hilfe angewiesen. Tatsäch-
lich ist in vielen Fällen Hilfe für Menschen und
Tiere sehr eng miteinander verbunden. So kön-
nen Bauern beispielsweise nicht ohne ihr Vieh
überleben. Gefährliche Tierseuchen breiten sich
in Katastrophengebieten rasend schnell aus und
gefährden dabei auch Menschen. Gemeinden,
die ihr Einkommen aus dem Wildtiertourismus
erzielen, stehen vor dem finanziellen Ruin, wenn
Naturschutzgebiete zerstört und Wildtiere getö-
tet wurden. Und denken wir einmal an die von Vorbeugung von Katastrophen
Katastrophen betroffenen Menschen: natürlich wollen auch sie, dass
Es ist wichtig im Vorfeld alles zu tun, um von Menschen verur-
ihre Haustiere gerettet werden.
sachte Katastrophen zu verhindern. Bessere Gesetze können dabei
Katastrophen können sowohl tausende von Tieren gefährden oder helfen. Oft ist jedoch sehr viel Druck von Seiten der Öffentlichkeit
– ebenso dramatisch – nur wenige oder einzelne Tiere betreffen. notwendig, um Gesetzesänderungen herbeizuführen.
Rettungseinsätze für Tiere sind nicht nur bei Naturkatastrophen, wie Leider kommt die Einsicht, dass strengere Gesetze erforderlich
Hurrikans, Flutkatastrophen, Vulkanausbrüchen oder Erdbeben not- sind, oft erst dann, wenn eine Katastrophe schon passiert ist.
wendig, sondern auch bei vom Menschen verursachten Katastrophen,
wie Ölunfällen, Waldbränden, ja sogar in Kriegsgebieten. Vorbereiten auf den Ernstfall
Für einen erfolgreichen Rettungseinsatz ist am wichtigsten, vor-
Einsatz bei Notfällen bereitet zu sein. Deshalb werden mit Regierungen, Industrie und
Das Tierrettungsteam des IFAW ist weltweit im Einsatz. Immer muss internationalen Behörden so genannte Notfallpläne entwickelt,
es für den Ernstfall bereit sein. Bei einem Einsatz ist es sehr wichtig, die auf wissenschaftlich erprobten Verfahrensweisen beruhen.
mit Organisationen und Behörden vor Ort zusammenzuarbeiten. Während eines Rettungseinsatzes bietet sich meist die Gelegenheit,
Manchmal ist die Hilfe von tausenden freiwilligen Helfern erforder- die Bevölkerung vor Ort so zu schulen, damit sie für zukünftige
lich, in anderen Fällen reicht ein kleines Team von Spezialisten. Krisensituationen besser gewappnet ist.
Rehabilitation Rettungseinsätze in der Zukunft
von Tieren in Auffangstationen In den letzten Jahrzehnten konnte bei Rettungseinsätzen vielen
In vielen Fällen reicht es nicht aus, die Tiere nur aus der Notsitua- tausend Tieren geholfen werden. Die Fachkenntnisse der beteiligten
tion zu retten. Oft ist es notwendig, sie in Auffangstationen unter- Teams sind dabei von Jahr zu Jahr gewachsen. Diese Erfahrung
zubringen. Dort werden sie so lange gesund gepflegt (rehabilitiert), wird bei zukünftigen Einsätzen dazu beitragen, noch mehr Men-
bis sie wieder in der Lage sind, alleine in der Freiheit zu überleben. schen und Tiere zu retten.
Tierisch Toll - Hilfe für Tiere in Not 3Tiere aus Katastrophen retten
Wenn sich irgendwo auf der Welt eine Naturkatastrophe ereignet, müssen Einsatzkräfte schnell zur Stelle sein.
Neben den vielen internationalen Hilfsorganisationen für Menschen arbeiten auch Tierschutz-Organisationen
wie der IFAW, um die Tiere zu retten.
Die Arbeit bei Katastropheneinsätzen
fordert die ganze Kraft der Helfer. Sie
müssen tagelang unter schwierigsten
Bedingungen arbeiten. Selbst
©IFAW/Stewart Cook
„einfache Dinge“ – wie miteinander
Kontakt zu halten – werden in
Ausnahmesituationen schwierig.
D er erste Schritt bei einer Rettungsaktion ist, mög-
lichst schnell das Ausmaß der Katastrophe ein-
zuschätzen und herauszufinden, welche Gebiete
betroffen sind. Als nächstes werden erfahrene Einsatzkräfte
in das entsprechende Katastrophengebiet entsandt. Das
Leben zu retten, ist die Hauptaufgabe bei jedem Einsatz.
Darum bringen die Einsatzkräfte zunächst so viele Tiere wie
möglich aus dem Katastrophengebiet in Sicherheit. Anschließend
werden kranke und verletzte Tiere medizinisch versorgt. Wildtiere
werden in ambulanten Pflegestationen rehabilitiert. Sie erhalten
Team verschafft sich einen Überblick über die Lage vor eine besondere Versorgung, bis sie wieder gesund und kräftig
Ort und entscheidet, welche Schritte für den weiteren sind. Erst dann können sie in die Freiheit entlassen werden.
Einsatz nötig sind.
Bei jedem Einsatz gilt: Die Gesundheit und Sicherheit der Helfer
Sobald das Team einen Einsatzplan erstellt hat, kann die kommt zuerst! Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften müssen
Rettungsaktion beginnen. Ein Grundsatz des IFAW ist, in jeder Situation eingehalten werden, denn nur gesunde Helfer
eng mit den zuständigen Behörden sowie mit lokalen können Menschen und Tiere retten. Ein Rettungsteam besteht
Tierschutzorganisationen und freiwilligen Helfern zusam- aus unterschiedlichen Spezialisten, wie Tierärzten, Rehabilitati-
menarbeiten. Für den Erfolg der Rettungsarbeiten ist es onsfachkräften und Fachpersonal, das sich z.B. um Logistik und
wichtig, dass alle Beteiligten Hand in Hand arbeiten. Kommunikation kümmert.
4 Tierisch Toll - Hilfe für Tiere in NotRetter für
Tiere in Not
©IFAW/Stewart Cook
Ein Fallbeispiel
©IFAW / Nick Jenkins
Hurrikan Katrina, USA
Inis Zelaya war zwölf Tage lang in
den Fluten eingesperrt, die New
Im August 2005 wütete der Hurrikan Orleans nach dem Hurrikan Katrina
Katrina in den Südstaaten der USA.
überschwemmten. Immer wieder
Große Teile der Stadt New Orleans
setzte sie ihr eigenes Leben aufs
wurden durch Überschwemmungen
zerstört. Spiel, als sie auf einer Leiter zwischen
zwei Häuserfenstern hin und her
Viele Menschen starben und mehr als kletterte. Durch ihren mutigen
© IFAW / Stewart Cook
eine Million Einwohner wurden evaku-
und selbstlosen Einsatz konnte
iert. Inmitten dieser schlimmen humani-
sie 21 Hunden das Leben retten.
tären Katastrophe fand auch eine große
Rettungsaktion für Tiere statt.
Zehntausende von Menschen mussten
ihre Tiere zurücklassen. Pferde, Hunde,
Katzen und viele andere Tiere konnten
die Bewohner bei ihrer Evakuierung
nicht mitnehmen.
Damit Besitzer und Tier wieder
Der IFAW und andere Tierschutz- zusammengeführt werden konnten,
organisationen schickten Rettungs- richteten die Helfer ein Internet-
© IFAW / Nick Jenkins
teams zu diesem Großeinsatz. Die forum ein. Dort stellten sie eine
Helfer benutzten Boote, um sich auf Beschreibung des jeweiligen Tieres
den überfluteten Straßen New Orleans mit seinem Foto ein. Dank dieser
fortzubewegen. Die Einsatzleitung rich- groß angelegten Aktion konnten
tete sich in speziell für Katastrophen- viele Tierhalter ihr Tier wieder fin-
einsätze entwickelten LKWs ein. Um den. Weil es sehr heiß war, transpor-
die Aufgaben zu bewältigen, schafften tierte man die Tiere in klimatisierten
die Organisationen riesige Vorräte an LKWs oder mit dem Flugzeug.
Tierfutter und Medikamenten herbei.
Am Beispiel des Hurrikan Katrina Darnell Stewart führte 23 Pferde und
In der Umgebung von New Orleans haben wir gesehen, wie die Ret- Maultiere aus den Fluten des Hurrikan
entstanden riesige Auffangstationen für tung von Tieren auch das Leid der
Katrina. Die Tiere waren in dem
die Tiere. Helfer konnten tausende von Menschen verringern kann. Die
Stall eingeschlossen, in dem Darnell
Tieren retten und in die Stationen brin- Überlebenden der Katastrophe, die
gen. Mehr als einen Monat lang arbei- oft alles verloren hatten, schöpften arbeitete. Fünf Tage lang war Stewart
teten unzählige Tierärzte und Freiwillige neue Hoffnung und Kraft, als sie für die Rettungsaktion bis zum Hals
rund um die Uhr, um die geretteten ihr geliebtes Tier wieder in den im Wasser und kämpfte, um die Tiere
Tiere zu versorgen. Armen hielten. am Leben zu erhalten.
Tierisch Toll - Hilfe für Tiere in Not 5© IFAW / I. Ahmed
Naturkatastrophe Tsunami
Wie entsteht sie?
T
sunamis zählen zu den verheerenden Natur- In Küstennähe – wenn das Wasser flach wird –
katastrophen. Das Wort „Tsunami“ stammt steigt die Höhe und Geschwindigkeit der Welle.
aus dem Japanischen und bedeutet soviel wie Die Energie des Tsunami steigert sich, bis er mit
Hafenwelle (tsu: Hafen, nami: Welle). Es handelt sich voller Wucht auf die Küste auftrifft. Ein Tsunami
um eine Meereswoge, die sich sehr schnell ausbreitet. hat meist eine Wellenhöhe von zehn Meter, je
In den meisten Fällen wird sie durch Erdbeben auf nachdem, wo er auf die Küste trifft.
dem Meeresgrund (sogenannte Seebeben) ausgelöst.
In seltenen Fällen entstehen Tsunamis auch
durch eine plötzliche Verdrängung großer
Wassermassen, verursacht etwa durch Vul-
kanausbrüche, Unterwasserlawinen oder
Meteoriteneinschläge. Tsunamis treten am
häufigsten im Pazifik auf. Im Gegensatz zu
Wellen, die durch Stürme erzeugt werden,
bewegt sich bei einem Tsunami die gesamte Wasser- Typischerweise zieht sich vor dem Eintreffen des
säule, vom Meeresboden bis zur Wasseroberfläche. Tsunami das Wasser erst einmal von der Küste
zurück. Ganz plötzlich ist also das Meer „weg“ –
Die Geschwindigkeit eines Tsunamis hängt von
wie bei der Ebbe an der Nordsee, nur viel schneller.
der Meerestiefe ab: Je tiefer umso schneller ist er.
Auf dem freien Meer kann die Ausbreitungsgeschwin- In diesem Moment sind es nur noch wenige Minu-
digkeit 800 km/h betragen, vergleichbar mit der Rei- ten, bis der Tsunami auf die Küste trifft. Menschen
segeschwindigkeit eines Flugzeuges. Tsunamis können und Tiere, die sich jetzt noch in Reichweite der
innerhalb weniger Stunden ganze Ozeane durchque- Welle befinden, sind in höchster Lebensgefahr.
ren, ohne bemerkt zu werden.
6 Tierisch Toll - Hilfe für Tiere in NotEin Fallbeispiel
Der Tsunami in Südostasien
© IFAW / Anton Johnson
© IFAW
Der Tsunami brach am 26. Dezember 2004 über Südostasien herein und zerstörte ganze
Küstenregionen. Es war die schlimmste Naturkatastrophe der letzten Jahre – mehr als 280.000
Menschen kamen ums Leben.
Neben der menschlichen Tragödie Klauenseuche oder Tollwut. Ohne die- Das IFAW-Rettungsteam hatte die
befanden sich auch die Tiere in den sen Einsatz hätten noch mehr Men- Lösung und brachte überlebenswichtige
betroffenen Gebieten in einer furchtba- schen und Tiere an den Folgen dieser Medikamente, Futtermittel und Impfstoffe
ren Notlage. Auch zum Wohl der über- Krankheiten sterben können. für die Tiere ins Katastrophengebiet.
lebenden Menschen galt es, diese Tiere Die Rettungsteams arbeiteten in den In den Küstenregionen von Nord- und
aus dem Krisengebiet zu retten. Gebieten, die am stärksten betroffen Süd-Madras sowie in der Gegend von
In vielen, vom Tsunami getroffenen waren: in Indien, Sri Lanka, Thailand Mahabalipuram wurden mit Hilfe einer
Gegenden leben die Menschen von und Indonesien. mobilen Tierklinik insgesamt 1.500
der Viehwirtschaft. Um die Zukunft Nutztiere geimpft.
In Indien wurde eine Rettungs- und
der Bauern zu sichern, rettete der Impfaktion für die Tiere gestartet. In Sri Lanka impften Tierärzte-Teams tau-
IFAW ihre Viehherden und versorgte Helfer versuchten, neue Weideplätze sende von Hunden und Katzen – sowohl
sie tierärztlich. für das gerettete Vieh zu finden. Haustiere als Streunende.
Der Ausbruch von Seuchen war eine Die Insel MRG Thittu in der Küsten- In Thailand versorgten Rettungskräf-
große Gefahr. Um diese zu bannen, region von Tamil Nadu in Indien war te hunderte obdachloser Hunde und
impften die Helfer zehntausende von vollkommen zerstört. Die verbleiben- Wildschweine mit Futter, impften und
Nutz- und Haustieren gegen gefährli- den Bewohner klagten: „Wer küm- entwurmten die Tiere. Die geretteten
che Krankheiten – wie Maul- und mert sich jetzt um unser Vieh?“ Katzen wurden kastriert.
Tierisch Toll - Hilfe für Tiere in Not 7Natur-„Katastrophen“
auf den Grund gehen
Auf den vorausgegangenen Seiten habt ihr sehr viel über die verheerenden Auswirkungen von
Naturkatastrophen erfahren. Aber wodurch entstehen denn eigentlich diese Naturereignisse?
Bei Naturkatastrophen denken
wir an Stürme, Erdbeben oder
Vulkanausbrüche, bei denen
Menschen ihre Unterkunft
oder ihr Leben verlieren.
Man darf aber nicht vergessen,
dass es sich oft um Ereignisse
© IFAW / M.Booth
handelt, die zum Lauf der
Natur gehören.
Hilfe, da brennt’s
Wenn Feuer ungewollt entsteht und zerstörerisch wirkt, spricht Kameras aufgestellt, die jede Rauchentwicklung im Umkreis von bis
man von einem Brand. Viele von euch haben bestimmt schon zu 40 km erkennen und an die jeweilige Waldbrandzentrale melden.
einmal Bilder von riesigen brennenden Waldflächen gesehen.
Die Waldbrandgefahr wird über den so genannten Waldbrandindex
Wie kommt es zu solchen Waldbränden? ermittelt. Die Kieferwälder in Brandenburg und Mecklenburg-
Vorpommern beispielsweise bergen bei Trockenheit ein besonders
In überwiegend trockenen Gegenden werden Waldbrände auch
hohes Waldbrandrisiko. Häufig trägt der Mensch eine Mitschuld
natürlicherweise durch Blitzeinschlag verursacht. Viele Wald-
an diesem Risisko, da er aus wirtschaftlichem Interesse auf riesigen
brände haben jedoch keine natürliche Ursache. Der Mensch
Flächen dieselbe Nadelbaumart (z.B. Fichte oder Kiefer) anpflanzt.
verursacht den Beginn eines Waldbrandes oft durch seine
Derartige, künstliche Monokulturen sind viel anfälliger für Brände
Gedankenlosigkeit. Unachtsam weggeworfene Zigarettenkippen,
als ein naturnaher, artenreicher Laub-Mischwald.
liegen gelassene Glasscherben (die in der Sonne wie ein Brenn-
glas wirken und die trockene Umgebung entzünden), auf dem In Deutschland gibt es je nach Bundesland vier bis fünf Waldbrand-
Waldboden abgestellte Autos oder Motorräder (heiße Kataly- stufen. Achtet immer darauf, welche Waldbrandstufe gerade herrscht,
satoren) sind nur einige Beispiele. Häufig wird der Wald auch bevor ihr in den Wald geht und verhaltet euch entsprechend vorsich-
absichtlich angezündet, um beispielsweise an günstiges Bauland tig. Im Wald ist es allerdings immer verboten, ein Feuer zu entzünden.
zu kommen. Diese Brandstiftungen können zu schweren ökolo-
Wenn durch einen Brand große Flächen von Wald vernichtet
gischen Schäden führen, wie beispielsweise im Sommer 2007 in
werden, bricht das Ökosystem Wald zusammen. Aber das bedeutet
Griechenland und auf den Kanarischen Inseln.
nicht, dass diese Flächen für immer zerstört sind. Schon bald
Um katastrophale Waldbrände zu verhindern, ist es wichtig den siedeln sich wieder erste Pflanzen auf der verbrannten Erde an.
Brand rechtzeitig zu erkennen. In Deutschland werden seit ein Natürliche Brände werden als ein Bestandteil in der natürlichen
paar Jahren in einigen Bundesländern Waldbranderkennungs- Entwicklung eines Waldes gesehen. Es gibt Pflanzengesellschaften,
systeme eingesetzt. Hierzu werden Beobachtungstürme mit die für das Aussamen und/oder Auskeimen Feuer brauchen!
8 Tierisch Toll - Hilfe für Tiere in NotWind ist, wenn die
Luft spazieren geht
Wind entsteht, wenn in der Atmosphä-
re – verursacht durch unterschiedliche
Temperaturen der Erdoberfläche und
der Luftmassen – unterschiedliche
Luftdrücke herrschen.
Zwischen einem Gebiet mit hohem
Luftdruck (Hochdruckgebiet) und
einem mit tiefem (Tiefdruckgebiet) ist
die Luft stets bestrebt, einen Druckaus-
gleich herzustellen. Diese Luftbewegun-
gen sind Wind. Je größer der Druck-
unterschied zwischen den Regionen ist,
umso stärker bläst der Wind.
Starke Winde und Stürme können gro- Ihr könnt euch den Hurrikan also nen, wochenlang bestehen und Flächen von
ßen Schaden anrichten. Zu den beson- vorstellen wie eine Luftspirale, die sich tausenden Quadratkilometern verwüsten.
ders gefährlichen Windsystemen zählen mit rasender Geschwindigkeit um sich Sie entstehen auf der Nordhalbkugel unserer
tropische Wirbelstürme. Charakteristisch selbst dreht und sich dabei verhältnis- Erde vor allem zwischen Juli und November.
für Wirbelstürme ist, dass sich die Luft mäßig langsam vorwärts bewegt. Auf der Ihre Auswirkungen können für Menschen,
in einer senkrechten Drehachse von Nordhalbkugel drehen Hurrikane sich Tiere und Pflanzen sehr gefährlich, oft sogar
unten nach oben saugt und dabei enor- entgegen dem Uhrzeigersinn, also links tödlich sein.
me Kräfte entwickelt. herum, auf der Südhalbkugel mit dem
In Mitteleuropa und auch in Deutschland
Uhrzeigersinn, also rechts herum.
Je nachdem, in welcher Region der können sich im Herbst und Winter Orka-
Erde sie auftreten, werden tropische Der Hurrikan geht auch mit heftigen ne entwickeln und massive Verwüstungen
Wirbelstürme als Hurrikan, Taifun oder Gewittern und Niederschlägen einher anrichten. Als Orkan werden Winde mit
Zyklon bezeichnet. Hurrikane treten und reißt alles mit, was er zu fassen Geschwindigkeiten von mindestens 118 km/h
im Atlantik sowie im Nord- und Süd- bekommt. Im Zentrum des Sturms bzw. 64 Knoten bezeichnet. Sie treten vor
pazifik auf. Sie drehen sich mit einer befindet sich eine wind- und nieder- allem auf See, in Küstenregionen oder auf
Windgeschwindigkeit von mindestens schlagsfreie Zone, das sogenannte Auge. Berggipfeln auf. Im Landesinneren sind sie
118 km/h um das Zentrum eines Tief- Hurrikane können sich im Durchmesser eher selten.
druckgebietes, bewegen sich aber nur über hunderte von Kilometern ausdeh-
mit ca. 30 km/h fort.
Wenn die Erde bebt
Die Erdoberfläche besteht aus ein- Sinne einer Naturkatastrophe denken,
zelnen, sich voneinander unabhängig dann sind diese Erschütterungen der
bewegenden Platten. Diese Bewegun- Erde so stark, dass sie Häuser und
gen sind zwar sehr langsam, können andere Gebäude zerstören können.
aber dazu führen, dass die aneinander
Menschen und Tiere, die sich nicht
reibenden Platten sich verhaken.
rechtzeitig in Sicherheit bringen konn-
Dann baut sich eine Spannung auf,
ten, laufen Gefahr, unter den einstür-
die sich ruckartig lösen kann. Die
© IFAW / D.Darcy
zenden Gebäuden begraben oder auf
Erde bebt.
der Flucht durch herunterfallende
Messbare Erschütterungen der Gegenstände verletzt zu werden.
Erdoberfläche bezeichnet man als Erd- Solche Beben können aber auch
beben. Wenn wir an ein Erdbeben im Erdrutsche oder Tsunamis auslösen.
Tierisch Toll - Hilfe für Tiere in Not 9Pflege- und Auffangstationen
Asyl für Wildtiere: Rehabilitation und Auswilderung
Wenn Tiere aus einer Notsituation gerettet werden, brauchen sie erst einmal ein vorübergehendes Zuhause.
© IFAW / Rebecca Janes
Auffangstationen bieten Wildtieren
eine vorübergehende Unterbringung.
Sie können sich hier erholen, bevor
sie wieder frei gelassen werden.
E gal, ob man Bären mit Hubschraubern aus einem
Krisengebiet befreit oder Elefantenwaisen rettet,
die anschließende Versorgung der Tiere in einer
Auffangstation ist ein entscheidender Bestandteil jeder
Rettungsaktion. Manchmal muss eine große Anzahl von
In den vergangenen Jahren haben Fachleute große Fortschritte gemacht und
weitere Erfolge bei der Rehabilitation und Rettung von Tieren erzielt. Manche
Tierarten haben heute gute Aussichten erfolgreich ausgewildert zu werden.
Noch vor wenigen Jahren hatten Experten ihnen kaum Chancen eingeräumt.
Wissenschaftler haben festgestellt, dass es oft am besten ist, wenn die Tiere
Wildtieren untergebracht werden, in anderen Fällen benö-
so wenig Kontakt wie möglich zum Menschen haben. Nur so kann verhin-
tigt nur ein einziges Tier Hilfe. Im gleichen Maße wie
dert werden, dass sich Wildtiere zu stark an den Menschen gewöhnen und
Naturkatastrophen können auch menschliche Aktivitäten
am Ende von ihm abhängig sind oder gar ihre Furcht vor dem Menschen
verheerende Auswirkungen auf Wildtiere haben. Durch
verlieren. Deshalb befinden sich Rettungs- oder Auffangstationen oft in
Jagd, Lebensraumverlust, Wildtierhandel und kommerzi-
abgelegenen und schwer erreichbaren Gegenden.
elle Ausbeutung sind Wildtiere heute immer wieder gro-
ßen Gefahren ausgesetzt. Es ist nicht immer einfach, einen geeigneten Platz für die Auswilderung zu
finden. Der Ort für die Freilassung muss so gewählt werden, dass er den
Wie lange es dauert, bis ein Wildtier rehabilitiert, also
Tieren einerseits einen geeigneten Lebensraum und genügend Nahrung bie-
wieder vollständig gesund ist, und wann die Auswilderung
tet und andererseits fern ab von menschlichen Aktivitäten liegt.
erfolgen kann, hängt sehr stark vom einzelnen Tier ab,
aber auch von der jeweiligen Tierart. Manche Tiere kön- Dafür müssen Tiere manchmal über große Entfernungen transportiert
nen nach ein paar Tagen oder Wochen schon wieder frei werden, ehe sie frei gelassen werden können. Auch der Zeitpunkt der Frei-
gelassen werden. Andere brauchen jahrelange Pflege und lassung muss gut gewählt sein, da manche Tiere zu bestimmten Zeiten wan-
eine schrittweise Wiedereingliederung in ihren natürli- dern oder Winterschlaf halten.
chen Lebensraum.
Engagierte und qualifizierte Leute, wie Tierärzte und
© IFAW / Alexander Lyskin
erfahrene Wildtierpfleger, sind wichtige Mitarbeiter in
einer Auffangstation – insbesondere wenn es sich um ver-
waiste, verletzte oder traumatisierte Tiere handelt.
10 Tierisch Toll - Hilfe für Tiere in NotAuffangstation für Wildtiere in Indien
Das Zentrum für Wildtierrehabilitation (CWRC) in Assam/Indien kümmert sich um
verwaiste Elefanten und Nashornkälber, aber auch um viele andere Wildtiere.
Diese Einrichtung ist die erste ihrer Art in Fast ein Jahr später wurden zwei wei-
Indien und als Fachzentrum für Rettung tere weibliche Nashornkälber, Manasi
und Rehabilitation von Wildtieren aner- und Roje genannt, in das große Frei-
kannt. gehege im Nationalpark transportiert.
Dort wurden alle drei auf ihre Freilas-
Vom CWRC aus werden auch die Ret-
sung in die Wildnis vorbereitet.
tungsteams in der Region koordiniert. Sie
bringen die geretteten Tiere in das Wild-
tierzentrum. Nordostindien ist eine der
Dies war eine Premiere für Indien.
Die Nashornkälber wurden mit Hals-
Retter für
Regionen mit der größten Artenvielfalt
auf der Welt. Doch jährlich wiederkeh-
bandsendern ausgestattet, damit man
sie nach ihrer Freilassung überwachen
Tiere in Not
rende Überschwemmungen und Eingriffe kann. Als nächstes ist geplant, die
des Menschen wie die Wilderei, gefähr- jungen Nashorndamen mit einem
den die Artenvielfalt. Nashornmännchen aus der Wildnis zu
vergesellschaften. Die Regierung von
Viele Wildtiere wandern deshalb aus
Assam hofft so, die Nashornpopulation
der Region ab. Dabei können sie sich
langsam wieder aufbauen zu können.
verirren, in Verkehrsunfällen verletzt
oder getötet werden oder dem illegalen Außerdem ist geplant, noch im Jahr
Wildtierhandel zum Opfer fallen. Das Ziel 2007 neun verwaiste Elefantenkälber
der Auffangstation ist es, alle geretteten aus dem Wildtierzentrum in den Manas
© IFAW / Richard Sobol
Tiere wieder zurück in ihren natürlichen Nationalpark zu transportieren. Dies
Lebensraum zu bringen. wäre die erste Auswilderng von Elefan-
ten in Indien.
2006 gelang es, ein Nashornkalb mit der
Hand aufzuziehen und im Manas Natio- Auch die Elefantenkälber werden mit
nal Park in Assam auszuwildern. Dies war Halsbandsendern zur Überwachung aus-
ein einzigartiger Durchbruch in der Wild- gestattet ehe sie frei gelassen werden.
tierrettung und -rehabilitation in Asien. Zunächst werden sie nur tagsüber frei
im Nationalpark umherlaufen, um die
Früher beherbergte der Manas National
Wildnis zu erkunden und nach Futter zu Nachdem er seine Karriere zunächst als
Park einmal mehr als 100 Nashörner.
suchen. Man hofft, dass sie dabei auch
Alle diese Tiere fielen der Wilderei oder Berufsjäger begonnen hatte, entschied
mit wilden Elefanten in Kontakt kom-
dem Verlust ihres Lebensraums zum sich der heute 70 Jahre alte Professor
men. In der Nacht kommen sie zurück
Opfer. Pazhetnov sein Leben der Rettung,
in ein spezielles Rehabilitationszentrum,
wo sie sich ausruhen können. Erforschung und Rehabilitation von
Braunbären in Russland zu widmen.
Auffangstation für verwaiste Bären in Russland Zusammen mit seiner Familie
gründete er ein Zentrum für verwaiste
Ein bemerkenswertes Projekt in Russland rettet verwaiste Bärenjungen und Bärenjunge und wilderte bis jetzt über
wildert sie erfolgreich wieder aus.
120 Bären wieder aus.
Jedes Jahr zahlen wohlhabende Jäger kontakt zwischen den Pflegern und den Professor Pazhetnov ist international
tausende von Euro, um Braunbären aus Tieren wird streng vermieden und sie
ihrem Winterschlaf zu reißen und zu hoch angesehen und wird für seine
werden nur mit Handschuhen angefasst.
erschießen. Zurück bleiben die Bären- Denn die Bären sollen sich nicht an den Arbeit und seine Vorlesungen auf der
jungen, die ohne ihre Mütter kaum Menschen gewöhnen. ganzen Welt geschätzt.
Überlebenschancen haben.
Mit ungefähr drei Monaten kommen
Seit mehr als 20 Jahren haben Professor die Bärenjungen in ein Freiluftgehege
Valentin Pazhetnov und seine Familie im Wald. Die Gatter werden während
solche verwaisten Bärenjungen erfolgreich des Tages offen gelassen, so können die
mit der Hand aufgezogen. Bären ihre Umgebung erkunden. Damit
sie lernen, sich selbst zu ernähren, wird
Über 120 Bären konnten sie bereits
nur wenig Futter angeboten.
wieder in die freie Wildbahn entlassen.
Valentin ist ein weltbekannter Braunbär- Mit sieben oder acht Monaten werden
spezialist. Er erforscht ihr Verhalten seit die Bärenjungen in Schutzgebieten
über 40 Jahren. ausgewildert, in denen es nur wenige
Braunbären gibt.
Bärenjungen werden meistens im Januar
oder Februar geboren. Bei der Aufzucht Damit man ihre weitere Entwicklung ver-
© IFAW / Sergey Pazhetnov
von Hand werden sie fünf Mal täglich folgen kann, bekommen die Bärenjun-
mit der Flasche gefüttert. Massagen nach gen eine Kennzeichnung an den Ohren
der Fütterung helfen bei der Verdauung. und einen Halsbandsender.
Spezielle Decken halten die Bären warm.
Professor Pazhetnov beabsichtigt, bei
Die kleinen Bären schlafen die meiste Zeit ähnlichen Projekten in West- und Ost-
über, aber kurz vor der Fütterung werden europa zu helfen, damit die Braunbären
sie aktiv. Die Pazhetnovs sprechen nicht, in Gebiete zurückkehren können, in
wenn sie mit den Bären arbeiten. Körper- denen man sie kaum noch antrifft.
Tierisch Toll - Hilfe für Tiere in Not 11Wildtiere
nach Ölunfällen retten
Ölunfälle gehören zu den schlimmsten vom Menschen verursachten Katastrophen, denen Wildtiere hilflos
ausgeliefert sind. Jedes Jahr sterben weltweit hunderttausende von Seevögeln und anderen Meerestieren.
© IFAW / Jon Hrusa
E in Ölteppich kann entstehen, wenn ein Schiff unter-
geht und dabei Öl verliert. Oft entstehen Ölteppiche
aber auch dadurch, dass Schiffe absichtlich Öl ins Meer
ablassen. Tatsächlich verschmutzen jedes Jahr über eine Million
Tonnen Öl die Meere. Egal aus welchem Grund Öl ins Meer
organisationen sowie mit Regierungsbehörden und der Industrie
zusammen. Auch nach Abschluss des Einsatzes ist die Arbeit
der Rettungskräfte zum Teil noch nicht beendet: Sie schulen
interessierte Menschen vor Ort. Sie helfen den lokalen Behör-
den, Notfallpläne zu entwickeln, damit diese in Zukunft besser
gelangt, der Schaden für die betroffenen Gebiete, die Umwelt auf Ölunfälle reagieren können, und beraten sie, wie sie solche
und die Wildtiere ist verheerend. Unfälle verhindern können.
Helfer fangen verölte Vögel an den Stränden ein oder retten sie Kommt es zu einem Ölunfall, macht der IFAW auch die
mit Booten aus dem Meer – und bringt sie zur mobil aufgebau- Öffentlichkeit auf die Folgen aufmerksam. Die Hoffnung:
ten Rettungs- und Rehabilitationsstation. Durch öffentlichen Druck werden endlich strengere Gesetze
zum Schutz der Meere vor Ölverschmutzung erlassen. Und die
Hier werden die Wildtiere rehabilitiert, also gesund gepflegt.
Schiffsbetreiber werden besser überwacht und zum Einhalten
Fachkräfte mit speziellen Kenntnissen in Tiermedizin, Biologie
der Gesetze gezwungen.
und Rehabilitation kümmern sich um die Ölvögel. Nicht selten
verbringen die Rettungskräfte mehrere Wochen oder Monate in In manchen Regionen sind noch Einzelhüllentanker erlaubt.
solchen Rettungsstationen: Sie koordinieren den Rettungseinsatz Und das, obwohl diese Tanker – wenn sie untergehen – ein viel
und arbeiten eng mit vor Ort ansässigen Tierschutz- und Hilfs- höheres Risiko bergen, Öl zu verlieren als Doppelhüllentanker.
12 Tierisch Toll - Hilfe für Tiere in NotEin Fallbeispiel
Retter für
Tiere in Not
Ölunfall der „Treasure“ vor Südafrika
Die größte Rettungsaktion für verölte
Vögel fand statt, als im Juni 2000 das
Schiff „Treasure“ vor Südafrika sank
© IFAW / Vincent DeWitt
und mehr als 1.100 Tonnen Schweröl
aus seinen zerstörten Tanks ins Meer
liefen.
Das IFAW-Rettungsteam schloss sich
mit der afrikanischen Organisation
SANCCOB (Southern African Found-
ation for the Conservation of Coastal
Birds) zusammen. Über drei Monate
leiteten die beiden Organisationen die Ian Robinson ist Tierarzt und Chef
© IFAW / Jon Hrusa
Rettungsarbeiten, bei denen mehr als des Rettungsteams des IFAW. Er hat
60 verschiedene Gruppen und 15.000 nicht nur die Verantwortung für alle
Freiwillige koordiniert werden mussten. Einsätze weltweit, sondern ist auch
selbst oft vor Ort. Immer ist er mitten
Mehr als 19.000 der seltenen Brillenpin-
guine konnten so gerettet werden. im Geschehen, ob beim Großeinsatz
für Ölvögel oder im Wasser, um einem
Im Gebiet zwischen Dassen und Rob- gestrandeten Wal zu helfen.
ben Island, in dem das Frachtschiff
sank, leben ca. 73.000 Brillenpinguine.
Das sind über 40% der weltweiten
Population dieser Pinguinart, die vom
Aussterben bedroht ist. Neun von zehn
geretteten Pinguinen überlebten. Ein
wirklicher Erfolg! Mehr als 360 Tonnen Fisch wurden
insgesamt an die Pinguine verfüttert.
In nur drei Tagen wurde eine riesige
Jeden Tag halfen ca. 1.000 Freiwillige
leerstehende Lagerhalle in ein Rettungs-
bei der Rettungsaktion. Während des
zentrum verwandelt. Hier versorgten die
Einsatzes arbeiteten die Helfer insge- © IFAW / John Wright
Einsatzkräfte 20.000 verölte Vögel.
samt mehr als 550.000 Stunden.
Die geretteten Pinguine waren vollkom-
Um zu verhindern, dass bereits gesäu-
men ausgetrocknet und unterkühlt. Sie
berte Pinguine erneut in den Öltep-
mussten warm gehalten und mit Son-
pich gerieten, transportierten die
den ernährt werden, bevor sie wieder
Rettungsteams tausende von Tieren
alleine Fisch fressen konnten.
800 km nach Osten, bevor sie in der
Tierärzte überprüften die Blutwerte der Nähe von Port Elizabeth wieder frei
Pinguine. Erst als sie wieder bei Kräften gelassen wurden. Seit über 30 Jahren ist Jay Holcomb bei
waren, begannen die Helfer mit dem Ölunfällen rund um die Welt im Einsatz.
Wichtige Voraussetzung für den
langwierigen Waschprozess. Nach dem Dabei hat er nicht nur zehntausende
reibungslosen Ablauf war eine gute
Waschen wurden die Tiere in kleine Pools verölter Vögel gerettet, sondern auch
Teamarbeit. Dafür waren alle wichtig:
gesetzt, bis ihr Gefieder vollkommen was- zu wichtigen Fortschritten bei der
Wissenschaftler, Planer, Rehabilita-
serundurchlässig war. Erst dann konnten Behandlung dieser Vögel beigetragen.
tionsfachkräfte, Tierärzte, Manager,
die Tiere wieder freigelassen werden.
Naturschutzbeauftragte, Fundraiser, Jay leitet die Spezialeinheit für Ölunfälle
Allein das Füttern der Pinguine war eine freiwillige Helfer und Journalisten – des IFAW und dessen Partnerorganisation
anstrengende Aufgabe. Jedem einzel- alle haben zusammengearbeitet, um IBRRC (International Bird Rescue Research
nen Tier mussten mindestens vier Fische diese heldenhafte Leistung zu voll- Center), ein Forschungszentrum zur
pro Tag zwangsgefüttert werden. bringen. Rettung von Vögeln.
Tierisch Toll - Hilfe für Tiere in Not 13Ölvogel-Einsatz in Estland
Ein Tagebuch
6. Februar 2006: Anruf von Ian Robinson, Chef des IFAW-
Tiernotrettungsteams: Ich soll mich so schnell wie möglich
auf den Weg nach Estland machen. Noch am selben Abend
reise ich ab.
7. Februar 2006: Ankunft in Tallinn. 20 Grad minus, aber
sonnig. Nach kurzer Lagebesprechung fahren wir nach Keila,
©IFAW/Rebecca Janes
etwa eine halbe Stunde von Tallinn entfernt. Meine Kollegen
vom Notrettungsteam sind bereits vor Ort und arbeiten
daran, aus einem leerstehenden Gebäude eine Rehabilitations-
station für verölte Vögel zu machen. Tischler bauen die
letzten Boxen zusammen, Zimmerleute basteln an einem
Swimmingpool. Installateure bauen Warmwasserboiler ein.
Genügend warmes Wasser ist ein entscheidendes Kriterium
für erfolgreiche Ölvogelrehabilitation.
Am Abend kommen die Vögel an, insgesamt 145, die meis-
©I FAW
ten davon Schellenten, Eisenten und Schwäne. Sie stammen
aus verschiedenen Erstaufnahmestationen, in denen sie
bereits einige Tage verbracht haben. Die meisten Tiere sind
sehr geschwächt, ausgetrocknet, abgemagert und stark
unterkühlt. Das Wichtigste ist nun, sie erst einmal mindes-
tens 48 Stunden zu stabilisieren. Hierzu werden sie warm
gehalten und in regelmäßigen Abständen mit Elektrolyten das Gefieder vom Öl zu reinigen. Anschließend müssen wir den
bzw. proteinreichem Nahrungsbrei versorgt. Vogel gründlich abspülen, damit keine Reste von Öl oder Spül-
mittel an den Federn haften. Nur ein absolut intaktes Gefieder
8. Februar 2006 7.30 Uhr: Einsatzbesprechung. Erste
ermöglicht einem Wasservogel zu schwimmen und schützt ihn
Priorität ist die Versorgung der Vögel. Aber auch viele Frei-
gegen die eisigen Temperaturen.
willige sind zur Hilfe gekommen und brauchen Instruktionen.
Jemand muss sich um die Presse kümmern. An der Küste Nach der Waschprozedur werden die Tiere in den Trockenraum
gibt es noch weitere verölte Vögel, die eingefangen werden gebracht. Spezielle Föhne blasen warme Luft in die Trocknungs-
müssen. Aber das Notrettungsteam hat langjährige Erfahrung boxen, in denen die Vögel ausgiebig ihr Gefieder putzen. So
im Management von Ölvogeleinsätzen, und so sind die Auf- sind sie gut vorbereitet, wenn sie wenige Stunden später zum
gaben schnell verteilt. ersten Mal wieder auf Wasser schwimmen dürfen.
Als Tierärztin übernehme ich die Untersuchung der Vögel. 11. bis 17. Februar 2006: Das Team ist pausenlos im Einsatz.
Danach kann ich entscheiden, ob ein Vogel bereits stark Jeden Tag können nun weitere Vögel vom Öl befreit werden.
genug für den Waschprozess ist, noch weiter stabilisiert oder Am 17. Februar sind nur noch wenige zu schwach, um den
aufgrund von Verletzungen erst einmal behandelt werden Waschprozess zu durchlaufen und bedürfen besonderer Pflege.
muss. Manchmal ergibt die Diagnose, dass ein Vogel keine Regelmäßig überprüfen wir den Gesundheitszustand der gewa-
Überlebenschancen mehr hat. In solchen Fällen kann ich schenen Vögel, um zu beurteilen, ob sie bereits die Kriterien für
ihn nur noch einschläfern, um so zumindest seine Leiden zu eine Auswilderung erfüllen. Denn nur wenn das Gefieder des
verkürzen. Nach einem harten und langen Arbeitstag steht Vogels hundertprozentig wasserabweisend ist, keine Blutarmut
fest, dass noch keiner der Vögel stark genug für den Wasch- mehr vorliegt und der Ernährungszustand gut ist, hat das Tier
prozess am nächsten Tag sein wird. Wir sind besorgt, denn eine Überlebenschance.
es ist ein Wettlauf mit der Zeit: Jeder Tag, den die Meerenten
18. Februar 2006: Heute ist es soweit. Die ersten Vögel kön-
länger an Land verbringen müssen, verringert ihre Langzeit-
nen freigelassen werden. Vorher erhalten sie aber noch einen
Überlebenschancen.
Ring der amtlichen Vogelwarte, damit man sie später wieder
10. Februar 2006: Einige Vögel fressen wieder selbststän- erkennen kann. Es macht mich glücklich, zu sehen, wie nach elf
dig. Ein gutes Zeichen! Am Vormittag waschen wir die ersten Tagen unermüdlicher Anstrengung die ersten Ölopfer putzmun-
Tiere. Einfaches Geschirrspülmittel eignet sich am besten, um ter ihrer Freiheit entgegen fliegen. Dr. Elvira von Schenck
14 Tierisch Toll - Hilfe für Tiere in NotKlimawandel
Neueste Studien über den Klimawandel warnen, dass 40 Prozent aller Tierarten vom Aussterben bedroht sein könnten,
wenn sich das Weltklima weiter erwärmt.
© IFAW / Stewart Cook
Wie beeinflußt der
W
ir können heute beobachten, erhöht (z.B. durch die Verbrennung fossiler
dass die Eismassen an den Mensch das Klima? Brennstoffe), wird auch mehr Wärme-
Polen jährlich weiter abneh- strahlung absorbiert – es wird immer wär-
mer. Ein zusätzliches Problem hierbei ist,
men. Auch die Gletscher in den Alpen
Das ist kompliziert und kann hier nur ver- dass dieser Prozess schnell voranschreitet.
schmelzen von Jahr zu Jahr weiter ab.
einfacht dargestellt werden: Unsere Erdatmo-
Experten gehen davon aus, dass dadurch Die Folgen eines vom Menschen verursach-
sphäre besteht hauptsächlich aus Stickstoff
der Meeresspiegel in den nächsten Jahr- ten Klimawandels sind vielfältig: Neben
(ca. 78%) und Sauerstoff (ca. 21%).
dem Anstieg der Meeresspiegel sind große
zehnten gefährlich ansteigen wird. Die übrigen 1% bestehen aus Argon, ande-
Hitzewellen und Dürrekatastrophen zu
ren Edelgasen und Kohlendioxid (CO2 ).
Das Verschwinden der Eisflächen hat erwarten, Starkregen, Überschwemmungen
Der Anteil an CO2 in unserer Atmosphäre
negative Auswirkungen auf die Tierwelt. und heftige Tropenstürme. Die menschliche
beträgt normalerweise nur 0,038%. Durch
So sind einige Robbenarten bedroht, die Sicherheit, Gesundheit, Wirtschaft und
das Verbrennen „fossiler Brennstoffe“ wie
Umwelt werden in jedem Fall von einem
für die Aufzucht ihrer Jungen auf das Erdöl, Erdgas oder Kohle fügt der Mensch
Klimawandel beeinflusst.
nördliche Packeis angewiesen sind. Auch der Atmosphäre in großen Mengen CO2 zu.
Eisbären brauchen für ihr Überleben Bereits mit ein paar kleinen Veränderungen
Zusammen mit Wasserdampf erzeugt
diese Eisschollen. kann jeder von uns dem fortschreitenden
Kohlendioxid den „natürlichen Treibhaus-
Klimawandel entgegenwirken. Wir können
Der Anteil von so genannten Treibhaus- effekt“, ohne den es auf der Erde wesentlich
z.B. Autos mit niedrigem Benzinverbrauch
kälter wäre – im globalen Mittel nur –18 °C
gasen in der Atmosphäre ist in den letzten fahren oder das Auto am besten mal ganz
(im Gegensatz zu den im Moment herr-
hundert Jahren um ca. ein Drittel ange- stehen lassen und stattdessen zu Fuß gehen
schenden +15 °C). Das geht so:
stiegen. Sie sind dafür verantwortlich, oder mit dem Fahrrad fahren. Es hilft
Ein Teil der Sonnenstrahlen, die auf unsere
auch, weniger mit dem Flugzeug zu reisen.
dass die Durchschnittstemperatur der erd- Erde treffen, wird von der Erdoberfläche
Beachtliche 20% aller Elektrizität wird
nahen Atmosphäre und der Meere in den absorbiert (aufgenommen) und in Wärme
in Privathaushalten, Büros und Geschäf-
letzten Jahrzehnten ungewöhnlich stark umgewandelt. Die erwärmte Erdoberfläche
ten verbraucht. Durch die Verwendung
gestiegen ist. Man spricht von der globa- wiederum gibt langwellige Wärmestrahlung
von Stromsparlampen und vollständiges
len Erwärmung oder vom sogenannten ab, von der die sogenannten Treibhausgase
Abschalten der elektrischen Geräte
einen Teil absorbieren können. Dadurch
künstlichenTreibhauseffekt. (kein „Stand-by“-Betrieb) können
erwärmt sich die Atmosphäre! Ohne diesen
enorme Mengen Strom gespart werden.
Generell müssen wir unterscheiden zwi- Effekt würde die Wärme komplett in den
Die Wahrheit ist schlicht und einfach:
schen einem natürlichen Klimawechsel, Weltraum entweichen.
Wir können alle etwas beitragen, indem
der immer statt gefunden hat, und dem Dadurch, dass der Mensch die Menge an wir mit kleinen Veränderungen in unserem
menschlich verursachten Klimawandel. Treibhausgasen in der Atmosphäre künstlich Umkreis und unserem Alltag beginnen.
Tierisch Toll - Hilfe für Tiere in Not 15Der IFAW fördert mit seinem
internationalen Schulprojekt
„Animal Action Week“
den Tierschutzgedanken
unter Kindern und Jugend-
lichen. Jedes Jahr wählt der
IFAW ein Thema im Bereich
Tier- und Artenschutz.
Das Thema der „Animal
Action Week“ 07/08 lautet
„Hilfe für Tiere in Not“.
Wer ist der IFAW?
Der IFAW (Internationaler
Tierschutz-Fonds) engagiert
sich dafür, die Situation von
Wild- und Haustieren in der
ganzen Welt zu verbessern.
Wir schützen Lebensräume
von Wildtieren, helfen Tieren
in Not und treten dafür ein,
dass die kommerzielle Aus-
beutung von Tieren zurück-
geht. Der IFAW will errei-
chen, dass die Öffentlichkeit
Grausamkeiten gegenüber
Tieren nicht mehr zulässt.
Wir streben einen Tier- und
Naturschutz an, der dem
Wohl von Tieren und Men-
schen gleichermaßen dient.
Die Animal Action Week des IFAW
© IFAW / W.Baktiantoro
Impressum IFAW
Übersetzung: Tanja Genski Internationaler Tierschutz-Fonds
Deutsche Bearbeitung: PF 104623, 20032 Hamburg
Elvira von Schenck Fax: 040-866 500-22
Redaktion: Andreas Dinkelmeyer Tel: 040-866 500-0
Druck: Reset, Hamburg, Mail: aaw-de@ifaw.org
auf Recycle-Papier Internet: www.tierisch-toll.deSie können auch lesen