WSL Berichte Heft 31, 2015 - DORA 4RI

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WSL Berichte Heft 31, 2015 - DORA 4RI
Heft 31, 2015
WSL Berichte
ISSN 2296-3456

Schnee und Lawinen
in den Schweizer Alpen
Hydrologisches Jahr 2013/14

Frank Techel, Thomas Stucki, Stefan Margreth,
Christoph Marty, Kurt Winkler

            WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF

            Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL
            CH-8903 Birmensdorf
WSL Berichte Heft 31, 2015 - DORA 4RI
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Heft 31, 2015
WSL Berichte
ISSN 2296-3456

Schnee und Lawinen
in den Schweizer Alpen
Hydrologisches Jahr 2013/14

Frank Techel, Thomas Stucki, Stefan Margreth,
Christoph Marty, Kurt Winkler

Herausgeber
WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, Davos
Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL,
Birmensdorf
WSL Berichte Heft 31, 2015 - DORA 4RI
Verantwortlich für die Herausgabe der Schriftenreihe
Prof. Dr. Konrad Steffen, Direkter WSL

Verantwortlich für dieses Heft
Dr. Jürg Schweizer, Leiter SLF und der Forschungseinheit Lawinen und Prävention

Schriftleitung: Sandra Gurzeler, WSL
Layout: Frank Techel, SLF

Zitiervorschlag:
T ECHEL , F., S TUCKI , T., M ARGRETH , S., M ARTY, C., W INKLER , K., 2015: Schnee und Lawinen in den
Schweizer Alpen. Hydrologisches Jahr 2013/14. WSL Ber. 31: 87 S., ISSN 2296-3448 (Print) / 2296-3456
(Online)

«Schnee und Lawinen in den Schweizer Alpen» ersetzt «Wetter, Schneedecke und Lawinengefahr», und
enthält zusätzlich die Lawinenunfälle in den Schweizer Alpen.

Bezug:
http://www.slf.ch/schneeinfo/wochenbericht/2013-14/Jahresbericht/index_DE
http://e-collection.ethbib.ethz.ch/view/eth:20002?q=winterbericht

Datengrundlagen:
Wetter, Schneedecke und Lawinengefahr: Messnetze des SLF und der MeteoSchweiz, Lawinenbulletin des
SLF
Lawinen mit Personen- und Sachschäden: Kantonale Polizeidienststellen, Kantonale Forst- und Tiefbauäm-
ter und Naturgefahrenabteilungen, Schweizerische Rettungsflugwacht Rega, Kantonale Walliser Rettungs-
organisation OCVS-KWRO, Maison FXB du Sauvetage, Air Glaciers, Air Zermatt, Heli Bernina, Pisten-
rettungsdienste, Alpine Rettung Schweiz, Unfallbeteiligte und Augenzeugen, SLF-Beobachter, Bergführer,
Tourenleiter und Skilehrer

Karten: Reproduziert mit Bewilligung von swisstopo (JA100118/JD100040)

Umschlag von oben nach unten:
Der Alpensüdhang war sehr gut eingeschneit. Zum Beispiel in San Bernardino (GR) auf rund 1600 m wur-
den neue Schneehöhen-Tagesrekorde gemessen (Foto: SLF/T. Stucki, 08.02.2014).

Einer von vielen Föhnsturm-Tagen am Bunderspitz (2456 m, BE) (Foto: P. Allenbach, 28.02.2014).

Bei einem einfachen Säulentest brach bei diesem Stabilitätstest im Januar die Schneedecke in der bodenna-
hen Schwachschicht. In grossen Teilen des südlichen Unterwallis und in den nördlichen Teilen Graubündens
war das Altschneeproblem bis Ende Februar ausgeprägt (Foto: SLF/W. Steinkogler, 21.01.2014 im Gebiet
Davos/GR).

In grossen Teilen des südlichen Unterwallis und in den nördlichen Teilen Graubündens brachen Lawinen
meist in tiefen, bodennahen Altschneeschichten (Foto: SLF/S. Margreth, 31.12.2013 am Baslersch Chopf
im Gebiet Davos/GR).
WSL Berichte Heft 31, 2015 - DORA 4RI
Vorwort

Der vorliegende Winterbericht 2013/14 enthält die       ler im Winter 2013/14 gemeldeten Lawinenunfälle
Zusammenfassung der Wetter-, Schnee- und Lawi-          mit Personenbeteiligung und die Hälfte der Lawinen
nensituation sowie die Unfallstatistik mit Beschrei-    mit Todesopfern ereigneten sich in dieser Periode.
bungen ausgewählter Unfälle. Die Autoren be-            Vor allem im Wallis führte dies zu einem hohen Me-
schreiben zudem die ausserordentliche Situation         dieninteresse.
in Bezug auf die Schneelasten und die resultie-         Während auf der Alpennordseite die Schneehöhen
renden Schäden. Sie präsentieren ausserdem die          unterdurchschnittlich blieben und sich die Lawinen-
Resultate einer Online-Befragung zur Nutzung und        situation ab Mitte Februar beruhigte, schneite es
zur Qualität des Lawinenbulletins.                      am Alpensüdhang mehrmals intensiv. Zwischen
Der Bericht bietet einerseits einen raschen Über-       Ende Dezember und Anfang Februar wurden an
blick über den Winterverlauf und andererseits de-       einigen Messstationen an mehreren Tagen neue
taillierte Informationen zu Lawinenunfällen. Da-        Schneehöhen-Tagesrekorde gemessen. Die Werte
mit ergänzt er die vielen laufend auf der SLF-          lagen zwischen zwei und drei Metern. An insge-
Homepage verfügbaren Informationen. In der Be-          samt 40 Tagen herrschte in den Wintermonaten
schreibung der Lawinenunfälle finden sich wertvolle     eine Südwest- oder Südlage. Gemäss einer Un-
und häufig auch lehrreiche Hinweise für Schnee-         tersuchung von MeteoSchweiz ist diese Häufung
sportlerinnen und Schneesportler. Dabei geht es         rekordverdächtig. Entsprechend schneite es im Sü-
nicht darum, wer wann welchen Fehler gemacht            den an vereinzelten Messstationen im Durchschnitt
hat. Die wenigsten Lawinenunfälle sind das Resul-       mindestens jeden zweiten Tag, was vor allem in
tat eines offensichtlichen Fehlers, sondern stehen      mittleren Höhenlagen zu sehr grossen Schneelas-
häufig im Zusammenhang mit den Unsicherheiten,          ten auf den Dächern führte. Die Schäden durch die
die zur Einschätzung der Lawinengefahr gehören.         Schneelasten übertrafen gemäss Angaben der Ge-
Die meisten Lawinenunfälle beinhalten eine uner-        bäudeversicherungen auch dieses Jahr die durch
wartete Komponente; diese zu erkennen und in            Lawinen verursachten Sachschäden.
seinen eigenen Erfahrungsschatz aufzunehmen,            Nachdem der Winter im Norden eher nieder-
um in Zukunft darauf zurückgreifen zu können, ist       schlagsarm war, ging der Sommer 2014 als beson-
letztlich das Ziel.                                     ders kalt und feucht in die Annalen ein. Im Hochge-
                                                        birge schneite es in den Monaten Juli und August
Wie im Vorjahr begann der Winter im Hochgebir-          wiederholt. Das SLF publizierte im Juli 2014 fünf-
ge früh, sodass Mitte Oktober 2013 deutlich mehr        mal ein Lawinenbulletin, so oft wie noch nie in den
Schnee lag als im langjährigen Durchschnitt. Nach       letzten 20 Jahren im Monat Juli. Schneebrettlawi-
weiteren Schneefällen im November war es im             nen führten am 18. und 19. Juli im südlichen Wallis
Dezember bis Weihnachten vornehmlich trocken,           zu insgesamt vier Lawinenunfällen. Zehn Personen
sodass die Schneehöhe in allen Gebieten für die         wurden erfasst, wobei vier Bergsteiger ihr Leben
Jahreszeit stark unterdurchschnittlich war. Diese       verloren. Diese Unfallhäufung ist für einen Som-
dünne Schneedecke hatte sich verbreitet stark auf-      mermonat ungewöhnlich. Anfang August ereignete
bauend umgewandelt und bildete für die kommen-          sich ein weiterer tödlicher Lawinenunfall - damit er-
den Schneefälle ein schwaches Fundament.                reichte die Zahl der Opfer den langjährigen Durch-
Über die Weihnachtstage schneite es dann endlich,       schnitt von 22 Personen.
am Alpensüdhang sogar intensiv. Am Alpensüd-
hang dürften vor allem während des Schneefalls          Wir danken allen Personen und Institutionen, die
viele Lawinen abgegangen sein, wohingegen es            uns Informationen zukommen liessen. Ohne die
nördlich des Alpenhauptkammes - insbesondere            bereitwillige Berichterstattung durch Augenzeugen
im südlichen Wallis und in Graubünden - anschlie-       und Unfallbeteiligte, durch Bergführer, Tourenlei-
ssend zu einer kritischen Situation für Schnee-         ter und Skilehrer, durch die Polizei, Pistendienste,
sportler kam. In diesen Regionen war das schwa-         SAC-Rettungschefs, SLF-Beobachter, die soforti-
che Schneedeckenfundament von einem «idealen»           ge Information durch die Rega sowie die Auskünfte
Schneebrett überlagert, sodass Schneesportler           des Maison FXB du Sauvetage, der Air Glaciers, Air
sehr viele Lawinen auslösten. In den elf Tagen vom      Zermatt, Heli Bernina, von Lawinenhundeführern
26. Dezember 2013 bis zum 5. Januar 2014 ka-            sowie der Kantonsforst- und Tiefbauämter, aber
men bei insgesamt neun tödlichen Lawinenunfällen        auch immer zahlreicheren privaten Tourengeherin-
zwölf Schneesportler ums Leben. Eine derartige          nen und Variantenfahrern wäre die Verwirklichung
Häufung von Unfällen ist selten: rund ein Drittel al-   der vorliegenden Arbeit nicht möglich gewesen. Ih-

                                                                                                           3
WSL Berichte Heft 31, 2015 - DORA 4RI
nen allen danken wir für die Daten, die detaillierten
Beschreibungen, Fotos und die gute Zusammen-
arbeit. Ein Dank gebührt auch allen, die sich zur
Rettung und Bergung von Verschütteten in irgend-                       Dr. Jürg Schweizer
welcher Art eingesetzt haben. Ihre Arbeit ist oft                           Leiter SLF
schwierig und gefährlich. Der MeteoSchweiz (Wit-        Leiter Forschungseinheit Lawinen und Prävention
terungsberichte, SwissMetNet-Daten) sowie den
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unseres Institu-            Davos Dorf, im September 2015
tes, die bei der Erarbeitung und Review dieses          WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung
Unfallberichtes mitgeholfen haben, sei an dieser                          SLF, Davos
Stelle ebenfalls ganz herzlich gedankt.

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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung                                                                                                                                                      7

2 Wetter, Schneedecke und Lawinengefahr in den Schweizer Alpen.
  Hydrologisches Jahr 2013/14                                                                                                                                      8
  Schneehöhenverlauf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .                      .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   10
  Schneedeckenaufbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .                        .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   18
  Lawinenaktivität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .                    .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   24
  Gefahrenstufen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .                    .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   28
  Lawinenbulletins . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .                    .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   30
  Sommer (Juni bis September 2014) . . . . . . . . . . . . . . . . . . .                          .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   31

3 Lawinen mit Personen- und Sachschäden 2013/14                                                                                                                   33
  Lawinen mit erfassten Personen . . . . . . . . . . . .      .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   35
  Lawinen mit Sachschäden . . . . . . . . . . . . . . . .     .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   37
  Übersicht über Lawinenunfälle mit Todesfolge . . . . .      .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   40
  Auswahl von Unfallberichten . . . . . . . . . . . . . . .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   46

4 Spezialthemen                                                                                                                                                   71
  Schneehöhe und Schneelasten am Alpensüdhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .                                                               71
  Schäden durch Schneedruck an Gebäuden und Wald . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .                                                                73
  Umfragen zum Lawinenbulletin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .                                                        75

Anhang                                                                                                                                                            80
  Mess- und Beobachterstationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .                                                         80
  Lawinen mit Personen- und Sachschäden: Erläuterungen und Übersichtstabellen . . . . . . . . . .                                                                 82
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Schnee und Lawinen in den Schweizer Alpen 2013/14

1    Einleitung
Im vorliegenden Bericht wird, wie in den voran-        Abkürzungen
gegangenen Berichten für frühere Jahre, die Be-
schreibung der Schnee- und Lawinensituation (Teil      IMIS            Interkantonales Mess- und
1) zusammen mit den Unfallberichten (Teil 2) für                       Informationssystem
das hydrologische Jahr 2013/14 (1. Oktober 2013        IMSI            International Mobile Subscriber
bis 30. September 2014) publiziert.                                    Identity
                                                       LVS             Lawinen-Verschütteten-Suchgerät
Im ersten Teil (Kapitel 2, ab Seite 8) wird ein        RECCO           Elektronisches System zur
Rückblick zur Schnee- und Lawinensituation in den                      Lokalisierung von Lawinenopfern
Schweizer Alpen gegeben. Dabei wird auf den            Rega            Schweizerische Rettungsflugwacht
Schneehöhenverlauf und die wichtigsten Nieder-         SAC             Schweizer Alpen-Club
schlagsereignisse, die Entwicklung des Schneede-       SLF             WSL-Institut für Schnee- und
ckenaufbaus, sowie die bedeutendsten Lawinenpe-                        Lawinenforschung SLF, Davos
rioden eingegangen.                                    SwissMetNet     Automatisches Messnetz
Ausführlichere Beschreibungen zu einzelnen Pe-                         MeteoSchweiz
rioden, Gefahren- und Schneehöhenkarten sowie          BE              Kanton Bern
die vollständigen Lawinenbulletins können im Wo-       FR              Kanton Freiburg
chenbericht im Internet unter www.slf.ch abgerufen     GL              Kanton Glarus
werden.                                                GR              Kanton Graubünden
Der zweite Teil des Berichtes (Kapitel 3, ab Seite     LU              Kanton Luzern
33) gibt Informationen zu Lawinen mit Personen-        NW              Kanton Nidwalden
und Sachschäden. Nebst einer Zusammenfassung           OW              Kanton Obwalden
aller Lawinen mit Personen- und Sachschäden und        SG              Kanton St. Gallen
einer Übersichtstabelle mit allen tödlichen Lawine-    SZ              Kanton Schwyz
nunfällen (ab Seite 40) werden einige ausgewählte      TI              Kanton Tessin
Unfälle detailliert beschrieben (ab Seite 46).         UR              Kanton Uri
Die aussergewöhnlichen Schneehöhen und -lasten         VD              Kanton Waadt
am Alpensüdhang und die daraus resultierenden          VS              Kanton Wallis
Schäden an Gebäuden und Wald (ab Seite 71), so-
wie die Ergebnisse einer Befragung zum Lawinen-
bulletin sind Inhalt des dritten Teils des Winterbe-
richtes (ab Seite 75).

                                                                                                       7
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Schnee und Lawinen in den Schweizer Alpen 2013/14

2    Wetter, Schneedecke und Lawinengefahr in den Schweizer Alpen.
     Hydrologisches Jahr 2013/14
Thomas Stucki, Christoph Marty

Zusammenfassung Winter 2013/14 (Oktober 2013 bis Mai 2014)

    • Dünne Schneedecke bis Weihnachten
      Bereits im Oktober und November fiel in al-
      len Gebieten wiederholt Schnee bis in mitt-
      lere Lagen. Trotzdem war die Schneedecke
      bis zu den Weihnachtstagen in allen Gebie-
      ten dünn. Diese dünne Schneedecke wandel-
      te sich zu grossen, kantigen und kohäsionslo-
      sen Kristallen um. So entstand eine ungüns-
      tige, schwache Schneeschicht an der Basis
      der Schneedecke. Diese blieb gebietsweise
      über den ganzen Winter für die Lawinenbil-
      dung relevant.

    • Ausserordentlich viel Schnee am Alpensüd-
      hang                                              Abbildung 1: Von Dezember bis Februar schneite es am
      Mit wiederholten Südstaulagen wurde der Al-       Alpensüdhang häufig und zum Teil intensiv. An mehreren
                                                        Tagen wurden neue Schneehöhen-Tagesrekorde gemes-
      pensüdhang vor allem ab den Weihnachts-
                                                        sen, wie zum Beispiel in San Bernardino, GR auf rund
      tagen reichlich mit Schnee versorgt (200
                                                        1600 m (Foto: G. Kappenberger, 08.02.2014).
      bis 250% der normalen Niederschlagssum-
      men) (Abbildung 1). Zwischen Ende Dezem-             • Ausgeprägt ungünstiger Schneedeckenauf-
      ber und Anfang Februar wurden an eini-                 bau im südlichen Wallis und im nördlichen
      gen Messstationen im Tessin, Oberengadin               Graubünden
      und in den Bündnern Südtälern an mehreren              Das südliche Wallis und das nördliche Grau-
      Tagen neue Schneehöhen-Tagesrekorde ge-                bünden, die weitgehend inneralpin liegen,
      messen. Die Werte lagen zwischen 2 und 3               sind für einen ungünstigen Schneedecken-
      Metern. Die absoluten Höchstwerte aller Ta-            aufbau bekannt. Im Winter 2013/14 war die-
      ge aus früheren Wintern wurden allerdings an           ser sehr ausgeprägt, besonders in den Ge-
      keiner Station überboten. Über den ganzen              bieten des Wallis (Abbildung 2). Der gefalle-
      Winter betrachtet waren die Schneehöhen im             ne Schnee ab Weihnachten überlagerte die
      Tessin und den Bündner Südtälern rund dop-             schwache Basisschicht vom Frühwinter. Da-
      pelt so gross wie normal, im südlichen Wal-            mit verschärfte sich die Lawinengefahr deut-
      lis leicht überdurchschnittlich, in den übrigen        lich und blieb ungewöhnlich lange, gebiets-
      Gebieten kleiner, besonders klein in den Vor-          weise während zwei Monaten, mit erheblicher
      alpen.                                                 Lawinengefahr (Stufe 3) für Schneesportler
                                                             angespannt.
    • Besonders am schneereichen Alpensüdhang
      war die Schneedecke stabil                           • Ungewöhnlich häufig Gefahrenstufe 1 (ge-
      Mit den grossen Schneemassen am Al-                    ring)
      pensüdhang stabilisierte sich die Schnee-              Das Lawinenbulletin erschien täglich vom 28.
      decke schon im Januar. Die schwache Ba-                November 2013 bis zum 3. Mai 2014. Obwohl
      sisschicht vom Frühwinter wurde von Lawi-              in einigen Gebieten relativ lange ununterbro-
      nen ausgeräumt oder dick überlagert und                chen die Gefahrenstufe 3 (erheblich) progno-
      verlor damit in diesen Gebieten an Bedeu-              stiziert wurde, überstieg diese Gefahrenstufe
      tung. Lawinen gingen vor allem bei wiederhol-          den langjährigen Mittelwert kaum. Viel häu-
      ten, intensiven Niederschlägen in den oberen           figer als normal konnte die Gefahrenstufe 1
      Schneeschichten ab. Ebenfalls günstig ent-             (gering) prognostiziert werden. Dies vor allem
      wickelte sich die Schneedecke in den Föhn-             in der Zeit vor Weihnachten sowie im März
      gebieten des Nordens. Wiederholte Föhnstür-            und April.
      me bliesen die schwache Basisschicht vom
      Frühwinter teilweise weg und erhöhten so
      wiederholt die Variabilität der Schneedecke.

8
Schnee und Lawinen in den Schweizer Alpen 2013/14

                                                             Zusammenfassung Sommer 2014 (Juni bis Sep-
                                                             tember 2014)
                                                               • Der Juni war zu warm und zu trocken, der Ju-
                                                                 li war zu kühl, zu trüb und zu nass, der Au-
                                                                 gust zu kühl und zu trüb, der September mil-
                                                                 der, sonniger und trockener als normal.
                                                                 Während allgemein in der Schweiz und
                                                                 den westlichen Teilen Europas in den Som-
                                                                 mermonaten die Lufttemperaturen unter der
                                                                 Norm von 1981 bis 2010 lagen, lagen sie glo-
                                                                 bal um 0.71 ◦ C (± 0.12 ◦ C) über der Norm
                                                                 von 1901 bis 2000, und damit war der Som-
                                                                 mer 2014 global der wärmste seit Messbe-
                                                                 ginn um 1880 (Quelle: MeteoSchweiz).
Abbildung 2: Begleitet von einem Wummgeräusch bildete
                                                               • Die Nullgradgrenze stieg nur zwei Mal für ei-
sich beim Betreten des Hanges ein Riss in der Schnee-
                                                                 nige Tage deutlich über 4000 m. Deshalb wa-
decke, der sich über den ganzen Hang fortpflanzte. Die
Schneetafel glitt nicht ab, da der Hang relativ flach war.       ren die Verhältnisse im Hochgebirge oberhalb
Die Auslösebereitschaft von Schneebrettlawinen im Alt-           von etwa 3500 bis 3800 m mit wiederholten
schnee blieb vor allem im südlichen Wallis, wie hier im          und teilweise ergiebigen Schneefällen winter-
Gebiet Siviez-Nendaz, über lange Zeit hoch (Foto: X.             lich.
Fournier, 10.01.2014).
                                                               • Die Schneefallgrenze sank in sieben Peri-
                                                                 oden bis in hohe Lagen (zwischen 2000 und
   • Im Winter weniger Lawinenopfer als im lang-
                                                                 3000 m), die Neuschneemengen blieben dort
     jährigen Mittel
                                                                 aber gering. Der Neuschnee schmolz jeweils
     Obwohl es über die Weihnachts- und Neu-
                                                                 rasch wieder ab, etwas verzögert in den Nord-
     jahrsferien zu zahlreichen Lawinenunfällen
                                                                 hängen.
     kam, lag die Gesamtopferzahl bis Ende Mai
     mit 17 Todesopfern letztendlich leicht unter              • Erhöhte Lawinengefahr konzentrierte sich im
     dem langjährigen Mittelwert.                                wesentlichen auf das Hochgebirge, beson-
                                                                 ders auf Höhenlagen oberhalb von 3500 m
   • Nassschneelawinenaktivität eher bescheiden                  bis 3800 m. Am 19. Juli verloren vier Berg-
     Die Durchfeuchtung der Schneedecke be-                      steiger bei zwei Lawinenunfällen ihr Leben,
     gann Anfang März. Trotz des schwachen                       am 4. August ereignete sich ein weiterer töd-
     Schneedeckenfundamentes in einigen Re-                      licher Lawinenunfall. Der langjährige Durch-
     gionen blieben besonders intensive Nass-                    schnitt in den Monaten Juni bis September
     schneelawinenperioden aus.                                  liegt bei zwei Todesopfern.

                                                                                                             9
Schnee und Lawinen in den Schweizer Alpen 2013/14

Schneehöhenverlauf

Relative Schneehöhen                                  erreicht: auf der Diavolezza (7DI, 2090 m) mit 82
                                                      cm der zweithöchste Wert seit 69 Jahren und in
Bereits im Oktober fiel in hohen Lagen und im         Maloja (7MA, 1810 m) mit 86 cm der dritthöchste
Hochgebirge in vier Perioden Schnee, Mitte Ok-        Wert. Die Jährlichkeiten für ein solches Ereignis
tober sogar bis in mittlere Lagen hinunter. In der    betragen 25 bis 250 Jahre. Die 2-Tages- und 3-
intensivsten Niederschlagsperiode vom 10. bis 13.     Tages-Neuschneesummen des Ereignisses zeigen
Oktober zum Beispiel lag das Niederschlagszen-        jedoch nur noch Jährlichkeiten zwischen 6 und 50
trum am zentralen Alpensüdhang, im Rheinwald          Jahren.
und im Avers. Dort fielen 80 bis 120 cm Schnee.       Während die Schneehöhen am Alpensüdhang En-
Die Schneehöhenmaxima wurden Mitte Monat er-          de Dezember dank diesem Grossschneefall stark
reicht und lagen verbreitet zwischen 20 und 50 cm,    überdurchschnittliche Werte erreichten, blieb die
im Tessin und in Graubünden meist zwischen 50         Bilanz über den ganzen Monat (Abbildung 3) doch
und 80 cm. Auf vielen Messstationen in allen Ge-      bescheiden. Die Schneehöhen erreichten in den
bieten der Schweizer Alpen wurden zwischen dem        meisten Gebieten nur unterdurchschnittliche Wer-
11. und 15. Oktober neue Schneehöhenmaxima            te. Für die Jahreszeit am besten schnitten die süd-
für diese Tage gemessen. Die Jährlichkeit einer       lichen Teile des Wallis, das Berner Oberland und
Schneedecke um diese Zeit liegt unterhalb 1600 m      das Oberengadin ab.
bei durchschnittlich 17 Jahren, darüber bei durch-
schnittlich 8 Jahren.                                 Im Januar fiel erneut am meisten Schnee in den
                                                      südlichen Gebieten und sorgte dort für grosse
Auch im November fiel in allen Gebieten wieder-       Schneehöhen. Die intensivste Schneefallperiode
holt Schnee. Die intensivste Niederschlagsperiode     war vom 2. bis 6. Januar. Die Kerngebiete lagen im
dauerte vom 19. bis 23. November und brachte          westlichen Unterwallis, im nördlichen und mittleren
im Kerngebiet vom Simplongebiet bis ins westliche     Tessin, im Oberengadin sowie in den Bündner Süd-
Tessin 80 bis 120 cm Schnee. Im Wallis sowie am       tälern, wo 40 bis 60 cm, teilweise bis 80 cm Schnee
westlichen und zentralen Alpennordhang erreich-       fiel. Vom Goms über das Tessin und Rheinwald bis
ten die Schneehöhen für die Jahreszeit überdurch-     ins Oberengadin und in den Bündner Südtälern
schnittliche Werte (Abbildung 3), am östlichen Al-    erreichten die Schneehöhen überdurchschnittliche
pennordhang und in Graubünden waren sie meist         Werte (Abbildung 3). An einigen Stationen wurden
der Jahreszeit entsprechend, im Tessin eher klei-     für bestimmte Tage neue Schneehöhenmaxima ge-
ner. Mittlere, aber auch tiefe Lagen, waren relativ   messen. Im Wallis und im Berner Oberland sowie
gut eingeschneit. Zwischen 500 und 1000 m lag         in Nordbünden erreichten die Schneehöhen etwa
Ende Monat am Alpennordhang verbreitet rund           durchschnittliche Werte, weiter nördlich lagen sie
10 bis 20 cm Schnee. Auf 1500 m betrugen die          deutlich darunter.
Schneehöhen verbreitet 20 bis 50 cm, im Engadin
und in den Bündner Südtälern weniger. Auf 2000 m      Auch im Februar folgten am Alpensüdhang mehre-
lag auf windgeschützten Flachfeldern am Alpen-        re Niederschlagsperioden in kurzen Abständen und
nordhang, im Simplongebiet und im Bedretto 50         brachten grosse Schneemengen. Die intensivste
bis 80 cm, in den übrigen Gebieten verbreitet 30      Niederschlagsperiode dauerte vom 2. bis 6. Fe-
bis 50 cm Schnee.                                     bruar und brachte dem Simplongebiet sowie dem
                                                      nördlichen und mittleren Tessin 140 bis 180 cm
Die ersten zwei Dekaden des Dezembers wa-             Schnee. Insgesamt fielen im Februar an einigen
ren von wenig Niederschlag, viel Sonne und oft        Stationen im nördlichen und mittleren Tessin 3 bis
milden Temperaturen geprägt. Dementsprechend          3.5 Meter Schnee. Der Februar insgesamt und die-
dünn war die Schneedecke. Am 20. Dezember             se Gebiete im Speziellen waren im Winter 2013/14
war die Schneehöhe in allen Gebieten für die          am neuschneereichsten. Die Schneehöhen im Ver-
Jahreszeit stark unterdurchschnittlich. Über die      gleich zum Mittelwert waren ähnlich wie im Januar,
Weihnachtstage schneite es dann endlich, am Al-       mit dem Unterschied, dass sie vom Goms über
pensüdhang sogar intensiv. Vor allem die 1-Tages-     das Tessin und Rheinwald bis ins Oberengadin
Neuschneehöhen vom Donnerstag, 26.12. waren           und die Bündner Südtäler noch ausgeprägter über-
ausserordentlich. An der Messstation San Bernar-      durchschnittlich waren. Am Alpensüdhang wurde
dino, Graubünden (6SB, 1640 m) war der Messwert       an vielen Tagen eine neue, maximale Schneehö-
von 120 cm der grösste Wert seit Messbeginn vor       he gemessen. Besonders den Voralpen entlang
63 Jahren. In Bosco Gurin, Tessin (6BG, 1530 m)       blieben die Schneehöhen hingegen markant unter-
war es mit 110 cm der dritthöchste Wert in 65 Jah-    durchschnittlich (Abbildung 3).
ren. Auch im Oberengadin wurden Fast-Rekorde

10
Schnee und Lawinen in den Schweizer Alpen 2013/14

                          November                                                   Dezember

  Schneehöhe                                                 Schneehöhe
     250 %                                                      250 %
     100 %                                                      100 %
       0%                                                         0%

                           Januar                                                     Februar

  Schneehöhe                                                 Schneehöhe
     250 %                                                      250 %
     100 %                                                      100 %
       0%                                                         0%

                            März                                                       April

  Schneehöhe                                                 Schneehöhe
     250 %                                                      250 %
     100 %                                                      100 %
       0%                                                         0%

Abbildung 3: Schneehöhen im Vergleich zum langjährigen Mittel (1971-2000). Die Grafiken zeigen die prozentuale Ab-
weichung der mittleren monatlichen Schneehöhen des Winters 2013/14 auf Stationshöhe im Vergleich zum langjährigen
Durchschnitt aus der Periode von 1971 bis 2000. Unterdurchschnittliche Schneehöhen sind rot, überdurchschnittliche
Schneehöhen blau dargestellt. Die Daten stammen von den Beobachterstationen des SLF und der MeteoSchweiz so-
wie den automatischen Stationen des IMIS (Interkantonales Mess- und Informationssystem). Bei der Interpretation muss
beachtet werden, dass nur grossräumige Muster aussagekräftig sind. Kleinräumige Muster oder Wertesprünge dürfen
nicht zu stark gewichtet werden. Im Abschnitt Ausgewählte Beobachterstationen (ab Seite 13) ist die zeitliche Entwick-
lung der Schneehöhe an verschiedenen Stationen dargestellt.

Die Neuschneesummen von November 2013 bis                    Ende Februar zeigt zudem, dass es in den höhe-
Februar 2014 zeigten an vielen südlich beeinfluss-           ren Regionen des Alpensüdhanges seit Beginn der
ten Stationen Rekordwerte. Aber die wenigen Sta-             Niederschläge um die Weihnachtszeit an jedem
tionen, die bereits 1951 gemessen haben, zeigen              zweiten Tag geschneit hatte.
die höchsten Werte in diesem bekannten Lawinen-
winter. Eine Auszählung der Neuschneetage bis
                                                             Schnee fiel im März nur zum Monatsanfang und

                                                                                                                   11
Schnee und Lawinen in den Schweizer Alpen 2013/14

-ende mit Schwergewicht vom Simplongebiet bis            In den langjährigen Aufzeichnungen sind nur weni-
ins nördliche und westliche Tessin sowie am öst-         ge Winter zu finden, die zwischen November und
lichen Alpennordhang und im Oberengadin mit je           April am Alpensüdhang grössere Neuschneesum-
etwa 60 bis 80 cm. Sonst war der März geprägt von        men verzeichneten als 2013/14. Auf Rang 1 liegt
sonnigem und mildem Wetter. Die Schneehöhen              an den meisten Stationen der Winter 1950/51. An
über den ganzen Monat betrachtet waren im Ver-           den Oberengadiner Stationen waren meistens die
hältnis zur Jahreszeit auch im März ähnlich wie im       Winter 2000/01 und 2008/09 noch neuschneerei-
Januar (Abbildung 3). Anfang März traten an Sta-         cher. Trotzdem war die Anzahl Neuschneetage im
tionen im Süden neue Schneehöhenmaxima auf,              Winter 2013/14 am Alpensüdhang vergleichswei-
dann nahm die Schneehöhe aber vor allem bis in           se nicht speziell hoch. So konnten z.B. sowohl
mittlere Höhenlagen durch Schmelze deutlich ab.          in Davos (1560 m), als auch in San Bernardino
Am Alpennordhang erreichten die Schneehöhen              (1640 m) zwischen November und April gut rund
gegen Ende Monat deutlich unterdurchschnittliche         60 Neuschneetage gezählt werden. Daraus resul-
Werte. Einige wenige Stationen mit langjährigen          tierte in Davos aber eine Neuschneesumme von
Messreihen verzeichneten dort neue Schneehö-             nur 318 cm, in San Bernardino dagegen kamen
henminima.                                               994 cm zusammen. Der Grund dafür liegt in der
                                                         grossen Anzahl intensiver Niederschläge am Al-
Grössere Schneemengen von rund einem Meter               pensüdhang. So verzeichnete San Bernardino die-
in drei Tagen fielen im April nur in einer Nieder-       sen Winter 11 Schneefälle von mehr als 30 cm,
schlagsperiode Ende Monat. Betroffen war vor al-         während der grösste Schneefall in Davos Dorf nur
lem der Alpenhauptkamm vom Mattertal bis ins             gerade 18 cm betrug. Im Tessin dagegen konnten
Goms. Die Schneehöhen näherten sich in den bis-          alleine am Morgen des 26. Dezembers an einigen
her schneereichsten Gebieten des Südens rasch            Stationen mehr als 100 cm Neuschnee gemessen
dem langjährigen Mittelwert an, in den übrigen Ge-       werden.
bieten blieben sie deutlich darunter (Abbildung 3).      Die Periode von November 2013 bis April 2014 war
                                                         gemäss MeteoSchweiz-Daten rund 1 bis 2 ◦ C zu
Im Mai fielen vor allem in hohen Lagen des Wallis,       warm. Vor allem der Wärmeüberschuss von Ja-
des Alpennordhanges und Graubündens bedeu-               nuar und Februar von 2.5 bis 4 ◦ C im Mittelland
tende Schneemengen. Gleichzeitig setzte sich der         führte dazu, dass an einigen Orten kein einziger
Schneehöhenabbau fort, verzögerte sich aber An-          Schneetag (Tage mit einer Schneehöhe von min-
fang und Mitte Monat durch ein Absinken der Null-        destens 5 cm) zu verzeichnen war. Nur gerade
gradgrenze unter 2500 m.                                 der Winter 1989/90 war diesbezüglich im Mittelland
                                                         noch schneeärmer. Obwohl auch die Tieflagen der
Die über den ganzen Winter gemittelten Schnee-           Alpensüdseite eine unterdurchschnittliche Anzahl
höhen sind vergleichbar mit dem Muster von Januar        Schneetage erlebten, war die absolute Anzahl in
bis April: Am Alpensüdhang und im Oberengadin            Locarno (7 Schneetage) für einmal mehr als dop-
sowie den direkt nach Mittelbünden angrenzenden          pelt so gross wie in Zürich (3 Schneetage).
Gebieten waren die Schneehöhen deutlich über-            Gemäss einer Untersuchung von MeteoSchweiz
durchschnittlich (rund doppelt so gross wie nor-         (Klimabulletin Winter 2013/14) wurden im Winter
mal), im südlichen Wallis leicht überdurchschnitt-       2013/14 40 Tage mit einer Südwest- oder Südlage
lich. In den übrigen Gebieten lagen die Schneehö-        über den Schweizer Alpen registriert. Das ist die
hen unter dem langjährigen Mittelwert, besonders         grösste Häufigkeit seit dem Beginn der Datenreihe
ausgeprägt in den Voralpen und den grossen Al-           im Winter 1957/58. Diese häufigen Südlagen, wel-
pentälern (Abbildung 4), wo teilweise nur rund 50%       che am Alpensüdhang die grossen Schneemengen
des langjährigen Mittels erreicht wurde. Auffällig ist   zur Folge hatten, führten im Norden mit Föhnlagen,
der grosse Gradient in Mittelbünden und im Gott-         milden Temperaturen und wenig Niederschlag zu
hardgebiet.                                              schneearmen Verhältnissen.

12
Schnee und Lawinen in den Schweizer Alpen 2013/14

 Schneehöhe
    250 %
    100 %
      0%

Abbildung 4: Schneehöhen über den ganzen Winter (November bis April) im Vergleich zum langjährigen Mittelwert
(1971-2000) über den ganzen Winter.

Ausgewählte Beobachterstationen
Auf den folgenden Abbildungen wird der Verlauf
der täglich gemessenen Schneehöhe im Vergleich
zur minimalen, mittleren und maximalen je gemes-
senen Schneehöhe für jeden Tag dargestellt. Die
Anzahl der Winter von Messbeginn bis und mit
2014 wird in der Legende erwähnt. Die Beobachter
messen in der Regel zwischen dem 1. November
und dem 30. April. Gebiete mit ähnlichem Schnee-
höhenverlauf im Winter 2014 werden zusammen-
gefasst und anhand repräsentativer Stationen be-
schrieben.

                                                                                                          13
Schnee und Lawinen in den Schweizer Alpen 2013/14

Alpennordhang:                                             Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, Davos

                                                        1HB Hasliberg (1825m)
                   400
                                 HN
                                 HS_avg
                   350           HS_min
                                 HS_max
                                 HS

                   300           HS_interp

                   250
 Schneehöhe [cm]

                   200

                   150

                   100

                   50
                                                                                                                                                5
                                                                                                                                                (1
                    0
                     01.10.13     01.11.13   01.12.13     01.01.14        01.02.14      01.03.14        01.04.14          01.05.14   01.06.14

Abbildung 5: Schneehöhenverlauf an der Station 1HB, Hasliberg, BE, 1825 m (55 Winter). Dargestellt sind die Schnee-
höhe (rot, fett: gemessen, HS;, dünn: interpoliert, HS_interp), der Neuschnee (graue Säulen, HN), die langjährigen
maximalen Schneehöhen (dunkelblau, HS_max), die langjährigen minimalen Schneehöhen (violett, HS_min) und die                                         27.06.2014
langjährigen mittleren Schneehöhen (grün, HS_avg).

Die Schneehöhenentwicklung am Alpennordhang                                  den am 11. November mit 58 cm, am 27. Dezem-
kann anhand der langjährigen Vergleichsstation                               ber mit 38 cm, am 2. Februar mit 31 cm, am 23.
Hasliberg, 1825 m (Abbildung 5) verfolgt werden.                             und 24. März mit 25 resp. 28 cm und am 15. Janu-
Der grösste Neuschneewert des Winters wurde am                               ar mit 25 cm gemessen. An zwei Drittel der Tage
11. November mit 58 cm gemessen. Bereits am                                  des Winters wurde kein Neuschnee registriert (Ta-
9. November war diese Vergleichsstation einge-                               belle 1). Das Schneehöhenmaximum wurde am 6.
schneit und mit ihr die meisten am Alpennordhang.                            März mit 111 cm gemessen. Am 14. und 15. April
Der Neuschnee vom 11. und 12. Oktober, welcher                               wurden neue, minimale Schneehöhen für diese Ta-
am Alpennordhang verbreitet erfasst wurde, ist in                            ge gemessen.
Abbildung 5 sichtbar. Ausgeapert war das Messfeld                            Der maximale Wasserwert der Gesamtschneede-
am 22. April. Während im November die Schnee-                                cke erreichte nur gerade die Hälfte des langjähri-
höhen noch überdurchschnittlich waren, rutschten                             gen Mittels und mit 447 mm den viert-tiefsten Wert
die Werte im Dezember unter den langjährigen Mit-                            an dieser Station in 44 Jahren.
telwert. Die bedeutenderen Neuschneewerte wur-

Tabelle 1: Statistik zur Station Hasliberg 1HB, Hasliberg, BE, 1825 m (55 Winter) mit der Dauer der permanenten
Schneebedeckung [Tage] und der Anzahl Neuschneemessungen in Klassen [cm].

  Einschneien                   09.11.2013   Neuschnee (cm) 0              0.1-10       11-20       21-30         31-50       ≥51
  Ausapern                      22.04.2014   Anzahl Tage    106              39          14           3             2          1
  Dauer                         165          Häufigkeit %  64.2             23.6         8.5         1.8           1.2        0.6

14
Schnee und Lawinen in den Schweizer Alpen 2013/14

Wallis:

                                                       4FY Fionnay (1500m)
                   250
                                HN
                                HS_avg
                                HS_min
                                HS_max
                   200          HS
                                HS_interp

                   150
 Schneehöhe [cm]

                   100

                   50

                     0
                    01.10.13     01.11.13   01.12.13     01.01.14   01.02.14   01.03.14     01.04.14       01.05.14   01.06.14

Abbildung 6: Schneehöhenverlauf an der Station 4FY, Fionnay, VS, 1500 m (54 Winter). Dargestellt sind die Schneehöhe
(rot, fett: gemessen, HS;, dünn: interpoliert, HS_interp), der Neuschnee (graue Säulen, HN), die langjährigen maximalen
Schneehöhen (dunkelblau, HS_max), die langjährigen minimalen Schneehöhen (violett, HS_min) und die langjährigen
mittleren Schneehöhen (grün, HS_avg).

Die Schneehöhenentwicklung im Wallis kann an-                          de so am langjährigen Mittelwert. Bis Mitte März
hand der langjährigen Vergleichsstation Fionnay,                       blieben dann die Werte überdurchschnittlich. Das
1500 m (Abbildung 6) verfolgt werden.                                  Schneehöhenmaximum wurde am 27. Februar und
Die Schneehöhen im nördlichen Wallis waren meist                       1. März mit 140 cm erreicht. Der Schneedeckenab-
unterdurchschnittlich: Wie an anderen Stationen                        bau erfolgte mit durchschnittlich 4 cm pro Tag zwi-
fand das Einschneien am 10. November statt. Nach                       schen dem 25. März und 25. April relativ rasch.
überdurchschnittlichen Schneehöhen im November                         Ausgeapert war das Messfeld am 25. April (Tabelle
blieben die Werte aufgrund der trockenen Witte-                        2).
rung bis zu den Weihnachtstagen deutlich unter                         An etwa einem Drittel der Tage wurde Neuschnee
dem langjährigen Mittelwert. Die Schneefälle Ende                      gemessen, in vier Fällen 21 bis 30 cm, in 17 Fällen
Dezember besserten die Schneelage auf und die                          11 bis 20 cm und in 37 Fällen 10 cm oder weniger
Schneehöhen hielten sich bis Mitte Februar gera-                       (Tabelle 2).

Tabelle 2: Statistik zur Station 4FY, Fionnay, VS, 1500 m (54 Winter) mit der Dauer der permanenten Schneebedeckung
[Tage] und der Anzahl Neuschneemessungen in Klassen [cm].

  Einschneien                  10.11.2013   Neuschnee (cm) 0        0.1-10     11-20      21-30    31-50       ≥51
  Ausapern                     25.04.2014   Anzahl Tage    109        37         17         4        0          0
  Dauer                        167          Häufigkeit %  65.3       22.2       10.2       2.4       0          0

                                                                                                                            15
Schnee und Lawinen in den Schweizer Alpen 2013/14

Nordbünden, nördliche Teile Mittelbündens, Unterengadin:
                                        Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, Davos

                                                        5WJ Weissfluhjoch (2540m)
                   400
                                  HN
                                  HS_avg
                   350            HS_min
                                  HS_max
                                  HS

                   300            HS_interp

                   250
 Schneehöhe [cm]

                   200

                   150

                   100

                   50
                                                                                                                                            8
                                                                                                                                            (1
                    0
                     01.10.13 01.11.13 01.12.13 01.01.14 01.02.14 01.03.14 01.04.14 01.05.14 01.06.14 01.07.14 01.08.14 01.09.14 01.10.14

Abbildung 7: Schneehöhenverlauf an der Station 5WJ, Weissfluhjoch, GR, 2540 m (81 Jahre). Dargestellt sind die
Schneehöhe (rot, fett: gemessen, HS;, dünn: interpoliert, HS_interp), der Neuschnee (graue Säulen, HN), die langjäh-
rigen maximalen Schneehöhen (dunkelblau, HS_max), die langjährigen minimalen Schneehöhen (violett, HS_min) und                                   27.06.2014
die langjährigen mittleren Schneehöhen (grün, HS_avg).

Die Schneehöhenentwicklung in Nordbünden so-                                  der grössten, minimalen Schneehöhe, welche nur
wie im Unterengadin kann anhand der langjähri-                                um 7 cm verfehlt wurde. Der Schneehöhenabbau
gen Vergleichsstation Weissfluhjoch, 2540 m (Ab-                              erfolgte in der zweiten Maihälfte rasch. Der letzte
bildung 7) verfolgt werden.                                                   Meter schmolz in 14 Tagen ab (ca. 7 cm pro Tag).
Bereits am 11. Oktober, mit dem ersten Schnee-                                Am 19. Juni war das Messfeld ausgeapert, drei Wo-
fall des hydrologischen Jahres, wurde das Mess-                               chen früher als das mittlere Ausaperungsdatum.
feld eingeschneit. Die Schneehöhe erreichte Werte                             Im Durchschnitt schneite es ungefähr jeden zwei-
von 36 cm. Für einen Tag, am 29. Oktober, aper-                               ten Tag. Die grösste Neuschneemenge wurde am
te es nochmals aus, schneite aber gleich wieder                               11. Oktober, vor dem Einschneien gemessen, be-
ein. Im November entsprachen die Schneehöhen                                  trug aber nur 32 cm. Die meisten Neuschneewerte
meist dem langjährigen Mittelwert, später blieben                             (40% der Tage) betrugen 10 cm oder weniger, 5%
die Werte bis zum Ende des Winters darunter. Das                              lagen zwischen 11 und 20 cm, 2% zwischen 21 bis
Schneehöhenmaximum wurde am 24. März mit                                      30 cm (Tabelle 3).
189 cm erreicht, drei Wochen früher als das mittlere
Maximum (14. April). Mitte April war der Zeitpunkt

Tabelle 3: Statistik zur Station 5WJ, Weissfluhjoch, GR, 2540 m (81 Jahre) mit der Dauer der permanenten Schneebe-
deckung [Tage] und der Anzahl Neuschneemessungen in Klassen [cm].

  Einschneien                   30.10.2013     Neuschnee (cm) 0             0.1-10     11-20      21-30      31-50     ≥51
  Ausapern                      19.06.2014     Anzahl Tage    124             93        12          4          0        0
  Dauer                         233            Häufigkeit %  53.2            39.9       5.2        1.7         0        0

16
Schnee und Lawinen in den Schweizer Alpen 2013/14

Alpensüdhang, Oberengadin, südliche Teile Mittelbündens:
                                       Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, Davos

                                                        6SB San Bernardino (1640m)
                   350
                                 HN
                                 HS_avg
                                 HS_min
                   300
                                 HS_max
                                 HS
                                 HS_interp

                   250
 Schneehöhe [cm]

                   200

                   150

                   100

                   50

                                                                                                                                  6
                                                                                                                                  (1
                    0
                     01.10.13     01.11.13   01.12.13     01.01.14   01.02.14   01.03.14     01.04.14       01.05.14   01.06.14

Abbildung 8: Schneehöhenverlauf an der Station 6SB, San Bernardino, GR, 1640 m (63 Winter). Dargestellt sind die
Schneehöhe (rot, fett: gemessen, HS;, dünn: interpoliert, HS_interp), der Neuschnee (graue Säulen, HN), die langjäh-
rigen maximalen Schneehöhen (dunkelblau, HS_max), die langjährigen minimalen Schneehöhen (violett, HS_min) und                         27.06.2014
die langjährigen mittleren Schneehöhen (grün, HS_avg).

Die Schneehöhenentwicklung am Alpensüdhang                              April 1975 (295 cm) wurde bei weitem nicht ange-
und im Oberengadin kann anhand der langjährigen                         tastet. Der Schneedeckenabbau erfolgte ab Anfang
Vergleichsstation San Bernardino, 1640 m (Abbil-                        März zügig, aber mit kurzen Unterbrüchen. Die Ra-
dung 8) verfolgt werden.                                                te der Schneehöhenabnahme war hoch und betrug
Nach den Schneefällen im Oktober und November                           im März und April 5 bis 6 cm pro Tag. Das Messfeld
aperte das Messfeld jeweils aus. Erst auf den 20.                       war am 4. Mai ausgeapert.
Dezember schneite es definitiv ein. Markant war                         An etwas mehr als der Hälfte der Tage wurde Neu-
die Schneehöhenzunahme auf den 26. Dezember                             schnee gemessen. Neben dem aussergewöhnlich
mit einem Neuschneewert von 120 cm. Damit war                           hohen Wert von 120 cm wurden in neun Fällen
und blieb die Schneehöhe etwa beim doppelten                            Neuschneewerte von 31 bis 50 cm, in sechs Fällen
Wert des langjährigen Mittels und die Schneehö-                         21 bis 30 cm, in 12 Fällen 11 bis 20 cm und in 31
he erreichte bis in den März hinein immer wieder                        Fällen 10 cm oder weniger gemessen (Tabelle 4,
neue Tagesschneehöhenmaxima. Das Schneehö-                              vgl. auch Kapitel 4 ab Seite 71).
henmaximum des Winters wurde am 1. März mit
254 cm erreicht. Das absolute Maximum vom 10.

Tabelle 4: Statistik zur Station 6SB, San Bernardino, GR, 1640 m (63 Winter) mit der Dauer der permanenten Schnee-
bedeckung [Tage] und der Anzahl Neuschneemessungen in Klassen [cm].

  Einschneien                   20.12.2013   Neuschnee (cm) 0        0.1-10     11-20      21-30    31-50       ≥51
  Ausapern                      04.05.2014   Anzahl Tage    77         31        12          6        9          1
  Dauer                         136          Häufigkeit %  56.6       22.8       8.8        4.4      6.6        0.7

                                                                                                                             17
Schnee und Lawinen in den Schweizer Alpen 2013/14

Schneedeckenaufbau

Der Schneedeckenaufbau war vor allem anfangs                   der Schweizer Alpen vergleichbar. Der Schnee,
Winter ungünstig (Abbildung 9). Bereits Ende De-               welcher im Oktober und November gefallen war,
zember und Mitte Januar erreichte er für die Jah-              wandelte sich in grosse, kantige Kristalle um, be-
reszeit normale Güte und wurde in der Folge noch               sonders an Nordhängen. Dieser Prozess wurde
günstiger. Diese generelle Beurteilung (Abbildung              durch die dünne Schneedecke noch begünstigt.
9) ist aufgrund regionaler Unterschiede zu relati-             Bereits Ende Oktober und im November war der
vieren: Die Verbesserung des Schneedeckenauf-                  ältere Schnee aufbauend umgewandelt, so dass
baus war in erster Linie die Folge der grossen                 Neu- und Triebschnee jeweils auf diesem abglitten.
Schneemengen in den südlichen Gebieten, die                    Nach den ersten zwei sonnigen, milden Dezember-
dort rasch zu einer günstigen Schneedecke führ-                dekaden
ten. Aber auch die sehr häufigen Föhnlagen am
Alpennordhang trugen, insbesondere in den typi-                    • lagen die Schneehöhen im Vergleich zum
schen Föhngebieten, zu einer Verbesserung des                        langjährigen Mittel deutlich unter dem Durch-
Schneedeckenaufbaus bei. Über die längste Zeit                       schnitt (meist 30 bis 60% oder weniger)
ungünstig blieb der Schneedeckenaufbau in den                      • lagen auf 2500 m in den meisten Gebieten 40
Gebieten mit eher weniger Neuschnee und weni-                        bis 60 cm Schnee, im nördlichen Wallis, im
ger Föhneinfluss, namentlich im südlichen Wallis                     nördlichen Tessin und im Oberengadin 60 bis
und in den nördlichen Gebieten Graubündens. In                       90 cm.
der Folge sind die wichtigsten regionalen Aspekte
beschrieben.                                                       • war die dünne Schneedecke stark aufbau-
                                                                     end umgewandelt und weich. Grosse, kantige
Herbst 2013: Ähnliche Entwicklung in allen Ge-                       Kristalle dominierten. Besonders ausgeprägt
bieten der Schweizer Alpen                                           war diese Situation in Bereichen, die nicht
Bis Weihnachten 2013 war die Entwicklung der                         stark vom Wind beeinflusst waren (Abbildung
Schnee- und Lawinensituation in allen Gebieten                       10).

                                              Schneedeckenaufbau − langjähriger Vergleich

        günstig

                                                                            ●
                                                                                      ●      ●        ●
                                                                  ●                                            ●
                                                         ●

                                 Winter 2013/14
                                       ●          ●

                    ●

                             ●

      ungünstig

                            Dez               Jan                Feb                Mär              Apr

Abbildung 9: Schneedeckenaufbau im Winter 2013/14 (rote Linie mit Punkten) im Vergleich mit den letzten 17 Wintern
(Mittelwert: blaue, durchgezogene Linie; äusserer blau schattierter Bereich: minimaler und maximaler Wert; innerer grau
schattierter Bereich: Bereich von einer Standardabweichung um den Mittelwert). Der Index berücksichtigt die maxima-
le Anzahl Nieten (kritische Bereiche) in der Schneedecke sowie den Anteil sehr weicher, grobkörniger und aufbauend
umgewandelter Schichten. Als Grundlage für den Index wurden alle Flachfeldprofile, sowie Hangprofile, welche in Nord-
hängen (NW-N-NE) aufgenommen wurden, verwendet.

18
Schnee und Lawinen in den Schweizer Alpen 2013/14

                    • lag der Schnee allgemein sehr unregelmässig
                      verteilt und war oft stark vom Wind geprägt.
                      An Kämmen, Graten, Gipfeln und Gelände-
                      kanten lag teilweise kaum mehr Schnee, wäh-
                      rend in Rinnen, Mulden oder an Felswandfüs-
                      sen alte Triebschneeansammlungen lagen.
                      Südhänge waren zudem von Sonne und Wär-
                      me oft bis über die Waldgrenze ausgeapert
                      (Abbildung 11).
   Diese ungünstige Ausgangslage war in allen Ge-
   bieten der Schweizer Alpen ähnlich. Im Weiteren
                          S hneep o i : 2                                      t: N    Enge be g        o hpass Su       i    atum/ eit: 1 .12.2013 10:00

   entwickelte sich die Situation regional unterschied-
                          Beobachter
                              rofilnr 1
                                              erner Hurschler                Höhe     . M. 2380 m
                                                                             E position N        / Neigung 37 °
                                                                                                                             Lufttemp. -4.5 °C
                                                                                                                             Bewölkung wolkenlos (0/8)
                                                                             Koordinaten 673180 / 180940                      ind    / 0 km/h
   lich.                  Gesamtwasserwert --- mm (HS --- cm)
                          Hasty     it Nein
                                                                             Mittl. Raumgew. --- kg/m³                       Mittl. Rammwiderstand 19 N
                                                                                                                                                                                      Abbildung 11: Schneelage Mitte Dezember am Alpen-
                               etter/Niederschlag schön
                          Bemerkungen                                                                                                                                                 nordhang. Die Niesenkette (BE) war an Südhängen bis
                    Neuschnee        Filz     kleine Runde    kantig   Tiefenreif      Oberflächenreif        Schmelzform    Eislamelle        kantig, abgerundet        Graupel

                                                  Rammwiderstand (N)
                                                                                                               H     θ   F     D          K      Niete    Rutschblock
                                                                                                                                                                                      weit hinauf (2400 m) aper, an Nordhängen reichte die
    1200          1100   1000     900       800    700  600    500     400      300        200    100     0                    mm
                          M                                       B                   1F          4F     FA                                                                           Schneedecke bis ins Tal (ca. 800 m) und war in allen Hö-
                                                                                                               190
                                                                                                                                                                                      henlagen kantig aufgebaut und locker (Foto: H.U. Naege-
                                                                                                               180                                                                    li, 17.12.2013).
                                                                                                               170

                                                                                                               160
                                                                                                                                                                                      Günstige Entwicklung mit wiederholten, ergie-
                                                                                                               150
                                                                                                                                                                                      bigen Schneefällen am Alpensüdhang
                                                                                                               140
                                                                                                                                                                                      Die Schneedeckenentwicklung am Alpensüdhang
                                                                                                               130
                                                                                                                                                                                      kann aufgrund der Station San Bernardino ver-
                                                                                                                                                                                      folgt werden (Abbildung 12). Dabei ist allerdings
                                                                                                               120

                                                                                                                                                                                      zu berücksichtigen, dass an diesem Standort der
                                                                                                                                                                                      Schnee von Oktober und November bis Mitte De-
                                                                                                               110
Schneehöhe (cm)

                                                                                                               100
                                                                                                                                                                                      zember geschmolzen war. An anderen Standorten
                                                                                                               90
                                                                                                                                                                                      resp. in höheren Lagen war eine kantig aufgebaute
                                                                                                               80
                                                                                                                                                                                      und weiche Altschneeschicht vorhanden.
                                                                                                                                    1      1
                                                                                                               70                                                                     Obwohl am 25., 26. und 27. Dezember in diesem
                                                                                                               60
                                                                                                                                 1-1.5     2      ***

                                                                                                                                                  ****
                                                                                                                                                                    nur ein Eck
                                                                                                                                                            RB6 unregelmässig         Gebiet nur wenige Lawinen beobachtet und ge-
                                                                                                               50                1-1.5     1                                          meldet wurden, muss davon ausgegangen werden,
                                                                                                               40                   1.5    2      ****                                dass während der ausserordentlich intensiven Nie-
                                                                                                                                                  ****

                                                                                                               30
                                                                                                                                    1-2   1-2
                                                                                                                                                                     N    / 37°
                                                                                                                                                                                      derschlagsperiode zahlreiche kleine und mittlere
                                                                                                               20
                                                                                                                                    1.5    2      ****
                                                                                                                                                  ****                                Schneebrettlawinen spontan abgegangen waren.
                                                                                                               10
                                                                                                                                 1-2.5     1
                                                                                                                                                                                      Meist waren die Anrisshöhen wohl nicht gross,
                                                                                                                                    2-3
                                                                                                                                    2-3
                                                                                                                                           4
                                                                                                                                           1
                                                                                                                                                 ******
                                                                                                                                                 *****
                                                                                                                                                                                      die Lawinen dürften aber in vielen Fällen grossflä-
        -24       -22    -20      -18       -16    -14   -12     -10
                                                    Temperatur (°C)
                                                                        -8       -6        -4      -2     0
                                                                                                                                                                                      chig gewesen sein. Viele Hänge wurden wohl auch
                                                                                                                                                            Copyright (C) SLF Davos

   Abbildung 10: Schneeprofil vom 16. Dezember 2013,                                                                                                                                  mehrmals entladen. Damit wurde das schwache
   aufgenommen am Jochpass (Titlis/NW) auf 2380 m an                                                                                                                                  Schneedeckenfundament vielerorts ausgeräumt.
   einem 37 Grad steilen Nordwesthang. Die Schneehö-                                                                                                                                  Die grossen Neuschneemengen setzten und ver-
   he war für dieses Gebiet eher überdurchschnittlich. Dar-                                                                                                                           festigten sich deutlich. Die Schichten waren mäch-
   gestellt sind Handhärte (grau), Rammwiderstand (blau),                                                                                                                             tig genug, dass sie die schwache Altschneedecke,
   Temperaturverlauf (rot), Kornformen sowie Korngrössen.                                                                                                                             wo sie nicht durch Lawinen ausgeräumt worden
   In diesem Profil hatten alle Schichten eine Härte von                                                                                                                              war, tief begruben und die Auslösebereitschaft von
   1 oder 2 («Faust» oder «4 Finger»), ausser der Kruste                                                                                                                              Lawinen nach Niederschlagsende rasch abnahm.
   am Boden. Die Schneekristalle waren kantig und gross.
                                                                                                                                                                                      Die deutliche Setzung und Verfestigung ist an den
   Die Auslösung einer Schneebrettlawine war zum Zeit-
   punkt der Profilaufnahme wenig wahrscheinlich, weil das
                                                                                                                                                                                      Schneeprofilen von San Bernardino (Abbildung 12)
   Schneebrett fehlte. Für Neuschnee war diese Schnee-                                                                                                                                gut ersichtlich: Der Rammwiderstand war in den
   decke aber eine schlechte Unterlage und bildete für den                                                                                                                            tieferen Schneeschichten schon Mitte Januar deut-
   weiteren Verlauf des Winters das schwache Schneede-                                                                                                                                lich fester geworden und nahm bis in den März
   ckenfundament.                                                                                                                                                                     weiter zu.

                                                                                                                                                                                                                                           19
Schnee und Lawinen in den Schweizer Alpen 2013/14

                                                                      San Bernardino Fracc (6SB − 1640 m) − 2013/14
                  300   Neuschnee
                        Filz
                        rund
                        kantig                                                                                            ●

                        Schwimmschnee                                                                             ●

                                                                                                                                                              ●
Schneehöhe (cm)

                                                                                                         ●

                                                                                                                      ●                           ●

                  200   Oberflächenreif                                                              ●                        ●                   ●
                                                                                                                                                                      ●

                        Schmelzform
                                                                                                     ●                        ●                   ●                   ●

                                                                                                     ●                            ●                   ●                   ●

                        Eis                                              ●
                                                                                             ●
                                                                                                 ●                                ●

                                                                                                                                  ●
                                                                                                                                                      ●

                                                                                                                                                          ●
                                                                                                                                                                                  ●●

                                                                         ●                   ●                                    ●                       ●                   ●

                                                                             ●               ●                                    ●                       ●                        ●

                                                                             ●               ●                                        ●                       ●           ●

                                          ●

                                              ●                              ●               ●                                        ●                       ●           ●

                                                  ●                          ●                   ●                                    ●                       ●           ●

                  100                                 ●

                                                          ●
                                                                             ●

                                                                             ●
                                                                                                 ●                                    ●                       ●           ●

                                                                                                                                                                                         ●

                                                          ●                      ●                   ●                                    ●                   ●           ●                  ●

                                                              ●                  ●                                                                                                           ●

                                                              ●                  ●                       ●                                ●                       ●       ●                  ●

                                                              ●                      ●                                                                                                       ●

                                                                  ●                  ●                   ●                                ●                       ●       ●                  ●

                                                                  ●                  ●                                                                                                       ●

                                                                  ●                      ●                   ●                                ●                   ●       ●                  ●

                                                                  ●                      ●                                                                                                   ●

                    0                                             ●                      ●                   ●                                ●                   ●       ●        ●         ●

                         Dezember                                     Januar                                     Februar                                              März             April
Abbildung 12: Schneedeckenentwicklung im Winter 2013/14 an der Station 6SB, San Bernardino, GR, 1640 m. Dar-
gestellt sind die Schneehöhe (schwarze Kurve, eine Messung pro Tag), der Rammwiderstand (schwarze Balken), die
Kornformen (vgl. Legende in der Abbildung, die primäre Kornform ist dargestellt) und die Schneetemperaturen (rote
Punkte). Rammwiderstand, Kornformen und Schneetemperaturen stammen von Schneeprofilaufnahmen (zwei Mal pro
Monat).

                                                                                                                  den war die bodennahe, kantig aufgebaute Herbst-
                                                                                                                  Schneeschicht dünner und fester geworden und
                                                                                                                  mächtig überlagert. Für die Beurteilung der Situa-
                                                                                                                  tion im Nachhinein war diese Schicht jedoch noch
                                                                                                                  relevant, nicht für die Auslösung durch Personen,
                                                                                                                  aber verbunden mit der Frage, ob sie bei zusätzli-
                                                                                                                  cher Auflast durch weitere Schneefälle stellenweise
                                                                                                                  brechen und grosse Lawinen entstehen könnten.
                                                                                                                  Des Weiteren konnte günstig gewertet werden,
                                                                                                                  dass höhere Niederschlagsintensitäten (mehr als
                                                                                                                  3 cm pro Stunde) nur über kurze Zeit auftraten
                                                                                                                  und die Niederschläge immer wieder von Pausen
                                                                                                                  unterbrochen wurden. Schneefälle mit mittleren In-
                                                                                                                  tensitäten von 5 cm pro Stunde oder mehr über län-
                                                                                                                  gere Zeit (z.B. einen oder mehrere Tage) können
                                                                                                                  zu grossen oder sehr grossen Lawinen und Kata-
                                                                                                                  strophensituationen führen. Ferner beeinflussten
                                                                                                                  die, für hochwinterliche Verhältnisse relativ milden
                                                                                                                  Temperaturen die Setzung der Schneedecke posi-
                                                                                                                  tiv.
                                                                                                                  Mit zunehmender Überlagerung nahm die Festig-
                                                                                                                  keit der Schichten im Februar und März weiter zu.
                                                                                                                  Durch die Last der gut verfestigten Schichten wur-
                                                                                                                  de das Fundament allmählich fester.
                                                                                                                  In Abbildung 12 kommt gut zum Ausdruck, wie sich
Abbildung 13: Schneeprofilaufnahme in San Bernardino                                                              die Schneekristalle von Neuschnee über Filz zu
am 31. Januar 2014. Viel Schnee Ende Januar, . . . am                                                             runden Körnern entwickelten. Die in der Abbildung
meisten Neuschnee fiel dann aber erst im Februar (Foto:                                                           als kantig bezeichneten Schichten im März wa-
P. Vivalda).                                                                                                      ren eine Mischung aus kantigen und runden. Ende
                                                                                                                  März und im April war die Schneedecke bis zum
                                                                                                                  Boden 0 ◦ C-isotherm und von Schmelzformen do-
Am meisten Schnee fiel im Süden im Februar.
                                                                                                                  miniert. Der Schneedeckenabbau erfolgte, abge-
Durch die bereits günstige Schneedeckenentwick-
                                                                                                                  sehen von einem kurzem Unterbruch Ende März,
lung Ende Dezember und im Januar (Abbildung
                                                                                                                  rasch.
13) war die Schneedecke vor den neuen Nieder-
schlägen im Februar günstig aufgebaut. Schwach-
schichten fehlten weitgehend. Wo noch vorhan-

20
Schnee und Lawinen in den Schweizer Alpen 2013/14

Ungewöhnlich viele Süd- und Südwestlagen mit              Die Schneedeckenentwicklung am Alpennordhang
Föhn im Norden                                            kann anhand der Station Hasliberg verfolgt wer-
Am Alpennordhang, insbesondere in den typischen           den (Abbildung 15, oben). Die Schneedeckenun-
Föhngebieten, wurde der Schneedeckenaufbau                tersuchung Mitte Dezember zeigt, dass die dün-
durch aussergewöhnlich viele Föhnlagen (Abbil-            ne Schneedecke vollständig umgewandelt war und
dung 14) beeinflusst. Gemäss einer Untersuchung           aus kantigen Formen bestand. Ab Anfang Januar
von MeteoSchweiz (Klimabulletin Winter 2013/14)           bestand diese Schicht dann aus Schmelzformen
traten in den Wintermonaten Dezember, Januar              und an der ehemaligen Oberfläche hatte sich ei-
und Februar in den Schweizer Alpen 40 Tage mit            ne Kruste gebildet (hoher Rammwiderstand). Der
einer Südwest- oder Südlage auf, so viele wie noch        Neuschnee von Dezember hatte sich in runde Kör-
nie seit Beginn der Datenreihe im Winter 1957/58.         ner umgewandelt. Im weiteren Verlauf blieb der
Zudem waren die Temperaturen etwa 2 Grad wär-             unterste halbe Meter dieser Schicht bestehen. Die
mer als im langjährigen Durchschnitt (Norm 1961-          Schneetemperaturen lagen immer nahe bei null
1990).                                                    Grad. Insgesamt fiel nur wenig Neuschnee, der in
                                                          runde oder kantige Formen umgewandelt wurde.
                                                          Teilweise waren dünne Schichten (Krusten, Eisla-
                                                          mellen) eingelagert. Mit der Durchfeuchtung Ende
                                                          März und im April nahm der Rammwiderstand deut-
                                                          lich ab.

                                                          Ungünstiger Schneedeckenaufbau über Wo-
                                                          chen im südlichen Wallis und in den nördlichen
                                                          Gebieten Graubündens
                                                          Am ungünstigsten entwickelte sich die Schneede-
                                                          cke in den Gebieten, die nicht den stärksten Nie-
                                                          derschlägen oder Winden ausgesetzt waren: Im
                                                          südlichen Wallis und in den nördlichen Teilen von
                                                          Graubünden (Nordbünden, nördliche Teile Mittel-
                                                          bündens, nördliche Teile des Unterengadins). Die
Abbildung 14: Föhn, Föhn, Föhn. Schneetreiben am Bun-     Entwicklung kann beispielhaft an den Profilen auf
derspitz (2456 m, BE) (Foto: P. Allenbach, 28.02.2014).   dem Weissfluhjoch verfolgt werden (Abbildung 15,
                                                          unten).
Der Einfluss des Föhns auf die Schneedecke kann           Das Schneeprofil Mitte Dezember zeigt die kan-
wie folgt positiv gewertet werden:                        tig aufgebaute, ca. 50 cm dünne Schneedecke
                                                          des Frühwinters (vergleichbar mit Abbildung 10).
   • Er stört die oberflächennahen Schneeschich-          Die orange Linie markiert die Obergrenze die-
     ten und behindert die Bildung von flächi-            ser Schicht über den ganzen Winter. Wie deut-
     gen Schwachschichten. Dies auch in Nord-             lich zu sehen ist, blieb der Rammwiderstand un-
     hängen, wo er in diese hinunter greift. Die          terhalb dieser Linie bis Ende Februar fast unver-
     Schneeoberfläche wird unregelmässig und              ändert klein und war bis Ende April relativ gering.
     rauh.                                                Die Kornformen bestanden aus kantigen Formen
                                                          oder Schwimmschnee, teils waren sie sogar ange-
   • Er erhöht die Variabilität der Schneedecke.          schmolzen. Demgegenüber nahm der Rammwider-
     Homogene Schneeschichten sind weniger                stand oberhalb der Altschnee-Linie im Winterver-
     vorhanden. Die Schneehöhenverteilung ist             lauf allmählich zu, d.h. diese Schichten setzten und
     sehr unterschiedlich.                                verfestigten sich. Die Festigkeitszunahme war aber
                                                          deutlich kleiner als in San Bernardino (Abbildung
   • Er führt zu milderen Temperaturen, was eine
                                                          12). Die Schmelzformen zeigten ab Mitte März die
     verfestigende Wirkung hat.
                                                          oberflächennahe Anfeuchtung der Schneedecke.
   • Frischer Triebschnee wird hart und stabilisiert      Ende April war die Schneedecke durchfeuchtet.
     sich schnell.

                                                                                                           21
Schnee und Lawinen in den Schweizer Alpen 2013/14

                                                                                                            Hasliberg (1HB − 1830 m) − 2013/14
                  300    Neuschnee
                         Filz
                         rund
                         kantig
                         Schwimmschnee
Schneehöhe (cm)

                  200    Oberflächenreif
                         Schmelzform
                         Eis

                                                                                                                                                             ●

                                                                                                                                                                 ●

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                                                                                                                                                     ●           ●             ●

                                                                            ●

                                                                                ●                                                            ●                   ●             ●

                                                                                                                           ●

                  100
                                                                                                                                                                                       ●

                                                                                    ●                                  ●                     ●                   ●             ●       ●

                                                                                        ●                          ●                         ●                   ●                 ●   ●
                                                     ●

                                                 ●                                          ●                      ●                         ●                   ●                 ●   ●

                                                     ●                                      ●                          ●                     ●                   ●                 ●   ●

                                                         ●                                      ●                          ●                     ●               ●                 ●   ●           ●

                                       ●

                                   ●                         ●                                  ●                          ●                     ●               ●                 ●   ●           ●

                               ●                             ●                                  ●                              ●                     ●               ●             ●   ●           ●

                               ●                                 ●                                  ●                          ●                     ●               ●             ●   ●           ●

                                   ●                             ●                                  ●                          ●                     ●               ●             ●   ●           ●

                                       ●                         ●                                  ●                              ●                 ●               ●             ●   ●           ●

                    0                      ●                         ●                                  ●                          ●                     ●           ●             ●   ●           ●

                          Dezember                                        Januar                                                         Februar                               März            April
                                               Davos − Dorftälli − VF Weissfluhjoch (5WJ − 2540 m) − 2013/14
                   300   Neuschnee
                         Filz
                         rund
                         kantig
                         Schwimmschnee
 Schneehöhe (cm)

                   200   Oberflächenreif
                         Schmelzform
                         Eis

                   100

                    0
                          Dezember                                       Januar                                                        Februar                           März              April

Abbildung 15: Oben: Schneedeckenentwicklung im Winter 2013/14 an der Station 1HB, Hasliberg, BE, 1830 m, sowie
unten an der Station 5WJ, Weissfluhjoch, GR, 2540 m. Dargestellt sind die Schneehöhe (schwarze Kurve, eine Messung
pro Tag), der Rammwiderstand (schwarze Balken), die Kornformen (vgl. Legende in der Abbildung, die primäre Kornform
ist dargestellt) und die Schneetemperaturen (rote Punkte). Rammwiderstand, Kornformen und Schneetemperaturen
stammen von Schneeprofilaufnahmen (zwei Mal pro Monat). Im Profil unten zeigt die orange Linie die Grenze zwischen
dem Altschneefundament und dem Schnee, der ab Weihnachten 2013 fiel.

Während am Alpensüdhang Mitte Januar das                                                                                                  über die Weihnachtstage und Anfang Februar war
schwache Schneedeckenfundament schon mit ein-                                                                                             nicht nur der ungünstigen Schneedecke zuzu-
einhalb Meter Schnee überlagert war (Abbildung                                                                                            schreiben, sondern auch den hohen Begehungs-
12), erreichte die Überlagerung in den hier be-                                                                                           zahlen bei sonnigem Wetter in den Bergen wäh-
schriebenen Gebieten nur etwa einen Meter und                                                                                             rend der Weihnachtsferien. Zudem war in vielen
dies erst Mitte Februar. Die Überlagerung und die                                                                                         Gebieten erstmals diesen Winter die Schneela-
Festigkeit des überlagernden Schnees nahm also                                                                                            ge für Touren- und Varianten ausreichend. Somit
im Gegensatz zu den Gebieten am Alpensüdhang                                                                                              waren sehr viele Personen abseits der Pisten un-
nur langsam zu. Über längere Zeit betrug sie 50                                                                                           terwegs und viele Touren oder Varianten wurden
bis 80 cm. Das bedeutete kritische Voraussetzun-                                                                                          zum ersten Mal in diesem Winter befahren. Beson-
gen für die Auslösung von Lawinen durch Personen                                                                                          ders am 5. und 6. Januar genügten teils kleins-
(Abbildung 16). Mit der Veränderung der Schnee-                                                                                           te Störungen der Schneedecke für die Auslösung
eigenschaften des Schneebrettes nahm die Aus-                                                                                             von gefährlich grossen Lawinen. Wummgeräusche,
lösebereitschaft jeweils etwas ab oder wieder zu                                                                                          Rissbildungen und Fernauslösungen deuteten vie-
(z.B. mit Neuschnee). Das Schneedeckenfunda-                                                                                              lerorts auf die sehr instabile Situation hin.
ment veränderte sich in dieser Zeit kaum und trug
als Schwachschicht seinen Teil zur hohen Auslöse-
bereitschaft bei (Abbildung 17).
Die hohe Lawinenaktivität mit Personenbeteiligung

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