Alpenverein Austria Nachrichten - Alpenverein in Wien

Die Seite wird erstellt Johannes Burger
 
WEITER LESEN
Alpenverein Austria Nachrichten - Alpenverein in Wien
Alpenverein Austria
Nachrichten
Wege ins Freie
Jg. 127 • Nr. 4 • Oktober – Dezember 2019
www.alpenverein-austria.at

Eröffnungsfeier der Seethalerhütte
Nachhaltig leben – Umwelt schützen – Klima retten
Alpenvereinsjugend – in ganz Österreich draußen unterwegs!
Alpinteam – Sicher am Klettersteig
Alpenverein Austria Nachrichten - Alpenverein in Wien
2 Infos

                                4         8                                                                                   22

             32                                                                   41            18                            14

Inhalt     3 Editorial                                                        Tourentipps
                                                                         28   Kletterarena Dachstein West & Süd
           4 Eröffnungsfeier der Seethalerhütte                          32   Tour 1: Pribitz – Sonnschienalm – Brandstein
                                                                         33   Tour 2: Über den Dürrenstein
           6 Service                                                     34   „Mit Öffis auf Touren kommen“
               Geleitwort von Harald Herzog, Vereinsmanager •
                                                                         36   Geführte Touren
               Erreichen wir dich? • Septemberaktion • Winterverleih •
               Neu im Verkauf in unserer Servicestelle • Impressum •
               Die Hochschwab-Hüttenrunde • Als Alpenvereinsmitglied          NUS
               günstiger zur Photo+Adventure! • Neu in unserem Shop •    38   Krampen und Klauen
               Servicestelle – Wir sind für Sie da!                      40   Arbeitseinsatz im Nationalpark Donau-Auen
                                                                         41   Ornithologisch-Botanische Wanderung
             Umwelt                                                      42   Kanutour im Nationalpark Donau-Auen
           8 Nur die Bergwelt bewahren geht nicht                        43   Gebirgsmeteorologie
          10 Schutzgebiete in den Ybbstaler Alpen
          12 Armut - Umwelt – Klimawandel                                   Senioren
                                                                         44 Aktivitäten der Senioren
               Jugend                                                    46 Arbeitseinsatz am Hochweißsteinhaus
          16   Hoch, heiß und herausfordernd
          18   Klettern am Fels? Yes we can!                             48 Foto: Bilder wollen gestaltet werden
          19   Sommerschnee am Guttenberghaus                            50 Gruppen
          19   Jugendleiter gesucht!                                     53 Bücher

          20 „Einen Cappuccino bitte!“                                   54 Aktivprogramm - Touren und Kurse

          22 Ortsgruppe die Karnischen: „Vaia“                                Klettern
                                                                         57 Kletteranlage Klosterneuburg/Flakturm
          23 Zukunftspioniere – Fritz Macher, 1. Vorsitzender            58 Hallenklettern
             des Alpenverein Austria, im Interview mit
          		 Petra Darchinger                                            60   Via Ferrata – Klettersteig - Eisenweg
                                                                         61   Sicher am Klettersteig
               Reise                                                     62   Vorträge
          24 Expeditionen ans Ende der Welt                              64   Winteröffnungszeiten 2019/2020 unserer Hütten
          26 Rumänien – Das Land – die Kultur – die Menschen

                                                                                                             Austria Nachrichten 4/2019
Alpenverein Austria Nachrichten - Alpenverein in Wien
3 Editorial

Editorial
Liebe Austrianer!

Herzlichste Gastfreundschaft                 Besondere Anerkennung wurde einem                Die Hütten – Last und Lust des
und stimmungsvoller Fest­                    Gründungsmitglied des ÖAV und treuem             Alpenvereins
reigen vom 13. bis 15. Juni                  Mitglied der Austria zuteil: Paul Groh-
beim Alpenverein Südtirol zu                 mann, der gerade im Gebiet um die Drei           Ganz hageldicht und gemischt geht’s aktu-
                                             Zinnen viele Erstbegehungen begangen             ell auf unseren Hütten zu. Die schöne Seite
dessen 150. Jubiläum                         hatte. Sowohl als Gründungsvater des             finden Sie gleich anliegend mit den Berich-
                                             ÖAV und auch als Wiener Bergsteiger              ten über unsere wunderschönen Eröff-
Der in München begonnene Reigen der          wurde seiner gedacht. Ein Buch über sein         nungsfeierlichkeiten auf der neuen See­
Jubiläumsfeiern zum 150. Geburtstag des      Bergsteigerleben wurde neu herausge-             thalerhütte. Andererseits galt es jede Men-
Deutschen Alpenvereins (DAV) und des         bracht und vorgestellt.                          ge Herausforderungen bei der Bewirt-
Alpenverein Südtirol (AVS) hat sich mun-                                                      schaftung einiger Hütten zu bewältigen.
ter fortgesetzt!                             AVS-Präsident Georg Simeoni hat in der           Ein herausragendes Beispiel für Zusam-
                                             Jubiläumsausgabe des Magazins des AVS            menhalt und Solidarität haben wir auf der
Wie für den DAV (siehe mein letztes Edito-   zusammengefasst:                                 Heßhütte zu verzeichnen, deren verdiente
rial) gilt auch für den AVS die Austria –    „Die Idee, alle AVS-Sektionen sowie die          Pächterfamilie Reichenfelser im 30. Jahr
nach München und Leipzig – als dritte        Gründersektionen des Jahres 1869 zu unse-        der Bewirtschaftung fast gleichzeitig aus
Gründungssektion des seinerzeitigen          rer Feier vom 13. bis 15. Juni einzuladen, hat   gesundheitlichen Gründen für Wochen aus-
DuÖAV und erste österreichische Sektion;     alle überrascht und wurde mit viel Freude        fiel. Unser Pächterehepaar Mitterer von
entstanden durch den Zusammenschluss         aufgenommen. Der wahre Geist des Alpen-          der Simonyhütte ist eingesprungen und
des 1862 gegründeten Österreichischen        vereins kam in diesen drei Tagen voll zum        hat parallel dazu die zentrale Gesäuse­
Alpenverein (ÖAV) mit der Sektion Wien       Tragen: Wir gehören alle zusammen, haben         hütte bewirtschaftet. Wir möchten die bei-
des DuÖAV. Es ehrt uns, dass wir in der      dieselben Aufgaben und sprechen eine ge-         den dafür „vor den Vorhang“ bitten. Auch
Festschrift des AVS als Muttersektion des    meinsame Sprache. Wir sind eine große Fa-        beim endlich doch gelungenen Abschluss
ÖAV gewürdigt werden, die aus diesem         milie, über Berge und über Grenzen!“             aller Vereinbarungen für die Inangriffnah-
Grunde hohe Ansprüche an all ihre Aktivi-    Allen Respekt und ein herzliches „Berg           me des Neubaus der Voisthalerhütte war
täten stellt und Traditionshüterin des ÖAV   Heil“ von uns nach Bozen!                        unsere Einstellung, Nutzungskonflikte ein-
ist.                                                                                          vernehmlich auszuhandeln, bis zuletzt ge-
                                             Alpine Aktivitäten aus                           fordert.
Die Südtiroler Bergfreunde haben uns         unserem Aktivprogramm
Teilnehmern ein enorm spannendes und                                                          Ausblick auf die Jahres­
herausforderndes Programm geboten,           In den Sommermonaten waren an die 150            haupversammlung des ÖAV
das stimmungs- und schwungvoll umge-         organisierte Veranstaltungen und Ausbil-         Mitte Oktober in Schladming
setzt wurde. Hervorragende Reden, die        dungskurse mit zufriedenen Teilnehmern
Erstaufführung eines AV-Marsches, einen      erfolgreich und unfallfrei unterwegs.
Fernsehfilm zu 150 Jahre AVS, opulente       Dazu kommen natürlich Ihre/eure unzähli-         Zum Redaktionsschluss dieser Nachrich-
Galadiners und vieles andere mehr.           gen Touren und die ganze Vielfalt der            ten lag uns die Einladung noch nicht vor.
                                             Gruppenaktivitäten. Die Saison ist ja noch       Wir rechnen aber mit den schon zuletzt
Drei Bücher wurden verfasst und im Rah-      in vollem Gange – möge weiterhin ein gu-         angedeuteten grundsätzlichen Werte-Dis-
men der Feiern präsentiert:                  ter Verlauf gelingen.                            kussionen und werden unseren Stand-
                                                                                              punkt angemessen einbringen – und na-
„„ Jubiläumsband 150 Jahre Alpenver-                                                          türlich an dieser Stelle darüber berichten.
   ein in Südtirol
„„ Die 150 schönsten Touren in Südtirol                                                       Fritz Macher
„„ Die respektablen Touren des Ehren-                                                         Erster Vorsitzender
   präsidenten Louis Vonmetz

Im Jubiläumsband wurde auch die Zu-
sammenarbeit zwischen dem AVS und der
Austria bei der Erbauung der ersten Stra-
ße nach Sulden gewürdigt.

Austria Nachrichten 4/2019
Alpenverein Austria Nachrichten - Alpenverein in Wien
4 Editorial

                                                                                                                                                Symbolische
                                                                                                                                               Verleihung des
                                                                                                                                          Umweltgütesiegels der
                                                                                                                                                Alpenvereine
                                                                                                                                      Georg Unterberger (Mitarbeiter
                                                                                                                                      Abteilung Hütten, ÖAV), Carmen
                                                                                                                                       & Wilfried Schrempf (Pächter,
                                                                                                                                       Seethalerhütte) , Fritz Macher
                                                                                                                                          (1. Vorsitzender, Alpen­
                                                                                                                                               verein Austria)
                                                                                                                                                   (v.l.n.r.)

                                                                                                                                                © Herbert Raffalt
                                                                                Ernst
                                                                             Fischbacher
                                                                           (Bürgermeister,
                                                                             Ramsau am
                                                                              Dachstein)
                                 © Herbert Raffalt

                                                                                                                  © Herbert Raffalt

                                                                                                                                                                                           © Herbert Raffalt
                Alexander                                                                                                                Egon Höll
                 Scheutz                                                                                                              (Bürgermeister,
              (Bürgermeister,                                                                                                           Obertraun)
                 Hallstatt)

                                                           Ökumenische

                                                                                                        Vielen Dank an
                                                              Segnung
                                                        Stephan Turnovszky
                                                     (Weihbischof, Erzdiözese
                                                                Wien),
                                                       Martina Ahornegger
                                                     (Pfarrerin, Pfarramt Ram­
                                                         sau am Dachstein)
                                                                                                        alle Beteiligten!                                                     Andreas
                                                                                                                                                                     Kühberger (Abgeord­
                                                               (v.l.n.r.)                                                                                           neter zum Nationalrat &
                                                                                                                                                                    Bürgermeister, Mautern)
                                                                                                                                                                     i.V.v. Hermann Schüt­
                                                                © Herbert Raffalt

                                                                                                                                                                       zenhöfer (Landes­
                                                                                                                                                                        hauptmann, Land
                                                                                                                                                                            Steiermark)

                                      Bernd
                                  Dankelmayr,
                                (Ortsstellenleiter,
                                  Bergrettung
                                   Obertraun)
                                                                © Herbert Raffalt

                                                                                    © Herbert Raffalt

                                                                                                                                                                     Austria Nachrichten 4/2019
Alpenverein Austria Nachrichten - Alpenverein in Wien
5 Editorial

                                                                                                                                              Die
                                                                                                                                       Trachtenkapelle
                                                                                                                                      Ramsau sorgte bei
 © Herbert Raffalt

                                                                                                                                      der Eröffnungsfeier
                                                                                                                                        am Samstag für
                                                                                                                                         musikalische
                                                                                                                                         Unterhaltung.

10.-11. August 2019, Ramsau am Dachstein

Eröffnungsfeier der Seethalerhütte
D   er Zeitpunkt für dieses feierliche Wo-
    chenende wurde für Anfang August
festgelegt, da bis dahin damit gerechnet
                                                                 Schützenhöfer), Ernst Fischbacher (Bür-
                                                                 germeister, Ramsau), Lukas Seyfried (Ver-
                                                                 treter der Schladminger Bürgermeisterin
                                                                                                             sind vielen nachhaltig in Erinnerung ge-
                                                                                                             blieben. Umrahmt wurde der Samstag
                                                                                                             von der Trachtenkapelle Ramsau unter
wurde, dass die alte Seethalerhütte abge-                        Elisabeth Krammel), die ÖAV-Sektionen       Obfrau Gertraud Steinacher und Kapell-
tragen und somit genügend Platz für die                          Schladming, Haus und Wien, Heribert Eisl    meister-Stellvertreter Franz Vonwald,
Festgäste vorhanden sei und die Umge-                            (Ortsstellenleiter, Bergrettung Ramsau)     welche für großartige Stimmung sorgten.
bung durch den Anblick der maroden                               sowie unsere Freunde von der Alpinen
Hütte nicht gestört wäre. Fast hätte uns                         Gesellschaft der Preinthaler. Herzlichen    Am Sonntag boten die Festansprachen
eine mächtige Doline, die sich im Zuge der                       Dank auch an alle anderen, die mit uns      von Bürgermeister Höll aus Obertraun
Abbrucharbeiten unter der alten Hütte          Die Seethaler­    gefeiert haben.                             und Bürgermeister Scheutz aus Hallstatt
auftat hat, diesen Plan vereitelt.             hütte, gelegen                                                den inhaltlichen Schwerpunkt, der  katho-
                                                 auf 2.700 m     Vom Österreichischen Alpenverein (ÖAV)      lische Berggottesdienst von Weihbischof
Dem Alpenverein Austria war es ein gro-        an der Grenze     überbrachten Doris Hallama und Georg        Stephan Turnovszky den liturgischen
ßes Anliegen, die Verbundenheit mit den       zwischen Ober­     Unterberger herzliche Grüße. In seiner      Festakt. Wir mussten aufgrund der Wet-
Talgemeinden sowie benachbarten Alpi-          österreich und    Ansprache zur symbolischen Übergabe         terlage lange bangen, ob dieser im Freien
nen Vereinen und dem Bergrettungs-            der Steiermark,    des Umweltgütesiegels der Alpenvereine      möglich sei und dann große Flexibilität
dienst zum Ausdruck zu bringen. Wir sind      am oberen Ende     wies Georg Unterberger auf den zentralen    im Programm­ablauf einbringen. Schluss-
allen zu großem Dank verpflichtet, die        des Hallstätter    Stellenwert und die gewaltigen Anstren-     endlich war Wetterfestigkeit gefragt, die
unsere Einladung angenommen haben:             Gletschers, ist   gungen der Sicherung eines nachhaltigen     aber der Feierstimmung keinen Abbruch
Alois Lanz (Bezirkshauptmann, Gmunden),          das höchste     Agierens für den ÖAV hin.                   tat. Ganz besonders sind wir der ÖAV-
Michael Brands (Abteilung Umwelt und            Haus Oberös­                                                 Sektion Hallstatt, die unter Leitung des 1.
Natur, Land Oberösterreich), Egon Höll          terreichs und    Eine erster Höhepunkt der Feierlichkeiten   Vorsitzenden Reinhard Kerschbaumer in
(Bürgermeister, Obertraun), Alexander          damit ein star­   war am Samstag die ökumenische Seg-         großer Anzahl teilnahm und auch den li-
Scheutz (Bürgermeister, Hallstatt), Georg      ker Impuls für    nung durch Martina Ahornegger (Pfarre-      turgischen Teil wesentlich unterstützte,
Bliem (Direktor, Planaibahn) sowie die        den regionalen     rin, Evangelische Pfarre Ramsau) und        zu Dank verpflichtet.
ÖAV-Sektionen Hallstatt und Goisern von          Tourismus.      Stephan Turnovszky (Weihbischof, Erzdiö-
der nördlichen, oberösterreichischen Sei-                        zese Wien), der den Dachstein und die       Das Hüttenteam der Pächterfamilie
te des Dachsteins und von der südlichen,                         Seethalerhütte seit seiner Teilnahme an     Schrempf und das anwesende Vorstands­
steirischen Seite Andreas Kühberger (Ab-                         einem Ausbildungskurs der Austria auf       team der Austria waren glücklich, aber
geordneter zum Nationalrat und Bürger-                           der Simonyhütte im Vorjahr lieben ge-       auch erschöpft, als die Feierlichkeiten am
meister, Mautern, als Vertreter des steiri-                      lernt hat. Diese beeindruckende Feier und   Sonntagabend zu Ende gingen.
schen Landeshauptmannes Hermann                                  die Ausführungen der beiden Zelebranten     Fritz Macher, 1. Vorsitzender

Austria Nachrichten 4/2019
Alpenverein Austria Nachrichten - Alpenverein in Wien
6 Service

Liebes Mitglied!
Von Harald Herzog, Vereinsmanager
Wir hoffen, du konntest den Sommer genießen und der wanderba-                  wie er es will. Die Natur weist dann wieder in die Schranken. Es ist
re Herbst führt dich noch einige Male hinaus ins Freie, bevor der              nicht alles immer und für jeden möglich, eine Erfahrung, die viele
Winter wieder einzieht.                                                        suchen. Digital Detox, also das Abnabeln von digitalen Kanälen,
Wir waren im Sommer unterwegs, doch steigt das Interesse auch                  können wir hier zum Teil ganz gut unterstützen, denn der finanzi-
an digitalen Reisen, was wir anhand von Abonnenten unserer                     elle Aufwand, WLAN auf unseren Hütten anzubieten, wäre manch-
Social­-Media-Kanäle sehen. Auch die Bewertungen in Suchmaschi-                mal zu groß. Und ganz im Gegenteil, manche Besucher suchen
nen und anderen Portalen nehmen stark zu. Als Verein mit 20 Al-                diese Orte. Wenn es dann aber um die Alarmierung im Notfall geht,
pinhotels sind wir schon beschäftigt, hier zu erkennen, wie sich               ist Erreichbarkeit wieder gewünscht. Aber nicht überall und jeder-
der Sommer in diesem Jahr entwickelt. Viele wollen nach ihrem                  zeit passiert alles, was möglich ist. Und so sind wir wieder auf un-
Besuch ihre Fotoeindrücke mit der Welt teilen und das Erlebnis                 sere Selbsteinschätzung zurückgeworfen.
bewerten. In der Mehrzahl der Fälle erleben wir hier keine Überra-             Um bei den Sozialen Medien zu bleiben, bemerken wir positiv, dass
schungen, trotz jährlich steigender Nächtigungszahlen. Gesamt                  man auch uns als Verein folgen möchte. Genauer folgt man hier
stehen wir dabei derzeit bei 35.000 für den Alpenverein Austria                einer Idee vom Umgang mit der Natur, den wir in diesem Heft auch
alleine. Oftmals erkennen wir, dass das Engagement der Hütten-                 im Print umfangreich darstellen. Diesmal auf 100 % Recyclingpa-
wirte in den sozialen Medien unmittelbar mit einem Besuch einher-              pier. Wir wünschen dir daher mit unserer aktuellen Zeitung viel
geht. Man möchte mit dem Urlaubsort offenbar in Kontakt bleiben                Vergnügen und damit es nicht ein Einwegmedium bleibt, dürfen
und weiter genießen, aber gerade auch für die lokale Identifikation            wir dir als Rückmeldeadresse austria@alpenverein-austria.at oder
mit der Hütte sind die Instagram- und Facebookkanäle wichtig.                  einen Besuch in der Servicestelle anbieten.
Man möchte ehrlich wissen, wie es der Hüttenwirtin und dem -wirt
geht, ohne Hochglanz und Schönerung. Der Trend zur Authentizität                         Instagram: @alpenvereinaustria
kommt uns hier entgegen, denn in den Bergen lässt es sich schwer
                                                                                         Facebook: Alpenverein Austria
verbergen, dass man angestrengt oder überanstrengt war. Die
Bergrettung berichtet von steigenden Einsätzen aus Überschät-                  Weitere Accounts für unsere Kletteranlagen, Hütten etc. gibt es
zung, zugleich möchte jeder sein bisschen Urlaub so verbringen,                unter dem jeweiligen Namen auch.

Erreichen wir dich?                                                            Neu im Verkauf in unserer
In den kommenden Wochen werden die neuen Mitgliedsausweise
versendet mit den neuen Mitgliedsbeiträgen. Wenn du umgezo-
                                                                               Servicestelle
gen bist oder sich dein Kontakt anders verändert hat, so bitten
wir dich, uns das mitzuteilen.                                                 Unser Bemühen um
Selbst ändern unter www.alpenverein.at/meinalpenverein oder                    Umweltfreundlichkeit hat
bei uns unter austria@alpenverein-austria.at oder 015131003                    sich auch bei der Wahl
                                                                               unserer neuen T-Shirts
Septemberaktion                                                                niedergeschlagen.
Wenn du eine Freundin oder einen Freund hast, der schon lange                  Diese sind aus BioBambus und Fair
Mitglied werden wollte, dann bitte Folgendes weiterleiten: Wer                 gehandelt. Sie sind wesentlich ange-
jetzt Mitglied wird, kann mit einem Jahresbeitrag ab sofort bis                nehmer als  herkömmliche T-Shirts.
Ende 2020 bei uns Mitglied werden. Wirst du als Werber genannt,
dann kannst du dir als Dank eine Alpenvereinskarte kostenlos in                Zusätzlich haben wir ein Buff, Modell Großglockner, in den Ver­
der Servicestelle abholen.                                                     kauf aufgenommen. Dieser ist aus recycelten Materialien her-
                                                                               gestellt und bietet Sonnenschutzfaktor 50.
Winterverleih                                                                  Wir mussten feststellen, dass es einigermaßen schwierig ist,
Dieses Jahr im Winterverleih sind wieder etliche topaktuelle                   im Bereich Bekleidung der inneren Einstellung folgen zu kön-
Ausrüstungsgegenstände wie LVS-Sets, Schneeschuhe, Biwaksä-                    nen. Hier gibt es dazu mehr:
cke etc. bei uns zum Verleihen. Bitte insbesondere von Jänner                  www.animalfair.at/ethischer-einkaufsfuehrer
bis März bei uns vorreservieren. Telefonisch oder per Mail mit
Wunschdatum 01 513 1003 oder austria@alpenverein-austria.at

Impressum:                                                                                  Redaktion & Anzeigenannahme: Alpenverein Austria, Agnieszka Lazowska-Hreczycho,
                                                                                            Harald Herzog, 1010 Wien, Rotenturmstraße 14
Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz: „Austria Nachrichten“, Zeitschrift des Alpen­                                   Druck: Ferdinand Berger & Söhne Ges.m.b.H., Wienerstraße 80,
verein Austria, Zweig­verein des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV): 1010 Wien, Rotenturm-                          A-3580 Horn, CO2-neutraler Druck nach den Richtlinien des österr.
straße 14, erscheint 5-mal jährlich, einschließlich Aktiv-Programm                          Umweltzeichens, P.E.F.C. zertifiziert. Grafik: beesign.com Titelbild: Herbert Raffalt
Herausgeber u. Medieninhaber: Zeitschrift des „Alpenverein Austria“, Zweigverein des Die Bildrechte liegen bei den Autoren. Die Inhalte der namentlich gekennzeichneten
Österreichischen Alpenvereins (ÖAV): 1010 Wien, Rotenturmstraße 14.  ZVR-Zahl: 454438765. Beiträge spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung der Redak­tion wieder.
Für den Inhalt verantwortlich: Friedrich Macher, Erster Vorsitzender                        Redaktionsschluss der Ausgabe 1/2020 (Jänner-März): 01.11.2019

                                                                                                                                                               Austria Nachrichten 4/2019
Alpenverein Austria Nachrichten - Alpenverein in Wien
7 Service

Die Hochschwab-Hüttenrunde                                                                                                                                                 Als Alpenvereins-
                                                                                                                                         Unsere Tourenführer Arno          Mitglied günstiger
                                                                                                                                         Wertheimer und Harald Herzog
                                                                                                                                         waren im Sommer nicht untätig
                                                                                                                                                                           zur Photo+Adventure!
                                                                                                                                         und haben analog zur Dach-
                                                                                                                                         stein-Hüttenrunde eine Hoch-      Highlight 2019: Heinz Zak –
                      Hochschwab­                                                                                                        schwab-Hüttenrunde entwor-        Klangwelt Berge
                      Hüttenrunde                                                                                                        fen.
                                                                                                                                                                           Die Photo+Adventure ist mittlerwei-
                                                                                                                                         Die Wegführung ist:               le ein Klassiker für alle, die an Foto-
                                                                                                                                         Bodenbauer – Voisthalerhütte –    grafieren, Reisen und Naturerlebnis
                                                                                                                                         Hochschwabgipfel – Fleischer-     interessiert sind. Die bereits 13. Ausgabe findet von 9.- 10. November 2019 in der
                                                                                                                                         biwak – Sonnschienhütte –         Messe Wien statt. Besucher erwarten die neusten Angebote aus diesen eng miteinan-
                                                                                                                                         Bodenbauer                        der verbundenen Themen im Messebereich und eine Vielzahl an Ausstelleraktivitäten.
                                                                                                                                                                           Der Festivalbereich glänzt mit einem reichhaltigen Rahmenprogramm aus Reise- und
                    Drei Hütten – Ein Weg
                     Voisthalerhütte | Fleischerbiwak | Sonnschienhütte                                                                  Broschüren sind in der Service-   Fachvorträgen, Seminaren, Workshops, Fotoausstellungen u.v.m.
                                                                                                                                         stelle abzuholen und die Tour
                                                                                                                                         ist auf Alpenvereinaktiv.com      Rabatt für Alpenvereinsmitglieder
                                          www.hochschwabhuettenrunde.at
                Diese Tour ist auf aslkdfKJFKSDJFKLASDJF                                        zu finden

                                                                                                                                         als Hochschwab-Hüttenrunde        Besuchen Sie uns auf der Photo+Adventure und sichern Sie sich Ihren Mitgliedsrabatt
                                                                                                                                         beschrieben.                      auf die Eintrittskarte. Einfach an der Tageskassa Ihren Alpenverein-Mitgliedsausweis
  Etappe 2
                                               Anforderung:
                                                                     Etappe 3
                                                                                                              Anforderung:
                                                                                                                                          Die gesamte Tour
                                                                                                                                                                           vorweisen und einen Rabatt von 2 Euro auf den Eintrittspreis erhalten.
                                                                                                                                                                           Noch mehr spart, wer sich schon jetzt das Ticket sichert. Im Webshop den Gutscheincode
  Voisthalerhütte – Hochschwab – Sonnschienhütte                     Sonnschienhütte – Bodenbauer

                                                                                                                                                                           „alpenverein19“ eingeben und nochmals -10% auf den Vorverkaufspreis erhalten.
  Schwierigkeit: schwer – Strecke: 15,4 km – Dauer: 6:00 h –         Schwierigkeit: schwer – Strecke: 14,8 km – Dauer: 6:00 h –

                                                                                                                                                                           www.photoadventure.at
  Aufstieg: 805 hm – Abstieg: 939 hm                                 Aufstieg: 750 hm – Abstieg: 1.384 hm

  Am zweiten Tag startet man besser früh, dann kann der Gipfel in    Am letzten Tag können Motivierte noch auf den Ebenstein steigen
  Ruhe genossen werden und der weitere Weg zur Sonnschienalm         bevor sie über die Häuselalm wieder zum Bodenbauer absteigen.
  kann noch einigermaßen kühl erfolgen.                              Wer von der Sonnschienhütte auf den Ebenstein gehen möchte folgt

                                                                                                                                                                           Termin, Location: 9. & 10. November 2019, Messe Wien, Halle B & Messe Kongress
  Die zweite Etappe führt uns auf den Gipfel des Hochschwabs und     dem marktierten Steig in nördlicher Richtung. Wer nicht, der geht
  vorbei an weiteren Erhebungen zur Sonnschienalm.                   zur Häuselalm und von dort an Bergab zum Bodenbauer.
  Bei Schlechtwettergefahr kann die Tour beim Fleischerbiwak abge-   Alternativ kann man auch durch den Klammfall absteigen, was je-
  kürzt werden. Man steigt über das Ghackte und das Trawiestal zum   doch länger dauert, landschaftlich aber ebenso reizvoll ist.
  Bodenbauer ab.

                                                                                                                                                                           Öffnungszeiten: jeweils 9-18 Uhr
                                                                                                                                          10                       11
                                                                                                                                                                           Tickets: https://www.photoadventure.at/ticketshop/
  8                                                                                                                              9

Neu in unserem Shop

„„ Skitourenführer Österreich. Das Standardwerk für alle, die vorhaben                                                                                                               „„ Handbuch Sportklettern. Vertiefende Lektüre für vertikalen Genuss
    Österreichs Berge auf Tourenskiern oder Schneeschuhen zu ersteigen.                                                                                                                 auf Plastik oder Fels der Wiener Profisportkletterin Herta Gauster.
    € 29,95                                                                                                                                                                             € 39,90
„„ Booklet Skitouren. Zum Nachlesen und Einlernen hier das Lehrwis-                                                                                                                  „„ Was das Leben so schrieb. Ein Bergbuch eines Wieners, der die Ber-
    sen des Österreichischen Alpenvereins für Skitouren kompakt und an-                                                                                                                 ge rund um Wien erstieg und davon heiter Amüsantes zu berichten
    schaulich dargestellt. € 13,90                                                                                                                                                      weiß. € 24,90
Beide gemeinsam eignen sich ideal als Weihnachtsgeschenk.                                                                                                                            „„ Das Alpenvereinsjahrbuch BERG bildet mit überzeugender Themen-
„„ Kletterspiele: Ab und zu wird es langweilig in der Boulderhalle und                                                                                                                  vielfalt, herausragender inhaltlicher und optischer Qualität sowie aus-
    so kann man die Kletterfreizeit auch kreativ überbrücken. Eignet sich                                                                                                               gezeichnetem Preis-Leistungs-Verhältnis seit Jahren ein Must-have im
    auch, um das eigene Klettertraining interessanter zu gestalten.                                                                                                                     Bergbuchbereich. € 20,90

   Servicestelle – Wir sind für Sie da!
   Unsere Mitarbeiter sind für Sie von                                                                                                                                                Wir informieren Sie gerne über laufende Aktivitäten, helfen bei Fragen zu
   Mo.: 09.00 – 18.00 Uhr durchgehend,                                                                                                                                                unseren Hütten und nehmen Ihre Anmeldungen zu unseren Veranstaltun-
   Di., Mi., Fr.: 10.00 – 18.00 Uhr durchgehend und                                                                                                                                   gen entgegen.
   Do.: 10.00 – 19.00 Uhr durchgehend für Sie erreichbar                                                                                                                              Vor Ort im Alpenvereinshaus in der Rotenturmstraße 14 können Sie Karten-
   unter: Tel. 01/513 10 03                                                                                                                                                           material, Hüttenschlafsäcke und andere Verkaufsartikel erwerben.
   austria@alpenverein-austria.at                                                                                                                                                     Ebenso bieten unser Ausrüstungsverleih und unsere Alpinbibliothek die
   www.alpenverein-austria.at                                                                                                                                                         notwendige Hardware für Ihr Bergerlebnis.

Austria Nachrichten 4/2019
Alpenverein Austria Nachrichten - Alpenverein in Wien
8 Umwelt

                                                                                                                        Erschließen und
                                                                                                                        bewahren zugleich?

                                                                                                                        Nur die
                                                                                                                        Bergwelt
                                                                                                                        bewahren
                                                                                                                        geht nicht
                                                                                                                        Mit einer Träne im Auge lesen ­
                                                                                                                        wir den aktuellen Gletscher­
                                                                                                                        bericht 2017/2018 und planen
                                                                                                                        noch schnell die letzten Hoch­
                                                                                                                        touren bevor das weiße Gold
                                                                                                                        zu Tal läuft. Was dann ein See
                                                                                                                        ist, kann vermutlich später als
                                                                                                                        Schottergrube genutzt werden.
                                                                                                                        Dazwischen werden wir den
                                                                                                                        Motorbootschein machen.

                                                                                                                        Von Harald Herzog

 Tipps für das Thema Umweltschutz
 „„ www.umweltbundesamt.at Faktenwissen von A wie Abfall bis W wie Wasser.
 „„ Der ethische Einkaufsführer www.animalfair.at listet über 1000 Bezugsquellen für
    nachhaltigen Lebensstil.
 „„ „Aktuelle Fakten zur Phoitovoltaik in Deutschland“ vom Fraunhofer Institut, gibt
    Antworten im Zusammenhang mit Photovoltaik. www.pv-fakten.de
 „„ Insgesamt können wir als Ihr Verein eine Empfehlung zu Photovoltaikanlagen ab-
    geben. Selbst betreiben wir aktuell auf 13 unserer Schutzhütten Photovoltaikanla-
                                                                                        © Archiv Alpenverein Austria

    gen im Umfang von etwa 100kWp im Inselbetrieb und weitere vier Kleinwasser-
    kraftwerke auf vier Schutzhütten. Wenn Sie die Möglichkeit haben, auf Ihrem
    Dach eine Anlage zu errichten, so bitten wir Sie zu prüfen, ob dies möglich ist
    und gegebenenfalls in die Tat umzusetzen. Mehr zu Förderungen finden Sie hier:
    www.umweltffoerderung.at oder www.pvaustria.at/forderungen                                                         Vermurungen auf den Zuwegen zu
                                                                                                                       den Hütten (Porzehütte)

                                                                                                                                               Austria Nachrichten 4/2019
Alpenverein Austria Nachrichten - Alpenverein in Wien
9 Umwelt

D    er Alpenverein ist in der Gesamtheit
     seiner über 190 Sektionen als Interes-
sensvertretung seiner Mitglieder gemäß
                                                 wusstsein bilden für alle, die daran interes-
                                                 siert und zumeist schon bemüht sind sich
                                                 des Themas anzunehmen. Doch oft weiß man
Satzung zum Erhalt der Bergwelt verpflich-       schon, was gut wäre, aber wenn die Umset-

                                                                                                     © Archiv Alpenverein Austria
tet. Das interessiert unsere Mitglieder in       zung inkonsequent ist, dann scheitert man
jungen und vorwiegend auch in älteren            oder delegiert gleich die Umsetzung nach
Jahren. Etwas weiterzugeben, das genutzt         oben. Bis in die EU und noch weiter bis zu
werden kann, eine heile Bergwelt wie zum         globalen Klimaabkommen, die in der Ferne
Beispiel in der Satzung genannt, gewinnt         liegen wie Sterne. Währenddessen nehmen
mit zunehmendem Lebensalter zumeist an           die extremen Wetterereignisse zu und unse-
Wert. Ist es der Winter, der nicht mehr so       re Hütten und Wege werden in einer Form             1
wie früher ist, oder der Sommer, wie er          beansprucht, die mancherorts so stark ist,
früher einmal war – es war nicht nur an-         dass diese brechen. Auch wenn sich der Al-          2
ders, sondern auch besser und nicht nur,         penverein schon vor Jahrzehnten das Ziel
weil Neues per se mit Argwohn zu betrach-        gesetzt hat, Hütten nur in dem Umfang zu
ten ist und man Wetterwechsel körperlich         erhalten, wie sie bereits bestehen, ist diese
und geistig schlechter verträgt, sondern         Aufgabe finanziell derzeit noch nicht gelöst
weil diese Rasanz der Änderung auch mess-        und der Hüttenbestand schrumpft jedes

                                                                                                       © Archiv Alpenverein Austria
bar vorhanden ist. Auch die Tierwelt spürt       Jahr. Auch Petitionen wurden in der Vergan-
das und so wird prognostiziert, dass in den      genheit unterstützt und waren zum Teil auch
nächsten Jahren 77 % weniger Tierarten im        erfolgreich. Wenn jedoch 881.692 Unter-
Hochgebirge vorhanden sein werden. Der           schriften nicht reichen, um im Rahmen von
Erhalt der Bergwelt steht in einem schüt-        Petitionen wahrgenommen zu werden, stellt
zenswerten Gesamtzusammenhang, der               sich das als Instrument doch in Frage. Angst-
unser gesamtes Leben umfasst.                    mache mit angedrohtem Verlust von Arbeits-
So ist der Anwalt der Alpen schon in die Jahre   plätzen wegen des Naturschutzes scheint
gekommen, konkret in sein 157. und aus dem       unrealistisch bei den bisher verursachten          gefälligen Lächeln schmerzfrei vom Tisch         1 Lawine Wasser­
erschließungsfreudigen Tourismusverein für       Schäden. Vermutlich können wir uns einfach         geschoben. Ja, uns steht das Wasser noch           kraftwerk Wolayer­
                                                                                                                                                       seehütte, 2018
manche zum Verhinderer des Fortschritts          weniger leisten. Ein Verzicht, der, wenn er        nicht bis zum Hals und wer weiß schon was        2 Starkregenereignis,
geworden, der zwar größter Beherberger Ös-       nur freiwillig geschieht, vermutlich nicht         morgen kommt? Denn den „Klimawandel                Zustieg Obstanser­
terreichs ist, doch kaum zu Zukunftskongres-     ausreichen wird.                                   gab‘s ja schon immer, jetzt geht’s eben            seehütte, 2018
sen im Tourismus geladen wird.                                                                      schneller“, löscht Ideen für umweltfreundli-
                                                 Bitte seid umweltfreundlich                        ches Verhalten aus. „Sie wollen mir ja nur ein
Greenwashing durch und mit                                                                          schlechtes Gewissen machen, oder?“
dem Alpenverein                                  Die Möglichkeiten des Alpenverein, lediglich
                                                 bei Bewusstseinsbildung zu verorten, würde         Umweltschutz und Klimawan­
Im Alpenverein Austria, als sogenanntem          nicht dem faktisch Möglichen entsprechen           del – zwei Themen mit Über­
„großen Verein“ mit 50.000 Mitgliedern, ge-      und nicht ausreichen, wenn man die Auswir-         schneidungen
winnt das Thema Natur- und Umweltschutz          kungen in unseren Arbeitsgebieten kennt.
immer mehr an Bedeutung – nicht nur als          Starkregen und Gletscherschwund bewegen            Dass Bergsteigerdörfer dann als konstruierte
Profilierungsstrategie oder Werbemaßnah-         Stein- und Erdmassen, insbesondere zuletzt         Idylle von Abwanderungsdörfern funktionie-
me, wie zum Beispiel die Investitionen in        in Kärnten und Osttirol. Das Klima ist im          ren, zeigt, dass zumindest das Bewusstsein
umweltfreundlichen Betrieb der alpinen Inf-      Wandel, doch woher wissen wir, warum und           für Umweltschutz vorhanden ist. Hüttenwirte
rastruktur zeigen. Konkret ist das Ziel des      wie schnell. Und wenn wir es wissen, was           stehen aber auch zunehmends in der Rolle
umweltfreundlichen Betriebs unserer              kann ich als Einzelne oder Einzelner dann          des Moralapostels und bieten Mistkübel an,
Schutz­hütten nahezu abgeschlossen, doch         tun? Das Risiko des Konsums von umwelt-            um den Müll nicht unter Steinen oder zwi-
erschöpft sich unsere Vereinstätigkeit damit     schädlichen Produkten und Leistungen liegt         schen Lagermatratzen hervorholen zu müs-
nicht in Greenwashing durch prestigeträchti-     aktuell beim Einzelnen. De facto ist dies je-      sen. Greenwashing durch den Mitgliedsbei-
ge Preisverleihungen. Fragen wie die öffent-     doch vom Einzelnen nicht einschätzbar und          trag kommt in Mode. Umweltschutz: Ja bitte,
liche Anreise zu Wanderungen, umwelt-            so bleibt man auf ausgetretenen Wegen,             das macht für mich der Alpenverein und
freundlicher Bürobetrieb und Bio-Kletterhal-     wohin sie auch führen. Die Jugend muss             wehe, wenn er etwas falsch macht und die
len stehen im Raum. Es liegt noch nicht auf      dann Techniken finden, um das Erbe über-           Bettwäsche nicht rot-weiß kariert ist.
der Hand, wie sich der Alpenverein Austria       haupt erleben zu können. Müll zu verbrennen        Um den Erhalt der Natur gewährleisten zu
hier so positionieren kann, dass aktiv und       löst das Problem nicht, so viel weiß man zur       können, setzen wir uns nun verstärkt, gerne
effektiv Natur- und Umweltschutz nach innen      Zeit, aber das ändert nichts an der Tatsache,      auch mit Ihrer Mitarbeit, mit diesen und wei-
und außen betrieben werden kann. Zu jung         dass es so ist. Fragen nach der Schlacke, den      teren Themen auseinander. Auf der neuen
ist leider die Auseinandersetzung mit dem        Filtern und den Restabfällen werden jeden-         Website der Ortsgruppe Voisthaler www.al-
Thema. Freute man sich vor vielen Jahren         falls auf den Homepages der zuverlässigen          penverein.at/austria-voisthaler finden sich
noch darüber, dass das Wasser an den plasti-     Strom- und Wärmeerzeuger nicht beantwor-           zum Beispiel auch Ausarbeitungen zu Um-
fizierten Kleidungsstücken abperlte und die      tet. Getreu der Hochglanzwerbung werden            weltthemen im Gebiet des Hochschwabs,
Hütten dank Dampfsperren nun endlich dicht       hier die Vorteile hochgehalten, problema-          dankenswerter Weise von Agnieska Zablocki,
sind, so treten die Schattenseiten langsam       tisch ist nichts. Kritische Artikel in den Medi-   einem Mitglied unserer Natur- und Umwelt-          Harald Herzog ist
zutage und Jackenreste dienen als Identifi-      en werden mit einer Mischung aus Bequem-           schutzgruppe, zusammengestellt.                    Vereinsmanager
                                                                                                                                                      und in der Freizeit
kationsmerkmal für Abgestürzte und Kon-          lichkeit, wissenschaftlichem Halbwissen und        In diesem Sinn wünschen wir mit der Lektüre
                                                                                                                                                        unterwegs mit
densatprobleme setzen der Bausubstanz zu.        Überheblichkeit gegenüber sogenannten              und den Denkanstößen dieser Ausgabe der          Rückentrage, Seil und
An unsere Mitglieder gerichtete Berichte und     Gutmenschen mit einer Machtdemonstration           Austria Nachrichten einen gemütlichen               Helm, wenn es
Apelle in der Vereinszeitung können Be-          der Freiheit des Einzelnen mit einem selbst-       Herbst und Jahresausklang.                          die Zeit zulässt.

Austria Nachrichten 4/2019
Alpenverein Austria Nachrichten - Alpenverein in Wien
10 Umwelt

                                                                                                                                                     © Karin Elixhauser
                                                                                                                                                         1

Schutzgebiete in den
Ybbstaler Alpen
Die Ybbstaler Alpen sind reich an Schutzgebieten. Das Gebiet der Ybbstaler Alpen erstreckt sich zwischen den
Flüssen Erlauf im Osten, Salza im Süden, und der oberösterreichischen Enns und der Ybbs ab Waidhofen an der
Ybbs im Westen. Im Norden umfasst die Gebirgsgruppe das Alpenvorland bis Amstetten und Wieselburg.

Von Monika Lazowski

D    as Schutzgebiet Natura-2000-Ge-
     biet Ötscher-Dürrenstein umfasst
die beiden namensgebenden Gebirgsmas-
                                            Sanddorn-Ufergebüsche, Erlen-Eschen-
                                            Weidenauen und krautige Vegetationsge-
                                            meinschaften der Ufer vor. Der Lunzer
                                                                                                         können im Einklang mit den Bestimmungen
                                                                                                         der Habitat-Richtlinie und der Vogelschutz-
                                                                                                         richtlinie ausgeübt werden, vorausgesetzt
sive. Mitten im Gebiet auf der Dürren-      Obersee weist natürliche Verlandungsve-                      sie stören die bestehenden Lebensräume
steinalm liegt die Ybbstalerhütte. Die      getationen mit Armleuchteralgen-Gesell-                      und die ansässigen Arten nicht.
                                                                                           Freizeit-
Flüsse Ybbs und Erlauf sowie ihre Zubrin-   schaften, Übergangs- und Schwingrasen-
                                                                                          aktivitäten
ger bilden tiefe Schluchten im Bergmas-     mooren sowie einem Hochmoor auf.                             Wildnisgebiet Dürrenstein
                                                                                          im Natura-
siv. Den Großteil der Fläche nehmen Bu-     Im Norden der Ybbstaler Alpen liegt das
                                                                                         2000-Gebiet
chenwälder ein. In den waldfreien Berei-    Natura-2000-Gebiet „Niederösterreichi-                       In der Nähe der Ybbstalerhütte liegt das
                                                                                        dürfen Lebens­
chen finden sich artenreiche Mähwiesen.     sche Alpenvorlandflüsse“. Es umfasst u.a.                    Wildnisgebiet Dürrenstein (mit dem Urwald
                                                                                          räume und
Die Almen werden v.a. von Borstgrasrasen    die Flüsse Erlauf, Ybbs und Zauchbach.                       Rothwald). Das Wildnisgebiet ist seit 2002
                                                                                          Arten nicht
dominiert. Oberhalb der Waldgrenze kom-     Weitere Natura-2000-Gebiete sind „Süd-                       Naturschutzgebiet, seit 2003 anerkanntes
                                                                                            stören.
men kalkalpine Lebensraumtypen vor, z.B.    lich gelegene Talbereiche der Göstlinger                     erstes Wildnisgebiet Österreichs und seit
das Karbonat-Latschengebüsch, alpine        Alpen“, „Schluchtwälder der Steyr- und                       2017 UNESCO-Weltnaturerbe unter der Be-
Kalkrasen, Kalk- und Schieferschutthal-     Ennstaler Voralpen“ und „Tuffquelle und                      zeichnung „Alte Buchenwälder und Bu-
den sowie Kalkfelsen mit ihrer Felsspal-    Hangwälder in Loiben“ (nominiert).                           chenurwälder der Karpaten und anderer
tenvegetation. Entlang der Bäche und        Freizeitaktivitäten wie Schwimmen, Wan-                      Regionen Europas“. Es ist gleichzeitig auch
Flüsse kommen u.a. Lavendelweiden-          dern, Radfahren, Angeln oder Jagen etc.                      biogenetisches Reservat.

                                                                                                                               Austria Nachrichten 4/2019
11 Umwelt
Das Wildnisgebiet Dürrenstein wird nach       werden: Besucher können diese Gebiete
der IUCN-Kategorie I (Strenges Naturge-       nur auf den dafür bestimmten Wegen be-
biet/Wildnisgebiet) zum Zwecke der For-       treten. Tiere sollten grundsätzlich nicht
schung oder des Schutzes der Wildnis ver-     gestört und Pflanzen nicht gepflückt wer-
waltet. Die natürlichen Prozesse sollen       den. Viele von ihnen stehen unter Schutz.
ohne menschlichen Einfluss verlaufen. Das     Hunde an die Leine. Ruhiges Verhalten und
selbstständige Durchwandern dieses            die Mitnahme jeglichen Mülls sollten für
Schutzgebietes ist nur auf markierten We-     jeden selbstverständlich sein. Campieren
gen erlaubt! Im Rahmen des Bildungsauf-       und Übernachten in der freien Natur ist nur
trages werden auch geführte Wanderungen       auf Campingplätzen möglich.
angeboten. Das Wildnisgebiet Dürrenstein
erstreckt sich auf einer Fläche von 3.500

                                                                                            © Karin Elixhauser
                                              Naturdenkmäler
ha. 500 ha wurden noch nie forstwirt-
schaftlich genutzt.                           In den Ybbstaler Alpen gibt es sehr viele
                                              Naturdenkmäler, dazu zählen u.a. der Lun-
Naturschutzgebiete                            zer See mit einem Uferstreifen von 50 m
                                                                                            2
                                              Breite, der Erlaufursprung (periodische
In der Nähe der Ybbstaler Hütte liegen vier   Karstquelle) samt Felsgebilde im Umkreis
                                                                                            3
Naturschutzgebiete: das bereits beschrie-     von 20 Metern, die Erlaufschlucht in
bene Wildnisgebiet Dürrenstein sowie          Purgstall (wildromantische Konglomerat-
Leckermoos, Stockgrund-Kothbergtal            schlucht), Die Not bei Göstling (klammarti-
und der Lechnergraben.                        ge Schlucht des Steinbaches), das Ofenloch
Das Leckermoos ist eines der größten          an der Ybbs (2 km langer Flussabschnitt
Hochmoore Niederösterreichs und liegt in      mit einer schönen Schlucht), der Roth-
der Nähe von Göstling an der Ybbs. Hoch-      moosbach (schluchtartige Strecke mit
moore werden ausschließlich vom Regen         Tümpel und Wasserfällen) bei Göstling, die
mit Wasser versorgt. Typisch für sie sind     Palfauer Wasserlochklamm (mit fünf Was-
Torfmoose, die wie ein Schwamm sehr viel      serfällen und der Riesenkarstquelle, dem
Wasser speichern können. Auch der Son-        Palfauer Wasserloch) sowie die bei Weich-
                                                                                            © Karin Elixhauser

nentau, eine fleischfressende Pflanze fin-    selboden gelegenen Hochmoore Rotmoos
det sich hier, sowie zahlreiche Insekten,     und Ameiskogel (Hanghochmoor).
u.a. Libellen und Schmetterlinge.             Im Gebiet befinden sich auch viele ge-
Das Naturschutzgebiet Stockgrund-Koth-        schützte Höhlen: Ötscher Tropfsteinhöhle,
bergtal wird von einem Gebirgsbach            Hochkarschacht, Kartäuserhöhle, Har-
durchflossen. An den Hängen kommen Rot-       nischgang, Hirschtränkenhöhle, Lechner-
föhrenwälder und Fichtenforste vor, dazwi-    weidhöhle, Galmeiloch, Geldloch im Öt-
schen finden sich Kalkfelsen und Kalkrasen.   scher und Taubenloch.
Im Gebiet kommen u.a. vor: die Anemonen-
Schmuckblume, die nur in den Nordöstli-       Landschaftsschutzgebiete und
chen Kalkalpen wächst und die Stern-Nar-      Naturparke
zisse.
Das Naturschutzgebiet Lechnergraben           Im Landschaftsschutzgebiet Ötscher-Dür-
liegt südlich von Lunz am See. Er ist ein     renstein liegen das Natura-2000-Gebiet
Erosionsriss mit einem Gebirgsbach im         Ötscher-Dürrenstein, das Wildnisgebiet
Talkessel. Zahlreiche Lebensräume finden      Dürrenstein und der Naturpark Ötscher-
sich hier: am Bach Lavendel-Weidenauen,       Tormäuer. Weitere Landschaftsschutzge-
                                                                                            © Werner Lazowski

an den Hängen, Reliktföhrenwälder, Fich-      biete und Naturparke in den Ybbstaler Al-
ten-Blockwälder, Fichten-Tannen-Buchen-       pen sind LSG Gamsstein-Voralpe, LSG Enns­
wälder, Buchenwälder und Latschen-            taler und Eisenerzer Alpen und LSG Maria-
Krummholz sowie weitere alpine Lebens-        zell-Seeberg sowie Naturpark Eisenwurzen
räume.                                        und Naturpark Steirische Eisenwurzen, der     4
Ein weiteres, von der Ybbstalerhütte etwas    gleichzeitig auch Europäischer Geopark
entferntes und sehr großes Naturschutz-       und UNESCO Global Geopark ist.                1 Ybbstalerhütte auf der Dürrensteinalm im Natura-2000-Gebiet
gebiet (51.223 ha) ist das Wildalpener        Im nächsten Heft: Schutzgebiete im Hoch-        Ötscher-Dürrenstein
Salzatal. Es liegt südlich vom Wildnis­       schwabgebiet.                                 2 Naturschutzgebiet Lechnergraben
gebiet und umfasst den Wildwasserfluss                                                      3 Landschaftsschutzgebiet Ötscher-Dürrenstein
                                                                                            4 Lassingbach im Naturschutzgebiet Wildalpener Salzatal
Salza auf ca. 50 km Länge. Hier finden sich
auch zahlreiche Quellen und Hochmoore.
Weitere kleine Naturschutzgebiete sind der                                                                       http://www.noe.gv.at/noe/Naturschutz/Niederoesterreich_ATLAS.html
                                                                                                                 https://www.wildnisgebiet.at/
an das Wildnisgebiet Dürrenstein angren-                                                                         https://www.naturland-noe.at
zende Urwaldrest „Zellerbrunn - Hohes                                                                            http://www.noe.gv.at/noe/Naturschutz/Naturschutz.html
                                                                                               Quellen:

                                                                                                                 https://www.naturparke.at/
Marcheck“ (Betreten verboten), „Auwald                                                                           http://www.noe.gv.at/noe/Naturschutz/broschuere_03_oetscher_4.pdf
und Moorgebiet Greith“ im Salzatal sowie                                                                         http://www.doris.at/ : Karten: Natur-GENISYS
„Auwälder und Feuchtwiesen in der                                                                                https://www.land-oberoesterreich.gv.at/92726.htm
                                                           Monika Lazowski                                       http://www.landesentwicklung.steiermark.at/cms/ziel/141976122/DE/:
Grünau“ bei Mariazell.                         ist Biologin, Mitarbeiterin der Service­                          Digitaler Atlas: Flora und Fauna
Verhaltensregeln für Naturschutzgebiete                                                                          https://www.verwaltung.steiermark.at/cms/ziel/74838061/DE/
                                                  stelle der Austria und begeisterte                             https://wasserlochklamm.at/#willkommen
können überall in der Natur angewendet                    Naturliebhaberin.

Austria Nachrichten 4/2019
12 Reise

                             Ein Reisebericht
                             anderer Art

                             Armut -
                             Umwelt –
                             Klima­
                             wandel
                             Die Freude ist groß: Mit vielen
                             reizvollen Fotomotiven ist man
                             aus der Ferne heimgekehrt. Und
                             die damit produzierten Reise-
                             Shows sind beim Publikum im
                             Alpenverein sehr gut aufgenom­
                             men worden.
                             Neben all der Schönheit der
                             prächtigen Paläste, der ein­
                             drucksvollen Tempel und
                             Pagoden sowie der der reizvol­
                             len Landschaften ist es aber
                             wichtig, das reale Leben der
                             Menschen nicht außer Acht zu
                             lassen. Reisen bedeutet nicht
                             nur die Licht-, sondern auch die
                             Schattenseiten der Dinge zu
                             sehen. Daher heute ein „Reise­
                             bericht der anderen Art“, in dem
                             es um den täglichen Kampf ums
                             Überleben, Umweltschutz und
                             Klimawandel geht.

                             Von Anton Schmoll,
                             Michael Schmoll
           © Anton Schmoll

                             Die Armut ist allgegenwärtig.

                                                   Austria Nachrichten 4/2019
13 Reise

B   ei vielen Reisen hatten wir immer
    wieder Gelegenheit zu ausgedehn-
ten Wanderungen durch traditionelle
Dörfer auf dem Land. Das hat den un-
schätzbaren Vorteil, sehr viel und au-
thentisch über das Alltagsleben der
Menschen zu erfahren.

Zeitreise in die Vergangen­
heit
An manchen Stellen ist es wie eine
„Zeitreise in die Vergangenheit“. Es
eröffnet uns eine völlig neue Welt –
gleichsam eine Zeitreise in die Ur-
sprünglichkeit des Lebens. In eine
Welt, in der die Zeit stehen geblieben
scheint. So verschieden die Länder
sind, die wir bereist haben, so ver-
schieden die ethnischen Gruppen, so
                                            © Anton Schmoll

unterschiedlich sind auch ihre Lebens-
situationen, ihre Traditionen und Ritu-
ale.
Beispiel Kambodscha: Langsam und
knarrend kommt ein hölzerner Karren
mit großen Speichenrädern auf uns zu.                                                                    Leben im Müll
Gekonnt und freundlich dreinblickend
lenkt der Bauer sein Gefährt, das von      Nicht weit von Arba Minch in Äthiopi-                         In Papua bestehen die Ortschaften
zwei Zebu-Rindern gezogen wird. Es         en besuchen wir die einst kriegeri-                           oftmals nur aus kleinen Weilern mit
ist heiß und wir halten Ausschau nach      schen Dorze-Stämme, die heute von                             wenigen Rundhütten, mit Wänden aus
kühlen Getränken. Da erblicken wir am      der Landwirtschaft und Weberei leben.                         geflochtenen Palmblättern. Das Zent-
Straßenrand plötzlich Holzgestelle,        Ihre kunstvoll geflochtenen Hütten                            rum eines jeden Dorfes bildet das Män-
auf denen große Limonaden- und Cola­       stehen immer unter den Sträuchern                             nerhaus. Im Unterschied zu unserer
flaschen mit gelblicher Flüssigkeit ste-   der „falschen Banane“ und haben die                           Kultur leben die Familien nicht in ei-
hen. Wir fragen unseren Fahrer, ob wir     Form eines Bienenkorbes.   Auf diese                          nem gemeinsamen Haushalt, sondern
hier eine Limonade kaufen könnten.         Weise sind die Dorze sehr „mobil“,                            getrennt: Während die Frauen mit ihren
Der lacht – und wir sind verblüfft, als    denn sie können ihre Häuser sogar in                          Kindern und den Schweinen im Famili-
wir von deren Inhalt erfahren: Es han-     einem Stück transportieren. Die Men-                          enhaus leben, verbringen die Männer
delt sich um die „Tankstelle“ für Mo-      schen leben mit dem Vieh zusammen                             mit ihren älteren Söhnen die meiste
peds – in den Flaschen befindet sich       unter einem Dach – die Hühner oben im         Was für         Zeit im „Männerhaus“. So ein Männer-
Treibstoff!   Hier auf dem Land ist ein    First und die Rinder in einem abgeteil-    Touristen eine     haus gibt es in jedem Dorf und den
Moped schon ein großer Luxus und so        ten Holzverschlag. Das schafft Wärme         Attraktion       Frauen ist streng verboten, es zu be-
wird es auch vielfältig genützt – wie      in kälteren Nächten.                      bedeutet, ist für   treten.   In der Mitte des dunklen Rau-
zum Beispiel für spezielle Tiertrans-                                                 die Menschen       mes befindet sich die Feuerstelle, von
porte: Auf dem Rücken liegende leben-      Zurück zum Ursprung                         der tägliche      der uns sofort beißender Rauch in die
de Schweine werden auf dem Moped                                                       Überlebens­       Nase aufsteigt. Auf eigens dafür vorge-
festgeschnallt und zum Markt in die        Ein besonders interessanter Stamm in           kampf.         sehenen Plätzen werden rituelle Ge-
nächste Provinzhauptstadt gebracht.        Namibia sind die Himbas, die in der                           genstände wie heilige Steine, Muschel-
                                           nordwestlichsten Ecke an der Grenze                           bänder oder Schweinezähne aufbe-
Elektrizität ist Mangelware                zu Angola leben. So wie die Massai in                         wahrt.
                                           Kenia gehören sie zu den letzten noch
Noch etwas sticht uns in‘s Auge: Auf       ursprünglich lebenden Nomaden Afri-                           Wohnen wie vor hundert
hölzernen Paletten sind große Batteri-     kas. In der kargen Naturlandschaft des                        Jahren
en (die wie LKW–Batterien aussehen )       Kaokoveld konnten sie sich bis heute
aneinander geschichtet. Das sind die       ihre ursprüngliche Lebensweise weit-                          Szenenwechsel auf das „Dach der
Batterien für die Stromversorgung der      gehend erhalten. Weil sie als Viehzüch-                       Welt“ – nach Tibet. Wie bei uns das
Häuser, denn in den Dörfern gibt es        ter und Hirten leben, die teilweise mo-                       Brennholz vor den Hütten in den Alpen,
keine Elektrizität. Mit dem Ochsenkar-     natelang durch die karge Savanne zie-                         ist hier der Dung der Yaks vor den
ren werden die Batterien von den Sam-      hen, um spärliche Weideplätze für ihre                        Bauernhäuser aufgeschichtet. Da Holz
melplätzen abgeholt und nach dem           Tiere zu finden, errichten sie nur tem-                       rar ist, wird der Mist der Tiere in Fla-
Aufladen wieder zurückgebracht. So         poräre Siedlungen, deren Hütten aus                           denform getrocknet und bildet wert-
gibt es Strom für die schwache Be-         einem Rohrgeflecht bestehen, das mit                          volles Brennmaterial für den kalten
leuchtung – und manchmal auch für          Lehm und Dung verputzt wird. Ihre                             Winter. Im geräumigen Innenhof befin-
das Fernsehgerät.                          Hauptnahrung ist geronnene Kuhmilch                           det sich die Kochstelle, wo mit einem
                                           und Mais, den sie gegen ihr Vieh ein-                         Gerät mit Hilfe von Sonnenenergie die
                                           tauschen.                                                     Speisen erhitzt werden. Bei der Koch-

Austria Nachrichten 4/2019
14 Reise

                                                                       1 Menschenunwürdige Arbeit
                                                                         unter Tag
                                                                       2 Holzkohleerzeugung
                                                                       3 Brennholzsammeln
                                                                       4 Tee im Nomadenzelt
                                                                       5 Kinderarbeit
                                                                       6 Wasserversorgung ist eine
                                                                         tägliche Herausforderung.

                                                     © Anton Schmoll
                                                           1

                2            © Anton Schmoll

                                3
           © Anton Schmoll

                4
                             © Anton Schmoll

                               5

                              6
           © Anton Schmoll

                                   © Anton Schmoll

                                                                              Austria Nachrichten 4/2019
15 Reise

stelle steht ständig Buttertee, das Na-      Wasser – eine unschätzbare                                        geführt. Neben dem Transport des Ge-
tionalgetränk der Tibeter bereit - min-      Kostbarkeit                                                       treides nach der Ernte werden damit
derwertiger Tee aus China wird ge-                                                                             auch Kanister mit Wasser von den
kocht und dann mit Butter und stark          Kinder winken am Straßenrand und öf-                              Brunnen befördert
sodahaltigem Salz in einem hohen Ge-         ter schallt uns ein Ruf entgegen, der so
fäß verquirlt. 30 - 40 Tassen pro Tag        ähnlich wie „Heiland“ klingt. Erst spä-                           Harte Arbeit für eine
sind üblich. Nur widerwillig nehme ich       ter wird mir klar, was damit gemeint                              Handvoll Reis
einen Schluck von dem angebotenen            ist: Auf den Plastikwasserflaschen, die
Getränk. Es schmeckt furchtbar und           wir stets in großer Menge im Wagen                                Es gibt Menschen, die sich nur jeden
ich muss mich an Heinrich Harrer erin-       mitführen, steht auf dem Etikett die                              zweiten Tag eine Mahlzeit leisten kön-
nern, wie er seine ersten Erfahrungen        Bezeichnung des Mineralwassers und                                nen. Das Grundnahrungsmittel ist Reis,
mit dem Buttertee schilderte.                die Abfüllfirma aus dem südäthiopi-                               die Beilagen bestehen aus Gemüse
Im Hof steht unter einem Vordach ein         schen Hochland – und die heißt „High-                             oder Fisch, Fleisch gibt es selten. Ge-
mechanischer Webstuhl aus Holz. Schaf-       land“. Wir sind im Süden Äthiopiens                               gessen wird von Palmenblättern mit
und Yakwolle wird gesponnen und zum          unterwegs und viele Kinder laufen mit                             den Fingern der rechten Hand. So ist
Weben von Kleidung, Zelten oder Teppi-       Plastikflaschen herum und möchten                                 Reis beispielsweise in Kambodscha,
chen verwendet. Ein Herstellungsver-         Wasser oder leere Flaschen. Am Stra-                              Burma oder auf den Philippinen eben-
fahren wie vor hundert Jahren …              ßenrand führen sie mit den Flaschen in                            so wie in Madagaskar das „tägliche
                                             der Hand manchmal lustig anzusehen-                               Brot“ und seine Verwendungsmöglich-
Das Leben der Nomaden                        de Tänze auf, um auf ihre Wünsche                                 keiten sind vielfältig. Aus den kleinen
                                             aufmerksam zu machen.                                             Körnern werden Brot, Kuchen oder
Auch in Zanskar (im Norden Indiens)          Wasser – für uns oftmals als nichts                               Süßspeisen gefertigt. Und nicht zu ver-
bewegen wir uns immer auf durch-             Besonderes erlebt, wenn wir den Was-                              gessen: Reisbier und Reisschnaps ge-
schnittlich 4000 - 5000 m Seehöhe.           serhahn aufdrehen und ein Glas Was-            Was wir            braut. Die Keime werden zu Speiseöl,
Das Gebiet des Changtang-Hochpla-            ser trinken. Ganz anders in vielen Län-      Europäer an          Seifen oder Kerzen verarbeitet und aus
teaus, das sich von Zentraltibet im Os-      dern Afrikas oder Asiens, die wir be-       Lebensmitteln         Reismehl wird auch Kleister oder Wä-
ten bis nach Lhasa erstreckt, ist das        sucht haben. Wasser ist dort eine Kost-      wegwerfen,           schestärke hergestellt.
Weideland der Changpa-Nomaden.               barkeit, die rar ist. In den Häusern oder    hätten viele         Reis ist ertragreich – sein Anbau aller-
Überall grasen Schafe und Ziegen - und       Hütten gibt es überhaupt keine Was-           Menschen            dings auch sehr arbeitsintensiv: Dank
natürlich die zotteligen Yaks. Manche        serstellen und manche Dörfer haben            gerne als           ausgeklügelter Bewässerungssysteme
Nomaden fristen ihr Dasein in armseli-       nicht einmal einen eigenen Brunnen            Mahlzeit.           sind mehrere Ernten im Jahr möglich.
gen Steinbehausungen – andere haben          wie wir das beispielsweise in Togo, Be-                           Das Schachbrettmuster der Reisfelder
bereits kleine Fahrzeuge und wohnen          nin und Uganda bemerkt haben. Als wir                             mit den verschiedenen Grüntönen
in Zelten, vor denen kleine solarbetrie-     bei einem Empfang vom Chief eines                                 prägt oftmals das Landschaftsbild.
bene Batterien stehen.                       Dorfes in Togo die Frage stellten, was                            Reizvolle Fotomotive sind die inmitten
Eine andere, sehr eindrucksvolle Be-         er sich am sehnlichsten wünsche, kam                              der Felder arbeitenden Menschen mit
gegnung mit dem Alltag der Berber            die Antwort sehr prompt: „Einen zwei-                             ihren charakteristischen Strohhüten
hatten wir in Marokko. Inmitten der          ten Brunnen für sein Dorf“.                                       oder die Bauern, wenn sie hinter zwei
kargen Steinwüste trafen wir einige          Auch in Madagaskar hat ein Drittel der                            Wasserbüffeln mit hölzernem Pflug
alten Frauen sowie Mütter mit einer          Bevölkerung keinen direkten Zugang                                den Boden bearbeiten.
Schar kleiner Kinder. Männer sind kei-       zu genießbarem Trinkwasser. Selbst in
ne da. Sie ziehen einige Tagesreisen         der Hauptstadt Tana werden die Zapf-                              Vom Fleiß der Bauern
entfernt mit den Schafen und Ziegen          stellen für das kostbare Nass Tag und
auf Futtersuche umher. Die Frauen le-        Nacht bewacht.                                                    Das was wir als ländliche Idylle empfin-
ben hier an den Berghängen in der            In Äthiopien haben die Menschen gro-                              den, ist für die Landbevölkerung tat-
Nähe zum Fluss. Einige Buben tragen          ße schräge Brunnenschächte mit Be-                                sächlich harte Arbeit für ihren Überle-
ausgeleierte Trainingshosen und zer-         cken angelegt, die bis zu 15 Meter in                             benskampf. Die meisten Bauern kön-
fetzte Schuhe, bei denen die nackten         die Erde gegraben sind. Eintönige Ge-                             nen sich keine Maschinen leisten und
Zehen rausragen. Wir konnten nun             sänge begleiten die Männer und Frau-                              so sind viele Tätigkeiten wie das Pflan-
Kleider, die in Österreich gesammelt         en bei der schweißtreibenden Arbeit,                              zen, Ernten oder Dreschen der Reiskör-
wurden, verteilen. Sorgsam schauen           einen Kübel nach dem anderen nach                                 ner aus den Garben noch mühsame
die Mütter, welches Stück wem am             oben weiterzureichen, um die Becken                               Handarbeit. Während Männer für die
besten passt. Eine emotional berüh-          mit Wasser für ihre Tierherden zu fül-                            gröberen und schweren Arbeiten wie
rende Szene.                                 len. Daher sind diese Wasserstellen                               das  Anlegen der Felder, Terrassen und
Danach führen uns die Frauen zu ihrem        auch als „singende Brunnen“ bekannt.                              Bewässerungsvorrichtungen verant-
Lagerplatz und zeigen uns ihre Unter-        Überall sieht man gelbe Plastikkanis­                             wortlich sind, müssen sich die Frauen
künfte: ein Kamelhaarzelt für die Familie    ter, die die Frauen auf dem Kopf tragen                           vor allem um das Jäten von Unkaut
und ein Zelt für die Tiere. Teilweise sind   und das Wasser von weit her holen.                                und um die Erntearbeiten kümmern.
sie mit Steineinfriedungen umgeben, die      Eine große Erleichterung ist es bereits,      Anton Schmoll       In vielen Schwellenländern arbeiten rd.
als Windschutz dienen. Gemessen an un-       wenn die schweren Kanister mit einem          ist begeisterter    60 % der Erwerbstätigen in der Land-
seren Maßstäben haben sie materiell          Eselfuhrwerk oder auf Fahrrädern            Entdecker fremder     wirtschaft und Fischereiwirtschaft. Und
wenig bis nichts. Sie kennen maximal         transportiert werden können. Ein sehr             Kulturen.       dennoch kann der Bedarf an Reis auf-
                                                                                            Seit mehr als
ihre Herden und ihre Weidegründe – und       interessantes Transportmittel sind          20 Jahren gestaltet
                                                                                                               grund des starken Bevölkerungswachs-
dennoch haben sie immer ein Lächeln,         Holzschlitten. Sie wurden im Namibia            er lebendige      tums oftmals nicht aus der eigenen
das echt und ehrlich erscheint.              im 19. Jhdt. nach dem Vorbild des Och-      Reise­berichte und    Produktion gedeckt werden, sondern
                                             senwagens der frühen Reisenden ein-          Tonbildschauen.      muss zum Teil teuer importiert werden.

Austria Nachrichten 4/2019
Sie können auch lesen