Anästhesiologie & intensivmedizin - DGAI

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Aktiv Druck & Verlag GmbH | ISSN 0170 - 5334 I 02330              www.ai-online.info

                                                                  Anästhesiologie & Intensivmedizin
                                                                  Offizielles Organ: Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI)
                                                                                     Berufsverband Deutscher Anästhesisten e.V. (BDA)
                                                                                     Deutsche Akademie für Anästhesiologische Fortbildung e.V. (DAAF)
                                                                             Organ: Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e.V. (DIVI)

                                                                                     T. Prien · H. Bürkle · M. Czaplik · M. Hölzl · Ch. Hönemann ·
                                                                                     J. Grensemann · Th. Muders · R. Sattler · D. Schädler ·
                                                                                     T. Krauß

                                                                                     Funktionsprüfung des Narkose-
                                                                                     gerätes zur Gewährleistung der
                                                                                     Patientensicherheit – Empfehlung der
                                                                                     Kommission für Normung und techni-
                                                                                     sche Sicherheit der DGAI
                                                                                     Functional check of the anaesthesia work station for
                                                                                     enforcement of patient safety – Recommendation of the
                                                                                     DGAI’s Commission for Standardization and Technical
                                                       Verlag & Druckerei
                                                       Aktiv Druck & Verlag GmbH
                                                                                     Safety
                                                       An der Lohwiese 36
                                                       97500 Ebelsbach
                                                       Deutschland                   © Anästh Intensivmed 2019;60:75–83 Aktiv Druck & Verlag GmbH
                                                       www.aktiv-druck.de            DOI: 10.19224/ai2019.075

                                                                                     Elektronischer Sonderdruck
                                                                                     Diese PDF-Datei ist nur für den persönlichen Gebrauch bestimmt:
                                                                                     keine kommerzielle Nutzung, keine Einstellung in ­Repositorien.
                                                                                     Nachdruck nur mit Genehmigung der Herausgeber (anaesth.intensivmed@dgai-ev.de).
44                             Editorial

               KURZcheck des
            Anästhesiegerätes;
              10 Sekunden für
       die Patientensicherheit;
                       immer!

   Anästhesie ist heute so sicher wie          ebenfalls empfohlene – systematische           Handlungsabläufe trainieren, die im
   nie – trotzdem müssen wir die von           Fehlersuche nach Wechsel auf einen             Ernstfall abgerufen und angewandt wer-
   Jan-Hendrik Schiff [1] und Mitarbeitern     Ambubeutel sind. Die empfohlenen               den können, wie bei der CPR.
   ausgewerteten Daten zur Kenntnis            „Zehn Sekunden für den Gerätecheck“            Wichtig: Der Geräte-KURZcheck ist
   nehmen, die 2014 über beinahe eine          [3] können dazu beitragen, solche tragi-       eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme
   schwerwiegende Kom­plikation / einen To­    schen Verläufe zu verhindern.                  im laufenden Betrieb oder in Notfall­
   des­fall pro 100.000 elektiven Anästhe-     Die DGAI-Kommission für Normung                situationen; er ist zwingend erforderlich,
   sien bei ASA 1–2-Patienten berichteten.     und technische Sicherheit unter der            ersetzt aber nicht die gründliche Funk­
   Diese Zahl wurde aus 1,4 Millionen          Leitung von Professor Thomas Prien,            tionsprüfung der Geräte samt Zubehör
   Anästhesie-Kerndatensätzen – vor allem      Münster, hat deshalb, im Einvernehmen          bei der morgendlichen Inbetriebnahme.
   aus Baden-Württemberg – generiert,          mit dem BDA, bei der Aktualisierung
   und in fast allen Fällen handelte es sich                                                  Literatur
                                               der in diesem Heft publizierten DGAI-
   um Intubationsprobleme. Die Sicherung                                                      1. Schiff JH, Welker A, Fohr B, Henn-Beil­
                                               Empfehlung zur Funktionsprüfung des               harz A, Bothner U, Van Aken H, et al:
   der Beatmung ist ein zentrales Thema        Anästhesiegerätes [4] unter anderem den           Major incidents and complications in
   des Fachgebiets, das hierzu auch einen      empfohlenen KURZcheck überarbeitet                otherwise healthy patients undergoing
   eigenen wissenschaftlichen Arbeitskreis     und dabei insbesondere Wert auf eine              elective procedures: results based on
   Atemwegsmanagement implementiert            Vereinheitlichung und Vereinfachung               1.37 million anaesthetic procedures.
   hat.                                                                                          Brit J of Anaesth 113;2014:109–121
                                               gelegt. So gibt es jetzt nur noch einen
                                                                                              2. Baum J: Funktionsprüfung des Narkose­
   Aktuelle Fallberichte, die u.a. beim        KURZcheck, der unabhängig von der                 gerätes bei geplantem Betriebsbeginn,
   BfArM eingereicht wurden, geben An-         Situation immer durchgeführt werden               bei Patientenwechsel im laufenden
   lass, erneut darauf hinzuweisen, dass       muss, wenn ein Patient an ein Anästhe-            Betrieb und im Notfall. Anästh Inten­
   weitere Arten von Ventilationsproblemen     siegerät angeschlossen wird.                      sivmed 2006;47:57–62
   drastische Konsequenzen haben können:                                                      3. Prien T: Check „W“: Zehn Sekunden für
                                               Deshalb: „Vor beginnen kurz besinnen“
                                                                                                 den Gerätecheck! Anästh Intensivmed
   Fehler im technischen Beatmungssystem,      – den KURZcheck des Anästhesiege­                 2009;50:573
   die als solche nicht oder zu spät erkannt   rätes zu machen, kann Leben retten!            4. Prien T, Krauß T, Hönemann Ch,
   werden. Ohne hier konkrete Einzelfälle      Er muss jedem Anästhesisten in Fleisch            Grensemann J: Funktionsprüfung des
   bewerten zu wollen und zu können,           und Blut übergehen. Und immer, wenn               Narkosegerätes zur Gewährleistung der
   scheint dabei ein Muster immer gleich       es Probleme bei der Beatmung gibt:                Patientensicherheit. Anästh Intensivmed
   zu sein: Der Patient wird an ein Anäs-                                                        2019;60:75–83. DOI: 10.19224/
                                               schnell zum ­  Ambubeutel greifen, der
                                                                                                 ai2019.075.
   thesiegerät angeschlossen, es gibt dann     als Rück­fall­
                                                            option zwingend an jeden
   Probleme bei dem Versuch, den Patienten     Anästhesiearbeitsplatz gehört, und ggf.
                                                                                              Prof. Dr. Rolf Rossaint
   zu beatmen, und das Problem wird – aus      den künstlichen Atemweg entfernen,
                                                                                              Präsident DGAI
   welchen Gründen auch immer – (erst          „when in doubt, take it out“. In der Fach-
   mal) nur beim Patienten gesucht, an         arztweiterbildung müssen diese Schritte        Prof. Dr. Götz Geldner
   Fehler beim Anästhesiegerät bzw. den        gelehrt und gelernt werden, ebenso             Präsident BDA
   Atemschläuchen wird nicht oder erst zu      wie die Algorithmen zur Fehlersuche
                                                                                              Prof. Dr. Bernd Zwißler
   spät gedacht. Dies belegt, wie wichtig      bei Leckage- oder Ste­nose­symptomatik
                                                                                              Vize-Präsident DGAI
   der Geräte KURZcheck [2], wie ihn die       – idealerweise am Phantom. In Notfall­
   DGAI seit den Lachgastodesfällen vor        situationen, unter Stress, versagt das         Prof. Dr. Dr. h.c. Hugo Van Aken
   ca. 15 Jahren empfiehlt, und eine –         analytische Denken. Dafür muss man             Generalsekretär DGAI

                                                                                © Anästh Intensivmed 2019;60:44 Aktiv Druck & Verlag GmbH
Leitlinien und Empfehlungen                     Sonderbeiträge75

                                                             Guidelines and Recommendations                Special Articles

                              Functional check of the anaesthesia work station                             Funktionsprüfung des
                                             for enforcement of patient safety                             Narkosegerätes
                                                Recommendation of the DGAI’s Commission for
                                                        Standardization and Technical Safety
                                                                                                           zur Gewährleistung der
                                                                                                           Patientensicherheit
     T. Prien1 · H. Bürkle2 · M. Czaplik3 · M. Hölzl4 · Ch. Hönemann5 · J. Grensemann6 ·
                                       Th. Muders7 · R. Sattler8 · D. Schädler9 · T. Krauß10               Empfehlung der Kommission
                                                                                                           für Normung und technische
                                                                                                           Sicherheit der DGAI*
  Zitierweise: Prien T, Bürkle H, Czaplik M, Hölzl M, Hönemann C, Grensemann J et al: Funktionsprüfung
    des Narkosegerätes zur Gewährleistung der Patientensicherheit. Anästh Intensivmed 2019;60:75–83.
    DOI: 10.19224/ai2019.075

1 Klinik für Anästhesiologie, operative
                                                        Zusammenfassung                                    eingestellt. Der Handbeatmungsbeutel
   Intensivmedizin und Schmerztherapie,
                                                                                                           wird in die Hand genommen und die
   Universitätsklinikum Münster                         Die sichere Anwendung von Anästhesie­
   (Direktor: Prof. Dr. A. Zarbock)                                                                        Patientenanschlussöffnung ver­schlos­sen.
                                                        geräten wird grundlegend durch natio­
2 Direktor der Klinik für Anästhesiologie                                                                  Mit der Sauerstoff-Flush-Funktion werden
   und Intensivmedizin, Universitätsklinikum            nale (in Deutschland z. B. die Medi-
   Freiburg                                                                                                Atemsystem und Hand­    beatmungsbeutel
                                                        zinprodukte-Betreiberverordnung) und
3 Klinik für Anästhesiologie, Uniklinik                                                                    aufgefüllt. Bei manueller Kompression
   RWTH Aachen
                                                        internationale (in Europa die Verordnung
                                                                                                           darf sich der Handbeatmungsbeutel
   (Direktor: Prof. Dr. R. Rossaint)                    über Medizinprodukte (EU) 2017/745)
                                                                                                           nicht entleeren („Pressure“). Bei Wieder-
4 Klinik für Anästhesiologie und Intensiv­              Direktiven sichergestellt. Diese sehen
   medizin, Helios Klinikum Emil von                                                                       öffnung der Patientenanschlussöffnung
   Behring, Berlin (Chefarzt: Dr. E. Nickel)
                                                        u.a. eine Funktionsprüfung durch den
                                                                                                           muss deutlich spürbar ein Gasstrom aus­
5 Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und             Anwender vor. Fallberichte zeigen, dass
                                                                                                           treten („Flow“). Ferner werden vor dem
   Operative Intensivmedizin, St. Marien-               diese Funktionsprüfung nach Angaben
   Hospital Vechta                                                                                         Start einer maschinellen Ventilation
                                                        des Herstellers nicht immer genügt, weil
6 Zentrum für Anästhesiologie und Intensiv-                                                                immer zumindest einige manuelle / as-
   medizin, Universitätsklinikum Hamburg-               sie a) nicht alle Aspekte des Zubehörs
   Eppendorf                                                                                               sistierte Atemhübe ge­­geben. Bei auf-
                                                        umfasst, b) Fehler im laufenden Betrieb
   (Zentrumsleiter: Prof. Dr. A. E. Goetz)                                                                 fälligen Befunden wird die Verbindung
7 Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie
                                                        des Gerätes auftreten können (Patien-
                                                                                                           zwi­schen Patient und Anästhesiegerät
   und Operative Intensivmedizin, Univer­si-            tenwechsel) und sie c) im Notfall zu
   tätsklinikum Bonn                                                                                       wieder getrennt und eine systemati­
                                                        lange dauert. Zum Lückenschluss wird
   (Direktor: Prof. Dr. A. Hoeft)                                                                          sche Fehlersuche eingeleitet. Beatmete
8 Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie             ein KURZcheck des Gerätes empfoh-
                                                                                                           Patienten werden derweil mit dem ob-
   und Intensivtherapie, Universitätsmedizin            len, der immer dann vorzunehmen ist,
   Rostock (Direktor: Prof. Dr. D. Reuter)                                                                 ligatorisch vorzuhaltenden separaten
                                                        wenn ein Patient an ein Anästhesiegerät
9 Klinik für Anästhesiologie und Operative                                                                 Handbeat­mungsbeutel beatmet. Algo-
   Intensivmedizin, Universitätsklinikum                an­geschlossen wird. Der KURZcheck
                                                                                                           rithmen für die systematische Fehlersuche
   Schleswig-Holstein, Campus Kiel                      umfasst drei essentielle Aspekte: 1) Orien­
   (Komm. Direktor: Prof. Dr. M. Steinfath)                                                                bei Ste­­nose- und Leckagesymptomatik
                                                        tierend wird die Gasfluss-Funktio­nalität
10 Klinik für Anästhesiologie und Intensivme-                                                              sind angefügt.
   dizin, Medizinische Hochschule Hannover              des Atemsystems geprüft, dessen korrekte
   (Direktor: Prof. Dr. W. Koppert)                     Montage und ob große Leckagen bzw.                 Summary
für die Kommission für Normung                          Obstruktionen vorhanden sind. 2) An­               Safety of medical devices in Europe is
und technische Sicherheit der DGAI
                                                        hand der FiO2-Messung wird verifi­ziert,           based on the Medical Device Regula-
* Mit Zustimmung des Präsidiums des BDA;                dass das farb- und geruchlose Gasge-               tion (EU) 2017/745). Safe application
  vom Engeren Präsidium der DGAI am
  08.10.2018 genehmigt.
                                                        misch, das dem Patienten zugeführt                 of anaesthesia work stations (AWS)
                                                        wird, genug Sauerstoff enthält. 3) Mittels         is provided – among others – by a
 Schlüsselwörter                                        Kapnometrie wird verifiziert, dass die             man­ datory functional check prior to
 Anästhesiegerät – Funktions­                           Lungen ventiliert werden.                          its use. Critical incident reports show
 prüfung – Patientensicherheit                          Die Gasfluss-Funktionalität wird zu­               that this functional check according to
 Keywords                                               nächst durch einen kurzen „PaF-Test“               the manufacturer‘s instructions may not
 Anaesthesia Work Station –                             (Pres­sure and Flow) geprüft. Dazu wird            always suffice, as a) not all aspects of
 Functional Testing – Patient                           am Narkosegerät der Beatmungsmodus                 accessories are covered, b) faults may
 Safety                                                 „manuell / spontan“ gewählt und das                occur during operation (e. g. during
                                                        APL-Ventil auf einen Wert von 30 mbar              change of patients), and c) inacceptable

© Anästh Intensivmed 2019;60:75-83 Aktiv Druck & Verlag GmbH
76                    Sonderbeiträge           Leitlinien und Empfehlungen

                            Special Articles    Guidelines and Recommendations

   duration in emergencies. To cover for        richte (Begleitfaktor „technische Geräte“;          such-Algorithmen am Ende dieser Emp­
   these shortcomings, a QUICKcheck of the      Freitext enthält den Begriff „Beatmung“)            fehlung dargestellt.
   AWS is recommended which is to be            hat ergeben, dass etwa 25 % der „tech-              Der Grundgedanke dieser Empfehlung
   performed whenever a patient is (going       nischen“ Beatmungsprobleme auf einen                ist, neben der kompletten Funktionsprü-
   to be) connected. The QUICKcheck             ungenügenden Gerätecheck zurückzu-
                                                                                                    fung, die von der MPBetreibV gefordert
   cov­ers three essential aspects: 1) Gas-     führen sind. Weitere 25% der berichteten
                                                                                                    wird, einen KURZcheck bei Anschluss
   flow function of the breathing circuit is    Fälle betreffen Fehler im Bereich der
                                                                                                    eines Patienten an das Narkosegerät
   tested, its correct mounting and whether     Beatmungsschläuche und -filter (meist
                                                                                                    durchzuführen, der die wichtigsten Funk­
   major leakages or obstructions are pre­      Leckagen oder Verlegungen), so dass
   sent; 2) measurement of FiO2 verifies                                                            tionen prüft. Denn ein kompletter Ge-
                                                diesen, streng genommen nicht zum
   presence of oxygen; 3) measurement of                                                            rätecheck dauert in Notfallsituationen zu
                                                Beatmungsgerät gehörenden, Zubehör-
   carbon dioxide verifies ventilation of the                                                       lange und ist für den Patientenwechsel
                                                teilen besondere Aufmerksamkeit ge-
   lungs.                                       widmet werden muss. Die systematische               im laufenden Betrieb unverhältnismäßig.
   Gasflow function is initially checked        Suche nach diesen Fehlermöglichkeiten               Ein solcher zusätzlicher KURZcheck des
   by a short “PaF-test” (Pressure and          ist in den Leckage- und Stenose-Fehler­             Gerätes durch den Anästhesisten bei
   Flow). The PaF-test is performed with
   the AWS in the “spontaneous / manual”
   mode and the APL-valve set at 30 mbar;        Tabelle 1
   the patient connection port is closed         Übersicht der Regelungen und Maßnahmen zur Gewährleistung der technischen Sicherheit.
   and the system is filled with the oxygen
                                                  1. Konstruktive Sicherheit
   flush – the circuit’s reservoir bag may
                                                  Konstruktive Sicherheit wird gewährleistet durch die Herstelleranforderungen gemäß MPG.
   not deflate during manual compression          • grundlegende Anforderungen nach § 7 MPG
   („pressure“). Upon reopening at the            • DIN EN 80601-2-13 Anästhesiearbeitsplatz (§ 8 MPG Harmonisierte Normen)
   patient connection port a markedly
                                                  2. Erstinbetriebnahme beim Kunden
   detectable gas flow must exit the system
                                                  Bei Auslieferung an den Betreiber/Anwender wird das Narkosegerät seitens des Herstellers einer
   („flow“). In addition, prior to starting       Funktionsprüfung am Betriebsort unterzogen und die vom Betreiber beauftragte Person eingewiesen
   mechanical ventilation a few manual            (§ 10 Abs. 1 MPBetreibV).
   inflations are applied with the reservoir
                                                  3. Der laufende Betrieb
   bag. In case of irregularities the patient
                                                  3.1. STK
   is to be disconnected and a systematical
                                                  STK und evtl. Instandhaltungsmaßnahmen (Wartung, Inspektion, Instandsetzung) nach Empfehlungen
   fault finding is performed. Apnoeic            des Herstellers (§§ 7, 11 MPBetreibV)
   pa­tients – mean­ while – are ventilated       Voraussetzung: Ablauf STK oder Wartungsintervall
   with an operator powered resuscitator          Durchführung:	autorisierter Techniker unter Berücksichtigung von § 5 MPBetreibV (Besondere
   which has to be oblig­atory available at                          Anforderungen)
   every AWS. Algorithms for systematical         Wann?	STK nach Angaben des Betreibers, mindestens jedoch alle 2 Jahre, unter Berück-
                                                                     sichtigung von § 7 MPBetreibV
   fault finding in leakage and obstruction
                                                  Dokumentation: Pflicht, mit Prüfbericht
   situations are provided.
                                                  Bemerkungen:	Gasartenprüfung im Rahmen von STK und Wartung, nach STK/Wartung Überprü-
                                                                     fung der Klinik-spezifischen Konfiguration durch den Anwender
       Einleitung                                 3.2. Gerätecheck nach MPBetreibV
                                                  Funktionsprüfung vor Anwendung nach § 4 Abs. 6 MPBetreibV durch den Anwender
   Eine routinemäßige Prüfung der Narko-          Voraussetzung: STK in festgelegtem Intervall durchgeführt
   segeräte anhand von Checklisten und            Durchführung: eingewiesener Anwender (kann delegiert werden)
   die Dokumentation dieses Prüfvorgangs          Wann?	vor Anschluss eines Patienten, falls der letzte Gerätecheck mehr als 24 h zurück-
   können zur Risikominimierung von                                liegt, ausgenommen Notfallsituationen
                                                  Dokumentation: nach Ermessen des Betreibers (siehe Text)
   Narkosen beitragen [1]; sie sind für die
                                                  Bemerkungen:	Am Ende des Arbeitstages kann das Gerät elektrisch ausgeschaltet werden, um
   Verantwortungszuweisung bei techni-                             Strom zu sparen. Zur Vermeidung von unnötigen Gasverlusten/-verbräuchen
   schen Zwischenfällen von rechtlicher                            können die Stecker aus den Entnahmestellen der zentralen Gasversorgung (inkl.
   Bedeutung. Die Prüfung der Funktions-                           Narkosegasfortleitung) herausgenommen und diese Schläuche deutlich sichtbar
                                                                   über dem Gerät abgelegt werden.
   fähigkeit und des ordnungsgemäßen
   Gerätezustands vor Anwendung wird              3.3. Geräte-KURZcheck nach Empfehlung der DGAI
                                                  kurze Funktionsprüfung bei Anschluss eines Patienten an das Anästhesiegerät
   in § 4 Abs. 6 MPBetreibV (Medizinpro-
                                                  Voraussetzung: kompletter Gerätecheck wurde vor Beginn des Betriebes erfolgreich abgeschlossen
   dukte-Betreiberverordnung) verbindlich
                                                  Durchführung: Anästhesist (nicht delegierbar)
   vorgeschrieben.                                Wann?            immer, wenn ein Patient an ein Anästhesiegerät angeschlossen wird
   Eine Analyse der bei CIRSmedical (https://     Dokumentation: nach Ermessen des Betreibers (siehe Text)
   www.cirsmedical.de) eingegangenen Be­

                                                                                © Anästh Intensivmed 2019;60:75-83 Aktiv Druck & Verlag GmbH
Leitlinien und Empfehlungen                Sonderbeiträge77

                                                             Guidelines and Recommendations           Special Articles

jedem Patienten wird bereits seit dem                   Durchführung einer Gasartenprüfung1            Abbildung 1
Jahre 2006 in den beiden Vorläuferversi-                und deren schriftliche Dokumentation
onen dieser Empfehlung gefordert [2,3].                 zu fordern, weiterhin, dass Geräte nur           Sichtprüfung

Die Anwendungssicherheit des Narkose-                   nach bestandener STK mit dem ent-               Schäden?, Prüfsiegel                geprüft
gerätes wird dann durch folgende hierar-                sprechenden Prüfsiegel gekennzeichnet           Anschlüsse                      verbunden
                                                        werden dürfen.                                  • Strom
chisch gestufte Abfolge von Maßnahmen                                                                   • Gase
und Prüfungen gewährleistet (vgl. Tab. 1):              Der Betreiber darf nur Personen, Betriebe       • Anästhesiegasfortleitung
                                                                                                        • ggf. Gasflaschen
• Instandhaltungsmaßnahmen und                          oder Einrichtungen mit der Durchfüh­rung
                                                                                                        Schläuche                           geprüft
    Sicherheitstechnische Kontrollen                    der sicherheitstechnischen Kontrollen           • Patientenschläuche
    (STK),                                              und übrigen Instandhaltungsmaßnah-              • Handbeatmungsbeutel
                                                        men (insbesondere auch Reparaturen)             • Probengasleitung(en)
• Prüfung auf ordnungsgemäßen
    Zustand und Funktionsfähigkeit vor                  beauftragen, die die Voraussetzungen
                                                                                                        nach Einschalten des Gerätes:
    planmäßiger Inbetriebnahme (§ 4                     nach § 5 MPBetreibV hinsichtlich der
                                                        STK des jeweiligen Medizinproduktes              Komponenten-Prüfung
    Abs. 6 MPBetreibV),
                                                        erfüllen.                                       separater Hand-
• KURZcheck auf ordnungsgemäßen                                                                         beatmungsbeutel            einsatzbereit
    Zustand und Funktionsfähigkeit bei                                                                  Gasversorgung                    geprüft
    Anschluss eines Patienten.                           Prüfung des ordnungsgemäßen                    • Zentralversorgungsdrücke
                                                                                                        • ggf. Flaschendrücke
                                                         Zustands und der Funktionsfähig-               • O2-Flush
Instandhaltungsmaßnahmen                                 keit des Narkosegerätes vor                    CO2 -Absorber                    geprüft
                                                                                                        • Befülldatum
und Sicherheitstechnische                                geplantem Betrieb                              • Farbumschlag
                                                                                                        • korrekter Sitz
Kontrollen (STK)                                         (Gerätecheck nach MPBetreibV)
                                                                                                        Anästhesiegasverdampfer          geprüft
                                                                                                        • Nullstellung
Nach § 7 MPBetreibV sind Instandhal-                    Die Prüfung des ordnungsgemäßen Zu-             • korrekter Sitz
tungsmaßnahmen unter Berücksichtigung                   standes und der Funktionsfähigkeit der          • Füllzustand
der Angaben des Herstellers durchzu­                                                                    • Füllöffnung verschlossen
                                                        Geräte durch den Anwender vor deren             • ggf. Strom
führen, der diese Angaben dem Medizin­                  Anwendung wird in § 4 Abs. 6 der                Sekretabsaugung                  geprüft
produkt beizufügen hat. Dazu zählen                     Medizinprodukte-Betreiberverordnung
u. a. STK, die gemäß § 11 Abs. 1 in                                                                     automatischer Selbsttest vorhanden:
                                                        (MPBetreibV) verbindlich gefordert.
Verbindung mit § 12 Nr. 4 MPBetreibV                                                                     Selbsttest
regelmäßig nach den allgemein aner-                     Auch wenn diese Forderung zunächst              automatischer Selbsttest nicht vorhanden:
                                                        klar und zweifelsfrei erscheint, ergeben         manuelle Prüfung
kannten Regeln der Technik durchzu-
führen sind. Soweit vom Hersteller nicht                sich in der Praxis Fragen, die hier in Form
anders vorgesehen, sind STK spätestens                  von Empfehlungen adressiert werden.              Selbsttest
alle zwei Jahre mit Ablauf des Monats                                                                   Selbsttestergebnis                  geprüft
durchzuführen, in dem die Inbetrieb-                    Was muss der Gerätecheck nach
                                                        MPBetreibV umfassen?                             manuelle Prüfung
nahme des Medizinproduktes erfolgte
                                                                                                        Gasdosier-
oder die letzte STK durchgeführt wurde.                 Wenn der Hersteller des Narkosegerätes          einrichtungen             Gasfluss geprüft
Kürzere Fristen für die STK (als 2-jähr­lich            in der Gebrauchsanweisung Angaben               ggf. O2 -Verhältnisregelung        geprüft
bzw. nach Herstellerangaben) sind vom                   zur Prüfung der Betriebsbereitschaft            Dichtigkeit Atemsystem
Betreiber vorzusehen, wenn aufgrund                     gemacht hat, sind diese zu befolgen. In         bei 30 mbar         Leckage
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                                 Special Articles            Guidelines and Recommendations

   im Bereich des Kohlendioxidabsorbers                      Gerätes vor Beginn der Arbeitszeit ablau­                 systemen.3 Deshalb gehört die Sicht-
   nicht anders erfasst werden. Dem Be­                      fen zu lassen.                                            prüfung auf korrekte Anbringung und
   treiber von Anästhesiegeräten wird                        Der vorverlagerte komplette Geräte­check                  Funktionalität der Schläuche mit zum
   emp­fohlen, die Angaben des Herstellers                   setzt allerdings zwingend voraus, dass                    herstellerunabhängigen Gerätecheck (vgl.
   zum Gerätecheck daraufhin zu prüfen,                      der Anästhesist vor der unmittelbaren                     Abb. 1).
   ob diese auch alle in Abbildung 1 ange­                   Anwendung, wie bei jedem Anschluss                        Die Funktionalität des Atemsystems
   geben Prüfschritte umfasst; sie sind ggf.                 eines Patienten an ein Narkosegerät,                      wird zusätzlich durch den obligaten
   entsprechend zu ergänzen.                                 einen Geräte-KURZcheck (siehe unten)                      Geräte-KURZcheck bei Anschluss eines
   Ein Prüfkriterium, nämlich ob das farb-                   durchführt, um Fehler, die zwischen dem                   Patienten an das Narkosegerät erfasst
   und geruchlose Gas, das als Sauerstoff                    Gerätecheck und dem Anschluss des                         (siehe unten).
   gegeben werden soll, wirklich Sauerstoff                  Patienten auftreten können (z. B. Diskon-
                                                             nektion und falsche Rekonnektion der
                                                                                                                       Muss nach Wechsel des Atem-
   ist, wird bisher nur von wenigen Anäs­
   thesiegeräten im integrierten Geräte-                     Beatmungsschläuche) zu erkennen.                          kalks der Gerätecheck wiederholt
   check erfasst und muss daher bei allen                                                                              werden?
                                                             Muss nach einem Wechsel der                               Der Atemkalkbehälter ist eine Schwach-
   anderen Geräten durch Messung der
   FiO2 er­folgen. Wegen seiner grundle­gen­                 Beatmungsschläuche der Geräte-                            stelle des integrierten Selbstchecks,
   den Bedeutung wird dieser Prüf­punkt in                   check wiederholt werden?                                  der viele Fehler nicht erfasst. Zugleich
   Form der FiO2-Kontrolle in den Geräte-                    Nach einem Schlauchwechsel zwischen                       ist diese Baueinheit in der Praxis eine
   KURZcheck integriert (siehe unten).                       zwei Anästhesien muss nicht der kom-                      häufige Fehlerquelle, die deshalb beson-
                                                             plette Gerätecheck wiederholt werden.                     derer Aufmerksamkeit bedarf.
   Wann ist der Gerätecheck nach                             Eine Sichtprüfung auf korrekte Montage                    Nach einem Wechsel des Atemkalks
   MPBetreibV durchzuführen?                                 des Schlauchsystems und ein Leckage-                      im laufenden Betrieb muss nicht der
   a) Immer dann, wenn ein Patient an­                       test sind ausreichend.                                    komplette Gerätecheck wiederholt wer-
      geschlossen werden soll und der                        Cave: Bei Geräten mit automatischer                       den, lediglich Dichtigkeit und Funktion
      letzte Gerätecheck mehr als 24 h                       Com­pliance/Resistance-Korrektur ist diese                (anhand der Kapnometrie) sind sicher-
      zurückliegt, ausgenommen Notfall­                      nach einem Schlauchwechsel falsch und                     zustellen.
      situationen.                                           muss an die neuen Schläuche an­        ge­
   b) Immer, wenn das Anästhesiegerät
                                                                                                                       Muss nach Wechsel des Anäs­
                                                             passt werden (z. B. nach Wechsel der
      dazu auffordert.                                       Schläuche für Erwachsene und Kinder,                      thesiemittel-Abgabesystems
   c) Immer nach Eingriffen in die Inte­                     Längenänderungen oder Austausch von                       ­(Vapors) der Gerätecheck wieder-
      grität des Gerätes (z. B. Wechsel des                  Expanderschläuchen). Häufig ist der                        holt werden?
      Patiententeils am Gerät, Wartungs-                     automatische Selbsttest des Gerätes                       Nein, aber bei unkorrektem „Sitz“ (Ver­
      arbeiten).                                             dann zu wiederholen. Falls ein auto-                      keilen) kann im Bereich der Konnek­
   d) Sinnvollerweise, um funktionsfähige                    matisierter Leckagetest mit integrierter                  tionsstelle eine Leckage vorliegen; Auf
      Geräte bereitstehen zu haben, vor                      Compliance-Korrektur verfügbar ist, ist                   eine korrekte Anbringung ist daher zu
      längeren Zeiträumen ohne Inbetrieb-                    dieser ausreichend.2                                      achten.4
      nahme (z. B. vor dem Wochenende,                       Cave: Die Beatmungsschläuche sind                         Im Übrigen werden auch Füllung und
      mindestens einmal wöchentlich).                        nicht unmittelbarer Bestandteil des Anäs­                 Funktion des Vapors nicht von allen
                                                             thesiegerätes im engeren Sinne. Deshalb                   automatisierten Selbsttests erfasst und
   Wie viel Zeit darf zwischen dem
                                                             umfassen die bei modernen Anästhe-                        müssen vom Anwender geprüft werden.
   Gerätecheck und dem Anschluss                             siegeräten integrierten Selbsttests nicht
   eines Patienten vergehen?                                                                                           Kann der Gerätecheck an nicht-
                                                             umfänglich die Beatmungsschläuche,
   Dieser Zeitraum wird willkürlich aber                     obwohl diese montiert und für den                         ärztliches Personal delegiert
   praxisbezogen auf 24 Stunden festgelegt.                  Leckagetest auch erforderlich sind. Typi­                 werden?
   Damit ist es möglich, den Gerätecheck                     sche Beispiele für unerkannte Fehler                      Die Durchführung des Gerätechecks
   bereits am Nachmittag des vorangehen­                     sind der Verschluss des Atemfilters, der                  nach MPBetreibV kann an ausgebildetes
   den Tages durchzuführen, ferner, einen                    Kurzschluss zwischen dem Inspirations-                    und am jeweiligen Gerät eingewiesenes
   eventuell vorhandenen, zeitlich program­                  und Exspirationsanschluss des Gerätes                     nicht-ärztliches Fachpersonal delegiert
   mierbaren automatisierten Selbsttest des                  und einige Fehler innerhalb von Koaxial­                  werden.

   2 Alle Änderungen am Atemsystem, sowohl beim Atemschlauchsystem als auch beim Patiententeil des Gerätes (z. B. Vaporwechsel, Austausch des Atemkalks) ändern des-
     sen Compliance. Dies ist insbesondere bei kleinen Atemvolumina relevant.
   3 Ein typischer Fehler von Koaxialsystemen ist ein Leck zwischen In- und Exspirationsschenkel; ein solches Leck kann nur mittels spezieller Tests ausgeschlossen werden,
     für die einige Hersteller spezielle Hilfsmittel anbieten.
   4 Aus diesem Grunde verlangen einige Hersteller nach einem Vapor-Wechsel einen automatischen Leckagetest.

                                                                                                  © Anästh Intensivmed 2019;60:75-83 Aktiv Druck & Verlag GmbH
Leitlinien und Empfehlungen                            Sonderbeiträge79

                                                    Guidelines and Recommendations                       Special Articles

                                                1) Orientierend wird die Gasfluss-Funk-                  Sauerstoffkonzentration gemessen wird
Geräte-KURZcheck bei Anschluss
                                                   tionalität des Atemsystems ge­   prüft,               und die Kapnometrie plausible Werte
eines Patienten an ein Narkose-                    dessen korrekte Montage und ob                        anzeigt. Mit Erlöschen der Schutzreflexe
gerät                                              große Leckagen bzw. Obstruktionen                     wird zunächst manuell/assistiert beat-
Auch nach abgeschlossenem Geräte-                  vorhanden sind.                                       met.
check nach MPBetreibV können noch               2) Anhand der FiO2-Messung wird veri­                    Patient in Narkose, z. B. nach Transport
Fehler vorliegen oder inzwischen neu               fiziert, dass das farb- und geruch­lose               aus der Einleitung in den OP: Der PaF-
aufgetreten sein. Beispiele sind:                  Gasgemisch, das dem Patienten                         Test ist vor Konnektion des Patienten
• falsches Gas in der Sauerstoffleitung            zu­geführt wird, genug Sauerstoff                     an ein anderes Gerät durchzuführen.6
   (z. B. durch Vertauschen der                    ent­hält.                                             Unmittelbar nach Anschluss des Patien-
   Leitungen im Gerät),                         3) Mittels Kapnometrie wird verifiziert,                 ten werden zunächst einige Atemzüge
• falsch gesteckte Atemschläuche                   dass die Lungen ventiliert werden.                    manuell/assistiert gegeben und es wird
   (z. B. Kurzschluss zwischen Inspira-         ad 1) Die Gasfluss-Funktionalität wird                   kontrolliert, ob die Messung der inspi­
   tion und Exspiration),                       zunächst durch einen kurzen „PaF“-Test                   ratorischen Sauerstoffkonzentration und
• defekter bzw. fehlender Handbeat­-            (Pressure and Flow) geprüft. Dazu wird                   die Kapnometrie plausible Werte zeigen.
   mungsbeutel,                                 am Narkosegerät der Beatmungsmodus                       Anschließend kann auf einen maschinel-
• Leckagen (z. B. Beatmungsschläuche,           „manuell/spontan“ gewählt und das                        len Beatmungsmodus gewechselt und das
   Wasserfallen, Handbeatmungsbeutel,           APL-Ventil auf einen Wert von 30 mbar                    Atemzugvolumen und die Kap­no­metrie
   CO2-Absorber),                               eingestellt. Der Handbeatmungsbeu­     tel               auch unter maschineller Beatmung über-
• verschlossener patientennaher Atem-           wird in die Hand genommen und die                        prüft werden.
   systemfilter (z. B. Produktionsfehler        Patientenanschlussöffnung ver­schlossen.                 Bei auffälligen Befunden wird die
   oder ausgestanzte Verpackungs­               Mit der Sauerstoff-Flush-Funk­tion werden                Verbindung zwischen Patient und
   materialien im Lumen),                       Atemsystem und Hand­beatmungsbeutel                      Narkosegerät wieder getrennt und eine
• fehlender Atemkalkbehälter oder               aufgefüllt. Bei manueller Kompression                    systematische Fehlersuche7 eingeleitet
   verbrauchter Atemkalk,                       darf sich der Handbeatmungsbeutel                        (vgl. Abb. 3). Beatmete Patienten werden
• defekter Atemkalkbehälter oder                nicht entleeren („Pressure“). Bei Wieder-                derweil mit dem obligatorisch vorzuhal-
   defekte Einrastvorrichtung, undichter        öffnung der Patientenanschlussöffnung                    tenden separaten Handbeatmungsbeutel
   Atemkalkbehälter,                            muss deutlich spürbar ein Gasstrom                       (mit Sauerstoffreservoir oder Sauerstoff-
• Leckage im Bereich der Anästhesie-            austreten („Flow“).                                      Demand-Ventil) beatmet.
   mittelverdampfer, z. B. durch nicht          Ferner werden vor dem Start einer ma-                    Die Sichtprüfung, ob dieses Zubehör
   verschlossene Füllöffnungen,                 schinellen Ventilation immer zumindest                   vorhanden ist, ergänzt die drei gerätebe-
• Anästhesiegasfortleitung nicht                einige manuelle/assistierte Atemhübe5                    zogenen Checks.
   angeschlossen oder fehlerhaft.               gegeben.
                                                                                                         Der KURZcheck gehört zu den genuinen
Deshalb ist immer, bevor ein Patient an         ad 2) und 3) Nach Verbindung des                         Aufgaben des Anästhesisten und ist nicht
ein Narkosegerät angeschlossen wird,            Pa­tienten mit dem Atemsystem wird                       delegierbar.
ein Geräte-KURZcheck durchzuführen.             ge­­prüft, ob eine ausreichende inspirato-
Dieser prüft drei essentielle Aspekte,          rische Sauerstoffkonzentration gemessen
um Fehler, die auch in der jüngeren Ver-        wird und die Kapnometrie plausible                        Handlungsempfehlungen für den
gangenheit zu fatalen Patientenschäden          Werte anzeigt.                                            korrekten Abschluss einer
geführt haben, zu vermeiden (Abb. 2):
                                                Anmerkungen:                                              Narkose im laufenden Betrieb
                                                Bei einer Narkoseeinleitung ist der                      Nach Abschluss einer jeden Narkose
 Abbildung 2                                    PaF-Test vor Beginn der Präoxygenie-                     sollte darauf geachtet werden, dass das
                                                rung durchzuführen. Mit Aufsetzen der                    Narkosegerät in einen Zustand gebracht
  Geräte-KURZcheck
                                                Ge­sichtsmaske wird ein Frischgasfluss                   wird, der dem Gerätezustand zu Beginn
  IMMER, wenn ein Patient an ein Anästhesie-
  gerät angeschlossen wird.                     von ≥2 l/min eingestellt. Geprüft wird,                  der vorausgegangenen Narkose ent-
  Separater Handbeatmungsbeutel                 ob eine ausreichende inspiratorische                     spricht:
  vorhanden?
  1. Funktion des Atemsystems
                                                5 Dabei wird nach Einstellen eines Frischgasflusses von ≥2 l/min unter Nutzung der Handbeatmungsfunktion
     • PaF-Test vor Anschluss des Patienten      und des Handbeatmungsbeutels „klinisch“ geprüft, ob eine ungestörte Ventilation durch das Atemsystem er-
     • einige manuelle Atemhübe vor              folgt.
        Beginn der maschinellen Beatmung
                                                6 Es kann vom Anästhesisten einige Minuten vor der Konnektion des Patienten an dem Gerät im OP-Saal durch-
  2. fließt O2 ? (FiO2 ?)                         geführt werden, wenn die Einleitung der Anästhesie an einem anderen Gerät erfolgt.
  3. kommt CO2 ? (etCO2 / Kapnographie)         7 Die Kenntnis der Fehlerursachen und ein Konzept für die systematische Fehlersuche sind eine Basiskompetenz
                                                  des Anästhesisten, die gelehrt und erworben werden muss.

© Anästh Intensivmed 2019;60:75-83 Aktiv Druck & Verlag GmbH
80                             Sonderbeiträge                    Leitlinien und Empfehlungen

                                      Special Articles            Guidelines and Recommendations

       Abbildung 3                                                                                                       • Gerät in den „Stand by“-Modus
                                                                                                                           schalten
           Systematik der Fehlersuche – Stenose im Atemsystem                                                            • Gerät in den Standardzustand
            Patient mit künstlichem Luftweg (Trachealkanüle, Endotrachealtubus, Larynxmaske, Gesichtsmaskea)               zurückversetzen
            UND                                                                                                          • Frischgasfluss beenden
            ungewöhnlich hoher Beatmungsdruck unter manueller oder kontrollierter Beatmung mit
            Narkosegerät
                                                                                                                         • Verdampfer schließen
                                                                                                                         • Wasserkondensat aus Atemsystem
           1. mit separatem Handbeatmungsbeutelb ohne Atemsystemfilter beatmen
                                                                                                                           (z. B. Wasserfallen) entleeren
              • leicht möglich
                Stenose im Bereich „Atemsystemfilter, Schläuche oder Gerät“                                               • danach: Sichtprüfung des korrekten
                prüfe: Y-Stück und Atemsystemfilter durchgängig?                                                           Anschlusses der Atemschläuche und
                       Atemschläuche richtig montiert, abgeknickt?                                                         der Handbeatmung
                       Wasserfallen korrekt integriert, nicht kurzgeschlossen?
                       Ventildysfunktion?                                                                                • korrekte und ordentliche Ablage des
              • erschwert oder nicht möglich  Schritt 2                                                                   Schlauchsystems und der Monitor-
           2. Absaugkatheter bis (LM) / über Tubusspitze vorschieben                                                       kabel am Narkosegerät
              • möglich                                                                                                  • Sichtprüfung der Verdampferfüllung
                Ursache lungenseits der Tubusspitze (z. B. Bronchospasmus)                                                 und des Zustandes des Atemkalkes,
              • erschwert oder nicht möglich                                                                             • Wechsel benutzter Sekretabsaug-
                Stenose im Bereich des „Tubus“
                prüfe: mobilisiere Atemweg: abgeknickt?                                                                    schläuche; Spülung/Reinigung des
                       distales Ende des Tubus anliegend? Cuffhernie?                                                      Absaugsystems
                       andere Okklusion von außen oder innen?                                                            • Wischdesinfektion der Oberflächen
                       (z. B. Schleim- oder Blutkoagel, Inkrustierung einer Trachealkanüle)
                                                                                                                           des Gerätes und des Zubehörs,
                                                  – Ende der Checkliste –
                                                                                                                           insbesondere der Handkontakt-
           Systematik der Fehlersuche – Leckage im Atemsystem                                                              punkte, inklusive Dichtstopfen für
                                                                                                                           die Patientenanschlussöffnung.
            Patient mit künstlichem Luftweg (Trachealkanüle, Endotrachealtubus, Larynxmaske, Gesichtsmaskec)
            UND                                                                                                          Diese Maßnahmen können an ausgebil-
            ungenügender Druckaufbau unter manueller oder kontrollierter Beatmung
                                                                                                                         detes und an den Geräten eingewiese-
           1. Frischgasfluss auf 12–15 l/min einstellen                                                                  nes nicht-ärztliches Personal delegiert
              Cave: Bei Verwendung des Sauerstoff-Flushs (geräteabhängig 25–75 L/min) zur Auffüllung des Atemsystems     werden.
              besteht für den am Narkosegerät angeschlossenen Patienten die Gefahr der Entwicklung ungewollt hoher
              Drücke und Tidalvolumina mit möglichem Baro- und/oder Volutrauma, vor allem bei Geräten ohne Frisch-
              gasflussentkopplung.
              • exspiratorisches Tidalvolumen ausreichend
                                                                                                                          Dokumentation
                Systematische Leckagesuche (vgl. Schritt 2)
                                                                                                                         Eine explizite Dokumentationspflicht für
              • exspiratorisches Tidalvolumen nicht ausreichend  Schritt 2
                                                                                                                         den Gerätecheck § 4 Abs. 6 MPBetreibV
           2. mit separatem Handbeatmungsbeutel ohne Filter beatmen
                                                                                                                         besteht nicht. Die Dokumentation dient
              • möglich
                Leckage im Bereich „Schläuche oder Gerät“
                                                                                                                         also lediglich dem individuellen bzw.
                prüfe: APL-Ventil korrekt eingestellt (z. B. 30 mbar)?                                                   institutionellen Nachweis im Falle einer
                       Atemsystemfilter: Probengas-Port offen?                                                           juristischen Auseinandersetzung.
                       Atemsystemfilter defekt?
                       Y-Stück: Probengas-Port offen?                                                                    Eine Kaskade in Richtung zunehmender
                       Atemschläuche korrekt montiert?
                       Atemschläuche defekt?                                                                             „Dokumentationssicherheit“ ist:
                       bei Koaxialschläuchen: „Shunt“ zwischen In- und Exspirationsteil?
                       Ventildysfunktion (z. B. fehlendes Ventilplättchen)                                               1) Keine Einzelfall-Dokumentation, we-
                       CO2-Absorber verkantet/defekt?                                                                    der dass der Check durchgeführt wurde
                       Vapor verkantet/defekt?                                                                           noch welche Punkte im Detail über­prüft
                       Probengaswasserfalle verkantet/defekt?
              • nicht möglich                                                                                            wurden. Aber der Gerätecheck ist in
                Leckage im Bereich des Atemweges                                                                         Form von Standards, Verfahrensanwei-
                prüfe: Tubus / Cuff undicht / defekt?                                                                    sungen o. ä. schriftlich niedergelegt,
                       ggf. supraglottischer Atemweg undicht
                                                                                                                         wobei Zeitpunkte und Umfang – ggf.
                                                  – Ende der Checkliste –                                                gerätespezifisch – detailliert festgelegt
                                                                                                                         sind UND dies derart festgelegte Vorge-
       a
          Bei schwieriger Maskenbeatmung aufgrund hoher Widerstände liegen die Ursachen meist beim Pa-
           tienten – ABER an Verlegungen im Bereich des Atemsystems muss auch gedacht werden.
                                                                                                                         hen auch die am Haus übliche Praxis ist.
       b
          Die Kommission empfiehlt dringend, an jedem Anästhesiearbeitsplatz einen separaten, selbstfül-                2) Dokumentation jedes einzelnen Ge-
           lenden Handbeatmungsbeutel mit Sauerstoffreservoir oder Demand-Sauerstoffquelle vorzuhalten.                  rätechecks im Sinne von: „Ich habe mich
       c
          Bei schwieriger Maskenbeatmung aufgrund ungenügenden Druckaufbaus ist die Ursache meist eine                  vom ordnungsgemäßen Zustand des
           ungenügend abdichtende Maske – ABER an Leckagen im Bereich des Atemsystems muss auch ge-
           dacht werden.                                                                                                 Gerätes überzeugt“, ohne dass die über-
                                                                                                                         prüften Punkte im Einzelnen aufgeführt

                                                                                                        © Anästh Intensivmed 2019;60:75-83 Aktiv Druck & Verlag GmbH
Leitlinien und Empfehlungen                  Sonderbeiträge81

                                                    Guidelines and Recommendations             Special Articles

                                                setzung. Eine Aufbewahrung über 30
werden, weder für den konkreten Check
                                                Jahre, wie bei Behandlungsunterlagen
                                                                                                Korrespondenzadresse
noch ganz allgemein in Form einer am
                                                gefordert, erscheint daher nicht erfor-
Hause existierenden Checkliste.                                                                 Prof. Dr. med. Thomas Prien
                                                derlich. Die modernen Anästhesiegeräte
3) Dokumentation jedes einzelnen Ge­            speichern die Daten des Selbstchecks            Klinik für Anästhesiologie,
räteschecks nach einer Checkliste, im           nur für eine gewisse Zeit, die im Bereich       operative Intensivmedizin und
Sinne von: „Ich habe mich vom ord­nungs­        von Monaten liegt.                              Schmerztherapie
gemäßen Zustand des Gerätes gemäß                                                               Universitätsklinikum Münster
hausüblichem Standard überzeugt.“                                                               Albert-Schweitzer-Campus 1
                                                Literatur
4) Dokumentation jedes einzelnen                                                                Gebäude A1
Schritts des Gerätechecks (vergleichbar         1. Arbous MS, Meursing AEE, van Kleef JW,       48149 Münster, Deutschland
der Luft­fahrt).                                   et al: Impact of Anesthesia Mana­gement
                                                                                                Tel.: 0251 8347255
                                                   Characteristics on Severe Morbidity
Im Übrigen dokumentieren die moder-                and Mortality. Anesthesiology 2005;102:
                                                                                                Fax: 0251 8348667
nen Anästhesiegeräte den (halb)automa-             257–268                                      E-Mail: prien@anit.uni-muenster.de
tischen Gerätecheck in ihrem Logbuch.           2. DGAI: Funktionsprüfung des Narkose­
Es sei allerdings nochmals darauf hin­             gerätes bei geplantem Betriebsbeginn,
gewiesen, dass der Gerätecheck nach                bei Patientenwechsel im laufenden
dieser Empfehlung umfangreicher ist.               Betrieb und im Notfall. Anästh Intensiv­
                                                   med 2006;47:57–62
Archivierung: Ebenso wie die Doku-              3. DGAI: Funktionsprüfung des Narkose­
mentation des Gerätechecks dient deren             gerätes zur Gewährleistung der Patienten­
Archivierung lediglich dem Nachweis                sicherheit. Anästh Intensivmed 2016;57:
im Falle einer juristischen Auseinander-           522–527.

 Zur 2019er Revision der DGAI-Empfehlung
 „Funktionsprüfung des Narkosegerätes zur Gewährleistung der Patientensicherheit“

 Die Kommission für Normung und technische Sicherheit der DGAI hat die Empfehlung zur Funktionsprüfung des Narkosegerätes
 aus dem Jahre 2006 im Jahre 2016 überarbeitet. Auf Grund der Novelle der Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV)
 zum 01.01.2017 ist eine neuerliche Revision erforderlich geworden. Hintergrund waren vor allem geänderte Referenzen in der
 Gesetzgebung und Analysen aus zwischenzeitlich bekanntgewordenen Zwischenfällen, zu deren Vermeidung entsprechende
 Strategien dargestellt werden. Im Vergleich zur Vorversion wurden nun atemsystemfilterbezogene Störungen mehr in den Fokus
 gerückt. Ferner wurde der KURZcheck, den der Anästhesist immer durchführen soll, wenn er einen Patienten an ein Narkosegerät
 anschließt, für alle Situationen vereinheitlicht.
 Die wichtigsten Aspekte und Änderungen zur Initialfassung in Kürze:
 Statt drei nur noch zwei Funktionstests
 Die bisherige Empfehlung sah drei verschiedene Arten der Funktionsprüfung vor: den „Gerätecheck A“ als gründliche Funktions-
 prüfung des Gerätes, zum Beispiel bei morgendlicher Inbetriebnahme, den „Gerätecheck W“ bei Patientenwechsel im laufenden
 Betrieb und den „Gerätecheck N“ bei notfallmäßiger Inbetriebnahme eines Anästhesiegerätes. Die aktualisierte Fassung sieht
 neben der nach Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV) erforderlichen gründlichen Funktionsprüfung nur noch einen
 Geräte-KURZcheck vor. Dieser KURZcheck ist auch bei notfallmäßiger Inbetriebnahme eines Anästhesiegerätes durchzuführen
 und ersetzt insofern den „Gerätecheck N.“
 Der Geräte-KURZcheck ist IMMER durchzuführen, wenn ein Patient an ein Anästhesiegerät angeschlossen wird
 Der „Gerätecheck W“ der bisherigen Empfehlung war für die kurze Funktionsprüfung des Anästhesiegerätes bei Patientenwechsel
 im laufenden Betrieb vorgesehen. Damit sollen a) essenzielle Funktionen geprüft und b) Fehler erkannt werden, die – z.B. im
 Bereich der Beatmungsschläuche – zwischenzeitlich aufgetreten sind. Da diese Fehler aber auch nach der gründlichen Funktions-
 prüfung bis zum Anschluss des ersten Patienten passieren können, ist es sinnvoll, einen KURZcheck IMMER durchzuführen, wenn

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   Funktionsprüfung des Narkosegerätes zur Gewährleistung der Patientensicherheit – Fortsetzung von vorheriger Seite

       ein Patient an ein Anästhesiegerät angeschlossen wird. Er erfordert nur wenige Augenblicke und Handgriffe: so wird sichergestellt,
       dass der Patient mit Sauerstoff versorgt und ventiliert wird.
       Kern des GeräteKURZchecks ist, IMMER, wenn ein Patient an ein Anästhesiegerät angeschlossen wird, drei Dinge zu prüfen:
       Funktion des Atemsystems, FiO2 und Kapnometrie.

       „PaF“-Test zur Prüfung des Atemsystems
       Die Funktionsfähigkeit des Atemsystems kann orientierend mit wenigen Handgriffen und in wenigen Augenblicken geprüft werden
       (Pressure-and-Flow-Test): Dazu wird am Narkosegerät der Beatmungsmodus „manuell/spontan“ gewählt und das APL-Ventil auf
       einen Wert von 30 mbar eingestellt. Der Handbeatmungsbeutel wird in die Hand genommen und die Patientenanschlussöffnung
       verschlossen. Mit der Sauerstoff-Flush-Funktion werden Atemsystem und Handbeatmungsbeutel aufgefüllt. Bei manueller Kom-
       pression darf sich der Handbeatmungsbeutel nicht entleeren („Pressure“); bei Wiederöffnung der Patientenanschlussöffnung muss
       deutlich spürbar ein Gasstrom austreten („Flow“).
       Mit dem PaF-Test versichert sich der Anästhesist haptisch von der Funktionsfähigkeit des Atemsystems. Die haptische Wahrneh-
       mung von „Pressure“ und „Flow“ ist insbesondere in komplexen klinischen Situationen anderen, stärker kognitiv ausgerichteten
       Prüfmethoden überlegen.
       Ein normal verlaufender PaF-Test schließt große Leckagen, Verlegungen und falsche Konfigurationen des Atemsystems aus; aller-
       dings können bei Koaxial-Atemschläuchen keine Shunts zwischen In- und Exspirationsteil detektiert werden.

       Kapnometrie mit in den KURZcheck aufgenommen
       Zwei für die Patientensicherheit essenzielle Funktionen, die nicht Gegenstand der gründlichen Funktionsprüfung des Anästhesie-
       gerätes nach MPBetreibV sein können, werden mit dem Geräte-KURZcheck geprüft:
       Erstens: „Fließt Sauerstoff?“, was anhand einer Messung der inspiratorischen Sauerstoffkonzentration verifiziert werden muss
       (Gasartenerkennung).
       Zweitens: „Sind die Lungen des Patienten ventiliert?“, was anhand einer Messung der exspiratorischen Kohlendioxidkonzentration
       verifiziert werden muss.
       Der bisherige kurze Check wurde um diesen Prüfschritt ergänzt.

       Blick auf den separaten Handbeatmungsbeutel mit in den KURZcheck aufgenommen
       Die zuletzt bekannt gewordenen Zwischenfälle lassen ein gemeinsames Muster erkennen: erstens lag ein Fehler im Bereich der
       Patientenschläuche vor, der vor Anschluss des Patienten an das Anästhesiegerät nicht erkannt wurde, weil kein KURZcheck durch-
       geführt worden war. Zweitens wurde bei den dann auftretenden Beatmungsproblemen nicht schnell genug auf den separaten
       Handbeatmungsbeutel gewechselt. Um die Bedeutung dieses Schrittes hervorzuheben, wird die Sichtprobe „Ist ein separater
       Handbeatmungsbeutel am Arbeitsplatz vorhanden?“ als zusätzlicher Prüfschritt vor die drei gerätebezogenen Checks gesetzt.

       Vorgehen beim KURZcheck jetzt einheitlich
       In der 2019er Fassung dieser Empfehlung wird die Bedeutung des KURZchecks stärker hervorgehoben. Auf die zuletzt vorge-
       schlagene differenzierte Durchführung in verschiedenen klinischen Situationen wurde nun verzichtet, um durch Vereinfachung die
       Übernahme in die anästhesiologische Routine zu fördern.
       (Rückblick: Zunächst war als Reaktion auf die Lachgas-Todesfälle vor ca. 15 Jahren ein Gerätecheck „W“ wie „Wechsel“ gefor-
       dert worden, bei dem die Funktion des Atemsystems unter Handbeatmung, was nur beim bereits narkotisierten und beatmeten
       Patienten möglich ist, geprüft wurde. Bei einer Anästhesieeinleitung muss man sich aber vorher von der korrekten Funktion des
       Atemsystems überzeugen; dem wurde in der 2016er Empfehlung durch Beschreibung eines kurzen, orientierenden Tests ohne
       Einsatz einer Testlunge Rechnung getragen.)
       Die Funktion des Atemsystems wird nun einheitlich in zwei Schritten geprüft: Zunächst wird vor dem Anschluss des Patienten ein
       PaF-Test durchgeführt. Nach dem Anschluss des Patienten werden dann zunächst einige manuelle Atemhübe mit dem integrierten
       Handbeatmungsbeutel gegeben. Dabei werden die FiO2 und die Kapnometrie kontrolliert.
       Gegen die obligate Durchführung des PaF-Tests mag eingewendet werden, dass man in bestimmten Situationen, wie der Fahrt
       aus der Einleitung in den OP-Saal, die Apnoezeit verlängert; das kann man aber dadurch vermeiden, dass man dieses Manöver
       unmittelbar vor dem Abdocken aus der Einleitung durchführt.

                                                                                    © Anästh Intensivmed 2019;60:75-83 Aktiv Druck & Verlag GmbH
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Funktionsprüfung des Narkosegerätes zur Gewährleistung der Patientensicherheit – Fortsetzung von vorheriger Seite

 Die nun (wieder) obligatorisch geforderte kurze Handbeatmung vor Beginn einer maschinellen Beatmung knüpft an die Initial-
 fassung dieser Empfehlungen aus dem Jahre 2006 an. Die Handbeatmungsfunktion soll zusätzlich geprüft werden, weil sie eine
 wichtige Maßnahme zur Überbrückung bzw. Detektion sowohl technischer als auch klinischer Probleme darstellt und weil sie
 eine zusätzliche haptische Information über die Interaktion von Atemsystem und den Atemwegen des Patienten gibt.

 Der automatische Selbsttest reicht nicht
 Der Anwender hat sich laut MPBetreibV vor Anwendung eines Medizinproduktes (z.B. eines Anästhesiegerätes) von der Funktions-
 fähigkeit und dem ordnungsgemäßen Zustand des Medizinproduktes zu überzeugen. Er hat die Angaben über die Funktionsprüfung
 in der Gebrauchsanweisung und die beigefügten sicherheitsbezogenen Informationen zu beachten. Moderne Anästhesiegeräte
 nehmen dem Anwender einen Teil der erforderlichen Prüfschritte in Form automatisierter Selbsttests ab; Prüfschritte, die nicht
 automatisiert werden können, werden im Dialog mit dem Anwender abgefragt und müssen von diesem bestätigt werden.
 Dazu zählen auch Prüfungen im Bereich des Kohlendioxidabsorbers, der Narkosegasdosierer und der Atemschläuche. Werden
 diese nicht sorgfältig durchgeführt, können Probleme auftreten.
 Ein Beispiel: „Sind die Beatmungsschläuche richtig konnektiert?“ Eine Fehlkonnektion im Bereich der Wasserfallen, mit Kurzschluss-
 Verbindung der geräteseitigen Schlauchstücke über die eine Wasserfalle und der beiden patientenseitigen Schlauchstücke über
 die andere Wasserfalle, wird im Selbsttest des Gerätes nicht erkannt. Bei Konnektion des Patienten ist keine Beatmung möglich.
 Wenn dann der Fehler nur beim Patienten gesucht wird, weil das Gerät ja „geprüft“ wurde und daher nicht fehlerhaft sein kann,
 geht wertvolle Zeit verloren.
 Derartige Fehler können auch NACH der kompletten Funktionsprüfung, z.B. im laufenden Betrieb, noch auftreten. Dies zu de-
 tektieren ist auch Sinn des Geräte-KURZchecks, der immer dann gemacht werden soll, wenn ein Patient an ein Anästhesiegerät
 angeschlossen wird.
 Lässt sich der Patient beim Geräte-KURZcheck nicht problemlos manuell beatmen, sollte nach den in die Empfehlung aufge-
 nommenen Algorithmen zur Fehlersuche vorgegangen werden, situationsabhängig entweder nach dem „Stenose“- oder dem
 „Leckage“-Algorithmus.

 Checklisten für Beatmungsprobleme
 Die Algorithmen für die Fehlersuche bei „Stenose“ oder „Leckage“ wurden hinzugefügt, weil kritische Zwischenfälle zeigen, dass
 nicht alle Anästhesisten in solchen Fehlersituationen systematisch vorgehen und Fehlerursachen nicht oder erst spät finden. Diese
 Algorithmen sollten wie das ABC der Wiederbelebung zu den Basisprozeduren eines Anästhesisten zählen.

 Bei schwieriger Maskenbeatmung: Auch an technische Ursachen denken!
 Probleme bei der Maskenbeatmung sind meist auf Ursachen beim Patienten (im Falle von hohen Widerständen) oder bei der
 Abdichtung zwischen Gesicht und Maske (im Falle von Leckagen) zurückzuführen. Aber hin und wieder gibt es auch technische
 Ursachen, an die gedacht werden muss. Typische Beispiele sind Leckagen (z. B. Schlauch am Gerät disloziert) oder Obstruktionen
 im Atemsystem (z. B. verstopfter Filter). Diese Fehler werden im Rahmen des Geräte-KURZchecks erkannt, WENN der Geräte-
 KURZcheck – wie empfohlen – vor Beginn der Präoxygenierung durchgeführt wird.
 Sollte der Geräte-KURZcheck, aus welchen Gründen auch immer, nicht erfolgt sein, muss man irgendwann im Verlauf des persön-
 lichen Algorithmus „schwierige Maskenbeatmung“ eben auch technische Ursachen prüfen.
 Das Vorgehen bei schwieriger Maskenbeatmung ist in der S1-Leitlinie „Atemwegsmanagement“ dargestellt (AWMF-Register Nr.:
 001/028); technische Ursachen werden darin nicht berücksichtigt. Da die Luftwegssicherung die Domäne des Wissenschaftlichen
 Arbeitskreises „Atemwegssicherung“ der DGAI ist, hat die Kommission für Normung und technische Sicherheit keinen Vorschlag
 für einen separaten Algorithmus „Schwierige Maskenbeatmung“ gemacht.
 Technische Ursachen für ungewöhnlich hohe Atemwegswiderstände oder Leckagen müssen jedoch geprüft werden. Sind diese
 aufgrund der Umstände in der konkreten Situation wahrscheinlich, aber nicht unmittelbar zu finden und zu beheben, ist auf die
 Rückfallebene „separater Handbeatmungsbeutel“ OHNE Filter auszuweichen. Ist die Maskenbeatmung damit möglich, kann dann
 systematisch nach der Fehlerursache gesucht oder ein Ersatzgerät eingesetzt werden.

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